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Ausgabe 04/2011 . 16. Jahrgang . ¤ 6.90

Special: Schuhstyles im Wandel Zukunftsanalyse: Trends – Brands – Heads Velosophie Cycle Chic in Amsterdam, Kopenhagen und Vancouver Die Dynamik von Capsule Kollektionen Umsatzbringer oder Umsatzkiller? Nachhaltigkeit im Ladenbau Ideen für ein umweltfreundliches Interieur Coverdesign by Mike Kershnar


www.pepejeans.com


Editorial

Nach der Show ist vor der Show Schön, dass es in Deutschland wieder eine derart attraktive Modehauptstadt gibt. In Berlin war so viel los, dass man sich am liebsten geklont hätte, um alles zu sehen. Jetzt gilt es, die vielen Ideen umzusetzen.

F

arben, Schnitte, Materialien: Die Grundessenzen jeder guten Kollektion sind so vielfältig wie schon lange nicht mehr. Knalltöne sind eines der Schwergewichte in dieser Saison. Damit der Überblick leichter fällt, haben wir die wichtigen Trends der Messen ab Seite 48 zusammengestellt. Die Vielfalt gilt nicht nur für Mode, sondern auch für das passende Schuhwerk. Hier hat sich in den vergangenen Saisons eine Menge getan. Grund genug, sich des Themas in einem Special anzunehmen. Wie sich die Schuhstyles gewandelt haben, erfahren Sie ab Seite 20. Nicht nur im Design, auch in der Produktion gibt es ein Umdenken: Weshalb die Berlinerin Julia Schumacher Sneakers von Hand fertigt, lesen Sie ab Seite 34. Darüber hinaus sind uns einige Kuriositäten in der Branche aufgefallen: So tun sich Modemarken mit Wasserherstellern zusammen, um eine Kollektion herauszubringen. Was ihnen das in Sachen Image bringt, bleibt wohl ihr Geheimnis. Mehr darüber ab Seite 28. Prestigeobjekt für Großstädter sind nicht mehr länger Autos, sondern Mobiltelefone oder Fahrräder. Wir warten noch auf die funktionale Kollektion, mit der man richtig gut auf dem Bike aussieht. Bis es so weit ist, trösten wir uns mit den attraktivsten Bike-Geschichten der Welt, die unsere Korrespondenten in Kopenhagen, Amsterdam und Vancouver für Sie zusammengetragen haben (ab Seite 66). Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Ihnen Ihr x-ray Team

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Auf dem Cover

Lebe deine Fantasie

Mike Kershnar ist Künstler und Profiskateboarder. Er fährt für Element Skateboards, designt Rock Poster für die Beastie Boys und T-Shirts für Shepard Fairey. Sein großes Vorbild ist Skatelegende Ed Templeton. x-ray hatte dieses Mal die Ehre ein Cover von ihm gestaltet zu bekommen. Sein sakraler Malstil, der stets Motive aus der Natur zeigt, hat uns besonders fasziniert. Ein echter Naturbursche der Mann und zudem noch verdammt cool. Warum er so gerne Kolibris zeichnet und wie eine Kershnar-Modelinie aussehen würde erfahren Sie auf Seite 36. Vielen Dank Mike für das tolle Cover!


inhalt

inhalt

08 14 so läuft’s 20 25 26 28 32 34 Lass uns reden 36 39 40 MODE 42 48 60 fahr mal hin 66 vor ort 78 80 84 86 87 88

Editorial Jetzt Recht angezogen Special: Schuhstyles im Wandel Und ihr heißt so, weil …? Skurrile Markennamen und die Story dahinter Angetreten! Schuh-Brand Special One to Rock, One to Stock? Hat sich die Mode im limitierten Dickicht verkapselt? Deins gegen Meins Alternative Shoppingevents Reine Sneakerskunst Handgefertigte Sneakers von Snique aus Berlin Lebe deine Fantasie Coverinterview mit Mike Kershnar Hip und 100 Prozent biologisch abbaubar Interview: Oat Shoes „Eine Bereinigung im Markt ist immer gut“ Interview mit Willy Umland von Converse Finden wir gut Trends Frühjahr/Sommer 2012 Cars for Sole Fashion Report Velosophie Fahrradkultur in Vancouver, Amsterdam und Kopenhagen Retailnews Galerie Nachhaltigkeit im Ladenbau Quadratisch, praktisch, gut Monsieur Dubois, Zürich Natürlich bizarr! Mr Mudd and Mr Gold, Stockholm Der Gute-Laune-Kick Strawberry, Berlin Red Light Skateshop Tom’s Skateshop, Amsterdam

90 Und dann wäre da noch. Impressum

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THE RIGHT TO GET DOWN


JETZT Text Isabel Faiss, Claudia Janka, Ina Köhler, Nicolette Scharpenberg Fotos Hersteller

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02 Bench Erinnerungsfotos

Tommy Hilfiger/G. H. Bass & Co Amerikanisches Co-Working

Gemeinsam mit der traditionsreichen amerikanischen Schuhmarke G. H. Bass & Co präsentiert die Tommy Hilfiger Group eine limitierte Schuhkollektion. Zentrales Produkt sind die Penny Loafer Weejuns – die wohl bekanntesten Preppy-Schuhe Amerikas. Damit vereinen sich zwei der wichtigsten amerikanischen Marken (beide gehören zur Philips-Van Heusen Corporation) für eine Schuhsonderedition, die eine klassische Auswahl an Herrenund Damenschuhen mit dezenten und doch überraschenden Tommy-Hilfiger-Styles bietet. Highlights sind unter anderem Nadelstreifen-Details, Kontrastnähte und die Verwendung von Materialien wie Ponyleder. Die limitierte Kollektion wird in Flagship-Stores sowie im Onlinestore von Tommy Hilfiger erhältlich sein. www.tommy.com, www.bassshoes.harborghb.com

Zu Ehren zweier großer Mode- und Musikevents – der Bread & Butter und des Musikfestivals Melt! in der Nähe von Dessau – hat das Streetwear-Label Bench ein innovatives Foto-Tool entwickelt, den Scene Converter. Besucher konnten sich per Greenbox in eine thematisch zur Veranstaltung passende Szenerie morphen lassen. Auf der Bread & Butter, die in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum feierte, stand dabei die historische Streetart-Technik „Burning“ im Vordergrund – dabei werden Graffitis in den Asphalt gebrannt. In der Greenbox konnte man sich mit einem speziellen Bike dazu in Szene setzen. Das Foto wurde sofort als Ausdruck ausgehändigt und konnte zusätzlich mit einem Code auf der Facebook-Seite von Bench/ Germany abgerufen werden. www.bench.co.uk 03 Meltin’Pot Zwischenlandung Berlin

Pünktlich zur Bread & Butter 2011 eröffnete ein Pop-up-Store der italienischen Jeansmarke Meltin’Pot in Berlin. Zwei Monate lang, von 6. Juli bis 6. September 2011, finden Besucher hier nicht nur Mode, sondern werden während ihres Einkaufs auch mit Musik und Installationen unterhalten und mit Snacks verköstigt. Die Idee dahinter: Kunden sollen Meltin’Pot-Luft atmen und Inspirationen sammeln. Der Store umfasst rund 110 Quadratmeter und steht im angesagten Stadtteil Mitte, in der Weinmeisterstraße 2. Öffnungszeiten: Mo. – Sa., 11 – 20 Uhr. www.meltinpot.com

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04 Tribeca New York Teamerweiterung

Das Premiumdenim-Label Tribeca New York hat sein Team umbesetzt.: Philip Bennecke, 42, hat als neuer Area Manager Süddeutschland und Österreich übernommen. Zuvor wurde das Gebiet von Thomas Schmoeger betreut. Bisher war Philip Bennecke unter anderem für die Marken Jaggy, Post & Co und North Sails tätig. Eine weitere Neuerung: Durch die Umstrukturierung wurde ein zusätzlicher Tribeca-Showroom auf dem Gelände in München eröffnet. www.tribeca-jeans.com


JETZT

05 Sixty sessions Mode goes music

Das italienische Modelabel Sixty Group geht on Air: mit dem eigenen Musik- und Radioformat Sixty Sessions. Die Musik bewegt sich zwischen Deep- und Techhouse, inhaltlich werden Musik, Lifestyle, Nightlife, Events und Clubs thematisiert. Präsentiert wird das trendorientierte Programm von dem bekannten DJ Steffen Baumann. Dieser entwickelte das Konzept zusammen mit Nico Hoffmeister, Head of Marketing & PR der Sixty Deutschland GmbH. Gesendet wird auf Radio sunshine live jeden Sonntag von 19 bis 20 Uhr und auf Ibiza Global Radio jeden Freitag von 23 Uhr bis Mitternacht. Den Sixty-Sound gibt es aber nicht nur live zu hören, eine eigene CD-Compilation-Reihe wurde bereits gestartet und seit Juni 2011 ist die dazugehörige kostenlose iPhone App im iTunes Store erhältlich. www.sixtysession.com

06 Scotch & Soda Eröffnung zur Messewoche

Am 5. Juli feierte die aus Amsterdam stammende Marke Scotch & Soda die Eröffnung eines neuen Stores direkt im Epizentrum der Mode- und Messewoche in Berlin, in der Münzstraße 14–16. Münzstraße 14–16. Die Wahl der neuen Location unweit des Hackeschen Markts fiel nicht zuletzt wegen der ansprechenden Nachbarschaft mit Image-Stores wie dem 14 oz, Adidas Originals, dem SOTO-Store und zahlreichen weiteren Denim-und Sportswear-Läden. Weltweit betreibt Scotch & Soda inzwischen über 30 eigene Stores. www.scotch-soda.com 07 O’Neill Spitze besetzt

Willem Haitink tritt am 1. September als neuer CEO der O’Neill Gruppe in Warmond an. Nach 16 Jahren, die er für Nike arbeitete, war der Niederländer zuletzt General Manager für Converse für den EMEA Raum. Der 48-jährige Willem Haitink löst Jan Valdmaa ab, der die Position seit zwei Jahren inne hatte. „Ich freue mich darauf, für eine Marke mit einer solchen Historie zu arbeiten“, so Haiting, der das globale Wachstum der Surf- und Lifestylemarke vorantreiben möchte. www.oneill.com

08 Guess See you, Maurice

Maurice Marciano, Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzender des Modelabels Guess gab am 20. Juni bekannt, dass er mit Ende des Wirtschaftsjahres, am 28. Januar 2012, als Geschäftsführer zurücktritt. Marciano wird allerdings weiterhin als Mitglied im Aufsichtsrat tätig sein. Darüber hinaus steht er dem Label beratend zur Seite. Das Label Guess wurde 1981 von Maurice Marciano und seinen Brüdern gegründet. Marciano fasst seine bisherige Zeit mit Guess so zusammen: „Heute ist Guess eine Lifestylemarke, die in 90 Ländern präsent ist. Ich bin stolz auf die Arbeit, die wir getan haben und auf unser starkes Managementteam.“ www.guess.com

09 Miosato Neuer Online showroom

Seit dem 1. Juni gibt es eine neue Onlinepräsentationsplattform für junge Talente und Modedesign Newcomer. Auf miosato.com werden die Kollektionen von Labels wie Antonia Goy aus Berlin, Shadowconnected aus New York oder Lemuria aus Bologna gezeigt und direkt zum Verkauf im dazugehörigen Onlineshop angeboten. Die Initiatoren Max Laemmle und Marc-Alexander Christ wählen dafür junge Talente persönlich aus, nehmen sie unter Vertrag und stellen deren komplette Kollektion online aus. Noch unbekannte Labels sollen dadurch die Chance bekommen, neben bereits etablierteren gefördert, aber auch gefordert zu werden. www.miosato.com

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Planet Sports Time for a change

11 Converse Verstärkung des Teams

12 Lee country Manager neu

Der Münchner Sportspezialist Planet Sports hat sein Team in den Bereichen Geschäftsführung und Marketing erweitert. Der 34-jährige Henner Schwarz, der früher bei der Puccini Group tätig war, wurde zum dritten Geschäftsführer ernannt. Er ist für die Bereiche IT, Logistik und Personal verantwortlich. Head of Marketing ist nun Sebastian Knebelkamp, dieser arbeitete davor bei Adidas als Senior Account Marketing Manager. „Wir wachsen so stark, dass wir Unterstützung gut gebrauchen können“, kommentiert Geschäftsführer Sven Horstmann die Erweiterung. Weitere Änderungen: Der Hauptsitz des Unternehmens ist in den Münchner Stadtteil Sendling umgezogen. Die Logistikabteilung wurde zum Dienstleister Docdata ausgelagert und auch das Logo wurde überarbeitet. www.planet-sports.de

Um in Zukunft die zahlreichen Segmente des Labels intensiver betreuen zu können, erweitert die globale Lifestylemarke Converse ihr Team. Die Verstärkung heißt Mike Schöne – er tritt in die Fußstapfen von René Harnischmacher als KeyAccount-Manager. Harnischmacher hat nun eine neue Position inne: Er ist Product & Line Manager der Kultmarke und wird als Bindeglied zwischen Marke und Handel agieren. „Um das weitere gesunde Wachstum in allen Produkt- und Vertriebskanälen optimal und koordiniert begleiten zu können, ist die neue Position des Product & Line Managers zwingend erforderlich geworden“, so Willy Umland, geschäftsführender Gesellschafter der All Star D.A.CH. GmbH. www.converse.com

Das Unternehmen VF EMEA hat rückwirkend zum 1. Mai Alexander Haß zum Country Manager Germany für die Jeansmarke Lee eingesetzt. Haß tritt an die Stelle von Stefan Sommer, der zuvor fünf Jahre als Sales- und Marketing Director für die Marke verantwortlich war. Der 39-jährige Haß arbeitet seit 2006 als Lee Sales Field Manager für VF Germany. Zuvor besetzte er diverse Positionen im Sales- und Produktmanagement bei Unternehmen wie Dockers, Quiksilver Europe oder dem früheren Sportswear-Label US Forty. Den Einstieg in die Branche fand er über den eigenen Street- und Snowwear-Shop in Hanau. Im Team unterstützen ihn künftig als KeyAccount-Manager für die deutschsprachigen Länder Bertram Laufer und Judith Jahnke im Bereich Marketing und PR. www.lee.com

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Bread & Butter Impressionen 01 Hilfiger Denim Posen im Pool So lässt es sich arbeiten: Die Models von Hilfiger Denim durften bei 30 Grad im kühlen Pool plantschen. 02 G-Star setzt auf 3D-Denim Ein buntes Denimschaufenster. G-Stars Fashionshow auf der Bread & Butter stand ganz im Zeichen von 3D-Denim. 03 Diesel Female Power Summer of Girls – Diesel zeigte seine Frauenkollektion mit einer großen Show zur Bread & Butter in neuem Licht: Tough und doch verspielt, erwachsen und sehr sexy. 04 Levi’s Handgemacht Im Levi’s Print-Workshop in der Alten Münze wurde wild gestyled. Ihre Kampagne Go Forth setzt auf die Kreativität der jungen Generation. 05 Mavi Kochen mit Denim Bürsten, Drucken, Färben – in der Mavi Denim Kitchen konnte der Fantasie freien Lauf gelassen werden. Mit dabei Künstler Anton Unai, Superblast und Linda Ehrl.

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16 Levi Strauss Generationswechsel

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Chic Young Blood Plattform für die Jungen

Die erfolgreich etablierte Pekinger Mode- und Accessoiremesse Chic bekommt einen jungen Ableger. Das neue Produkt heißt Chic Young Blood und wird zum ersten Mal vom 27. bis 29. September 2011 seine Tore in Peking öffnen. Der zweite Termin ist für das Frühjahr 2012 geplant, vom 26. bis 29. März. Die Veranstalter wollen dem zunehmend dynamischen Markt in China Rechnung tragen und speziell für die junge Zielgruppe im Denim-, Street- und Sportswear-Markt einen adäquaten Rahmen schaffen. Als Veranstaltungsort wurde das National Agricultural Center ausgesucht, das zunächst eine Fläche von rund 10.000 Quadratmeter bieten soll. Erwartet werden rund 100 internationale Sport- und Lifestylemarken und 20.000 Besucher. Aufgeteilt ist die Messe in die Segmente Denim Force, Sport & Street, Tasty Must-Haves und Urban Soul. Side-Events sollen Business und Entertainment miteinander verbinden. Die Muttermesse Chic feiert im kommenden Jahr ihr 20-jähriges Bestehen, zur vergangenen Veranstaltung waren 1.000 Aussteller und rund 110.000 Besucher mit dabei. Als deutsche Aussteller sind beispielsweise Marc Cain, Gerry Weber oder Sportalm vertreten. Chen Dapeng, Organisator der Chic, plant weitere Neustrukturierungen, um der erhöhten Nachfrage gerecht zu werden. „Unsere Aufgabenprioritäten gehen in die stetige Weiterentwicklung und Verstärkung der hochwertigen ausländischen Modemarken, die hier in China stark gefragt sind.“ www.chic-online.com.cn, www.chicyoungblood.com

15 Diesel jogg-jeans

Ja, richtig gelesen. Diesels neueste Denimerfindung im Handel heißt Jogg-Jeans, eine Mischung aus Denim und Sweat. Das Material hat die Optik einer Jeans und ist dennoch elastisch. Die Ware ist leicht, weich und wurde einer Indigobehandlung unterzogen, somit wirkt die Hose von außen wie eine Denimund von innen wie eine Sweatpant. Die Jogg-Jeans sind für Frauen in drei und für Männer in vier Styles erhältlich und werden ab 1. August in allen DieselStores weltweit erhältlich sein. www.diesel.com

Nach 32 Jahren steht ein Generationswechsel an der Spitze des Levi-StraussKonzerns in San Francisco an: CEO John Anderson geht am 1. September 2011 in den Ruhestand. Seine Nachfolge tritt Charles Bergh an. Der 53-Jährige kommt von Procter & Gamble (P&G), wo er zuletzt als Group President/Global Male Grooming tätig war. Bergh arbeitete 28 Jahre für P&G in wechselnden Positionen. „Bergh ist ein strategischer Manager mit einer Fähigkeit, starke Marken aufzubauen, neue Produkte erfolgreich im Massenmarkt zu etablieren und innovative Marketingkampagnen zu entwickeln“, so Richard Kauffman, Chairman of the Board of Directors bei Levi Strauss. Zum Konzern gehören die Marken Levi’s, Dockers, Signature by Levi Strauss & Co und Denizen. Die Marken des Konzerns werden in 110 Ländern weltweit vertrieben, es existieren rund 480 eigene Stores. Im Jahr 2010 erwirtschaftete man einen Umsatz von 4,4 Milliarden Dollar. www.levistrauss.com

14 Adidas Strategische Partnerschaft mit KISKA

Die Herzogenauracher Marke Adidas kooperiert mit Kiska. Gemeinsam mit ihrem Partnerunternehmen Ktm Technologies soll das Markenberatungs- und Designunternehmen serviceübergreifend den Bereich Technologie und Produktdesign des Sportartikelherstellers unterstützen. Adidas möchte sein Innovationstempo unverändert hoch halten und erhält mit der Partnerschaft Erfahrungen aus anderen Industriezweigen. „Wir haben uns für Kiska und Ktm Technologies entschieden, weil sich daraus eine einzigartige Kombination von Technologie- und Designverständnis ergibt. Kiska versteht es sehr gut, Technologie-Inspirationen mit der Einzigartigkeit unserer Marke in Einklang zu bringen und im Produkt sichtbar zu machen“, sagt Gerd Manz, Senior Innovation Director bei Adidas. Die Zusammenarbeit von Kiska und Ktm Technologies, dessen Stärke es ist, Technik und Design zu verbinden, hat den beiden Unternehmen die Tür zu Adidas geöffnet. Viele bekannte Firmen wie Atomic, Audi, Gasteiner, Hilti, Stiegl oder Ktm werden bereits von Kiska design- und markenstrategisch beraten. Das jüngste Spin-off-Unternehmen der Ktm Gruppe beschäftigt sich mit Verbundstoffen, Karosseriestrukturen und Automotive-Kleinserien. Anfang 2009 baute man eine Entwicklungspartnerschaft mit Kiska auf. www.kiska.com, www.adidas.com

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17 Timberland/VF Übernahme

Hochzeit zweier Großer: Der Bekleidungskonzern VF Corporation aus Greensboro hat den Outdoor-Hersteller The Timberland Company übernommen. Der Deal ist VF die Summe von mehr als zwei Milliarden Dollar wert, für 43 Dollar pro Aktie. Timberland wird 2011 voraussichtlich 1,6 Milliarden Dollar Umsatz erzielen. Die Marke wird in die erfolgreiche Outdoor & Action Sports Coalition des Konzerns eingegliedert, zu der beispielsweise Brands wie Eastpak, The North Face, Kipling, Jansport oder Napapijri gehören. Der Vorstandsvorsitzende Eric Wiseman hatte bereits im April die Wichtigkeit dieses Segments betont, das künftig noch stärker wachsen soll. Durch die Transaktion werde das Outdoor-Segment auf rund 50 Prozent wachsen. „Timberland steht stellvertretend für hohe Qualität bei Schuhen und Outdoor-Bekleidung“, so Eric Wiseman. „Das Outdoor-Image von Timberland ist ein perfekter Gegenpol zu der hochwertigen, technischen Positionierung von The North Face“. Zudem profitiere man von der internationalen Aufstellung und der hohen Glaubwürdigkeit der Marke in Bezug auf Nachhaltigkeit. Timberland soll künftig jährlich um rund zehn Prozent wachsen, im Fokus stehen die Märkte in Europa, Lateinamerika und Asien, außerdem die Segmente Womenswear, E-Business und eigener Retail. www.vfc.com, www.timberland.com

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18 K1X DCAC Patrick Mohr Auslieferung im August

Die bereits zweite Edition der erfolgreichen Zusammenarbeit des exzentrischen Münchner High-Fashion-Designers Patrick Mohr und der ebenfalls in München ansässigen Basketballmarke K1X wird kommenden August ausgeliefert. Der Vertrieb richtet sich an eine selektive Auswahl von Topadressen wie beispielsweise Solebox in Berlin. Seinem Markenzeichen, dem Dreieck, ist Patrick Mohr treu geblieben. Die Modelle aus reinem Nubuk-Leder gibt es in den drei Farbvarianten Sand, Weiß und Rot. www.k1x.com, www.patrick-mohr.com 19 True Religion Dependance in der Hauptstadt

Berlin hat seit Juli seinen eigenen True Religion Store im Stadtteil Mitte. Das Ladenbaukonzept wurde auf 120 Quadratmetern eigens für die Metropole entwickelt, mit Sichtbetonwänden, rauem Naturholz sowie einer Denimbar. „Nach Köln und Hamburg war es nur eine Frage der Zeit, bis wir einen weiteren Monolabel-Store in Deutschland eröffnen“, so Reinhard Haase, Geschäftsführer der True Religion Brand Jeans Germany, die ihren Sitz in Düsseldorf hat. „Neben der internationalen Bekanntheit der Stadt ist Berlin vor allem in den letzten Jahren durch seine Messen und die Fashion Week zu einer für die Mode bedeutenden Plattform geworden.“ Neben Denim und der Bekleidungslinie finden sich auch Schuhe, Accessoires und Parfüms im Store. Im Herbst 2011 soll zusätzlich noch eine Sportswear-Kollektion gelauncht werden. In Europa gab es bisher lediglich drei eigene Stores, in London, Köln und Hamburg, zwei weitere Shops sind kurzfristig für das Jahr 2011 geplant. www.truereligionbrandjeans.com

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Ben Sherman Willkommen im Team

Am 1. April 2011 begrüßte das britische Männermodelabel Ben Sherman Marco di Rado als neuen Country-Manager für Deutschland. Damit ist er Nachfolger von Christian Schütt. Di Rado war davor viele Jahre bei Hugo Boss als Sales Manager für Osteuropa tätig, später auch als Head of Brand Management für Boss Orange Denim. Dazwischen arbeitete er bei Acne Studios. Marco di Rado solle die Marke bei ihrer globalen Ausdehnung und der Etablierung des Labels unterstützen und begleiten, so das Unternehmen in der Pressemitteilung. www.bensherman.com


JETZT

21 Wrangler In Folge ausgezeichnet

Die Kampagnen von Wrangler wurden im dritten Jahr in Folge beim Cannes Lions Festival ausgezeichnet. An der Côte d’Azur konnte Wrangler gleich dreimal punkten. Wrangler nahm bei den Cannes Lions für die Kampagne STUNT – die aktuelle Umsetzung der Serie We Are Animals – Silber in den Kategorien Outdoor und Print entgegen. STUNT wurde von der Fotografin Cass Bird in den legendären Paramount Studios in Los Angeles geshootet. Im Fokus stehen professionelle Stuntmen, die durch Fenster stürzen, durch Explosionen springen oder in Brand gesetzt werden. Adam Kakembo, Marketing Director Wrangler EMEA: „Wir finden es großartig, dass unsere innovative Arbeit von der kreativen Community erkannt und ausgezeichnet wird. Es passiert so gut wie nie, dass man drei Jahre in Folge bei den Cannes Lions ausgezeichnet wird.“ www.wrangler.com

22 ITS#10 baut Programm aus

Am 15. und 16. Juli fand bereits zum zehnten Mal der International Talent Support, der ITS#10 in Triest statt, der jedes Jahr von Diesel als Hauptsponsor und fester Partner der Veranstalter EVE und YKK mitorganisiert wird. Auch in diesem Juli überreichte wieder Renzo Rosso persönlich den Diesel Award, der mit 25.000 Euro und einem halbjährigen Praktikum im Kreativteam von Diesel dotiert ist. Neu hinzu kam in diesem Jahr auch der Skunkfunk Sustainability Award, der es dem Gewinner ermöglicht, eine eigene Kollektion in Zusammenarbeit mit Skunkfunk zu entwerfen und 5.000 Euro zuschießt. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen in den einzelnen Kategorien ITS#Jewelery, ITS#Fashion, ITS#Accessories und ITS#Photo winkt den Finalisten auch die Möglichkeit, sich für den MMM Award von Maison Martin Margiela zu empfehlen, der mit 5.000 Euro und einem halbjährigen Praktikum verbunden ist. www.itsweb.org, www.diesel.com

23 Frontline Musik und Mode eng verknüpft

25 Jahre Frontline: Gegründet wurde die Frontline GmbH, damals noch unter dem Namen Funhouse Records, im Jahr 1986 von Torsten Lange. Zu Beginn handelte die kleine Firma im In- und Ausland mit Musikplatten. Erst 1994, als die Plattenindustrie in eine Krise geriet, wurde das Sortiment schrittweise auf Streetwear umgestellt. 1995 erschien der erste Männerkatalog für Textilien und 1996 wurde ein Onlineshop für Streetwear und Fashion gelauncht. Zu den ersten Labels, die Frontline vertrieb, gehörten Carhartt, DC, X-Large und Stüssy. Heute umfasst das Sortiment neben Streetwear auch progressivere Labels wie zum Beispiel Ben Sherman und skandinavische Mode. Seit 2009 hat die Frontline GmbH ihren Sitz in Hamburg. In Zukunft soll besonders Augenmerk auf den internationalen Markt, Eigenmarken sowie auf Social-Commerce gelegt werden. Happy Birthday! www.frontlineshop.com

24 Munich Fabric Start/Blue Zone Zwei Saisons, ein Termin

Die Blue Zone der Munich Fabric Start hält an ihrem im Februar 2011 eingeführten Konzept TisT, Tomorrow is Today, fest. Konkret bedeutet das, dass die Blue Zone zwei Kollektionen zu einem Termin zeigt. Zum nächsten Messetermin vom 6. bis 8. September 2011 präsentiert die Blue Zone in Halle 5 des Münchner MOCs schwerpunktmäßig die Saison Herbst/ Winter 2012/13 und zeigt dazu eine aussagekräftige Vorschau der Saison Frühjahr/Sommer 2013. Mit TisT reagiert die Munich Fabric Start auf die radikalen Veränderungen und die unterschiedlichen Bedürfnisse im weltweiten Denim- und Sportswear-Markt. Immer mehr Jeans- und Sportswear-Brands beginnen auf Druck ihrer Kunden und aus logistischen Gründen bereits deutlich früher mit der Recherche“, erklärt Sebastian Klinder, Geschäftsführer der Munich Fabric Start Exhibitions GmbH. „Entscheidend ist, dass keiner von den Beteiligten topaktuelle Kollektionsideen verheizen oder ein ‚Je früher, desto besser‘ anfachen möchte. Vielmehr zwingt der Markt heute zu einem radikalen Umdenken und zu einer völlig neuen, vorausschauenden Zusammenarbeit der einzelnen Marktteilnehmer jenseits traditioneller Rhythmen und Wege.“ www.munichfabricstart.com, 6. bis 8. September 2011

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Schuhstyles im Wandel –– so läuft’s

Adidas

Converse

Recht angezogen Sneakers sind nicht mehr die uneingeschränkten Könige des Markts. Immer mehr klassische Sportschuhmarken setzen stattdessen auf angezogenere Modelle, die vom traditionellen Herrenschuh oder kernigen Stiefel nicht weit entfernt sind.

