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Zeitschrift des VCP | Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder 1 P 1963 Nr. 3/2013 | ISSN 1651-2441

anp Gemeinschaft

Leben

Jugend

Besinnung

auf neuem Pfad

Kommt mit auf Hajk

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vcp aus dem Verband

EDITORIAL 3

Vorneweg

Impressum ISSN 1615-2441 anp (seit 1921) ist die Zeitschrift für die Mitglieder des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Sie erscheint viermal im Jahr. Anschrift: VCP-Bundeszentrale Wichernweg 3 D-34121 Kassel Tel.: 0561/7 84 37-10, Fax: 05 61/7 84 37-40 E-Mail: anp@vcp.de, Internet: www.vcp.de Verleger: Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) e. V. Herausgegeben im Auftrag der Bundesleitung von Roman Heimhuber Chefredaktion: Diane Tempel-Bornett Ständige Redaktionsmitglieder: Christian van den Boom (Kellertreppe), Peter Brümmer, Jascha Buder, Marc Forkmann, Sandra Grünewald (KrimsKrams), Verena Kunberger, Chris Pollak, Andreas Witt (Himmelsleiter), Philipp Zedelius. Mitarbeit an dieser Ausgabe: Alexander Butzon, FSJler in der VCP-Bundeszentrale Illustration: Jascha Buder (www.jabu.de) Fotoredaktion: Peter Brümmer Satz und Layout: Chris Pollak (chrispollak.com) und Peter Brümmer (drazilgraphix.de) Druck: Druckerei Strube, Felsberg Anzeigenverwaltung: Dirk Rumpff Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht immer die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich die Kürzung von Artikeln und Leserbriefen vor. Die Redaktion behält sich in Einzelfällen unter Berücksichtigung der gesetzlichen Grundlage entsprechende Bearbeitungen von Veröffentlichungen vor. (Informationen: www.vcp.de) Der Umwelt zuliebe wird anp auf 100 % Recyclingpapier gedruckt, das mit den Umweltzeichen „Blauer Engel“ und „Nordischer Schwan“ ausgezeichnet ist. Die Herstellung dieser Zeitschrift erfolgt mit freundlicher Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Titelbild von David Kraus: Die Sippe Känguruhs hajkt in den italienischen Alpen.

FOTO: CHRIS POLLAK

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Pfadfinderinnen und Pfadfinder, wir, das Jugend-anp-Team vom Stamm Totila Karlshuld (Region Isar, Land Bayern) hat sich intensiv mit dem Thema Hajk beschäftigt. Zum ersten Mal ging die anp-Redaktion auf Tour und gastierte bei uns im schönen Oberbayern. Wir haben uns sehr über den Besuch gefreut. Es kursieren ja viele Schreibweisen zum Beispiel: Hike, Haik, Hajk und viele andere. Wir einigten nach kurzer Diskussion für die Schreibweise: Hajk. Warum das Thema Hajk? Unser Stamm hat zum Hajken eine sehr enge Verbindung. Auf einem Hajk kann man neue Erfahrungen machen, über den Tellerrand hinausschauen. Es ist schlichtweg ein Thema, mit dem sich jede Pfadfinderin und jeder Pfadfinder auseinander setzen kann. Wir erzählen von unseren Hajkerfahrungen, aber wir haben auch für euch Checklisten vorbereitet, um euch bei den Vorbereitungen zu eurem Hajk zu unterstützen. Und für alle, die erst mal im Gruppenraum hajken wollen, gibt es ein HajkSpiel. Außerdem hat uns die „Planen-Frage“ beschäftigt. Aber dazu mehr im Heft … Wir hatten an diesem Wochenende mit der Redaktion jede Menge Spaß und hoffen sehr, dass euch diese Ausgabe gefällt. Kommt mit uns auf Hajk! Herzlichst Gut Pfad aus Karlshuld Eure Jugend-anp-Redaktion

