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I Die

Studentinn

April


i. Neu

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Editorial Oh, wie schon. Der Frühlin ist da und eben kommt der Florian* vom Lafayette mit einer Flasche Moet e i Chandon in die RedaktionsräumeEs gibt noch Hoffnung. vorhin war die BAföG-Empfänger-Frakti der Redaktion da und kreischte: ,,Macht mal was Sozialkritisches." Ja, ja, die Armen. Gut, dass sie bald wieder weg müssenDie müsseja noch abends in der Kneipe arbeiten oder ihren Kindern die Hipp-Gläsewarm machen. "Die haben es wirklich schwer", sagt Benjamin von* und guckt auf seine neuen Budapester Schuhe. ,,Ja, wirklich, die haben es richtig schwer!" ,,Dann lasst uns was Arm-Reiches machen", meint Florian*. ,,Mit viel Emotion", ruft Ariane*. ,,Stellt Euch vor: Ich habe gestern einen gesehen, der muss noch Kohlen schleppen." ,,Das gibt es?" ,,Ja!" ,,NEIN!!" ,,DOCH!!!" ,,Du pass auf, Ariane*. Du machst eine Live-Reportage von dem Kohlen-Träger.' ,,Geil4', stöhn Benjamin von*. ,,Wisst Ihr, was wir dann machen?! Ariane* schickt alle zwanzig Minuten eine SMS, wie es dem Kohlen-Trägegeht, und das drucken wir so ab. Das gab's noch nie.u ,,Genial!" Florian* schenkt nach. ,,Warum wollen die eigentlich jetzt was Sozialkritisches?", fragt Benjamin von* zwischen zwei Zügeeiner frisch angeschnittenen Cohiba. ,,Nun hödoch mal a u r , schimpft Ariane*. ,,Die Kinder in Afrika haben auch immer Hunger, selbst wenn kein Live-Aid-Concert ist!" ,,Jetzt verwechselt Du.aber die Parameter!" ,,Na gut." Elke* kommt herein. ,,HallöchenWas macht ihr." ,,Was Sozialkritisches übearme Studenten.' ,,Geile ScheißeMit Tränen? ,,Ja, voll den Sozialkitsch!" ,,Mit einer Hart-am-LebenReportage?" ,,Ja! Ariane* kennt einen. Kohlen-Träger!' ,,Ist nicht wahr!" "DOCH!" ,,NEIN!!" ,,WAHNSINN!!! Das schicken wir ein füden Theodor-Wolff-PreisSmFlorian* schenkt nach. ,,Aber Kinder, wir brauchen noch was füdie Zielgruppe!'' ,,Was haben wir denn?" ,,Ich habe einen anonymisierten Bericht übe'-", der behauptet, ein Stupa-Mitglied zu sein." "Nein!" ,,DOCH!!" ,,ABGEKUHLT!!!" ,,Toller Schocker füdie Zielgruppe/ ,,Was ist noch da?" ,Ein Rätseauf Seite 44." ,,Weiter?" "Leserbriefe aus der Zone." ,,Hat die jemand Korrektur gelesen?" ,,Was noch?" ,,Neue Projekttutorien!" ,,Isses wahr?!" ,,Ja!' "Haben wir das exklusiv?" ,,Elementary, my dear Watson!" Benjamin V.* zerdrückdie halbgerauchte.Cohiba . ,,Ich habe übrigennoch was", ruft Elke*. ,,Nicht noch einen Sozialschocker. Das könne wir dem Leser nicht zumuten!'' "Nein, eine Ratgeberinfo übeSteuererkl~rungenim Grundstudium." ,,Nein?!" ,,DOCH!" ,,HER DAMIT!!" Florian* schenkt nach.

* Name von der Redaktion geänder '-"

anonymisierter Studentenpolitiker

Kleine aufsteigende Ralltreppe bietet: Mitfahrgelegenheit f i r alle StudentInnen7die erstmals

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recherchieren, interviewen und layouten wollen. Ein Meister ist noch nicht vom Himmel gefallen, aber wir bieten Euch den Einstieg. Wenn Ihr also neugierig seid auf Journalismus an Eurer Universität dann besucht die großRedaktionmitzung am 30.04.017 um 18-00Uhr im Raum 3022. Hier treffen wir uns auch jeden Montag um 18.00 Uhr zur Redaktionssitzung. Ihr seid herzlich eingeladen!

UnAufmdordert April 2001

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Inhalt Njuhs, Kommentar, Bauvorhaben

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,Es ist schwierig, ja!" HU-PräsidenJürgeMlynek übedie Hochschulverträg

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Ausleihstatus; Abbestellt Die Berliner Bibliotheken stehen vor der Pleite

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Die Leute hinter den Listen des Stupas Kippt der Osten? Rechtsruck an den Universitäte Ostdeutschland

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X Die armen und die reichen Studenten

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,Die Realitäte werden verdrängt 17 Die PDS-Abgeordnete Maritta Böttchezum neuen BAfö

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Bin ich reich? Bin ich arm? Studieren zwischen Sekt und Selters

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Jenseits des Hörsaal... Was Professoren übearme Studenten denken

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Njuhs, eMail aus... Projekttutorien an der HU - Berlin Raider heißjetzt Twix Der Master bringt den Talar zurüc

Spezial

Studieren in... Paris

Njuhs

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Onomastische Friedhofspfleger 27 JürgeUdolph erklärtwarum man heißtwie man heiß schwarz auf weiß neue Büche

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Wer braucht eigentlich das Institut füTransakustische Forschung

K Njuhs, Weggehen kinoclub Oscar Fur Nunderkindev Das diesjährig SehSüchte-Festivain Potsdam

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Kein Shoppen Kein Ficken Neuropolis - Studentisches Theater in Berlin M U T ₠leise Herzblut: Ein Interview m i t Subway t o Sally schwarz auf weißneue Büche

Metropolen in Europa: Wolfurt i n Österreic Katechismus des Studenten W11

Tips & Termine Rätse Liebesbriefe Impressum

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Kein Interesse am Rechnungshof

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Nach Abschluss der Prüfungedes Berliner Landesrechnungshofes bei den Asten vonTU, FU, FHTW und beim RefRat der HU haben die Berichte des Rechnungshofes einigen Wirbel ausgelöst Zwar gelobten bis jetzt alle untenuchten Studentenvertretungen, die in den Berichten aufgezeigten Mängein der Haushaltsführunund -verwendun9 zu beseitigen (siehe die letzten UnAufs), jedoch sorgen Ungenauigkeiten der Rechnungsprüfedafürdass insbesondereder RCDS den Asten weiter ,,umfangreiche Ausgaben fünicht hochschulbezogene Zweckewzu Lasten legt und dies mit Beispielen unterlegt, die genau diesen Vorwurf nicht belegen. So hat der AStA der F H W 1998 eine Rechnung übe4.352 Mark füeinen Besuch im Berliner Luxushotel ,,AdIon1' abgerechnet. Allerdings nicht, wie vermutet, um damit die eigene Selbstherrlichkeit zu demonstrieren, sondern, so Finanzreferent Markus Weyh vom AStA der FHW, um dort gemeinsam m i t Vertretern der Wirtschaft die Vorbereitung eines WirtschaftsSymposiums an der Fachhochschule zu besprechen. Auch der Vorwurf, der Finanzrefefcnt des MfRats der HU habe sich rechtswidrig bereichert, ist falsch. Der Rechnungshof hatte bei seiner Prüfun nicht erkannt, dass die im Haushalt ausgewiesenen Honorare nicht füeine Person, sondern füdas gesamte Finanzreferat (drei Mitarbeiter) gelten. Bei den eigentlichen Adressaten der Rechnungshofberichte, den Uni-Leitungen und der Senatsverwaltung füWissenschaft, sind die Berichte bisher jedoch noch nicht wahrgenommen worden. ,,Wir haben zur

U.nAufgahrde~April 2001

Zeit andere Problemei8, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung Kerstin Schneider auf Anfraqe. Das Präsidialam

Magister mit Kredit Das Bundesbildungsministerium bietet seit dem I.April Studenten in der Abschlussphase ihres Studiums einen zinsgünstige Kredit. Das Darlehen wird übeeine Laufzeit von bis zu 24 Monaten gewährund beträgmonatlich 300 Euro (587,75 Mark). Der Kredit, den das Ministeri m in Zusammenarbeit mit der Deutschen usgleichsbank und dem BumJesverwaltungsamt gewährt soll Studenten in besonderen Situationen, wie bei der Finanzierung besonderer Exkursionen, Praktika im Ausland oder bei der Beschaffung teurer Studienmaterialien helfen. Die Rückza'hlunmuss nach vier Jahren in monatlichen Raten von 120 Euro erfolgen, der Zinssatz bet a g t 6,lQProzent. Mehr Informationen

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~ie~Bildungskommission der von den Grünegetragenen Heinrich-8011-Stiftung hat in einem Ende M2rz vorgestellten Konzept angeregt, dass Eltern mit einem Bildungskonto den spätere Lebensunterhalt ihrer Kinder und mögli che Gebührewähren der Ausbildung finanzieren sollen. M i t dem wgenannten Bildungssparen sollten die Eltern möglichsschon vom ersten Lebensjahr ihrer Kinder an beginnen. Grundsätzlic

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sollen aber alle Bildungsangebote vom Kindergarten bis zum Abitur und die erste Berufsausbildung frei von Gebüh ren bleiben. An den Hochschulen soll es jedoch nach Meinung der grüne Bildungspolitiker ein System von Bildungssparen, Bildungskonten und -gutscheinen geben. Das Bildungssparen solle vom Staat ebenso begünstigwerden wie das Bausparen. Der KommissiOn gehöre unter anderem die ehemalige Berliner Schulsenat~rinSybille Volkhokz und Jens eich an. Die SPEI hat unterdessen angekündigt dass sie an ihrem Verbot von Sludienge-, bührefUr das Erststudium festhalten will. Auf dem SPD-Parteitag im November in Nürnberwolle die Partei einen entsprechenden Leitantrag beschließen der auch weiterhin ein gesetzliches Verbot der Gebühi m Rahmen einer Novelle des Hochschulrahmengesetzes fordert.

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afess~ren protestieren

hdb&& L %deutsche Hochschulprofessoren haben Ende Mär in einer vierseitigen Anzeige in dm &ankfurter Allgemeine Zeitumjn (FAZ) gegen die R n e zur Dienstrechtsrefortn der Runcksqkrung protes t i e Falls die Bundesregierung ihre Plä ne nicht sofort zurücknehmeso die P r o f ~ s o r e drcthe n ~ den Universitäte eine Abwanderung ihrer SpitzenkräfteHinzu komme ein ~ ~ e r ~ à ¼ t u n ~ s d eda f i zdie it' Plän des Bundesbildungsministeriums eine Gehaltsabsenkungder Hoehschullehrer um monatlich 1.500 Mark voehen. Diese Vorwürfwurden seitens des Ministeriums als ,,unseriÖs und ,,falschn zurückgewiesenDie 1.500 Mark niedrigere Gehaltsstufe sei lediglich eine Untergrenze, die nicht unterschritten werden dürfe Unterdessen hat BundesbildungsministerinEdelgard Bulmahn angekündigt nicht auf dem von ihr geforderten "Verbot" der Habilitation zu bestehen. Zwar solle der Nachweis der Qualifikation füdas Profusoreh-Amt in Zukunft übed e geplante Junior-Professur erfolgen, eine Habilitation sei aber zudem weiterhin m6glich. Der DeutseheHochschulverband,der die Anzeigenaktim in der FAZ organisiert hat, kündigtfüdie zweite Aprilhälfi weitere Aktionen dieser, Art an, wenn die Forderungen der Professoren nicht gehör würden Eine vierseitige Anzeige in der FAZ kostet rund 240.000 Mark.


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landu zu verbessern. Geplant seien dezentrale Frotestaktio~enan möglichs . dem vielen t 4 o c h w h ~ I s ~ d o r t e nMt Aktionstag solle, so Markus Lormz vom Studentenrat Leipzig, ,,gegen neoliberale Hmhscitulpotitik, gegen die geplante Einführunvon Studiengebühre und ge: gen Einschränkunge der Verfassten Studierendenschaft d u r a neue Hochschulgesetze i n dem Länder protestiert werden", Die Kourdination des Aktionstages liegt beim f s und beim Studmtenrat in Leipzig.

Lust und Frust in Adlershof

Jm Mai a u f ~ & ~ ~ t d k l

Die Studentenrät der Universitäte Jena, Leipig und Halle planen gemeinsam m i t dem Freien Zusammenschluss der Studentenschaften (fzs) füden 16. Mai einen bundesweiten Aktionstag, um so die ,,Studiensituatimen in Deutsch-

69 neue Firnen haben stch im Jahr 2000 in M l m h o f angesi+It. Damit arbeiten Firnen m i t etwa jetzt i ~ g e s a m 358 t 3.600 Mitarbeitern am Wissenschaftsund Wirts&a&Wndofl Adl~rshafumi erwirtschaftetefi hier i m vergmgenen Jahr einefi Umsatz von 750 Miliiofien Mark. Damit Mi, m Wirtschaftssenator Wolfgang Eranoner (CDU), Adlwshf ein ~,,Motov füdas weitere Wirtschaftswachstum der gesamten Hauptstadtregion", Aikrdings miisse der Staridort i n den nachsten Jahren mit weniger För dergeldern auskommen, was sich hauptsächlic auf dik Infrastruktur auswirken werde. Der kiU-UniVe~itätSleitUnt&&t

inzwischen der wachsende Frust ihrer Mitarbeiter in Adlershof Sorgen. Diese fühlesich schon heute ,,weit weg vom Rest der Unp und mit ihreh Problemen allein gelassen. So grassiert unter den ,,Adlershofernu die Angst, dass die SBahn ihren Takt der Zügnach Adlershof verlänger Mnnte, ebenso sei die geplante Verlängerun der StraBenbahn wiederabgesagt worden. Die Uni-Leitung m6chte zur Hebung der Moral @bdem Somme~ernesterauch L&weranstaltungen der t3eisteswissenschaftenin Adlershof durchführenum kein weiteres Gefühder Istdation aufkommen zu lassen. Bisher gibt es jedoch noch keine Angebote füderartige Veranstaltungen.

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Regionale Aligemeinpolitik Dem Refefentlnnenrat (RefRat) der Humboldt-Universitäist bei seinem Bemühe um ein allgemeinpolitisches Mandat fQr die Studentenschaft ein Teilerfolg gelungen. Das BerJiner Verwaltungqericht hat Anfang Märeinen Qrdnungsgeldantrag der Klägein H ~ h e von m.000 Mark auf 5.000 Mark reduziert. Die Klägerelf Studenten der HU, die seit nunmehf anderthalb Jahren gegen allgemeinpiitische Außerunge des RefRats, des Sttidenbflparlaments und seiner Publikationen klagen (siehe die letzten UnAufs), hatten Artikel und Anzeigen in der RefRat-Zeitung ,,HUch!" und Aufrufe des StuPas und des RefRats zu Demonstrationen gegen die NPD als Verstoà gegen die im Novcmber 1999 verhängt einstweilige Anordnung gesehen, konnten sich damit jedoch vor Gericht nur teilweise durchsetzen. So sah das Gericht eine Satire übedie CDU-Vorsitzende Angela Merke1 als all- . gemeinpolitische Äußerun nicht jedoch einen von den Kläger ebenfalls inkriminierten Artikel übeden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel. Auch die Aufrufe des RefRats und des Studentenparlaments zu Demonstrationen gegen einen NPD-Aufmarsch vor der Uni wertete das Gericht nicht als Allgemeinpolitik. Diese Aufrufe, so das Gericht, fallen vielmehr unter einen räumlic ausgeweiteten Hochschulbereich, der nicht als allgemeinpolitisch anzusehen sei. Der RefRat hat nun auch gegen das Restordnungsgeld von 5.000 Mark Beschwerde eingelegt. Dies sei notwendig, so Bill Hiscott vom RefRat, um die ,,Widersprdche, in die sich das Gericht jetzt verwickelt hat, zu klären'

April 200 1 U n A u f g e f o r d e r i


schimmer füeinen Erhalt des Studentendorfs. Damit könnt auch die sich Sowohl der Neubau einer Universitäts anbahnende Wohnheimkrise in Berlin bibliothek füdie TU als auch der fü gelöswerden. Nach Angaben des Studentenwerks stehen in der Stadt wegen die HU gehen nicht voran. Die Turbunicht möglicheSanierungen von Wohnlenzen bei der Ausschreibung des Neuheimen aufgrund der Kürzungedes Sebaus füdie TU (der Ausschreiber hatte nats ab Juli keine freien Wohnheimplätz klar eine Berliner Baufirma im Einzugsmehr zur Verfigung. bereich der Bankgesellschaft Berlin beStudenten von der Selbstverwaltung des vorteilt) haben zu einer unabsehbaren Dorfes haben dem Senat im Mär angeVerschiebung des Baubeginns und noch nicht überschaubaMehrkosten geführt boten, das Dorf mit seinen übe1.000 Wohnheimplätze füden symbolischen Sollte sich der Beginn des Neubaus so Preis von einer Mark zu kaufen und selbst verzögerndass füdie TU nicht vorgezu sanieren. Schlachtensee wurde in den sehene Mietkosten entstehen, will die 50er Jahren zum größt Teil aus USUniversittit das Land Berlin fiir die entSpenden errichtet, ein Verkauf sollte dem standenen Kosten haftbar machen. Senat 23 Millionen Mark bringen. Die Auch der Neubau der HU-Unibibliothek kann nicht wie vorgesehen dieses Früh Studenten haben füihre Kaufplän ein Konzept vorgelegt, mit dem sie nachweijahr beginnen. Zum einen beharrt die sen, dass sie das Dorf im Gegensatz zum Senatsbauverwaltung auf der AusschreiStudentenwerk kostendeckend und sobung eines Architektenwettbewerbs (der gar gewinnbringend betreiben können bisherige Architekt kommt aus Hamburg), zum anderen sperrt sich die Bahn, ein fü Allerdingsvermuten die Studenten, dass sich der Senat intern bereits auf einen den Bau beniltigtes Grundstücohne weiInvestor geeinigt habe, obwohl.dieser erst teresfreizugeben. Der Neubau solLan der kurz vor Ostern bestimmt werden sollte. Geschwister-Scholl-StraEe hinter den SBahn-Böge errichtet werden. Aus ihrem Johannes Prüfhevon der Selbstverwaljetzigen Standort muss die Unibibliothek tung hofft, trotzdem mit dem studentischen Konzept Erfolg zu haben. ,,Falls bis spätesten 2005 ausziehen. Berlin unsere eine Mark nicht reichtu, so PrüUncr,,haben wir auch noch Spender Studentenkommune i n der Hinterhand." Schlachtensee Eine endgültig Entscheidung übedie Zukunft des Studentendorfs ist noch vor Nachdem Berlin den Verkauf des Studentendorfs Schlachtensee beschlossen der politischen Sommerpause i m Juli geplant. hat, gibt es nun doch einen Hoffnungs-

Uni-Bibliotheksbaustopp

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UnAufgefordert April 200 1

Studentendori

Usbekische Lernhilfen und finnische Löwe Personalia: Ayfer Durdu, Studentin am Institut füAfrika- und Asienwissenschaften, hat einen der ersten Preise fü"Gute Lehre" an der HU gewonnen. Durdu hat Videoclips zum Erlernen von Ÿar und Usbekisch entwickelt. Eberhard Conradi, emeritierter Leiter der Klinik füPhysiotherapie der Charitk, hat den Orden ,,Finnischer Löweerhalten. Die Auszeichnung bekam er füseinen Einsatz füdie K r derung der Saunakultur in Deutschland. GünteStorck, Vorstandsmitglied der Schering AG und Senator der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie weiterer Stiftungen, ist neues Mitglied des Kuratoriums der HU. Storck folgt der bereits 1999 ausgeschiedenen Dagmar Schipanski, die jetzt Wissenschafts@ ministerin in Thüringeist. jot

Schlachtcnsce


HU-Präsiden JürgeMlynek übedie Verhandlungen zur Verliingerung der Hochschulverträg

UnAuf: Herr Mlynek, am 5. April haben Sie die Verhandlungen zur Verlsngerung der Hochschulverträg bis 2005 abgeschlossen. Wie ist es denn gelaufen? Mlynek Wir haben versucht, uns mit der Senatsverwaltung fü Wissenschaft auf einen fübeide Seiten tragfähige Kompromiss zu einigen. Aber die Senatsverwaltung muss dann noch mit dem Finanzsenator sprechen und die Situation der Finan* Zen in Berlin ist gegenwärti bekanntermaße außerordent lich schwierig. Wie sieht der Kompromiss aus? Wir haben uns auf eine Erhöhun der Mittel füdie Personalkosten geeinigt, wahrscheinlich wird es hier ein Plus um 1,5 Prozent geben. Weiter gibt es bei den Sachausgaben einen Inflationsausgteich; angedacht ist hier 1 Prozent. Darübehinaus sollen die zusätzliche Pensionskosten erstattet werden.

Zukunftsfaktoien. Neue Arbeitsplätz in Berlin entstehen wissenschaftsbasiert, Wissenschaft in Bertin ist ein Wirtschaftsfaktor, dies muss die Stadt begreifen. Und - es klingt zwar abgegriffen, bleibt aber notwendig - Berlin braucht eine Vision als Wissenschaftsstadt. Sie haben m i t ihren ~ o l l e ~ von e n FU und TU beim Regierenden Bürgermeistevorgesprochen. Will Diepgen den Hochschulen jetzt helfen? Wir haben mit Diepgen übedie Möglichkeieines Lehrstuhlerneuerungsprogramms gesprochen. Berlin hat 'mit den jetzt anstehenden Neyberufungen eine einmalige Chance, sich fü die nächstezwanzig, dreißi Jahre als Wissenschaftsstandort zu profilieren. Hierfüsollte der Senat von Berlin zusätzlich Beträg zur Verfügunstellen, um so Spitzenberufungen zu ermb@lichen.

Die Senatsverwaltung will einen Teil ihrer Mittel leistungsKlingt nicht so toll! Eigentlich brauchen die drei ~niversitä bezogen vergeben. Da schneidet die HU nicht so gut ab. ten i n den nächste drei Jahren zirka 350 Millionen Mark Die Humboldt-Universitästeht auf der Basis des jetzt bewerzusätzlich teten Zahlenmaterials, dies betrifft die Jahre 1996-1998, in Es ist schwierig, ja. Und in der Tat brauchen wir zusätzlich der Tat nicht so gut da. Hier haben wir offensichtliche Defizite Investitionsmittel. Hier haben wir in den letzten Jahren nur 18 in der Lehre und bei der Einwerbung von Drittmitteln gehabt, Millionen Mark erhalten, das reicht nicht. Wir brauchen deutdas werden wir 8ndern müssenum nicht zum Nettozahler fü lich mehr, weil wir dringend Gerät ersetzen und Gebäud indie beiden anderen Universitäte zu werden. stand setzen mŸsse und weil an allen drei Universitätenan Ihr anderes Problem heißCharit6. Die SPD will 150 MillioTU und FU mehr als an der HU. in den nächste Jahren eine nen Mark bei den Unikliniken sparen. Welle von Neuberufungen beginnt. Das alles wird von der Wissenschaftsverwaltung als Problem erkannt, hoffentlich erJa, aber keiner kann erklärenwie diese Summe zustande kommt kennt dies auch der Finanzsenator. und wo gespart werden soll. Trotzdem bleibt diese Zahl eine Bedrohung füdie Universitätsmedizi in Berlin. Wir werden Wie groà sind Ihre Sorgen? die jetzt wieder beginnenden Planspiele um eine medizinische Die Sorgen sind großDie Politik in Berlin wird Prioritäte setHochschule oder um eine weitere Fusion jedoch nicht mitspiezen müssenWissenschaft ist füBerlin einer der wichtigsten len. Die Charite ist und bleibt integraler Bestandteil der Humboldt-Universität \Bjiebe eine Schließundes FU-Klinikums Jenjamin Franklin" ... es gute Argumente gibt. Ich denke, beide Klinika sollten sich - wo möglic - noch stärkevernetzen. In diesem Punkt sollten sich beide Häusenoch einmal zusammensetzen und Synergieeffekte sowie ihre Einsparpotentiale überprüfe Diese Gespräch müssewir aus Eigeninteresse, aber auch angesichts des politischen Drucks führenDenn nicht nur die SPD, auch die CDU möcht offenbar im Klinikbereich weiter sparen.

