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M A G A Z I N f ü r FA H R R A D K U LT U R

www.velosophie.at

01-2010 FRÜHLING

TIS! A R G

ALLE EVENT-HIGHLIGHTS ARGUS BIKE FESTIVAL 10./11. APRIL IN WIEN BERLIN, PEKING

… UND RADFAHR-NEWS FROM AROUND THE WORLD

GIRL.PEDAL.POWER.

BRITISCHE RADLERINNEN EROBERN DIE STRASSEN

ELEKTRO-FAHRRÄDER TESTEN, BLOGGEN UND GEWINNEN DIE E-BIKE INITIATIVE VON WIEN ENERGIE


BROOKS

CYCLE BAGS

BRICKLANE ROLL UP PANNIERS & HOXTON BASKET

“THEY FOLD NEATLY AWAY”

Gwyn, London, England photographed on her Pashley Princess Read more riders’ comments on Brooks Cycle Bags at: www.brooksengland.com/gwyn Available online or at your nearest Brooks Dealer of Excellence


velotorial

FRAUENPOWER UND FAHRRADFRÜHLING

YES WE CAN RADFAHREN! velosophie schlägt auch diesen Frühling wieder die schönsten Seiten internationalen Fahrradlebens auf. Denn das ist unser selbstgewählter Auftrag: Zu zeigen, wie vielfältig und begeisternd Radkultur sein kann! Dazu begibt sich velosophie in dieser Ausgabe in verschiedener Herren – und Damen – Länder. Gerade Frauen empfinden nämlich Stress und Druck im städtischen Verkehr als so störend, dass sie deutlich weniger zum Verkehrsmittel Fahrrad greifen als Männer. Umso mehr Begeisterung und Selbtsbewusstsein gehört dazu, sich so im Stadttrubel zu behaupten wie jene Schülerinnen, die gemeinsam die Straßen der englischen Stadt Darlington eroberten (S.22). So bestätigt sich immer wieder die bekannte Aussage von Feministin Rosa Mayreder: „Das Fahrrad hat mehr zur Emanziaption der Frauen beigetragen als alle Bemühungen der Frauenbewegung.“ Historisch bedingte Männersache war jedoch noch die Teilnahme an den frühen Radrennereignissen des 19. Jahrhunderts. velosophie ist in die Vergangenheit geradelt und hat sich ins Starterfeld der ersten Distanzfahrt Wien–Berlin begeben, die 1893 stattfand (S.6). Zu jenen Zeiten nahm eine technische Entwick-

lung ihren Anfang, deren aktueller Zwischenstopp in der Evolutionsgeschichte für die Teilnehmer jener Rennen unvorstellbar gewesen wäre. Nicht nur, dass Zauberwerk wie Freilauf oder Gangschaltung in weiter Ferne lagen, sondern: Fahrräder, die wie von selber fahren? Genau das tun nämlich Elektroräder, und ihnen widmen wir einige Seiten (S.10). Dazwischen streuen wir wie immer Fahrrad-affine Neuigkeiten aus aller Welt, lauschen unserer neuen Kolumnisitin Tante Raja und porträtieren Alltagsradlerinnen wie Kym aus Brooklyn, die sich ebenso im Verkehr behauptet wie Lauren aus Darlington. Diese meint: „Radfahren hat mein Leben verändert, meine Art zu denken – ich bin jetzt einfach viel selbstbewusster!“ Das Fahrrad funktioniert also als angewandtes Beförderungsmittel der Emanzipation – und Verkehrsmittel emanzipierter Frauen und Männer. Bewege dich frei, unabhängig und individuell per Fahrrad durch die Straßen deiner Stadt, und du wirst aufblühen, ob Mann oder Frau, wie die Blumen im Frühling! Meint etwas euphorisiert vom ungewohnten Sonnenschein und benebelt vom Pollenflug eure velosophie und für diese stellvertretend: Alec Hager, Chefredakteur

INTO THE EAST

FOTOS: viktor strasse, phil dixon

Timo Pritzel hat einen sehr unchinesichen Zugang zum Thema Radfahren, alleine schon deshalb, weil er Berliner und Mountainbike-Profi ist. Für velosophie öffnet er seine Tagebuch-Notizen und berichtet Rad fahrend aus Peking und HK. S.42

RADHISTORIE

GIRLPOWER

1893 fand die erste DistanzFahrt von Wien nach Berlin statt. Ohne Ruh‘ und Rast kurbelten Holzknechte und Herrenreiter auf starr übersetzten Velocipeden über holprige Landstraßen gen Norden. velosophie blickt auf diese Ära zurück. S.6

Die britische Verkehrsrealität gebärdet sich nicht sehr fahrradfreundlich. Dennoch entstand in der Stadt Darlington eine Initiative für junge Alltagsradlerinnen, die sich ihren Platz im Verkehr erkämpfen. velosophie berichtet begeistert. S.22 velosophie.at

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velocontents

IN DIESER AUSGABE 6

SCHLAFLOS SCHNELLER 1893 FAND DIE ERSTE

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E-BIKE INITIATIVE TESTEN, BLOGGEN UND

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VELOZINE NEUIGKEITEN, NÜTZLICHES UND

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GIRL.PEDAL.POWER GEMEINSAM AUF DEM

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VELOSOPHER VERKEHRSFORSCHER PROFESSOR

30 34 38 40 42 48 50 20

DISTANZFAHRT WIEN–BERLIN STATT

GEWINNEN. ANMELDUNG AB 10. APRIL 2010

WISSENSWERTES AUS DER WELT DES FAHRRADS

FAHRRAD SELBSTBEWUSSTSEIN TANKEN

RISSER FÄHRT AUCH BEI ROT ARGUS BIKE FESTIVAL DIE PROGRAMMHIGHLIGHTS BEIM MEGA-EVENT IN WIEN VELOCITY BERICHTENSWERTES AUS DEN FAHRRADSTÄDTEN DIESER WELT VELOPORT BIKES, DIE UNS GEFALLEN VELOSTYLE DINGE, DIE WIR VIELLEICHT BRAUCHEN UND SICHER MÖGEN INTO THE EAST DER BERLINER MOUNTAINBIKEPROFI TIMO PRITZEL IN PEKING UND HONGKONG VELOART ADAM TURMAN, TWIN CTY CYCLIST VELOVERSE TANTA RAJA LEGT SICH INS ZEUG

IMPRESSUM

FOTO: bicyclefilmfestival.com

COVER-ART: ADAM TURMAN

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Aus den Anfängen des Radsports

SCHLAFLOS SCHNELLER 1893 FAND DIE ERSTE DISTANZFAHRT WIEN–BERLIN NON-STOP STATT. DAS FAHRRAD ÜBERZEUGTE AUF GANZER STRECKE. text PETRA STURM

F

art RALF HAUSER

rühmorgendlicher Start am 29. Juni 1893 in Wien-Floridsdorf unter großem öffentlichem Publikumsaufgebot und Polizeischutz. Ein Jahr davor war die Distanz zu Pferd in 72 Stunden bewältigt worden, das Siegerpferd war im Ziel tot zusammengebrochen, jetzt: Die gleiche Strecke per Rad. 117 Fahrer gehen in Gruppen zu zehn eingeteilt und von tausenden Wienern angefeuert in fünfminütigem Takt an den Start. Die Teilnehmer, entweder Berufsfahrer oder einfache FahrradclubMitglieder, jedenfalls aber allesamt kräftige Haudegen, erscheinen bekappt, in Baumwolle und Wind und Wasser abweisendes Loden gekleidet. Vor ihnen liegen 582,5 Kilometer. Pacemaker helfen ihnen, ihr Tempo zu halten. Sie müssen den holprigen, schlechten Straßen in Österreich trotzen, stoisch strampelnd Regen und heftige Gewitter in Böhmen aushalten und dabei stets den mit Zeichen abgesteckten Weg im Auge behalten, was manche in der Nacht trotz lichtstarker Laterne aus dem Rennen wirft. Die Vorgabe ist klar: Schnurstracks und non-stop, ohne Schlaf und Rast, an das Endziel BerlinTempelhof zu gelangen, abgesehen von vorgeschriebenem Halt an Kontrollstationen inklusive etwaiger dort nötiger medizinischer Versorgung, Verpflegungs-, und Reparaturmöglichkeiten. Nach 31 Stunden, einer Minute und 22 Sekunden fährt der schnauzbärtige, 32jährige Bayer Josef Fischer, eine der ersten deutschen Radsportlegenden, im Ziel ein und wird feuchtfröhlich mit einem silbernen Humpen prämiert. Der Grazer Josef Gerber wird als bester Österreicher mit drei Stunden Rückstand Drittplatzierter Die Sensation ist perfekt. Per Velociped schier unglaubliche 40 Stunden schneller am Ziel als Sieger Graf Star-

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hemberg samt Pferd bei dem Distanzritt auf der gleichen Strecke ein Jahr davor! Das gab dem Fahrrad eine ganz neue Aura des Unbesiegbaren und Unverwüstlichen. Ein maßgeblicher Schönheitsfehler von Pferderennen auf große Distanzen – Strecke absolviert, Pferd tot – konnte von den Drahteseln ausgemerzt werden. Die frühen Rennmaschinen und ihre Fahrer erwiesen sich als äußerst robust, neben dem Sieg gereichte ein Zieleinlauf ohne Reifenwechsel, Nachpumpen oder sonstigen technischen Gebrechen einer Fahrrad- oder Reifenherstellermarke zum besonders nachhaltigen Qualitätsbeweis. Das entdeckte Werbe- und Marketingpotential von erfolgreichen Rädern wurde wie im Fall von Wien–Berlin noch Monate nach dem Rennen von den Herstellern in Annoncen ausgekostet. Überregional und von mehreren Fahrradverbänden gemeinsam organisiert, war Wien–Berlin ein spektakulärer Großevent, der dem Fahrrad im gesamten deutschen Sprachraum zu einem Aufschwung verhalf, Fahrradindustrie und Tourentourismus ordentlich ankurbelte und nicht zuletzt die beiden Großstädte näher aneinander rücken ließ, nur noch eine 32-stündige Fahrradfahrt voneinander entfernt. Das ausschlaggebende Erfolgsrezept stellte die Geschwindigkeit dar. Dem Bicycle gelang die Wandlung von der bestaunten Massenattraktion und vom Erreger öffentlichen Ärgernisses auf offener Straße zum optimalen Straßengefährt und damit auch zur Massentauglichkeit. Es zeigte vor allem auch: Das Fahrrad hat seine moderne Form vorläufig gefunden. Das Niederrad hatte auf lange Sicht – auch in puncto Schnelligkeit – den Sieg über das weitaus strapaziösere Hochrad davon ge-


tragen. Die markantesten neuen Errungenschaften wie Hinterradkettenantrieb (Vorzeigemodell: der Starley Rover von 1885) und aufblasbare Gummibereifung (ab 1888 dank Mr. Dunlop) trugen zum Geschwindigkeitsgewinn bei, auch wenn die Straßenbeschaffenheit selbst – besonders in Österreich – noch jenseits von geebnet und reifenfreundlich war. Die einzelnen Radmodelle differenzierten sich weiters nach ihrer Funktionalität von der schnittigen Straßenrennmaschine mit ebenso schnittigen Namen wie etwa Puch-Racer über das kotflügelbehaftete Tourenrad zum soliden Alltagsradklassiker aus. Die physischen Anstrengungen, denen die Distanzfahrer ausgesetzt waren, wären heutigen Radrennsportlern – abgesehen von einigen speziellen Trophies mit härterer Gangart – eher unzumutbar. Zur Zeit von Wien–Berlin schwankte die medizinische Fachmeinung über die Auswirkungen von Schweißausbruch und erhöhtem Pulsschlag noch auf Jahre zwischen gesundheitsförderlich und -ruinierend hin und her, bei den Ernährungsratschlägen gab man sich trotzdem sicher. Zu viel trinken sollte man zwecks der Schweißvermeidung prinzipiell unterlassen. Zur Stärkung der strapazierten Rekord- und Tourenfahrer waren aber Weißwein, Whisky, Kola(!) oder ähnliche Extrakte nebst der strikten Unterlassung von kohlenhydratreichen Lebensmitteln äußerst dienlich, so zumindest laut „Handbuch des Radfahr-

