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De n k raum Das Wissensmagazin der Universität Liechtenstein | No. 04 | Mai 2016

06 WELCHES WACHSTUM WOLLEN WIR? Es ist Zeit, neue Modelle zu erdenken und umzusetzen.

10 EXPERIMENTIEREN FŰR EINE POSTFOSSILE ZUKUNFT Ein gemeinschaftlicher Versuch für mehr Gesundheit, Nahrungsqualität und faire Arbeit.

19 DATENSCHUTZ BRAUCHT DATEN Wie Big-Data-Anwendungen helfen, Datenschutz zu beflügeln.

Schwerpunkt Wachstum

Höher, schneller, weiter?

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Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser Unser Leben und Arbeiten hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich verändert und für die meisten Menschen dramatisch beschleunigt. Die frühere klare Unterteilung zwischen Arbeits- und Freizeit löst sich zunehmend auf. Moderne Kommunikationstechnologien verwischen diese Grenze zunehmend. Heute checken wir unsere Emails nochmals kurz vor dem Schlafen gehen – es könnte schliesslich noch etwas Wichtiges ins Postfach geflattert sein. Schnell auftauchende, disruptive Technologien lehren etablierten Geschäftsmodellen das Fürchten, in der Freizeit überfordern uns unzählige Auswahlmöglichkeiten für Unterhaltung zu jeder Zeit und im Hochfrequenzhandel an der Börse entscheiden Millisekunden über den Erfolg. Höher, schneller, weiter – die Maxime der modernen Wirtschaft durchdringt dank Digitalisierung und Globalisierung unser aller Leben. Ob in der Wirtschaft, in Beziehungen oder Karrieren – was früher als stabil und planbar galt, ist heute flexibel und unvorhersehbar. Der permanente Anstieg der Komplexität in unserem Alltag ist das einzige Wachstum, auf das noch zu 100 % Verlass ist.

Mit Blick auf das Wohl des Einzelnen, auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen stellen wir uns die Frage: Können wir uns den Glauben an Wachstum in dieser Form nach wie vor leisten? In dieser Ausgabe zeigen wir, welcher Wert darin liegt, das menschliche Miteinander in den Fokus zu stellen. Aus dieser Überzeugung heraus formen wir an der Universität Liechtenstein Persönlichkeiten, die nachhaltig und wertorientiert das wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschehen mitgestalten. Freuen Sie sich auf Geschichten über Alternativen für mehr Menschlichkeit und Nachbarschaft in Wirtschaft und Region. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre. Ihr

Klaus Näscher Rektor der Universität Liechtenstein


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Inhalt Ausgabe No. 04 06 Leitartikel Welches Wachstum wollen wir?

14 Soziale Integration Gekommen, um zu bleiben?

21 Impact Liechtenstein Digitalisierung macht den Unterschied

08 Soziales Unternehmertum Wenn Unternehmergeist sich dem guten Zweck verschreibt

19 Forschung im Fokus Datenschutz braucht Daten

22 Die Sache mit der Rente Altersvorsorge in Zeiten von Nullwachstum

20 Uni Gestalten Einen Augenblick, bitte …

25 In Kürze Highlights und anstehende Veranstaltungen

Wachstum bringt Wohlstand – auf diesem Gedanken fusst unsere Zivilisation. Es ist Zeit, neue Modelle zu erdenken und umzusetzen.

Social Entrepreneurship vereint auf unterschiedliche Weise soziale Verantwortung und Unternehmertum. Eine Spurensuche.

10 Standpunkt Experimentieren für eine postfossile Zukunft Über den gemeinschaftlichen Versuch für

Von überall zieht es die Menschen ins Rheintal. Stellt sich die Frage: Wie kann die Region die Herausforderungen durch diesen multikulturellen Zuzug meistern?

Jeder Schritt hinterlässt heute digitale Spuren. Das Datenwachstum zu drosseln, ist kaum eine Alternative. Wie Big-Data-Anwendungen helfen, Datenschutz zu beflügeln.

Studiengangsmanagerin Paulina Bracher im Portrait.

mehr Gesundheit, Nahrungsqualität und faire Arbeit.

Ressourcen sparen und gleichzeitig Wachstum erreichen? Jungunternehmen im Digital-Bereich setzen um, was sich etablierte Unternehmen erst erarbeiten müssen.

Die Wirtschaft wächst, die Löhne steigen, die Aussichten sind rosig – das war einmal. Finanzexperten der Universität Liechtenstein beleuchten die aktuelle Situation.

26 Denkanstoss Mehr Freiraum

12 Stimmen vom Campus Architekturworkshop: Mit Abfall bauen

Aufruf zur Beseitigung von Denkbarrieren von Mario F. Broggi, ehemaliger Liechtensteiner Universitätsrat und renommierter Ökologe.

Warum es wichtig ist, Kindern eine neue Perspektive auf Abfall zu geben.

Impressum Herausgeber Stabsstelle Kommunikation, Universität Liechtenstein Fürst-Franz-Josef-Strasse, 9490 Vaduz, Liechtenstein Chefredaktorin Inga van Gessel Redaktion Martin Angerer, Mario Broggi, Heike Esser, Andi Götz, Michael Hanke, Yvonne von Hunnius, Sascha Kraus, Christiane Mähr, Leonard Witte Kontakt Stabsstelle Kommunikation T +423 265 12 73, F +423 265 11 12

Grafik und Gestaltung Leone Ming Est., Intensive Brand 9494 Schaan, Liechtenstein agentur@leoneming.com Anzeigenpartner creativeservice ag, fokusmedien 9494 Schaan, Liechtenstein T +423 375 23 23, kunde@fokusmedien.li Druck BVD Druck + Verlag AG, 9494 Schaan, Liechtenstein www.bvd.li Erscheinungsweise  Halbjährlich Auflage  35 000 Aktuelle Ausgabe und Archiv: www.uni.li / publikationen

Model  Benjamin Zürn Fotograf  Darko Todorovic


Leitartikel

07

Welches

Wachstum brauchen w ir?

Wachstum bringt Wohlstand – auf diesem Gedanken fusst unsere Zivilisation. Doch unter bisherigen Voraussetzungen hat Wachstum ausgedient als Garant für den Wohlstand künftiger Generationen. Es ist Zeit, neue Modelle zu erdenken und umzusetzen. Text: Yvonne von Hunnius

N

ur eine Bilanz mit gesteigertem Gewinn macht Investoren glücklich. So bringt auch die Erweiterung des privaten Fuhrparks um ein neues Auto neidische Blicke und dem Besitzer grosse Befriedigung. Dass Wachstum Wohlstand schafft und bedeutet, dieses Grundmuster zieht sich durch alle Gesellschaftsbereiche. Und gerade in Krisenzeiten gewinnt Wachstum – beispielsweise der Liechtensteiner Banken – an regelrecht magischer Bedeutung. Dagegen steht eine Erkenntnis, die der ehemalige Liechtensteiner Universitätsrat und renommierte Ökologe Mario F. Broggi in seinem Denkanstoss so formuliert: «Es gibt in unserer physischen Welt mit endlichen Ressourcen kein unendliches Wachstum.» Zielkonflikte sind vorprogrammiert Broggi bringt auf den Punkt, was schon lange Inhalt von Lehre und Forschung an der Universität Liechtenstein ist. Das Dilemma ist altbekannt: Schon im Brundtland-Bericht von 1987 wurde formuliert, was Wachstum können muss, um nachhaltig Wohlstand zu schaffen. Dort wird nachhaltige Entwicklung als eine solche definiert, «die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können». Dieser Forderung wird unsere Gesellschaft nur selten gerecht. Die Wissenschaftler Martin Angerer und Michael Hanke zeigen in ihrem Beitrag, welche Probleme dies nach sich ziehen kann. Das System der Altersvorsorge ist abhängig von Wirtschaftswachstum und momentan herrschen extrem niedrige Wachstumsraten und Zinsen. Vielleicht ist dies nur eine temporäre Erscheinung. Manche Ökonomen gehen aber davon aus, dies werde zur Normalität, was gravierende Konsequenzen für die Pensionshöhe des Einzelnen hätte. Intelligentes Wachstum ermöglichen Es braucht neue Modelle für eine enkeltaugliche Zukunft. Und die meisten Menschen wünschen sich solche, bei denen sie auf möglichst wenig verzichten müssen. Dabei stehen Effizienz und Konsistenz hoch im Kurs. Mithilfe eines effizienten, konsistenten Einsatzes von