Palladium

Kangaroos

Text Karolina Landowski Fotos Marken, istockphoto.com

D

er Stiefelboom der vergangenen Wintersaisons hat so manchen Sneakersdesigner beflügelt. Derbe Profilsohlen, Outdoor-Elemente von Bergsteigerschuhen und ultrarobuste Leder bestimmten Modelle von Adidas, Nike oder Converse. Schaut man aktuell auf die Füße junger Verbraucher, sind sportive Interpretationen traditioneller Macharten tonangebend. Immer mehr Sportschuhanbieter zeigen Modelle, die stark an Klassiker angelehnt sind. Schnürer, Desert Boots und Mokassins oder Bootsschuhe stehen für einen neuen, weitaus smarteren Casual-Look. Gefragt sind authentische Styles und Marken mit Werten und Geschichte. Auch die aktuelle Mode macht es den Sneakers momentan nicht leicht, zur Baumwoll-Chino passt nun mal kein High-Top mit drei Streifen. Haben klassische Sneakers also erstmal ausgedient?

Markt im Wandel Auch wenn spezialisierte Stores wie Solebox in Berlin oder The Good Will Out in Köln

Red Wing Shoes

Sneakers weiterhin erfolgreich verkaufen, Messen wie Sneakerness und Magazine wie Sneakerfreaker das Interesse am Sportschuh widerspiegeln, ist im Schuhfachhandel ein Rückgang bei der Nachfrage nach Sneakers deutlich spürbar. „Der große Sneakershype der letzten Jahre hat stark nachgelassen. Nach der tausendsten Limited Edition – von denen viele keine waren – und den etlichen Wiederauflagen hat sich der Markt gewandelt“, sagt Mario Pitschnig, einer der es wissen muss. Gemeinsam mit seinem Partner Maxim Scheck hat Pitschnig Marken wie Dunlop und Onitsuka Tiger in Deutschland aufgebaut und betreibt in Stuttgart das Geschäft Sneakerama. „Der Sneaker hat einen Einbruch von 30 bis 40 Prozent, der Konsument wird älter und braucht auch einen Business-Schuh bzw. trägt gerne in der Freizeit auch mal einen Canvas- oder Bootsschuh“, bestätigt auch Jan Dicks, Sales Manager bei Sebago. Die klassische Docksider-Marke ist einer der Profiteure des neuen Trends, denn

gerade traditionelle und sehr spezialisierte Brands mit Heritage erleben derzeit einen Boom. Verena Schwingeler, verantwortlich für den Bereich Marketing beim Unternehmen Wolverine, unterstreicht das Wachstum in diesem Segment: „Sebago ist momentan mit Bootsschuhen, aber auch mit klassischen Silhouetten besonders in Trendsneakers-Distributionen sehr gefragt. Entsprechend wurden die Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2012 weiter ausgebaut.“ Bei Trends reagieren die modisch aufgeschlossenen Konsumenten uniform. Folgt dem Red-Wing-Winter also ein Sebago-Sommer? Doch die US-Marke hat mehr im Portfolio als Bootsschuhe. „Unsere Metro-Kollektion, die sowohl zu Anzug, Chino und Jeans getragen werden kann, wächst in den drei Distributionskanälen Schuhhandel, Fashionhandel und Internet deutlich“, stellt Jan Dicks fest. Auch andere Marken setzen mit neuen, urban ausgerichteten Linien auf den Trend zur Hochwertigkeit. So bringt Lacoste zum Frühjahr/Sommer 2012 eine

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neue Kollektion namens LED heraus: Lacoste Essential Design. „Es wird jetzt noch mehr Wert auf hochwertige Materialien und Verarbeitung, sprich Qualität und Komfort gelegt. Ein Understated Style in Topqualität ist die Zukunft“, erklärt Robert Stöckl, Regional Vice President Lacoste, die Entwicklung am Markt.

Sneakersmüdigkeit, und jetzt?

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Doch wie reagieren klassische Sneakersmarken auf die geringere Nachfrage nach ihren Bestsellern? „Durch die langjährige und tiefe Verwurzelung in verschiedene Lifestyles ist unsere Marke von der aktuellen Sneakersmüdigkeit der Konsumenten nicht betroffen“, sagt Willy Umland, CEO der All Star D.A.CH. GmbH, die verantwortlich für die Marke Converse ist. Der Trend biete Converse die Möglichkeit, in der Historie und den Unternehmensarchiven Styles von damals wie den Outsider Boot oder den Lady All Star an aktuelle Trends angelehnt wieder aufleben zu lassen. Beim Sportschuhriesen Adidas ist der Trend zum angezogenen Schuh bereits vor ein paar Jahren aufgefallen. Die Herzogenauracher Sportschuhmarke war eine der ersten, die diesen Lifestyle interpretiert haben. „Wir haben innerhalb Adidas Originals mittlerweile eine komplette Casual Kollektion, die von klassischen Schnürern bis hin zu Wedges reicht“, sagt Brand-PR-Managerin Christine Knebelkamp.

Ein Sicherheits-Style 04

01 „Ein Schuh soll wieder langlebiger und bequem sein, qualitativ bessere Schuhe sind wieder im Trend.“ Jan Dicks, Sebago

02 „Sneakers müssen nicht immer in traditionell sportlichen Farb- und Materialkombis daherkommen.“ Willy Umland, Converse

03 „Unser Konsument ist bereit für eine größere Spannweite von Fashion-inspirierten Schuhen, was uns mehr Spielraum bei der Weiterentwicklung des Hybrid-Bereiches gibt.“ Hanjo Argendorf, Bench Footwear

04 „Der Sneaker wird nie tot sein. Er ist praktisch, flexibel kombinierbar, wandlungsfähig, jugendlich und preislich attraktiv.“ Michael Schiller, CAT Footwear

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„Der Sneaker wird nie tot sein. Er ist praktisch, flexibel kombinierbar, wandlungsfähig, jugendlich und preislich attraktiv“, erklärt Michael Schiller, Sales Manager bei Cat Footwear. Grundsätzlich gelten Sneakers in bestimmten Zielgruppen immer noch als ein Sicherheits-Style. Mit einem Converse All Star oder Klassikern von Nike und Vans liege man eigentlich immer richtig. Dennoch werden Sneakers im Alltag mehr und mehr durch entspannte Brown Shoes oder Loafer ersetzt. Klassische Sportschuhanbieter nehmen den Trend hin zum angezogeneren Style trotzdem gelassen. „Der Sneaker ist vielfältiger denn je“, betont Christine Knebelkamp. Auch Willy Umland sieht die Verschiebung vor allem im Design. „Sneakers müssen nicht immer in traditionell sportlichen Farb- und Materialkombis daherkommen. Unifarbene Modelle aus edlem Nubuk-Leder mit leichtem Vintage-Finish liegen beispielsweise voll im Trend.“ Derzeit angesagte Styles würden

vor allem durch Schlichtheit in der Farbwahl und eine edle Haptik überzeugen.

Neue Hybriden „Es kommt darauf an, wie man Sneakers definiert, wo der Sneaker aufhört und neue Begrifflichkeiten anfangen“, sagt Marco Lachner, der als Head of Design and BrandBuilding für den Relaunch der Marke Kangaroos verantwortlich ist. Sneakers haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt, Hybridmodelle, also eine Kombination verschiedener Schuhtypen, weisen den Weg in die Zukunft. Vor allem klassische Upper auf sportiven Sohlen bilden einen spannenden Kontrast und sorgen für ganz neue Silhouetten. „Wir haben Bootsschuhtypen auf einer unserer original Retro-Runner-Sohlen umgesetzt oder Retro-Basketball-Upper mit Espadrilles-Sohlen oder EVA-Böden in leichter Bergsportoptik kombiniert“, so Lachner. Die starke Weiterentwicklung des sportiven Schuhs bestätigt auch Robert Stöckl bei Lacoste Footwear: „Unsere Topseller haben mit dem gemeinen Sneaker nicht mehr viel zu tun.“ Mischungen aus Segelschuhen, Desert Boots passten momentan perfekt zum Outfit der Männer – vor allem zur gekrempelten Chino. Ein Fashionanbieter, der auch sehr erfolgreich mit alternativen Schuhmodellen auf dem Markt ist, ist Bench. „Unser Designteam hat beobachtet, dass der Trend neben Military-Boots auch in Richtung klassische Footwear geht, bei der Style, Qualität des Designs, Form und Material von sehr großer Bedeutung sind“, sagt Hanjo Argendor, Geschäftsführer der Americana Gmbh. „Unser Konsument ist bereit für eine größere Spannweite von Fashion-inspirierten Schuhen, was uns mehr Spielraum bei der Weiterentwicklung des Hybridbereiches gibt.“ Auch bei G-Star Raw wird auf modische Mischformen Wert gelegt: „Wir haben immer schon darauf gesetzt und starke Abverkäufe generiert“, sagt Marketing Director Matthew Griffith. „Wir präsentieren einen innovativen Materialmix und spielen mit Brogue-Details in einer unkonventionellen Weise. Bei Stiefeln zeigen wir bekannte Styles mit ungewöhnlichen Details.“

Der Casual-Gedanke Cleane, schlichte, vom Brown Shoe inspirierte Schuhe mit einer sportlichen Sneakerssohle – als New Casuals bezeichnet Mario


Schuhstyles im Wandel –– so läuft’s

Camper

Pitschnig die neuen Trendmodelle zwischen sportiv und angezogen. Marken wie Boxfresh bestimmen diesen neuen Trend seit Beginn. Daneben seien in diesem Sog Brands wie Hub Footwear und Pointer im Fachhandel stark vertreten. „Beim Brown Shoe sind die Kombinationsmöglichkeiten deutlich vielfältiger“, erklärt Verena Schwingeler den enormen Erfolg dieser Modelle. Für Pitschnig von Sneakerama begann der Wandel hin zum angezogeneren Schuh bereits Ende 2009. Ein Grund für diese Entwicklung sieht er in der extremen Demokratisierung der Mode. Nachdem immer mehr Erwachsene mit Chucks oder Skaterschuhen auftauchten, drehte die Jugend den Spieß um – mit provokant braven Styles, die preppy und klassisch daherkamen. „Durch den Preppy-Style, der seine Wurzeln in Sportarten wie Tennis, Segeln und Golf findet, wurden die Farben und Materialien wesentlich feiner und schlichter“, erklärt Willy Umland. Auch der Gegentrend zur schnelllebigen, hochtechnisierten Welt mit traditioneller, entschleunigter und wertiger Mode tat sein übriges um den Sneakersmassenmarkt Anteile wegzunehmen. Beschleunigt durch die steile Karriere der neuen Medien, in denen sich Street-Looks aus Tokio, Kopenhagen oder Los Angeles rasend schnell verbreiten, war der Siegeszug der angezogeneren Schuhe unaufhaltsam. „Vorbilder und Meinungsbildner, getrieben durch klassische oder neue Medien, spielen hier eine Schlüsselrolle“, sagt Michael Schiller von Cat Footwear. Für die Zukunft prognostiziert er eine noch größere Verlinkung von Schuhen mit Fashionanbietern, aber auch ein Bekenntnis zu Kernmarken mit Story und echter, erlebter Geschichte mit Mehrwert.

Alternativen gesucht Der Trend ist übrigens nicht nur für Männer reserviert: „Auch junge Kundinnen wollen nicht mehr nur in Chucks oder Plimsoles herumlaufen. Schuhe sind in diesem jungen Segment zum Statement geworden und ausschlaggebender Bestandteil für ein gelungenes Outfit“, beobachtet Katrin Hummel, Geschäftsführerin der Pirmasenser SchuhBrand Flip Flop. Der niederländische Schuhdesigner Floris van Bommel, der mit seiner

Gaastra

gleichnamigen Kollektion stets einen Spagat zwischen sportivem, unkonventionellem und sehr klassischem Herrenschuh schafft, sieht Innovation als Motivation der Verbraucher. „Junge Kunden stellen die gleichen Erwartungen an Schuhe wie auch an andere Produkte. Sie müssen überraschend, verführerisch und unterhaltsam sein und ihren Freunden imponieren. Die Tage, als Schuhe nur noch funktional sein mussten, sind eindeutig vorbei.“ „Noch vor der Qualität ist die Kombinierbarkeit der Schuhe ein wichtiges Kriterium für Kunden. Die Bereitschaft für ein gutes Paar Schuhe auch ein paar Euro auf den Tisch zu legen, ist da, vorausgesetzt der Schuh ist zu verschiedenen Styles und Anlässen zu tragen und bietet die entsprechende Qualität“, sagt Verena Schwingeler. Als Qualitätsmerkmal dienten definitiv Marken zur Orientierung. Für Robert Stöckl von Lacoste liegen die Verkaufsargumente klar auf der Hand: „Die Marke muss stimmen, das PreisLeistungs-Verhältnis muss stimmen, das Design muss zeitgemäß sein und die Handschrift der Marke muss unverwechselbar sein.“

Everyday Shoe „Der Kunde verlangt nach cleanen, sportlicheleganten und für jeden Tag tauglichen Ledersilhouetten“, erklärt Mario Pitschnig. Bei diesen seien die Kalkulationen für den Handel oft besser als bei den typischen Sneakers-Brands. „Der Kunde will einerseits angezogenere Sneakers, andererseits braucht er aber auch Sneakers, mit denen er ein Statement setzen kann“, ist Christine Knebelkamp überzeugt. Auch Marco Lachner von Kangaroos bestätigt diese Wende: „Universelle Schuhe werden verlangt, die zum Besuch der Schwiegereltern geeignet sind, aber genauso fresh und cool für den Club und den Alltag sind. Junge Schuhe sollen zum einen den Fuß betonen und zum anderen einen

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05 „Unsere Topseller haben mit dem gemeinen Sneaker nicht mehr viel zu tun.“ Robert Stöckl, Lacoste Footwear

06 „Die Tage als Schuhe nur noch funktional sein mussten, sind eindeutig vorbei.“ Floris van Bommel

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so läuft’s –– Schuhstyles im Wandel

Eine Frage des Preises? „Junge Schuhe müssen modisch, trendy, bequem und langlebig sein. Der Preis ist nicht unbedingt entscheidend“, unterstreicht auch Jan Dicks von Sebago. Bedingt durch den Trend des vergangenen Winters zu derben Boots, wurden die Kunden bereits mit teils enormen Preislagen konfrontiert, die sie bereitwillig zahlten. Dennoch warnt Michael Schiller von Cat Footwear: „Ein guter Schuh darf gerne auch jenseits der 100 Euro Marke kosten. Im Markenbereich wissen die Kunden, dass Qualität ihren Preis hat, aber ab 200 Euro wird die Luft auch bei Boots sehr dünn.“ Eckpreislagen würden sich halten, allerdings zu Lasten der Qualität.

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Casual Look mit sportiven Eigenschaften haben.“ Lachner beobachtet ganz klar eine Trendbewegung von der lauten Streetwear hin zum Casual Friday Look.

„Junge Konsumenten experimentieren mehr mit Trendstyles und haben ein geringeres Einkommen und sind somit preissensibler. Jede gute Schuhmarke braucht ein Preisgefüge, um die breite Käuferbasis zu erreichen“, erklärt Matthew Griffith. Eine große Herausforderung für die Industrie bei den explodierenden Rohstoffpreisen. „Man muss als Marke einen guten Mittelweg finden, um nicht außerhalb der gängigen Preislagen seiner Zielgruppe zu liegen“, sagt Marco Lachner. Jan Dicks setzt noch einen drauf: „Preise gehen ein bis zwei Preispunkte nach oben, die große Weltmarktnachfrage nach Leder und die gestiegenen Laborkosten in Fernost zwingen einen dazu. Firmen, die Preise komplett stabil halten, tun dies auf Kosten der Qualität der Schuhe.“ Vermehrt werde von Seiten der Industrie auf Ersatzstoffe für Leder zurückgegriffen, um steigende Beschaffungskosten zu kompensieren.

Sportlich, aber subtil

Materialien und Macharten

„Die Schuhmode ist immer noch sportlich, aber subtiler, nicht mehr so aktionsgeladen“, bestätigt auch Klaus Baumann von Camper. Gerade durch die Chinos, die eher schmal geschnitten sind, werde auch der Schuh etwas schlichter, eher klassisch. „Zurzeit müssen Schuhe dezent und nicht bullig oder laut wirken“, ergänzt Marco Lachner. „Noch stärker wird der gemäßigt knöchelhohe Casual-Schuh werden, der lässig zu einer hochgekrempelten Hose passt“, prognostiziert Robert Stöckl. Klare Silhouetten stehen im Fokus, passend zur Mode werden gedeckte Farben von Grau bis hin zu Braun bevorzugt. „Die Farben sind ruhiger geworden“, so Stöckl, „Farbe taucht höchstens als Pop-up-Colour im Detail auf.“

„Produktionsverfahren sind weniger wichtig, sondern die Qualität und Details des Schuhs stehen vermehrt im Vordergrund“, erklärt Marco Lachner. Materialien wie wertvolles Suede, Nappa- oder Nubuk-Leder stehen für den Kangaroos-Designer im Mittelpunkt. „Leder, ob glatt oder strukturiert, bestimmt aktuell den Look“, bestätigt Mario Pitschnig. Wobei für den Schuhexperten Canvas immer noch eine wichtige Rolle spielt. Daneben bestimmen Mesh, dünne Leder und schnörkellose Bootsschuhoptiken die Saison Frühjahr/Sommer 2012. Robert Stöckl bringt den neuen Modestil auf den Punkt: „PremiumSportswear mit Tendenz zum casual-gepflegten Look ist das Thema.“ x

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01 „Junge Schuhmode ist immer noch sportlich, aber subtiler, nicht mehr so aktionsgeladen.“ Klaus Baumann, Camper

02 „Auch junge Kundinnen wollen nicht mehr nur in Chucks oder Plimsoles herumlaufen.“ Katrin Hummel, Flip Flop

03 „Zurzeit müssen Schuhe dezent und nicht bullig oder laut wirken.“ Marco Lachner, Kangaroos

04 „Der große Sneakershype der letzten Jahre hat stark nachgelassen.“ Mario Pitschnig, Sneakerama

05 „Beim Brown Shoe sind die Kombinationsmöglichkeiten deutlich vielfältiger.“ Verena Schwingeler, Pointer & HUB Footwear

06 „Es wird mehr mit nicht sportiven Looks experimentiert – besonders im neuen Schuhsegment mit traditionellen Uppers und sportinspirierten Sohlen.“ Matthew Griffiths, G-Star Footwear

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What‘s your name –– so läuft’s

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Und ihr heisst so, weil …?

Naked and Famous

Text Alana Wallace, Nicolette Scharpenberg

„Unser Ziel ist es, uns einen Spaß aus all dem Bullshit in der Branche zu machen. Als wir die Marke im Jahr 2008 gegründet haben, waren die Hollywood- und Glamour-Marken der heiße Scheiß, da kostete eine Jeans gleich mal 400 Dollar, nur weil sie von dummen Promis getragen wurde, totaler Wucher. Unsere Marke ähnelt den Werken alter Pop-Art-Künstler wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein. Sie haben mit ihrer Kunst den Mainstream und das Blondchen-Ideal unserer Kultur persifliert, diese dann in Masse produziert und gleich wieder an die Szene verkauft, über die sie sich eigentlich lustig gemacht haben. Im Grunde machen wir das Gleiche! Wir verkaufen anstelle von Glamour und Glitter halt nur ungewaschene Denims.“ www.nakedandfamousdenim.com

Fotos Marken

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Wer einen coolen Namen für seine Marke wählt, sollte mehr Story auf Lager haben als eine Floskel.

