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style in progress

Das muss einfach mal gesagt werden – DANKE! Endlich! Raus aus dem Teenageralter Gestern, heute, morgen – eine Zeitreise durch die wunderbare Welt von style in progress

#3/2017

€ 6,90


alberto-pants.com

wool winter Alberto macht Hosen, die man am liebsten jeden Tag anziehen wĂźrde, weil sie einfach perfekt zu tragen sind.


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style in progress

ALASKA

woolrich.eu

20. Jahrgang # 3.2017

SINCE 1830

Das muss einfach mal gesagt werden – DANKE! Endlich! Raus aus dem Teenageralter Gestern, heute, morgen – eine Zeitreise durch die wunderbare Welt von style in progress

#3/2017

€ 6,90


EDITORIAL 001

Einmal kräftig Schulterklopfen Der 20. Jahrgang! Ein kräftiges Wow – und dann? Wahnsinnig viel Stolz auf das, was das kleine Team von style in progress in diesen beiden Dekaden geschaffen hat. Das Wälzen der Archivausgaben hat uns vieles erst wieder bewusst werden lassen: Mit wem wir aller schon gesprochen haben, wie früh wir Themen aufgegriffen haben, wie sehr wir verstanden haben, dass style in progress Leser anders ticken und daher anders informiert sein wollen. Das gilt insbesondere im Heute: Wir wissen, dass es eine Auszeichnung ist, dass Sie sich immer noch Zeit nehmen, eine Printausgabe zu lesen. Dieser Ehre wollen und wollten wir immer gerecht werden – und die Rückblicke in 20 Jahrgänge des Magazins liefern Beweise genug, dass wir unseren Auftrag ernst nehmen. Was hat sich in 20 Jahren kritischem und unabhängigem Modefachjournalismus verändert? So gut wie alles – aber an den Eckpfeilern der guten Story ist damals wie heute alles intakt. Wir freuen uns, wenn Sie sich Zeit nehmen, gemeinsam mit uns in Erinnerungen zu schwelgen. Als Startpunkt des Magazins eine kleine Revolution: Die Geburt der New Menswear und New Womenswear, später der Niedergang des Messeduos Köln-Düsseldorf und das Gerangel um Berlin, zu jeder Zeit die tiefgreifende Veränderung im Handel, das neue Bewusstsein der Konsumenten – viele Themenstränge begleiten uns seit Jahren. Genau wie uns viele Menschen seit Jahren begleiten: Ob Elisabeth Prock-Huber, die seit der Stunde Null für die Grafik und Artdirektion des Magazins verantwortlich zeichnet und für die style in progress bis heute viel mehr als ein Projekt ist. Als große Schwester hat sie dem Kind style in progress gemeinsam mit Stephan Huber Laufen gelernt. Wichtige Schritte für das Magazin setzten auch die beiden Menschen, die mit Stephan Huber gemeinsam die Chefredaktion ausfüllen, zunächst Joachim Schirrmacher, später Martina Müllner-Seybold. Im Team der Autoren kennen wir entscheidende Personen schon so lange, dass wir gemeinsam über die Bilder von anno dazumal (ab Seite 106) lachen konnten: Ob Nicoletta Schaper, Ina Köhler oder Kay Alexander Plonka, in diesen Jahren hat uns viel zusammengeschweißt. Auf unseren Redaktionskonferenzen träumten wir seit jeher von einer Rubrik „Was macht eigentlich XY heute?“ Aber das Wälzen der Archive hat uns auch von diesem Traum geheilt, denn: Viele, die uns seit damals begleiten, sind immer noch da. Ein gutes Gefühl, in einer Zeit, in der sich so viel verändert. Wie unsere lieb gewonnene Branche und unser Berichten darüber in 20 Jahren aussehen? Wir werden berichten. Ob dann schon vollständig virtualisiert und digitalisiert oder noch immer dem Anachronismus Printausgabe frönend – wer weiß es. Beides macht Spaß! Viel Freude beim Lesen, Ihr style in progress Team P.S.: Nicht vergessen: Unter www.style-in-progress.com registrieren und ab sofort auch zwischen den Ausgaben auf dem neuesten Stand bleiben.

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www.meindl-fashion.de / www.facebook.com/meindl.fashion / www.instagram.com/meindl_fashion


KULTUR UND HANDWERK

authentic luxury

KULTUR UND HANDWERK

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16 – 18 JANUARY

2018 BERLIN


T H E FA S H I O N AUTHORITY www.premiumgroup.berlin

16 JANUARY 2018 BERLIN

10 – 12 FEBRUARY 2018 MUNICH


008 INHALT

style in progress

001 EDITORIAL

Einmal kräftig Schulterklopfen

010 JETZT 030

110 FINDEN WIR GUT

Wohin

040 SO LÄUFT’S

Wohin geht die Reise?

KOMMUNIKATION UND JOURNALISMUS

geht die

Reise?

040

20 Jahre style in progress – das ist nicht nur für einen Rückblick, sondern auch für einen Ausblick gut. Wir haben bei Branchenprofis nachgefragt.

Text: Nicoletta Schaper, Kay Alexander Plonka. Illustration: Claudia Meitert@Caroline Seidler

1998 317 style in progress

„Ich arbeite seit 30 Jahren am und um den menschlichen Körper. Ich habe in der Zeit über 3.000 Hosen entworfen. Das hat viel mit Sex zu tun. Wahrscheinlich ist das meine eigentliche Motivation.“ François Girbaud

„Wenn man in ein Drei­Hauben­ Lokal essen geht, akzeptiert man doch auch, dass dort nicht nur das Essen mehr kostet, sondern auch das Mineralwasser oder der Espresso.“

Dietmar Lingg, Lingg Dornbirn

„Ich möchte Kleidung machen, die man lange tragen kann. Ich denke, man

sollte anders über die Mode denken, als sie bei den großen Shows in Paris, Mailand oder London gezeigt wird. Ich meine eine ‚normale‘, natürliche Kleidung, die Leute auf der Straße. Auch meine Schnitte sind ja sehr klassisch. Das einzige, was ich hinzufüge, ist Attitüde.“ Raf Simons

THE LONGVIEW 030 „style in progress ist wie ein persönliches Gespräch“ Fürs Jubiläum zurück: Joachim Schirrmacher, bis 2008 Chefredakteur von style in progress, interviewt Herausgeber Stephan Huber.

SO LÄUFT’S 20 JAHRE STYLE IN PROGRESS 040 Wohin geht die Reise? Ich kommuniziere, also bin ich: Aber wie – und wie in Zukunft? Nicoletta Schaper und Kay Alexander Plonka haben in der Mode­ industrie nachgefragt. 048 Gestern, heute, morgen Eine strahlende Zukunft – an die wollen wir glauben. Branchengrößen geben Statements, wie sich die Mode zum Besseren wandeln kann. 064 20 Jahre style in progress Ein sehr persönliches Best of aus 20 Jahren gepflegtem Fachjournalismus. 106 Back in 1998 Mehr Haare, weniger Falten, Zigaretten und Bierflaschen – was die style in progress Community 1998 so gemacht hat. 108 Senkrechtstart Mirela Stanoiu und das erfolgreichste Fashion-Start-up der Saison – die Kollektion Roqa.

MODE 116 Jubilee 20 Jahre style in progress, 20 Jahre Wandel in der Mode. Ein Rückblick von Sabine Berlipp.

VOR ORT 138 Prädikat Wertvoll. Sois Blessed/München 140 Hot Spot. Project 4/Kopenhagen 142 Am Fluss. Wally/Gastein 144 Ohne Rückspiegel. Pfeffers/Essen 146 Eine Fundgrube für New York. 180 The Store/New York 148 Zusammen. Insieme/St. Johann in Tirol 150 Die jungen Wilden. Strandmeister/Linz, Wien

152 EDITOR’S LETTER Win – Win – Win – Win ... 064

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152 IMPRESSUM


jetzt

010

Closed x François Girbaud

Willkommen zurück, alter Knabe!

Ob sich die heutigen Fans von Closed darüber bewusst sind, wie revolutionär die Marke in ihren Gründungsjahren schon war? Für eine singuläre Kollektion, die im Rahmen der Pariser Fashion Week gezeigt wird und im Frühjahr 2018 in die Läden kommt, kehrt der europäische Gottvater des Denims zurück. Eine Reminiszenz an die Jahre, in denen der Fokus auf Denim alles bisher Dagewesene alt aussehen ließ: Die Kapselkollektion für Damen und Herren beinhaltet ausgewählte Stücke, zum Beispiel in der wegweisenden X-Konstruktion oder die „Handlebar Yoke“. Den Bedürfnissen des urbanen Fahrradfahrens eingedenk, zeigt die Kooperation Besonderheiten wie Reflektorstreifen oder Prints, die nachts leuchten. Moderne Vertikalstretchmaterialien erleichtern die Bewegung, Taschen wurden neu positioniert und in der Form angepasst, sodass sie Platz für Smartphones und iPads schaffen. So, und jetzt noch mal Geschichtsunterricht: Was wir heute als Closed kennen, wurde 1968 von Marithé und François Girbaud unter dem Namen ÇA gegründet, in den 1990er-Jahren dann der Wechsel nach Hamburg und später auch an der Spitze der Marke. www.closed.com

Stone Island

Sonne und Frost

Im sonnigen Los Angeles schenkt sich Stone Island einen neuen Flagshipstore: An der Kreuzung zwischen N La Brea und 1st Street, ein freistehendes Gebäude mit 500 Quadratmetern und weitläufigen Glasfronten. Auch das Innere hat sich ganz der „isola di pietra“ verschrieben: Eine Kulisse aus mehrschichtigem Glas in Blautönen in der Decken- und Bodenstruktur bildet das Setting für die typische Kompassrose, dem Markenzeichen der Marke. Gestaltet hat das Interieur der Heidelberger Industriedesigner Marc Buhre mit einem speziell für die Marke entwickelten Shopsystem. Frostiger geht es schon bei Frost Finish zu, dem in der aktuellen Kollektion erstmals gelaunchten Behandlungsverfahren für Outerwear, Pullover und Hosen. Die von Stone Island selbst entwickelte Technik verleiht einen Look, als wäre das Kleidungsstück mit Eis überzogen. Doch damit nicht genug der Innovation: Strick wird im Farbbad einem Korrosionsprozess unterzogen, sodass die Farbe ein spannendes Spiel bekommt. Eben typisch Stone Island! www.stoneisland.com

Innovation ist die Konstante in Stone Islands Markengeschich­ te. Im Bild die beiden neuen Behandlungs­ verfahren Frost Finish und Color Corrosion.

Schott NYC gibt es seit September im Bikini Berlin.

Schott NYC

Berlin? Perfecto!

Unverkennbar François Girbaud: Die Kooperation zwischen der Marke und ihrem Gründervater kommt im Frühjahr 2018 in die Läden.

317 style in progress

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Das Kultlabel Schott NYC schlägt seine Zelte in der Bundeshauptstadt auf. Seit dem 1. September präsentiert die Company ausgewählte Teile der Herbst-/ Winter-Kollektion in einer Box des Bikini Berlin. Die hat sich ganz dem American Lifestyle verschrieben – Schott NYC verpflichtet. Das Familienunternehmen in vierter Generation gilt als Begründer der Lederjacke. 1928 kreierte Irving Schott die erste Bikerjacke für Harley Davidson: die Perfecto. Rasch avancierte sie zum Klassiker. Hollywood-Ikonen wie James Dean, Marlon Brando oder Peter Fonda verhalfen ihr zu Kultstatus. Auch heute setzt Schott NYC mit einer Neuauflage der Perfecto und ikonischen Bomberjacken auf Handwerkskunst und Authentizität. Ergänzt wird das Sortiment in der Concept-Shopping-Mall durch weitere Jackenklassiker und Oberbekleidung für Damen und Herren. Eine kuratierte Auswahl von Accessoires vervollständigt das Angebot – von Interieur bis Schreibwaren. Die Box ist als Pop-up-Store bis Frühjahr 2018 geplant. www.schottnyc.com


012 jetzt

Luis Trenker

Fashion-Gipfelstürmer erobern Wien

Den einen reicht es aus, einfach nur den Gipfel zu erklimmen. Die anderen wollen auf dem Weg dorthin ihre Spuren hinterlassen – so wie Luis Trenker. Das Südtiroler Modelabel ist für seinen rustikalen, trendbewussten und luxuriösen Stil mit Hang zum Alpenraum bekannt. Jetzt eroberte die exklusive Lifestylemarke auch die österreichische Hauptstadt. Seit August ist Luis Trenker in der Herrengasse 19–21 in Wien vertreten. „Österreich ist für uns ein wichtiger Markt. Wir freuen uns sehr, in Wien nun eine tolle Präsenz mit Luis Trenker zu haben“, erklärt Michi Klemera, Geschäftsführer des Labels. Auf großzügigen 180 Quadratmetern wird das gesamte Fashionsortiment inklusive Accessoires und Lifestyleprodukte präsentiert. Die Verbindung aus Stadt und Land, Berg und Tal, Tradition und Trend schlägt sich auch im Storedesign nieder. Neben Holzboden und gerahmten Retro-Fotos reihen sich moderne Designerleuchten, Flachbildschirm und geradlinige Regale. www.luistrenker.com

In der österreichischen Hauptstadt angekommen: Luis Trenkers eigener Store in der Wiener Herrengasse.

