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style in progress

#3/2018

IN WOMEN WE TRUST Next (female) Generation Coole junge Frauen verändern die italienische Modeindustrie Objekt und Subjekt Darf Feminismus eigentlich sexy sein? Heterogen, anspruchsvoll und selbstbewusst Die Zielgruppe Frau im digitalen Zeitalter New Cool! Was im Frühjahr/Sommer 2019 wichtig wird

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006 EDITORIAL

Zeitenwende Liebe Leserinnen und Leser, ein ganzes Magazin im Zeichen der starken, bewunderns­ werten, engagierten Frauen, die die Modebranche prägen. Dass nicht eine einzige herausgestellt wird, wie normalerweise am style in progress Cover üblich, ist tiefgehend inhaltlicher Natur. Denn, wenn es einen Punkt gibt, den Frauen in unseren Gesprächen anmerkten, dann ist es das Miteinander, das sie noch vermissen oder in verschiedensten Aktionen stärken. Solidarität, Netzwerke und Allianzen sind die Achillesferse des Empowerment. „Für die Frauen heute ist es noch schwierig genug, Kinder zu haben und zu arbeiten, die Wünsche von uns selbst und die Vorstellungen der Gesellschaft zu erfüllen. Dazu kommt, dass wir Frauen uns nicht solidarisch verhalten. Frauen mit mehr Persönlichkeit werden speziell von den Frauen beneidet und abfällig besprochen. Ich vermisse den Teamgeist der großen, gemeinsamen Sache. Mut zur Mode, Mut zur eigenen Persönlichkeit. Es geht doch um uns, meine Damen“, sagt Andrea Frauenschuh von Frauenschuh in Kitzbühel und bringt das Thema in den Statements (Ist die Mode weiblich? Ab Seite 056) damit auf den Punkt. Doch sie ist da: Die neue Generation weiblicher Unterneh­ merinnen und Führungskräfte, die sich allen Widrigkeiten widersetzen. In besonderer Tiefe widmen wir uns dabei italienischen Frauen (Grandezza, ab Seite 074). Denn Frauen wie Francesca Lusini, Anna Baschirotto, Martina Sossi, Silvia Mazzoli oder Caterina Negra haben ihren Weg nicht wegen, sondern trotz der gesellschaftlichen und ökonomischen Her­ ausforderungen der letzten Jahre und Jahrzehnte gemacht. Bei allem Nachdenken über Frauen und ihre Positionen darf selbstverständlich auch die Sicht der Konsumentinnen nicht fehlen, für die Mode mehr als nur eine hübsche Hülle ist. Händlerinnen und Händler aus Amberg, Berlin, Düsseldorf, Graz, Heidelberg und Kitzbühel (Für Sie, ab Seite 148) zeichnen gemeinsam mit unserer Illustratorin Claudia Meitert ein buntes Kaleidoskop von Stil- und Zielgruppen – aber auch von neuen Werten. Die gute Nachricht ist: Mode bekommt Tiefgang, Content könnte man es neudeutsch auch nennen. Den hatte sie immer schon – doch bei Konsumentscheidun­ gen steht dieser immer häufiger im Vordergrund. Wo diesem Konsum mit Hirn frönen? Zum Beispiel in den neuen Läden, die style in progress vorstellt (Vor Ort, ab Seite 154). Und selbstverständlich dort, wo Sie wirken, geschätzte Leserinnen und Leser. Denn Sie alle machen den hoch­ wertigen Modehandel zu dem, was er ist – und immer sein wird: einem Ort der Begegnung, der Veränderung und der Persönlichkeit. Cover Artwork: Claudia Meitert@Caroline Seidler, Elisabeth Prock-Huber. Fotos: beigestellt

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Eine inspirierende Lektüre wünscht Ihr Team von style in progress


008 INHALT

006 EDITORIAL Zeitenwende

016 JETZT 122 FINDEN WIR GUT SO LÄUFT’S 030 052

IN WOMEN WE TRUST 050 Weibliche Allianz Warum Frauen erst vor der eigenen Haustüre kehren müssen – ein Kommentar von Martina Müllner-Seybold. 052 „Starke Frauen berühren mich“ Designerin Dorothee Schumacher geht es nicht um schöne Kleider, sondern um schöne Frauen. 056 Ist die Mode weiblich? Zwischen androgynem Design und gläserner Decke: Frauen aus der Mode am Wort. 070 „Ich kann nicht behaupten #MeToo“ 20 Jahre Design Director bei H&M, da kleidet man mehr Frauen als jede andere Modeschöpferin. Magaretha van den Bosch im Gespräch. 074 GRANDEZZA Das italienische Frauenbild? Kleidet uns alle. Es erfindet sich gerade neu. 076 „Frauen wollen authentisch sein“ Francesca Lusini will als Präsidentin von Peuterey die Marke zu alter Stärke führen.

074

078 „Unsere Perspektive ist weiblich“ Anna Baschirotto von Liu Jo will den Dialog mit den Kundinnen stärken. 080 „Wir tragen Verantwortung“ Martina Sossi von 19/91 Lateral Product steht für eine neue Generation von Gründerinnen. 082 „Die Mode rückt näher an den Alltag heran“ Erika Cavallinis Vorstellung von weiblicher Schönheit unterliegt keinem Schema. 084 „Chancengleichheit ist uns wichtig“ Ein traditionell hoher Frauenanteil prägt das Familienunternehmen Pinko – jetzt mischt mit Caterina Negra die zweite Generation mit. 085 „Frauen verändern sich“ Sie war nie angepasst: Silvia Mazzoli von Ottod’Ame designt für Frauen wie sie selbst. 086 „Manchmal muss man Krallen zeigen“ Elisabetta Franchi ist Herz und Seele ihrer Marke. 088 „Ich verliere mich nicht in Diskussionen“ Die Orciani-Schwestern sorgen für neuen Wind beim gleichnamigen Accessoirehersteller. 090 „Wir mussten uns nie neu erfinden“ Kontinuierlich am Puls der Kunden – und dadurch reifer und jünger zugleich: Marc Cain.

070

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094 Wie kaufen Frauen morgen? Nicoletta Schaper hat Konsumentinnen und Händlerinnen an einen Tisch geholt: Über die Freuden und Leiden des Shoppings.


www.marc-cain.com


010 INHALT

102 Zwischen Objekt und Subjekt Das Frauenbild der Mode – unter die Lupe genommen von starken Frauen. Und einem Mann. 108 FEMPOWER Weil Frauenkarrieren auch Firmenkarrieren sind. 090

109 „Man muss auch gefördert werden wollen“ Angelika Schindler-Obenhaus wacht als Vorständin der KATAG AG über Milliardenumsätze. 110 „Wir sind die Pippi Langstrumpf der Modeindustrie“ Odd Molly CEO Jennie Högstedt Björk hat eine Mission: mehr Mollys! 112 „Wir haben noch viel Potenzial“ Ulli Ehrlich managt als fünffache Mutter Sportalm Kitzbühel in zweiter Generation. 114 1 + 1 = 1+ Aus zwei mach eins: Plein Sud vor wichtigem Neustart. 116 Auf Expansionskurs Die Heritage-Marke Paul & Shark stellt Weichen. 117 Alles easy Die Italo-Marke Circolo 1901 verbindet klassische Silhouetten mit modernem Komfort. 118 Gib dem Leben Zitronen! Wer tanzt im Regen und duftet nach Zitronen? Lemon Jelly. 119 „Wir spielen mit italienischem Stil“ Vertriebsdirektor von Manuel Ritz Federico Rosi über die Pläne der Marke.

148

120 Free The Sea North Sails mit neuer Strategie und hehren Zielen: Die Verschmutzung der Ozeane bekämpfen. 121 Zurück zur Begehrlichkeit Bei Airfield wurde der Resetknopf gedrückt – nun auch mit neuer Vertriebsstrategie.

MODE 132 The new Cool Trends? Gibt es! Den Megatrend Komfort zum Beispiel. 148 Für Sie Händlerinnen verraten, welche Frauen sie im Geiste bei der Order begleiten.

VOR ORT 154 156 158 160 162 164 166

Der leise Luxus. Ohhh de Cologne/Köln Das Unmögliche Möglich. Gschwantler/Kirchberg Mit Mehrwert. Kevin in the Woods/Zürich Store am See. Trunk Clothiers/Zürich Der Anfang der Ära Wir. Nous/Paris Eine Frage der Persönlichkeit. Du Nord/Oldenburg Für Immer. Zeitlos/Rottach-Egern, München

168 EDITOR’S LETTER Viva l‘Italia 162

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168 IMPRESSUM


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016

Jetzt

Phil Petter Erfolgreiches Wachstum

Alberto Alexa macht Schule

Eine Affinität zur Technik? Die liegt bei Alberto auf der Hand. Anfang 2017 war der Conceptstore in Mönchengladbach der erste in Deutschland, der mit Alexa auf sprachgesteuerte Technologie setzte. Seither beantwortet die digitale Assistentin die unterschiedlichen Anliegen der Kunden; egal, ob Auskunft zu Kollektionen, Styles oder Passformen. Jetzt geht Alberto einen Schritt weiter und befördert Alexa zur technisierten Hilfslehrkraft. Als sprachgesteuertes Interaktionssystem assistiert sie Custom Managern bei Schulungen. Alexa stellt Fragen und die Teilnehmer – Alberto-Spezialisten aus den Shops – antworten. Dafür werden sie mit Buzzern ausgestattet. Alexa reagiert umgehend mit „richtig“ oder „falsch“ und liefert gleich noch ein paar zusätzliche Hintergrundinformationen. Bei so viel geballter Charmeoffensive der Voice-to-Voice-Technologie ist der schnelle Lernerfolg garantiert – und die Verkäufer und Händler von Alberto sind bestens über Kollektionen, Produkte und Marken informiert. www.alberto-pants.com

Tradition und Langlebigkeit feiern in der Mode ein Revival. Das Vorarlberger Familienunternehmen Phil Petter weiß, wie diese nachhaltige Mode funktioniert. Seit Jahrzehnten produziert das Label Strick auf exklusivem Niveau. Hochwertige Garne aus hauptsächlich Italien und Südtirol, viel Liebe zum Detail und erprobtes handwerkliches Geschick dienen dem Familienbetrieb als fundierte Basis. Der Erfolg gibt den Vorarlberger Materialexperten recht: Die Verkaufssaison Herbst/Winter 2018/19 bescherte der Strickmanufaktur ein stattliches Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich. Vor allem die neue Alpinkollektion etablierte sich schnell als Zugpferd und internationaler Bestseller. Eigentümer und Unternehmensgründer Kurt Petter zieht zufrieden Resümee: „Die dynamische Umsatzentwicklung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und Qualitätsprodukte made in Austria nicht zuletzt auch im asiatischen und amerikanischen Ausland eine große Anziehungskraft haben.“ www.philpetter.com Bei Alberto unterstützt Alexa jetzt auch bei Schulungen.

Save the Duck Die Weltretter

Mit seiner Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2019 geht das Mailänder Label Save the Duck einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Als innovativer Hersteller von Jacken, die ohne jede tierische Zutat auskommen, hat Save the Duck von sich reden gemacht. Eingebettet in eine Nachhaltigkeitsstrategie des Mutterunternehmens Forest 1914 arbeiten CEO Nicolas Bargi und sein Team fortwährend daran, die Marke noch umweltfreundlicher und ressourcenschonender zu machen. Konsequent daher auch das Labelling der drei Hauptlinien der Marke: Pfeift die Ente auf orangefarbenem Grund, ist ein veganes Produkt gewiss. Tut sie das auf Grün, werden zusätzlich noch recycelte Materialien eingesetzt. Neu ist das Logo „Ocean is my Home“ mit hellblauem Hintergrund, das für Produkte steht, die aus wiederaufbereiteten Fischernetzen gemacht wurden. On top setzt das Unternehmen eine exklusive Designerkollektion in Zusammenarbeit mit Dyne. Dessen Kreativdirektor Christopher Bevans machte als Global Design Director der Urban-Apparel-Linie von Nike von sich reden, ehe er mit Jay Z oder Kayne West an deren Bekleidungskollektionen arbeitete. Später war er Kreativdirektor von Pharell Williams und Nigos Marke Billionaire Boys Club, bevor er mit der eigenen Kollektion debütierte. Zum ersten Mal kreiert er nun für Save the Duck eine Total-Look-Kapselkollektion mit starken Streetweareinflüssen. Vertrieben wird diese exklusive Kollektion über den internationalen Showroom Tomorrow. Ob die Total-Look-Kollektion ein erstes Vorzeichen einer Erweiterung der Core-Kollektion ist? Man darf gespannt sein. Da nach dem Einstieg eines Finanzinvestors das Geld für ambitionierte Expansionspläne bereit steht, vielleicht nicht die abwegigste These. www.savetheduck.com Phil Petter setzt mit zeitlosem Design und edlen Materialien auf erstklassige Qualität. Das Wachstum im zweistelligen Bereich gibt dem Familienunternehmen Recht.

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018 Jetzt

K-Way wird in Deutschland und Österreich ab sofort von Bernhard Aschauers CMH GmbH verantwortet.

Woolrich Trommel­wirbel: Woolrich Outdoor Label ist da!

CMH GmbH Farbenfroher Neuzugang K-way

Die Kunst zu leben, besteht darin, im Regen zu tanzen! Regen, damit kennt sich auch K-Way-Gründer Jean-Claude Duhamel aus. Bei strömendem Nass kam ihm 1965 in Paris die Idee zu einer leichten, komplett wasserabweisenden Jacke. Für die steht das Label noch heute, selbst wenn die Windbreaker aus Nylon längst von einer Fashionlinie für Frauen, Männer und Kinder ergänzt wurde. Es ist diese Mischung aus hochwertigen Materialien und Designs, die klassisch, modern oder funktional daherkommen und K-Way aus der breiten Masse hervorheben. Für Deutschland und Österreich sicherte sich die CMH GmbH die Lizenzrechte. „Wir freuen uns besonders, neben Superga und Sebago, nun auch K-Way bei der CMH Handels GmbH willkommen zu heißen. Gerade in Marken, die für ein Iconic Piece stehen, aber darüber hinaus auch noch mehr können und dies in einer breiten Kollektion zeigen, sehe ich großes Potenzial“, verrät Bernhard Aschauer, Geschäftsfrüher der CMH GmbH. Support erhält das Unternehmen im Bereich Vertrieb von der Düsseldorfer Agentur Baessler und der Münchner Agentur Kappler. Den Bereich Kommunikation übernimmt die Münchner PR-Agentur Think Inc. www.k-way.com

Das offizielle Debüt gab es auf dem Pitti Uomo: Dass hinter verschlossenen Türen schon länger an einer Outdoorlinie von Woolrich gefeilt wurde, hat sich abgezeichnet. Aus Gründen: Zum einen sind das die Wurzeln, die die Marke in den USA bekannt gemacht haben. Zum anderen hat Woolrich Japan eine sehr umfangreiche Partnerschaft mit dem japanischen Unternehmen Goldwin geschlossen, das sowohl für ihre eigene Bekleidungslinie als auch als Hersteller von Funktionsfasern und Produzent für andere Marken bekannt ist. Nun ist sie da, die erste Kollektion. Eco, Durability und Fun hat sich Woolrich für seine Outdoorlinie auf die Fahnen geschrieben. Natürliche Fasern kombiniert mit neuester Technologie, für Menschen, die die Symbiose aus dem Leben draußen und ihrem Alltag suchen. Eine ästhetische, minimalistische Designsprache, vielseitig einsetzbare Key-Pieces und die durch und durch dem Zeitgeist entsprechende Verbindung aus Mode und Funktion zeichnen Woolrich Outdoor Label aus. www.woolrich.eu

Deus ex Machina Männertraum

Deus ex Machina steht für lässige Menswear mit Surfer- und Bikerimage.

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Coole Menswear, glaubhafte Geschichte, guter Preis: Die Kollektion Deus ex Machina vereint die richtigen Eigenschaften zum Umsatzbringer im Premiumhandel. Entsprechend hat das Label im deutschsprachigen Markt den Vertrieb neu aufgestellt. So ist die Agentur Komet und Helden für Deutschland und Österreich zuständig und die Agentur Wearhouse für die Schweiz, um das weitere Wachstum selektiv zu steuern. Die Heritage führt nach Australien, wo Deus ex Machina in einer klassischen Schrauberwerkstatt für Custom Bikes und Surfboards entstand. Daraus entwickelte sich ein ganzer Lifestyle, mit Stores von Sidney und Los Angeles über Bali, Mailand bis nach Tokio. Die dazu passende Menswear kommt aus Italien und spricht nicht nur die Community der Surfer, Biker, Rider und Skater an. Die Kollektion umfasst Tees und Sweats, Hosen und Caps, mit sunbleached Optiken und Badges, die auf die Wurzeln des Labels verweisen. „Deus ex Machina ergänzt unser Agenturportfolio optimal“, sagt Patrick Ebnoether, Geschäftsführer Wearhouse. „Die VK-Preise zwischen 39 und 99 Euro machen auch junge Kunden zu wahren Fans, die Deus als coole Marke wahrnehmen.“ www.deuscustom.com, www.kometundhelden.de, www.wearhouse.ch

Das ist mal was ganz Neues: Woolrich startet mit einer Outdoorlinie.


020 Jetzt

Es muss Liebe sein: Superga emotionalisiert seine Schuhe mit großer Wirkung.

Superga Ich liebe sie!“ ” Die Schuhe der italienischen Marke Superga

zählen zu den Abverkaufsrennern der letzten Saisons. Egal, ob aus Canvas in reinem Weiß oder in einer der unzähligen Farbvarianten bis hin zu Ausführungen in Metallic-Tönen, aus Leder oder mit Plateausohle. Das Image der Marke hat sich in letzter Zeit aufgrund zahlreicher Kooperationen wie zuletzt mit Model und Moderatorin Alexa Chung oder der deutschen Bloggerin Caro Daur eindeutig gewandelt. Seit Superga von BasicNet SpA mit Sitz in Turin geführt wird, zu der auch die Marken Kappa, K-Way und Sebago gehören, steigen die Umsätze stetig. „Wir bereiten gerade eine Serie von Events vor, die wir zur Unterstützung unserer stationären Handelspartner und zur Pflege der Marke auf den Weg bringen. Wir möchten mit den Kunden und Fans von Superga stetig in Kontakt bleiben und mit sympathischen Aktionen die Marke für den Konsumenten erlebbar machen und für viel Aufmerksamkeit und Spannung sorgen, die lange anhält“, sagt Bernhard Aschauer, Inhaber Superga Deutschland. „Die Zielgruppe liebt Superga

und zeigt uns das jeden Tag beispielsweise auf Instagram. Dort schreiben die Follower immer und immer wieder wortwörtlich ‚Ich liebe sie‘ in den Kommentaren unter die Posts – das wohl wertvollste Statement für eine Marke. Wenn ein Produkt so stark mit Emotionen verknüpft ist, dann wird immer mehr Begehrlichkeit geweckt und es vollzieht sich ein Wandel vom austauschbaren Gebrauchsgegenstand zum unverwechselbaren Must-Have. In den letzten Jahren ist es Superga gelungen, eine neue, junge und frische Zielgruppe für sich zu gewinnen, die den weißen Klassiker liebt und mit Emotionen und einem Lebensgefühl von Freiheit und Luxus verbindet. Die Marke genießt einen hohen Stellenwert und wird besonders in den sozialen Netzwerken mit Italien, Sommer, Sonne, Leichtigkeit, La Dolce Vita, Urlaub oder Sport assoziiert und ist zum absoluten Wanted-Produkt aufgestiegen“, erklärt Holger Petermann von der zuständigen Kommunikationsagentur Think Inc., die Superga seit über sechs Jahren in Deutschland betreut. www.superga.de

Fil Noir Mit Leichtigkeit und Farbe in den Sommer

Streifen und viel mehr, unbeschreiblich weiblich und das „feinste Jersey-Hemd der Welt“ – überraschend, sommerlich, farbig … Fil Noir. Mit leichten, fließenden Stoffen, sommerlichen Prints und einer Extraportion Farbe feiert der italienische Hemdenspezialist den Sommer. Die Kunden der Marke müssen auf Bewährtes nicht verzichten, aber: Mehr als in den vorangegangenen Saisons ergänzen im Frühjahr/Sommer 2019 modische Feinheiten die Kollektionen Donna und Uomo. Darüber hinaus überrascht der Experte für Premiumstoffe mit dem „feinsten Jersey-Hemd der Welt“. Fil Noir bekennt sich zu Farbe und Mustern – traditionellen Streifenvarianten treffen auf außergewöhnliche Maxi- und Mikro-Prints und Blumen von dezent bis üppig während die beliebten Blauvariationen von kräftigen Farben aufgemischt werden. Die Stoffe: leicht, duftig und fließend und Leinen ohne Grenzen. Fil Noir Donna zeigt sich im Frühjahr/Sommer 2019 farbenfroh und mit unerwartet fraulichen Attributen. Materialien, Formen und Farben sind eine Hommage an die Weiblichkeit. Zahlreiche neue ausgefallenen Blusen- und Kleiderformen ergänzen die klassischen Hemdenstyles, die in dieser Saison mit extrem femininen Details überraschen. Fil Noir präsentiert sich so unerwartet wie nie: mit einer exklusiven Auswahl neuer, trendorientierter Designs als zeitgemäße Ergänzung seiner beliebten und erfolgreichen Klassiker. Einmal mehr beweist der italienische Hemdenspezialist sein Gespür fürs Außergewöhnliche sowie seinen Sinn für Qualität und Perfektion – mit Finishings und Details, die ihresgleichen suchen. Das Resultat: eine Kollektion, ganz im Spirit sommerlicher Leichtigkeit und Frische. www.fil-noir.com 318 style in progress

Mit Le Paris Polo führt Lacoste sein ikonisches Design in die Zukunft.

Lacoste Le Paris Polo – das neue Poloshirt

Krokodil heißt auf Französisch eigentlich crocodile, aber inoffiziell könnte es auch Lacoste sein. Schließlich erfand Tennisspieler Jean René Lacoste, mit Spitznamen L’Alligator, das Polo aus Ressentiment gegen die steifen Sakkos und langen Hemden auf dem Platz. Lacostes tierischer Namensvetter kam als Logo auf die Brust der kurzärmeligen Shirts und schaffte es zu Weltruhm. Bis heute prägt die Panzerechse die Sportkollektionen des internationalen Labels. Das wurde kürzlich um eine Symbiose aus traditionellen Businesshemden und sportiver Poloeleganz erweitert. Das Resultat nennt sich Le Paris Polo und überzeugt mit gerader Passform, verkürzter Länge, knitterarmer Ware und uneingeschränkter Bewegungsfreiheit. Der versteifte Kragen und die verdeckte Knopfleiste machen das Polo zum perfekten Partner für Blazer und Jacken – 15 Farbvariationen sorgen für die entsprechende Auswahl. Selbstverständlich verzichtet Lacoste auch bei Le Paris Polo nicht auf das obligatorische Krokodil: Das farblich abgestimmte Logo sorgt diskret für das gewisse Etwas. Das neue Modell ist in allen Lacoste-Boutiquen, auf lacoste.com sowie bei ausgewählten Handelspartnern erhältlich. www.lacoste.com


022 Jetzt

Holubar

Erste Sommerkollektion

Die Marke Holubar wurde im Jahr 1947 gegründet und war bei Bergsteigern besonders beliebt. „Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre war Holubar einer der Hauptorganisatoren des Annapurna Mountain Trail Race, einem Bergrennen das im Himalaya in Nepal stattfand“, erklärt Tomislav Grajzar von der Holubar Distribution GmbH. Die Visuals zu den Printmotiven der neuen Sommerkollektion stammen aus dem umfangreichen Archiv der Marke. Als Jackenspezialist gelangte Holubar in Amerika und auch in Europa zu Weltruhm. Kult ist der orange Ganzjahreskapuzenparka, den Robert De Niro 1972 im Film „The Deer Hunter“ getragen hat. Die neue Sommerkollektion beinhaltet einige leichte Jacken für Damen und Herren zu Verkaufspreisen von 249 bis 349 Euro bei einer 2,6er-Kalkulation. Ein weiteres Highlight sind die bedruckten Sweatshirts made in Italy. „Die zu 100 Prozent aus Cotton Americano grobgestrickten Sweater sind besonders leicht und waren früher schon bei Bergsteigern aufgrund ihrer Atmungsaktivität beliebt. Gefertigt werden sie in Spitzenqualität von einem renommierten Produzenten in Italien. Wir entwickeln bewusst Produkte, die angenehm zu tragen sind und sich leicht und flexibel einsetzen lassen. Wir möchten Iconic Pieces anbieten, die einem guten Standard entsprechen und hohen Ansprüchen gerecht werden“, erklärt Tomislav Grajzar. Zudem gibt es Shorts und Swimwear (VK 99 Euro), Accessoires wie eine Tote Bag mit Lederapplikationen (VK 249 Euro) und einen Rucksack (179 Euro). Die Kollektion beinhaltet rund 40 Teile in vielen unterschiedlichen Farben. Christian Obojes und sein Team von Room with a view sind für den Vertrieb in Österreich verantwortlich. In Deutschland erfolgt der Vertrieb über die Modeagentur Weiß aus Düsseldorf, für die Schweiz ist Urs Schuler zuständig. Sportswearlegende Alberto Raengo hat die Marke Holubar 2010 mit seinen Partnern Tomislav Grajzar und Thomas Köhler wiederbelebt. Der Kundenservice für die D-A-CH-Region sitzt in Deutschland, das Lager ist in Italien. www.holubar.it

IQ+ steht für sportive Outdoor­ wear, mit Coolness und Funktion.

IQ+ Berlin Back to success

Der große Erfolg des Parkas von IQ+ Berlin für Herren und Damen hat Geschichte geschrieben, vor allem im deutschsprachigen Premiummodehandel: ein cooles Produkt für Herren und Damen mit Funktion und Wiedererkennungswert, zu VK-Preisen um die 549 Euro. Nun wollen die Gründer der Marke Carsten Scheer und Harald Heldmann als Inhaber der neu gegründeten Essential Style GmbH die Marke zurück zu alter Stärke führen, mit einer finanziellen Basis für künftiges Wachstum und konsequenter Fokussierung auf die Kernkompetenz Premiumsportswear. So erfolgt bereits die Auslieferung der Herbst-/Winter-Kollektion 2018 durch die Essential Style GmbH, die darüber hinaus mit ihren neuen Produktions- und Logistikstrukturen die Positionierung im Markt als sportive Outdoorpremiumbrand unterstützt. Carsten Scheer verantwortet weiterhin das Produktmanagement, Marketing und Vertrieb, während die Essential Style GmbH in Hamburg die Administration, Produktion und Logistik über die bewährten Strukturen übernimmt. www.iqplusberlin.com

318 style in progress

Die authentische Umsetzung der Marken­ geschichte steht bei Holubar im Mittelpunkt der neuen Sommerlinie.


WE RESPECT ANIMALS, WE RECYCLE, WE CLEAN THE OCEAN.

3rd - 5TH JULY at LUCKENWALDER STRASSE 4-6 10963 BERLIN HALL3 BOOTH D27


024 Jetzt

Hinter Jean Atelier steht Jerome Dahan, seineszeichens Gründer von 7 for all Mankind und Citizens of Humanity.

JOOP x The Fontenay Hotel Hamburg Des Verkaufsteams neue Kleider

Eine exklusive Lage an der Außenalster in Hamburg? Das verbindet! Bei Joop und dem Fünf-Sterne-Luxushotel The Fontenay sogar doppelt. Schließlich teilen sich die Marke und das neue Aushängeschild der Hamburger Spitzengastronomie nicht nur die Nachbarschaft, auch in ihren Werten sind sich die beiden erstaunlich ähnlich – allen voran in ihrem Streben nach Perfektion. Bei so viel Harmonie ist eine kreative Kooperation die logische Konsequenz. Deshalb wurden die Mitarbeiter des Verkaufsteams des Hotels mit modernen Klassikern aus der Damen- und Herrenkollektion von Joop ausgestattet. Kostüm und Anzug verkörpern die Businessmode von heute. Gleichzeitig verbindet sich zeitlose Eleganz mit hohem Tragekomfort und einer Prise Zeitgeist. Design, Materialität, Verarbeitung und der hohe Detaillierungsgrad sind das Markenzeichen von Joop. Mit seiner Kollektion trägt das Designerlabel zur eleganten Linie des Hotelkonzepts bei – Nachbarschaftshilfe der besonderen Art. www.joop.com

Jean Atelier Luxusdenim Nachbarn unter sich: Die Mitarbeiter des Verkaufsteams des Hotels The Fontenay tragen Joop und damit zur eleganten Linie an der Außenalster bei.

Made in Los Angeles, alle Materialien kommen aus Japan, das Zubehör aus Italien. Allein diese Fakten genügen, um zu zeigen, dass die Kollektion Jean Atelier vom Feinsten ist. Dahinter steht die Leidenschaft für Denim von Jerome Dahan, der als Gründer von 7 for all Mankind und Citizens of Humanity bereits Erfolgsgeschichten mit Luxusjeans aus Los Angeles geschrieben hat. Mit Jean Atelier hat Jerome Dahan gemeinsam mit Noam Hanoch erneut eine High-End-Denimmarke für Frauen kreiert, die Coolness mit nicht zu vordergründigem Sexappeal verbindet. Was nicht nur Jennifer Lawrence,

Gigi Hadid und Kourtney Kardashian gefällt und zum Beispiel über Barney’s in New York, Moda Operandi, Matches Fashion und Bon Marché verkauft wird. Die Kollektion zeigt Jeans und Shorts, Röcke, Kleider und Jacken in körperschmeichelnden Silhouetten und einem dreifarbig gestickten Streifen als Wiedererkennungsmerkmal. Die Marke wird von der Brama Group in der EU, UK, Russland und Middle East vertrieben, EK-Preise zwischen 120 und 180 Euro bei einem Mark-up von 2,7. www.jeanatelier.com

Sun68 Ab zum Strand

Knalliges Orange trifft auf Weiß als Kontrast. So fröhlich frisch startet Sun68 in seine erste Beachwearkollektion.

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Auf dem Pitti in Florenz präsentierte die Marke Sun68 erstmals eine kleine Capsule-Kollektion mit Beachwear für Herren für die Saison Frühjahr/Sommer 2019, die sie auch in Berlin auf der Premium wieder zeigen wird. Sie besteht aus zwei Badeshorts in drei unterschiedlichen Materialvarianten in knalligem Orange mit Weiß als Kontrast. Hinzu kommen einige Shirts mit bunten, floralen Prints. Für den perfekten Mini-me-Auftritt sind Teile der Kollektion auch in Kindergrößen erhältlich. Accessoires wie Handtuch, Cap und Strandtasche runden das Programm inhaltlich ab. www.sun68.com


RENÉ LACOSTE

NOVAK DJOKOVIC


026 Jetzt

Glücklich Contemporary Alpitude

Seit zehn Jahren ist Glücklich im Business, seit fünf mit eigenem kleinen Shop.

Zehn Jahre Visionen: Bei Glücklich genießt modernes Design, das sich mit alpiner Tradition verbindet, Priorität. Deshalb arbeitet das Südtiroler Unternehmen seit den Anfängen 2008 mit kleinen, hochqualifizierten Herstellern zusammen – eine Allianz, die nicht nur zuverlässige Handwerkskunst garantiert, sondern auch beste Stoffe und anspruchsvolles Design. Das Ergebnis ist zeitlose Fashion in hoher Qualität. Für die kommende Kollektion setzt man bei Glücklich auf farbenfrohe Akzente. Der weiche superleichte Strick für Damen und Herren bietet die optimale Lösung für Inund Outdoor. Bei der Konfektionsware setzt das Südtiroler Label auf leichte Tweed-Stoffe und Sommer-Walk von regionalen Produzenten. Die werden zu eleganten Blazern und sportlichen Jacken verarbeitet. Wem das noch nicht Feieranlass genug ist: Seit 2013 gibt es Glücklich als kleinen Laden am Rathausplatz in Eppan. Höchste Zeit, die Gläser zu heben und die Kunden mit einer Limited Edition zu beglücken. Die ist vorerst nur bei Glücklich in Eppan erhältlich. www.gluecklich.it

04651/ Qualität und Eleganz

Nach dem Markteinstieg des Menswearlabels 04651/, das vom Team rund um den Hamburger Multibrandstore für Herrendesignermode Braun initiiert wurde, kann die Marke sich nun über 60 Topkunden freuen. Ein Erfolg, mit dem sich Braun aber nicht zufrieden gibt. „Jetzt muss einfach die nächste Stufe gezündet werden“, sagt Geschäftsführer Lars Braun. Die Messeteilnahme auf dem Pitti Uomo im Januar hat nicht nur die Internationalisierung vorangetrieben, sondern auch ein Zeichen gesetzt. „Spätestens mit diesem Auftritt ist allen klar geworden, mit welcher Hingabe wir uns 04651/ verschrieben haben. Das ist kein Nebenprojekt eines erfolgreichen Einzelhändlers. Wir sehen großes Potenzial im Markt“, sagt Brandmanager Mathias Garske. Deshalb wurde mit Marcel Egner als General Manager ein erfahrener Produktmann neu ins Team geholt, der zuvor im Vertrieb von Stone Island viel Know-how, Netzwerk und Profil aufbauen konnte. „Wir wollen das Potenzial von 04651/ jetzt entsprechend ausschöpfen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, welche Qualitäten Marcel Egner hat und welchen Input er für die Entwicklung der Marke bringen wird“, sagt Lars Braun. Die neue Kollektion entspricht dem Markenmotto „A Trip in a Bag“ und gibt unverändert die Linie vor, die aber künftig weniger formal sein wird. Mathias Garske: „Unser Kunde will entspannt sein. In jeder Lebenssituation. In der Freizeit ganz besonders. Für diese Zielgruppe ist es völlig selbstverständlich, zwischen Business und Freizeit ansatzlos zu switchen.“ Lars Braun ergänzt: „Griff, Haptik, Komfort, das sind die Schlüsselbegriffe. 04651/ ist lässig 318 style in progress

04651/ zündet die nächste Stufe des Markenaufbaus – mit neuem In-HouseVertrieb.

und zwanglos, aber immer mit einem Bekenntnis zu Qualität und Eleganz.“ Die Kollektion wird im neuen Showroom im Münchner Glockenbachviertel präsentiert. www.04651-sylt.de

Christoph Stelzer und das Team der Retail Identity Agentur Dfrost begleiten Händler in die Zukunft des Retails.

Dfrost Kunden­bedürfnisse in den Fokus

„Es rappelt im Karton“, sagt Christoph Stelzer, Geschäftsführer und Mitgründer von Dfrost Retail Identity treffend. „Diversifizierung ist das Schlagwort, denn die Zukunft des Einzelhandels ist durch diese Entwicklung geprägt. Das bedeutet auf der einen Seite eine Multiplikation des Geschäfts im Sinne einer Vielzahl von Kanälen, über die Handel betrieben wird, und auf der anderen Seite eine zunehmende Anzahl immer spitzer werdender Zielgruppen. Händler wie Marken werden akzeptieren müssen, dass ein physischer Store in einer zeitgemäßen Customer Journey weder zwangsläufig der Beginn noch der Endpunkt sein kann, wo es zum Kaufabschluss kommt. Ein solches Szenario setzt vor allem eins voraus: Flexibilität. Denn nicht mehr die Ware, sondern der Kunde und seine Bedürfnisse stehen im Fokus. Der Kontakt mit dem Kunden beginnt weit vor dem Betreten des Ladengeschäftes und geht weit über die Verabschiedung hinaus. Und doch ist es das multisensorische Erlebnis mit Produkt und dem Menschen, dass das Einkaufserlebnis prägt. Ein maßgeschneiderter Service und selektive Inspiration sind das A und O. Das klingt einfacher als gedacht. Die Kunst liegt jedoch darin, den Mut zu Neuem zu beweisen. Dies bedeutet u. a., dass die Ware nicht in großen Lagern hinter verschlossenen Türen versteckt werden darf, sondern sie muss ständig in Bewegung sein und erlebbar gemacht werden. Pop-up-Stores machen es vor. Aber auch in puncto Service, speziell im Bereich Customer Convenience, schafft die Digitalisierung durchgängige, personalisierte und nachhaltige Kundenerlebnisse. Das beginnt bei klassischem Click & Collect, geht über interaktive Umkleiden und endet bei Selfcheckout mit vertrauenswürdigen Mobile-Payment-Lösungen. Neue digitale Technologien haben maßgeschneidert auf das jeweilige Format Einzug gehalten, bleiben im Store aber im Hintergrund und zahlen vor allem auf die Convenience für den Kunden ein. Ob VR, AR oder Sprachassistenten – gut eingesetzt, stützen und stärken sie das Einkaufserlebnis. Stationäre Markenräume der Zukunft werden nicht mehr nur Points of Sale sein, sie müssen Inspiration, Erlebnis und Entertainment bieten. Der Schlüssel liegt im klaren Händlerprofil und in der Customer Experience, also dem bestmöglichen Einkaufserlebnis für den Kunden. Es geht darum, Shopformen zu schaffen, die dem Kaufverhalten moderner Kunden angepasst sind und die zugleich Kundenbedürfnisse dynamisch mitgestalten. Das Ziel ist klar definiert: Der POS muss zum Point of Fascination werden. Es gilt: „Stop thinking stores. Start thinking Stories.“ Nur wer seine eigene Geschichte erzählen kann und Räume für die Entfaltung von Kundenbedürfnissen bietet, blickt in eine erfolgreiche Zukunft.“ www.dfrost.com


STAND 2.24

P L E AT E D W I D E PA N T S

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028

Jetzt Agenturen Komet und Helden Konsequente Nachhaltigkeit

Die Hinterhof­ agentur Wir haben ” Geheimtipps“

Nach der ersten Orderrunde im neuen Showroom in der Römerstraße in München-Schwabing ist das Team der Hinterhofagentur sehr zufrieden mit dem bestehenden Portfolio. Die inhaltliche Weiterentwicklung der Kollektionen steht für Dominik Meuer an erster Stelle: „Es geht uns nicht darum, jede Saison nur neue Labels zu präsentieren, sondern auch innerhalb der bestehenden Kollektionen immer die Spannung zu halten und den Kunden etwas Neues zu bieten. Wir haben die Geheimtipps, dafür sind wir bekannt.“ Für Frühjahr/Sommer 2019 kommt die Sportswearkollektion von Lightning Bolt mit hinzu, die einen authentischen Surfer-Look im Vintage-Stil für Männer und Frauen präsentiert. Ursprünglich entstammte sie der Idee eines Surferkonglomerats aus Hawaii, das einige der prominentesten Namen der Surfszene der 1960er- und 1970er-Jahre zu bieten hat. Produziert wird die Kollektion heute in Portugal, was eine gute und wenn gewünscht sehr frühe Lieferung garantiert. In der Kollektion Wool & Co, die zum letzten Herbst/Winter erstmals eine Damenkollektion präsentiert hatte, soll der Wirk- und Jersey-Bereich stark ausgebaut werden. „Unsere Marken fokussieren sich darauf, konstant neue gute Ware zu zeigen. Das Produkt ist das A und O. Und für uns zählt das Gesamtpaket, das eine Marke rund um dieses Produkt bietet“, so Dominik Meuer. Labels Damen: Cape Horn, Des Petits Hauts, Ginger and Ruby, Lab Dip, Lightning Bolt, My Sunday Morning, Rose and Rose, The Jacksons, Wool & Co, Wyse London Labels Herren: Bob, Cape Horn, Koike, Lightning Bolt, Manuel Ritz, Portofiori, Uniform Jeans, Wool & Co Die Hinterhofagentur, München/Deutschland, info@diehinterhofagentur.de, www.diehinterhofagentur.de

Lightning Bolt bringt authentische Vintage-Surfer-Looks in den Showroom der Hinterhofagentur.

318 style in progress

Der lässige Style von Deus Ex Machina spricht Männer jeden Alters an.

Seit dieser Saison hat die Agentur Komet und Helden den Vertrieb der Menswear Deus Ex Machina für Deutschland und Österreich übernommen. „Die Kollektion spricht mit dem Image relaxter Coolness Männer aller Altersgruppen gleichermaßen an“, so Geschäftsführer Henrik Soller. Mit Verkaufspreisen zwischen 39 und 99 Euro ist die Sportswear im kommerziellen Premiumbereich angesiedelt. AG Jeans ist dafür bekannt, alles bis zum Reißverschluss oder Knopf in Eigenregie zu produzieren. Was bislang nur für die Jeans galt, gilt jetzt auch für die ergänzenden Oberteile, die vom Jersey-Material bis zur Fertigung in einer eigenen Produktionsstätte in Mexiko realisiert werden. „Die Tees und Sweats überzeugen mit der Optik und Haptik lässiger Vintage-Teile, sind aber in ihrer Qualität absolut neuwertig“, sagt Henrik Soller. Nach erfolgreicher Testphase in den eigenen Geschäften geht die Kollektion jetzt auch für den Wholesale an den Start. Eine weitere wichtige Denimmarke ist 7 for all Mankind, für die die Agentur seit dem 1. Juni auch den Vertrieb im österreichischen Markt übernommen hat. Die Marke Save the Duck schließlich ist mit der Capsule-Kollektion Save the Ocean eine neue Kooperation mit der Surfrider Foundation Europe eingegangen. Das Ergebnis ist Outerwear, die aus recyceltem Polyester, gewonnen aus Plastikflaschen und Fischernetzen, besteht. Die Jacken mit dem blauen Logo kennzeichnen einen weiteren konsequenten Schritt der Marke in Richtung Nachhaltigkeit. Labels: 7 for all Mankind, AG Jeans, B.D. Baggies, Baracuta, Barena, Blauer USA, Bowery NYC, Deus Ex Machina, Diemme, Hartford, Ottod’Ame, Paltò, Save the Duck, The Nim, White Sand Komet und Helden, München, Düsseldorf/Deutschland, muenchen@kometundhelden.de, www.kometundhelden.de

D-tails Fünf Mal mehr Vielfalt

Für die Saison Frühjahr/Sommer 2019 rüstet sich die Münchner Agentur von Patrick Coppolecchia Reinartz mit gleich fünf neuen Kollektionen, die viel frischen Wind und jede Menge Abwechslung mit sich bringen. Angefangen bei Gazzarrini, einer italienischen Herrenkollektion im preislichen Mittelfeld, die neben zwei Hauptkollektionen auch Flashprogramme und spezielle Season-End-Produktionen mit höherer Kalkulation anbieten. Für das nächste Jahr plant die Agentur zusätzlich zum Vertrieb der Marke die Eröffnung zweier Stores in Deutschland. Ebenfalls neu ist die Swimwearkollektion Peninsula, die über farbenfrohe Muster und Farben das Dolce Vita der italienischen Riviera transportiert. Mit Even IF kommt eine ausgefallene DOB-Kollektion mit hinzu, die unkonventionelle Schnitte sportlich interpretiert und mit viel Volumen und avantgardistischen Einflüssen spielt. Elegant übersetzte Streetwear steht bei NV3 im Mittelpunkt, einer sehr lässigen italienischen Hosenkollektion, die mit kleinen Sonderprogrammen und einem Lager auf Flexibilität und Nachorderfähigkeit setzt. Einen wahren Sinnesrausch erwartet die Kunden von D-tails ab sofort im Showroom, denn mit den luxuriösen Seifen der Marke Walde 1777 zieht erstmals ein Kunde aus dem Bereich Beauty und Wellness ein. Seit 1777 stellt die Manufaktur Walde Seifenprodukte nach alten und neuen Rezepturen her und legt dabei höchsten Wert auf Tradition und Qualität. Labels: Add, Bruno Parise, Even IF, Gazzarrini, Ibrigu, Il Bisonte, NV3, Peninsula, Seboy’s, Walde 1777 D-tails, München/Deutschland, info@d-tails.de, www.d-tails.de

Die Kollektion Even IF wird ausschließlich in Italien produziert. Sie inszeniert asiatische Schnittkunst mit avantgardistischen Stilmitteln.


Me and my Paul&Shark.


030 Jetzt Agenturen

CP Fashion All for Jeans

Silver Jeans aus Kanada ist eine Kernkollektion der Agentur CP Fashion, die sich auf den Contemporary-Markt konzentriert und ihr gesamtes Labeling überarbeitet hat. Stilprägend sind ausgefallene Details, meist reduziertere Waschungsoptiken und ein herausragendes Passformkonzept mit Slim- und Straight-Silhouetten in unterschiedlichen Beinlängen. „Besonderen Erfolg hat Silver Jeans weiterhin im wachsenden Plus-Size-Markt“, so Reinhart Oberstein. „So sind die wichtigsten Modelle auch in deutschen Konfektionsgrößen 42 bis 54 erhältlich.“ Neu ist seit letzter Saison Jim X Judy, Denimwear für Damen und Herren aus Stockholm, die hochwertige Denims von den besten Indigowebern Europas einsetzt, gefertigt in Europa, um möglichst nah am Markt agieren zu können. Auch bei den Preislagen punktet die Marke: Die Core-Kollektion kostet 89,90 bis 129 Euro im VK, während die Premiumkollektion zwischen 139 Euro und 169 Euro angeboten wird. Invita heißt eine Gürtelkollektion eines kleinen Familienunternehmens in Italien. „Die ideale Ergänzung zu unseren Jeans“, sagt Reinhart Oberstein. „Wie aus Italien nicht anders zu erwarten, sind sie modisch auf dem Punkt und in bester Handarbeit gefertigt. Noch dazu ermöglicht uns die große Flexibilität, den Markt schnell und zuverlässig zu bedienen.“ Labels: Articles of Society, Greywire, Invita, Jim X Judy, Robins Jeans, Silver Jeans, Ultra Tee CP Fashion, Bad Säckingen, Düsseldorf und München/Deutschland, info@cpfashion.de, www.cpfashion.de

Silver Jeans überzeugt mit Passform, auch in der Übergrößenollektion.

Axel Arigato ist neu bei Ben and und setzt mit Coutureanspruch auf Footwear zum guten Preis.

Agentur Ventrella Kunstvolles Stickereiprogramm Gemeinsam mit einem ihrer Lieferanten hat das Team rund um Gaby und Michele Ventrella ein neues Projekt ins Leben gerufen: Unter dem schönen Namen Le Petite Broderie legen sie ein kleines Programm mit kunstvollen, ukrainischen Ethnostickereien auf. Diese zieren eine Linie bestehend aus einer Tunika, einer Tunikabluse, einem kurzen und einem bodenlangen Kleid, einer Hose und einem Rock in je fünf Farbvarianten. Ihren Kunden bietet Le Petite Broderie damit die Möglichkeit, durch verschiedene Stickereien ihre eigene Auswahl zusammenzustellen. Die EK-Preise liegen zwischen 160 und 190 Euro mit einer Kalkulation von 2,7. „Le Petite Broderie ergänzt ideal unser bestehendes Portfolio mit Spezialisten für jede Produktgruppe“, sagt Gaby Ventrella. Ein kleines Programm mit Stickerei wird es auch in der Lederaccessoirekollektion Nove geben. Das Thema Kollektionserweiterung greift auch die Accessoiremarke 813 auf, die ihre Drucke für die Seidenschals und Tücher auf ein kleines Konfektionsprogramm überträgt und den Kunden so die Möglichkeit bietet, einzelne Prints der Schals auch auf Mäntel, Hosen und Kleider zu übertragen. Dieses kleine Programm gibt es sowohl auf Seide als auch auf Baumwolle. Labels: 813, 820, Avant Toi, Bazar De Luxe, Caliban, Gold Hawk, Giovi, Guglielminotti, Leather Crown, Le Petite Broderie, Le Sarte Pettegole, Maurizio Massimino, NDV, Nine in the Morning, Nove, Tagliatore, Tintoria Mattei Agentur Ventrella, München, Düsseldorf/Deutschland, mode@agentur-ventrella.de, www.agentur-ventrella.de Mit Le Petite Broderie präsentiert die Agentur Ventrella kunstvolle Ethnostickereien auf Tuniken, Blusen und Kleidern.

318 style in progress

Ben and Ins Schwarze getroffen

Das bei der Vertriebsagentur Ben and neue Footwearlabel Axel Arigato wurde 2014 von Max Svardh und Albin Johansson gegründet, um eine Lücke im Markt zu schließen: couturige Sneaker zum leistbaren Preis. Damit trafen sie ins Schwarze. Für den Handel gibt es wöchentliche Updates in Form von „Drop of the week“, für ein immer frisches Bild. Qualität und Handwerkskunst sind neben der Mode weitere Stärken der in Portugal gefertigten Marke, die beispielsweise bei Le Bon Marché, Harvey Nichols und Selfridges zu VK-Preisen zwischen 180 und 280 Euro mit Mark-up von 2,6 angeboten wird. Na-kd wurde im Onlinesegment groß und gibt jetzt viermal jährlich eine Wholesale-Kollektion mit zwölf Vororderprogrammen heraus, die ausschließlich den stationären Handel anspricht. „Zusätzlich pushen wir Na-kd mit Blogger-Events bei ausgewählten Händlern“, erklärt Ben Botas. „Das gibt ihnen eine enorme Reichweite.“ So gab es bereits entsprechende Pop-up-Flächen bei Ludwig Beck, Breuninger in Stuttgart, P&C, Leffers und Konen. „Auch Moose Knuckles entwickelt sich weiter“, berichtet Botas. „In der ersten Saison haben wir vor allem die wichtigen Departmentstores wie Breuninger, Engelhorn und Wormland aufgenommen, jetzt sind unter anderem mit Jades, Abseits und Mientus wichtige High-Fashion-Kunden hinzugekommen.“ Labels: 2Shirtsago, 81Hours, Ben Sherman, Filippa K, Fortezza, iBlues, Juicy Couture, Mason’s, Moose Knuckles, Na-kd, Odd Molly, Stefanel Ben and, München/Deutschland, agency@ben-and.com, www.ben-and.com


032 Jetzt Agenturen

Das nächste Gathering ist schon geplant: Am 30. Juli im Showroom von Room with a view.