Teresa Hammer Te


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8 AUSBLICK

Alle vier Jahre findet das World Scout Jamboree, das Treffen aller Pfadfinderinnen und Pfadfinder weltweit, statt. Zum nächsten Jamboree lädt vom 28.Juli bis 8. August 2015 die Scout Association of Japan nach Kirarahama im Südwesten Honshus, der größten der japanischen Inseln, ein.

anp: Wie dürfen wir uns das Jamboree-Büro in Ykoso irasshaimashita! Würden wir schon besser Japanisch sprechen, dann hätten wir mit diesen Worten Mari Nakano und Hiroshi Iwasaki in Berlin willkommen heißen können. Dort haben sie bei den Europakonferenzen über den Stand der Planungen für das nächste World Scout Jamboree 2015 berichtet. Wir haben die Gelegenheit genutzt und sie für die anp interviewt. anp: Was ist eure Aufgabe für das Jamboree 2015? Mari: Ich leite das Planungsteam für das kommende Jamboree. Hiroshi: Und ich trage Maris Computer (beide lachen) – naja, kommt schon mal vor, aber eigentlich bin ich der Manager (Geschäftsführer) des Jamborees.

Das Gespräch mit Mari Nakano und Hiroshi Iwasaki führten die VCPKontingentsleiterinnen für das Jamboree 2015 – Annette von Stockhausen und Susanne Heinrich.

30.000 Teilnehmende aus der ganzen Welt werden zu diesem Jamboree erwartet – wir deutsche Pfadfinderinnen und Pfadfinder auch! Und daher wird (zusammen mit dem BdP und der DPSG) auch der VCP am nächsten Jamboree teilnehmen und sich auf den weiten Weg nach Japan machen. Insgesamt ungefähr drei Wochen wollen wir auf dem Jamboree und in Japan unterwegs sein. Weitere Informationen zum Jamboree gibt es auf der VCPHomepage http://jamboree.vcp.de und auf der Homepage des deutschen Kontingents http:// www.worldscoutjamboree.de.

anp: Das heißt, euer Arbeitgeber ist momentan das Jamboree? Hiroshi: Ja, ich bin dort beruflich angestellt – aber Mari nimmt ihre Aufgabe ehrenamtlich wahr. anp: Bis zum Jamboree sind es immer noch zwei lange Jahre. Wann habt ihr mit den ersten Überlegungen für ein solches Großprojekt begonnen? Mari: (überlegt einen Moment): Das ist schon einige Zeit her ... Wir haben unser Konzept vorbereitet, damit es auf der Weltkonferenz 2008 in Korea beraten werden konnte.

Tokio vorstellen? Wie viele Menschen arbeiten dort, um dieses Mega-Event zu organisieren? Hiroshi: Ui, das ist so einfach nicht zu sagen. Viele waren bis zu diesem Sommer auch in die Durchführung des Nippon-Jamborees eingebunden. Das war ja sozusagen die Generalprobe. So ungefähr 20 bis 30 Menschen arbeiten kontinuierlich an der Vorbereitung des Jamborees. Das werden mit der Zeit natürlich immer mehr, je näher der Sommer 2015 rückt. Mari: Bei der Durchführung selbst arbeiten natürlich noch viele mehr mit. Ohne die Helfenden im IST (International Service Team) kann ein solches Lager nicht stattfinden. Beim Nippon-Jamboree hatten wir rund 3.000 Menschen im IST. anp: Apropos Generalprobe, das Nippon-Jamboree ist gerade erst beendet. Gibt es schon Erfahrungen, wo ihr sagen könnt: „Daraus haben wir etwas gelernt, um es beim World Scout Jamboree anders zu machen?“ Beide fast gleichzeitig: Oh ja, allerdings! Mari: Wir hatten an einem Tag ungewöhnlich viel Regen – jedenfalls für diese Jahreszeit. Das hat Teile des Zeltplatzes überfordert. Wir wissen jetzt, dass wir auf solche Situationen mit Notfallplänen und Evakuierungen vorbereitet sein müssen. Hiroshi: Wir werden in den nächsten zwei Jahren weitere Teile des Zeltplatzes aufbereiten, damit der Boden mehr Wasser aufnehmen kann – und man nicht wieder bis über die Knöchel im Schlamm steht.