Alberto

Der Nachbar macht Sport

Über den Erfolg seines Markenstores in Mönchengladbach ist Hosenspezialist Alberto glücklich. „Der Store lässt uns lernen, jeden Tag“, ist Geschäftsführer Marco Lanowy begeistert. „Unser Ziel ist es, uns permanent weiterzuentwickeln und unsere Kollektions- und Retailkonzepte, die wir unseren Handelspartnern offerieren, zu perfektionieren. Das direkte Feedback der Endverbraucher ist für uns daher sehr wertvoll“, erläutert Marco Lanowy seine Absichten. Genau diesen direkten Austausch erhofft man sich jetzt auch für den sportlichen Nachbar: Auf 65 Quadratmetern zeigt Alberto in einem Projekt-Store seine sportliche Seite. Ob Hosen zum Golfen, Wandern oder Radfahren, die Kompetenz der Marke in der Activewear wird erstmals in einem eigenen Store gebündelt. Angemietet wurde die Fläche für den Projekt-Store von der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach, mit der Alberto seit dem gemeinsam ins Leben gerufenen und auf begrenzte Zeit betriebenen Fashion-Hotel eine enge Partnerschaft verbindet. Auch für das Interieur setzt das Modeunternehmen mit Jochem Reichenberg auf einen geschätzten Mitspieler. Geöffnet wird freitags und samstags von 10 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Wie lange die Kunden Gelegenheit haben werden, in die Welt der Active- und Athleisure-Wear von Alberto einzutauchen, steht noch nicht fest. www.alberto-pants.com

Minimalistisches Interieur für Hosen mit viel Funktion: Alberto stellt seinem Marken­ store in Mönchengladbach einen 65 Quadratmeter großen Projekt-Store für seine sportlichen Kollektionen zur Seite.

317 style in progress

Mit einer Taschenkollektion zu demokratischen Preisen auf Expansionskurs: Marina Hoermanseder.

Marina Hoermanseder

Demokratisch

Fashion-Shootingstar Marina Hoermanseder befindet sich im Herbst auf Lancierungs-Kurs. Während der Gallery Shoes feierte die junge österreichische Designerin mit den französischen Wurzeln ihr Messedebüt. Mit im Gepäck, die neue, preislich demokratische Taschenkollektion aus Canvas. Seit September sind einzelne exklusive Looks und Bags außerdem in ausgewählten P&C-Stores und bei FashionID.de erhältlich. Aber was zeichnet den Stil von Marina Hoermanseder aus? Die junge Wienerin ist für ihre präzisen, an den Körper angepassten Lederkorsetts mit Schnallenkonstruktionen und zartfließenden Stoffen bekannt. Der selbstbewusste, unverkennbare Look steht für einen autarken, singulären Stil, mit dem sich die Designerin ein unmittelbares Standing verschaffte. Aber nicht nur Schnallen, Raffungen oder Nieten kennzeichnen die avantgardistische Ready-to-Wear-Linie. Die Designerin ist auch für ihre Taschenentwürfe aus Leder bekannt. In ihnen vereint sich handwerkliches Niveau mit Eleganz und Exzentrik, die eine Passion für Details erahnen lassen. www.marinahoermanseder.com


014 jetzt

Furla

Organisches und ausgezeichnetes Wachstum

Begg & Co aus Schottland hat die Marke Glen Saxon gekauft.

Begg & Co

Gemeinsame Sache

Im Januar hat das Label Begg & Co zusätzlich zu den hochwertigen Schals und Tüchern eine Interieurkollektion mit Plaids und Decken lanciert, die auf der Maison Objet präsentiert wurden. Anfang Juli dieses Jahres hat Begg & Co die deutsche Marke Glen Saxon gekauft, für die das Unternehmen bereits viele Jahre alle Produkte aus Naturfasern gefertigt hatte. „Ich habe dadurch über 100 Neukunden im gehobenen Bereich Interieur und Bettenausstatter hinzugewonnen“, sagt Erika Palese, die die Marke aus dem schottischen Ayr im deutschsprachigen Raum vertreibt. „Die neue Herausforderung macht mir viel Spaß und die Kunden freuen sich, dass es diese Topkollektion in der bekannten und bewährten Qualität weiterhin gibt.“ Decken und Plaids kosten im EK zwischen 130 und 600 Euro bei einer Kalkulation von 2,8. www.beggandcompany.com

Imprägnierter Loden kann auch mal einen Schauer aushalten: der Wetterfleck von Glücklich.

Glücklich

Von Südtirol aus in die Welt

Der Wetterfleck – man könnte ihn auch Parka oder Softshell-Jacke nennen, doch wir sind hier in Südtirol: Er hat sich innerhalb kürzester Zeit zur echten Ikone in der Kollektion von Glücklich entwickelt. Ebenso wie der Rest der Linie sind den Glücklich-Machern regionale Kreisläufe in der Herstellung besonders wichtig. Der strapazierfähige und imprägnierte Loden macht den Wetterfleck so universell einsetzbar. Das haben auch die Macher des renommierten Designmagazins Monocle bemerkt, die den Wetterfleck in ihr Sortiment aufgenommen haben und diesen auch über ihre eigenen Shops verkaufen. Die Herbst-/Winter-Kollektion 2018 beinhaltet nun auch ein erweitertes Strickprogramm, das Damen- und Herrenpullover umfasst. Ebenfalls ausgebaut werden die Produktgruppen Wetterfleck, Janker und Rucksack. Schon in der aktuell laufenden Wintersaison haben sich die kurzen Produktionswege bei Glücklich doppelt bezahlt gemacht: Die frühen Liefertermine Anfang Juli bescherten den Händlern schon früh gute Abverkäufe, sodass die Entscheidung gefallen ist, die Bestseller Wetterfleck, Janker und Rucksack das ganze Jahr über als NOS-Produkt auf Lager zu halten. www.gluecklich.it

317 style in progress

In den letzten drei Jahren hat die Furla Gruppe ihren Umsatz verdoppelt. Anlass zu Freude geben auch die Wachstumszahlen des ersten Halbjahres 2017. Ein Umsatzplus von 23,5 Prozent oder in konkreten Zahlen: 238 Millionen Euro gegenüber 193 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten von 2016. Haupttreiber für den Erfolg in diesem Halbjahr war das organische Wachstum: Die flächenbereinigten Umsätze in direkt betriebenen Ladengeschäften wuchsen im zweistelligen Bereich. Die Region Asien/Pazifik verzeichnete in der ersten Jahreshälfte 2017 ein eindrucksvolles Wachstum von plus 63 Prozent. Inzwischen verkauft die Furla Gruppe ihre Produkte in über 100 Ländern, verfügt über 444 exklusive Furla-Markenboutiquen, von denen circa die Hälfte direkt geführt wird, und ist in über 1.200 Multibrand- und Departmentstores vertreten. Das Unternehmen kontrolliert ein weltweites Vertriebsnetz. In den ersten sechs Monaten von 2017 zeichnete die EMEA-Region einschließlich Italien für 45 Prozent des Gesamtjahresumsatzes verantwortlich. Die Gruppe hat diverse Investitionen in Bereichen wie Innovation, Vertrieb und Personal getätigt (seit 30. Juni beschäftigt das Unternehmen über 2.000 Mitarbeiter). Im weiteren Verlauf des Jahres soll noch stärker in die Bereiche Marketing und Kommunikation und hier insbesondere in Digital Marketing und E-Commerce investiert werden. „Die Ergebnisse des ersten Halbjahrs 2017 machen uns sehr stolz und unterstreichen, dass sich der Umsatz in den letzten drei Jahren verdoppelt hat. Dieses Wachstum in extrem komplexen Szenarien in allen Märkten ist ebenso wichtig wie die Verbesserung der Qualität unseres Vertriebsnetzes und unserer Beziehungen mit unseren strategischen Geschäftspartnern. Furlas kontinuierliche Produktinnovationen entsprechend unserer Markenwerte helfen uns, immer anspruchsvollere Ziele zu erreichen. Unser markantestes Merkmal ist dabei die Geschwindigkeit, in der wir auf die sich ständig ändernden Bedürfnisse in der Welt des Einzelhandels reagieren. Wir möchten sowohl in unseren verschiedenen Produktkategorien als auch in unserer geografischen Reichweite weiterhin organisch wachsen”, so Alberto Camerlengo, CEO der Furla Gruppe. www.furla.com

Meister des Wachstums: Alberto Camerlengo, CEO der Furla Gruppe.


CLOSED.COM #CLOSEDOFFICIAL

F A I R .   S I N C E 1978 .


016 jetzt

Kathleen Madden

Comeback

Wer an Kathleen Madden denkt, hat einen selbstbewussten Style mit femininen Trikotkleidern und lässigen T-Shirts vor Augen – und last but not least das bekannte Strasslogo mit der Skyline von Manhattan. Wie nur wenige Marken steht Kathleen Madden für die 1990er-Jahre, in denen sie mit Supermodels wie Linda Evangelista und Fotograf Peter Lindbergh gepusht wurde. Nun kommt die Kollektion mit neuem Lizenznehmer und neuer Dynamik auf den Markt. Die Confezioni Nadia s.r.l. ist ein 40-jähriges Familienunternehmen mit Sitz in Padua und hat sich auf die Produktion von hochwertigem Strick made in Italy für internationale Brands spezialisiert. Mit Kathleen Madden wagt sie nun ihr eigenes Projekt, indem sie den Look modisch ins Hier und Jetzt mit Unterstützung der ehemaligen Strickdesignerin von Kathleen Madden Christine Kunzmann transferiert. „Die typische Handschrift der Marke bleibt, gleichzeitig wollen wir ganz nahe am Markt sein“, sagt Klara Moormann, die gemeinsam mit ihrem Mann Timo und ihrer Agentur Moormann & Co. den Vertrieb verantwortet und deren Schwiegervater Arvid Moormann die Marke gegründet hat. Strick und Jersey vorrangig in Schwarz und Weiß bilden auch heute die Basis der Kollektion, während Spitze, Mesh, Cut-outs und Glitzerdetails Akzente setzen. Die Preise für Strick liegen bei 69 Euro im EK, Kleider kosten um die 125 Euro bei einem Mark-up von 2,8. www.kathleen-madden.com

Mit neuem Lizenznehmer startet die Marke Kathleen Madden ihr Comeback.

Responsiv und Tablet-friendly: der Stereo Muc Onlinestore in neuem Design. Leo Scordo wechselt von Ermenegildo Zegna zu C.P. Company.

C.P. Company

Unter neuer Führung

Die italienische Sportswearmarke C.P. Company hat Ende September Leo Scordo zum neuen General Manager ernannt. In dieser Position ist er für Sales, Marketing und Producktentwicklung verantwortlich. Zuvor arbeitete er 18 Jahre lang als Senior Manager bei Ermenegildo Zegna, wo er neben den Sportswearund Tailoring-Kollektionen auch die Lizenzabteilung verantwortet. Davor war er als Retail und Business Development Director für Borsalino und Cravatterie Nazionali tätig. „Ich möchte dem Vorstand von Tristate danken, dass sie mir diese aufregende Möglichkeit gegeben haben, denn ich glaube, dass C.P. Company eine unfassbare Geschichte und großes Wachstumspotenzial für den Großhandel und die eigenen Retail-Kanäle hat“, sagt, Leo Scordo und fügt hinzu: „Wir werden der einzigartigen DNA der Marke treu bleiben und mit den führenden Sportsweardesignern und Zulieferen zusammenarbeiten und gleichzeitig die faszinierende Trinovation Lab’s hi-tech Maschinerie und das Know-how nutzen, um wahre Meisterwerke textiltechnischer Innovationen hervorzubringen. Seit 2015 verzeichnen die Umsätze in jeder Saison zweistellige Zuwachsraten. Wir sind nun bereit, die nächsten Entwicklungsphasen für die Marke einzuleiten. Und darauf freue ich mich sehr.“ Die 1971 von Massimo Osti gegründete Marke wurde 2015 von der chinesischen Tristate Holdings übernommen. www.cpcompany.com