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Sports. Technik und Praxis des Fahrrades und Radfahrens“ (1895). Der Danziger Radrennfahrer Hans Ludwig vertraute bei der Zweitauflage von Wien–Berlin 1908 auf Kaffee gegen seine Magenschmerzen, Himbeersaft mit Wasser, Himbeeren mit Reis und der Kraft von drei ausgesaugten Orangen, um die Fahrt durchzustehen. Die Distanzfahrten nehmen in der Radsportgeschichte einen speziellen Platz ein. Anders als bei den durchgeplanten Rekordfahrten, wo ein einzelner Radler unter medialer Aufmerksamkeit weite Distanzen überbrückten (so zum Beispiel 1893 St. Petersburg– Paris in 15 Tagen) oder organisierten Abenteuerfahrten einzelner Clubs (eine der ersten war 1869 London– Brighton), wurden diese Rennen mit Massenstart, unter der Prämisse konkurrierender Zeitmessung und unter gleichen Bedingungen, durchgeführt. Etappenstopps oder Nachtruhe gab es noch nicht. Wien–Berlin zählt zwar im Gegensatz zu seinem Vorgänger Paris–Bordeaux (1891) nicht zu den heutigen Weitstreckenklassikern und unterscheidet sich auch in Ausführung und Stil von den späteren großen Etappen-Touren wie etwa der Tour de France, die 1903 erstmalig startete. Es sind aber diese frühen Dauerfahrten, die dem Rad im öffentlichen Bewusstsein die Straßen erobern lassen und den steinigen Weg für spätere weitaus reibungslosere Rennradtouren ebnen. Wer weiß, vielleicht folgt ja bald eine Neuauflage … vs


Demner, Merlicek & Bergmann

Entdecken Sie Radfahren neu.

Beim großen Wien Energie E-Bike Test. E

test-Bikes gew en und inne blog .wie n nen ergi : e.at

Wien Energie sucht 50 sportliche und umweltbewusste E-Bike TestfahrerInnen, die vom 01.06. bis 31.07.2010 spannende Aufgaben mit dem E-Bike erfüllen und darüber im Internet berichten. Melden Sie sich ab 10.04.2010 auf blog.wienenergie.at als TestfahrerIn an oder verfolgen Sie die Erlebnisse der FahrerInnen im Internet mit.

www.wienenergie.at

Wien Energie, e ein Partner der Ene EnergieAllianz Austria.


Die E-Bike Initiative von Wien Energie

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Selbstverständlich sollten E-BikeTesterInnen dem Testbetrieb auch ein gewisses Zeitbudget zur Verfügung stellen können: Auf den Wegen des Alltags kann das E-Bike ja sogar helfen, Zeit zu sparen – aber Zeit ist definitiv einzuplanen, um regelmäßig OnlineTagebuch führen zu können. Diese Blogs auf blog.wienenergie.at stellen das Herzstück der E-Bike Initiative dar. Via Blog können persönliche Testurteile und Eindrücke vom E-Bike und rund ums E-Biken abgegeben und Erfahrungen mit anderen TesterInnen ausgetauscht werden. Regelmäßig zu bloggen ist auch deshalb wichtig, weil ein Publikums-Voting ab 1. Juli darüber entscheiden wird, welche fünf der 50 TesterInnen am Ende der Initiative ihr E-Bike von KTM als Gewinn erhalten. Während des E-Bike-Testbetriebs stehen auch Community-Treffen am Programm, z.B. ein Fahrtechnik- und Geschicklichkeits-Training beim Initiative-Partner ARBÖ, gemeinsame Radtouren, Vorträge zu Themen wie Verkehrssicherheit etc. Und Partytime ist auf der legendären Summerstage am Wiener Donaukanal angesagt mit einem eigenen Event am 18. Juli. Damit auch wirklich alle TesterInnen dabei sein können, sind die Termine businessfreundlich angesetzt. Übrigens werden die TesterInnen von Wien Energie und den Partnern der E-Bike Initiative bestens mit Helm, Trikot, Handy etc. ausgestattet und können diese Goodies auch nach dem Test behalten.

eREALITY IN VELOSOPHIE, DAS BRINGT FOLGE 2

Wien Energie sucht 50 TesterInnen für die E-Bike Initiative – den größten Elektro-Fahrrad-Test, den es bisher gegeben hat. Vom 10. April bis 6. Mai 2010 sind die Online Gates für die Anmeldung geöffnet. Zwei Wochen später werden die 50 TeilnehmerInnen feststehen. Danach folgt die Übergabe der E-Bikes. Der zweimonatige Testbetrieb kann starten. Welche BewerberInnen haben’s über das Casting geschafft und sind dabei im Testteam? Welche Aufgaben warten auf die TesterInnen? Wie fühlen sich die ersten Kurbelumdrehungen am E-Bike an? Und welche AusstattungsGoodies haben die zahlreichen PartnerUnternehmen der E-Bike Initiative in die große Tasche gepackt? Die nächste Ausgabe von velosophie erscheint Mitte Juni, als Beilage zur Tageszeitung „Der Standard“ am 16.6.2010. Die E-Bike Initiative von Wien Energie in Partnerschaft mit: Almdudler, Ankerbrot, ARBÖ, Forstinger, Intersport Eybl, KTM, Löffler, Polar, T-Mobile, Urlaubsspezialisten – Road Bike Holidays , Uvex, Veloce, Wiener Städtische

FOTOS: kurtpinter.com

TesterInnen werden in Wien die Wege des Alltags demnächst per ElektroFahrrad zurücklegen. Getestet wird dabei nicht nur das E-Bike selbst – das attraktive Top-Modell eCross aus dem umfangreichen E-Bike-Programm von KTM –, sondern auch die Tauglichkeit des „Radfahrens mit eingebautem Rückenwind“ zwischen Wohn- und Arbeitsort, zwischen Einkäufe erledigen und Freizeit genießen. Gleichzeitig wird der aktuelle Trend auf seine Haltbarkeit geprüft: Können E-Bikes zu einem Eckpfeiler zukünftiger Mobilität in den Städten werden, damit zum Klimaschutz und zur Lösung der Verkehrsproblematik beitragen? Und macht das Fahren mit dem E-Bike tatsächlich auch Spaß oder ist es nur vernünftig? Damit der Aufruf an alle, die sich für Elektro-Fahrräder interessieren, sich gerade zu interessieren beginnen und beim E-Bike-Test gerne mitmachen würden, ihre Bewerbung ab 10. April bis zum 6. Mai auf blog.wienenergie.at abzugeben. Der Casting-Bogen kann auch im Internet downgeloadet werden und wird außerdem beim Argus Bike Festival Wien am 10./11. April verteilt. Wer im internen Casting ausgewählt wird, entscheidet nicht der Zufall. Dazu ein kleiner Tipp, sozusagen eine „Ausfüllhilfe“ für den Bewerbungsbogen: Ein originelles Statement, aus welchen Gründen man besonders gerne am E-Bike-Test teilnehmen würde, kann da nicht schaden …

PROMOTION

START ZUR REALITY-SERIE IN VELOSOPHIE: ELEKTRO-FAHRRÄDER ZWEI MONATE LANG IM ALLTAG TESTEN, BLOGGEN UND GEWINNEN: DER AUFTAKT ZUR E-BIKE INITIATIVE ERFOLGT BEIM ARGUS BIKE FESTIVAL WIEN, DIE ANMELDUNG FÜR DAS CASTING STARTET AB 10. APRIL 2010 AUF BLOG.WIENENERGIE.AT


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kommentar AKTUELLE MEINUNG ZU AKTUELLEN THEMEN

NEWCOMER

VORNE BLEIBEN IM MAINSTREAM

WER SCHON IMMER ANS FAHRRAD GEGLAUBT HAT, SOLLTE DAS AUCH WEITERHIN TUN UND SICH NICHT VOR DER KOMMERZIALISIERUNG DES RADFAHRENS FÜRCHTEN. Fahrrad ist das neue Cabrio. Fahrrad ist das neue Motorrad. Rad zu fahren ist der Ausdruck eines modernen, nachhaltigen Lebensstils. Das Image des Radfahrens und des Rad fahrenden Menschen hat sich um 180 Grad gedreht: smart statt alternativ, dynamisch statt nach Schweiß riechend, intelligent statt zu wenig Geld für ein Auto. In der Zielgruppen-Beschreibung sind RadfahrerInnen jung, jung geblieben, und häufig fördern sie durch ihr Konsumverhalten und gezielte Produktauswahl Gesundheit und Nachhaltigkeit. Eine Zielgruppe zum Verlieben. Die Modebranche ist ja bekannt für das Aufspüren von Trends und für die rasche Umsetzung in Marketing-Strategien. Über den Online-Shop des US-Modelabels Urban Outfitters werden neuerdings Fixies (Bild) um günstige 399 Dollar verkauft (nettes Tool: Bike-Konfigurator, zwei Wochen nach Bestellung kann das Bike im Laden abgeholt werden), Carhartt macht schon länger in Fixie, Louis Vuitton hat vor kurzem eine TaschenKollektion in Anlehnung an den Stil der Messenger Bags präsentiert, und bei Modeschauen in Mailand und bei der Portland Fa-

shion Week fahren Models mit Fahrrädern über den Laufsteg. Auch in der heimischen Marketing-Landschaft trifft man immer öfter auf die Identifikation mit Fahrrad-Themen – Stichwort Hausmannskost: In Lebensmittelmärkten wird’s demnächst spezielle Angebote geben, vor allem aber einen massiven Ausbau der FahrradStellplätze vor den Supermärkten (z.B. Spar). Und woher man es überhaupt nicht vermuten würde, nämlich von Seiten eines Autoherstellers bzw. -importeurs, kommt eine Initiative, die sogar im Team von velosophie Sympathien erzeugt. Unser Held des Augenblicks ist Dipl.-Ing. Markus Oppel, Direktor Marketing Opel Österreich (Oppel und Opel – man kann sagen, der Mann ist seiner Bestimmung gefolgt). Wegen der von ihm initiierten Kooperation mit der ÖBB und KTM Fahrrad („Opel goes hybrid – nachhaltige Mobilitätsgestaltung bedeutet sinnvolle Kombination der verschiedenen Verkehrssysteme“, Bild: im Heck integrierter Fahrrad-Träger) machte er sich im Verband der österreichischen Automobilimporteure nicht nur Freunde – was ihn für velosophie gewissermaßen adelt.