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AUSBLICK

AUSBLICK 9

2015? Jamboree? Japan? Auch wenn du im Sommer 2015 schon über 18 Jahre alt bist, kannst du beim Jamboree dabei sein – nämlich als Mitglied des „International Service Team“ – kurz IST.

Mari: Uns hat auch das große Interesse am „peace programme“ überrascht. Bei diesem ProgrammModul steht die Gedenkstätte des Atombombenabwurfs 1945 in Hiroshima im Mittelpunkt. anp: Wir werden immer wieder auf die Katastrophe von Fukushima angesprochen. Es besteht große Sorge, ob denn sichergestellt ist, dass wir auf dem Jamboree keine belasteten Lebensmittel bekommen. Hiroshi: Lebensmittel werden in ganz Japan – sicherlich vergleichbar mit Deutschland – regelmäßig kontrolliert. Wenn sie gewisse Grenzwerte überschreiten, dürfen sie nicht in den Handel gebracht werden, sie können also gar nicht gekauft werden. Auch die japanische Bevölkerung ist inzwischen sehr aufmerksam geworden und achtet beim Einkauf auf die Herkunft der Lebensmittel. Eigentlich ist nur der Handel mit Produkten aus der direkten Sperrzone um Fukushima verboten. Inzwischen ist es aber so, dass Produkte aus der gesamten Präfektur (vergleichbar einem Bundesland) nicht mehr erhältlich sind, weil sie sowieso niemand kauft. Für das Jamboree ist da also nichts zu befürchten. anp: Das Motto des Jamborees lautet „WA – a spirit of unity“. Wie kam es zu diesem Titel und gab es auch andere Vorschläge? Mari: WA hat im Japanischen viele Bedeutungen. Es ist eines der ältesten Worte für Japan, steht aber auch für Gemeinschaft, Harmonie, Frieden, Zusammenarbeit oder Freundschaft. Das sind alles Werte, die zu uns Pfadfinderinnen und Pfadfindern perfekt

passen. Damit war das Motto schnell gefunden. anp: Wie funktioniert Pfadfinden eigentlich in Japan? Ist es wie in anderen asiatischen Ländern in den Schulalltag integriert, also verpflichtend? Hiroshi: Nein, es ist genauso wie in Deutschland. Die Kinder und Jugendlichen entscheiden selbst, ob sie mitmachen möchten. Die Gruppenstunden finden in Räumen der Stadt oder der Kirche, aber auch in Tempeln statt. Sie treffen sich etwa dreimal im Monat – aber nicht an einem Wochentag, sondern immer am Wochenende. Mari: In Japan gibt es ungefähr 140.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Eine örtliche Gruppe/Stamm hat im Schnitt rund 100 Mitglieder. anp: Was ist euer größter Wunsch für das Jamboree 2015? Mari: Am meisten wünschen wir uns, dass die Jugendlichen das Jamboree 2015 genießen, eine gute Zeit haben und die einzigartige Atmosphäre der weltweiten Gemeinschaft des Pfadfindens spüren können. anp: Wir danken euch für das Gespräch und wünschen euch viel Erfolg für das Gelingen des Jamborees. Wir freuen uns darauf, in Japan mit dabei zu sein!