Cheap Monday

„Im November 2000 habe ich mit drei Freunden einen kleinen Secondhandladen in einem Stockholmer Vorort eröffnet. Der Laden hieß Weekend und hatte nur samstags geöffnet. Es lief so gut, dass wir uns entschieden haben, als Full-Time-Konzept zu expandieren. Aus Weekend wurde Weekday, mit High-Fashion-, Secondhand- und exklusiven Denim-Brands im Sortiment. Uns fehlte aber eine günstige und modische Denim-Alternative. So entstand im März 2004 die erste enge Jeans mit dem Totenkopflogo. Cheap Monday war zu Beginn eine In-Store-Marke der Weekday-Stores, die als Logo die Initialen aller Wochentage (MTWTFSS) beinhaltet. Cheap Monday hat seinen Namen gemäß dem billigsten Wochentag, weil man montags meist pleite ist, nachdem man am Wochenende sein ganzes Geld auf den Kopf gehauen hat.“ Örjan Andersson, Chefdesigner Cheap Monday www.cheapmonday.com

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Pleasant Beef

„Obwohl es der Name zugegebenermaßen vermuten lässt, hat Pleasant Beef nicht das Geringste mit Rinderhälften, Beinscheiben und Bolzenschussgeräten zu tun. Vielmehr verbirgt sich hinter dem Begriff eine 2007 formierte Keep-Streetwear-real-Initiative, die mittels ironischer Designs und doppeldeutiger Botschaften auf charmante Weise provozieren möchte. Klar, dass wir uns da auch einen Markennamen geben mussten, der dieser Philosophie Rechnung trägt und sich nicht jedem auf Anhieb erschließt. Da „Beef“ aus dem Hip Hop Jargon stammend, bekanntermaßen so viel wie Streit oder Zoff bedeutet und pleasant mit angenehm oder wohltuend übersetzt werden kann, haben wir uns bewusst für ein programmatisches Wortspiel entschieden, das unsere Attitüde angemessen bzw. ironisch widerspiegelt. Immerhin wurde Pleasant Beef ins Leben gerufen, um Zucker in Wunden zu streuen und Perlen ins Feuer zu gießen. Tristesse und Prüderie verhohnepiepeln sich schließlich nicht von selbst.“ René Mayer, Pleasant Beef www.pleasantbeef.com

Johnny Cupcakes

„Nachdem ich das College abgebrochen hatte, begann ich in einem Siebdruckshop zu arbeiten. Dort bedruckte ich T-Shirts für meine damalige Metal-Hardcore-Band. Ich dachte mir, dass es lustig sein könnte, ein paar zusätzliche T-Shirts mit dem Schriftzug ‚Johnny Cupcakes‘ herzustellen. Als ich mein Cupcake-T-Shirt während der Arbeit trug, hat es großen Tumult verursacht. Nicht nur meine Arbeitskollegen wollten alle so ein T-Shirt, sondern auch die Kunden! Während ich damit beschäftigt war, Platten rauszusuchen, kamen ständig Leute zu mir und flüsterten: ‚Hey, bist du nicht das Cupcake Kid?‘ Und ich sagte: ‚Ja, was kann ich für dich tun?‘ Ich musste ein paar Mal am Tag vortäuschen, aufs Klo zu gehen, um heimlich meine T-Shirts aus meinem rostigen 89er Toyota Camry zu verticken.“ www.johnnycupcakes.com

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Iceman

Die Marke Iceman wurde 1992 von Gert Sörensen und Lars Nielsen gegründet, das Label nannte sich in seinen Gründungsjahren jedoch noch Jones. Schon bald begann aber auch der unaufhaltsame Aufstieg des zur Bestseller-Gruppe gehörenden Labels Jack and Jones (gegründet 1989). Bei Bestseller wurde man etwas unruhig und Sörensen wollte sich nicht auf ein Kräftemessen mit dem Platzhirsch einlassen, also musste ein neuer Name her – der sollte möglichst cool klingen. Als Sörensen und Nielsen sich mal wieder den Kultklassiker „Top Gun“ mit Tom Cruise und Val Kilmer ansahen, ging plötzlich alles sehr schnell. Die von Kilmer verkörperte Figur fanden die beiden ausgesprochen lässig und die hieß im Film Iceman. Fertig war der neue Brand-Name. As simple as that! www.icemanfashion.com

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Angetreten! Eine feine Auswahl heißer Newcomer mit Wanted-Faktor, Watch out und Step up! Text Karolina Landowski Fotos Marken

02 Hester Vlamings Schuhexperimente

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Shoe The Bear Sneakerama

Hip, anders und vor allem erschwinglich sollten die Sneakers sein, die Thomas Frederiksen und Jakob Fulgsang mit ihrem 2007 gegründeten Label Shoe The Bear anbieten wollten. Neben stylischen Unisex-Sneakers kommt jede Saison eine Kooperation mit jungen Künstlern auf den Markt, die einen Schuh nach ihren eigenen Ideen gestalten können. Vor zwei Saisons wurde die erfolgreiche dänische Canvas-Sneakerskollektion, die weltweit in 15 Ländern vertrieben wird, um hochwertige Lederschuhe erweitert. Diese werden in Portugal produziert. Die outdoor-inspirierten Boots, Chelseas und Schnürer unterstreichen den Trend zum angezogeneren Schuh. Die Einkaufspreise der Kollektion liegen zwischen 25 und 50 Euro. Vertrieben wird Shoe The Bear von Friedrich Reckfort und seiner Hamburger Agentur We Distribution. Kontakt: We Distribution GmbH, 20457 Hamburg/Deutschland, T 0049.40.54763650, friedrich@wedistribution.de, www.shoethebear.com

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An Ideen fehlt es der niederländische Schuhdesignerin Hester Vlamings nicht. Mal verwandelt sie einen klassischen Clog in einen High-Heel, entwirft einen Stiletto mit Comic-Augen oder designt einen dreifarbigen Bootie als Hommage an Piet Mondrian. Vlamings ignoriert Trends und Kommerzialität, experimentiert stattdessen mit Farben und Materialien und entwickelt Schuhe, die sexy und außergewöhnlich sind – allein wegen ihrer unkonventionellen Absätze. Die detailreichen Modelle werden aus feinen Ledern in Italien hergestellt, wo die Designerin die Produktion höchstpersönlich überwacht. „Frauen, die meine Schuhe tragen, sind unabhängig, offen und selbstbewusst und definieren ihren eigenen Stil“, sagt Hester Vlamings, die gerade eine deutsche Distribution sucht und zur GDS auf der Düsseldorf ausstellt. Kontakt: Hester Vlamings 1017 Amsterdam/Niederlande T 0031.6.54281414 hester@vlamings.com www.hestervlamings.com


Schuhstyles im Wandel –– so läuft’s

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Mos Copenhagen Schön bunt hier

Dass skandinavische Labels nicht immer einen klaren und sachlichen Stil haben müssen, beweist das brandneue Schuhlabel Mos Copenhagen – mit auffälligen Snowboots in Neonfarben und bunten Sneakers auf extremen Wedges. Poppige Colorits und technische Materialien bestimmen den sportiven Look. Für Frühjahr/Sommer 2012 zeigt das dänische Label raffiniert geschnittene Riemen-Sandalen aus gestepptem Canvas und Mesh, die auf auffälligen Profilsohlen oder Wedges im Colour-Blocking daherkommen. Das Besondere dabei: Fast alle Modelle sind wahlweise auf flachen Sohlen, Plattformen oder hohen Keilabsätzen erhältlich. Die EK-Eckpreislagen bewegen sich zwischen 25 und 32 Euro. In Deutschland haben erste Boutiquen und Schuhhändler die Modelle bereits geordert, ein Vertriebsagent für die deutschsprachigen Länder wird derzeit noch gesucht. Kontakt: MOS Copenhagen, Rikke Bro, 2700 Bronshoj/Dänemark , T 0045.6130.3963 rikke@moscopenhagen.com, www.moscopenhagen.com 06 Kamaeleon Berlin Vibes

Das junge Label Kamaeleon wurde in Berlin von der italienischen Schuhdesignerin Giorgia Iacobellis gegründet, die bereits für Bally und Moschino gearbeitet hat. Angeregt von der Subkultur ihrer Wahlheimat, zeigt sie unangepasste Styles, die sehr individuell und inspiriert von Rock ’n’ Roll sind – darunter coole Stiletto-Boots, Stiefeletten und Schnürer. Die Modelle sind nach bekannten Rockstars benannt. Zu den erfolgreichsten Produkten von Kamaeleon gehören farbenfrohe Unisex-Espadrilles, die mit großen Nieten versehen sind. Für Frühjahr/ Sommer 2012 zeigt das Label die vierte Kollektion, die zur Gänze in Italien handgefertigt wird. Weiche Kalbsleder und Canvas stehen im Mittelpunkt der Materialien. Vertrieben werden die Modelle momentan über die Berliner Zentrale. 04 Jeffrey Campbell L. A. Superstar

05 Bed Stü Knallharte Boots

Als kleiner Familienbetrieb entwickelte Jeffrey Campbell 2000 die ersten Modelle in einer Garagenwerkstatt im Herzen von Los Angeles. Mittlerweile tragen nicht nur Hollywoods Celebrities die femininen Modelle des angesagten US-Schuhlabels. Die Highheels und Boots haben den Sprung über den großen Teich geschafft, wo sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz von der Münchener Agentur Freemark Enterprise vertrieben werden. Bestimmt wird die Kollektion durch aktuelle Fashiontrends vom Laufsteg, gemischt mit Vintage-Einflüssen. Ein Hauch Boho, eine Prise Rockstar-Chic, extreme Plattformen und hohe Wedges gehören zu den KeyLooks. Leoprints, Millefleur-Drucke und Glattleder im Used-Look stehen bei den Materialien im Fokus. Die Einkaufspreise reichen von 60 bis 160 Euro.

Schwere Worker Boots gehören zum Dresscode im New Yorker Stadtteil Bedford-Stuyvesant. Dieser ist von harten Jungs mit durchtrainierten Körpern und Bandenkriminalität geprägt. Hier sind die beiden Gründer des Schuhlabels Bed Stü aufgewachsen und ihre Herkunft hat den roughen Stil der gleichnamigen Boots maßgeblich geprägt. Cobbler, die Hauptlinie des US-Labels, wird in Mexiko produziert. Alle Modelle sind rahmengenäht und verfügen über eine kräftige Ledersohle. Die natürliche Bräunung der Schuhe entsteht durch die Verwendung pflanzlich gegerbten Bioleders. Das Oberleder wird durch ein aufwändiges Finishing mit streng geheimen Rezepten auf einen Vintage-Look getrimmt. Im Einkauf kosten die Modelle zwischen 92 und 154 Euro. Europaweiter Distributeur ist die Düsseldorfer Firma EFSN Ltd.

Kontakt: Freemark Enterprise 80802 München/Deutschland T 0049.89.303950 info@freemark.net www.jeffreycampbellshoes.com

Kontakt: EFSN LTD, Michael Maier 40474 Düsseldorf/Deutschland T 0049.211.5445145 michael.efsn@googlemail.com www.bedstu.com

Kontakt: Kamaeleon, 12045 Berlin/Deutschland, giorgia.iacobellis@kamaeleon.info, www.kamaeleon.info

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Capsule Kollektionen –– so läuft’s

One to Rock, One to Stock? Einst waren Limited Editions Geheimtipps, die Konsumenten zum Schwärmen brachten und das Image von Marken und Händlern gleichermaßen steigerten. Heute bringen sie niemanden mehr so schnell zum Schlangestehen. Hat sich die Mode im limitierten Dickicht verkapselt? Text Nicolette Scharpenberg Fotos Hersteller Illustration Patrick Fuchs aka S-Fly 01 Was braucht ein Produkt, heute um nicht in der Flut von limitierten Editionen unterzugehen? 02 Seit 2009 kooperiert Adidas erfolgreich mit dem amerikanischen Designer Jeremy Scott. Eine Verbindung bei der die Chemie stimmt.

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cht Uhr New Yorker Zeit, in zwei Stunden geht es los: Der Supreme Store in der Lafayette Street 274 öffnet seine Pforten. Seit 24 Stunden schleichen wartende Gestalten vor den Ladentüren umher. Sie wollen Teile der neuen limitierten Kollektion von Supreme in Kooperation mit The North Face ergattern. Szenarien dieser Art haben heute eher Seltenheitswert. Die Branche hat eine dramatische Entwicklung erfahren. Gab es Zeiten, in denen man bereit war, für das Objekt der Begierde vor dem Laden zu zelten, flattern heute scheinbar alle fünf Minuten über Style- und Hypeblogs Informationen über die neueste Kooperationen der Marke xy mit Künstler yx ins Haus. Wahlweise gibt es auch die Kombination von Stardesigner mit Marke oder Laden und Marke. Die Kombinationen sind schier unerschöpflich. Das stumpft ab und macht das Thema irgendwie beliebig. Wirklich spannende Projekte wie vor 35 Jahren der Adidas Superstar oder, als Converse die erste Kooperation mit Designer John Richmond vorstellte, geraten in Vergessenheit. Heute blickt man durch die Vielzahl an Capsule-Kollektionen und Limited Editions kaum mehr durch. Stellt sich die Frage: Was braucht man, um aufzufallen, und in welcher Form machen diese Kollektionen wirklich Sinn? Sind sie wirklich Umsatzbringer oder einfach nur Budgetfresser ohne Imagegewinn?

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Win-Win Lee Jeans arbeitet seit drei Jahren mit dem Unternehmen Vivienne Westwood zusammen und ist für die Produktion der Denimlinie innerhalb der Anglomania-Kollektion für die Londoner Designerin zuständig. Die Kollektion mit knapp 40 Teilen bietet Jeans zwischen 200 und 500 Euro. Treue Kunden der Designerin empfinden 250 Euro als ein regelrechtes Schnäppchen für eine Designerhose, was die Marke plötzlich in ein ganz anderes Licht rückt und ihr eine ganz neue Zielgruppe eröffnet. Vivienne Westwood nutzt die Expertise des Denimspezialisten, der die Produktion der Linie übernimmt. Der Vertrieb läuft über Vivienne Westwood, denn derartige Kollektionen erfordern sowohl eine eigene Distribution als auch spezielles Marketing. Laut VF Group werde bei Lee nichts aus reinen Imagegründen entwickelt. Es geht in erster Linie um Umsatzsteigerung. Dass die Kooperation nicht nur fürs Image gut ist, sondern auch äußerst förderlich fürs Geschäft, belegt die mittlerweile dreijährige Zusammenarbeit, die laut Lee auf weitere Saisons ausgebaut werden soll.

Schön im Gespräch Die Marke Closed setzt auf Limited Editions in Kooperation mit der Londoner Herrenmarke Garbstore, dem Afrika-Fotografen Mi-

chael Poliza oder jüngst mit der Schuhmarke NDC. Diese Kollektionen sollen ihre Hauptkollektionen inhaltlich abrunden, Lieferfenster schließen oder für sie erfolgreiche und markentypische Themen noch mal aufgreifen. Gezeigt werden diese Linien nur in Showrooms wie in Mailand, Paris oder Düsseldorf, mit der Intention, größtenteils Topkunden zu erreichen. Erfolgreich, denn mithilfe dieser High-End-Kollektionen konnten sie sogar Kunden aus dem Premiumsegment für sich gewinnen, die erst über diesen Weg auf die Marke aufmerksam geworden sind. Die Stückzahlen der Linien sind eher realistisch berechnet, schließlich ist es auch immer sehr teuer, solch kleine Kollektionen zu produzieren. Sie dienen Closed in erster Linie als Marketing- und PR-Tool. „Natürlich werden Co-ops gerne von der Presse gefeatured und von uns ja auch aus diesem Grunde aufgelegt, insbesondere wenn beide Marken sich davon etwas für ihr Standing versprechen“, erklärt Closed-Geschäftsführer Til Nadler. „Unsere Flashkollektionen sind eigentlich alle erfolgreich gewesen, manchmal merkt man dann leider Gottes auch, dass man ein Thema gerne auch in der

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„Stüssy ist ein willkommener Kooperationspartner, der die anderen Marken sogar noch aufwertet.“ Dennis Albrecht, Säck & Nolde Distribution, Bochum

„Es muss eine starke Marke sein! Adidas ist mittlerweile so etabliert, dass Kooperationen wie von alleine funktionieren.“ Christine Knebelkamp, PR-Managerin Style, Adidas AG

„In erster Linie sind Capsule-Kollektionen für uns ein Marketing- und PR-Tool.“ Til Nadler, Geschäftsführer, Closed

„Limitierte Editionen haben sehr viele Parallelen zur modernen Kunst, sie brauchen die gleichen Zutaten, um erfolgreich und bekannt zu werden.“ Arnaud Jeangirard, Category Manager, Vans Footwear

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Hauptkollektion hätte deklinieren können“, sagt er. Von der Kooperation mit NDC erhofft sich das Unternehmen, neue Märkte zu erschließen. Nadler: „Wir sind keine Schuhfirma, aber vielleicht gelingt es uns, mit der Kooperation, etwas weiter in dieses Segment hineinzustoßen. Unser Retail ist inzwischen eine tolle Plattform für Pilotprodukte geworden, so ist es uns möglich immer wieder mal neue Dinge auszuprobieren.“

Wenn die Chemie stimmt San Pellegrino mit Missoni, Evian mit Paul Smith? Welche Marke hat es denn da bitte nötiger gehabt? Ist die Verbindung einfach nicht mehr nachvollziehbar, leidet darunter oft die Authentizität. Anders ist das bei Adidas. Seit 2009 kooperiert die Marke erfolgreich mit dem amerikanischen Fashiondesigner Jeremy Scott, dessen Kreationen von zahlreichen Stars wie Agyness Dean, Katy Perry oder Kylie Minogue getragen werden. In seiner Linie „Adidas Originals by Jeremy

Scott“ schafft er es, sportlichen Teilen einen modischen Twist zu verleihen. So entsteht auch mal ein American-Football-Shirt besetzt mit Swarovski-Kristallen. „Jeremy war bereits in seiner Jugend großer Adidas-Fan und hat die Marke gerne getragen“, erzählt Christine Knebelkamp, PR-Managerin Style der Adidas AG. „Dadurch passte die Kooperation einfach gut.“ Die Chemie zwischen Stardesigner und Marke muss stimmen, erläutert Knebelkamp. Adidas verbindet eine lange Tradition mit Capsule Collections. Das war damals schon bei Run DMC so. Sie hatten einfach den Superstar gefeiert und dazu sogar einen Song komponiert. Oder Missy Elliot, die als absoluter Sneakerfreaker einfach Lust hatte, eine eigene Linie zusammen mit Adidas zu machen. Dass sich diese Kollektionen rentieren, belegen die Zahlen, zumindest bei Adidas. „Unser ganzer Style-Bereich ist unglaublich gewachsen und läuft sehr gut. Es boomt enorm, was auch sicherlich dadurch kommt, dass wir immer fresh sind


Capsule Kollektionen –– so läuft’s

01 Seit 2008 kooperiert Lee Jeans mit Vivienne Westwood. Eine Partnerschaft die beiden Marken eine ganz neue Zielgruppe eröffnet. 02 Die Marke Closed setzt auf Limited Editions mit der Herren marke Garbstore. Erfolgreich, denn mithilfe dieser High-End- Kollektionen konnten sie sogar Kunden aus dem Premium segment für sich gewinnen. 03 Erst mithilfe von Capsule-Kollektionen wurde die kalifornische Skatemarke Vans weltweit berühmt. Marc Jacobs x Vans war ein wichtiger Schritt auf dem Weg. 04 Für die amerikanische Streetwear-Marke Stüssy ist es wichtig, dass die DNA der Partnermarke mit der eigenen Historie harmoniert. Hier: Stüssy und Fred Perry.

und etwas Neues auf den Markt bringen, was gerade gefragt ist.“ Gefährlich wird es beim Versuch, sich Coolness zu erkaufen. Knebelkamp: „Unser Vorteil ist, dass unsere Marke mittlerweile sehr stark ist. Unser Logo, das Dreiblatt hat einen globalen Kultstatus in vielen Feldern erreicht, sei es Kunst, Musik oder Sport. Dadurch müssen wir uns nicht anbiedern, sondern die Marken oder Künstler kommen auf uns zu und haben Lust, mit uns etwas zu machen. So bleiben wir authentisch.“

Marken-DNA Eine Brand die irgendwie von Beginn an den richtigen Dreh raus hatte, ist die amerikanische Streetwear-Marke Stüssy. Sie ist bei ihren Kooperationspartnern wählerisch, wichtig sei, dass die DNA der Partnermarke mit der eigenen Historie harmoniere. „Stüssy hat von jeher einen Glam-Faktor, den sich die Marke über 30 Jahre erhalten hat. Die Marke ist sich immer treu geblieben – unabhängig von Umsatz und Trends“, sagt Dennis Albrecht, von der Distribution Säck & Nolde aus Bochum, die für den Vertrieb von Stüssy in Deutschland zuständig ist. „Nur aus diesem Grund kommen Kooperationen wie zum Beispiel die mit Marvel, Neighborhood, Bathing Ape oder die jüngste mit Fred Perry zustande.“ Doch nicht jeder x-beliebige Store darf diese Kollektionen verkaufen, die Ware ist lediglich in den eigenen Flagship-Stores und Onlineshops erhältlich. Nach Europa dürfen diese Kollektionen nicht verschickt werden. „Viele Kunden versuchen online die Artikel zu bekommen, die nur für den japanischen oder den US-Markt bestimmt sind, aber das geht dann einfach nicht“, erklärt Albrecht. „Kunden müssen dafür immer den persönlichen Kontakt mit dem Store suchen, anders kommt man an die Teile nicht ran, das gilt für die eigenen Stüssy-Flagship-Stores und Onlinestores. So wird die Shopkultur auch weiterhin gepflegt.“

Mit Kapseln zum Key-Player Pionier auf dem Gebiet ist die kalifornische Skatemarke Vans. Seit ihrer Gründung im Jahr 1966 sind Maßanfertigung und CapsuleKollektionen Teil ihrer Marken-DNA und Firmenhistorie. „Damals konnten die Kunden noch mit ihren eigenen Stoffen in unsere Geschäfte kommen und wir haben ihnen ihr ganz persönliches Paar Schuhe angefertigt“, erzählt Arnaud Jeangirard, Category Manager von Vans Footwear. Laut Jeangirard

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wurde die Marke erst mithilfe dieser SpecialKollektionen weltweit berühmt, besonders die Zusammenarbeit mit dem New Yorker Modedesigner Marc Jacobs hatte es in sich: „Mit Marc zusammenzuarbeiten, war eine großartige Möglichkeit für uns und pushte unseren Bekanntheitsgrad und unser Image in der Öffentlichkeit enorm. Es katapultierte Vans global zu einem Key-Player in der Schuhbranche und ebnete uns den Weg in die High-End-Streetfashion-Boutiquen wie Colette, Fred Segal und Dover Street Market.“ Vans arbeitet mit zwei Strategien: „Je nach Art der Kooperation verfolgen wir entweder eine aggressive (Erweiterung unserer Reichweite) oder defensive (Schutz unseres Business) Marketingstrategie. Größtenteils sind diese Kollektionen aber dazu da, um unseren Kundenkreis zu erweitern. Wichtig dabei ist immer, dass beide Seiten das gleiche Engagement, Wertvorstellungen und Interesse an den Produkten zeigen wie wir“, erklärt Jeangirard. „Uns geht es darum, den Kunden zu überraschen, beispielsweise mit einer Kooperation mit einem Partner, den man nicht erwartet. Für uns ist es weniger das Design oder Material, was unser Produkt außergewöhnlich macht. Es geht vielmehr um die Geschichte, die dahintersteckt, limitierte Stückzahlen und eine selektive Distribution. Limitierte Editionen haben sehr viele Parallelen zur modernen Kunst, sie brauchen die gleichen Zutaten, um erfolgreich und bekannt zu werden.“

es dann, wenn Geld in die Hand genommen wird, um sich einen Kooperationspartner zu kaufen, von dem man sich einen Imagegewinn verspricht. Sind diese Kollektionen wirklich Umsatzbringer oder einfach nur ein teurer Budgetfresser für die Poleposition? Arnaud Jeangirard: „Es kommt auf die Zusammenarbeit an. Grundsätzlich sehen wir sie als Umsatzbringer. Es geht uns vielmehr um einen Imagegewinn, den wir uns durch eine Zusammenarbeit wie zum Beispiel mit Marc Jacobs oder A.P.C. und deren Modekompetenz erhoffen, als um reine Stückzahlen. Manche Kooperationen ermöglichen es Vans, eine neue oder breitere Konsumentengruppe zu erreichen. Langfristig wirkt sich das auch positiv auf den Umsatz aus. Vans wird auch weiterhin auf Capsule-Kollektionen setzten.“ x 04

Umsatz versus Image, wer gewinnt? Das Konzept scheint gut, wenn beide Partner in punkto Image gleichwertig sind und ein gemeinsames Produkt kreieren, das von den Stärken beider Parteien lebt. Kritisch wird

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Deins für meins Alternative Shoppingevents wie Swap-Partys erfreuen sich inzwischen auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Für Jungdesigner sind solche unkommerziellen Veranstaltungen eine große Chance, für Vintage-Fans das absolute Mekka. Text Anna Rabbow Fotos Veranstalter Illustration Sarah Egbert Eiersholt

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hren Ursprung hat das Phänomen der sogenannten Swap-Partys in den USA. Nachdem sie sich dort und in Großbritannien längst als Kassenschlager etabliert hatten, kamen sie endlich auch in Deutschland in Mode. „To swap“ bedeutet tauschen, und genau darum geht es hier, um Klamottentausch. Nach dem Motto: Deins für Meins, können Gäste einer Swap-Party ihre gut erhaltenen Schrankhüter gegen Jetons eintauschen, die wiederum gegen neuwertige Altklamotten eingetauscht werden können. Neben der

Tatsache, seinen Schrank bargeldlos aufzupimpen, ist hier auch der Spaßfaktor nicht zu verachten. Die überwiegend weiblichen Gäste einer Swap-Party können hemmungslos in fremder Leute Kleiderschränke nach neuen Schätzen graben. Liegengebliebene, nunmehr verwaiste Teile können entweder wieder abgeholt werden oder kommen karitativen Einrichtungen zugute. Am Ende wird das Ganze mit einigen Gläschen Prosecco begossen, es ist ja schließlich eine Party. x


Alternative Shoppingevents –– so läuft’s

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„Selbst wenn man die große finanzielle Belastung einer konventionellen Messe auf sich nimmt, so ist es für Junglabels und -designer noch immer schwer, zu den herkömmlichen Messen überhaupt zugelassen zu werden.“ Marina Neuman, Trendmafia Berlin 02

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01 Hamburg Mädelsflohmarkt

02 Berlin Der Designermarkt

03 Berlin Holy Shit Shopping

2008 entstand in den Köpfen von Klara Kadlec und Kristin Rosche die Idee zu einem Flohmarkt nur für Mädchen. Der Wunsch war es, Modemädels zu ermöglichen, Fashion- und VintageTeile in entspannter Atmosphäre ein- und verkaufen zu können. Mittlerweile findet der Mädelsflohmarkt zwei- bis dreimal im Jahr in der Hamburger Schanze statt. „Uns beiden war klar, dass es in Hamburg bis dahin noch nichts Vergleichbares gab und wir damit eine ganze Menge Mädels glücklich machen werden“, berichtet Kristin Rosche von der Entstehung der Idee. Die Veranstaltungsreihe ist in Hamburg zu einem festen Fashionevent geworden und mittlerweile so beliebt, dass eine kleine Mädelsflohmarkt-Tour durch Deutschlands Großstädte geplant ist. Mit einem Stück Kuchen in der einen, den neuen Klamotten in der anderen Hand und dabei auch noch den Klängen des DJs lauschend, lässt sich so ein Tag ausgesprochen gut verleben. www.facebook.com/pages/maedelsflohmarkt

Nach den Erfolgen der Lido Kreativmesse 2007 und 2008, rief Volker Buhrmeister 2008 den Designermarkt Trendmafia ins Leben. Ein ehemaliges Supermarktgebäude im Berliner Stadtteil Wedding bietet jedes erste Wochenende im Monat, mit Ausnahme der zwei Sommermonate Juli und August, rund 60 nationalen sowie internationalen Start-ups Raum, ihre Werke aus den Bereichen Mode, Design, Schmuck und vielem mehr einem designorientierten Publikum zu präsentieren. Trendmafiosa Marina Neumann weiß aus eigener Erfahrung, dass Kreative mit ihren eigenen Werken nicht zwischen die Dachbodenfunde auf Flohmärkten gehören. Es handele sich schließlich um Neuware oder sogar handgefertigte Einzelstücke. Die Leute fangen an zu feilschen, das ist auf Flohmärkten üblich, bei Jungdesignerkreationen aber sehr unpassend. Darum wird hier bei Kaffee und Kuchen die Gelegenheit gegeben, Eindrücke auszutauschen und Errungenschaften zu feiern oder einfach nur ein bisschen zu verschnaufen. www.trendmafia.de

Holy Shit Shopping ist kein Weihnachtsmarkt im herkömmlichen Sinne. Handverlesene Aussteller bieten hier Kunsthandwerk an. Die Idee der seit 2004 bestehenden Kreativmesse ist es, ein Für- und Miteinander von größeren Labels und Nachwuchsdesignern zu schaffen und damit auch die junge, unetablierte Kunst einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Dieses Konzept ist mittlerweile so erfolgreich, dass die Veranstaltung in der Vorweihnachtszeit durch Köln, Hamburg, Berlin und Stuttgart tourt. Begleitet von Glühwein und DJ-Sounds, präsentieren hier rund 150 Designer, Kreative und Künstler ihr Artwork in besonderer Architektur. Seit 2009 findet das Pendant zum Holy Shit Shopping im Sommer unter dem Namen Summer Pop Shopping in bisher zwei Städten, Berlin und Köln, statt. Der Glühwein wird durch Cocktails ersetzt, die wilde Mischung aus Mode-, Schmuck- und Produktdesign, Kunst, Fotografie, Grafik und Literatur bleibt. www.holyshitshopping.de

04 München Swap Dich glücklich

Im Februar 2011 gab es die erste „Swap Dich glücklich“-Veranstaltung in der Glockenbachwerkstatt. Bereits im Vorfeld war das Interesse der Münchner an dem Event groß. Es wurden rund 1.000 Kleidungstücke, Schuhe und Accessoires abgegeben und in Tauschmarken gewechselt. „Wir sind hier im ständig nobler und teurer werdenden Münchner Glockenbachviertel. Vieles dreht sich hier um Konsum. Um dem entgegenzuwirken, haben wir die Idee einer Flohmarktbesucherin dankbar aufgegriffen und die Kleidertauschbörse ‚Swap Dich glücklich‘ ins Leben gerufen“, sagt Babett Bamberg, Initiatorin von „Swap Dich glücklich“. Geswappt werden Kleider, Schuhe und Accessoires, solange diese in einem guten Zustand sind. Was übrig bleibt, kann entweder wieder mitgenommen oder einer wohltätigen Organisation gespendet werden. Alles in allem eine ökologisch und finanziell sinnvolle Veranstaltung, die auch noch Spaß macht. www.glockenbachwerkstatt.de

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reine Sneakerskunst Der Trend zum Handwerk bestimmt derzeit die Schuhmode. In Sachen Sneakers war hundertprozentige Handarbeit eher rar, bis Julia Schumacher unter dem Label Snique in einer Berliner Werkstatt Sneakers fertigte, die so individuell sind wie ihre Träger. Text Karolina Landowski Fotos Marke

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„Ich möchte Kunden noch die Spannung geben, die sie im Alltag oft vermissen – die Spannung, bis ein Produkt entsteht, das eben nicht von der Stange ist.“ Julia Schumacher, Snique

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itten in Berlin-Neukölln, in einem kleinen, staubigen Hinterhof schlägt das Herz von Snique. In der eigenen Werkstatt fertigt Julia Schumacher Sneakers nach Kundenwunsch. Grelle Farbkombinationen, ein unbändiger Materialmix und außergewöhnliche Applikationen – bei Snique können sich Sneakersfans mit dem nötigen Kleingeld gestalterisch austoben und schließlich ein Modell ihr eigen nennen, das niemand sonst besitzt. Ein Luxus, den sich in Zeiten der Globalisierung und modischen Demokratisierung auch immer mehr leisten wollen. Außergewöhnliche Sneakers waren schon immer die Leidenschaft von Julia Schumacher. Mittlerweile trägt die 29-Jährige fast ausschließlich eigene Entwürfe: sechs verschiedene Modelle aus der eigenen Herstellung stehen bei ihr derzeit im Schuhschrank. Genäht und geklebt wurden sie nach Feierabend, denn ursprünglich kommt Schumacher aus dem klassischen Schuhhandwerk, lernte in ihrer Schuhmacherlehre von der

Pike auf die traditionelle Fertigung von Brogues, Derbys und Oxfords. Der Drang zur handwerklichen Arbeit, zum Erschaffen von Dingen, die über Jahre hinweg oder sogar lebenslang halten – wie gute, manuell gefertigte Schuhe – holten die ehemalige Studentin vor sieben Jahren raus aus dem Hörsaal und rein in die Werkstatt.