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Stereo Muc

Neuer Auftritt

Stereo Muc, der Münchner Store der Komet und Helden Geschäftsführer Florian Ranft und Henrik Soller, ist jetzt mit rundum erneuertem Auftritt seines Onlineshops gestartet. „Es gibt auch

bei den Herren immer mehr Nutzer, die übers Tablet arbeiten, deshalb haben wir uns für einen kompletten Neulaunch entschieden“, sagt Henrik Soller. So wurde die Site mit neuen technischen Features den Markt- und Konsumentenbedürfnissen angepasst, um den E-Commerce von Stereo Muc benutzerfreundlich zu vereinfachen und effizienter zu machen. „Online und offline gehören für den modernen Handel zusammen“, sagt Henrik Soller. „Unsere Kunden informieren sich oft erst auf unserer Site, bevor sie in den Store kommen. Damit ersetzt unser Onlineshop auch den herkömmlichen Kundenkatalog.“ Die umsatzstärksten Kollektionen des Stores auf Münchens Residenzstraße heißen Hartford und Barena, die ebenso über die Agentur Komet und Helden selektiv und mit kleinem Kundenstamm vertrieben werden. Dazu kommen beispielsweise Marken wie Rag & Bone, Department 5 und Mey Story, ergänzt von Accessoires, Kosmetik und Footwear wie etwa Diemme Sneakers, die bei Stereo Muc stärker als Limited Editions breit aufgestellter Marken nachgefragt werden. „Die Kunden suchen zunehmend das Besondere bei Stereo Muc. Entsprechend werden wir unser Sortiment weiter spezialisieren.“ www.stereo-muc.de


Jetzt agen turen

018

Rolf Griesinger Internationale Mode

Update aus Los Angeles

Newcomer von der West- und Ostküste prägen das Angebot der Agentur. Neben dem Cashmere-Label Brown Allan aus New York, das bereits seit einer Saison mit dabei ist, haben die Münchener das US-Label ei8ght dreams aus den USA mitgebracht. Entwickelt wird es im Denimmekka Los Angeles. Bekannt sind die ausgefeilten Passformen. Der Denim stammt vom italienischen Spezialisten Candiani. Bottoms gibt es auch auf Lager, ergänzt wird es mit modischen Oberteilen und Jacken. Neu dabei ist auch Lu Ren – ein Cashmere-Label, das im Sommer leichte Mischungen mit Leinen, Baumwolle und Seide verarbeitet. Auch bei den Bestandsmarken gibt es Neuigkeiten. Das Label Bloom ist ab Sommer 2018 mit neuem Lieferrhythmus unterwegs. Erstmals wird eine Pre-Kollektion mit einer frühen Auslieferung von 1. November bis 1. Dezember 2017 vorgestellt. Die Kollektion wird modisch noch spitzer, z. B. mit aufwändigen, farbig akzentuierten Stickereien. Eine solide Bank sind die Jacken von IQ+ Berlin. Diese haben sich laut Martin Steckel in der aktuellen Saison wieder sehr gut abverkauft. Labels: Anima Pop, Bloom, Brown Allan, ei8ght dreams, IQ+ Berlin, Lu Ren Rolf Griesinger Internationale Mode GmbH, München/Deutschland, office@griesinger-mode.de, www.griesinger-mode.de

Fashion Factory by Mark Grütters

Drei Neuzugänge

Die neuesten Zugänge im Portfolio der Agentur Fashion Factory by Mark Grütters sind Green Factory, Howlin und Le Mont Saint Michel. Green Factory ist ein kleines botanisches Wunder und wird in unserer Rubrik Finden Wir Gut separat vorgestellt. Bei Howlin handelt es sich um einen Knitwear- und French-Terry-Spezialisten aus Belgien, der seine Pullis, T-Shirts, Polos und Sweater für Frauen, Männer und Kinder in Schottland, Irland und in Belgien herstellen lässt. Le Mont Saint Michel ist eine junge Marke aus der französischen Bretagne mit einer langen Geschichte. Gegründet wurde die auf Arbeitskleidung spezialisiert Marke im Jahr 1913. Alexandre Milan übernahm 1998 die Marke und entwickelte sie zu einem urbanen und modernen Modelabel mit funktionaler Seele. Die Kollektion umfasst Knitwear, Workwear und Denim für Damen und Herren. Die Verkaufspreise liegen zwischen 29 und 329 Euro. Kunden sind u. a. Argot in Berlin, Riviera in Basel, Dr. Adams in Odense, Steven Alan in New York und Adam et Rope in Tokio. Labels: Espadrij l’originale, Green Factory, Howlin, Le Mont Saint Michel, Liberty Black, Paraboots, Penfield, Portuguese Flannel, Pyrenex, Rivieras, Schott NYC Fashion Factory by Mark Grütters, Düsseldorf/Deutschland, contact@ffbymg.com, www.ffbymg.com

Samantha Sung steht für Kleider mit femininer Passform, für Farbe und starke Prints.

MNE e.K.

Aufbau Spezialisiert auf Denim: Der Newcomer ei8ght dreams aus Los An­ geles arbeitet mit Stoffen von Candiani.

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Sexy und cool: Le Mont Saint Michel interpretiert Workwear auf moderne und urbane Art.

Wenige Labels im Premiumbereich betreuen – aber diese wenigen richtig. Die Düsseldorfer Agentur MNE wurde 2016 gegründet und setzt auf Produktspezialisten wie die Kollektion von Samantha Sung, bei der sich alles um das Kleid dreht, sehr feminin, in ausdrucksvollen Mustern und oft lebhaften Farben. „Die Kollektion ist beratungsintensiv, man muss die zahlreichen Mög-

lichkeiten, Modelle und Prints zu kombinieren, verstehen“, sagt Agenturinhaber Mark Etzold, der Samantha Sung für den deutschsprachigen Markt seit drei Saisons unter Vertrag hat und den Kundenstamm zur der Sommersaison von zuletzt 15 auf 50 Händler vergrößern konnte, darunter Abseits, Dantendorfer, Burresi, Unützer in München sowie Strolz und Einwaller. Baumwollstretch ist das typische Material, das sich der Figur gut anpasst, gefolgt von fließendem Wool-Silk zu EK-Preisen zwischen 219 bis 249 Euro und einer Kalkulation von 2,7. Maison Passage ist ein weiteres Label von MNE. Die luxuriösen Tücher überzeugen mit einer großen Vielfalt an Motiven wie beispielsweise ein Graffiti aus New York oder italienische Fresken, aus Materialien wie zum Beispiel Seide, 100-prozentige Merino- und Cashmere-Wolle. Zu den Kunden zählen Apropos, Unützer in München und Mondial Pelz in Wien. Agenturinhaber Mark Etzold arbeitete in der Unternehmensberatung und als Wirtschaftsprüfer, bevor er sich entschied, seiner Begeisterung für Mode zu folgen. Er sammelte Erfahrungen bei der Agentur Toepfer und als Sales-Manager für die Leder- und Pelzkollektion Steven-K, bis er gemeinsam mit seiner Frau Hannah Böhringer die Agentur gründete. „Die betriebswirtschaftliche Komponente wird oft unterschätzt“, sagt Mark Etzold. „Aber wenn man betriebswirtschaftliches und modisches Verständnis vereint, lässt sich viel erreichen.“ Labels: Maison Passage, Samantha Sung MNE e.K., Düsseldorf/Deutschland, mark@mne-fashion.de, www.mne-fashion.de


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020 jetzt

agenturen

Room von Berlin

Den Dingen Zeit geben

Michaela von Berlin und ihre Agentur Room von Berlin stehen für langjährige Beziehungen – sowohl zu den Lieferanten als auch den Kunden der Agentur. Bestes Beispiel: Die Kernmarke der Agentur, Liv Bergen, die Michaela von Berlin auf heute 160 Kunden ausgebaut hat. Mit den Neuzugängen Beta Studios, einer Athleisure-Kollektion und Freedom Moses, lustigen Ökoschlappen aus Israel, will die Agentin nach dem gleichen Prinzip verfahren. „Außerdem ist es wichtig, dass wir als Agentur den Blick über den Tellerrand wagen und Produkte anbieten, die einem Lifestylegedanken entsprechen. Die Haarbänder von Scoopy Loop oder die Anhänger von Lucky Charms sind ein solches Beispiel. „Ich verbanne ein Produkt nicht nach zwei Saisons wieder aus dem Showroom, weil ich ganz bewusst Dinge und Partner aussuche, mit denen ich langfristig erfolgreich sein will. Das geht nicht von einer Saison auf die andere“, sagt die Agenturinhaberin. Wenngleich es mit Produkten wie Freedom Moses, für die Room von Berlin als Distributor in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig ist, immer wieder Produkte gäbe, die sofort beachtliche Erfolge erzielen. „Wir haben schöne Neukunden wie Breuninger oder Globus gewonnen, natürlich auch, weil das Produkt mit EK-Preisen von zwölf bis 15,60 Euro sehr niederschwellig ist. Man muss kein großes Ordervolumen platzieren, um einen tollen Eyecatcher im Laden zu haben.“ Marken: Beta Studios, Freedom Moses, Liv Bergen, Lucky Charms, Scoopy Loop Room von Berlin, München/Deutschland, T 0049.151.19497959, contact@roomvonberlin.de, www.roomvonberlin.de Mit Marken wie Liv Bergen oder Beta Studios will Room von Berlin seinen Partnern langfristige Beziehungen zusichern.

CP Fashion

The Craft is the Art

40 Jahre Erfahrung und eine entsprechende Kernkompetenz in der Jeansbranche, dafür steht die Agentur CP Fashion. Eine feste Größe im Portfolio ist Silver Jeans aus Kanada. „‚The Craft is the Art‘, lautet die Philosophie des Familienunternehmens, das seit 1921 Jeans produziert“, sagt Reinhart Oberstein. „Der Fokus auf Verarbeitungsdetails garantiert eine perfekte Passform, das gilt für die Herrenjeans ebenso wie für die Damenjeans, die auch im Bereich Plus Size angeboten werden.“ Articles of Society wurde vor drei Jahren in Los Angeles gegründet, mit dem Ziel, hochwertige Jeans mit VK-Preislagen deutlich unter 200 US-Dollar herauszubringen. In Deutschland liegen die VK-Preise zwischen 99 und 149 Euro. „Der Erfolg gibt der Marke recht. Heute gehört sie zu den wenigen Jeansmarken, die ihren jährlichen Umsatz um 20 bis 30 Prozent steigern konnte und beispielsweise bei Nordström in den USA zu den absoluten Highlights im Jeanssegment zählt“, so Oberstein. So liegt das Hauptaugenmerk von Articles of Society auf der perfekten Passform sowie superweichen Silktouch-Denimgeweben. Auch Greywire ist eine Denimbrand für Damen, für die der typische New York Style Pate stand. Komfort und anspruchsvolle, subtile Details sind die typischen Merkmale der Kollektion, das sind zum Beispiel Laserdrucke und modische Elemente aus der Activewear. Hier kommen ausschließlich japanische Denimqualitäten zum Einsatz, zu VK-Preisen um 150 Euro. Eine Marke für Kenner ist Jeans Shop NYC für Damen und Herren. „Diese ikonische Denimmarke aus den USA steht für Selvedge

317 style in progress

Neuzugang im Portfolio der von Bernhard Waage geleiteten Agentur: J. Lindeberg.

Denim, zu denen ergänzende Basic-Oberteile hinzukommen“, erklärt Reinhart Oberstein. In Partnerschaft mit ausgewählten Einzelhändlern sind Pop-up-Konzepte geplant, um die Marke auch in Deutschland bekannt zu machen. „Dazu wird sicher auch die Ausstattung des Films ‚Kingsman‘ beitragen, der im Oktober in den Kinos anläuft.“ Chaser aus Los Angeles schließlich steht für Tees und Sweats für Damen und Herren, die CP Fashion in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreibt. Weiche Jerseys aus innovativen Garnen sowie besondere Färbe- und Veredelungstechniken sind charakteristisch für einen unangestrengt lässigen, zeitgemäßen Look. Labels: Articles of Society, Chaser, Greywire, Jeans Shop NYC, Orobos, Silver Jeans CP Fashion, Bad Säckingen, Düsseldorf und München/Deutschland, info@cpfashion.de, www.cpfashion.de

Select Studio

Die Experten für den Norden

Ein prominenter Neuzugang für die Fullserviceagentur Select Studio von Bernd Waage: Seit 1. Juli verantwortet die Agentur den Vertrieb der Stockholmer Lifestyle­ brand J. Lindeberg in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dazu wurde der Showroom der Marke in die Münchner Balanstraße 73 verlegt, wo sich die Showrooms von Select Studio und J. Lindeberg nun Tür an Tür befinden. Neben der Fashion von

J. Lindeberg sind auch Ski-, Golf- und Active-Wear in diesem Showroom vereint, der von Central Europe Sales Director Florian Gross geleitet wird. In ihren Showrooms in Düsseldorf und München zeigt Select Studio Marken wie By Malene Birger, Oscar Jacobson, Gestuz, Scandinavian Edition und andere – ein Perfect Match für J. Lindeberg. Zuletzt gelang der Agentur mit dem erfolgreichen Markenaufbau und der Markterweiterung von Tiger of Sweden in D-A-CH ein Meilenstein, der auf über 20 Jahren Erfahrung und Expertise von Bernard Waage und seinem Team basiert. Der CEO von Select Studio: „J. Lindeberg verkörpert für uns ideal den Active Lifestyle und verbindet dabei Fashion und Funktion auf höchstem Design- und Qualitätsniveau. Das ist nicht nur am Puls der Zeit, sondern schafft auch noch einen absoluten Mehrwert für unsere Kunden und den zukünftigen Markt.“ Labels: By Malene Birger, Garment Project, Gestuz, Hudson, Humanoid, J. Lindeberg, Oscar Jacobson, Scandinavian Edition, Zoe Karssen Select Studio, München, Düsseldorf/Deutschland, info@select-trading.com, www.select-trading.com


Seventy verzeichnet bei Aco Deutschland die höchsten Zuwächse.