Denn ein World Scout Jamboree kann ohne Tausende von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aus aller Welt nicht erfolgreich durchgeführt werden. Da sind Menschen wichtig, die Workshops anbieten, im Lager-Supermarkt und der Mitarbeitendenverpflegung arbeiten, die Toiletten putzen, Erste Hilfe leisten, Besucher oder Journalistinnen durch das Lager führen, die (Teil-)Lagerleitungen unterstützen, den Weg weisen, als Ordner fungieren ... Alle Talente sind gefragt und alle Fähigkeiten werden benötigt! Wer als Mitglied des IST am Jamboree teilnehmen möchte, sollte sich gut auf Englisch und/ oder Französisch verständigen können und dazu bereit sein, zum Gelingen des Jamboree beizutragen – auch wenn die Arbeit anstrengend oder die Arbeitstage lang sind. Der IST-„Trupp“ gehört zum deutschen Kontingent und nimmt am Vorlager und am Nachprogramm des VCP teil. Denn der VCP wird bereits einige Tage vor dem Jamboree nach Japan reisen, um sich zu akklimatisieren und erste Eindrücke vom Land zu sammeln. Und nach dem Jamboree werden wir noch für ungefähr eine Woche West-Japan erkunden. Die gesamte Unternehmung „Jamboree“ wird für uns daher zwischen ca. dem 23.7. und dem 20.8.2015 stattfinden (die genauen Reisedaten können jetzt noch nicht festgelegt werden). Bist du dabei? Dann melde dich bis zum 15. Dezember 2013 (für IST verlängert!) unter www.vcp.de/jamboree/ ist-informationen-und-anmeldung an! Auf dieser Seite erhältst du auch alle weiteren Informationen wie z. B. den Teilnahmepreis und die genauen Teilnahme- und Reisebedingungen.


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10 AUSBLICK

Baumkuchen ist grün und Kitty wird Pfadfinderin Beim diesjährigen Nippon Jamboree, gleichzeitig war es auch das 30. Asia Pacific Region Scout Jamboree, gab es ein „Study Visit“-Programm, bei dem man für ein paar Tage ins Nippon Jamboree reinschnuppern und sich über den Planungsstand für das World Jamboree 2015 informieren konnte.

Eindrücke aus Japan

Ich habe mir dafür eine kleine Auszeit vom meinem Sommerurlaub in Japan genommen und als Vertreter des VCP-Kontingents daran teilgenommen. Untergebracht war ich im „Jam-Hotel“. Das hieß, dass ich in einem kleinen Plastikzelt im Adults Camp, dem Lagerplatz für zentrale Mitarbeitende, einziehen durfte. Die Führung über den Lagerplatz war leider etwas kurz, besonders die Zeit beim Besuch der Teillager war sehr knapp. Da hätte es noch viel mehr zu entdecken gegeben. Immerhin gab es eine Vorschau auf die Küchen-Ausstattung, die jeder Trupp bekommen wird. Einer der Höhepunkte der Führung war die Jamboree Plaza, wo es neben dem Scout Shop und einer kleinen Bühne noch viele kleine Stände gab, wo Speisen und Getränke verkauft wurden. Beim Klo-Besuch auf dem Lagerplatz musste man aufpassen, nicht unverhofft ein asiatisches Hock-Klo zu erwischen. Es gab aber, wie eigentlich überall in Japan, hinreichend „westliche“ Toiletten.

Von David Fritzsche, München

Am nächsten Tag gab es viel Zeit für Fragen von den Kontingenten, die auch teilweise beantworten wurden. Leider nicht immer zu unserem Vorteil. Ein Jamboree zu organisieren ist nicht einfach und anhand der verschiedenen Fragen wurde deutlich, dass jedes Kontingent anders ist und spezielle Sonderwünsche hat. Immerhin sind deutsche Jurten und Kohten bei den Organisatoren nicht völlig unbekannt. Am Abend gab es eine unterhaltsame Abschlussveranstaltung, bei der der Jamboree-Song vorgestellt wurde und die in einem Feuerwerk einen krönenden Abschluss

fand. Das nächste Asia-Pacific Jamboree wird übrigens 2017 in der Mongolei stattfinden. Vor dem Study Visit habe ich Japan auf eigene Faust in mehreren Etappen zwischen Tokio im Osten und Yamaguchi im Westen durchstreift und viel Interessantes entdeckt und bestaunt: Multifunktionsklos mit Fernbedienung, pünktliche und komfortable Hochgeschwindigkeitszüge, Baumkuchen in der Geschmacksrichtung „grüner Tee“, Hello-Kitty Aufnäher im Scout Shop des japanisches Pfadfinderverbandes, alte Burgen, kleine Hotelzimmer, die allgegenwärtigen Getränkeautomaten, ein Straßenfest in Tokio, und vieles mehr. Mein Fazit: Wir werden 2015 ein spannendes Jamboree erleben und haben mit Japan ein faszinierendes Gastgeberland, in dem es unendlich viel zu entdecken gibt. Da lohnt es sich, auf Fahrt zu gehen!


