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De n k raum Das Wissensmagazin der Universit채t Liechtenstein | No. 03 | November 2015

Wagemut

MAL SPIELKIND UND MAL SPIESSER INNOVATION IST HANDWERK MUT ZU SCHEITERN

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Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser, Eines unserer wichtigsten Güter ist die Innovation. Es ist die Fähigkeit, neue Ansätze zu skizzieren und eigene, gefestigte Denkmuster zu durchbrechen. Dahinter steckt ein kreativer Prozess, in dem Bekanntes aus einem anderen, unkonventionellen Blickwinkel betrachtet wird. Denn wer verändern will, muss den Blick nicht nur nach vorne, sondern auch jenseits der bisherigen Pfade lenken. Das ist die ureigene Aufgabe einer Universität. Fakt ist: Ideen leben vom Austausch und Dialog zwischen Menschen, die den Blick über den Tellerrand wagen. Die Vision der Universität Liechtenstein ist es, einen Ort des mutigen Ausprobierens und Entwickelns von Lösungen für unsere Region zu schaffen.

neuen Generation des Unternehmertums im Alpenrheintal. Was sie eint? Die Dinge auf ihre Art zu machen, und der Wille die eigene Zukunft zu gestalten. Vertrauen, einen gesunden Pragmatismus und Geld – das braucht eine Idee, um Laufen zu lernen. In Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrisen leichter gesagt als getan. Ob Design Thinking Methode, Crowdfunding oder soziales Unternehmertum – wir zeigen, wie man aus der Not eine Tugend macht, und bieten neue Denkmuster für mehr Gemeinschaft. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre. Ihr

Dazu braucht es hervorragend ausgebildete Menschen mit Charakter, die die Herausforderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt angehen. Lebenslanges Lernen bildet dabei einen wichtigen Baustein für eine langfristig nachhaltige Zukunft. In dieser Ausgabe stellen wir Gründer und Kreative mit Leidenschaft und Wagemut vor. Diese Beispiele sind Ausdruck der Tatkraft einer

Klaus Näscher Rektor der Universität Liechtenstein


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12 09 Inhalt Ausgabe No. 03 06 Standpunkt Aafach macha!

Wie der Hoi-Laden Flügel bekam. Gründerin Cornelia Wolf über den Glauben an die eigene Geschäftsidee.

07 Leitartikel Mut macht klug

Wie das Denken und Handeln mutig werden kann und es dabei dennoch möglich ist, das Risiko im Blick zu behalten.

09 Forschung im Fokus So springt der Funke über die Grenze

Was regionalen Projekten auf CrowdFinanzierungsplattformen auf die Sprünge hilft.

10 10 Interview Mal Spielkind und mal Spiesser

Die Designer-Zwillinge Thomas und Martin Poschauko über ihre Experimente zur kreativen Ideenfindung.

12 Design Thinking Innovation ist Handwerk Die Design-Thinking-Denkschule schafft Raum für Innovation mit Effizienz und Pragmatismus.

16 Stimmen vom Campus Macher und Gestalter

Geschäftsideen und Kreativprojekte von Absolventen und Studenten der Universität Liechtenstein.

18 Impact Liechtenstein Von der Idee zur Umsetzung

19 Uni Gestalten Hansjörg Quaderer

Freischaffender Maler und Buchkünstler.

20 Wohnen mit Gemeinschaft Sehen, was andere übersehen

Wo Innovation ermutigt wird, erhält nachhaltiges Bauen im Dorf eine neue Richtung.

23 In Kürze Neuigkeiten aus der Universität Liechtenstein 25 Uni Kalender Veranstaltungen 26 Denkanstoss Mut zu Scheitern

Unternehmer Claudio Minder (Joya Schuhe) über seine erste berufliche Niederlage.

Eine grafische Zeitreise durch die Entstehungsgeschichte von frooggies – der schlauen Fruchtpulver Lösung für ein gesundes Leben.

Impressum Herausgeber Stabsstelle Kommunikation, Universität Liechtenstein Fürst-Franz-Josef-Strasse, 9490 Vaduz, Liechtenstein Chefredaktorin Inga van Gessel Mitarbeiterinnen dieser Ausgabe Kornelia Pfeiffer, Yvonne von Hunnius Kontakt Stabsstelle Kommunikation T +423 265 12 73, F +423 265 11 12 Grafik und Gestaltung Leone Ming Est., Intensive Brand 9494 Schaan, Liechtenstein agentur@leoneming.com

Fotografie (wenn nicht anders gekennzeichnet) Adrian Schröder, www.adrian-schroeder.de Illustration (wenn nicht anders gekennzeichnet) Alina Sonea, www.alinasonea.com Absolventin, MSc Architecture 2012

Erscheinungsweise  Halbjährlich Auflage  50 000 Aktuelle Ausgabe und Archiv: www.uni.li / publikationen

Anzeigenpartner creativeservice ag, fokusmedien 9494 Schaan, Liechtenstein T +423 375 23 23, kunde@fokusmedien.li Druck BVD Druck + Verlag AG, 9494 Schaan, Liechtenstein www.bvd.li

Model  Diogo Da Silva Architekturstudent der Universität Liechtenstein

Location  Takino, Schaan


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Standpunkt

  Cornelia Wolf erfüllte sich mit dem Hoi Laden einen Herzenswunsch.

  Cornelia Wolf

«Es gibt mehr Menschen, die zu früh aufgeben, als solche, die scheitern.» Diese Worte von Henry Ford kommen mir oft in den Sinn. Ob Bäuerin, Café-Besitzerin, Schiffsstewardess oder Walbeobachterin – schon immer hatte ich zahlreiche berufliche Träume. Viele Ideen blieben auf dem Boden, andere lernten fliegen – so wie der Hoi-Laden in Vaduz. Gemeinsam mit Florian und Sanel Batliner gründete ich diese Souvenir Boutique, in der wir authentische und modern interpretierte Geschenke und Accessoires mit Bezug zu

Liechtenstein entwickeln und verkaufen. Woher die vielzähligen Produktideen stammen? Die Inspiration kommt ganz klar aus meiner Liebe zur Heimat, dem hiesigen Leben und meiner Leidenschaft für Gestaltung, Mode und Kunst. Es sind gerade die Geschichten hinter den Produkten, ihre Herstellung und ihre Materialien, die uns und unsere Kundschaft begeistern. Und genau dieses Herzblut macht unser Geschäft aus. Sich als Jungunternehmerin mit einer neuen Idee am Markt zu behaupten, ist nicht einfach. Es braucht Mumm, um etwas Neues zu wagen. Selbst der beste Businessplan wird einen nicht vor den Höhen und Tiefen der Selbstständigkeit bewahren. Mut, Vertrauen,

ein gutes Bauchgefühl und klare Zahlen helfen in solchen Situationen. Ein gutes Team und ein ermutigendes Umfeld sind jedoch die wichtigsten Stützen. So ist der Sturz auf den Boden der Tatsachen nicht so hart, wenn es gerade mal nicht läuft wie geplant. «Und wenn meine Geschäftsidee am Ende doch nicht funktioniert?», mag sich der ein oder andere fragen. Ich bin überzeugt, dass das Scheitern ein wesentlicher Teil des Erfolgs ist. Drum mein Tipp: verliert das Ziel nicht aus den Augen, verzettelt euch nicht zu sehr, gesteht Fehler ein, und wenn nötig, macht eine Kehrtwende. Die Kunst ist es, immer wieder anzufangen und an seine Ideen zu glauben. Aafach macha!

Foto: Elma Korac

A a fac h m ac h a !