Wolfgang Rafetseder, Herausgeber

„Die Fahrrad-begeisterten Wahnsinnigen aus Wien begeben sich unter die motorisierten Wahnsinnigen von Kairo.“ Dies schrieb die Süddeutsche Zeitung so schön, was ist dem anzufügen? Der Grund: Einen Film zu drehen über das immer wieder knapp vermiedene Aufeinanderprallen westlicher Subkultur in Gestalt des bremsenlosen Fixed Gear Bikes und der orientalischen Improvisationskunst im Ignorieren hinderlicher Verkehrsregeln. Und das Team: Fahrradkuriere aus Wien, Linz und Bremen mit Namen wie „Sailor“, „Igl“ oder „Flow“ gaben die Akteure auf dem Bahnrad. Gemeinsam nahmen sie die Story einer Suche in der ägyptischen Megacity nach den weltberühmten Grabmälern als Rahmen für heiße Szenen urbaner Radfahrkunst und manchen Slapstick. Ja, und dann ist da noch das Ziel: Die Pyramiden haben sie schlussendlich gefunden, jetzt bleibt die Premiere des Kurzfilms beim zehnjährigen Jubiläum des International Bicycle Film Festivals in New York, diesen Juni. www.wherearethepyramids.com

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FOTO: wherearethepyramids.com ART: ralf hauser

PYRAMIDENJAGD


„PLEASURE NOTHING COMPARES TO THE SIMPLE OF A BIKE RIDE “ JOHN F. KENNEDY, USA

John Fitzgerald Kennedy war der jüngste und wohl charismatischste USPräsident. Die Hintergründe seiner legendären Ermordung 1963 in Dallas, Texas, sind bis heute unklar. Sicher ist nur: Es war kein Fahrradunfall! velosophie.at

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FEINER STOFF

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Immer öfter findet man Fahrräder auch auf dem Cat Walk statt auf Asphalt, von Armani bis zu Donna Karan. Nachhaltigkeit hat sich auch das brasilianische Modelabel Joyful auf seine Stoffbahnen geheftet und verbindet dies mit seiner Liebe zum Fahrrad als emissionslosem, niederschwelligem Verkehrsmittel. Die Designer lassen ihre Entwürfe zu stilvoller Garderobe aus organisch hergestellten Materialien fertigen, die in einem speziellen Färbeprozess mit natürlichen Farbpigmenten behandelt werden. Eleganz und Umweltbewusstsein spielen in der Kollektion 2010 perfekt zusammen: „Nachhaltigkeit ist für uns keine Mode-Erscheinung, sonder eine grundlegende Notwendigkeit!“ meint dazu Edilaine Filipaki vom Label Joyful in Curitiba. www.joyfulsustentavel.com.br

TURNIER AUF DER COUCH EIN UNDERGROUND-VERGNÜGEN FINDET SEINEN WEG VOM SCHROTTPLATZ IN DIE UNTERHALTUNGSINDUSTRIE. Tall Bike Jousting. Eifrige Besucher des Bicycle Film Festivals Vienna, aufmerksame Leser von velosophie oder erfahrene Bike-Punks wissen, was damit gemeint ist: Lanzenturniere auf selbst geschweißten Hochrädern. Crash, Boom, Bang. Was einst unter dreckigen Brooklyner Brücken blutiger Spaß war, wird nun überall möglich, ganz ohne Verletzungsgefahr. In der virtuellen Variante auf iPhone und iPod! Frederic King, der Produzent des legendären UndergroundFilms B.I.K.E. mit Büro in Manhattan,

steckt hinter diesem nächsten Verwertungsschritt der US-amerikanischen Fahrradkultur. Ryan Doyle, legendärer Jousting-Weltmeister und Performancekünstler, mischt fest mit. Er hat das Game mitentwickelt, diente als Vorbild für die Animationen und verleiht damit dem Projekt die maximale Authentizität, die eine Handy-Applikation haben kann. Underground trifft Konsumkultur – was sagt da der Black Label Bike Club dazu? Komm, spiel mit: www.bikeclubgames.com

FIXED

Die neue Bibel historisch versierter FixieHipster: Von den Anfängen des Radfahrens, als die starre Achse noch Standard war, über Triumphe im Bahnrad-Sport bis zu den Ausprägungen der modernen Kultur des Track Bikes wird die Geschichte hinter dem Hype umfassend geschildert. www.laurenceking.com 14

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BMX BANDITS

Nicole Kidman in ihrer ersten Rolle. Und das als 80er-gemäß neonschrill gekleidete Anführerin einer BMX-Bande, die eine Handvoll bitterböser Gangster zur Strecke bringt und sich dabei weder von einem Mega-Pickup noch einem endlosen Arsenal riesiger Schießprügel aufhalten lässt. Schräger Kult!

MUSIK

BUCH

FILM

sofa cyclist FAHRRADKULTUR FÜR ZUHAUSE. EMPFOHLEN VON UNSERER REDAKTION

NEW WEIRD AUSTRIA

Rainer Binder-Krieglstein versammelt schräge Beats und scharfe Stimmen auf seinem neuen Werk, das der Volksmusik das Inwendige nach Außen stülpt. Mit dabei neben Wilfried und Mieze Medusa: Das unschlagbare „Fahrradlied“ und die rhythmische Fingerübung „Radkette“. www.essayrecordings.com


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KOPF AN, MOTOR AUS, STEIG AUF! DIE ERFOLGREICHE DEUTSCHE KAMPAGNE FÜR UMWELTSCHONENDEN NAHVERKEHR GEHT INS ZWEITE JAHR. Das Projekt „Zero Emission Mobility“ des deutschen Bundesumweltministeriums wirbt seit 2009 mit der Imagekampagne „Kopf an: Motor aus. Für null CO2 auf Kurzstrecken“ für das Umsteigen vom Auto zum Radfahren und Zu-Fuß-Gehen auf kurzen Strecken. Im ersten Jahr kamen vier Modellstädte zum Zug, in denen die humorvoll-provokanten Sprüche und Aktionen der Kampagne allgegenwärtig waren. Heuer sind fünf Kommunen mit dabei: Die Bundeshauptstadt Berlin, dazu Braunschweig, Freiburg, Herzogenaurach und Kiel. Mit vier Millionen Euro aus Mitteln des Emissionshandels will das BMU das CO2 -Einsparpotenzial emissionsfreier Mobilität auf Kurzstrecken ausschöpfen: Eine Verdoppelung der Fahrradkilometer zulasten des CO2-in-

tensiven Pkw-Verkehrs, der gerade auf Kurzstrecken enorm ist, würde immerhin Einsparpotenziale von über vier Millionen Tonnen CO2 beim Fahrradverkehr eröffnen! Zum öffentlichkeitswirksamen Startschuss der Kampagne 2009 trat Sarah Wiener prominent in die Pedale, heuer beginnt Freiburg am 30.03., Braunschweig folgt am 16.04. Dort finden sich dann parkgebührsäumige Autofahrer und missvergnügt Stauende mit Strafzetteln und Transparenten konfrontiert, die ihnen Sprüche wie „Verbrennen Sie doch mal Kalorien statt Benzin“ vor den Latz knallen, während Radfahrende mittels Plakat am Radweg kräftig bauchgepinselt werden: „Wow, sehen Sie fit aus, Radfahrer oder was?“ Genau! www.kopf-an.de

sinnliche technik DIE ZARTESTE VERSUCHUNG, SEIT ES FAHRRÄDER GIBT

COPENHAGEN WHEEL Schon zur Klimakonferenz in Kopenhagen hat das MIT seine Entwicklung „The Copenhagen Wheel“ präsentiert, 2010 soll es Serienreife erlangen. Es könnte damit die nachhaltigste Innovation dieses eher missglückten Gipfels sein: Ein Hinterrad mit Elektromotor, Akku und Sensoren in einem, das Bremsenergie wiederverwertet und einfach in jedem Fahrrad eingebaut werden kann. Dabei hatte das Senseable City Lab des MIT aber nicht nur die Erleichterung der Fortbewegung im Blick. Das schöne Teil verfügt über einen GPS-Sensor, der auf der Fahrt umweltrelevante Daten sammelt und weitergibt. So kann nach jeder Fahrt abgerufen werden, wie hoch die Belastung mit CO2, NOx oder Lärm ist und wie Temperaturen und Luftfeuchtigkeit beschaffen waren. Das kann einerseits zu individuellem Nutzen dienen, da so die gesündesten und angenehmsten Strecken herausgefiltert werden – andererseits aber auch zu gesellschaftlichem: Würden viele Nutzer des intelligenten Hilfsantriebs ihre Daten einer zentralen Stelle ihrer Heimatstadt ständig zuführen, könnte die Verwaltung auf Grund dieser zahlreichen Mikrodaten ein Gesamtbild von Belastungen erkennen und dem gezielt entgegenwirken! http://senseable.mit.edu/copenhagenwheel 16

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FOTOS: max tomasinelli – maxtomasinelli.com, kopf-an.de

DAS MASSACHUSETTS INSTITUTE OF TECHNOLOGY MIT HAT SCHON WIEDER DAS RAD NEU ERFUNDEN. DIESMAL INKLUSIVE POWER.


WIR BEWEGEN SIE. ZUM BEISPIEL MIT DEM LIVE Globe ist eine Marke von Fahrrädern, welche das einzigartige Potential haben, Teil des Lifestyles und Ausdruck des Geschmacks von Menschen zu werden und nicht bloß ein Sportgerät zu sein. Das Design dieser Fahrräder wird inspiriert von und entwickelt für Menschen, die in Städten Rad fahren. Die das Rad dort als Transportmittel nutzen, auch und vor allem, weil sie es als Teil eines verantwortungsvollen Lebensstils begreifen.


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radgeber MECHANISCH AUFKLÄRENDES UND GEISTIG ERHELLENDES

GENUG LUFT?