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vcp christliches Leben

12 HIMMELSLEITER

Hajken und Pilgern – anders oder ähnlich?

Bilder und Texte sollen zum Nachdenken anregen.

Sandra Schnell fragte Stefanie und Gunther Wiendl, Pfarrerehepaar in Karlshuld nach Parallelen und Unterschieden von Hajk und Pilgerfahrt. Stefanie ist schon den Jakobsweg gegangen, Gunther hat (noch) keine Pilgererfahrung.

Folge der Muschel ...

anp: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Hajken und Pilgern? Stefanie Wiendl: Für mich gibt es zunächst keinen Unterschied: Man zieht gute Schuhe an, packt Proviant und setzt seine Füße in Bewegung. Aber man pilgert für sich. Hajken hat mehr was von Gemeinschaftserlebnis – beide haben das Ziel, etwas zu erreichen, worauf man stolz sein kann. Vergleichbar bei Pfadis erlebe ich den in vielen Stämmen praktizierte Schweigemarsch vor besonderen Anlässen, z. B. vor einer Halstuchverleihung. Gunther Wiendl: Der Pilger geht auf den Weg in der Erwartung und der Hoffnung auf eine Vertiefung seines geistlichen Erlebens. Er hat Augen, Ohren und Herz offen für die Begegnung mit Gott. Pilgern findet auf einer besonderen Route statt, auf der auch andere Menschen mit ähnlichen Erwartungen – oder vielleicht sogar schon Erfahrungen – unterwegs sind. So kommt man leichter ins Gespräch, auch über geistliche Dinge. Und dann ereignet sich vielleicht schon die Gottesbegegnung: Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind …

anp: woher stammt die Tradition des Pilgerns? Gunther: Schon in antiker Zeit suchte man besondere Orte der Inspiration auf, z. B. das Orakel von Delphi und stellte fest, dass der äußere Weg zum Ziel einen inneren Weg der Erkenntnis und der Öffnung hervorbringt. Auch in der Bibel wird von einer Pilgerreise und ihrer Wirkung erzählt: Nach dem Tod Jesu wandern zwei Jünger verzweifelt von Jerusalem nach Emmaus – ca. 30 km, ein Tagesmarsch. Auf dem Weg denken sie über ihr Leben und ihre Zeit mit Jesus nach. Ein Unbekannter geht ein Stück mit ihnen, steigt in das geistliche Nachdenken mit ein. Am Ziel ihrer Reise erkennen die Jünger: Jesus ist auferstanden – er lebt. Martin Luther lehnte das Pilgern übrigens kategorisch ab, weil man zu seiner Zeit die Wallfahrten machte, um sich einen besseren Platz im Himmel zu verdienen. Aber: dass das Laufen heilsam für die Seele ist, erfahre ich immer wieder in der Seelsorge. Wenn der Körper in Bewegung kommt, dann kommt auch manches Festgefahrene in unserer Seele in Bewegung. anp: Warum gehen Menschen auf eine Pilgerreise? Gibt es bestimmte Beweggründe? Stefanie: Mir sind viele Menschen begegnet, die aus schwierigen Lebenslagen kamen. Pilgern ist eine Auszeit, um über das eigene Leben nachzudenken, Ballast, den man nicht braucht, auf dem Weg zu lassen; Zeit, sein Leben zu ordnen. Ich habe erlebt, dass der Jakobsweg einen Zauber hat: dass Menschen, die offen und wohlgesonnen sind, vom Wandern automatisch zum Pilgern kommen. anp: Sollte man besser alleine oder in der Gruppe pilgern wie beim hajken? Stefanie: Das sollte man für sich entscheiden. Ich habe eine Bekannte mitgenommen. Wir hatten im Voraus ausgemacht, dass jede ihr Tempo läuft und respektiert, wenn die andere heute nicht reden mag. Zu zweit und doch frei zu sein, war eine gute Kombination. Jede hatte die Sicherheit, dass die andere mit dem Handy erreicht werden konnte und greifbar war.