022 jetzt

agenturen

The Farm by Aco

Mehr Emo auf der Fläche!

Aco Deutschland, die Vertriebsagentur. The Farm, die Beratungsagentur. Diese Kompetenzteilung möchten Michael Schulz und Jane Munro-Hall jetzt noch stärker herausarbeiten und auch für die Handelskunden sichtbarer machen. Aco, das heißt weiterhin Vertrieb für Premiummode im deutschen und teilweise österreichischen Markt, mit Brands wie Pinko, Tara Jarmon und Seventy. Gemeinsam bieten Aco und The Farm eine Rundumbetreuung, für die mit jeweiligen Experten zusammengearbeitet wird. „The Farm wurde konzipiert, um den Point of Sale mit mehr Emotion aufzuladen“, so Michael Schulz. „Unser Pop-up im KdW in Berlin, wo wir auf 50 Quadratmetern Lifestyle präsentiert haben, mit Mode, Parfüm, Büchern und Gadgets, hatte super Umsätze und bekam ein extrem positives Feedback.“ See now buy now, heißt das Prinzip, nach dem trendige Artikel innerhalb von drei Wochen lieferbar sind. „Es geht nicht um billig und schnell, sondern wir wollen in der Saison Neues zeigen, womit ein Stück weit die Sales-Phase im Handel unterbunden werden kann“, betont Schulz. Etwa mit Blazern von Sorbé, handgearbeitete Schuhe namens Kaleens sowie Kopfhörer von Happy-Nes, das sind Apple Kopfhörer, die mit bunten Garnen umwickelt zu Modestatements werden. Unter Concept Product werden Eigenproduktionen für die Händler zusammengefasst: spezielle Fashionpieces, um ein

eigenständiges Händlerprofil mit herauszuarbeiten. Neu bei Aco ist das Label Eywa Souls Malibu, das Jane Munro-Hall gemeinsam mit Jose Stemkens-Welliver aus Los Angeles gelauncht hat: Maxidresses, die strand- und alltagstauglich sind. Kleider aus Baumwoll-Voile kosten durchschnittlich 80 Euro im EK, aus Chiffon 90 Euro und aus Seide 180 Euro im EK bei einer Kalkulation von 2,8. In Deutschland und der Schweiz zählen Jades, Lodenfrey, 58’s by Jutta Heidt und Jelmoli in Zürich zu den ersten Kunden. Labels: u. a. Eywa Souls Malibu, Iceberg, John Richmond, Just Cavalli, Kaleens, Marciano Los Angeles, Parosh, Pinko, Pinko Jean, Plein Sud Jeanius, Purotatto, Quantum Courage, Roots & Roofs, Serapian, Seventy, Sorbé, Svnty Antwerp, Tara Jarmon, Versace Collection, White Sand  Aco Modeagentur, Düsseldorf/ Deutschland, kontakt@acomode.de,  www.acomode.de The Farm, Düsseldorf/Deutschland,  grow@thefarmbyaco.de, www.thefarmbyaco.de

Die Hinterhof­ agentur

Hinterhof goes Hinterhof

Wer die Meuers in ihrem charmanten Hinterhof-­Showroom in Schwabing besucht hat, mag sich vielleicht schon gewundert haben. So etwas gibt es noch, und noch dazu mitten in München? Jetzt hat auch hier ein Bauträger das Potenzial des Hinterhofs erkannt – aber Dominik Meuer und sein Team stehen keinesfalls auf der Straße, sondern haben, was ein Glück, erneut eine Location in einem Hinterhof gefunden. „Sonst hätten wir uns ja umbenennen müssen“, lacht Dominik Meuer. In der Römerstraße, ebenfalls in Schwabing, belegt die Hinterhofagentur ab November die ehemaligen Speisesäle eines Mädcheninternats. „Eine wundervolle Location mit hohen Decken, alten Fenstern und ein bisschen Patina, so wie uns das eben gefällt und entspricht“, freut sich der Agenturinhaber. Die neue Location bedeutet auch mehr Platz – was dem erfolgreichen Wachstumskurs der Agentur und ihrer Marken entgegenkommt. Denn im Vergleich zur Gründung, wo sich die Agentur nur auf Herrenkollektionen fokussierte, hat die Hinterhofagentur heute einen ausgewogenen Anteil an Damen- und Herrenkollektionen. Das Team ist auf insgesamt fünf Mitarbeiter gewachsen, die ganzjährig für die Kunden der Agentur Ansprechpartner sind. Fixstarter im Markenportfolio der Agentur wie Bob oder Des Petits Hauts haben eine sehr gute Entwicklung durchgemacht: Vom Monoprodukt wie den Polos bei Bob zu einer Komplettkollektion, die – psssst – demnächst auch für Damen erhältlich sein wird. Labels Damen: Cape Horn, Des Petits Hauts, Ginger & Ruby, Hod, Labdip, My Sunday Morning, Rose & Rose, The Jacksons, Wyse Labels Herren: Bob, Breco’s, Cape Horn, Koike, Portofiori, Re.Ve 77, Uniform, Wool & Co Die Hinterhofagentur, München/Deutschland, d.meuer@diehinterhofagentur.de, www.diehinterhofagentur.de

317 style in progress

Room with a view

Gutes tun

Nepal, die nächste Runde: Im Oktober brachen Agenturgründer Christian Obojes und eine Handvoll Trekking-Begeisterte auf, um einen weiteren Meilenstein in der Nepalhilfe zu setzen. Nach dem verheerenden Erdbeben hatten sich die Agentur und die Marke Warm-Me, die dort produziert, für das arme Land stark gemacht und Spenden gesammelt. Außerdem wurde ein Jahr nach der Katastrophe eine Trekking-Tour organisiert, um Hilfsmittel zu übergeben. Dazu Christian Obojes: „In meinen Augen ist die wichtigste Hilfe nämlich, das ganz normale Business wieder anzukurbeln. Indem wir in diese Länder reisen, haben die Sherpas wieder Arbeit und mit dem ausländischen Geld kommt die Wirtschaft wieder in Schwung.“ Diese Trekking-Reisen sind immer eine Mischung aus Abenteuer, Hilfe und Land erleben. Einmal jährlich will Christian Obojes eine solche Tour planen und durchführen. Im Oktober 2017 werden Geld und Materialien für ein Herzstück des Wiederaufbaus übergeben: Mit dem von Room with a view und Warm-Me gesammelten Geld wird eine Schutzhütte gebaut, die auf dem Pass steht, der das touristisch sehr erschlossene Everest-Gebiet mit dem armen Rolwalingtal verbindet. Eine weitere Schutzhütte direkt auf dem Pass auf 5.800 Meter Seehöhe baut die Nepal-Hilfe von Josef Einwaller. Dank der beiden Hütten wird die touristische Erschließung des Rolwalingtals möglich – denn bisher passierten nur Extrembergsteiger den gefährlichen Pass. Auch für Einheimische, die auf dieser Route unterwegs sind, sollen die beiden Hütten Zuflucht bieten. „Das Rolwalingtal ist einer der letzten echten Geheimtipps im Himalaya. Indem wir es auch für ganz normale Trekking-Truppen möglich machen, hier zu wandern, wollen wir einen nachhaltigen Anstoß für den dortigen Tourismus geben.“ Labels: 7 for all mankind, Annabel Ingall, Alto Milano, Arrk, Articles of Society, Better Rich, D.a.t.e., Deus ex Machina, Ecoalf, Happy Socks, Laidback London, Lovat & Green, Moon Boot, Moose Knuckels, Opportuno, Osvaldo Trucchi, Pomandère, R13, Roque, RRD, Stand Stockholm, Steven-K, Swell, The White Brand, TKees, Veja, Warm-Me, White Sand, Xacus Donna Room with a view, Salzburg/Österreich, office@roomwithaview.at, www.roomwithaview.at

Vor-Ort-Hilfe und nachhatliger Tourismus in Nepal – ein Herzensprojekt für Christian Obojes, Gründer von Room with a view.


SPRING / SUMMER / 2018

www.bloom-fashion.com


024 jetzt

agenturen

Säck & Nolde Online Conceptstore zum

25-Jahre-Jubiläum

Im Jahr 1992 gründeten Manfred Säck und Klaus Nolde in Bochum ihre Firma. Bis heute ist die Firma Mitten im Herzen des Ruhrgebiets angesiedelt, einem zentralen Standort und hervorragenden Drehkreuz für einen Vertrieb innerhalb Europas. In den vergangenen 25 Jahren haben Säck & Nolde den Vertrieb und die Distribution für Marken wie u. a. Amos, Clarks Originals, Emily The Strange, Manhattan Portage, Odd Future, Paul Frank, Silas und Spiewak verantwortet. Seitdem hat sich ihr Marken- und Kundenportfolio in den Segmenten Street Fashion, Lifestyle, Tech, Travel, Design, Home Interior, Footwear, Toys und Smoke stetig weiterentwickelt. Das Vertriebsgebiet hat sich kontinuierlich vergrößert und Säck & Nolde konnte sich nachhaltig als Premiumvertrieb in einem globalen Netzwerk etablieren. Pünktlich zum 25-jährigen Bestehen der Firma wurde unter dem Namen „Sehr Goods – General Supply Store“ der eigene Online Conceptstore eröffnet. „Auf sehrgoods.com gibt es neben Textilien von Stüssy, X-Large und weiteren Marken aus unserem Portfolio auch Accessoires, Schuhe, Taschen, Bücher, Kunst, Food und limitierte Editionen. Es geht darum, dem Kunden Waren und Gegenstände für den täglichen Bedarf anzubieten, die dem Momentum entsprechen, aber in dieser Konstellation in Europa derzeit noch nicht gezeigt werden“, erklärt Klaus Nolde. „Das Sortiment von sehrgoods.com beinhaltet ausgesuchte klassische und authentische Marken wie u. a. Braun, Field Notes, Kaweco, Modernica oder Pendelton. Produkte von guter Qualität und eigenständigem Design“, ergänzt Manfred Säck. Als Betreiber des deutschen Onlinestores für die amerikanische Tech-Travel-Gear- und Apple-Accessories-Marke Incase (www. goincase.de) verfügen Säck & Nolde über langjährige Erfahrung im Onlinehandel. Außerdem betreibt Säck & Nolde seit September 2017 einen Stüssy Chapter Store in Amsterdam. Labels: 40’s & Shorties, Blunt Wrap, Grenco Science, Incase, Jason Markk, Malibu Sandals, Native Union, Stüssy, Stüssy Women, Uglydoll, X-Large Säck & Nolde GmbH & Co KG, Bochum/Deutschland, T 0049.234.893980, www.saeckundnolde.de Manfred Säck und Klaus Nolde freuen sich über 25 Jahre ihrer Agentur.

Der Lederspezialist Stouls ist in der Umsetzung von Farben stark.

Modeagentur Anke Burkhardt

Nur Salz

Die Neupositionierung ihrer Agentur hat sich für Anke Burkhardt bezahlt gemacht – das spiegelte das Feedback bestehender und neuer Kunden, die Anke Burkhardt in ihren temporären Showrooms in Düsseldorf und München besuchten. „Die Konzentration auf moderne Sortimentsspitzen und eine klare Aussage wurde toll angenommen, es ist unablässig, auch als Agentur klar seine Identität zu zeigen“, sagt die Agenturinhaberin. „Oft sind das zwar Labels, mit denen man aus Agentursicht noch kein Geschäft machen kann, aber meine Einzelhandelskunden suchen das Salz in der Suppe. Und ich habe eben nur Salz.“ Das sind zum Beispiel zwei Neuzugänge aus Japan: Pas de Calais, trotz französisch anmutendem Namen ein durch und durch japanisches Produkt. Eine sinnliche, in den Details unglaublich aufwändige und spannende Kollektion, die dem französischen Landstrich rund um Calais und seiner rauen Schönheit huldigt. Und Base Mark, aus einem japanischen Unternehmen stammend, das unter anderem auch Stoffe fertigt. So kann sich die junge Kollektion erlauben, auch mal Besonderheiten in Produktion zu bringen, die andere allein wegen der zu hohen Abnah-

317 style in progress

Moormann & Co.