Neu im Team ist Alexandra Weber. Sie betreut die Kunden bei allen digitalen Anliegen. Händler werden von ihr mit den richtigen Bildern und Geschichten Immer größerer Beliebtheit erfreut sich der moder georderten Marken für Social Media natliche MAG with a view Newsletter mit vielen Posts und Newsletter versorgt. Außerdem kümmert sich Sophie Frohmader ab Inspirationen zu Themen wie Food, Musik, Work, sofort um die Marke R13 für DeutschDigital, Fashion, Travel und Interieur. Gemeinsam land, Österreich und die Schweiz. Neu mit dem Partner Headless bietet Room with a view seit kurzem einen Content Service für Newsletter an. im Portfolio ist die Kleiderkollektion Devotion Twins aus Griechenland. „Händler haben oft das Problem, dass sie zu wenig Labels: Alto, Article of Society, Arkk interessanten Content für ihre Newsletter haben. Headless produziert spannende Beiträge und bietet Copenhagen, Better Rich, D.A.T.E. diese dann den Händlern an. Natürlich können auch Sneakers, Devotion Twins, Ecoalf, komplette Newsletter, sozusagen maßgeschneidert, Hanky Panky, Happy Socks, Holubar, Lauren Moshi, Moon Boot, Moose in Auftrag gegeben werden“, erklärt Inhaber Christian Obojes. Nach dem großen Erfolg der GatheKnuckles, Pomandere, R13, RRD, ring-Premiere im Januar steht jetzt der Termin für Stand Stockholm, Steamery, Steven K, das nächste Event fest. Am 30. Juli sind Händler aus Swell, The White Brand, Veja, Warm Me, White Sand, Xacus Österreich und dem angrenzenden Bayern herzlich Room with a view, Salzburg/Österreich, eingeladen, ab 17 Uhr den spannenden Diskussionsrunden mit drei bis vier Gesprächspartnern office@roomwithaview.at, www.roomwithaview.at beizuwohnen.

Airfield stellt sich für die Zukunft auf und ist auch ein Neuzugang bei der Michaelis Fashion Agency.

Room with a view Content is King

The Style Manifest Wir machen das neue ” heute“

Steve Herrmann und Aphrodite Popis haben sich mit ihrer Agentur The Style Manifest auf eine Nische spezialisiert, die immer relevanter wird: Fast-Fashion-Kollektionen, die in kurzen Abständen kleine Programme produzieren – meist in Europa, um den schnellen Rhythmus zu schaffen. „Wir sind als Agentur noch recht jung und sehen den Markt daher vielleicht mit anderen Augen als manch alter Hase. Real-Time-Kollektionen erfüllen den Zeitgeist und sind genau das, was der Markt braucht und der Endverbraucher sich wünscht. Und wir sehen an unseren Kunden, dass diejenigen, die das Prinzip verstehen, damit richtig gute Umsätze machen. Das ist die Zukunft“, beschreibt Steve Herrmann. Bei einzelnen Kollektionen kommen pro Monat 20 bis 30 neue Teile, die Lieferzeit beträgt nur noch fünf bis 15 Tage. The Style Manifest existierte seit 2012 zuerst als Fashion Blog, dann kam mit der amerikanische Marke Anine Bing der erste Partner und bis heute das Zugpferd ins Portfolio dazu. 2016 folgte der Umzug nach Berlin, denn dort eröffnete das Team im September 2016 den ersten Anine Bing Store in Deutschland in Berlin-Mitte, den sie als Partner des Unternehmens betreiben. Im letzten Jahr eröffnete schließlich der eigene Showroom in Berlin-Kreuzberg. Labels: Anine Bing, Bacon, Hironaé Paris, Magali Pascal, Matin, Ragdoll LA, Sincerely Jules The Style Manifest, Berlin/Deutschland, office@tsma-fashion.com, www.tsma-fashion.com 318 style in progress

Die amerikanische Marke Anine Bing ist Partner der ersten Stunde und bis heute das Zugpferd im Portfolio der Berliner Agentur The Style Manifest.

Michaelis Fashion Agency Neue Location

Frischer Wind bei Airfield: Die Marke aus dem österreichischen Seewalchen hat die Weichen in puncto Designteam und Marketing zukunftsweisend gestellt und baut auch im Vertrieb auf die Kompetenz von Agenturen. Jetzt hat die Michaelis Fashion Agency den Vertrieb für die deutschen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Südhessen und Saarland neu übernommen. „Für top Passform und exzellenten Service steht Airfield seit Jahrzehnten, ebenso wie für einen sportiven Look mit einem Kick Femininität“, sagt Agentur Geschäftsführer René Michaelis. „Die neu interpretierte Gesamtperformance von Airfield hat uns als Agentur überzeugt.“ Nach 15 Jahren Präsenz im Lodenfreypark ist die Agentur jetzt umgezogen. „Die Fashion Mall in der Karl-Weinmair-Straße bündelt eine Vielzahl an arrondierenden Kollektionen unseres Markenportfolios“, so René Michaelis, der jetzt im Erdgeschoss Haus Nummer 11 auf 280 Quadratmetern auch Marken wie Marlino, RRD Roberto Ricci Design und mit Yippie Hippie eine farbstarke Kollektion mit Lebenslust präsentiert. Last but not least Peuterey. „Wir vertreten die Outdoorpremiummarke seit 15 Jahren und sind fast von Beginn an in die Erfolgsstory involviert. In puncto Leichtigkeit, Funktionalität und Material­ innovationen zählt Peuterey bis heute zu den Markführern.“ Labels: Airfield, Marlino, Peuterey, RRD Roberto Ricci Designs, Yippie Hippie Michaelis Fashion Agency, München/ Deutschland, T 0049.171.4888924 mail@michaelis-fashion-agency.com, www.michaelis-fashion-agency.com


Jetzt Agenturen 033

Heritage Agents

”Wir betreten Neuland“ Malte Kötteritz und Michael Brockmann stehen zum Saisonauftakt nicht nur ein paar Veränderungen, sondern damit auch neue Herausforderungen ins Haus, auf die sich beide sehr freuen. Zum einen startet das Team in der Saison Frühjahr/Sommer 2019 mit der italienischen Kollektion Fortela. Ein echtes Juwel italienischer Menswear, denn der maskuline, raue Look und die bis ins Detail ausgearbeiteten Designs entstammen dem Fingerspitzen­ gefühl von Alessandro Squarzi – seines Zeichens Stilikone, Modeexperte, Designer und perfektes Role Model für seine Kollektion, die eine ganz natürliche Lässigkeit mit hochwertigen Materialien kombiniert und einen Einblick in Squarzis unglaub­ liches Know-how über die internationale Geschichte von Mode und Moden präsentiert. Dafür greift der Designer auch immer wieder ins eigene Archiv, nimmt Originale zur Hand, lässt Details einfließen, ohne seine auf die Essenz reduzierte Kollektion je zu dekorieren. „Alessandro Squarzi hat mit entspannten, maskulinen Silhouetten und roughen Materialien einen neuen Zeitgeist in der italienischen Menswear eröffnet“, sagt Malte Kötteritz.

Erstmals DOB bei den Heritage Agents Eine inhaltliche wie auch räumliche Veränderung bringt auch der zweite Neuzugang mit sich, denn die Marke Circolo 1901 aus dem süditalienischen Bari möchte ihre HAKA- und DOB-Kollektionen gemeinsam präsentieren. Für den neuen Kundenkreis im DOB-Markt wurde das Team um Carmen Rabe als Head of Sales Women verstärkt, sie wird sich um die Damenkollektion von Circolo 1901 kümmern. Der Clou der Kollektion ist ihr Easy-towear-Spirit, den sie mit einer innovativen Idee kombiniert: bedruckten Jerseys. Dafür mustert das Designteam die Oberflächen klassischer Oberstoffe ab, überträgt sie in hochauflösende Druckbilder und druckt sie in einem eigens entwickelten Verfahren auf die Jerseystoffe. „Circolo 1901 ist die innovative Alternative zu den klassischen Sakkoanbietern wie Boss, die ähnliche Preislagen abdecken“, beschreibt Malte Kötteritz. Mit VK-Preisen von durchschnittlich 349 bis 449 Euro für ein Sakko und 179 bis 199 Euro für Hosen mit einer Kalkulation von 2,7 bietet Circolo 1901 flexible Nachordermöglichkeiten über das Lager – die Ware kommt aus eigenen Produktionsstätten in Europa.

Spezialistentum

Die Agentur bleibt ihrer Philosophie treu, für jede Produktgruppe einen Spezialisten zu bieten. Für die Kategorie Hemd ist das unumstritten die Marke Bagutta. „Uns überzeugt einerseits der hohe Grad an Spezialisierung auf das Genre Hemd und zum anderen die enorme Bandbreite an Interpretationen und Themen, die Bagutta jede Saison aufgreift“, berichtet Michael Brockmann. Für den Bereich Accessoires gab es kurz vor Redaktionsschluss

noch eine gute Nachricht: Zukünftig wird der italienische Taschenhersteller Campomaggi neben der sehr erfolgreichen Damenkollektion auch eine Herrenlinie anbieten und diese über die Heritage Agents in Deutschland und Österreich vertreiben. „Der Qualitätsanspruch dieser Marke ist einfach unglaublich. Es ist ein Produkt, das eine inhaltlich konsequente Ergänzung für uns darstellt“, bring Malte Kötteritz seine Entscheidung für diesen Neustart auf den Punkt. Labels: Bagutta, Campomaggi, Circolo 1901, Fortela, Lardini, Matteucci, Mey Story Heritage Agents, München/ Deutschland, office@heritage-agents.com, www.heritage-agents.com

Die maskuline, authentische Herrenkollektion Fortela entstammt dem modischen Feingefühl des italienischen Masterminds Alessandro Squarzi (Porträt). Seit letzter Saison haben die Heritage Agents aus München die Marke in ihrem Portfolio.

style in progress 318


COLLEC TION SPRING 2019 CPD DÜSSELDORF 21/22/23 JULY 2018 DÜSSELDORF SHOWROOM RATHER STR. 49E 5TH FLOOR


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034 Jetzt Agenturen

Mit Kollektionen wie Pride to be setzt die Agentur von Marion Hoferer auf Hotseller, die nicht überall erhältlich sind.

Vestitus Geballte Store-Power

C.P. Company heißt der prominente Neuzugang bei der Agentur Vestitus, die die Marke seit März für Deutschland und Österreich vertreibt. „Das Label wird bis heute von der Familie Massimo Ostis, einem der Urväter der Sportswear, betreut“, so Peter Haertel. „Als Head of Marketing ist heute sein Sohn Lorenzo Osti mit im Unternehmen, das weiterhin im spürbaren Aufschwung begriffen ist.“ Jacob Cohën hat einen ersten Monobrandstore auf der Mailänder Via della Spiga eröffnet und punktet darüber hinaus mit japanischem Kurabo-Denim in innovativen Waschungen und dem typischen detailreichen Design. Zusätzlich gibt es eine große Farb- und Materialienauswahl im Bereich Chino und Nondenim. Eine weitere Kernmarke ist Herno, die im Juni ebenfalls einen Mono­ brandstore in Mailand eröffnete. Der Name Fedeli steht für Polos und Shirts aus ägyptischer Baumwolle in Sorbet- und Pastellfarben, die mit nachhaltig produziertem Strick aus Bio-Cashmere ergänzt werden. Antonelli gibt sich in dieser Saison mit einer Fülle von Kleidern aus Organza und Chiffon mit floralen Prints besonders weiblich. Zarte Blusen aus technischer, waschbarer Seide bilden die Einstiegspreislage der Marke, die jetzt ebenfalls auf eigene Präsenz im Handel setzt und im Juli einen Shop in Mailand eröffnet.

Modeist Wir bieten ” Offlinelabels“

Die Werbekampagne von C.P. Company für die Stadt Düsseldorf lässt sich auch auf andere Städte Deutschlands übertragen.

Labels: Antonelli, C.P. Company, Fedeli, Finamore, Herno, Jacob Cohën, L.B.M., Santoni, Tortona 21 Vestitus GmbH, Düsseldorf/ Deutschland, service@vestitus.eu, www.vestitus.eu

Marion Hoferer hat eine Ordersaison hinter sich, die sie in ihrem Weg bestätigt hat. „Unsere Strategie, mit preisaggressiven Labels, die nicht in jedem Laden hängen und online kaum verfügbar sind, bestätigt uns immer wieder. Wir nehmen den Druck raus und decken mit unseren Produkten und Preisen eine sehr große Nische ab, die der Einzelhandel einfach braucht. Mit unseren Labels verdienen unsere Kunden richtig Geld, es funktioniert! Und darauf bin ich sehr stolz“, sagt Hoferer. Strategisch bedeutet das auch, dass sich die Agentur von ein paar kleineren Labels trennte, um andere dafür in der Tiefe noch mehr auszubauen. Unter anderem erweitert die Fake-Fur-Kollektion Pride to be ihr Angebot um zwei Drittel von bisher 20 auf 60

Room Nine Agency Volle Kraft voraus

Henri Lloyd ist eine traditionelle Segelmarke aus Manchester, die ihre Jacken aus den 1970er-Jahren zeitgemäß neu aufgelegt hat.

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Kollektionsteile, wobei sie mit neuen, sehr dünnen und feinen Qualitäten von Fake Fur, Fake Down bis Nylon einen Schwerpunkt auf Übergangsjacken legt. In der Blusenkollektion Silk Sister wird es ab der kommenden Saison gleich vier neue Qualitäten und das Ganze im Größenspektrum von XS bis 3XL geben. „Es erfordert schon einigen Mut, bis Größe 3XL zu produzieren, aber wir forcieren diese Entscheidung bei unseren Marken immer mehr, weil wir einfach sehen, dass der Einzelhandel das verkauft“, erklärt Hoferer eine weitere strategische Entscheidung ihrer Agentur. Als Neuzugang freut sie sich auf die Marke Rose & Rose, hinter der ein Kölner Designer steckt, der eine limitierte kleine Taschenlinie aus Lachshäuten in Deutschland produziert. Ab dem ersten Juni ist Modeist übrigens in neuen Räumen (an der Adresse ändert sich nichts) und unter der Leitung von Marion Hoferers Sohn Timothy Hoferer anzutreffen. Labels: B. Belt, Blaumax, Bodylanguage Sportswear, Dolores, I Peace, Jakke, Knit Knit, Pride to be, Sassi Cara, Silk Sisters, Sold Out Modeist GmbH, München und Düsseldorf/Deutschland, info@b-kleidung.com, www.modeist.com

Ein Neuzugang der Room Nine Agency heißt Henri Lloyd. „Die alte Segelmarke aus Manchester war eine der ersten, die wasserdichte Jacken mit geschweißten Nähten auf den Markt gebracht haben“, so Torsten Müller. „Heute wird die Tradition fortgeführt und die Jacken aus den 1970er-Jahren neu aufgelegt, für Sportswear vom Besten.“ Refrique aus Portugal fertigte ursprünglich Jacken für Kühlhausarbeiter, die ebenso draußen bei heißen Sommertemperaturen funktionieren. Daraus entstand eine Jacken- und Sportswearkollektion, die Müller ebenfalls für Deutschland und Österreich vertreibt. Für kommendes Jahr gibt die Marke Orlebar Brown eine Kooperation mit Formel-1-Fahrer Daniel Ricciardo heraus und für kommendes Jahr eine spezielle James-Bond-Kollektion. Tretorn aus Schweden legt das Tennisschuhoriginal, wie es schon Björn Borg und Martina Navrátilová getragen haben, zu VK-Preisen zwischen 99 und 129 Euro VK neu auf. Watson Cashmere heißt die Herrenlinie der Marke Georg&us Cashmere, mit Garnen ausschließlich aus Nepal. „Der Look ist edel und modisch, mit als Intarsien gestrickten Sprüchen wie ‚Hard working Man‘ oder ‚Apres Ski‘“, so Torsten Müller, der die Kollektion für Deutschland im Programm hat. Harmont & Blaine ist ein Synonym für klassische Menswear aus Neapel, erkennbar am Dackellogo auf den Hemden. Labels: Bomboogie, Ero Coats, Flip Flop, Harmont & Blaine, Henri Lloyd, Orlebar Brown, Refrigue, Tretorn, Watson Cashmere Room Nine Fashion Agency, Düsseldorf/Deutschland, torsten.mueller@roomnineagency.de, www.roomnineagency.de


Johnny Talbot & Adrian Runhof

Meike Lohmann

Fashion designers / Talbot Runhof

Visual artist / Kauft mehr Kunst

Dirk Hoberg

Markus Meindl

Entrepreneur / Meindl Fashion

Two-star chef / Ophelia restaurant Constance

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036 Jetzt Agenturen

Rolf Griesinger Internationale Mode Umzug in neuen Showroom

Mit den beiden Neuzugängen Aybi (links) und Frenken erweitert die Agentur Select Studio ihr DOB-Sortiment.

Die Agentur von Rolf Griesinger ist in die Schwabinger Fashion Mall Bronce umgezogen, ins Umfeld zahlreicher anderer Premiummodemarken. Zudem hat der Inhaber sein Sortiment angepasst: „Unsere zwei neuen Shooting Stars sind Hana San und Lu Ren. Mit Freude können wir große Erfolge mit diesen beiden Kollektionen in Deutschland verzeichnen“, so Rolf Griesinger. Die Blusenkollektion Hana San der Französin Carine Melkonian steht für schlichte Modernität. Sie verbindet ihre Passion für japanische Kultur mit einem reduzierten Look und konzentriert sich auf Essentials. Inspiriert von der Schwarz-Weiß-Ästhetik von Modefotografen wie Peter Lindbergh fokussiert sie sich auf Baumwollblusen mit schönen Details für starke selbstbewusste Frauen. Die Cashmere-Linie Lu Ren besticht durch geradlinige Looks in hochwertiger Verarbeitung. Mit edlen Materialien arbeitet auch die sportive Linie Brown Allan aus New York. Ergänzt wird das Sortiment durch die Kleider von Animapop sowie traumhaften Schals der Firma Storiatipic aus Paris. Die Jacken von IQ+ Berlin sind fester Bestandteil seit vielen Jahren. Labels: Animapop, Brown Allan, IQ+ Berlin, Hana San, Lu Ren, Storiatipic Rolf Griesinger Internationale Mode GmbH, München/Deutschland, office@griesinger-mode.de, www.griesinger-mode.de

Select Studio Zuwachs im Premiumsegment

Fragt man Bernard Waage von Select Studio, was die kommende Saison für ihn bringt, fallen zwei Namen: Aybi und Frenken. Mit diesen beiden neuen Kollektionen möchte sich die Agentur auf Boutiquen in der D-A-CH-Region und hier vor allem auch auf das entsprechende Premiumsegment fokussieren. Mit beiden startet das Team von Select Studio zur Saison Frühjahr/Sommer 2019. Hinter dem Münchner DOB-Label Aybi steckt eine altbekannte Expertin der Modebranche: die Gründerin der Marke 0039Italy Aysen Bitzer. In ihrer neuen Kollektion, die in Deutschland produziert wird, stellt sie farbenfrohe Blusen und Kleider in hochwertigen Materialkombinationen aus Seide, Baumwolle und Cashmere vor. Obwohl Aybi erst seit rund einem Jahr auf dem Markt ist, konnte es sich bereits in Deutschland, Österreich und der Schweiz etablieren und startet nun mit Select Studio an seiner Seite durch. Der zweite Neuzugang ist die niederländische Marke Frenken, eine anspruchsvolle DOB-Kollektion von Designer Erik Frenken, dem Gründer von Avelon, der auf sehr kunstvolle und experimentelle Art und Weise die bestehenden Normen der Mode in Frage stellt und neu interpretiert. So wird aus einem Mantel ein Rock, ein Innenfutter wird nach außen gekehrt. Die VK-Preise liegen zwischen 200 und 1.200 Euro, produziert wird ausschließlich in Europa. Labels: Aybi, By Malene Birger, Frenken, Garment Project, Gestuz, Hudson, J. Lindeberg, Oscar Jacobson, Scandinavian Edition, Zoe Karssen Select Studio, München, Düsseldorf/ Deutschland, info@select-studio.com, www.select-studio.com

318 style in progress

Schlicht und schön: Hana San kommt aus Frankreich und erweitert das Portfolio der Agentur.

Die Outerwear von Duno ist ein Shootingstar bei der Adventure Fashion Agency, die den Vertrieb von 20 auf 110 Handelskunden steigern konnte.

Adventure Fashion Agency Null Retouren

Darauf hat der Markt gewartet: Das Manufakturlabel Duno verbindet mit seiner Outerwear Innovation mit Funktionalität zum vernünftigen Preis und hat vom Fleck weg Kunden wie Schnitzler, KaDeWe, Hirmer, Engelhorn

und Strolz überzeugt. „Duno ist phantastisch, wir hatten in der letzten Herbst-/Winter-Saison null Retouren“, schwärmt Marc Kofler von der Adventure Fashion Agency, der die Kollektion aus dem italienischen Vinci, in Deutschland und Österreich vertreibt. Auch die Sommerkollektion überzeugt mit einem zurückgenommenem Style, der den Modegrad nicht missen lässt, zu EK-Preisen zwischen 75 und 170 Euro und einem Mark-up von 2,8. Brandneu bei Adventure ist die mit Stickereien und Pailletten geschmückte Marke Cockaigne für Damen, mit Tees, Sweats und Sweatpants zu VK-Preisen zwischen 59 und 149 Euro und einer Dreierkalkulation. Jährlich werden vier Kollektionen gezeigt. Tonno e Panna kommt aus dem Hause Fashion Pure mit einem Programm hochwertiger Damenblusen, die mit ausdrucksstarken Prints und pflegeleichten Qualitäten am Puls der Zeit sind, zu VK-Preisen zwischen 89 und 149 Euro und ebenfalls einer Dreierkalkulation. Last but not least bereichern nachhaltig produzierte Jeans von DL1961 das Portfolio von Adventure, mit Denim, der eine Bewegungsfreiheit von 360 Grad verspricht. „Vor allem Frauen lieben die Kollektion, hinter der der Weber einiger berühmter Denimmarken aus Los Angeles steht“, sagt Marc Kofler. „Ein neuer Importeur sorgt darüber hinaus für einen verlässlichen Service.“ Labels: 120%, Berna, Cockaigne, DESA1972, DL1961, Duno, Iheart, Jenny Packham, Matchless, Mucho Gusto, Peuterey, Tonno & Panna, Trvl Drss, Via Masini 80, Zenggi Adventure GmbH, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.431049, info@adventure-gmbh.de, www.adventure-gmbh.de


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038 Jetzt Agenturen

Moormann & Co. Sommer! Farbe! Produkt! Und Stil!

Das Label Sunny ist neu bei der Agentur Moormann & Co., mit handgefertigten Bast- und Rattantaschen, Körben und Hüten zu EK-Preisen zwischen 25 und 80 Euro. Die Kollektion Valerie Khalfon interpretiert Spitze modern in verschiedenen Qualitäten und Farben. In diesem Sommer kommen noch die passenden Accessoires hinzu, die jeden Tag zum Strandtag machen. „Kunden wie Breuninger, Reyer, Loden-Frey sind sehr glücklich mit der Kollektion“, sagt Klara Moormann. Die Damenlederkollektion Stouls bleibt powerful, mit Stil und Farbe. Orciani setzt auf Lässigkeit gepaart mit Eleganz, zum Beispiel mit der Must-Have-Bag Sveva in neuen Qualitäten und Farben. Kunden wie Loden-Frey in München sowie das KaDeWe starten bereits kommenden Winter mit eigenen Flächen. „Darüber hinaus liegt mir unser Charity-Label Myeisha sehr am Herzen“, sagt Klara Moormann. „Die Designerin Sandra Baumeister realisiert ihren Herzenswunsch, mit der Familie nach Namibia zu ziehen, den Menschen vor Ort zu helfen und die Taschen von Hand in Namibia zu kreieren. Der Erlös kommt gemeinnützigen Zwecken zugute, so wird zur Zeit ein Waisenhaus gebaut.“ Der Neuzugang bei den Herren schließlich heißt Maurizio Baldassari. „Die Philosophie lautet: A brand to discover“, sagt Timo Moormann. Zu entdecken gibt es moderne Basics in neuen Optiken, Strickbildern und Prints hergestellt in Italien. Labels: Gimo’s Leder, Gimo’s Sportswear, Kathleen Madden, Maurizio Baldassari, Maison Lener, Myeisha, Orciani, Stephan Boya, Stouls, Sunny, Unfleur, Valerie Khalfon, Zanieri Cashmere Moormann & Co., Düsseldorf/Deutschland, k.moormann@moormann-co.com, www.moormann-co.com Stouls hat sich Leder in Farbe verschrieben. Cool, edel und innovativ.

Richtig britisch: die Kollektion John Richmond, zu sehen bei der Aco Modeagentur Deutschland.

MAB Fashion Die Kommunikation bleibt ” wichtig!“

Die Agentur MAB Fashion hat jetzt den Vertrieb von Splendid für Deutschland, Österreich und die Schweiz übernommen, zu sehen ab 21. Juli im Düsseldorfer MAB Showroom. Zusätzlich zu den bekannten Basics hat die Marke ihr Angebot auf zwei komplette Kollektionen pro Jahr ausgeweitet, von der jede Kollektion drei Liefergruppen umfasst. Ergänzend kommen Capsule-Kollektionen hinzu, entweder zu bestimmten Themenwelten oder als Kooperation mit Designern, Labels oder Künstlern. Das umfangreiche NOS-Programm von Splendid heißt The Ultimate Tee. Preisbeispiel: Sweater kosten zwischen 89 und 139 Euro VK bei einer empfohlenen Kalkulation von 2,7. Als Klassiker der Agentur sind die Sneaker von National Standard zu nennen. Schon seit 2013 gibt es zusätzlich zur Herrenkollektion eine Capsule für Damen, die jetzt zur eigenständigen Damenkollektion ausgeweitet wurde. Gewohnt pur und innovativ, zu VK-Preisen zwischen 180 und 269 Euro. „Ganz wichtig bleibt für uns die Kommunikation“, betont Regis Benabou. „Um die Präsenz unserer Brands in den Medien zu steigern, haben wir eine Kooperation mit Vertikom aus Hamburg, einer der profiliertesten Kommunikationsagenturen im deutschsprachigen Markt, gestartet. Davon versprechen wir uns sehr viel.“ Labels: 3.1 Phillip Lim, Ba&sh, Designers Remix, Jerome Dreyfuss, Jimmy Choo Textile Accessoires, Mackage, Mes Demoiselles, National Standard, Paul & Joe, Paul & Joe Sister, Rachel Zoe Collection, Splendid, The Kooples, The Kooples Sport MAB Fashion/Modeagentur Benabou, Düsseldorf/Deutschland, info@mab-fashion.com,  www.mab-fashion.com Die Marke Splendid ist neu bei MAB und bringt jetzt zusätzlich zu den Basics zwei Komplettkollektionen jährlich heraus.

318 style in progress

Aco Modeagentur Deutschland Aus zwei mach eins

Die Fokussierung auf das Wesentliche gepaart mit Service steht bei der Aco Modeagentur Deutschland an erster Stelle. Dabei zählt der Bereich Contemporary zu den wichtigsten des Portfolios, mit Marken wie Pinko, Quantum Courage, Twinset, My Twin und Seventy. In puncto Advanced Contemporary ist neben bekannten Größen wie Elisabetta Franchi und Versace Collection der englische Designer John Richmond hervorzuheben, dessen Kollektion nach kurzer saisonaler Pause wieder in voller Bandbreite präsentiert wird. „Besonders abverkaufsstark ist Parosh aus Mailand“, so Geschäftsführer Michael Schulz. „Darüber hinaus stellt sich die Marke Plein Sud in dieser Saison komplett neu auf. Aus zwei mach eins: So werden die Erstlinie Plein Sud und Plein Sud Jeans künftig nur noch unter Plein Sud präsentiert.“ Mit den Accessoirelinien von Pinko und Twinset ergänzen die eigenständigen Taschenspezialisten Gianni Chiarini und Gum styled by Gianni Chiarini das Angebot. Zusätzlich zur Vertriebsagentur unterstützt weiterhin die Beratungsagentur The Farm die Entwicklung neuer Konzepte für den Handel. Labels: 1970, Alex Munroe, Gianni Chiarini, Ebony & Ivory, Elisabetta Franchi, Gum by Gianni Chiarini, John Richmond, Just Cavalli, My Twin, Parosh, Plein Sud, Pinko, Sadey, Seventy, Twinset Milano, Versace Collection Aco Modeagentur, Düsseldorf/Deutschland, kontakt@acomode.de, www.acomode.de The Farm, Düsseldorf/Deutschland, grow@thefarmbyaco.de, www.thefarmbyaco.de


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040 Jetzt Agenturen

Labo.Art, fotografiert von Koto Bolofo. Eine künstlerische Kollektion, formvollendet inszeniert.

Agentur Mindner Kuscheliger Zuwachs

Kleine feine Spezialitäten zu finden, hat sich Sandra Mindner, die ihren Showroom in der Nähe des Nymphenburger Schlosses etabliert hat, zur Aufgabe gemacht. Das trifft besonders auf das Label 8 Eden Avenue der Münchenerin Jessica Breidt zu, das in dieser Saison zum ersten Mal im exklusiven Berliner Salon zu sehen ist. Ihre Luxusschals aus Cashmere werden im nordindischen Himalaya in einer sozialen Kooperative gewebt und bestickt. Das kuschelweiche Material ist auch die Spezialität des Labels Bloom von Harald Heldmann aus Hamburg, das Sandra Mindner seit dieser Saison neu im Angebot hat. Ein weiteres Highlight ist die Linie Constanza T., gefertigt in Norditalien auf Handstrickmaschinen. „Das ist wahrer Luxus“, schwärmt Mindner von der Qualität der handwerklich produzierten Cashmere-Kollektion. Ebenfalls aus Italien stammt die Oberteilkollektion von Sevendaywonder; modische Blusen und Oberteile in coolem Design. Umsatzstarke Brands sind Labels wie Fabienne Chapot: Mit dieser Kollektion hatte Mindner im April bei Ludwig Beck einen gut besuchten Pop-upStore bestritten. Daneben gibt es viele schöne Kleinigkeiten wie Accessoires und Schmuck – ein Abstecher in den Münchner Norden lohnt sich in jedem Fall. Labels: 8 Eden Avenue, Bloom, Canadian, Constanza T., C.P.-29, Fabienne Chapot, Graumann, Ivylee Copenhagen, La Fée Maraboutée, Lazar Studio, LeJu, Pernille Corydon, Pieszak, Sevendaywonder, Under Protection Modeagentur Mindner, München/ Deutschland,  buero@modeagentur-mindner.com,  www.modeagentur-mindner.com

Verbindung von Luxus und sozialem Engagement: Das Cashmere-Label 8 Eden Avenue feiert Premiere im Berliner Salon.

318 style in progress

Agentur Toepfer Reduziert auf die beste Essenz

Labo.Art heißt ein Neuzugang der Agentur Toepfer, die den Vertrieb für Deutschland, Österreich und die Schweiz übernommen hat. Ihr Name ist Programm, so hat die Kollektion in ihrer Reduziertheit etwas wahrhaft Künstlerisches. Dahinter steht die Italienerin Ludovica Diligu, die ihr Atelier in Berlin eingerichtet hat und bereits seit einiger Zeit mit dem Labo.Art Store im Berliner Bikinihaus Kunden von nah und fern begeistert. Bislang hat Labo.Art Handelskunden vorrangig in Italien, den USA und Asien, jetzt ist es Zeit, den deutschsprachigen Markt stärker ins Visier zu nehmen. Ebenso neu bei Toepfer ist die Kollektion Salvatore Santoro, eine Lederkollektion für Damen und Herren aus Italien. Ihr Stil ist cool und gradlinig, um so das eingefärbte und überfärbte Leder besonders zur Geltung zu bringen. Pünktlich zum zehnjährigen Geburtstag bringt das Label 8PM eine zehnteilige Capsule-Kollektion heraus, um aus jedem Jahr ein Kollektionshighlight zu featuren. Die luxuriöse Streetwear Roqa von Mirela Stanoiu gibt es jetzt, nach dem sehr erfolgreichen Start der Womenswear, auch für Männer. „Wir haben einen extrem großen Erfolg mit Roqa“, freut sich Seniorpartnerin Christine Jahn, „und das, obwohl das erste Drittel des Jahres auch wetterbedingt schwierig im Handel war.“ Ein weiteres Plus des Labels ist die Kalkulation mit 2,8 bis 3,0. Labels: 8PM, An(+)other, Asciari, Erika Cavallini, Faliero Sarti, F Cashmere, GMS-75, Labo.Art, Lodenthal, Lost in Me, Myths, Research History, Roqa, Salvatore Santoro, Semi Couture, Sgamo, Siyu, Smarteez Agentur Toepfer GmbH & Co.KG, Düsseldorf/Deutschland, office@agentur-toepfer.com, www.agentur-toepfer.com

Agentur Heininger Die Luxusnische

Als Gabi Heininger vor rund zehn Jahren beschloss, sich mit dem eigenen Showroom selbstständig zu machen, entschied sie das aus der Erkenntnis heraus, dass die Kunden für Fashion und Schuhe bzw. Accessoires in ihren Orderrhythmen und Gewohnheiten einfach unterschiedlich ticken. „Die Order für Schuhe und Accessoires findet anders als die der Fashionkollektion auf den Messen statt. Da kommen die Kunden, um zu schreiben. Dafür muss ich mit meinem Team einfach vor Ort sein“, sagt die Agenturinhaberin. In diesem Sommer wird Gabi Heininger mit Zespà Aix-en Provence auch erstmals auf der Premium in Berlin sein. Mit erlesenen, größtenteils handgefertigten Produkten von Familien- und Traditionsunternehmen setzt sie in ihrem Markensortiment auf Kontinuität und eine exklusive Nische, in der das einzelne Produkt im Mittelpunkt steht. Momentan arbeitet sie an einem digitalen Showroom, um den Kundenservice noch weiter auszubauen, und an einer eigenen Schuhlinie: „Wir werden das erstmals auf der Gallery präsentieren. Es geht uns um ein kleines Programm mit Ballerinas und anderen Modellen im Low-Foot-Segment, das wir aufsetzen, um in den Themen nicht zu abhängig von unseren Lieferanten zu sein und unser Angebot zu komplettieren“, erklärt Gabi Heininger. Labels: Coral Blue, D.A.T.E., Gaimo Espadrilles, Inuikii, Mèlinè, Numero 10 Bags, Officine Creative, Zespà Aix-en Provence Showroom Gabi Heininger, München/Deutschland, office@agenturheininger.de, www.agenturheininger.de

Mit Schuh- und Accessoire­ kollektionen wie Zespà Aix-en Provence hat Gabi Heininger einen perfekten Nischenanbieter für ihr Agenturportfolio gefunden.


042 Jetzt Agenturen

Parajumpers zählt zu den stärksten Kollektionen der Agentur Schwarte, die die Marke in ganz Deutschland vertreibt.

Parajumpers zählt zu den stärksten Kollektionen der Agentur Schwarte, die die Marke in ganz Deutschland vertreibt.

Agentur Schwarte In der Balance

Die Menswear von Daniele Fiesoli setzt modische Innovation mit luxuriösen Carry-overs in Balance und folgt darüber hinaus dem Motto: „Absolutely made In Italy.“ Die Womenswear des italienischen Strickspezialisten Collezione 01 ist eine eigenständige CapsuleKollektion mit subtiler Sexiness. Die Frauenkollektion von Fil Noir indes zeigt sich verspielter und noch femininer, während die Herrenhemden mit Lässigkeit und gewaschenen Jersey- und Leinenqualitäten überzeugen. Die Einstiegs- und Mittelpreislagen liegen im VK unter 100 Euro. AT.P.CO bietet eine Pre-Kollektion mit Liefertermin Dezember an, wobei stückgefärbte Chinos und Denims im Mittelpunkt stehen. Die VK-Preise liegen zwischen 119 und 159 Euro bei einer 3,0er-Kalkulation. Divisibile punktet mit neuen Obermaterialien aus recycelten PET-Flaschen in technischer Daune und mit besonderem Feature: Jede Jacke ist nicht nur komplett wendefähig, sondern auch teilbar. „So erwirbt der Kunde in nur einer Jacke gleich mehrere Styles“, so Matthias Schwarte. Neu ist bei Weber + Weber eine Flashkollektion, die sich dem Thema Reise widmet, mit den im Handel besonders erfolgreichen, gewirkten Sakkos und Westen aus gekochter Wolle. Labels: Armani Exchange, Emporio Armani, AT.P.CO, Collezione 01, Daniele Fiesoli, Divisibile, Fil Noir, Hide & Jack, Jet Set, Parajumpers, People of Shibuya, Sundek, Weber + Weber Agentur Schwarte, München/Deutschland, office@agentur-schwarte.de, www.agentur-schwarte.de

Premium Brand Group Ein Feuerwerk an Farben

Seit nunmehr 152 Jahren produziert die Manufaktur Begg & Co Schals und Plaids aus hochwertigen Naturmaterialien. „Die großartige Entwicklung der letzten Jahre auf internationaler Ebene zeigt einfarbige Klassiker und Karos, aber auch modernes Design und exklusive Kooperationen mit renommierten Künstlern“, so Erika Palese, die die Marke mit ihrer Agentur Premium Brand Group vertreibt. Für die Kollektion Frühjahr-Sommer 2019 konnte der Künstler John Booth gewonnen werden, der eine Capsule mit starken Farben kreierte. Er studierte Fashion Printdesign am Central Saint Martins College und arbeitete für Fendi ebenso wie für Lou Dalton. „Die unglaubliche Farbvielfalt mit federleichten bis schweren Qualitäten zeichnet Begg aus“, sagt Erika Palese. „Ein umfangreiches Lager ermöglicht auch die kurzfristige Order.“ Derek Rose bringt eine Resort-Kollektion in besonderer Passform und Qualität heraus, mit Leinenbermudas und Pants, Leinenhemden, Tees und Polos und Badeshorts. „Die nun dritte Kollektion ist nochmals ausgereifter und brilliert mit kräftigen Farben für den Sommer 2019“, betont Palese. The Bespoke Dudes schließlich steht für klassisch-coole Sonnenbrillen, die Männern und Frauen gleichermaßen stehen – handgefertigt in einer kleinen italienischen Manufaktur. Labels: Begg & Co, Derek Rose, Les Ottomans, Nobis, The Bespoke Dudes Eyewear Premium Brand Group, München/Deutschland, office@premiumbrandgroup.de, www.premiumbrandgroup.de Begg & Co kooperiert mit Künstlern für eine farbstarke Capsule.

318 style in progress


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044

Jetzt Messen

Die Chancen der Digitalisierung nützen: Anita Tillmann, CEO der Premium Group, treibt auf der Konferenz Fashiontech ein Herzensprojekt voran.

Fashiontech, Berlin

Ich sehe in der Digitalisierung ” für kleine Unternehmen eine große Chance“

Die Premium Group hat mit ihrem Format Fashiontech eine Businessplattform konzipiert die während der Fashion Week in Berlin die internationalen Entscheidungsträger aus den Bereichen Fashion, Tech, Marketing, Retail, Start-ups, Politik und Medien zusammenbringt. Im Januar kamen 4.200 Teilnehmer. Die Fachbesucher der Premium, Show & Order, Seek und Bright können die Veranstaltung kostenlos besuchen. Für den Kick-off-Event zur Fashiontech hat seit der letzten Saison das Bundeswirtschaftsministerium die Schirmherrschaft übernommen. Im Interview mit style in progress spricht Anita Tillmann darüber, warum Deutschland derzeit in puncto Digitalisierung nicht an der Spitze steht und welche Notwendigkeit es gibt, die digitale Weiterentwicklung auf allen Ebenen in Unternehmen voranzutreiben. Interview: Kay Alexander Plonka. Fotos: Premium Group Was müssen kleine und mittelständische Unternehmen aus der Textil­ branche sowohl auf Seiten des Handels als auch bei den Marken tun, um sich kurz-, mittel- und langfristig neben den Onlinegiganten und Topplayern behaupten zu können? Die gute und schlechte Nachricht gleichermaßen ist, es gibt nicht die eine heilbringende Lösung für alle Beteiligten im Markt. Die gab es auch in der Vergangenheit noch nie. Zudem sind die Herausforderungen und Chancen der Textilbranche andere, als die der Bekleidungsbranche. Wir stehen alle erst am Anfang der Digitalisierung und es ist ein sich ständig und sich schnell entwickelnder Prozess. Grundsätzlich gilt es, die neuen Werkzeuge der Digitalisierung aktiv zu beobachten und mit diesen zu experimentieren, um ihren Nutzen zu verstehen und gegebenenfalls ganz oder teilweise in das eigene Geschäft zu integrieren. Konkret bedeutet das, sich vor allem nicht passiv zu verhalten und z. B. mit Themen wie Onlinemarketing und E-Commerce auf der einen Seite, Customer Journey und Experience auf der anderen Seite auseinanderzusetzten. Es gilt, alles zu hinterfragen und kritisch zu betrachten, mit dem Ziel herauszufinden, was sich bewährt hat und in Zukunft weiter ausgebaut werden kann oder wo es Optimierungs- und Handlungsbedarf gibt. Jeder Store kann aus meiner Sicht die Stärken des direkten Kundenkontaktes und die damit verbundene Emotionalisierung on Location ausbauen und ausspielen. Dazu muss man allerdings die Stärken und Schwächen bzw. auch Vor- und Nachteile des E-Commerce verstehen und auf Basis dessen sehen, welche Tools man für sich anwenden und umsetzten kann. Das Gleiche gilt für die Marken, denn in puncto Digital Marketing, aber auch Logistik und Partnerschaften mit dem Handel gibt es viel Potenzial. Wie sollten nachhaltige Förderprogramme der Politik aussehen und welche Rahmenbedingungen müssen dringend geschaffen werden, damit Deutsch­ land bei der Digitalisierung aufholen kann? Die Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministerium war ein guter Anfang und wir freuen uns über die Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit, mit der das Thema auf politischer Ebene wahrgenommen wird. Wir sind mit dem Fashion Council

318 style in progress

Germany in engem Kontakt, es gibt einen Dialog und an allem anderen wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet. Was muss die Politik tun, um Chancengleichheit und fairen Wettbewerb, besonders für die vielen kleinen Unterneh­ men, zu gewährleisten?  Es gibt definitiv viel zu tun, aber die Politik wird diejenigen nicht retten können, die sich dem Thema verschließen und sich nicht selber bewegen. Ich sehe in der Digitalisierung gerade für kleine Unternehmen eine große Chance, weil sie viel schneller und agiler reagieren können als behäbige Konzerne. Gerade wenn es um IT-Technologie sowohl im Hard- als auch im Softwarebereich geht, herrscht in Deutschland immer noch das Klischee vor, dass in diesem Segment vorwiegend Männer mitmischen. Wie sieht die Beset­ zung von Schlüsselpositionen in der Praxis aus und was unterscheidet das Fashiontech-Segment vom klassischen IT-Bereich? IT ist klassische Programmierung, um es mal zu reduzieren. Das liegt Männern scheinbar mehr als Frauen, ist aber auch ein Edukationsthema. Sowohl IT als auch Programmierung muss zum festen Bestandteil des Lehrplans in Schulen werden. Das ist enorm wichtig! Unser Schulsystem ist total veraltet. Seit langem engagiere ich mich für Female Empowerment. Dabei geht es auch um das Thema Schlüsselpositionen für Frauen auf verschiedenen Ebenen. Ich coache, vernetze, trete auf Konferenzen auf und versuche, Frauen aufzufordern, die Gunst der Stunde für sich zu erkennen und zu nutzen. Das ist hochgradig spannend. Im Zuge der Digitalisierung sind bisher viele neue Jobs und Möglichkeiten entstanden und wir sind, wie gesagt, erst am Anfang. Welcher Mehrwert ergibt sich durch einen Besuch der Fashiontech für Einkäufer und Marken? Welche Pro­ grammpunkte würden Sie im Juli persönlich empfehlen? Die Fashiontech Berlin ist Europas führende Konferenz zum Thema digitale Transformation unserer Branche und spricht das gesamte Ökosystem an. Berlin ist Europas führender digitaler Hub. Hier sind in den letzten paar Jahren bereits über 100.000 feste Arbeitsplätze nur im Bereich Start-up entstanden. Nach dem Motto Listen! Learn! Experience! werden auf der Konferenz die neuesten Trends der Digitalisierung, Erfolgsstorys, wie auch Newcomer vorgestellt. Es gibt konkrete Handlungsempfehlung von Experten, die in Workshops bzw. Masterclasses vertieft werden. Es gibt eine kleine Ausstellungsfläche, um das Thema erlebbar zu machen, und es geht darum, sich zu informieren, neue Kontakte zu knüpfen, das eigene Netzwerk zu erweitern und aktiv am Thema Digitalisierung zu partizipieren.  Kick-off-Event: 2. Juli 2018, Konferenz: 4. Juli 2018, www.fashiontech.berlin


Floris van Bommel 9th generation shoemaker since 1734


046 Jetzt Messen

Scandinavian Manifesto: Gemeinsam mit der Messe Revolver aus Kopenhagen zeigte der Pitti 15 Designer aus Dänemark, Schweden und Norwegen.

Pitti Immagine Uomo Neuordnung der Menswear

Zur 94. Ausgabe des Pitti Uomo gab es eine Neuanordnung der Flächen mit Fokus auf die Segmente der Menswear, die derzeit den stärksten Entwicklungen unterliegen, wie Lifestyle und Outdoor, Athleisure sowie Avantgarde Designer und Newcomer aus Nordeuropa. Das italienische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung unterstützte den Pitti im Rahmen eines Sonderprogramms mit einer „Made in Italy“-Kampagne. Weitere Sonderprojekte waren diesmal die Ausstellung „Fanatic Feelings – Fashion Plays Football“; das 70-jährige Firmenjubiläum von Herno bei dem Claudio Marenzi seine Gäste in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Marke mitnahm, die Fashionshows von MCM sowie von Bed J.W. Ford, dem von Shinpei Yamagishi gegründeten Label und ein Showcase-Event von Birkenstock. Außerdem stellte der japanische Designer Fumito Ganryu nach seiner Arbeit für die Comme des Garçons Gruppe nun sein eigenes Label vor. Gastland in dieser Saison war Georgien. In Zusammenarbeit der Stiftung Pitti Immagine Discovery mit der Mercedes Benz Fashion Week Tiflis und dem georgischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung wurden die wichtigsten Fashion­ designer des Landes präsentiert. Gastdesigner dieser Saison war Craig Green aus London und Special Guest der Saison wie berichtet Paul Surridge, der seine erste Männerkollektion für Roberto Cavalli zeigte. www.pittimmagine.com

Ein starkes Doppel für die Order: Gallery und Gallery Shoes in Düsseldorf.

Gallery/Gallery Shoes Gebündelte Agenturpower

Vier Ordertermine für Fashion, Accessoires und Schuhe bündeln strategische Kräfte am Rhein. Gallery und Gallery Shoes zeigen vier Mal im Jahr auf dem Industriegelände Böhler ein erweitertes Angebot. Der Fokus der Gallery liegt im Juli wieder sehr stark auf den Agenturen: Sie werden mit dem Konzept Premium Zone in der Kaltstahlhalle gebündelt. Über die reguläre Laufzeit hinaus wird die Halle zwei weitere Tage in der heißen Orderphase geöffnet haben, also insgesamt fünf Tage – von Freitag bis Dienstag. Ein eigener Eingang und separates Catering unterstreichen diese Entwicklung. „Die Kaltstahlhalle ist in Größe und Ambiente perfekt für diesen neu geschaffenen Bereich. Ab der nächsten Ausgabe werden dort von Freitag bis Dienstag alle Handelsagenturen, die bislang auf der Gallery präsent waren und neu dazukommen, gebündelt zeigen“, sagt Ulrike Kähler, Managing Director Igedo Company. Die Schuhmesse Gallery Shoes wird zur kommenden Veranstaltung im September noch um eine weitere Halle, ebenfalls die Kaltstahlhalle, um ca. 1.900 Bruttoquadratmeter erweitert, erläutert Kähler. Durch die zusätzliche Fläche will sie weitere Aussteller nach Düsseldorf bringen. Services wie ein zentrales Eingangszelt oder eine Outdoor-Zone mit Event- und Cateringangeboten sollen die Messe für die Einkäufer im September noch angenehmer machen. Gallery: 21. bis 23. Juli 2018, Showroomkonzept: 20. bis 24. Juli 2018, Gallery Shoes: 2. bis 4. Sept. 2018, www.gallery-duesseldorf.com 318 style in progress

Munich Fabric Start & Munich Apparel Source Ganzheitliches Profil

Der Startschuss in die Saison Herbst/Winter 2019/20 fällt bereits mit der View Premium Selection im Juli 2018, die mehr als 300 internationale Kollektionen und die ersten Entwicklungen neuer Materialien und Farben zeigt. „Im Kontext mit der im September stattfindenden Munich Fabric Start mit mehr als 1.800 Kollektionen von über 1.000 Anbietern bestätigt sich unser ganzheitlich angelegtes Messeprofil, das auf aktuelle Marktentwicklungen reagiert, richtungweisende Prozesse innerhalb der Segmente unterstützend begleitet und nachhaltige Innovationen und Impulse setzt“, sagt Wolfgang Klinder, Managing Director Munich Fabric Start. Die starke und intensive Integration von Technologie und Development der Produktsegmente gehört zu den vorrangigen Kompetenzthemen der Messe, die insbesondere für diese Bereiche ein exklusives, von Experten entwickeltes Programm, das Impulse liefert, Lösungen aufzeigt und die Möglichkeit des direkten Austauschs bietet. Wie beispielsweise auf der ganztägigen Konferenz patterns X.0 zur Zukunft der Fashionindustrie im Zeitalter der Digitalisierung. Im Fokus stehen darüber hinaus die Trends von morgen, das sich verändernde Konsumverhalten, die Entwicklung der Märkte und die Revolution der Produktinnovation. Die Munich Fabric Start bietet hier ein breites Spektrum von Informationen und lässt Raum für spannende Diskussionen. Dazu ein dicht getaktetes Angebot hochkarätig besetzter Trendseminare, Diskussionen und Workshops. 4. bis 6. September 2018, Bluezone: 4. bis 5. September 2018, View Premium Selection: 17. bis 18. Juli 2018, www.munichfabricstart.com

Die Munich Fabric Start setzt auf interaktives Networking zur Schaffung einer starken Community der internationalen Textilund Modeindustrie.