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am Ziel angekommen

Fußballweltmeisterschaft In einer Großgruppe zu pilgern kann ich mir nur als sinnvoll vorstellen, wenn beim Laufen weitgehend geschwiegen wird, damit man seinen Gedanken nachhängen kann. Das ist wesentlich beim Pilgern – anders als im Alltag, wo man doch immer Rede und Antwort stehen muss, am besten mit fundierter Begründung, alle Eventualitäten bedenkend, empathisch zugewandt … Gunther: Wer einen Hajk mitmachen kann, kann auch Pilgern. Damit aus einem Hajk eine Pilgerreise wird, sollte man sich auf die spirituelle Herausforderung einstellen: den Tag mit einer biblischen Losung beginnen, Kirchen am Weg besuchen oder abends in der Gruppe geistliche Lieder singen. Nachdenken und Gespräche über Gott und den Glauben ergeben sich dann fast von alleine. Und wenn nicht – ist das auch nicht schlimm. anp: Stefanie, was war das schönste Erlebnis deiner Pilgerreise? Stefanie: Es ist wunderschön, den Muscheln (Wegweiser) folgend durch ver-

schiedene Vegetationen, strömenden Regen, Straßen mit vielen Häusern, kalte Massenschlaflager, menschenleere Hohlgassen, auf harten Wegen, steinigen Anstiegen und weichen Waldböden sich auf ein 100 km entferntes, noch völlig unbekanntes Ziel zuzubewegen und dann ´urplötzlich´ am Ziel zu sein; die Aussicht, das Erreichte genießen, stolz auf sich zu sein, es geschafft zu haben. Und ich habe die Sicherheit gewonnen: Wenn man auf dem Jakobsweg wirklich Hilfe braucht, dann ist sie – wie aus dem Nichts da. anp: Eignet sich Pilgern auch für Jugendliche oder junge Pfadfinderinnen und Pfadfinder? Stefanie Pilgern ist klar auch was für Pfadis – jedes Alter kann seine Art des Pilgerns finden. anp: Kennt ihr schöne Pilgerwege in Deutschland? Gunther: Es gibt in Hamburg einen „Pilgerpastor“, Bernd Lohse, E-Mail: lohse@ jacobus.de. Mehr Informationen auf:

www.kirche-hamburg.de. Jede Region hat inzwischen ihre eigenen Pilgerwege entwickelt. Entweder als eigenständige Routen oder auch als „Anschlusswege“ für den Jakobsweg, nachzuschauen unter www.deutsche-jakobswege.de) Stefanie: Ich muss gestehen, mit deutschen Pilgerzielen habe ich mich nicht befasst. Der Jakobsweg geht ja fast durch die ganze Welt. Mir gefällt, da zu laufen, wo ich die Sprache nicht unbedingt verstehe und kaum Bekannte treffen werde ... Das liegt wohl an meinen Leben, da habe ich mit unzähligen Menschen gerne Kontakt und rede und höre das ganze Jahr. Im Urlaub möchte ich mich spüren und im Rhythmus meines Körpers leben. Sich-selbst-hören, das geht beim Pilgern super gut. !Ultreya!

