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Globalisierung 9

Neue alte Weltunordnung Der Westen als Vorbild für den Rest der Welt – das war einmal. Auch die Vorstellung von der Welt als Dorf ist Illusion. Die „Global Network Society“ verschiebt die Perspektiven.

Foto: Zara Pfeifer

Von Sonja Fercher

s ist ein spannendes Gedankenexperiment: Stellen wir die Weltkarte doch einmal auf den Kopf. Betrachten wir die Welt aus einer anderen Perspektive und nicht mehr aus jener, die uns so vertraut wie plausibel erscheint. Laut der traditionellen Darstellung ist der Westen im Zentrum, und die internationalen Beziehungen sowohl in Politik als auch in Ökonomie drehen sich rund um dieses Zentrum. Doch was, wenn es anders wäre? Dass sich die Welt seit dem Ende des Kalten Krieges massiv verändert hat, ist klar. An die Stelle der Bipolarität werde die Unipolarität rund um die Weltmacht USA und ihre Verbündeten treten, dachte man anfangs. Spätestens im vergangenen Jahrzehnt aber wurde deutlich, dass

die neue Weltordnung so einfach nicht ist. Russland ist wieder zu einem gewichtigen Akteur aufgestiegen, ebenso China. Dazu kamen Länder wie Brasilien, Indien und Südafrika. Bald fasste man diese fünf Akteure unter dem Label BRICS zusammen. Zugleich scheinen geografische Grenzen und nationale Barrieren zu schrumpfen, und durch die neuen Medien wird die Welt vermeintlich zu einem globalen Dorf. Einen interessanten Erklärungsansatz für die neue Weltordnung hat der spanische Soziologe Manuel Castells bereits Ende der 1990er Jahre mit seiner „Global Network Society“ entwickelt. Auf den ersten Blick wirkt diese bestechend: Statt nach Systemen will er die Welt nach Netzwerken geordnet verstanden wissen. Angesichts

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