Made in Berlin Inspirieren lässt sie sich für neue Styles von ihrer Wahlheimat Berlin. „Es ist spannend zu sehen, was hier so alles an den Füßen getragen wird“, sagt Schumacher, die es liebt, zu Fuß die Stadt zu erkunden und die Regale der gängigen Sneakers-Stores nach neuen Farbkombinationen, raren Limited Editions und außergewöhnlichen Schnitten abzusuchen. Dabei ist der typische Snique-Leisten eleganter als die Vorbilder von Nike, Adidas & Co. Von industriell gefertigten Sneakers hält Schumacher ohnehin nicht viel: Minderwertiges Leder, das schnell abblättert, Nähte, die sich im Nu ablösen, und zu dünne Luftkammern in der Sohle, die oftmals abgelaufen werden, lassen die Qualität auf der Strecke bleiben. „Bei der Bequemlichkeit von maßkonfektionierten Schuhen können Industrieschuhe einfach nicht mithalten.“ Ein klarer Vorteil ihrer handgefertigten Modelle ist die individuelle Passform: „Der Fuß muss sich den Platz im Schuh nicht erst erarbeiten“, sagt Schumacher.

Nicht vom Band Ausgestellt werden ihre Entwürfe seit Ende letzen Jahres in Berlin-Mitte, den 40 Quadratmeter kleinen Laden 10-20-Berlin, in der Torstraße teilt sie sich mit dem lokalen Taschenlabel Bagjack, mit dem sie zukünftig auch eine gemeinsame Kollektion plant. Insgesamt elf verschiedenen Musterpaare in den Größen 38 bis 47 zeigen dem Kunden eindrucksvoll, was so alles auf einem Sneakersschaft möglich ist, der nicht vom Band

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snique –– so läuft’s

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Braun- und Grautöne.“ Dafür sei das Interesse für lokales Handwerk ungebremst, und auch das für Sneakers, den Schumacher keinesfalls für tot hält: „Sneakers haben sich einfach etabliert und stehen eben nicht mehr so stark im Fokus der Mode.“

WWW –––––––––– www.snique.biz kommt. Individualität und Fantasie prägen die unterschiedlichen Modelle, die allerdings nicht käuflich sind, sondern den Kunden für eigene Styles inspirieren sollen. „Ich möchte Kunden noch die Spannung geben, die sie im Alltag oft vermissen – die Spannung, bis ein Produkt entsteht, das eben nicht von der Stange ist“, sagt Schumacher. Sneakers von Snique werden ausschließlich nach Kundenwünschen gefertigt und sind allesamt wertvolle Unikate. Rund 40 Stunden arbeitet Schumacher an einem maßgefertigten Schuh und das hat auch seinen Preis. Maßkonfektionsschuhe in den vorhandenen Leistengrößen kosten zwischen 850 und 950 Euro. Für einen maßgefertigten, an den individuellen Kundenfuß angepassten Schuh müssen Sneakersfans etwa 1.400 Euro investieren. Dafür haben sie ein einzigartiges Modell, das auch hält. Im besten Fall ein Leben lang.

Ausgesuchte Materialien Derzeit bietet Snique einen Unisex-Leisten, der nach Belieben gestaltet werden kann und als flaches oder High-Top-Modell erhältlich ist. An einem speziellen Damenleisten arbeitet Schumacher derzeit. Ein großer Unterschied zu industriellen Sneakers, bei denen der Kunde mittlerweile auch von der Sohle über den Materialeinsatz bis hin zu der Farbe der Schnürsenkel alles mit designen kann, besteht für Schumacher in der Qualität ihrer Materialien. „Ich verwende nur beste Leder und gebe meinen Kunden das Versprechen, dass sie auch jahrelang hal-

01 Handwerk mit Herzblut : Julia Schumacher hat schon früh eine Leidenschaft für Schuhe entwickelt. 02 Kostbares Design: Mindestens 40 Stunden Handarbeit steckt in diesem Paar Sneakers. 03 Nah am Kunden: Die Schuhmacherin erklärt genau jeden Schritt der Produktion. 04 Inspirationsquelle: Im Showroom in Berlin-Mitte werden die Mustermodelle ausgestellt. 05 Sinn für Individualität: Jedes Snique-Paar ist ein Unikat.

ten.“ Auch wenn sie oft danach gefragt wird, verzichtet die Schuhexpertin grundsätzlich auf vegetabil, also chromfrei gegerbte Leder, diese seien nicht schweißresistent und werden sehr schnell brüchig und hart. Der Kunde kann bei ihr aus über 80 Lederarten und Farben wählen, auch edle Exotenleder wie Kroko, Echse oder Rochen sind dabei im Angebot. Als Obermaterial verwendet Schumacher meist ein extrem robustes Glattleder aus einer deutschen Gerberei. Weiters kann man bei Snique bestimmen, wie weich die Sohle sein soll. Regelmäßigen Fahrradfahrern zum Beispiel empfiehlt Schumacher eine härtere Version als notorischen Fußgängern. Auch wenn sie am liebsten farbenfrohe Modelle mit kontrastierenden Paspeln, wilden Applikationen und mehrfarbigen Sohlen entwirft, merkt Schumacher, dass die Kunden sich momentan nicht mehr so viel trauen: „Vor einem Jahr waren bunte Sneakers ein Thema, jetzt gehen bevorzugt

Individuelles Branding Mode steht auch meistens nicht im Fokus von Schumachers Kunden. Meistens liegt dem individuellen Schuh eine persönliche Leidenschaft zu Grunde – die eines reichen Bankers zum Beispiel, der sich schon immer die Sneakers von Michael J. Fox aus „Zurück in die Zukunft“ gewünscht hat. Ein Berliner Agenturchef trägt jetzt Snique-Schuhe mit einer applizierten Kaffeetasse, weil er ohne den Wachmacher nicht leben kann. Auch Tattoos sind ein beliebtes Thema: Ob mit Anker tätowierte Sandalen, dem Hamburg-Tattoo eines Lokalpatrioten auf dem Klettverschluss oder goldenen Flügeln, die ein Kunde immer auf den Knöchel haben wollte, sich aber nie getraut hat – Snique macht durchaus auch Träume wahr. „Es gibt zu jedem meiner Schuhe eine spezielle Geschichte – und einen ganz besonderen Menschen dahinter“, sagt Schumacher, die auch eine heimliche Leidenschaft hat. Es gibt nämlich eine konventionellen Sneakersmarke, bei der auch sie schwach wird: „Ich liebe Adidas-Sneakers. Mein Retro-Paar aus den 70ern würde ich nie wieder hergeben.“ x

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Lebe deine Fantasie Der Künstler und Profiskateboarder Mike Kershnar designte diesmal das Covermotiv für x-ray. Er glaubt an das Leben und führt eine echte Beziehung mit der Natur und ihrem Schöpfer. Klingt etwas old school? Mag sein, aber wie er seine Leitsätze zum Ausdruck bringt, ist ziemlich cool. Text Nicolette Scharpenberg Fotos Nick Ruiz, Javier Sanchez

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ey Mike, vielen Dank für das Design unseres Covers! Möchten Sie uns kurz erklären, wie Sie auf dieses Motiv gekommen sind? MK: Mein ursprünglicher Plan war, mir ein Fatcap und eine Dose Rot von Montana zu nehmen, meinen Fuß mit üblen Blutspuren zu versehen und einen schwarz-silbernen Nagel darauf zu malen, um dann meine „gekreuzigten“ Füße in einem meiner Bilder zum Thema geistiger und emotionaler Wiederauferstehung zu integrieren. Meine Freunde meinten allerdings, dass ich es langsamer angehen lassen sollte. Also habe ich meiner Bekann-

ten Holly einen kleinen Kolibri auf den Fuß gemalt. Holly ist die Freundin des Fotografen Nick Ruiz. So entstand ein wirklich guter Vibe voller gegenseitiger Anerkennung zwischen Model, Fotograf und Künstler.

flektiere ich das authentische Ich, ein Adler steht für das erhabene Ich, eine Eule für das im Schatten verborgene Ich und so weiter. Meine Bilder sind also im Grunde ein Tagebuch meines Lebens, erzählt durch diese Tiere.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben? MK: Meine Kunst basiert einfach auf der Art und Weise, wie ich schon immer gerne gemalt habe. Während des Prozesses zerlege ich Objekte in Formen, Farben, Muster und Texturen. Es ist eine sehr organische, friedliche und meditative Herangehensweise. In der Vergangenheit wurde es als primitiver Expressionismus und NeoFolk beschrieben, aber ich sehe es einfach als meinen persönlichen Stil. Darin sind kulturelle Einflüsse aus aller Welt, aus allen möglichen Epochen und Traditionen enthalten.

Sie lieben Skaten, Sie lieben Zeichnen. Wie verbinden Sie beides? MK: Skateboarding und Kunst sind für mich dasselbe. Beides sind Ausdrucksformen für Freiheit. Eine unbemalte Mauer ist wie ein leerer Pool. Unendliche Möglichkeiten. Der ursprüngliche Sketch ist die Anfahrt, Farbfelder sind der Absprung, die Linienführung das Catchen des Boards und die letzten Outlines und Details sind das saubere Ausfahren.

Die meisten Ihrer Bilder zeigen unterschiedliche Tiere und Szenen aus der Natur. Warum? MK: Ich liebe Tiere, sowohl von einem ästhetischen Standpunkt aus, als auch als unsere Lehrer. Wenn ich Tiere male, dann hängen diese Tiere immer damit zusammen, was ich in dem Moment emotional erlebe. Wenn ich zum Beispiel einen Geier male, dann versucht mein Herz etwas Gestorbenes zu verarbeiten. Wenn ich einen Kolibri zeichne, empfinde ich für gewöhnlich Freude, bei einem Kojoten re-

Wenn Sie die Chance bekommen würden, eine Modelinie zu entwerfen, wie sähe sie aus? Welche Materialien würden Sie benutzen und wie würden Sie diese produzieren? MK: Wenn ich eine Traum-Modelinie entwerfen dürfte, ohne auf Kosten- und Materialgrenzen achten zu müssen, dann würde ich mit vielen indianischen Textilien 01 02

Neben Skateboarding und Kunst unterstützt Mike die Jugend- organisation Elemental Awareness und designt Rock Poster zum Beispiel für die Beastie Boy. Als Kind liebte Mike die Artworks von Powell-Peralta und Santa Cruz. Diese legten den Grundstein für seine heutige Gestaltungsästhetik auf Skateboard-Decks.

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lass uns reden -- mike kershnAr

bekannt als Dirty Bird, in Laguna Beach kennen. Wir freundeten uns an, als wir Witze darüber machten, wie sehr in der Saison WolfsT-Shirts überhand nahmen. Ich erzählte ihm, dass ich ein großer Fan von Shepard sei, und schickte ihm Fotos der von ihm inspirierten Streetart, die ich zu der Zeit machte. Ich nahm etwa Straßenschilder ab, malte Tiere drauf und brachte sie wieder an. Ich schätze, Shepard hatte Spaß daran. Bei der Vernissage seiner Arbeiten zusammen mit Tony Alva und Glen E. Friedman sprachen wir eine Weile, und ab da lief die Sache. Ich durfte für eine Obey-Kollektion einige meiner Lieblingstotems zeichnen und in Aquarell malen: Kojote, Schlange, Adler und Eule. Ich war von der Magie dieser ganzen Sache völlig baff. Es war ein reines „Wünsch dir was, träum davon, sieh es vor dir, mach es zu etwas Anfassbarem.“ Making of: Mikes ursprüngliche Idee war seinen Fuß mit üblen Blutspuren zu versehen und einen schwarz-silbernen Nagel darauf zu malen. Das Team meinte allerdings, dass er es langsamer angehen lassen sollte.

arbeiten, mit Fellen und mit Schmuck aus allen Ecken der Welt und einen modernen, hippen Schnitt verwenden. Für eine Jacke würde ich zum Beispiel Leute anheuern, die ein paar Tierhäute nach traditioneller Art der nordamerikanischen Ureinwohner gerben können, und dieses Leder dann mit einem bunten Muster aus Perlen und Federn schmücken. Die Jacke hätte den Schnitt einer klassischen europäischen Bikerjacke, aber mit Kapuze. Einflüsse dieser Kollektion kämen aus der traditionellen Kleidung der amerikanischen Ureinwohner, tibetanischem Schmuck, russischer Folklore, afrikanischer Perlenkunst, amerikanischer Outlaw-Kultur und meiner Kunst. Alle Tierprodukte würden aus ethischer, nachhaltiger Quelle stammen und von traditionellen Schäfern, Jägern und Gerbern geliefert. Ich wollte schon immer meine eigene Linie haben und sie Wild Life nennen. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, mit denen Sie die Entwicklung der Modebranche bestimmen könnten, welche wären das? MK: Chef eines großen Modehauses zu sein, mit einem Spitzenteam aus Designern, Schneidern, Grafikdesignern, Models und Eventplanern, die alle meine besten Freunde sind. Das wäre wie ein Rausch, da oben zu stehen: Chanel, Gucci, Prada und – Kershnar. Ha ha. Der zweite Wunsch wäre, dass alle Luxusmodemarken ihre Preise senken, sodass der Normalverbraucher sich so schicke Kleider leisten kann, wie er will. Drittens würde

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„Wünsch dir was, träum davon, sieh es vor dir, mach es zu etwas Anfassbarem.“ Mike Kershnar ich mir wünschen, dass alle zerstörerischen Praktiken der Branche sich in etwas verwandeln, was in jeder Hinsicht nützlich ist. So wie im Hummelmodell: Blumen bestäuben, während man frisst. Sie haben bereits eine Limited-Edition-T-Shirt-Linie mit Shepard Fairey gemacht. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? MK: Ich lernte Brent Larson, Shepards T-ShirtChefdesigner bei Obey, im Sandpiper, auch

Worum ging es bei deiner Arbeit für die gemeinnützige Jugendorganisation Elemental Awareness (EA)? Was war Ihre Rolle bei dem Projekt? MK: Als mein bester Freund Todd Larson und ich vom College kamen, wollten wir etwas in der Welt bewegen, also machten wir uns an ein Konzept für eine Non-Profit-Organisation, die die Skateboardgemeinde über die Kanäle Skateboarding, Überlebenstechniken in der Wildnis und Kunst unterstützt. Unter der Leitung von Johnny Schillereff und Marc Falkenstein wurde EA zur wichtigsten Wohltätigkeitsorganisation bei Element. Es gibt sie jetzt seit zehn Jahren, die Überlebenskurse für die Wildnis beim Skate Camp liegen mir besonders am Herzen. Dort lernen die Kids alles mögliche: einfaches Spurenlesen, wie man mit einem Feuerbohrer Feuer macht, welche Wildpflanzen essbar sind, wie man mit glühender Kohle einen Holzlöffel macht, und sie erleben eine echte Nähe und Verbindung zur Erde. Für Todd ist die Leitung ein Vollzeitjob und mich laden sie oft als Künstler oder Lehrer ein. Es ist ein tolles Gefühl, eine Art Erbe zu hinterlassen und gleichzeitig meine besten Freunde zu unterstützen. x


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Hip und 100 Prozent biologisch abbaubar Wussten Sie, dass Ihr Garten der neue Abfalleimer für Ihre alten Schuhe ist? Sneakers von der niederländischen Firma Oat Shoes sind zu 100 Prozent kompostierbar und bestehen aus biologisch abbaubarem Material. Text Miranda Hoogervorst Fotos Oat Shoes

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ergräbt man die Schuhe in der Erde, werden sie wieder Teil des organischen Kreislaufes. Gründer Christiaan Maats und sein Geschäftspartner Dirk-Jan Oudshoorn haben seit mehr als zwei Jahren an diesen innovativen Sneakers gearbeitet. Es war ein intensiver Prozess. In ihrem Amsterdamer Headquarter erzählt Christiaan Maats über ihre Recherche: „Wir wollten einen Schuh, der zu 100 Prozent kompostierbar und biologisch abbaubar ist, wenn man ihn in der Erde vergräbt, ohne irgendwelche giftigen Materialien. Das größte Problem dabei war, gute Materialien zu finden. Es herrscht wahrlich ein Zertifikatsdschungel da draußen, aber die meisten Hersteller für zertifizierte Produkte konnten keine genauen Angaben über ihr Material machen. Zudem brauchten wir einen Produzenten, der bereit war, uns zu helfen, denn für die Produktion unserer Schuhe war ein enorm aufwändiger Herstellungsprozess erforderlich. Die Stan-

dardmaschinen für Stitches sind zum Beispiel nur für synthetische Garne gemacht, aber wir verwenden Baumwollgarn. Für den oberen Teil benutzen wir Canvas und Baumwolle. Canvas wird in der Regel geklebt, um es leichter besticken zu können. Aber chemischer Kleber kam für uns natürlich nicht in Frage. Schließlich haben wir einen Hersteller aus Bulgarien gefunden, der an unsere Idee einer nachhaltigen Produktionsmethode geglaubt hat.“ Die erste Linie ist die Kollektion Virgin aus Hanf und Biobaumwolle, zertifizierten biologisch abbaubaren Kunststoffen, Kork, chlorfrei gebleichten und anderen nicht toxischen Materialien. Der obere Teil der Schuhe ist weiß oder beige mit farbigen Sohlen, die auf die vier Elemente verweisen. Etwas ganz anderes im Vergleich zu den farbig-überladenen Styles der Big Player. Christiaan Maats: „Zunächst einmal ist es schwierig, Canvas in leuchtenden

Farben ohne chemische Fixierung einzufärben. Zweitens wollten wir die erste Linie einfach schlicht halten, testen aber gerade neue Materialien, biologisch abbaubare Farbstoffe, Leder und Drucke für die neuen Kollektionen.“ Promis lieben es seit neuestem, ein Ökostatement abzugeben, indem sie Oat-Schuhe tragen. Die Marke NBC, Hollywood-Stylisten und Personal Assistants haben bereits für ein Product Placement angefragt. Christiaan Maats: „Es ist alles sehr verlockend, aber es wäre nicht klug, dass gerade jetzt zu tun. Wir wären nicht in der Lage, die große Nachfrage in den Griff zu bekommen.“ Mit einem großen Lächeln fügt er hinzu: „Aber wir haben dem Vizepräsident von Google ein Paar geschickt. Dennoch müssen wir unseren Fokus jetzt in erster Linie auf die Kollektion und den Fertigungsprozess legen. Kinderschuhe stehen ganz oben auf unserer Liste. Wäre es nicht toll, wenn Sie Ihrem Kind ein Paar Schuhe geben, sie diese später gemeinsam verbuddeln und später eine Eiche daraus wächst?“ x

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Die erste Oat-Shoes-Kollektion heißt Virgin, gefertigt aus Hanf und Biobaumwolle. Ein intensiver Prozess: Seit mehr als zwei Jahren hat Inhaber Christiaan Maats an diesen innovativen Sneakers gearbeitet.

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„Nicht jeder, der eine Lederoder Motorradjacke trägt, ist ein Rocker.“ Willy Umland

„Eine Bereinigung im Markt ist immer gut“ Converse gehört zu den Lifestyle-Brands, die über die Jahre hinweg eine breite Zielgruppe ansprechen, ohne an Begehrlichkeit zu verlieren. x-ray sprach mit Willy Umland, der seit 2001 für die Marke verantwortlich ist. Text Ina Köhler Fotos Converse

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m Schuhsektor tut sich ja im Moment eine ganze Menge: Der Trend geht weg vom Leinenschuh hin zu Brown Shoes. Macht Ihnen diese Entwicklung Sorgen? Willy Umland: Nein, überhaupt nicht. Aus mehreren Gründen. Erstens ist eine Bereinigung im Markt immer ganz gut. Wir hatten bei uns keine Einbußen, aber das heißt ja nicht, dass wir uns nicht darauf einstellen. Es geht nicht darum, dass wir jetzt unsere gesamte Produktpalette umwerfen. Doch schon in der Vergangenheit haben wir eine hohe Flexibilität dokumentiert. Wir waren bis 2005 ein Halbjahresanbieter, ab 2005 dann Ganzjahresanbieter durch winterfeste Schuhe. Lederthemen sind für uns schon lange kein Fremdwort mehr. Wir haben schon länger angefangen, unsere Hausaufgaben zu machen. Aber so etwas kriegen Sie nicht von einer Saison zur anderen gestemmt. Welche Herausforderungen sehen Sie für sich im Markt? WU: Zunächst einmal haben wir eine Produktsegmentierung in drei Handelsgruppen: Schuhfachhandel, Sportfachhandel und Trend-/Fashionhandel. Als logischer, nächster Schritt folgen die Konsumentengruppen. Das ist der allerwichtigste. Wofür steht Converse und welcher Konsumentengruppe muss ich was über wen bieten? Das ist sehr entscheidend. Segmentierung ist eine Sache, aber wir haben nach Konsumentengruppen diversifiziert. Dazu haben wir uns unsere Händler noch einmal genau angeschaut und sagten: Innerhalb dieser drei großen Gruppen spricht welcher Händler tatsächlich welche Hauptzielgruppe an? Wenn Sie durch die Stadt gehen, sehen Sie ganz unterschiedliche Bilder von uns. Wir dürfen


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auf keinen Fall alles für alle sein, dann haben wir einen Gemischtwarenladen. Diese Rechnung ist ganz gut aufgegangen. Eigentlich hat man Converse sehr stark mit dem Chuck verbunden, aber die Produktpalette ist mittlerweile viel breiter. WU: Das ist richtig. Bis vor drei Jahren haben wir mit den Allstar-Styles noch 90 Prozent des Umsatzes gemacht, heute liegen wir bei 50 Prozent bei insgesamt gestiegenen Umsätzen. Es gibt eine ganze Reihe von anderen Produktlinien wie Jack Purcell, Star Chevron oder One Star, die ganz andere Zielgruppen ansprechen. Ist das für den Konsumenten nicht unübersichtlich? WU: Nein, all diese Kollektionen eint eins: Wir sind authentisch, sind ein Original, aber wir schauen natürlich nach vorne. Von der Vergangenheit kann man lernen, aber umsetzen muss man Produkte für die heutige Zeit. Dazu gehören beispielsweise neue Materialien wie Leder, Modelle, die eher in den Brown-Shoe-Bereich gehören. Auch das Chuck-Taylor-Segment, wo sie vom Klassiker über den Slip-on bis hin zu sehr modischen Varianten ein breites Angebot finden, ist für unterschiedliche Konsumenten gedacht. Übernehmen Sie die Kollektion aus den USA? WU: Wir kaufen viermal im Jahr ein und wählen je nach Saison aus zirka 1.000 verschiedenen Modellen aus. Das Ganze wird ergänzt durch saisonale Themen wie zum Beispiel Sommerthemen mit Sandalen oder Slip-ons. Converse ist mittlerweile auch mit einem Store in Berlin-Mitte präsent. WU: Das macht ein unabhängiger Händler in einer exponierten Lage, dem in Abstimmung mit Converse und uns das Interieur zur Verfügung gestellt wurde. Der Händler hat sich entschlossen, nur Converse-Produkte anzubieten, aber es ist kein Allstar- oder Converse-Store. Sind eigene Läden interessant? WU: Derzeit nicht. Ich war immer der Meinung, wir sollten das dem Handel überlassen. Das jüngste Projekt hat sich aus der Zusammenarbeit ergeben. Aber Sie arbeiten eng mit dem Handel auf den Flächen zusammen, WU: Ja, natürlich, das ist ein Teil des Erfolgs. Ich nenne das das Schaffen von Themenwelten. Shop-in-Shops haben in meinen Augen oft etwas von gekauften Flächen mit blank

polierten Elementen. Das sind wir nicht, auch da soll die Handschrift des Händlers individuell erkennbar sein. Das verstärken und unterstützen wir. Daher haben wir ja mittlerweile rund 30 Merchandiser, die für uns unterwegs sind. Sie betreuen dreimal im Jahr zwischen 850 und 1.200 Kunden direkt am PoS. Wie entwickelt sich die Bekleidungslinie von Converse auf Ihren Märkten? Wie groß ist der Umsatz? WU: Er wird immer größer, ohne jetzt konkrete Zahlen zu nennen, aber wir bewegen uns zwischen zwölf und 15 Prozent vom Gesamtumsatz allein mit Textilien und Accessoires. Das ist sehr wichtig für die Gesamtdarstellung unserer Marke. Und wir werden das Thema immer mehr fokussieren. Selbstverständlich geht das Hand in Hand mit der Schuhkollektion. Wir haben unser Designteam aufgestockt und arbeiten eng mit unseren Partnern in Holland zusammen. Das befruchtet sich gegenseitig sehr gut.