Der Künstler Anselm Reyle stellt seine Werke auf der Premium in Berlin aus.

Premium, Seek, Show & Order, Bright Kunst und Kreativität

Die Halle 2 der Premium wird in diesen Sommer unter dem Slogan „Content, Commerce and Community“ ein Spielplatz für Kreative sein. Kunst, Food, Magazine und digitale Innovationen werden hier das Bild bestimmen. Eine Installation des renommierten Künstlers Anselm Reyle von der Berliner König Galerie ist eines der Highlights der zeitgemäßen Kunstpräsentation. Verschiedene Kooperationen u. a. mit dem Fashion Council Germany zielen darauf ab, mehr internationale Topeinkäufer nach Berlin zu holen. La Martina wird ein Fahrrad­ polospiel ausrichten. Beim Young Talents Collaboration Space werden Designer, Musiker und Künstler Produkte und Projekte zeigen, die in der Zusammenarbeit mit Marken von Ausstellern der Pemium entstanden sind. Die Show & Order präsentiert im fünften Stock des Kühlhauses an der Station Berlin zum einen die Experience Area mit u. a. 358 Studio Nail Bar, Shan Rahim­ khan Styling, Rebirth Style, Holy Flowers, Sygnes, Savue Make-up, Binu Beauty und eine Influencer Area. Die Skateshow Bright in der Arena Kreuzberg, die in direkter Nachbarschaft zur Seek stattfindet, öffnet sich ab diesem Sommer teilweise für Endver­ braucher. 3. bis 5. Juli 2018, www.premiumexhibitions.com


048 Jetzt Messen

Panorama Der Mix macht’s

Mit einer Vielzahl von Neuerungen bietet die Panorama Berlin zur kommenden Ausgabe schnellere Übersicht, mehr Information und mehr Inspiration mit klarem Fokus auf die Bedürfnisse des Handels. In elf Messehallen wird auf 45.000 Quadratmetern eine große Bandbreite von Mens- und Womenswear sowie Schuhen, Accessoires und Lifestyle­ artikeln gezeigt. Gleich am Eingang erwartet die Besucher eine Fläche, auf der eine kuratierte Auswahl der 20 spannendsten Spezialisten und Newcomerbrands kompakt präsentiert wird. „Mit Select schaffen wir eine Fokusfläche, auf der wir zu jeder Saison spannende Newcomer und Produkthighlights vorstellen. Hier liegt der Schwerpunkt klar auf dem Produkt bzw. den Key-Pieces der Kollektionen. Der einheitliche Look der einzelnen Pre-Built-Stände verstärkt den Fokus auf das Wesentliche und kommt gerade kleineren Brands und Produktspezialisten entgegen“, erklärt Jörg Wichmann, CEO der Panorama Berlin. Im erweiterten Womenswearbereich dreht sich auf über 3.000 Quadratmetern alles um zeitgenössische DOB und ausgesuchte Plus-Size-Labels. „Durch die Neuorganisation der Schuh- und Accessoireflächen haben wir endlich den benötigten Platz, um der großen Nachfrage gerecht zu werden und noch mehr hochwertige Damenmode zu zeigen. Mit Belle kreieren wir eine einmalige Area für selbstbewusste Frauen mit Anspruch und zeigen einen modernen Mix aus herausragenden Kollektionen und edlen Accessoires“, sagt Wichmann. In der neuen Retail Solutions Halle steht die Frage, was den Handel treibt, was in Zukunft wichtig wird, im Mittelpunkt. Dort werden Dienstleister, Anbieter von Handelslösungen und Retaildesignprofis und auch gastronomische Konzepte, die sich mühelos in den Einzelhandel integrieren lassen, zu finden sein. Ein Business Club, kleinere Workshopund Präsentationsflächen runden das Konzept ab und laden Händler und Marken dazu ein, individuelle Lösungen für ihr Geschäft zu finden. „Wir glauben fest daran, dass das World Wide Web eher eine Chance für engagierte Einzelhändler als eine Bedrohung darstellt. Was auf den ersten Blick feindselig erscheint, scheint auf den zweiten Blick brillante Lösungen für den Handel zu bieten. Unser Ziel ist es, Unternehmen, die

relevante Einzelhandelslösungen anbieten – digital oder anders – einen perfekten Ort zu bieten, um mit einem der umsatzstärksten Marktsegmente der Welt in Kontakt zu treten: dem Modehandel“, so Jörg Wichmann. Auf den diversen Lifestyleflächen in den einzelnen Hallen wird eine große Auswahl ausgefallener Non-Textiles präsentiert. Darunter hochwertige Grills, Fahrräder, Kopfhörer, Papeterie, Tees, Düfte, Geschenkideen oder lustige Gadgets. Im neuen Ableger der Nova Halle wird erstmals das sportive Format Nova Court präsentiert. Dort zeigen Active- und Athleisurewear-Brands gemeinsam mit Anbietern von Beach- und Swimwear, Sneaker, Yoga, Feel-Good und Urban Zen wie klassische Sportswear in einen breit gefächerten Fashion- und Lifestylekontext übersetzt wird. Zusätzliche Active Areas sollen mit starken visuellen Konzepten das Erlebnis für die Besucher abrunden. Erstmals publiziert die Panorama Berlin einen kostenlosen Trendguide, der alle wichtigen Themen und Tendenzen der Aussteller für die Frühjahr-/Sommer-Saison 2019 beinhaltet. Neue Brands, die zum ersten Mal ihre Kollektionen auf der Panorama Berlin zeigen sind u. a. Jane Lushka, Freds Bruder, Passigatti, Na-kd Naf Naf, Jacqueline de Yong, Matinique, Zeze, Jessica Graaf, Lufian, Dr. Denim, Reell, Tigha, Ragwear, Saucony, Paez und Flip Flop. 3. bis 5. Juli 2018, www.panorama-berlin.com

Die Panorama Berlin erweitert diesmal den Womenswearbereich und präsentiert u. a. mit Nova Court und Retail Solutions ganz neue Segmente.

318 style in progress


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050 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

Weibliche Allianz Ein Kommentar von Martina Müllner-Seybold.

Wenn einer profitiert, sind es andere, die leiden. #MeToo, Timeisup, New Feminism – samt und sonders lobenswerte Initiativen, etwas in Balance zu bringen, was von großem Ungleichgewicht geprägt war. Frauen in Verantwortung markieren dennoch erst den Anfang. Denn ihre Aufgabe ist so viel größer, als die 50-Prozent-Hürde zu nehmen oder Rollenbilder neu zu definieren. Wer heute Feminismus proklamiert, kann das nicht ohne einen weiter gefassten Rahmen. Wie kann man von Empowerment in der Mode sprechen, wenn übel bezahlte Arbeiterinnen die T-Shirts mit den ach so modischen feministischen Sprüchlein nähen? Wie kann man den Gehaltssprung, den Equalpay bringen soll, darauf verwenden, weiterhin zu konsumieren, als wäre es nicht längst evident, dass unser Fast-Fashion-Wahnsinn Natur und Klima unwiederbringlich zerstört? Das Erwachen, das diese Branche braucht, ist ein viel profunderes als in den meisten feministischen Thesen gefordertes. Gerade deshalb ist die Hoffnung weiblich: Weil Frauen empathischer, umsichtiger, sensibler sind, weil Frauen Meisterinnen sind, viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Die erste Tür, vor der wir kehren müssen – ja, die Hausarbeit bleibt mal wieder an uns hängen – ist die eigene. Weil Frauen so obsessiv vergleichen, ist echte Solidarität noch immer in weiter Ferne. Aber im Allein­ gang wird wohl keine Frau diesen Berg an Verantwortung stemmen. Der Schulterschluss mit Männern

318 style in progress

ist genauso entscheidend wie der untereinander. Aber solange Konsum, Kinder, Körper getrimmt und inszeniert werden, um andere vor Neid erblassen zu lassen, wird das verdammt schwierig. Den weiblichen Stars, Sternchen und Meinungsmacherinnen auf Social Media zu folgen, hat etwas von Porno. Irgendwo ganz tief drinnen weiß man, dass Tigh-Gap-Bikinibilder, die täglich wechselnde Designertasche und diese heile und so unglaublich schön frisierte Familienwelt ungefähr so viel mit der Realität zu tun haben, wie – na eben. Aber wenn man schon mal auf den Kanal gezappt hat, fände man es auch unglaublich bieder, errötet wegzuschalten. Sich dem allem entsagen? Um Himmels Willen nein! Der Vergleich ist der Treibstoff dieser Industrie. Ohne plakative Darstellung und das anschließende (Auch-)Haben-Wollen wäre insbesondere „unser“ Segment ruiniert. Darum braucht es eine echt gemeinte Allianz, die unter die Oberfläche des schönen Scheins geht. Erst wenn Kim Kardashian und Alice Schwarzer auf wechselseitige Toleranz, Verständnis und Solidarität zählen können, sind wir da, wo wir hingehören. Was die Mode dazu beitragen kann? Viel mehr, als uns hübsch anzuziehen.


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052 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

Dorothee Schumacher 318 style in progress


SO LÄUFT’S 053 IN WOMEN WE TRUST

„Starke Frauen berühren mich“ Designerin, Unternehmerin, Mutter von vier Kindern – und Frauenflüsterin. Was mit drei T-Shirts begann, ist heute ein solides Mittelstandsunternehmen. Jede Kollektion ein erneutes Zeichen der Reife Dorothee Schumachers, ihrer Empathie für und mit Frauen. Text: Martina Müllner-Seybold. Foto: Schumacher

Als Unternehmerin haben Sie Großes geschaffen. Wie hat Ihr Frausein diesen Weg beeinflusst, geprägt, gefördert oder behindert?

Es ist ein entscheidender Teil meines Weges. Ich bin davon überzeugt, dass die Stärke einer Frau in ihrer Weiblichkeit liegt – und das wird mir immer wieder in den Begegnungen mit meinen Kundinnen und mit Frauen auf der ganzen Welt gespiegelt.

die sich gegenseitig bestärken? Ich schätze mich glücklich, von so vielen Frauen täglich umgeben zu sein. Jede schreibt ihre eigene Geschichte und die teilweise jahrelange Zusammenarbeit bereichert und prägt mein Verständnis für Frauen bis heute jeden Tag.

Ihr Unternehmen hat einen hohen Frauenanteil. Sie sind dafür bekannt, Frauen viel zuzutrauen und in verantwortliche Positionen zu bringen. Selbstverständnis oder bewusste Wahl?

Nur wenige Ihrer Mitbewerber verstehen so gut, wie sich moderne, erfolgreiche Frauen kleiden wollen. Während Jil Sander noch gesagt hat, sie gebe den Frauen Rüstungen, haben Sie einen viel sensitiveren, spielerischen, leichten und selbstverständlicheren Zugang im Design. Was muss denn die Mode heute für Frauen wie Sie leisten?

Selbstverständnis. Was könnte es Schöneres geben, als Frauen,

Es geht mir nicht nur um schöne Kleider, sondern um style in progress 318


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schöne Frauen. Schönheit, die von innen kommt, Stärke die schon existiert, Persönlichkeit die gelebt wird – hierfür möchte ich mit meiner Mode eine Antwort finden. Es ist nicht das Kleid, dass die Frau zum Strahlen bringt. Sie strahlt schon und ihr Look bietet ihr die Möglichkeit, ohne Worte zu kommunizieren, wer sie ist. In diesem Sinne verstehe ich Mode als wundervolle Möglichkeit, sich selbst auszudrücken – und das auf den ersten Blick. Sie hatten schon immer hochloyale Kunden im Handel und unter Endverbraucherinnen – in den letzten Monaten allerdings habe ich so viele positive Stimmen wie nie zuvor über Ihre Marke gehört. „Auf den Punkt“, „absolut treffsicher“, „wunderschön“, „sie hat sich neu erfunden“, „so zeitgemäß“. An welchen Stellschrauben haben Sie gedreht? Erleben Sie es selbst auch so, dass Sie noch mal einen draufgesetzt haben?

Natürlich hört eine Marke niemals auf, sich weiterzuentwickeln – wie auch eine Frau oder Menschen generell mit 23 noch nicht so sind wie vielleicht 30 Jahre später. So geht auch eine Marke mit der Zeit. Ich glaube, dass Möglichkeiten wie Digitalisierung und soziale Medien es noch einmal ermöglicht haben, viel direkter und noch persönlicher mit meinen Kundinnen zu kommunizieren. Die unmittelbare Verbundenheit ist immer stärker geworden, der Dialog immer schneller und facettenreicher. Das ist eine große Entwicklung, und auch diese steht nicht still. Und gleichzeitig ist es ein wundervolles Gefühl, bei meinen Partnern 318 style in progress

„Es geht mir nicht um schöne Kleider, sondern um schöne Frauen.“

Dorothee Schumacher

im Handel unverbrüchliche Loyalität und gleichzeitig den Enthusiasmus zu verspüren, mit uns weiterzugehen, zu wachsen und Neues zu entdecken. Es ist ein Zusammenspiel von Innovation und Tradition, das immer nahtloser miteinander verschmilzt und dadurch eine aufregende Strahlkraft entwickelt.

Ist man als Frau erfolgreich, wird ganz automatisch auch Privates publiziert: Dass Sie Mutter sind, dass Sie mit Ihrem Exmann gemeinsam gegründet haben. In kaum einem Bericht über eine männliche Führungskraft findet man solche Details. Was wünschen Sie sich: Dass die erfolgreichen Frauen sich nicht mehr rechtfertigen müssen, dass sie auch Privates im Griff haben oder dass die Männer auch mal erklären müssen, wer denn jetzt gerade bei den Kindern ist, während sie von Termin zu Termin hetzen?

Ich bin umgeben von Frauen, die auf ihre Weise intuitiv ihr Privatleben mit beruflichem Erfolg in Einklang bringen. Für mich kann ich nur sagen, dass beides untrennbar miteinander verbunden ist. Ich

schätze mich sehr glücklich, ein Familienunternehmen zu führen. Und das nicht nur in dem Sinne, dass meine eigenen Kinder teilweise in das Unternehmen hineinwachsen und es mitgestalten, sondern auch mit Bezug auf den Spirit, den wir als Team leben. Wir agieren gemeinsam wie eine große Familie – die Parallelen sind berührend und ergänzen sich perfekt.

Das Frauenbild wandelt sich sehr stark – und dazu muss man nicht erst Schlagworte wie #MeToo oder new feminism bemühen. Wie weit sind Ihre Entwürfe mit gesellschaftlichen Strömungen verwoben, wie sehr beeinflusst Sie dieses Zeitgeschehen?

Es ist berührend, zu sehen, wie weitreichend Tabus gebrochen werden und wie viele Menschen sich an der offenen Diskussion zu Themen beteiligen, die uns alle angehen. Genau dieser Dialog ebnet neue Wege. Mode in diesem Kontext ist natürlich immer ein Teil des Zeitgeschehens. So wie Menschen in gesellschaftspolitischem Kontext miteinander interagieren, ist auch die Mode ein Teil des bigger pictures. Nur wenn sie am Puls der Zeit mitgestaltet, kann sie die Menschen berühren. Und dabei geht es nicht um Trends, sondern vielmehr um große Empathie.

Sie unterstützen Frauen nicht nur in Ihrem Unternehmen, sondern wenden sich auch denjenigen zu, die Hilfe brauchen: Mädchen in Nepal, an Brustkrebs erkrankte Frauen. Empfinden Sie eine Verantwortung, zurückzugeben?

Mich berühren starke Frauen. All diese Projekte finden ihre

Gemeinsamkeit darin, dass vermeintliche Schwächen eigentlich eine Stärke sind. Jüngst habe ich zum Beispiel mit Rita in Palma, einer tollen Initiative einer noch tolleren jungen Frau, die traditionelle Handwerkskunst mit modernem Design verbindet, zusammengearbeitet. Für uns haben sie eine limitierte Kette aufgelegt, die ich jeden Tag bei mir trage. Rita in Palma ermöglicht Frauen mit Migrationshintergrund die Kreation von Accessoires mit traditionellen Techniken und im Gegenzug einen Start in ein unabhängiges Leben durch eine gut bezahlte Anstellung. Das sind Geschichten, die mich berühren. Frauen, die einander durch ihre unterschiedlichen Facetten gegenseitig bestärken!

Was wollen Sie als Unternehmerin und Designerin für die nächste Generation erreicht haben? Was wünschen Sie jungen Frauen und Mädchen?

Ich hoffe, dass immer mehr Frauen ihren eigenen Weg gehen, dass das, was frühere Generationen erkämpft haben, mit Selbstverständlichkeit in die Zukunft geführt wird. Vielleicht kann ich durch meine Geschichte junge Frauen inspirieren – das ist ein großer Herzenswunsch. Feminismus ist gerade ziemlich hip. Tut das der Diskussion gut?

Jede Bewegung, jede Entwicklung hat eine Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft. Momentan beteiligen sich viele an diesem Dialog – und das ist gut so. Und wann sind wir Frauen in der Mode am Ziel?

Ich hoffe niemals, denn diese wundervolle Reise sollte nie zu Ende gehen.


www.add.it


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IST DIE MODE WEIBLICH? In erster Linie wird die Modewelt weiblich assoziiert. Sie lebt nicht unwesentlich von Frauen, die fashionaffin und bereit sind, in Mode zu investieren. Wie feminin sind die Kollektionen heute, wie viel Weiblichkeit darf es sein? Womöglich repräsentieren die aktuellen, oft vermeintlich männlicheren Looks für Frauen eine neue, emanzipiertere Weiblichkeit oder gar einen neuen Feminismus? Und wie sieht es eigentlich mit unserer Branche aus: Ist das Mode­ business weiblich? Gibt es heute genug Frauen in Verantwortung tragenden Positionen – oder sind es immer noch zu wenige? Weibliche Branchenprofis geben spannende Antworten. Text: Kay Alexander Plonka, Martina Müllner-Seybold, Nicoletta Schaper. Illustrationen: Claudia Meitert@ Caroline Seidler

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WOW-FRAU

ES GEHT UM UNS!

Martina Philipp, Inhaberin Max Laurenz, Wien Nein, die Mode ist zurzeit nicht weiblich, das kommt meinem Geschmack zugute! Es muss ja nicht immer oversized sein, aber das zunehmend Sportive entspricht dem Zeitgeist und ist für mich ein Fortschritt. Ich denke, die Wahrheit liegt wie bei allem in der Mitte. Eine Frau kann zurzeit alles tragen, wozu sie Lust hat, feminin, sexy, overdressed, oversized und sportlich… Und das Gute daran ist, dass man alles mixen kann. Beherrscht man das, kommt etwas Cooles dabei heraus, nämlich eine Wow-Frau. Mein Vorteil als Händlerin besteht darin, dass viele Frauen mit den vielen Möglichkeiten überfordert sind und sich gern auf mich verlassen. Da punktet zu hundert Prozent die gute Beratung. Mein Tipp: zu jedem Anlass das Passende herauszusuchen und möglichst keinen Allover-Look kreieren. Man sollte Fashion nicht zu eng sehen, es soll Spaß machen. Man soll sich wohlfühlen mit dem Look, den man trägt. Ich persönlich wähle mein Outfit mehr nach Stimmung und weniger nach Anlass. Für mich gilt: Lieber etwas weglassen, als noch eins drauflegen, nach der Devise less is more. Da in meinem Geschäft die meisten meiner Kundinnen über 40 sind, steht bei mir die Lässigkeit im Vordergrund. Zu ‚tatü‘ in unserem Alter lässt uns älter ausschauen, als wir wollen. Mir ist außerdem eine Gesamterscheinung wichtig, da gehört neben der Kleidung die Körpersprache, Gepflegtheit und eine positive Ausstrahlung mit dazu.

Andrea Frauenschuh, Geschäftsführerin Frauenschuh, Kitzbühel Wir leben in einer Zeit des totalen Umbruchs. Seit 100 Jahren dürfen Frauen in Österreich wählen. Die Emanzipation ist im Vormarsch, aber wenn man genau hinsieht, ist der Prozess noch in vollem Gange. Immer noch werden Frauen in allen Bereichen schlechter bezahlt. Im Schnitt sind es in Österreich und Deutschland mindestens 25 Prozent. Und immer noch finden sich weniger Frauen in führenden Positionen, weder in Unternehmen noch in der Politik. Dazu kommt der neue Rechtsruck, die konservative Strömung in den Regierungen ist hier zu spüren. Es ist zwar sehr löblich, dass manche Designer versuchen, die Frauen zu schützen, aber ist dieser Pop-Feminismus nicht wieder nur ein weiteres Accessoire, das man haben muss, und schießt am Ziel vorbei? Ich versuche, den Feminismus auf meine Art zu leben. Als Einkäuferin in der Firma stelle ich mir meine Kundin vor: eine anspruchsvolle, erfolgreiche Frau, die im Arbeitsleben steht und Familie, Beruf und den gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht zu werden versucht. Mein Sortiment soll die Frau spiegeln, wie sie im Leben steht, ohne in provokante oder sexistische Klischees zu verfallen. Aber das Selbstverständnis in der Mode ist noch nicht da. Für die Frauen ist es heute noch schwierig genug, Kinder zu haben und zu arbeiten, die Wünsche von uns selbst und die Vorstellungen der Gesellschaft zu erfüllen. Dazu kommt, dass wir Frauen uns nicht solidarisch verhalten. Frauen mit mehr Persönlichkeit werden speziell von den Frauen beneidet und abfällig besprochen. Ich vermisse den Teamgeist der großen, gemeinsamen Sache. Mut zur Mode, Mut zur eigenen Persönlichkeit. Es geht doch um uns, meine Damen! style in progress 218


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DIE NEUE WEIBLICHKEIT

Sandra Denkena, Inhaberin Du Nord, Oldenburg Für mich ist unsere Kundin eine starke Frau, die selbst entscheidet, wie sie sich kleidet. Sie macht es für sich, nicht für andere. Ich finde es weiblich, weil es stark ist. Für mich ist die Persönlichkeit viel wichtiger als das Weibliche. Nach meinem Empfinden ist eine Frau auch modischer und zeitgemäßer, wenn sie sich nicht zu weiblich anzieht, zumal das sehr Feminine oft nicht zur Realität im Alltag passt. Ich selbst habe drei Kinder und führe drei Geschäfte, bin immer unterwegs und muss mich in meinen Sachen bewegen können. Ich würde mich sehr unwohl fühlen, wenn ich mich im kleinen Kleidchen und High Heels aufs Rad schwingen würde. Frauen sollten Mut zur Individualität haben und unsere größte Herausforderung ist, sie in unserem Geschäft ganz nach ihrer Persönlichkeit zu kleiden. Am meisten Spaß macht uns das bei selbstbewussten, selbst entscheidenden Frauen, von denen ich mir noch viel mehr wünschen würde. Diese Frauen verkörpern für mich die neue Weiblichkeit.

GEFÜHL, CHAOS, ÜBERRASCHUNG

Ela Reck, Inhaberin Tuxedo, Düsseldorf Ob die Mode weiblich ist? Ich finde die Frage komisch und komme immer wieder auf die gleiche Antwort. Mode kann alles sein: Veränderung, Gefühl, Chaos, Überraschung, immer wieder neu. Egal, ob Mode von Frauen für Frauen gemacht wird oder von Männern, ob hetero oder homosexuell. Womöglich kann ein homosexueller Mann die Frau sogar viel besser verstehen, weil er sie anders sieht und betrachtet? Nehmen wir als Beispiel Giorgio Armani oder auch Karl Lagerfeld für Chanel, ich bekomme geradezu eine Gänsehaut, wenn ich die Shows sehe, mit wie viel Phantasie und Kreativität er das Überthema immer wieder neu interpretiert! Oder, um eine weibliche Designerin zu nennen, Sophie D’Hoore, eine zarte, zerbrechlich wirkende Frau, die so starke Mode macht: clean, fast architektonisch, für eine moderne und selbstbewusste Frau. Ich möchte auch gar nicht festlegen, ob die Mode aktuell eine besonders männliche oder weibliche Phase hat. Vermeintlich männliche Looks nehmen einer Frau ja nicht zwangsläufig die Weiblichkeit, denn selbst im Smoking kann sie wahnsinnig weiblich aussehen.

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Contact: Manuela Windisch Nebauer – mwn@lunariacashmere.de


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HINTER DEN KULISSEN

Julia Menthel und Rike Döpp, Partner & CEOs Agency V Starke Frauen haben ihren festen Platz in der Modegeschichte. Das reicht von Vionnet bis Chanel. Aber, wo Geld verdient wird, ziehen Männer die Strippen. Egal, ob bei mittelständischen Denim- und Sportswearanbietern oder großen multinationalen Konzern wie LVMH und Kering – an der Spitze steht ein Mann. Schaut man jedoch hinter die Kulissen, findet man deutlich mehr weibliche Power. Die Headhunterin Floriane de Saint Pierre ist eine Institution, wenn es um die Besetzung der begehrtesten Kreativjobs in der Branche geht. Karla Otto, die eine der weltweit größten multinationalen PR-Firmen führt, ist obendrein noch eine Deutsche. Feingefühl ist anscheinend immer noch eine weibliche Domäne. Wenn es jedoch um Börsennotierung oder Sportbekleidung geht, sieht man erst einmal Herren in dunklen Anzügen. Das ändert sich nun langsam. Wir fragen uns jedoch, ob man als Frau wirklich unbedingt seine Zeit bei Textilherstellern im Gewerbegebiet verbringen will oder ob man nicht doch lieber mit Karla die nächste Viktor & Rolf Show organisieren möchte.

KOMFORT UND SPORTIVITÄT

Ingrid Strassburger, Inhaberin Strassburger, Stuttgart Ich finde, dass die Mode heute weiblich sein kann, es aber durchaus nicht sein muss. Frauen entscheiden heute sehr individuell, ob sie Sweatshirts zur Jeans anziehen oder lieber ein tolles Kleid. Die Kundinnen meines Geschäfts ziehen sich eher weiblich an, aber vereinzelt tragen sie gern die Seidenbluse zur Sweatpants oder kaufen einen Hoodie zum Beispiel von der Marke Roqa – wobei ich glaube, dass sie den doch noch lieber zum Sport tragen. Aber generell sind Komfort und Sportivität auf dem Vormarsch, was sich auch bei Strassburger im Mix von Sportivem mit Femininem zeigt. Noch vor zehn oder 15 Jahren war die Mode weiblicher, mit mehr Kleidern und Röcken, und eine Frau mittleren Alters in Sportkleidung war noch ungewöhnlich. Heute ist das ebenso selbstverständlich wie das Tragen von Sneakern geworden. 318 style in progress


3—5 JULY 2018

PANORAMA-BERLIN.COM

CONNECTING COMMUNITIES


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WICHTIGE KEHRTWENDE

Vreni Frost, Founder und Editor in Chief, neverever.me und techandthecity.de Betrachten wir die Kaufkraft der weiblichen Zielgruppe, dann ist die Mode sicherlich weiblich. Frauen treffen bei Weitem mehr Kaufentscheidungen als Männer. Der Markt hat das längst erkannt und reagiert dementsprechend mit Werbestrategien – selbst wenn diese leider noch zu oft erbärmlich klischeebehaftet sind. Betrachten wir jedoch die Konzerne im Inneren, so sind es dann doch noch weitestgehend Männer, die bestimmen, was Frau konsumieren wird. Durch Bewegungen wie #MeToo oder #ihaveembraced findet aber auch hier bereits ein langfristiges Umdenken statt. Immer mehr Frauen haben es satt, sich in Schubladen oder – in diesem Falle – enge Korsagen stecken zu lassen und treten selbstbewusst für mehr Toleranz in der Mode ein. Der Trend geht hin zu mehr Individualismus und Selbstwahrnehmung, weg vom Kardashianschen EinheitsBeauty-Brei. Auch die vielen Unisexkollektionen, die sowohl von Premiummarken, als auch Fast-Fashion-Labels umgesetzt werden, lassen eine Trendwende erkennen. Eine für mich begrüßenswerte und wichtige Kehrtwende.

SPANNENDE MISCHUNG

Tanja Gündling, Head of Retail & Deputy Head of Global Consumer Products, Red Bull und Alpha Tauri Die Modebranche ist im Vergleich zu anderen Sektoren weiblicher, jedoch nicht per se weiblich. Bei uns im Team von Alpha Tauri ist gerade dieser Mix aus weiblichen und männlichen Führungskräften sowie Produktmanagern einer der Erfolgsgaranten. Vor allem der Austausch über manchmal unterschiedliche Sicht- und Herangehensweisen ist essenziell für das finale Produkt. Unser In-house-Design-Team kreiert hochwertige und innovative Kollektionen für Frauen UND Männer und arbeitet dabei mit renommierten Textilherstellern zusammen, um unsere eigenen Textiltechnologien zu entwickeln. Wenn man diese Bereiche hinzuzählt, zeigt sich die Vielfältigkeit der Modebranche. Für mich ist es immer wieder schön, zu betrachten, wie erst durch diese Mischung an männlichen und weiblichen Industrieträgern unsere so spannende Branche vorangetrieben wird. 318 style in progress


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GENDERUNABHÄNGIGE FASHIONTECH

TAG FÜR TAG WICHTIG

Anja Grabherr-Petter, Designerin Phil Petter Das ist eine interessante Frage an jemanden wie mich, die ja Männermode entwirft. Natürlich ist für mich als Designerin die Mode in erster Linie männlich – ganz klar. Ich denke in meinem Beruf täglich an und aus der Perspektive von Männern und kümmere mich zuallererst darum, dass deren Bedürfnisse erfüllt werden und dass sie in meinen Designs besser aussehen. In meiner Welt ist die Mode also vordergründig nicht weiblich. Weiblich ist vielleicht meine Herangehensweise bei der Kreation und mit welch hoher Affinität ich der Mode gegenüberstehe und wie wichtig mir als Frau Fashion Tag für Tag ist. Für mich persönlich als Frau und für meine Firma als Unternehmerin gleichermaßen.

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Antje Hundhausen, Vice President Brand Experience, Deutsche Telekom Als Gründerin der Telekom Fashion Fusion, einem Programm, das visionäre Konzepte von Start-ups und jungen Unternehmen aus den Bereichen Mode, Technologie und Produktdesign fördert, habe ich wahrscheinlich einen etwas anderen Blickwinkel auf die Mode, da uns hier ja besonders Entwicklungen an der Schnittstelle zwischen Fashion und Tech interessieren. Wenn ich mir die Finalisten 2018 ansehe, dann haben wir ein ziemlich ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern, und auch die vorgestellten Projekte wenden sich sowohl an ein weibliches als auch ein männliches Publikum: Kleidung, die Apps steuert, Strick, der kommunizieren kann, 3D Body Scan statt Umkleidekabine. Ich glaube, es wird in Zukunft eher um einen gewissen Lifestyle gehen – und weniger um die Frage, ob etwas speziell für Frauen oder für Männer gemacht ist. Unser Ziel für 2018 ist, das beste Projekt mit der Telekom und der Jury als Treiber zur Marktreife zu führen – genderunabhängig.


Walter Moser GmbH, A-4863 Seewalchen am Attersee, Industriegebiet 2, T +43 (0) 7662 31 75-0, E office@airfield.at, www.airfield.at

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www.airfield.at GERMAN SALES OFFICES Western Region Agentur Berning Michaela van den Broek Bennigsen-Platz 1 40474 Düsseldorf, Germany T +49 (0) 211 542 219-0

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Southern Region Michaelis Fashion Agency Daniela & René Michaelis Haus Titan / Eingang EG / Rechts Karl-Weinmair Str. 11 80807 München, Germany M +49 (0) 171 4888924

Northern Region Modeagentur Boumans Simone Boumans Modecentrum, Modering 9 / Raum 185 22457 Hamburg, Germany T +49 (0) 211 418 422 59


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EIN UMBRUCH

Sophia Bittner, Chief Marketing Officer Airfield Frauen müssen bekanntlich nicht nur mehr leisten, um Anerkennung zu erhalten. Auch ihr Erscheinungsbild wird in der Regel gesellschaftlich wesentlich kritischer als das der Männer betrachtet. Bisher galt der Gedanke, wer als berufstätige Frau Ernst genommen werden will, darf weder zu sexy, noch zu weiblich daherkommen. Ich sehe heute einen enormen Umbruch in der Gesellschaft, und das spiegelt sich natürlich auch im Look moderner Frauen wider. Dass Kleidung Ausdruck gesellschaftlicher Umbrüche ist, wird immer registriert und kommentiert. Die aktuelle Koexistenz von Modetrends und gesellschaftspolitischem Geschehen ist nicht die erste dieser Art und ich finde es gut und richtig. Generell würde ich mir wieder mehr Weiblichkeit und Sinn für das Schöne in der Modebranche wünschen. Ich möchte es aber nicht unbedingt auf Frauen reduzieren, sondern auf die immer stärker werdende Tendenz, Mode nur noch nach Statistiken, Abverkaufsquoten und Umsätzen zu machen. Das ist sicher wichtig, aber wir arbeiten alle in einer Branche, die mehr als jede andere von Emotion, Bauchgefühl und der Leidenschaft für das Produkt lebt. Erst wenn wir uns dessen wieder bewusst werden, wird sich meines Erachtens nach die Modebranche wieder in die Richtung verändern, die sie verdient – in eine Branche, die irrational und leidenschaftlich Schönes schafft und sich nicht in gegenseitigen Abverkaufsschlachten und Bergen von Statistiken selber zerstört.

VERBUNDENHEIT

Maria Chiara Teza, Geschäftsführerin Think Inc. Communications Natürlich gibt es noch klare Kategorien zwischen Mann und Frau – männlich und weiblich. Was ich jedoch reizend finde, ist, dass die Grenzen sich verschieben. Dies liegt einfach an den veränderten Ansprüchen und Haltungen der Menschen. Wir sind für vieles offener geworden und das spiegelt sich in den Kollektionen und Marken wieder. Maskuline Stoffe mischen sich mit weiblichen Stoffen oder Farben. Dadurch wird ein ursprünglich maskulines Produkt in einen neuen, spannenden Kontext gerückt. Das gleiche gilt natürlich auch für die Frauenkollektionen. Es ist wunderbar! Es öffnet, grenzt weniger ab und macht auch mehr Spaß im Styling. Und im Grunde verbindet es uns. In der Modebranche ist es kein Phänomen, dass Männer nach wie vor an der Macht sind. Erstaunlich ist, dass der Prozess gerade in dieser kreativen und schöngeistigen Branche etwas langsamer von Statten geht. Auch hier wird eine Balancierung stattfinden, die nicht zwanghaft aus der Branche kommt, sich aber vielmehr aus den vorhandenen Megatrends ableitet und auch hier spielt die Frau eine wichtige Rolle in der Zukunft. Ergo: Wir leben in einer globalen Welt, die immer internationaler wird, die sich vermischt und dadurch auch schöner sein kann. Deshalb finde ich es nur richtig, dass ‚Mann‘ auch weibliche Farben tragen kann und das eine Frau auch ein Herrenhemd als das Maß ihres Styles sehen kann – so wie es Christiane Arp schon lange zeigt.

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ALTERNATIVE KONZEPTE

Cherie Birkner, Fotografin und Gründerin von Sustainable Fashion Matterz Was bedeutet Weiblichkeit? Darüber lässt sich heute definitiv streiten und eine schwarz-weiße Antwort gibt es darauf nicht. Für mich ist ein wesentlicher Charakterzug von Weiblich­ keit die Fruchtbarkeit. Und fruchtbar ist die Modebranche nicht, denn sie ist eine der umweltverschmutzend­ten Industrien der Welt. Abwässer mit gefährlichen Chemikalien gelangen aus den Fabriken ins Grundwasser sowie auch Massen an Pestiziden, die für den Anbau von Baumwolle verwendet werden und unfruchtbare Böden hinterlassen. Modern und weiblich ist etwas anderes. Dennoch gilt es, zu differenzieren, da es ja nicht nur große Ketten gibt, bei denen Männer im Vorstand sitzen und ihr Geld mit der Ausbeutung von Frauen verdienen. Der Wandel in der Modebranche vollzieht sich immer stärker, weil Konsumenten und Labels die Problematik erkannt haben und sich bemühen, Lösungen zu finden oder schon längst alternative Konzepte umgesetzt haben.

ECHTE SOLIDARITÄT

Julia Leifert, Founder & Designer Philomena Zanetti The Future is female – einer von vielen Slogans, der nicht erst seit den jüngsten Designershows vermehrt auf T-Shirts spazieren getragen und medienwirksam im Internet inszeniert wird. Kämpferische Sprüche, die für Emanzipation und Frauenrechte stehen sollen. Es gibt sie nicht erst seit #MeToo und der Women’s March Bewegung, sie reichen bis in die 1970er-Jahre zurück. Dennoch sitzt die Aussage wie angegossen auf der stolz bedruckten Brust junger Frauen, die Solidarität mit jenen zeigen, die gegen Unrecht aufbegehren. Doch wie aufrichtig kann die Botschaft sein, verglichen mit den Missständen, die in der Modebranche immer wieder publik werden? Einer Industrie, hinter deren glänzender Fassade oft Frauen als schlecht bezahlte Arbeitskräfte im Akkord das realisieren, was hierzulande für ein gutes Gefühl ,etwas zu bewegen‘ sorgt. Jene Frauen, deren Zukunft auch frei sein sollte, frei von Unterdrückung, Repression und Nachteilen. Und noch bevor wir das Problem begriffen oder gar bewältigt haben, finden wir ein neues T-Shirt im Netz: ‚You cannot exploit women in one country to empower them in another‘; natürlich zu kaufen, zu einem unschlagbar günstigen Preis.

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Margareta van den Bosch 318 style in progress


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„Ich kann nicht behaupten #MeToo“ Während Moden und ihre Macher am meisten Aufmerksamkeit durch ihr Kommen und Gehen auf sich ziehen, gibt es wenige Masterminds, die durch ihr Können solche Gesetzmäßigkeiten brechen. Eine davon ist Margareta van den Bosch, heute 75 Jahre alt und über 20 Jahre lang Design Director bei H&M. Ihre Arbeit war und ist stilprägend für Generationen von Konsumentinnen, die H&M aufgrund seiner Kompetenz für aktuelle Trends tragen, nicht wegen des Preises. Ein Vorzeichenwechsel, den Margarete van den Bosch sozusagen erfunden hat. Sie hat sich mit so vielen unterschiedlichen Frauenbildern auseinandergesetzt, wie kaum jemand in dieser Branche. Interview: Stephan Huber. Text: Isabel Faiss. Fotos: H&M

Ich sitze hier heute in Stockholm der wahrscheinlich einflussreichsten Frau in der Mode der letzten Dekaden gegenüber. H&M hat die Branche buchstäblich umgekrempelt. Was war Ihr Ziel, als sie dort anfingen?

Als ich 1987 hier anfing, waren wir in sechs Ländern und hatten sieben Designer. Heute ist H&M in 69 Ländern und beschäftigt rund 330 Designer. Mein Ziel war es erst einmal, die Designabteilung aufzubauen, die Mitarbeiter in den Trendprozess mit einzubeziehen und sie physisch die Kollektionen designen zu lassen. Als ich hierher kam – und ich brachte viele Jahre Erfahrung aus Italien mit – kaufte man Designs einfach zu, fügte ein paar trendige Stoffe zusammen und kreierte auf diese Weise Trends. Niemand hatte wirklich einen Einfluss darauf, wie die Kollektionen am Ende aussahen. Ich wollte

dem gesamten Designprozess einen professionelleren Ansatz geben. Also kreierten wir die verschiedenen Segmente für unterschiedliche Anlässe.

Obwohl zwei Drittel der Käufe von Frauen getätigt werden und die meisten Menschen bei Fashion in erster Linie an Frauen denken, ist unsere Branche doch noch immer von Männern dominiert. Warum eigentlich?

Nicht bei H&M. Wir haben rund 80 Prozent Frauen im Unternehmen, auch in Führungspositionen wie beispielsweise als Country Managerin oder Einkaufsleiterin. Aber es stimmt, obwohl so viele Frauen in der Modebranche arbeiten, sind es immer noch die Geschäftsmänner, die vielerorts die Verantwortung tragen. Sie verantworten die Budgets und die Kosten. Jedes Konzept braucht jemanden, der das Geschäft führt und sehr oft sind das Menschen, die Wirt-

schaft studiert haben. Aber auf der anderen Seite gibt es ja oft einen Designverantwortlichen. Die Strukturen sind heute viel komplexer als früher.

War das jemals bei Ihnen ein Thema? Hatten Sie jemals das Gefühl, behindert oder benachteiligt zu werden, eben weil Sie eine Frau sind?

Nein. Und das obwohl ich anfangs in Italien in kleinen Familienbetrieben gelernt habe, die sehr oft von starren Hierarchien geprägt sind. Meine Professionalität war immer schon mein Rückgrat, ich hatte Talent, also kam niemand je auf die Idee, mich über mein Geschlecht zu beurteilen. Die Mode bietet sich als Plattform für gesellschaftliche Debatten geradezu an. Vor allem, wenn es um aktuelle Frauenprobleme geht. Was denken sie über #MeToo?

Das kann ich nicht beurteilen, ich bin damit in meiner Arbeit

nie konfrontiert gewesen. Aber ich bin sicher, dass es in der Modebranche einiges gibt, über das man mal reden sollte. Neben vielen anderen arbeiten hier auch sehr junge Models. Ganz zu schweigen von den jungen, noch unerfahrenen Designerinnen. Aber persönlich habe ich damit keine Erfahrungen gemacht. Ein anderes Schlagwort, das gerne mit der Modebranche in Verbindung gebracht wird, ist Body Shaming.

Das ist leider wahr, die Mode transportiert unrealistische Bilder von Frauen, und das ist ein Problem. In den Modeschauen versuchen sie heute immer, ein etwas festeres und ein älteres Model zu zeigen, um die Balance zu halten. Das ist eine Reaktion auf die Bedürfnisse der Verbraucher und der Medien, aber es geht nicht besonders tief. Menschen mit ausgefalleneren Maßen haben immer noch Schwierigkeiten, Mode in style in progress 318


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ihrer Größe zu finden. Aber ich finde es gut, wenn man offen dafür ist und darüber spricht. Niemand sollte sich für seinen Körper schämen. Sehen Sie es auch so, dass Mode Bilder kreiert, die einen enormen Druck auf junge Mädchen ausüben?

Ja, aber es wird inzwischen besser, weil es so viele kritische Stimmen dagegen gibt. Neue Stimmen. Und die Branche hat ihre Sichtweise beispielsweise in Bezug auf Models geändert. Wir alle wollen Menschen zeigen, die gesund aussehen. Aber natürlich ist es auch ein Stück weit der Job eines Models, Kleidung zu präsentieren und dabei gut auszusehen. Es gehört einfach mit dazu, dass man seinen Körper zur Schau stellt. Ich erinnere mich an diese legendäre H&M-Kampagne mit Pamela Anderson, die wirklich sehr offensiv war. Wäre so etwas heute noch möglich?

Nein, das glaube ich nicht. Die Leute fänden es zu sexistisch und sie sind gegen solche Dinge. Wir reden hier nicht nur von einer kleinen Gruppe von medialen Influencern, die sich aufregen, sondern von der Meinung der meisten Konsumenten. War es sexistisch?

Natürlich, aber niemand hat sich darüber aufgeregt. Heute wäre es undenkbar, so etwas nochmal zu machen.

Werden wir nicht immer stärker eingeschränkt in diesen Entscheidungen?

Ganz bestimmt. Alles muss heute politisch korrekt sein. Für meinen Geschmack ist das viel zu viel Einschränkung. Uns schlug immer schon viel Kritik von Feministinnen und Menschen entgegen, die sogar unsere Poster herunter rissen, vor allem hier und in Norwegen. In Schweden wäre es heute gar nicht mehr erlaubt, eine öffentliche Kampagne zu zeigen, die so sexistisch ist. Aber so oder so, wir würden es ohnehin nicht mehr machen. Die Zeit muss einfach reif dafür sein. Man muss heute mit der Aussage seiner Kampagnen extrem vorsichtig sein, auch wenn man nur einen Witz 318 style in progress

machen will, muss man darauf gefasst sein, dass keiner lacht. Viele Witze darf man heute nicht mehr erzählen, auch dann nicht, wenn man einen kreativen oder künstlerischen Zugang dazu hat. Für meinen Geschmack ist das ein bisschen zu viel Korrektheit, vor allem für Künstler. Einer der häufigsten Vorwürfe an die Mode lautet, sie sei oberflächlich – sagen vor allem die sogenannten intellektuellen Eliten.

In erster Linie ist Mode etwas, mit dem man seine Persönlichkeit ausdrückt. Wie kann das oberflächlich sein? Es ist die erste Message, die man sendet, wie man sich präsentiert. Natürlich haben einige Menschen aufgrund von Armut nicht die Möglichkeit dazu, aber ich finde, dass sich Mode als kreative Ausdrucksform und Kunst immer mehr etabliert hat. Und sie wurde intellektueller. Ehrlich gesagt, warum darf etwas wie Mode nicht oberflächlich sein? Manchmal ist es absolut in Ordnung, wenn etwas einfach nur dazu da ist, die Leute glücklich und schöner zu machen, ohne eine tieferen Sinn zu erfüllen. Als ich in den 1970er-Jahren als Designerin anfing, war es als extrem oberflächlich verpönt, sich so etwas Profanem zu widmen. Heute ist Mode eng mit Kunst und Kultur und dem Lifestyle von uns verwoben. Die Leute machen ständig Fotos von sich für die Social-Media-Foren, uns alle interessiert es, was andere tragen, das betrifft uns alle.

Sie haben einmal gesagt, dass alles in der Mode schon da war. Gibt es kein Neuland mehr zu entdecken?

Doch natürlich, wenn es beispielsweise um Qualität, Materialien, Recycling von Altkleidung und Nachhaltigkeit geht, gibt es noch viel Neuland. Wir arbeiten sehr viel mit diesen Themen. Konsumenten sollten ihre Kleidung nicht jede Saison wechseln, sie sollten sie länger tragen. Heute findet in der Mode alles gleichzeitig statt. Es ist nur unsere eigene Denkweise, die uns verbietet, die gleiche Kleidung nochmal zu kaufen. Deswegen ist meiner Meinung nach auch die

Idee von Fast Fashion überholt, weil niemand Mode so schnell braucht. Immer geht es nur um Geschwindigkeit, aber warum? Das begünstigt nur schlechte Qualität und Kopien. Und die Stoffe sind heute der größte Treiber unserer Branche.

Das ist jetzt irgendwie witzig, hier im Headquarter von H&M zu sitzen und über langlebige Kleidung und Nachhaltigkeit zu diskutieren. Sie waren ja der Erfinder der Fast Fashion.

Ja, aber wir mögen den Begriff nicht. Vor allem, weil es nicht stimmt. Erstens, weil wir sehr viel für Nachhaltigkeit tun, beispielsweise erforschen wir das Recycling. Wir sind da sehr tief im Thema. Wenn die Kunden alles immer schneller wollen, muss man Dinge wie E-Commerce und Same Day Delivery in Betracht ziehen. Ich glaube an Online, aber es muss nicht alles immer noch schneller sein. Die Distribution sollte Einfluss darauf haben, wie wir heute einkaufen. Immer mehr Leuten wird das inzwischen bewusst, was der schnelle Dreh von Produkten im Markt für unseren Planeten bedeutet. Mit den legendären Designerkooperationen haben Sie definitiv unberührtes Neuland betreten. Bis heute verantworten Sie diese?

Ja, aber die Idee kam tatsächlich aus dem Marketing. Eigentlich wollten wir das nur für drei Jahre oder so machen, aber dann wurde es so populär, dass wir dabei geblieben sind. Die Leute warten tagelang auf die Sachen. Als nächstes kommt Moschino im November in die Stores. Für die meisten Menschen ist das die einzige Chance, in ihrem Leben ein Teil von Moschino zu kaufen. Oder anders gesagt: Sie haben Luxus demokratisiert. Was ihnen aber auch Kritik einbrachte von denen, die sagen, Luxus sei nicht demokratisch.

Natürlich nicht. Aber wir hatten ja nur kleine Volumina für eine kurze Zeitspanne, das war eine absolute Win-win-Situation für beide, die Designer bekamen ihre Publicity und unsere Konsumenten ein Teil High Fashion.

Hat das nicht das Preis-Leistungs-Empfinden verändert?

Sicher, es war ein Downsizing der Preise. Die Designer konnten nicht verstehen, wie wir solche Produkte zu dieser Qualität zu solchen Preisen machen können. Sie waren sehr überrascht. Phoebe Philo gilt als Ihre Favoritin für eine Kooperation. Verkörpert sie ein neues Bild der Frau in der Mode?

Definitiv. Sie hat so einen guten Style, der einerseits tragbar ist und trotzdem die ganze Branche fasziniert. Jeder schaut darauf, was sie tut und was sie trägt. Das ist eine Frau, zu der ich aufsehe, eine echte Influencerin.

Gibt es noch weitere Frauen, die Sie für unsere Branche als sehr einflussreich sehen?

Viele! Miuccia Prada, Stella McCartney, Isabel Marant, Diane von Fürstenberg, Donatella Versace, um nur ein paar zu nennen. Eine letzte Frage: Sie haben einmal gesagt, dass die größte Veränderung in Ihrer gesamten Karriere das Internet war. Was ist ihr Resümee dazu?

Es hat alles verändert. Heute haben wir globale Trends, die alle gleich aussehen, weil wir alle die gleichen Filme sehen, den gleichen Influencern folgen und die gleichen Bilder sehen. Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob das Internet wirklich den besten Einfluss hat. Es bringt so viel Druck mit sich, schnell zu sein, dass es nicht mehr darum geht, eine Geschichte richtig zu erzählen, sondern nur noch darum, der Erste zu sein, der sie erzählt. Die Celebrity-Kultur hat einen enormen Einfluss auf alles, was wir tun. Ich persönlich verstehe sie nicht. Aber ich verstehe, dass sie existiert und wir damit arbeiten müssen. Vor allem in Bezug auf Mode vermittelt das Internet über Social Media jungen Menschen das gefährliche Versprechen, dass sie alles werden können, was sie wollen. Das ruft falsche Erwartungen hervor, sie denken, sie brauchen keine Ausbildung, um Designer zu werden, sie müssen nur 3,5 Millionen Follower auf Instagram haben.