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Herr Mlynek, Sie sind jetzt seit sechs-'Monaten Präsiden und haben i n dieser 2eit ausgiebig Gelegenheit gehabt, die sehr eigenen politischen Verhältniss Berlins kennenzulernen. Haben Sie den Umzug nach Berlin schon bereut? Mir geht es eigentlich ganz g u t Ich habe den Wechsel bisher nicht bereut. Stören ist allerdings die Unberechenbarkeit der politischen Verhältnissei Berlin. Es ist nicht so leicht, sich auf das zu verlassen, was öffentlic kundgetan wird. Deswegen sind auch die Hochschulverträgfüuns sehr wichtig: Sie geben uns das StücPlanungssicherheit, was sonst fehlen würde Wir danken füdas Gespräch

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Die Fragen stellten j o t und trp.

April 2001 UnAufBrfordwÃ


Die Berliner Bibliotheken stehen vor der Pleite Auch die Berliner Stadtbibliothek mit ihren zahlreichen Bezirksbibliotheken ist seit Jahren.vom Sparzwang betroffen und kann die Beständ nicht halten. ,,Der Zustand ist absolut kritischu, sagt Generaldirektorin Claudia Lux, .in vielen Bibliotheken wird reines Krisenmanagement betrieben." Das gelte auch füdie Berliner Universitätsbibliotheken die kaum noch handlungsfähi seien. Wenn die Politik nicht umgehend reagiere, warnt Lux, entstündeirreparable Schäde füdie Bibliotheken, die auch den von Politikern aller Parteien gerühmte ,,Wissenschaftsstandort Berlin" zunehmend ad absurdum führewürden

einen Zeitschriftenartikel fŸ ein Seminar zu finden, kann leicht zur ahren Odyssee werden. Wenn man Glüchat, dauert die Recherche einen Tag Zeitschrift ist nicht abbestellt. Zukünfti wird die Situation noch kataer werden, denn die Bibliotheken müsseweiter sparen. iversitätsbibliothe der Humboldt-Universitä muss im n Haushaltsjahr 540 Zeitschriftentitel abbestellen. Bei aben füMonographien müssegegenübe1999 mehr 2 s zwei Millionen Mark eingespart werden. Die Senatsverwaltung kürzseit drei Jahren den Etat - bei gleich bleibenden Personalkosten. Also bleibt füdie Bibliothek Jahr füJahr weniger Geld zur Beschaffung von Bücher und Zeitschriften. Zudem qibt es bei vielen Zeitschriften ein Preissteigerung von bis zu 20 Prozent, die Verlage weI gen ihrer Monopolstellung auf dem Markt den Biblio' theken aufdrücke könnenSo beläufsich der Preis fümanchesZeitschriftenabo pro Jahr auf 20.000 Mark und mehr. 1 Auch durch den seit der Einfiihrung des Euro permanent hohen Dollarkurs entstehen Mehrkosten in Höh von bis zu 30 Prozent, da viele Titel aus dem englischsprachigen Ausland, besonders aus den USA, zu Dollarpreisen eingekauft werden müssenWenn nicht gut ein Drittel des Etats der Universitätsbiblio . thek der HU. das sind rund 1,5 Millionen Mark, von der Semens-~tiftunggetragen würdeginge gar nichts \mehr. Allerdings werden die Siemens-Gelder nicht gleichmäßauf alle Zweigbibliotheken verteilt, sondern gehen nur an die Fachbereiche, die auf der Liste der Stiftung stehen. Da der restliche Etat jedoch zu gleichen Teilen verteilt wird, kommt es zwangsläufi zur Benachteiligungen einzelner Zweige. Besonders prekä ist die Situation füdie Naturwissenschaften, da gerade dort die Zeitschriften eine zentrale Rolle spielen, diese gleichzeitig aber auch am stärkste von Preiserhöhungeund Kursschwankungenbetrof&sind.

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Lux hofft auf ein Umdenken in der Politik. Doch trotz des meinsamen Protestes der Bibliotheken und des Börsenver deutschen Buchhandels Ende letzten Jahres unterStu-dienqualitä gefährde die politische Seite bisher kaum etwas. Gewiss, es gibt l L wieder Notprogramme (der Bundestag hat Ende Mär "Die Situation hat sich so zugespitzt, legen, was" wir abbestellen", sagt der Direktor der Universitäts wieder eines auf den Weg gebracht), jedoch, so Lux' Forderung, müssdie Politik umdenken und endlich begreifen, dass bibliothek der HU, Milan ~ u l a t y ,,An . Neubestellungen ist gar nicht zu denken." Da wirken auch die 500.000 Mark, die er fü die Finanzierung von Bibliotheken eine wesentliche Aufgabe von wissenschaftsorientierterPolitik ist. Umdenken müsseihrer 2001 zusätzlic erhalten hat, nur wie der Tropfen auf den heiMeinung nach aber auch die Professoren, die immer noch viel ße Stein. Letztlich bedeutet dieser Zuschuss lediglich, dass zu wenig Verständni füdie Bibliotheken an ihren Hochschuetwas weniger Titel abbestellt werden müssenDer Erwerbungslen haben. Viele Professoren haben ihre eigene Netzwerke, in etat füdie Bibliothek ist seit 1993 von zirka 11 Millionen Mark auf jetzt 4,5 Millionen Mark gesunken. "Das ist zuviel zum denen Bücheerworben werden. Die Bibliotheken, die auch von den Studenten genutzt werden, kommen in diesen NetzwerSterben und zuwenig zum Leben", klagt Bulaty. Damit sei auch ken kaum vor. Die Universitstsbibliothekensollten daher in die Qualitat der universitäre Ausbildung in Gefahr, dies scheine aber kaum jemand wahrzunehmen. ,,Warumm, fragt sich Bulaty, Zukunft von den oft ,,willkürliche Entscheidungen der Uni"werden in Deutschland eigentlich nie die Bibliotheken in den versitätsleitungen freigestellt werden und unabhängi übe Uni-Rankings bewertet? In den USAsind die Bibliotheken maß ihre Etats entscheiden können Milan Bulaty möchtauf das langsame Umdenken nicht mehr geblich füdas Ansehen der Hochschule, dort sehen auch die warten: .Wenn alle Studenten sich wehren würden"sagt er und Professoren die Bibliothek als zentralen Punkt der Universitat." In Deutschland gebe es dagegen kaum Interesse füden schaut hoffnungsvoll auf den Baukran vor seinem Bürofenster ,,dann würddas Problem am effektivsten in die Öffentlichkei katastrophalen Zustand der Bibliotheken, obwohl dies in den getragen und die politische Seite müsstreagieren. Augen Bulatys einer der maßgebliche Faktoren u.a. füdie siehe auch Kommen"ro tar auf Seite 6 extrem lange Studiendauer in Deutschland ist.

UnAufgeÇordor April 200 1


hir.ter den List>en Stupa-Mitglieder, mangelnde Transparenz und Information Die Stupa-Wahlen haben es wieder einmal deutlich gemacht: Nur ein Bruchteil der Studierenden ist am politischen Leben ihrer Uni interessiert. Als Grund nennen viele Studenten mangelnde Transparenz und Informationen übedie uniinternen Vorgänge "Was machen die eigentlich?" fragen sich viele, ,,warum machen die das überhaupt?"oder: ,was sind das füMenschen, die wir da w5hlen sollen?" Deshalb wollte die UnAuf ein paar "Gesichter" hinter den Namen auf den Listen vorstellen, die sich um unser Geld streiten, und sie selbst erzähle lassen. In den Semesterferien ein Stupa-Mitglied füein Interview zu gewinnen, ist ein recht schwieriges Unterfangen. Natürlicsind nur sehr wenige und diese nur sehr selten überhaupda. Und die, die dann da sind, wollen nicht so gerne interviewt werden. Immerhin fanden sich kurz vor Redaktionsschluss doch noch zwei willige Opfer: Jonas von der Linken Liste möcht seinen vollen Namen lieber nicht nennen. Heute ist er trotz Semesterferien schon seit acht Uhr morgens im Büroobwohl er kaum geschlafen hat. Er sitzt schon zum zweiten Mal im StuPa, reingeraten ist er da aber eher zufällig Denn vorher war er schon RefRat-Mitglied, und da haben ihn die Leute von der Linken Liste gefragt, ob er nicht füsie kandidieren wolle. Und das hat er gemacht. "Vorher hatte ich vom Stupa noch nichts gehört, erzähler, ,,aber dann habe ich schon Interesse bekommen, als ich selbst dabei war." Er hat sich aber eigentlich nie Illusionen gemacht, im StuPa viel erreichen zu können ,,Das StuPa hat keine wirklichen Möglichkeite der Einflussnahme", meint Jonas. Zwar verfüg es übeeinen höhere Finanzrahmen und könn Protestresolutionen verabschieden, aber das sei es dann auch schon so ziemlich.gewesen. Als negativ bewertet er, dass das StuPa von Einzelpersonen, aber auch von ganzen Listen als politische Bühngenutzt werde. Dies störihn besonders, wenn die "Rechten" so die Beschlussfähigkei untergraben. Füdie Zukunft würdJonas sich wünschendass dem StuPa mehr Mitspracherecht in den Gremien zuteil würdeEr ist sich sicher: ,Das würdauch die Wahlbeteiligung erhöhen.

StuPa etwas zu erreichen, schätz er ,,realistisch gesehen", wie er betont, gering ein. Er bedauert, dass Anträg seiner Liste oft verschoben oder von der Tagesordnung genommen werden. ,,Oder sie werden erst gar nicht besprochen, sehr demokratisch", beklagt er, "aber die rechts-links-Spielchen kennt man ja, da wird nicht immer nur sachlich vorgegangen." Füihn ist das StuPa in erster Linie "ein Instrument, das den Studenten in die Hand gegeben wird, um mit etwas Geld was zu organisieren." Schwer findet er es, seine ,,Wählerschaft zu motivieren, denn selbst Freunde und Kommilitonen sind schwer an die Wahlurnen zu treiben. "Der Durchschnittsstudent, der wahrscheinlich den RCDS wähle würdeinteressiert sieh nicht dafürwas im Stupa geschieht." Den linken Listen falle es leichter, ihr Klientel zu motivieren.

Legitimation des StuPa in Frage gestellt Füdie Zukunft findet Andreas wichtig, dass die Popularitä des Stupa steigt, und bekannter wird, was dort geschieht. Er ist sicher, dass das die Wahlbeteiligung erhöhe würde,,Mal ein zweistelliger Betrag wär schon schön, meint er sarkastisch und lacht, und mit 30.000 bis 60.000 Mark Wahlkampfbudget kann man das seiner Meinung nach durchaus erreichen. ,,Bei einer Vertretung, die von nur 7 Prozent oder 8 Prozent gewähl wurde, halte ich es füfraglich, inwiefern sie legitimiert ist, die Gemeinschaft zu vertreten", fugt er hinzu. "Dieses Problem geht allerdings in der Arroganz derer unter, die die Stimmen haben." Trotzdem häler seine StuPaArbeit fiur wichtig und sinnvoll: ,,Das Feld anderen zu über lassen, geht schließlic auch nicht." ro

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Motivationsprobleme Andreas Rotter ist Stupa-Mitglied füden RCDS, den Ring Christlich-Demokratischer Studenten. Er studiert im achten Semester Medizin und ist schon seit 1998 dabei. Damals haben ihn auf dem Weg zur Mensa Nord Leute vom RCDS angesprochen und ihm einen Flyer in die Hand gedrückt worauf aufgelistet war, wofüdie 150 Mark Semestergebühre verwendet werden (100 Mark fü Einschreibgebühren40 Mark Beitrag füdas Studentenwerk und nur 10 Mark füdie Verfaßt Studentenschaft). ,,Das hat mir nicht so gefallen und da habe ich denen dann eine KontakteMail geschrieben" erzähl er. Auch die anderen Ziele, die sich der RCDS auf die Fahnen geschrieben hatte, gefielen Andreas; außerde fand er die Leute nett. So trat er dann auch in den RCDS ein und lieà sich für StuPa aufstellen und wurde auch gleich in selbiges hineingewählt Bis Februar diesen Jahres hat er den RCDS geleitet. Füdie gerade vergangenen Wahlen hat er sich trotz abnehmender Motivation noch mal aufstellen lassen und wurde auch wieder gewählt ,,Eigentlich könnt die Zeit besser genutzt werden", sagt Andreas, denn er arbeitet gerade an seiner Doktorarbeit. Die Chancen des RCDS, mit seiner niedrigen Sitzanzahl im

April 200 1 UnAufgefordert


Kippt An ostdeutschen Hochschulen bekennen sich immer mehr Studenten zu rechten Einstellungen mehr Akzeptanz entgegen gebracht." An der Universitäin Greifswald gibt es seit einem Jahr eine Studentengruppe der NPD. Unter dem Namen ,,nationaldemokratischer Hochschulverband" versucht man, Studenten der rechtsradikalen Partei zuzutreiben. In Jena gehöre Burschenschaften fest zum Universitätsallta und haben sich auch in der rechten Szene der Stadt fest etabliert. Die Burschenschaft ,,JenensiaU arbeitet mit dem ãThüringHeimatschutz" zusammen, den die ThüringePolizei zur militanten rechten Szene Thüringenzählt Regelmäßkommt es in der Stadt zu Zusammenstöß zwischen linken Studenten und Burschenschaftlern. Im Mai 1999 boten Burschenschaftler des Bundes ,,Arminian' linken Studenten Prügevon .Mann zu Mann" an. Den Studentenvertretungen im Osten fällzu diesem Rechtsruck ihrer Kommilitonen wenig ein,,,Es sind jetzt wohl irgendwelche NPDIer an der Uni", sagt Christoph Schulze vom Studentenrat der UniversitäGreifswald, .aber die ignorieren wir." In Jena gibt es zwar immer wieder Aktionen einer "autonomen Antifa-Gruppe" gegen die Burschenschaftler, doch vom Studentenrat der Uni ist zu diesem Thema kaum etwas zu hören ,Viele Ost-Studentenvertretungen", sagt Danikl Kretschmar vom Referentenrat der HU, ,,übe sich nur in sachorientierter, pragmatischer Politik innerhalb der Hochschule und geben damit wichtige Räum füdie Rechten frei. Der Pragmatismus im Osten kombiniert sich so mit dem Rechtsruck seiner Studenten." Es sei in der Tat so, bestätigauch Bargel, dass es in den neuen Länder immer noch eine sehr eng gefasste Meinung von studentischer Politik gibt. ,,Das darf nicht so bleiben", sagt ausgerechnet der Buschenschaftler Lorenz, ,,wer, wenn nicht wir, soll darauf achten, dass Hochschulen keine rechten Hochburgen werden?" Jot

Übeeinige Sachen kann Markus Lorenz nur noch laut lachen. Wenn der Mannheimer Geschichtsstudent wieder einmal gefragt wird, ob er denn m i t Uniform i n die Universitägeht, findet er das nur noch lustig. ,,Ich schneide mir nicht m i t der Rasierklinge durchs Gesicht, trage keine Uniform und renne auch nicht m i t einem Säbedurch die Gegend." Lorenz, der seit drei Semestern an der UniversitäLeipzig studiert, ist Mitglied i n zwei Burschenschaften. 1993 trat er in Heidelberg der ,,Allemanniau bei, die sich dem ,,echten Studentenleben" widmet und als ein eher liberaler Männerbun gilt. 1996 wechselte Lorenz nach Jena und wurde hier Mitglied der ,,TeutoniaU, die sich stolz zu den ,,UrburschenschaftenU zählund der verKritiker vorwerfen, i n Jena 1999 am 20. April eine ,,FÜhrergeburtstagsfeier anstaltet zu haben. Immer mehr Studenten, sagt der Konstanzer Soziologe Tino Bargel, bekennen sich zu nationalen und konservativen Positionen und engagieren sich in entsprechenden Vereinen. Und sie werden von den übrigeStudenten zunehmend akzeptiert. Markus Lorenz ist seit Oktober letzten Jahres Referent fü Hochschulpolitik im Studentenrat [StuRa) in Leipzig. ,,Sicher gab es eine Schrecksekunde im StuRaU, sagt Lorenz, ,,aber dann haben die mich akzeptiert." Jetzt", ergänzseine CoReferentin Anja Pohl, "stehen wir hinter Markus." Zumal Lorenz nicht zum Klischee-Burschenschaftler taugt. Dass Burschenschaften in der Öffentlichkei kritisch gesehen werden, kann er verstehen, weil viele der Vereine sich in der Tat konservativ bis rechtsradikal äußerUnd die zunehmenden rechten Einstellungen unter Studenten findet er ,,beängstigend" ,Dies gilt aber nicht füunseren Studentenrat." Das glauben andere Studentenschaften nicht. Füsie hat der StuRa Leipzig mit der Wahl eines Burschenschaftlers eine Grenze des guten Geschmacks überschritten Füden Referentenrat der Humboldt-Universitä [HU) war die Wahl Lorenz' Anlass, sich aus dem Bündniostdeutscher Studentenschaften (0.s.t.) zurückzuziehenandere Studentenvertretungen drohen Lorenz mit Hausverbot, falls er an ihrer Hochschule auftaucht. Alles nur ein Sturm im Wasserglas? Mitnichten, Hauptsäch lich an ostdeutschen Hochschulen, das belegen die Untersuchungen Bargels, nehmen national-konservative und rechtsradikale Einstellungen unter Studenten zu. 1995 waren es noch drei Prozent an den westdeutschen Hochschulen und fünProzent an den ostdeutschen Hochschulen, die sich offen zu (wAten Haltungen bekannt haben. Drei Jahre sp&ter waren es bereits fünbzw. acht Prozent. Hinzu kommt die Gruppe der Symphatisanten, die an den ostdeutschen Fachhochschul.en mit 17 Prozent b e s p h d e ~hoch ist. Insgesamt, so Bargel, bekannten steh 1998 an den ostdeutschen Universitäte 17 Prozent offen oder verdeckt zu national-koni servativea Haltungen, 1995 waren es noch 13 Prozent, die Zahlen im Westen tagen bei acht bzw. elf Prozent. "DerTrend geht weiter", warnt Bargel. Eine erste Auswertung seiner jüngsteUmfrage im Jahr 2000 habe ergeben, dass die Zahlen abermals um ein bis drei Prozentpunkte gestiegen seien. Und, so Bargel weiter, währen es bisher so war, dass rechte Einstellungen in den ASten kaum zu spürewaren, gewinnen konservative und rechte Studentengruppen auch hier langsam Einfluss. ,,Ihnen wird

UnAufgefwderà April 2001

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Die gesamte Fachliteratur


uã die Ruthen

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Deutsche Hochschulen sollen wieder Ausbildungsstätte füEliten werden jedoch nur die sozialen Gegensätz unter den Studenten

- zunächsverschärfe sich

Benutzte Statussymbole Fdhigkeit der Bewegung im sozialen Raum, wichtige Soft Skills

Leistungsmasse Ist der auf eine Dezimale gerundete Mittelwert des Sozialen Kapitals, bezogen. auf ein Zwiilftel des Produktes kultureller Fähigkeiteund finanzieller Möglichkeite

Anwesende Sozialpartner

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Sozial schwache mit hoher Valenz

Privatuniversitäte

April 2001 U n A u f g ^ t t r d d


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FüUta*, 29 Jahre alt, könnt derTag jetzt schon mal dreißi Stunden haben. Noch vierTage hat die Biologiestudentin, um ihre Diplomarbeit fertigzustellen. Ihr Sohn Martin, zwei Jahre alt, kann nicht in den Kindergarten, er ist krank. Die EC-Karte ist gesperrt, der Dispo m i t 1.200 Mark überzogenVom Sozialamt kommen knapp 1.000 Mark i m Monat, die Eltern geben nichts, sondern sagen bloi3: "Werde endlich fertig!" Ist Uta arm? Florian, 22 Jahre alt, studiert i n London an der European Business School. Seine Wohnung liegt in der berühmte Baker Street, Auto und Kreditkarte sind selbstverständlichGerade war er zu einem Praktikum i n Chile und jetzt streitet er schon wieder m i t seiner Freundin Anna. Sie will nicht zu ihm i n die Baker Street kommen, weil sie dann schon wieder eine Travelcard füdie U-Bahn kaufen muss. ,,Kann nicht jeder so viel Geld habenu, sagt Anna, die von Hamburg nach London gezogen ist und hier an der University o f London ein Studium durchzieht, das der Vater bezahlt Ist Anna arm und Florian reich? 1.300 Mark braucht Ralf, 2 4 Jahre, i m Monat zum Leben. Der Informatikstudent an der Humboldt-Universitä muss neben dem Studium arbeiten gehen, weil das BAfö nicht reicht. "Das soll mir mal jemand erzählen" schimpft Ralf, ,,wie man m i t 900 Mark i m Monat Miete, Lebensmittel und die Kosten füdas Auto bezahlen soll." "Aber," fügRalf hinzu, "mir geht es nicht so schlecht Andere sind i r m e r dran." Ist Ralf reich?