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Willy Umland ist CEO und geschäftsführender Gesellschafter sowie Mitinhaber der All Star D.A.CH. GmbH mit Sitz in Neuss, die zur niederländischen Bos-Gruppe mit Sitz im holländischen Weert gehört. Sie ist Lizenzinhaberin der amerikanischen Marke für die D.A.CH. Märkte, die Benelux-Länder und für Italien. In Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeitet das Unternehmen mit rund 1.900 Händlern zusammen.

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Authentisch und nah an der Zielgruppe – dafür steht Converse nach wie vor. Willy Umland ist seit über zehn Jahren für Converse verantwortlich und hat den steilen Aufstieg mitgestaltet.

Ist der Textilvertrieb getrennt von der Schuhdistribution? WU: Nein, das geht Hand in Hand mit der Schuhkollektion. Das haben wir bewusst so entschieden, um alles aus einem Guss zu haben. Überall dort, wo wir mit Schuhen und gleichzeitig mit Textilien vertreten sind, versuchen wir Converse optimal darzustellen. Das gehört zu einem professionellen Markenauftritt dazu. Aber natürlich haben wir auch Kunden im Textil- oder Accessoirebereich, die keine Schuhe verkaufen. Wie hält man die Begehrlichkeit für ein breit aufgestelltes Produkt wie Converse hoch? WU: Es ist schwierig gewesen, dahin zu kommen, aber eigentlich ganz einfach. Solange Meinungsmacher wie Spitzensportler, Schauspieler oder Musiker freiwillig voller Stolz unsere authentischen Sachen tragen, wird sich die breite Masse immer daran orientieren. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir so gut wie nicht sponsern müssen, die meisten kommen freiwillig auf uns zu. Ich war auf einem Scorpions-Konzert und Rudolph Schenker zeigte mir backstage voller Stolz seine aufgepimpten Chucks, die er sich irgendwo in L. A. mit Nieten besetzen ließ. Nicht jeder, der eine Leder- oder Motorradjacke trägt, ist ein Rocker. Aber man möchte sich diesen nonkonformistischen Style geben und ein bisschen rebellisch wirken. Solange uns das weiterhin gelingt, ist mir nicht bange um die Marke. x

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I Love Shirts So much love...

FinDen wir gut

Fotos Marken

Kontakt: FPMD Design & Production GmbH, Christian Boszczyk 80797 München/Deutschland, T 0049.89.12739215 chris@fpmd-design.com, www.i-love-shirt-shop.com

Text Nicoletta Schaper, Isabel Faiss, Nicolette Scharpenberg, Claudia Janka

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The Style Is Yeah Believe it or not

Die einen sehen in ihr eine niedliche Schleife, Designerin Sani Gulic interpretierte sie als Weiterentwicklung des Zeichens für Unendlichkeit. Seit Anfang 2011 setzt sie ihre Idee kommerziell um, in einer Taschenkollektion in Schleifenform. Ein ganz cooler Hingucker, aber auch funktional sollen sie sein, die Bowhipbags, wie sie Sani Gulic nennt. Sie alle sind handgemacht. Bislang gibt es nur die Tasche in den Größen Small, Medium und Large, sie soll in Zukunft aber durch eine saisonal ausgelegte Textilkollektion ergänzt werden. Da jeder Kunde seine Tasche selbst zusammenstellen kann, also die Wahl zwischen verschiedenen Materialien und Designs hat, lassen sich keine finalen EK-Preise festlegen. Momentan wird nur auf Anfrage produziert, doch der Vertrieb soll bald ausgebaut werden. Kontakt: The Style Is Yeah, Sani Gulic, T 0049.163.5674657, welcome@thestyleisyeah.com www.thestyleisyeah.com

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Nur eine Hand voll T-Shirt-Motive hat es in die heiligen Hallen des weltweiten Ruhmes geschafft, darunter zweifelsohne die berühmteste Liebeserklärung der Welt: I Love NY in rot-schwarzen Lettern. Die Idee ist so simpel und so genial. Das Münchner Designbüro FPMD griff sie erstmals für eine Kooperation mit Footlocker zur Fußball-WM 2010 auf und produzierte Fan-Tees mit I-Love-My-Team-Motiven. Die große Nachfrage veranlasste das FPMD-Team jetzt, das Konzept gemeinsam mit der Onlineplattform Shirtinator weiterzuentwickeln. Seit Anfang Mai sind die I-Love-Shirts im Handel. Rund 100 verschiedene Motive gibt es bereits, Tendenz steigend. Jedes Motiv lässt sich im Shirtinator-Shop über ein Customizing-Modul nach eigenen Vorstellungen personalisieren. Der Verkauf läuft exklusiv über den Webshop von Shirtinator, aber auch Kooperationen und Special Editions für Stores und Events sind möglich.


finden wir gut –– mode

03 mutewatch Nachhaltiges Zeitmanagement

Jeden Morgen ihren bis spät in die Nacht arbeitenden Mann pünktlich wecken zu müssen, hatte die Schwedin Mai-Li Hammargren satt. Ein neues Werkzeug für Zeitmanagement musste her, das ihren Job übernimmt. So setzte sie sich 2008 mit ihrem Mann Gustav Hammargren und dem Produktdesigner Ritzén Praglowski zusammen und entwickelten die Mutewatch – eine Uhr in minimalistischem Design, die neben einem Vibrationsalarm auch einen Wecker und einen verborgenen Touchscreen bietet. Heute besteht die schwedische Firma aus einem internationalen Netzwerk mit Leuten aus Film, Design, Mode und Musikindustrie und wächst stetig. „Die Mutewatch funktioniert für jeden, der Aufgaben zu erledigen und ein Ziel zu erreichen hat – mit nur 24 Stunden Zeit am Tag. Sie funktioniert sowohl als lautloser Wecker, der seinen Träger – und nur ihn – an alles Wichtige erinnert“, erklärt Hammargren. Es gibt sie in drei Farben, Pure White, Poppy Red und Charcoal Grey zu einem Verkaufspreis von 199 Euro. Stores wie Colette in Paris, New Museum in New York, Voo in Berlin oder Milk in London-Shoreditch zählen bereits zu ihren Kunden. Kontakt: Säck & Nolde Distribution, 44791 Bochum/Deutschland, T 0049.234.893980, info@saeckundnolde.de, www.saeckundnolde.de

04 Djo No Revolution!

Hier versucht niemand, die Mode zu revolutionieren. Erfrischend bodenständig geht die Münchner Modemarke Djo an ihre Mission heran. Tragbar wird nicht als Schimpfwort interpretiert, sondern beispielsweise als gut geschnittene Sweatpants mit tiefem Schritt, simpler Linienführung bei weich fallenden Kleidern und Overalls. Die Komplettkollektion der Designerin Joanna Danov, die sich in eine Designlinie und eine Freestyle-Kollektion unterteilt, möchte für jeden Anlass das Richtige bieten. Highlight sind Kleider und Pullover aus Nicki, Basics verziert mit Drucken und Bommeln und leuchtende Knallfarben. Mit der Freestyle-Kollektion richtet sich Joanna Danov – neben dem Verkauf in ihrem 2009 in der Hohenzollernstraße eröffneten eigenen Store mit 60 Quadratmetern – auch an den stationären Einzelhandel. Der Ausbau der Vertriebsstrukturen steht daher ganz oben auf der To-do-Liste. Kontakt: Djo, Joanna Danov 80801 München/Deutschland T 0049.89.33039123 jo@djo-style.com www.djo-style.com

05 olow Subversives Spiel mit der Realität

„Es ist ein Kunstprojekt, das auf dem Wechsel der Realität basiert“, so beschreibt Valentin Porcher seine 2006 geründete Marke Olow. Es ist eine Fusion aus Grafik, Textil, Video und DIY-Styles, die in ihrem Gesamtbild ein Spiel mit Antagonismen darstellt. Die Motive zeigen surrealistische Situationen und sollen laut Porcher subversive Gedanken kultivieren. Nicht so abstrakt: Die textile Leinwand für ihre philosophischen Produkte ist feinste Biobaumwolle. Das Sortiment umfasst bislang in erster Linie T-Shirts für Männer, aber auch einige Hemden und Jacken. Frauen werden seit der Frühjahr-/SommerKollektion 2011 mit einigen T-Shirt-Styles bedient. Tees kosten im Einkauf 15, Mäntel um die 80 Euro. In Frankreich wird Olow bereits in rund 50 Läden verkauft, in Deutschland sollen bis Februar 2012 rund 35 Shops beliefert werden. Kontakt: Olow, Valentin Porcher 93150 Le Blanc-Mesnil/Frankreich T 0033.662.966977 valentin@olow.fr www.olowshop.com

06 Barts Accessoires für alle!

Farbenfrohe Accessoires mit hohem Wiedererkennungswert. Damit hat sich die Marke Barts aus Amsterdam einen Namen gemacht. Markengründer Bart Koene erweiterte die einmal jährlich erscheinende Winterkollektion erst kürzlich um Wollhüte, Schals, Handschuhe sowie innovativ designte Strickwaren für Damen und Herren. Darüber hinaus gibt es eine eigene Linie für Kinder und Teenager. Charakteristisch für Barts-Accessoires ist der Materialmix aus Denim und Canvas mit Strick oder Kunstpelz. Zu den aktuellen Kollektions-Highlights zählen Moonboots, Ohrenwärmer und Taschen mit auffälligen Pelzoder Strickdetails. Sportiv, modisch oder glamourös – die Accessoires von Barts können miteinander kombiniert werden. Die Preise liegen zwischen 6,50 und 49,95 Euro. Kontakt: Barts HQ, Timo Hermeler, 1013 Amsterdam/Niederlande, T 0043.699.13639615 timo@barts.eu, www.barts.eu

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08 Maloja Stylisches Erlenwäldchen

Maloja, das Erlenwäldchen im schweizerischen Engadin, hatte es Peter Räuber angetan. 2004 hat er die gleichnamige Marke zusammen mit Klaus Haas gegründet. Stylische Funktionskleidung zu designen, mit Stimmungen, Gesichtern und Gefühlen aufbereitet, so lautet die Unternehmensstrategie der Schweizer Sportmarke. Maloja bietet Funktionsbekleidung für die Sportarten Bike, Laufen, Klettern und im Winter für alle Sportarten wie Tourengehen, Langlauf, Skating oder Winter-Bike mit gleichzeitigem Anspruch an guten Style. „Viele Funktionsprodukte sind so gestaltet, dass sie multifunktional eingesetzt, also für mehrere Sportarten genutzt werden können oder gleichzeitig auch als Freizeitbekleidung geeignet sind. Synergieeffekte in den Sportarten sind uns wichtig“, erklärt Räuber. Die Preislage liegt im mittleren bis gehobenen Bereich für Sportbekleidung. Maloja ist bereits bei namhaften Sportfachhändlern und Fashionshops in Deutschland und der Schweiz erhältlich. Kontakt: Maloja Clothing GmbH & Co. KG, 83253 Rimsting/Deutschland, T 0049.8051.963570 info@maloja.de, www.maloja.de

07 Hudini Sportswear (Stil)sicher auf Berg spitze oder im Wildwasser

Performance, Nachhaltigkeit, Style. Auf diese drei Ingredienzien setzt das schwedische Outdoor-Label Hudini Sportswear. 1993 von der Bergsportlerin Lotta Giornofelice gegründet, wurde die Marke zuerst durch ihr Base-Layer- und First-Layer-Programm bekannt. Inzwischen bietet das Layering System Core Comfort alles, was „Freie-Wildbahn-Fanatiker“ glücklich macht: Underwear, Second Layer, Soft- und Hardshells. Mehr als 80 Prozent der Produkte sind auf ökologisch nachhaltige Weise produziert und aus recyclebaren Rohmaterialien hergestellt. Produziert wird ausschließlich in Europa. Mit 15 Euro im Einkauf für Underwear bis hin zu 100 bis 190 Euro für eine Third-Layer-HardshellJacke bewegt sich die Linie im mittel- bis hochpreisigen Segment. Ab August ist die Kollektion auch im deutschen Sportfachhandel erhältlich. Kontakt: Tremmel Marketing GmbH Edgar Tremmel 88214 Ravensburg/Deutschland T 0049.751.6527433 edgartremmel@et-marketing.com

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premium shoes Aufsteiger

„Wir geben unsere Produkte erst in den Vertrieb, wenn wir sie auf unseren Flächen erfolgreich verkauft haben“, sagt Geschäftsführer Amir Parandian von Premium Shoes. Seine Familie vertreibt seit Jahrzehnten Schuhe und führt zwei Geschäfte in Bad Homburg. Das eigene Label Premium Shoes by Hanna White gibt es bereits seit 2005, seit zwei Jahren ist es auch für andere Händler verfügbar, darunter Goldmarie in Berlin und Zalando. Mit wachsendem Erfolg, denn laut Parandian kommen zu den 180 Kunden wöchentlich neue hinzu. Produziert wird im eigenen Betrieb in Italien. Die EK-Preise liegen zwischen 28,50 und 47,50 Euro bei einer Kalkulation von 2,5 bis 3,0. Eine Taschenkollektion ist bereits geplant und demnächst wird sogar ein Duft lanciert. Kontakt: Premium Shoes Amir Parandian 61348 Bad Homburg/Deutschland T 0049.151.17212341 info@premium-shoes.com www.premium-shoes.com


finden wir gut –– mode

10 phenum Street-Serotonin

Mit den Ingredienzien Design, Skateboarding, Musik und Fotografie lässt Ific de Orestis, Inhaber der 2009 gegründeten Streetwear-Marke Phenüm aus Brest, den Zeiger des StyleEKGs in die Höhe schnellen und serotonisiert die Gemüter der Street-Szeneherzen. Das Logo zeigt ein P, wie ein Prisma, und soll laut de Orestis, die verschiedenen Bestandteile der BrandDNA unterstreichen. Die Welt von Phenüm ist grenzenlos: „Wir haben alle eine gemeinsame Motivation: Freedüm Quest, dieses Streben nach Freiheit lenkt all unsere Schritte und motiviert uns bei unseren Designs“, erklärt de Orestis. Das äußert sich in Form von limitierten T-Shirt-Serien, teils mit rätselhaften, schockierenden Drucken, teils mit surrealistischen Motiven. Die EK-Preise liegen bei 14,93 Euro bei einer 2,5er-Kalkulation. Im Monatstakt gibt es zwei neue Designs, in einer 100er-Auflage, streng limitiert. Ein Ausbau der Kollektion auf Caps, Hoodies und weiteres Apparel ist bereits in Arbeit. Bislang ist die Marke im ConceptStore in Montpellier und im Enigma Board Shop in Bordeaux vertreten. Kontakt: Phenüm, Ific de Orestis, 29200 Brest/Frankreich, T 0033.621.564464 contact@phenum.com, www.phenum.com

11 Monstore Alle Augen auf Originalität

12 Elhaus Handarbeit: 16 oz Denims

Die spannungsgeladenen Kreationen der jungen Berliner Marke Monstore fallen ins Auge. 2009 gegründet, haben die kreativen Köpfe des Labels bereits große Pläne: Monstore-Produkte sollen mehr als ein tragbarer Gebrauchsartikel sein, sie sollen passionierte T-Shirt-Fans auf die facettenreiche Welt der Mode und Kunst aufmerksam und neugierig machen. Das Team hinter der Marke, Nicholas Yudha, Michael Chrisyanto und Agatha Carolina, will zudem jungen vielversprechenden Künstlern die Möglichkeit geben, ihre Werke in tragbare Kunst zu verwandeln. Monstore steht für die harmonische Ergänzung von Mode und Kunst zu einer Form von Originalität, die alle Blicke auf sich zieht. Pläne für die Zukunft gibt es bereits: Die Produktpalette soll um einige Specials erweitert werden, wie beispielsweise um die sammelbare Serie Monstore Matters. Der EK liegt zwischen 16,50 und 22,50 Euro.

Elhaus bedeutet 16 oz Japan Denim, Handarbeit, Selvage-Kante, tiefblau, clean, schlicht und ehrlich. Sprich: alle Finessen, die sich ein Indigoliebhaber wünscht. In ihrem Heimatland Indonesien gilt Elhaus bereits als der neueste, heißeste Denim-Shit. Das Logo des Labels zeigt zwei Federn. Diese sollen den Gedanken versinnbildlichen, der hinter den Kleidungsstücken steht. „Wir wollen Menschen mit unseren Produkten nicht bereichern, wir wollen, dass ihr unsere Produkte bereichert“, so Rav und Ed, die Kreativchefs der Marke. Elhaus legt den Fokus auf klassische, zeitlose Männermode für den Street-Gentleman. Neben Denim beinhaltet die Kollektion auch ein kleines Sortiment aus Hemden und T-Shirts. Bislang nur in Indonesien erhältlich, wird seit Mitte 2011 die Marke auch von Berlin aus europaweit vertrieben. Der Einkaufspreis für Selvage-Denims für Herren liegt bei 100 Euro, für Hemden bei 60 bis 70 Euro im Einkauf.

Kontakt: Len & Luv lifestyle distribution, Lei Yong, 10999 Berlin/Deutschland, info@lenandluv.com www.lenandluv.com, www.heymonstore.com

Kontakt: Len & Luv lifestyle distribution, Lei Yong, 10999 Berlin/Deutschland, info@lenandluv.com www.lenandluv.com, www.elha.us

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13 hobo Schuhwerk für alle Situationen

Schuster, bleib bei deinem Leisten. Diesen Rat befolgt Schuhmacher Hobo Boots ’n’ Shoes gern. Ob Reitstiefel oder Wanderschuh, ob für die Arbeit oder als modisches Accessoire – das 1982 von Ferdinand Haeseler in Münster gegründete Label bietet qualitativ hochwertiges und funktionales Schuhwerk, das auch in Designfragen überzeugt. Die aktuelle Frühjahrskollektion Geada zeichnet sich durch fröhliche Farbkombinationen, akzentuierten Materialmix und eine angenehm flexible Sohle aus. Vertrieben werden Hobo Boots ’n’ Shoes von der münsteraner Malefiz Großhandels GmbH. Zu den zwölf bislang belieferten Ländern zählen unter anderem Deutschland, Schweiz, Österreich, die Benelux-Länder und Schweden. Die Einkaufspreise bewegen sich zwischen 229 und 279 Euro. Shops finden sich auf der Website. Kontakt: Malefiz Großhandels GmbH, 48366 Laer/Deutschland, T 0049.2554.921321 info@hoboshoes.com, www.hoboshoes.com

14 Vulk Eye-Kult

15 Schaaf Reduziert auf das Wesentliche

Sonnenbrillen, die aussehen, als wären sie aus hochwertigem Holz, mit eingelassenen farbigen Streifen und aufwändigen Details – das ist die Stärke des 2009 gegründeten argentinischen Brillenlabels Vulk. Kopf hinter der Marke ist Carlos Ignacio Centeno, studierter Optiktechniker, Skateboard- und Musikenthusiast sowie General Manager und Head Designer von Vulk. Die Designs stehen für Rebellion. Orientiert am Lebensgefühl der Jugend während der 1960erund 1970er-Jahre im New Yorker Lower East Village. Die heiß umworbene Woodenlook Series 2012 heißt Amplify Your Life. Das Gesamtsortiment aus Sonnenbrillen und optischen Rahmen umfasst zirka 40 bis 50 Modelle in diversen Farbvarianten zu einem Einkaufspreis von 54 bis 90 Euro. Bislang ist Vulk überwiegend in Streetfashion-Stores in Südamerika vertreten, ab dieser Saison liegen Deutschland, Österreich, Schweiz, Holland, Belgien, Dänemark und Russland im Vertriebsvisier.

Die gebürtige Münchnerin Miriam Schaaf begann ihre Karriere als Modedesignerin mit einigen Awards: dem Best Textile Innovation Award 2006 (AMD/Munich Fabric Start) und dem Best Menswear Award 2008 (AMD). Die ursprünglich als Menswear ausgerichtete Kollektion hat sich inzwischen um einige Unisex-Teile erweitert, die sich auch für Frauen eignen. Produziert wird fast ausschließlich in Deutschland. Charakteristisches Merkmal aller Designs von Schaaf sind die klaren Strukturen, die streng geometrischen Formen, eine avantgardistische Schnittführung und der Verzicht auf jegliche Details, die vom wesentlichen ablenken könnten. Seit vergangenem Sommer ist die nur noch einmal jährlich erscheinende Kollektion in München in einem eigenen Showroom mit Verkaufsfläche in der Landsbergerstraße 51 vertreten. Zusätzlich hängt die Kollektion bei Harvest und Parke 6 in München und wird über ausgesuchte Onlinestores vertrieben.

Kontakt: Boardwalk Berlin, Fred Schulz, 10969 Berlin/Deutschland, T 0049.30.25928096 fredschulz@boardwalk-berlin.com, www.Boardwalk-Berlin.com, www.vulkeyewear.com

Kontakt: Schaaf, Showroom München, 80339 München/Deutschland, T 0049.89.37942054 contact@miriamschaaf.com, www.miriamschaaf.com, www.store.miriamschaaf.com

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finden wir gut –– mode

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Th Gallery Eklektischer Kreativmix

Kunst + Musik + Mode = TH Gallery. Antoine Delomez hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit seiner 2007 geründeten Pariser Marke eine kreative Verbindung aus Historie und Avantgarde zu schaffen. So werden die limitierten T-Shirt-Editionen stets in einer Schallplattenhülle, deren Cover der Druck der T-Shirts ziert, an ihre Fans verschickt. Eine der begehrtesten Serien war Burger People, die Gesichter von Promis mit Fast-Foot-Ketten, wie beispielsweise Karl Lagerfeld und KFC, Marylin Monroe und McDonalds oder Burger King und King Elvis, auf ironische Weise kombiniert. Sämtliche T-Shirts sind aus Biobaumwolle, für die Prints wird umweltfreundliche Farbe verwendet. Im Einkauf kosten die T-Shirts 16 Euro, bei einem Kalkulationsfaktor von 2,5. Verkauft werden die Kollektionen momentan bei Opening Ceremony in Tokio, Harvey Nichols in London, Dubai und Hongkong, bei Citadium in Paris und im Museum of Contemporary Art in Chicago. Kontakt: Teach Heart Sarl, Antoine Delomez, 75001 Paris/Frankreich T 0033.610.240698, antoinedelomez@thgallery.fr, www.thgallery.fr

16 DTA Traue niemandem!

2005 gründete Johan Esbensen aka Yo die Marke Rogue Status in Venice, Kalifornien. Zwei Jahre später wurden Profiskater Rob Dyrdek und Travis Baker Inhaber von Killer Distribution/Famous Stars and Straps auf Rogue Status aufmerksam und wurden zu Partnern. Diese Fusion fand schnell Aufmerksamkeit wie auch bei Don’t Trust Anyone (DTA), die sich bereits mit ihren Gunshot Print T-Shirts einen Namen im Street-Geschäft gemacht hat. So standen alle Zeichen auf Team up! 2008 war DTA bereit, als eigenständige Marke und Schwester von Rogue Status aufzutreten. Ihr Universum besteht aus Skate Team, Londons Grime Music Szene und dem Scion Racing Drift Team. 2012 arbeiten Rogue Status und DTA erneut an einer gemeinsamen Kollektion. T-Shirts, Caps, Hosen und einer Ladys-Kollektion aus Tops und Beachwear sind bereits bei Zoomies, Titus, Alleyoop, Doubleight und Karmaloop erhältlich und liegen preislich zwischen 13,50 und 19.90 Euro im EK. Kontakt: Taylan GmbH 50672 Köln/Deutschland T 0049.221.16896222 office@taylan-gmbh.de www.taylan-gmbh.de

19 SoÖruz Von und für Riders

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Sugarfree Shoes SüSSstoff oder was?