DR. SIGI B. FRIEND, CYCLOANALYST

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sen neumodernen bunten Fixern oder wie die sagen. 7 bis 9 Bar! Beinhart wie Beton, wenn man schnell sein will; ein bissl weniger, wenn nicht jede Rille zum Ellbogenbruch führen soll oder man eh nur zum Wirt’n rollt. Das normale Radl, also Trekking-, City-, Hollandrad hat ja meist Reifenbreiten von 32 bis 42 mm, und da nimmt man deswegen weniger Druck, also 4 bis 5 Bar, und auch da kommt’s drauf an: Mehr Komfort oder weniger Widerstand? Und damit: Weniger oder mehr Druck? Aber nie zu wenig! Beim Mountainbike und auch dem Ballonreifen, also mit Breiten jenseits der 40 mm, heißt’s: Je dicker, desto weniger. In der Stadt 3 bis 4 bar, höchstens, im Gatsch**** und Gelände noch weniger. Wegen Grip und so, bergauf im Wald. Auch bei Schneelage schadet Druckreduktion nix. Aber zu mir kommen ja meistens eh eher Leut’, die sich schon am Gänsehäufl***** den Helm aufsetzen. Übrigens, bevor ich’s vergess’: Der verträgliche Maximaldruck steht auch außen auf der Bereifung. Öfter macht‘s nämlich einen lauten Tuscher auf dem Gehsteig, wenn ich die Leut kurz mit der Pumpe allein lasse. Zuviel Druck ist also auch nicht gut, und das nicht nur beim Fahrradreifen. Aber: Es kommt ja immer drauf an. Meint: Der Max.

Wienerisch für: schimpfen Gören; hier im Sinne von: Idioten Füllwort, universell einsetzbar Schlamm Badestrand an der Donau in Wien

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Werter Dr. Sigi B. Friend, Mir kommt vor, ich stecke öfters in der Patsche als andere. Noch dazu scheint es so, als wäre ich zu patschert zum Patschenpicken*. Ich habe Angst davor, dass es immer wieder und überall passieren kann! Völlig geschlaucht und luftlos, Peter P. Lieber Peter, Oft ist das Leben wahrlich ein zu hartes Pflaster. Aus einem kleinen Malheur kann schnell ein großes schwarzes Loch samt Folgedepression werden. Also: Ist die Luft erstmal draußen, ist Handeln angesagt! Wie sich am besten aus der Patsche helfen? Zuallererst: Panne ja, Panik nein! Erkenne, um welcher Art Verletzung es sich handelt, äußerlich oder innerlich? Sind tatsächlich wie in den meisten Fällen nur die Weichteile betroffen, dann ist Behutsamkeit und Sensibilität gefragt. Mit der Brechstange erreicht man hier nur wenig. In zivilisierten Gegenden gibt es zudem nicht nur professionelle Anlaufstellen, sondern meistens auch die Möglichkeit, einer Selbsthilfegruppe beizutreten, in der die nötigen Reparaturfertigkeiten präventiv im rollenden Bewusstsein verankert werden. In der Wildnis jedoch sind der ganze Radfahrer und sein Pickzeug gefordert. Die allflickende Heilsformel lautet aber stets: Aufrauen, picken**, flicken und kräftig pumpen! Also erfahre meinen Therapierad: Erlange volle Reifen-Reife, lerne eifrig und wacker, selbst Hand anzulegen, habe dein Pickzeug schicksalsergeben stets dabei und dann: Fix the flat and roll on, Pezi!

Hast du auch Fragen an Dr. Sigi? Dann schreibe an: sigi@velosophie.at

„Hamsie Luft?!“, werde ich allzu oft gefragt. Oder besser: Durch die offene Werkstatttür angebrüllt, von draußen her, da steht dann wieder jemand auf dem sonnenüberfluteten Gehsteig und schiebt sein traurig eierndes Gerät nebenher. Im besten und damit seltensten Fall. Oft fahren die Gfrasta** auch noch so durch die Gegend, nudeln auf beinahe drucklosen Pneus übers Kopfsteinpflaster und wundern sich dann, dass nix mehr geht! Ich könnt jedesmal … Oida***. Ich sag immer: Das beste und billigste Tuning für das Radl ist nicht die Carbon-Sattelstütze, sondern der richtige Druck im Reifen. Und der variiert immens! Dabei ist der richtige, ausreichende Luftdruck überlebenswichtig, sonst schlagen Hindernisse durch auf die Felgen, und bumms: Patschen. Oder man plagt sich sinnlos, weil: Rollwiderstand durch Luftlosigkeit. Im Reifen – und bald umgekehrt im Fahrer. Also geb’ ich Luft her. Besser: Ich stell mich daneben, wenn die Leut’ sich an meiner Handpumpe abmühen, didaktische Wirkung, eh klar, und geb’ Radschläge. Gute. Machen die das eigentlich immer zum ersten Mal?? Jedenfalls, es kommt darauf an. Aufs Rad. Oder genauer: auf Reifenbreite, Komfortbedürfnis, Untergrund und Einsatzzweck. Eben, das variiert. Den meisten Druck braucht und verträgt der Rennradreifen, auch der von die-

VELOSOPHIE GIBT RAD AUF DER COUCH

Frühlingshaft-leichtfelgige Grüße, Dein Cycloanalyst * Österr. Lokalidiom für: zu tollpatschig dazu, einen Platten zu flicken ** kleben

ART: ralf hauser

MECHANIKER MAX, UNSER ERFAHRENER SCHRAUBER, GRANTELT* FÜR UNS AUS DEM WERKZEUGKÄSTCHEN.


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Fulcrum Red Metal 5

Gewicht o. Pedale

10,1 kg (Lieferantenangabe) 

[1600240932] Erhältlich ab Mitte März in allen eybl Megastores.


velozine

DIAMANT FEIERT 125 JAHRE FIRMENGESCHICHTE – MIT EINEM JUBILÄUMSMODELL UND EINEM BUCH, DAS BEREITS VOR SEINEM ERSCHEINEN VERGRIFFEN IST. Deutschlands ältester Fahrrad-Hersteller: Es sind 125 Jahre sehr bewegter Firmengeschichte, die viel Stoff bietet für ein Buch, das von zwei Kennern und Sammlern von Diamant-Fahrrädern geschrieben wurde, Werner Aidn und Hartmut Rogotzki. Letzterer begann 1964 beim Chemnitzer Fahrrad-Hersteller, der zu DDR-Zeiten Elite Diamant hieß, als Lehrling zu arbeiten und blieb dem Unternehmen bis zu seiner Pensionierung treu. Bebildert ist das Buch teils mit historischen Fotos und Abbildungen von Werbeplakaten, teils mit aufwendig in-

PEFC/06-39-08 Dieses Produkt stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen.

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szenierten neuen Aufnahmen historischer Räder aus dem werkseigenen Diamant-Fahrradmuseum. Dem Anlass entsprechend wurde ein Jubiläumsmodell in Kleinserie aufgelegt, das Diamant Pacer 125 – mit einem Rahmen aus dem einzig zulässigen Material für ein derartiges Rad: Stahl. Der Spagat aus Retrochic und modernen, funktionellen Fahrrad-Komponenten und Anbauteilen ist jedenfalls gelungen. Kostet € 1.849,– und sollte im Gegensatz zum Buch noch erhältlich sein. www.diamant-rad.de

DIE BESTEN BOTEN DES KONTINENTS

ECMC 2010, die europäischen Fahrradbotenmeisterschaften, finden heuer in Budapest statt – und der offizielle Pre-Event in Wien! Jedes Jahr wieder versammeln sich Botinnen und Boten aus ganz Europa, um unter sich zu klären, wer am schnellsten und trickreichsten ist – oder den schärfsten Schnurrbart hat. Jawohl, richtig gelesen: Neben den klassischen Disziplinen wie Alleycat, Trackstand, Skid und Sprint wird bei der ECMC in Budapest (22.–24.5.) auch so nebenbei die eindrucksvollste Oberlippenbehaarung gekürt. Hauptaugenmerk liegt aber jedenfalls auf den wichtigsten Tugenden im Stadtverkehr: Schnelligkeit, Reaktionsvermögen, Fahrradbeherrschung und Standfestigkeit trotz Dauerparty. Denn der Event ist nicht nur Wettkampf, sondern vor allem ein soziales Ereignis für Messenger, Fahrradfreaks und einfach alle, die Fahrräder lieben. Da steht gemeinsames Abfeiern klarerweise im Mittelpunkt – wie auch schon beim offiziellen Pre-Event zur Europameisterschaft, der am Wochenende davor (14.-17.5.) in Wien stattfindet und schon viele der Startenden versammelt. Dabei wechseln sich Gold Sprint Competition, Bike Polo Turnier, Fixie Contests und Rennen mit abendlichem Rambazamba ab, und danach radelt die erwartete Hundertschaft noch gemeinsam über Bratislava in die ungarische Hauptstadt. Respekt! Alle, auch Nicht-Boten, können teilnehmen und mitfeiern. Infos und Anmeldungen unter www.roadtobudapest.tk und www.ecmc2010.com

VELOSOPHIE, MAGAZIN FÜR FAHRRADKULTUR Postanschrift Grienauergasse 6, AT-2380 Perchtoldsdorf, +43/1/8650404–0, Fax +43/1/8650404–15, Internet: www.velosophie.at Herausgeber Wolfgang Rafetseder Chefredakteur Alec Hager Redaktion +43/1/8650404–17, buero@velosophie.at, Mariella Bleimuth, Ralf Hauser Velosophie-Autorinnen und -Autoren Wolfgang Rafetseder, Petra Sturm Fotos bicyclefilmfestival.com, Sabine Bungert, Citybike Wien, Matt Conant, Phil Dixon, Ed Glazer, Alec Hager, Ralf Hauser, kopf-an.de, kurtpinter.com, Maria Laub, Ruhr.2010, Stadt Wien, Viktor Strasse, Max Tomasinelli, David Ulrich, wherearethepyramids.com Art Silke Schmidt, Adam Turman Art Direction & Design Ralf Hauser Medieninhaber Boarder’s Zeitschriftenverlag GmbH, Grienauergasse 6, AT-2380 Perchtoldsdorf Geschäftsführung Wolfgang Rafetseder Assistentin der Geschäftsführung Mariella Bleimuth Druck Leykam, Let’s Print, AT–7201 Neudörfl Velosophie erscheint 2010 dreimal OFFENLEGUNG GEMÄSS § 25 MEDIENGESETZ Medieninhaber Boarder’s Zeitschriftenverlag GmbH., Sitz Perchtoldsdorf Geschäftsführer Wolfgang Rafetseder Gegenstand des Unternehmens ist der Verlag und die Herausgabe von Zeitschriften. Gesellschafter Wolfgang Rafetseder, Wien, mit einer Beteiligung von 80 %, Mag. Clemens Reinöhl, Wien, mit einer Beteiligung von 20 % Grundlegende Richtung der Zeitschrift Magazin für Fahrradkultur

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FOTO: hannes strebl

JUBILÄUMSSTOLZ


Š 2010 adidas AG. adidas, the Trefoil, and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group. Silhouette Int. Schmied AG, adidas Global Licensee.