Der Bettelstudent mit Markenkleidung Wer ist arm und wer ist reich unter den Studenten? ,,Eigentlich wissen wir das nichtu, sagt der Soziologe Tino Bargel, der an der Universitä Konstanz die Arbeitsgruppe Hochschulforschung leitet. Die Konstanzer Hochschulforscher, die wie ihre Kollegen von der ~ochschul-lnformations-SystemGmbH (HIS) seit Jahrzehnten die sozialen'Eckdaten der Studenten durchleuchten, haben bisher kaum nach den sozialen Unterschieden zwischen den Studenten gefragt. Denn eigentlich, so Bargel, findet eine soziale Selektion' bereits vor dem Studium statt. Nach wie vor, das belegt auch die aktuelle Sozialerhebung der

HIS, kommen nicht einmal 15 Prozent der Studenten aussozialschwachen Elternhäusernwogegen übe40 Prozent der Mittel- und Oberschicht entstammen (siehe Kasten). Nachdem sie diese soziale Auswahl überstandehaben, mischen sich die Studenten zu einer scheinbar soziale homogenen Gruppe. ãDi Universit3tM,sagt der BerlinerVolkskundler holfgang Kaschuba, .ist ein kontrollierter sozialer Raum. Die Studenten sind sich dessen bewusst, das hei§tsoziale Unterschiede sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen." Sicher gibt es Orte, an denen reiche und arme Studenten auf den ersten Blick zu erkennen sind. Wer die Universitäin St. ÈÃ

'Dieser und die Namen der folgenden Studenten wurden von der Redaktion geändert

soziale Lage der Studente

haftlichen und sozialen Lage der Studenten durch. i t t e der neunziger Jahre gab es insgesamt 192.000 Studienanfänge in

etwa gleich groß Gruppe der Angestelltenkinder stellte dagegen eine eifach höher Beteiligung, nämlic 41 Prozent. Und die im Vergleich azu kleinen Gruppen der Beamten- und Selbständigenkinde stellte mit 5 Prozent die größGruppe unter den Studienanfängern Auf den er-

täte und Fachhochschulen vertreten. Der Berufsstatus der Väte Mütteist aber auch in anderer Beziehung aufschlussreich: Studien

hochschulen haben hingegen viel häufige Eltern, deren Berufe unteren Statuskategorien zugeordnet sind (,,Facharbeitera). Die eigentliche soziale Auslese, das belegen die Untersuchungen der HIS seit Jahren, findet bereits vor dem Studium statt. Aber auch wäh

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UnAufgefordert April 200 1

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April 2001 UnAufwrdort


Gallen besucht, wird schon beim Einparken auf dem studentiHat er diese Stufe geschafft, entscheidet der kulturelle Habitus und die sozialen Fähigkeitenwie man studiert und was schen Parkplatz spürenhier unter den Reicheren der Wohlhaman aus seinen Möglichkeite macht. Am deutlichsten zeigt benden gelandet zu sein. Die Gebühauf dem Parkplatz mit Alpenpanorama beträgfüStudenten sechs Franken (knapp sich dies bei der Fähigkeiteinen Teil des Studiums im Ausland zu absolvieren." Es sind die sozial Begüterteund die Studensieben Mark). Pro Stunde, nicht proTag. Und an mancher Fachten aus Bildungsbürgerfamiliendie vorwiegend im Ausland hochschule spürman, dass der täglich Kampf ums Geld zum studieren. Andere verzichten auf den Auslandsaufenthalt, weil Alltag gehörtJeder vierte, so hat Bargel ermittelt, fLuhlt sich sie es sich nicht leisten könne oder es nicht in ihr Bild eines hier "finanziell stark belastet': An den Universitäte ist es nur Studiums passt. Nicht wenige stehen auch unter dem Druck jeder fünfteAuch außerhal der Universitägibt es feste Vorihrer Eltern, die das Studium ihrer Kinder gerade so finanziestellungen übedie armen und reichen Studenten. lm lnternet ren könne und deswegen wünschendass die Kinder mög finden sich Hunderte von Seiten, die Glossen übedie ,,armen lichst schnell studieren. ,,Aber die Fähigkeiim Ausland zu stuBettelstudenten" enthalten oder das ,,ultimative Billig-Angebot füunsere Studentenu anpreisen. Dem gegenübesteht die dieren", so der DarmstädteSoziologe Michael Hartmann, ,,ist gemeinsam mit der sozialen Herkunft entscheidend füdie Werbewirtschaft, die längsvom ,,opinion Leader" Student Chancen nach dem Studium." Wer schmal studiert, so Hartschwärmtder als gut gebildeter, kritischer und entscheidungsmann, bleibt sozial auch schmal. Das war schon immer so. ,,Reibewusster Konsument gilt (siehe Kasten Seite 14). Das sind jedoch Klischees, die mit der oft unterschiedlichen Wirklichche Studentenu, sagt der Berliner Wissenschaftshistoriker keit studentischen Lebens kaum etwas zu tun haben. "Viele Rüdigervo Bruch, ,,waren stets reisende Studenten. Man ging ins Ausland, um sich zu bilden und anderen zu zeigen, dass möchte die Universitä gern als einen Ort gleicher Lebensman sich das leisten kann. Universitäte wurden bis in das weisen sehenu, sagt Kaschuba. "Doch auch hier kämpfe soziale Gruppen miteinander, gibt es ein sehr waches soziales neunzehnte Jahrhundert auch aus dem Grund aufgebaut, um die reichen, also die ausländische Studenten anzulocken. Die Bewusstsein der Studenten und lassen sich viele Statussymbole finden, mit denen sich Studenten voneinander abgrenzen Ausbildung der Landeskinder blieb dagegen lange Zeit uninund ihre soziale Zugehörigkeiverdeutlichen." Kaschuba hat teressant.- In vielen Staaten hat sich daran bis heute nichts mit einer Gruppe von Studenten der Humboldt-Universitäim geändertSich ein Auslandsstudium leisten zu könnengilt vielerorts als oberstes Privileg, welches darübehinaus die eigeletzten Semester die sozialen Codes der Studenten untersucht. Die reichen von der Auswahl der lacken bis zu den Uhren. nen Chancen füeinen sozialen Aufstieg enorm vergrößerMit Taschenmarken sollen oft das eigene Einkommensvermöge Einschränkungenwarnt Hartmann. Seit mehreren Jahren untersucht er die sozialen Aufstiegschancen derjenigen, die in verdeutlichen und in den meisten Fächerentscheidet die Quader Wirtschaft Karriere machcn wollen. Sein Fazit: ,,Ohne eine litäder eigenen Lernmittel Übedie Zugehörigkei zu einer sozialen Gruppe. Bei den Kunsthistorikern ist es die Fähigkeit sozial betuchte Familie irn Hintergrund hat man keine ChanceaUSechzig Prozent der Manager in den oberen Positionen der sich all die Kataloge auch kaufen zu könnenbei den Medizinern ist es der Wert des Stethoskops und der Jurist mit Geld deutschen Wirtschaft kommen aus Familien mit einem hohen Sozialprestige, nur 3ußersselten geläng jemandem der Aufhat die Gesetzeskommentarezu Hause im Büchemgastehen, statt sich mit seinen Kommilitonen in der Bibliothek um die stieg in diese Spitzengruppe. Und die Personalberatung Hedirick ₠Struggels hat jüngsfestgestellt: ,,Leistung ist kein Differaren Büchezu raufen. renzierungsmerkmal der Elite mehr, wohl aber die soziale HerDer Reichtum, ins Ausland zu gehen kunft." Hinter diesen feinen Unterschieden verschwinden oft die große finanziellen Differenzen. ,,Leute, die Escada traqen kön In Zukunft das Prinzip der Auslese Die Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn findet das nen, werden sich damit kaum an der Universitgt zeigen", sagt schrecklich. Damit wieder mehr Kinder aus sozial schwachen Kaschuba. Die soziale Selektion am Einstieg des Studiums Familien studieren könnenhat sie gegen viel Widerstand ihre schafft in der Tat eine sozial relativ homogene Gruppe. Was BAföG-Refor durchgeboxt, die in den Augen anderer freilich bleibt, sind die kulturellen Brüchedie aus der unterschiedlinur ein Reförmche ist (siehe Kasten Seite 16 und Interview chen sozialen Herkunft resultieren, im Laufe eines Studiums an Schärf zunehmen und vor dem Eintritt.in das Berufsleben Seite 17). Und sie möchte dass in Deutschland wieder eine zu einem neuen Auslesefilter werden. ,Es ist ein einfaches Prin,,Leistungs~lite" gebildet wird, bei der "nicht Geld, sondern Begabung, FähigkeitenEngagement und auch Disziplin und zipn, erklärBargel. ,Das Leistungsvermögender soziale HinVerantwortungssinn" die Kriterien sind. Unter diesen Schlagtergmnd und das Geschkcht entscheiden in dieser Reihenfolwörternverkürzauf den Mega-Begriff ,,Mehr Wettbewerb", ge übwdiChance e i m bkdschen, ein Studium aufzunehmen.

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U n A u f g e f o r d e ~April 2001

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läuft~gegenw3rtidie M r m der Hochschulen, die eigcqXli& auch dem wzialen Ungleiehgewicht ihrer Studenten ein Ende bereiten w14. Rwh währen die Bundesregierung mit tioer MfM-Reform und e h r Anhebua~dct $ e W M - w Bam übeStipendien um 40 Pment die ~~~e~~ will, wird sich an den iiwhschulen k m etwas Wir bssen 4 n z w M m mehr als M m e s e d Iich ihren BA%G-Anspruch wet+akb:Ni&t weil s i e w &mq sind, die biirokratixhen Antrage wa&&ikt~f s@kdemW1 BA@@längsein soziales M&o ist Jkh, Du bekommst Hast Du esdenn n6tigT Dieser ist nkht m&se d t ~ w unter Studentenl B A f e gilt als Intugriff s d b !khdche. lm Austausch iiber die soziale Lage, hat üargebei seinen Stw dien festgestellt, gibt es zunehmende Gesprkhstabus unter den Studenten, die von der iloch~chule unbewusst &er bewusst ausgenutzt werden. Professoren bemerk- zwar häu fig die unterschiedLiche soziale Lage ihrer Studenten, sehen

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Was sich beim BAfö änder unterstütztsonst seien die beschlossenen Verbesserungen Lange wurde diskutiert, jetzt wurde endlich etwas geän nicht bezahlbar. Allein in Berlin ist in den nächste Monaten dert. Zum ersten April ist die seit 1999 angekündigtBAföG m i t 5.000 zusätzliche Anträge zu rechnen, das kostet den Reform in Kraft getreten. Kein gutes Datum, denn fümansowieso klammen Haushalt der Stadt zusätzlich 20 Millioche ist das, was die Bundesregierung da auf den Weg gebracht nen Mark. hat, nicht mehr als ein Aprilscherz. Zwar sagt BundesbilDoch eine stärker Beteiligung des Bundes wird es ebenso dungsministerin Edelgard Bulmahn, m i t der jetzigen Reform sei das ,,SparfÖg8beendet und ,,BAfö wird endlich wieder wenig geben wie das einstmals geplante Sockelmodell der eine Ausbildungsförderung auf die sich Studenten verlasSPD, das jedem Studenten einen Grundbetrag von 400 Mark zugesteht und dafüden Eltern Kindergeld und Steuerfreibesen können"doch Kritiker wie der Präsidender Hochschulträg streicht. Das war Bundeskanzler Gerhard Schröde zu rektorenkonferenz, Ktaus Landfried, bleiben dabei: Auch m i t teuer. Er glaubte außerdemdass die meisten Familien diese der neuen Reform sei das BAfö nicht besser geworden, ,,in Freibeträg fest füdie Finanzierung ihrer Eigenheime eingeden letzten 2 0 Jahren wurde BAfö komplett an die Wand plant hätten gefahren". Größt Manko auch nach der aktuellen BAföG-Novell wird VVas hat sich geändert Der Förderungshöchstbetrsteigt um rund zehn Prozent von 1.030 Mark auf 1.140 Mark( das Durchbleiben, dass immer weniger Studenten BAfö wollen, obwohl sie ein Anrecht darauf haben. 1998 erhielten 225.000 Studenschnitts-BAfö wird so von 640 auf 750 Mark steigen. Das ten Geld vom Staat, einen Anspruch hätte aber 375.000 StuKindergeld wird aus der Berechnungsgrundlage heraus genomdenten gehabt. Die Bundesregierung glaubt, viele Studenten q e n und kommt den Geförderte zugute. Die Einkommensgrenze füeine BAföG-Vollförderu steigt bei einem ~ h e ~ a a r würdeBAfö nicht beantragen, weil sie sowieso nur eine sehr nit zwei studierenden Kindern von 2.900 Mark auf 3.900 Mark. geringe Förderun erhielten oder aber ihre Ansprüch falsch einschätzten Bei vielen Studenten hat BAfö aber wegen der i i n z u kommen die Vereinheitlichung von Ost und West, VerJesserungen füStudierende m i t Kindern, die Gesamtrück damit verbundenen Bürokrati und des scheinbaren Prestige~ahlungsbegrenzungauf 20.000 Mark und die Möglichkeitlän verlustes inzwischen einen schlechten Ruf. Das will die Regierung mit einer millionenschweren Werbekampagne (,zDas neue 2er als zwei Semester m i t BAföG-Förderu im EU-Ausland zu itudieren. Die Bundesregierung rechnet mit 80.000 zusätzlic BAföG einfach, besser, schneller") ändern Als r,BAföG-Bot 3efÖrderte0 insgesamt werden so 445.000 Studenten BAföG schafter" hat Bulmahn den Schlagersänge Guildo Horn gewonnen, der ab Semesterbeginn von Plakaten rufen w i r d : . , , ~ ~ ~erechtigtsein. erieichst Dein Ziel!" Dazu gibt es einen BAföG-Rechne im I i e CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat der Reform im Bunlnternet (www.bmbf.de) und eine gebührenfrei BAföG-Hotline ' : destag und Bundesrat zwar zugestimmt, doch geht den Kon0800-223 63 41. servativen die Änderun nicht weit genug. Sie fordern unter anderem, dass auch die Schweiz m i t i n die Lände Der Leiter des Berliner BAföG-Amtes Andreas Brickwell, rä : aufgenommen wird, in denen ein Auslandsstudium geförder allen Studentengschnell zu beantragen, weil rückwirkennicht mehr gezahlt wird. !,Wer im April nicht beantragt, kriegt auch ' wird. Auch sollen die Freibeträg füWaisenrenten und Waiin diesem Monat kein Geld." (Info-Telefon des Berliner BAföG sengelder weiter angehoben werden. Die PDS möchtedass


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Die Realitäte werde Maritta Böttche übeArmut an den Hochschulen und das neue BAfö ,

UnAufi Frau Böttchergibt es Armut an den deutschen Universitäten BöttcherEs gibt eine allgemein anerkannte Armutsdefinition, die sogenannte relative Armutsgrenze. Die liegt derzeit bei 1.425 Mark. Diese Definition ist weltweit anerkannt, auch zum Beispiel von der UNESCO. Also sind alle Studierenden arm. Genau so ist es. Studierende, die monatlich diese 1.425 Mark zur Verfügun haben, könne sich heute glücklic schätzen Doch welcher Studierende weià schon, ob er arm ist oder sich arm fühlesoll? Studierende haben im Verhältni zu anderen eine soziale Aufstiegsperspektive und sie haben einen familiä ren Kontext, der sie vor einer realen sozialen Verelendung bewahrt oder schütztSie profitieren auch von gewissen sozialen Vergünstigungengünstige Krankenversicherungen und solchen Sachen wie Eintrittsermäßigung oder Semestertickets. Außerde kennen Studierende ihre Rechte besser und könne sie demgemä auch besser artikulieren und somit erstreiten. Insofern sind nicht alle Studierende arm...

...zumal die meisten Studierenden aus der sogenannten sozialen.Mittelschicht kommen. Also doch keine Armut an der Universität

'

Doch, trotzdem. Abgesehen von der Tatsache, dass es einer Gesellschaft Sorgen bereiten muss, wenn an ihren Hochschulen eine soziale Auslese stattfindet, gibt es Gruppen ,,armer Studierendef'. Zum Beispiel ausländisch Studierende, die keine Erwerbsarbeit nebenbei aufnehmen dürfeoder keine bekommen. Oder chronisch Kranke oder Studierende mit Kindern. Also Studierende, die aufgrund ihrer eigenen persönliche Lage einen Sonderstatus haben, den sie nicht selbst verschuldet haben.

bekommen. Aber es ist keine Reform, es ist die 21. Novelle des Gesetzes und Frau Bulmahn wär ehrlicher gewesen, wenn sie gesagt hätte ,Es ist uns nicht gelungen." Frau Bulmahn sagt aber, dass jetzt 80.000 Studierende mehr als bisher BAroG erhalten werden. Sie erklärsogar das Problem Armut unter den Studierende jetzt als fü weitgehend behoben. Da kennt sie offenbar die Lage nicht. Sicher, füStudierende mit Kindern wurde mit dieser Novelle etwas getan. Auch die jetzt erfolgte Nicht-Mehr-Anrechnung des Kindergeldes, was schon schizophren genug war, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das reicht nicht. Die PDS schlägein Sockelmodell vor, dass jedem Studierenden einen Grundsockel von durchschnittlich 500 Mark garantie rt...

...und als nicht finanzierbar gilt. Das hat sogar die FDP in einer Studie widerlegt. Nein, letztlich hör man immer wieder ein Argument im Bundestag: Wenn wir wirklich etwas änder wollten, dann müssteja zig Gesetze geänder werden. Die Verantwortlichen sind eigentlich zu faul, das zu ändernwas geänderwerden muss.

Die Politik ignoriert diese Gruppen seit Jahren.

Es fehlt also eine politische Lobby füdie Ausbildung.

Ja, leider werden diese Realitäte verdrängtobwohl es immer wieder Warnungen von Wissenschaftlern gibt. Meistens werden diese Untersuchungen nach dem Lesen abgetan: ,,Gott, da will sich mal wieder jemand wichtig machen."

Das ist genau der richtige Begriff. Diese Lobby gibt es nicht. Und das Gefährlich daran ist, dass sich zwar,alle anscheinend Sorgen machen, wie es in Deutschland weitergeht, aber keiner wirklich konsequent an einem Konzept arbeitet, das verschiedene Entwicklungen berücksichtigt

Die PDS fordert aber auch wenig Änderung sondern ruft nur nach mehr staatlicher Finanzierung. Ja, ja, diesen Ruf kenne ich: ,,Wollen Sie denen denn bis zum Sankt Nimmerleinstag Förderun geben? Dieser Vorwurf ist doch eine Ersatzdiskussion! Solange in einer Gesellschaft geduldet wird, dass sich nur ein Drittel der Bevölkeruneine gute Bildung leisten kann, so lange erwarte ich in dieser Gesellschaft auch keine wirkliche Wende in der Bildungspolitik. Leider auch nicht von Rot-GrünEigentlich hatte die Bundesregierung gleich zu Beginn zum Beispiel eine BAföG-Refor versprochen. Was ist dabei herausgekommen: eine Reparaturnovelle, die ,,Reformn genannt wird.

Aber die Regierung sagt, sie ist m i t dem neuen BAfö am Beginn einer große Bildungsreform. Nun ja, nicht mal die Höchstsätwurden wie geplant erhöht Trotzdem hat die PDS dieser Novelle zugestimmt, weil so wenigstens die, die.BAfö erhalten, etwas mehr in die Tasche

UnAufgdordart April 2001

Die jetzige BAföG-Refor wurde auffallend o f t m i t der Notwendigkeit begründetwieder eine ,,Leistungselite" schaffen zu wollen. Erleben wir die Rückkeheines alten EtiteDenkens? Ich halte das füeine sehr gefiihrliche Entwicklung, weil sie die KreativitälähmtDas Prinzip, junge Leute nur auf ihreverwertbarkeit hin zu trimmen, fördernur eine Schmalspurausbildung, die genau das erFülltwas die Leute von mir verlangen, aber im Ergebnis nur einen Schmalspuridioten und keinen kreativen Menschen schafft. Wir müsseim Gegenteil jungen Menschen wieder Lust machen auf Studieren. Und wir brauchen einen neuen gesellschaftlichen Konsens quer durch alle Parteien übedie Aufgaben von Bildung in diesem Land. Wir danken füdas Gespräch

B!

Das Interview führtea f und j o t

hochschulpolitische Sprecherin der PDSBundestagsfraktion.


,,Jeder kämpffur sich allein!"

- Katja will Ärzti werden, und das um jeden Preis! kannst." Katjas Stethoskop bewegt sich in der unteren Preisklasse. ,Da haben mir Professoren schon den Tipp gegeben: ,,Kaufen Sie sich mal was Anstän d i g e ~ .Knapp ~ 4.000 angehende Mediziner studieren gegenwärti an der Charite und die wenigsten von ihnen, so der Leiter des BürofüStudienangelegenheiten, Burkhard Danz, haben eine ausreichende Finanzierung ihres Studiums. ,,Ich werde jedes Jahr überrann von Studierenden", so Danz, ,,die nach Möglichkeite der Finanzierung suchen.'' Einmal im Jahr veranstalten Studenten der äl teren Semester einen Bücherbasarauf denen sie die ,,schwarze1' und die ,,blaue Reihe" verkaufen, zwei Buchsammlungen mit Testfragen füdie gefürchteteMultiple-Choice-Prüfungeam Ende des Studiums. Bei dem Basar sei es jedesmal "brechend voll", erzählDanz, denn neu kosten die Reihen je 300 Mark. Das kann sich kaum jemand leisten und die wenigen, die sich die Reihen neu kaufen und deren Gerät edel sind, fallen schon auf. ,,Wer Medizin studiert", so Danz, ,,ist in einem Studium der kleinen, aber wichtigen Unterschiede."

Katjas Tag beginnt frühUm sieben Uhr klingelt der Wecker. Frühstüc der Hund muss raus, Sachen zusammensuchen, mit dem Fahrrad zur Uni. Viertel nach Acht beginnt die erste Vorlesung, es folgen zwei weitere, Dann ist Mittag und ab 14:OO Uhr gibt es vier Stunden lang Kurse und Seminare. Nach sechs Uhr geht es nach Hause. Jetzt wär Zeit zum Lernen, der Hund müsstauch noch mal vor die TürMan könnte aber nach dem Studium kommt erstmal der Job. Katja arbeitet bei einem große Berliner Lebensmittelunternehmer im Kundensewice und muss aufgeregte Anrufer beruhigen, denen die Pizza unter dem Deckel wegschimmelt. Das geht bis neun Uhr abends, erst dann kann der Hund raus. Nach zehn Uhr ist dann noch etwas Zeit zum Lernen, das Bett wartet bis weit nach Mitternacht. Katja studiert Medizin an der Charite und in ihrem Alltag erfährsie jeden Tag aufs Neue, was es heißtmit wenig Geld das Studium zu organisieren. Die Monate vor dem Physikum, der hkirtesten aller Medizinprüfungenwaren die HölleLernen, arbeiten, lernen und m Ende des Monats die Sorge, dass die Bank gerade jetzt den Dispo-Kredit reduziert. Drei Wochen vor der Prüfunhat sie dann Urlaub genammen, um nur noch zu lernen. ,Es war die Hölle"sagt Katja. ,,Ich habe mich mindestens einmal am Tag gefragt: Ist das sinnvoll?"

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Das Studium der

l'mmer nur Zeit fur das Allernotwendigste Da muss schon alles klappen, um nicht ins Trudeln zu geraten. Katja wollte und will sich nicht in dieses Korsett aus möglichs perfekter Anpassung an das Studium zwänge lassen. Nach dem Grundstudium ging sie füein halbes Jahr nach Nigeria, um dort in einem Krankenhaus zu arbeiten. Von hier brachte sie ihren Hund mit und die Erkenntnis, dass das Leben aus mehr besteht als aus einer engen Uni und dem ständige Druck zum Lernen. ,,Ich will auch nicht an der Uni arbeiten. In dieser Welt aus Leistungswillen und strenger Hierarchie verengt man doch nur seinen eigenen Horizont.'' Ihr Freundeskreis ist Katja mindestens so wichtig wie das Fortkommen im Studium. Diese Haltung, die so gar nicht dem Bild des fleißige und strebsamen Medizinstudenten entspricht, zwingt, immer nur an das Eine zu denken. ,,Ich musste mir stets Gedanken machen, ob das Geld reicht, und natürlic wollte ich auch meine Eltern nicht enttäuschen.'Oft war nur der Gedanke ,,Jetzt musst Du Dich durchbeißenund dann blieb doch wieder nur Zeit füdas Allernotwendigste. Diese newliche Anspannung, vermehrt um den PrufungsStress, forderte seine Opfer: Zweimal ist Katja durch das Physikum gefallen und das bringt jetzt neue Probleme. Weil sich die finanzielle Situation ihrer Eltern geänderhat, wär Katja nun BAföG-berechtigt Da sie aber zweimal durch eine Prüfungefallen ist, streicht ihr das Gesetz den Anspruch. Auch ihr Vertrag fiir ihren bisherigen Job ist ausgelaufen. Wenn ihre Einsprüchgegen den Bescheid des BAföG-Amte nichts bringen, wird wohl nur ein neuer Job aus der Finanzkrise helfen. Und dann kann sie auch ihre Zukunftsplän vergessen. Noch einmal wollte sie ins Ausland, fiir ein halbes Jahr nach Straßburg Das ist wichtig, sagt sie, füden Lebenslauf und das eigene Wissen. 1st sie neidisch auf die, die diese Probleme nicht haben? ,,Nein, weil mir das auch nicht weiterhilft. Und andere haben diese Probleme auch. Die muss jeder füsich selbst lö sen. Hier Kampft jeder fiir sich allein." jot

April 200 1 UnAufgefordert


Bin Nadine hat mit ihrem Job neben dem Studium unglaublich viel Geld verdient ,Ich habe absolut keinen Bezug zu Geld", sagt Nadine, als wir sie i m AStA-Bür der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH) besuchen. ,,Ich weià eigentlich nie, wie mein Kontostand ist." Die Glücklichekönnt man denken, die muss wirklich reich sein und sich um Geld keine Sorgen machen. Dabei sieht sie gar nicht so aus, wie man sich jemanden vorstellt, der i m Geld schwimmt. Im Gegenteil. Eigentlich wirkt sie eher unscheinbar und ganz normal: blond mit Brille und Nasenring, i m verwaschenen Baumwollhemd und Jeans. Ganz so einfach ist es in ihrem Fall aber auch nicht, denn Nadine weià ihren Kontostand eher deshalb nicht, weil sie wenig Geld ausgibt. Als sie ihr Bauingenieurwesen-Studium vor zehn Semestern begann, bekam sie zunächs BAfö und blieb mietfrei bei ihren Eltern wohnen. Währen eines Praktikums bei einer Baufirma hatte sie dann GlückDer Polier wurde krank und ehe sie sich versah, hatte Nadine die Verantwortung übemehrere Baustellen und arbeitete zunächs als Vertretung des Poliers und späte als BauführerinDafübekam sie 70 Mark die Stunde, das waren dann oft übe5.000 Mark im Monat. Trotzdem, sagt sie, habe sich ihr Lebensstil nicht verändert Außerdass sie faktisch keine Freizeit hatte. ,,Ich habe das Geld im Prinzip nicht ausgegeben," sagt sie, ,,ich habe mein Auto finanziert, das ich brauchte, -um auf die Baustellen zu kommen, das war's." Einkaufen mag sie sowieso nicht. Sie blieb auch bei ihren Eltern wohnen und gönnt sich keinen Urlaub. Wenn uberhaupt, leistete sie sich Bücheoder mal ein Essen oder einen Kinobesuch. ,,Ich hätt andererseits auch gar keine Zeit gehabt, Geld auszugeben", erzählsie, denn neben dem 60-Stunden-Job absolvierte sie weiterhin 32 Semesterwochenstunden an der Hochschule. Das hieà oft, sich voher um sechs Uhr morgens auf der Baustelle mit dem Polier zu treffen, um um acht Uhr in der Vorlesung sein zu könnenNach der Uni um 16:OO Uhr fuhr sie wieder zur Baustelle, Feierabend hatte sie um 21 :00 oder 21 :30 Uhr, freie Wochenenden waren die Ausnahme. Das Geld hat füsie dabei keine Rolle gespielt. ,,Aber es stimmt schon, damals war ich nicht ganz unarm." Dass finanzielle Überlegunge das Hauptkriterium füdie Wahl einer FH seien und dort demnach hauptsächlic Leute aus sozial schwachen Familien studierten, hälsie füein Klischee. Prestigeverhalten unter den Studenten gäb es aber auch kaum. und die ,,reichen Söhnchen seien an der TFH die Ausnahme. "Die gehen doch gleich auf 'ne Privatuni." Die Entscheidung, an der TFH zu studieren, fällt Nadine, weil sie ,,keine Lust hatte, den ganzen Tag im Bürzu sitzenVußerde gefielen ihr die großeVorlesungen an der TU nicht. An der TFH, wo die Professoren die einzelnen Studenten kennen, fühlsie sich wohler. Füsie war zudem wichtig, ein absehbares Studienziel vor Augen zu haben und "schnell fertig zu w e r d e n x a s wollten auch ihre Eltern.