Ressourcen – beispielsweise durch neue Konzepte oder Technologien – wird besser und schonender genutzt, was zur Verfügung steht. Das könnte langfristig eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenausschöpfung möglich machen. Digitalisierung treibt solche Entwicklungen entscheidend voran. Am Beispiel des Liechtensteiner Start-ups Reachbird von Universitätsabsolventen ist zu sehen: Kluge Köpfe und digitale Technik können den Ressourcenaufwand drastisch minimieren und dabei den Weg für nachhaltiges Wachstum bereiten. Dabei wird sich auch die Qualität des Wachstums verändern müssen. Der Bevölkerungsanstieg im Rheintal kann laut Hugo Dworzak raumplanerisch nur auf eine neue Art und Weise beantwortet werden. Der Leiter des Instituts für Architektur und Raumentwicklung plädiert für Verdichtung – ein Ende der Trennung zwischen reinen Wohn-, Gewerbe-, Einkaufs- oder Industriegebieten. Das Mehr an Menschen bedarf laut Dworzak der Integration und Durchmischung. Sonst entstehe eine explosive Stimmung statt Lebensqualität. Quelle für neues Denken Tatsächlich gibt es einen zaghaften Trend hin zu Modellen, die Qualität statt Quantität im Blick haben. Die Wissenschaftler Leonard Witte und Sascha Kraus sind dem Phänomen des sozialen Unternehmertums nachgegangen. Auch Sozialunternehmern geht es um Wachstum, jedoch weniger um quantitatives als um qualitatives Wachstum. Ihr Ziel ist positiver Wandel. Die Idee findet immer mehr Anhänger unter Vertretern einer neuen Generation, die Beruf und gesellschaftliche Verantwortung eng miteinander verbunden sieht. Nicht nur hier wird deutlich, welch wichtige Quelle für neue Zukunftsmodelle Hochschulen wie die Universität Liechtenstein sind. Es gilt, sich Zusammenhänge genau anzusehen. Existiert zudem der Freiraum, Denkmuster zu durchbrechen, kann Wachstum neu gedacht und auch der Samen für zukunftsfähige Lösungen gesät werden.


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Soziales Unternehmertum

Unternehmergeist Wenn

sich dem guten Zweck verschreibt Social Entrepreneurship findet immer mehr Unterstützer und Sympathisanten in der Gesellschaft. Dabei vereint das Konzept auf unterschiedliche Weise sozial verantwortliches Handeln und Unternehmertum. Auf Spurensuche nach den Hintergründen eines verheissungsvollen Wandels. Text: Prof. Dr. Dr. Sascha Kraus und Leonard Witte

I

m Dorfladen Langenegg im Bregenzerwald braucht niemand Euro oder Franken – Brot und Butter gibt es auch gegen Talente, eine komplementäre Dorfwährung, die mithilfe eines Rabattsystems den örtlichen Einzelhandel in Schwung bringt. «Der neue Dorfladen sollte von Anfang an gesichert werden. Denn ohne Dorfladen leiden die Gemeinschaft und die anderen Betriebe. Wir wollten aber nicht nach dem Staat rufen und die Lösung delegieren, sondern selbst unternehmerisch anpacken», sagt Gernot Jochum-Müller. Damit bringt er den Ansatz von Sozialunternehmern auf den Punkt. Jochum-Müller ist Vorstandsmitglied der Vorarlberger Allmenda Social Business Genossenschaft. Allmenda setzt Modelle für alternative Dorf- und Regionalwährungen um, die als Vorzeigeprojekte gelten. Sie bieten Gemeinden und Regionen Komplettangebote für eigene Währungen an. Laut Erhebungen führt das System allein in Langenegg bei 1100 Einwohnern zu einer Wertschöpfung von rund 650 000 Euro jährlich.

Unermüdlicher Einsatz für eine Idee In den 60er-Jahren operierten nicht gewinnorientierte Organisationen und gewinnorientierte Unternehmen noch weitestgehend unabhängig voneinander. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das geändert. Heute haben die Zweige sogar zusammengefunden. Das Ergebnis: Social Entrepreneurship. Dabei sollen gesellschaftliche Probleme – ob nun sozial oder ökologisch – durch unternehmerisches Handeln gelöst werden. Oder kurz gesagt: Mutter Theresa und der Unternehmer Richard Branson gehen eine Symbiose ein. Der Schriftsteller David Bornstein beschreibt soziale Entrepreneure als Menschen mit neuen Ideen zur Lösung wichtiger Probleme, deren Umsetzung sie unermüdlich vorantreiben – nicht bereit, Widerstände einfach hinzunehmen, bis sie ihren Ideen grösstmögliche Aufmerksamkeit verschafft haben. Während traditionelle Unternehmer als Wachstumsgrösse die Maximierung ihres persönlichen Gewinns ins Auge fassen, treten Sozialunternehmer diesem Trend im Stillen


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Vordenker Muhammad Yunus:

Sozialunternehmertum hat starke Wurzeln in der Armutsbekämpfung. Als wichtiger Vorreiter versuchte Muhammad Yunus durch das Mikrokreditsystem, Armut zu verringern. Die von Yunus etablierte Grameen Bank bietet in Entwicklungsländern, vor allem in Bangladesch, Kleinstkredite zu äusserst geringen Zinsen. Dadurch erhält der ärmere Teil der Gesellschaft – und darunter überdurchschnittlich oft Frauen – die Möglichkeit, sich selbst ein kleines Unternehmen aufzubauen und sich dadurch aus der Armut zu befreien. 2006 wurde Muhammad Yunus für sein Engagement mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. entgegen. Kapital ist für sie ein Mittel zum Zweck, der Erfolg aber definiert sich über den Grad der sozialen Wirkung, den sogenannten Social Impact. Selbstverständlich ist auch hier der Gewinn eine notwendige Bedingung – jedoch nicht der wesentliche Unternehmenszweck – und wird wieder in die Unternehmung investiert. Auch bei Sozialunternehmen geht es also um Wachstum, jedoch weniger um quantitatives als um qualitatives Wachstum. Ihr Ziel ist positiver Wandel. «Unternehmertum ist sozial» Daniela Merz ist so eine unermüdliche Kämpferin. Und das mit dem Gewinn ist für sie eine komplizierte Sache. Jawohl, das St. Galler Sozialunternehmen, dem sie als CEO bereits seit 2002 vorsteht, schreibt schwarze Zahlen. Sie sagt nur: «Wir geben Langzeiterwerbslosen Arbeit, Anerkennung und Halt. Doch wir wollen keinen Gewinn aus ihrer Situation ziehen.» Die Dock-Gruppe AG ist ein Erfolgsmodell als Sozialunternehmen, das ohne direkte Subventionen auskommt – nur die von den Sozialämtern zugewiesenen Arbeitnehmenden werden vom Staat unterstützt. Dabei wirkt die Dock-Gruppe AG wie eine verlängerte Werkbank. Insgesamt 1450 Mitarbeitende montieren Baugruppen oder verpacken Teile – Arbeit, die oft ins Ausland verlagert wird. Bevor eine Partnerschaft mit einem