Stark in Farbe Besonders und perfekt für die modischen Spitzen im Sortiment: das Agenturportfolio von Anke Burkhardt. memenge an Stoffen nicht leisten könnten. Höchst zufrieden ist Anke Burkhardt mit der Entwicklung von Suzusan, der Cashmere-Kollektion des deutsch-japanischen Designers Hiroyuki Murase, der die Shibori-Technik seiner Familie für das einzigartige Design seiner Stücke nützt. Labels: 17 Stephanie Schneider, Base Mark, Laura Angillieri, Pas de Calais, Suzusan, Wommelsdorff Modeagentur Anke Burkhardt, Pahlen/Deutschland, info@ankeburkhardt.de, www.ankeburkhardt.de

Stouls heißt eines der Kernlabels der Agentur Moormann & Co., eine Lederkollektion aus Paris in urban-minimalistischem Look. Inhaberin Aurélia Stouls ist gelernte Schuhmacherin und kreierte als erstes Stück ein weißes Leder-TShirt, das bis heute den Kern jeder Kollektion bildet, ergänzt von Leggings, Kleidern, Tops und Röcken. Leder in Farbe ist eine Stärke von Stouls, wie zum Beispiel Petrol, Jamaikagrün, Statementfarben und edle Safaritöne. Auf Leder für Outdoor hat sich die Linie Unfleur aus Italien spezialisiert, mit besonders leichten

Lammfelljacken und Mänteln, mal couturig, mal ethnisch inspiriert. Valérie Khalfon aus Paris ist auf feminine Spitze spezialisiert, während Stephan Boya aus Hamburg auf hochwertigen Cashmere in besonderen Stricktechniken setzt. In Sachen Menswear ist das Outdoorlabel Gimo’s dabei, mit Materialien wie Leder, Nylon und Daune. Project E bietet Sommerpolos aus den USA und Zanieri edlen Cashmere aus Italien. Ergänzt von D’amico mit besonderem Herrenschmuck, Gürteln sowie Schlüsselketten. Klara und Timo Moormann möchten für Service stehen. Dazu gehört nicht nur die enge Zusammenarbeit mit ihren Labels, die Trends und Bedarf des Marktes in ihren Kollektionen berücksichtigen, sondern auch besondere Produkte, die in Kooperation mit nachhaltigen, kleinen Unternehmen als hochwertige Mitnahmeartikel für gute Kunden bestimmt sind. Beispielsweise Cashmere Doc aus Süddeutschland, ein veganes Fine Cashmere Shampoo, das sich auch für Seide und Baumwolle eignet. Labels: Andrea Ventura, Charli, D’amico, Gimo’s, Kathleen Madden, Lener, Project E, Stephan Boya, Stouls, Unfleur, Valérie Khalfon, Zanieri Moormann & Co., Düsseldorf/ Deutschland, k.moormann@moormann-co.com, www.moormann-co.com


jetzt mes sen

026

Panorama Berlin

Synergie und Spannungsbogen

Panorama Berlin und Selvedge Run teilen sich ab Januar 2018 das Gelände der Messe Berlin. So wird die Selvedge Run künftig die Fläche im Marshall-Haus bespielen und dabei, wie auch die Panorama, ihre Selbstständigkeit als Tradeshow für Quality Garments and Crafted Goods behalten. „Vor allem im Zusammenspiel mit dem von der Panorama Berlin erfolgreich etablierten Nova Concept ergibt sich mit der Selvedge Run eine sinnvolle thematische Ergänzung für den Markt“, erklärt Jörg Wichmann, Geschäftsführer der Panorama Fashion Fair Berlin GmbH. „Für uns bietet die Kooperation die Möglichkeit, auch unser Portfolio der Nova Concept weiterzuentwickeln. Im Resultat entsteht ein sehr interessantes Angebotsspektrum für den Denim- und Progressive-Casual-Markt, das eine hohe Anziehungskraft auf nationale und internationale Fachbesucher ausüben wird.“ Zuvor fand die Selvedge Run fünfmal in der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg statt. Auch in puncto Besucherservice ist eine Zusammenarbeit beider Formate geplant – mit dem gemeinsamen Ziel, den Messestandort Berlin für ein internationales Fachpublikum zu stärken. 16. bis 18. Januar 2018, www.panorama-berlin.com

Was gibt es Neues? Die Premium Group ar­ beitet stetig an ihrer Feinabstimmung, um der Branche immer aktuelle Themen zu bieten.

Premium Group

Zukunfts­weisend

Gemeinsame Sache. Für das Konferenzforum der Premium, #Fashiontech, geht die Premiumgroup eine Partnerschaft mit der Messe Frankfurt ein und zieht mit dem inhaltlich erweiterten Format ins Kraftwerk Berlin. „Fashiontech ist das Thema der Zukunft. Die letzten sechs Veranstaltungen mit bis zu 4.000 Teilnehmern haben uns gezeigt, welche Themen und Schwerpunkte wir vertiefen und ausarbeiten müssen“, sagt Anita Tillmann, Managing Partner Premium Group. „Es ist ein guter Zeitpunkt, das Format auf das nächste Level zu heben und die Themen Digitalisierung im Bereich Marketing und PR, E-Commerce und Future of Retail um die Bereiche Sustainability und Technical Textiles zu erweitern.“ Im Januar findet die #Fashiontech an zwei Tagen der Berliner Fashion Week im ersten Obergeschoss des Kraftwerks statt, während die beiden Veranstaltungen für ökologische Mode der Messe Frankfurt, Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin, das Erd- und Zwischengeschoss einnehmen. Die Show & Order dagegen zieht auf die freigewordene Fläche ins Kühlhaus der Station Berlin. Dort werden auf sechs offenen Etagen etwa 200 Kollektionen rund um Mode, Interieur und Beauty präsentiert. Die großen Trendthemen der Premium Group, die zusätzlich die Messeformate Seek und Bright umfassen, heißen Streetwear, Outdoor, Food und Retail Experience. „Mit unseren Events kreieren wir Formate, die nicht nur reine Transaktionsplattformen sind, sondern wir wandeln den Point of Sale in einen Point of Experience“, erklärt Anita Tillmann. „Wir schaffen die Plattformen, auf denen die Branche sich trifft, sich informiert und Business macht. Was uns antreibt, ist die Lust auf Neues, jede Saison aktuelle Themen zu definieren und für die Branche zu übersetzen.“ 16. bis 18. Januar 2018, www.premium-group.com

317 style in progress

Das Festival für Zeitloses bietet den Rahmen für zeitlose Kunst und individuelles Handwerk.

New Heritage – Festival für Zeitloses

Regionale Qualität und innovatives Design

Der Modemarkt ist laut, bunt und sehr divergent – so lautet der einschlägige Konsens. Sieht man genauer hin, zeigt sich das als Klischee mit wenig Fundament. Genau diesen genaueren Einblick wollen die Macher der Publikumsmesse New Heritage ermöglichen. Im April 2017 fand das Event auf der Praterinsel in München zum ersten Mal statt. Ausstellern wurde eine breite Bühne für authentische, individuelle Mode und ebensolche Handwerks- und Lifestyleprodukte gegeben. Das Konzept kommt an: Mit 5.200 Besucher an einem Wochenende zogen die rund 70 Aussteller zufrieden ihr Fazit. Die Erfahrung und das positive Feedback bestärken Initiator Moritz Fuchs, das Festival nicht auf

München zu beschränken. Am 4. und 5. November findet die New Heritage deshalb erstmals im Stahlwerk in Düsseldorf statt, ehe sie 2018 zurück nach Bayern kehrt. Mit 90 Ausstellern wird New Heritage dann zum zweiten Mal in München stattfinden. 4. bis 5. November 2017, Düsseldorf; 5. bis 6. Mai 2018, München, www.new-heritage.de


16—18 JANUARY 2018

W W W.PANORAMA-BERLIN.COM

shaping identities


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www.sportalm.at / shop.sportalm.at


030 THE LONGVIEW

317 style in progress


THE LONGVIEW 031

Stephan Huber: „style in progress ist wie ein persönliches Gespräch.“

style in progress 317


032 THE LONGVIEW

W

elche Art von Handel brauchen wir in Zukunft? Wie wird sich die Digitali­ sierung auswirken? Was für ein Lobbying braucht die Branche? Welchen Fachjourna­ lismus brauchen wir? 20 Jahre style in progress sind Anlass für ein Longview der anderen Art. Herausgeber Stephan Huber im Gespräch mit Joachim Schirrmacher, der style in progress bis 2008 als Autor und Chefredakteur mitprägte. Interview: Joachim Schirrmacher. Fotos: Bernhard Musil

Ausnahmsweise nicht selbst die Fragen stellen: Stephan Huber, interviewt von Joachim Schirrmacher (links).

Joachim Schirrmacher: Herzli­ chen Glückwünsch zu 20 Jah­ ren style in progress. Welches Gefühl überwiegt bei dir?

Stephan Huber: Dankbarkeit, dass es so viele Menschen, Unternehmen, Autoren und Mitarbeiter gegeben hat und gibt, die diesen Weg begleitet haben. Viele davon sind Freunde geworden. Und dass ich selber sehr viel dazugelernt habe.

Was war entscheidend für den Erfolg?

Es lag damals einfach etwas in der Luft. Ich habe gespürt, dass auf allen Ebenen etwas Neues kam: Konsumenten, Händler, Kommunikation und ein neuer Look.

Eine ganz andere Sprache, ein entspannterer Zugang, bestimmt auch ein gewisser Humor. Wir wollten ein Magazin machen, das in Haptik und Bildsprache der Branche entspricht: kreativ, cool, emotional. Und zweitens die Analyse: Was sind die Veränderungen in der Branche und Gesellschaft? Uns hat eigentlich nie interessiert, ob Grün oder Blau kommt.

Unter anderem. Ich glaube, dass wir als Magazin den Begriff sogar miterfunden haben. Es war ein entscheidender Punkt einer Stilwende und eines gesellschaftlichen Wandels, der bis heute

Waren wir auch – und sind es bis heute. Wir haben von Anfang an über den Tellerrand der Branche hinausgeschaut, auf viele Themen einen völlig

Was war der Impuls style in progress zu gründen?

Die New Menswear?

317 style in progress

anhält. Die Segmentierungen wie Klassik oder Young Fashion und Altersgruppen wurden irrelevant. Seitdem geht es um Stil. Diese Entwicklung wollten wir abbilden und mitgestalten.

Es wurde ja immer in der Bran­ che gesagt: Ihr seid anders.


034 THE LONGVIEW

anderen Blick gehabt und sehr früh überhaupt erst als Branchenthemen definiert. Beispielsweise der fundamentale Umbruch der Messelandschaft. Was in der Branche diskutiert wurde, haben wir ins Blatt ge­ nommen.

Oder wir haben diese Themen überhaupt erst mal gesetzt! Reduzierungswahnsinn, falsche Rhythmen oder die Deregulierung des Schlussverkaufs. Aber gleichzeitig war immer klar, dass wir die Kultur und auch die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Fachhandels, zum Beispiel für lebenswerte und funktionierende Städte, unverzicht-

„Ich sehe Journalismus als konstruktive Kraft.“

bar finden. Der Zugang war immer, dass wir an positiven Beispielen Dinge besser erklären können als an irgendeinem Negativ-Alarmismus. Ich sehe Journalismus grundsätzlich als konstruktive Kraft. Und wir hatten schon auch immer die Mission eines Lobbying-Magazins für den Fachhandel. Wie weit sind diese Impulse auf fruchtbaren Boden gefallen?

Man soll sich ja selbst nie zu wichtig nehmen. Ich glaube aber, dass es uns tatsächlich gelungen ist, viele Diskussionen und Debatten anzustoßen oder zuzuspitzen. In der Rückschau fällt auf, dass viele Kommentare die 20 oder 15 Jahre alt sind, heute noch genauso aktuell sind.

Mich hat auch erstaunt, dass uns manche Themen, wie Liefer­ rhythmen oder beispielsweise die Funk­tion und Bedeutung der Messen, seit Anfang an begleiten. Rückblickend haben wir relativ klar definiert, wohin es gehen muss. Unternehmen wollen immer stär­ ker kontrollieren, was kommuni­ ziert wird. Was bedeutet das für ein Fachmagazin?

In vieler Hinsicht nichts Gutes, weil der Wunsch, Kommunikation völlig unter Kontrolle zu haben, immer die Gefahr birgt, dass Storys einfach langweilig werden. Ich habe aber auch viele Interviews gehabt, 317 style in progress

wo durch spannende Zugänge ganz andere Gespräche möglich wurden. Wie kritisch kann Journalismus heute noch sein?

Kritik um der Kritik willen hat mich nie interessiert. Es geht darum, Themen zu erfassen und dazu zu schreiben, was geschrieben werden muss. Aber die Intention sollte immer sein, positive Anstöße zu geben. Die Digitalisierung hatte ins­ besondere auch auf den Journa­ lismus einen starken Einfluss.