Warum soll ich Karriere machen? Seit Nadine jedoch auf dem Bau gearbeitet hat. fälles ihr schwer, sich wieder an den Unialltag zu gewöhnen .Man merkt plötzlich dass das, was die einem hier erzihlen, nicht viel mit der Realitäzu tun hat." Ihr Verhaltnis zu den Kommilitonen hat sich,.obwohl solch ein Job schon eher die Ausnahme bildet, durch ihre gutbezahlte und verantwortungsvolle Tätigkeinicht verändert den meisten hat sie davon auch gar nichts erzähltSchwie-

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rigkeiten ergaben sich eher mit den Professoren, denn mit einigen von ihnen bekam sie im Job zu tun und konnte darübeentscheiden, ob deren Berechnungen richtig waren oder nicht. ,,Die fanden das nicht so witzig und ich musste mir ein paar blöd Bemerkungen anhö ren", erzählsie. ,,Wenn man in den Wirkungskreisder Profs hineingeräund mitkriegt, dass sie nicht ganz so intelligent sind, wie sie sich verkaufen, hat man schnell ein Problem." Deshalb nahm sie auch erstmal eine Auszeit vom Studium. Von der Baustelle landete Nadine im AStA der TFH, heute ist sie Vorsitzende des Gremiums. Fragen, ob das so sinnvoll füihre Zukunft sei, hat sie nicht. ,,Warum soll ich unbedingt Karriere machen?" Sie wohnt weiterhin im Haus ihrer Eltern und lebt von den Resten ihrer Ersparnisse und der Aufwandsentschädigun als AStA-Vorsitzende. Ihr Job bei der Baufirma ruht, obwohl der Vertrag noch besteht. Gegenwärti hat sie auf diese Arbeit auch keine Lust, denn das würd wieder eine 60-Stunden-Woche bedeuten. Ihr Auto steht seit einem halben Jahr auf dem Parkplatz neben der Hochschule. Es ist kaputt und füeine Reparatur will Nadine jetzt kein Geld ausgeben. Ihre Chancen, nach dem Studium eine feste Stelle bei der Firma zu bekommen, sieht Nadine realistisch: "Ich denke, dass ist marktsituationsbedingt. Ich habe mitbekommen, wie schnell sich die Situation von einem Tag auf den anderen änder kann und plötzlic Leute entlassen werden." Sie weià auch gar nicht, ob sie uberhaupt wieder dort arbeiten möchteWas füsie in der Zukunft wichtig ist? ,,Dass mir die Arbeit Spaà macht und ich nicht meine Zeit absitze", wünschsie sich. ,,Und ich will nicht dauernd rechnen müssen.Sie überlegkurz: ,,Aber ich spiele auch mit dem Gedanken, erst mal noch eineTischlerlehre zu machen."

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es Hörsaals. . Wie Professoren übedie soziale Lage der Studenten denken Universitäte sind in vielen Kapfen m i t dem Klischee eines anonymen Massenbetriebes behaftet Eine Lernmaschine, die mtiglichst gut funktionieren soll. Da bleibt den Professoren kaum Zeit, auf jeden Einzelnen einzugehen. Wer vor ihnen sitzt ob ihn Geldsorgen plagen oder eher der Stand des eigenen Aktiendepots das bleibt unbekannt. Oder etwa nicht? Wie viel bekommen Professoren an der Humboldt-Uni wirklich m i t von ihren Studenten?

kämpfe hart mit der Existenz", pflichtet Kollegin Nickel bei. Wichtig sei eine stabile Partnerschaft, fehle diese, würddas Studium teilweise extrem leiden. Eine Mödlichkeitden Studierenden in Geldnöte unter die Arme zu greifen, bietet ihre Einstellung als studentische Hilfskraft. "Neben vielen anderen Kriterien wird auch die finanzielle Situation der Bewerber bedacht", erklär der Wirtschaftswissenschaftler Ulrich Kamecke. Dies ist oft wohl auch aus studentischer Sicht der ausschlaggebende Grund, sich auf eine Hiwi-Stelle zu bewerben, hat JürgeMlynek beobachtet. ,,Mir fitllt auf, dass die Tätigkeider Hiwis an der HU stärke als an meiner alten Universitäin Konstanz von den Studenten zur Finanzierung des Lebensunterhalts genutzt wird. Wissenschaftliche Gründspielen hier wohl oft eine untergeordnete Rolle." Aber, so Kamecke, wirtschaftliche Gründdürfebei der Stellenvergabe nicht allein entscheidend sein.

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,.Als Lehrender gehe ich erst einmal von Existenzbedingungen aus, die es den Studenten ermöglichen ihr Studium zu absolvieren", erklärHelmut Wiesenthal, Professor fügesellschaftliche Interessenvermittlung am Institut füSozialwissenschaften. Aber leider sei dies selten der Fall. Natürlicsehe man, dass die meisten Studenten neben dem Studium arbeiten müs sen und sich kaum voll auf ihr Studium konzentrieren können

Problem ,,Teiizeitstudentenu

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,Viel bekommen wir leider nicht mit", sagt auch der Physiker Lutz Schön Ihm falle aber auf, wenn Studenten am Vorabend lang gearbeitet hstten und v6llig übermüd in den VeranstalMit dem Porsche zur Uni tungen säße,Da kommt auch schon mal jemand in seiner Nachtwäehterunifor i n die Vorlesung." Auch die PhegeReiche Studenten fallen den Professoren allerdings kaum auf. pädagogi Jutta 8eier sieht: ,,Viele Studenten haben einen Job, Wer gut begüterist, würddamitnicht kokettieren, lautet die um sich übeWasser zu halten." Der Erziehungswissenschaftler verbreitete Meinung. ,,Bei uns fähr keiner mit dem Porsche JürgeDiederich spricht gar von ,,TeilzeitstudentenXr kenhe vor", sagt Lutz Schon und Jutta Beier vermutet gar: "Ich glauniemanden, der nicht jobben wurde. Nur, wer jobbt, hat davon be, die sind alle nicht reich." Dass es sich reich unbedingt Itichter studiert, glauben die wenigsten Dozenten. ,,Wenn man nicht nicht nur Nachteile, meint die Soziologin Hildegard Maria Nikkel. Ein Job bringe immer auch Erfahrungen füdie Studenten, jobben muss, hat man vielleicht mehr Mußfüdas Studium", die sie späteweiter nutzen könnenBesonders wer den Beruf denkt Lutz SchönAber zuviel Reichtum kann sogar hinderlich des Lehrers anstrebt, solle möglichsvielfältig Erfahrungen füdas Studium sein, meinen einige seiner Kollegen. Helmut sammeln, sagt Lutz Schönder in der Physik Lehranrtsstudenten Wiesenthal: ,,Ohne den wirtschaftlichen Stachel, sich qualifibetreut. Das gelte eigentlich fur Studenten aller Studienzieren zu müssenkann man nichts erreichen." Und Ulrich Kamrichtungen, sagt dazu ganz staatsmännisc HU-PräsidenJür ecke ergänzt ,Zu reich zu sein ist ein Nachteil, weil man es gen Mlynek. Übedas Problem der ãTeilzeitstudentenmüss nicht mehr nöti hat, ordentlich zu studieren. Wer nicht so reich ist, weià dagegen noch, wofüer studiert." nach seiner Meinung viel offensiver diskutiert werden. ,,War um machen wir aus der Not nicht eine Tugend", fragt Mlynek. jof Wenn es mehr 'spezielle Studienangebote füStudenten mit Job gebe, so der Präsidentlasse sich doch Studium und Arbeit wesentlich gewinnbringender fü den Studenten verbinden. Akute 6el(feorgen ihrer Studenten merken die Professorcfl dagegen nur indirekt, zum Beispiel, so Helmut Wisenthal, "wenn ich um Terminverlegungen und Fristverlängerunge gebeten werde." Hier kommt er den Studenten gern entgegen, weil er die Probleme der Studenten ahnt; So sieht es auch Jutta Beier: .Wir sind ziemlich kulant. Teilweise sind auch Termine außerhal der Prüfungszeitemöglichdamit der Student nicht ein ganzes Jahr warten muss", erklär die Medizinerin. Auch würde Studenten oft den Wunsch äußerkeine Veranstaltung<n auf den Freitag z u legen, da sie an diesem Tag arbeiten müssten ergänzLutz Schön Hildegard Nickel sieht ein weiteres Problem bei der Finanzierungvon Exkursionen. Viele Studenten-könnte Studienfahrten überWochenende nicht bezahlen, da würdes teilweise an kkinen Beträge scheitern. Und die Bezuschussung solcher Fahrten sei oft nicht mög lich. Als ,,dramatische Sondetfäfle bezeichnet Jürge PENDEMKONTO: 9 7 0 9 7 . SPARKASSE BONN, 6LZ 3 8 0 5 0 0 0 0 Diederich alleinerziehende Mütteim Studium. *Einige

Schon vor 1997 Jahren waren Farni" È in fernen Länder auf der ha

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Auswahl espräch an der F

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Die Freie Uni Berlin hat als erste deutsche Hochschule einen Teil ihrer Bewerber fur den BWL-Studiengang selbst ausgesucht. Im Rahmen eines Auswahlges prächvergab der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften 20 Prozent der StudienplätzeDie übrige 80 Prozent wurden weiterhin durch die ZVS vermittelt. Mindestens je zwei Professoren prüfte im Gespräc die Motivation, Eignung und das Interesse des Bewerbers am spätere Berufsfeld. Mit 50 Prozent wog dieser Teil am schwersten. Der Durchschnitt der Abiturnote (40 Prozent) und eine schon geleistete Berufsausbildung oder -tä tigkeit waren weitere Entscheidungskriterien bei der Auswahl. Auch Zusatz-

qualifikationen wie Sprachkenntnisse, Rhetorik und soziales Engagement spielten eine Rolle. Der Dekan der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Georg Schreyögg ,,Angehende sollten fit in Englisch sein, sollten gut rechnen könne und sollten redegewandt sein."

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Staatsbibliothek endlich online Es ist soweit: Die Beständ der Staatsbibliothek kann man jetzt online recherchieren. Damit entfällzugleich das lä stige Ausfülle der Leihzettel füdie beiden Häuseder Stabi. Leider ist der Katalog der Staatsbibliothek noch nicht in den Bestand des Kooperativen Bibliotheksverbundes BerlinBrandenburg aufgenommen. Dies soll

Betreff: Via Berlin! Datum: Do, 17 April 2001 16:23 . Von: jan An: urouftRfordert@studenthu-bcrtin.de

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Wenn man nach Berlin kommt, denkt man keineswegs an Ru+kehr. Es gibt doch in einem anderen Land ein Zuhause und die Familie, die dort auf dich wartet, die sich ihre armen Augen nach dir aus* das Telefonmissbraucht undTelekom-Konzerne verdienen W Aber inBerlin -isst &R die ganze Welt Es bleibt beim Spiel ,du und ~erlin". mmg vermagman abernicht einfach unter einen Hut zu bringen, was,sich(eider erst* herausstellt In den erst@ Monaten a u f t der verwarte Student übedie Berliner Straßeim undankbaren Rausch des Optimismus, der die ganze Stadt sclywlos verschlungen hat, vorbei an explodierenden Bauwesen, oputentcn Restaurants und Ca% Es gekrt zum Alltag, die Straknbahinen zu verwechseln und in unbekannten Regionen zu landen, aus denen man erst nach einigen StŸnde den Weg nach Hausewiederfindet Der ordentliche ãStudententourist"^uchnach vertrauenswdrdigen R e i h r e m , um gleich danach einzusehen, dasssich Berlin dem Gedgchtnis seiner Einwohner erfolgreich ent-

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Mitte des Jahres geschehen. . Wichtig ist die Möglichkeider OnlineRecherche vor allem im Hinblick auf die Schließun des Hauses 2 in der Potsdamer Straß von Juli bis Oktober. Die Beständ könne dann weiterhin recherchiert und bestellt werden. Der Katalog findet sich unter http:// stabikat.staatsbibliothek-berlin.de/.

24-Stunden-Bibliothek Die Uni Konstanz bietet als erste groß wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands ab diesem Semester einen 24-Stunden-Betrieb an. Montags bis freitags ist sie durchgehend, samstags von 9:00 bis 23:OO Uhr, sonntags von 9:00 bis 20:OO Uhr geöffnet wb, do

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zogen hat Auf Knien erbettelt der Verzweifelte Hinweise und Ratschlage von wrbcihastenden Berlinern, aber er verharrt wie vor dem Turm zu Babel, ohne es zu wagen aufeustehen. Die Oeschichte i i i hier doch auf der Strak?... ~nqea~htet dessen witlzt sich das ~ro§st~tlebe im ~empoeiner schwadronierenden Lokomotiveweiter ŸberseineGeschicht hinweg. Welchen Zug du nimmst, ist unklar, weil es inBerlinan jeder EckeeinenBahnhof gibt, den du wenigstensfitçmatbcti'etewirst Mochtest duzR zum Kino gehen, musst du zuerstzum Bahnhof. Auch um frische Milch zu ,koofen", es 'gehtw'aberden Bahnhof. Du bist dir Imklaren darüberdass csdeinBahnhof istund die anderen Leute nur Passagiere sind. Aber wenn du dich vei3p3tet hast und obendrein vor Müdigkeiumfitlst, musst du dennoch zum Bahnhof, auf dem du wie auf einem verlorenen Posten stehst - und dann denkst du: Bedin, ich hasse dich. Nach langer Zeit du bist nicht mehr in Berlin kennst du viele Strakn und hast eine Menge 8ahnMfc gesehen immeri m gleichcm Tempo, immer irn gleichen Schritt. Und du fragst dichhob beim letzten Mal, alsdu irgendwo zu Besuchwarst, nichtein Stück chen Berlin durchschimmerte..., diese Strak, dieses Mal: Berlin, ich liebe dich, egal, wo du bist B

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n der HU Sommersemester 2001 Das Verhältni von Kultur, Anthropolo'gie und Ökonomi i m Werk von Kar1 Marx, Philosophische Fakulst I, Institut füPhilosophie Kontakt: Andeas BürgeTel.: 442 19 86, andreas.buerger@rz.hu-berlin.de Leopold Wonneberger T&: 29 49 31 41, leopold.wonneberger@rz.hu-berlin.de

Kontakt: Attja Kaotz, eMail:

Queere Texte? K&nen aus der Beschitftigung rnit der Konstruktion weiblicher und msnnlicher Homosexualitäneue literatlirwissenschaffficfteLesartenentwickelt werden? Philosophische F a k u l a II, Institut fü Neuere'deutsohe Literatur Orte der SelbstreprBsentanz Philosophische Fakult3t I, Institut fü Philosoph"ische FakukSt IH, Gender Studies Kontakt: Sven Glawion Tel.: 27 57 38 38, Europäisch Ethnologie sven.glawion@student hu-berlin.de Kontakt: Sabine Ktein Tel.: 448 39 50, Cindy Janicke Tel.: 292 51 25, sabfne.klein@student.hu-berlin.de + cindy.janicke@student.hu-berlin.de Sabine lmeri Tel.: 426 03 53, sabine.imeri@studenthu-berlin.de Das kollektivierte Subjekt und seine Inszenierung U.S.Culture in the Sixties Philosophische Fakultat II, Institut fü Philosophische Fakultä III, Institut fü Sozialwissenschaften A@isti k und Amerikaflisttk

Kontakt: Lena Ruthner t~~a.flirth,~rQhotmail.com Albrertt Wiesener Tel.: 44 05 74 09. Witz, Humor und Ironie - zur Struktur sozialer Intef3ktionssysteme Philosophische Fakultgt III, Institut fü Soziatwtssertschaften Kontakt: Christian Schmidt-Wellenburg Tel,? 42 08 82 79 Holger Herkle Tel.: 69 81 73 94

Sexy Bodies -Körperpolitike in Tanz und Performance Philosophische Fakultä III, Institut fü Kultur- und Kunstwissenschaften Kontakt: Katja Kynast Tel.: 44 71 42 79, kynast_ka@gmx.de b t j a Kailer Tel.: 61 30 81 74, kai1ereiezedat.b-berlin.de

Fortsetzung vom Wintersemester 2000/2001 Beweidung mit Pferden? Einsatzmöglich keiten von große Pflanzenfressernin der Landschaftspflege Mathematisch-Naturwissenschaftliche FakultäI, Institut fur Biologie Kontakt: Stephanie WalkTel.: 29 00 47 34, dudi.de@gmx.de Martina Bresch Tel.: 44048964, zylya@gmx.de Estland, Lettland, Litauen - drei Länder eine Einheit? Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultä11, Institut füGeographie Kontakt: Antje Bruns, Susanne Dähner Konstantin Kreiser Tel.: 292 93 12, antje.bruns@student.hu-berlin.de Erkenntnistheoretische und ethische Fragen an die heutige Psychologie und ihre praktische Bedeutung Mathematisch-Naturwissenschaftliche FakultäII, Institut füPsychologie Kontakt: Thomas Dalliige, thomas.dalluege@rz.hu-berlin.de Nico Czinczoll, Dana Ifflaender

schichte Kontakt: Sibylle Günthe Tel.: 44 00 90 12, sibylle.guenther@student.hu-berlin.de Ivonne Baier Tel.: 29 00 05 41 Das Kino der VR Polen. Filmische Negation der historischen Narration Philosophische FakultäI, Institut füGeschichtswissenschaften Kontakt: Stefan Meyer Tel.: 85 07 66 19, stefan.meyer@student.hu-berlin.de Ethnographie der Abschiebehaft Philosophische Fakultä I, Institut fü Europäisch Ethnologie Kontakt: Tobias Schwarz, Tobias.Schwarz@student.HU-Berlin.de Kinderkulturen - wer wird mein Held? Kinder im Kino Philosophische Fakultä I, Institut fü Europäisch Ethnologie Kontakt; Uta Rinklebe Tel.: 444 51 98, Uta.Rinklebe@student.hu-berlin.de

Regionale, nationale und übernational Selbstbilder in Nordeuropa Philosophische FakultäII, NordeuropaInstitut Biologische Archäologi - PraxisoriKontakt: Jan Stampehl Tel.: 44 73 24 04 entierte Betrachtungen zum Zusammen- jan.stampehl@yahoo.de, spiel von bodenkundlichen Aspekten, Katharina Woellert Tel.: 624 42 27, Botanik, Zoologie und ihre Bedeutung fü kmwoellert@ hotmail.de die Archäologi Kuba im Spiegel seiner Musik PhilosophischeFakultäI, Institut füGePhilosophische Fakultä 11, Institut fü schichtswissenschaften, Ur- und Frühge Romanistik

Kontakt: Jorge V. Tamayo Tel.: 69 51 81 86, jorge.viton.tamayo@student.hu-berlin.de 2000. Zurücin die Zukunft - Utopien und Zukunftsentwürfin Hispanoamerika Philosophische Fakultä 11, Institut fur Romanistik Kontakt: Rike Bolte Tel.: 44 67 52 88

Theaterkritik Philosophische Fakultä III, Institut fü Kultur- und Kunstwissenschaften, Theaterwissenschaftl Kulturelle Kommunikation Kontakt: Nina Peters Tel.: 44 04 96 91, Anna Poeschel Tel.: 44 65 33 56 Das Projekttutorium findet in den Räu men des Seminars füTheaterwissenSchaft/ Kulturelle Kommunikation in der Sophienstr. 22a statt. Internet füBlinde Philosophische Fakultä IV, Institut fü Rehabilitationswissenschaften Kontakt: Katja Grimm Tel.: 20 93 43 93, Veranstaltungsort: Abt. Blinden- und Sehbehinderteqpädagogik Georgenstr. 36, 10099 Berlin, Raum 311 Integration von Kindern mit Behinderung - eine "realisierbare im Sp~~rtunterricht Utopie"? Philosophische FakultäIV, Institut fü Sportwissenschaft Kontakt: Elisabeth Lippert Tel.: 42 08 84 34, LisaLippert@web.de

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Raider Die Einfuhrung neuer Studienmodelle belebt alte Rituale und schafft neue Verdienstquellen die Talare sogar ganz kaufen!" Das kostet 250 Mark pro Stück Aber wenn Frau Ungruh Pech hat, haben zumindest die Berliner Hochschulen bald kein Geld mehr fur die Akademikerumhänge Denn zunächsmüsse die neuen Master- und Bachelor-Studiengäng geschaffen werden und davor hat die Politik als neue Erfindung die Akkreditierung der Studiengäng durch eine vom bunEin Jahr spätewar es soweit. Frau Ungruh gründetdie Firma desdeutschen ,,Akkreditierungsratu beauftragte "Akkre,Talaris", den ersten Talar-Verleih fiur deutsche Hochschulen. ditierungsagentur" gestellt. Diese Agenturen verlangen füdie Fü65 Mark pro Tag könne sich Hochschulen bei ,,Talarisl' Beglaubigung des Neuen in einem neuen Studiengang im Talare, Hüt und Schärpe ausleihen und damit ihre Absolventenfeiern zu richtigen Events a la Oxford oder H a ~ a r d Schnitt 25.000 Mark. Geld, welches die Hochschulen nicht haben und die zuständig Senatsverwaltung getreu dem Motaufpeppen. Der besondere Trick dabei: Die Schärpe gestaltet to ,,Wir machen Reform, ihr bezahlt!" den Unis nicht geben Frau Ungruh nach Wunsch gemä den Hochschulwappen und will. ,,Das muss man sich mal vorstellen", schimpft HU-Vize-farben exklusiv fur jede Hochschule extra. präsidenHeinz-Elmar Tenorth, ,,Jetzt sollen wir schon Geld Die Banken, von denen Frau Ungruh Geld haben wollte, fanausgeben füetwas, was es noch nicht mal gibt. Soweit waden ihre Geschäftside ,,sehr seltsam" und wollten keinen Kreren wir bisher noch nicht!" Andere Bundeslände haben die dit geben. Leider nur Beweis füdie Rückständigke der deutAkkreditierung ihrer neuen Studiengäng wenigstens nach desehen Wirtschaft, denn wer seine Absolventen heute mit ren Start gestellt, nur Berlin hälan einer Zulassung vor Be,,Talaris" verabschiedet, der zeige, so Ungruh, dass bei ihm ,,Inginn fest. Niemand, der Böse dabei denkt, aber füAgentunovation nicht nur übedas Angebot, sondern auch übeeinen ren wie die ,,Zentrale Evaluations- und in Deutschland zukunftsweisenden Akreditierungsagentur" in Hannover (ZEvA) Abschlussservice" geboten wird. Weil ist das einfach verdientes Geld. Allein die nämlic auch die ewigen Alt-68er Umwandlung der acht Studiengäng der bei ,,Talarisl' mit ihrem Uralt-Hauer Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fa"Unter den Talaren, Muff von 1,000 kultä kostet die HU WO.000 Mark. Jahren" keine Punkte mehr holen: Das war ein Sonderpreis. Sicher ist ,Frühernso Frau Ungruh, ,,frühe die damit verbundene ,,finanzielle in den Sechzigern wollte man Belastung nicht zu verkennen", keine Eliten mehr. Jetzt werlieà Wissenschaftsstaatsseden Leistung und Elite kretä Josef Lange der HU auch in Deutschland Ende Februar ausrichten und wieder geförder und machte gleich einen Lö sie müsseauch gewürdiawerden." sungsvorschlag: ,,Die Hochschulen sollen sich zur BereitUnd weil wirkliche stellung der entsprechenden Eliten nur da sind, wo Mittel verpflichten." Neues aufscheint und NeuTrotz dieser Widrig- und Windiges geförder wird, gilt - Frau Reiten will keiner von dem RumUngruhs Umhang-Service mel um Master und Bachelor lasnur füdie neuen Master- und sen, denn damit, so Tenorth ,,verBachelor-Studiengänge Zum änder wir die Welt. Es ist fast wie einen, weil ,,die Zeiten des DiRevolution." ~ n d e 1 9 9 9 , a l sFrau ploms längsvorbei" sind, zum Ungruh i n Bremen die ersten anderen, weil dort ein Markt ist, Schnittmuster füihre Talare zubei dem scheinbar jeder etwas sammenstellte, schimpften in Berholen kann: ,,Als die ganzen lin drei Universitätspräsident auf Master-Programme auflebten, die geplante Einführunneuer Studachte ich, jetzt mach' ich das diengänge,Es ist völli unverständ mit den Talaren, da muss doch lieh", rief damalsTU-PräsidenHanswas zu machen sein." OffenJürge Ewers, ,,wie heute alle auf sichtlich, denn gut ein Jahr nach Bachelor und Master abfahren. Das Firmenstart haben schon sechs ist doch eine einzige MogelpakHochschulen und Institute Takung." Wie die Zeiten sich än lare bestellt. Auch aus der --. dern! Humboldt-Uni kamen zwei jot Bestellungen, ,,die wollten

Der Startschuss füeine neue Zeit fiel 1998 an der University o f Leeds. Dort stand Isa Ungruh, Mitarbeiterin, des Auslandsamtes der Fachhochschule Bremen, und schaute bewegt auf ihre SchäfleinStudenten an der FH Bremen, die als frischgebackene Absolventen des neuen Bremer "Master in Business Studiesu an einer echt britischen Abschlusszeremonie m i t Talar, Schärp und Hut teilnehmen durften. Leeds war die Partnerhochschule fur den neuen Studiengang und als Isa Ungruh in stolz gerührtMaster-Gesichter guckte, war ihr klar: ;Das mach' ich in Deutschland jetzt auch!"