Leitartikel

Mut macht klug

07

Fortschritt braucht Innovation – beides ist nicht ohne Risiko zu haben. Wie das Denken und Handeln mutig werden kann und es dabei dennoch möglich ist, das Risiko im Blick zu behalten.   Yvonne von Hunnius

D

ie Erfolgreichen sind dies oft, weil sie auch mutig waren. Aber bei weitem sind nicht alle Mutigen erfolgreich. Das ist gemein. Es könnte so einfach sein mit der Korrelation: Erfolgreiche Unternehmer – ob sie nun wie Cornelia Wolf mit Partnern den kleinen Hoi-Laden gründeten oder wie Napster-Entwickler Shawn Fanning den Plattenlabels den Kampf ansagten – haben mutig Ideen realisiert. Leider ergibt sich daraus keine Kausalität, wonach Mut immer mit Erfolg belohnt wird. Da ist er – der Unterschied zwischen Übermut und Wagemut. Eine Gratwanderung, die die Existenz ausmachen kann. Denn wie viele Versuche haben initiative Menschen, um Risiken in Kauf zu nehmen?

viele Unternehmer der Region schon seit Jahrzehnten, wie das funktionieren kann. Mit ihren Entwicklungen behaupten sie sich auch auf internationalen Märkten. Sie wussten umzusetzen, was schon der Ökonom Joseph Schumpeter vor rund hundert Jahren als entscheidende Motive für wirtschaftliches Wachstum bezeichnete – gerade in StagnationsPhasen: Basis-Erfindungen. Diese sind laut Schumpeter die Impulse für Anschluss-Innovationen in breitem Umfang: «Ideen sind immer Kinder der Not.» In Zeiten des wachsenden globalen Wettbewerbs ist somit heute das am wertvollsten, was der Kreativität neuen Zündstoff und einen klaren Rahmen schenkt.

Claudio Minder hat die Erfahrung des Misserfolgs in neuen Erfolg übersetzen können. Heute sind sein Partner und er mit den JoyaSchuhen international bekannt. Doch diese Geschichten sind selten. «Da in vielen Bereichen Scheitern als Schande gilt», schreibt Michael von und zu Liechtenstein in einem Essay, «wird dem Scheiternden keine zweite Chance eingeräumt.» Doch wo immer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fortschritt stattfinden solle, sei auch der Mut zum Risiko zwingend notwendig.

Scheitern als Prinzip Da sind Mutmacher willkommen wie die Designer-Zwillinge Thomas und Martin Poschauko. Sie motivieren dazu, in Experimenten zu erforschen, wie man kreativ auf Ideen kommt. Ihnen geht es nicht nur um rationale Analyse, sondern auch um Inspiration bei handwerklicher Arbeit – und um den Bauch als Gradmesser.

Festhalten wird zum Risiko Natürlich sind manche Risiken unbedingt zu vermeiden. Dabei ist die pure Risikoaversion meist nur einen Schritt weit entfernt. Auch so manches innovative Startup hält nach dem anfänglichen Erfolg fest an denselben Prozessen, die sich bewährt haben. Aber eines Tages werden Geschäftsmodelle, etwa durch die Digitalisierung zunichte gemacht, werden Exportfirmen wegen des Frankenschocks und der Eurokrise zu einem ungewohnt harten Konkurrenzkampf gezwungen. Das sind Konstellationen, die nicht nur den Unternehmen des Rheintals bestens bekannt sind. Ein Dilemma tritt auf: Während Bewegung dringend notwendig wird, erscheint jeder Schritt umso riskanter. Zündstoff für Kreativität In diesen Situationen braucht es diejenigen, die wissen, wie sie die besten Wege trotz unbekanntem Terrain finden. Im Prinzip beweisen

Es braucht neue Prozesse, die Scheitern erlauben und damit Raum für Innovation schaffen. Beispielsweise wird durch die Design-ThinkingDenkschule Kreativität gefördert und der Fokus auf den Menschen neu justiert. Die Entwickler versetzen sich konsequent selbst in die Lage derjenigen, für die sie Lösungen suchen. Dadurch erhält auch ihr Bauchgefühl eine neue Qualität. Und das genaue Hinschauen, Ausprobieren, Scheitern und Erfahren hilft, Wage- von Übermut besser zu unterscheiden. Wer das kleinste Risiko scheut, geht das grösste ein. Welche Entscheidung nun zum Erfolg oder Misserfolg führt, kann man nur zu einem guten Teil theoretisch lernen. In der Praxis clever angepackt, ermöglichen mutige Entscheidungen und mutige Ideen, auch Risiken besser zu erkennen und zu kontrollieren. Die Folge: An die Stelle der Reaktion auf Veränderungen tritt eine aktive Gestaltung des Wandels.


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Forschung im Fokus

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So spr ingt der Funke

übe r die Gre nze Auf Crowdfunding-Plattformen finden Projekte Finanzierung und Investoren gute Rendite. Doch auch im Internet stellen regionale Grenzen eine Hürde dar. Ein Forschungsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, diese einzureissen.   Yvonne von Hunnius

D

ie Hightech-Blinksysteme für Radfahrer aus Vorarlberg leuchten über regionale Grenzen hinaus – Senitec Seniturn hat es geschafft. Die Jungunternehmer konnten ihre Geschäftsidee zu 197 Prozent finanzieren. Dafür haben sie sie nicht einer Bank, sondern auf einer Online-Plattform präsentiert und 105 Investoren gefunden. Crowdfunding und Crowdinvesting werden als alternative Finanzierungsmöglichkeit immer wichtiger. Investoren suchen in diesen Zeiten händeringend nach Renditemöglichkeiten. Sie finden Gefallen daran, Ideen an die sie glauben direkt zu unterstützen. Sie leihen den Projekten Geld oder erwerben Anteile, manchmal spenden sie auch einfach. Ein positives Beispiel ist die Ideenkanal-Initiative aus Liechtenstein, die über ein Internetportal erfolgreich Ideen für die Region in der Region voranbringt. Doch der Geldregen hat Grenzen – nationale und sogar regionale. Der Assistenzprofessor am Lehrstuhl für Finance, Martin Angerer, sagt: «Sogenannte Crossborder-Projekte sind im Schnitt weniger erfolgreich als solche, bei denen Investor und Projekt aus dem gleichen Raum kommen.» Experten erklären das mit dem Home-Bias: Menschen investieren gern dort, wo sie sich besser auszukennen glauben. Schlechtere Karten haben Projekte, die eine überregionale oder internationale Zielgruppe im Blick haben. Doch im kleinen Erfinderland Liechtenstein suchen Gründer oft grenzüberschreitend nach Finanzierung. Wie können also auch diese Projekte erfolgreich sein?

Genau hier setzt ein neues interdisziplinäres Forschungsprojekt an, dessen Startschuss im April 2015 gefallen ist. Es ist Teil des neuen Forschungsschwerpunkts der Universität «Grenzüberschreitendes Leben und Arbeiten» und will herausfinden, was regionalen Projekten auf CrowdFinanzierungsplattformen auf die Sprünge hilft. Beteiligt sind neben dem Finanzwirtschaftler Martin Angerer auch Professor Sascha Kraus vom Institut für Entrepreneurship und Dirk Zetzsche, Professor für Bank- und Finanzrecht. Sie nehmen an, dass Investoren bei grenzüberschreitenden Projekten mitunter ein zu grosses Risiko sehen. «Viele juristische Fragen sowie die Besteuerung sind noch nicht ganz klar geregelt – der Finanzierungsbereich ist schlicht zu jung», sagt Angerer. Deshalb soll auch herausgearbeitet werden, welcher Rahmen im Land ausländischen Investoren Sicherheit gibt. Zunächst wollen die Forscher aber genau wissen, was ein Projekt erfolgreich macht. Die wenigen Studien, die es dazu gibt, haben ergeben: Die Chance auf Unterstützung ist grösser, wenn die Idee in einem Video erklärt wird, oder der Gründer besonders viele Facebook-Freunde hat. Im Moment erstellt das Team eine virtuelle Plattform mit Ideen, zwischen denen sich Test-Investoren entscheiden können. Infos dazu wie auch für die am 9. November stattfindende Tagungsveranstaltung zum Thema Crowdfunding finden sich auf www.uni.li/crowdfunding. So kann bald jeder dazu beitragen, dass eines Tages regionale Projekte das Fliegen lernen.