Und noch ein Tipp der Redaktion: Ab November gastiert die Wanderausstellung „Unterwegs fürs Seelenheil. Pilgerreisen gestern und heute“ im Bremer Fockemuseum. www.focke-museum.de


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vcp Pfadfinden

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Entdeckungen auf dem Balkan: Montenegro

Von Oliver Wild, Wachenheim Nach einem Flug nach Podgorica und einer Nacht auf einem kleinen Zeltplatz gings gleich an den Beginn eines Fernwanderweges. Anfangs erinnerte uns die Landschaft an den Pfälzer Wald, das änderte sich jedoch, sobald wir über die Waldgrenze kamen. Wir folgten den Markierungen immer weiter, bis wir vor einer Senke standen. Eigentlich hätte der Weg nur an einer Stelle die Senke verlassen können. Also liefen wir querfeldein, um nicht in die Senke absteigen zu müssen. Wir hatten uns getäuscht: Dort waren doch keine Markierungen. Was jetzt? Es wurde bereits dunkel und das Wasser war knapp. Wir wussten nicht, wo wir waren. Um uns lagen einige Schneefelder, aus dem Schnee schmolzen wir Kochwasser. Am nächsten Morgen war zwar kein Weg, aber endlich mal wieder ein Tal in Sicht. Wir liefen immer weiter bergab, frühstückten zwischendurch an einer Quelle und erreichten im Tal ein Dorf, das an einem See lag. Dort fragten wir nach dem Namen des Sees. Der Mann sagte: „Rikava ko jezero“ und schon fand ihn Olli auf unserer Karte. Wir waren keine zwei Kilometer von der albanischen Grenze entfernt, die an dieser Stelle zum Glück aus einer Bergkette mit überwiegend

Montenegro wurde 2006 unabhängig von Serbien. Und was weiß man sonst noch von diesem jungen Staat? Das fragten wir uns auch. Insgesamt 16 Pfadis, davon 15 aus dem Gau Altburgund und einer aus dem Gau Neuburgund (Land Rheinland-Pfalz/Saar), wollten auf einer Balkanfahrt das Land erkunden. senkrechten Wänden bestand. Wir liefen wieder zurück auf den Fernwanderweg und waren am Abend am Tagesziel des vorherigen Tages. Nach einem Gipfel folgte ein steiler Abstieg, der durch ein vereistes Schneefeld noch schwerer wurde. Nach dem einer von uns im Schneefeld abrutschte – zum Glück ohne Verletzungen – spannten wir ein Seil über eine schmale Stelle, so dass alle sicher das Schneefeld überqueren konnten. Die Rucksäcke ließen wir mit dem Seil über das Schneefeld herunter. Wer rechnete in diesen Breitengraden mit so etwas? Wir nicht! Nach vier Tagen erreichten wir wieder die Zivilisation. Wir erkannten – wir kamen so nicht voran, zumindest nicht, wie

wir geplant hatten. Deshalb beschlossen wir, direkt in den Durmitor, ein Bergmassiv in einem Nationalpark, rund 2.500 m hoch, zu fahren, wo wir uns der nächsten Herausforderung stellten. Wir hatten einen Tag, jedoch drei Ziele: Die Eishöhle Ledena Plecina, der Bobotov Kuk, der als höchster Berg Montenegros gilt und die Berghütte am Veliko Škr ko Jezero. Im Nationalpark ist nämlich wildcampen strengstens verboten. Auf den ersten Kilometern verfolgten uns zwei herrenlose Hunde. Pünktlich zum Mittag erreichten wir die Eishöhle. Nach einer Besichtigung wurde unser zweites Ziel von einer Wolke umhüllt. Aber in die Richtung mussten wir ja trotzdem. Hier erschwerten riesige Schneefelder und


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Flach war es selten.

Mit solchen Schneefeldern rechnete niemand.

über 30° steile Berghänge den Weg. Das Wetter wurde jedoch wieder besser, so dass wir einen Gipfelversuch wagten. Erfolgreich standen wir bei schöner Aussicht auf dem 2.523 m hohen Bobotov Kuk. Jetzt mussten wir mehrere hundert Meter absteigen, dann wieder 50 m aufsteigen. Leicht, dachten wir uns. Bei diesem kleinen Aufstieg bremsten uns allerdings mehreren Kletterstellen, ebenso beim Abstieg. Gerade noch vor der Dunkelheit erreichten wir die Hütte. Nach zwei weiteren Tagen durch Schluchten, Urwälder, gegen Ende dann auch wieder über Fahrwege, endete auch dieser Teil der Fahrt. Wir freuten uns alle auf die Rafting Tour auf der Tara. Noch nie sahen wir so klares Wasser wie dort. Eine weitere Woche machten wir noch eine Fahrt im Küstengebirge. Wir hofften auf eine bessere Infrastruktur, die gab es aber nur direkt an der Küste. Die Sicht auf die Bucht von Kotor war jedoch grandios. Auf uns warteten Burgruinen, verlassene Dörfer mit noch funktionierenden Zisternen und vieles mehr. Sicher haben wir uns auch wieder mal verlaufen und das Wasser ging zur Neige. Aber mit etwas Glück fanden wir ein Wasserloch, sodass