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U n A u f g e f o r d e r t April 200 1


Liebeserklärunder Dichter und Künstlean die "Hauptstadt der Welt" Besonderen zu:Da der Mythos Paris mehr als hundert Jahre 2 f t hatte, sich zu verfestigen, gibt esgenŸgen Menschen,

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Unter alten StMW M keine3

çM"word

g e h t . Paris ist ein gro§e &btiothckssaal, der von d y Sehe durch-$ Wal*

Benjamin

Es ist vieHeteht ein handfester Studentenmythos. Da gehst ins

nennen wir sie einmal ohne Jede Wertung ,,Touristen", denen der gesunde Mensdienverstand in dieser Stadt abgeht. Sie haben keine WcJlichkeit, den Mythos zu entlarven. Sie trinken morgens Cafe Creme, abends wird gebechert und nach zwei Wachen ist das Konto leer. Dir hingegenbkibt aur der Rück zug in die abgelegenen Nischen einer GroßstadDie Metro gehördazu. Keine andere Stadt hat so schön Metroeingsnge wie Paris, doch das verglast Du schnell, wenn Du in einen Menschenstrom hereingerissen wirst, der jeden Tag etwa drei Millionen Menschen auftaugt und durch eine irrwitzige unterirttische Schattenstadt be%wiert. Solltest Du Dich jemals in Deinem Leben alleine gefühlhaben, dann ist diese Erfahrung eine sichere Heilung. Gleiches trifft auf die ersten Sonntage des Monats zu, an denen die Museen keinen Eintritt verlangen. Der budgetbewusste Student steht dann verkatert auf undfindet sich wwgir@teir in einer großeMetisehtntraube wieder, etwa vertiere Louwe oder (tem Cen'tre Seeroes b o i d o u . Die meisten Gratis-VergflUgungm, eine ~ahlfnaeherk kill es zum B&@W oder da&vCTsefttl~wRumsitzen auf dem Montmartre, liimgen Dir nach @testens drei Monatenwegen des regelmä ßieinschlatjendeir§esuehezum Halse heraus (siehe auch: Besuch aus Deutschland). Die Croissants sind Dir zu stereotyp aft Crtme fehtt Dir das Geld und Du beginnst, ganzen Aufwand zu ärgernden Du fŸ dieses Kauf genommen hast.

Wohnen in Paris eterpreise auch in schfechIwitzplatzes liegen, befinmg in Paris in dem selben Teu-

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der Warteschleife, wohl wissend, dass es aus dieser kein Entrinnen gibt. Wer sich nicht als photogen empfindet, muss leiden. ZwölPassfotos gehöre bei jedem Kontakt mit französi schen Schreibstuben ins Survival-Pack. Dazu eine internationale Geburtsurkunde, eine aktuelle Stromrechnung, Wasser und Nahrung fiir einen Tag und, fiir den Notfall, zwei Röhrche Valium.

Erasmus Die angebotenen Sprachkurse sollten Erasmusstudenten nur besuchen, wenn sie andere Sprachen als französisc lernen möchtenZum Umfang der sagenumwobenen Erasmus-Zuwendung ist zu sagen: Ja, sie existiert wirklich, aber die etwa 200 Mark monatlich decken lediglich die ~berziehun~szinsen der ersten drei Monate in Paris.

Besuch aus Deutschland Wohnung in Laufweite des Gare du Nord suchen. Lade grundsätzlic nur Freunde ein. die das erste Mal in Paris oder bereits angefixt sind. Wer den Eiffelturm, den Louvre und die Champs Elysees bereits kennt, lässsich schwerlich hinter dem Ofen hervorlocken. Und der Platz hinter dem Ofen nimmt etwa 25 Prozent Deiner Wohnung ein. Um sich vor ungebetenem Besuch zu schützensollte man sich von seinem Immobilienmakler mehrere Kopien des Grundrisses der Wohnung holen. Rein in den Umschlag, Adresse und Marianne .drauf, den Absender nicht vergessen und ab in den Postkasten. Das reicht eigentlich aus.

Arbeitskampf Verhaltensweisen: morgens Radio hören Den halbstündige Staumeldungen folgen die Streikmeldungen. Solltest Du im morgendlichen Radiokauderwelsch die Redewendung ,,mauvement social" aufschnappen, ist Deine Tagesplanung hinfällig Entgegen der sich aufdrangenden Assoziation bedeutet soziale Bewegung, dass sich nichts mehr.bewegt. AußeDir. Und all den anderen Parisern. Eine andere Möglichkei besteht darin, sich eine Wohnung in Laufweite der Universitäzu besorgen. Damit verschiebt sich der Problembereich allerdings nur (siehe auch: Besuch aus Deutschland).

und hat gute literaturwissenschaftliche Seminare, wird Dich aber wegen der menschenfeindlichen Umgebung irgendwann in den Suff und damit in den Ruin treiben. Bleibt noch Nanterres, eine Art Pariser FU, die besser ist, als ihr Ruf. Willst Du etwas füDeinen Lebenslauf tun oder befindest Du Dich bereits auf der Zielgeraden Deines Studiums, empfiehlt es sich, mit einem wissenschaftlichen Projekt an der Eco~edes Hauts Etudes en Sciences Sociales (EHESS) vorstellig zu werden. Studierst Du Politik und willst Dich füimmer von den Sorgen der Arbeitssuche befreien, dann gehe zur SciencePo, einer Karriereschmiede füPolitologiestudenten!

Archive

Der Zentralismus hat gewiss seine Nachteile. Flächendeckend Inkompetenz zum Beispiel. Eines aber muss man dem Zentralismus lassen. Alle wichtigen wissenschaftlichen Archive, alle guten Bibliotheken kannst Du bequem mit der Metro erreichen. Nur rein kommst Du nicht. Als Student wird Deine wissenschaftliche Ernsthaftigkeit bis zur Abschlussarbeit von den Torhüterder französische Bildung aufs Schärfst geleugnet. überhaupgleichen viele Horte des hohen Wissens eher TemStudieren in Paris peln. Das erklärsich aus der Tatsache, dass die französische In aller Regel erledigt sich die Frage, an welcher Uni Du studieStaatspräsidente wie ihre Vorbilder, die absolutistischen Kö ren möchtest bereits bei der Abgabe Deiner Bewerbung fü nige, Denkmälefüdie Nachwelt schaffen wollen. Mitterands ein Stipendium". Das wird Dich nicht davon abhalten, Dich an Denkmal ist die gleichnamige neue Nationalbibliothek. Da er anderen Unis umzutun, denn zufrieden wirst Du mit Deiner sie noch zu Lebzeiten einweihen wollte, wurde der Bau stark Uni unter Garantie nicht sein. Die sagenumwobene Sorbonne forciert. Nun befindet sich die Bibliothcque National fast stän (Paris IV) bietet füdie klassischen Geisteswissenschaften eidig in irgendwelchen Havariesituationen, was mit dem undichnen hochqualifizierten, wenn auch sklerosen LehrkörperEin ten Dach beginnt, sich übeSystemabstürzder Kataloge fortsetzt und mit Ÿberflutete Kellern endet. So schaffte es Verhältni zwischen Studenten und Professoren existiert nicht. Mitterand posthum, Benjamins Vision von den durchströmte Kulturwissenschaftlich geht es an der Sorbonne Nouvelle (PaBibliothekssäle Wirklichkeit werden zu lassen. ris III) wie bei einer 68er-Gründun zu. Interessant füRomanisten und Kulturwissenschaftler ist hier bi, raa das Institut d'Allemand in Asnikres, in .-dem ein deutsch-französische Studienzyklus, die Licencel MaTtrise Franco-Allemande, angeboten wird. Paris VIII in St. Denis ist ebenfalls aei-

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*bwei&flthmm dq %%Mtq l e n

nS ve~chfossenenForsehungstiim abläuft Organisiert wird d@iyNa,m, die h Rahmen des ,,Wissenm k r l i n " stattfindet, von dw , , ~ s s e ~ c h a fi m t Dialog GmbH" (widj, einer gemeianützigenbundesyeiten Initiatke % q k * d i g m g von W $ey&@fl W @sgikehek t$e Qfiter anderem den WisenscbWtandort Ber[in h e r vermarkten soll. Bis EndeApril will ein &mWium u n t e r M i Q 4 $ s , W PdsidenbnJihgen Miynek @rdir Nacht ~ m h u ~ p c q & ts e i 6 die ~ sieh e b t i e m i t s rim Rahmenthema ,,LebenswismschaftmMwidment andererseits i n der Art ihrer Pr&sentation ,,neue Wege zeigen, die Sinn und Zweck der Arbeit dem interessierten Laien transparent und verstsndlich machenm. Das vollständig Programm der Nacht gibt es ab Mitte Mai unter: www.wissenschaft-im-dialog.de

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Geschichte der Politologie

R @ k t k h zu-den Kürzungeam QttoSub+btitw$ der Freien Universitäist jetzt die erste umfassende Darstellung , aber die Pditdagie in D t u W h l m d ers c h h m Qerb c h u m e r Politologe Wilhelm %Leck belegt m i t seiner Studie, weiche k n t u r e n und Konjunkturen die Politikwissenschaft seit ihrem Entstehen i m Mittelalter kennzeichnen. Bleek spart nicht die lnstrumentalisierung des Faches im Nationalsozialismus und in der DDR aus und beschreibt den mühsamen aber letztlich erfolgreichen Wiederaufbau des Faches nach 1945 in Westdeutschland. Sein Handbuch dient all denen, die auf der Suche nach dem Sinn der Politologie sind, und es sollte jenen zur Lektürempfohlen werden, die übe die Entbehrlichkeit eines Faches nachdenken, ohne dasdie Entstehung des ersten deutschen Nationalstaates kaum 3 0 . W Briefe, 2.000 Ekiefachreib@c,I 0 denkbar qewesen w2re. Jahre Arbeit das sind die €&dat der Bleek, Wilhelm: "Geschichte der Politika k t u d l e n volumiri@se~Werkedition wksmschaft in Deutschlanda, Münche d w t s c k r LiWaturwi$senseh&. Diesml ~ h es tum die BrüdeJakob und 2001 [CH. Beck), 78,50 Mark. WiiheLm Grimm* &ie ein Leben lang, unzertrennlich an der deutschen Sprache und ihrer Kultur geforscht haben und fitcologen sind lieb Ein ,,positives Wir-Gefuhl" und ein sendabei entsprechend viele Briefe schrieben. Nach jahrelanger Wühlarbeiist sibles,,,Müllverhalten beeinflussen nachhaltig das Konsumverhalten der jetzt der erste Band der "vielbändige Bewohner eines Wohngebietes. Zu diedes Briefkritischen ~esamtausgabe~ sem überraschende Ergebnis kommt wechsels der Grimmbrüdeerschienen.

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Herausgegeben wurde der Band zum Stückpreivon 98 Mark von dem Wuppertaler Germanisten Heinz R6Ileke. %oordiniert hat diese Forschungsarbeit die ,,Arbeitsstelle Grimm-Briefwechsel" an der ~uiboldt-universitätdie m i t der Grimm-Bibli~thekals Zentrum der ~ r i m m - ~ o t s c h u n ~ ' ~Wer i l t .sich den Band nicht kaufen will (und kann), kann im lnternet nachlesen, warum Wilhelm seinen Bruder Jacob ,,mein lieber Schatz" nannte. Informationen unter: www.grimmnetz.de

ein Forschungsprojekt an der Technischen Universität Psychologen, Architekten und Ökonome haben zwei Jahre lang zwölBerliner und zwei niederländisch Wohnquartiere untersucht, das Müllund Konsumverhalten der Bewohner erfasst und den Umgang der Einwohner beobachtet. Nur wenn die Interessenlagen der Bewohner eines Viertels übereinstimmendie soziale Lage eines Quartiers einigermaße hoch ist und die Nachbarn aufgrund einer großzügigArchitektur großzà gig miteinander umgehen k6nnen, sei ein funktionierendes Nachbarschaftsverhältni m6glich. Ebenso wichtig sei auch das Mü~lverhalt~n Nur wer öko logisch seinen Mülentsorgt, könn ein guter Nachbar sein, urteilen die TUN i s s e n ~ c h a f t l eMit ~ diesem beeindrukkenden Plädoye fükleinbilrgerliche Wohnzellen @ollen die Wksenschaftler HandlungsempfchJungen füKommunen erarbeiten. Infos unter: www,wohrtach.tu-berlin.de

Online-Studenten quatschen zuviel Die Bertelsmann-Stiftung und die Heinz Nixdorf Stiftung haben mit einer Befragung von rund 5.0W Offline- und 350 Online-Studenten herausgefunden, dass letztere viel häufigeihren Professor kontaktieren als erstere und noch viel häu figer als die lnternet-Muffel mit ihren Kommilitonen übedas Studium reden. Beide Stiftungen haben gerade das Prujekt ,,virtusu {virtuelle Studienumgebung) entwickelt, mit dem Studenten eine virtuelle Alternative zum Studium an der Hochschuie geboten w ~ d e sdl. n Gegenwärti wird das Projekt an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultäder UniversitäKöl getestet. lnformationen unter: www.virtus.unikoeln.de fl, j o t

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Physik Chemie Biologie Landwirtschaft Geographie Zoologie &nglischsprachige Originalliteratur

April 2001 UnAufgeforded


Wolfgang Benz E. Francois und Hagen Schulze (Hg.)

Geschichte des Dritten Reiches"

Deutsche Erinnerungsorte 1

288 Seiten mit zahlreichen Abbildungen

Münche2001

Münche2000

68 Mark

44 Mark

Mammutprojekt: FU sucht Erinnerungsorte und findet sie doppelt

Geschichte des Dritten Reiches

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Im Jahre 1984 erschien der erste Band der ,,Lieux de memoire" des französische Historikers Pierre Nora. Inzwischen sind es sieben. Unermüdlicsuchte und sammelte Nora die ,,Erinnerungsorte" Frankreichs, fand Nationalistische, Erhabenes, Alltäglichesvon der Trikolore bis zum Baguette. Ihn interessierten die Fixpunkte, an denen sich das institutionalisierte Gedenken ebenso wie die Erinnerung der einzelnen Mitglieder einer Gesellschaftfestmacht. Da keine einheitliche ~rinnerungbesteht (und in einer modernen Gesellschaft auch gar nicht bestehen kann), braucht die Gemeinschaft Orte, an denen sie das gewünschtErinnern festmachen kann: Erinnerungsorteals ,,Gedächtnisprothesen". der momentarien Konjunktur von ,,Ged¤chtnisges<;hichtebeeinflussten Noras Bänd auch Historiker in Deutschland und anderen Länder Europas. In Berlin haben die Professoren Etienne Frangois und Hagen Schulze 1995 an der FU mit dem Projekt ,,Deutsche Erinnerungsorte" begonnen. Ein Mammutunternehmen: Renommierte Autorinnen und Autoren schreiben an drei Bände mit übe100 Beiträge in 18 Kapiteln wie ,,ReichM, ,,Volk", ,,Disziplin", ,Freiheitu oder ,,Gemüt' Der erste ist soeben erschienen und wurde auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt, die anderen folgen im Herbst. Vom Fuhrerbunker übe"68"und .Wir sind das Volk" bis zur D-Mark ist allesvertreten, was als Erinnerungsorttaugen könn te. GroßÜberraschungenungewöhnlicheumstrittene oder vergessene Erinnerungsorte bleiben bei dieser Auswahl jedoch aus. Doch dafügibt es einen Ableger: Wem das groß Erinnern nicht reicht, kann zum Band "Steinbruch Deutsche Erinnerungsorte"greifen, in dem Studenten und Doktoranden Schutzes die etwasabwegigeren Bereiche bedienen: Maria Sibylle Mcrian und Rosa Luxemburg stehen hier, Kart May m i t Pierre 8dce und Alt-Heidetberg. Teilweise sind die Beiträg von sdhankender Qualit, garantieren aber interessante Diskussionen darüberwas und warum gerade das? einen Erinnerungsott ausmacht. Im E'mteitungsaufsatz von Constanze CarcenacLecomte findet man auch die Entstehungsgeschichte des ,,große Projekts" aus Noras Arbeiten direkter und kürzeerklhrt als i n diesem selbst. Demnächsstehen - hoffentlich alle Bänd in den Bibliotheken, und dann kann jeder f i r sich übe Sinn oder Unsinn dieses Mammutprojekts entscheiden. Denn: Ist die Sammlung (beziehungsweise Konstruktion) solcher nationalen, vorgeblich Gemeinschaft stiftenden Orte nicht etwas Archaisches, einem zusammenwachsenden Europa Entgegenstehendes? Andererseits könnte die nationalen Bestandsaufnahmen als Zwischenschritt zu einem noch größerProjekt taugen: der gesamteuropäischeErinnerung, falls es sie jemals geben wird. Gearbeitet wird schon daran: Letztes Jahr wurde im Anschluss an ein Seminar zu ,,Europäische Erinnerungsorten" ein Projekttutorium an der FU ins Leben gerufen. Dessen Diskussionen und Ergebnisse sind im Internet unter http://userpage.fuberlin.de/~wigbotd/lieux/abrufbar. Â

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Carcenac-Lecornte u.a. (Hg.): Steinbruch Deutsche Erinnerungsorte. Annäherun an eine deutsche Frankfurt 2000 58 Mark

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Weit mehr als 50.000 Bücheund wissenschaftliche Aufsätz sind seit 1945 zu den zwölJahren der Naziherrschaft erschienen. Doch mit der Flut an Informationen steigt nicht unbedingt das Verstehen einer Epoche der Gewaltherrschaft, die von der Mehrzahl der Deutschen nicht nur toleriert, sondern auch mitgetragen wurde. Eine Kontroverse, die in jüngsteZeit füSchlagzeilen sorgte, hatte der amerikanische Historiker Daniel Jonah Goldhagen ausgelöstIn seinem Werk: "Hitlers willige Vollstrqcker" vertritt er die These, dass der Holocaust erst mit Hilfe der ,,ganz gewöhnliche Deutschen" machbar und durchführbawurde. Goldhagen entlarvt die Opfer als Tä ter, die sich an der Judenverfolgung passiv oder aktiv beteiligten. Ein Thema, dass die Nation bewegte und einmal mehr in zwei Lager spaltete. Es besteht also noch Diskussionsbedarf. Und der dürftsteigen, angesichts solch brisanter Themen wie der schleppenden Entschädigun füZwangsarbeiter auf der einen Seite und dem steigenden Rechtsradikalismus auf der anderen. In diesen ~usammenhangstellt Woifgang Benz, Historiker und Leiter des ,,Zentrums fŸ Antisemitismusforschung" an der TU-Berlin sein neuestes Werk: "Geschichte des Dritten Reichesxer Autor wendet sich an Leser, ,,die knapp, aber zuverlässiinformiert sein, die Erkenntnisse der historischen Wissenschaft füdas eigene Urteil nutzen, aber den Aufwand der Gelehrsamkeit nicht nachvollziehen wollen", heißes i m Vorwort. Und genau dieses Ziel hat der Historiker mit seiner Darstellung erreicht. Akribisch beschreibt Benz den Aufstieg der "Deutschen Arbeiterpartei", die am 5. Januar 1919 von dem Werkzeugschlosser Anton Drexter und dem Journalisten Kar1 Harrer gegründewurde und seit Februar 1920 den Namen ,,Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" führteDer Gefreite Adolf Hitler war seit dem Spätsomme1919 ihr Werbeobmann und wurde im Juli 1921 in einer außerordentliche Mitgliederversammlung zum unumschränkteVorsitzenden gewähltDie weitere Entwicklung der Partei, und die politischen Tagesereignisse werden in einen gesellschaftlichen Kontext gestellt und nie losgelösvon der wirtschaftlichen Entwicklung betrachtet Chronologisch werden die zwölJahre nationalsozialistischer Schreckensherrschaft aufgerollt von der ,,nationalen Revolution" übedie ,,Krise und Durchsetzung der Macht" bis hin zum "Totalen Krieg" und dem Mord an der jüdischeBevölkerungDer Text enthälkeine Anmerkungen und Quellenbelege. Übeweiterführend und vertiefende Literatur und neueste Studien informieren die Hinweise am Ende des Bandes. Ein wesentliches Element der Darstellung sind die Bilder. Die Illustrationen, darunter viel Propagandamaterial aus der NS-Zeit, sollen den Text nicht erläuternsondern vielmehr eigene Informationen übedas Dritte Reich vermitteln. Das Buch von Wolfgang Benz erhebt sicherlich keinen Anspruch auf Vollständigkeites ist aber ein solides Nachschlagewerkauf  dem heutigen Forschungsstand. ix

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April 2001 U n A u f W r d e H


Wer braucht eig ... das Institut fur Transakustische Forschung Hearing ,,Flügelfriedhof"In einer Halle, in der mehrere hundert Klaviere auf ihre endgültig Beseitigung warteten, wurde vom iftaf eine Trauerfeier füdie ausrangierten Tasteninstrumente abgehalten. Pianistlnnen wareneingeladen, Trauerlieder zu spielen, um den Flügelund ihrem Friedhof die letzte Ehre zu erweisen. In affentlichen Aktionen bezieht das iftaf auch Stellung zur österreichische Regierung. Dies ist beispielsweise geschehen am 18. Mär diesen Jahres. Im Rahmen der Aktion ,,Soundpolitisierung - Mit Transistorradios und Ghettoblaster gegen Blau-Schwarz", die zusammen mit anderen Organisationen auf die Beine gestellt wurde, war die Wiener Bevölkerunaufgefordert, mitsamt ihren Radios zum Heldenplatz (bei der Hofburg - Kanzlersitz) zu kommen, um dort mit Musik des freien Radios Orange ihren Unmut übedie Regierung auszudrücken

Ist die Schwerkraft durch Musik aufhebbar? Wie klingt GemüseOder Hunderte alte FlügelAm Anfang standen Fragen übeFragen unbeantwortet. Die Fragen, der Forschungsgegenstand des Instituts, die Transakustik war schon immer da nur hat sich niemand dafüinteressiert. Es gab keine Wissenschaft, welche sich m i t solchen Fragen beschäftighätteund sie ging auch niemandem ab. Doch im Jahr 1998 haben sich Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen und Lebenswelten (Physik, Musik, Tanz, Elektrotechnik, Medizin, Psychologie, Dichtung, Theater, etc.) zusammengetan und in Wien das Institut fütransakustische Forschung aus der Taufe gehoben.