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Interview

Spielkind u n d m a l Spiesser Mal

Sie überschreiten Grenzen und probieren Umwege aus. Die Designer-Zwillinge Thomas und Martin Poschauko erforschen in Experimenten, wie man kreativ auf neue Ideen kommt.   Kornelia Pfeiffer

Thomas und Martin, für euer vielfach ausgezeichnetes Buch NEA MACHINA habt Ihr einen Schriftzug und ein Porträt über 1000-mal variiert. Wer hat wie den Anfang gemacht? Den Anfang machen wir als Gestalter-Duo meistens gemeinsam – so auch hier. Das ist bei uns immer ein Austausch, was meist besser geht als es ganz allein zu probieren. Und dann spielt ihr ein endloses Spiel. Der eine ist ein intuitives «Kind», der andere der pragmatisch spiessige «Vater»? Wenn wir im Entwurfsprozess zu zweit an einem Projekt arbeiten, nehmen wir quasi abwechselnd die Rollen von «Spielkind» und «Spiesser» ein. Der eine experimentiert – der andere bewertet das Gemachte mit und hat ein Auge darauf, dass das Ziel nicht verfehlt wird. Das schafft ein entspanntes Gefühl und bewahrt uns davor, uns zu verirren. So erhält das Spiel klare Grenzen und zugleich ist dafür gesorgt, dass man ein Projekt nicht nur analytisch, sondern auch emotional bearbeitet. Welche Rolle spielt die Balance zwischen ziellosem Ausprobieren und Ergebnisorientierung? Es ist immer eine Doppelstrategie und immer ein stetiger Wechsel zwischen «Sich fallen lassen» und «Kontrollieren». Dieser Balanceakt ist eine grosse Herausforderung, er braucht viel Übung und Vertrauen, weil man immer wieder gefordert ist, in das Ungewisse aufzubrechen, wo es eben keine festen Regeln oder vorher gefasste Ziele gibt. Aber es lohnt sich, weil so Dinge auftauchen, die – zumindest für uns selbst – neu sind. Wenn man alles von vorneherein kontrolliert, ist es unwahrscheinlich, positiv überrascht zu werden. Und wenn man die Kontrolle komplett weglässt, verlieren sich die Ideen im Nichts. Und was, wenn ich nur das erkenne, was ich erwarte? Wenn man nur das für möglich hält, was bereits erprobt ist und was deshalb den vermeintlich sicheren Erfolg verspricht, setzt man

der eigenen Kreativität künstliche Grenzen. Das mag ausreichen, um in einem bestehenden System gut zurechtzukommen, ist aber schwierig, wenn man auf Neues stossen will. Der Designer Stefan Sagmeister sagte einmal, er denke, dass für die meisten schlechten Arbeiten nicht der schlechte Geschmack der Kunden verantwortlich ist – sondern eher die Annahme des Designers, er müsse dem «schlechten Geschmack des Kunden» entsprechen und könne deshalb nicht innovativ sein. Da ist sicher etwas dran und das trifft auf viele Berufe und Lebensbereiche zu. Wie wichtig ist Neugier für die Welt und das Leben für euch? Die Neugier, etwas zu probieren, was man noch nie zuvor gemacht hat, ist eine wichtige Kraftquelle und bringt eine gewisse spielerische Leichtigkeit ins Leben. Deshalb mögen wir es, Projekte zu machen, die uns mit neuen Bereichen konfrontieren und uns dabei erst einmal überfordern. Im Grunde ist das wie beim Joggen: Wenn wir neue Laufstrecken erkunden und nicht wissen, wo wir letztlich landen werden, merken wir die Anstrengung kaum. Dagegen wird die tägliche Stammstrecke oft schon nach zwei Kilometern zur Geduldsprobe. Und bei den Projekten ist es wie mit den Laufstrecken: Die besten Wege finden wir meist dann, wenn wir uns verlaufen. Als Grafiker arbeitet ihr nicht nur mit der rechten Hand und dem PC. Ihr nehmt Kopf und Bauch und alle Sinne dazu. Wie müssen wir uns das vorstellen? Leider hat sich in unserem Beruf, wie in so vielen anderen Branchen, ein starres Sitzen am Computer eingebürgert. Darunter leidet nicht nur die interne Kommunikation im Team – es fehlt auch die sinnliche Inspiration. Zudem überwiegt im Alltagsgeschäft meist die Kopfarbeit, da man


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Thomas und Martin Poschauko sind   überzeugt: Die besten Wege finden wir meist dann, wenn wir uns verlaufen.

bestimmte Zielvorgaben erfüllen muss und dafür dem Kopf mehr vertraut als dem Bauch. Wir haben als angewandte Gestalter natürlich genau dieselben Probleme, die sich auch nicht vollends lösen lassen. Allerdings haben wir über die Jahre gelernt, das Bauchgefühl sehr effektiv einzusetzen und handwerkliche Tätigkeiten miteinzubeziehen. Und so wird mal kurz gespielt – dann wieder analysiert, mal mit realen Materialien wie flüssiger Farbe und Papier entworfen – dann das Ergebnis am Computer weiterverarbeitet. Und so weiter.

Illustration: Thomas und Martin Poschauko

Wir bemerken dabei, dass die sinnliche Inspiration beim handwerklichen Arbeiten einen sehr positiven Einfluss auf unsere Ideen hat. Ihr nutzt Denkmodelle von vor 120 Jahren, aber die technischen Mittel unserer Zeit. Seid ihr lieber Künstler oder lieber Dienstleister-Designer? Wir mögen genau den Kontrast zwischen den beiden «Berufen», weil dieser auch unserer Persönlichkeit entspricht. Einerseits ist die Anarchie und Selbstbestimmtheit des Künstlers grossartig – andererseits liefern uns die angewandten Projekte als Dienstleister eine realistischere Weltsicht und bringen uns mit inspirierenden Menschen und deren Ideen zusammen. Wenn wir uns aber kategorisch für eine Seite entscheiden müssten, wären

wir wohl eher Künstler. Aber eigentlich ist die Kombination, so wie sie ist, optimal.

genutzt wird – beispielsweise von Wirtschaftlern, Musikern oder Pädagogen.

Was braucht es, um ungewöhnliche Ideen auch durchzuziehen? Ungewöhnliche Ideen erfordern schon den Mut, potenziell nicht jedem zu gefallen und vom üblichen Sicherheitsentwurf wegzugehen. Wenn wir von uns ausgehen, haben uns die Designs oft am nachhaltigsten beeindruckt, die im ersten Moment eher sperrig oder unästhetisch wirkten. Das erfordert natürlich, dass man wirklich sicher hinter seiner Arbeit steht und nicht bei der ersten Kritik einlenkt.

In unseren Workshops geht es uns allgemein um das Kultivieren einer freien und geschärften Wahrnehmung – und um ganz klare Strategien, wie wirklich jeder gute Ideen aus der Umwelt ableiten kann. Dabei können innovative Produkte für Unternehmen, Denkmodelle für Psychologen oder Neuentdeckungen in der Wissenschaft das Ziel sein. Jeder sucht dabei Ideen für seinen Bereich.

Ihr bietet ebenso Workshops für Unternehmen an, die nichts mit Design oder Kunst zu tun haben ... Im Moment erleben wir, dass unser Konzept nicht mehr nur von Gestaltern, sondern vermehrt von vielen anderen Berufsgruppen

Vielen Teilnehmern bietet ein Kurs auch eine Art Luftblase, in der sie kreativ und experimentell ausprobieren können, ohne unter dem realen Druck des Alltagsgeschäfts zu stehen. Es ist jedenfalls schön zu sehen, welches kreative Potenzial in vielen vermeintlich «unkreativen» Berufen steckt. Das ist nämlich nicht nur den Künstlern vorbehalten.


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Design Thinking

INNOVATION

Handwerk ist

Pragmatismus hilft, im Alltag effizient Probleme zu lösen. Doch häufig werden dabei Chancen für Innovationen übersehen. Design-Thinking schafft Raum für Neues. An der Universität Liechtenstein wird diese Denkschule gelehrt und in Praxisprojekten angewandt. Yvonne von Hunnius

H

atten Sie schon einmal die Gelegenheit, frei von Budgetvorgaben Produktideen freien Lauf zu lassen und diese umzusetzen? Dann waren Sie bereits Teil eines DesignThinking-Workshops. Hier werden die Regeln aus den Angeln gehoben, die im Unternehmensalltag zwar für reibungslose Abläufe sorgen, aber Kreativität und Innovation behindern. Dabei können Vertriebsprozesse, Nockenwellen oder neue Schokoladensorten im Visier sein. Und ein Ergebnis ist garantiert. Bernd Schenk, stellvertretender Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik, sagt: «Am Anfang steht ein Problem oder auch eine Chance wie eine neue Technologie, die man bestmöglich nutzen will.» Viele Unternehmen wie die Deutsche Bank oder SAP nutzen den Ansatz, denn Innovationskraft wird immer entscheidender.