Unternehmen eingegangen wird, muss dieses nachweisen, dass es dadurch keine Stellen abbaut. Die Idee soll nicht missbraucht werden. Die Dock-Gruppe AG hat mittlerweile an neun Orten der Schweiz eigene Produktionsstätten. Sie könnte weiterwachsen, doch tut dies nur noch via «Franchisesystem ohne Geld», sagt Merz. Für sie ist klar: «Das Unternehmertum ist für mich per se sozial.» Und Daniela Merz hat noch viele Unternehmensideen, die die Situation von Erwerbslosen verbessern können. Die Umsetzung läuft.

Hopkins‐Universität in Baltimore, USA, wuchs die Gesamtbeschäftigung seit den 1990-erJahren um vier Prozent, während die Beschäftigung im sozialen Sektor um 25 Prozent anstieg. Diese positive Tendenz setzt sich fort. Die Zeit ist reif Aber was bringt das Sozialunternehmertum gerade heute zum Blühen? Das mag daran liegen, dass Hürden gefallen sind, die über lange Zeit soziale Reformen verhindert haben. An die Stelle totalitärer Systeme sind vielerorts demokratische Regierungen getreten. Es wurde erkannt, dass Sozialunternehmen die Demokratie stärken und Probleme in Angriff nehmen, die der Staat nicht ausreichend be-

Rückendeckung für skalierbare Modelle Damit so manche Idee länger reifen darf, bevor sie Früchte tragen muss, gibt es immer mehr Organisationen, die Finanzierung «Wir wollten nicht nach und Beratungsleistungen anbieten. Die dem Staat rufen und die Lösung Stiftung Ashoka gilt delegieren, sondern selbst mit mehr als 3000 sogenannten Felunternehmerisch anpacken.» lows als weltweit Gernot Jochum-Müller, grösster Akteur. Neben Stiftungen Allmenda Social Business Genossenschaft wie der Schwab Foundation oder der Zürcher Social Entrepreneurship Initiative arbeitet. Zudem wächst eine neue Generation and Foundation ( SEIF ) hat sich hier auch die heran, die Beruf und gesellschaftliche VerantLGT Venture Philantropy Foundation ( LGT VP ) wortung wieder eng miteinander verbunden sieht. Und nicht zuletzt herrscht heute mehr einen Namen gemacht. 2007 von der FürstenTransparenz denn je über soziale und ökolofamilie von Liechtenstein gegründet, werden momentan 51 Sozialunternehmen in sechs gische Problemstellungen. Der französische Weltregionen unterstützt – insgesamt sind Schriftsteller Victor Hugo sagte schon: «Nichts über 57 Millionen Dollar investiert. «Unsere ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekomlokalen Teams arbeiten eng mit den Sozialmen ist.» Für Sozialunternehmertum ist sie unternehmen zusammen und stellen massgekommen. geschneiderte Unterstützung si­cher. Bei der Finanzierung heisst das Eigenkapital, Darlehen oder Spenden – je nach Geschäftsmodell», sagt Űber die Autoren: die Kommunikationsverantwortliche Natija Leonard Witte, B.Sc. hat im Rahmen eines Dolić. Die Entscheidung, wohin das Geld geht, ausbildungsstufenübergreifenden wie machen sich die Experten nicht leicht – skalierauch internationalen Forschungsprojekts im bar, effizient und besonders wirksam muss das Verbund mit den Universitäten Lüneburg Modell sein. Eine Analyse kann bis zu einem und Lappeenranta, Finnland unter Leitung halben Jahr dauern; insgesamt wurden bereits von Prof. Dr. Dr. Sascha Kraus an der rund 5000 Unternehmenskonzepte geprüft. Diese Menge nimmt nicht wunder, denn in der Tat steigt die Anzahl der Sozialunternehmer. Gemäss einer Studie der John

Universität Liechtenstein seine Abschlussarbeit zum Thema Social Entrepreneurship verfasst.


10

Standpunkt

Exper imentieren f ür eine

postfossile Zukunft Text & Foto: Andi Götz, Mitgründer der Gartenkooperative Liechtenstein-Werdenberg

A

nfang 2015 haben wir – ein paar Menschen, die sich für Ernährung, Gesundheit und globale Zusammenhänge interessieren – die Gartenkooperative Liechtenstein-Werdenberg ins Leben gerufen. Die Idee ist einfach und andernorts bereits erprobt: Wir produzieren gemeinsam Gemüse und decken unseren Bedarf für das ganze Jahr. Dabei teilen wir uns die Arbeit, die Kosten, die Ernte und das Risiko. Natürlich produzieren wir nicht vollständig an wirtschaftlichen Zwängen vorbei. Wer bei uns mitmacht, muss einen finanziellen Beitrag leisten, wir zahlen unserer Gartenfachfrau einen fairen Lohn, kaufen Setzlinge, haben ein benzinangetriebenes Auto und leben auch sonst nicht im Mittelalter. Und doch: Wir sind nach einem Jahr schon 97 Haushalte: Junge, Alte, Singles, Paare, Familien. Die einen kommen vor allem wegen der Gemeinschaft, die anderen nur wegen des Gemüses. Aber alle arbeiten mit – für eine wöchentliche Gemüsetasche mindestens zehn halbe Tage im Jahr. In diesem Sinne experimentieren wir ein wenig an einer postfossilen Zukunft herum. Irgendwann wird «höher, schneller, weiter» nicht mehr funktionieren, es werden nicht alle in alle Ewigkeit gut bezahlte Jobs haben und sich in der Welt der perfekten Arbeitsteilung glücklich kaufen können. Dann kann man auf uns zurückgreifen, die wir jetzt schon lernen, gemeinsam unser Gemüse selber anzubauen. Wir werden auch herausfinden, wie man das mit noch weniger Maschinen und mehr Handarbeit hinkriegt.

In diesem Sinne öffnen wir ein kleines Fensterchen und blicken neugierig in eine Zukunft, in der Subsistenzarbeit gleichwertig neben Erwerbsarbeit geleistet wird und in der wir weniger abhängig von fossil angetriebener Massenproduktion sein werden. Wir sind noch am Üben, aber riesigen Spass haben wir jetzt schon.