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Und das macht laut Eigendefinition folgendes: ,,Das iftaf ist eine Plattform fügehörbildend Kunst/Wissenschaft und auditive Phänomenologie Es untersucht die Grenzen zwischen Akustik und ihren Tangentialgebieten: Wissenschaft und Kunst, Alltag und Forschung, Klang und GeräuschTon und Licht, akustischen und anderen Perzeptionsmöglichkeiten. Das iftaf setzt sich selbst also bewusst zwischen alle Stühl und hat seit seinem Bestehen m i t einem große Problem zu kämpfen,,Das transakustische Paradoxon besteht darin, dass sich die Transakustik per se der Definition entzieht und etwas darstellt, das möglicherweis gar nicht ist." Etwas, das von sich aus verschwommen zwischen den (vermeintlich) klar umkreisten Wissenschafts- und Kunstgebieten liegt, Esst sich nicht auf einen Punkt bringen. Desto wichtiger ist der Enthusiasmus und der Einfallsreichtum, m i t dem der Materie zu Leibe gerückwird. So haben die verschiedenen Forschungsgebiete des iftaf illustre Blütegetrieben. Das ,,Erste Wiener Gemüseorchesterbeispielsweise ist aus dem Bereich ,,vegetabile Klangforschung" entstanden. Gespielt wird ausschließ lich auf GemüseDamit soll der Grenzbereich zwischen Musik und Geräusche im Kochalltag ausgelotet werden. Gemüs muss nicht mehr zur ausschließliche ,,Befriedigung des Fresstriebes" herhalten. Ständig Grenzüberschreitungegehöre zum Programm des iftaf. Schließlic soll der ,,Hörwinkel" eine der wichtigsten Größin der Terminologie derTransakustlk, beharrlich erweitert werden. Analog zum ,,Blickwinkel", der individuellen ,Perspektive", soll die Subjektivitädes Hören gezeigt werden. Um die Transakustik einer möglichsbreiten Öffentlichkei nahe zu bringen, werden monatliche Hearings mit sprechenden Namen wie ,,Mundmusik" d e r "Magendampf veranstaltet. Dass das Publikum dabei durchaus aktiv teilnehmen soll, beweist das

U n A u f g e f o r d e r t April 2001

Alles Banane Die eigenen Strukturen des iftaf spiegeln die politische Einstellung wieder. Hierarchische Strukturen werden abgelehnt, die einzelnen Abteilungen stehen gleichwertig nebeneinander. Das iftaf ist nicht universitäorganisiert, sondern ist nach dem Vorbild eines offenen ~etzwerksaufgebaut - Menschen aus unterschiedlichsten Berufen arbeiten interdisziplinä an der Ausformulierung der Transakustik. Wie die ,,exaktenu Wissenschaften bedient sich auch das iftaf desExperiments. ,Da wir nicht den unerfüllbareAnspruch nach Objektivierbarkeit verfolgen, sind auch ,zweifelhafte1 Methoden erlaubt", gibt sich das iftaf pragmatisch. In der Abteilung ,,Kleptoakustik" werden konsequent die als ,,veraltetu betrachteten Bestimmungen des Urheberrechts, die eine freie Verwendung fremder Kläng verbieten, ignoriert. So ist aus Aufnahmen von StückeAnton Bruckners durch freies Collagieren das Werk ,,Antonm entstanden. Hier wird Wissenschaft mit Mitteln der Kunst betrieben und umgekehrt. Dennoch schlagen manche Experimente fehl wie jenes zur Aufhebung der Schwerkraft durch Musik. ,,Aber auch gescheiterte Experimente könne einen hohen transW akustischen Wert haben", meint das iftaf.

Iftaf im Netz: www.iftaf.org Zahlreiche Hearings sind auf CD unter dem eigenen Label .iftaf.rec" erschienen.


Berliner Bäderkultu In diesem Sommer werden viele Studenten, die sich sonst i m Freibad vom Ferienjob oder der Hausarbeit erholten, auf dem Trockenen sitzen. Schuld daran ist, dass viele Bädediesen Sommer erst gar nicht geöffnewerden, denn die Berliner Bäder-Betrieb stehen k u vor ~ dem finanziellen Aus. Vom Land BerLin kontinuiertich unterfinanziert, würddas Unternehmen ohne die Sparmaßnahmeim Sommer Konkurs anmelden müssenHilflos müssesieh die Besucher den drastisch eingeschrsnkten Offnungszeiten anpassen, die Schließun vieler Bäde und die daraus folgende Überfülluder anderen hinnehmen. Doch was ist die Alternative? Bei Erhöhunder Eintrittspreise wär eine Gleichberechtigung aller sozialen Schichten hinsichtlich der Bäd erbenutzung nicht mehr gewährleistet Wenn sich also ein Betrieb, der imSinne der Öffentlichkei agiert, nicht selbst trägtmüssteigentlich das Land Berlin einspringen und finanzielle Hilfe leisten. Doch die Kassen sind leer. Warum, wird hoffentlich gerade herausgefunden.

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Frische Filme ...der unabhängige Art gibt es vom 26. April bis zum 2. Mai 2001 wahlweise im Acud, fsk oder Central zu sehen. Britische

Filme, die in Deutschland noch keinen Verleih haben, also ,,the hottest stuff from the UK, bekommt ihr zu norrrplen Kinopreisen zu sehen. Besondersans Herz gelegt sei Euch der Film ,,The Low Down" mit Cutie Aidan Gillen, der in England schon wahre Begeisterungsstürmauslö ste. lm Gegensatz zur Berlinale baut das Festival schon aus finanzidlen Gründe nicht auf das Einfliegen der ,,Starsu, sondern auf Filme. Wer trotzdem seine Glamoursucht befriedigenmkhte, stelle sich doch bitte zur Verleihung des deutschen Filmpreises vor die S t a a t s ~ r . ~ . ,,BritspottingU geht unter der Koordination von Lehramtsstudent Carsten Mellwig mittlerweile in sein zweites Jahr und wird immer größeDas Festival hat eine eigene Website, arbeitet eng mit der Britischen' Botschaft bzw. dem British Council zusammen und wird im Mai auch in Hamburg stattfinden. Zur diesjährige Eröffnungspart wird Newcomer Maximilian Heckergewohnt verschroben aufspielen- Danach gibt es ein Buffet, Freibier und gute englische Popmusik.

Hinter der Webadresse www.freshmi1k.t~verbirgt sich kein Bestellservice füweiß Getränkesondern hippes Berliner lnternetfernsehen. Hier kann man hinter die Kulissen der glitzernden

Sonntagsbrunch in Berlin Der Rettungsanker der ,,MSVölkerfreundschaft Am Sonntagmorgen gähnend Leere im Kühlschranund der Geldautomat rückgerade noch den letzten grüne Schein heraus? Die ,,MS Völkerfreundschaft in der Sch6nhauser Allee 20 ist der Rettungsanker! h n l&OO bis 16:OO Uhr bietet die kleine Kneipe im baltischen Ambiente ftir gerade mal 5 Mark das typische Berliner Frühstücksbüf im Miniformat an. Überraschenderweis ist das Lokal nicht überfül wie ,November" & Co. am Kollwitzplatz. So lässsich die besonders verschlafene Atmosphär des Berliner Sonntags mal wieder verspüren Frühstücki m Fischladen Wer filetierte Melonen, Lachs, getrocknete Tomaten und Körner brötche nicht missen möchtesoll weiterhin in sein zwanzigMark-Brunch-Stammlokal gehen. lm Fischladen (Rigaer Straß 83) gibt es jedoch kein AllerortsSonntags-Brunch. Die Atmosphär ist entspannt und wer will, kann nach dem ausgiebigen Frühstü einen kräftige Furz las-

UnAufgefordert April 2001

Großstadtbühkucken und sehen, was dahinter ist: Nichts. Es gibt ein Filmmagazin, Sextipps von Dr. Dot und das eher berüchtigtals berühmtPrada I3 Meinhoff-Duo. Jaja, ganz recht nach der Terroristin und der Modemarke. Warum? Ist doch egal. Die zwei herzallerliebst anzuschauenden Giriies sind die MitteVersion von Jeanie 13Jeanie auf FAB und haben dementsprtchend auch mehr zu sagen als vorgeschriebene Pramotionsprüch füKinofilme. Dem Sendekonzept folgend sind sie füunsmit ihrer Digi- oder was auch immer -Cam im Berliner Nachtleben unterwegs, nerven Promis auf Premierenparties und versuchen, rauszufinden, was HipHopper so alles in ihrer Tasche tragen. Lustig anzuschauen, das. Allgemein wirkt das Ganze dennoch recht unmotiviert und wie der clevere Einfall zweier Damen dank Begleitkamera und investigativem Anspruch Akkreditierungen fücoole Parties abzugreifen. Sei's drum. Absolut hitverdächti ist ihr Interview mit Ariane Sommer. Darin erzähldiese erschreckend unironisch von ihrer Schauspiellaufbahn bei ,,GZSZM und ihrem neuen Fernsehformat. Außerde treffen wir Jana Pallaske wieder, die dem Maskottchen von Kitty-Yo Turbit MarZahn zeigt. dk

Sen, ohne mit Msen Blicken gestraft zu werden. Wer keinen Furz lassen möchte s o l l t i den anderen diese M ch3ikg@ il ti einräumen ohne brüs kiert zu sein. Neben der Toleranz fkir die verschiedenen Eisgewohneheiten ist Geduld eine Kardinaltugend. Es klappt vielleicht nicht jede Bestellung beim ersten Anlauf, doch die Preise sprechen füsich und entschädige füalle Verzögerungen Den Kaffee gibt es schon füeine Mark fünfzi und Orangensaft füzwei Mark. Das Interieur hat kiassischen Krähenfuà Stil, ist also zweckmäßund frei von übliche Friedrichshainer Einrichtungen beim Allerorts-Sonntags-Brunch. Noch Platz frei hinter den Ohren? Aufschreiben, merken und ausprobieren! nw, t r p

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da geschieht und nicht mehr essen will oder schlafen. In diesem Moment legt sich der Schalter um, der normal von unnormal, g&nd von krank trennt. Pad will ktimpfen und rennt doch nur gegen Wgnde. Ais seine unbändigKraft in Aggwion umschlägt wird er in die Anstalt eingewiesen. Das heiBt, er wird durch Medikamente ruhiggestelltund zu den anderen verrücktegesperrt. Die Dialoge in der Klapse (iil8ndisch: kleppi) entbehren sicher nicht,einer gewissen Komik. Gleichzeitig wird einem jedoch die bedrückendAusweglosigkeit der Situationbewusst, denn es gibt keine Heilung füPaul. Er daif zwar ab und zu nach Hause, um seine Elteh zu besuchen. W h dann fürchteman die ganze Zeit den &ichsten Ausbruch. Näh entsteht durch das Mitleid. der Eltern, das ihn aber nicht erreicht Von seinen Freunden ,,draußenist ihm nur einer geblieben: Rögnvaldder ihn lässwie er ist, ihn mit ans Meer nimmt und sagt: ,,Die Klapse ist überall Nur dass man sie nicht sieht." Paul wird entlassen, als es keinen Grund mehr gibt, ihn weiter in der Anstalt zu behalten. Era&it&in einer Fabrik, die DrahtVerrücktheit u t nicht weh. Man merkt sie kaum. Langsam zäun herstellt Welch geiuogehes Gleichnis, denn mit jedem schleicht sie SMin ein Leben und vemhiebt dessen Koordina- Tag wird der Zaun, der ihn.von den anderen trennt h ~ h e r ~ u n d ten fBr immer. Von jetzt an folgt der Mensch &setzen, dii er eine Rückkehzur NormalitSt unmt5glicher. Seine Wohnung ist nicht g a m t h t h a t Eiqebuhgen und Affekten. Seine Umwelt eigentlich nur ein Fenster zum Rausspringen inmitten einer kann nur hilflm zusehen und ist &r&ränderun ebenso awgeBctmwüste,. liefert w k der Betroffene selbst. ,,Wir sind doch d i e Engd, En,,Engel des Universums" ist ein isländischeFilm des Regis. gel des Ufiiversums: D k m W klingt band, ~ielleichtetwas seurs Fridrik Thor Fridriksson nach dem gleichnamigen Roman kitschig. Er schkf3t alle Menschen ein. Auch die, die anders sind. von Einar Mar Gudmundsson, der die Geschichte seines BruAbgerutscht In die Schizophreniezum Beispiel. Wie hul. Er, der ders a~fgeschriebenhat. Dieser lebte jahrelang in Kleppur, der schon .immer anders war: M a k und Mlagzeuger. Eh Künstler bekantktesten Nervenheilanstaltlslands. Die,Filmmusik stammt der noch bei seinen Eltern lebt und ein Mädche liebt. Zu sehr von "Sigur Ras: liebt Und alleingelassen wird. Der nicht begreifen will, was ihm Regie: Fridrik Thor Fridriksson, Kinostart: 12. April 2001

N ' W die Geschichte ist wichtig, sondern wie sie erzählwird. ~ Newcomer-Regisseurin i ~ Aileenk Ritchie lässsich D+ ~ Zeit, ahne dahei'tangweilig zu werden. Gut, der Ausgang der Stwy isf whersehbar. Doch das kann die besondere Qualitä dieses R h nicht mindern. Besetzt mit irischen Landsleuten und Laien ist man in ,,The closer you get" immer.wieder von den M i n e n der Protagonisten überrraschtDas Setting ist à œ ~ r s c h w bein a ~Kaff an der irischen Küsteein Pub, ein Frismfmd dqe fiebcherei. Doch gerade diese Begrenztheit der %a%pl~lz$ gibt den Figuren den Raum, den sie brauchen und Besondere Aufmerksamkeit schenkt männlicheStereotypen, ohne es da-

bei zu be1assen:vom unerfahrenen Muttersöhnchezum Mann im besten Alter, vom naiven Twenty- something zum Fleischer, der meint, am besten zu wissen, wie man mit Frauen umgeht. Einer ist dabei merkwürdigeund eigentümlicheals der andere. Und dann gibt es da noch die Frauen des Dorfes: allesamt starke Persönlichkeitendie den Männer haushoch Uberlegen sind und nicht einmal auf die Idee kommen, sich mit ei,nem der Supersingles einzulassen. Und genau DAS ist das Problem. Die Männebeschließeeines Abends im Pub, eine Kontaktanzeige aufzugeben. Doch nicht im Lokalblatt, sondern in Mlami Beach, denn nur amerikanische Frauen sind "richtigemRauen. Von diesem h e n t an ist in Donqal nichts mehr so wie vorher: die Männebretzeln sich auf, färbe sich die Haare, machen Sport - unser Muttersahnchen versucht sogar noch schnell, seine Unschuld zu verlieren. Doch werden die Amerikannerinnen jemals eintreffen? Der Film erzählmit viel liebe und Humor von den Schwäche seiner Protapnisten, die am Ende feststellen, dass das, was sie gesucht haben, die ganze Zeit direkt neben ihnen war. Er erzähl von dem allzu menschlichen lrrgIau4envdass irgendwo anders alles besser ist und von der %rstellung, dass man sich irre anstrengen, verbiegen und veränder muss, um glückliczu sein, Das ist alles sehr lustig anzusehen, weil es durch die Eigenheit der Charakterenie langweilig wi.rd. Dieser Film schreckt vor nichts zurücknicht vor Peinlichkeit, nicht vor Trauf~keit,nicht vor der Wahrheit. Das Leben ist nun mal kein film. Wenn es jedoch so w-är wie in diesem, dann wär es ein schöne Leben. Kapiert? Egal. Angucken - möglichsin der Originalversion, Regie: Aileen Ritchie, Kinostart: 19. April 2001 dk

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April 2001 U n A u f g o f o r d o r t


Oscar füWun 30. Internationale Studentenfilmtage: SehSüchtvom 26. April bis I. Mai 2001 in Potsdam in das Potsdamer Filmfest integriert - ein eigenständi organisiertes Forum füFilme von Studierenden existierte nicht mehr - bis 1995 einige Studierende der Hochschule füFilm und Fernsehen Konrad Wolf (HFF) die Studentenfilmtage zum ersten Mal unter dem Namen SehSüchtveranstalteten. Seitdem ist die Anzahl der teilnehmenden Filmemacherinnen und Filmemacher, Besuchern und Sponsoren stetig gestiegen. Waren es im letzten Jahr allein 8.000 Besucher, so werden dieses Jahr bis zu 10.000 erwartet. Die SehSüchtbieten einen Raum füFilme von Studierenden und vor allem füLow-Budget-Produktionen, ungeachtet der Genres, Formate oder LängenDamit könne die Filmemacherinnen und Filmemacher ihre Arbeiten einem große internationalen Publikum präsentieren ohne sich an Kino- oder Fernsehformate anpassen zu müssen Dieses Jahr freuten sich die Organisatorinnen und Organisatoren besonders übedie Rekordzahl von 750 eingesendeten Filmen und übedie vermehrten Einsendungen aus Skandinavien. Ostasien. Mittelamerika und den osteuropäische Ländern Unter diesen Filmen wird i i n e fünfköpfiJury 150 Filme au>wäh len, die vom 26. April bis I. Mai auf dem mit Tradition behafteten Babelsberger Studiogeländ und erstmalig auch im neuem Gebäu de der HFF gezeigt werden. Die besten Filme aus den Kategorien Spiel. , Dokumentar- und Animationsfilm werden von einer namenhaften Jury, bestehend aus Regisseuren, Produzenten und Filmkritikern, deren Zusammensetzung bei Redaktionsschlussnoch geheim war, prämiert Zusätzlic werden ein Multimediapreis sowie ein Produzentenpreis verliehen. Es gibt zwar keinen Bäre oder Oscar, dafüaber den Wunderkind-Award zu gewinnen, der von Wolfgang Joop gestaltet wurde und von diesem auch überreichwerden wird. Der Gesamtwert der Preise liegt bei übe 55.000 Mark. lm letzten Jahr wurde der Film ,,Havanna mi amor" von Uli Gaulke, der späte reguläim. Kino lief, mit dem Dokumentarfilrnpreis ausgezeichnet. Ebenso fand der Spielfilm ,,Oi Warningu einen Filmverleiher und lief mehrere Wochen erfolgreich in deutschen und in.ernationalen Kinos. Der &werbungsschluss ist füdieses Mal zwar schon abgelaufen, aber ihr könnbei den im Rahmenprogramm stattfindenden Workshops (z.B. Schauspiel in Verbindung mit Tanz oder Klang/Sound), Podiumsdiskussionen (unter anderem mit dem Thema: Kurzfilm fertig was nun?) und den zahlreichen Parties Erfahrungen mit internationalen Filmsüchtigeaustauschen und Ideen füdie SehSücht 2002 finden. Das genaue Programm fiir dieses Jahr und weitere Informationen gibt es unter: www.sehsuechte.de. Karo Marschler

Das sojährig Jubiläur bildet dieses Jahr den Schwerpunkt des Festivals, unter anderem werden die besten Filme der letzten 30 Jahre in der Retrospektive wieder aufgeführt Seit 1972 findet alljährlic das studentische Filmfest statt,zu Ostzeiten allerdings unter dem Titel ,,FDJ-Studententage" bekannt. Wurden anfangs ausschließlic Filme von Studierenden der Babelsberger Filmhochschule (HFF) gezeigt, so nahm die Beteiligung internationaler Filmhochschulenstetig zu.Zunächs waren die Filmtage der Freien Deutschen Jugend ein Geheimtipp - hier konnten Filme gesehen werden, die spätenie wieder öffentlic aufgefiihrt wurden. Von offizieller Seite waren die Filmtage zwar nicht erwünschtwurden aber geduldet. Mitte der Siebziger hatten sich die FDJ-Filmtage zum größt studentischen Filmfestival Osteuropas entwickelt. Seit 1986 wurden auch Filme aus den westlichen Länder gezeigt. Nach 1989 fanden die Studentenfilmtage noch zweimal statt, doch die Zahl der Filmemacherinnen und Filmemacher aus den sozialistischen Ländersank. Die Veranstaltung wurde

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1999 riefen engagierte Studenten der HU das Festival ins Leben. Es ging und geht auch heute noch darum, das uber die Stadt verstreute, studentische Theater einmal i m Jahr an einem Ort zusammenzuführenNeuropolis soll ein Ort des Austauschs u n d der Kommunikation sein. Gleichzeitig bietet das Festival eine Plattform und somit die Möglichkeiteine breitere Öffent lichkeit zu erreichen.

Hinterhofatmosphär Neuropolis 2001: An acht Tagen hatte die Studiobühnihre Pforten geöffne und an acht Tagen gab es ein volles Haus. Studentisches Theater stöÃauf Interesse, ist Bestandteil des Berliner Theateralltags und m a c h t auch Spaß Die Rahmengestaltung vor Ort führtden Besucher uber das Hinterhofflair in ein athmosphärische Foyer m i t bequemen Sofas, entspannter Musik und freundlicher Bar. Die allabendlichen Publikumsgespräch boten Zeit und Raum füDiskussionen, Austausch, Kritik und Lob. Das studentische Organisationsteam hatte gute Arbeit geleistet! Und sie haben es geschafft, die sehr unterschiedlichen Produktionen in ein ausgeglichenes Programm zu arrangieren. Zweimal Shakespeare eröffnet das Festival. Zuerst ,,OtheIlad' (HU): die Handlung des Stük kes wurde in die Zwanziger Jahre versetzt und die Personage einem Geschlechtertausch unterzogen. Ein spannendes Experiment, das durch einen Perspektivwechsel Klischees und Rollenmuster aufdecken wollte. Dies gelang der lnszenierung nicht, der slapstickartige Stil blieb an der Oberfläch und die Figuren flach und ohne Leben. Es folgte ,,Romeo und Julia", eine Produktion des Seminars füTheaterwissenschaft an der HU [Rezension UnAuf 116). Die Gruppe, die sich aus cinem Dramaturgie-Seminar konstituierte, beitach durch Ensemble-Spiel und zeigte in ihrer Heterogenitä und i m anschließende Publikumsgespräc die fruchtbaren Stärke studentischen Theaters: Engagement, gegenseitiges Lernen, Austausch und Offenheit.