# p e u te rey

p e u te rey. c om


074 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

GRAN DEZZA Warum das Selbstverständnis italienischer Frauen uns alle angeht? Weil mit italienischer Mode auch das italienische Frauenbild erfolgreich exportiert wird. An starken Frauen mangelte es dem Land nie – dass diese jetzt auch gesell­schaftlich und unternehmerisch in die erste Reihe treten, tut der Mode gut. Denn zwischen Velina – den viel kritisierten, leicht bekleideten Showgirls des italienischen TVs – und Pasta kochender Mamma ist viel Platz für ein neues Bild starker italienischer Frauen. style in progress hat mit Designerinnen und Unter­ nehmerinnen einer neuen Generation gesprochen.

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IN WOMEN WE TRUST

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076 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

Francesca Lusini

„FRAUEN WOLLEN AUTHENTISCH SEIN“ Francesca Lusini ist als Präsidentin der toskanischen Peuterey-Gruppe angetreten, eine Marke wieder zu ihrer Stärke zu führen. Dabei vertraut die Managerin auf weibliche Skills und Kompetenzen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Peuterey

Die Modebranche designt für und verkauft mehrheitlich an Frauen – aber die Quote der Frauen in Führungspositionen spiegelt das nicht wider. Sehen Sie Zeichen der Veränderung?

Auf jeden Fall und ich unterstütze das sehr. Immer mehr Frauen werden Geschäftsführerinnen, Kreativdirektorinnen, CEOs. Wie positiv! Viele Frauen bringen ein Extra mit – ob es nun Stärke, Multitasking, Empathie oder Entschlossenheit ist. Unabhängig vom Genre ist mir Meritokratie heute am wichtigsten und ich ermutige mein Team, sowohl in der Arbeit als auch im Privaten ihr Bestes zu geben. Sind Frauen bereit?

Und wie! Ich bin glücklich, junge Frauen zu sehen, die ihre Träume verfolgen und entschlossen sind, ihre Karrierepläne mit Leidenschaft, Bedacht und Commitment zu gestalten. 318 style in progress

Wie ermutigen Sie junge Frauen in Ihrem Unternehmen?

Träume groß, lerne fleißig, folge deinen Instinkten und nimm die Menschen wichtig. Ist es in Italien besonders schwer, als Frau in eine Führungsposition zu kommen?

Ich glaube, das ist ganz unabhängig vom Geschlecht oder dem Land: Ein solcher Weg ist immer schwierig. Man muss sich gut rüsten, Prioritäten anerkennen, Risiken nehmen, mit anderen zusammenarbeiten und manchmal für seine Überzeugung kämpfen und sich dabei allerdings immer eine positive und vorbildhafte Haltung gegenüber allen Mitgliedern im Team bewahren. Gibt es genug politische, öffentliche und gesellschaftliche Unterstützung für Frauen?

Ich glaube nicht, dass man auf die Unterstützung durch andere warten soll. Wer wartet, agiert nicht und sucht nicht nach einer Lösung, er gibt nicht sein Bestes. Man wartet nur. Das entspricht meinem Charakter überhaupt nicht. Jahrzehntelang hat die italienische Mode Frauen eher für ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen denn für die Arbeit angezogen. Heute erkennen viele Designer an,

dass sie eine Frau für alle Herausforderungen des Tages anziehen – vom Kinder in den Kindergarten bringen über wichtige Meetings bis zum Aperitivo.

Absolut! Dazu kommt, dass wir heute eine große Vielfalt von Stilen haben, aus denen wir wählen können, selbst oder gerade bei der Arbeit. Peuterey hat das Motto #RealityTelling. Wir glauben, dass unsere Kleidung zuallererst Bedürfnisse befriedigen muss – gleichzeitig repräsentativ, nützlich und funktionell zu sein, jeden Tag. Die Realität von Frauen schlägt jede Fiktion: Es braucht Bestleistung, um jeden Tag man selbst zu sein. Von welchem Frauenbild geht Peuterey aus?

Wir haben eine Affinität zu Frauen, die weder Interesse an noch Zeit für Selbstdarstellung haben. Menschen, die der Gesellschaft etwas zurückgeben und Bande knüpfen – familiäre und geschäftliche. Menschen, die angezogen und nicht verkleidet werden wollen. Wir streben nach Designs, die Seele haben und zeitlos sind. Wahrhaftig, ehrlich, zweckdienlich: Das ist der neue Luxus. Wollen sich moderne Frauen anders kleiden?

Frauen wollen authentisch sein. Unsere Erfahrung sagt, dass sie

Führen nach dem Prinzip der Meritokratie: Francesca Lusini, Präsidentin der Peuterey-Gruppe, will, dass ihre Mitarbeiter an jenem Platz wirken, an dem sie das Beste für sich und das Unternehmen herausholen können.

Wert auf Qualität und Liebe zum Detail legen, sie teilen Peutereys Werte. Sie suchen nach vielseitigen Jacken, die lange zu ihrer Garderobe passen und sie begleiten, wie sie ihr Leben gestalten und anderen ihre Geschichte erzählen. Spiegelt sich das auch in den Kampagnen wider?

Ob Kampagnen oder Social Media Content – wir wollen Frauen in allen Aspekten ihres Lebens zeigen. Es ist wichtig, eine starke Persönlichkeit und positive Attitüde zu zeigen, nicht nur ein schönes Gesicht. Dem werden wir zum Beispiel in unserem Kampagnenvideo für Herbst/ Winter Rechnung tragen. Wir zeigen Menschen aus verschiedenen Kulturen, die interagieren, lachen und das Leben genießen. Haben Frauen in den Kon­ sumentscheidungen in ihren Familien noch immer die Hosen an?

Ich glaube Männer hören auf ihre Frauen, aber die männliche Neugier auf Mode hat zugenommen. Sie informieren sich über Marken in Social Media und Magazinen. Das hilft ihnen, selbstbewusstere Entscheidungen zu treffen und mehr auf die Qualität der Produkte und die Werte der Marke, für die sie sich entscheiden, zu achten.


078 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

Anna Baschirotto bringt 20 Jahre Erfahrung in der Luxusmode mit. Mit ihrer Bestellung zum Golbal Marketing & Communication Director will Liu Jo das Markenimage steigern, sowie den Bekanntheitsgrad und die Reputation der Marke ausbauen.

Anna Baschirotto

„UNSERE PERSPEKTIVE IST WEIBLICH“ Liu Jo ist eine Frauenmarke durch und durch: Präsident Marco Machi leitet ein Unternehmen mit 85 Prozent Frauenanteil. Indem er Frauen wie Anna Baschirotto in Führungspositionen holt, will er den Dialog mit den Konsumentinnen seiner Marke auf eine neue Ebene heben. style in progress hat mit der Verantwortlichen für internationales Marketing und Kommunikation gesprochen.

zung erfahren. Die Modeindustrie beschäftigt sich intensiv mit Frauen in all ihrer Komplexität, daher kann sie gar nicht ohne Frauen mit starken Botschaften agieren.

schöner, mehr sie selbst und stärker zu fühlen.

Eine selbstbewusste, resolute Frau, die ihre Weiblichkeit wohl balanciert und allumfassend lebt, die Arbeit und Privatleben in Einklang bringt und dabei nie ihre Identität als Person und Frau vergisst.

Wie fördern Sie Frauen im Unternehmen?

Text: Martina Müllner-Seybold. Foto: Liu Jo

Beeinflusst der neue Feminismus das Design von Liu Jo?

Glücklicherweise sehen wir immer mehr Frauen in Führungspositionen. Ist es eine gute Zeit, um als Frau Karriere zu machen?

Generell erleben wir eine wichtige Zeit für die Rolle der Frau in der Gesellschaft, besonders für Frauen in Führungspositionen – in allen Industrien. Als Frau bin ich glücklich darüber, dass Frauen im Modebusiness stärker und selbstverständlicher kooperieren und die Skills der Frauen, die viel zu lange unterschätzt wurden, zunehmend Wertschät318 style in progress

Wie sieht man bei Liu Jo die moderne Frau?

Der neue Feminismus und das Empowerment von Frauen sind Themen, die unsere Marke immer im Herzen trug und schon seit einigen Saisons entsprechend berücksichtigt. Darum standen Frauen mit Persönlichkeit im Mittelpunkt der letzten Anzeigenkampagnen. Wir werden das auch zukünftig verfolgen, mit einem subtileren Modebild. Liu Jos Design spiegelt die Weiblichkeit in vielen Facetten wider, wir haben immer so entworfen, dass es jeder Frau passt und sie kleidet. Wir wollen Frauen helfen, sich

Was sind die Skills, die Frauen in Führungspositionen mitbringen?

Vision, Strategie, Mut, Talent, Passion und ungebrochene Neugier. Wir haben einen Frauenanteil von 85 Prozent und das zeigt deutlich, wie sehr die Marke diese Frauen respektiert, die unsere tiefe, echte Seele auf vielen verschiedenen Hierarchieebenen darstellen. Der weibliche Blickpunkt ist immer unser Ausgangspunkt, egal, ob in Strategie, Projekten oder dem Produkt. Wir sprechen Frauen an und sie sind unsere Inspiration. Daher wollen wir den Frauen eine Stimme geben, echt und allumfassend. Natürlich haben wir noch viel vor uns – als Arbeitgeber gilt es, die perfekte Balance zu finden, den Frauen Flexibilität in einer smarten Arbeitsumgebung zu geben. Das nehmen wir wichtig und investieren viel Energie darauf. Was sind Ihre kurz- und mittelfristigen Ziele?

Wir wollen am Markenimage und dessen Kommunikation arbeiten, um die Qualität und Positionierung zu verbessern. Die Herbst-/Winter-Saison 2018 markiert unseren Startpunkt für eine starke und dynamische Synergie aus On- und Offlinekommuniktation. Generell gesprochen, intensivieren wir in den Dialog mit unseren Konsumentinnen. Wir wollen sie besser kennen lernen und eine direktere Beziehung zwischen ihnen und der Marke aufbauen. Diese Verbindung und das gegenseitige Verständnis zwischen Marke und Konsumentinnen ist eines unserer Ziele. Wie helfen Ihre weibliche Skills dabei?

Eine Frau in dieser Position zu sein, hilft auf jeden Fall. Eines der Ziele, das wir uns gesteckt haben, ist neue Konsumentinnen zu gewinnen und gleichzeitig mit den bestehenden die Konversation auszubauen. Ein effizienter, durch echte Nähe gekennzeichneter Dialog gelingt mir als Frau auch deshalb gut, weil ich aus der gleichen Perspektive spreche wie unsere Konsumentinnen.


080 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

1991 ist ihr Geburtsjahr – und Martina Sossi repräsentiert mit ihrer Marke 19/91 Lateral Product in vielerlei Hinsicht das Lebensgefühl der Millenials: statt blindem Konsum wieder Mode mit Wert.

Martina Sossi

„WIR TRAGEN VERANTWORTUNG“ Martina Sossi nennt sich selbst Interpreneur – das elterliche Unternehmen im Rücken, will sie trotzdem ihren eigenen Fußabdruck hinterlassen. 19/91 Lateral Product ist ihre Interpretation einer modernen Frau, die Grenzen hinter sich lässt. Genau wie die junge Italienerin selbst. Text: Martina Müllner-Seybold. Foto: 19/91 Lateral Product

Sie repräsentieren eine neue Unternehmerinnengeneration in Italien: in den USA ausgebildet, global denkend und trotzdem fest verwurzelt. Ihre Kollektion ist zu hundert Prozent made in Italy.

Wir, die Millenials, tragen Verantwortung. Wir haben das große Glück, dass unsere Eltern viel aufgebaut haben, das Vorhandene müssen wir jetzt clever in die aktuelle Zeit übersetzen. Wer wie ich heute eine Marke startet, kann sie nur global den318 style in progress

ken – wir sind so vernetzt, wir wenden uns doch vom ersten Moment an an die ganze Welt. Da gilt es auch ein Produkt zu machen, das eben nicht nur die schlanke, weiße Frau inkludiert, sondern alle Hautfarben, alle Kulturen, alle Größen. Verantwortung tragen wir aber auch für unserer Heimat: Wenn wir nur profitorientiert denken und unsere Produktion in Billiglohnländer auslagern, was soll dann aus unserem Land werden? Und trotzdem haben Sie Ihre Marke zuerst in den USA lanciert. Was inspiriert Sie an diesem Markt?

Ich bin mit 15 Jahren das erste Mal in die USA gegangen und habe gesehen, was man als Frau dort alles erreichen kann. Diese Faszination hat mich bis heute nicht losgelassen. Ich wollte in den USA starten, weil ich dort eine große Offenheit gegenüber Konzepten wie meinem spüre. Die Amerikaner mögen diese „brain things“.

Was macht 19/91 Lateral Product so passend für moderne Frauen?

Mein Startpunkt war ein Material, das funktionell und dennoch unglaublich hochwertig ist. Es schlägt die Brücke zwischen Athleisure und Ready-to-wear. Es ist angenehm zu tragen, herrlich praktisch und man erkennt auf den ersten Blick die Hochwertigkeit. Weil ich immer von der Anatomie aus denke, immer in Silhouetten denke, passt es hervorragend zu meiner Vision. Die da ist?

Ich will eine zeitlose, hochwertige Kollektion machen, die inklusiv ist. Aktuelle Trends interessieren mich nicht. Der Fokus soll wieder aufs Produkt gerichtet sein. Daher war meine erste Kollektion auch komplett in Schwarz gehalten – damit der konzeptionelle Ansatz umso besser zu sehen ist. Das interessante ist: Gerade italienische Frauen verstehen diesen ganz intuitiv.

Sie spüren, dass zwischen meinen Produkten und Fast Fashion ein Unterschied ist, sie reflektieren auf die Idee und verstehen, dass 19/91 Lateral Product eine Marke mit Inhalt ist. Sie gehören einer Generation Frauen an, denen fast alle Möglichkeiten offen stehen. Was wollen Sie besser machen?

Dass ich in Italien produziere, ist ein wichtiger Punkt. Wir müssen uns gegen diese Wegwerfmentalität in der Mode stemmen. Wir müssen Sorge tragen, dass unsere Produkte und Marken wieder einen Wert haben. Dazu braucht es viel Sensibilität und ich glaube, darin sind Frauen einfach gut. Wir müssen die Konsumentin wieder viel stärker in den Mittelpunkt rücken und das gelingt eben nicht, indem wir möglichst gut in Zahlen oder Algorithmen sind. Wir müssen Gefühle und Bedürfnisse in Bekleidung übersetzen.


082 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

Ihr Design ist klar, weiblich, avantgardistisch. Damit entwirft Erika Cavallini für eine Frau, die im echten Leben steht.

Erika Cavallini

„DIE MODE RÜCKT NÄHER AN DEN ALLTAG HERAN“ Ihr Stil ist von klaren Linien geprägt, mitunter avantgardistisch, dabei immer feminin. Mit ihren Kollektionen Erika Cavallini und der Zweitlinie Semi Couture ist die gleichnamige Italienerin international erfolgreich und hat sich damit von der klassischen Rolle italienischer Frauen klar emanzipiert. Text: Nicoletta Schaper. Foto: Erika Cavallini

Erika Cavallini, war Ihr Weg als Modedesignerin klar vorgezeichnet?

Ich habe nach Abschluss der Kunstschule so lange als Beraterin gearbeitet, bis ich müde war, die Ziele anderer zu verfolgen. Eigentlich wollte ich gemeinsam mit meiner Schwester ein Lokal eröffnen, aber dann kam mir in jenem Sommer 2008 auf einem provencalischen Markt plötzlich die Idee, eine Kollektion von zehn Teilen für meine Freundinnen zu entwerfen. Damit begann das Abenteuer! Heute arbeite ich in einer Gruppe, 318 style in progress

die vier weitere Marken besitzt und wenn ich sagen soll, was mich dahin gebracht hat, dann ist es sicherlich Hingabe und Teamwork.

Welcher Herausforderung stellt sich gerade einer Italienerin mit beruflichen Ambitionen?

Ich möchte es so ausdrücken: Die italienische Auffassung von Familie, die unser Land stark prägt, unterstützt den Werdegang einer Frau, die weder auf die Karriere noch auf die Familie verzichten will, sicherlich nicht.

Gerade die italienische Mode hat das Image, geschmückter zu sein, was eher zu einer Frau passt, die ihr gesellschaftliches Leben pflegt, denn arbeitet. Ändert sich das Rollenverständnis?

Die Mode heute rückt näher an den Alltag heran. Ich selbst gehe bei dem Entwurf meiner Kollektionen von mir aus und entwerfe das, was ich selbst zwischen Büro, Terminen und Abendessen mit Freunden

anziehen würde. So war meine vorletzte Winterkollektion auch von Frauenpower geprägt, um das Bewusstsein der eigenen Stärke und der maßgeblichen Rolle einer Frau zum Ausdruck zu bringen, mit starken Schultern, figurbetonten Linien und klaren Silhouetten. Im vergangenen Sommer habe ich dann viele verschiedene Frauen zwischen 20 und 70 Jahren auf den Laufsteg geschickt: echte, berufstätige Frauen, die eine aktive Rolle in der Gesellschaft und im Alltag spielen. Denn meine Mode, meine Vorstellung von Schönheit unterliegt keinem einschränkenden Schema. Sie sammeln mit großer Passion Möbel und andere Interieurgegenstände. Spielt das auch in Ihre Kollektionen hinein?

Design aller Art ist meine große Leidenschaft, die mir sicherlich hilft, kreativ zu arbeiten. Ich liebe es, Dinge zu sammeln, und ich gestalte auch gerne Räume. Wie zum Beispiel mein Geschäft in der Via della Spiga

in Mailand, das ich in wunderbarem Teamwork mit dem Amo Studio Design aus meiner Heimatstadt Modena gestaltet habe. Mit schönen Materialien, wenig Überbauten und farblicher Ausgewogenheit, die mit echten Fundstücken abgerundet wurde. Damit ist ein Projekt entstanden, das ich als meines empfinde und das mich voll und ganz widerspiegelt. In welche Richtung wird sich Ihre Kollektion weiter­ bewegen?

Ich stelle mir eine Frau vor, die immer eleganter und anspruchsvoller wird, ohne je maßlos zu sein. Heute ist Wiederverwertung ein sehr wichtiges Thema für mich. Seit jeher baue ich in meine Kollektionen einzigartige Teile ein, indem ich Vintage-Stücke in etwas Neues verwandle. Das ist eine zwar aufwändige Arbeit, hat aber einen hohen symbolischen Wert, weil die Personalisierung und die Einzigartigkeit unseren Kundinnen in Zukunft immer mehr am Herzen liegen wird.


INTERNATIONAL FASHION TRADE SHOW

July 21 – 23, 2018 Showroom Concept July 20 – 24, 2018 GALLERY-DUESSELDORF.COM

INTERNATIONAL TRADE SHOW FOR SHOES & ACCESSORIES

September 2 – 4, 2018 GALLERY-SHOES.COM

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084 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

Caterina Negra verantwortet das Design für die Contemporary Brand Pinko und verkörpert darüber hinaus die neue Generation junger, starker Italienerinnen.

Caterina Negra

„CHANCENGLEICHHEIT IST UNS WICHTIG“ Hinter der High End Contemporary Brand Pinko steht ein unabhängiges Familienunternehmen, in dem jedes Mitglied seine Aufgabe erfüllt. So auch die Tochter des Firmengründers Pietro Negra Caterina Negra, die das Design verantwortet, mit Verve und Ideenreichtum. Text: Nicoletta Schaper. Foto: Caterina Negra

Caterina Negra, Sie gehören der jungen Generation moderner und emanzipierter Italienerinnen an. Verändert sich die Gesellschaft?

Ich bin tatsächlich überzeugt, dass sich endlich ein Wandel vollzieht. Wir erleben einen Moment des Empowerment, der sicherlich mehr Frauen zu führenden Positionen verhelfen wird, in allen Bereichen! Bei Pinko hat die Frau schon immer eine zentrale Rolle gespielt. Als das Unternehmen Anfang der 1990er-Jahre von meinen Eltern gegründet wurde, stand meine 318 style in progress

Mutter immer im Mittelpunkt. Als moderne, starke und ambitionierte Frau war sie von jeher Vorbild darin, wie sich persönliche Träume, Arbeit und Familie miteinander vereinen lassen. In unserer Firma ist der Frauenanteil sehr hoch, sowohl im Design als auch im Handel oder Marketing. Die Chancengleichheit ist uns wichtig! Nicht zuletzt deshalb haben wir an unserem Hauptsitz in Fidenza eine Betriebskindertagesstätte eingerichtet. Dennoch sind Frauen ja vielfach noch von einer echten Gleichstellung enfernt.

Das stimmt schon, wenn man allein an den Tornado des Hollywood-Starsystems denkt, aus dem die #MeToo-Bewegung geboren wurde und der nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs ist. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass das gemeinsam mit dem Wunsch, dass sich Frauen gegenseitig unterstützen, einen großen Impuls für den Wandel geben wird. Welche weiblichen Skills

könnten Frauen helfen, in die Führungsetagen der Unternehmen aufzusteigen?

Wir sind von Natur aus Perfektionisten und stellen hohe Ansprüche an uns selbst. Wir sind sehr diszipliniert und haben auch eine gewisse Fähigkeit, etwas unseren Zielen unterzuordnen. Dazu kommt, dass wir zuhören können und eine kreative Sensibilität besitzen. Ich glaube, dass wir Frauen heute mehr denn je bereit sind, die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen. Wir stehen zwar erst am Anfang einer langen Reise, aber der neue positive Feminismus, der sich weltweit immer mehr verbreitet, wird uns helfen. Wie muss die Mode für die moderne Frau sein, was muss sie erfüllen?

Heute geht es um die neuen Bedürfnisse einer modernen, starken, neugierigen und kreativen Frau, die ihren verschiedenen Verpflichtungen nachkommt. Es ist eine Frau mit Persönlichkeit, auch mit Sinn für Ironie, die sich in ihrem Körper wohlfühlt

und keine Stereotypen mag. Das zeigt sich von jeher auch in den Werbekampagnen für Pinko, für die wir immer Frauen auswählen, die auch große Persönlichkeiten sind: weiblich und sinnlich, aber ebenso mutig. Wie wird sich die Marke Pinko weiterentwickeln, was sind die nächsten Schritte?

Wir widmen uns verstärkt dem Thema Nachhaltigkeit von Umwelt, Ethik und Arbeit, wie unsere Initiative Pinko x Treedom und unser neuer Sozialplan zeigen. Außerdem haben wir unsere Designabteilung neu organisiert und verstärkt. Wir sind ein sehr junges und vielseitiges Team. Die Arbeit mit jungen Talenten ist wunderbar, sie haben eine unglaubliche Begeisterung und viele tolle neue Ideen. Darüber hinaus stehen wir in ständigem Dialog mit dem Markt. Indem wir unseren Partnern gut zuhören, können wir flexibel agieren und uns als Marke weiterentwickeln.


SO LÄUFT’S 085 IN WOMEN WE TRUST

Ein kreativer Kopf durch und durch: Silvia Mazzoli hat mit Ottod’Ame eine Marke geschaffen, die Weiblichkeit jenseits aller Klischeebilder feiert.

Silvia Mazzoli

„FRAUEN VERÄNDERN SICH“ Silvia Mazzoli ist mit ihrer Marke Ottod’Ame ein Vorbild: unangepasst, unkonventionell, mit starker eigener Handschrift – und gerade deshalb so stark. Die Designerin lässt sich schwer in eine Schublade stecken: Ein Bekenntnis zur Diversität der Konsumentinnen, für die die erfolgreiche Unternehmerin entwirft. Text: Martina Müllner-Seybold. Foto: Ottod’Ame

Trägt die Modebranche eigentlich der Tatsache Rechnung, dass sie so sehr von Frauen lebt?

Die Männermode ist international wahrscheinlich anerkannter. In der Damenmode herauszu­ stechen, ist sicher schwieriger,

weil viel mehr Mitbewerb herrscht und ihre Komplexität mehr Angebot mit sich bringt.

Was hindert Frauen, Karriere zu machen?

Frauen teilen ihre Kräfte auf ihre verschiedenen Rollen in der Gesellschaft und der Familie, aber ich sehe eine starke Veränderung. Was braucht es, um eine eigene Marke aufzubauen – und ist die nächste Generation von Frauen bereit, diese Herausforderungen anzunehmen?

Es braucht unglaublich viel Passion, man muss unverrückbar an sich glauben. Ich liebe es, mich mit jungen Frauen zu umgeben, die Frische und gleichzeitig Entschlossenheit mitbringen. In Italien haben wir hervorragende

Schulen im Bereich der Mode und in meinem Unternehmen bin ich sehr offen, jungen Frauen die Möglichkeit für Praxis zu bieten. Tut die Gesellschaft genug, um Frauen in Führungspositionen zu fördern?

Ja, es gibt Unterstützung, aber es sind noch immer zu wenig weibliche Führungskräfte. Welcher gesellschaftlichen Rolle der Frau tragen Ihre Designs heute Rechnung?

Die Rolle der Frauen verändert sich stark, die Frauen selbst verändern sich. Dass sie heute nicht mehr nur hinterm Herd steht, mündet auch in anderer Kleidung. Die muss für viele Situationen im Alltag passen.

Eine Frau, die Wert auf ihr Äußeres legt, aber nicht obsessiv ist. Shopping macht ihr Spaß – genau wie sie Freude daran hat, Produkte von guter Qualität zu entdecken. Haben sich die Ansprüche verändert?

Ich denke bevorzugt an eine Frau, die Komfort liebt, ohne auf Originalität zu verzichten. Eine Frau, die ihren Stil gefunden hat und in ihrer Kleidung den ganzen Tag meistert. Das spiegeln auch unsere Kampagnen wider. Unser Stil kann sehr unterschiedlich sein, aber er hat einen gemeinsamen Spirit. Ottod’Ame Frauen sind einzigartig und sollen sich auch so fühlen.

Für welche Frau entwerfen Sie?

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086 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

Elisabetta Franchi steht für eine ebenso starke wie auch weibliche Mode. Kein Widerspruch für die Italienerin, die auch für ihr Engagement für Tiere bekannt ist.

Elisabetta Franchi

„MANCHMAL MUSS MAN KRALLEN ZEIGEN“ Elisabetta Franchi ist Herz und Seele ihrer eigenen Marke, die sie mit Kreativität, Passion und Pragmatismus nach vorne bringt. Ihre femininen und zugleich kraftvollen Entwürfe gefallen auch starken Frauen weit über die Landesgrenzen Italiens hinaus, darunter Stars wie Angelina Jolie, Kate Hudson, Jennifer Lopez oder Dita Von Teese. Text: Nicoletta Schaper. Foto: Elisabetta Franchi

Elisabetta Franchi, Ihre Mode vereint Weiblichkeit mit Stärke. Wie stark sind Frauen wirklich in unserer Branche?

Frauen mussten schon immer eine doppelte Anstrengung im Vergleich zu Männern unternehmen, um sich vor allem in Positionen hervorzuheben, die im Laufe der Jahre immer mit männlichen Protagonisten verbunden waren. Ich glaube, dass sich das gerade wandelt, aber es ist immer noch sehr schwer für uns. Nur wirklich selbstbewuss318 style in progress

te Frauen haben die Kraft, ihre Ziele zu erreichen. Denn um ein gewisses Niveau im Job zu erreichen, ist es notwendig, große Entschlossenheit zu zeigen und jeden Tag hart zu arbeiten, mit klaren Zielen vor den Augen. Heute sollten wir bei diesem Thema eigentlich weiter sein.

Ich denke, es liegt daran, dass die Gesellschaft seit Jahrhunderten so aufgebaut ist. Erst in den letzten Jahrzehnten ist es den Frauen wirklich gelungen, mehr Rechte und Freiheit zu erlangen. Das ist ein Thema, das mir persönlich am Herzen liegt. Deshalb möchte ich es in meinen Kollektionen auch hervorheben, wie zum Beispiel in meiner aktuellen Sommerkollektion, die von Amerika am Ende des 19. Jahrhunderts inspiriert wurde. Das war die Zeit, als Frauen begannen, ihre Schritte in Richtung Unabhängigkeit zu gehen. Ist diese Unabhängigkeit zu erlangen für italienische Frauen noch einmal schwerer?

Ich kann sagen, dass sich Italien

bereits sehr entwickelt hat, aber für eine Frau ist es immer noch schwer, hier zu leben und sich beruflich zu entfalten. Da muss sich vieles noch verbessern. Was ist Ihr persönliches Rezept für das, was Sie erreicht haben?

Du kannst eine nette und sinnliche Frau sein, aber du musst ebenso in der Lage sein, deine Krallen zu zeigen und dich zu verteidigen, wenn es nötig ist. Die modernen Frauen heute haben viele Rollen zu erfüllen. Welche Vision haben Sie vor Augen, wenn Sie Ihre Kollektion entwerfen?

Sie ist sehr aktiv und dynamisch, eine fleißige, arbeitende Frau, die mit vielen Dingen des täglichen Lebens beschäftigt ist. Bei aller Stärke liebt sie es aber, glamourös und raffiniert zugleich zu sein und weiß ihre Weiblichkeit zu betonen, ohne jemals auf Stil und Eleganz zu verzichten. Ich lasse mich für diesen Typ Frau, den ich meinem Publikum zu vermitteln versuche, oft von berühmten

weiblichen Persönlichkeiten inspirieren, die ein Beispiel für Stärke und Stil zugleich waren. Für meine neueste Herbst-/ Winter-Kollektion 2018 ist es die italienische Schauspielerin Monica Vitti. Jede Kollektion ist für mich eine Evolution, ein weiterer Schritt in der Entwicklung meiner Marke und meiner Ästhetik. Sie sind außer für Ihre Mode auch für Ihr besonderes Engagement für Tiere bekannt. Seit dem Jahr 2015 sind Ihre Kollektionen auch frei von tierischen Produkten.

Für mich ist die Verwendung von Tieren bei der Fertigung von Mode oder Kleidung eine echte Barbarei! Ich glaube wirklich, dass es möglich ist, große Kollektionen zu machen, ohne Tiere dafür töten zu müssen. Heute werden sich immer mehr Menschen des Themas bewusst, entsprechend entscheiden sich immer mehr Designer, diesen Weg zu gehen und eine pelzfreie Politik in ihren Kollektionen zu verfolgen.


088 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

Hey, Mrs. President: Claudia Orciani folgte ihrem Vater als Geschäftsführerin – italienisch presidente – der Orciani SpA.

Claudia Orciani

„ICH VERLIERE MICH NICHT IN DISKUSSIONEN“ Claudia Orciani ist beim Lederwarenhersteller Orciani in die Rolle der Geschäftsführerin hineingewachsen. Das 1978 gegründete Unternehmen ist Familienbetrieb durch und durch: Vater Claudio ist die Eminenz, die Schwester verantwortet das Design der Gürtel, Taschen, Kleinlederwaren und Reiseaccessoires. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Orciani

Sie repräsentieren eine neue Generation italienischer Unternehmerinnen: gut ausgebildet, ein globales Mindset und trotzdem den Wurzeln verbunden …

Das beschreibt genau, wie ich mich fühle und wer ich bin: Weltenbürgerin, aber meiner Heimat verbunden. Mit einer globalen Vision von Leben und Arbeit, aber mit Werten, die von einer Generation an die nächste weitergereicht wurden. Seit ich klein war, bin ich viel gereist, meine Familie ist mein Ankerpunkt. Jetzt, da ich ins Familienunternehmen eingestiegen bin, reise ich noch mehr, aber meine Familie und die Firma bleiben mein Refugium, der ideale Ort, um in aller Klarheit zu analysieren, was ich unterwegs gesehen und gelernt habe. Ihre Produkte werden in Italien hergestellt. Welche neuen Aspekte haben Sie und Ihre Schwester ins Unternehmen gebracht und wie bringen Sie diese auf einen Nenner mit den Ursprüngen der Firma?

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Dazu führe ich fort, was ich eingangs gesagt habe: Italien und der Rest der Welt, Vergangenheit und Zukunft, Tradition und Innovation. Das ist, was wir in die verschiedenen Abteilungen der Firma einbringen, von der kommerziellen über die stilistische Seite, im Marketing und in allen Kreativagenden. Eine solide Verbindung aus Aspekten, die nur scheinbar gegensätzlich sind, aber in Wahrheit miteinander im Dialog stehen und die Firma zu neuen Resultaten führen. Dafür sind wir angetreten. Ihre Marke verbindet Weiblichkeit und Stärke. Wie stark sind die Frauen in unserer Industrie?

In jeder Branche, nicht nur in der Mode, gibt es Punkte, die eine Marke und ihre Wiedererkennbarkeit am Markt ausmachen. Die DNA von Orciani ist mit Sicherheit „wild & rock“, singulär, unabhängig von Trends, in gewisser Weise rebellisch, ohne je ihre ureigene Eleganz und Einfachheit zu verlieren. Das sind Attribute, mit denen ich mich identifiziere und die ich auch als Person vermittle. Wie man so schön sagt: Jeder ist das, was er macht, und heute mehr denn je ist jeder das, was er kommuniziert. Ich bin eine junge Frau, die Verantwortung im Unternehmen übernommen hat, die Schritt für Schritt in diese Rolle hineingewachsen ist, mit Stärke und Willenskraft – ohne ihre weibliche Seite als Frau und Mutter aufzugeben.

Welche Skills bringen Frauen in Führungspositionen mit?

Ich habe kein Rezept für weibliche Leadership. Ich kann sagen, dass mir das Beispiel meines Vaters sehr geholfen hat: Ein Chef, der immer in der Firma präsent war, ein Teamplayer, der stets seine Ziele vermittelt hat. Er konnte delegieren, ohne je die Kontrolle zu verlieren. Im Grunde macht das eine gute Führungskraft aus: Die Balance zu halten, Entscheidungen und Verantwortung ans Team abgeben zu können, eine Gruppe anpackender Leute zu formieren, die manchmal vorpreschen und manchmal intelligent genug sind, die Entscheidungen der Firma zu akzeptieren. Mir fehlt es sicherlich nicht an Standhaftigkeit, Analysefähigkeit und auch nicht an Kompromissbereitschaft. Aber wenn ich überzeugt bin, dass ich im Recht bin, verliere ich mich auch nicht in Diskussionen. Wie müssen Accessoires für moderne Frauen sein? Was müssen sie erfüllen?

Das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich an Accessoires für moderne Frauen denke, ist Multitasking. Funktional, wandelbar, passend für viele Anlässe und Momente des Tragens. Eben etwas, was dich den ganzen Tag begleitet, von der Früh im Büro bis zum Nachmittag im Park oder den Abend mit Freundinnen. Ein Objekt, das unsere Identität als Frauen, die weiblich, mütterlich und männlich gleichzeitig sind, ausdrückt.

Was sind die nächsten Schritte für Orciani, wie wollen Sie die Marke entwickeln?

Der Markt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Auf dieser neuen Bühne muss sich unsere Firma selbstverständlich präsentieren. Unsere Marke muss sich den neuen Spielregeln des Marktes und den neuen gesellschaftlichen Dynamiken anpassen. Internationalisierung ist ein Punkt: Die unternehmerische Antwort auf eine unaufhaltsame Globalisierung geben. Für uns heißt Internationalisierung nicht, unsere Identität zu verlieren, im Gegenteil – wir wollen sie stärken, um sie der ganzen Welt zu zeigen und sie global zu kommunizieren. Die Digitalisierung ist der andere Punkt, wir erleben eine fundamentale Veränderung. Ihr wird man nicht Herr, indem man irgendeine Software kauft, sondern es bedeutet, dass man Leute anleiten muss, sich Nutzen aus diesen Möglichkeiten zu verschaffen. In Kürze lancieren wir unsere neue Website, komplett responsiv und dynamisch – denn wir sind der Meinung, dass E-Commerce wegen seiner Funktion als virtuelles Schaufenster von allergrößter Wichtigkeit ist. Generell finde ich es zu kurz gegriffen, nur von Schritten zu sprechen – ich glaube, es ist elementar, das Produkt einer fortwährenden Evolution zu unterziehen. Der Dynamik des Marktes begegnet man am besten, indem man nie stehen bleibt – was unsere Familie schon immer gemacht hat.


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090 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

Norbert Lock setzt als Geschäftsführer Vertrieb auf enge Partnerschaften, intensiven Austausch und Bindung ans Unternehmen.

Karin Veit, Geschäfts­ führerin Design, arbeitet seit 1975 bei Marc Cain – eine ungewöhnliche Kontinuität und zweifellos eine Stärke.

Marc Cain 318 style in progress


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„Wir mussten uns nie neu erfinden.“ Marc Cain ist über die Jahre hinweg und bei allen großen Veränderung im Markt eine feste Größe und Erfolgsgarant im Handel geblieben. Im Interview mit style in progress Chefredakteur Stephan Huber erklären Geschäftsführerin Design Karin Veit und Geschäftsführer Vertrieb Norbert Lock, wie es ihnen gelingt, Kontinuität mit Flexibilität in Einklang zu bringen und dabei immer die Marc-Cain-Kundin fest im Blick zu haben. Interview: Stephan Huber. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Marc Cain

Frau Veit, sind Sie eine Frauenversteherin?

Karin Veit: Vielleicht kann man das so sagen, ja. Im Entwurf gehe ich immer erst von mir aus und davon, was mich gerade interessiert, berührt und welche Highlights an Trends es gibt. Das gilt es dann in eine Kollektion zu übersetzen. Dabei haben sich Gesellschaft und Branche in den letzten Jahren und damit auch die Zielgruppe ganz grundlegend geändert.

Karin Veit: Umso wichtiger ist es, kontinuierlich dranzubleiben. Unser Austausch mit Vertrieb und Handel ist sehr eng. Was ändert sich, was ist gerade dran, wie ist der Zeitgeist? All das fließt in unser Design ein. Marc Cain ist heute nicht mehr nur eine Kollektion, sondern unterteilt sich in mehrere Labels wie zum Beispiel Marc Cain Collections, Marc Cain Sports oder Marc Cain Additions, weil wir in kleinen Themen,

in Storys arbeiten. Was super ankommt. Norbert Lock: Unsere Beständigkeit ist das andere Erfolgsgeheimnis. Bei Marc Cain kommen nicht alle vier Jahre neue Designer oder Produktmanager. So bleibt unsere DNA erhalten, so können wir auf unserem Know-how aufbauen.

Braucht es diese Kontinuität, um schnell und flexibel zu agieren?

Karin Veit: Sie ist mit Sicherheit entscheidend. Ich arbeite bereits seit 1975 bei Marc Cain, kenne unsere Kundin und ihre Ansprüche und versuche, die Trends für sie modisch und kommerziell umzusetzen. Dabei hat auch die Geschwindigkeit in der Branche enorm zugenommen, was wiederum die Kollektionsrhythmen beschleunigt hat. Gerade die Mode für Frauen hat sich massiv verändert.

Norbert Lock: Durch unsere verschiedenen Labels haben wir

die Möglichkeit, uns auf Neues einzustellen, ohne unsere DNA aus dem Blick zu verlieren. Sei es der Trend Fitwear, Contemporary, der Trend zur Einzelteiligkeit mit Coordinates. Im Handel konnte der Wechsel oft gar nicht so schnell stattfinden, wie die Trends aufkamen. Für Contemporary gab es lange noch gar nicht die Kundin! Dass die Mode einzelteiliger geworden ist, kommt uns entgegen, da wir immer schon stark in Einzelteilen waren. Gleichzeitig ist es unser Vorteil, dass wir nicht aus der Konfektion kommen wie andere bekannte Marken. Umso leichter fiel es uns, das Thema Crossdressing zu spielen, das für Marc Cain ohnehin stilprägend ist. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis scheint zu sein, dass Sie durch das Aufgreifen verschiedener Themen das Denken in Saisons überwunden haben.

Karin Veit: Davon haben wir uns bereits vor zwei Jahren ver-

abschiedet. Ready to wear ist bei uns wörtlich zu nehmen. Norbert Lock: Im Juni können wir kein weißes Leinen liefern, ebenso wenig wie schweren Strick. Gerade für die Übergangsmonate November, Dezember und Juni, Juli ist es eine Herausforderung, etwas zu bringen, was von der Konsumentin als genau richtig zu dem Zeitpunkt empfunden wird.

Dabei hat es unsere Branche geschafft, dass der Kunde die Mode weit vor dem Zeitpunkt kauft, zu dem er sie eigentlich tragen kann. Ähnlich absurd wäre es, würde er das iPhone X kaufen, aber drei Monate warten müssen, bis es freigeschaltet wird.

Karin Veit: Deshalb reden wir nicht über eine Frühjahrskollektion, sondern über eine Kollektion mit Liefertermin November und die man im November auch schon tragen kann. Es muss sich ja auch style in progress 318


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schon früh verkaufen, weil im Mai schon überall der Sale beginnt. Wir denken also nicht mehr in Sommer- oder Winterkollektion, sondern in Farben, Drucken und Materialien. Die Liefertermine sind gleich geblieben. Norbert Lock: Wobei es sich als sinnvoll erwiesen hat, auch in der Auslieferung in kleinere Gruppen zu unterteilen. Große Kunden wie PKZ oder Jelmoli brauchen gewisse Mengen von uns, gleichzeitig gibt es im Handel Massen an Ware. Die Kunst liegt in der richtigen Einsteuerung und im richtigen Merchandising. Also haben wir nicht mehr nur drei große Themen, sondern zusätzliche Kapseln, die wir Top of the Week oder Top of the Month nennen. Wie haben Sie die Händler mit ins Boot genommen?

Norbert Lock: Mit Fashion Coachings, die ein wesentlicher Bestandteil unserer Kommunikation sind. In den letzten sieben Wochen haben wir die Kollektionsthemen unseren Handelspartnern in Wien, Zürich, Amsterdam, Antwerpen, London und Moskau vorgestellt. Vor allem natürlich den Verkäufern und Verkäuferinnen, es ist wichtig, dass gerade sie Marc Cain verstehen. Diese Coachings sind begehrt, ebenso unser Coaching in unserer Marc Cain Academy hier im Haus. Das Team von Garhammer zum Beispiel setzt sich schon um vier Uhr morgens in den Bus, um noch vor dem Coaching die Betriebsbesichtigung mitzubekommen. Im Anschluss geht es nicht nur um Verkaufsberatung, sondern auch um Stilberatung, Merchandising und wir vermitteln außerdem, wie in unserem Betrieb gestrickt und gedruckt wird – beides Kernkompetenzen von Marc Cain. 318 style in progress

Das heißt aber auch, dass Produkt allein heute nicht mehr reicht.

Norbert Lock: Wir wollen dem Handel, den Departmentstores, unsere Marc-Cain-Welt vermitteln. Für manche Großkunden übernehmen wir auch das Merchandising, was von uns als starkem Partner oft auch erwartet wird. Wenn wir bei Breuninger, P&C Nord, Appelrath und KaDeWe bis Oberpollinger die Schaufenster gestalten, ist das ein Marketinginvestment, das sich auch für uns lohnt.

Die gegenwärtige Kernzielgruppe ist die erste Generation, die mit den Vertikalen groß geworden ist und damit einen völlig anderen Umgang mit Mode und Konsum gelernt hat. Die jetzt nachrückende Generation wiederum ist mit dem Internet und auch Onlineshopping groß geworden. Wie reagieren Sie auf diese Änderungen?

Norbert Lock: Wir haben im Bereich Premium immer im Kern die Frau ab 50 Jahre bedient. Mit Marc Cain Sports sind die Frauen sogar noch etwas älter, da viele von ihnen nicht mehr berufstätig sind und sich casual kleiden. Sie haben vielleicht 20 Jahre unsere Business-Looks getragen und möchten weiterhin Marc Cain kaufen, weil sie der Marke vertrauen. Interessant, dass Sie das so offen aussprechen, zumal unsere Branche sich so jugendgetrieben gibt.

Norbert Lock: Eine 25-jährige Studentin kann sich keinen Cashmere-Pulli für 350 Euro leisten, ebenso wenig wie die junge Mutter, die sich gerade mit ihrem Mann ein Haus gekauft hat. Vielleicht leistet sich die 35-jährige Referendarin einen Marc Cain Essential Jerseyblazer für 199 Euro, als

Einstieg. Überraschenderweise ist aber unsere Onlinekundin um zehn Jahre jünger.

Also fast eine halbe Generation jünger als die Kundin, die im Marc Cain Store kauft.

Norbert Lock: Die Jüngeren haben eine andere Herangehensweise. Wenn zum Beispiel meine 27-jährige Tochter online ein Dirndl sucht, gibt sie keine Marke ein, sondern die Begriffe „Dirndl mit Bluse, Türkis“. Braucht die 40-Jährige ein Kleid für eine Hochzeit auf Mallorca, gibt sie vielleicht „Festkleid, bunt, bestickt“ ein. So kommt sie zu Marc Cain, auch wenn sie die Marke vorher nicht auf dem Radar gehabt hat und auch nie auf die Idee gekommen wäre, in einen unserer Stores zu gehen, was auch mit Schwellenangst zu tun hat. Da sind mittlerweile auch unsere TV-Werbespots hilfreich, mit der wir gerade unsere jüngeren Kundinnen erreichen. Wie gelingt es Marc Cain noch, woran so viele scheitern: Nämlich nicht mit den Kunden alt zu werden, sondern sich mit jungen Kunden weiterzuentwickeln?

Karin Veit: Indem wir uns mit vielen jungen, kreativen Menschen umgeben. Hier arbeiten erfahrene Designer mit viel Know-how mit jungen Designern eng zusammen. So können alle voneinander profitieren und es entstehen ganz neue Energien. Marc Cain hat früh begonnen, das Thema Digitalisierung wirklich ernst zu nehmen. Wie vernetzen Sie die Marke bis zum Kunden?

Norbert Lock: Unsere eigenen Stores sind mit unserem Lager verknüpft, sodass bei Bedarf gleich ersichtlich wird, ob ein bestimmtes Teil in Farbe und Größe verfügbar ist. Im nächsten Schritt folgt bis Oktober

die Verknüpfung mit unseren Franchisestores und nächstes Jahr schließlich mit unseren Multilabel-Partnern. Wobei wir das Warenrisiko noch stärker auf unsere Seite verlagern, da wir die Ware für unsere Handelskunden vorbehalten, ohne Abnahmegarantie.

Das könnte im Handel allerdings das saisonale Cleaning erleichtern, zumal damit der Warentausch der verschiedenen Händler untereinander möglich wird.

Norbert Lock: Das ist unser Szenario für die Zukunft, ja. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es aber noch offene Punkte, etwa was die Verrechnung betrifft oder den Datenschutz. Viele Händler zögern, ihre Daten zur Verfügung zu stellen, wobei ich auch auf Händlerseite einen großen Mehrwert sehe. Was wird den Markt in den nächsten drei bis fünf Jahren bestimmen? Welche Antwort hat Marc Cain darauf?

Norbert Lock: Generell heißt es ja, dass die Konsumenten ihr Geld vor allem für Reisen und Essengehen ausgeben. Aber so lang sie das tun, wollen sie dabei auch immer gut angezogen sein. Deshalb mache ich mir um den Konsum von Mode keine Sorgen. Wir werden uns weiterhin damit beschäftigen, wie wir die Zielgruppe weiterhin ansprechen können und wie sich die Abteilungen im Handel verändern werden. Wie hoch liegt künftig der Anteil an Coordinates, wie entwickelt sich das Premiumsegment und bleibt Contemporary? Darauf werden wir unserem Prinzip getreu flexibel reagieren und unsere Kollektionen in der richtigen Gewichtung anpassen. Wir mussten uns als Marke nie neu erfinden. Lediglich das Angebot ergänzen.


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SALONGESPRÄCH

WIE KAUFEN FRAUEN MORGEN?

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Was gibt beim Modekauf den Ausschlag? Storytelling gut und schön, aber wie viel Beratung ist wirklich gewünscht? Und wie sieht es mit Onlineshopping aus? Im style in progress Salon­gespräch diskutieren Konsumentinnen und Handelsprofis über den Handel jetzt und den Handel der Zukunft. Interview und Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Peter Schaffrath

Im Düsseldorfer Malkasten trafen sich Handels­ profis und Konsumentinnen zum style in progress Salongespräch.

style in progress: Heute bietet der Modehandel eine große Vielfalt, aber es kommen immer weniger Kunden in die Geschäfte. Wandern alle online ab?

Stephanie Mayer, Moderedak­ teurin Jades 24: Ich denke schon, dass die Masse in der Mode viele erschlägt. Dazu kommt, dass es nicht nur einen Trend gibt, sondern zehn. Deswegen bieten wir in unserem Onlineshop Jades24.com auch für jedes Kleidungsstück einen Stylingvorschlag an, wie man es kombinieren könnte. Die meisten berufstätigen Frauen haben sicher keine Lust, den kompletten Samstag zum Shoppen zu opfern. Zeit ist der größte Luxus geworden, und in unserem Onlineshop zu kaufen, heißt letztendlich nichts anderes als, dass wir der Kundin Zeit schenken. Simone Chrystall, Inhaberin Chrystall, Düsseldorf: Der Faktor Zeit spielt dem Onlinehandel sicher in die Hände. Mit meinem Store Chrystall habe ich versucht, Shopping mit Gastro zu verbinden, für die Kundin, die sich nach ihrem Modeeinkauf noch im Café mit ihren Freundinnen treffen kann. Mittlerweile habe ich das Café verpachtet, weil ich dem Gastronomiebetrieb nicht genügend Zeit und Herzblut schenken konnte. Zwar verbinden immer noch die Kunden ihren Einkauf mit einem Cafébesuch, aber dennoch ist auch bei uns die Frequenz rückläufig und ich habe noch kein Rezept dagegen gefunden. Definitiv wollen die Konsumenten Orientierung bei dem großen Angebot heute, aber vielen Einzelhändlern gelingt es nicht, ihnen diese zu geben. Nicht zuletzt deshalb sind neue Jobprofile wie Shoppingberater entstanden. Maria Mertens, Sie beraten Kundinnen und Kunden als Stylecoach in Paris und Mailand. Wie kam es dazu?