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Stimmen vom Campus

A rch i tekt u rwor kshop: mit Abfall baue n Jeder Einwohner Liechtensteins produziert pro Tag mehr als zwei Kilogramm Abfall. Doch was ist Abfall eigentlich? Soll man ihn verbrennen, deponieren oder recyceln, upcyceln, downcyceln? An einem 2-tägigen Architekturworkshop im Institut Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein befassten sich 34 Liechtensteiner Schülerinnen und Schüler mit den Themen Architektur und Abfall: es wurde diskutiert, gezeichnet und gebaut. Text: Heike Esser Foto: Michael Zanghellini

A

bfall sind gemäss Definition «nicht mehr benötigte Überreste in fester Form». Fast alle Gegenstände des täglichen Lebens werden eines Tages zu Abfall. Sei es, weil sie nicht mehr gefallen, ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen oder weil sie nicht mehr gebraucht werden. Ein Grossteil wandert in den Kehrrichtsack und landet je nach Region auf einer Deponie oder in einer Kehrrichtverbrennungsanlage. Aber Abfall ist nicht gleich Abfall: So kann das Tshirt, das zerrissen, verfleckt oder zu klein ist, noch zu Putzlappen verarbeitet werden ( downcycling ), die Glasflasche kann vom Getränkeproduzenten erneut befüllt und in den Verbrauch gebracht werden ( recycling ) und aus alten Lkw-Planen lassen sich schicke Taschen herstellen ( upcycling ). Workshop «Abfall( T )raum bauen!» Das Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein führte im Sommersemester 2016 einen zweitägigen Workshop für Kinder und Jugendliche einer Primarschulklasse aus Vaduz und zwei Realschulklassen aus Balzers mit dem Thema «Abfall( T )raum bauen!» durch. Begleitet wurden sie durch Lehr- und Fachpersonen sowie durch Architekturstudierende. «Denkraum» wollte wissen: warum ist es für die Kinder überhaupt wichtig, sich mit den Themen Abfall und Architektur auseinander zu setzen?


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Ingrid Kaufma nn-Sele  &  Ursula Schlegel

Es wurde geklebt, gehäkelt, gestopft, geschnitten – die Kinder waren unglaublich kreativ. Im Vorfeld wurden daheim und in der Schule Materialien wie Karton, PET Flaschen oder Geschenkpapier gesammelt. Unglaublich wie viel in kürzester Zeit zusammen gekommen ist. Genau das wollten wir den Kindern mit diesem Projekt bewusst machen. Das Thema Nachhaltigkeit ist wichtig und in aller Munde, jedoch sehr abstrakt. Durch das spielerische, kreative Auseinandersetzen an der Universität Liechtenstein konnten die Schülerinnen und Schüler eine andere Perspektive kennen lernen.

Realschule Balzers

Kinder und Jugendliche sind die Entscheidungsträger über unsere gebaute Umwelt von morgen. Daher ist unser Ziel, sie für Architektur zu sensibilisieren. Um dies greifbarer zu machen, haben wir uns im Workshop mit Abfall auseinander gesetzt – neben Architektur ein weiteres Thema aus unserem täglichen Leben. Durch das Kennenlernen und Entdecken von Abfallmaterialien in einem neuen Kontext, haben wir alle dazu gelernt: Egal ob Primar- oder Realschüler, Lehrer oder Experte. Diese unvoreingenommene Neugierde und Begeisterung der Teilnehmer war einfach toll. Machen statt reden – wir hoffen, dass den Schülern die Bedeutung ihrer eigenen Handlungen bewusster geworden ist.

Vera Kaps  &  te Celi na Mar ti ne z- Ca ñava Inst itut für Arch itek tur und Universität Liec hten stein

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Im Unterricht habe ich oft beobachtet, wie leichtfertig und gedankenlos meine Schüler mit Materialien umgehen. Das Alte wird schnell mit etwas Neuem ersetzt – das macht weder ökologisch noch ökonomisch Sinn. Das Projekt an der Universität hilft stärker gegen Verschwendung zu sensibilisieren und zeigt, wie man kreativ mit vielfältigen Ressourcen umgehen kann. Dabei war besonders schön zu beobachten, wie gut die Schüler der Primar- und Realschule zusammengearbeitet haben. Sie haben sich gegenseitig viel unterstützt und geholfen. Ich hoffe, dass meine Schüler zukünftig mehr schätzen, was sie bereits haben. Und dass sie die Bedeutung des Schutzes unserer natürlichen Ressourcen für sich begreifen.


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Soziale Integration


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Nur höher und dichter zu bauen ist nicht genug. Es müssen adäquate räumliche   Lösungen für menschliches Miteinander gefunden werden.

Gekommen, Um zu

bleiben?

Von überall zieht es die Menschen ins Rheintal – als Student, Fachkraft, Unternehmer oder aktuell als Flüchtling. Stellt sich die Frage: Wie kann die Region die Herausforderungen durch diesen multikulturellen Zuzug meistern? Text: Christiane Mähr Illustration: Alina Sonea

R

und 480 000 Menschen leben im Rheintal – Tendenz steigend. Das hängt allerdings wenig mit dem Flüchtlingsstrom zusammen, der Europa seit Monaten in Atem hält. Das Heranwachsen des Rheintals zu einem polyzentrischen Ballungsraum ist vielmehr eine Entwicklung, die ihren Anfang schon vor Jahrzehnten genommen hat. «Im Hinblick auf die Raumentwicklung werden wir immer mehr mit der Thematik der sozialen Integration zu tun haben,» ist Dipl.-Ing. Arch. Hugo Dworzak, Leiter des Instituts für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein, überzeugt. Dworzak betont, dass es in Zukunft weniger Wohn- als vielmehr Lebensräume zu schaffen gilt. Dass sich die bewohnten Gebiete des Rheintals dadurch aber noch weiter ausdehnen, schwebt dem

Architekten nicht vor: «Die Menschen an den Rand zu drängen, damit man beispielsweise mit anderen Kulturen möglichst wenig zu tun hat, ist ein Kapitalfehler, den wir aber leider sehr oft und immer wieder begehen. Wir verdichten nicht, sondern entflechten.» Seit Jahren werden Industrie, Gewerbe und Geschäfte an die Peripherie gedrängt, und gleichzeitig im Zentrum Wohnrauminseln geschaffen, wo nichts passiert. Die Folge: Man muss sich erst einmal ins Auto setzen, um dem Beruf nachgehen zu können, Einkäufe zu tätigen oder sich mit Freunden zu treffen. Dabei wäre es einzig beim Verkehr sinnvoll, ihn an den Rand zu drängen.


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Mischen von Aktivitäten. Das heisst: Wir dürfen keine Gebiete etablieren, die reine Wohn-, Gewerbe-, Einkaufs- oder Industriegebiete sind. Verdichtung mit dem Ziel der Integration ist eine infrastrukturelle und funktionelle Durchmischung. Im Grunde muss man nur den Dorfplatz oder das Stadtzentrum von einst als Vorbild nehmen. Diese öfDworzak fentlichen Plätze, die es übrigens etwa in Italien heute noch gibt, funktionieren, weil sich dort die unterschiedlichsten Menschen aufhalten können – vom Polizisten bis zum Pfarrer, vom Verkäufer über den Wirt bis zum Bettler. In einer Gesellschaft braucht es Akzeptanz und Toleranz, ansonsten ist Integration und Verdichtung nicht möglich und es entsteht eine explosive Stimmung.