Dabei entspricht Design Thinking einer Denkschule, einem «mensch-zentrierten Ansatz der Produktentwicklung», sagt Christian Marxt, der Leiter des Instituts für Entrepreneurship. In diesem Innovationsprozess werden Scheuklappen abgelegt, die Erfahrungen aller Beteiligten aktiviert und mit einem klaren Fokus auf den Menschen neue Lösungen gefunden. Grundvoraussetzung ist, dass die Ingenieure sich auf das zugrunde liegende Problem des Nutzers einlassen. Christian Marxt sagt: «So gehen Entwickler beispielsweise in ein Alters- und Pflegeheim, um zu verstehen, mit welchen Problemen sich ältere Menschen konfrontiert sehen, um dann Lösungen im Bereich altersgerechter Assistenzsysteme zu finden.» Raus aus dem Berufsalltag In diesen Prozess führen Experten der Universität Liechtenstein schon seit geraumer


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Zeit Unternehmen und Studierende ein. Newerden. Kristallisiert sich heraus, welche Ideen Vorgehen: Hier wird ein sich wiederholender ben theoretischen Grundlagen und Feldfordie Gruppe überzeugen, geht es an die Realisie- Problemlösungsprozess gestaltet, er passt sich schung ist die Workshop-Praxis ein zentrales rung. Zunächst werden aus Papier oder Knete an das verändernde Umfeld an und verläuft Element. Dafür braucht es einen Raum mit Prototypen oder Visualisierungen geschaffen. nicht linear. freien Wänden, Post-its, Stifte, möglicherweise Knete oder technische Innovation braucht Macher «Neue Technologien bieten vielIn diesem innovativen KreisHilfsmittel, aber auf alle Fälle eine Gruppe von Menschen mit möglichst lauf werden die Teilnehmenden fältige Möglichkeiten – mithilfe unterschiedlichen Kompetenzen. schnell zu Machern. Lange Gestalvon Design Thinking können tungswege lassen Mitarbeitende sonst oft davor zurückschrecken, Der Prozess findet nach fesChancen ausgelotet und ergrifetwas Neues anzustossen. Zorica ten Regeln statt. Nummer eins: fen werden.» Bernd Schenk Jeder Gedanke zählt und kann Zagorac-Uremovic ist wissenschaftder Nukleus für eine Innovation liche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für sein. Zunächst muss das Team eine FragestelSo kann etwa auch eine Smartphone-App Technologie und Entrepreneurship und hat lung finden, die das vorgelegte Problem als getestet werden. Die Idee wird schliesslich ver- gerade im Rahmen der International SumProjekt definiert – beispielsweise: Wie kann feinert, oder auch komplett verworfen. Dann merschool an der Interstaatlichen Hochschule der Vertriebsmitarbeiter kundenorientierter geht es mit einer anderen Idee weiter oder von Buchs (NTB) ein dreitägiges Seminar zu Design arbeiten? Das Problem wird dann von allen vorne los. Das ist laut Christian Marxt ein zen- Thinking geleitet. Sie sagt: «Es geht um das traler Unterscheidungspunkt zum regulären kreative Bewusstsein und Selbstbewusstsein – Seiten durchleuchtet, bevor Ideen gesponnen


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den Mut, alte Denkmuster zu überwinden, Dinge neu zu erfinden.» Damit verbunden ist die Überzeugung, dass jeder Mensch kreativ sein kann. Das ist auch das Credo der Begründer des Design Thinking. Als Wiege der Denkschule dieses mensch-zentrierten Designs

Bereits seit zehn Jahren wird das Konzept beispielsweise im Bachelorstudium Betriebswirtschaftslehre und Masterstudium Entrepreneurship verwendet. «Auf diese Weise haben Studierende schon Hunderte von Produktideen entwickelt: selbst wärmeregulierende Autos oder kleine Windkraftwerke für den Privatzweck», so «Es geht um das kreative BeZagorac-Uremovic. Entscheidend ist dabei immer, dass wusstsein und Selbstbewusstdie Teammitglieder möglichst sein – den Mut, alte Denkmuster unterschiedliche Kompetenzen mitbringen. An der Universität zu überwinden, Dinge neu zu wird gerade ein fakultätsübererfinden.» Zorica Zagorac-Uremovic greifendes Wahlmodul entwickelt, bei dem Design Thinking gilt das von Larry Leifer gegründete Center das Bindeglied ist zwischen Studierenden der for Design Research (CDR) an der Universität Bereiche Technologie und Entrepreneurship Stanford. sowie Architektur. Design Thinking hat in Vaduz Tradition Es existiert eine direkte Verbindung zwischen Stanford und Vaduz. Christian Marxt hat als Assistenzprofessor ein Jahr am CDR verbracht und auch Zorica Zagorac-Uremovic hat in Stanford das Konzept verinnerlicht. Im letzten Jahr kam sogar Larry Leifer selbst für einen Design-Thinking-Workshop mit Führungskräften an die Universität. Derzeit arbeitet man hier an weiteren Workshop-Serien für Unternehmen und baut individuelle Angebote aus. Auch den Teilnehmenden des BusinessplanWettbewerbs wird der Ansatz näher gebracht.

Innovationsgeist für Unternehmen

Die Universität entwickelt neue Workshop Serien für Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem international getragenen Forschungsinstitut Rhysearch. Ende 2015 soll es losgehen. Design Thinking stellt hier einen wichtigen Aspekt dar, wenn übergreifende Themen behandelt werden. Zum Beispiel, wie man einfacher Geschäftschancen entdeckt, Geschäftsmodelle neu entwickelt oder Innovationsprozesse individuell anpasst. Dabei wird auch nach Lösungen gesucht, wie Design Thinking in vorherrschende Innovationspraktiken effektiver integriert werden kann. www.rhysearch.ch/innovationsprozesse

Breites Denken macht kreativ Design Thinking kann solche Erfolge nicht versprechen. Doch indem die Denkschule die Perspektive auf den Menschen ausrichtet, setzt sie Potenziale frei. Zorica Zagorac-Uremovic sagt: «Unserer Erfahrung nach setzen noch immer viele, gerade grosse Unternehmen auf strukturierte und systematisierte Innovations- und Produktentwicklungsprozesse, die von bestehenden Produkten oder Produktgenerationen ausgehen.» Diese seien oft effizient, kostenoptimiert und könnten gut kontrolliert werden. Andererseits liessen sie wenig Raum für Kreativität, da rigide Strukturen und Managementvorgaben einschränkend oder gar kontraproduktiv wirkten. «Sie verleiten Menschen dazu, tief anstatt breit zu denken», so Zorica Zagorac-Uremovic. Durch Design Thinking wird kreatives Denken nicht mehr vom logischen überschattet.

Das Abwegige zulassen Kreativität, Querdenken und Teamgeist Die Universität ist laut Bernd Schenk als Gerade die breite Perspektive ist es oft, Labor der perfekte Design-Thinking-Ort. Nicht nur aktuellen Führungskräften fällt es dabei die KMU einen entscheidenden Wettbewerbsnicht immer leicht, sich auf abwegige Ideen vorteil verschafft. Deshalb sieht Wirtschaftsineinzulassen. «Auch für Studierende ist das ein Lern«Design Thinking ist eine Auspräprozess. Sie lernen früh, gung eines menschzentrierten Probleme durch lineares Denken zu lösen und Ansatzes der Produktentwicklung. müssen ermuntert werWarum menschzentriert? Der Nutden, davon abzuweichen.» Viel zu schnell zer wird extrem früh nicht nur in fixiere man sich auf die Bedarfsanalyse, sondern tateine naheliegende Lösung, die vielleicht sächlich in den Design-Prozess integut umsetzbar sei, griert.» Christian Marxt aber nicht die beste. Er nennt es «den Lösungsraum erweitern», wenn pragmatische formatiker Bernd Schenk speziell für KMU im Alpenrheintal grosse Chancen durch Design Ideen mit unrealistisch wirkenden in eine Reihe Thinking: «Der Ansatz belebt nicht nur Kreatigestellt werden. Erst beim Prototyp und den Tests zeigt sich die Überlegenheit. «Denken Sie vität, Querdenken und Teamgeist – er hilft, das an disruptive Innovationen, die in einer Nische bestehende Wissen zu aktivieren. Mitarbeitende eines KMU überblicken prinzipiell mehr entstehen und die Spielregeln eines Marktes auf den Kopf stellen», sagt Schenk. 1998 war Bereiche als solche eines Konzerns.» Und wenn das dem 18-jährigen Studenten Shawn Fanning die Ergebnisse am eigenen Geschäftsmodell gelungen. Seine Software ermöglichte den kratzen? «Das ist gut möglich und tut vielleicht direkten Datenaustausch zwischen internetzunächst weh. Doch gerade wendige KMU fähigen Computern, brachte mit Napster die können mithilfe von Design Thinking schnell Musikbranche in Bedrängnis und prägte die neue Chancen ausloten und dann ergreifen», sagt Schenk. digitale Welt durch das Peer-to-Peer-Konzept. In Folge wurden legale Download-Plattformen wie iTunes zum wichtigsten Vertriebskanal für die Musikindustrie. Das änderte das Vertriebsmodell fundamental.