Aufstieg zum Maglic

zumindest dieser Tag gerettet war. Wir beschlossen, umzukehren und zur Küste abzusteigen. Nach einigen weiteren Tagen an der Bucht von Kotor, dem südlichsten Fjord Europas, ging auch dieses Abenteuer zu Ende. Die drei Wochen in Montenegro waren dadurch geprägt, dass wir immer wieder auf Unerwartetes gestoßen sind.

Ob steile Schneefelder oder Kletterstellen – nichts konnten wir auf den Karten erkennen. Wir können eine Fahrt in Montenegro jeder abenteuerlustigen Ranger-/ Roverrunde wärmstens empfehlen. Auch wenn das Land sehr klein ist, ist es doch so vielfältig, dass viele schöne Regionen noch auf eine Erkundung durch uns Pfadis warten.

Viele nützliche Infos zu Montenegro findet ihr auf www.fahrtentipps.de.


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Jugend | Hajk

Inhalt

v AUS DEM VERBAND MAL WIEDER IM SCHLOSS BELLEVUE ZU BESUCH ……………… 04 VERDIENSTMEDAILLE ………………………………………… 05 NACH DEM HOCHWASSER …………………………………… 05 HILFREICH UNTERWEGS ……………………………………… 06 GUTE NEUIGKEITEN VOM ZELTPLATZ IM NORDEN ……………… 07 A SPIRIT OF UNITY: DAS JAMBOREE IN JAPAN ………………… 09

c CHRISTLICHES LEBEN HIMMELSLEITER: HAJKEN UND PILGERN ………………………………………… 12

p PFADFINDEN BREITGETRETEN: KOMM MIT AUF HAJK DER WEG IST NOCH WEIT – DAS HAJK-SPIEL … ……………… 20 ESSEN – GANZ WICHTIG BEIM HAJK …………………………… 22

FOTO: DAVID KRAUS

DIE PLANENFRAGE… ………………………………………… 24

„Mir sind viele Menschen begegnet, die aus schwierigen Lebenslagen kamen. Pilgern ist eine Auszeit, um über das eigene Leben nachzudenken, Ballast, den man nicht braucht, auf dem Weg zu lassen; Zeit, sein Leben zu ordnen.“ Aus: S.Wiendl: Hajken und Pilgern, S. 12

„Damals sprach man auch nicht von Sturm, Regen und Blitzen! Das war früher noch ein Windhauch, eine Dusche und Licht.“ Aus D. Kraus: Hajken mit Kothenplane? S. 24

WELCHER HAJK-TYP BIST DU? ………………………………… 25 GLOBUS: IN DIE SONNE, DIE FERNE HINAUS …………………………… 26 ENTDECKUNGEN AUF DEM BALKAN …………………………… 28 KRIMSKRAMS ……………………………………………… 30

KELLERTREPPE ………………………………………………… 34 BUCHECKE …………………………………………………… 36 STÄMME VOR ORT | Totila aus Karlshuld ………………………… 37 REAKTIONEN/SERVICE ………………………………………… 38

„Unsere Reiseroute liest sich ein bisschen wie das Inhaltsverzeichnis des Liederbocks: mit einer Reiterschar, das uns noch auf Kaffee und Kuchen einlädt nach Nizhni Novgorod…“ aus A. Witzky: In die Sonne, die Ferne hinaus… S. 26


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