«Es muss ein Umdenken stattfinden hin zur Entwicklung belebter Zwischenräume.» Hugo

Was hat soziale Integration mit Raumentwicklung zu tun? Warum bedeutet Verdichtung eigentlich Vermischung? Wo spielt sich das wahre Leben überhaupt ab? Im Gespräch gibt Hugo Dworzak Antworten auf diese Fragen. Seit Jahren drängen die Menschen ins Rheintal: vom Flüchtling bis zum Facharbeiter. Reicht dafür der Platz? Bevor wir über räumliche Kapazitäten sprechen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass hier keine homogene Bevölkerungsgruppe zu uns kommt. Die primäre Aufgabe als Gesellschaft besteht also darin, mit den immer grösser werdenden sozialen und kulturellen Unterschieden fertig zu werden. Dafür müssen wir räumliche Lösungen finden, sonst werden wir mit Blick auf das menschliche Miteinander scheitern. Sie sprechen von Integration? Ja und zwar konkret von sozialer Integration, die sich in räumlicher Hinsicht als notwendige Verdichtung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kulturen, gesellschaftlicher Schichten und Einkommen manifestiert. Diese Integration erfordert aber auch das

Und was können Architektur und Raumentwicklung dazu beitragen? Nicht nur Architekten und Raumplaner, auch Generalunternehmen und vor allem die Politik sind hier gefordert. Durchmischung kann nur gelingen, wenn es ein entsprechendes Angebot gibt. Wir brauchen Wohnanlagen, in denen es zusätzlich zum Wohnraum zum Beispiel einen Bäcker, Friseur oder sonst ein Geschäft im Erdgeschoss gibt. Das Erdgeschoss muss wieder der Strasse gehören und die Strasse wieder mehr zum vom Menschen belebten Raum werden. Die Strasse ist ja nichts anderes als ein langer «Platz». Drei bis vier Wohnanlagen sollten einen Aussenraum gemeinsam nutzen, um Nachbarschaft zu ermöglichen, anstatt jeweils eigene, an den Grundstücksrand gedrängte Kinderspielplätze aufzuweisen. Wir dürfen den öffentlichen Raum nicht hauptsächlich dem motorisierten Verkehr überlassen. Derzeit wird eine Strasse zur Hälfte vom fliessenden, einem Drittel vom ruhenden Verkehr und nur etwa ein Fünftel vom Fussgänger beansprucht. Aber dafür braucht es ja Baugründe … Nicht unbedingt, denn solche Areale können auch in bereits bebauten Gebieten sein. Man muss sie aufspüren, indem man zum Beispiel in einem Umkreis von 500 Metern oder einem Einzugsgebiet von 1000 Menschen

untersucht, ob es eine, noch besser zwei Wirtschaften gibt, ob ein Bäcker, ein Lebensmittelgeschäft oder eine Apotheke vorhanden ist. Ausserdem braucht es Orte, wo Menschen unterschiedlicher kultureller Abstammung zusammenkommen können – auch um Konflikte anzugehen und zu bewältigen, damit sie nicht im kriminellen Untergrund landen. Kennt man erst einmal die Infrastruktur, kann man schauen, was fehlt. Im Übrigen handelt es sich dabei meist nicht um den Wohnraum, wie etwa schon vor Jahren eine Untersuchung in Vorarlberg ergeben hat. Dabei kam man nämlich zu dem Ergebnis, dass es so viele leerstehende Wohnungen gibt, dass man fünf Jahre keine neuen mehr bauen müsste. Trotzdem wird immer noch viel gebaut. Genau. Umso wichtiger wäre es, dass hier ein Umdenken stattfindet. Initiativen wie die Vision Rheintal zeigen zwar, dass man sich der Situation bewusst ist. Getan hat sich allerdings noch nicht viel. Dabei wäre jetzt die richtige Zeit, das ganz bewusst anzupacken, denn noch haben wir auch die finanziellen Möglichkeiten. Abgesehen davon müssen wir einfach etwas ändern, weil wir uns sonst nur noch mehr voneinander entfernen. Um Integration und Verdichtung zu ermöglichen, braucht es Lebensräume, die einerseits Wohnraum bieten, um sich zurückzuziehen, andererseits aber auch Gemeinschaftsflächen, die den Menschen aufnehmen und ihn kommunizieren lassen. Wir haben uns die letzten 100 Jahre hauptsächlich um das Errichten von Gebäuden bemüht. Es ist Zeit, sich um den Raum dazwischen zu kümmern.


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Forschung im Fokus

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Datenschutz braucht Daten

Jeder Schritt hinterlässt heute digitale Spuren. Dabei türmt sich ein riesiger Berg an Daten auf, der für Individuen kaum zu kontrollieren ist. Das Datenwachstum zu drosseln, ist kaum eine Alternative. Statt dessen helfen BigData-Anwendungen, Datenschutz zu beflügeln. Text: Yvonne von Hunnius

I

m Internet soll es schnell gehen – da wird rasch «ok» geklickt, ohne zu wissen, welcher Funktion gerade zugestimmt wurde. Bequemlichkeit steht an erster Stelle, denn das Internet ist nicht zuletzt durch mobile Geräte zu einem unverzichtbaren Alltagsbegleiter geworden. Was die Entwicklung antreibt, sind massgeschneiderte Dienste, die so gute Helfer sind, weil sie Menschen bestens zu kennen scheinen. Und das tun sie tatsächlich. Google beobachtet seine Nutzer permanent und kann dadurch 90 Prozent seiner Umsätze durch passgenaue OnlineWerbung generieren. Das zeigt, wie wertvoll Daten sind. Nach aktuellen Schätzungen dürfte der Big-Data-Markt 2016 ein Volumen von rund 24 Milliarden Dollar erreichen. Neue Kontrollmechanismen für Datenschutz Dieses Potenzial ruft Betrüger auf den Plan. Sie profitieren davon, dass zugunsten der Bequemlichkeit oft die Sicherheit zu kurz kommt und der Überblick über die eigenen Daten längst verloren gegangen ist. Der Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Inhaber des Hilti Lehrstuhls für Business Process Management Jan vom Brocke sagt: «Durch unseren digitalen Fussabdruck werden wir transparent und verwundbar. Wir brauchen neue Kontrollmechanismen, denn der Einzelne kann seine Daten nicht mehr selbst schützen.» Selbst, wenn er anstelle von US-amerikanischen E-Mail-Providern auf europäische zurückgreift, abwechselnd unterschiedliche Internetbrowser nutzt oder Tracking-Dienste ausschaltet – all diese Massnahmen stossen an Grenzen. Nicht zuletzt, wenn Nutzer auf die Plattformen ihrer Banken vertrauen müssen.

Ironischerweise sind es genau Big-Data-Anwendungen, die Datenschutz verbessern und Betrüger dingfest machen können. Genau hier setzt Forschung des Instituts für Wirtschaftsinformatik an. Macht man

aber hier nicht den Bock zum Gärtner? «Nein, in den richtigen Händen kann die Analyse grosser Datenmengen entscheidend dazu beitragen, Betrug vorzubeugen und zu erkennen», sagt vom Brocke. Datenanalyse entlarvt Betrug Wird beispielsweise Software für eine Internetseite auf eine spezielle Weise gebaut, kann das Betrug und Datenklau verhindern. Die Universität arbeitet unter anderem mit dem Unternehmen Inventx aus Chur zusammen. Inventx ist ein IT-Dienstleister für Banken und auf Sicherheit spezialisiert. Seine Systeme werten grosse Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen aus; treten bestimmte Muster und Anomalien auf, wird der Verteidigungsmodus aktiviert. Für die Praxis kann auch aktuelle Forschung wichtig sein, an der Markus Weinmann von der Universität Liechtenstein beteiligt ist. Der Assistenzprofessor am Institut für Wirtschaftsinformatik hat in einem internationalen Forscherteam untersucht, inwieweit die Gefühlslage eines Internetnutzers die Mausbewegungen beeinflusst. Weinmann sagt: «Ein entspannter Computernutzer bewegt die Maus rasch in geraden Linien oder leicht gekrümmten Kurven. Je frustrierter oder negativer gestimmt er ist, umso langsamer, aber auch eckiger und länger fallen die Mausbewegungen aus.» Diese Erkenntnisse helfen letztlich auch, Verdachtsfälle für Betrug zu erkennen. Dazu ist unvermeidlich, selbst grosse Datenmengen zu sammeln und zu analysieren. Aber letztlich werden somit Daten-Betrüger auf legale Weise mit ihren eigenen Waffen geschlagen.