Maria Mertens: In Paris war der Einstieg nicht schwer, weil

ich dort Mode im Geschäft verkauft habe und eine Frau meinen Look so gut fand, dass sie mich gefragt hat, ob sie meine Beratung buchen könnte. Weil sie so begeistert war, hat sie mich weiterempfohlen. Auch in Mailand empfahl mich eine Freundin, die wiederum einen großen Bekanntenkreis hat. So kam eins zum anderen. Warum nicht in Deutschland?

Maria Mertens: In Deutschland gibt es durchaus Frauen, die meine Beratung gern in Anspruch nehmen, aber nicht bereit sind, dafür zu zahlen. Zum einen, weil es Freundinnen sind, aber ich glaube auch, dass es an der deutschen Mentalität liegt. Andere Länder, wie auch die USA, sind da schon weiter. Dort ist Stylecoaching eine Dienstleistung, die in Anspruch genommen und auch als solche bezahlt wird. Viele deutsche Luxushändler, wie zum Beispiel auch Breuninger, bieten diesen Service auf dem deutschen Markt schon länger an, nicht nur ihren VIP-Kunden.

Maria Mertens: Wenn es von einem Geschäft ausgeht, ist es aber nicht mehr objektiv. Stylecoaching bedeutet viel Arbeit: Ich muss mich genau mit der Garderobe des Kunden auseinandersetzen und erkennen, was fehlt und was gut passen könnte. Ich muss mich mit dem Sortiment sämtlicher Geschäfte auskennen, um das Richtige für den jeweiligen Typ zu finden, denn ich möchte niemanden ummodeln oder meinen Style aufdrücken. Die Arbeit, die dahintersteckt, wird oft nicht gesehen. Ich kenne eine Frau, die mit ihrem Mann jedes Wochenende in die Stadt geht und 30.000 Euro für Kleidung ausgibt. Aber die Zusammenstellung der Looks passt oft nicht so. Diese Frau würde sich nie eingestehen, dass sie Beratung brauchen könnte, und so geht es vielen. Denn jeder denkt ja, er hätte Geschmack. Patricia Dickmann, Immo­ bilienmaklerin: Ich glaube

auch, dass es für Coaching einen Markt gibt – oder dass es hierzulande noch einer werden wird. In meiner Branche gibt es Firmen, die Häuser stylen, damit sie besser verkauft werden können, was sich Homestaging nennt. Besonders viel Potenzial hat das beim Neubau, weil der Innenarchitekt von Anfang an alles mitplanen kann, was dem Kunden auch eine Planungssicherheit gibt. Das kann ich mir ähnlich sehr gut für die Mode vorstellen. Allegra, Sie sind mit 19 Jahren die Jüngste in der Runde. Kauft man in jungen Jahren lieber im Netz, zumal Sie mit Online aufgewachsen sind?

Allegra Isert, AMD Modestu­ dentin: Ich gehe lieber raus in die Läden. Ich will die Farben sehen, wie sie in Wirklichkeit sind, und ich liebe die Haptik der Materialien. Aber damit bin ich vielleicht nicht der Durchschnitt. Meine Freundin erzählte mir neulich von ihrem letzten Besuch bei Zara. Sie ist direkt wieder gegangen, weil es ihr zu unordentlich war! Also hat sie sich viel online bestellt, um am Ende alles wieder zurückzuschicken, weil ihr nichts gefiel. Für viele ist das heute der Weg, wie es läuft. Aber mir ist es zu aufwändig, mit dem Paket zur Post zu gehen, oder auch das Geld im Voraus zu zahlen für etwas, was man doch nicht nimmt. Wenn ich online shoppe, dann ganz gezielt, wenn ich das Teil schon gesehen habe und weiß, dass die Größe stimmt, es aber im Laden nicht vorrätig war. Dann mache ich es lieber online, bevor sie es im Gerschäft bestellen und ich wieder hin muss. Peggy Berger-Hopp, Marke­ tingassistentin: Ich mag es überhaupt nicht, in Läden wie Zara zu gehen, die viele Ware macht mich verrückt. Vor zehn Jahren konnte man da noch den Bügel bewegen, heute nicht mehr. Ich habe ohnehin schon so wenig Lust, shoppen zu gehen, dafür bleibt mir zu wenig Zeit. Viel lieber bewege ich mich in ein style in progress 318


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paar kleinen Läden, in Düsseldorf zum Beispiel bei Conceptstores wie Unterhaltung:Lieblingsstücke oder Selekteur. Dort suche ich nichts Bestimmtes – aber ich finde etwas. Etwas, das mich überrascht! In diesen Geschäften kommen mir die tollsten Ideen, auch Geschenkideen. Ich bin nicht die Kundin, die gezielt sucht: Da käme ich frustriert nach Hause, weil ich nichts gefunden habe. Patricia Dickmann: Wenn ich eine weiße Hose haben möchte, informiere ich mich meist vorher, wo es sie gibt und dann kaufe ich sie auch. Die Zeit rennt mir meist davon, deshalb bin ich dann auch nicht so kritisch, selbst wenn die Hose vielleicht nicht hundertprozentig das ist, was ich eigentlich gesucht habe. Wenn ich mehr Zeit habe, gehe ich auch sehr gern in kleine Geschäfte, wie es sie in Düsseldorf-Flingern gibt. Ich mag Läden, wo ich spüre, dass die Betreiber offenbar meinen Geschmack haben. Es ist dann fast so, als hätten sie genau für mich eingekauft. Stephanie Mayer: Heute ist es wichtiger geworden, einen Lifestyle zu verkaufen. In manchen kleinen Läden werden ganze Themenwelten kreiert, die zeigen, dass sich der Inhaber seinen Kunden genau vorgestellt

hat, was ihm außer der Mode noch gefallen könnte. Auch bei Jades24 promoten wir gezielt Themen wie beispielsweise das Coachella Festival. Zwar geht wahrscheinlich nicht jede unserer Kundinnen dorthin, aber sie kaufen sich ein Stück von diesem Traum, diesem Lebensgefühl. Genau daran sollte der Handel verstärkt arbeiten, um auch denjenigen zu gewinnen, der vielleicht nicht so gern Mode kauft. Simone Chrystall: Genau daran arbeiten wir. Wir merken allerdings zunehmend, dass Impulskäufe, wie zum Beispiel die zur Mode dekorierte Vase zu kaufen, weniger werden. Denn immer mehr will der Kunde erst online schauen, ob es das nicht irgendwo günstiger gibt. Und es gibt immer jemanden im Netz, der die Serie gerade ausverkauft und dadurch billiger anbietet! Das erschwert es uns schon ungemein. Selbst wenn der Kunde uns vertraut und von dem Produkt überzeugt ist, will er sichergehen, dass er auch nur den absolut günstigsten Preis zahlt. Patricia Dickmann: Mir macht es schon Spaß, das Teil, das mir gut gefällt, sofort zu kaufen. Umso mehr, wenn die Verkäuferin es nett einpackt, vielleicht die Tüte noch mit einer schönen Schleife versieht. Dadurch wird es für mich ein rundum schönes Shoppingerlebnis. Simone Chrystall: Viele Kundinnen informieren sich jedoch erst im Geschäft, um im Anschluss online zu schauen, ob es das Produkt nicht irgendwo als Schnäppchen gibt. Da hat sich die Branche selbst auch viel kaputt gemacht. Seit zwei Jahren reduziere ich auch nicht mehr so rigoros, weil ich finde, dass man das Produkt nicht so entwerten darf. Darüber hinaus finde ich, dass der Look nicht mehr jede Saison so neu und anders ist. Die neuen Kollektionen überraschen mich viel weniger. Dass die Händler in ihrer Verunsicherung ähnlicher einkaufen und große Risiken meiden, verstärkt diesen Eindruck noch. Kaufe ich dagegen etwas Außergewöhnliches für den Store, merke ich, dass meine Kunden noch nicht bereit sind. Erst eine Saison später fragen sie danach, aber dann habe ich es nicht mehr da. Gleichzeitig hat die Mode Tempo aufgenommen, was sicher auch mit den heute besser informierten Konsumenten zusammenhängt. Braucht es also doch länger, bis ein Trend wirklich bei den Konsumenten ankommt?

Definitiv wollen die Konsumenten Orientierung bei dem großen Angebot heute, aber vielen Einzelhändlern gelingt es nicht, ihnen diese zu geben. Simone Chrystall, Inhaberin Chrystall, Düsseldorf

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Maria Mertens: Oftmals schon, ja. Im April kommen schon wieder die ersten Pre-Fall-Rollkragenpullover in die Läden, dabei hat noch keiner die Sommersachen überhaupt angehabt. Mit dem Tempo sind die meisten völlig überfordert. Peggy Berger-Hopp: Im März habe ich mir gedacht, ich müsste jetzt mal einen neuen Bikini kaufen. Ich kam dick eingepackt in den Laden, weil es ja kalt war und habe in der Umkleide zwei, drei Teile anprobiert, aber nichts sah gut aus, mit winterweißer Haut und Druckrändern an den Beinen von

„Influencer sehen zwar immer toll aus, aber sie verkörpern überhaupt nicht mehr ihren eigenen Stil, weil sie alles von Marken geschickt bekommen. Für mich ist das alles nicht echt.“ Allegra Isert, AMD Modestudentin

den Strümpfen. Es war definitiv zu früh für Bikinis! Erst Mitte April, mit den ersten warmen Sonnenstrahlen, habe ich Lust auf Sommersachen bekommen. Simone Chrystall: Das geht mir genauso. Manchmal gehe ich aber auch nach Plan vor und kaufe früh, weil ich weiß, dass ich bestimmte Sachen später nicht mehr bekomme. Maria Mertens: Bei Eickhoff gab es das auch wirklich nicht mehr später. Es gab nur drei Teile, dann war das weg. Heute würde diese künstliche Verknappung wegen Online nicht mehr funktionieren. Heute ist das, was in Fashionshows im Netz zu sehen ist, manchmal auch direkt verfügbar. Weil die Fashionkundinnen das sofort haben wollen und nicht erst in einem halben Jahr. Stephanie Mayer: Die komplette Missoni-­ Badekollektion war bei Jades24 im März innerhalb von ein paar Tagen ausverkauft, was uns schon überrascht hat. Es gibt auch Kollektionen von berühmten Bloggern, die in Sekundenschnelle ausverkauft sind. Unsere Kundin ist fashionaffin und weiß, was an Trends kommen wird und was limitiert ist. In dem Bereich gibt es bei uns tatsächlich keine Grenzen für zu früh!


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manche obskuren Looks in den Hochglanzmagazinen aussehen. Der große Vorteil der Onliner ist die Bequemlichkeit des Einkaufs.

Maria Mertens: Mit dem Nachteil allerdings, dass, wenn man zwei Größen zur Auswahl bestellt, auch zweimal abgebucht wird. Stephanie Mayer: Bei uns nicht! Wir bieten an, auf Rechnung zu kaufen, sodass nur abgebucht wird, was tatsächlich gekauft wird.

Die hohe Retourenquote ist ja das Problem vieler Onliner. Rentiert sich ein Onlineshop für stationäre Multilabelhändler?

„Ich mag Läden, wo ich spüre, dass die Betreiber offenbar meinen Geschmack haben. Es ist dann fast so, als hätten sie genau für mich eingekauft.“ Patricia Dickmann, Immobilienmaklerin

Apropos Blogger und damit verbunden Instagram. Beides spielt bei der Promotion der Modetrends heute eine maßgebliche Rolle.

Allegra Isert: Ich persönlich bin kein großer Fan, auch wenn ich das Phänomen der Influencer aus beruflicher Sicht spannend finde. Sie sehen zwar immer toll aus, aber sie verkörpern überhaupt nicht mehr ihren eigenen Stil, weil sie alles von Marken geschickt bekommen. Für mich ist das alles nicht echt. Wissen das auch Ihre Freundinnen, die nicht wie Sie Mode studieren?

Allegra Isert: Eher nicht. Die meisten schauen nicht hinter die Kulisse und wollen einfach alles haben. Sogar das Duschgel, das der Influencer entwirft. Dabei ist es doch nur ganz normales Duschgel, nur drei Euro teurer. Stephanie Mayer: 90 bis 95 Prozent meiner Outfits sind tatsächlich durch Instagram inspiriert. Mir ist egal, ob die Influencer dafür bezahlt werden, dass sie die Marken tragen. Für mich zählt nur der Look, den man ja durchaus auch mit anderen Marken als Gucci und Co nachstylen kann. Mich inspiriert zum Beispiel Anine Bing, die tragbare Mode zeigt. Das sind Streetstyles, die nicht wie aus dem Schaufenster oder wie 318 style in progress

Stephanie Mayer: Bei uns auf jeden Fall. Es ist eher die Ausnahme, dass so viel zur Auswahl bestellt wird. Vielleicht liegt es am hochpreisigen Segment, dass der Kauf überlegter ist: Wer fünf Teile bei uns bestellt, schickt sie in der Regel nicht zurück, was bei Zara und Mango sicher anders ist. Wir bemühen uns außerdem in der Beschreibung der Teile um größtmögliche Genauigkeit, um Retouren zu vermeiden. Simone Chrystall: Bei Chrystall bieten wir aktiv an, Teile zur Auswahl mitzunehmen. Seltsamerweise wird das aber selten angenommen, offenbar haben die Kunden Hemmungen. Ein Onlineshop ist immer noch unpersönlich und mit Persönlichkeit und dem Gespräch werden Läden auch künftig punkten können. Verkaufen ist allerdings eine sehr schwierige Aufgabe, die viel weiter geht, als nur Pullover aus dem Regal zu nehmen. Allegra Isert: Ich bin ein Mensch, der schon genau weiß, was er möchte. Ich brauche nicht viel Hilfe, allerdings finde auch ich es manchmal komisch, wenn ich in einem Laden alles allein machen muss. Auf der anderen Seite will ich auch nicht ständig gefragt werden: Mögen Sie das? Oder steht Ihnen das? Ein paar Vorschläge sind gut, oder, dass mir die Verkäuferin das Teil schon mal in die Kabine hängt. Simone Chrystall: Es ist eine Kunst, super zu beraten, man darf den Kunden ja auch nicht das Gefühl geben, dass man ihm krampfhaft etwas aufschwatzen will. Dazu kommt, dass die Verkäuferin bis 19 Uhr im Laden steht und samstags noch dazu, bei einem recht geringen Einkommen. Der Beruf Verkäuferin stellt ganz andere Anforderungen an die Tätigkeit als noch vor zehn Jahren. Dazu kommt, dass der Beruf generell unterbewertet wird. Was muss passieren, damit man gern in die Läden kommt? Was ist Ihnen wichtig?

Peggy Berger-Hopp: Ich möchte immer auch gern etwas über den Hintergrund von dem, was ich da kaufe, erfahren. Sei es die kleine Manufaktur, die das traditionelle Handwerk mit Hilfe alter Maschinen in die Zukunft trägt, oder der Schuhbetrieb in Portugal, der mit viel Liebe handgenähte Schuhe fertigt. Dafür bin ich auch bereit, mehr Geld auszugeben.

Allegra Isert: Ich komme aus Bocholt nahe der holländischen Grenze, wo es viele kleine Geschäfte gibt, in denen man sich persönlich kennt. Auch wenn ich in Holland bin, besuche ich am liebsten die kleinen Boutiquen, wo alles eng zusammenhängt und ein Bild ergibt. Marken stehen da eher im Hintergrund. Auf der anderen Seite kaufe ich auch viel bei Zara, weil der Preis gut ist und die Trends dort schnell sind. Peggy Berger-Hopp: Meine erwachsene Tochter, die 21 Jahre alt ist, geht gar nicht gern in die Stadt. Nur in zwei, drei Läden, in denen sie gute Erfahrungen gemacht hat und preiswerte Mode findet, wie zum Beispiel bei Subdued in der Düsseldorfer Altstadt. Unser Kaufverhalten ist ansonsten genau entgegengesetzt: Wenn ich samstags ausgehe, öffne ich meinen Kleiderschrank. Wenn sie samstags ausgeht, will sie einkaufen. Da bin ich fremd in der Welt. Ich bin viel mehr dafür, etwas zu kaufen, das dank der Qualität langlebiger ist, das erscheint mir nachhaltiger. Stephanie Mayer: Kleidung ist immer auch Ausdruck eines Gefühls. Man kann neue Facetten an sich entdecken und zeigen. Das spielt der Modebranche natürlich in die Karten.

„In Deutschland gibt es durchaus Frauen, die meine Beratung gern in Anspruch nehmen, aber nicht bereit sind, dafür zu zahlen.“ Maria Mertens, Stylecoach


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Peggy Berger-Hopp: Ich finde, dass es doch noch so viel mehr gibt, über das man sich identifizieren kann, anstatt nur über Kleidung, wie es viele junge Leute tun. Ich würde mir wünschen, dass sie es schaffen, ganz bei sich zu sein. Der Rest findet sich dann schon. Stephanie Mayer: Wobei Kleidung schon auch hilfreich sein kann. Ich habe heute auch meinen Blazer angezogen, da fühle ich mich gleich ein bisschen smarter!

Den Konsumenten wird heute nachgesagt, dass sie weder Geschäften noch Marken treu sind. Gibt es bei Ihnen diese Treue noch?

Patricia Dickmann: Für mich schon. Ich schaue zwar querbeet, komme aber immer wieder auf ein Wäschegeschäft zurück, weil ich die Auswahl der Inhaberin superschön finde. Es gibt schon auch Marken, denen ich treu bin, aber letzten Endes ist Qualität für mich entscheidender als Marke. Was wünschen Sie sich von einem Geschäft, in das Sie gehen? Oder was fehlt Ihnen manchmal?

Patricia Dickmann: Ich fände eine ganzheitliche Beratung gut. Ich weiß schon, was mir gefällt, aber manchmal fällt das Kombi-

Peggy Berger-Hopp: „Denkt man an die viele Ware, die trotz schwindender Ressourcen produziert wird, kann ich mir nicht vorstellen, dass es ewig so weitergeht.“ Peggy Berger-Hopp, Marketingassistentin

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nieren doch schwer. Für einen angemessenen Preis würde ich eine Stylingberatung gern mal in Anspruch nehmen. Stephanie Mayer: Die Konsumenten heute wollen inspiriert und überrascht werden. Während bei Zara mehrmals die Woche umdekoriert wird, hängen die Kollektionen in den kleinen Läden wochenlang. Für sie ist es schwieriger, weil sie nicht jeden Tag die Puppen neu anziehen und die Schaufenster umgestalten können. Maria Mertens: Man bekommt ja dann auch meist keine neue Ware mehr. Simone Chrystall: Wir steuern dagegen an und versuchen, nicht alle Ware auf einmal auf die Fläche zu bringen, sondern nach und nach. Peggy Berger-Hopp: Als Verkäufer muss man ein Gefühl für den Kunden entwickeln. Ich arbeite ein paar Tage die Woche im Düsseldorfer Geschäft von Repeat Cashmere. Letztens kam eine Dame kurz vor Ladenschluss, die schon oft bei uns war, aber noch nie gekauft hat. Zuerst erschien sie mir total unfreundlich. Ich war so wie immer, mit dem Ergebnis, dass sie eine Stunde später glücklich aus dem Geschäft gegangen ist, mit einem Einkauf für 1.000 Euro. Maria Mertens: Sie hat gesehen, dass sich jemand für sie die Zeit nimmt. Deshalb hat sie sich wohlgefühlt und gekauft. Simone Chrystall: Wir haben ganz verschiedene Verkäufertypen, die ebenso verschieden sind wie unsere Kunden: Die einen wünschen sich eine intensive Beratung und dass der Verkäufer am besten gleich hinter ihnen steht, die anderen fühlen sich da eher bedrängt. So kommen manche bevorzugt an den Tagen, an denen ihre Lieblingsverkäuferin da ist. Ich glaube, es gibt keine einheitliche Strategie, wie man am besten mit Kunden umgeht. Stephanie Mayer: Viele von ihnen sind ja auch sehr sensibel: Sie wollen ehrlich beraten werden, aber nicht jeder verträgt die ehrliche Meinung. Simone Chrystall: Die meisten Frauen fühlen sich gut aufgehoben, wenn man als Verkäufer ein offenes Ohr für die Wünsche hat, wenn man sich Zeit für den persönlichen Austausch nimmt. Stephanie Mayer: Unsere Onlinekunden haben vielleicht den ganzen Tag schon geredet, sei es mit ihren Kindern, sei es in Businessmeetings und sind ganz froh, in Ruhe gelassen zu werden. Beim Onlinekauf muss keiner noch Smalltalk halten, der ihn vielleicht noch mal eine halbe Stunde kostet. Simone Chrystall: Trotzdem glaube ich nicht, dass es in zehn oder 20 Jahren keine Geschäfte mehr gibt. Womöglich wird es mehr Showrooms geben und gekauft wird dann im Netz, aber ich bin überzeugt, dass sich Marken auch offline präsentieren müssen, weil es nach wie vor sehr schwierig ist, eine Marke im Netz zu einer Marke zu machen. Warum sonst machen so viele Onliner einen Laden auf? Weil sie sich dort

„ Zeit ist der größte Luxus geworden, und in unserem Onlineshop zu kaufen, heißt letztendlich nichts anderes als, dass wir der Kundin Zeit schenken.“ Stephanie Mayer, Mode-Redakteurin Jades24

besser mit den Kunden auseinandersetzen können. Peggy Berger-Hopp: Es wird den Einzelhandel weiterhin geben, wenn auch vielleicht nicht so, wie wir ihn bisher erlebt haben. Die Konsumenten, die jetzt jung sind, werden einen Wandel durchmachen. Denkt man an die viele Ware, die trotz schwindender Ressourcen produziert wird, kann ich mir nicht vorstellen, dass es ewig so weitergeht. Maria Mertens: Ich kann mir gut vorstellen, dass das Handwerk eine Renaissance erlebt. Das Persönliche, das Individuelle wird noch wichtiger, weil die Masse die Konsumenten auf Dauer stresst. Stephanie Mayer: Dennoch wird der Onlinehandel sicher noch weiter wachsen, weil der Zeitfaktor eine immer größere Rolle spielt. Ich denke, dass sich der stationäre Handel künftig immer mehr der Digitalisierung bedient, wie zum Beispiel mit der Verwendung intelligenter Spiegel. Es gibt immer mehr smarte, digitale Lösungen, die im Geschäft immer selbstverständlicher integriert werden können. Und nach wie vor wird es Konsumenten geben, die das Shoppingerlebnis im Geschäft lieben und sich die Zeit für einen Einkaufsbummel gönnen.


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Zwischen

OBJEKT und Subjekt Das Frauenbild der Mode

Der neue Femininismus nach Trump und #MeToo ist en vogue. Die Mode bringt echte Statements auf den Laufsteg. Lange war Mode nicht politisch, jetzt ist sie es wieder. Das neue feminine Selbstverständnis verzichtet nicht auf Weiblichkeit, siehe Powerfrau-Inszenierung mit Sexappeal. Aber gleichzeitig werden hitzige Debatten ausgefochten und Werbekampagnen wie von Saint Laurent verboten, wenn das Frauenbild zu devot ist. Was ist sexy und selbstbestimmt, was vermeintlich aufoktroyiert? Wie eine starke Frau aufzutreten hat, darüber gehen die Meinungen stark auseinander, und das weibliche Selbstverständnis ist alles andere als selbstverständlich. Die Mode sucht, sie gibt sich kämpferisch und betont sexy oder sie sucht Schutz in wuchtigen Oversize-Hüllen, weiten Männerhosen und viel Unisex. Was muss sich in der Mode und der Branche verändern, dass Frauen endlich vom Objekt zum Subjekt werden? Text: Petrina Engelke, Ina Köhler, Kay Alexander Plonka, Nicoletta Schaper. Fotos: Gesprächspartner, Reid Beels, Jennifer Fey

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Die Freiheit leben Lena Terlutter, Influencerin und Inhaberin der Boutique Belgique und von BB Loves, Köln

Die Branche experimentiert Susann Hoffmann, Mitbegründerin Edition F

„Für manche ist es Freiheit, Selbstverwirklichung, Kreativität und Expression. Für andere ist es die schnöde Routine, ein Fest der Oberflächlichkeit oder der Pfad der Sicherheit, um bloß nicht aufzufallen oder gar aus der Rolle zu fallen. Mode wird so unterschiedlich bewertet und ist dabei doch immer mehr als die Kleidung, die wir tragen. Ob nun bewusst oder unbewusst – mit unserer Kleidung bedienen wir gesellschaftliche Stereotypen: Hipster, Spießer, Normalo, you name it. Wir sind sexy oder zugeknöpft, bieder oder extrem. Die Kategorien scheinen unendlicher als je zuvor, aber am Ende suchen wir nach einem Konstrukt, das uns verstehen lässt, wer wir sind und wer unser Gegenüber ist. Das Dilemma: So genau kann das heute ja eh niemand mehr sagen. Die Frage ist also: Hilft Mode uns wirklich bei der Suche nach dem Ich oder ist sie nicht viel mehr Mittel zum Zweck, um dem persönlichen Chamäleon gerecht zu werden, der eigenen Haltung jeden Tag neu Ausdruck verleihen zu können, und das mal leise und mal laut? Schließlich esse ich auch nicht jeden Tag Spaghetti.  Eines steht fest: Die Branche experimentiert und wir Konsumenten ziehen mit. Glaube ich aber an das Modediktat und den hörigen Konsumenten, der sich treiben lässt von einer Industrie, die unsere Läden füllt? Wohl kaum. Mode will heute politischer sein denn je – plakative Statements zu Feminismus, Freiheit oder Anti-Trump-Politik finden sich auf Shirts, Sweatern oder Caps. Das Produkt scheint fast egal, geht es doch vor allem um die inhaltliche Positionierung. Was die Mode hier erlebt, kommt aus den Konsumenten. Die Welt wird politischer, der Feminismus wieder salonfähig und gegen Trump hat jeder einen Spruch auf den Lippen. Und gerade die weiblichen Stimmen werden lauter und selbstbewusster. Großartig. Haben wir doch jahrzehntelang den „alten weißen Mann“ in den Himmel gelobt. Die Welt verändert sich und so auch die Mode und die Industrie. Denn wer sich nicht ändert, ist doch von gestern. Etwas, dass in der Mode kaum vorstellbar scheint.“

„Mode ist Kommunikation. Sie ist Signal, Appell und Spiegelung jedes Individuums und seiner Gesellschaft, quasi die Außenseite der Innenseite. Sie war und ist immer politisch, hatte nur in letzter Zeit nicht mehr solche (überflüssigen wie notwendigen) Anchor- and Cryingpoints wie jetzt Trump und #MeToo. Wer sich als Knecht = Objekt definiert oder definieren lässt, der ist Knecht und Objekt – das zwanghafte Objektbild der Frau sollte zu „Trumps Fake-Unkultur“ gehören. In der Mode muss sich rein gar nichts verändern, es dürfte überhaupt keine Debatte stattfinden. Das absolute Selbstverständnis, sich mit Mode Ausdruck zu verschaffen und dass Mode Spaß macht, muss wiedergewonnen werden. In unserem Gott sei Dank so freien Land darf jeder jeden heiraten und jeder darf das sein und modisch vorzeigen, was er, sie oder es will. Genau diese Freiheit liebe ich und lebe ich in vollen Zügen in meinem Beruf als Unternehmerin. Ich kann mich und meine Persönlichkeit mit meinem Style ausdrücken und im besten Fall meine Follower inspirieren. Dabei zeige ich auf Instagram nicht nur mein Businessleben, sondern gebe gleichermaßen viele Einblicke in mein Privatleben, meine Familie, unser Zuhause. Oft werde ich gefragt, wie ich alles unter einen Hut bekomme: meine Firmen zu managen, meine Kids, Familie, Freunde und Hobbys. Für mich fühlt sich mein Job nicht wie Arbeit an. Ich ziehe eher Kraft daraus, als dass er mir Kraft nimmt. Den Kommentaren auf meinem Blog entnehme ich, dass ich als Powerfrau wahrgenommen werde. Das freut mich natürlich sehr, wenn ich Frauen dazu ermutigen kann, für ihre Träume einzustehen. Frauen wollen – und können – heute alles erreichen. Sie wollen beruflich wie privat erfolgreich sein. Ein Spagat, der oft nicht einfach ist. Und dabei müssen sie dann auch noch gegen Klischees ankämpfen und sich meist mehr als Männer behaupten. Das Traurigste an der Debatte sind nicht die Männer, sondern die Frauen selber. Keine Gruppe kann sich mehr bekriegen als Frauen gegen Frauen oder noch schlimmer: Mütter gegen Mütter. Schade, dass Frauen sich nicht mehr unterstützen und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, wenn sie was Tolles erreicht haben. Ich hoffe, ich trage mit meinen Postings einen Teil dazu bei, zu zeigen, dass es möglich ist, beides zu schaffen: Familie und Karriere ist vereinbar. Gleichzeitig hoffe ich, dass sich Frauen dabei frei fühlen und kreativ ausdrücken können.“ style in progress 318


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Vielfalt mittels Inklusion Keah Brown, US-Journalistin und Erfinderin des Hashtags #DisabledAndCute

Mode lebt von Widerspruch Petra Fladenhofer, Marketing Director The KaDeWe Group

„Ich glaube, dass in dieser Diskussion momentan sehr viel vermischt wird, was nicht zusammengehört. Mode ist Ausdruck unserer Genderzugehörigkeit oder auch Ausdruck des Spiels mit dieser Zugehörigkeit. Mode erzählt etwas über Gefühle und Stimmungen und lebt damit auch von Widersprüchlichkeiten. In den 1920er-Jahren trugen Frauen Anzüge und Bubikopf und waren ökonomisch dennoch nicht unbedingt selbstständig. Kim Kardashians modischer Ausdruck dagegen folgt dem Klischee eines selbstgewählten Porn-Chic und unterläuft es dabei gleichzeitig, zumindest insofern, als dass sie damit ökonomisch noch erfolgreicher als ihr Gatte ist. Ebenso widersprechen sich oft der Inhalt von Mode und das Geschäft mit ihr. Waren nicht auch einmal Palästinensertücher in Mode? Zum Beispiel wird Mode mehrheitlich immer noch von Frauen gekauft, im Business sind sie jedoch unterrepräsentiert. Die Gründe sind hier ähnlich wie in anderen Wirtschaftszweigen. Ob die ‚Statements‘ auf den Laufstegen ‚echt‘ sind, oder doch nur plakative und gut verkäufliche Worthülsen, die als modische Atti­tüde und Accessoire enden, wird die Zukunft zeigen.“ 318 style in progress

Das Frauenbild der Modewelt dominieren sehr dünne, weiße oder ethnisch nicht zuzuordende Frauen in sexualisierten Settings oder Posen. Ich sehe nur wenig Veränderung, seit die #MeToo-Bewegung an Schlagkraft gewann: mehr Kampagnen, in denen dieselben Frauen weniger sexualisiert werden. Es gibt mehr Druck, diesen Fotosessions mehr Kontext zu geben und Frauen mehr Selbstbestimmung in puncto Sexualität. Aber das ist nur ein Aspekt. Able-ism – die Diskriminierung durch Bevorzugung von Nichtbehinderten – beeinflusst uns in Alltag, Vorstellungen, Entscheidungen und Handeln. Vieles davon beruht auf einer Abneigung gegen das, was man nicht versteht und manche auch gar nicht verstehen wollen. Mode sollte sich für Vielfalt mittels Inklusion einsetzen, und das beginnt damit, der Öffentlichkeit nicht binäre Geschlechtsidentitäten, Behinderte und mehr Menschen aller Hautfarben und Geschlechter zu zeigen. Außerdem scheitert die meiste Kleidung an ‚behinderten‘ Körpern, weil unsere Körper selten symmetrisch sind. Davon abgesehen glaube ich, dass Kleidung vielen Menschen nicht gerecht wird, weil nicht alle dünn und klein sind und feminine Mode bevorzugen. Was die Modebranche tun muss, um diese Fehler anzugehen, ist die große Frage. Ich suche noch nach der Antwort. Zuallererst kann sie sich entschuldigen, nötig ist aber auch ein Versprechen und dessen Umsetzung. Die Modebranche sollte mehr Kleider für Behinderte herstellen. Ich glaube, dazu muss sie sich der Angst stellen, etwas falsch zu machen, und es trotzdem versuchen. Es täte der Branche auch gut, in ihrer Werbung Menschen mit unterschiedlichen Körpern zu zeigen, inklusive Behinderungen sowohl körperlicher als auch unsichtbarer Art, damit man Menschen aus der Alltagswelt wiedererkennt. Als Erfinderin von #DisabledAndCute weiß ich: Ein Hashtag kann viel erreichen und hat das auch schon. Das fing online an, deshalb erfuhren Menschen ohne Internetzugang davon erst, als der Hashtag Printmagazine erreichte. Ich glaube, er hat so manche Augen geöffnet und Nichtbehinderten geholfen, sich ihren Vorurteilen zu stellen. Obendrein gibt er Behinderten ein Gemeinschaftsgefühl, es ist also mehr als ein Hashtag, es ist eine Bewegung. Das können Hashtags meiner Ansicht nach erreichen, und wenn wir sie trivialisieren, trivialisieren wir in Wahrheit ganze Gruppen und harte Arbeit. Ich bin in erster Linie Journalistin und Autorin, aber manche sehen mich nur als Hashtag-Erfinderin. Aber ich bin stolz auf meine Arbeit, sowohl als Autorin als auch mit dem Hashtag – trotz all dieser Einschränkungen.


FIL-NOIR.COM

P R E M I U M B E R L I N , H A L L E 3 , S TA N D D 2 1 AGENTUR WAGNER HAMBURG – AGENTUR TSTYLE HAMBURG – AGENTUR WAGNER DÜSSELDORF – MIKE ISTEL DÜSSELDORF DIE MODEBOTSCHAFT OFFENBACH – MATTHIAS SCHWARTE MÜNCHEN – FRANÇOIS BÜCHE GLATTBRUGG – FREE MOUNTAIN SALZBURG


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Auseinandersetzung mit Inhalten Prof. Kai Jünemann, Fotograf, University of Applied Sciences and Arts, Dortmund

„Eine aus meiner Sicht drängendsten Problematiken und somit wünschenswerten Veränderung besteht in der immer noch zu geringen Anzahl von Frauen in den Schlüssel- und Entscheiderpositionen der großen Modehäuser. Parallel dazu sind Frauen unter den international agierenden Fotografen, die die Vogues, Elles und Kampagnen unserer Zeit bespielen, bis heute prozentual weit unterrepräsentiert. Mehr Elles VMH und Maria Grazia Chiuris können dazu betragen, einen kurzfristigen modischen Hype in kleinen Schritten im gesellschaftlichen Konsens zu verankern. Junge Fotografinnen wie Harley Weir, Jana Gerberding, Laura Kaczmarek zeigen in vollkommen unterschiedlichen Erzählweisen neue und differenzierte Frauenbilder, gerade auch in der Modefotografie. Etablierte Publikationen wie der legendäre Pirelli-Kalender buchen seit einigen Jahren Fotografinnen und Fotografen wie Annie Leibovitz, Peter Lindbergh und Tim Walker, welche ihre Motive fernab von herkömmlichen, vermeintlich erotischen Bildwelten inszenieren. Künsterlinnen wie Nan Goldin, deren Arbeit schon immer einen starken Fokus auf Fragen des Gender Building hatte, kooperieren mit Modehäusern (Bottega Veneta, Supreme etc.). Plattformen wie https://girlsareawesome.com vernetzen und porträtieren ‚women who live their lives with style and strength‘. Und nicht zuletzt war und ist das feministische Anliegen in zahlreichen Modeschauen der letzten Saison(s) allgegenwärtig. Im weiten Feld der Modefotografie wird bis auf einige Ausnahmen (z. B. Jürgen Teller, Ryan McGinley) meist mit gebuchten Modells, ähnlich Schauspielern, gearbeitet. Diese Arbeitsweise setzt per se schon mal einen gewissen Grad der Objektivierung, allerdings weniger im Sinne einer Vergegenständlichung als vielmehr der Idee einer Inszenierung bestimmter normativer Stereotypen folgend. Viel wichtiger erachte ich deshalb die Auseinandersetzung mit den Inhalten der jeweiligen fotografischen Inszenierungen: Welche Frauen- und Rollenbilder, Klischees und Szenografien kann und möchte ich heute (noch) als Fotografin, als Fotograf zeigen? Die eigene gestalterische Position darf und muss immer wieder – eben auch aufgrund gesellschaftlicher Verantwortung, überdacht werden. Ein fortdauernder offener Diskurs ist dazu nötige Bedingung. Die ‚Stärke einer Frau‘, das feministische Anliegen darf dabei keineswegs an der Länge des Rocksaumes gemessen werden.“ 318 style in progress

Es geht wieder um Haltung Nicole Adler, Autorin und Initiatorin von Wien for Women only

„Heute ist es dieses normierte Frauenbild: jung, dünn, makellos (sehr schablonenhaft), das irritierend, ja geradezu beunruhigend ist. Bildbearbeitung – und Optimierungsmöglichkeiten, die unsere Bildwelt via Instagram und Social Media fluten und unseren Blick auf Realitäten verändern. Man muss sich verkaufen und bestmöglich inszenieren, wird selber zur Ware, zum Produkt. Schmollmünder, aufgerissene Augen lassen all die jungen Influencer-Girls und Social-Media-Queens wie Puppen aussehen – sie sind zum Objekt erstarrt. Der Modebetrieb folgt diesem Zerrbild nur bedingt. Trendweisende Labels wie Vetements mit Stylistin Lotta Valkova oder Balenciaga holen bewusst wieder Menschen von der Straße auf den Laufsteg, propagieren andere Ideale. Es geht wieder mehr um Haltung, Coolness und Protest und das Thema Genderless. Nicht zu vergessen, dass Uggly Trainers und XLShirts den Female-Street-Style (falls man das in dem Kontext überhaupt noch so nennen kann) erobert haben. Die Mode hält also dagegen – und das ist gut so.“


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FE M R PO W E DAS LEBEN IE D , N E R IE R R A K FRAUEN AUSSERR E M IM , R A E IN L S SCHREIBT: NIEMAL IN KRIMI. E IE W D N E N N A P S GEWÖHNLICH, RNEHMERIN, E T N U R E D O IN D N OB VORSTÄ NAGERIN A M S N E M H E N R E T OB FAMILIENUN RAUEN, DIE F – N A M O W E D A M ODER SELF R AUF. E M IM H C O N N E L L N, FA K ARRIERE MACHE RUND TUN, G M E T U G S U A S A DASS SIE D S PORTRÄTS S E R G O R P IN E L Y ZEIGEN DIE ST AUEN IN DER R F R E H IC L N H Ö W AUSSERGE MODE.

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SO LÄUFT’S 109 IN WOMEN WE TRUST

„MAN MUSS AUCH GEFÖRDERT WERDEN WOLLEN“

Angelika Schindler-Obenhaus kam nach Karrierestationen bei Horten, SinnLeffers, Boecker und CBR 2005 zur Bielefelder KATAG AG. Seit 2010 ist sie im Vorstand des Systemdienstleisters für Mode.

Angelika Schindler-Obenhaus ist als Mitglied des Vorstandes der KATAG AG eine der wenigen Frauen in der deutschen Mode, die über einen Milliardenumsatz wacht. Den Wandel des Textilsystemdienstleisters hat sie entscheidend mitgeprägt. Text: Martina Müllner-Seybold. Foto: KATAG AG

„Meine Karriere wäre heute gar nicht mehr möglich“, sagt Angelika Schindler-Obenhaus. Statt einem Master bringt die Managerin nämlich eine ganz klassische Ausbildung in der Textilbranche mit. Von der Einzelhandelskauffrau zur Handelsassistentin und Abteilungsleiterin, von der Substitutin in den Einkauf. „Meist war ich die erste Frau, die in den jeweiligen Unternehmen in eine solche Position gekommen ist“, blickt Angelika Schindler-Obenhaus zurück. „Meine Mentoren waren immer Männer, die mir mitunter sehr viel mehr zugetraut hatten, als ich mir selbst.“ Jede Chance hat sie beherzt ergriffen, dafür hart gearbeitet und „viel weiblichen Perfektionismus an den Tag gelegt. Das lerne ich erst langsam, mich davon loszusagen, auch mal zu delegieren. Ich bin eigentlich immer noch viel zu operativ“, lacht die Frau, die seit 2010 im Vorstand Europas führendem Anbieter für Systemdienstleistung in der Mode ist. Ver-

tikale Systeme, Einkauf, IT, Vertrieb, Marketing sowie Sourcing und Beschaffung stehen unter ihrer Führung – und damit Schlüsselpositionen, die die KATAG AG vom etwas verstaubten Einkaufsverband zum modernen Dienstleister haben werden lassen. Insbesondere in die 14 Eigenmarken und deren Trading-up hat Angelika Schindler-Obenhaus ihr Herzblut gesteckt. „Viele unserer Partner im Handel wie Konen oder L&T haben sich nach oben entwickelt, dem mussten unsere Eigenmarken Rechnung tragen. Es gab anfangs die Überlegung, eine Marke zu kaufen, ich habe gesagt: Lassen sie mich beweisen, dass wir auch Premium können.“ Strukturen hinter sich lassen

Nicht zuletzt durch ihre Tätigkeit für die CBR-Gruppe hatte Angelika Schindler-Obenhaus viel Erfahrung im Aufbau und Betrieb vertikalisierter Systeme. Ob Branding oder Sourcing, mit einer guten Mischung aus Bauchgefühl und Mut hat sie bei der KATAG AG überzeugt: „(THE MERCER) N.Y ist klar eines unserer Aushängeschilder, darauf bin ich stolz.“ So ist sie zum Beispiel in der Vermarktung eng mit Annette Weber und Victoria Rader von Glam-o-Meter verbunden, (THE MERCER) N.Y produziert auch deren kleine Fashionkollektion. „Annette zählt

zu den Frauen, deren Werdegang mich inspirieren und mit der ich echtes Networking erlebe: Man hilft sich gegenseitig zu mehr Erfolg.“ Das sei, so die Vorständin weiter, wahrscheinlich das größte Manko, das Frauen mit Karriereambitionen im Weg stehe. „Wir haben einfach nicht das gleiche Netzwerk wie Männer in ähnlichen Positionen.“ Ab einem gewissen Joblevel sei das allerdings unumgänglich. „In der KATAG AG sind wir geradezu vorbildlich. Dr. Daniel Terberger hat mich sehr gefördert und oft einfach mal machen lassen – trotzdem anfangs meine Aufgabe mich nicht unbedingt zur beliebtesten Mitarbeiterin gemacht hat.“ Angelika Schindler-Obenhaus war angetreten, um mit alten Strukturen zu brechen. Was sich heute als Erfolg darstellt, war auf dem Weg dorthin „natürlich auch von harten Entscheidungen geprägt. Gerade in diesen allerdings halte ich Frauen oft für die bessere Wahl, weil sie als Führungskraft empathisch bleiben.“ Ihre Erfahrung gebe sie gerne weiter. „Wir haben einen Frauenanteil von 67 Prozent, bilden viele Frauen aus, doch leider erleben wir auch, dass sich viele Frauen aus diversen Gründen gegen Förderung entscheiden. Man muss eben auch gefördert werden wollen.“

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„WIR SIND DIE PIPPI LANGSTRUMPF DER MODEINDUSTRIE“

Die 43-jährige Jennie Högstedt Björk kam 2011 zu Odd Molly. Sie arbeitete zuvor bei H&M, ist erfahrene Business Controllerin und Führungskraft.

Jennie Högstedt Björk wird im August 2018 ihre Vorgängerin Anna Attemark als CEO von Odd Molly ablösen. Dass intern befördert wurde, statt extern zu rekrutieren, ist typisch für das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Stockholm. Denn schon die Markenvision sieht vor, dass eine Molly die andere fördert. Interview: Stephan Huber. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Odd Molly

Odd Molly hat eine beachtliche Evolution hinter sich: Nicht nur, dass die Marke seit ihrer Gründung 2002 konstant gewachsen ist, sondern vor allem die kontinuierliche Entwicklung von Look und Positionierung. Wie ist das gelungen?

Das Ziel war immer, eine Bekleidungsmarke zu kreieren, die sich herauszustechen traut, die einfallsreich ist und ihren eigenen Weg geht. Ohne Molly, ein Skatermädchen in Venice Beach in den 1980er-Jahren, gäbe es Odd Molly nicht. Molly war das einzige Mädchen in ihrer Clique, die sich nicht bemühte, sich anzupassen. Sie war einfach sie selbst und ging ihren eigenen Weg. Wir wollen dabei helfen, dass es mehr Mollys auf der Welt gibt. Wir wollen Mädchen bestärken und

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sie an sich glauben lassen. Ich bin überzeugt, dass das die Marke sowohl relevant als auch authentisch gemacht hat. Ein weiterer Grund für unsere konstante Entwicklung ist natürlich auch unser Design, das wir immer spannend halten und auf neue Kategorien übertragen. Starke und schöne Farben, exklusive Drucke, handgemachte Details – und das alles mit einer unverwechselbaren Handschrift. Unser Stil ist kraftvoll und klar und er lässt sich einfach auf verschiedene Produktgruppen übertragen. Wir haben zum Beispiel letzten Winter eine Skikollektion lanciert.

Die Zielgruppe zu kennen und zu verstehen ist essenziell. Wie oder unter welchen Einflüssen hat sich die Zielgruppe Frau in den letzten Jahren verändert?

Wir sehen in den letzten Jahren einen deutlichen Wandel, unsere Kundinnen trauen sich viel mehr, wenn es zum Beispiel um Prints oder Farbe geht. Unser wichtigstes Ziel ist es, die Verkaufszahlen außerhalb Schwedens zu erhöhen, und wir sehen, dass die internationalen Kunden manchmal noch mutiger sind als die Schwedinnen. Da haben wir großes Glück. Für uns als Unternehmen sind die Schritte, die wir in Richtung Nachhaltigkeit unternommen haben, sehr wichtig. Wir wissen, dass diese Frage für die Konsumentin

immer entscheidender wird. Es interessiert und bewegt unsere Kundinnen viel stärker als noch vor ein paar Jahren. Ein weiterer Trend, der unsere Konsumentinnen prägt, ist die Anti-Haltung zu Massenkonsum. Sie kaufen lieber weniger, dafür außergewöhnliche und langlebigere Stücke. Odd Molly ist auf den größten schwedischen Second-Hand-Websites die meistgesuchte Marke – wir sehen das als Beweis, dass wir hervorragende Qualität liefern und dass man unsere Sachen lange tragen kann.

Wie prägen Frauen das Unternehmen Odd Molly?

Es ist uns wichtig, dass wir unsere Vision auch im Unternehmen verkörpern: Dabei zu helfen, dass es mehr Mollys gibt, Mädchen stärken, ihnen Selbstbewusstsein geben. Ich glaube, viele von uns sehen sich selbst als Mollys. Eine Atmosphäre, die neue Ideen zulässt und die Mut fördert, ist uns wichtig. Das resultiert in einem Team von Leuten, die sich trauen, einzustehen und Initiative zu ergreifen. In weiterer Folge führt das zum Beispiel dazu, dass wir sehr viel intern rekrutieren – weil es dadurch einfach wird, das Talent in den bestehenden Teams zu erkennen. An wen wendet sich Odd Molly heute?

Der Fachhandel ist entscheidend für uns. Es ist uns wichtig, dass wir niemanden ausschließen, aber eine echte Molly ist


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eine, die Konventionen bricht und ihre eigenen Lebensträume verfolgt. Wir beschreiben uns manchmal als die Pippi Langstrumpf der Mode, die Frau, die wir ansprechen, traut sich was und will auch beachtet werden. Unser Design ist weiblich und schmeichelhaft und dafür gemacht, um an jeder Frau – unabhängig ihres Alters, ihrer Figur oder Hautfarbe – gut auszusehen.

Stichwort Digitalisierung : Wie haben Sie sich der vielleicht größten Herausforderung im heutigen Unternehmertum gestellt?

Unangepasst, stark – und gerade deshalb trendunabhängig: Odd Molly zeichnet das Bild einer Frau, die sich nicht anpassen muss.

Wir waren ziemlich früh dran, einen eigenen, dynamischen Onlineshop zu etablieren, schon 2011. Das gab uns das Rüstzeug, neue Trends im digitalen Marketing aufzugreifen. Es ist alles extrem schnell geworden. Da war es wichtig, dass wir immer nachjustieren, um in Produktion, Logistik, digitalem Marketing und technischen Lösungen auf der Höhe zu bleiben. Schnelligkeit wird immer entscheidender sein, daher war es unumgänglich, die Kompetenzen, die die Digitalisierung erfordert, im Haus aufzubauen. Doch Digitalisierung in allen Ehren: Wir dürfen das Erlebnis eines Einkaufs im Laden, von engagierten Fachkräften bedient zu werden, nicht vergessen. Das ist so wichtig für uns, global über den Multibrandhandel zu wachsen, ist oberste Priorität. Aus Konsumentensicht glauben wir, dass es essenziell ist, Odd Molly gemeinsam mit anderen Marken zu erleben. Vom Geheimtipp zur internationalen Marke mit 40 Exportländern. Was haben Sie sich als nächstes mittelfristiges Ziel in diesem hart umkämpften Markt gesetzt?

Neue Märkte zu vertiefen und weiterhin mutig zu sein. Immer.

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112 SO LÄUFT’S IN WOMEN WE TRUST

„WIR HABEN NOCH VIEL POTENZIAL!“

Ulli Ehrlich führt das Unternehmen in Kitzbühel in zweiter Generation.

Sind die eigenen Wurzeln immer auch Segen? Die Marke Sportalm Kitzbühel kommt traditionell aus der Tracht und aus der Skibe­klei­dung und hat sich darüber hinaus als internationale Modemarke etablieren können. Das 65-jährige Firmen­jubiläum nehmen Geschäftsführerin Ulli Ehrlich und style in progress Chefredakteur Stephan Huber zum Anlass, über Erreichtes und künftige Ziele zu sprechen, und darüber, was es heißt, als Frau und fünffache Mutter ein Unternehmen zu leiten. Interview: Stephan Huber. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Volksbank Tirol/Berger, Sportalm Kitzbühel

Vor 15 Jahren haben Sie begonnen, Sportalm Kitzbühel aus der Trachtenund Skiwelt hinaus als Fashionmarke zu positionieren. War die Entscheidung dazu eine Notwendigkeit?