GIRL.PEDAL.POWER. Gemeinsam das Fahrrad wiederentdecken

EINE GRUPPE JUNGER MÄDCHEN EROBERT DIE AUTOMOBILEN STRASSEN EINER ENGLISCHEN STADT. MIT DEM FAHRRAD. text ALEC HAGER

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fotos PHIL DIXON, SABINE BUNGERT


„I

ch habe einfach nicht mehr an Fahrräder gedacht. Ich dachte, ich bin jetzt erwachsen und hab mehr so Mädchensachen gemacht wie Einkaufen. Das ist doch was für Kleinkinder!“ Melissa ist eine durchschnittliche Sechzehnjährige in Darlington, einer Stadt mit 97.000 Einwohnern in Großbritannien. Was Melissa erzählt, trifft gesamtgesellschaftlich zu, nicht nur in England: Nur wenige Jugendliche fahren Rad im Alltag, und gerade Mädchen verzichten fast vollkommen auf diese Fortbewegungsart. Allgemein schrecken in Städten, deren Infrastruktur wenig radfreundlich ist, vor allem Frauen vor der Fahrradnutzung zurück. Ihr Sicherheitsbedürfnis wird nicht erfüllt, die subjektive Gefahrenwahrnehmung überwiegt, der kompetitive Geist klassischer männlicher Stadtradler fehlt als Antrieb im Alltagsverkehr: Im Jugendalter wiederum kommt das Gefühl dazu, die Zeit des Radelns sei nun vorbei, das ist doch Kinderkram. Verständlich, wenn das Fahrrad nur als Spielzeug oder Sportgerät Verwendung findet. Dadurch fehlen Vorbilder im

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Stadtverkehr, und Alltagsradler sorgen für Befremden. „Freunde fragen: Was machen deine Eltern da, die fahren ja Rad? Warum nehmen sie nicht einfach das Auto?“ erzählt Leslie Ann. Das Auto ist das Fahrzeug der Norm in Darlington, wie in den meisten Städten Großbritanniens (und ja, auch in Österreich). Mit dem Auto werden Kinder in die Schule gebracht, das Elterntaxi ist nötig, um Freunde besuchen zu können oder ins Kino zu kommen. Das verhilft weder zu Selbständigkeit noch zu gesundheitsfördernder Bewegung – und es prägt die Erfahrungswelt der einzelnen jungen Stadtbewohnerinnen ebenso wie die Planungsschritte der Stadtverwaltungen. Warum denn so wenige Mädchen in Darlington Fahrräder besitzen oder nutzen? Die sechzehnjährige Mia bringt es auf den springenden Punkt: „Es ist einfach nicht cool, ein Fahrrad zu haben!“ Wenn ihre Freundinnen kein Fahrrad haben, dann wird nicht nur Mia keines haben wollen. Sie würde diesen Wunsch, sollte er doch wunder-

barerweise auftauchen, auch nicht im Kreis der Freundinnen eingestehen. Die Peer Group, das engste Umfeld, stellt die Norm dar, an der sich jedes einzelne der Mädchen misst. Das ist ja überall so: Dazugehören oder daneben stehen? Eine Frage, deren Antwort gerade im Teenager-Alter über Glück und Unglück für viele (Schul-)Jahre entscheidet. Das verbindet. Rad fahrende Rolemodels sind auf MTV dünn gesät – aber es gibt sie anderswo: Nämlich dort, wo das Verkehrsmittel Fahrrad so unauffällig weil allgegenwärtig in den Alltag integriert ist. In Städten wie Kopenhagen, Amsterdam, Münster oder … Bremen. Die Freie Hansestadt an der Weser glänzt mit fahrradfreundlichem Verkehrsklima, nachhaltiger Verkehrsplanung und 25% Radverkehrsanteil. Durch Beatrix Wupperman, Umweltaktivistin aus Bremen, und Richard Grassick, Filmemacher in Darlington, bestand eine Verbindung zwischen dem deutschen Garten Eden und der britischen Fahrradwüste. Sie machten sich auf die Suche nach Schülerinnen in Darlington, die neugierig und mutig ge-


nug waren, am Mobilitätsexperiment Alltagsradeln teilzunehmen. Als Gegenüber fanden sich junge Bremerinnen, die ebenso gespannt darauf waren, ihren gleichaltrigen Kolleginnen beim Wiederaufstieg in den Fahrradsattel behilflich zu sein. Gemeinsam erlebten sie die unterschiedlichen Lebenssituationen: Ein Besuch der jungen Britinnen in Bremen zeigte ihnen, wie reibungslos und sicher sich Radfahrerinnen im Stadtverkehr bewegen können, wenn Infrastruktur und Aufmerksamkeit hinter dem KFZ-Steuer stimmen. Anders der Kulturschock bei den deutschen Mädchen in Darlington: „Es war erschreckend für mich, wie vorsichtig und dominant man hier durch die Straßen fahren sollte – man wird wie Luft behandelt!“ schildert Elvan ihre Eindrücke. Einer der Gründe, die sie aufs Fahrrad bringen würden, gab Mia an, mit: „Wenn ich dabei schick aussehen könnte!“ Da war die Lösung einfach: Für die Mädchen wurden schmucke rote Hollandräder besorgt, die ihnen sofort gefielen, und jedem in Darlington

Das Hollandrad ist immer dabei – ob in der Schuluniform an der Privatschule Polam Hall oder beim nachmittäglichen Ausflug ins Umland von Darlington.

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weit sichtbar signalisierten: Hier kommen die Beauties mit ihren Bikes, sie lassen sich nicht nur nicht unterkriegen, sondern sind dabei auch eine Augenweide! Unterstützung und Vorbild war den Mädchen dabei Lauren, 27-jährige Journalistin der Lokalzeitung „Northern Echo“. Sie ist nicht nur stets darauf bedacht, modischen Eindruck zu hinterlassen, sondern auch, das per Rad zu tun: „Ein Vorteil als Radfahrerin: Man geht weniger zu Fuß, die Füße schmerzen nicht so schnell. Mit meinen High Heels fahre ich lieber Fahrrad!“ So sammelte sich die Gruppe auf ihren Fahrrädern, lernte, sich gemeinsam durchzusetzen und ihren Platz auf der Straße zu behaupten – und hatte auch noch großen Spaß dabei. Früher war nur eine von ihnen, Kate, zur Schule geradelt, als Außenseiterin belächelt, hatte sie trotzdem an ihrer Begeisterung fürs Fahrrad festgehalten. Jetzt kurven sie gemeinsam herum und sind selbst zu Rolemodels geworden, für eine ganze Stadt und darüber hinaus. „Sie sehen einfach cool aus, wie sie die Straße entlang schweben!“ bewundert College-Lehrer Mike die Gruppe. Und so fühlen sie sich auch: Cool, frei, schick – einfach wohl, so wie Harri: „Ich fahre nun jeden Tag Rad. Einfach weil ich das Gefühl liebe. Ich fühle mich so frei und unabhängig. Nichts hält mich zurück, ich kann einfach überall hin, das ist so toll. Es ist eine Befreiung!“ vs

Für Dina und Ricarda in Bremen (oben) war das Rad immer schon Bestandteil des Alltags; Kate, Nicole und Harri (unten) sind in Darlington Vorreiterinnen.

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DAS BUCH: BEAUTY AND THE BIKE Die Erlebnisse der Fahrrad fahrenden Mädchen von Darlington und die Erkenntnisse aus dem Projekt gibt es sowohl als Buch als auch als Film unter dem Titel „Beauty and the Bike“ von Beatrix Wupperman und Richard Grassick: www.bikebeauty.org Beteiligt waren Schülerinnen des Gymnasiums Obervieland in Bremen und der Gesamtschulen Hummersknott und Eastbourne des Oberstufenzentrums Queen Elisabeth und der Privatschule Polam Hall in Darlington.


www.diamantrad.com


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Professor Risser erklärt und erfährt den Großstadtverkehr wissenschaftlich und leidenschaftlich. 28

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ICH FAHRE AUCH BEI ROT! INTERVIEW MIT DEM WIENER VERKEHRSFORSCHER UNIV. PROF. DR. RALF RISSER text ALEC HAGER

foto RALF HAUSER

Prof. Ralf Risser ist Eigentümer von FACTUM, einer private Forschungseinrichtung in Wien. Deren Schwerpunkte sind sozialwissenschaftliche Forschung in den Bereichen Verkehr, Mobilität und Lebensqualität, Verkehrssicherheitsforschung und -beratung. Mit velosophie sprach Prof. Risser über Klimawandel und Lebensqualität, das Rad als Verkehrsalternative und das Auto als erweiterten Körper. velosophie: Ihr Betätigungsfeld sind Verkehrspsychologie und Sozialwissenschaften. Man geht ja davon aus, dass Verkehr aus Regelwerken und Planungsschritten besteht, welche Rolle spielt da die Psychologie? Prof. Risser: Nun, Verkehr setzt sich daraus zusammen, was wir alle machen. Ohne dass wir uns in irgendeiner Form verhalten, gibt es keinen Verkehr. Technik und Infrastruktur würden ohne uns ja still stehen! Davon, wie wir uns bewegen, hängen die Auswirkungen von Verkehr ab, bezüglich Sicherheit, Umwelt, Lebensqualität. Sicherheitsprobleme entstehen dadurch, dass wir uns seltsam verhalten, und Umweltprobleme entstehen dadurch, dass wir seltsame Fortbewegungsarten wählen. 10% aller Autofahrten sind kürzer als ein Kilometer, das kann man in zehn Minuten gehen oder in vier Minuten radeln. Da ist es ja absurd, ein Auto zu benutzen, vor allem wenn man an den Klimawandel denkt. Ihr Ansatz kann uns erklären, warum Menschen Entscheidungen so treffen? Ich versuche, diese Erklärungen zu finden, das wissenschaftlich zu verstehen. Warum nutzen die Leute, obwohl sie wissen, dass man das Auto weniger verwenden soll, es selbst unverändert weiter? Hier findet man in wissenschaftlichen Befragungen viele Gründe vor und hört viele Entschuldigungen, unter anderem oft die Aussage: Warum sollte ich selbst aufhören, wenn alle anderen weiter Auto fahren, da wäre ich ja der einzige? Wenn aber jeder einzelne das tun würde, würde die Gemeinschaft besser funktionieren. Apelle helfen da nichts. Nur Unterstützung durch Regeln kann Vernunft fördern. Politiker sind gefragt,

Maßnahmen zu setzen, damit gewisse schädliche Verhaltensweisen unterbunden werden. Ist also die Wahl des Verkehrsmittels schon der erste Fehler im Verkehr? Natürlich. Für die Umwelt wäre es sinnvoll, die Autoverwendung drastisch zu reduzieren, es nur bei Gelegenheiten zu nutzen, wo es unvermeidlich ist. Worin liegt nun der psychische Reiz des Automobils? Wie stark ist die emotionale Bindung zum Auto? Das Auto hat das Potenzial in sich, es als Ware überzubewerten.