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Stimmen vom Campus

Macher und gestalter Ob als Gründer auf der Suche nach Lösungen für gesellschaftliche Probleme oder aus Abenteuerlust – diese Absolventen und Studierende der Universität Liechtenstein sind Macher und Gestalter. Sie eint das Streben danach, die Dinge auf ihre Art zu tun. Dabei definieren sie mutig, was

Operativer Gesellschafter MyCouchbox Absolvent MSc Entrepreneurship, 2014

André Moll (GER)

Was man vergisst, hat man im Grunde nicht erlebt. Genau aus dieser Überzeugung entstand meine Idee zu erlebnis.li. Schon seit Längerem verspürte ich den Drang, etwas zu tun, das mich in meinem täglichen Leben und meiner Arbeit erfüllt. Dieses «etwas» ist die Tätigkeit als Wanderleiterin. Im Studium an der Universität Liechtenstein konnte ich meine Pläne für die Selbstständigkeit im Outdoor-Bereich verfeinern. Heute führe ich erfolgreich Events mit namhaften Firmen durch und unterstütze die Stärkung von Teams durch individuell abgestimmte Erlebnis-Events. Diese Freiheit – meine Arbeit selbst zu gestalten und mit meiner Familie zu vereinbaren – ist mein grösstes Glück. Darin liegt meine Motivation.

Erfolg für sie persönlich bedeutet. Für diese Entrepreneure und Kreativen sind Geld und Macht nicht das Mass aller Dinge. Stattdessen streben sie danach sie selbst zu bleiben, Familie und Beruf zu vereinbaren oder sich einfach mit Zeit und Hingabe einer Leidenschaft zu widmen.

MyCouchbox versendet im Abo Überraschungsboxen gefüllt mit Süsswaren, Snacks und anderen Gaumenfreuden. Als ich 2014 das Gründerteam Sarah Haide und Clemens Walter kennenlernte, hat mich ihre Geschäftsidee sofort überzeugt. Sie kam zum richtigen Zeitpunkt! Es ist nicht einfach ein Start-up aufzubauen. Wir haben zu Beginn unglaublich viel Energie und Zeit investiert – auch abends und am Wochenende. Trotz schwieriger Momente schafften wir es jedoch immer, uns im Team zu motivieren. All die Mühen konvertieren nun in echten und vor allem nachhaltigen Erfolg. Wir sind Marktführer in Deutschland. Österreich wird gerade aufgebaut. Wir haben im deutschen Fernsehen beim ZDF die Sendung «Kampf der Start-ups» gewonnen. Was uns anspornt auf dem Weg der Selbstständigkeit? Wir können ständig wir selbst sein!

Rosaria Heeb (LI) Gründerin von Erlebnis.li Absolventin MSc Entrepreneurship, 2013


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Franziska Möhrle (GER) Keramikkünstlerin und Bachelor Studentin der Architektur im 5. Semester

Gemeinsam mit meinen Freunden Kevin Frick und Kevin Gabathuler gründete ich 2015 den Verein ideenHUB. Auf dieser Plattform möchten wir mit Bürgern gemeinsam Ideen entwickeln und umsetzen, die den Erhalt und die Förderung von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in unserer Region unterstützen. Die erste Initiative, die durch den ideenHUB entstand, ist mychoice.li. Hier ermöglichen wir Lehrstellensuchenden und ihren Eltern mittels Videos reale Einblicke in die Liechtensteiner Lehrberufe.Was es brauchte, um diese Idee umzusetzen? Bisher 1700 Stunden in 12 Monaten. Natürlich ehrenamtlich und nebenberuflich. Die Motivation für unser Engagement beruht schlicht auf der Tatsache, dass wir es satt hatten, nur über Probleme zu sprechen. Stattdessen wollen wir Lösungen finden. In Zukunft hoffen wir, dass unsere Ideen und Aktionen mit anderen Initiativen im Land zusammenwachsen. Und dass wir uns gegenseitig stärken und stützen.

Damian Donze (CH) Gründer von DVDarchitecture Absolvent BSc Architecture, 2010

Der Grundstein für meine Leidenschaft rund um das Material Keramik wurde mir in die Wiege gelegt. Meine Mutter und ihre Cousine sind passionierte Töpferinnen. Die Quelle meiner Motivation und Begeisterung liegt in der Erkundung von Strukturen. Ich will sehen, spüren und verstehen, wie etwas aufgebaut ist – was der Kern ist. Dabei leitet mich meine Intuition. Wenn man gefunden hat, was man wirklich will, spürt man, dass etwas gut ist. So geht es mir mit meinen Designs. Die Inspiration dafür hole ich mir aus der Natur – wie beim Baden im Meer während meines Sommerpraktikums in Schweden. In Zukunft möchte ich weitere Handwerkstraditionen und Baumaterialien kennenlernen. So werde ich meine Perspektive und Stimme als Gestalterin entwickeln.

Flo ria n BŰche l (LI)

Gründ er von ideen HUB.li Absolvent BSc Betrie bswir tschaftsleh re 2015

Nach meinem Studium arbeitete ich für 3 ½ Jahre als Architekt in Shanghai. Von Anfang an wurde mir viel Verantwortung übertragen, und ich setzte äusserst komplexe Projekte um. Das grösste war ein Turm in Zhanjiang mit 360 Metern Höhe. Die Sehnsucht nach Natur und Ruhe vom Grossstadtleben haben mich dann Ende Februar 2015 zurück in die Schweiz geführt. Trotz meiner Erfahrungen in China war es schwierig, einen passenden Job zu finden. Kurzerhand entschloss ich mich, meine eigene Firma zu gründen. Der Aufbau eines Architekturbüros braucht Zeit und Geld – Dinge, die ich in diesem Moment nicht besass. Aus dieser Situation heraus kam mir die Geschäftsidee, hochwertige und dennoch bezahlbare Renderings – also Architekturillustrationen – anzubieten. Seit April 2015 existiert nun meine Firma DVDarchitecture. Nach nur 5 Monaten am Markt können meine Frau und ich von den Einnahmen leben. So finanzieren wir langfristig mit dieser Idee die Gründung unseres eigenen Büros.


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Impact Liechtenstein


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Uni Gestalten

Zur Person Hans-Jörg Quaderer *1958 in Schaan / FL, Studium in Urbino und Bologna. Freischaffender Maler und Buchkünstler. Seit 2000 Dozent für bildnerisches bzw. analoges Gestalten am Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein. Er zeichnete 2007 – 2013 für die inhaltliche Konzeption der sog. Kompaktprojekte (einwöchige transdisziplinäre Workshops) mitverantwortlich. Er betreibt eine eigene Edition, die edition eupalinos, in der im Herbst 2015 «Das Feuer ist nicht das ganze Licht» des namhaften israelischen Dichters und Aphoristikers Elazar Benyoëtz erscheinen wird.


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sehen, was andere übersehen

  Das Studierenden-Team des Entwurfsstudios von Urs Meister entwickelte gemeinsam mit Bauherrn Manfred Batliner neue Nutzungskonzepte für das Batliner Haus in Eschen.