Es war eher intuitives Gespür mit der dazu notwendigen Unbefangenheit, einen solch mutigen Schritt zu gehen. Hätten wir gründlich überlegt und Marketingstudien in Auftrag gegeben, hätten wir es wahrscheinlich gelassen und wären nie so weit gekommen. Es freut uns natürlich sehr, dass es uns geglückt ist, einen einzigartigen Stil in die Welt zu tragen.

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Wie gelingt das einem vergleichsweise kleinen Familienunternehmen?

Unsere große Stärke ist unser Werteempfinden und dass wir mit eigenem Produktionsbetrieb und made in Europe auch für Nachhaltigkeit stehen, etwas, für das die Konsumenten immer sensibler werden. Das gibt uns ein gewisses Rüstzeug für die Zukunft. Ist die Herkunft Tracht und Ski eine Hürde, noch dazu wenn die Marke aus Kitzbühel stammt?

Es kann eine Hürde sein, wenn impliziert wird, dass unsere Mode nur mit Walk oder Loden zu tun hat. Das war aber lediglich anfangs im deutschsprachigen Markt so. Heute stehen wir für eine einzigartige Handschrift im Design. Wir können nur Sportalm und wollen nur Sportalm, wir können unsere DNA nicht verleugnen, zumal immer noch 30 Prozent unseres Umsatzes auf die Skimode entfallen und zehn Prozent auf die Tracht. Unser stärkstes Standbein ist heute die Mode, mit der wir auch international erfolgreich sind, zum Beispiel in Tschechien, wo man uns auf Anhieb als coole Marke wahrgenommen hat, ohne uns auf das Thema Tracht zu reduzieren. Was der Marke auf lange Sicht zugute kommt, ist der allgemeine Trend in Richtung Sportivität und damit verbunden Funktionalität.

Mit unserem Know-how sind wir in der Lage, Mode und Funktion miteinander glaubwürdig zu verbinden, etwas, was anderen Modemarken schwer oder gar nicht gelingt. Bei einem Sportalm-Parka ist es selbstverständlich, dass er auch mal Wind, Regen oder Schnee aushalten muss. Bei einer Schulung in unserem Showroom hat einer der Verkäufer zu mir gesagt, dass die Daunenjacke der Marke XY viel weicher sei. Weil die Funktion fehlt, habe ich geantwortet, denn sobald man Nylon technologisch ausrüstet, bekommt die Ware mehr Stand. Das hat ihm sofort eingeleuchtet, es war für ihn ein richtiges Aha-Erlebnis. Gab es auf dem Erfolgsweg auch herausfordernde Phasen?

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im russischen Markt haben uns schon zu schaffen gemacht, zumal der Markt wichtig für uns ist. Gleichzeitig haben wir mit der Insolvenz von Sport Eybl 2014 einen großen Handelskunden verloren. Dass sich beides miteinander verbunden nicht existenziell auf Sportalm ausgewirkt hat, ist der konservativen Finanzpolitik meines Vaters Wilhelm Ehrlich zu verdanken. Wir haben daraufhin alle Kosten einer genauen Prüfung unterzogen, unsere Märkte analysiert und natürlich die Kollektion optimiert. Das hat uns wieder auf Kurs gebracht.


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Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Wir haben noch viel Potenzial sowohl in den bestehenden Märkten als auch in künftigen. Meine Vision: Sportalm Kitzbühel als Lifestylemarke zu etablieren. Auch wenn der Begriff abgedroschen sein mag, kenne ich keinen besseren. Und ich bin überzeugt, dass wir mit unserem Gesamtpaket das Zeug dazu haben. Unsere Heritage, unser Standort Kitzbühel, der für Sportivität und Traditionsverbundenheit mit einem Hauch Glamour steht, verleihen der Marke die Emotion, die es heute braucht, um erfolgreich zu sein. Sei es in China, wo wir aktuell mit unserer Skiwear starten, oder in unseren Stammmärkten, wo wir vorrangig mit unseren Handels­ partnern weiterwachsen wollen.

Sportalm steht heute vor allem für Mode, ohne je den Markenkern Tracht und Skibekleidung zu verleugnen.

Frauen in Führungspositionen sind selbst in unserer frauendominierten Branche eine Seltenheit. Wären nicht gerade Sie prädestiniert, sich in die eigene Zielgruppe stärker einzufühlen?

Es stimmt, es ist nicht logisch, dass Männer Unternehmen führen, in denen es in erster Linie um Frauen geht. Aber als Frau in führender Position zu arbeiten, ist schon auch sehr familienfeindlich. Ich selbst habe als Unternehmerin den Luxus der Betreuung meiner fünf Kinder und darüber hinaus die Unterstützung meiner Familie. Außerdem kann ich mir meine Zeit selbst einteilen, ich will bei der Schultheateraufführung oder beim Skirennen dabei sein und ich kann meinen Sohn abholen, wenn ich wie heute morgen einen Anruf von der Schule bekomme, dass er krank ist. In einer Angestelltenfunktion hätte ich diese Flexibilität nicht. Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, wie ich es fände, eine Angestellte wie mich mit fünf Kindern zu haben. Umso größer ist mein Respekt vor alleinerziehenden Müttern, die alles allein stemmen müssen! Also scheitert die echte Gleichberechtigung auch in unserer Branche an der gläsernen Decke?

Schon. Es mag Firmen wie Google gelingen, den Frauen Kinderbetreuung zu bieten, aber als Modeunternehmen können wir uns das nicht leisten, zumal wir nicht die Gewinnmargen eines Technologieunternehmens haben. Abgesehen vom Thema Kinder stehen die Frauen sich immer noch selbst zu oft im Weg. Männer sagen: „Ich“ und trommeln sich sprichwörtlich auf die Brust. Frauen hingegen sagen: „Wir“ und sind zu bescheiden, die eigene Leistung herauszustellen. Auch ich ertappe mich dabei! Zum Erfolg gehört Unternehmertum und die nötige Risikobereitschaft. Egal, ob Mann oder Frau: Das Glück ist mit den Tüchtigen, und dieses Glück braucht es auch, damit die Saat aufgeht

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114 SO LÄUFT’S

Luxury Contemporary – die zwei Linien Plein Suds verschmelzen zu einer, die von casual bis Abendkleid eine große Bandbreite abdeckt und auch um Schmuck, Schuhe und später Handtaschen erweitert wird.

Plein Sud. 1 + 1 = 1+ Nach der Übernahme durch die italienische MMB Group präsentiert sich Plein Sud mit neuem Setting. Ein neues Management und finanzielle Ressourcen sollen die Entwicklung der Marke anschieben. Die zwei Linien wurden fusioniert, gemeinsam will man sie zu neuer Stärke führen. style in progress hat mit CEO Gaetano Sallorenzo über seine Pläne gesprochen, die Marke als Luxus-Contemporary-Anbieter zu repositionieren. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Plein Sud

Der Anruf kam für einen wie ihn nicht überraschend: Gaetano Sallorenzo hat internationale Managementerfahrung für Marken wie Giorgio Armani, Calvin Klein, Replay, Stuart Weitzmann oder zuletzt Giambattista Valli. Klar, dass die allesamt aus der Mode stammenden Investoren hinter der MMB Group einen solchen Highflyer auf dem Radar haben. „Plein Sud hat mich gepackt: Die Marke hat eine große Geschichte, selbst in schwierigen Momenten hat die Markenwahrnehmung nie Schaden genommen. Sie hat eine loyale Anhängerschaft, sowohl unter tollen Händlern als auch bei den Endkonsumenten. Dieses Potenzial zu stärken und auszubauen – darauf freue ich mich.“ Der erste strategische Schritt mag einschneidend wirken: Die beiden Linien Plein Sud und Plein Sud Jeanius wurden fusioniert. 318 style in progress

„Wir integrieren nun verschiedene Aspekte der Garderobe in eine starke Marke – die rund 180 Teile starke Kollektion wird vom casual Jeans- und Sweatshirt-Outfit bis zur Abendrobe eine breitere Palette zeigen. Das entspricht der Art, wie sich moderne Frauen heute kleiden: Sie lieben es, zu kombinieren, der Markt verändert sich stark.“ Als Luxus-Contemporary-Anbieter geht es Gaetano Sallorenzo dabei nicht um den Preis, „sondern immer um das Produkt und seine Wertigkeit. Frauen verstehen den Wert der Ware, sie kaufen, wenn sie sich von der Qualität angesprochen fühlen.“ Um diese zu gewährleisten, ist die Produktion in Italien essenziell: „Wir arbeiten mit kleinen Fertigungsbetrieben, das sind wahre Künstler. Weil unsere Design-, Marketing- und Produktteams vor Ort und persönlich mit diesen Leuten arbeiten können, entsteht Innovation – und die ist heute so wichtig. Innovation aber kommt immer aus dem Produkt, ergibt sich im Gespräch: Können wir diese schöne Lederjacke noch mal waschen, um ihr Modernität zu verleihen? Und am nächsten Tag hat man einen Prototypen in den Händen, der genau diese Besonderheiten an sich hat, die in der DNA von Plein Sud liegen.“ Alte Stärke, neue Stärke

Mit seinem starken, femininen, niemals niedlich-weiblichen Look ist die Marke von beeindruckender Modernität. 32 Jahre immer

relevant geblieben zu sein, für diese Leistung muss man vor Gründer Fayçal Amor den Hut ziehen. „Dieses Erbe wird jetzt noch um neue Struktur, junge Talente, frische Energie ergänzt“, freut sich Gaetano Sallorenzo. „Wir sind auf dem Weg zur Lifestylemarke, zeigen schon diese Saison eine ergänzende Schmuckkollektion und ab Herbst Schuhe, später stehen noch Handtaschen auf dem Plan.“ Im Vertrieb setzt die Marke auf ein sensibles Vorgehen. „Unsere Ziele sind im Moment nicht von Zahlen getrieben. Wir sagen nicht: Wir müssen unsere aktuell 150 Händler weltweit verdoppeln. Auch unsere Investoren haben mit der Marke langfristige Absichten. Selbstverständlich freuen wir uns, wenn wir wachsen, aber das wollen wir sensibel und richtig tun.“ In Deutschland und Österreich begleit die ACO Modeagentur diesen Weg. „Wir haben ACO-Geschäftsführer Michael Schulz als jemanden kennen gelernt, dem wir in der Neustrukturierung voll vertrauen“, streut Gaetano Sallorenzo Rosen. Für die Schweiz gibt es mit Ianiz Coriza, in Belgien mit Fashion Club 70 ähnlich etablierte Vertriebspartner. Zunächst wird die Kollektion in den Showrooms gezeigt, im September sucht Plein Sud mit seinen Kollektionshighlights in Paris und Mailand das Scheinwerferlicht der Fashion-Week-Laufstege. „Auch das ist ein Teil der DNA, auch das wird eine Evolution sein“, schwelgt Gaetano Sallorenzo in Vorfreude.


AMPEL. FERTIG. LOS!

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116 SO LÄUFT’S

Wagemut, Konzentration und Eleganz: Enrico Airoldi, Geschäftsführer von Paul & Shark, weiß, worauf es ankommt. Die Jacken von Paul & Shark vereinen Handwerk, High-Tech und Produktion in Italien.

Paul & Shark. AUF EXPANSIONSKURS Das Erfolgsrezept des italienischen Labels Paul & Shark basiert auf Qualität, Technologie und Kreativität. Die Leidenschaft der Eigentümerfamilie für das Meer und eine ordentliche Portion Pioniergeist haben die Marke in den letzten 40 Jahren im Sektor Sportsfashion immer weiter gefestigt. Jetzt hisst Geschäftsführer Enrico Airoldi die Segel für einen globalen Expansionskurs. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Paul & Shark

Weil das Segeln immer schon faszinierte: Seit 1976 huldigt die Marke Paul & Shark dem Sport. Sie gehört zum Familienunternehmen Dama Spa aus Varese bei Mailand, das heute in dritter Generation von CEO Andrea Dini geführt wird. Namensgeber von Paul & Shark ist ein altes Segelboot, das Paolo, der Sohn des Firmengründers Ludovico bei einem Segelmacher in Main, USA entdeckte. Seit den 1920er-Jahren ist der Betrieb auf hochwertigen Strick spezialisiert und hat seitdem für viele namhafte italienische Ready-to-wear-Anbieter und französische Luxusmarken produziert. Bis heute wird mit modernsten deutschen und japanischen Strickmaschinen in Italien produziert. Seit 2012 ist eine große Solaranlage mit 120.000 Kilowattstunden Leistung auf dem Dach des Hauptquartiers in Betrieb, die 15 Prozent des Energiebedarfs deckt. 318 style in progress

Die Mischung aus einer langen Vergangenheit und Zukunftstechnologie ist es auch, die Paul & Shark auszeichnet. Die Komplettkollektionen für Männer, Frauen und Kinder beinhalten auch Schuhe und Accessoires. Total-Look aus Prinzip, schließlich ist die Marke längst zu einer Lifestylekollektion gewachsen. Inspirationen aus dem Archiv gibt es genügend: Eines der ersten Produkte von Paul & Shark war ein wasserabweisender Seemannspullover – und in jeder neuen Kollektion spielt Paul & Shark erneut seine Expertise im Strick aus. Dem stilprägenden Sport ist man nahe: Für Sommer 2019 wurden zwei Capsule-Kollektionen gemeinsam mit renommierten Segelmannschaften entwickelt. Die Erste ist eine Hommage an eines der ältesten Holzsegelboote Namens Chinook, das immer noch auf allen Weltmeeren unterwegs ist. Die Zweite ist der Crew des ultramodernen Katamaran M32 gewidmet, dessen Konzept auf technischen Höchstleistungen basiert. Neue Märkte und guter Service

Seit März 2017 ist Enrico Airoldi als Geschäftsführer an Bord und verantwortet den Expansionskurs von Paul & Shark. „Wir setzen auf globales Wachstum und die Erschließung neuer Märkte wie Indien und Aserbaidschan. Im Augenblick exportieren wir in über 70 Länder. Fast 90 Prozent unseres Umsatzes basiert auf Export. Allein Europa macht

rund 60 Prozent des Umsatzes aus. Dazu tragen natürlich auch unsere eigenen Shops in Toplagen von Mailand, Paris, New York, London und Singapur bei“, sagt Airoldi. „Wir haben weltweit 240 Monobrandstores die sowohl in Eigenregie als auch als Franchise betrieben werden, viele davon in China. Seit Januar haben wir u. a. in Tel Aviv und St. Petersburg neue Stores sowie Corners bei Harry Rosen in Toronto, Illum in Kopenhagen, Hirmer in München und Van Graaf in Danzig eröffnet. Durch die eigenen Stores sind wir im stetigen Dialog mit dem Endverbraucher. Dadurch verbessern wir unseren Service täglich aufs Neue. So gibt es beispielsweise die Linie Always Paul & Shark, in der Klassiker als Durchläufer quasi immer ab Lager verfügbar sind. Vor 15 Jahren wurde der Paul & Shark Club für unsere treuesten Kunden gegründet, der umfasst mittlerweile 200.000 Mitglieder“, erklärt Airoldi. In Deutschland und Österreich hat die Marke insgesamt über 130 Fachhandelskunden, darunter auch Shop-in-Shops wie den im KaDeWe, die von der Agentur Thomas Oliviero aus Düsseldorf betreut werden. In der Schweiz ist die Karl Manser Textilagentur AG zuständig. Dass Paul & Shark nicht nur Tradition kann, stellt die Marke mit einer Kooperation mit Nick Wooster unter Beweis: Kultjacken aus der Vergangenheit werden neu aufgelegt und nach Woosters Vorstellungen individualisiert. www.paulandshark.it


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Der Gründer von Circolo 1901, Gennaro Dargenio, hat gut lachen: Sein Kollektionsprinzip der Easy­ness passt perfekt in den Zeitgeist.

Mode: Ob für Männer oder für Frauen – Komfort und Bequemlichkeit in formeller, moderner Silhouette.

Circolo 1901. ALLES EASY Circolo 1901 weiß, Konfektion modern zu interpretieren: Gefärbte, teilweise bedruckte Jersey-Ware macht das Sakko zum Easy Jacket, den Anzug zum Easy Outfit. Ein Look, der ankommt. Im Interview mit style in progress erklärt Gründer Gennaro Dargenio seine Pläne. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Circolo 1901

Ab dieser Saison hat Circolo 1901 mit Heritage Agents eine neue Agentur für Deutschland und Österreich verpflichtet. Was sind Ihre Ziele?

Der deutsche Markt ist sehr wichtig für die Marke. Unser Ziel ist, die Präsenz zu konsolidieren und auszubauen, vor allem aber die Brand Awareness und Sichtbarkeit in hochwertigen Herren- und Damenläden und Departmentstores in Deutschland und Österreich. Gemeinsam mit Heritage Agents wollen wir starke Beziehungen zu den Einkäufern und Händlern aufbauen und sie intensiv darüber informieren, was die Marke und das Konzept ausmachen – was also letztlich die Einzigartigkeit von Circolo 1901 repräsentiert. Sie arbeiten mit 1.000 Händlern in 17 Ländern. Was kann eine Marke wie die Ihre einem Händler heute bieten?

Circolo 1901 ist ein einzigartiges Projekt, eine Marke mit einem starken Konzept, das in seiner Kommunikation rund um stolze Menschen kreist: Wir nennen uns nicht nur Circolo, was dem deutschen Club entspräche, sondern wir haben auch einen solchen kreiert: Echte, authentische Menschen sind die Testimonials unserer Anzeigenkampagne. Wir wählen ganz normale Menschen aus, die die Markenidee repräsentieren und mit ihr korrespondieren – aufgrund ihrer Haltung, ihres Stils und ihres Lifestyles.

Das gleiche etablieren wir mit Einkäufern und Händlern, wir sprechen jene an, die unsere Werte und Ziele teilen.

Ihre Marke steht für Easyness, ihr wichtigstes Teil ist das Easy Jacket. Warum ist Komfort heute in der Konfektion eine so wichtige Triebfeder?

Das Easy Jacket ist die perfekte Synthese unseres Markenkerns: Ein gefärbtes, bedrucktes Jersey-Sakko mit einzigartigem Komfort und Passform, es passt jedem, der es trägt, sofort. Diese Idee haben wir in einen Lifestyle übersetzt: Das Easy Outfit. Ein Stil, der zu jeder Gelegenheit passt, aber keine Gelegenheit braucht. Eine echte Innovation für Männer und Frauen, die einen klassischen Look wollen, aber die Bequemlichkeit der Casualwear nicht aufgeben wollen. Circolo 1901 passt sowohl für Männer, die normalerweise keine Anzüge tragen, als auch für jene, die eine easy Alternative zum formellen Anzug haben wollen. Heritage Agents wird sich auch der Damenkollektion annehmen. Was unterscheidet diese von der Männerkollektion? Was ist der Fokus?

Circolo 1901 Damen wurde mit dem gleichen Konzept und Werten entwickelt. Es ist eine Linie mit einer doppelten Aussage: Unsere zeitlosen und ikonischen Stücke, jede Saison in neuen Farben und Silhouetten sowie die „Like a boy“-Attitüde: Ein Outfit, das unsere DNA repräsentiert und trotzdem den Modetrends entspricht. Modern, elegant und originär in einer Contemporary-Silhouette – aber immer easy. Die italienischen Wurzeln sind essenziell für Circolo 1901. Was macht die Nähe zur Produktion so wichtig?

Wir sind easy, aber nicht simpel – und das gilt besonders in der Herstellung: Wir

verwenden Stoffe aus der informellen Bekleidung, um damit formelle und klassische Produkte herzustellen. Innovation und Entwicklungsarbeit sind unser Antrieb, zum Beispiel haben wir ein einzigartiges, exklusives Verfahren entwickelt, unseren JerseyStoffen einen Cashmere-Touch-Effekt zu verleihen. Wir halten die gesamte Produktionskette intern: Design, Sourcing, Drucke und Schnitte werden in unserem Hauptsitz in Italien entwickelt, produziert wird dann in unserer eigenen Fabrik in Rumänien, von Anfang bis Ende von unseren Produktionsteams begleitet. Was sind Ihre Highlights aus der Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2019?

Wir haben neue Drucke entwickelt, mit denen wir unsere Jersey- und Piquet-Ware bedrucken. Für Männer präsentieren wir neue Styles und Stoffe, wie zum Beispiel Leinen-Baumwoll-Gemische für ein unglaublich leichtes und luftiges Sakko. Eine Four-Pocket-Jacke mit militärischer Inspiration, aber in Jersey und Piquet umgesetzt, sowohl uni als auch bedruckt. Dazu gibt es neue Versionen der Panamajacke, ein Style zwischen Jacke und Hemd, auch den in verschiedenen Drucken. Sehr schön sind die Strickshirts, hauptsächlich Kurzarm, in einem ganz leichten, stückgefärbten Strick, die toll zu unseren Sakkos und Hosen passen. Bei den Frauen haben wir verschiedene neue Blazer-Styles aufgenommen, zum Beispiel Doppelreiher sowohl in uni als auch bedruckt. Hahnentritt, Nadelstreif und Karos passen wunderbar zu unserer „Like a boy“-Philosophie. Specials wie ein Hosenanzug im Pyjamastyle, uni oder bedruckt, ein ärmelloser Smoking-Blazer oder ein leichtgewichtiger Trenchcoat sind Highlights der Kollektion. style in progress 318


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José Pinto ist ein mächtiger Mann im internationalen Schuhbusiness: Viele Marken setzen auf die Sohlen und Komponenten aus seinem Produktionsbetrieb. Die Marke Lemon Jelly ist seine Erfindung.

Singing in the rain: Lemon Jelly sorgt für Spaß an den Füßen.

Lemon Jelly. GIB DEM LEBEN ZITRONEN! Fröhlich, positiv, lebensbejahrend: Mit Lemon Jelly hat José Pinto seinen portugiesischen Produktionsbetrieb für Schuhsohlen mit einer Marke geadelt. Das Rezept: Designs, die ein Lächeln auf die Lippen zaubern, viel Kreativität – und dazu der Duft von Zitronen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Lemon Jelly

Ihr Unternehmen hat eine lange Geschichte in der Fertigung von Schuhkomponenten. Warum kam es 2013 zur Gründung einer Marke?

Nach 40 Jahren in der Schuhindustrie – wir entwerfen und produzieren Sohlen für die ganze Welt – beschlossen wir, dass es Zeit ist, ein Produkt nach unserer Vorstellung zu verkaufen. Nach fünf Jahren, gekennzeichnet von harter Arbeit und Passion, haben wir diesen Traum verwirklicht. Lemon Jelly wird zu hundert Prozent in Portugal entworfen und produziert. Portugal ist ein beliebtes Produktionsland, jetzt beginnen Pioniere wie Lemon Jelly, das Know-how und die Kreativität für eigene Marken zu nutzen. Erfindet sich Portugal gerade unter den Augen der Weltöffentlichkeit neu?

Die Schuhindustrie hat sich neu erfunden und es geschafft, das Know-how im Land zu halten. Die Industrie hat niemals wie in anderen Ländern aufgegeben und deshalb sind wir heute stärker als früher. Diese Anstren318 style in progress

gung einer ganzen Industrie, ja eines Landes, hat international für Aufsehen gesorgt. Das hilft uns heute, Qualität, Innovationsgrad und Kreativität der portugiesischen Produkte noch auszubauen. Wir müssen diesen Hype nützen und zeigen, wofür wir stehen. Lemon Jelly bringt Spaß, ist bunt, ist lebenslustig. Sie zeichnen ein durch und durch positives Bild. Erklären Sie uns Ihre Strategie!

nicht, um ein möglichst weltumspannendes Netzwerk aufzubauen, sondern weil wir dem Konsumenten ein besonderes Erlebnis ermöglichen wollen. Strategisch allerdings ist ein starkes Netzwerk aus Multibrandhändlern unser allererstes Interesse. Mit ausgewählten Partnern, die unsere Vision von Lemon Jelly teilen und uns ermöglichen, nahe am Kunden zu sein. Wird es bei Schuhen bleiben?

Wir haben immer die Frauen im Kopf, die Lemon Jelly tragen. Urbane, unabhängige Frauen, die eine natürliche Sexyness ausstrahlen, glücklich und glamourös sind, sie sind unbekümmert und müssen sich nichts beweisen. Frauen jeglicher Nationalität, Hautfarbe, politischer Gesinnung oder Religion. Frauen, die das Leben lieben! Wir sprechen diese Frauen an, weil sie exakt widerspiegeln, wie wir uns im Unternehmen fühlen. So sehen wir die Welt, dafür stehen wir und daher sind wir stolz, so hart daran zu arbeiten, diese Marke mit Leben auszufüllen.

Wir lieben es, bekannte Schuhtypen als Gummivariante umzusetzen. Wir sind erst fünf Jahre alt und haben schon so viel erreicht. Unser junges Kreativteam sprudelt nur so von Ideen, wir werden in den nächsten Saisons viel Überraschendes zeigen.

Wir versprechen uns weiterhin zweistelliges Wachstum, das aus den bestehenden Märkten und neuen Ländern kommen soll.

Was sind Ihre Zuckerl für den Handel?

Sie verkaufen in 35 Ländern an 500 Points of Sale. Wie lauten Ihre Wachstumspläne?

Setzen Sie auf (eigenen) Retail? Warum ist stationärer Handel so wichtig im Aufbau einer Marke?

Der physische Handel ist essenziell. Vielleicht werden wir eines Tages auch unsere eigenen Läden haben, wir lieben Retail, aber

Wie vermittelt man heute seine Markenwerte?

Unsere wichtigsten USPs sind Qualität, Innovation und Kreativität. All das spiegelt sich in unseren Produkten genauso wie in unserem jungen, frechen Kommunikationskonzept wider. Wir nützen neue Medien, Events und unsere Website strategisch, um das an die Frau zu bringen. Zum Beispiel ein Pre-Order-Service und während der Saison die Möglichkeit, nachzuziehen und auszutauschen. Außerdem bieten wir den Händlern ein paar spezielle Styles an. Wir nehmen Partnerschaft und enge Zusammenarbeit ernst.


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Federico Rosi verantwortet als Vertriebsdirektor 25 Millionen Euro Jahresumsatz, 40 Prozent davon werden im Ausland erwirtschaftet.

Ob Herbst (links) oder Frühjahr (rechts): Moderne Männlichkeit prägt den Look von Manuel Ritz.

Manuel Ritz. „WIR SPIELEN MIT ITALIENISCHEM STIL“ Ein selbstbewusster Italiener mit einem ganz und gar unitalienischen Namen: Manuel Ritz, die HAKA-Kollektion aus dem Stall von Paoloni interpretiert die Anfangspreislage modisch, modern und spielerisch und hat damit große Pläne. style in progress hat mit Vertriebsdirektor Federico Rosi gesprochen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Manuel Ritz

Jetzt wollen Sie es in den deutschsprachigen Ländern wissen?

Auf jeden Fall! Mit der Hinterhofagentur haben wir uns für einen Partner entschieden, von dem wir uns erwarten, dass er Deutschland und Österreich sowohl quantitativ als auch vor allem qualitativ für uns entwickelt. Hauptaugenmerk liegt auf dem Multibrandhandel. Schon in der ersten Saison hat sich das gelohnt – mehr Umsatz, aber vor allem eine bessere Positionierung. Die Schweiz betreuen wir von Mailand aus, wir verstärken dort unsere Zusammenarbeit mit einem wichtigen Player im Handel Saison für Saison – das lässt uns wachsen. Italienischer Geschmack zu einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis. Wie können noch mehr Konsumenten von Manuel Ritz erfahren?

Zur Steigerung der Brand Awareness investieren wir zum einen in die Kommunikation, zum anderen stellen wir auf der Premium

aus. Den Konsumenten versuchen wir vor allem auf Social Media und über POS-Marketing abzuholen. Die Paoloni-Gruppe im Hintergrund ist bestimmt eine große Hilfe.

Bei den ersten Schritten im Markt hilft es zunächst, italienisch zu sein – denn das weckt die Aufmerksamkeit der Player in unserer Branche. Marken­image, Produktqualität und Serviceexzellenz sind entscheidend. Ein Unternehmen im Rücken zu haben, das solide Wurzeln in der Produktion und eine starke Organisation hat, ist ein fundamentalter Erfolgsfaktor von Manuel Ritz. Was macht Manuel Ritz besonders?

Wir spielen mit italienischem Stil, setzen mutig Farbe ein. Das macht unsere Teile einzigartig und passt perfekt zum individualistischen Geist unserer Kunden. Mit Manuel Ritz können sie ihren persönlichen Stil realisieren, modern und unkonventionell. Wie verwöhnen Sie Ihre Händler?

Seit einigen Saisons haben wir ein Lagerprogramm, über ein B2B-Portal können unsere Kunden sowohl nachziehen als auch austauschen. So können wir gemeinsam hohe Abverkaufsquoten sicherstellen. Dem Anzug wird ein großes Comeback vorausgesagt. Wie bringt man die Generation T-Shirt und Jeans wieder dazu, Anzug zu tragen?

Jungen Konsumenten den Anzug nahezubringen, ist tatsächlich nicht ganz einfach

– eine Herausforderung, die wir gerne annehmen. Weil wir Konfektion ironisch und individuell reinterpretieren, haben wir gute Karten. Seit einigen Saisons haben wir unsere Business- und Anlassanzüge um eine Linie ergänzt, die bei weitem nicht so angezogen daherkommt. Lässig, cool, aber vor allem komfortabel. Viel einfacher zu tragen! Zum Beispiel unsere Jersey-Anzüge, die in Italien und im Export super ankommen. Ein anderes Modell nennen wir Nuvola, also Wolke, aus dem wurde alles Steife entfernt, er ist unglaublich leicht, bequem, soft und modern. Werden dem Monobrandstore in Mailand weitere folgen – auch virtuelle?

Ja, denn wir haben gute Erfahrungen gemacht und wollen diese multiplizieren – in Italien und im Ausland. Aktuell sind wir an München dran, wo unser erster Store in Deutschland eröffnen soll. Unser eigener Onlinestore wird sich Anfang 2019 neu überarbeitet zeigen, das Geschäft mit den wichtigsten Onlinehändlern nehmen wir sehr ernst. Wohin schielen Sie im Export?

Kontinentaleuropa ist unsere Stärke, hier sind wir traditionell gut positioniert. In Russland und Japan sind wir gestartet und das sehr gut. Jetzt kommt China dran, wo wir mit einem lokalen Partner in den Retail investieren.

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Willem Wijnen, CCO von North Sails setzt auf die Verbindung von Naturschutz und Einkaufserlebnis.

Sowohl beim Volvo Ocean Race als auch beim America’s Cup verwenden die Teilnehmer vornehmlich die Segel von North Sails.

North Sails kombiniert technische Innovation aus dem Segelsport mit urbanem Lifestyle.

North Sails. FREE THE SEA Nach der Übernahme durch Oakley Capital wurde der Schiffssegel- und Sportswearhersteller North Sails grundlegend neu strukturiert und die Apparelkollektion vollständig überarbeitet. Mit Kampagnen wie „Go Beyond Plastic“ und der Verwendung von neuen innovativen Zero-WasteMaterialien will die Marke sich künftig noch stärker für den Schutz der Weltmeere einsetzen. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: North Sails

North Sails wurde 1957 vom amerikanischen Segler und Olympiasieger Lowell North in San Diego, Kalifornien gegründet und entwickelte sich zu einem der innovativsten Hersteller für Schiffssegel. Für Textilien wurde 1989 eine Lizenz vergeben. Im Jahr 2014 wurde die North Technology Group, Inhaber der Marke North Sails, an Oakley Capital Private Equity verkauft. Auch der Lizenznehmer für Europa und Asien, die italienische Tomasoni Topsail S.p.A. wurde von Oakley Capital übernommen. In Italien betreibt Tomasoni 16 eigene North Sails Stores und 21 Franchiseshops sowie eigene Läden in St. Tropez, Barcelona und Hamburg. Frischer Wind

Um frischen Wind in die Sportswearkollektion des Segelherstellers zu bringen, wurde eine erfahrene Mannschaft an Bord geholt. Seit Januar 2017 verantwortet der Engländer Ben Mears als Global Creative Director die Textilkollektion. Davor arbeitete er bei 318 style in progress

Church’s, Yves Saint Laurent, Emanuel Ungaro, Jaeger und als Design Director für Tommy Hilfiger. Bereits seit August 2016 kümmert sich der Niederländer Willem Wijnen als Chief Customer Officer um die globale Retail- und Wholesale-Expansion. Davor arbeitet er als Chief Marketing Officer beim Multibrandstore The Sting. „Wir sind auf dem besten Weg, die Kollektion Schritt für Schritt immer nachhaltiger zu gestalten. Besonders bei unseren volumenstarken Bestsellern setzen wir künftig nur noch nachhaltige Materialien ein. Unsere Logistikund Produktionspartner entwickeln stetig umweltschonendere Prozesse, um unsere CO2 Bilanz weiter zu verbessern“, erklärt Willem Wijnen. Für den Vertrieb in Deutschland ist seit Januar 2018 die Agentur TP Sports aus München zuständig. „In Italien, Spanien, Frankreich Deutschland, den Niederlanden und Australien beliefern wir mehr als 1.000 Fachhandelskunden“, sagt Wijnen. Gezeigt wird die rund 300-teilige Lifestylekollektion für Frauen und Männer auf dem Pitti Uomo in Florenz und der Premium in Berlin. Die technisch-sportliche, maritime Kollektion NSX mit cleanem Design beinhaltet rund 50 Teile. Für Segler wird eine selektive hochtechnische Crew-Perfomance-Kollektion angeboten. Zeitlose Klassiker wie Poloshirts und Chinos gibt es im NOS-Programm. Aktiver Meeresschutz

Die T-Shirts und in Zukunft auch Sweat­ shirts der Capsule-Kollektion Free The Sea

werden aus Recover Blue gefertigt, einer Materialmischung aus recycelter Baumwolle und PET-Flaschen. Ein Prozent des weltweiten Umsatzes wird an die britische Ocean Family Foundation gespendet. Die Stiftung setzt sich für den Erhalt der Artenvielfalt in den Ozeanen ein und bekämpft die Ausweitung der Meeresverschmutzung. „Unser Motto lautet: Go Beyond. Das bedeutet, Innovation und Endeckertum zu fördern – ein fundamentaler Bestandteil der Philosophie von North Sails. In Zukunft wollen wir unsere Naturschutzaktivitäten und die Verantwortung für den Erhalt unseres Planeten noch weiter verstärken. Wir haben hier im italienischen Hauptquartier mittlerweile keine PET-Flaschen mehr im Einsatz, sondern trinken gefiltertes Leitungswasser aus Dopper-Flaschen“, erklärt Willem Wijnen. Darüber hinaus unterstützt North Sails Projekte wie A Plastic Planet, eine Initiative zur Vermeidung von Einwegplastikverpackungen. Markenbotschafter von North Sails sind derzeit die Meeresbiologin Ocean Ramsey, die sich auf Hawaii dem Schutz von Weißen Haien widmet und der Unterwasser­ fotograf Juan Oliphant, der die One Ocean Research & Diving Association gegründet hat. In Italien ist die Meeresbiologin Maria Sole Bianco von der World Commission on Protected Areas (WCPA) Botschafterin von North Sails. Dort leistet sie an Schulen Aufklärungsarbeit und organisiert viele öffentlichkeitswirksame Strandsäuberungsaktionen. In diesem Sinne: Free The Sea von möglichst viel Plastikmüll! www.northsails.com


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Bloggerin Füsun Lindner von Shortstoriesandskirts präsentiert die Mode von Airfield.

Airfield-Geschäftsführer Walter Moser und Chief Marketing Officer Sophia Bitter stellen die Marke Airfield zukunftstauglich auf.

Airfield. ZURÜCK ZUR BEGEHRLICHKEIT Die modische DNA von Airfield entspricht den aktuellen Trends. Perfekt für die österreichische Marke, die auf dem Weg zurück zum Erfolg an ein paar wichtigen Stellschrauben gedreht hat. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Airfield

Der Look ist sportiv und feminin zugleich, mit starken Farben, auch mal mit Opulenz. Mit Jersey gebondete Nylonjacken, Parkas in neuen Silhouetten, technische Materialien mit verspielten Details sind typisch für die Womenswear von Airfield, die für eben diese weiblich geprägte Sportivität steht – und das nicht erst, seitdem sich der Athleisure-Trend in der Breite durchgesetzt hat. Die Zeichen stehen auf Modernisierung

Nach langjährigem, großem Erfolg war es in den letzten fünf Jahren ruhiger um die Marke aus Seewalchen geworden, auch weil allgemein eine cleanere und strengere Mode vorherrschte. Für Geschäftsführer Walter Moser war es Zeit für eine Bestandsaufnahme. „Wir haben eine breite Marktstudie in Auftrag gegeben, um zu erfahren, wo wir stehen und wie die Konsumentinnen die Marke sehen. Das Ergebnis hat immer wieder auf unsere DNA verwiesen und uns gezeigt, dass wir uns auf sie konzentrieren müssen, um die Marke zukunftstauglich zu modernisieren.“ Outdoor, Blazer sowie Out- und Indoor-­ Jackets gehören zur Kernkompetenz der

1994 gegründeten Marke, die ihre Wurzeln in funktionaler Sport- und Skibekleidung hat. Um diese Kernkompetenz mehr herauszuarbeiten und um die Kollektion entsprechend zu straffen, wird das junge Designteam seit einem Jahr von Andreas Angerer als Headdesigner unterstützt. „Wir sind Schritt für Schritt alle Einheiten im Unternehmen bis hin zur Außendarstellung durchgegangen“, berichtet Moser. So wurde neben Produktion und Logistik auch der Vertrieb unter die Lupe genommen. „Bisher wurde der Vertrieb von festangestellten Mitarbeitern verantwortet, was den Nachteil der isolierten Darstellung im eigenen Showroom hat“, sagt Moser. „Jetzt kooperieren wir für Deutschland mit Vertriebsagenturen, dessen Markenportfolio mit Airfield optimal ergänzt wird.“ Im Norden ist die Agentur Boumans zuständig und im Osten die Agentur Seebach, während für Nordrhein-Westfalen die Agentur Berning verantwortlich ist und für Bayern, Baden-Württemberg, Reinland-Pfalz und das Saarland die Michaelis Fashion Agency. „Die Agenten haben eine andere Herangehensweise und den Überblick, um unsere Marke richtig im Handel zu platzieren.“ Entsprechend wurde der Vertrieb in anderen Kernmärkten wie Frankreich und Russland bereits umgestellt, Kanada und die USA sollen folgen. „Gemeinsam mit unseren Wholesale-Kunden wollen wir den Vertrieb so gestalten, dass die Marke Airfield wieder ihre Begehrlichkeit erlangt“, betont Walter Moser.

Ein Image, ein Ziel

So werden auch sukzessive die AirfieldStores und Shop-in-Shops mit zeitgemäßem Ladendesign modernisiert. Einladend wie ein Conceptstore, in dem es von der Mode bis zu den Accessoires viel zu entdecken gibt. Das zeigt beispielhaft der neue Airfield Store in den Fünf Höfen Münchens, der im Juli eröffnet wird. Auch in der Kommunikation hat sich das Unternehmen der Zeit angepasst. „Wir sind seit einigen Jahren in den sozialen Medien präsent und haben diese Präsenz jetzt noch einmal verstärkt“, beschreibt Chief Marketing Officer Sophia Bitter. „So war Airfield eines der ersten Labels, das bereits vor eineinhalb Jahren die sehr bekannte Bloggerin VikyAndTheKid für seine Sommerkampagne verpflichtete, und außerdem eine der ersten, die Modei-Ikone Carmen Dell’Orefice für eine Generationenkampagne engagiert hat. Das Credo unserer Marke ist Modernität.“ So kooperierte Airfield auch mit Bloggern und Influencern wie Annette Weber von Glamometer und Füsun Lindner von Shortstoriesandskirts. Darüber hinaus wird im Juni ein Corporate Blog mit Style Report online gestellt, zusätzlich zu Printkampagnen in maßgebenden Modemagazinen. „Es ist wichtig, über alle Kanäle das gleiche Image zu transportieren“, sagt Sophia Bitter, und Walter Moser ergänzt: „Wir wollen dem Produkt die Begehrlichkeit und Wertschätzung zurückgeben, die es verdient.“ www.airfield.at

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Die kleine Schwester?

SEIDENFELT. Wenn eine neue Taschenkollektion aus dem Hause Fred’s Bruder auf den Markt kommt, drängt sich erst mal die Frage auf, ob das die kleine Schwester ist. Aber Seidenfelt stellt sich seit der ersten Minute als Influencer-affines Label auf, zu cool, um vorlaut zu sein, zu stylisch, um auch nur einen Moment zu lange im Schatten des Bruders zu stehen – dafür wurde eigens ein komplettes Designteam ins Haus geholt. Seidenfelt setzt auf Manufakturcharakter, den es in cleanen Styles im kommerziellen Preissegment umsetzt. Die Shopper, Bucket-Bags, Crossbodys und Bowling-Bags liegen bei Einkaufspreisen zwischen 18 und 36 Euro, kalkuliert wird mit 2,7 bis 2,8. Die Basiskollektion besteht aus zehn Designs und wird ständig durch bis zu zehn aktuelle Trendstyles ergänzt. Seit Oktober 2017 präsentiert sich Seidenfelt im deutschen Handel. Vorerst nur über den eigenen Onlineshop, doch erklärtes Ziel ist es, die Marke nach dem Messeauftritt auf der Panorama im Juli 2018 sukzessive bei ausgewählten Einzelhändlern zu platzieren. Fürs Erste haben allerdings schon Kunden wie Conleys zugeschlagen.

Fred’s Bruder, Dinslaken/Deutschland, T 0049.2064.6042121, vertrieb@fredsbruder.de, www.seidenfelt.de

Ein Nest mit Flügeln

NIÙ. Die Geschichte der Marke Niù basiert auf zwei Gegensätzen, die ihre Gründer, die Geschwister Serena und Bruno Cibischino, auf spannende Weise miteinander verheiraten: Einerseits hat die in Udine beheimatete Firma ihrer Kollektion den friaulischen Namen für Nest, also Niù gegeben und legt sehr viel Wert auf das Prädikat Made in Italy. Gleichzeitig zieht es das 21 kreative Köpfe umfassende Designteam an die mysteriösesten Orte der Welt, um dort ihre Inspirationen für die kommenden Saisons zu finden – überwiegend begegnen ihnen diese in Afrika. Seit vergangenem Januar vertritt die Agentur Eyegasm die anspruchsvolle Total-Look-Kollektion in Deutschland und Österreich. „Wir haben die Marke Niù mit 20 Kunden übernommen und haben es uns zum Ziel gesetzt, 70 bis 75 weitere zu gewinnen“, so die Agenturinhaber Damir Prins-Juric und Henk Prins. Die außergewöhnliche Schnittführung der Designs, die Lässigkeit der Styles, die Exotik in den Mustern und Farben und die exakten Passformen hatten sie sofort überzeugt. Niù produziert zwei Kollektionen pro Jahr nach klassischem Vorordermodell, die Einkaufspreise für die Sommerkollektion liegen dabei durchschnittlich bei 70 Euro, in der Winterkollektion bei 75 Euro mit einer Kalkulation von 2,7 bis 2,8. Eyegasm, Berlin/Deutschland, T 0049.30.600313311, info@eyegasm-fashion.com, www.niu-fashion.it

Fair-Trade-Strick aus den Anden

KARINFRAIDENRAIJ. Der Kollektion der in München lebenden Designerin Karin Fraidenraij sieht man die Leidenschaft für feine Kameliden-Wollen und raffinierte Schnitte sofort an. Was man nicht sieht, ist die Philosophie, die dahintersteckt: Die hochwertige Lama- und Alpakawolle bezieht sie aus traditionellen Zuchtbetrieben aus dem Andenhochland. Durch eine sozial und ökologisch faire Produktion vor Ort – vom Rohstoff bis zum Endprodukt – setzt Karin Fraidenraij die Idee von Nachhaltigkeit in die Tat um. Seit 2011 vertreibt sie ihre Strickkollektion für Frauen über den eigenen Webshop, in einem Atelier-Store in der Wagnerstraße in München-Schwabing und in ausgesuchten Green Fashion Stores wie Glore. Sie liefert eine Winterkollektion pro Jahr, die rund 25 Teile mit VK-Preisen von 30 bis 300 Euro umfasst. Langfristig stehen Messeauftritte und die weitere Akquirierung von Webshops auf dem Plan der Designerin, die ihre Kollektion bereits in Deutschland, der Schweiz und Japan verkauft.

Karin Fraidenraij, München/Deutschland, T 0049.89.38898136, sales@ka-fraidenraij.com, www.karinfraidenraij.com

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FINDEN WIR GUT

Nouveau Chic

HIRONAÉ PARIS. Als Jennifer Druyer und Emilie Messal im Januar 2015 ihre gemeinsame Marke Hironaé Paris erstmals vorstellten, war das Herzstück der Kollektion eine feine Auswahl aufwändig gearbeiteter Lederdesigns, bei denen vor allem die Tradition der Handwerkskunst und die Charakteristik des Materials selbst im Vordergrund standen. Inzwischen hat sich die Kollektion deutlich erweitert und bietet neben Basics wie Shirts und Jeans auch Anzüge. Hironaé steht heute für Contemporary French Fashion, die sich im Premiummarkt neben Marken wie Anine Bing, Acne Studios, Saint Laurent oder Chloé positionieren konnte und in über zehn europäischen Ländern verkauft wird. Seit der Herbst-/Winter-Kollektion vertritt die Berliner The Style Manifest Agency die Marke und konnte sie auf Anhieb bei Kunden wie Anita Hass und Jades platzieren. Kalkuliert werden die Einkaufspreise mit 2,7 und starten bei 32 Euro für ein T-Shirt und gehen bis 389 für den aktuellen Bestseller, eine Lederjacke aus organischem Leder. Steve Herrmann, Leiter der The Style Manifest Agency plant nun erst einmal die behutsame Expansion auf dem deutschen Markt, langfristig sieht er Hironaé als Kandidaten für das Standartsortiment eines mit der Zeit gehenden Departmentstores.