Wir sind als Fachmagazin von denselben Herausforderungen betroffen, die den Journalismus insgesamt stark verändert haben. Die Digitalisierung hat das in vieler Hinsicht problematische Echtzeitprinzip etabliert. Also zu berichten, bevor über­ haupt etwas stattgefunden hat.

Viele Medien glauben, dass die Technologie dazu zwingt, Geschwindigkeit vor Gehalt zu setzen. Die Auswirkungen auf den Journalismus sind massiv, auf den politischen Journalismus sogar fatal. Das ist keine Kritik an der Digitalisierung, sondern am Umgang mit den neuen Möglichkeiten. Vieles ist tatsächlich noch Neuland, um Angela Merkel zu zitieren. Es ist die Frage, wie man sich positioniert. style in progress war nie ein News-Tool, sondern steht für Analyse, Schwerpunktthemen und Geschichten. Ein Magazin für Menschen, die bereit sind, zu lesen. Wir leisten uns einen vergleichsweise teuren Journalismus. Der Anspruch ist, uns Themen wirklich zu erarbeiten. Zum Beispiel war das Schwerpunktthema Spaß super.

Eine neue Managergeneration setzt aber eher auf Instagram und die neuesten Social Media Hypes statt auf tiefes Branchenwissen.

Logisch, wenn etwas neu ist. Und tatsächlich bieten diese neuen Medien ja auch fantastische Möglichkeiten, wenn man sie versteht. Aber darin sehe ich keinen Widerspruch zu Print oder einem Prinzip der Langsamkeit. Das Radio ist mit dem Fernsehen ja auch nicht verschwunden, sondern ist heute vielfältiger denn je.

Im Magazin ging es sehr früh um den Onlinehandel, style in pro­ gress war aber selbst im Netz erst spät präsent.

Zunächst, man soll machen, was man kann. style in progress ist und bleibt ein Printmagazin. Daneben würde ich aber gerne die Möglichkeit haben, auf manche Themen mit

Analysen oder einem Kommentar auch unmittelbar online reagieren zu können. Zudem wollen wir künftig im Netz stärker auf unsere Geschichten hinweisen. Angesagt wäre, unser Gespräch auch aus vier Perspektiven als Video aufzunehmen.

Ja. Aber vielleicht wäre das auch nur eitel. Man wird heute mit so vielen Infos zugeknallt, da müssen wir uns ehrlich fragen, was wir noch Wesentliches beitragen können. Ich glaube, dass es in einer gewissen Zielgruppe einen „analogen Backslash“ geben wird. Du wirst das persönliche Gespräch nie adäquat durch Technologie ersetzen können. Wir sitzen jetzt ja auch hier zusammen und reden von Angesicht zu Angesicht. style in progress ist wie ein persönliches Gespräch. Was waren in den 20 Jahren die drei wichtigsten Veränderungen im Verlag?

Die erste Antwort ist langweilig, weil sie so offensichtlich ist: die Digitalisierung. Und zwar ganz pragmatisch. Wenn du vor 20 Jahren ein Aufmacherbild in A4 von Farbe auf Schwarz-Weiß umrechnen wolltest, dann hat das zehn Minuten gedauert. Heute ist es ein Wimpernschlag. Zweitens ist es viel leichter geworden, an Informationen zu gelangen, gleichzeitig aber auch schwieriger, die Relevanz von Informationen zu bewerten. Der dritte Punkt ist eine einschneidende gesellschaftliche Veränderung. Wir haben eingangs festgestellt, dass sich die Altersgrenzen

„Kritik um der Kritik willen hat mich nie interessiert.“

aufgelöst haben. Diese Auflösung hatte auch zur Folge, dass die junge Generation ihre Territorien verloren hat, inklusive Protest und Subkultur. Geh heute mal auf ein Rockkonzert! Der Motor der Mode war aber immer die Jugend: Jeans, Young Fashion, Clubwear, Fashion Sport. Das hat sich echt gedreht. Andererseits: Was hat sich denn in den 20 Jahren nicht gedreht? Das Einzige, das in seiner Funktion


036 THE LONGVIEW

Die Andeutung einer Merkel-Raute? Wohl eher nicht - auch wenn Neuland, in jeder nur erdenklichen Facette, das spezielle Interesse von Herausgeber Stephan Huber und seinem Team ist.

Die Branche tut sich lustigerweise mit diesem Wort schwer, weil alles so ausgefranst ist. Ist Primark Mode? Ist Supreme für Louis Vuitton Mode?

wird eingeredet, was du heute bei mir kaufst, ist schon morgen von gestern. Der einzige Grund dahinter war eine wirtschaftliche Ideologie, die alle glauben machen wollte, dass Menschen immer öfter immer mehr kaufen, also werde man ihnen auch immer öfter immer mehr anbieten. Das konnte auf Dauer nicht funktionieren. Aber es hat TK Maxx & Co groß gemacht. Ein Treppenwitz.

Am Ende des Tages muss es in jeder erfolgreichen Branche um den Endverbraucher gehen. Man muss seine emotionalen Bedürfnisse verstehen. Stattdessen war und ist die Mode wahnsinnig Business getrieben. Wachstum als Selbstzweck. Dabei wurde in vielen Punkten am Konsumenten vorbei gedacht. Ihm

Entscheidend wird sein, welche Antworten die Mode auf die Herausforderung der Digitalisierung findet. Das ist nicht auf den Onlinehandel beschränkt. Da wird auch der Moment der Wahrheit kommen. Überleben werden wenige Große und inhaltlich zugespitzte Nischenanbieter. Es gibt aber keinen Absolutismus der Digitalisierung. Die Mode wird in unserem, also dem Pre-

gleich geblieben ist, ist das Cafè Gilli in Florenz als Treffpunkt während des Pitti Uomo. Obwohl, die haben ja auch umgebaut. Und es ist heute eher Ritual als Spontanität. Was ist für dich heute Mode?

Ingeborg Harms schrieb über ihr Gespräch mit Jil Sander: Alles, was seit Jahren auf den Lauf­ stegen erscheint, geht an der Lebenswirklichkeit vorbei.

317 style in progress

Wie siehst du die Zukunft des Systems der Mode?

miumsegment in hohem Maß ein People’s Business bleiben, weil das der menschlichen Psychologie entspricht. Es wird auch künftig einen großen Bedarf an direktem Austausch geben, also auch einen großen Bedarf am gut gemachten Fachhandel. Und es wird den verstärkten Bedarf nach Produkten geben, die eine Geschichte erzählen, beziehungsweise nach Menschen, die sie glaubwürdig vermitteln können. Gibt es Chancen, die die Branche vertan hat?

Nicht in dem Sinn, dass sie tatsächlich vertan wären. Im Gegenteil, ich sehe große Möglichkeiten für Europa. Nicht nur als Wissens- und Kreativ-, sondern auch als Produktionsstandort. Dieser Glaube, Globalisierung bedeutet, dass die eine Welthälfte nachdenkt und die andere hämmert alles zusammen, war wahnsinnig arrogant und


THE LONGVIEW 037

gleichzeitig naiv. Selbstverständlich entwickelt sich in diesen Ländern ein eigener Anspruch, eine eigene Kreativität. Umgekehrt merkt man, dass die Frage danach zunimmt, wo etwas hergestellt wird – und ganz pragmatisch – was sinnvoll ist. Weil aus dem Unbehagen gegenüber der Oldschool-Globalisierung der konkrete Wunsch nach einer Veränderung erwächst. Ich glaube, dass diese Nische wesentlich größer und vielversprechender ist, als wir immer glauben. Was für ein Typ Händler ist heute erfolgreich?

Der Händler, der die klassischen Fähigkeiten und Werte verinnerlicht hat und gleichzeitig in der Lage ist, sie ins Heute zu übersetzen. Im Umgang mit Kunden geht es um Zuwendung, eine gute Art zu kommunizieren, Aufmerksamkeit, auch Wissen – also wieder simpelste menschliche Psychologie. Es hat nur den Glauben gegeben, dass man das einsparen kann. Vielleicht hat Online vielen Händlern vor Augen geführt, dass sie auf breiter Ebene ihre Kernkompetenzen vergessen oder vernachlässigt haben.

Das soll künftig ja die Technologie leisten. Die App ploppt auf, der Verkäufer sieht, was du gekauft hast und gibt eine Prognose, was du wahrscheinlich ausgeben wirst.

„Technologie kann die Herzensbildung nicht ersetzen.“

Das wird sich auch noch weiter verfeinern, aber es kann nie und nimmer den Moment der Herzensbildung ersetzen. Wie soll das gehen, wenn selbst in guten Häusern nur zehn Prozent Festangestellte, zehn Prozent Teilzeitkräfte, aber 80 Prozent Aushilfen arbeiten?

Das ist selbstverständlich eines der zentralen Probleme. Wenn der Kunde kein anderes Erlebnis als in einem Selbstbedienungsladen hat, dann gibt es wenig Argumente. Aber es gibt ja bitte auch sehr viele wunderbare Beispiele, die das fantastisch machen.

Aber der Wettbewerb ist eben heute ein anderer. Und da sind auch Lösungen notwendig, die der einzelne Händler alleine nicht stemmen kann. Es geht heute darum, den Konsumenten zu dem Zeitpunkt zu erwischen, an dem er gerade Bock hat Geld auszugeben: 365 Tage, 24 Stunden. Du musst es dir ja nur anschauen: verregneter Sonntag – online, schlechter Tatort – online, schlechtes Fußballspiel – online. Die Läden dürfen dann nicht öffnen. Die Politik muss überlegen, wie unser Gemeinwesen und unsere Städte funktionieren sollen und wie stationärer und Onlinehandel gleichermaßen faire Marktbedingungen haben. Wir kommen zu dem Punkt, dass die Branche Lobbying braucht. Lobbying heißt ja, zu erarbei­ ten, was die Themen sind, wem vermittle ich wie die Anliegen, um dann damit über Jahre zur Politik und den Ministerien zu gehen.

Es gibt aber niemanden, der zur Politik gehen kann. Das ist etwas, was die Branche auch nicht alleine leisten kann. Auch in den Medien gibt es nur sehr wenig ernsthafte Auseinandersetzungen mit dem Thema Mode.

Die Kritik an den Modemedien hatten wir ja schon in der dritten Ausgabe thematisiert. Es liegt aber auch an der Mode selbst, die nicht bereit ist, Schritte auf andere Menschen zuzugehen und sich zu erklären.

Es wäre sehr wichtig, dass die Modebranche sich wieder als Gemeinschaft begreift, die einander braucht, und jeder überlegt, was er selber dazu beitragen kann.

In den 20 Jahren hat sich laut dem Handelsverband die Zahl der deutschen Textileinzelhändler auf rund 18.000 halbiert. Wirst du weiter ein Missionar für den inhabergeführten Facheinzel­ handel bleiben?

Selbstverständlich! Weil der Fachhandel ein ganz grundlegendes Bedürfnis erfüllt: Herzensbildung, Emotionalisierung, Erlebnis. Halbierung, das hört sich natürlich heftig an. Gleichzeitig sind die Flächen ja massiv gewachsen. Vertikale, Mono­ brand, die Wettbewerbssituation für Multibrand hat sich auch vor der digitalen Revolution schon radikal verändert. Ich sag es mal ganz hart, so wird es nämlich nicht kommen: Aber, wenn 5.000 richtig gute, gesunde Händler bleiben, dann wäre das besser als viele halbherzige.

Branchenstrukturen von Her­ stellern bis zu Messen aufrecht­ zuerhalten?

Ich glaube es schon: Zur Hochblüte der Bread & Butter, als alle Mega­namen der Industrie ausstellten, waren das in Stückzahlen 20 Prozent des Jeansmarktes. Dennoch: Es gibt von allem viel zu viel: zu viel Fläche, zu viele Anbieter, zu viele Outlets, zu viele Magazine.

„Die Mode wird ein People’s Business bleiben.“ Die Modebranche hat auf breiter Ebene über lange Zeit versucht, die simpelsten marktwirtschaftlichen Gesetze auszutricksen. Das geht auf Dauer nicht. Zum Schluss einige persönliche Fragen: Welche Begegnung war am einprägsamsten?

Rückblickend wahrscheinlich die Interviews mit Massimo Osti und François Girbaud. Dafür hatte ich damals auch das Format „The Longview“ erfunden. Ein Cover-Interview schien mir ein gutes Argument, um diese Termine überhaupt zu bekommen. Was war deine bisher beste Idee?

Ohne Frage, das Magazin zu machen.

Dein größter persönlicher Erfolg?

So ein Magazin ohne finanziellen Background von Null aufzubauen. Dich findet man ja eher mit deinen beiden Kindern auf eurer Alm­hütte als auf einer Moden­ schau. Was motiviert dich zu deiner Arbeit?