Wo Menschen Fragen stellen, sich vernetzen, experimentieren und ihre Erkenntnisse verbinden – entstehen gute Ideen. Und wo Innovation ermutigt wird, erhält nachhaltiges Bauen im Dorf eine neue Richtung.   Kornelia Pfeiffer

Foto: Entwurfsstudio Urs Meister

Sehen, was ander e übersehen


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«Wir müssen lernen, ein Gebäude intelligent zu nutzen.» Urs Meister

E

in heute weit verbreiteter Trend im Bauen versucht, unseren Häusern eine Extraportion Technik einzuverleiben, um den Energiebedarf auf das Minimum zu reduzieren. «Mit diesem Ansatz erhält das Haus die Dimension einer Maschine», sagt Urs Meister. Für den Zürcher Architekten bedeutet nachhaltiges Bauen viel mehr. Mit dem Projekt «Nachbarschaft in Eschen» entwickelte das Entwurfsstudio von Urs Meister am Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein neue Szenarien für das Leben im Alter auf dem zentrumsnahen Grundstück der Familie Batliner in Eschen. Im Austausch mit der Gemeinde und dem Bauherrn Manfred Batliner entstanden so neue Nutzungskonzepte rund um das ehemalige Bauernhaus. Intelligente Konstruktion «Je länger wir ein Haus nutzen können, desto nachhaltiger ist es», erklärt der Professor, «und wir suchen eine Architektur, die wieder näher an den Menschen herankommt.» Als seine Studenten zu sehen anfingen, was andere übersehen, entdeckten sie versteckte Potenziale. Sie ergründeten, warum es für ein Dorf wichtig ist, verantwortungsbewusst mit bereits Vorhandenem umzugehen. Und sie fügten auf der Landkarte nachhaltigen Bauens zur Effizienz – dem Minimum an Ressourceneinsatz, bei einem Maximum an Wohlstandsoutput – die Suffizienz hinzu. Also das genügsame Wirtschaften und Wohnen und den bewussten Einsatz von Mitteln. So kann jeder seinen Beitrag zur Reduktion des eigenen Fussabdrucks leisten. «Unsere Bauten müssen wieder einfacher werden», erklärt Urs Meister, «und wir müssen wieder lernen, ein Gebäude wie ein Instrument intelligent zu benutzen.» Drei Ziele hatten die jungen Leute im Visier: ein lebendiges Dorfleben, den schlanken Einsatz von Raum und Mitteln, die Pflege kulturellen Erbes. Von der alten Tenne des Batlinerhauses mit ihrem «imposanten Dachraum» waren alle fasziniert. «Sie ist ein Beispiel für Architektur, die ihre schlichte, aber intelligente Konstruktion nicht zu verstecken braucht», bekräftigt Urs Meister. Beim Austarieren zwischen neu und alt sei wichtig, das Alte nicht als Kulisse freizustellen, sondern als Baustein einzufügen. Die Tenne kennzeichne die ursprüngliche bäuerliche Identität des Dorfs besonders. Das inspirierte seine Studenten zu vielversprechenden Konzepten: vom Markt für lokale Produkte bis zur kleinen Quartierbibliothek. Hochgerüstete Technik und Betondecken mit unzählbar vielen Rohren für Strom, Wasser und Luft gehörten in die Kategorie «vermeidbar». Weniger, dichter, länger Die Architekturstudentin Miriam Büchel aus Eschen arbeitete sich in die neue «Orientierung am angemessenen Mass» ein und ging dazu die «steinige Strasse» der Kreativität, wie sie selbst sagt. Immer mit drei Fragen im Hinterkopf: Geht weniger? Geht dichter? Geht länger?

Ihr Entwurf des neugestalteten Batlinerhauses sieht ein Ensemble aus fünf Häusern vor. Als Baumaterial wählt sie Holz und Ziegel – solide, lange haltbar und aus der Region. Hinzu kommt organischer Sumpfkalkputz für aussen und innen. Suffizienz heisst für die Studentin auch, dass

die Bewohner des Bauernhofes selbst angebautes Obst und Gemüse in einem Laden in der Tenne verkaufen. Die Balkons vor den Wohnungen benutzen die Nachbarn miteinander. Und man trifft sich am Brunnen, auf dem Spielplatz, im Treppenhaus oder im Café. Mit ihrem Konzept «REgeneration. REaktion. REgion» betrat Miriam Büchel das Neuland nicht über gewohnte Denkautobahnen, sondern über Nebenstrassen. Die angehende Architektin suchte immer wieder neue Blickwinkel, sammelte Informationen über Wohnformen und über die alternde Gesellschaft. Sie recherchierte und verknüpfte Wissen aus Geschichte, Wirtschaft und über die Kulturlandschaft. Auf zahlreichen Skizzen fügte sie ihre Entwürfe immer wieder neu zusammen. So entwickelte sie eine Modell-Siedlung, die für Kinder, die mittlere und die alte Generation ein Anziehungspunkt sein soll. In 37 Wohnungen – die meisten barrierefrei – könnten 90 Menschen leben. Die Wohnungen wären kleiner als sonst üblich, das schafft Raum für Gemeinschaft. In drei der fünf Häuser wäre jeweils ein Lift vorgesehen. 350 Quadratmeter könnte jedermann im Dorf mieten – ob für Yoga-Kurse oder Tanzabende. Tausche Einfamilienhaus gegen Alterswohnung Die Kombination aus Nachhaltigem Bauen und Wohnen im Alter greift die ursprüngliche Idee vom Bauherrn selbst auf. Ihm geht es darum, aus dem Batlinerhaus, einem klassischen Einhof, ein Gebäudeensemble für ältere Menschen im Zentrum von Eschen zu entwickeln. Modernes Wohnen im Alter wird nicht nur für die Vertreter der heutigen Generation von 60- bis 85-Jährigen immer wichtiger. Paradox nur: Obwohl die Menschen der Industrienationen immer älter werden, werden Häuser meist für junge Menschen gebaut. Gemeindevertreter und Interessierte wurden von Anfang an in das Abenteuer «Umgestaltung Batlinerhaus» einbezogen. Kritisch und konstruktiv liessen sie sich auf Zweck und Nutzen des «So viel du brauchst» ein. Umbauten im Dorfzentrum, Nachbarschaft, geteilte Infrastruktur und Aussenräume, für Generationen – ist das der Wohnungsbau des 21. Jahrhunderts? Wohnen geschehe nun mal nicht in starren Strukturen, macht Urs Meister deutlich: «Erst bin ich Mitglied einer Wohngemeinschaft, dann vielleicht zeitweise Hausbesitzer mit Familie. Wenn der Nachwuchs dann das Nest verlässt, wird das Einfamilienhaus im Grünen zu gross.» Und vielleicht auch zu einsam. Die Generation 65plus will heute in ihrem eigenen Haushalt leben und in das soziale Netzwerk eingebunden sein. Auch dies spiegelt das Projekt «Nachbarschaft in Eschen» wider. Weiterbauen am Gewachsenen «Eine dichte Bebauung im Zentrum eines Dorfes ist klar suffizienter als das freistehende Einfamilienhaus im Grünen», erklärt Urs Meister. «Und das Weiterbauen am Gewachsenen ist wesentlich für die Entwicklung unserer dörflichen und städtischen Zentren.» Das Projekt «Nachbarschaft in Eschen» sollte helfen, die Inhalte für eine breite Schicht attraktiv zu machen. Interessierte konnten sich die neun Projekte der Architekturstudenten in einer kleinen Ausstellung in der ehemaligen Tenne in Eschen ansehen.


Banking wie es sein sollte: sympathisch und kompetent. Willkommen in unserer Arbeitswelt. Was erwartet Sie im Team der Liechtensteinischen Landesbank? Klar, Sie sind Teil der traditionsreichsten Bank in Liechtenstein, die für ihre hohe Anlagekompetenz und exzellenten Finanzdienstleistungen bekannt ist. Doch was macht die LLB für Berufseinsteiger so besonders? Es ist die Art und Weise, wie wir handeln und neue Wege aufzeigen. Denn ob Sie bei uns direkt einsteigen oder als Trainee starten: Wir vermitteln Ihnen ein Allroundwissen, mit dem Sie sich in viele Richtungen entwickeln können. Als Universalbank stehen wir für breite Themenfelder, als Arbeitgeberin für eine menschliche Unternehmenskultur, in der Talente aktiv gefördert werden. So bereiten wir Sie optimal auf eine Zukunft vor, in der Sie unser Bild vom sympathischen Banking prägen. Wann sind Sie mit dabei? Schauen Sie mal bei uns rein: www.llb.li/karriere


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In Kürze

E i n Zwe i -Z i m m e r- H o te l au f Z e it WIE WERDEN WIR GLÜCKLICH? GEHT ES UNS GUT?

V i e r H äu s e r f ü r d i e E n e rg i e sta dt Va d uz WIE SIEHT DAS GUTE LEBEN AUS?

CAMPUS GESPRÄCHE 2015

WIE TRAGEN WIR ZU GLÜCK UND EINEM GUTEN LEBEN BEI?