Neue Stückvon Berliner Unis

Neuropolis - Studentisches Theater in Berlin Vom 2. bis 10. Februar 2001 fand das studentische Theaterfestival Neuropolis bereits zum dritten Mal statt. Ort der Veranstaltungen war die Studiobühndes Seminars fur Theaterwissenschaf't/Kulturelle Kommunikation der HU i n der Sophienstraß in Berlin-Mitte. Unter der Schirmherrschaft der Schaubühnam Lehniner pla& zeigten Studierende der Humboldt-Universitä (HU), der Freien Universitä (FU), der Hochschule fur Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin (HfSEB) und der Hochschule der Künst(HdK) ihr Können

Am folgenden Abend wurde dann Frischfleisch geliefert, sieben Kurzstückvon diversen Berliner Unis. Ein abwechslungsreicher Abend, der von klassischem Sprechtheater uber Performance bis zu revueartigen Stückevieles bot. Die Bandbreite und die Experimentierfreude aller Beteiligten schufen eine wunderbare Atmosphäre Die Highlights des Abends, wie ,,Bildhauer ₠Hobbybastler Michael" (HU), motivierten das Publikum zu stürmische Applaus. Als nächst feierte die Bühnenadaptio des Buches ,,Aimee und Jaguar" Premiere. Die Geschichte der beiden Frmen Felice und Lilly, die in der NS-Zeit ihre Liebe zueinander entdeckten, ist bekannt. Die Inszenierung setzte kaum

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neue Akzente, schaffte es nicht, den Protagonistinnen Leben einzuhauchen und die Zuschauer füderen Entwicklung zu interessieren. Schade! M i t ganz einfachen Mitteln und spannenden Schauspielerinnen spielte die lnszenierung "Mythen geschälund erzählt (HdK) manch aufwendigere Produktion an die Wand. Sieben Frauen saße im Halbkreis auf der Bühnetrugen Kopftüche und schglten Kartoffeln und dann ging es los: aus ihren Sehnsüchteund Phantasien entsponnen sich Geschichten, antike Mythen wurden leidenschaftlich vorgetragen, erzahlt, miterlebt. Das starke Ensemble lebt von seiner Vielschichtigkeit und schaffte es, das Publikum zu begeistern. Eine klare, sehr gute Inszenierung m i t energiewichem, rhythmischem und phantasievollem Spiel. Am Donnerstag und Freitag zeigten die Studenten der HfSEB, was sie können Den Anfang machte ,,Das Märche von Schneewittchen" der Abteilung Puppenspiel, die das Grimmsche Märche ins Berlin der Vorwende-Zeit versetzte. Die Koppelung Märche und Realitädurchzog das Stücund daraus entstand eine Spannung, die Kontraste schuf: Kindheit-Erwachsensein, Mann-Frau, Ost-West ... es ging um Differenzen in diesem revueartigen Abend der erstklassigen Esther Nicklas. ,,Brim", basierend auf der dramatischen Vorlage von Theresia Walser, folgte noch am selben Abend. Ein großartige Text, der einen Abgesang auf die Sprache und auf den öf fentlichen Raum als Stätt der Begegnung und Kommunikation feiert. Die Figuren warten, sie wollen endlich ankommen in der Welt der Erwachsenen, in der Geborgenheit der Familie, in der Ehe und gleichzeitig fürchte sie sich davor. Die lnszenierung vermochte dies zu vermitteln, aber sie war zu zaghaft, zehrte von der starken dramatischen Vorlage und wurde ihr nicht immer gerecht.

Blutige Medea-Inszenierung Das fragmentarische Stüc,,Träne aus Blut: Medea" fügt vier Bearbeitungen des Medea-Stoffes zusammen. Der Mantel des Mythos wurde abgestreift und Medea als facettenreiche, hin- und hergerissene, leidende Frau vorgestellt. Die lnszenierung definierte nicht eine neue Medea, sondern schul Freiraum. Beeindruckend war die schauspielerische Leistung von Judith van der Werff und die Dichte der lnszenierung. Als Abschluss folgte die Produktion ,,Generation Berlin' (FU). Das Stüc ist angesiedelt in der Berliner U-Bahn, wa typische Vertreter dieser Stadt aufeinander treffen. Die Gruppe ,,theater baustelle Berlin" wollte das Lebensgefühund die ldentitätssuch junger Menschen in Berlin vermitteln. Leidet blitzten nur selten überzeugend Emotionen durch, die lnszenierung entsprach insofern einem Berlinerischen Lebensgefühlals dass sie krampfhaft trendy und sehr unecht. da-. . . - --,, . herkam. W .

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Experimentierfreude begrenzt ResümeeInhaltlich ging es immer wieder um die Auseinandersetzung mit Rollenklischees, um den Geschlechterkampf; das Ich im Pool von Beziehungs- und Machtkonflikten, die Sehnsucht nach Wärm und Geborgenheit, das Scheitern. Berlin als Schaffens- und Lebensstätt wurde ebenfalls thematisiert. Einzig die Experimentierfreude vieier Inszenierungen lieà zu wün schen übrigteilweise präsentiert sich das studentische Theater sehr konventionell. Dennoch: Neuropolis 2001 war ein Erfolg und hat die selbst

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gesetzten Intention erfülltDie gezeigten Produktionen waren vieifälti und boten einen repräsentative Ausschnitt, was sowohl Inhalte als auch Umsetzung und Qualitäbetraf. Die Existenzberechtigung des Festivals spiegelte sich nicht nur in der hohen Zuschauerzahl, auch die Nachfrage studentischen Theaters von Seiten der Macher besteht, Die Neuropolis-Veranstalter mussten sogar Produktionen ablehnen. Es verbleibt der Blick in die Zukunft des Festivals: Veranstalter ist das theaterwissenschaftliche Seminar an der HU. Das Ende dieses Studienganges zum Beginn des WintersemeSter 2001/2002wurde im Juli 2000 vom Akademischen Senat beschlossen. Den bis dahin immatrikulierten Studenten wird Vertra~ensschutzan der HU gewährt da bleibt zu hoffen, dass dieser auch den Erhalt des Festi~aisumfasst. sh, aal

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Stereophonics, Just Enough Education to Perform"

Ash, Jree all angels"

"Berlin macht Schule", ãFamilienangelegenheiteaus Berlin"

Erschienen bei V2 records

Erschienen bei edel records

(Lieblingslied Rccords)

Im Handel bereits erhältlich

Im Handel bereits erhgltlich.

Im Handel bereits erhältlich

Uber die Einsamkeit von Journalisten

Ganz Berlin ist ein Sampler

M r . Writer" heißdie erste Single aus dem neuen Album der Stereophonics. Laut Sänge Kelly Jones, der alle Texte selbst schreibt, ein Statement übeMusikjournalisten: ,,Jemand sagte mir mal, dass ein Journalist, der ein Album nach ein- oder zweimaligem Höre bespricht, eigentlich nur übe sich selbst schreiben kann." Also dann mal los. Das erste Mal begegneten mir die Stereophonics i m Sommer 98. Damals hört ich ihr Debütalbu "Ward gets around" täglic rauf und runter. Es war ein trauriger Sommer und die Phonics meine einzigen VerbündetenEgal, ob die Texte von Kofferräumen Mädche auf Brückeoder Orangenbäume handelten, hatte ich das Gefühldas's Kelly Jones genau das sang, was ich gerade fŸhlte Jetzt liegt das neue Album der Phonics i n meinem CD-Player. Was ich sagen kann, sie sind immernoch genauso traurig-schö wie früherZur eindringlichen Stimme von Kelly Jones kann man eben nicht fröhlic im Zimmer herumspringen. Also wenn die Welt schlecht und das Leben sinnlos scheint - Stereophonics höre und sich M verstanden fühlen

Berlin ist hip. Musik aus Berlin auch. Und da es nicht um eine bestimmte Band geht, sondern um Berlin, werden Songs gesammelt. So entstehen Sampler. Der bekannteste dürft,,Berlin macht Schule" sein, der sich auch gleich anmaßtedie Existenz einer Bewegung herbeizureden. Wenn schon, denn schon. Aber egal. Die üblich-verdächtigund charts-erfahrenen PopPerlen von P wie Paula bis Z wie Zwei-Raum-Wohnung sind alle dabei. Songs, die definitiv jede Party retten. Auf die Sammlung seiner Lieblingslieder beschränksich George Lindt, der extra dafiir ein Label gründeteDie ,,Familienangelegenheiten aus Berlin" haben sicher einen höhereAuthentizitätsgraddoch will man das überhauptIch bin mir da nicht so sicher, denn den ganzen Abend authentische Berliner Musik zu hörenkann doch ganz schö nervig werden. Wie wir wissen ist Berlin voll von Spinnern jeder Couleur, aber will man diesen alltägliche Wahnsinn auch noch aus den heimischen Boxen diöhne hö ren? Mit seinen 34 (!) Tracks ist das Album definitiv zu lang. Hier ein paar HörprobenMax Goldts Beitrag "Schuhe" klingt, als würdPapa zu Breakbeatsdas Musikantenstadl mitbrabbeln, Blixa Bargelds Schmachtarien sind auch nicht jedermanns Sache und erinnern irgendwie an den ,,Traumzauberbaum". Hip ist DAS ganz bestimmt nicht! ,,City Boyu dürft die Hymne aller zugezogenen Möchtegern-Metropolite werden und fü die. die es noch nicht wussten: Terranova sind die neuen Massive Attack. Hmmm! Recorder sehen nett aus und das reicht. Quarks sind die unantastbaren Koryphäe Berliner Wohnzimmermusik und Contriva machen Süße-kleine-Jungs-Po Weitere Interpreten haben so klangvolle Namen wie ,,Das Holz", ,Ich schwitze nie", ,,Mutteru, ,,NeoanginU oder ,,Laub". Ihr habt ' also die Wahl: Kunst oder Kommerz? dk

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Engel seid befreit! Ash rocken das Haus. Das weià man spätestens nachdem man sie live erlebt hat und hinterher die blauen Flecken zählt Außerde spielt niemand so sexy Bass wie Mark Hamilton! Dass sich eine gute Show und gute Songs jedoch nicht ausschließen beweisen Ash auf ihrem neuen Album ,Free All Angels". Jeder Track ein Feuerwerk an Ideen und so rund wie Musik nur sein kann, ohne überproduzierzu klingen. Ihren ruppigen Teenagercharme haben die vier Iren deshalb noch lange nicht verloren, dafümusikalisch an Farbe gewonnen, ohne sich selbst untreu zu werden. Auch sie haben wunderbare Balladen aufgenommen, wie zum Beispiel ,,Somedaym, das m i t fast orchestralen Sounds aufwartet. Es sind Songs voll m i t offensivem Optimismus. Der perfekte Soundtrack füden Sommer, in dem Du Nächt durchtanzt, jemanden küsstden Du gar nicht küssewolltest, dann auf dem Fahrrad nach Hause fährs und bei offenem Fenster einschläfst Â

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Himmel

Jan Wagner Probebohrung im Himmel Berlin

,Die Aussenseite des Elementes W 10" Januar 2001 104 lose Seiten 15 Mark

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Rubinstein"

80 Seiten

K6ln 2000, 272 Seiten,

24 Mark

38 Mai*

HU-Absolvent debütierauf der Buchmesse

Der Schmerzenstanzer

Wär Jan Wagner zum Beispiel Popmusiker, könnt dieser Artikel wie folgt beginnen: Nach Jahren, in denen der 29jährig Berliner Musiker sein eigenes kleines und feines, aber wirtschaftlich höchsungesichertes Label betrieb und nur in Fachkreisen Anerkennung geschenkt wurde, hat er es jetzt geschafft. Er bekommt einen,Plattenvertrag eines ,,majorsl' und darf endlich sein erstes eigenes Album auf den Markt werfen. Die Erfolgsgeschichte eines sympathischen Idealisten. Erst folgen bundes-, dann europaweite Tourneen, Interviews in den einschlägige Blätter und fette Einnahmen. Doch Jan Wagner ist Schriftsteller und Übersetzer1971 wurde er in Hamburg geboren, studierte in Dublin und an der Humboldt-Uni Anglistik und Germanistik und hat einen Großtei seiner Zeit in den vergangenen Jahren in die Literaturschachtel ,Die Aussenseite des Elementes" gesteckt, eines literarischen Phänomen zwischen Anthologiereihe und Kunstobjekt in einem simplem braunen DIN A 4-Karton. Ein Liebhaberprojekt internationaler Lyrik und Prosa abseits vordergründige Vermarktungskriterien ist diese Schachtel; deren zehnte Ausgabe soeben erschienen ist. Der Ruf der Schachtel hat seinem Macher geholfen: Der Berlin Verlag wurde auf Wagner aufmerksam, dort erscheint jetzt sein Debütban,,Probebohrung im Himmel", der auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde. Ein bemerkenswertesWagnis deshalb, da Jan Wagner Gedichte schreibt. Ausgerechnet Lyrik musste es sein, diese unvermarktbarste Form der Literatur, und keine popkulturellen ,,Soloalben".ie Verlagswelt sieht heute so aus, dass man sich füso etwas rechtfertigen muss. Ist ,,Probebohrung im Himmel" also einfach ein schö gemachtes, bibliophil erfreuliches und trotz seines akzeptablen Preises garantiert unverkäuflicheProdukt, das allein die ãstreecredibility", die Szeneglaubwürdigkeides Verlags beförder soll? Das wär zu einfach. Denn Jan Wagner schreibt Lyrik füLyrikmuffel, humor- und liebevolle, leise ironische und einfach schö ne Gedichte, und die Tatsache, dass der Band nur 80 Seiten umfasst, hat den unschätzbare Vorteil, dass er überalhin mitgenommen werden kann, falls man gerade einer Zufuhr inneren Schmunzelns bedarf. Beispiele gefällig Bitte sehr: Unter der Überschrif,,Gaststuben in der Provinz" scharrt Wagner es, in vier Zeilen und einer Beobachtung einen Roman zu erzählen dessen Protagonisten die Fussballspieler auf dem Mannschaftsfoto sind: "lächelnd helden, die sich die rostigen nage11im rückeihrertrikots nicht anmerken lassen." Die Sturheit seines heimatlichen Norddeutschlands hat er in die Worte gefasst: ,,im langen riedgras kauern die kirchen aus weißem rauhen stein: aus schmalen fenstern blicken/ sie unverwandt und trotzig in den himmel,/ wartend darauf, dass gott als erster blinzelt." So unverkäuflic könnt der Band dann vielleicht doch nicht sein, er wurde bereits in der FAZ entsprechend gefeiert - sei's drum, hier wird jemandem zu Recht ein Forum gegeben, der sich bereits zu Anfang seiner literarischen LaufM bahn ganz und gar der Lyrik verschrieben hat.

Mit ,,Dolores Et Imperio. Die drei Leben des Sylvin Rubinstein" liefert der "Sternu-Reporter Kuno Kruse einen ungewöhnliche Zugang zur Geschichte der Holocaust-Opfer. Bemerkenswert ist die Verbindung der Tanzgeschichte der Weimarer Republik mit dem Schicksal eines jüdischeGeschwisterpaares währen und nach der Zeit des Nationalsozialismus. Hier wird das Leben der Zwillinge Maria und Sylvin Rubinstein erinnert, die als uneheliche Kinder einer jüdischeTdnzerin und eines Offiziers des russischen Zaren im galiztschen Polen aufwachsen. Nach einer strengen Ballettausbildung erobern sie als Flamenco-Tanzpaar ,,Dolores Et Imperiomin den dreißige Jahren die bedeutenden.Varietes Europas. M i t der Machtüber nahme durch die Nationalsozialisten wird das Geschwistergliick zerbrochen. Es folgen Warschauer Ghetto, Folter und Untergrund. Im Zuge der Judenverfolgung in Polen verschwinden 1941 Mutter und Schwester spurlos in Ostgalizien. Rubinstein überlebtweil ihn der Wehrmachtsoffizier Kurt Werner schütz und ihn 1942 als Zwangsarbeiter nach Berlin bringt. In seiner Trauer übeden Tod Marias lässer Sylvin ,,Imperiou und ,,Dolores" Maria Rubinstein zu einem Menschen werden. Rubinstein tanzt nun auch als Flamenco-Tänzeri ,,DoloresU verkleidet auf den deutschen Varietbbühneder Nachkriegszeit weiter. Heute lebt er zurückgezogein Hamburg, St. Pauli. Der Schmerz übeden Verlust der Schwester ist unveandert großUm Maria nah zu sein, schlŸpf er täglic in üppig Rüschenkleide und tanzt Flamenco. Jede Nacht besucht sie ihn im Traum, jede Nacht quäle ihn Zerrbilder vom Warschauer Ghetto. Der 88-jährig Rubinstein hat sich den oft belastenden Fragen des Autors übeWochen hinweg ausgesetzt. Kono Kruse hat mit Hilfe von Archivrecherchen, Reisen und Literatur die Anekdoten, Namen, Orte und Gesichter verortet und ergänztDabei ging es ihm ,,nicht um Beweisführungensondern um eine historische Einordnung des Subjektiven". Obwohl die Biographie kein Beitrag zur aktuellen Holocaust-Debatte sein soll und es auch nicht ist, liefert sie trotzdem einen Zugang zur Geschichte des Holocaust, der darübehinaus unkonventionell ist. Kruses Buch sticht nicht nur hervor, weil er einer der wenigen Autoren ist, die Kultur als Aufhängegew3hlt haben, um das Trauma des Holocaust zu beschreiben. Die Biographie ist nicht klassisch in dem Sinne, dass ihr Aufbau durch die Zeiteinteilung des Lebens chronologisiert wird. Die Erzählunge des alten Tänzersdie ständi zwischen Gegenwart und Vergangenheit pendeln, bestimmen den Rhythmus des Buches, reiße in den Strudel seines Lebens hinein. Rubinstein erzählt nicht Kruse. Kruse lenkt den Strom der Geschichten und steuert den Fokus auf die unzählige Kleinigkeiten, ohne in Detailverliebtheit und Banalitäabzugleiten. Als historische Quelle ist die Biographie problematisch. Zeit, Trauer und Wunschvorstellungen haben die Erinnerungen Rubinsteins zu einer Mischung aus Fiktion H und Realitäheranreifen lassen. nw

JP~ April 200 1 UnAufgefordert


Metropolen in . M i r Wolfurter"

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- ein Blick nach Alemannien

neuen Dorfplatz - in Rot. Warum der rot ist, weià eigentlich niemand - regiert werden wir schwarz-grünDas politische ,,Grün könne wir uns heute deshalb leisten, weil man das biologische schon vor bald 30 Jahren großflà chig zugebaut hat. Aber intelligent! Wolfurt beherbergt nämlic den gröà ten GüterbahnhoWestösterreich und ist somit der Verkehrsknotenpunkt im Dreilandereck. Und dann hat sich aus einer ehemaligen Zahnradschmiede der heute größSeilbahn- und Sesselliftkonzern der Welt entwickelt. Die beiden bringen, neben anderen 328 Betrieben, natüriicauch ihre Steuern. Und mit dem Qeld wird gebaut. So sind wir jetzt erst kürzlic mit dem Dorferneuerungspreis der EU ausgezeichnet worden. Statt den Vorschläge einiger Planer zu folgen, die ins Dorfzentrum als einzig richtige Lösun ein Einkaufszentrum hinklotzen wollten, hat man sich fülockere Bebauung und Renovierung alter Häuseentschlossen - und füeinen roten Dorfplatz. Dort gibt es jetzt jede Woche einen Bauernmarkt mit allem, vom Schafspelz bis zum Ziegenkäse Zudem haben wir ein neues Haus füunsere gut 70 Vereine gebaut Das heißnicht =neuesVereinshaus", sondern ,,Cubus", weii'$%&&ner klingt Damit saugen wir jetzt erfolgreich anderen S&&m Land dieVeranstaltungen ab, wie 2.6. Maturabälle Konzerte uad~o-weiter.Sogar die Misterwahl war schon einmal bei uns. Und m n ' s in der Landeshauptstadt nix mehr zu trinken gibt, kommt man sicher noch im Wolfurter ,,Number One" zu einem Bier. Jaja Nix Provinz, Urbanitätmeine Lieben. M mh

Wolfurt nur du alleine sollst meine Heimat sein bei Tag und Nacht hey! Wir sind Provinz, zweifellos. Sechs Kilometer vom Bodensee und der Landeshauptstadt Bregenz entfernt, an der Ostseite des Rheintals liegen wir, am Fuà der ansteigenden Berge. ,,Wiru ist Wolfurt, ein Dorf m i t knapp 8.000 Einwohnern. Wenn ich auf dem Dachboden meiner Großmutte stehe, sehe ich nach Deutschland, genauer nach Lindau und Friedrichshafen. Die Schweizer Berge sehe ich sowieso. Wolfurt ist Vorarlberg und damit Österreich Wir sind Provinz, wie gesagt, aber Provinz as Provinz can. So gab's bei uns mal zwei Burgen, das heißeine Burg und ein SchlW, das kann nicht jedes dahergelaufene 8.000 Einwohner-Kaff von sich behaupten. Apropos Kaff: Der Name ,,Wolfurt" taucht erstmals 1219 in einer Urkunde auf. Er kommt von ,,wohle Furtu, also sbviel wie ,,gute Furt", ein guter Übecganübeeinen Fluss, in unserem Fall die Bregenzer Ache, den zweitgr6ßte Fluss Vorarlbergs. Wir haben also durchaus Geschichte. Und heute sind wir mit rund 8.000 Einwohnern Marktgemeinde und zähle zu den größt Gemeinden des Landes. Doch zurüczu den Burgen. Von jener einst stolzen Raubritterburg Kojen stehen zwar nur mehr zu erahnende Grundmauern. Das Schloss steht aber heute noch und wird bewohnt von Frau Schindler. Sie ist 75 mit dem sie und kauft alle paar Jahre einen neuen,&r+, dann durch den Ort kurvt."Und Frau Schinder in ihrem Porsche sieht überhaupnicht provinziell aus! Damit wir uns selbst besser unterscheiden kbnen, kategorisieren wir uns nach Herkunftsvierteln. Um sich im Dorfleben zurecht zu finden, sollten mindestens drei MenschensctÈrSg unterschieden werden: ,,Rickabacherw (die Leute, die um den Rickenbach wohnen, den Bach selbst hat man sction vor Jahren gut verstaut), .Dörfler (Bewohner von WolfurtDowntown, ungefäh zwischen Kirche und ~ a u ~ t s c h u l und e ) ,,Ächler (Bewohner des Viertels an der Bregenzer Ache - dem, wir erinnern uns, zweitgrößt Fluss Vorarlbergs). Wer jetzt nun ,,Ächler oder "Rickabacher" ist, wird am klarsten am ersten Sonntag nach Aschermittwoch, dem ,Funkensonntagn. Da stellen wir, wie alle Vorarlberger, irgendwo im Dorf einen Scheiterhaufen auf, setzen eine Hexe auf die Spitze, verbrennen das ganze Zeug und essen ,,Funkaküachle(Funkenküchlein),,Schübling (Bockwurst), und saufen Bier und GlühweinWeil jetzt aber nun ein Funken fü8.000 Leute eindeutig zuwenig ist, gibt es zwei eben den Ächle und den Rickabacher, den einen am Samstag, den anderen am Sonntag. Ist jemand auf beiden Funken anzutreffen, gilt er schon beinahe als Kosmopolit. Auch musikalisch könne Dörfleund Rickabacher unterschieden werden - so singt jeder sein eigenes Neujahrslied (aus der Dörfle Version stammt die Unterüberschrift) Seit ein paar Jahren haben wir einen

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Nun fühlsich der - statistisch gesehen - durchschnittliche Leser einer Studentenzeitung angesprochen: Denn er langweilt sich gerade. Sitzt in einem Seminar, gähnt ritzt Parolen in den Tisch, schnippst Papierkugeln auf den Professor, gähn wieder und findet dann - endlich - beim Suchen einer Butterstulle von letzter Woche: diese Zeitung. Blättersie durch. Alles langweilig. Statistisch gesehen Übersteig eine Kolumne dieser Läng die Aufnahmekapazitä des gelangweilten Stu- denten um 400 Prozent. Statistik ist langweilig. Aber wenn sie stimmt, dann empfehle ich, nach Lesen dieses Satzes diese Seite aus dem Heft zu reißen sie zu einem Röhrche zu rollen und dieses heimlich unter dem Tisch zu rauchen. Das ist zwar sinnlos, vertreibt aber die Langeweile. ,Spiel doch m i t Barbiepuppen!" hat meine Mutter mir frühegeraten, wenn ich den altbewährte Satz ,,mir ist so langweilig" herauskramte und mir dabei die Löck chen drehte. Barbiepuppen sind langweilig. - Dann lies was. - Keine Lust. - Dann höeine Kassette. - Mal was. - Knete eine Figur. Schreib einen Brief. - Klau alten Damen die Krücken- Frag Papa! M i t penetrantem ,,Keine Lust." und weiteren Langeweilsbekundungen verstand ich schon frühden Erwachsenen alles zu entlocken, was die Welt so anbietet und mir auf diese Weise - sehr elegant - die Langeweile zu vertreiben. Noch lange bin ich nach mütterli cher Strategie vorgegangen, wenn mich die Langeweile überkam