Jeder Schuh erzählt eine Geschichte, erklärt uns die Philosophie von Sugarfree Shoes, und zappt man durch die Kollektionsansicht der jungen Marke, dann scheinen das ziemlich extravagante Geschichten zu sein. Schwindelig hohe Highheels, exzentrische Mustervariationen und knallige Farben machen die Damenschuhkollektion aus, die zu Beginn 2011 erstmals auf den deutschen Markt kam. Auch der Kollektionsrhythmus ist etwas anders: Alle zwei Monate erscheinen acht bis zwölf neue Styles, die je nach Jahreszeit von Pumps bis Stiefel variieren und immer die aktuellsten Trends umsetzen. Diesen Service könnte es bald monatlich geben, wenn die Verkaufszahlen stimmen. Für Händler bietet Sugarfree Shoes den besonderen Service, über das Online-Lookbook per Fax oder E-Mail zu ordern. Die europaweite Distribution wird gerade von Schweden aus aufgebaut, und auch für Asien und Neuseeland werden gerade Sales Teams zusammengestellt. Mit EK-Preisen von 14 bis 28 Euro und einer 2,8er-Kalkulation richtet sich die Marke an den Schuhfachhandel und Onlinehändler wie nelly.com und mirapodo.com. Kontakt: A-Game Distribution, Aylin und Ibrahim Diarra, 12435 Berlin/Deutschland T 0049.30.53603330, crew@a-game.de, www.sugarfreeshoes.com

Das Label Soöruz vereint die Gemeinsamkeiten von Kite, Wake und Wellenreiten und zieht daraus seine Inspiration. Seit 1999 bietet die französische Marke von Matthieu Barrat und Yann Dalibot im La Rochelle sowohl Wasser- als auch Brettsportfanatikern an Land das passende Gewand. Ihr Anspruch: Alles muss technisch und qualitativ absolut hochwertig verarbeitet werden. Im Produktportfolio findet man von technischer Hardware über Boardshorts, Wetsuits, Pullover, Sweatshirts, T-Shirt, Hosen, Jacken, Kleidern, Unterwäsche und Polos alles, was das Funsportherz begehrt. Preislich bewegt sich die Kollektion zwischen 28 und 31 Euro für Boardshorts und 40 und 63 Euro für Jacken und ist bereits bei Planet Sports in München, Waterkant in Hamburg und im Surf Shop auf Sylt vertreten. Kontakt: Boardin Gate Marketing und Distribution Sébastien Dumarest 10627 Berlin/Deutschland T 0049.171.6206762 info@boardingate.de www.sooruz.com

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into the wild

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Hippie? Keine Sorge. Inspiriert von der Natur und seinen Bewohnern. Blümchenmuster, Lederapplikationen, Boots und Tierprints zeichnen ihn aus, sowie Hosenträger und Destroyed Denim in allen Farbvarianten und Formen. Rucksäcke, Taschen aus Canvas, Tops mit Spitze und Hemden aus grobem Leinen, Patchwork und Hiking-Elemente.

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01 –– Denim Demon, 02 –– Closed, 03 –– Carhartt, 04 –– Eastpak, 05 –– Dolfie, 06 –– RVCA, 07 –– Energie, 08 –– Edwin, 09 –– Freesoul, 10 –– Pepe Jeans, 11 –– Firetrap, 12 –– Ben Sherman, 13 –– WEMOTO, 14 –– Mavi, 15 –– Hilfiger Denim, 16 –– Replay, 17 –– Levi‘s, 18 –– Dunderdon

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Trends –– MODE

Trends

Der Berliner Messedschungel ist geschafft. Eklektisch ist wohl das richtige Wort, was die Trends in ihrer Vielfalt umreißt: Egal ob florale Prints, cooler Materialmix, ein smarter 1970er-Jahre-Holiday-Look oder die Old-SchoolCollege-Variante. Whatever, Summer 2012, let‘s go!

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Text Ina Köhler, Nicolette Scharpenberg Fotos Veit Ritterbecks, Ina Köhler, Hersteller

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19 –– Lacoste, 20 –– Adidas, 21 –– Drykorn, 22 –– Edwin, 23 –– G-Star, 24 –– Red Collar Project, 25 –– Edwin, 26 –– Gram, 27 –– Mavi, 28 –– Diesel, 29 –– Tigerhill, 30 –– Killah, 31 –– Maloja, 32 –– Levi‘s, 33 –– Titi Madam

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College Boys & Cheerleaders Sportlich-sexy ist dieser Look mit seinen kurz geschnittenen Baseballjacken für Mädels in knalligen Farben und dem dazugehörigen Minirock. Die Hornbrille rundet den Style ab. Er kommt lässig mit Basecap und passender Jacke in Knallfarben plus Sweater mit Ziffer auf der Brust. Manchmal aber auch eleganter in Chino, engem Jacket, Karohemd und sportlicher Herrenhandtasche in buntem Glattleder und Canvas-Sneakers.

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01 –– Carhartt, 02 –– LEE, 03 –– Energie, 04 –– Converse, 05 –– Red Collar Project, 06 –– Sperry Topsider, 07 –– Converse, 08 –– Original Eskimo, 09 –– Drykorn, 10 –– Mavi, 11 –– VITO, 12 –– Adidas Originals, 13 –– Fruit of the Loom, 14 –– Ben Sherman, 15 –– TOMS Shoes, 16 –– Lacoste, 17 –– Pepe Jeans

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Trends –– MODE

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sole-Land Bootsschuh und Boots sind feste Elemente auf dem Schuhmarkt und halten sich wacker. Hinzu kommen Espadrilles in schwindelerregenden Höhen, gerne als Plateau oder mit Keilabsatz. Leichte weiße Sohlen finden sich unter Sneakers, aber auch eleganteren Damenschuhen wieder. Bunte Oberleder und Sohlen in Signalfarben s etzen kräftige Akzente zum Outfit.

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01 –– Pepe Jeans, 02 –– MOS Copenhagen, 03 –– D.co Copenhagen, 04 –– Pepe Jeans, 05 –– Bench, 06 –– Bench, 07 –– Dolfie, 08 –– Adidas Originals x Jeremy Scott, 09 –– Killah, 10 –– Firetrap, 11 –– Floris van Bommel, 12 –– Adidas, 13 –– Replay, 14 –– Lacoste, 15 –– Pepe Jeans, 16 –– Gram, 17 –– Ben Sherman

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Printed

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Egal ob A-Team Legende Mister T, Lady Gaga als Dunkin‘ Donuts Ikone, eine Hommage an Albert Einstein oder die Brooklyn Bridge als Kaleidoskop. In Sachen Druckangelegenheiten liegt der Sommer 2012 weit vorn.

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01 –– Converse, 02 –– TPDG, 03 –– OLOW, 04 –– Hilfiger Denim, 05 –– WEMOTO, 06 –– Drykorn, 07 –– GSUS, 08 –– RVCA, 09 –– Blondes make better T-Shirts, 10 –– Sixpack France, 11 –– TH Gallery, 12 –– TH Gallery

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Bright Colours

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Man hat die Qual der Wahl, wenn alle Regenbogentöne nebeneinander versammelt sind: Von Pastell- bis hin zu kräftigen Knallfarben ist beinahe alles möglich. Bunte Chinos und Schuhe sind wichtige Hingucker. Anwärter auf die vorderen Ränge hat Grün – als Frosch-, Jade-, Mint- oder Olivgrün. Daneben hält sich ein kräftiges Signalrot, das in diesem Sommer schon als Nagellack Premiere feierte. 13

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01 –– Freesoul, 02 –– Mavi, 03 –– LEE, 04 –– G-Star, 05 –– Adidas, 06 –– Ben Sherman, 07 –– Carhartt, 08 –– Miss Sixty, 09 –– Floris van Bommel, 10 –– MOS Copenhagen, 11 –– VITO, 12 –– Eastpak, 13 –– Energie, 14 –– Diesel, 15 –– Drykorn, 16 –– Palladium, 17 –– Supremebeing, 18 –– Pepe Jeans

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on holiday Hey Baby, lass uns nach Nizza fahren! Er trägt Chinos, Streifenhemden, Wayfarer Sonnenbrillen in schwarz-braunem Horn, Streifenhemden im Used Look und Shorts. Sie liebt Röcke mit hoher Taille, Flared Jeans, lange Kleider mit großem Blumenmuster, Tank Hemdchen mit All-Over-Print, Kopftücher, Basthüte, flache Sandalen oder bunte Espadrilles mit Plateau. Pflicht für ein gepflegtes Urlaubsfeeling: Calippo Eis.

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01 –– WEMOTO, 02 –– Sperry Topsider, 03 –– Supremebeing, 04 –– LEE, 05 –– Rules by mary, 06 –– Drykorn, 07 –– Vulk, 08 –– G-Star, 09 –– Mavi, 10 –– Pepe Jeans, 11 –– Keds

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Trends –– MODE

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12 –– Miss Sixty, 13 –– Pepe Jeans, 14 –– Ben Sherman, 15 –– R.T.CO, 16 –– Killah, 17 –– Keds, 18 –– Pepe Jeans, 19 –– Killah, 20 –– Tigerhill, 21 –– Lacoste, 22 –– Wrangler, 23 –– Floris van Bommel, 24 –– Diesel, 25 –– Rules by Mary, 26 –– Pepe Jeans

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Mini & Maxi Schöne Beine in die erste Reihe: Im nächsten Sommer bleibt es beinfrei. Die Mode punktet mit Hot Pants, lässigen Bermudas oder gekrempelten Shorties in allen Stoffarten. Wem das zu gewagt erscheint, wählt das Gegenteil, die Überlänge als Rock oder Kleid. Das gab es schon einmal Ende der 1960er-Jahren – heute existieren beide Längen wieder friedlich nebeneinander.

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01 –– Edwin, 02 –– GSUS, 03 –– Made & Crafted, 04 –– RVCA, 05 –– Hilfiger Denim, 06 –– Eleven Paris, 07 –– Freddy, 08 –– Hilfiger Denim, 09 –– Miss Sixty, 10 –– Pepe Jeans, 11 –– Pepe Jeans, 12 –– Miss Sixty, 13 –– We are Replay, 14 –– Diesel, 15 –– Diesel

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Trends –– MODE

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After Skate Als wäre es gestern gewesen: Da kam der Junge noch in schäbigen, verdreckten Buxen nach Hause, die viel zu weit und viel zu kaputt waren. Heute steht er auf Sakkos aus Jersey, Slim-Fit Hemd und Chino. Schlichtes weißes T-Shirt und Raw Denim – nicht zu weit, nicht zu eng, manchmal sogar Röhre. Schnürschuhe haben ihre Berechtigung neben Sneakers. Na Muddi, was sachste jetzt?

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01 –– TPDG, 02 –– RVCA, 03 –– Made & Crafted, 04 –– DTA, 05 –– Converse, 06 –– Majola, 07 –– Original Penguin, 08 –– Supremebeing, 09 –– Ben Sherman, 10 –– Cleptomanicx, 11 –– Poyz & Pirlz, 12 –– WEMOTO, 13 –– Die Straße trägt St. Pauli, 14 –– Adidas Originals, 15 –– Hilfiger Denim, 16 –– TH Gallery

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Bleached & Dyed Gewaschenes Pigment Dyeing, Überfärbungen, hell heruntergewaschene Pastellfarben bis hin zu Dirty Wash. Ohne gewaschene Qualitäten geht nichts, entweder allover oder partiell akzentuiert. Bleachings sind ein guter Begleiter für warme Sommertage. Weiche Griffe, leichte Qualitäten bestimmen das Bild. Sogar robustes Leinen wird so lange bearbeitet, bis die Haptik stimmt. Von so viel Komfort mag sich keiner mehr verabschieden.

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01 –– We are Replay, 02 –– Energie, 03 –– ADenim, 04 –– Bench, 05 –– Replay, 06 –– Edwin, 07 –– RVCA, 08 –– G-Star, 09 –– Killah, 10 –– Energie, 11 –– Miss Sixty, 12 –– Firetrap, 13 –– Drykorn, 14 –– Diesel, 15 –– Mustang, 16 –– ADenim, 17 –– GSUS

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Denim all over Wer noch keine Jeanshemden hat, sollte sie auf die Einkaufsliste setzen. Denim gibt es für die kommende Saison von Kopf bis Fuß, als Hose, Hemd, Jacke, Kleid, Rock oder Schuh. Kombiniert werden gerne die unterschiedlichen Waschungen und Blauschattierungen, so kommen Variationen ins Spiel.

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01 –– Mavi, 02 –– Drykorn, 03 –– Denham, 04 –– Hilfiger Denim, 05 –– Killah, 06 –– Levi‘s, 07 –– Freesoul, 08 –– Energie, 09 –– Ben Sherman, 10 –– M.O.D., 11 –– Hilfiger Denim, 12 –– Bench, 13 –– Replay, 14 –– Wrangler, 15 –– Pepe Jeans, 16 –– G-Star, 17 –– Pepe Jeans, 18 –– Adidas Originals x Jeremy Scott

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Cars for sole

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Fotos Clemens Kois/www.clekois.com fotoassistenz Martin Malm Styling Roswitha Wieser/roswitha.wieser@salzburg.co.at produktion Nicolette Scharpenberg Dank an: Car Loft, www.carloft.at; Die Brille, www.die-brille.at; Collins Hüte, www.collins-hats.at, Antiquitäten Aiglhof, zwicky@networld.at

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01 –– Fly London 02 –– Pointer 03 –– Bench 04/05 –– Pointer & Comme des Garçons

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cars for sole –– MODE

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01 –– K1X & Patrick Mohr 02 –– Converse 03 –– JoJo 04 –– Generic Surplus & Obey 05 –– Puma 06 –– Hub 07 –– Kawasaki 08 –– Converse & Jack Parcell 09 –– Onitsuka Tiger

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01 –– Killah 02 –– Toms Shoes 03 –– Vans Vault 04 –– Adidas 05 –– Toms Shoes 06 –– Toms Shoes 07 –– Keds 08 –– Lacoste 09 –– Generic Surplus 10 –– Gola

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cars for sole –– MODE

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01 –– Vans 02 –– Lacoste 03 –– Sperry Topsider 04 –– Gaastra 05 –– Timberland 06 –– Native Shoes

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01 –– Scholl 02 –– Palladium 03 –– Fly London 04 –– Mustang 05 –– Diesel

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01 –– Neosense 02 –– Carlos Santos 03 –– Killah 04 –– Camper 05 –– Mustang 06 –– Preventi 07 –– St. Vacant

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Velosophie

Unaufhaltsam erlebt das Zweirad sein Comeback, und das weltweit. Jede Stadt hat seine eigene Fahrradszene, Bike-Stores, Sammler, Bastelfreaks oder illegale Fahrradrennen. x-ray ließ sich zeigen, was Vancouver, Amsterdam und Kopenhagen fahrradtechnisch alles zu bieten haben.

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Cycle chic_vancouver –– fahr mal hin

Vancouver Ganz ohne Stützräder Die Metropole Vancouver ist eine Stadt der Wolkenkratzer und Berge, Segelboote und All-you-can-eatSushi-Läden. Die Küstenstadt wurde von The Economist zur lebenswertesten Stadt der Welt gekrönt. Was macht diese Stadt so besonders? Sie ist praktisch komplett fahrradtauglich.

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Text Jules Moore Fotos Yorick Carroux

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ein erstes Fahrrad in Vancouver habe ich mir gekauft, nachdem ich TalkingHeads-Frontmann David Byrne in New York getroffen hatte. David kam auf seinem Montague-Klapprad zu einer Filmpremiere und griff sich ans Herz, als er hörte, woher ich komme: „Oh, Vancouver. Großartige Stadt! Großartiges Biken!“ Der coolste New Yorker kam beim Gedanken an meine Stadt ins Schwärmen, das veranlasste mich dazu, mir umgehend Byrnes neues Buch „Bicylce Diaries“ anzuschaffen. Und darin stand das: „Hier ein Fahrrad zu fahren, gleicht der Navigation des kollektiven Nervensystems eines riesengroßen, globalen Bewusstseins. Das ist ein echter Trip in die Psyche einer zusammengepferchten Menschengruppe. Eine Phantasiereise, aber ohne die kitschigen Spezialeffekte.“

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Fahrradliebhaber in coolen Pullis heizen durch die Straßen. Die Stiefbrüder: Vancouvers Fahrradkuriere treffen sich in der Morgendämmerung. Die einzigartigen und wundervollen Alleen und Gassen von Vancouver.

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Nach meiner Rückkehr nach Vancouver ging ich zu Don Selbys Ride On Again Bikes am Broadway. Selby, stadtbekannt unter dem Namen Ride On Don, erinnert sich noch gut an eine Zeit, als Radfahren der reine Abturner war, ein Datekiller. „Wenn Mädchen gefragt haben, was ich fahre, und das Wort Bike als Antwort bekamen, war ihnen die Abscheu ins Gesicht geschrieben. Heute sagen sie ‚Oh wow, cool!‘“ Also habe ich ihn gefragt, was sich wohl geändert hat. „Die Menschen haben Fahrräder eine Zeit lang als Trostpflaster angesehen. Fahrrad zu fahren, hieß gleichzeitig, dass man sich kein Auto leisten konnte. Die Zeiten ändern sich und die Menschen entfernen sich vom zwanghaften Autowahn hin zu einem gesünderen Lifestyle. Heute definiert man sich weniger über sein Auto, noch steuert es etwas dazu bei, dass man sich als Erwachsener fühlen kann.“

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„Fahrrad zu fahren, hieß gleichzeitig, dass man sich kein Auto leisten konnte. Die Zeiten ändern sich und die Menschen entfernen sich vom zwanghaften Autowahn hin zu einem gesünderen Lifestyle.“ 03

Don Selby aka Ride On Don

Cyclist’s Symphony: A Playlist

Queen Nazareth Bob Seger Bob Dylan Herbie Hancock Roger Miller The Phantoms Fu Manchu ACDC Roger Daltry Roy Orbison Willie Nelson

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Bicycle Race My White Bicycle Roll Me Away This Wheel’s on Fire Tour de France King of the Road Get on your Bike and Ride The Mongoose Rides On Ride On Quicksilver Lightning Ride Away On the Road Again

Wundervolles British Columbia

Vansterdam

Vancouver ist unerträglich nass und grau, aber trotzdem großartig per Fahrrad zu erkunden. Die Radfahrer in Vancouver gehören zu den härtesten, waghalsigsten und anspruchsvollsten ihrer Art. Eines ihrer liebsten Ziele ist Sea Wall, eine 22 Kilometer lange Strecke in Form einer Halskette, die Vancouvers Ufergebiet von Coal Harbour über English Bay, False Creek und Granville Island bis hin zu Kitsilano Beach verbindet. Der Weg, der von Fußgängern wie Radfahrern gleichermaßen genutzt wird, führt durch nicht weniger als 16 Parkanlagen. Auf der Höhe der English Bay befindet sich innerhalb des Sea Wall der Stanley Park, der als einer der großartigsten Parks der Welt gilt. Er ist praktisch Teil des Stadtkerns, dennoch ist er ein unberührtes Stück Natur. Vancouveraner lieben ihn und er ist eine der Haupttouristenattraktionen. Pflanzen und Tiere en masse – dieser Park ist der perfekte Ort für den sehnsüchtigen Biker.

Vancouvers Radwege sind teils flach, teils steil und kurvig. Unabhängig vom Terrain bekommt man aber natürlich mehr Details von der Umgebung mit, je langsamer man fährt – das Gefühl zementierter Pfade, die Aussicht der Berge, den Sound des Hafens, den Geruch von Chinatown. Wer allerdings lieber schneller unterwegs ist, der kann problemlos innerhalb einer Stunde sowohl die schlammigen Wege des Stanley Parks, als auch die Drogenszene der Downtown East Side durchpflügen. Einige mögen behaupten, dass es diese Schattenseiten der Stadt sind, die ihr den Spitznamen Vansterdam verpasst haben, aber die Meisten wissen es besser. Vancouver ist ein Fahrradwunderland, das seinesgleichen sucht – und bestenfalls in Amsterdam findet. Wenn man Ride On Don Glauben schenken darf, sah die Bike-Kultur 1996, als er seinen ersten Fahrradladen in der Main Street eröffnete, noch ganz anders aus. „Damals waren


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Bikes nicht cool. Die haben ihren gewissen Hipness-Status erst in den letzten acht oder neun Jahren bekommen.“

All-Wetter Gladiatoren

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01 Fantastisch ist es, auch unter grauem Himmel über die atemberaubende Brücke von Vancouver zu fahren. 02 Der Place to be für Biker in der Innenstadt – Bodegas, Buchhandlungen und Barbiere. 03 Unglaublich cool – alte und neue Freundschaften kommen wieder in Fahrt! 04 „Wohltätigkeit“, die Wasserskulptur von Dennis Oppenheim in Sunset Beach Park. 05 Zum Schutz vor Diebstahl sind überall Fahrradständer.

Hipness ist weit davon entfernt, der einzige Grund für eine Auseinandersetzung mit Fahrrädern in Vancouver zu sein. Die außerschulischen Bike-Aktivitäten, Clubs und organisierten Events bieten tonnenweise Unterhaltung. Zwei der größten Anschubser im athletischen Arschtreterbereich sind Gena Perala und Lisa Moffatt. Beide sind aktive Mitglieder von East Van Bike Polo – kurz: EVBP – einer autonomen Organisation, die sich durch Desorganisation auszeichnet. Der Regen ist das Einzige, was sie bisweilen abschreckt. Abgesehen davon treffen sich die Mitglieder zwei- bis dreimal wöchentlich. Keine Regeln.

Die Kuriere Die wahren Profis sind in Vancouver natürlich die Fahrradkuriere. Täglich sammeln sie sich auf der Wiese der Vancouver Art Gallery oder an diversen Treffpunkten der Downtown East Side wie Soldaten nach der Schlacht. Ihre Kameradschaft basiert auf langen, harten Stunden voller Straßenverkehr und dem Vermeiden von Knöllchen. Zu ihrem Glück gibt es in Vancouver reichlich Radwege, die Autos und Fahrräder voneinander getrennt halten, somit gleiches Recht für alle gewährleisten und höchstwahrscheinlich täglich Leben retten. Trotzdem sind die Kuriere natürlich länger unterwegs als irgendwer sonst und wie jeder Radfahrer weiß, steigt mit der Arbeitszeit auch das Risiko, dem man sich aussetzt.

Bike the Blossoms Für Vancouveraner garantiert das Fahrrad

eine bessere Lebensqualität. Nirgendwo ist diese Mentalität deutlicher zu spüren als während des alljährlichen Events Bike The Blossoms, einer zum Teil von Slow Food Vancouver organisierten Tour durch die Kirschblüten im Frühling. Diese Ode an den unschnellen Lifestyle bringt jedes Jahr mindestens 2.000 Menschen aufs Fahrrad, die sich dann gemütlich im Pulk von der East zur West Side bewegen, sich unterhalten und Kontakte mit anderen Radlern, Bauern und Food-Produzenten knüpfen. Das Ganze leitet sich selbst und ist ein großer Spaß für die gesamte Familie; eine Chance mal rauszukommen, sich mit der Vielfalt der Stadtteile auseinanderzusetzen, Slow Food auszuprobieren und unterwegs Kraft zu tanken. Bike The Blossoms ist aber nur eine von diversen maßgeblichen Fahrradveranstaltungen in Vancouver: Es gibt darüber hinaus die Woche Bike to Work und die Pendler-Challenge und – nicht zu vergessen – den Juni. Der Juni ist Bikemonat in Vancouver.

Ride on Ob Klapprad, Fixed Gear, Mountainbike oder Dreirad, dein Rad ist der Schlüssel zur Stadt Vancouver. Wie es auch auf der letzten Seite der „Bicycle Diaries“ geschrieben steht: „Es ist das befreiende Gefühl – die physische und psychische Wahrnehmung –, das einen mehr überzeugt als praktisch irgendein Argument. Dinge aus einer Perspektive zu sehen, die nah an Fußgängern, Verkäufern und Läden liegt, und trotzdem schnell von A nach B zu kommen, ohne sich völlig vom Straßenleben getrennt zu fühlen. Das ist reine Befriedigung.“ Um Don Selby zu zitieren, der das jedes Mal, wenn ein Kunde seinen Laden verlässt, sagt: „Ride On.“ x

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fahr mal hin –– Kopenhagen_Cycle chic 01

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Kopenhagen Alles, nur nicht Radlerhose

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Mit einem Christiania Bike wird faul sein leicht gemacht: Die Transporträder sind in Kopenhagen sehr angesagt, besonders bei Familien mit kleinen Kindern. „Maximale Gestaltungsfreiheit“ lautet das inoffizielle Motto des Track Bike Shops, wo sowohl Kuriere als auch normale Menschen die coolsten Bahnräder der Stadt kaufen können.

Willkommen in der Stadt, in der es mehr Fahrräder als Einwohner gibt und in der ein platter Reifen fast eine legitime Entschuldigung fürs Blaumachen ist. Text Pernille Formsgaard

MIETEN

Fotos Sune Gamst

Baisikeli Radverleih, der auch Räder nach Afrika spendet Turesensgade 10, Kopenhagen Zentrum. www.baisikeli.dk

K

openhagen ist eine echte Fahrradstadt. 55 Prozent der Bevölkerung sind jeden Tag mit dem Drahtesel unterwegs. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, in denen das Radfahren immer noch als urbaner Sport für Rebellen angesehen wird, ist Radfahren für die Kopenhagener wie ihr tägliches Brot. Kinder bekommen in Dänemark ihr erstes Rad normalerweise, sobald sie aufrecht im Kindersitz des elterlichen Rades sitzen können. Erste eigene Fahrversuche folgen in etwa im Alter von drei Jahren. Die Tatsache, dass Kopenhagener gefühlt auf dem Fahrrad geboren werden, hat Stadtplaner von New York bis Dubai auf den Plan gerufen und verschafft Fahrradexperten

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aus Kopenhagen Jobs rund um die ganze Welt. „Es ist schon seltsam, auf Reisen zu gehen und Menschen aus aller Welt von Kopenhagen und seinen Fahrrädern zu erzählen. Fahrräder?! Für Kopenhagener ist das das Gleiche wie ein Staubsauger. Man fährt jeden Tag, denkt aber nicht darüber nach. Man kleidet sich nicht speziell dafür und man hat auch nicht für jede Stimmung ein anderes Rad“, erklärt Mikael Colville-Andersen, Verkehrsexperte und CEO von Copenhagenize Consulting.