www.uni.li/bigdata


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Einen Augenblick, bitte …

Mit einem kleinen Umweg über die Malediven fand Paulina Bracher 2007 ihren Weg nach Liechtenstein. Schon als Bachelor- und Masterstudentin in BWL und Finance, schätzte sie die persönliche Atmosphäre auf dem Campus der Universität Liechtenstein. Heute betreut sie als Studiengangsmanagerin die Weiterbildungsprogramme in Treuhandwesen, Trustrecht, Intellectual Property und Compliance. Gerade zu Beginn und Ende des Semesters geht es für sie im Job heiss her. Eine kleine Auszeit – ob bei Kaffee oder im Wasser – ist da genau das Richtige, um neue Energie zu tanken.

Text: Inga van Gessel, Foto: Darko Todorovic, Location: Cafesito, Dornbirn ( AT )

Uni Gestalten


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Impact Liechtenstein

Digitalisierung macht den Unterschied Ressourcen sparen und gleichzeitig Wachstum sowie hohe Produktivität erreichen? Wer das will, muss sich nur bei Jungunternehmen im Digital-Bereich umschauen. Sie setzen von Anfang an um, was sich etablierte Unternehmen erst erarbeiten müssen. Text: Yvonne von Hunnius

«F

ünf Schreibtische, je einen Monitor und Laptop sowie je ein Smartphone genügen, um unser Start-up zu betreiben. Und natürlich braucht es eine Kaffeemaschine», sagt Stefan Debortoli. Er ist Mitgründer des Jungunternehmens Reachbird und Alumni des Hilti Lehrstuhls für Business Process Management. Seit Sommer 2015 hat Reachbird schon mehrere Dutzend Kampagnen abgewickelt, unter anderem mit Coca-Cola. Die Strategie: Mithilfe von digitalen Analysewerkzeugen macht Reachbird im Internet Meinungsführer ausfindig und baut sie clever in Marketingstrategien ein. Debortoli sagt: «Mit den Meinungsführern auf unserer Plattform können bereits über 50 Millionen Menschen erreicht werden.» Sein Promotionsstudium im Bereich Wirtschaftsinformatik hat Debortoli im letzten Herbst abgeschlossen. Die drei anderen Mitglieder des Management-Teams, Philipp Martin, Julian Freese und Benedikt Ess schliessen gerade ihr Studium im Studiengang Entrepreneurship ab. Weltmarkt im Blick Das digitale Start-up baut auf kluge Köpfe, die in Vaduz ausgebildet wurden. Das reicht, um ein Produkt zu entwickeln und es im Markt zu testen. «Das verringert initiale Kosten und Risiken für das digitale Unternehmen drastisch», so Debortoli. Zudem könne das Unternehmen auch gleich den globalen Markt im Blick haben.

«Das ist die Kraft der Digitalisierung,» sagt Jan vom Brocke, der Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Inhaber des Hilti Lehrstuhls für Business Process Management. Digitalisierung ermöglicht Wachstum ohne grosse Ressourcenallokation und diese Mechanismen haben Digital-Start-ups bereits in ihren Genen. «Das ist die Zukunft, digitale Innovationen werden Wirtschaft und Gesellschaft in allen Bereichen spürbar transformieren. Es ist wichtig, dass Liechtenstein sich zu einem sehr attraktiven Standort für digitale Start-ups weiterentwickelt», sagt vom Brocke. Digitalisierung als Wachstumsmotor Eine Studie von Andreas Brunhart ergab 2015: Liechtenstein hat ein volkswirtschaftliches Wachstumsproblem. Der Forschungsbeauftragte des Liechtenstein-Instituts und Dozent an der Universität zeigte auf, dass sich das Wachstum der Wirtschaftsleistung abgebremst hat. Für Jan vom Brocke ist die Schlussfolgerung klar: «Digitalisierung ist Teil der Lösung. Sie bietet enormes Produktivitätspotenzial, wenn wie bei Reachbird mit wenig Ressourcenallokation grosse Wertschöpfung erreicht werden kann.» Domänenwissen ist die Basis Dabei müssen grosse Unternehmen keinesfalls das Nachsehen haben. Der Liechtensteiner Bautechnologie-Konzern Hilti hat schon früh das digitale Denken eines Start-ups an den

Tag gelegt. Digitalisierung wird hier mitunter dazu verwendet, Produktivität zu steigern oder neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. So wird Kunden neben physischen Produkten auch spezifische Software angeboten. Das zeigt, wo sich für Liechtenstein Chancen entfalten können: Denn Digitalisierung allein ist nichts ohne ein tiefes Verständnis einer bestimmten Domäne, so vom Brocke. Liechtenstein ist zwar klein, doch es hat Experten, die zum Beispiel in den Bereichen Maschinenbau und Finanzdienstleistungen zu den besten zählen. Hervorragende Voraussetzungen, um auch in der digitalen Zukunft zu den Gewinnern zu zählen, sagt vom Brocke: «Auf dieser Basis können wir Sektoren neu erfinden und die Entwicklung aktiv mitgestalten.»

www.reachbird.io

Impact Liechtenstein zeigt Forschungsprojekte der Universität Liechtenstein sowie aktuelle Entwicklungen in Gesellschaft und Wirtschaft mit Mehrwert für Liechtenstein und seine Nachbarn.


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Die Sache mit der Rente

Altersvorsorge in Zeiten von Nullwachstum Die Wirtschaft wächst, die Löhne steigen, die Aussichten sind rosig – das war einmal. Heute hingegen steht Liechtenstein vor der grossen Aufgabe, sein Altersvorsorgesystem unter den aktuell ungünstigen demographischen und ökonomischen Entwicklungen zukunftssicher zu machen. An der Universität Liechtenstein befassen sich Forscher damit, wie Pensionskassen aufgebaut sind und vor welchen Problemen sie zurzeit stehen. Text: Ass.-Prof. Dr. Martin Angerer und Prof. Dr. Michael Hanke

E

ine Frage stellt sich Jung wie Alt: «Wie hoch wird meine eigene Pension einmal ausfallen?» Die Antwort darauf hängt von vielerlei Faktoren ab. Einige der wichtigsten davon sind: Auf welchen Säulen ( umlagefinanziert / kapitalgedeckt ) ruht die eigene Altersvorsorge zu welchen Teilen? Wie entwickelt sich zukünftig die Bevölkerungspyramide, insbesondere das Verhältnis zwischen Rentnern und aktiv Erwerbstätigen? In welcher Höhe und ab wann wurden Beträge für die eigene Rente angespart? Wie hoch wird das Wirtschaftswachstum während meines Erwerbslebens und während meines Pensionsbezuges sein? Umlagefinanziert oder kapitalgedeckt Umlagefinanzierte Pensionssysteme wie die AHV verwenden die eingezahlten Beiträge der aktiv Erwerbstätigen ( zuzüglich eines etwaigen steuerfinanzierten Staatsbeitrags ) unmittelbar und direkt zur Finanzierung der Renten aktueller Pensionisten. Im Gegenzug für ihre Beiträge erwerben Beitragszahler einen Anspruch auf eine Rente in bestimmter Höhe. Diese hängt neben der Anzahl der Beitragsjahre auch vom Verhältnis der Zahl der Rentner zur Zahl der aktiv Erwerbstätigen ab: Verschiebt sich dieses Verhältnis in Richtung «mehr Rentner», müssen entweder Beiträge erhöht werden oder die Renten sinken.