The Style Manifest Agency, Berlin/Deutschland, T 0049.30.69504238, office@tsma-fashion.com, www.hironae.com 318 style in progress

Do it Yourself

Urbane Abenteuer

HEIMPLANET. Das Hamburger Label ist in erster Linie für seine aufblasbaren Zelte bekannt. Doch auch die Rucksäcke des innovativen Anbieters beeindrucken: In dieser Saison stellt Heimplanet eine überarbeitete Version seines beliebten Monolith Daypacks vor. Eine ganze Reihe von Verbesserungen machen diesen Rucksack zum ultimativen Reise- und Alltagsbegleiter. Dazu zählen u. a. ein größeres Laptopfach, überarbeitete Griffe sowie neue Farben und Muster. Neue Designs gibt es auch bei der T-Shirt-Serie mit bewährter Coolever-Technologie, die dafür sorgt, dass Schweiß sofort aufgenommen und vom Körper wegtransportiert wird. Die Faserkombination aus Baumwolle, Polyester und Spandex mit sehr hohem Tragekomfort ermöglicht durch eine 30 Prozent größere Oberflächenstruktur als bei herkömmlichen Shirts eine besonders schnelle Feuchtigkeitsaufnahme und schnelleres Trocknen. Das bietet natürlich auch Vorteile beim Sport und auf Reisen, denn auch nach der Wäsche sind die T-Shirts deutlich schneller wieder einsetzbar und bilden kaum Falten. Heimplanet, Hamburg/Deutschland, T 0049.40.999995500, info@heimplanet.com, www.heimplanet.com

COSCOON. Das Berliner Naturkosmetiklabel Coscoon geht seit dem Jahr 2015 neue Wege in der Kosmetikbranche. Die Kundinnen haben die Möglichkeit, natürliche Kosmetika ohne aufwändige Recherchen und Einkäufe selbst herzustellen. Die hübschen Geschenkverpackungen beinhalten nicht nur rezeptgenau abgefüllte Zutaten, sondern auch Tiegel, Hygienehandschuhe, Etiketten und eine genaue Anleitung. „Wir möchten jedem die Möglichkeit geben, Kosmetika frisch anzurühren und dabei auf alles zu verzichten, was Haut und Umwelt belastet“, erklärt Sonja Steberl, Mitgründerin von Coscoon. „Wir glauben, viele Menschen genießen das Selbermachen. Und wir machen es ihnen leichter.“ Für die Produkte von Coscoon werden Biorohstoffe und natürliche Zutaten von höchster Qualität verwendet. Bei der Auswahl der Rezepte und Zulieferer haben die beiden Gründerinnen dafür gesorgt, dass die Produkte von Coscoon frei von Silikonen, Parabenen, synthetischen Duftstoffen, Paraffinen und anderen Erdölprodukten sind. Die verwendeten Öle und Butter stammen aus zertifiziert kontrolliert biologischem Anbau. Dank der Rezepturen wird außerdem gänzlich auf Konservierungsstoffe verzichtet. Coscoon Cosmetics, Berlin/Deutschland, T 0049.30.21954969, hello@coscoon.com, www.coscoon.com


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Arrivederci MichelinSilhouette

BACON CLOTHING. Dass die Daune ein Revival erlebt, liegt nicht zuletzt an starken Silhouetten, die zunächst in der Avantgarde debütierten. Mit Bacon Clothing tritt nun ein neuer Player auf dieses Spielfeld: Die Daunenjacken der Italo-Brand überzeugen mit Komfort, Chic und außergewöhnlicher Note. Dafür kombiniert das Designerduo Andrea Pilato Barrara und Chiara Capitani neue Fits, spannende Over-cuts und innovative Proportionen mit starken Farben. Die Materialien stammen aus Firmen rund um Mailand. Die Daunen werden nach europäischen Standards zertifiziert und das spezielle Mischverhältnis zeichnet für die erstaunliche Leichtigkeit der Jacken verantwortlich. Der EK liegt zwischen 179 und 299 Euro und die Kalkulation bei 2,6. Eine permanente Order ist über die Lagerliste möglich, die Mindestabnahmemenge umfasst 15 Jacken. Zusätzlich bietet Bacon Clothing schnelle Nachorder und Lieferwege sowie eine Kollektion pro Jahr. Händler in D-A-CH sind Anita Hass (Hamburg), Jades (Düsseldorf), Zoë (Saarbrücken), Ortner (Dortmund), Abseits (Stuttgart), Reyer (Hallein), Diva by Makole (Salzburg) und Attitude (Verbier). The Style Manifest Agency, Berlin/ Deutschland, T 0049.30.69504238, office@tsma-fashion.com, www.baconclothing.com

Frisch gefangen Wunderkind

AXEL ARIGATO. Ein neuer Stern am Sneakerhimmel – und wie der leuchtet! Wenn sich Insidermedien genauso entzückt zeigen wie die Vogue, dann hat jemand etwas richtig gemacht: Max Svardh und Albin Johansson nämlich, die das Label 2014 gründeten. Die Idee: High-Fashion-Sneaker zu nachvollziehbaren Preisen anzubieten. 180 bis 230 Euro kosten die Sneaker im Verkauf, kalkuliert wird mit 2,4 für NOS-Artikel und 2,6 für Fashion­ styles. Das Tempo ist hoch: Auf Instagram gibt es jede Woche ein „Drop of the Week“ Modell – bloß nicht altbacken wirken in der schnelllebigen Social-Media-Welt. Seit 2017 auch um Kleidung ergänzt, leistete sich das Label einen ersten Flagshipstore in London, entworfen vom renommierten Architekten Christian Halleröd. Ein minimalistischer Sneakertempel, dem weitere – teilweise temporär wie jener in Stockholm – folgen sollen. Händler wie Le Bon Marché, Opening Ceremony, Lane Crawford, Harvey Nichols oder Selfridges haben das Potenzial der Marke schon erkannt. Für die deutschsprachigen Ländern wurde die Agentur Ben and als Distributionspartner ausgewählt. Ben and, München/Deutschland, T 0049.89.32308046, agency@ben-and.com, www.axelarigato.com

ROOS+ROOS. Die Euphorie, mit der Marion Hoferer von der Agentur Modeist aus München über ihre neueste Entdeckung spricht, ist so ansteckend, dass „frisch gefangen“ hier in zweierlei Hinsicht stehen muss. Denn einerseits hat sie den Designer Patrick Roos, der sich mit seiner Taschenmanufaktur in Köln buchstäblich in einem Innenhof die letzten Jahre etwas versteckt hat, herausgefischt. Zum anderen arbeitet dieser seit einiger Zeit mit einem ganz besonderen Material: Nanaileder, ein Lachsleder, das in einem in langjähriger Forschungsarbeit entwickelten Verfahren gewonnen wird. Dabei werden die Lachshäute als Industrienebenprodukt aus zertifizierten Biolachsfarmen chromfrei gegerbt. Dafür arbeitet er mit der bayerischen Firm Nanai zusammen, dem einzigen deutschen Hersteller für Lachsleder. Für Patrick Roos ist das der perfekte Ersatz für exotische Lederarten wie Rochen, Schlange, Strauß und Alligator. Bei der Verarbeitung setzt er der Phantasie keine Grenzen, er entwickelt eigene Flechttechniken, nimmt gewaschene und geölte Leder oder kolorierte Häute. Jede Tasche wird nur in streng limitierter Stückzahl produziert. Ab der kommenden Saison wird eine limitierte Auflage über die Agentur Modeist verkauft. Die Einkaufspreise liegen dabei zwischen 150 und 450 Euro. Marion Hoferer sieht darin das perfekte Accessoire für anspruchsvolle Kundinnen, die Freude an neuen Dingen, Produktinnovation und Nachhaltigkeit haben. Modeist, München/Deutschland, T 0049.151.64506485, info@b-kleidung.com, www.roosundroos.eu

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Wahrer Luxus Mailänder Spirit

MAURIZIO BALDASSARI. Das Herz der Mailänder Fashionwelt ist Brera, ein in­ spirierendes Viertel mit kleinen Boutiquen, Galerien, Restaurants und Cafés. Dem Spirit des Viertels sind auch die Brera Essentials von Maurizio Baldassari gewidmet, eine lässig-elegante, in Italien hergestellt Kollektion, die aus einem kleinen Mailänder Familienunternehmen stammt und sehr kundenorientiert arbeitet. So kommt für die NOS-Mens­wear Cashmere für die zeitlos-modernen Stücke ebenso zum Einsatz wie eine antitranspirante Merino-Multifunktionswolle, die aus dem Sportbereich stammt. Strick steht im Fokus, zum Beispiel für Knitblazer, Pullover und Cardigans, die mit Kurzmänteln und sportiven Blousons ergänzt werden. Die Agentur Moormann mit Düsseldorfer Showroom hat die Kollektion in der vergangenen Saison neu auf dem deutschen Markt eingeführt. Die Jacken und Mäntel der letzten Winterkollektion kosteten durchschnittlich 350 Euro und Cardigans 198 Euro im EK. Hosen liegen bei 50 Euro EK bei einem Mark-up von 2,8. D, A: Moormann & Co. Textilvertrieb, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.451155, moormann@moormann-co.com, www.mauriziobaldassari.it 318 style in progress

WOMMELSDORFF. Wie das Zusammenspiel von Tradition und Perfektion ein Produkt prägen kann, erlernte Anne Schramm bereits im Couturehaus von Christian Dior. Heute hat sie beides zu Wesensmerkmalen ihrer Strickkollektion Wommelsdorff gemacht, für das sie alte Handwerkstechniken mit moderner Innovation verbindet. Geboren im Ruhrgebiet, gründete die Designerin ihr Label 2008 und benannte es nach ihrer Großmutter Maria Wommelsdorff, die ihr die Begeisterung für traditionelle Handarbeiten vermittelte. Für Wommelsdorff finden nur hochexklusive Materialien Verwendung, die von Strickerinnen in Deutschland für einen kleinen, internationalen Kundenkreis gefertigt werden, darunter Barney’s in New York und Bon Marché in Paris. Damit besinnt sich Anne Schramm auf die ursprüngliche Definition von Luxus, die immerwährende Verfügbarkeit ausschließt. Weil sie jede Strickerin und deren Strickstil persönlich kennt, weiß Anne Schramm, wer welches Modell am besten fertigen kann, und näht das Etikett am Schluss persönlich ein. Diese Wertschätzung, die investierte Zeit und Aufmerksamkeit ist bei jedem Teil spürbar. Der Preis für Cashmere-Pullover liegt im EK zwischen 330 und 410 Euro und bei Cardigans zwischen 380 und 850 Euro. Modeagentur Anke Burkhardt, Pahlen/ Deutschland, T 0049.4803.601149, info@ankeburkhardt.de, www.wommelsdorff-berlin.de

Relaxed Contemporary

JC SOPHIE. Die Kollektionen der niederländischen Marke JC Sophie sind so unbeschwert, feminin und selbstverständlich in ihrer Aussage, dass sie mit dieser modernen Attitüde Jörg Korfhage von Colorful Trade sofort überzeugt haben. In vier Kollektionen pro Jahr liefert JC Sophie einen verspielten Total Look, der durch die Splittung in ihren Lieferterminen näher an den Verkaufszeitpunkt rutsch. Seit dem Start des Verkaufs im deutschen Markt mit der Kollektion Herbst/ Winter 2018 konnte Colorful Trade bereits Kunden wie 5 Secrets Fashionstore in Hamburg oder Baily Diehl gewinnen. Die kompakte Kollektion umfasst rund 120 bis 150 Teile, ist klar nach Themen strukturiert und wird bei Verkaufspreisen zwischen 49 Euro für Oberteile und 99 für Strick mit 3,0 kalkuliert. Momentan befindet sich ein B2B-Webshop im Aufbau, der den Kunden digitalen Service bieten soll. Im ersten Schritt will die Agentur JC Sophie in Boutiquen und Inhabergeführten Stores platzieren, danach sollen Modern Woman und Contemporaray Fashion Abteilungen in Modehäusern folgen.

Colorful Trade, Weinheim/Deutschland, T 0049.6201.876391, colors@colorfultrade.de, www.jcsophie.nl


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Größer – nicht kleiner, nicht gleich

BUNTSTRICK

ROSA & ME. Die Düsseldorferin Dagmar von Schmaus gründete im Jahr 2004 ihr Modelabel Rosa & Me. Dabei legt sie besonderen Wert auf ein angenehmes Tragegefühl der hochwertigen Kleidungsstücke und kombiniert ihre Cashmere-Produkte mit Seide, Wolle, Micro Modal, Bambus oder Leinen. Inspiriert ist die Kollektion von verschiedenen Modeströmungen anderer Länder und dortigen Produktionstechniken. Rosa & Me will mit einer Vielzahl von Formen und Farben überraschen und interpretiert Cashmere mit einem feinen Gespür dafür, was junge Frauen gerne tragen. So werden aus hochwertigen Klassikern neue, leichte und farbenfrohe Trendteile. Die Entwürfe zeichnen sich durch bequeme Schnitte und modernes Design aus. Prints, Intarsien, coole Sprüche und auffällige Applikationen zieren die insgesamt rund 80 verschiedenen Styles. Die VK-Preise reichen von 139 bis 769 Euro bei einer 2,7er-Kalkulation für Pullover, Cardigans, Joggingpants sowie Tücher. Die Sommerkollektionen beinhalten auch T-Shirts und Hot Pants. Seit Anfang des Jahres wird Rosa & Me von der Fashion Logistik GmbH bei der Umsetzung der Auslieferung unterstützt. Die Kollektion ist auf der Supreme in Düsseldorf und in München zu sehen. Fashion Logistik GmbH, Schönau am Königs­ see/Deutschland, T 0049.8652.65630-33 a.aschauer@fashion-logistik.com, www.fashion-logistik.com

>A. Der Name Aksel Lund Svindal steht für vieles. Für Alpinski, für Erfolg, für einen Sympathieträger. Aber für eine ökologisch verträgliche und nachhaltig produzierte Modekollektion steht er erst seit diesem Frühling. Und wenn wir gerade bei Namen sind: Es heißt greater than A. In Zusammenarbeit mit renommierten Modedesignern und Produktentwicklern entstand unter Svindals Federführung eine sportive Lifestylekollektion für Männer, die ausschließlich aus recycelbaren, wiederverwertbaren oder kompostierbaren Materialien besteht. Zur Herbst-/Winter-Saison 2018 startete die Münchner Agentur Sta-yle von Michael Hoehenberger offiziell die Lancierung und den Vertrieb der Kollektion im deutschsprachigen Markt. „Mich hat das Projekt bereits im ersten Meeting in Oslo überzeugt. Nicht nur wegen Aksel Lund Svindal, sondern wegen des Designs, der Qualitäten, der Nachhaltigkeit und meiner guten Erfahrungen mit skandinavischen Firmen. Wir waren sofort auf einer Wellenlänge“, sagt Michael Hoehenberger. In zwei Kollektionen pro Jahr setz >A auf eine unkomplizierte, zeitlose, aber zeitgemäße Designsprache und einen in den Materialien besonders luxuriösen Athleisure-Look. Die durchschnittlichen Einkaufspreise liegen bei 20 bis 40 Euro für T-Shirts und 100 bis 255 Euro für Jacken, alle Preise mit einer Kalkulation mit 2,7. Schon in der ersten Ordersaison konnte >A Kunden wie A Better Story in München und Jennewein in St. Anton gewinnen. Und das war gerade erst der Anfang. Sta-yle, München/Deutschland, T 0049.160.3104115, stayle-modeagentur@t-online.de, www.greaterthana.no

Für urbane Nomaden

VEECOLLECTIVE. Mit einer neuen, eigenständigen Taschenkollektion geht die Berliner Designerin Lili Radu, die sich mit innovativen Handtaschen einen Namen gemacht hat, an den Start. „Mit VeeCollective haben wir ein gänzlich neues, einzigartiges und sehr modernes Produkt kreiert“, sagt Lili Radu. „Die Leichtigkeit und der Tragekomfort der Taschen sind einzigartig im Markt und das sehr robuste und wasserdichte Nylonmaterial lassen wir selbst weben.“ Typisch ist das geometrische Design des Quiltings, sodass die Taschen in sich zusammenfaltbar sind und eine skulpturartige Optik erhalten. Die Taschen eignen sich als Sporttasche, Shoppingbag oder als Weekender und sind in drei Größen und starken Farben erhältlich, von Metallictönen wie Silver, Platinum und Gold über Electric Blue, Hot Red oder Neon Lime bis hin zu Warm Yellow, Midnight Blue bis Black. Ein Rucksack, eine Vee Side Bag und Vee Slides – sommerliche Schlappen – runden die Kollektion ab. Ein Preisbeispiel: Die kleine Tasche kostet 55 Euro im EK und 149 Euro im VK. Weltweit werden mit beiden Kollektionen 130 Stores beliefert, darunter Ludwig Beck, Steffl und Barney’s in Japan. VeeCollective GmbH, Berlin/Deutschland, T 0049.30.25781367, sales@vee-collective.com, www.vee-collective.com

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Wearable Art

ABSTRACT. Mode und Kunst – eine Verbindung könnte nicht passender sein. Dieser Meinung ist auch die Designerin und Fotografin Anna Molteni, Gründerin der Accessoiremarke Abstract. Die Schals und Tücher des am malerischen Comer See angesiedelten Labels werden ausschließlich in Italien gefertigt und vereinen Handwerkskunst mit innovativen Web- und Veredelungstechniken. Dabei stehen Nachhaltigkeit sowie ein respektvoller Umgang mit den vorhandenen Rohstoffen stets an erster Stelle. Anna Moltenis Leidenschaft für Fotografie und moderne Kunst legt den Grundstein für den außergewöhnlichen Look von Abstract. Exklusive Multi-StreifFotografien gewinnen auf Schals und Tüchern aus hochwertiger Biobaumwolle oder besonders weichem Leinen Leben. Neben Fotoprints experimentiert Molteni zudem mit außergewöhnlichen Materialkombinationen und verschiedenen Veredelungsformen. Das Angebot von Abstract reicht von modischen Bandanas aus reiner Seide über extravagante Plissee-Schals bis hin zu Modellen in außer­ gewöhnlichen Webarten für Damen und Herren. Mit Preisen zwischen 50 und 65 Euro im EK ist Abstract in der Premiumpreislage angesiedelt. Kalkuliert wird mit 2,8.

D: Early Bird, 85057 Ingolstadt/ Deutschland, T 0049.17.81103 08, dirk.bommersheim@tradewithme.de A: Knaus oder Knaus GesbR, 5020 Salzburg/ Österreich, T 0043.676.5904185, isabellaknaus@me.com; www.am-abstract.it 318 style in progress

FOLKLORE IN MODERN

Das Parfüm

AER SCENTS. Modern, komplex und unverwechselbar. Im Dezember 2017 starteten der Session-Make-up-Artist Stefan Kehl und Ted Young-Ing, der bereits als Art Director für Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent, Topshop, Brooks England und Habitat gearbeitet hat, ihr eigenes Parfümlabel. Mit Aer haben sie langjährige Leidenschaft für Düfte, Luxus, Beauty, Handgefertigtes und Nachhaltigkeit in einer Marke gebündelt. Sie kreieren die Rezepte, suchen die Zutaten bei kleinen Zulieferern auf der ganzen Welt und füllen schließlich auch selbst in die von ihnen gestalteten Flacons ab. Aer verwendet ausschließlich pflanzliche Inhaltsstoffe, ist cruelty-free getestet und wird von Hand in Berlin hergestellt. Die meisten Zutaten sind biozertifiziert oder stammen aus Wildwuchs. Die erste Serie beinhaltet die vier außergewöhnlichen Düfte Nagarmotha, Cade, Amber und Cedar. Bisher gibt es Aer Scents bereits bei ausgesuchten Retailpartnern wie The Store x Soho House in Berlin, 10 Corso Como oder Wheadon. Der Verkaufspreis für 30 Milliliter Eau de Parfum liegt bei 120 Euro. Aer Scents, Berlin/Deutschland, T 0049.178.5012882, aer@aerscents.com, www.aerscents.com

DEVOTION TWINS. Griechenland ist derzeit eines der angesagtesten wiederentdeckten Urlaubsziele. Blaues Meer, unendlich viel Sonnenschein, gutes Essen, weiße Häuser, kleine Inseln und dazu ein luftiges Sommerkleid – was will man mehr? Die Kollektion von Devotion Twins aus Athen ist von folkloristischen Mustern inspiriert. Zur Auswahl stehen lange und kurze Kleider, weite Tops und Overalls sowie Shirts und Shorts. Die rund 60 Teile sind aus Seide, Viskose und Baumwolle gefertigt. Produziert wird in Griechenland. Accessoires sind für kommende Saison geplant. Gegründet wurde das Label 2001. Im Heimatmarkt hat die Marke 35 Kunden alleine in der Hauptstadt und weitere 60 im ganzen Land. Die Einkaufspreise liegen zwischen 55 und 85 Euro, die Verkaufspreise reichen von 149 bis 269 Euro. Verarbeitung und Qualität sind erstklassig. Kunden in Deutschland sind bisher u. a. Baily Diehl, Classico, Typosphäre, Punch & Judy in Düsseldorf, Shopfashion in Hamburg und Lemoni in München. Zu sehen ist die Kollektion auf der Premium in Berlin. D: Eyegasm, Berlin/Deutschland, T 0049.30.60030310, info@eyegasm-fashion.com A: Room with a view, Salzburg/Österreich, T 0043.662.875651, office@roomwithaview.at CH: Beckers GmbH, Glattbrugg/Schweiz, T 0041.43.3212144, stefanie@beckers.ch; www.devotion.gr


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Das Hemd für die Frau

Familienbande

NV3. Modische, stückgefärbte Stretchhosen aus Baumwolle. So kurz und umfassend lässt sich die wichtigste Zutat de zur Frühjahr-/ Sommer-Saison 2019 neu gelaunchten Brand NV3 auf den Punkt bringen. Genauso pragmatisch ist der Name. Die entsprechende Würze bringen die Details: Hinter NV3 steckt kein geringerer als Designer Rino Stilli, der gemeinsam mit seinen zwei Kindern Valentina und Manuel Stilli diese sehr elegante, topmodische Hosenkollektion entwickelte und in Italien produzieren lässt. Mit zwei Hauptsilhouetten, einer kommerzielleren, höher geschnittenen Taille und einer sehr modischen Passform setzt die rund 20 Teile umfassende Kollektion vor allem auf Farben. „Mich hat das Zusammenspiel von Eleganz und Streetwear und das feine Gespür für eine ausgewogene Farbpalette überzeugt. Momentan gibt es kaum ein Angebot für modische Hosen im Markt – und das, obwohl der Jeansmarkt völlig brach liegt“, sagt Patrick Coppolecchia Reinartz. Die Kollektion richtet sich in erster Linie an Frauen, hat aber auch ein kleines Capsule-Programm für Herren. Nach einem erfolgreichen Testlauf für die Herbst-/Winter-Saison startet die Agentur D-tails für Sommer 2019 mit dem Verkauf im deutschsprachigen Raum. Die Preise rangieren zwischen 69 und 199 Euro im Verkauf bei einer Kalkulation von 2,7. D-tails, München/Deutschland, T 0049.89.20207771, info@d-tails.de, www.nv-3.com

EDELLE. „Warum gibt es das nicht für mich?“, war eine oft gestellte Frage von Frauen an Hilke Blömeke, die die Herrenhemdenkollektion Edward Copper ins Leben gerufen hat. „Dieser Wunsch wurde zum persönlichen Ansporn, eine Bluse gleicher Machart entstehen zu lassen.“ Daraus ist heute eine ganze Blusenkollektion für Frauen namens Edelle geworden. Auch hier stehen moderne Schnittführung, der Einsatz hochwertiger Stoffe europäischer Hersteller wie auch die Fertigung in Europa bei größtmöglichem Tragekomfort im Vordergrund. Darauf wird auch in Details mit gewebten Kanten der Etiketten, die auf der Haut zu liegen kommen, mit nicht zu dünnen Perlmuttknöpfen und soften Baumwolleinlagen geachtet. „Als die ersten Kundinnen begannen, Edward Copper Hemden in der kleinsten verfügbaren Größe für sich zu kaufen, haben wir unser beliebtestes Modell auf weibliche Maße umgesetzt: mit kleinem Haifischkragen, mit herausnehmbaren Kragenstäbchen, eingedrehten Ärmeln, softer Waschung“, berichtet Hilke Blömeke. Das war vor zwei Jahren. Heute, in der vierten Saison, gibt es zusätzlich Tuniken, lässige Oversize-Styles oder dezente A-Formen, aus Baumwoll-TwoPly-Qualitäten, die auch mal Garment dyed sein können, mal unifarben, mal mit feinen oder Blockstreifen. Die Farbpalette reicht von Weiß, Hellblau und Rosa, Pink über Navy und Burned Red bis hin zu Khaki und Indigo. Allen Modellen ist die Edward Copper typische Schlichtheit gemeinsam, immer mit einem gewissen Understatement. Die Hemden kosten zwischen 53 und 99 Euro im EK und zwischen 149 und 279 Euro Im VK. Und was macht die Herrenkollektion Edward Copper? Performt weiterhin, etwa bei Kunden wie Hirmer Studio in München, Sportiv Kampmann in Heidelberg und Roberto Bauer in Lichtenfels sowie auf internationaler Ebene bei Rialto Living in Palma de Mallorca. Hilke Blömeke verantwortet den Vertrieb beider Kollektionen für Deutschland selbst, während die Agentur EinsZweiZweiEins in Zürich für die Schweiz zuständig ist und die Agentur Knaus oder Knaus in Salzburg für den österreichischen Markt. Edelle, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.170.5447676, showroom@edwardcopper.com, www.edwardcopper.com

Wanderlust

ROA. Das Wandern erlebt ein riesiges Comeback. Allein in Deutschland sollen laut Studien fast 70 Prozent der Bevölkerung regelmäßig zu Fuß in der Natur unterwegs sein. Egal, ob Singles, junge Familien, Paare oder Best Ager, allesamt zieht es raus. Die italienische Wanderschuhmarke Roa widmet sich den Bedürfnissen von Bergsportenthusiasten, die trotz aller Funktion nicht auf Ästhetik verzichten möchten. Die rund 20 Modelle der Unisex-Kollektion sind alle mit trekkingtauglichen Vibramsohlen ausgestattet. Zum Einsatz kommen außerdem extraleichte Materialien, die auch bei schusssicheren Westen zum Einsatz kommen, besonders stoßfest sind und hohen Querkraftwiderstand bieten. Roa ist u. a. bei Slam Jam Socialism, KM20 in Moskau, Soto in Berlin oder Mr Porter erhältlich. Die Verkaufspreise liegen zwischen 250 und 425 Euro. Zu sehen ist die Kollektion auf dem Pitti Uomo und während der Fashion Weeks in Mailand, Paris und New York, im Showroom des gobalen Distributeurs Slam Jam aus Italien, der u. a. auch die Marken Aries, Kappa Kontroll, Napa by Martine Rose, Office, United Standard und U.P.W.W. vertritt. Slam Jam, Ferrara/Italien, T 0039.0532.251211, info@slamjam.com, www.roa-hiking.com

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BRÜCKENSCHLAG Offlinepremiere

BALR. Als die beiden E-Commerce-Profis und Fußballfans Juul Manders und Ralph de Geus 2013 mit dem niederländischen Fußballstar Demy de Zeeuw die Leasurewear-Brand Balr launchten, taten sie das naturgemäß nur über den eigenen Webstore. Begleitet von jeder Menge Starappeal und einem perfektionierten Instagram- und Social-Media-Hype. Ab der kommenden Saison wird sich Balr erstmals auch an ausgewählte Stores im deutschsprachigen Markt wenden, vertreten durch Timothy Hoferer von Modeist Men mit Showrooms in München und Düsseldorf. Dafür bietet die Marke mit Hauptsitz in den Niederlanden neben der klassischen Vororder auch ein umfangreiches NOS-Programm. Balr steht für den Lifestyle des internationalen Fußball-Jetset, für eine entspannte, sportive Leasurewear mit reduzierten Logoprints und raffinierten Detaillösungen. Die T-Shirts, Hoodies, Sweatpants, Sneaker und Caps für Frauen und Männer sind ausschließlich in Schwarz-Weiß gehalten. Die EK-Preise liegen zwischen 35 Euro für ein T-Shirt, 62 Euro für Hosen und 66 Euro für Sneaker mit einer Kalkulation von 2,7. Modeist, München und Düsseldorf/ Deutschland, T 0049.89.15985591, info@b-kleidung.com, www.balr.com 318 style in progress

GAZZARRINI. Im Januar feierte die italienische HAKA-Kollektion von Gazzarrini nach einem umfassenden Relaunch auf dem Pitti Immagine Uomo in Florenz ihr großes Comeback. 2017 wurde die Marke von der italienischen Gruppo GGM Italia gekauft. Kurz nach der Messe übernahm Patrick Coppolecchia Reinartz von der Agentur D-tails den Vertrieb für den deutschsprachigen Raum. Kein Zufall, wie er sagt: „ich hatte sie schon lange im Auge und war nach der Vorstellung auf dem Pitti vollends überzeugt. Der Look ist adrett und smart, gleichzeitig spricht es auch den jüngeren Kunden an, während die Qualitäten durch die Produktion in Neapel sehr hochwertig sind“, erklärt er. Gazzarrini stammt aus einem Familienbetrieb, der in einer alten Lederei im Umfeld anderer Lieferanten direkt am Fuße des Vesuvs produziert. Die unmittelbare Nähe zu Traditionsbetrieben von der Wäscherei bis zum Stoffproduzenten ist die Ausgangsbasis für maximale Flexibilität, die Gazzarrini seinen Kunden mit zwei Hauptkollektionen, zwei Flashprogrammen und für einzelne Kunden sogar mit einem Fine-Pezza-Programm bietet (eine kleine Sonderproduktion aus Stoffüberhängen mit hoher Kalkulation). Kreativdirektor ist seit 2010 Marco Ciampalini, der der Kollektion einen spannenden Twist zwischen formaler Menswear und Einflüssen aus der Sportswear gibt. Die EK-Preise liegen zwischen 55 Euro für ein Hemd, 70 Euro für Strick und 120 bis 140 Euro für Anzüge. Kalkuliert wird mit 2,7 bis 2,9. D-tails, München/Deutschland, T 0049.89.20207771, info@d-tails.de, www.gazzarrini.com

Nachhaltiger To-Go-Becher

KAFFEEFORM. Beim Shopping oder auf dem Weg ins Büro, der schnelle Kaffee für unterwegs ist für viele ein Automatismus. Allein in Deutschland werden stündlich 320.000 Einwegbecher verbraucht mit einer Nutzungsdauer von etwa 15 Minuten. Die Becher lassen Mülleimer überquellen, verschmutzen Parks und Plätze. Für Herstellung werden in der Regel keine Recyclingfasern verwendet, sondern neue Bäume gefällt; weil die Becher anteilig meist aus Kunststoff bestehen, wird zudem Rohöl benötigt – hinzu kommt noch der Plastikdeckel. Das Berliner Label Kaffeeform, das seit 2012 Cappuccino- und Espressotassen aus recyceltem Kaffeesatz herstellt, bietet nun auch einen To-Go-Becher an und wurde dafür gleich mit dem Red Dot Design Award in der Kategorie Best of the Best ausgezeichnet. Charakteristische Eigenschaften des Kaffeeform-Materials sind die marmorierte, an Holz anmutende Oberfläche, der Geruch von Kaffee, die lange Haltbarkeit und das leichte Gewicht. Der VK-Preis beträgt 14,90 Euro. Abgesehen davon, dass Kaffee aus Pappbechern fürchterlich schmeckt, gilt es den Müllbergen und der Ressourcenverschwendung den Kampf anzusagen. Kaffeeform UG, Berlin/Deutschland, mail@kaffeeform.com, www.kaffeeform.com


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Neues Projekt eines Masterminds

EVEN IF. Hinter der noch jungen Marke Even IF aus Italien steht als kreativer Mastermind kein geringerer als der Designer Rino Stilli. Mit seiner Erfahrung in der High Fashion und dem Erfolg mit der Marke Novemb3r ist Even IF seine neue Bühne für einen cleanen, auf die Essenz von besonderen Formen, Qualitäten und avantgardistischen Schnitten reduzierten Look. Für die Saison Frühjahr/ Sommer 2019 übernimmt die Agentur D-tails den Verkauf im deutschsprachigen Markt und setzt dabei auf einer Basis von rund zehn renommierten Kunden auf – mittelfristig sollen es um die 40 Kunden werden. „Das ist genau der Look, nach dem die Kundin sucht, die nach dem Weggang von Jil Sander und den meisten japanischen Designern kaum noch einen intellektuell umgesetzten, super­cleanen Style findet“, erklärt Patrick Coppolecchia Reinartz. Die EK-Preise liegen zwischen 55 und 60 Euro für eine Bluse, rund 90 Euro für ein Kleid und 70 Euro für Strick mit einer Kalkulation von 3,0. Produziert werden die zwei Kollektionen pro Jahr ausschließlich in Italien in einer traditionsreichen Fabrik nahe Venedig. D-tails, München/Deutschland, T 0049.89.20207771, info@d-tails.de, www.evenif.biz

Stille Exzentrik

LALO. In ihrer georgischen Heimat wird die Designerin Lalo schon als Shootingstar gefeiert. Ihre Kreationen sind feminin und extravagant. Ihre farbenfrohen und gewagten Designs elektrisieren auf den ersten Blick. Die Schnitte sind avantgardistisch und dennoch tragbar – eine faszinierende stille Exzentrik. Ihre Vorliebe gilt speziellen Handstrick- und Fertigungstechniken für Mäntel und Jacken, gerne in Kombination mit transparenten Kleidern in Knallfarben, mit Batikmustern oder Degradé-Pailletten. Ein überschwengliches Schmücken mit hochwertigen Deko-Elementen wie Federn, Edelstickereien und Glamknöpfen, verleiht leuchtenden Stoff- und Strickteilen angesagte Opulenz. Lalo zelebriert den Glamour der vergnügungssüchtigen Roaring Twenties, der stilbildenden Epoche geprägt von Exzess, Genuss sowie Emanzipation, die ein starkes Frauenbild propagierte. Diese Ideale von damals und die Vorstellung von weiblicher Unabhängigkeit und Individualität überträgt die Designerin auf ihre Kollektion. Eine kühn-künstlerische Designwiedergabe verinnerlicht das Bild einer modernen, selbstbewussten Frau, die mit extravaganten Akzenten die Aufmerksamkeit auf sich lenken möchte. Flessa Modeagentur, Buch am Buchrain/ Deutschland, T 0049.8124.909181, info@flessa-modeagentur.de, www.lalocardigans.com

Von Frau zu Frau

TANJA HELLMUTH STUDIOS. „Reduziere auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie.“ Dieses Credo der japanischen Wabi-Sabi-Lehre hat Tanja Hellmuth zum Leitsatz ihres neuen Labels gemacht. „Es ist eine Kollektion von einer Frau für Frauen“, sagt Tanja Hellmuth, die 18 Jahre das Design von St. Emile verantwortet hat und heute neben ihrem eigenen Label der Marke Hessnatur als CCO beratend vorsteht. Ihre eigene Kollektion zeigt eine künstlerische Herangehensweise; denn Tanja Hellmuth hat auch als preisgekrönte Künstlerin ein Diplomstudium in Malerei, Bildhauerei, Zeichnen und Design hinter sich. Ganzjahrestaugliche Kleider stehen im Mittelpunkt, etwa farbig leuchtende Seidentwillkleider mit eigens entwickelten Drucken, die sich mit Accessoires casual oder elegant stylen lassen, unifarbene Shaping-Jersey-Dresses und luxuriöse Swea­ ter. Die in Ungarn und in Italien gefertigten Designerkleider kosten im EK zwischen 143 und 286 Euro und im VK zwischen 399 und 799 Euro. Erste Erfolge hat Tanja Hellmuth bereits zum Start zu vermelden, so konnten mit Bungalow in Stuttgart und Mike Shay auf Sylt namhafte Kunden gewonnen werden. Hellmuth. Tanja Hellmuth Studios, Mühltal/ Deutschland, T. 0049.6151.6290973, Jasmin.schut@hellmuth-studios.com, www.hellmuth-studios.com style in progress 318


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The new

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MODE 133

Lass mal locker. Wenn ein Unisex-T-Shirt mit Recht als neues Selbstverständnis der Saison bezeichnet werden darf, dann ist die Mode so abgeklärt wie seit den 1980er-Jahren nicht mehr. Während sich die Silhouetten zusehends entspannen und auch in der Menswear der Komfortanspruch die Epoche der Skinny Fits beendet hat, übt die Sportswear immer mehr Einfluss aus. Diese Trends gehen buchstäblich in die Tiefe, denn selten standen die Qualitäten und Farben so sehr im Mittelpunkt einer ganzen Saison. Redaktion: Isabel Faiss. Fotos: Hersteller

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134 MODE

About the Fit

Abseits der großen Komfort- und Stretch-Wellen besinnt sich die DOB wieder auf ihre Klassiker. Hochgeschlossen und sehr angezogen kommen jede Menge Zitate aus der klassischen Menswear. Sie treffen auf zarte Farben und noch zartere Stoffe. Das ist die exakte Gegenbewegung zum allgegenwärtigen Casual-Trend und der Easywear-Attitüde. Unterschiedliche Volumen, avantgardistische Schnitte und relaxte Silhouetten machen eine übermäßige Dekoration fast schon überflüssig.

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Roberto Cavalli

Liu Jo

Strenesse

Comma

Pence

Niu


MODE 135

Freedom of movement

Antonelli

FTC Cashmere

Superga

Windsor

Isabelle Desiree Mi-A-Ko, Marc O’Polo Director Division Casual Woman und Stefan Siegel, Marc O’Polo Director Division Casual Men Wie haben Sie die Inspirationen für Frühjahr/Sommer 2019 konkret umgesetzt? Das Thema Athleisure brachte die Freude an Action und Bewegung in die Casual Assortments. Heute werden die Tragekomforts, sportlichen Details und Farben in moderne Casual Looks integriert, mit AlloverPrints kombiniert und neu interpretiert. Das Schlagwort ist Freedom of movement – ob im Sport, auf der Couch oder im Business Look. USP: Enhanced day time looks influenced by sports. Gab es einen Trend, der Sie selbst überrascht hat? Farbige, gemusterte Outerwear. Potenzial Rock. Jersey-Konfektion. Das alles für Frauen. Wie wichtig sind Trends für die Branche und wie wichtig sind sie für Marc’O Polo? Will man Trends schnell erkennen und auf die Fläche bringen, kann man nur verlieren. Es wird immer jemanden geben, der noch schneller ist. Wer aber nimmt sich Zeit für Details, die perfekte Silhouette und langlebige Materialien? Hier sind wir stark und machen den Unterschied.

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136 MODE

Athletic Glam

Streetwear meets Sportswear meets High Fashion Attitude. Die sportlichen Silhouetten werden modisch übersetzt und neu interpretiert, Funktion trifft dabei auf die Dynamik der 1980er- und 1990er-Jahre mit Neonfarben, lässigen Crossover-Looks und immer ein bisschen Provokation.

Der Blick aus dem Riesenrad

Yossi Cohen, Creative Director ADD Worauf können wir uns in der Saison Frühjahr/Sommer 2019 einstellen? Ich glaube, für den kommenden Sommer 2019 sind wir alle auf der Suche nach einem neuen Wohlfühlfaktor. Wir wollen neue Werte schaffen, indem wir Altes und Aktuelles vermischen und damit eine neue Zukunft kreieren. Wir entdecken außerdem ein neues Verlangen nach den Werten der Natur, ich nenne es Bio & Technology. Was hat Sie bei Ihren Brain­ stormings begeistert? Meine Inspirationen suche ich wie ein Beobachter, der in einem Riesenrad sitzt und die Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, um immer wieder neue Aspekte zu entdecken. In dieser Saison geht es um Outdoor, Natur und Funktion, aber in einer kunstvollen Art und Weise. In der ADD-Sommerkollektion fokussieren wir uns auf die Möglichkeiten und Weiterentwicklung des Themas Lightdown. Welche Rolle spielen Mode­ trends für die Kollektionsent­ wicklung von ADD? Uns geht es um Identität und Lifestyle. Gesellschaftliche Trends sind für uns wichtig, um unsere Zielgruppe und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Bei Modetrends macht es uns eher Spaß, sie zu beobachten, wir greifen sie nur auf, wenn sie zur Markenphilosophie von ADD passen.

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Peuterey

Blauer USA

FTC Cashmere

Sportalm

Woolrich Outdoor Label

Handstich

RRD

People of Shibuya


MODE 137

Die Trendmatrix

19/91 Lateral Product

Paul & Shark

Parajumpers

Save the Duck

North Sails

Airfield

Andrea Cané, Creative Director Woolrich Was sind Ihrer Meinung nach die stärksten Trends und wie setzen Sie diese für Woolrich um? In diesem Jahr haben wir besonders mit den 1980erund 1990er-Jahren gearbeitet. Woolrich ist seit 1830 auf dem Markt und unsere Industrie tendierte schon immer dazu, ihre Inspirationen in der Vergangenheit zu suchen. Die wichtigsten Themen sind die Streetwear, die Logomanie und die Überwindung von Geschlechterrollen. Streetwear hat ihre Wurzeln in Work- und Sportswear – und das war immer die Designmatrix von Woolrich. Weil wir die Männer und Frauen ausgerüstet haben, die in den letzten beiden Jahrhunderten da draußen die Infrastuktur der US-amerikanischen Gesellschaft aufgebaut haben. Braucht die Modeindustrie überhaupt noch Trends, um zu verkaufen? Nein. Die Branche braucht Spannung und die Marken müssen ihre eigene Stärke zum Ausdruck bringen. Sie müssen mit dem Konsumenten kommunizieren und ihm erzählen, wofür sie stehen. Ich surfe zum Beispiel ständig zwischen unseren historischen Archiven und der Next Generation Attitude, was mir eine klare Perspektive für die richtige Richtung der Marke gibt und uns gleichzeitig unserem eigenen Erbe treu bleiben lässt. Die neue Generation sieht unser eigenes Erbe mit ganz neuen Augen, wodurch diese jedes Mal neu und frisch interpretiert wird, indem unsere Marke unterschiedlich getragen und inszeniert wird.

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138 MODE

A Bunch of Boho

Multikulturelle Einflüsse gepaart mit akribisch herausgearbeiteten Details und urbaner Lässigkeit. Der Boho-Trend hält uns auch weiterhin die Treue. Jede Menge Romantik bringen dabei Fransen, Stitchings, Blumenprints und bodenlange Kleider mit ins Spiel.

Klasse statt Masse

Mel Nienaber, Creative Director Marlino Gibt es ein Produkt, eine Farbe oder ein Detail, das im nächsten Sommer nicht fehlen darf? Dekoration ist nach wie vor ein großes Thema. Gold und Strass – fein dosiert – setzen die Highlights, Candy-Farben, bunte, großflächige Drucke und Streifen bringen Frische ins Bild. Bei den Qualitäten sehen wir ein großes Comeback für Leinen. Silk Sisters bringt daher neben Baumwolle, Seide und Viskose in der neuen Saison auch sommerlich feines Leinen-Jersey. Das Wetter spielt Kapriolen, die Mode spielt mit: It Peace setzt auf stylische Regenjacken und -mäntel aus beschichtetem Jersey. Leicht, elastisch und wasserdicht mit verschweißten Nähten verbindet die kleine Kollektion das Schöne mit dem Nützlichen. Was sind generell starke Trends, die Sie für die Saison Frühjahr/ Sommer 2019 sehen? Wegen des Athleisure-Trends, gelockerter Kleiderordnungen und der Entstehung neuer Arbeitsund Wohnformen fusionieren Freizeitkleidung, Bürooutfit und Abendgarderobe zusehends. Daher ist für uns ganz klar: Das kreative Spiel mit den Gegensätzen wird sich weiter fortsetzen. Streetwear meets Couture, T-Shirts aus Seide, Blusen mit Polokragen, Armeejacken mit Strasssteinchen, Oversize-Kleider maßgeschneidert, Jogginghosen im Smokingstil – alles gerne bequem, alltagstauglich und chic zugleich.

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Ivko

Lucky de Luca

Liu Jo

Windsor

Roberto Cavalli

Niu


MODE 139

Antonelli

Seidenfelt

Odd Molly

Xacus

Yippie Hippie

An An Londree

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140 MODE

Italo Disco

Die 1990er- und 1980-Jahre lassen grüßen. Kastige Jeans- und Lederjacken, authentische Acid Washes auf Denim und dazu jede Menge Glamour und Farbe. Anleihen aus dem Punk dürfen nicht fehlen, genauso wenig wie Metallic-Schattierungen. Mehr Dekoration geht kaum.

The winning formula

Marco Marchi, Präsident und Head of Style Liu Jo „What’s hot and what’s not“ im Sommer 2019? Jeans sind wie immer ein Renner – und im Sommer 2019 gibt es keine Ausnahme: Sie sind kultig und unique, der unumstrittene Star der kommenden Saison. Mit ihrer Vielseitigkeit und Einzigartigkeit spiegeln sie die ganze Kollektion von Liu Jo wider. Verschiedene Schnitte und Waschungen sind die Schlüsselelemente, die die Stoffe aufwerten und ihnen einen besonderen Reiz verleihen. Was sind Themen, an denen in dieser Saison keiner vor­ beikommt? Für Liu Jo, aber auch für die Branche im Allgemeinen werden Accessoires immer wichtiger. Für uns geht es dabei vor allem um das Zusammenspiel von Mode und Accessoires. Das Thema Sportswear wird weiterhin ein enorm wichtiger Trend sein, allerdings in einer Neuinterpretation mit hohem modischem Anspruch. Wie wichtig sind für Liu Jo Trends? Sie sind wichtig: Wie könnten wir den Zeitgeist begreifen, wenn Mode nicht die Aufgabe hätte, diesen zu übersetzen und zu interpretieren? Unser Erfolgsrezept ist es, die Balance zwischen unserer Identität und der Trendrecherche zu finden.

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Digel Move

Bik Bok

Lemon Jelly

Replay

Liu Jo


MODE 141

Die Lässigkeit etabliert sich

Schott NYC

Sportalm

Wrangler

Paul & Shark x Nick Wooster

Postyr

Fred Götz, Head of Design Drykorn Was gibt es Gutes in der Saison Frühjahr/Sommer 2019? Vieles! Coole HawaiiThemen, neue Silhouetten, High Class Suits, Westernelemente, das alles macht die neue Drykorn-Kollektion für den Mann aus. Wir haben einen bestimmten Print für die Kollektion entwickelt. Dieser wird sich wie ein roter Faden durch alle Warengruppen ziehen. Welche Themen durfte man für Frühjahr/Sommer 2019 nicht aus den Augen lassen? Generell versuchen wir alle Trends im Auge zu behalten. Der wichtige Schritt ist dann, die richtigen Trends für die Kollektion zu definieren und für unsere Kunden mit der nötigen Drykorn-DNA zu versehen. Wir haben im letzten Sommer beispielsweise ein neues Thema namens Drynamic ins Leben gerufen. Hier haben wir technische-funktionelle Materialien in konfektionierten Looks und Styles umgesetzt. Dieses Thema haben wir auch für Sommer 2019 ausgebaut. Welche Rolle spielen Trends heute eigentlich noch? Definiert nicht jeder seinen eigenen? Trends sind wichtig, weil sie immer wieder frischen Wind bringen. Nicht jeder Trend wird auch ein Drykorn-Trend. Nicht jeder Trend wird zum Bestseller. Trotzdem macht es uns Spaß auf Trends zu reagieren.

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142 MODE

Streetwear Dandy

Für HAKA kommt nach den Skinny- und Superskinny-Fits nun die Phase der Entspannung. Die Konfektion lockert sich selbst mal so richtig auf, Zitate aus der Sports- und Streetwear helfen gerne dabei. Die entspannten Schnitte bringen eine neue Spannung durch mehr Volumen, vor allem bei den Hosen.

Komfort ist nicht mehr wegzudenken

Manuel und Christian Weber, Founder und Designer Weber + Weber Was wird so richtig gut an der Saison Frühjahr/Sommer 2019? Wirklich gut sind die sehr leichten Materialien! Dabei sind diese auch fast alle Stretch und bieten daher eine nie da gewesene Leichtigkeit und Komfort. Das Sommersakko wird zum Key-Style. Und für wirklich heiße Tage ist man mit einem unserer Gilets bestens gekleidet. Selbst Strickteile mit sartorialen Details sind leicht wie ein T-Shirt, diese werden statt einem Hemd unter Blazer oder Gilet getragen. Wenn Hemd, dann muss es ein Stehkragenmodell sein. Kollektionsschwerpunkt? Schwerpunkt liegt auf neuen Waschungen, Färbungen und Finishes für Sakkos und Westen. Innovation ist vor allem im Material aber auch im Griff der Konfektion. Wir rücken das Gilet in den Mittelpunkt. Trends? Der Mann ist auf der Suche nach dem Besonderen: Jedes Modell erzählt eine Geschichte von Herkunft und außergewöhnlichen Fertigungsver­ fahren. Dies muss im Look eher unauffällig, soll aber im Detail erkennbar sein. Komfort ist nicht mehr wegzudenken und wird vorausgesetzt. Durch­ setzen wird sich der Komfort auch bei HAKA-Kollektionen.

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Alberto

Lardini

Luis Trenker

Aston Martin by Hackett

Bomboogie


MODE 143

Easy like sunday morning

Floris van Bommel

Weber + Weber

Manuel Ritz

Joop

Dornschild

Regent

Gabriele Pasini

Luigi Lardini, Creative Director Lardini Was hat Sie für die Saison Frühjahr/Sommer 2019 inspiriert? Für die Lardini-Kollektion Frühjahr/Sommer 2019 ließ ich mich von der Impulsivität und Kreativität des italienischen Kult­ illustrators der 1960erJahre inspirieren, Renato Zavagli Ricciardelli, auch René Gruau genannt. In der Kollektion finden sich außerdem Einflüsse der Atmosphäre von Saint Tropez wieder, mit sonnigen Farben wie Ocker, Orange, Rot, Blau und einem Orange-Grün. Was sind starke Tenden­ zen in der Mode und wie reagieren Sie darauf? Die stärksten Trends drehen sich heute um das Thema Tragekomfort, darin, die Produkte mit einem Extra an Komfort aufzuwerten und viel Wert auf Details zu legen. Der wichtigste Aspekt ist immer der Komfort unserer Outfits, die Schnitte sind nicht mehr eng, sondern viel entspannter. Raffinierte Details werten die Outfits auf. Also haben Trends nach wie vor ihre Daseins­berechtigung in der Mode? Ja. Gäbe es keine Trends, gäbe es keine Mode. Aber meiner Meinung nach muss die Modeindustrie den Konsumenten heutzutage mehr erziehen. Wir verlieren den guten Geschmack. Wir müssen ihnen ganz klare Regeln vermitteln.

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144 MODE

The Big Easy

Supersofte, gewaschene und bedruckte Jerseys bilden das Epizentrum. Der Tragekomfort, die Coolness, der Vibe: tiefenentspannte Casual Looks mit relaxten, weiten Silhouetten, Oversize-Fits und Layerings. Alles dreht sich um den Tragekomfort und die Softness der Materialien, um die Lässigkeit cleaner Non-Colour-Kombinationen.

Digitalisierung vs. Innehalten

Guido Östländer, Head of Design Cinque Men Gibt es ein alles über­ greifendes Schlagwort für Frühjahr/Sommer 2019? Komfort. Jedes Stück muss noch bequemer sein, als es eh schon ist. Power Stretch ist hier der Slogan. Welchen Themen räumen Sie für die Saison Früh­ jahr/Sommer 2019 große Chancen ein, dass sie sich durchsetzen? Komfort. Der aktuelle Zeitgeist wird auf der einen Seite von Digitalisierung und auf der anderen Seite von einem Innehalten geprägt. Man will den Anschluss, aber dabei auch sich selbst auch nicht verlieren. Komfort wird hier zu einer Lebensphilosophie und wird als Header die nächsten Saisons bestimmen. Benötigt unserer Branche noch globale Trends bzw. sind diese so noch umsetz­ bar? Für die Branche haben Trends nach wie vor eine Bedeutung, da die Menschen sich gerne von Trends anlocken und verleiten lassen. Werden Trends beworben, läuft die Herde mit. Ist eine Farbe oder ein Muster hip, sind wir dabei, solange wir unsere Marke dadurch nicht verheizen.

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1888 Steiner

Begg & Co

Alberto

Bloom

Manuel Ritz

Derek Rose


MODE 145

Less Dressy

Blaumax

Matthias Garske, Brand Manager 04651/ Was sind Ihre Erwartun­ gen an die Saison Früh­ jahr/Sommer 2019? Lust, Hunger und die Bereitschaft für Neues! Was hat Sie an den Themen für diese Saison besonders begeistert? More easy und casual, less dressy. Was sind generell starke Trends, denen Sie große Chancen einräumen, dass sie sich durchsetzen? Fabric Softness und Wertigkeit der eingesetzten Materialien, gepaart mit einer relaxten Linienführung der Fittings. Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach heute noch Trends für unsere Branche? Trends sind prägend für eine Zeitspanne und nicht eine rein saisonale Erscheinung. Somit als Marschroute für die Branche unverzichtbar.

Marc O’Polo

Better Rich

Lucky de Luca

04651/

Sebago

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146 MODE

Plain White Tee

Radikaler kann man einen Trend nicht auf seine Essenz reduzieren. Wir feiern das Comeback des weniger ist mehr: unifarbene Shirts, extrem cleane Looks, Pastelle Ton-in-Ton. Eyecatcher sind XXL-Slogans und Logoprints im Stil der 1990er-Jahre. Die Materialien sind hochwertig, still und leise. Dazu kommen Knallfarben, Jeansshorts, Denims und Lederjacken im Collegestil.