Rote Ampeln, nein Danke In Kopenhagen wird seit über 150 Jahren Fahrrad gefahren. Ende der 1950er-Jahre gab es

ANGUCKEN

UCI Road World Championship 2011 Die weltbesten Radrennfahrer in Aktion www.copenhagen2011.dk Dronning Louises Bro Ab 8.30 Uhr die ultimative Rad-Rush-Hour erleben www.copenhagencyclechic.com Das Blog, der Kopenhagens Radler weltberühmt machte www.copenhagenize.com Blog über Fahrradkultur


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zwar einen kurzen Einbruch, als das Auto die Straßen eroberte, aber während der Rest der Welt das Zweirad aus den Augen verlor, sahen kleinere Länder wie Dänemark und Holland die Ölkrise und die Rezession der 1970er-Jahre als Weckruf und rückten das Fahrrad wieder ins Rampenlicht. Heute kann die dänische Hauptstadt mit 350 Kilometer Radwegen vor anderen Städten angeben. Es sind grüne Wege, auf denen man an Bäumen, Blumen und Büschen vorbeifährt, obwohl man mitten in der Stadt radelt. Die Ampelschaltungen sind so gelegt, dass man als Radfahrer einige der größten Hauptverkehrsstraßen überqueren kann, ohne jemals von einer roten Ampel aufgehalten zu werden. Bedingung dafür ist, sich konstant bei 20 Kilometer pro Stunde zu bewegen. Der Vorteil ist, dass Kopenhagens Landschaft flacher als ein Pfannkuchen ist; man muss also

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Cycle chic_Kopenhagen –– fahr mal hin

„Unsere Räder sind cooler als zum Beispiel in Amsterdam. Das liegt vermutlich an der dänischen Designtradition.“ Mikael Colville-Andersen, Copenhagencyclechic

01 Immer mehr Kaffeeläden expandieren ihr Business auf Räder. Wir empfehlen den Cortado. 02 Das klassische Cargo Bike wird weiterentwickelt. Hier ist eine schlankere, frechere und definitiv kinder-freundlichere Version. 03 Einer der Hauptgründe für den Erfolg des Fahrradblogs www.copenhagencyclechic.com waren die Kopenhagener Grazien mit ihren schicken Bikes. 04 Kopenhagen baut mittlerweile Rad- und Fußgängerbrücken über den Hafen – ein guter Grund das Fahrrad anstelle des Autos zu wählen. 05 Die Fahrradkultur ist einer der Hauptgründe, warum Kopenhagen zu einer der lebenswertesten Städte der Welt gewählt wurde. 06 Ein klassisches Stadtrad und eine coole Brille – a match made in Copenhagen.

weder gut trainiert sein, noch braucht man spezielle Kleidung, um bequem von A nach B zu kommen. Demnach halten auch Events, bei denen man einen Anzug oder festliche Highheels tragen muss, keinen Kopenhagener davon ab, mit dem Fahrrad vorzufahren – aus diesem Grund begegnen einem in der Stadt auch Unmengen sehr gut angezogener Menschen auf zwei Rädern.

Keine gepolsterten Radlerhosen Mikael Colville-Andersen begann sein persönliches Fahrradabenteuer 2006 mit einer Fotoserie über Kopenhagener, die auf ihren Fahrrädern besonders schick aussahen. Diese Fotos landeten auf copenhagencyclechic.com, einem Blog, der schnell weltweit Ruhm erntete und den Guardian dazu veranlasste, ColvilleAndersen den „Sartorialist auf zwei Rädern“ zu taufen. Die Menschen waren begeistert,

Radfahrer mit allem nur nicht mit Radlerhosen und Helmen zu sehen. „Wir haben hier coolere Räder als zum Beispiel in Amsterdam. Unsere Designs sind vielfältiger. Das liegt vermutlich an der dänischen Designtradition. Guck dir nur mal eine durchschnittliche Küche in Kopenhagen an – da findet man diverse Objekte, die genau so gut im MOMA in New York stehen könnten. Großartiges Design ist Teil unserer Kultur“, erzählt Mikael Colville-Andersen. In Sachen Designfahrräder ist der Laden Cykelmageren in der St. Kongensgade die erste Adresse. Inhaber Rasmus Gjesing fertigt dort seit 16 Jahren Stromlinienbikes von Hand. Hier entstehen Rahmen aus Acryl, Griffe aus Mahagoni und es kann durchaus mal einen Monat dauern, bis die richtige Halterung für die Lampen von ihm erfunden wird. Nicht weil es kompliziert wäre, sondern weil die Lösung so einfach wie möglich sein muss. „Designer übertreiben es gerne, weil sie Angst haben, ihre Produkte könnten langweilig sein. Für mich ist Minimalismus das Wichtigste“, so Gjesing. Die dänischen Mädchen fahren besonders auf alte Räder im Stil von Großmutters Fahrrad ab, während die Jungs eher auf Single Speed Bikes und Fixed Gear Bikes ohne Bremsen und Gangschaltung stehen. Normalerweise sind diese Bikes eher was für Profis, aber aufgrund ihrer Leichtigkeit, Schnelligkeit und des Designs sind sie auch für Laien Objekt der Begierde. Ein Pflichtbesuch ist der Track Bike Shop in der Rantzausgade. Der Store gehört drei Kurierfahrern und die Auswahl ist riesig. Hier bekommt man das passende Rad vom Lieblingsfußballverein bis hin zum Rad im Regenbogen-Look. „Früher gab es nur zwei Standardräder, zwischen denen man wählen konnte. Bei uns kann man alles selbst zusammenstellen, es gibt keine Grenzen. Wenn sich jeder so ein Rad leisten könnte, hätte niemand mehr Lust auf Bus oder Auto, denn ein eigens designtes Rad zu fahren, hat etwas Magisches“, sagt Tau Kallehave, einer der Besitzer. Im September 2011 ist Kopenhagen Austragungsort der UCI Road World Championships. Die besten Radler der Welt werden dann die Stadt in Beschlag nehmen und Kopenhagens größte Hauptverkehrsstraße

wird fünf Tage gesperrt. Besucher, die Kopenhagen per Rad erkunden möchten, sollten sich allerdings gefasst machen: Wenn sich Kopenhagener aufs Rad schwingen, vergessen sie alle Manieren. Kurven werden geschnitten, über den Bürgersteig wird abgekürzt und es wird geflucht, wenn jemand im Weg steht. Draußen gilt: Jeder kämpft für sich. Colville-Andersen: „Am Schlimmsten sind tatsächlich Frauen. Männer schütteln einfach einen Stunt aus dem Ärmel, um dich zu überholen, aber einer hitzköpfigen Mutter am Morgen sollte man auf gar keinen Fall in die Quere kommen!“ x

shops

Cykelmageren Kopenhagens berühmteste Designfahrräder St. Kongensgade 57, Kopenhagen Zentrum www.cykelmageren.dk Track Bike Shop Beste Wahl für Bahnräder Rantzausgade 2, Kopenhagen Nørrebro www.fixie-king.dk/wordpress Urania Große Auswahl klassischer Stadträder Gammel Kongevej 1, Kopenhagen Vesterbro www.urania.dk Larry vs Harry Neue und schmale Gepäckräder Frederiksborggade 41, Kopenhagen Zentrum www.larryvsharry.com The Bike Porter Derzeit der coolste Laden für Zubehör www.copenhagenparts.com Nutcase Helme Skatehelme mit wachsender Popularität in Kopenhagen www.nutcasehelmets.com Yakkay Bicycle Helmets Sieht aus wie ein Hut, beschützt trotzdem deinen Kopf www.yakkay.com

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Cycle chic_Amsterdam –– fahr mal hin

Fahrradgeschichte aus Amsterdam: Die Werkstatt von RIH Sport; Fahrradbastler Mr. Wim van der Kaaij; RIH’ s wall of Fame.

Wenn das Wetter mitspielt, ist der Cruyff Court neben dem Olympiastadion der beste Platz um Fixed Gear Bikes in Aktion zu erleben.

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Amsterdam Skidden am kanal Die Fixie-Szene in Amsterdam boomt, obwohl sie im Vergleich zu anderen europäischen Städten einen eher langsamen Start hatte. Seit 2009 ist die Popularität der Bikes so rapide angestiegen, dass selbst Radlegende Eddie Merckx beim Stundenrennen nicht hätte schneller beschleunigen können. Text & Fotos Miranda Hoogervorst

it dem Fahrrad durch Amsterdam zu fahren, kann zu einer echten Herausforderung werden. Überall wimmelt es nur von desorientierten, bekifften Touristen, die unvermittelt über Straßen laufen und die Einheimischen damit zum Wahnsinn treiben. Einige der Rad-Rowdys mit ihren bremsenlosen Fixed Gear Bikes lieben allerdings das Spiel, die Touristen absichtlich knapp zu verfehlen.

Die Szene wächst 2010 war ein großartiges Jahr für die Amsterdamer Fixed-Gear-Szene: Durch zahlreiche Events wie die Ausstellung Sur Place, das Bicycle Film Festival oder das internationale Bikepolo-Turnier Polomania genossen die Bikes mediale Aufmerksamkeit. Endlich, denn Fixed Gear Bikes wurden bereits zehn Jahre früher von der Amsterdamer HipsterSzene ins Visier genommen. Im Jahr 2000 organisierte der Concept-Store 90 Square Meters (heute: 290 Square Meters) ein Fixed-

Gear-Event; es war 2005 auch der erste Laden, der diese Räder in einem modischen Kontext verkaufte. In der Folge wuchs die Aufmerksamkeit für Fixies langsam, aber stetig und nach wenigen Jahren war der Markt für echte Fixed-Gear-Spezialisten bereit. Sammy Dirksz und Gijs van Amelsvoort sicherten sich mit ihrem Shop Pristine diese Nische. Sammy Dirksz: „Wir fuhren schon eine ganze Weile Fixies, aber es war schwierig, an Ersatzteile zu kommen. Alle Teile mussten aus dem Ausland und übers Internet bestellt werden. Wir fanden es seltsam, dass ein Fahrradland wie Holland keinen Fixed-Gear-Shop hatte. Es gab zwar damals zwei Onlineshops, aber um das Ganze zu beschleunigen, muss man es auch anschieben. Wir haben zuerst ein Forum gegründet und dann im Dezember 2009 unseren Laden eröffnet.“ Pristine, nur fünf Minuten vom Stadtzentrum entfernt, verkauft das komplette Sortiment, vom Rahmen bis zur Schraube. Im Portfo-

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Fahrrad-Lifestyle: Mike Giant’s ewiger Radler; fertig machen fürs Alleycat; Spoke Cards; Fahrrad-Kaffee von Oakland (CA).

websites

www.pristinefixedgear.com www.fasterthanyoucrew.com www.mediamatic.nl www.rihsportamsterdam.nl www.bicyclefilmfestival.com

lio finden sich Marken wie Campagnolo, Dura Ace, Leader, Charge, Brother Cycles, Volume, Subrosa, Wit Industries, BLB und Focale44. Im ersten Stock kann man in der Kantine auftanken, in der es vegane und vegetarische Gerichte wie Veggieburger, Sandwiches und Hot Dogs gibt. Pristine ist in kürzester Zeit bei Bike-Liebhabern aller Altersklassen zum Treffpunkt geworden. „Wir haben hier viele Radkuriere und Kreative im Laden und bei unseren Events“, erklärt Sammy Dirksz. „Aber es kommen auch viele alteingesessene Fans zu unseren Events und fahren mit ihren Fixies. Früher waren sie begeisterte Radrennfahrer, heute wollen sie gerne sehen, wie sich das alles entwickelt hat.“

Radgeschichte in Jordaan Wer mehr über die Geschichte des Rennrads erfahren will, der sollte RIH Sport im Jordaan-Viertel besuchen. Dieser Fahrradladen stellt seit 1921 Stahlrahmen und Sonderanfertigungen her. Zu sehen gibt es wundervolle alte Bilder von Radweltmeistern, legendäre Modelle wie den Stayer, renovierte, antike

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Cycle chic_amsterdam –– fahr mal hin

Bikes und brandneue Fixies. Seit 1972 ist der Laden im Besitz von Wim van der Kaaij (75), der hier 1948 als Lehrling angefangen hatte. In einer ruhigen Minute erzählt er gerne über legendäre RIH Bike-Fahrer wie Eddy Merckx, den Holländer Leontien van Moorsel und viele andere.

Events Die szenige und gut informierte Amsterdamer Medienplattform Mediamatic kennt die historischen Schätze von RIH sehr gut. Die Oldtimer-Bikes waren auch während der erfolgreichen Ausstellung Sur Place von Mai bis August 2010 zu sehen. Es war die erste große Ausstellung zu urbaner Fahrradkultur in Holland. Zeitgleich gab es eine Menge unterhaltsamer Veranstaltungen, wie zum Beispiel Indoor-Bahnrennen, eine Fotoausstellung (von verletzten Bikern) und Workshops, bei denen man beispielsweise Fahrradhosen bedrucken konnte.

Bicycle Film Festival 2011 Als einen Teil des Sur Place Events veranstaltete das Team von Pristine die erste Amsterdamer Ausgabe des Bicycle Film Festivals, das ursprünglich von Brendt Barbur ins Leben gerufen worden war. Im August 2011 wird Pristine das zweite organisieren. Auch in den Wintermonaten veranstaltet der Laden wöchentliche Filmabende in einem Café.

Bike Polo Bei gutem Wetter ist der (Johan) Cruyff Court der beste Ort für Fixed-Gear-Action, direkt neben dem Olympiastadion. Jeden Mittwoch kann man hier bis zum Sonnenuntergang gemischte Teams beim Bike Polo beobachten. Wer mitmischen will, kann sich ein Rad und einen Mallet, einen handgefertigten Bike-Polo-Schläger ausleihen und ein paar Runden drehen. 2010 gab es hier zum Start des Giro d’Italia in Amsterdam das internationale Polomania-Turnier.

Alleycats Von März bis August dieses Jahres organisiert die Amsterdamer Faster Than You Crew eine Rennserie, die von Old Skool Alleycats, einer Art Schnitzeljagd, bis hin zu Teamrennen reicht. Jeden Monat findet ein Rennen statt, das große Finale ist für den 13. August geplant. Diese Rennen sind ziemlich schnell und für den Verkehr und die Amsterdamer Polizei eher frustrierend. Manchmal be-

Pristines Mitinhaber Gijs (links) und Keng von der Faster Than You Crew auf ihren Fixed Gear Bikes. (Bild: Nathalie Hennis)

kommt ein Teilnehmer zwar ein Knöllchen, weil er eine rote Ampel überfahren hat, aber meist starten die Kollegen eine spontane Sammelaktion und lösen ihn aus. Ein ernst zu nehmendes Alleycat gibt es jährlich am 4. Mai zu Ehren von Annick van Hardeveld. Annick war im Zweiten Weltkrieg Krankenschwester und Widerstandskurierfahrerin. Die 21-Jährige wurde am 4. Mai 1945, einen Tag vor der Befreiung Hollands erschossen. Ziel des Rennens ist das Denkmal auf dem Hekelveld, fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. In Amsterdam gibt es viele Fixed-Gear-Treffpunkte: Sonntags – wenn kein Markt ist – ist der

Waterlooplein ein guter Spot. Die Rollschuhbahnen am Olympiaplein und Museumplein eignen sich perfekt zum Üben von Keo Spins, Skid Tricks, Wheelies und Sprüngen. Nach vielen ruhigen Jahren wird Amsterdam wohl doch noch zu einer ernst zu nehmenden Fixed-Gear-Stadt. Fahrräder ohne Bremsen sind (noch) nicht verboten, allerdings hat die Polizei schon 2010 eine Pressemitteilung herausgegeben, in der Bedenken über das Fahren ohne Bremsen geäußert wurden. Wenig später teilte die Polizei mit, bislang habe es (noch) keine ernsthaften Unfälle mit Fixed Gear Bikes gegeben. Touristen auf Leihrädern sind allerdings noch mal eine ganz andere Geschichte ... x

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Offen Text Nicolette Scharpenberg, Claudia Janka Fotos Marken, Camper: Sánchez y Montoro

01 Meltin’Pot Flagschiff in Riccione

Am 1. Juni 2011 eröffnete Meltin’Pot einen ersten Denim-Flagship-Store im Shoppingdistrikt Palariccione in Riccione, Italien. Auf zwei Etagen mit insgesamt 170 Quadratmetern zeigt die Marke ihre komplette Denimkollektion für Männer und Frauen. Raue und industrielle Materialien wie Holz und Stahl bilden den Rahmen und sollen die Besucher in eine Denimwelt eintauchen lassen. Eye-Catcher ist die große Video-Wall in der Mitte des Stores, die regelmäßig Lifestyle-Filme der Marke zeigt. Augusto Romano, CEO von Meltin’Pot erklärt: „Diese Filialisierung soll unsere neue Retail-Strategie und internationale Entwicklung der Marke widerspiegeln. Wir planen weiterhin die Märkte im Mittleren Osten, Japan, China und Südamerika anzugehen.“ Aktuell arbeitet Meltin’Pot an der Intensivierung der Markenpositionierung in Stores in New York, Miami und Los Angeles, sowie an über 800 Standorten in Italien und 300 weiteren Standorten hauptsächlich in Frankreich und Deutschland. Ziel ist es, die bereits bestehende Beziehung zu den Kunden zu festigen und weitere Monobrand-Stores in Kooperation mit bestehenden Handelspartnern zu eröffnen. Kontakt: Meltin’Pot Store, Palariccione, Viale Virgilo 17 Riccone/Italien www.meltinpot.com 02

Cheap Monday Shop-in-Shop bei Selfridges

Die schwedische Jeans- und Fashionmarke Cheap Monday eröffnet am 15. August einen ersten Shop-in-Shop-Store im Londoner Kaufhaus Selfridges. Die 2004 gegründete Marke präsentiert im ersten Stock auf 70 Quadratmetern ihre Herrenkollektion sowie ihre Unisex-Line, Jeans und Accessoires. Das Design der Fläche wurde von dem schwedischen Architekturbüro Uglycute entworfen. Materialien wie Maschendrahtzäune und zerbrochene Holzspanplatten konstruieren die für Cheap Monday typische Erlebniswelt. „Nach diversen erfolgreichen Shoperöffnungen weltweit ist es Zeit für unseren ersten Concession-Store. Dieses Debüt bei Selfridges zu haben, ist einfach fantastisch. Der Store wird eine wichtige Plattform für die Kollektion und die Marke sein“, sagt Håkan Ström von Cheap Monday. Die Marke hat bereits einen eigenen Store in Kopenhagen, ist in 38 Ländern und in über 1.800 Stores weltweit erhältlich. Kontakt: Selfridges, 400 Oxford Street London, W1A 1AB/UK www.selfridges.com www.cheapmonday.com

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retailnews –– vor ort

03 st. pauli Neuer Fanshop

Die Fanshop-Familie des FC St. Pauli freut sich auf Zuwachs, denn am 4. August eröffnet Mitten auf der Reeperbahn in Hamburg der zweite offizielle St.-Pauli-Fanshop. Auf knapp 300 Quadratmetern Verkaufsfläche werden Fans und Freunde des magischen FC in diesem Shop das gesamte Merchandise-Sortiment vorfinden. Das Design des Shops stammt von Rock ’n’ Roll Architecture, die auch schon den ersten Fanshop eingerichtet haben. Kontakt: FC St. Pauli Fanshop, Reeperbahn 63–65, 20359 Hamburg/Deutschland www.fcstpauli-shop.com

04 Pointer Premiere in Berlin

05 Trap Flagship-store Grenzüberschreitend

06 Camper Lasst die Natur sprechen

Die 2004 gegründete Londoner Schuhmarke Pointer eröffnete am 6. Juli 2011 ihren ersten Flagship-Store in Berlin-Mitte. Auf 102 Quadratmetern zeigt sie neben der Hauptkollektion selektierte Brands wie Barbour, Garbstore, Heritage Research, Karen Walker, Larke, Bleu de Paname und Anderson, mit denen Pointer teilweise Kooperationen lanciert hat. Anlässlich der Eröffnung wird exklusiv ein Schuh in Zusammenarbeit mit der französischen Marke Bleu de Paname erscheinen; die Modelle sind auf 100 Stück limitiert.

Am 21. Juni 2011 eröffnete Richie Löffler, Inhaber des Mantis Lifestores in Hamburg, mitten im Herzen der türkischen Metropole Izmir eine Dependance seiner 1992 gegründeten Skateboardmarke Trap Skateboards. Auf 80 Quadratmetern wird die Herrenkollektion sowie die komplette Hardware präsentiert. „Die Offenheit und der Enthusiasmus der Türken gegenüber Skateboarding ist einfach faszinierend und hat uns motiviert, diesen Schritt zu gehen. Außerdem wird es Zeit für Trap, sich globaler zu bewegen“, erklärt Löffler.

Mitten im Herzen von Wien, am Graben, steht seit April der erste Camper Together Store. Dort ist die Arbeit des japanischen Designers Tokujin Yoshioka zu bestaunen. Inspiriert von Pflanzen und Blüten setzte der Interieurdesigner im Camper-Store eine Idee um, die sich von einer von ihm im Jahr 2007 in New York vorgestellten Installation ableitet. Dort erzeugte er mit 30.000 Blütenblättern den Eindruck eines verschneiten Raumes. Im Camper-Store in Wien schmücken Blütenblätter aus Stoff in allen erdenklichen Rottönen das 20 Quadratmeter große Ladenlokal. „Die unterschiedlich gefärbten Blütenblätter jeder Blüte rufen im Laden einen Eindruck ständigen Wandels hervor, der die Schönheit und Pracht der Prinzipien der Natur besitzt“, so Tokujin Yoshioka. Was den Designer besonders auszeichnet, ist der kreative Einsatz von ganz alltäglichen Dingen wie zerknülltem Papier oder Stoffblättern, die zu einem Blütenmeer werden.

Kontakt: Pointer Store Münzstraße 7 10178 Berlin/Deutschland www.pointerfootwear.com

Kontakt: Trap Store Cumhuriyet Blv. No. 245/a, Izmir/Türkei www.trap-skateboards.de

Kontakt: Camper Store Wien Graben 29 1010 Wien/Österreich T 0043.1.5320637 www.camper.com

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Green Retail Wenn man von einem Megatrend im Ladenbau sprechen kann, dann sind es nachhaltige Konzepte: Material-Allrounder ist unbehandeltes Holz, das oft zum Einsatz kommt. Darüber hinaus gibt es viele Ideen – von ressourcensparenden Energiekonzepten bis hin zu Recyclingmaterialien. Text Ina Köhler Fotos Someday, Atelier 522, Barthelmess Group, Vizona, Schweitzer, Sportskitchen

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Barthelmess Durchgängiges Gestaltungsprinzip

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Barthelmess Ob Schwemmholz, alte Paletten oder Papier: Natürliche Materialien mit Patina sind ein großer Trend im Ladenbau. Atelier 522 Sägerauh und unbehandelt: Mit rohen Brettern kleidete das Atelier 522 Umkleide- kabinen im Ravensburger Unternehmen Bredl aus.

Der Ladenbauer beschäftigt sich schon seit langem mit Nachhaltigkeit: 2009 wurde die ECO Line auf dem Markt eingeführt – ein grüner Leitfaden für Visual-Merchandising-Projekte. „Beim Thema Nachhaltigkeit im Visual Merchandising kommt es gar nicht so sehr darauf an, welches Material ich einsetze“, so Ralf Grübener, Art Director der Barthelmess Group. „Sehr viel entscheidender ist, wie ich damit umgehe. Wichtig sind eine ganzheitliche Sicht und ein sehr gutes Projektmanagement, das alle Stellschrauben, die den wirklichen ökologischen Prozess beeinflussen, genau kennt. Und dann muss man diese Stellschrauben hinsichtlich der Umweltverträglichkeit eines Projektes konsequent optimieren.“ Er unterscheidet zwischen Nachhaltigkeit, die offensiv im Schaufenster und Ladeninnenraum thematisiert wird und so einen optischen Trend schafft, zum Beispiel mit rohem Schwemmholz. „Es geht aber auch genau anders herum“, sagt Ralf Grübener. „Was ökologisch ist, muss überhaupt nicht nach Ökologie aussehen und daran denken lassen.“

„Wenn ich ein sehr ökologisches Material verwende, es aber dann so verarbeitet wird, dass es nicht mehr sortenrein trennbar ist, habe ich nicht viel gewonnen.“ Ralf Grübener, Art Director Barthelmess Group

Atelier 522 Roh und recycelt Rohe Bretterverschläge, Sonnenliegen aus unbehandeltem Holz – diese Elemente erinnern an einen lauen Sommerabend am Bodensee. Die süddeutsche Designagentur Atelier 522 hat für das Ravensburger Unternehmen Bredl mit dem Badhaus Women einen bewussten Kontrast von Alt und Neu geschaffen. Die grob zusammengefügten Holzbretter stammen aus einer alten Fabrik und werden wiederverwendet. Sie wirken warm und gemütlich und unterscheiden sich wohltuend von zu cleanen Interieurs.

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„Wir haben ein natürliches Produkt gesucht, das die Kollektionen schön zur Geltung bringt. Man kommt fast zwangsläufig auf Holz.“ Sebastian Berg, Inhaber Sportskitchen

„Recycling ist gut, solange die Leute nicht denken, dass sie mit dem Kauf eines Toyota Prius der Umwelt etwas gutes tun.“ Mini, Geschäftsführer von Someday.

„Ziel war es, in einem historischen Ambiente pfiffige Ideen mit bestehenden und vorgegebenen Elementen in einem nachhaltigen und in sich stimmigen Konzept zusammenzubringen.“ Lena Kemper-Leitz, Kommunikation Atelier 522

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Sportskitchen München_Aktiv und gemütlich

Someday Melbourne_Rau und freundlich

Im Frühjahr 2011 wurde der Active-Laden Sportskitchen im Münchener Gärtnerplatzviertel renoviert. Inhaber Sebastian Berg hat bei der Gestaltung seines 100 Quadratmeter großen Stores besonders viel Wert auf Natürlichkeit gelegt: Bestimmendes Material für die Warenträger, Rückwände und Regale ist sägeraues Fichtenholz, das für ein sehr warmes und freundliches Ambiente sorgt. Man könne das Material genau so wieder ausbauen und weiterverwenden, so Berg. Im Laden von Sportskitchen gibt es weder energiefressende Beleuchtung noch Plastiktüten. Von denen hat sich Sebastian Berg nach dem Umbau auf Wunsch seiner Kunden verabschiedet.