Im Unterschied dazu werden bei kapitalgedeckten Systemen die Beiträge der Zahler auf individuellen Konten geführt und bis zum Pensionsantritt von der Kasse veranlagt. Die erwirtschafteten Anlageerträge erhöhen das bis zum Pensionsantritt verfügbare Sparkapital ( manchmal als «dritter Beitragszahler»

bezeichnet ). Die Höhe der Pension hängt vom individuellen Sparkapital bei Pensionsantritt, vom Rentenantrittsalter und der Entwicklung der allgemeinen Lebenserwartung ab: Steigt diese, so werden die Renten geringer, weil das angesparte Kapital die Rente für einen längeren Zeitraum finanzieren muss. Faktor Wirtschaftswachstum Alle Pensionssysteme, unabhängig davon ob umlagefinanziert oder kapitalgedeckt, sind ganz wesentlich vom Wirtschaftswachstum abhängig. Bei umlagefinanzierten Systemen ist die Erhöhung von Beiträgen deutlich leichter möglich, falls aufgrund von spürbarem Wachstum die Reallöhne regelmässig steigen. Wenn die Wirtschaft hingegen stagniert und Löhne nicht angehoben werden können, führen Beitragserhöhungen zu Kürzungen des verfügbaren Einkommens und damit zu

Das Vorsorgesystem Liechtensteins

Forscher der Universität Liechtenstein setzen sich zurzeit in einem regionalen Projekt mit dem Altersvorsorgesystem Liechtensteins auseinander. Ziel des Projekts ist es, das aktuelle System für die Bürger transparent und übersichtlich darzustellen und die Einflüsse des demographischen Wandels und der ökonomischen Situation zu untersuchen. Dabei stehen insbesondere das Zusammenwirken der drei Säulen, grenzüberschreitende Aspekte sowie das Aufzeigen möglicher Verbesserungspotenziale im Vordergrund.


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Fazit Beiträgen und gleichbleibender Rentenhöhe Die eingangs gestellte Frage «Wie hoch eine Erhöhung des Rentenantrittsalters um ein Jahr alle sechs Jahre erfordern würde. In wird meine eigene Pension einmal ausfalVerbindung mit niedrigen Geburtenraten in len?» kann daher von niemandem präzise entwickelten Industrieländern führt dies zu beantwortet werden, da alle Pensionssysteme groben Verschiebungen in der Alterspyramide: von zumindest moderatem, aber vor allem Lag 2015 in Liechtenstein der Ein wesentlicher Unterschied zwischen Anteil der über 65-jährigen «Fehlendes bzw. zu geringes umlagefinanzierten und kapitalgedeckten noch bei 16.3 %, so prognostiziert das Amt für Statistik bis Systemen besteht darin, dass erstere vom Wachstum sind Gift Wachstum der lokalen Wirtschaft abhängig zum Jahr 2050 einen Anstieg für alle Typen von Altersvorsind, während kapitalgedeckte Systeme ihre auf 26.8 %. Während 2005 noch fünf 20- bis 64-JähriAnlagen weltweit investieren können und sorgeeinrichtungen!» damit selbst bei einer Rezession im eigenen ge einem über 65-Jährigem Michael Hanke Land von anderswo vorhandenem Wachstum gegenüber standen, sind profitieren können. Altersvorsorgesysteme, es 2015 nur noch vier und die nicht ausschliesslich auf eine der beiden im Jahr 2050 werden es, bei gleichbleibendem nachhaltigem Wirtschaftswachstum abhänSäulen setzen, gelten daher als «wetterfesPensionsantrittsalter, in etwa noch zwei Argen. Derzeit ist nicht klar, ob die derzeitigen ter» bzw. sicherer als solche, in denen – wie beitstätige sein, die einen Pensionisten erhalextrem niedrigen Wachstumsraten und Zinsen z.B. in Deutschland oder Österreich – ganz ten müssen, was für die umlagefinanzierte AHV nahe Null eine temporäre Erscheinung sind, überwiegend auf den umlagefinanzierten Teil eine grosse Herausforderung darstellen wird. oder – wie es manche Ökonomen ausdrücken – gesetzt wird. «the new normal», also so etwas wie eine neue Normalität, die die gewohnten ca. 3 % durchDie kapitalgedeckten Pensionskassen der zweischnittliches Wachstum pro Jahr abgelöst hat. ten Säule kämpfen mit Falls dem so ist, dann lautet die Antwort leider «Die Zeiten, in denen man die Zinsen für Anleihen nahe «deutlich niedriger, als du noch vor einigen Verantwortung für die Jahren erwartet hättest». Null ( bzw. im Frankenraum sogar im negativen Bereich ) eigene Pension ganz dem Staat für lange Laufzeiten, und überlassen konnte, sind auch die erwarteten Rendiwww.uni.li/altersvorsorge ten von Aktien bzw. anderen leider vorbei.» Martin Angerer risikobehafteten Anlageklassen sind niedrig wie noch selAktuelle Problemfelder ten zuvor. Gleichzeitig pumpen Notenbanken der Pensionskassen wie die EZB massiv Geld in den Markt, das Das Umfeld für Pensionskassen in Europa auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten die ist zur Zeit so schwierig wie noch nie zuvor Preise riskanter Anlagen weiter in die Höhe Űber die Autoren: in ihrer Geschichte. Derzeit entwickeln sich treibt, damit deren Renditen weiter senkt «Pension Finance» ist ein neuer Foralle relevanten Einflussgrössen ungünstig: Das und gleichzeitig die Gefahr für die Bildung schungsschwerpunkt von Prof. Dr. Michael Wirtschaftswachstum ist gering, wodurch es von Kursblasen deutlich erhöht. In manchen Hanke und Ass.-Prof. Dr. Martin Angerer Ländern wie z.B. der Schweiz kommt noch schwierig ist, Zustimmung für höhere Beiträge am Lehrstuhl für Finance. Seit Februar 2016 hinzu, dass über Jahre hinweg die Höhe der seitens der Beitragszahler zu bekommen, da läuft dazu ein lehrstuhlübergreifendes Renten von Neupensionisten nicht bzw. nicht dies zu spürbaren Einschnitten führt. GleichInitialprojekt, dessen Ergebnisse nach ausreichend an die veränderten Parameter zeitig steigt die Lebenserwartung, wodurch Abschluss der Bevölkerung in Liechtenstein der Finanzierungsbedarf für die Renten steigt. angepasst wurden, was zu groben finanziellen zur Verfügung gestellt werden. Weitere Schieflagen bei vielen Pensionskassen geführt Projekte in diesem Bereich sind in Planung Studien zeigen, dass sich die Lebenserhat, die erst zum Teil sichtbar sind und sehr bzw. bereits beantragt. wartung pro Jahr um etwa zwei Monate erschwierig zu lösen sein werden. höht, was bei Nullwachstum, gleichbleibenden sinkendem Lebensstandard. Kapitalgedeckte Systeme hängen über die Anlageerträge vom Wirtschaftswachstum ab: Aktienkurse steigen dann, wenn Wirtschaftswachstum erwartet wird. Auch die Zinsen, die auf Anleihen bezahlt werden, sind letztlich wachstumsabhängig.