Das Auto suggeriert magische Kräfte: Es gibt mir Geschwindigkeit,

Kraft, Schönheit, Schutz, obwohl es Gefahr und Schaden für andere bedeutet. Es ist daher nicht erstaunlich, wenn Leute diesen Teil ihres Besitzstandes überschätzen. Man kann sagen, dass das Auto als erweiterter Körper betrachtet wird. Versuchen sie Folgendes: Wenn sie ein Autofahrer im Straßenverkehr behindert, tapsen Sie mit der Hand auf die Motorhaube. Haben sie das schon versucht und sich die Gesichter angesehen? Die Reaktion zeigt die Verbundenheit mit dem Gefährt: Das bin ich! Wie verhalten sich im Gegensatz dazu Radfahrer im Verkehr? Welche Typologie von Fahrradnutzern würden Sie aufstellen? Als unempirische persönliche Einschätzung: Neben den „gelassenen Alltagsradfahrern“, die gemäßigt und langsam fahren, die „flotten, aber freundlichen Alltagsradler“: Schnell unterwegs mit positiver Interaktion. Interessant ist die Gruppe der „Autofahrer auf dem Rad“, die andere Leute und nebeneinander fahrende Radler anklingeln, die bei Verzögerungen an der Ampel mit „Fahr weiter du Trottel!“ reagieren. Also mit den Unarten, die das Auto zu fördern scheint, durch die soziale Isolation im Auto, das fehlende Feedback: Keine Möglichkeiten, sich zu entschuldigen. Schon in den 80ern haben wir festgestellt, dass das Verhältnis zwischen Fußgängern und Radfahren eigentlich besser ist als das

zu Autofahrern, weil Verständigung möglich ist. Die Befragten bezeichneten rücksichtslose Autofahrer als größtes Ärgernis, nicht Radler auf dem Gehsteig. Was ist dann dran am „Rad-Rowdie“, der medialen Klischeefigur schlechthin unter den Radlertypen? Da handelt es sich um undifferenzierte Außenwahrnehmung. Ist jemand, der bei Rot über die Ampel fährt, ein Rowdie? Ich selbst fahre regelmäßig bei Rot – weil es Situationen gibt, wo ich bei Rot am sichersten bin! Bei Grün stellen zum Beispiel abbiegende Autos eine teuflische Gefahr dar, die bei Rot wegfällt. Wenn kein Querverkehr kommt, fahre ich. Da regen sich manche auf, und ich bleibe auch manchmal stehen und erkläre: Ich kann mich nicht auf meine Sicherheit verlassen, wenn’s grün ist. Ich fahre, wenn ich fahren kann! Die Aussage, dass hauptsächlich so genannte Rad-Rowdies Fußgänger stören, wird natürlich von der Autofahrerfraktion liebend gern gehört, angesichts der Tatsache, welche Regeln von Autofahrenden nicht eingehalten werden. Dazu kommt das Bewusstsein der „Freien Fahrt für freie Bürger“ als angenommenes Recht darauf, dass mir die Gesellschaft eine Infrastruktur zur Verfügung stellt, wodurch ich überall hin mit dem Auto fahren kann. Wie definieren Sie im Gegensatz dazu menschengerechten Verkehr, vor allem im städtischen Raum? Autofrei. Prinzipiell als Regel Nr.1: Ohne Autos in innerstädtischen Bereichen. Darüber hinaus sollte der Verkehr auf wissenschaftlichen Fakten basierend entwickelt werden, Störungen zwischen Fuß- und Radverkehr vermieden werden. Was ja viel leichter ist, sobald nicht mehr soviel Platz für Autos verbraucht wird. In der Vergangenheit wurde in der Verkehrspolitik leider alles darauf ausgelegt, dass man ungehindert Auto fahren kann. Dieser Platz fehlt uns jetzt! Ganz zu schweigen vom ruhenden Verkehr. Irgendwo scheint geschrieben zu stehen: Das Auto ist das Maß aller Dinge. Das muss sich absolut ändern. Nicht nur wegen des Klimawandels, auch allgemein für unsere Lebensqualität! vs velosophie.at

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Argus Bike Festival Wien

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WIEN


FEIERT FAHRRAD DER WIENER RATHAUSPLATZ WIRD AM WOCHENENDE 10./11. APRIL AUS ALLEN NÄHTEN PLATZEN: MEHR FLÄCHE, MEHR AUSSTELLER, MEHR ACTION DENN JE BEIM MEGAEVENT ZUM START DER FAHRRADSAISON. Das Argus Bike Festival mit der unvergleichlichen Location am Wiener Rathausplatz hat in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufstieg vollzogen. 2010 wird noch einmal ein Schäuferl nachgelegt. Die Festival-Fläche wurde in alle Richtungen erweitert, immerhin müssen knapp 100 Aussteller Platz finden. Für den Autoverkehr gesperrt ist eine Zufahrtsstraße zum Rathausplatz. Dort befindet sich die Boxenstraße mit den Ständen der E-Bike-Aussteller und ein großzügig angelegter E-Bike-Testparcours. Spektakulärer sportlicher Höhepunkt ist der Vienna Air King, der

zu den wichtigsten Dirtjump Contests weltweit zählt. Sensationelle News dazu: Beim Vienna Air King feiert die 2010 neu geschaffene Mountainbike Freeride World Tour Premiere – dementsprechend international und hochkarätig ist das Fahrerfeld. Das Argus Bike Festival Wien findet am 10./11. April statt – eine Empfehlung, mal vorbeizukommen, auch Interessierte aus den Bundesländern, vielleicht ja in Verbindung mit einem sportlichen, spannenden, unterhaltsamen Wien-Wochenende. Der Eintritt ist, wie aus den Vorjahren gewohnt, gratis.


PROGRAMM-HIGHLIGHTS IM ÜBERBLICK • Bike-Messe mit knapp 100 Ausstellern, von Fahrradherstellern und -Shops über alle Bereiche des Fahrrad-Tourismus bis hin zur Präsentation von Radfahr-Initiativen • Vienna Air King: 10.000 Euro Preisgeld warten heuer auf die besten Dirtjumper der Welt. Größer, höher, weiter denn je lautet das Motto für den Auftakt zur Mountainbike Freeride World Tour. Die Official Rider’s Party steigt heuer übrigens in der legendären Wiener Szene-Location U4, Samstagabend ab 20 Uhr • E-Bike-Testparcours mit Boxenstraße, in der über 30 E-Bike-Modelle präsentiert werden und für GratisTestrunden zur Verfügung stehen • Kinder-Fahrradwelt: Ein großer Bereich ist Rad fahrenden Familien gewidmet, mit Kinder-Fahrradparcours für unterschiedliche Altersstufen, Beratung und Testmöglichkeit zum Thema Kinder-Transport auf Fahrrädern, Fahrrad-Anhängern u.v.m.

• Bühnen-Programm im großen Messe-Zelt: Vorträge, Interviews, Workshops, Produkt-Vorstellungen • Falter-Fahrrad-Flohmarkt: Wer ein günstiges gebrauchtes Fahrrad sucht oder ein Fahrrad verkaufen möchte, ist hier richtig. Service des Veranstalters: Einfach Rad abgeben und abends Geld abholen, wenn das Rad verkauft wurde • Historische Räder mit Flohmarkt: große Ausstellung historischer Räder mit dem legendären Teile-Flohmarkt – seltene Stücke für Jäger und Sammler • Fahrrad-Reparatur-Workshops am WUK-Stand: Reifen flicken, Schaltung und Bremsen einstellen, Lager justieren – ein erstes Hineinschnuppern; täglich um 17.15 Uhr ein Wettbewerb im Reifenflicken mit tollen Preisen • Mini-Dirt-Parcours, Gratis-Radcodierung der Polizei, großes Gewinnspiel mit täglicher Verlosung eines E-Bikes und tollen Sachpreisen wie etwa Lumix-Kameras

FAHR_RAD_IN_WIEN AUSSTELLUNGS-TOUR IN WIENER EINKAUFSZENTREN UND AKTIONEN RUND UMS RADFAHREN – WIEN STEHT 2010 EIN WAHRES RADJAHR BEVOR. Der Auftakt für fahr_rad_in_wien erfolgt beim Argus Bike Festival. Bereits tags darauf startet die Tour in Wiener Einkaufszentren. Begleitet ist die Ausstellung, die von Daten und Fakten über das Ausbauprogramm der Stadt bis hin zu Sicherheitstipps eine Vielzahl an Wissenswertem zum Thema Radfahren in Wien bietet, von einem umfassenden Programm für alle Zielgruppen: Spezielle Radkurse für SeniorInnen, Sicherheitskurse für LehrerInnen und SchülerInnen, Gratis-Radcodierung durch die Wiener Polizei, Fahrrad-Testmöglichkeiten, eine Servicestation für kleinere Reparaturen und zum Testen von Licht bzw. Dynamo. Und nicht zuletzt gibt’s bei jedem Tourstopp einen Fahrrad-Flohmarkt. fahr_rad_im_einkauszentrum Mo. 12.4.– Mi. 21.4. 22. Bezirk, Donauzentrum Di. 27.4.– Sa. 15.5.: 19. Bezirk, Q19 Mo. 17.5.– Sa. 29.5. 21. Bezirk, Shopping Center Nord (SCN)

Di. 15.6.– Sa. 26.6. 11. Bezirk, Huma Simmering Die Ausstellung ist jeweils zu den Öffnungszeiten des EKZ zu sehen, Programm jeweils von Dienstag bis Samstag (ausgen. Feiertage) von 10–18 Uhr. Die Teilnahme an den Aktionen ist kostenlos. Jeden Dienstag: SeniorInnen am Rad, jeden Mittwoch: Gratis-Fahrradcodierung, jeden Donnerstag: FahrradFlohmarkt 32

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FOTOS: ralf hauser, david ulrich, stadt wien

Mo. 31.5.– Sa. 12.6. 2. Bezirk, Stadioncenter


E-Mail

so einfach wie SMS. Gratis E-Mail

3All-in 1.000 • 1.000 SMS* • 1.000 Minuten* • Gratis E-Mail für alle

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Im MegaNetz geht’s


velocity

02 SHANGHAI ODENSE ZEIGTS VOR

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01 PARIS VELORUTION

03 ESSEN KULTURHAUPTSTADT Hessen mit dem ganzen Ruhrgebiet trägt 2010 neben Istanbul und Pecs die Krone als Europäische Kulturhauptstadt. Dass die Region den Wandel von der Industrie- zur Kulturregion längst geschafft hat, möchte sie auch aus dem Fahrradsattel beweisen. „Zeitreisen“, der Reisedienstleister der gleichnamigen Wochenzeitung, bietet nun seine „Tour de Ruhr“ an. Einladend? Infos: zeitreisen.zeit.de 34

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03 FOTOS: ed glazer, ruhr.2010, citybike wien

Paris ist nicht mehr nur die Stadt der Liebe – seit der Einführung des umfassenden Stadtrad-Systems „Vélib“ im Jahr 2007 liegt auch das Fahrradherz an der Seine begraben. An weit über 1.000 Ausleihstationen sind mehr als 20.000 Leihräder zu bekommen, ausgeklügelte Wartungslogistik inklusive Reparaturschiff sorgt für Nachschub und Reparatur. Anfang Juli erobert nun der Fahrrad-Aktivismus die Stadt: Die universelle Critical Mass rollt bunt und laut durch die Straßen von Paris, alle Welt kommt und feiert Fahrrad fahrend mit. Velosophie meint: Vive la velorution!