VOM GUTEN LEBEN UND VOM GLÜCK

Universität Liechtenstein Fürst-Franz-Josef-Strasse, Vaduz, Liechtenstein

  Die Summer School Teilnehmer aus aller Welt vor ihrem Prototyp des Zwei-Zimmer-Hotels.

  Studierende der Universität Liechtenstein schulen ihren Blick fürs Ganze.

www.uni.li

  Austausch und Dialog als Grundlage für ein gutes Leben.

A r c h it e k t u r i s t b e i d e s : i ns p i r i e r e n d e Ku n s t u n d p e r f e k t e s H a n dw e rk . A r c h it e k t u r s t u- d e nt e n au s a l l e r We lt e rl e b t e n d i e s b e i d e r e r s t e n «S u m m e r S c h o ol A r t s & C r a f t s» m it e i g e - n e n H ä n d e n .

F ü r d a s P r o j e k t « E n e r g y R e n o v at i o n » w a r f e n S t u d i e r e n d e d e r A r c h it e k t u r u n d Wi r t s c h a f t s w i s s e n s c h a f t i h r Wi s s e n i n e i n e Wa a g s c h a l e . Si e e nt w i c k e lt e n i n n o v at iv e L ö s u n g e n f ü r d i e e n e r g i e e f f i z i e nt e S a n i e r u n g a lt e r H äu s e r.

A m 2 3 . S e p t e mb e r 2 0 15 s t a r t e t e n d i e « C a mp u s G e s p r ä c h e» d e r Un iv e r s it ät L i e c ht e n s t e i n i n d i e z w e ite R u n d e . D a s d i e s j ä h r i g e L e it t h e m a d e r Ve r a n s t a lt u n g s reihe widmet sich Fragen nach d e m g ut e n L e b e n u n d d e m G lü c k .

«Wir haben vier Meter lange Hölzer zusammengesetzt – Brett für Brett, wie Legosteine, bis der Prototyp Zwei-Zimmer-Hotel stand», erzählt Sofia Hoch, die sich in Liechtenstein und Costa Rica zu Hause fühlt. Sie ist eine von 15 Architekturstudenten der ersten «Summer School Arts & Crafts», die Mitte Juli 2015 an der Universität Liechtenstein stattfand.

«Die Entwürfe der jungen Leute zeigen, wie zeitgemäss und wie kostenbewusst sich alte Häuser energieeffizient sanieren lassen. Und zwar so, dass sie für Familien, für ältere Menschen oder auch für Studenten passen», sagt Martin Laukas, Energiestadtverantwortlicher für Vaduz. Der Architekt sass in der vierköpfigen Jury, die das Projekt «Energy Renovation – Residental Building» der Universität Liechtenstein zu beurteilen hatte.

Was macht ein Leben zu einem glücklichen oder einem guten Leben? Wie werden wir selbst glücklich? Können wir zu einem gelingenden Leben beitragen? Lassen sich Glücksempfindungen steuern und lernen?

Die jungen Leute lernten, was intelligenter Umgang mit Ressourcen, aber auch wie wichtig das Künstlerische für gute Architektur ist. In der ersten Woche der Summer School liessen sie sich von Künstlern aus Spanien, Hongkong und Vorarlberg anspornen, Neues auszuprobieren. In drei Workshops in Vaduz skizzierten, zeichneten und gestalteten sie aus Gips. In der zweiten Woche bauten sie das Zwei-ZimmerHotel, das bis zum Oktober 2015 im Werkraum Bregenzerwald zu sehen und zu erleben war.

Fotos: Universität Liechtenstein

Vom g ute n Le b e n u n d vom G lü c k

Weil man Handwerkskunst nicht aus dem Lehrbuch und auch nicht per Computer lernt, hatten sich 11 von insgesamt 85 Handwerksmeistern des Werkraums Bregenzerwald als Mentoren für die Architekturstudenten aus den USA, Hongkong, China, Kanada, Kolumbien, Schottland und Costa Rica zur Verfügung gestellt. Und die angehenden Architekten waren begeistert von der Idee, dass Architektur perfektes Handwerk und inspirierende Kunst verbindet.

Neun Studierende des Bachelor- und des Masterstudiengangs Architektur und zwei des Bachelorstudiengangs Betriebswirtschaftslehre wagten dazu im Sommersemester 2015 den Blick über den Tellerrand. Sie entschieden sich für die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: vier innovative und rentable Konzepte für nachhaltiges Bauen – und praxistaugliches Know-how. Die Idee dahinter: Wer heute an einer Universität studiert, von dem wird nicht nur fachliches Wissen und Können erwartet, sondern der Blick fürs Ganze. Seit Herbst 2014 bietet die Universität Liechtenstein entsprechend fakultätsübergreifende Wahlfächer an. Hier werden Zukunftsfragen interdisziplinär in Lehre und Forschung bearbeitet. Wie im realen Berufsalltag geht es darum, einen Konsens zu finden zwischen Technologie, Architektur und wirtschaftlichen Aspekten.

Diese Fragen zielen auf die Herausforderungen und die vielfältigen Vorstellungen zu «Glück» in der gegenwärtigen, modernen und komplexen Welt. Sie machen zugleich das Bedürfnis nach einem «guten Leben» deutlich. An drei Abenden sprechen Forschende und Fachleute in Impulsreferaten und im Gespräch zu unterschiedlichen Facetten von Glück und von einem gelingenden Leben. Die Moderation übernimmt Claudia Schanza, langjährige Journalistin und Moderatorin. Nächster Termin ist der 18. November 2015. An diesem Abend sprechen vier Persönlichkeiten, die mit ihrem professionellen Engagement für eine «gute oder bessere Welt» einstehen zur Frage: Wie tragen wir zu Glück und einem guten Leben bei? Sie erzählen, wie sie das Gemeinwohl fördern und soziale Projekte realisieren – als soziale Unternehmerin, Bergsteiger, Mentorin für Jugendliche und als Leiter eines Patenschaftsvereins. Die Veranstaltungsreihe «Campus Gespräche» steht ganz im Zeichen des Austauschs. Das Publikum ist eingeladen mitzudiskutieren, und bereits bei der Anmeldung können Fragen an die Vortragenden gestellt werden.   www.uni.li/campusgespraeche


Türen, Fenster und Innenausbau. Für Ihren Lebenstraum in Holz! Seit 1875 verbindet man mit dem Namen Noldi Frommelt die kompetente, qualitativ hoch stehende und zeitnahe Umsetzung von Projekten rund um Fenster, Türen und Innenausbau. Unser Erfolgsrezept basiert auf langjähriger, innovativer Tradition, Erfahrung und viel fachspezifischem Know-how, welches ca. 40 erstklassig ausgebildete und motivierte Mitarbeitende in ihre tägliche Arbeit mit einbringen.

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UNI Kalender

Sa 28. November MO 9. November Tagung Crowdfunding und Crowdinvesting 17.00 – 20.00 Uhr | Auditorium der Universität Liechtenstein, Vaduz Für welche Unternehmen ist Crowdfunding grundsätzlich geeignet? Welche Auswahlkriterien wenden Kapitalgeber im Crowdfunding bei ihrer Investitionsentscheidung an? Welche Geschäftsmodelle der Plattformen führen zu einem optimalen Ergebnis für Kapitalgeber und -nehmer? Diese Fragen und mehr beantworten Experten aus Praxis und Wissenschaft. Ziel ist der gemeinsame, grenzübergreifende Austausch mit interessierten Investoren, Vertretern von KMU und Start-ups, Finanzdienstleistern, Rechtsanwälten und Vermögensverwalter. Anmeldung und weitere Infos unter www.uni.li/crowdfunding

Mi 18. November

Gut zu Wissen Infotag der Universität Liechtenstein 13.00 – 16.00 Uhr | Campusgeländer der Universität Liechtenstein, Vaduz Der Infotag der Universität Liechtenstein bietet Einblicke in das Studienleben. Interessierte können den Campus hautnah erleben und sich über die Möglichkeiten des Bachelor-, Master- und Doktoratsstudiums sowie das vielfältige Weiterbildungsprogramm informieren. Der Infotag bietet eine ideale Plattform für Maturanden, Studierende und Berufstätige, sich direkt vor Ort ein Bild über die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu machen. Über folgende Studiengänge informieren wir im Detail:  – – – – – – – –