Der Spaß, Geschichten zu erzählen über die Mode als Zukunfts- und Wissensbranche und als Spiegel der Gesellschaft. Zugegeben bin ich nicht der Typ, der besonders gerne auf Events herumhängt. Mir macht es mehr Spaß, mit den Menschen zu reden und dabei etwas zu lernen.

Reicht diese kleine, feine Händler­ szene aus, um die notwendigen

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Und wünschen Euch viele weitere Jahre in Progress.


KITZBÜHEL — WIEN — INNSBRUCK — SYLT — WOLKENSTEIN — BRENNER


Wohin

040 SO LÄUFT’S

Wohin geht die Reise?

KOMMUNIKATION UND JOURNALISMUS

geht die

Reise? 20 Jahre style in progress – das ist nicht nur für einen Rückblick, sondern auch für einen Ausblick gut. Wir haben bei Branchenprofis nachgefragt.

Text: Nicoletta Schaper, Kay Alexander Plonka. Illustration: Claudia Meitert@Caroline Seidler 317 style in progress


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Wohin geht die Reise?

Josef Einwaller, Inhaber Einwaller

DIE BOTSCHAFT HEISST

Aufbruch

„Die Kommunikation geht neue Wege. Über Facebook bin ich sozusagen mit der ganzen Welt verbunden, dort habe ich mit einem Spendenaufruf für mein Hilfsprojekt in Nepal so viele Menschen erreicht, wie ich das sonst nie geschafft hätte. Es funktioniert im Guten wie im Bösen: Die Reichweite von Social Media ist enorm. Trump hat ja nicht zuletzt mit Hilfe der neuen Medien den Wahlkampf gewonnen. Auch wir als Modehändler müssen offline wie online sehr gut sein, selbst wenn wir die besten Umsätze nach wie vor in unseren Innsbrucker Geschäften machen. Wir müssen uns in unserem Angebot konzentrieren, was übrigens auch für den Journalismus gilt: Nicht mit Beliebigkeit langweilen, sondern auf den Punkt kommen. Wo bleibt der Leser hängen? Worauf springt der Kunde an? Die Botschaft heißt Aufbruch; und wer nicht digitalisiert ist, kann zusperren, das schönste Modegeschäft ist dann überflüssig.“

Schnelllebig, Gordon Giers, Geschäftsführer Closed

STIMMUNGSERZEUGEND

Geschwindigkeit Henrik Soller, Geschäftsführer Komet und Helden

SIEGT

„Ich lese Zeitungen und Fachzeitschriften heute deutlich seltener, weil sie zu langsam geworden sind oder weil die Nachrichten im Netz zu schnell geworden sind. Heute kommt es sehr auf Geschwindigkeit an, das ist fürs Geschäftemachen eins der wichtigsten Kriterien geworden. Die neuen Medien ersetzen jedoch nicht die klassischen, ebenso wenig wie der Onlinehandel das stationäre Modegeschäft ersetzt. Eher wird vielfach zweigleisig gefahren: Viele Zeitungsverlage nutzen Social-Media-Kanäle und verdienen damit ja auch Geld. Doch kein Medium ist vor Fehlern und schlechter Recherche gefeit, weder die Online-News noch die renommierte Tageszeitung noch das Boulevardblatt, bei dem allein schnelle Headlines das Tagesgeschäft bestimmen. Und was überhaupt gut recherchierter Journalismus ist, wird ohnehin sehr subjektiv wahrgenommen.“

„Ich persönlich schreibe Social Media eine andere Bedeutung als Journalismus zu, da beide Bereiche unterschiedliche Zwecke erfüllen. Dennoch haben beide Kommunikationsformen ihre Berechtigung: Social Media News sind schnelllebig, stimmungserzeugend und heutzutage nicht mehr wegzudenken. Journalismus hingegen basiert auf intensiver Recherche zu komplexen Themen, reflektiert und dient dem Leser als profunde Informationsquelle. Ich bin davon überzeugt, dass beide Formen nebeneinander bestehen und sich sogar ergänzen werden.“

style in progress 317


042 SO LÄUFT’S

Wohin geht die Reise?

Wert BIETEN

Anna Schunck, Journalistin, viertel-vor.com

MEHR

„Im Fashionbereich kommt dem Journalismus künftig bestenfalls eine klassische Rolle zu: eine besonders journalistische nämlich. Meines Erachtens sollte und wird sich die Berichterstattung über Mode in eine kritischere Richtung entwickeln – nicht zuletzt, um sich bewusst und klar von dem abzusetzen, was sie nicht sein will: Werbung. Denn die ist vorhersehbar und für immer aufgeklärtere Leser auf lange Sicht immer weniger interessant. Darüber hinaus steigert das zunehmende Interesse für Slowfashion die Nachfrage nach mehr Infos und Fakten über Ästhetik und Unterhaltung hinaus. Hier werden Modejournalisten und -journalistinnen einen Mehrwert bieten, aufklären, einordnen und analysieren müssen beziehungsweise dürfen. Vermittelt werden darf das Ganze gerne, na modisch eben: mit Spaß und mit Stil! Dabei sollte sich niemand scheuen, sich auch an den aktuellen Tools des Bloggens, an Personalisierung sowie an Social-Media-Trends zu orientieren.“

schärfer

Dr. Marcel Braun, CEO, Holy Fashion Group

KÜRZER, UND HÄUFIGER

„Guter Journalismus hatte in der Modebranche schon immer eine wichtige Funktion und das wird so bleiben. Es gilt, die Mode zu begreifen und die großen Themen herauszuarbeiten. Während diese früher von einigen wenigen Journalisten und Redaktionen bestimmt wurden, gibt es durch die Digitalisierung zukünftig viel mehr kleine Sender wie Blogger und auch Konsumenten. Der klassische Journalismus muss sich die Rolle des Meinungsmachers heute härter verdienen. Dies gelingt nur demjenigen, der kürzer, schärfer und häufiger kommuniziert. Gleichzeitig müssen die Inhalte auf vielen Kanälen relevant sein sowie zur notwendigen Verstärkung entsprechend on- und offline orchestriert werden. Nur so wird man sich zukünftig in der Masse der Sender profilieren und beim Konsumenten ankommen.“

317 style in progress

Julia Freitag, Fashion Stylist & Consultant, Styleproofed

Empörung ZEIT FÜR

„Wie auch ‚im Rest der Welt‘ kommt dem Modejournalismus, der Arbeit von Reportern, Autoren und Redakteuren, eine immer größer werdende Bedeutung zu – nämlich die des einzigen Regulativs, der vierten Gewalt – sei es in der Weltpolitik oder in der Modebranche. Wenn Massentauglichkeit, der Absatz und das Prinzip ‚See Now – Buy Now‘ zum einzig bestimmenden Parameter wird, dann schafft sich eine Branche über kurz oder lang selbst ab. Und dann kann ehrlicher, nicht von Anzeigenschaltung getriebener, leidenschaftlicher Modejournalismus zum Zünglein an der Waage – ja vielleicht sogar zum Retter – unserer leider sehr angeschlagenen Branche werden. Wenn Reichweite vor Inhalt und die massentaugliche Angepasstheit vor der aneckenden, förderlichen Abgrenzung, dem Aufbegehren und der daraus entstehenden Kreativität, Bewegung und Leidenschaft für Mode steht, dann haben wir alle unseren Job nicht richtig gemacht. Also, liebe journalistische Kolleginnen und Kollegen, um es mit Stephan Hessel zu sagen: ‚Empört euch!‘ Zeit wird’s …“


044 SO LÄUFT’S

Wohin geht die Reise?

Meinungsbildung

Tobias Gröber, Geschäftsbereichsleiter Konsumgütermessen, Messe München

GRUNDLAGE ZUR

„Die Kommunikation hat sich im digitalen, mobilen Zeitalter stark verändert. Jeder von uns kann zu jeder Zeit, an jedem Ort dieser Welt mit anderen kommunizieren. Jeder von uns kann sogar selbst zum Nachrichtenproduzenten werden. Die hohe Schlagzahl an Nachrichten erfordert es, dass Informationen solide aufbereitet und dargestellt werden. Gut recherchierter Journalismus ist deshalb sehr wichtig und wird in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Er bietet die Grundlage der eigenen Meinungsbildung, sei es über politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Themen.“

Christian von Daniels, Chief Executive Officer Managing Partner van Laack

ECHTEN Mehrwert SCHAFFEN „Die große Herausforderung für die Verlage und Redakteure besteht darin, die Verbindung zwischen den traditionellen Aufgaben des Journalismus, recherchieren, informieren, kritisieren, und den Anforderungen moderner, schnelllebiger Kommunikationsmedien herzustellen und gleichzeitig einen echten, journalistischen Mehrwert zu schaffen. Die größte Schwierigkeit wird weiterhin darin bestehen, bei dieser Entwicklung der Leserschaft die Notwendigkeit von kostenpflichtigen Inhalten zu vermitteln.“

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Kritischer KOMPASS

Raffaello Napoleone, CEO Pitti Immagine

Kommunikation ist einer der fundamentalen Aspekte des Fashionsystems, ein wichtiges Bindeglied für Marken und Designer, um ihre stilistische, soziale und kulturelle Identität auszudrücken. Und Mode ist sicherlich eines der Felder, auf dem man im Bereich der Kommunikation mehr experimentieren kann, indem man neue Modelle und neue Trends etabliert, um sie dann in anderen Bereichen zu implementieren. In Zukunft wird die Wichtigkeit von Kommunikation in den sozialen Netzwerken besonders in Verbindung mit visuellen Einflüssen wie z. B. bei Instagram noch weiter zunehmen. Journalismus hingegen ist und wird auch in Zukunft immer das entscheidende Instrument sein, wenn es darum geht, mehr über die Mode als das, was man auf den ersten Blick sieht, zu sagen und um tiefer gehende Geschichten über die Trends und Protagonisten zu erzählen. Journalismus sollte für jeden in zunehmendem Maße ein Kompass sein, um sich in der Welt der Kommunikation mit Nachrichten und Reportagen – vor allem auch aus einer kritischen Perspektive betrachtet – auseinanderzusetzen.


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046 SO LÄUFT’S

Wohin geht die Reise?

Tiefe BEIBEHALTEN Nicole Bailly, Geschäftsführerin Departmentgreen GmbH

„Wir glauben an Journalismus und Kommunikation. Selbst in Zeiten, in denen die Aufmerksamkeitsspanne der Leser und Konsumenten immer geringer wird, behält Journalismus als seriöses Korrektiv Bedeutung. Das wünsche ich mir nicht nur als jemand, die mit Journalisten arbeitet, sondern auch als Konsumentin. Wichtig ist, dass guter Journalismus die verschiedenen Kommunikationsplattformen nutzt, da jede Geschichte ein passendes Medium hat und unterschiedlich erzählt werden kann; einer der Vorteile unserer Zeit. Nur eines muss der Journalismus leisten – seine Tiefe beibehalten. Letztlich hört eine journalistische Aufarbeitung heute meist nicht mehr mit dem letzten Wort auf. Das fordert den Journalismus künftig noch mehr. Gerade jetzt, da wir uns mit George Gina & Lucy neu aufgestellt haben und wieder eine wachsende Präsenz am Markt haben, hat die Marke viel zu erzählen. Deshalb schätzen wir den klassischen Journalismus sehr und sind auf diese glaubwürdige, authentische Kommunikation angewiesen.“

Qualität

Kristian W. Andersen, Fashion Director CIFF Copenhagen

UND GESCHWINDIGKEIT „Heute liegt der Zugang zu Wissen und Nachrichten in unseren Fingerspitzen – wann immer und von wo aus wir es wollen. Damit sind große Ansprüche an die Relevanz und hohe Erwartungen an die kontinuierliche Präsenz auf verschiedenen digitalen Plattformen und bei Social Media verbunden. Die Vorteile, digital zu kommunizieren, sind die unmittelbare Rückmeldung und die Möglichkeit, ein breiteres Publikum zu erreichen. Die Kehrseite davon bringt es mit sich, dass Menschen zunehmend danach verlangen, von immer neuen Bildern, Videos und Geschichten stimuliert zu werden. Der Prozess der Recherche, Planung und das tiefe Eintauchen in die Geschichten, die man kommunizieren möchte, kann sehr herausfordernd sein, wenn die Deadline niemals mehr morgen ist, sondern immer nur noch heute, hier und jetzt. Kommunikation zielt heute weniger auf die Inhalte als darauf, die Massen zu erreichen und viral zu werden. Auf der anderen Seite kann man mächtigen Einfluss erzeugen, wenn man weiß, wie man guten Journalismus mit der schnelllebigen digitalen Welt kombiniert.“