Die EXPO 2010 in Shanghai steht unter dem Motto: Better City, Better Life! Der Wechsel zu besserer Lebensqualität kann durch innovative Technologien erreicht oder auch still im täglichen Leben umgesetzt werden – Letzteres soll die dänische Stadt Odense bei der EXPO vorzeigen! Aufgrund ihrer vorbildlichen Fahrradstatistiken wurde sie eingeladen, das ehemalige Fahrradreich China auf diesen nachhaltigen Weg zurückzuführen.


„REN. ICH LIEBE RADFAHES IST SCHNELL UND EFFIZIENT “

KYM, NEW YORK CITY

Kym Perfetto (28) lebt in Brooklyn. Sie ist Tänzerin und Personal Trainerin. Hier genießt sie den Ausblick von der Williamsburg Bridge, die Manhattan und Brooklyn verbindet, auf den East River. velosophie.at

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velocity

Mangelndes Selbstvertrauen und Sicherheitsgefühl im städtischen Straßenverkehr ist oft der Grund, warum das Fahrrad trotz Lust auf Pedalieren nicht als Alltagsverkehrsmittel herangezogen wird. Da helfen Übungen unter Anleitung von erfahrenen Stadtradlern in Kursen für Erwachsene und Familien, um den Schritt in den Verkehr zu wagen und so Umwelt und Gesundheit zu stärken. Von Deutschland über England bis in die Schweiz sind solche Angebote schon lange gang und gäbe – nun auch in Wien: www.fahrsicherrad.at

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DER JUNGE BLOG FÜR F AHRRADKULTUR. DIE ÖSTERREICHWEITE WE

velosophie.at FAHRRAD_KULTUR_COMMUNITY

B-PLATTFORM DER UR BAN BIKE COMMUNI TIES: SEI DABEI, BLOG GE MIT, TRAG DICH EIN & STELL DICH RAUF! HIER FINDEST DU AK TUELLE BLOGARTIKEL DES VELOSOPHIE-TEA MS, FOTOS UND VIDE OS, RADFREUNDE UND VELOSOPHI NNEN AUS GANZ .AT! WWW.VELOSOPHIE.AT

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Im Blechsalat der New Yorker Avenues werden sie immer mehr: Radfahrer aller Art, vom Faltradfahrer zum RikschaPiloten. Um einerseits diesen Trend zu unterstützen und andererseits dazu beizutragen, dass alle sich sicher im dichten Stadtverkehr bewegen, hat die Organsiation „Transportation Alternatives“ die Kampagne „Biking Rules!“ initiiert, die online und ohne erhobenen Zeigefinger die wichtigsten Verhaltensregeln darlegt. www.bikingrules.org

FOTOS: maria laub (2x), alec hager (2x)

05 WIEN FAHR SICHER RAD

04 NEW YORK BIKING RULES!


06 KOPENHAGEN VELO-WELT-HAUPTSTADT

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Die dänische Hauptstadt ruht sich auf ihren 35% Fahrrad-Verkehrsanteil nicht aus. Nein, die Hälfte aller Fahrten sollen dort bald mit dem Rad bewältigt werden, und dafür zieht Kopenhagen alle Register: Der Bürgermeister verteilt selbst frühmorgens dampfende Kipferl an radelnde Passanten, Radwege werden winters vor den Fahrbahnen vom Schnee gereinigt, und im Bereich Stadtmobiliar wird für Radfahrer die Welt soeben neu erfunden: Bequemes Warten an der Ampel ist mit der Fahrrad-Fußstütze kein Problem mehr. Niemand ist versucht, bei Rot die Kreuzung zu queren, wenn Stehenbleiben doch so einladend ist! Ebenso innovativ: Der Radler-Mistkübel befindet sich direkt neben dem Radweg und ist den Radfahrenden entgegen geneigt – auch aus voller Fahrt trifft das Papierl sicher ins Ziel. Ein Volltreffer wird ebenso die globale Konferenz Velo-City 2010 in Kopenhagen, die im Juni tausend Experten aus aller Fahrradwelt zusammenbringen wird, um für gegenseitige Inspiration und gemeinsame Begeisterung zu sorgen. velosophie wird berichten! www.velo-city2010.com

Schön und praktisch

Eva´s Radtaschen >> Office-, Shopper- und Hand- /Lenkertasche >> komplett aus Recyclingmaterial gefertigt

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veloport

DAHON M EX

GLOBE ROLL Alles, was ein Fahrrad braucht, um schön zu sein – und da ist weniger manchmal mehr: reduziertes Design, reduzierte Ausstattung, ein fixer Gang. Für (Über-)Lebenskünstler, weil das Fahren mit einem Fixie birgt einige Tücken in sich. Bremsen ist definitiv uncool, Skidden heißt die Devise. Preis: E 599,– www.globebikes.com

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Willkommen in der Welt des ganz normalen Fahrrad-Wahnsinns! Die Sram Red-Schaltgruppe (üblicherweise auf sehr teuren Rennrädern zuhause) und ein speziell leichter Alurahmen drücken das Gewicht auf 8,8 Kilo. Vermutlich das schnellste Faltrad ever, ganz bestimmt aber das teuerste. Preis: E 2.199,– www.dahon.com


STYLE AND THE CITY

EIN BUNTER QUERSCHNITT DURCHS FAHRRAD-ANGEBOT, AUFGEFÄCHERT VON PURISTISCH BIS KOMPLETT.

SIMPLON NANOLIGHT K-SL Mit 9,75 Kilo das leichteste voll ausgestattete Trekking-Fahrrad – und es stammt aus österreichischer Produktion. Im Hightech Package enthalten: Carbonrahmen und hochwertige Komponenten. Für die Wege des Alltags fast zu schade, für die langen Reisen per Fahrrad ein perfekter Begleiter. Preis: E 2.799,– www.simplon.com

TREK 3RD DISTRICT Reduktionskost aus dem Hause Trek. Mit Singlespeed zwar nicht ganz so cool wie ein Fixed-Gear-Bike, dafür aber wesentlich einfacher zu fahren. Der integrierte Freilauf ist so etwas wie eine serienmäßig eingebaute Unfallversicherung. Wer Hardcore bevorzugt: Districts gibt’s auch als Fixie. Preis: E 599,– www.trekbikes.com

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velostyle BELFAST RAIN Man nehme: Verlassene kaputte Zelte nach Rock-Festivals, reinige sie und verarbeite sie zu Röcken. Genau: Wasserdichte Röcke, jeder ein Unikat, in Schnitten mit Namen wie „PartySpecial“ (oben) oder „Half&Half“ (unten). Eine Recycling-Idee aus dem regnerischen Belfast, Northern Ireland. Zur schönen Schonung von Radfahrerin und Umwelt. Preise: ab E 55,www.theRainskirt.com

RUDY PROJECT SUBY Scharfe Sicht und zeitlose Eleganz harmonieren auch auf dem Fahrrad bestens! Die italienischen Modebrillen von Rudy Project können beim Optiker mit passender Sehstärke geschliffen werden. Preis: E 74,90 www.rudyproject.com

YEAYEA PROFIL Aus Leipzig kommt diese Variante des UpCyclings: Nimm Abfall und mach’ etwas Besseres daraus! In diesem Fall: Gürtel aus alten Fahrrad-Reifen. Jedes Stück ist einzigartig, stufenlos verstellbar und rettet einen Reifen vor der Müllhalde. Preis: E 39,90 www.yeayea.de

VIVA HELMSERIE Sicherheit mit Retro-Style: Fahrradhersteller Viva aus Dänemark hat diese schmucken Schutzhauben auf dem Markt. Sieben verschiedene Modelle in zwei Größen, mit Überzügen aus Echt- und Kunstleder sowie Kunststoff, brachten den Reddot Design Award. Preis: E 129,– www.vivabikes.com

TOPEAK W/R LITE DX USB Handlich und nachhaltig: Fünfzig Stunden lang leuchten die vier LEDs gut sichtbar in die Nacht – und dann ist nicht etwa Batteriewechsel angesagt, nein: Einfach am USB-Port des Computers anhängen und aufladen! Preis: E 29,95 (pro Stück) www.topeak.de

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„CHIC CYCLING IST KEINE REINE FRAUENSACHE MEHR! “

FOTO: matt conant

JEFF HOLMAN, AUSTIN, TEXAS

Seit einigen Jahren schon stellt Chic Cycling einen Boom unter den Radlerinnen des Planeten dar. Nun ziehen die Jungs nach! In Austin, Texas, gründete sich vor kurzem eine männliche Bike Gang mit Stil, The Knickers. Mitglied Jeff Holman verkörpert hier perfekt den Dress Code der 30er. velosophie.at

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Eine chinesische Reise

INTO THE EAST

CHINA UND RADFAHREN GEHÖREN ZUSAMMEN. SOLLTE MAN MEINEN. TATSÄCHLICH ABER IST DER RADVERKEHR IN CHINESISCHEN STÄDTEN KAUM MEHR VORHANDEN. DER BERLINER TIMO PRITZEL ERZÄHLT ÜBER SEINE ERLEBNISSE IN PEKING UND HONGKONG. notizen WOLFGANG RAFETSEDER

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fotos VIKTOR STRASSE


Die Stadtverwaltung von Peking hat jüngst eine Radfahr-Kampagne gestartet. Solche Initiativen kennen wir aus europäischen Städten. Aber Peking? Das Bild des Rad fahrenden Chinas scheint nur mehr in europäischen Köpfen zu existieren. Es stammt aus einer Zeit vor der wirtschaftlichen Öffnung des Landes, aus einer Vergangenheit, als das Fahrrad das einzig leistbare Fortbewegungsmittel darstellte. Heute ist das Auto Symbol des wachsenden Wohlstands in der städtischen Bevölkerung. In Europa ist diese verquerte Entwicklung mehr als ein halbes Jahrhundert alt, in China sehr jung. Wohl auch unter dem Druck des Auslands, werden in China Zeichen gesetzt in Richtung einer verbesserten Lebensqualität in den Städten. Ob Zeichen wie diese – im Schatten des Aufstiegs zur weltweit größten Industrienation und dem damit verbundenen Umweltkollaps – überhaupt Bedeutung haben, sei dahingestellt. Aber das ist eine andere Story … Timo Pritzel ist Berliner und hat schon deshalb einen sehr unchinesischen Zugang zum Thema Radfahren. Aber auch hierzulande ist er kein Radfahrer wie du und ich. Man könnte sagen: Er kann Rad fahren, und zwar auf sehr spektakuläre Art und Weise. Timo Pritzel ist Mountainbike-Profi in den Disziplinen Dirtjump und Freeride. Als 1982 der Hype um einen sehr sympathischen Außerirdischen losbrach, war Timo gerade fünf. Alt genug, um zu verstehen, was im Leben wirklich zählt: einen Freund wie E.T. und ein rotes BMX zu haben. Seine Kindheit im Stadtteil Neukölln verbrachte er vorzugsweise BMX fahrend, mit zwölf begann er bei Rennen in der Umgebung die älteren Buben zu ärgern, mit 17 brachte ihn das BMXen nach Las Vegas, wo er bei einer Gastfamilie wohnte und zur Highschool ging – und den Grundstein legte für eine internationale Karriere als BMX- und später als Mountainbike-Profi. Man ahnt schon: Das alles lässt sich nur mit echtem Talent und Cleverness erreichen. Timo Pritzel zählt zu den All Time Heros der Mountainbike-Szene. Seinen Popularitäts-Durchbruch schaffte er auf den „großen Rädern“ – in den jungen Spielarten des Mountainbikens, denen nicht Wadelschmalz und Ausdauer zugrunde liegt, sondern eines ganz alleine: Style. Du fährst an völlig absurden Stellen – steil bis zur Senkrechten, zwischen Felsen und mit Sprüngen 44