Bachelor Studium: Architektur und Raumentwicklung (BSc) Bachelor Studium: Betriebswirtschaftslehre (BSc) Master Studium: Architecture (MSc) Master Studium: Entrepreneurship (MSc) Master Studium: Finance (MSc) Master Studium: Information Systems (MSc) PhD  in Architecture and Planning (PhD) PhD in Business Economics (PhD)

Weitere Infos unter www.uni.li/infotag

Campus Gespräch Wie tragen wir zu Glück und einem guten Leben bei? 18.00 Uhr | Auditorium der Universität Liechtenstein, Vaduz Eine Gesprächsrunde mit vier Menschen, die mit ihrem professionellen Engagement für eine «gute oder bessere Welt» einstehen. Sie erzählen, wie sie das Gemeinwohl fördern und soziale Projekte realisieren. Sie berichten, wie sie anderen Menschen «zum Glück» verhelfen und an Glückserfahrungen teilhaben lassen. Wir fragen unsere Podiumsteilnehmenden nach den Herausforderungen in ihrem Alltag und erfahren dabei, wie sie auch selbst Zufriedenheit und «Glücksmomente» finden. Interessierte Besucher dürfen sich auf den Austausch mit Maja Graf, Innovage und Generationenakademie, Oswald Oelz, ehem. Chefarzt des Triemlispitals, Helena von Känel, Rock your Life! Schweiz, Bernd Schüler, biffy / big friends for youngsters, Berlin. Anmeldung und weitere Infos unter www.uni.li/campusgespraeche

Do 3. Dezember WETTBEWERB Preisverleihung des Banking Award Liechtenstein 2015 17.30 – 19.00 Uhr | Campus der Universität Liechtenstein, Vaduz Der Liechtensteinische Bankenverband und das Institut für Finanzdienstleistungen zeichnen herausragende wissenschaftliche und praxisrelevante Leistungen von Studierenden, Absolventinnen und Absolventen der Bachelor- und Masterstudiengänge an der Universität Liechtenstein im Bereich Banking und Finance aus. Die Gewinner werden aus den vorab nominierten Arbeiten bekanntgegeben, getrennt für Bachelor- und Masterebene. Die Jury des Banking Award Liechtenstein besteht aus zwei Professoren der Universität Liechtenstein, einem externen Professor sowie drei durch den Liechtensteinischen Bankenverband bestellten Praxisexperten. Anmeldung und weitere Infos unter www.uni.li/bankingaward

Di 15. Dezember STUDIENINTERESSIERTEN-EVENT Student for a day: BWL 12.00 – 18.00 Uhr | Campus der Universität Liechtenstein, Vaduz Interessierte Schülerinnen und Schüler der letzten und vorletzten Schulstufe können an diesem Tag Uni-Luft schnuppern. BWL Studium und Studienalltag werden durch den Besuch einer Vorlesung, einen Campus Rundgang, und Gespräche mit aktuellen Studierenden näher gebracht. Dabei runden ein Informationsvortrag allgemein zum Studium und die Arbeit an einem betriebswirtschaftlichen Fallbeispiel das Programm ab. Anmeldung und weitere Information unter www.uni.li/bwl-4aday

Do 17. Dezember STUDIENINTERESSIERTEN-EVENT Student for a day: Architektur 13.30 – 17.00 Uhr | Atelier der Universität Liechtenstein, Vaduz Der Student for a day: Architektur bietet Interessierten die Möglichkeit, während eines Tages Einblicke in das Bachelor Architekturstudium der Universität Liechtenstein zu erhalten und anhand eines kleinen Projektes mehr über die Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens zu erfahren. Die wichtigsten Aspekte des Architekturstudiums werden an diesem Tag simuliert. Dazu gehört auch, Teil der kreativen Atmosphäre des Entwurfsateliers der Fakultät zu sein und den Hochschulalltag möglichst real zu erleben. Selbstverständlich werden auch alle offenen Fragen zum Studium und zu den beruflichen Zukunftsperspektiven beantwortet. Anmeldung und weitere Information unter www.uni.li/ar-4aday


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Denkanstoss

M u t z u S c h e it e r n   Claudio Minder

Es passierte an einem sonnigen Sommertag im Jahr 2006: Nach einem negativen Gerichtsbeschluss wurde die registrierte Marke «MyMui» aus dem Schweizer Markenregister gelöscht und ein sofortiges Verkaufsverbot verhängt. Die Begründung war eine gewisse Verwechslungsgefahr mit einem Luxus-Label, das zu einem internationalen Modegiganten gehörte. Dies war das Ende meiner ersten Firma. Mein Geschäftspartner und ich versuchten zu retten, was zu retten war. Über Nacht mussten wir über 25 Mitarbeiter entlassen, vier eigene Läden schliessen, unsere Verkaufspartner über den Liefer- und Verkaufsstopp informieren, und schliesslich unser Warenlager mit einem Wert von über einer Million Franken entsorgen. Was wir in rund 5 Jahren mühsam aufgebaut hatten, zerbrach in wenigen Tagen. Bis dahin wurde mein Leben von dem Willen bestimmt «MyMui» zum Erfolg zu führen. Tag und Nacht hatte ich mein Herzblut und meine Energie investiert. Und plötzlich war alles vorbei. Die Angst vorm Scheitern hatte mich – wie jeden Jungunternehmer – beschäftigt. Vielmehr noch – sie hatte mich in meinen Entscheidungen und meinem Handlungsspielraum beeinträchtigt. Meine erste unternehmerische Niederlage geschah dennoch. Die sehr öffentliche, mediale Diskussion um unser Schicksal machte die Situation nicht einfacher. In dieser anstrengenden Zeit stützten mich meine Familie, meine Freunde und mein Glaube. Ich setzte mich stark mit dem Lebens- und Leidensweg Jesu auseinander. Die Geschichte seiner Auferstehung lehrte mich, dass Scheitern auch der Anfang von etwas Neuem sein kann. Das gab mir Kraft und Zuversicht für meine unternehmerische Zukunft. Kurz darauf wendete sich das Blatt. Karl Müller, Sohn des MBT-Abrollschuh Erfinders, kontaktierte mich mit einer spannenden Geschäftsidee: Gemeinsam eine neue BequemschuhMarke namens Joya Schuhe aufzubauen. Dank meiner Erfahrung und ausreichend Zeit zur

In der Rubrik «Denkanstoss» äussern Autoren ihre persönliche Meinung. Diese spiegelt nicht zwingend die Auffassung der Redaktion oder der Universität Liechtenstein wider.

  Claudio Minder, Geschäftsführer der Joya Schuhe AG, ein Unternehmen, das Bequemschuhe entwickelt und produziert.

Reflektion fühlte ich mich bereit für diese neue Herausforderung. Nun wusste ich, dass es einfach eine gewisse Portion Mut, Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen braucht, um als Unternehmer zu bestehen. Heute sind mir die Bedeutung der eigenen Grenzen, von Integrität und Bescheidenheit deutlicher. Ich habe gelernt, meine Mitarbeiter und Kunden stärker wertzuschätzen und bin dankbar für meine Lehrjahre. Und die haben sich wahrlich ausgezahlt. Joya Schuhe

begeistern weltweit eine wachsende Zahl an Menschen mit ihrem einzigartigen Laufgefühl. Unsere Schuhe werden heute in 21 Ländern in über 1200 Verkaufsstellen vertrieben. Jährlich produzieren wir 250̕000 Schuhe und beschäftigen mittlerweile knapp 70 Mitarbeiter. Ohne Frage, Fehlschläge sind schmerzhaft. Doch solche Erfahrungen übersteigen bei Weitem jedwede theoretische Ausbildung. Nur so erkannte ich, was für ein Unternehmer ich sein will. Haben Sie Mut – auch zum Scheitern!


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Gestalten Sie Lebensräume. Mit intelligenten Lösungen, die Kompetenz und Kreativität ausschöpfen. Und die nachhaltig Mehrwert schaffen. Mit einem der führenden Immobilienentwickler und General-/Totalunternehmer der Schweiz.


Profile for Universität Liechtenstein

Denkraum - #3 | 2015  

Gründer und Kreative mit Wagemut - als Ausdruck der Tatkraft einer neuen Generation im Alpenrheintal

Denkraum - #3 | 2015  

Gründer und Kreative mit Wagemut - als Ausdruck der Tatkraft einer neuen Generation im Alpenrheintal

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