Katechismus des Studenten, Folge XVII noch lange ging ich diese Unterhaltungsliste der Welt durch, vervollständigt sie hier und da, probte die Liste nach Einnahmeverschiedenster bewusstseinserweiternder Drogen noch einmal durch,spielte mit Barbiepuppen, las, horte Kassetten, malte,

Uber die Langeweile knetete und klaute alten Damen die Krückenin allen Varianten. Und langweilte mich noch immer. Wer schlau ist wie Ernst Jüngerder setzt sich, von Langeweile geplagt, an einen Tisch und schreibt: ,,Langeweile ist die Auflösun des Schmerzes in die Zeit", vergießnoch eine Träneund schon ist sie weg, die Langeweile. Und wär Kierkegaard meine Mutter qewesen, so würdich heute gar Fliegen mit Nussschalen fangen. Nur leider: dazu habe ich keine Lust, denn ich langweile mich ja. Und das bedeutet nun einmal: der Unterhaltungsliste der Welt überdrüsszu sein. Und je längesie wird, dieseverfluchte Liste, desto weniger Lust habe ich, sie anzusehen. Urlaub! so dachte ich vor ein paar Wochen, wird sie vertreiben, die Langeweile. Ich hatte Bilder im Kopf von ichweißnichtmehrdenn im Nachhinein verpuffen die Klischees, werden nicht einmal wirklich enttäuschtsie sind nicht mehr da. Je mehr einer reist, desto mehr Bilder löse sich auf, und er erkennt die Ödni der Welt, besser: dass es uberall gleich ist, noch besser: dass er sich selbst uberall mithingeschleppt hat. Nun sitze ich mit mir selber in Rom. Und alle Versuche, mich in Berlin zu lassen, sind gescheitert. Der Langeweile, so denkt man, könn man entfliehen: Ortswechsel, Szenewechsel, Fernsehzapping. Doch die Langeweile ist ein Parasit im Darm, den man uberall mitschleppt: Hatte man in Berlin Durchfall, so rennt man auch in Rom zum Klo. Und man kann froh sein, wenn man es noch rechtzeitig schafft. aw

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Den ISIC gibbeim RefRat der Humboldt-Universität


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und Termine

Ringvorlesungenl Vortragsreihen Universitätsvorlesunge und RingvarIesungen standen bis zum b&kion$schluss nicht vollständ M. Informationen ab Vorksung$beginn i m Veranstaltungskalender der HU: www.hu-berlin.de

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~ e s ~ d c h s k r eGeschichte is der Berliner Unimtttiten Hauptgebtiude, Raum 3120b Mittwochs d6:OO Uhr 18. April Furchtbare Medizin? NSForschung gegen Menschlichkeit Berliner Studien zum Jiidischen Recht Referent: Prof. Dr. Siegfried Prokop vergleichendeszur vordef~siatlschcn,jü lnformtionm: Pref. Dr. Roland Köhler J d i s s h ~und römische Rethtsgexhichte 296 14 50 Referent: Prof, Dr. Reuven Yarm, Israel 23, Mai Veranstalter: Juristische Fakult3t Thema: Die nationale Problematik in der Unter den Linden 9 Sowjetunion - in der postsowjetischen ab 17. April Historiographi~ 1O:W bis 12:W Uhr in Raum 435 Refrrefit: Prof. Dr* Horst Schiitztcr T4:Oà bis 16:OO Uhr in Raum 210 Hauptqebäude Raum.312fJb .Informationen: Prof. Dr. Ben6hr: 209333791-351 5

Auswahl an Universit3tsvorlesungen an der Freien Universitä Berlin. Weiteres unter: www.fu-berlin.de/w/allg/ ab 17. April Der Protestantismus - Ideologie, Konfession oder Kultur? Habelwhwerdter Allee 45, Hörsaa2 Dienstags, 18100 bis 2O:OO Uhr ab 19. April Kunst als Strafe - Zur Ästheti der Disziplinierung Institut füTheaterwissenschaft Grunewaldstr. 35, Berlin-Steglitz Donnerstags, 18:OO bis 20:OO Uhr

Vortt@ge1 Diskussion, Kong~sse 22. April Tee-Kurs Mori Ogai Gedenkstätt Luisenstraß39 12:OO Uhr Infos: 394 68 42

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20. 22. April Seminarwochenende zu Studienstrukturen, Wissenschaftskritik und zum Landeshochschulgesetz, Veranstaltet vom RefRat der HU Berlin

und dem fzs. Interessierte k6nnen sich beim Referat füHochschulpolitik informieren: 2093-261 41-2603

~tgebäudeSenatssaal hr lnfos: 2093-3301

26. April Antrittsvorlesung von Prof. Wandtke Copyright und virtueller Markt in der lnformationsgesellschaft oder das Verschwinden des Urhebers im Nebel der Postmoderne Veranstalter: Juristische Fakultä

3. Mai Vortragsreihe: Berufsfelder füHistoriker, Philosophen, Ethnologen und Bibliothekswissenschaftler, Thema: Politik in E- und Öffentlichkeitsarbei HauptgebäudeRaum: HS 3059 18:OO Uhr

... studentische Mitglieder rur die Kommission Lehre und Studium des Akademischen !Senats. Die Kommission füLehre und Studium (LSK) ist eine stän dige Kommission des AkademTschen Senats. Sie beräihn bei der Einrichtung bzw. Aufhebung von Studiengänge und beschließtibef Studien- und Prüfungsordnungen Darübehinaus befasst sie sich mit alle^ grundGtz1ichen und fächerübergreifendFragen von Lehre und Studium. So diskutiert sie zentrale Elemente gegenwartiger Studienreformbemühungeund begleitet die Evaiuation von Studiengangen. Die Zusammensetzung der LSK ist im Vergleich zu sonst ÜMicheprofessoralen Mehrheiten eine ganz besondere: Hier stellen die Studierenden die Hälft der 16 Mitglieder. Damit ist die LSK sowohl von ihren Aufgabengebieten als auch von der Besetzung ein idealer Ort füuns Studierende, unser Studium an dieser Universitämitzugestalten.

ulrike.hartmann@rz.hu-berlin.de nico.czinczoll@rz.~u-berlin'de

April 200 1 UnAufg&mderi


Tipps und Term 3. Mai Mosse-Lectures . Thema: Das Unbewusste der Archive Referent: Boris Groys, Professor fü Kunstwissenschaft, Hochschule füGestaltung Karlsruhe Mosse-Zentrum SchützenstraÃ25, Raum: Atrium 19:OO Uhr Infos: 20196-7771-651

Einstein-Forum: 8. Mai Immigration and Nation-Building Yael Tamir, Professorin der Philosophie, Te1 Aviv University und ehem. Einwanderungsministerin des Staates lsrael, im Gespräc mit Werner Schiffauer Professor füVergleichende Kultur- und Sozialanthropologie, FrankfurtIOder Haus der Kulturen der Welt Infos: 0331-27 17 80

22. Mai Blickwechsel - Perspektiven der Wissenschaft: Wissenschaftsgeschichte Silvan Schweber, Professor of Physics. Brandeis univkrsity, Waltham, Ma. JürgeRenn, Direktor am Max-PlanckInstitut füWissenschaftsgeschichte, Berlin, Gesprächsleitung Prof. Dr. Gerhard Ertl, Berlin. lm Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek, Potsdamer Str. 33, 19:OO Uhr

Ausstellungen, Konzerte: 9. Mär bis 6. Mai ,,Translated Acts" - Körper und Performance-Kunst aus Ostasien In Zusammenarbeit m i t dem Queens Museum of Art, New York Haus der Kulturen der Welt John-Foster-Dulles-Allee I 0 10557 Berlin Tel.: 39 78 71 75 Di - So 1l:OO bis 19:OO Uhr www.h kw.de

sentieren ihre Werke Ausstellungsorte: Kunst-Werke Berlin, Postfuhramt Einige Projekte werden im öffentliche Raum stattfinden. Parallel zur Ausstellung gibt es an den Wochenenden ein Rahmenprogramm mit Filmvorführunge und Diskussionen Auguststraß 69 10117 Berlin Tel.: 284450-441-58 www.berlinbiennale.de

5. April uSymphonie aus der wilden Welt" Claas WillekeIDaniel Cordes Theater am Halleschen Ufer Berlin Hallesches Ufer 32 10963 Berlin 20:OO Uhr info@thub.de

3. Mai ,,MoMA von DSchnebeI Farbe, Form, Figur - Musik im Dialog Regie: Christian Kesten Kammerensemble Neue Musik Konzerthaus Berlin, Kleiner Saal 20:OO Uhr

20. April - 20. Juni 2. Berlin Bienn?lefüZeitgenössischKunst Übe40 Künstleaus 28 Länder prä

ab 13. Mai ,,Europas Mitte um 1000" Eine Deutsch-Polnisch-Slowakisch-Tsche-

Sozial kmnpetent in die Praxis

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Ein Trainhgsprogmmm filr den \ erfol@qichenBewfdnstieg. mim im ~ommersemester2OOf

UnAuf~efordertApril 200 1

chisch-Ungarische Wanderausstellung Martin-Gropius-Bau Stresemannstraß 110 10963 Berlin Tel. 030 - 2548 61 I 1 www.em 1OOO.de Di-Fr, So 1O:OO bis 20:W Uhr, Sa 1O:OO bis 22:OOUhr 15. Mai Schwartzsche Villa: ,,Zeitgenössisch Kammermusik" Kompositionen von Alfred Goodman, Holger MünzerErich Fried, Ud0 Agnesens Info: 801 21 05 eMail: privat@kultur-netz.de www.kultur-netz.de/zeitgenoessischekammermusi k

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+ Hausarbeit + Abschlussarbeit + Dissertation + Korrekturlesen+ Layout + Lektorat + Prüfungsvorbereitun-

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Film, Theatec Lesungen Historikerkino an der FU Berlin: Immer donnerstags in der Koserstraß 20, U-Bhf. Podbielskiallee, Informationen unter www.fu-berlin.de/fmi/fsi/kino.html 19. April Filmreihe Topographie der Macht MAviatricenn(1999) - Die Stars der Stalinschen Luftfahrt Ein Film von Regine ~ " h nund Eduard Schreiber Brecht-Haus Chausseestr.125 2O:OO Uhr 20. April Film: "Sansibar oder der letzte Grund" Regie: Bernhard Wicki Drehbuch: Wolfgang Kirchner . Brecht-Haus Chausseestr.125 20:OO Uhr 20., 27. April, 5. Mai 3 Lesuogen zum literarischen Expressionismus vorgetragen von Veit Stiller und Henrik Andersen Themen: ,,...der Städt Schultern knak-

ken..."- Leben im Berlin der expressionistischen Autoren "Welt, wie du taumelst" - Krieg und Expressionismus "Faszination des Abnormalen 1 des Wahnsinns" Kunst- Et Kulturzentrum Brotfabrik Prenzlauer Promenade 3 13086 Berlin Tel.: 471 40-011-02 Jeweils 21 :OO Uhr

. 1. bis 24. Mai 38. Theatertreffen Berlin Veranstaltungsorte: Berliner Ensemble, Volksbühneu.a. Es werden neue Theatertexte in Urle. sungen vorgestellt. Karten: 2548-9100 www.berlinerfestspiele.de 7. Mai Jour Fixe der Freien Volksbühne.V. Gesprächmit Gäste von Berliner Büh nen Coupk-Theater Hohenzollerndamm T77 10713 Bertin Tel: 864 130 63 19~30Uhr

Da ist er, der April, und schon gleicht dii geamke Mtselredaktion dem allgemein verrufenen iiberAprilwetter. Dii R#i%lpreimedabteilung wurde von schwerwiegender Frühjahrsmüdigk wältigt die MlselpreisbcschaffingsabteftungWindet sich dagegen noch immer im tiefsten Winterschi$f. T@, und der q e f , der weiJt h Siiden das $ernster sei hart gewesen und so... Nun.liegen s?&Rä~lpreiwemndabteilun und fiätselpreisbachafifigmbteilun in den Haaren, weil sie nkht kl8ren Mnnen, ob denn jemand den letzten Rätselp~iqewinner den ihnen z u g W t e n RStseIpreis g e s c K i hat. Der Kitselkonstruktionsabteilung bleibt nichts weiter übrigals darauf zu hofTen, daà die milden Frühlings: lüftden Zank davon wehen werden, und so widmet sit sich in stiller Erwartung des Frühlingsdes Friedens und des Chefs einer neuen R3tselkonstruktion. Gesucht werden &griffe mit jeweils fiinf Buchstaben, die im Zahlenfeld beginnend im Uhrzeigersinn verlaufen. Das L6sungswort findet sich im Kreis in der Mitte, und damit geht's beschwingt in den April.

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1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.

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leise ein wenig verknoten, Violas großeBruder, sportlich in die Knie gehen, die den Sauerstoff zum Leben nöti haben, nennt man so, mit den Zug im.Keller, lautstarke 0egleiterscheinung ÜberhijhteFluggeschwindigkeit, klingt fast so wie LGge, dieses Lob, neben dem Land eines der Erkwntnisobjekte d s wiobegierigen Reisenden.

L&sung aus unhf llk: 1. Disput, 2. H8sW 3. Storno, 4. Glorie, 5. Aether, C i Methan, 7. Etalon, 8. Kralle, 9. allein, 10. ~ e t e n Li3sungswort: i~ Sparthalle

April 2001 U n A u f W r d e r t


Zum Rettungsring Nr. 10 Liebe Rettungsring-Redaktion, als ich im vergangenen Oktober mit meinem Studium begonnen habe, fühltich mich wie eine Maus in einer Elefantenherde. Wenn ich beim Suchen der Räum etwas längebrauchte und entsprechend langsamer lief, wurde hinter mir gleich gestöhnt Wenn ich in Seminaren Altsemestler zu bestimmten Dingen befragte, wurde ich manchmal verständnislo angeschaut und bekam unbefriedigende Antworten. Da bekam ich den Rettungsring in die Hand und las Seite drei. Die Welt sah plötzlic anders aus. Ich fuhlte mich nun auch zugehöri und verstanden. Es war erleichternd zu wissen, dass es auch allen anderen so ging wie mir. Mein Auftreten in der Uni war nun selbstbewusster und mein Schlaf wieder ruhiger! Vielen, vielen Dank füdie lieben und aufbauenden Worte, Eure Diana

,,voll scheiße"Ich fühlt mir ihr. Küchenmeisteri Roswitha, jetzt an der FHTW, suchte ich auf, traf sie aber frü 7h nicht an. Dichterpech. H.

Zu ,,Rechter Geist in Jena", UnAuf 117

Auf die infamen Behauptungen in dem Artikel möcht ich nicht weiter eingehen, der Beitrag entlarvt sich selbst als Machwerk. In der Sache sind mir allerdings zwei Bemerkungen wichtig: Die UniversitäJena befasst sich, seitdem dies mit dem Fall der Mauer überhaupmöglic ist, mit der historisch-wissenschaftlichen Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte, insbesondere auch der des sogena'nnten ,,Dritten Reiches'' und der SED-Diktatur. Die Aufklärun des Falls ,,Jussuf lbrahim" geschah auf eigene Initiative, wenngleich in der Schlussphase mit erheblicher öffentliche Anteilnahme. Die Friedrich-Schiller-Universitä hat damit einen nicht unmaßgebliche Beitrag zur fundierten Aufarbeitung von Euthanasie-Verbrechen und der Verstrickung deutscher Hochschullehrer geleistet. Sicher bedarf dieses Thema auch anZur UnAuf 117 allgemein: dernorts noch gründlicheAufklärung ein jeder kehre vor seiner eigenen Haustür Liebe Liebesbriefredakteurin, am Sonnabend muà ich die neue UnAuf-Ausgabe übersehe Der Streit um den Honorarprofessor GünteZehm hat damit nichts zu tun. Indes empfinden wir es als Ausdruck eines freihaben. Ein Lapsus, ich bekenne es. So fand ich sie dann erst heitlich-demokratischen Selbstverständnissesdas Grundrecht am Montag zu früheStunde und leider kommt meine Antwort auf Ihre Zeilen zur Redaktionssitzung nicht mehr zuauf freie Meinungsäußeru auch derjenigen zu schützendie mit ihren Auffassungen am Rande des legitimen Spektrums recht. Währen der U-Bahnfahrt danach habe ich als treuer rangieren, jedoch damit nicht gültigGesetze verletzen oder Leser, soweit die Zeit reichte, einige Seiten durchbuchstabiert. gegen die Verfassung verstoßenFüdiese Grundrechte setzen Bis zur Stunde hat der Wechsel zu WiWi nicht genervt. Schon sich in Jena alle Hochschulangehörige - Studenten und Profrüum 8 nahrhafte Atzung, und Weine sind immer am Trefessoren - ein, denen zwar inhaltlich die Äußerung Herrn sen. Ein Prosit. Zehms zuwider sind, die jedoch genügen DifferenzierungsErquickliche und gelehrsame Semesterferien! Helmut Schinkel vermöge besitzen, um oberflächlich - und letztlich demokratiefeindliche Diffarnierungskampagnen abzulehnen. Hingegen ist eine inhaltliche, intellektuelle Auseinandersetzung mit Liebe Liebesbriefredakteurin, den Thesen Herrn Zehms unerlässlich ein Nachtrag, ein Abgesang auf die Professorenmensa. KellneWolfgang Hirsch, Pressesprecher der UniversitäJena rin Marion schrieb mir, Adlershof, wohin man sie abschob, sei

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U n A u f g e f o r d e r t April 2001

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Hallo liebe UnAufgefordert-Redaktion, in eurer Njuhs-Rubrik äuBersich jot übeGunter Zehm und die Friedrich-Schiller-Universität Nach meinen Beobachtungen trifft er hier ein vorschnelles Urteil, dass zum Teil auf falschen Behauptungen beruht. Zunächszu Professor Zehm: Zehm wurde nachweislich nicht von der BRD freigekauft. Zehm floh vor dem Mauerbau übeBerlin in den Westen. Zehm hat nicht seit 1990, sondern erst seit 1993 eine Honorarprofessur i n Jena. Schwerwiegender als Zehms Kolumnistentätigkei füdie Junge Freiheit, eine Fortsetzung seiner Arbeit bei WELT und Rheinischem Merkur, wiegt m.E. die Mitarbeit an einer ,,Festschriftn füDavid Irving, aus dem rechtsextremen Arndt-Verlag. Diese wird bei jot jedoch nicht einmal erwähnt Zur FSU: Ich sehe keine Hinweise dafürdass die FSU eine rechte Hochburg ist. Im Studentenrat sind keine ausgewiesenen Rechtsextremen vertreten, in diesem StuRa sind von 26 Sitzen 7 an den RCDS oder RCDS-nahe Personen vergeben, 3 Sitze gehen an die Antifaschistische Hochschulgruppe. Der RCDS fiel bei uns bisher nicht durch politische oder gar rechtsextreme Äußerung in den Sitzungen auf. Ein Antrag zur Unterstützun einer Zehm-Informationsveranstaltung der AntiFaHG wurde m i t den Stimmen von RCDS-Mitgliedern beschlossen. Die Universitätsleitun hat im Fall Ibrahim im Gegensatz zum Stadtrat Jena nicht erst nach massivem Druck von au§e gehandelt, sondern bereits 1992 durch einen Senatsbeschluss klargestellt, dass eine Ehrendoktorwürdmit dem Tod des Geehrten, so auch bei Ibrahim, erlischt. Als das

Thema Ibrahim und die Benennung der Kinderklinik in die Diskussion kam, hat die FSU eine Untersuchungskommission eingesetzt, die eindeutig feststellte; dass Ibrahim nicht irgendwie in die Euthanasieverbrechen verstrickt war, sondern Kinder wissentlich zur Tötun nach Stadtroda überwiesehat. Unmittelbare Folge des Untersuchungsberichts war, dass der Namenszusatz Jussuf Ibrahim an der Kinderklinik der Universitäersatzlos gestrichen wurde. Eine Geschichtskommission arbeitet derzeit die gesamte Universitätsgeschicht auf. Bis 2008 soll ein Abschlussbericht vorliegen, wir dürfeauf weitere unschön Ergebnisse gefasst sein. Die Uni-Leitung hat das Problem, dass Zehm zwischen seiner Kolumnisten- und Lehrtätigkeieine strikte Trennung einhältRechtsextreme Äu ßerunge an der FSU sind von Zehm nicht bekannt. Jena im Südostezu sehen, ist geographisch gewagt. Grundsätzlich Rechtsextremes Potential ist an der FSU durchaus vorhanden. (...) Ein Vorfall aus einem Geschichte-Proseminar ist mir ebenfalls bekannt. (...) Dem müssewir ins Auge sehen und entgegentreten. Hierfüist Information notwendig. Im Fall Zehm erfordert diese Information aufwendige Recherchen. Eine Rückfragbei uns hätt zumindest die ärgste Schwä chen des Beitrags verhindern könnenIn dieser Form dient er nur einer Radikal-Linken zur Selbstversicherung, dass Rechtsextremismus scheinbar keinen interessiert. ,,Informationen", die selbst einer vorsichtigen Überprüfunicht standhalten, werden von kaum jemandem ernst genommen. Mit kollegialen Grüße Oliver Potengowski

Impressum' UnAufgefordert Die Studentinnen- und Studentenzeitung der Humboldt-Uni. Erstmals erschienen am 17. November 1989 Herausgeberin: Studentlnnenparlament der HU Verantwortliche Redakteure fiir diese Ausgabe: Hark Machnik (hm), Martina Stüt(mast), Nadja Willner (nw), Alexander Florin (afl. Redaktion: Janina Thiel (aal), Andreas Stirn (ast), Annika Waldbaus (aw), Barbara Braun (bb), Björ Stumpe (bj), Manfred Zeller (bob), Christine Holbach (ch), Caroline Wimmer (cw), Denise Klink (dk), Dorothee Luke (do), Frank Lehmann (fl), Jenny Schlüte (jes), Beatrix Altmann (ix), Johannes Freund (jofl, Jens Schley (jot), Jan Sternberg (jps), Kirsten Matthes (kma), Boris Kruse (kru), Martin Hartmann (mh), Carmen Mayer (may), Nena Heydenreich (nh), Rene Kabelitz (okk), Martin Raasch (raa), Julia Roth (ro), Solomom Bergen-Bartel (sbb), Steffi Hensel (sh), Franziska Weber (sie), Steffen Vogel (SV),Tim Blöth (tim), Oliver Tripp (trp), Ulfert Köppe (uk), Wolfram Baier (wb), Xenia Dudek (xen). Verantwortlich fiir Anzeigen: Frank Lehmann, Jens Schley

Kürzedürfenur von Redaktionsmitgliedern verwendet werden. Alle Artikel geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. . Kontakt: Humboldt-Universitä zu Berlin Unter den Linden 6, 10099 Berlin HauptgebäudRaum 3022 Tel.: 2093-2288, Fax: 2093-2754 E-Mail: unaufgefordert@student.hu-berlin.de öffentlich Redaktionssitzungen: montags um 18.00 Uhr im Raum 3022 Belichtung: Medienraum des RefRat Druck: FATA MORGANA Verlag, Brunnenstr. 181, 10119 Berlin gedruckt auf ~ e c ~ c l i n ~ p a pi ime rTrockenoffsetverfahren, Auflage: 5.000 Füalle Fakten besteht das Recht auf Gegendarstellung in angemessenem Umfang. Nachdruck nach vorheriger Nachfrage möglichWir bitten um Quellenangabe und Belegexemplar. Die Redaktion behälsich vor, Leserinnenund Leserbriefe gekürzzu veröffentlichen

Titel: Martin Raasch (raa) Satz und: Marco Rahn (maat) Illustration: Ralph Hauser, Markus Witzel

Redaktionsschluss dieser Ausgabe:.26. Mär 2001 Redaktionsschluss der Nr. 120: 7. M a i 2001 UnAufgefordert Nr. 119 erscheint am 17. April 2001.

April 200 1 U n A u f g e f e r d e r t


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Informationstag Samstag, 12. Mai, 1l:OO-16:OO Hegelplak II Eingang Dorotheenstraß (hinter Humboldt-Hauptgebäude

UnAufgefordert Nr. 119  

Das ist Ausgabe Nummer 119 der Studentenzeitung der Humboldt-Universität zu Berlin vom 17. April 2001.