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In Kürze

Rückschau

Studium und Beruf verbinden

Die Universität Liechtenstein setzt neue Schritte, um die Vereinbarkeit von Studium und Beruf für Studierende noch weiter zu verbessern.

Vorschau Do 19. Mai 2016 | 17.30 – 19.00 Uhr Universität Liechtenstein

33rd After-Work Lecture: Built To Fail – How Flaws in The Global Monetary System Produce Deflation Referent: Russell Napier, LLB ( Hons ), LLM ( Cantab ), FSIPAG

Di 24. Mai 2016 | 08.30 – 17.00 Uhr

Compliance-Day 2016

Good Governance – Wirtschaftskriminalität – Geldwäschereibekämpfung www.uni.li/complianceday

Di 7. Juni 2016 | 18.00 Uhr Universität Liechtenstein, Hörsaal 4

Infoabend Executive Masterstudiengänge ( LL.M. / EMBA ) : Start September 2016

Für viele Studierende stellt sich die Frage, wie sich eine teilzeitliche Berufstätigkeit – etwa zur Mitfinanzierung des Lebensunterhalts und zum Sammeln von praktischen Erfahrungen – oder auch die Betreuung von Familienangehörigen mit einem Studium zeitlich vereinbaren lässt. Die Universität Liechtenstein hat daher entschieden, die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie zu erleichtern, damit die Doppelbelastung die Studiendauer nicht über Gebühr verlängert. Zeitfenster und Selbststudium Die Bachelorstudiengänge an der Universität Liechtenstein sind so konzipiert, dass auch individuelle Studienverläufe und -planungen zur besseren Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie möglich sind. So bieten die Programme einen Gestaltungsspielraum, indem das Studienpensum zeitweilig oder dauerhaft reduziert wird. Ansprechpartner für weitere Informationen Cornelia Faisst ( BSc Architektur ), cornelia.faisst@uni.li Elisabeth Höfferer ( BSc BWL ), elisabeth.hoefferer.uni.li

Do & Fr 9. – 10. Juni 2016 Universität Liechtenstein

Family Office Forum 2016 Mi 6. – Fr 22. Juli 2016 Universität Liechtenstein und Sitterwerk, St. Gallen

Summer School 2016: ARTS & CRAFTS Hands on at 1:1 Scale www.uni.li/summerschool


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Denkanstoss

M e h r F r e i r au m Text: Dr. Mario F. Broggi ( Hochschul- und Universitätsrat 2007 – 2014 )

Im Film «more than honey» verarbeitete der Schweizer Regisseur Markus Imhoof das weltweit in Fachkreisen bekannte «Bienensterben» und zeigte u.a. auf, dass in China der Mensch die Kleinarbeit der Bienen bei der Bestäubung des Feldobstes übernehmen muss. Der Weltrat für biologische Vielfalt bezifferte den Wert dieser durch Bienen bestäubten Nahrungsmittel auf 235 bis 577 Milliarden US Dollar jährlich. In unseren Breiten hat sich der wichtigste Ernährungsort der Bienen – die bunte Blumenwiese – durch Überdüngung auf 1 – 2 % des Bestandes vor 50 Jahren mit dem Wirken der modernen Agrarwirtschaft reduziert. Unser «ökologischer Fussabdruck» ist 3 – 4 mal zu gross. Unter dem ökologischen Fussabdruck wird die Fläche auf Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und -standard eines Menschen mit den heutigen Produktionsbedingungen zu ermöglichen. Die «Grenzen des Wachstums» wurden uns bereits im Jahre 1972 von Dennis Meadows aufgezeigt. Bei der damaligen Systemanalyse stand medial die Ausbeutung von Rohstoffreserven im Vordergrund, die Zerstörung des Lebensraumes wurde 1992 mit dem Erdgipfel von Rio mit dem Begriff der Nachhaltigkeit in den Vordergrund gerückt.

Dr. Mario Broggi, Forstingenieur und Ökologe, ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Rates des Liechtenstein Instituts.

technologischer Tüchtigkeit ab, als von der Natur und ihren Rahmenbedingungen. Die bisherige Form des Wirtschaftens hat zwar einen Teil der Menschheit erheblichen materiNoch ist der überwiegende Teil der Menschheit nicht bereit die Konsequenzen aus den ellen Wohlstand gebracht, nur eben zu Lasten Anderer und vor allem der Biosphäre. Auch bei Verwerfungen des industriellen Fremdverenergischem Umsetzen von Umweltschutzsorgungssystems zu ziehen. Es fehlt uns jede Übung es anders zu machen. «Mehr» bedeuund Effizienzstandards können die herrschenden negativen Tendenzen nur abgemildert, aber «Es gibt in unserer physischen nicht verhindert Welt mit endlichen Ressourcen kein werden. Es gibt in unserer physischen unendliches Wachstum.» Welt mit endlichen Dr. Mario F. Broggi Ressourcen kein unendliches Wachstum. tet in der Regel auch «besser»: mehr Lohn, Die herkömmlichen Wirtschaftstheorien wermehr Umsatz, mehr Wirtschaftswachstum. den im Rahmen thermodynamischer GesetzWir brauchen angeblich mehr Wachstum. Es wird bedauert, dass in China das Wachstum mässigkeiten überdacht und überarbeitet wer«nur» mehr 6.5 % pro Jahr ausfalle. den müssen. Wir wurden auf wirtschaftliche Nützlichkeit getrimmt und das Bildungssystem passte sich den Marktbedingungen an. Wir Mit unserem ehemals grossen Vorrat an Kohlestoffablagerungen wurde die Illusion erhalten so kein besseres Verständnis der komplexen Transformationsprozesse für mehr geweckt unser Erfolg auf Erde hänge mehr Nachhaltigkeit. vom menschlichen Erfindungsreichtum und

Unsere Gesellschaft muss den Arbeitsbegriff neu überdenken, den nötigen sozialen Leim entwickeln und das Gedeihen der Mitwelt bejahen. Die herkömmliche Annahme, dass Wissen Macht ist, die dem persönlichen Vorteil dient, wird in eine Auffassung übergehen, welche die gemeinsame Verantwortung für das kollektive Wohlerheben der Menschheit und des Planeten als Ganzes mitträgt. Die Liechtensteiner Universität hat diesbezüglich zwei wertvolle Brückenpfeiler mit der Architektur und der Ökonomie. Wir müssen den Lernenden die Freiräume geben, die zum Nach-, Vor- und Querdenken nötig sind. Es gilt die Denkbarrieren zu beseitigen, die die «Wirklichkeit» nur so sehen lässt, wie sie nach verbreiteter Auffassung erscheint und nicht wie sie ist.

In der Rubrik «Denkanstoss» äussern Autoren ihre persönliche Meinung. Diese spiegelt nicht zwingend die Auffassung der Redaktion oder der Universität Liechtenstein wider.


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Wissensmagazin Denkraum der Universität Liechtenstein Mai 2016  

Schwerpunkt Wachstum

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