Schott NYC

Just Cavalli

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Alpha Studio

People of Shibuya

Edward Copper

Mey Story

Juvia


MODE 147

Kompromiss­ lose Coolness

Joop

Lunaria Cashmere

Phil Petter

Blaumax

Better Rich

Zeshan Ahmed, Blaumax Was ist das Motto der Saison Frühjahr/Sommer 2019? Back to basics. Das Unisex-Tee mit einem Unisex-Hoodie ist das neue Selbstverständnis. So cool war Mode schon lange nicht mehr! Überraschend ist, wie nachhaltig und selbstverständlich klassische Sports- und Streetwear­themen sich in High Fashion etablieren konnten. Was sind generell starke Themen, von denen Sie erwarten, dass Sie sich durchsetzen? Authentische Materialien und Logos der Lieblingsmarke. Weite, unkonstruierte Hosenformen und viel Denim, vorzugsweise in schwereren Gewichten, nicht mehr zwingend mit Stretchanteil, mit authentischen Waschungen und nicht nur als Skinny. Welche Macht haben Trends heute? Die Branche braucht und sucht Trends. Dem gegenüber stehen Konsumenten, die sich immer schneller und unberechenbarer bewegen. Die Bereitschaft, Kommandos zu folgen, nimmt ab und die Bedeutung von spontanen Entwicklungen außerhalb der herkömmlichen Hierarchien nimmt zu. Neue Role Models, die sich immer mehr der Industrie entziehen, beeinflussen zunehmend die Entwicklung. Das steht einer immer größeren Konzentration der Anbieter gegenüber. Ein spannender Kampf um Individualität und Mode!

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Für Sie 148 MODE

Stilgruppen? Zielgruppen? Konsumentinnen lassen sich heute nicht einfach fassen: Sie sind wandlungsfähig, vielseitig und zwischen Modelust und Konsumbewusstsein zu verorten. style in progress hat Einkäuferinnen und Einkäufer gebeten, ihre Vision der Frauen, für die sie einkaufen, zu teilen. Text: Kay Alexander Plonka, Martina Müllner-Seybold. Illustration: Claudia Meitert@Caroline Seidler. Bilder: Gesprächspartner

„Das ist ein Lebensstil“

Seit 27 Jahren behauptet sich Christiane Lindner mit Zeitgeist in Amberg, einem beschaulichen Städtchen in der Oberpfalz. 90 Prozent ihrer Kundinnen sind Stammkundinnen für die „wir die Marke sind, ganz klar. Geschichten sind diesen Kundinnen wichtig.“ Ob das nun Polster aus Südafrika sind, denen auch noch ein Charity-Gedanke innewohnt, oder die Tatsache, dass Odeehs Atelier eben nicht in Mailand oder Paris, sondern in Giebelstadt ist. „Wer bewusst isst, sich bewusst um seinen Körper und seine Gesundheit kümmert, der will auch die entsprechende Mode. Das ist eine Geisteshaltung, ein Lebensstil.“ Mit hochwertigen, langlebigen, aber lebenslustigen, bunten und femininen Stücken aktualisieren die Zeitgeistkundinnen saisonal ihre Garderobe. „Wichtig finde ich, dass wir vermitteln, dass unsere Stücke die Wertigkeit unterstreichen. Wir verkaufen eben keine Wegwerfmode: Das passt doch super zu dem Teil, das du letzte Saison bei uns gekauft hast.“

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MODE 149

„Lust auf einen neuen Look“

Als Buying Director verantwortet Vito Santoro bei P&C Düsseldorf die modische Aussage des Filialisten an über 70 Standorten. Seine Berufung – Vito Santoro arbeitete lange für Closed und hat sich mit seinem eigenen Laden Identità Italiana einen Namen gemacht – ist ein Bekenntnis von P&C zum Trading-up. Neben den Shop-in-Shops will einer der führenden deutschen Modehändler verstärkt durch jüngere Premiummarken eigenes Profil zeigen. „Die Frau, für die ich einkaufe, ist eine wandlungsfähige, erfolgreiche – privat und beruflich – sowie selbstbewusste Frau, die auf ihr Äußeres achtet. Dabei geht es weniger um eine bestimmte Berufs- oder Altersgruppe. Sie ist eine Frau die besonderen Wert auf Qualität, Ethik und Design der Produkte legt. Markennamen überzeugen sie nicht so wie das Gefühl, von dem Gesehenen überrascht worden zu sein und Lust auf den neuen Look bekommen zu haben.“ style in progress 318


150 MODE

„Verschiedene Wohnsitze, verschiedene Styles“

Zwischen beliebten Après-Ski-Locations gelegen, hat auch das Shopping bei Sinnesberger Englhaus Urlaubscharakter. „Unsere Kundinnen haben verschiedene Wohnsitze und dafür auch einen passenden Kleiderschrank. Sie trägt zum Beispiel in ihrer Heimatstadt Hamburg einen komplett anderen Style als in Kitzbühel“, fasst Brigitte Sinnesberger zusammen, die gemeinsam mit ihrem Mann Michael seit über 15 Jahren zwei Läden in Kitzbühel betreibt. „Sie kombiniert Sportlichkeit mit Eleganz, im Wintersportort ist zum Beispiel auch Pelz ein Thema, was in der Großstadt immer seltener wird.“ Kunst, Lifestyle, Design, Restaurants und Reisen interessieren die Kundin, die auf sich achtet und der Sport wichtig ist. Funkeln darf es auch schon mal: Mit Schmuck und Taschen der First Lines bringt die Englhaus-Kundin ihren Status zum Ausdruck. Den figurbewussten, junggebliebenen Kundinnen, oft verheiratet und mit Kindern im Teenageralter, offeriert Sinnesberger Englhaus eine Garderobe mit einer guten Portion Glamour und Dekoration – modern, tragbar und leger interpretiert. 318 style in progress


MODE 151

„Genussmenschen durch und durch“

Nathalie Nicoletti von Blue Sense in Heidelberg bringt mit ihren Conceptstores Urlaubsgefühl in die Studentenstadt. „Unsere portugiesischen Weine, Delikatessen und Keramik von Vista Portuguese ziehen Kunden an, die unsere Liebe zum guten Leben teilen.“ An Samstagen entwickle sich oft ein nettes Get-Together, Grüppchen, die sich kennen und gegenseitig beraten und animieren. Farben, Muster, ein bisschen Modelust ist schon gefragt: „Viele unserer Kundinnen werden mit jedem Mal mutiger, weil sie bemerken, dass sie für unsere Outfits tolle Komplimente bekommen.“ Zum Beratungsgespräch – immer ehrlich und auf Augenhöhe – gehört viel persönliche Wertschätzung. „Ich sehe immer zuerst den Menschen, viele Kunden kenne ich nur beim Vornamen und weiß gar nicht um ihre Stellung.“ Diese Verbindungen setzen sich mitunter ins Private fort. „Mit einigen Kunden sind wir mittlerweile so freundschaftlich verbunden, dass wir nach dem Shoppen mit großem Vergnügen den Tag mit einem Abendessen auslaufen lassen. Ich freue mich an diesem Bild: Frauen, die selbstbewusst einen unangestrengten, sportlich-eleganten Look tragen, die mit ihrer Kleidung ihre Wertschätzung sich selbst gegenüber ausdrücken.“ style in progress 318


152 MODE

„Ich glaube an eine gute Garderobe“

Der Voo Store im Hinterhof in der Oranienstraße in Kreuzberg gelegen, ist in Berlin eine Institution für Sneaker und Avantgardedesigner. „Die Frau, für die ich einkaufe, ist auf den ersten Blick etwas streng, dann aber auch tollpatschig, sexy beim zweiten Mal Hinschauen und hat manchmal etwas zerzauste Haare. Sie ist keine klassische Schönheit, aber eine, nach der man sich umdreht, weil sie selbstbewusst und lustig ist. Ich sehe eine Frau, die klassische Kombinationen und Looks liebt, aber keine Angst vor einem Kraut und Rüben Mix hat“, erklärt Herbert Hofmann, Creative Director & Head of Buying von Voo Store. „Ich glaube an das Aufbauen einer Garderobe, in der man nahezu alles, was man hat, mixen kann. Das passiert, wenn man sich beim Einkaufen auf seinen Geschmack verlässt und nicht jedem Trend hinterherrennt. Diese Frau kauft gerne im Laden und nicht online, dabei überlegt sie sich genau, was sie kaufen will. Das sind selektierte Einzelteile, die man für immer behält und sogar nach Jahren immer noch und immer wieder schätzt. Neugierde für Neues spielt für sie eine größere Rolle als das Markenimage. Diese Frau fragt auch mal, wo ein Teil hergestellt wurde. Ich habe eine Frau im Kopf, die gerne und gut isst und gerne über Essen redet, viel reist und dafür eigentlich das meiste Geld ausgibt.“ 318 style in progress


MODE 153

„Inspiration und Entscheidungshilfe“

„Das Wichtigste ist, dass wir selbst schon beim Einkaufen der Kollektionen Muße und Spaß empfinden“, sagt Kathrin Bauer, die gemeinsam mit ihrer Schwester Tini Köck Magazzin in Graz verantwortet. Das insgesamt 250 Quadratmeter große Geschäft schlägt die Brücke zwischen Sport und Fashion. „Ich frage mich stets: Was könnte meine Kundinnen inspirieren? Mit welchen Outfits schaffe ich es, Aufmerksamkeit zu erwecken?“ Ob im Schaufenster oder auf der Website – das Besondere zieht die Kunden in den Laden. „Wir mischen unsere Preissegmente, zum Missoni-Kleid um 599 Euro gibt’s auch mal Tom’s Ballerinas um 69 Euro – das entspricht dem heutigen Kaufverhalten und baut Schwellenangst ab. Wir bemühen uns, unseren Kundinnen Entscheidungen abzunehmen. Sie wollen nicht stundenlang suchen, ob online oder offline. Unsere Kundinnen schätzen eine vertrauensvolle Adresse, an der sie wissen, da passt alles und da fühle ich mich wohl. Sie suchen Lieblingsteile und natürlich gerne solche mit interessanten Geschichten. Denn Geschichten, die inspirieren, hört jeder gern.“ style in progress 318


154 VOR ORT

Ohhh de Cologne inspiriert auf 300 Quadratmetern mit einem sehr erlesenen Angebot.

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W

er den Store betritt, kann allen Stress draußen lassen. Er lässt den Besucher geradezu aufatmen, so lichtdurchflutet ist er mit einer Deckenhöhe von fast sieben Metern, raumhohen Fenstern und weißen Wänden. Das eigentlich Besondere aber ist das Sortiment, das in kleinen Inseln inszeniert zum Entdecken einlädt. HISTORIE UND HANDWERKSKUNST Nichts wirkt überladen und dennoch gibt es viel zu sehen. Es gibt Mode von Sea NY und Underwear von Le Slip Francais, aber die Bekleidung ist neben all den ausgesuchten Beautyprodukten fast Nebensache. Da ist die Gesichtspflege von the Ordinary, Nahrungsergänzung von Ogaenics oder veganer Nagellack von Nailberry, der schon beim ersten Auftragen deckt. Dazu kommt filigrane Fashion Jewelry von Sophie by Sophie, Marmelade in der Tube von Meia Dúzia in Aromen wie Erdbeer mit Portwein und Chili, die in Deutschland sonst nur im KaDeWe angeboten wird, sowie exklusive Düfte von Diana Vreeland. „Wir haben zusammen­gebracht, was uns

Ohhh de Cologne/Köln.

Ein lauter Auftritt mit viel Bling-Bling? Das ist nicht die Sache von Gloria Massaro-Conrad und Silvia Philipp, die im Januar ihren Conceptstore Ohhh de Cologne eröffnet haben und auf Hochwertiges aus der Nische setzen.

Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Ohhh de Cologne

DER LEISE LUXUS

Die Inhaberinnen von Ohhh de Cologne Silvia Cristina Machado Philipp und Gloria Massaro-Conrad haben sich mit ihrem Store einen Traum erfüllt. „Wir wollen hier anbieten, was wir lieben und was uns überzeugt.“

begeistert und was es nicht an jeder Ecke gibt“, sagt Silvia Philipp. Das sind Nischenprodukte, die oft nachhaltig sind, einen Charity-Hintergrund haben oder auch eine Geschichte, die darauf wartet, erzählt zu werden. Zum Beispiel die der Seifen und Duftkerzen von Claus Porto, einer 1930 gegründeten Manufaktur in Portugal, die mit recycelbarer Verpackung mit Motiven aus dem Firmenarchiv relauncht wurde. Oder die von Féret Parfumeur aus Frankreich, die ebenfalls auf eine nunmehr 100-jährige Tradition verweist und eine kleine Organic-Kosmetiklinie mit Biohonig herausgebracht hat. Darüber hinaus hat Ohhh de Cologne Interieur vom Raumtrenner über Spiegel bis hin zu Vintage Carpets zu bieten – und Kunst, von Tape that und Patrick Foua. Zweifellos haben Silvia Philipp und Gloria Massaro-Conrad ein Gespür für Trends, dem sie mit Ohhh de Cologne ein Forum gegeben haben. Zehn Jahre war Silvia Philipp Geschäftsführerin einer Werbeagentur für die Beautybranche und hat unter anderem mit L’Oréal, Henkel und LVMH zusammengearbeitet, während Gloria Massaro-Conrad hochwertige Nischenmarken international vertrieben hat. Heute setzen beide Inhaberinnen den Vertrieb unter der Firmierung Premium Beauty Brands fort. Einige der Marken führen sie auch bei Ohhh de Cologne. AURA UND ANGEBOT Ohhh de Cologne ist in den historischen Spichernhöfen am Stadtgarten Kölns zu finden, in direkter Nachbarschaft von Anwälten, Beratern,

einem Fitnesscenter, dem Boffi Küchenshowroom und Restaurants. Ein Umfeld, das die richtige Klientel für den Conceptstore verspricht. So hat Ohhh de Cologne ein halbes Jahr nach der Eröffnung bereits Stammkunden, die Aura und Angebot von Ohhh de Cologne lieben und immer schauen, ob es neue Überraschungen gibt. So überlegen Massaro-Conrad und Philipp, in den oberen Räumen Kosmetikanwendungen zu ermöglichen, und auch ein Onlineshop ist geplant. „Wir wollen nicht statisch sein, sondern bedarfsgerecht agieren“, betont Gloria Massaro-Conrad. „Wir sind weltoffen und flexibel und haben große Freude, unsere Leidenschaft an den Mann und die Frau zu bringen.“

Ohhh de Cologne – Concept Store Spichernstraße 6, 50672 Köln/Deutschland www.ohhhdecologne.com Eröffnung: Januar 2018 Inhaberinnen und Geschäftsführerinnen: Gloria Massaro-Conrad, Silvia Cristina Machado Philipp Anzahl der Mitarbeiter: 4 Verkaufsfläche: 300 qm Marken Frauen: 2787 Parfums, Byredo, Claus Porto, Diana Vreeland, Eau de Couvent, Escentric Molecules, Fountain, Féret Parfumeur, Juicebox, Kosho, Le Slip Français, Meia Dúzia, Nailberry, Niod, Ogaenics, The A-Club, The Ordinary, The Liquid Health, Sea NY, Selahatin u. a. Marken Männer: 2787 Parfums, Byredo, Claus Porto, Diana Vreeland, Eau de Couvent, Escentric Molecules, Fountain, Féret Parfumeur, Juicebox, Kosho, Le Slip Français, Meia Dúzia, Niod, Ogaenics, The A-Club, The Ordinary, The Liquid Health, Sea NY, Selahatin u. a. Marken Accessoires und Interieur: Degrenne Paris, Frederike von Cranach, Gur, Hibi, Qeeboo, Red Edition, Rizzoli New York, Sophie by Sophie, Thomas Poganitsch, Vintage Carpets u. a. style in progress 318


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Dass sein Conceptstore mit so luxuriรถsen und ausgesuchten Marken in Kirchberg in Tirol Erfolg haben kรถnnte, haben viele bezweifelt: Christoph Pรถll hat das Gegenteil bewiesen. Im Bild: die Weinbar.


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E

ine Geschichte, wie sie in vielen Wintersportorten geschrieben wurde: Vor vier Generationen als Schuster gegründet, fügt die jeweilige Generation ein bisschen Zeitgeist hinzu. Erst Sport, dann Schuhhandel. In der Elterngeneration von Christoph Pöll wird das Unternehmen auf zwei Familien aufgeteilt: Die eine bringt den Sport weiter, die andere verschreibt sich ganz den Schuhen und der Mode. „Ich hatte niemals geplant, in den Betrieb meiner Mutter einzusteigen. Ich sollte nur ein Jahr bleiben, heute sind es schon sieben geworden“, sagt Christoph Pöll, der Mann, der Gschwantler einen ganz neuen Dreh verpasst hat. Heute zählt das Unternehmen 20 Mitarbeiter und vier Läden in Kirchberg in Tirol – den Conceptstore, den Schuhladen, das Off-PriceKonzept Warehouse und einen Closed-Laden. BERÜHRUNGSPUNKTE ABSEITS DER MODE Seine Weinleidenschaft brachte die entscheidende Wende: Dem Conceptstore in Kirchberg ist eine Weinbar angeschlossen, die

Gschwantler/Kirchberg.

Still und leise hat sich Gschwantler in Kirchberg, Kitzbühel und Innsbruck profiliert: Dreh- und Angelpunkt ist der Conceptstore in Kirchberg in Tirol, in dem Christoph Pöll auf mutige Markenentscheidungen setzt. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Gschwantler

DAS UNMÖGLICHE MÖGLICH

sich mittlerweile einen eigenständigen Ruf erarbeitet hat. Ob Wein oder Mode, Christoph Pöll widersetzt sich der Vergleichbarkeit. „Es ist wichtig, dass wir Dinge führen, die anderswo nicht erhältlich sind, die mit ihrer Qualität und nicht mit dem bekannten Namen überzeugen“, so der Unternehmer. Eine Alternative zur modischen Nische gab es nicht: Weil nur wenige Kilometer vom glamourösen Kitzbühel entfernt, sind viele First Lines schon durch Mitbewerber geblockt. „Gerade das macht mir Spaß, Marken zu entdecken, die es in unserer Region noch nicht gibt.“ Sich von einem Geheimtipp zum nächsten arbeiten, permanent recherchieren, immer ganz vorne dran sein – das alles macht Christoph Pöll erstaunlich leise. Seine Arbeitsweise ist reflektiert, schnell, aber auch beständig. Das Erstaunliche: „Wenn wir neue Marken einführen, brauchen wir oft nicht viel zu erklären, die Kundinnen kennen sie häufig schon“, erzählt Christoph Pöll und beschreibt damit sein Glück, sich Stammkunden aufgebaut zu haben, die ebenso nach Perlen tauchen wie er selbst. DIE AUSSENSTELLEN UND DIE VISION Mit einem Laden in Innsbruck und Kitzbühel vergrößert Gschwantler seinen Wirkungskreis – doch wichtig sei, sich in anderen Städten nicht zu verbiegen. „Mir ist klar geworden: Wir müssen immer Gschwantler bleiben.“ Zu Hause gelingt das immer noch am besten, denn hier kommen die Kunden nicht nur, um Mode und edle Schuhe zu kaufen. „Das Glas Wein oder der Espresso an unserer Bar gehören für viele nach dem Skifahren zum guten Ton.“ Essenziell für die starke Wintersaison sind frühe Liefertermine. „Das Frühjahr beginnt bei uns im Dezember“, sagt Christoph Pöll. Besonders beeindruckt zeigt sich der Modeliebhaber von Designern, die sich der Abwertungsspirale widersetzen:

„Die Proenza Schouler Jubiläumskapselkollektion ist ein gutes Beispiel, das sind Highlights aus der Markengeschichte, die wieder aufgelegt wurden.“ Ganz in diesem Sinne tüftelt Christoph Pöll derzeit an einer Marke, die den Geist der Region modisch übersetzen soll. „Weil unsere Kunden etwas Einzigartiges suchen, das sie sich aus ihrem Urlaub hier mitnehmen können.“ Man darf gespannt sein!

Er taucht nach Perlen: Christoph Pöll will bei Gschwantler seine Vision des Besonderen transportieren.

Gschwantler Baderstraße 2, 6365 Kirchberg in Tirol www.gschwantler.com Eröffnung: 2011 (Conceptstore) Inhaber: Familie Gschwantler-Pöll Anzahl der Mitarbeiter: 20 Verkaufsfläche: ca. 750 qm (6 Filialen) Marken Damen: Alanui, Alexa Chung, Alyx, Antonia Zander, Bella Freud, Cambio, Christian Wijnants, Closed, Dorothee Schumacher, Ellery, Faith Connexion, Frame, Golden Goose Deluxe Brand, Jacquemus, JW Anderson, Kenzo, Marni, Paige, Partow, Proenza Schouler, R13, RTA, Seductive, The Elder Statesman, Thom Brown, Vilshenko, Vivetta, Zimmermann Marken Herren: AMI, Alyx, Bertoni 1949, Canada Goose, Closed, Faith Connexion, Harris Wharf London, M. Cohen, Missoni, Orlebar Brown, P.O.A.N., R13, Rick Owens, Santagniello, Seductive, The Elder Statesmen, Valstar Marken Schuhe: Alden, Astorfelx, Barbanera, Doratheymur, Golden Goose Deluxe Brand, Francesco Russo, Kennel & Schmenger, Jimmy Choo, Ludwig Reiter, Nicolas Kirkwood, Officine Creative, Rupert Sanderson, Sanai, Strategia, Stuart Weitzman, Tabitha Simmons, Truman’s, UGG, Unützer, Marken Accessoires: A Lab On Fire, Baobab, Culti, Elena Ghisellini, Fornasetti, JW Anderson, Luscious Lips, M. Cohen, Mühlbauer, Nick Fouquet, Noman­clature, Proenza Schouler, TeNeues, TFK Perfumes, Tom Dixon, Stiebich & Rieth, s’oud, Valextra style in progress 318


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Kevin in the Woods ist der Urban-Outdoor-Spezialist in Zürich und will Style und Funktion gekonnt kombinieren.

S Kevin in the Woods/Zürich.

Mit seiner Idee, Fashion und Funktion miteinander zu verbinden, hat Marco Karim El Haddachi voll ins Schwarze getroffen. Seine Züricher Kunden lieben den Mix aus coolen Marken mit urbanem Design­ansatz und Outdoor-Performance. Für seinen Standort wählte er Zürichs neues Trendquartier Europaallee, das sich direkt in Nähe zur Innenstadt, der Ausgehmeile an der Langstraße befindet. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Kevin in the Woods

MIT MEHRWERT 318 style in progress

eit 2006 lebt der Rhein­ länder Marco Karim El Haddachi in der Schweiz. Zunächst arbeitete der Diplomkaufmann dort für einen internationalen Fashionkonzern aus Deutschland und lokale Modeanbieter bevor er sich im Jahr 2015 dazu entschied, gemeinsam mit seiner Frau Diana seinen eigenen Laden zu eröffnen. Er wählte ein 180 Quadratmeter großes Ladenlokal im neuen Quartier um die Europaallee. Das dort entstehende rund 80.000 Quadratmeter große Areal verbindet das Ausgehviertel mit der Innenstadt und dem Hauptbahnhof und liegt in Fußnähe zur berühmten Bahnhofstraße. In diesem Areal sind Hotels, Gastronomie, Büros, Hochschulen und Handel mit rund 400 Wohnungen kombiniert worden. Unternehmen wie Google, UBS, Leonteq und Credit Suisse haben mittlerweile ihre Geschäftsstandorte hierher verlegt. Nach endgültiger Fertigstellung werden dort

bis zum Jahr 2020 rund 8.000 Menschen arbeiten und 5.000 Studenten zum Lernen herkommen. STADT, LAND, FLUSS „Sobald man aus dem Haus geht und draußen aktiv unterwegs ist – egal, ob auf dem Weg zur Arbeit mit dem Velo, mit dem Hund im Park, sich am See mit Freunden trifft oder sich in Richtung der Berge aufmacht – die Leute wollen, dass ihre Kleidung auch in der Stadt einen funktionalen Mehrwert bietet, aber nicht so bunt und sportlich daherkommt wie die High-Performance-Bekleidung, die zum Einsatz im hochalpinen Bereich bestimmt ist. Multifunktion und Style sind die Stichworte. Unsere Kunden bevorzugen einen cleanen und modernen Look, sportlich und casual auch


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unter dem Aspekt, dass man bequem und gut angezogen darin Reisen kann. Die Jeans und Chinos von Alchemy Equipment sind ein gutes Beispiel: Sie sind mit einer 3xDry-Beschichtung von Schoeller gefertigt und dadurch wasser- und schmutzabweisend, leicht und atmungsaktiv – sie sind aber nicht nur praktisch, sondern sitzen top und sehen eben auch gut aus“, erklärt Marco Karim El Haddachi. Das Design und die Entwürfe für die Ladeneinrichtung gestaltete er in kürzester Zeit selber – binnen zwei Tagen mittels eines kostenlosen 3D-Architekturprogramms aus dem Internet. Zur Umsetzung seiner Vorstellungen zog er eine lokale Schreinerei hinzu. Gebeiztes Fichtenholz unterstreicht den Outdoor-Charakter und mobile Warenträger mit integrierten LED-Lichtleisten reflektieren die Modernität sowie Funktionalität des Konzepts. Ein absolutes Highlight ist die Pergola, ebenfalls aus gebeizter Fichte massiv, die bei einer Deckenhöhe von vier Metern besonders gut zur Geltung kommt. „Die Ambivalenz zwischen Stadt und

Natur und der Kontrast von Beton und Holz reflektieren unser Konzept sehr gut. Das Ganze haben wir mit einer zeitgemäßen Bepflanzung ein bisschen zugänglicher gemacht“, sagt Marco Karim El Haddachi. Benannt ist der Laden übrigens weder nach den Filmen „Kevin allein Zuhause“ oder „Cabin in the Woods“, sondern steht für gut Aussehen in funktionaler Fashion. Der Name Kevin stammt ursprünglich aus dem Irischen und bedeutet soviel wie von Geburt an Anmutig.

Kevin in the Woods Europaallee, Lagerstraße 82 Zürich/Schweiz www.kevininthewoods.com Eröffnung: 2015 Inhaber: Marco Karim und Diana El Haddachi Anzahl der Mitarbeiter: 2 Verkaufsfläche: 165 qm Marken: And Wander, Alchemy Equipment, Allterrain, Armor Lux, Bellroy, C6, Caputo & Co., Eastlogue, Ecoalf, Halo, Heimplanet, Herno, Hestra, Isaora, Mission Workshop, Mikia, Norse Projects, Outerknown, Peak Performance, Penfield, Snow Peak, Solstice, Topo Designs, Veja, We Norwegians, Welter Shelter

Holz, Beton und Pflanzen reflektieren das Storekonzept.

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Die Einrichtung des Stores ist eine Kombination aus skandinavischer Leichtigkeit und britischem Understatement.

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Mats Klingberg bevorzugt Dinge von zeitloser Schönheit, sein Stil ist deshalb eher klassisch als modisch.

Trunk Clothiers/Zürich.

Mit seinen Trunkstores in London, als Shop-in-Shop-Variante in drei Departmentstores von Lane Crawford in Hongkong und seinem Onlinestore setzt der Schwede Mats Klingberg Maßstäbe in der Welt der zeitgemäßen Männermode. Seinen neuesten Laden eröffnete er im Mai an der Goldküste des Zürichsees und holt damit seine Zielgruppe quasi an der Hausbeziehungsweise Bürotür ab. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Trunk Clothiers

STORE AM SEE

as ein einzelner Laden alles bewegen kann: Seit der Schwede Mats Klingberg im September 2010 in der Londoner Chiltern Street Trunk Clothiers eröffnet hat, gilt er vielen als neuer Gottseibeiuns der Menswear. Mit Trunk Clothiers bietet er seinen Kunden moderne Klassiker von höchster Qualität aus aller Welt. Präsentation und Kombination vermitteln eine gekonnt stilvolle und zurückhaltende Leichtigkeit. Das Sortiment umfasst neben Anzügen, Mänteln, Chinos, Hemden und Schuhen auch Düfte, Taschen und Brillen passend zum jeweiligen Look. Mittlerweile gibt es sogar die eigene Kollektion mit Basics für alle vier Saisons. Die Zielgruppe von Trunk sind Männer zwischen 35 und 55 Jahren, die viel Reisen, in Senior-Positionen einer global agierenden Firma arbeiten oder ihr eigenes Unternehmen führen, oftmals in der Kreativindustrie. Dass Klingberg sich diesen Ruf erarbeiten konnte, ist kein Produkt des Zufalls: Er studierte Fashion Merchandising Management am Fashion Institute of Technology in New York, machte seinen Master of Science in Business und Economics in Schweden und arbeitete für einige der besten Kleidermacher der Welt sowie im Hotelmanagement in Zürich. SONNENSEITE DES SEES Jetzt kehrt er nach fast 20 Jahren ins Epizentrum der Schweizer Wirtschafts- und Finanzwelt zurück. „Zürich ist eine großartige Stadt, die Schweiz ist generell ein wunderschönes Land mit viel ursprünglicher Natur und einem sehr internationalen Publikum“, sagt Mats Klingberg. Die Lage des neuen Stores, der sich etwa auf halber Strecke zwischen Seebad Utoquai und dem Chinagarten befindet, wurde ganz bewusst abseits der großen Einkaufs- und Geschäftsstraßen gewählt. „Hier im Seefeld Quartier herrscht grundsätzlich ein niedrigerer Pace und die

Kunden sind nicht so in Eile. Momentan verändert sich viel in dieser Gegend. Wir sind in guter Gesellschaft. Gleich nebenan entsteht das neue Projekt von Monocle, wo neben einem Shop auch ein Café und eine Bar eröffnen werden“, erzählt Klingberg. Für den Ruf, erstklassig einzukaufen und zu kuratieren, tut er einiges: Jede Saison fährt er mit seinem Team zum Pitti Uomo nach Florenz und besucht danach die Capsule und die MAN in Paris. Manchmal geht es dann noch zu anderen Messen, mal nach New York, Berlin oder London. Die ausgesuchten Marken im Sortiment eint eine besondere Geschichte: Neu für die kommenden Saisons sind die Marken De Bonne Facture und Paraboots aus Frankreich, Perfumer H Fragrances aus Großbritannien, Fujito aus Japan, Lederaccessoires von PB0110 aus Deutschland und Söder-Seifen aus der Schweiz. „Für mich sind Qualität, Design und Materialien ausschlaggebende Faktoren. Vor allem aber zählen die Geschichte und die Menschen, die in dieser Firma arbeiten, und zwar noch vielmehr als die Marke selbst. Momentan ist De Bonne Facture einer meiner Favoriten, weil sie anders als die meisten anderen sehr transparent damit umgehen, wo ihre Kleidung hergestellt wurde. Sie erwähnen sogar die Betriebe, die die Stoffe gefertigt haben, auf jedem Label.“ Auf die Frage, ob er einmal darüber nachgedacht hat, auch einen Laden für Frauen zu eröffnen, sagt Klingberg: „Eigentlich denke ich jeden Tag darüber nach, weil ich immer öfter danach gefragt werde. Aber um ehrlich zu sein: Wir müssten erst unser Team um eine zusätzliche Abteilung erweitern und das ist im Moment erst einmal nicht geplant.“

Trunk Clothiers Dufourstraße 90, Zürich/Schweiz www.trunkclothiers.com Eröffnung: Mai 2018 Inhaber: Mats Klingberg Store Manager: Cedric Wessner Anzahl der Mitarbeiter: 3 Verkaufsfläche: 65 qm Marken: Alden, Aspesi, Boglioli, Camoshita, Common Projects, Gitman, Incotex, Lardini, Ludwig Reiter, Paraboot, The Gigi, Trunk Clothiers u. v. m. style in progress 318


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Ein White Cube für Marken und Inszenierungen – der Ladenbau des Pariser Architekturbüros HA ist bewusst zurückhaltend.

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Nous/Paris.

Colette ist tot – es lebe das Wir! Unweit des alten Stores haben ehemalige Mitarbeiter des Pariser Kultladens in der Rue Cambon ein neues Retailkonzept für Männer eröffnet, das Streetwear, Luxus und Technik verbindet. Text: Quynh Tran. Fotos: Nous

DER ANFANG DER ÄRA WIR

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as Ende einer Ära – besser kann man die Schließung des Pariser Conceptstores Colette nicht beschreiben, der Jahrzehnte lang ein internationaler Fixstern in der Modeindustrie und Vorreiter innovativer Retailkonzepte war. Die namensgebende Gründerin Colette Rousseaux ist vergangenen Dezember in Rente gegangen und ihre Tochter und Nachfolgerin Sarah Andelman, zuletzt Kreativdirektorin von Colette, ist mit ihrem neuen Projekt Just An Idea in das lukrative Geschäft der Beratung eingestiegen. Das Kultgeschäft wurde so schmerzlich vermisst, dass – so heißt es – ein loyaler europäischer Colette-Kunde bald in einen Quasinachfolger investiert haben soll. Pünktlich zur Männermodewoche, nur einige Wochen nach der Schließung wurde im Januar 2018 der neue Conceptstore Nous, zu deutsch „Wir“, von ehemaligen Colette-Mitarberitern erdacht und geführt, eröffnet. An der Spitze stehen Sébastien Chapelle, der 14 Jahre lang für das Uhrensortiment und die Technikabteilung von Colette verantwortlich war, und Marvin Dein, der neun Jahre lang den Streetwearbereich gestaltete. Mit der Expertise der Gründer richtet sich das neue Konzept vornehmlich an Männer, aber ein Großteil des Sortiments ist durchaus unisex-tauglich. Mit Sichtbeton, edelstählernen und schwarzen Interieurs wurden die 150 Quadratmeter als White Cube gestaltet: Verantwortlich zeichnet die Pariser Architekturagentur Atelier HA.

BEKANNTES KONZEPT UND EIGENE HANDSCHRIFT Wenn auch spitzer, ist die Blaupause doch Colette: Im Sportswear-fokussierten Sortiment gibt es High-End-Luxus ebenso wie erschwingliche Souvenirs: Kollektionen bekannter Marken wie Nike und Balenciaga hängen neben Newcomern wie dem Modekollektiv Rokit aus Los Angeles, es gibt Sondereditionen von Converse und Vans, Casio-Uhren für 100 Euro neben Rolex-Sondermodellen für 51.000 Euro, dazu kulinarische Mitbringsel wie Champagner mit Cannabisgeschmack, Indie-Magazine, Handyhüllen, Kameras sowie Marken, die von Colette übernommen wurden wie etwa Sonnenbrillen von Thierry Lasry und Illesteva, Kerzen von Mizensir oder Schmuck von Eyefunny. Mode- und Lifestyle-Afficionados scheinen jedenfalls nur darauf gewartet zu haben: Schon zum Soft-Opening standen die ersten Kunden Schlange, um zur ersten Stunde – die mit dem Launch des OnePlus 5T Android-Smartphones zelebriert wurde – dabei zu sein. Nous hat nicht nur das Colette-Konzept revitalisiert, es trifft auch mit den Sondereditionen und dem Fokus auf Sportswear genau den Zeitgeist. Und nicht nur Konzept und Marken könnten dem einen oder anderen Colette-Kunden bekannt vorkommen: Viele Mitarbeiter des alten Stores wurden übernommen – von den Verkaufsberatern bis hin zu den Sicherheitsmännern. Es bleibt also nicht nur konzeptuell, sondern auch auf ganz persönlicher Ebene vieles Neue beim Alten.

Nous 48 Rue Cambon, 75001 Paris Eröffnung: 8. Januar 2018 Geschäftsführer: Sébastien Chapelle, Marvin Dein Verkaufsfläche: 150 qm Marken: Balenciaga, Billionaire Boys Club, Born x Raised, Casio, Converse, Eyecandy, Illesteva, Leica, Mizensir, Neighborhood, Nike, Rokit, Rolex, Rozoy & Picot, Sony, Stampd, The Skaterroom, Thierry Lasry, Vans


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Nous wird als legitimer Colette-Nachfolger gehandelt – kein Wunder, die Eigentümer haben dort lange in Schlüsselpositionen gewirkt.

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Wer zu Du Nord in Oldenburg kommt, fühlt sich gleich heimisch und schätzt das ausgesucht individuelle Sortiment.

G Du Nord/Oldenburg.

Ein besonderes Zugpferd unter den Marken bei Du Nord? Gibt es nicht. Stattdessen Willkommens­ atmosphäre und ein Sortiment, das die Kundinnen begeistert. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Du Nord

EINE FRAGE DER PERSÖNLICHKEIT

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leich vor der Ladentür befindet sich eine riesige Baustelle, der Wassenplatz wird schon seit geraumer Zeit großflächig umgebaut. „Normalerweise ist das ein großer Nachteil für ein Modegeschäft, aber erstaunlicherweise haben wir keinerlei Einbußen“, freut sich Sandra Denkena. Im Jahr 2015 hat sie mit Du Nord den großen Schritt gewagt und ist aus der versteckt liegenden Passage Herbartgang an den zentral gelegenen Platz umgezogen und hat Du Nord sozusagen sichtbar gemacht. Ein Schritt, der sich als hundertprozentig richtig erwiesen hat. RAUS IN DIE SICHTBARKEIT Du Nord wurde erstmals 1972 von Sandra Denkenas Schwiegermutter Helga Denkena eröffnet, damals mit exklusiven Marken wie Les Copains und Aigner. 1999 übernahm Sandra Denkena das Business im beschaulichen Oldenburg, modernisierte Geschäft und

Sortiment und strukturierte auch das Personal um. „Mir ist wichtig, dass es in meinem Team einen guten Mix von Jung und Älter gibt, heute ist meine jüngste Mitarbeiterin 20 und die älteste 72 Jahre alt“, berichtet Sandra Denkena. „Die Zusammenarbeit der Generationen ist inspirierend und macht sicher einen Teil unserer Anziehungskraft aus.“ So lässt sich jede Kundin gern von ihrer Mitarbeiterin bedienen. Denn Du Nord punktet ganz wesentlich mit Persönlichkeit und mit individueller Beratung. Das 330 Quadratmeter große Geschäft ist modern und warm gestaltet, mit Beton, Holzboden


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und einem gemütlichen gelben Sofa mit Messingwand dahinter. 110 Quadratmeter des Ladenlokals nimmt ein direkt anschließender Closed Franchisestore ein, den Sandra Denkena als langjährige Closed-Kundin mit eröffnet hat. Perfekt für Sandra Denkena, der der Laden sonst zu groß gewesen wäre und Closed eine breitere Zielgruppe anspricht. Daneben bietet Du Nord eine exklusive Markenauswahl mit vielen deutschen Kollektionen wie zum Beispiel Odeeh. „Die Mode und die Zusammenarbeit mit den Designern ist gleichermaßen wunderbar“, sagt Sandra Denkena. „Das Gleiche kann ich von beispielsweise Talbot Runhof, Gabriele Frantzen und meinen Agenten sagen. Ich brauche die gute Zusammenarbeit mit den Menschen hinter den Kollektionen. Letzten Endes macht das auch den Erfolg bei uns im Geschäft aus, weil meine Mitarbeiter und ich besonders hinter dem, was wir verkaufen, stehen.“ Das gilt auch für die Lederkollektionen Stouls und Utzon, die Stricklabels Suzusan und Wommelsdorff oder für

Casper Schandorff beweist mit Project 4 ein Gespür für Trends.

die kommerziellere Kollektion Roqa. „Jede unserer Kundinnen verlässt das Geschäft mit einem ganz individuellen Outfit“, betont Sandra Denkena. „Das kann die Seidenbluse von Lareida zur Closed Pedal Pusher sein, dazu eine Jacke von Odeeh und Schuhe von Jil Sander Navy. Kürzlich meinte eine Kundin zu mir, es sei so schön, dass sie hier alles in einem Laden bekomme. In Berlin müsse sie dafür in zig Geschäfte gehen.“

„Wir wollen unsere Kunden verwöhnen“, sagt Sandra Denkena, Inhaberin von Du Nord.

Du Nord Heiligengeistwall 11, 26122 Oldenburg/Deutschland www.du-nord.com Ersteröffnung: Juli 1972, Eröffnung nach dem Umzug: Juli 2015 Inhaberin: Sandra Denkena Anzahl der Mitarbeiter: 12 Verkaufsfläche: 300 qm, davon 110 qm Closed Marken Frauen: Closed, Etro, Gabriele Frantzen, Herno, Jil Sander Navy, Lareida, Lili Radu, Max Mara, Marjana von Berlepsch, Massimo Palomba, Odeeh, Olvis, Roqa, Suzusan, Stouls, Talbot Runhof, Utzon, Wommelsdorff, Yves Salomon Marken Accessoires: Bois, Casamorati, Compagnie de Provence, Dr. Bronners, Iphoria, Kaell, Le Cord, The Merchant of Venice, Velvet Sock’s, Voluspa style in progress 318


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Eine glĂźckliche Verbindung: Mit dem Innenarchitekten ihrer beiden Stores ist Andrea Weindl heute liiert, kĂźrzlich wurde geheiratet.

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Andrea Weindl will keinen Trends hinterherhecheln, sie will Stil bilden.

Zeitlos/Rottach-Egern, München.

Vom Tegernsee nach München: Mit ihren Zeitlos-Boutiquen setzt Andrea Weindl auf Bohème Mode, Lieblingsstücke und eine große Dosis Entschleunigung. Text: Veronika Zangl, Fotos: Scope 3

FÜR IMMER

er hat an der Uhr gedreht? In der Boutique Zeitlos am Glockenbach in vornehmer Münchner Innenstadtlage ganz klar: Andrea Weindl. Für die junge Enterpreneurin ist es bereits der zweite Store binnen weniger Jahre. Der erste Zeitlos-Store eröffnete 2015 am Tegernsee seine Pforten, in der beschaulichen Gemeinde Rottach-Egern. Auf die Gründe nach dem Standort angesprochen, antwortet Andrea Weindl verschmitzt, „weil ich Einheimische bin“. Tatsächlich hatte Weindl – die ursprünglich Marketing und Betriebswirtschaft studierte – schon länger die Vision für Zeitlos. Sogar der Name stand bereits fest, als sich die Option auf ein freies Ladenlokal am Tegernsee bot. Als Andrea Weindl davon hörte, stand fest, „da muss ich rein, das ist meine Chance“. GLÜCK IST … Slow Fashion hat sich längst als Schlagwort etabliert und wird bis zum Exzess bemüht. Darüber kann Andrea Weindl nur schmunzeln. Tatsächlich kokettiert ihr Fashionkonzept keineswegs mit dem gängigen Terminus, stattdessen setzt die motivierte Unternehmerin auf tatsächlich gelebte Entschleunigung. „Mein Ziel ist es, zeitlose Mode für jede Altersgruppe anzubieten“, hält Weindl fest. Dabei sei ihr Publikum bunt gemischt. Von der jungen 20-Jährigen, die sich romantisch-puristisch kleiden möchte, bis zur 80-Jährigen, mit festen Vorstellungen. Wichtig sei, dass Kundinnen Lieblingsstücke finden. Das heißt Kleidung, die lange Freude bereite. „So ein Begleiter, von dem man auch nach zehn Jahren noch sagt, oh, was für ein schönes Stück“, schwärmt Andrea Weindl und resümiert: „Das finde ich wunderbar.“ Gleichzeitig bringe die Zeitlosigkeit auch divergente Kombinationsmöglichkeiten mit sich. Genau das sei der springende Punkt, der zugleich das Bewusstsein schule, Mode muss nicht schnelllebig sein, um Spaß und Freude zu bereiten.

Hauptsache man fühle sich wohl dabei. „Mittlerweile biete ich auch Wohnaccessoires und Geschenkartikel an, da bin ich sehr breit gefächert.“ HYGGE AUF BAYERISCH Den Charme von Zeitlos macht auch ein Faible für das Skandinavische aus – egal, ob am Tegernsee oder am Glockenbach. Das liegt nicht nur an den Kollektionen, die größtenteils von Brands wie dem dänischen Noa Noa, by TiMo aus Norwegen oder dem schwedischen Odd Molly stammen. Schließlich bietet Zeitlos inzwischen auch Fashion von heimischen Labels wie Sorgenfri Sylt an. Es ist die Liebe zum Detail, auf die Andrea Weindl ihr Hauptaugenmerk legt. Ein Umstand, der sich auch im Designkonzept spiegelt. Das realisierte das Team der Innenarchitekten von Scope 3 und setzte dafür vor allem auf Naturmaterialien – mit großem Erfolg: „Der Dialog aus regionalem Altholz und femininer, romantischer Kleidung, das ist eine tolle Kombination“, schwärmt Andrea Weindl. Tatsächlich sorgt die dunkle Note des Holzes im Kontrast zum offenen Raum der Ladenfläche für einen bayerischen, ländlichen Touch. Skandinavisch wird es dann aber doch wieder irgendwie, Stichwort Inga Lindström. Andrea Weindl ist inzwischen mit ihrem Innen­architekten liiert und damit stand kürzlich die nächste Expansion vor der Tür. Die war allerdings privater Natur und führte vor den Traualtar.

Zeitlos Tegernsee, Zeitlos Glockenbach Inhaberin: Andrea Weindl Eröffnung: 2015 in Rottach-Egern, 2017 in München Anzahl Mitarbeiter: 3 Verkaufsfläche: 85 qm Rottach-Egern bzw. 25 qm München Marken: 10Days, by TiMo, Ivko, Moscow, Mos Mosh, Noa Noa, Odd Molly, Penn & Ink, Sorgenfri Sylt Marken Accessoires: Beck Söndergaard, Bloomingville, Fineline style in progress 318


168 EDITORIAL /// IMPRESSUM

Eigentümer/Verleger/ Redaktion/Anzeigen UCM-Verlag B2B Media GmbH & Co KG Salzweg 17, 5081 Salzburg-Anif Österreich T 0043.6246.89 79 99 F 0043.6246.89 79 89 office@ucm-verlag.at www.ucm-verlag.at

Viva l’Italia Viva l’Italia, l’Italia che lavora, l’Italia che si dispera, l’Italia che si innamora, l’Italia metà dovere e metà fortuna, viva l’Italia, l’Italia sulla luna.

Geschäftsführung Stephan Huber Nicolaus Zott

(Francesco de Gregori, 1979)

Als die Squadra Azzura im November 2017 in den Relegationsspielen gegen Schweden unter­ legen und damit das Undenkbare eingetreten war, nämlich eine Fussball-WM ohne Italien, da war das eine Zäsur von enormer Symbolkraft. Die Tränen Gianluigi Buffons haben wohl niemanden kalt gelassen und gleichzeitig war klar, dass diese große Fussballnation einen echten, ehrlichen und harten Neustart braucht. Pars pro toto! Nun läuft die WM, noch immer ist es irgendwie undenkbar, dass Italien nicht dabei ist. Aber Europa blickt aus ganz anderen Gründen sorgenvoll auf das Land, das für so viele Sehn­ suchtsorte und Lebensliebe ist, von dem wir alle so viel gelernt haben. Über das Leben, Kreati­ vität, Kunst, das Essen, über Stil … aber auch über Irrwege, groteske Verschwendung, nicht nur von Geld und Ressourcen, sondern auch von unendlich viel Talent. Und über die Abwesenheit verlässlicher politischer Strukturen. Oft habe ich mir gedacht, dass das sagenhafte italienische Improvisationstalent, das auch Grundlage der bewunderten Kreativität ist, letztlich genau daran gewachsen ist. Als natürliche und not­ wendige evolutionäre Anpassung. Ich will hier keine großen Worte machen. Aber wenn man so lange Zeit wie ich und wohl auch viele der lieben Leserinnen und Leser in und mit der Modebranche arbeitet, dann ist die Beziehung zu Italien vielleicht noch einmal eine andere, tiefere und auch respektvollere, 318 style in progress

weil Italien in dieser Branche zurecht und ungebrochen eine absolute Sonderstellung einnimmt. Davon konnten wir uns alle gerade in den letzten Tagen wieder überzeugen. In Florenz und in Mailand. Auch, weil es viele wunder­ bare Menschen gibt, an die man denkt, wenn man die aktuellen Schlagzeilen hört und liest – Schlagzeilen voller Sorgen über die gesellschaft­ lichen und wirtschaftlichen Entwicklungen, aber auch Schlagzeilen voller Arroganz. Diese aktuellen Sorgen selbst sind nicht neu, aber sie treffen Italien und Europa in wesent­ lich sensibleren wirtschafts- und geopolitischen Zeiten als noch vor fünf oder zehn Jahren. Der Mindset hat sich gedreht und den Boden für politische Veränderungen bereitet, die nicht nur Europa als Ganzes, sondern vor allem auch die Gesellschaften einzelner Länder in sich spalten. Aber: Diese politischen Veränderungen waren jeweils das Ergebnis freier, demokratischer Wahlen, auch in Italien. Dass dieses Ergebnis nicht erfreulich oder verstörend ist, weil es potenziell destruktive Kräfte in Machtpositi­ onen gebracht hat, ist eine legitime Meinung, aber keine Ursachenanalyse. Italien braucht jetzt keine Selbstgerechtigkeit, sondern Optimismus und Vertrauen. So wie das unter Freunden sein muss, gerade wenn es mal komplizierter wird. Denn Europa braucht Italien und Italien braucht Europa. Ihr Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at

Chefredaktion Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at Martina Müllner-Seybold martina.muellner@ucm-verlag.at Art Direktion/Grafik/Produktion Elisabeth Prock-Huber elisabeth@ucm-verlag.at Autoren dieser Ausgabe Petrina Engelke Isabel Faiss Ina Köhler Kay Alexander Plonka Nicoletta Schaper Quynh Tran Veronika Zangl Illustratorin Claudia Meitert Bildbearbeitung Johannes Hemetsberger Anzeigenleitung Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at Verlagsassistenz/Vertrieb Sigrid Staber sigrid.staber@ucm-verlag.at Christina Hörbiger christina.hoerbiger@ucm-verlag.at Lektorat Johannes Seymann Druck sandlerprint&packaging 3671 Marbach, Österreich Druckkoordination Manfred Reitenbach

Nächste Ausgabe 16. Oktober 2018


Spring/Summer 2018 Shaneke, Dani, Florence and Britt Tenerife

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