Die Gestaltungsidee lässt sich hier in einem Wort beschrieben: Holz! Seit der Ersteröffnung von Someday 2002 liegt der Fokus der Geschäftsführer Perks und Mini auf recycelten Materialien für die Inneneinrichtung des renommierten Stores, dessen Sortiment aus Marken wie Supreme, Original Fake, Neighborhood, Headporter, Ally Capellino, Bernhard Wilhelm, Norse Projects und Wood Wood besteht. Auch bei der Store-Rennovierung im Frühjahr 2011 stand das Holz als recycelbares Material im Vordergrund: „Wir haben drei Display-Bereiche, hergestellt aus dem Holz alter Fabriken aus Melbourne. Es handelt sich um raue, unbehandelte Oberflächen, die nicht nur umwelt-


Galerie –– Vor ort

und Holz. Die Fichtenbretter mussten weder gebohrt noch mechanisch bearbeitet werden. Nach der Verwendung wurde das Material ans Sägewerk zurückgegeben – so entsteht ein nahezu perfekter Kreislauf.

Schweitzer Project Null Energie Die meisten Unternehmen vergessen bei ihrem Engagement für nachhaltigen Ladenbau oft, vor ihrer eigenen Tür zu kehren. An-

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ders beim Ladenbau-Unternehmen Schweitzer im Südtiroler Naturns, einem Mitglied des sogenannten Green Building Council. Die Energie für die gesamte Versorgung des Firmensitzes liefert die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Firmensitzes. Klimaanlagen gibt es nicht – das Gebäude wird durch eigene Quellen gekühlt. Geheizt wird mit den Resten der Holzproduktion. Damit ist das in der dritten Generation geführte Unternehmen CO2-neutral. x

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Vizona Nach Verwendung zurück ins Sägewerk. Vizona ließ seinen Stand hinterher recyceln. Someday Recyceltes rohes Holz spielt die Hauptrolle im Melbourner Laden Someday. Sportskitchen Activewear und Fichtenholz lassen sich gut im Münchener Sportskitchen miteinander verbinden. Schweitzer Ökologisch nicht nur im Produkt: Im Messebau verwendet Schweitzer auch Recyclingmaterialien.

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freundlich sind, sondern unserem Shop auch einen außergewöhnlichen Look verleihen“, erklärt Perks. Für den Kassenbereich verwenden sie energiesparende LED-Leuchten. Die Tragetaschen sind ebenso biologisch abbaubar wie alle verwendeten Reinigungsmittel, die dem Store wieder frischen Glanz verleihen.

Vizona Komplette Wiederverwertung Recycling nicht nur als Lippenbekenntnis. Der Ladenbauer Vizona ließ die Außenhaut seines 380 Quadratmeter großen Messestands zur Euroshop aus rohen Naturholzbrettern aufbauen. Aufgebrochene „Holzfenster“ führten ins Innere des Messestands. Dort fand sich eine filigrane Wandstruktur aus Metall, Acryl

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Quadratisch, praktisch, gut Hans-Peter Endras und Roland Brümmer sind Skaterbuddies. Mit ihren unkonventionellen Ideen haben die beiden in der Zürcher Modeszene in 20 Jahren so manchen Trend gesetzt. Text Dörte Welti Fotos Monsieur Dubois

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„Es ist wichtig, nie das Bauchgefühl zu verlieren. Dann macht man alles richtig.“ Hans-Peter Endras, Monsieur Dubois

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um Beispiel mit Monsieur Dubois. Vor zwei Jahren fragte sich die Zürcher Szene; „Was, noch ein Schuhgeschäft im Niederdorf? Dazu noch in unmittelbarer Nähe zur ungekrönten Schuhqueen Stefi Talmann?“ Aber Endras und Brümmer wussten, was sie taten: „Konkurrenz beflügelt. Und wir waren sicher, unsere Idee ist einzigartig.“ In der Tat. Monsieur Dubois ist ein Fantasiename und öffnete 2009 nach aufwändiger, viermonatiger Umbauphase. Das Interieurdesign des 60 Quadratmeter großen Schmuckstücks in einem Hexenhäuschen sorgte für Gesprächstoff. Wände und Displays sind weiß gefliest, die Fliesen einzeln von Hand bemalt oder mit Stempeln be-

druckt, die eigens dafür angefertigt wurden. Die unterschiedlichen Weißtöne der Fliesen sind keine Panne, sondern gewollt, so entsteht der Eindruck von Patina. Viele Kunden vermuten deshalb, dass es an der Location früher eine Metzgerei oder ähnliches gegeben haben müsse. „Genau das wollten wir“, freut sich Hans-Peter Endras, der mit seinem Kollegen den ganzen Umbau stemmte, „eine romantische Atmosphäre, die eine Geschichte erzählt.“

Trends ins Rollen bringen Das Credo, niemals etwas ohne das richtige Bauchgefühl anzugehen, hat die zwei Geschäftspartner noch nie getäuscht. Es fing


Monsieur Dubois, Zürich –– vor ort

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Monsieur Dubois

Oberdorfstraße 15 8001 Zürich www.monsieurdubois.ch Inhaber: Hans-Peter Endras, Roland Brümmer Eröffnung: März 2009 Verkaufsfläche: 60 qm Mitarbeiter: 3 Marken Damen: 80/20, Ambre Babzoe, Antik Batik, BDK, Buttero, By Malene Birger, Castaner, Fratelli Rossetti, Friis, Frye, Ganni, Gardenia, H by Hudson, Holy Moly, Ilse Jacobsen, Jeffrey Campbell, Koah, Minimarket, Noë, Opening Ceremony, O.X.S., Pajar, Pertini, Pretty Ballerina, Primabase, Sanita, Scholl Studio, Sessùn, Shoebiz, Shoo, Sperry, Surface To Air, Accessoires: Black Lily, Epice, Melograno 03

mit ihrem ersten Paukenschlag in Form des revolutionären Skaterladens No way in Zürich vor 20 Jahren an, der so herrlich das USA-Feeling der 1980er-Jahre in die Schweiz transportierte. Bald folgte eine Filiale in Biel: Aus dem No way wurde eine Import- und Großhandelsfirma, die in loser Folge Dings, zwei florierende Damenmode-Stores in Zürich und Chur, etablierte. Zum Schluss eröffnete On y va, ein Zürcher Männermodeladen mit ganz eigenem Flair. „Wir haben aber immer von einem Schuhgeschäft geträumt“, bekennt Roland Brümmer, „und als sich die richtige Location anbot, haben wir auf unsere Intuition gehört und zugeschlagen.“ So hat mit Monsieur Dubois ein bespielloser

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Label-Mix das Kopfsteinpflaster in Zürichs Altstadt betreten. Allerdings ist keine der Marken Dauergast. Endras und Brümmer suchen auf den Messen in erster Linie nach neuen Modellen, die ins Gefüge passen, obwohl sie mittlerweile einige Labels schon sehr lange führen, wie beispielsweise Dr. Scholl Studio. Preislich liegen ihre Schuhe zwischen knapp unter 100 Franken bis hin zu 350 Franken für das teuerste Paar. Es dürfen dann auch gerne sehr ausgefallene Modelle wie Gypsyz von Gypsy 05 aus Hollywood sein: Schuhe im Stil eines Hüttenschuhs, die mit Kniestrümpfen kombiniert werden. Ein Sortiment, mit Liebe von Hans-Peter Endras und Roland Brümmer zusammengestellt. x

01-02 Detailverliebt: Die 13 mal 13 Zentimeter großen Fliesen sind aufwändig von Hand mit eigens angefertigten Stempeln bedruckt. 03 Monsieur Dubois passt perfekt in Zürichs Niederdorf. Ein winziger Lagerraum ist im Keller untergebracht. 04 Romantisch: Die Visitenkarte von Monsieur Dubois ist auf Untersetzer gedruckt.

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vor ort –– Mr Mudd and Mr Gold, Stockholm 01

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Bei Mr Mudd and Mr Gold in Stockholm stammt das gesamte Holz für die Inneneinrichtung aus dem Baumarkt. Eine Mixtur aus Industrie-, Military- und City-Chic, die Besitzer nennen ihr Sortiment eklektisch.

und seinem Projekt Autoprogettazione inspiriert, einem Buch aus den 1970er-Jahren mit Malereien zum Thema Demokratie von Design. Das gesamte Holz für die Inneneinrichtung stammt aus dem Baumarkt“, erklärt Adam Almqvist und schmunzelt. „Unseren Besuchern fällt der Holzgeruch sofort auf, ich bemerke ihn schon gar nicht mehr. Aber in meinem Büro habe ich eine japanische Handsäge und ein paar Äste, also könnte ich das Aroma im Store gegebenenfalls auffrischen.“

Das WWW macht’s möglich

Natürlich Bizarr! Der erste Eindruck ist vom angenehm frischen Geruch des Kiefernholzes geprägt, aus dem ein Großteil der Einrichtung besteht. Die internationalen Kunden finden im realen Store und im Webshop Marken aus Japan, England und Italien.

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an könnte es als eine Mischung aus Sauna und Holzhütte beschreiben, denn die Inhaber Mikko Engström und Adam Almqvist setzten für die Gestaltung ihres Stores Mr Mudd and Mr Gold in Södermalm im Süden Stockholms ganz auf Kiefernholz. Das einfache und cleane Gestaltungskonzept dahinter entstand in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Architekten Daniel Franzén. „Ein Großteil unserer Gestaltung ist von dem italienischen Designer Enzo Mari

Text & Fotos Philip Wallin 02

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Mr Mudd and Mr Gold

Åsögatan 174 116 32 Stockholm/Schweden www.mrmuddandmrgold.com Inhaber: Adam Almqvist, Mikko Engström Eröffnung: 2010 Verkaufsfläche: 96 qm Mitarbeiter: 2 Marken: Anglo American Optical, Birdwell, Brady Bags, Buco, Buzz Ricksons, Dehner, De Martini, Eastman Leather, Ebbets Field, Effector, Erik Schedin, Field Notes, GB Kent and sons, Grundens, HTC, Huberds, Joe McCoy, Lavenham, Leather Man, Lewis Leathers, Light my fire, Littlefeather & Co, Maruyoshi, MASH Japan, Medico x Erik Brunetti, Mister Freedom, Naef Spiele, Nomad, North Sea Clothing, Optimus, Pendleton, Peroni Firenze, Peter Mountain Works, Quoddy Moccasin, Rhodia, Stevenson Overall Co, The Real McCoy’s, US Shelby Co, Warehouse, Wesco, White’s Boots, Wigwam

Seit der Eröffnung des Ladens 2010 kaufen Kunden von Indonesien bis Kanada über den Webshop. Die Philosophie der Inhaber setzt auf ein exklusives Sortiment mit lokal produzierten Produkten und Tradition. Japanische Marken wie Buzz Rickson und Mister Freedom kommen gut an, denn Mr Mudd and Mr Gold führt sie exklusiv in Schweden. Adam Almqvist zieht eine handgearbeitete schwarze Lederjacke im Bikerlook zum Preis von 850 Euro von der britischen Marke Lewis Leather hervor und erklärt: „Wir verkaufen diese Jacken besonders gut in England. Ist das nicht Ironie? Unser Sortiment besteht nur aus Produkten, die wir wegen ihrer Einzigartigkeit gewählt haben.“

Von zwei bis 950 Euro Der Durchschnittskunde von Mr Mudd and Mr Gold ist ein gut verdienender Forty-Something, der in der Kreativbranche tätig ist. Doch die Inhaber möchten auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen und bieten daher auch günstigere, teilweise skurrile Accessoires an, wie Taschenmesser der britischen Marine, Lederportemonnaies von Peroni Firenze aus Italien, Nachbildungen von Baseball-Caps aus den 1930er- und 1940er-Jahren oder einen King-Kong-Patch für die M65 Field Jacket, wie Robert De Niro sie im Kultfilm „Taxidriver“ trug. Das ganze Sortiment ist eine Mixtur aus Industrie-, Military- und City-Chic. „Wir nennen es eklektisch“, erklärt Adam Almqvist. „Das günstigste Teil kostet bei uns zwei Euro. Nach oben gehen die Preise bis 950 Euro für einen handgestrickten indigofarbenen Sweater. Das ist natürlich bizarr! Ich wurde sogar im schwedischen Radio dazu interviewt, ob es vertretbar sei, so einen teuren Pullover zu verkaufen.“ x


Strawberry, berlin –– vor ort 01

Der GuteLaune-Kick Juliane Behnfeldt und ihr Laden Strawberry sind ein Begriff in der Boardsportszene. Zumal die Berlinerin vor rund 16 Jahren eine der Ersten war, die sich des männerdominierten Themas für Frauen annahm. Text Nicoletta Schaper Fotos Bernhard Musil

01 Klein, voll, gemütlich: Bei Strawberry gibt es alles rund ums Brett und viel Fashion für weibliche Boardsportfans. 02 Juliane Behnfeld hat ihre Passion für Actionsport zum Beruf gemacht.

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in Laden für Boardsport interessierte Mädels, das war es, was in Berlin noch fehlte. So eröffnete Juliane Behnfeldt 1995 in einer Seitenstraße des Kurfürstendamms ihren Girlsladen Strawberry mit Surf- und Strandmode, direkt neben dem Surfshop California Boarding. Der Start war schwierig. Zum einen, weil damals viele Labels noch nicht in Deutschland vertreten waren und es einigen Aufwand bedeutete, sie zu beschaffen – darunter Quiksilver, Yaga aus Kalifornien und Hot Tuna aus Australien. Zum anderen wegen der Klientel. „Die Mädchen waren oft nur Anhängsel ihrer Freunde und haben

Strawberry Handels GmbH

Emser Straße 45 10719 Berlin/Deutschland T 0049.30.8813096 www.strawberry-berlin.de Eröffnung: 21. April 1995 Inhaberin: Juliane Behnfeldt Mitarbeiter: 1 Vollzeit, 3 Teilzeit Verkaufsfläche: 55 qm Frauenmode: u.a. Billabong, Björn Borg, Burton, Cleptomanicx, Element, Evaw Wave, Hurley, Irie Daily, Light Board Cooperation, Merry go Round, Obey, Paul Frank, Pussy DeLuxe, Reef, Sitka, TSG, Volcom, Vulk, WeSC, Worn By, Zimtstern Schuhe und Accessoires: Billabong, Mint, Reef Hardware: Burton, Dregs, Light

den Mund im Laden nicht aufgemacht“, berichtet Juliane Behnfeldt. „Heute sind sie viel selbstbewusster und wissen genau, was sie wollen.“

Frauen in den Fokus Juliane Behnfeldt hat ihre Liebe zum Surfen und Snowboarden zu ihrem Beruf gemacht. Bereits vor Strawberry hatte sie drei Jahre lang einen Surfshop in Prerow auf der Ostsee-Halbinsel Darß gepachtet. „Am Wochenende kam die Busladung mit Berlinern; manchmal liefen drei Kaffeemaschinen gleichzeitig“, lacht Juliane Behnfeldt. Als der Pachtvertrag 1994 auslief, wurde es Zeit für das eigene Ding. Das nur 55 Quadratmeter große Ladenlokal von Strawberry wirkt freundlich und gemütlich. Dazu tut viel Ware ein Übriges, etwa von Evaw Wave aus Deutschland, Cleptomanicx und Element. Viel Bademode, Badelatschen und Ballerinas von Reef oder Paul Frank gehören ebenfalls dazu. Allein 25 Brands auf kleiner Fläche sorgen für ein fast täglich wechselndes Warenbild, denn Juliane Behnfeldt und ihr Team räumen täglich um und nutzen den Platzmangel so zu ihrem Vorteil. Gut für Stammkunden, die manchmal sogar zweimal die Woche kommen und sich ihren Gute-Laune-Kick bei Strawberry holen. Zusätzlich veranstaltet Behnfeldt oft Kundenevents, wie das American Barbecue im Mai oder Snowboardtrips für Frauen. Damit ist sie Pionierin. „Mädels werden beim Thema Boardsport einfach zu sehr vernachlässigt“, sagt sie. „Das wollte ich ändern.“ x

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vor ort –– Tom‘s Skateshop, Amsterdam

Red Light Skateshop Tom‘s Skateshop, der 20 Jahre alte Amsterdamer Spezialist, hat im vergangenen Jahr einen neuen Laden bezogen. Mit der neuen Location kam ein cleanes, minimalistisches Ladendesign. Das neue Interieur solallerdings nicht Tom‘s ursprünglichen Charakter verstecken. Text Miranda Hoogervorst Fotos Tom’s Skateshop

hier rein, auf der Jagd nach einem Junkie, betrunkene Touristen oder ein Typ, der seine Schuhe verloren hatte. Als dieser wieder ging hat er seine Tasche hier vergessen.“

Hot Babes

Tom’s Skateboards sind legendär, besonders das Design mit dem kanadischen Pornostar Ariel Rebel.

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n erster Linie wurde der neue Look gewählt, um eine breiter gefächertes Klientel anzusprechen – und die Strategie geht auf. Inzwischen reicht der Kundenstamm vom Hardcore Skater bis hin zu Fashionistas und deckt auch alles dazwischen Liegende ab. Shop Manager Hans Dijl, selber fanatischer Skater, ist seit den Anfängen von Tom’s dabei. Er hat die Veränderungen der Szene erlebt. „Als wir anfingen, war Skaten ziemlich underground, aber inzwischen verkauft sogar HEMA (Holländische Haushaltswarenkette, Anm. d. Red.) Skateboards. Das ist natürlich super fürs Geschäft.“ Bei Tom’s sind alle Kunden willkommen, auch diejenigen, die keine Ahnung von

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der Historie des Skateboardings haben. Hans lacht: „Neulich hatten wir hier ein paar Modefatzkes im Laden – eindeutig keine Skater – und der eine sagt zum anderen: Na klar, jetzt verkaufen sie hier auch schon Vans!“

Lebendige Nachbarschaft Die Damstraat ist eine A-Lage für Street-Style Brands. „Die Lage ist einfach großartig und über die Jahre haben wir uns einen guten Namen aufgebaut.“ In dieser lebendigen Straße zwischen Dam, Nieuwmarkt und dem Rotlichtviertel hat man sich bei Tom’s schnell an witzige und verrückte Besucher gewöhnt. „Die Mischung ist toll. Manchmal kommen die Cops

Tom’s sponsert als Skateshop Fahrer und organisiert diverse Events. Eine großartige Ergänzung zu der sorgfältigen Auswahl aus Skategear und Mode von Mainstream- und UndergroundLabels. Tom’s Skateboards sind ein großer Erfolg, besonders das Design mit dem kanadischen Pornostar Ariel Rebel. Auch im Blog ist viel nackte Haut zu finden. Mit einem großen Lächeln im Gesicht erklärt Dijl: „Man muss sich von den anderen Skateshops in der Stadt absetzen, und da wir in direkter Nachbarschaft des Rotlichtbezirks situiert sind, dachten wir, dass dieser leicht anstößige Touch gut passt. Außerdem sind viele der Skater heranwachsende Jungs, die lieben das. Einige ihrer Väter auch, so nebenbei.“ Schön zu sehen, dass die stylische Renovierung Tom’s nicht an seiner rebellische Attitüde gekratzt hat. x

Tom‘s Skateshop

Damstraat 32 1012 JM Amsterdam/Niederlande www.tomsskateshop.nl (Blog) www.tomsskateshop.com (Webstore) Manager: Hans Dijs Eröffnung: Januar 2010 Ladenfläche: 80 qm Staff: 5 Schuhe, Bekleidung: Adidas, Altamont, DVS, Dekline, Etnies, Nike, OAT, Obey, OnTour, Stüssy, Vans Skategear: Spitfire, Hubba, Tom’s, Alien Workshop, Chocolate, Skate Mental Zubehör: Casio G-shock, Sabre, WESC


NoNe of us are gettiNg aNy youNger, but at least we’re all improviNg with age! some of us aNyway ... :-)

forza bread & butter!

UCM-Verlag, Salzweg 17, 5081 Salzburg-Anif, Austria T 0043.6246.897999, office@ucm-verlag.at, www.ucm-verlag.at –– 128


Und da wäre noch…

Kühlschränke für Eskimos Text Stephan Huber, Herausgeber style in progress und x-ray

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n einer der frühen, grandiosen Ausgaben von „Walt Disneys Lustiges Taschenbuch“, noch unter der Chefredaktion der nicht minder grandiosen Erika Fuchs, gab es eine Geschichte in der Onkel Dagobert seinen Neffen Donald (The Hero!) und Gustav (der Schleimbeutel) die Aufgabe stellt, Kühlschränke an Eskimos zu verkaufen. Ja, ich weiß, heute sagt man Inuit, aber das war in den 1970er-Jahren! Auf jeden Fall hat sich die Metapher „Kühlschränke an Eskimos verkaufen“ schon damals, also im zarten Kindheitsalter bei mir festgesetzt. Und zwar nicht als Synonym der Aussichtlosigkeit, sondern als Synonym für die Kunst des (aktiven) Verkaufens. In den letzten Monaten ist mir diese kleine Story oft in den Sinn gekommen. Denn letztlich beschreibt sie genau das, was das Geschäft mit Mode und Bekleidung in hohem Maß ausmacht. Wir, und das ist zusammenfassend für unsere Branche zu verstehen, wir verkaufen Kühlschränke an Eskimos. Wer ein halbes Dutzend Jeans, ebenso viele Sneakers, jede Menge Hemden, Sweater, Kleider etc. besitzt, sprich, über einen vollen Kleiderschrank verfügt, braucht nichts. Sie oder er hat keinen praktischen Bedarf. Wer also einem Eskimo einen Kühlschrank oder einer Kundin, die eigentlich ein Platzproblem im Kleiderschrank zu beklagen hat, ein neues Paar Schuhe oder die siebenten Jeans verkaufen will, muss den emotionalen Bedarf bedienen. Nix Neues, klar. Aber angesichts einer völlig veränderten Informations- und Mediengesellschaft und als Folge ebenso geänderter, in immer kleinere Untergruppen zersplitterter Konsumenten ist die Herausforderung eine viel höhere. In der analogen Welt mag eine gute Story zum Produkt, ein generiertes Image oft ausreichend gewesen sein. Heute, in den Zeiten der Blogs, der Wikipedia-Allgemeinviertelbildung, der digitalen, explosionsartigen Mundpropaganda sollte diese Story auch stimmen. Am deutlichsten wird diese Anforderung beim Thema Nachhaltigkeit, dass die Modebranche sowohl ernsthaft wie auch in raumgreifender Me-too-Oberflächlichkeit erfasst hat. Schon wieder Nachhaltigkeit? Ja, sorry! Aber das ist für die Topzielgruppen eines der wesentlichen Zukunftsthemen. Es gilt endlich zu begreifen, dass das kein Thema der moralischen Überlegenheit ist („Wir trinken Biolimo, während die bösen Chinesen ihre Flüsse verdrecken!“), sondern ein Thema der wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit. Nein, ich glaube nicht, dass schon in naher Zukunft eine Mehrheit der Konsumentinnen ihre Kaufentscheidung vom CO2-Footprint einer Hose abhängig machen wird. Es geht auch nicht darum, irgendwelche Biosiegel auf ein Hangtag zu drucken. Aber dieser und damit verwandte Aspekte, die letztlich erklären, welchen Wert ein Produkt hat, das man sich ohnehin nur dann kauft, wenn es prinzipiell mal gefällt, werden eine immer stärkere Rolle spielen. Es gilt, sich HEUTE auf diese Evolution einzustellen. Das ist es nämlich kein Trend, sondern eine Evolution. Die gesamte textile Kette wird von dieser Evolution in irgendeiner Form erfasst und verändert wer-

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den. Heute besteht die Chance, diese Geschichte glaubhaft zu erzählen und damit zu überzeugen, Vertrauen zu schaffen und auch zu erziehen. Ich gebe zu, das klingt ein wenig pathetisch. Aber gerade in Mitteleuropa brauchen wir WIRKLICH gute Storys, um (Premium-) Produkte an Menschen zu verkaufen, die nichts brauchen, also Kühlschränke an Eskimos. x

Impressum Eigentümer, Verleger, Redaktion & Anzeigen UCM-Verlag B2B Media GmbH & Co KG Salzweg 17, 5081 Salzburg-Anif Österreich T 0043.6246.89 79 99 F 0043.6246.89 79 89 office@ucm-verlag.at www.ucm-verlag.at Geschäftsführer Stephan Huber, Nicolaus Zott

Bildbearbeitung Anouk Schönemann anouk.schoenemann@ucm-verlag.at Anzeigenleitung Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at Verlagsassistenz Sigrid Staber sigrid.staber@ucm-verlag.at Christina Hörbiger christina.hoerbiger@ucm-verlag.at

Herausgeber Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at

Lektorat Johannes Seymann

Chefredakteure Ina Köhler ina@ucm-verlag.at Isabel Faiss isabel.faiss@ucm-verlag.at

Druck Laber Druck, Oberndorf

Chefin vom Dienst Nicolette Scharpenberg nicolette.scharpenberg@ucm-verlag.at Art Direction/Assistenz Stephanie Hoffmann steffi.hoffmann@ucm-verlag.at Michaela Aschauer michaela.aschauer@ucm-verlag.at Autoren Pernille Formsgaard, Miranda Hoogervorst, Claudia Janka, Karolina Landowski, Jules Moore, Anna Rabbow, Nicoletta Schaper, Alana Wallace, Philip Wallin, Dörte Welti Fotografen & Illustratoren Yorick Carroux, Sarah Egbert Eiersholt, Patrick Fuchs, Clemens Kois, Bernhard Musil, Veit Ritterbecks Styling Sabine Berlipp, Roswitha Wieser

Übersetzung David Luther, Petra Engelke

Druckkoordination Manfred Reitenbach Bankverbindung Volksbank Salzburg 105 627, BLZ 45010

11.01.12 –––––––––– Erscheinungstermin nächste Ausgabe


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