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über Felsen – einen Berg hinunter, aber bitte mit Style. Du springst über monströse Erdhaufen, schraubst dich samt Bike in die Luft – rückwärts, seitwärts, vorwärts, einfach, doppelt – und landest wieder auf beiden Rädern, selbstverständlich mit Style. Und wenn du Timo Pritzel heißt, dann bist du für deine Fans da, teilst Handshakes aus, erklärst deinen Signature Trick und hast fortwährend dieses verdammt charmante Lächeln aufgesetzt. Style in allen Lebenslagen. Timo Pritzel hat ihn wie kaum ein anderer. Mit dem Rad in der Stadt zu fahren betrachtet er nicht als Mission, sondern gehört für ihn dazu. Wo Timo ist, ist ein Rad, wo ein Rad ist, ist ein Weg. Die Stadt ist sein Playground. Mit dem Trip nach China folgte er einer Einladung der chinesischen Version der Guiness Show. Timo Pritzel ist auch Weltrekordhalter im BMX-Hochsprung über eine Rampe, das Ziel für Peking lautete, seinen alten BMX-Rekord per Mountainbike zu überbieten. Seine Erlebnisse in Peking und Hongkong im Tagebuch-Originalton. Der erste E-Mail-Kontakt mit den Leuten von der chinesischen Guiness Show liegt ein paar Monate zurück. Sie hatten gefragt, ob ich mir zutrauen würde, meinen alten Rekord aus BMXTagen mit dem Mountainbike zu überbieten. Danach hörte ich lange Zeit nichts mehr, bis sie plötzlich die Pläne für eine Rampe wollten. Jetzt ist das Ganze wahr geworden, und ich stehe mit meinen Kumpels vor der MonsterRampe. Was man von den Chinesen behauptet, sie seien perfekt im Nachbauen, scheint tatsächlich zu stimmen. Hätten sie nur nicht die Elemente von Absprung und Landung vertauscht … aber easy zu reparieren. Bin mit meinen Kumpels am Weg: Vincent Saccomani, der Filmer, Victor Strasse, der Fotograf, und Joscha Forstreuter, der Rider, der gemeinsam mit mir die Show auf der Rampe machen wird. Eigentlich sollte ein Local Rider zum Zug kommen, aber unter den chinesischen Fahrern findet sich keiner, der sich zutrauen würde, dieses Monster zu springen. Umso mehr werden wir von den Organisatoren der Show umsorgt: Eigene Dolmetscherin, Zimmer im Luxushotel, und als sie erfahren, dass wir anschließend an die Show einen Trip nach Hongkong planen, werden uns die Tickets organisiert und bezahlt.

Das Land der großen Gegensätze, alleine schon, was die Fahrradfreundlichkeit der Städte betrifft: In Peking wird viel Rad gefahren, E-Bikes sind gerade der große Trend. Hongkong ist hingegen die Anti-Fahrradstadt schlechthin. Erstaunlich, wie in HK ein Fixie Shop wie der von Brian existieren kann.


China steckt für mich voller Widersprüche. Auf der einen Seite die konsequente wirtschaftliche Ausrichtung nach dem Westen, auf der anderen Seite werden Menschen aus völlig absurden Gründen vom Regime verfolgt, gefoltert und getötet. Ich betreibe selbst Yoga und beschäftige mich mit diversen Meditationstechniken, deshalb ist es für mich so erschütternd, dass Falun Gong-Praktizierende in China verfolgt werden. Falun Gong ist eine Art der Bewegungsmeditation, die körperliche und geistige Vollkommenheit auf Basis geistiger und moralischer Prinzipien zum Ziel hat. Zu politisch für ein Land, das den Menschen die Selbstbestimmung verbietet. Der Rekord ist mir – ehrlich gesagt – nicht so wichtig. Mir geht’s um den Trip selbst, weil ich weiß nicht, ob ich jemals wieder die Gelegenheit haben werde, die Chinesische Mauer oder die „Verbotene Stadt“ im Zentrum Pekings mit ihrer imposanten Architektur zu sehen. Wir sind in Peking viel mit dem

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Rad unterwegs. Rad fahrende Europäer unter Rad fahrenden Chinesen, viele übrigens mit modernen Elektro-Fahrrädern, wir ernten viel Aufmerksamkeit für unsere – zugegeben – etwas eigenwillige Art mit dem Rad zu fahren, mit dem Rad herumzuhüpfen und architektonische Elemente für Tricks zu nützen. Aber alle lächeln uns freundlich zu. Die Show ist gelaufen, Rekord in der Tasche, großes Entertainment, Brot und Spiele fürs chinesische Publikum. Wir brechen auf nach Hongkong. Willkommen in der verrücktesten Stadt des Planeten! Zugleich ist es die fahrradunfreundlichste Stadt, die ich jemals gesehen habe. Die Stadt gehört dem Autoverkehr. Will man eine Straße überqueren, wird man durch Tunnelröhren unter oder über der Erde geführt. Häufig münden diese Tunnel in riesigen Einkaufszentren. Weder auf den Fähren noch in der U-Bahn dürfen Fahrräder mitgenommen werden. Auf einer Fähre schaffen wir’s dennoch, indem wir bei unserern Bikes die Vorderräder ausbau-

en und sie dann als Gepäckstück gelten. Der Tipp kommt von einem Local. Brian holt uns von der Station in Downtown HK ab. Den Kontakt zu Brian habe ich über meinen Kumpel Henne vom Berliner Fixie-Laden: „Klar kenne ich wen in Hongkong.“ Brian gehört inmitten eines hippen Viertels der erste Fixie Shop Chinas. Man muss schon sehr verrückt sein, um in einer Stadt wie Hongkong einen solchen Laden aufzumachen. Über Brian lernen wir wiederum einige andere Leute kennen: Jimmy, der einen coolen BMX Shop hat, und den harten Kern der hiesigen Mountainbike- und BMX-Szene. Alle gemeinsam machen wir eine Street Session in der „verbotenen Fahrradstadt“ Hongkong. vs

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Foto: Olaf Beck

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ADAM TURMAN

TWIN CITY ARTIST

In der Metropolregion Minneapolis-Saint Paul werkt Adam Turman seit 2003 an seinen fahrradaffinen Kunstwerken und platziert so seine Fahrradbegeisterung auf Postern, T-Shirts, Siebdrucken und Wänden. Heuer auch erstmals mit seinem stilvollen Cycling Calendar 2010. Was brachte Adam aufs Rad? „Ach, zu viele Dinge liebe ich am Rad fahren, um das hier kurz aufzulisten: Einfach die Bewegung, draußen zu sein, umweltfreundlich unterwegs zu sein – und nicht Auto fahren zu müssen, das verabscheue ich! Ich liebe Fahrräder, einfach alle.“ Die Kunstwerke in Adams Repertoire beziehen sich immer auf sein persönliches Lebensumfeld – allen voran die Cycling Prints. Fahrräder hatten ihn immer fasziniert, mit ihnen ist er aufgewachsen, als Fahrradbote hat er darauf gearbeitet, und nun tritt er auf seine künstlerische Art für dieses Beste aller Verkehrsmittel ein: „Ich denke, diese wunderbare Maschine ist ein Ding von totaler Schönheit und relativer Einfachheit. Sie vermitteln mir ein Gefühl großer Leidenschaft!“ Was ist seine Botschaft an velosophie und deren Leser? „Keep riding!“

Siebdrucke von Adam Turman sind in Wien bei der Steet Art Gallery Inoperable erhältlich: inoperable.at 48

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ART: adam turman

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B. Petroni, USA

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J. Hon & R. Hartwell, Taiwan

H. M. Dias, Portugal

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IOS P7: D

e zu einem sign und Technik v ultimativ en Bike ereint

Faltrad Klub Beijing, China

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S. J.v. Diest, Indonesien

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E. Petri, Indonesien


veloverse

… fährt durch die Stadt Habt ihr eine Straßenbahn sich schon einmal zwischen den Autos vorschlängeln gesehen, dieses dumme Ding? Einmal auf Schiene, immer auf Schiene, dagegen ist zehn Tage altes finnisches Roggenbrot ein Muster an Flexibilität. In so was Sturem will mein Fahrrad ja nicht einmal mitfahren, dieser Wildfang von einem Pony. Dass das Gehen mit den Füßen – einmal der linke, einmal der rechte, einmal der linke usw. – nicht die Zukunft ist, erklärt sich ohnehin von selbst. Langsam und langweilig, das ist eine Kombination ohne Zukunft, Flair und Esprit. Mich wundert ja, dass der Fußgänger seit Erfindung des Fahrrads nicht schon ausgestorben ist oder wenigstens in seiner Population massiv dezimiert. Wenn es intelligentes Design gibt und die Clowns aus ihren verbohrten Sakristeien so Unrecht haben, wie man annehmen darf, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Fahrrad die Welt übernimmt. Nennt mich alt, nennt mich konsequent, nennt mich doch, was ihr wollt: Ich bin ein early adopter, ich bin die Speerspitze der Evolution. Ich bin Tante Raja, und ich fahre Rad.

ART: silke schmidt – silkeundich.de

Ich bin keine militante Radfahrerin. So was gibt es nämlich gar nicht. Militante Radfahrerinnen sind ausgestorben, genau wie die Dinosaurier gestern und der Kameradschaftsbund morgen. Allesamt sind sie Opfer der Evolution, die dafür sorgt, dass sich der Trend zur Zweit-Gehirnzelle auf breiter Front durchsetzt. Ich bin höchstens eine konsequente Radfahrerin, diesen Vorwurf lasse ich mir gefallen. Was soll ich denn tun? Was sollte ich zum Beispiel in einem fahrbaren Blechsarg? Wenn ich jemanden beschimpfen will, dann mache ich das Aug in Aug, notfalls mit der Handtasche als Waffe. Mich hinter dunklen Scheiben verstecken, das muss ich nicht. Nicht einmal eine Sonnenbrille habe ich Not. Wer meinen Blick nicht erträgt, ist ohnehin zu schwach für die Stadt. Was hätte ich im unterstädtischen Darmwind verloren, solang ich darin auf die Uhr schauen muss, wann er mich und mein Fahrrad in seinem stinkenden Bauch zu transportieren bequemt? Was könnte ich mit der Faschingsversion des Unterstädtischen anfangen, der Straßenbahn? Da bin ich ja im kleinsten Gang noch schneller auf meinem Fahrrad.

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