Lorenzo Osti, Head of Marketing C.P. Company

und Integrität

ZUVERLÄSSIGKEIT

„Kommunikation und Journa lismus sind für Marken immer unverzichtbare Partner gewesen: Sie haben Trends kreiert und waren oft essenziell für den Erfolg einer Marke. Daran hat sich nichts geändert. In der Vergangenheit wurde jedoch nur in eine Richtung kommuniziert: von den Medien zur Öffentlichkeit. In der heutigen Kommunikations-Arena 2.0 sind Trends weniger vorhersehbar, das Szenario ist sehr viel komplexer: Medienmarken, unabhängige Blogs, Social Media Influencer, Konsumenten ... Selbst wenn ich all das als positive Entwicklung sehe, die neue, großartige Möglichkeiten eröffnet hat, glaube ich, dass heute, in einer Welt, in der jeder die Möglichkeit hat, sich darzustellen, ein großes Publikum erreichen kann, und in einem Szenario, in dem authentische Inhalte und Native Advertising oft ineinander übergehen, die Zuverlässigkeit und Integrität professioneller Journalisten unverzichtbare Werte sind, die zunehmend wichtiger werden, um zuverlässige Informationsquellen in einer Welt voll Lärm identifizieren zu können.“

317 style in progress


GAASTRA Deutschland · E. F. Sportswear GmbH & Co. KG · Mittelweg 118 · 20148 Hamburg T: +49 (0)40 – 46 96 66 9 – 0 · info.hamburg@ef-sportswear.de · gaastrastore.com


GEST ERN HEU TE 317 style in progress


MOR GEN SO LÄUFT’S 049

GESTERN HEUTE MORGEN

Den Wandel in der Mode gestalten: Was die Mode tun muss, um eine gute Zukunft zu haben? Auf die Ideen all derer hören, die style in progress nun schon seit zwei Dekaden begleiten. Erfolgreiche Modeunternehmer, Designer, Messemacher und Agenten, die mit ihrem Wirken ihren Beitrag leisten, dass diese Branche so bunt, spannend und visionär ist. Text: Kay Alexander Plonka, Martina Müllner-Seybold. Fotos: Ralph Mecke, Bernhard Musil, Marina Vorobyeva

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„Wir müssen mutiger sein. Es gilt, wieder mehr auf die aktuellen politischen Verhältnisse einzugehen und uns mehr zu trauen, denn Mode ist auch ein Ausdruck von Protest. Auch Menschen um die 50 sollten sich ruhig mehr trauen und ausgefallenere Dinge tragen. Bei den Jungen zeichnet sich das ja schon wieder mehr ab. Es braucht mehr Statements und nicht nur cleane und straighte Looks.“ Winnie Klenk, Abseits, Stuttgart

Valeria Caffagni, Cristina Calori und Andrea Canè, Woolrich & WP Lavori

„Wir glauben, dass der wichtigste Aspekt in Zukunft die Verbindung zwischen Konsumenten, Händlern und Marken sein wird. In diesem Oktober eröffnen wir im Zentrum von Mailand einen 600 Quadratmeter großen Store. Dort werden wir mit einem Multichannel-Konzept versuchen, den Anspruch der Kombination von On- und Offline zu forcieren, um dem Endverbraucher ein besseres Gefühl in Relation zur Fashion zu geben. Wir müssen die Lücke zwischen reinen Online- und Offlinekonzepten mit einer Herangehensweise für gesteigertes Wohlbefinden schließen. Die neuen Trends basieren auf Innovation und Technologie, die besonders für Männer in Qualität und Wertigkeit transferiert werden müssen.“ Andrea Canè, Woolrich & WP Lavori

„Choose well, buy less, make it last.“

Artaud Frendy, Veja und Christian Obojes, Room with a view Norbert Tillmann, Karl-Heinz Müller 317 style in progress


„Die Geschäfte und Vertriebsstrukturen global zu betrachten, ist sehr wichtig. Man sollte die Welt wie ein Land betrachten, seine eigene DNA fokussieren und sich nicht damit aufhalten, Sachen zu machen, in denen man nicht stark ist.“ Michael Azoulay, CEO American Vintage

Michael Azoulay, CEO American Vintage; Judith Kessous, Sales Director American Vintage; Holger Petermann, Think Inc. Communication und Martina Schmidl, Wholesale Director Germany & Austria American Vintage

„Marken und Händler müssen die Konsumenten anleiten, wie man nachhaltige Entscheidungen trifft.“ Andrea Guardi, C.P. Company

Giuseppe D’Amore, Managing Director und Anna Perazzolo, International Customer Service Blauer USA, FGF Industry

Torsten Müller, Room Nine Agency und Andrea Guardi, C.P. Company

Harald Heldmann, Classico und Dagmar Lange, Agentur Lange style in progress 317


Luigi Lardini, Lardini und Michael Brockmann, Heritage Agents

„Zukünftig wird es zwei Wege geben: Produkte, die in großen Stückzahlen zu sehr niedrigen Preisen industriell gefertigt und nicht wahrgenommen werden und kaum von einander zu unterscheiden sind. Auf der anderen Seite teure und exklusive Produkte, die man wahrnimmt, weil sie mit handwerklichem Geschick hergestellt wurden. Die Überproduktion in der Mode ist im Jahr 2016 auf 80 Milliarden Teile angestiegen, das ist viel zu viel. Vor zehn Jahren lag die Anzahl noch bei der Hälfte. Wir sollten weniger wegwerfen, besser produzieren, es für lange Zeit nutzen und Altes mit Neuem kombinieren, das eine moderne und besser Lebensart widerspiegelt.“ Brunello Cuccinelli,

CEO und Designer

„Wir müssen einen großen Schritt zurück zu den Wurzeln machen, als es eine Freude war, sich gut anzuziehen und stilsichere Teile zu einem guten Outfit kombiniert wurden. Wir sollten uns hinsichtlich Qualität und handwerklichem Können wieder mehr auf die Kultur des Tragens und Kombinierens fokussieren.“ Luigi Lardini, Lardini

„Jenseits fairer Arbeitsbedingungen und Vermeidung suboptimaler Sale-Aktionen braucht es mutige Entscheider, die verstehen, dass wir den Menschen stationär ehrliche, einzigartige und nachhaltige Erlebnisse bieten müssen, die online so nicht möglich sind. Wenn wir es schaffen, unsere Kunden mit Produkten, Beratung und Darstellung zu begeistern, wird ihr Einkaufsverhalten in alle Richtungen gesteuert. Online wie offline. Zeit ist Luxus, geben wir den Kunden einen guten Grund, diese bei uns zu verbringen.“ Markus Höhn, Lodenfrey

„Stay curious, be courageous!“ Elke-Cecilia Riehl, Lodenfrey

Thorsten Stiebing, Brand Director Joop und Dr. Manuel Braun, CEO, Holy Fashion Group 317 style in progress


„Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf das wirklich Relevante und Potenzialträchtige fokussieren. Denn dies ist die Basis für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Mode.“ Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vouge

„Die Modebranche muss zeigen, dass sie mit echten Werten handelt. Wir müssen uns fragen: Was ist eine Welt ohne Mode? Die Welt wäre ein bisschen ernster ohne die Mode. Nicht mehr und nicht weniger. Mit diesem Bewusstsein sollten wir versuchen, in Zukunft zu arbeiten.“ Markus Meindl, Geschäftsführung Meindl Fashion

Tommy Hilfiger, Daniel Grieder, CEO Tommy Hilfiger

„Handle with Care!“ Rolf Griesinger, Internationale Mode GmbH

„Ich denke, wir waren sehr gierig, die ganze Welt versucht, zu viel haben zu wollen. Es gibt zu viele Marken, zu viele Läden, zu viel E-Commerce, zu viel billige Fast Fashion und das Meiste in dieser Welt ist homogen und sieht genau gleich aus. Es ist überall zu viel von allem. Ich glaube, wenn wir alle lernen, gelassener zu sein, ein kleines bisschen maßvoller genießen würden und uns einfach an Freundschaften und Dingen des täglichen Lebens freuen, das wäre sehr zufriedenstellend.“ Paul Smith, Designer style in progress 317


054 SO LÄUFT’S GESTERN HEUTE MORGEN

„Wasser ist elegant. Das bedeutet für uns, dass unsere Wasserwelt unsere Ausdrucksform ist. Wir kommen aus dem Wasser und wollen mit unserer Hardware und unseren Kollektionen die Menschen zum Wasser zurückbringen.“ Roberto Ricci, RRD

René Michaelis, Michaelis Fashion Agency und Roberto Ricci, RRD

„I am who I am.“

Lello Caldarelli, CEO und Creative Director Antony Morato

„Macht’s wie wir: Produziert alles in Europa!“ Michi Klemera, Luis Trenker

Daniela Holnsteiner, Export Manager Save the Duck und Nicolas Bargi, CEO Save the Duck

„Wir möchten Vorbild für die ökologischen Aspekte in der Mode sein. Jeder sollte besser mit Tieren und der Natur umgehen und die Erde respektieren, die uns mit dem Nötigsten versorgt. Ich denke, wir können mit verbesserten Technologien wirklich viel bessere Ergebnisse als die, die wir momentan haben, erzielen.“ Nicolas Bargi, CEO Save the Duck 317 style in progress


Anja Grabherr-Petter und Michael Pedratscher, Phil Petter

„Ich wünsche mir, dass sowohl die Einzelhändler als auch die Endverbraucher mehr Bewusstsein für Qualität und Herkunft entwickeln und auf ehrliche Produkte setzen. Der Produktionsstandort Mitteleuropa sollte auch von Seiten der Politik unterstützt werden, damit wir hier weiterhin konkurrenzfähig produzieren können.“ Anja Grabherr-Petter, Phil Petter

Heiko Storz mit seinen Töchtern Luisa (re.) Helen (li.), Fil Noir, Swiss Hest GmbH

„The further backward you can look, the further forward you can see.“ Nigel Cabourn, Designer

Nigel Cabourn und Emilie Casiez, Designer

„Grundsätzlich sollte man Dinge kaufen, von denen man überzeugt ist und an die man glaubt, von einer überzogenen Kurzfristigkeit und Kurzlebigkeit gilt es, sich zu verabschieden.“ Klaus Kirschner, Stetson Europe

„Eine Maßnahme allein reicht nicht – die Globalisierung, die sicher auch Vorteile hat, fordert ihren Tribut. Meine Sorge sind die immer früheren Reduzierungen im Handel – reduzierte Sommerkollektionen im April sind ungesund, für den Handel wie für die Marken. Ich würde mir wieder einen gesetzlich geregelten Schlussverkauf wünschen. Das würde auch den Konsumenten lehren, seine Wahl zu überdenken. Der Preis allein kann nicht die Basis des Erfolgs im Handel sein, obwohl es derzeit das überzeugende Argument zu sein scheint, das Schließungen nicht verhindert, wie die letzten Monate eindrücklich zeigen.“ Heiko Storz, Fil Noir, Swiss Hest GmbH style in progress 317


Suzy Menkes, Vogue

Henrik Soller, Florian Ranft, Komet & Helden

„Zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Hat bei mir ja auch funktioniert... ;-)“ Scott Schuman, The Satorialist

Marino Edelmann, Marco Götz, Gerrit Voss und Fred Götz, Drykorn

„Man sollte nur Dinge machen, von denen man selbst überzeugt ist. Gut ist man nur, wenn man auch zu 100 Prozent dahinterstehen kann. Der Kunde merkt, wenn man Dinge nur halbherzig oder unter Anstrengung macht.“ Marco Götz, Drykorn 317 style in progress


“Express yourself!” Caro Daur, Bloggerin

„Die Zukunft ist eine Chance und wir können bei der Gestaltung daran teilnehmen. Genaugenommen mag ich die Tatsache, das wir gezwungen werden, uns selbst zu fragen, was der Wert unsere Arbeit ist, die uns beschäftigt und munter hält. Wir sollten kontinuierlich die Art und Weise adaptieren, über Innovationen und Neugestaltung nach­ zudenken. Wir müssen zuhören, lernen und erfahren. Doch statt ängstlich zu sein, sollten wir Veränderungen als eine Chance zur Weiterentwicklung wahrnehmen. Es wird immer Gewinner und Verlierer geben. Also lasst uns lieber ambitioniert arbeiten, um auf der Gewinnerseite zu sein.“ Anita Tillmann, Managing Partner Premium Group

„Jeder sollte das tragen dürfen, worin er sich wohl fühlt, und nicht zwangsläufig nur zu den aktuellen Trends greifen. Außerdem müssen Modefirmen noch stärker in die Verantwortung bei der eigenen Produktion, besonders aus Fernost, genommen werden, auf faire und sichere Arbeitsbedingungen zu achten. Dies sollte darüber hinaus auch für deren Zulieferer und Produzenten gelten.“ Bernhard Aschauer, Adventure Fashion Agency

„Funktion und Komfort werden in Zukunft noch wichtiger werden. Es ist toll, zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen in den 35 Ländern, in denen wir unsere Produkte verkaufen, reagieren. Das liegt an den verschiedenen Geschmäckern, Kulturen und Einstellungen. Es geht darum, wie die Styles in dem jeweiligen Land interpretiert werden, und so lernen wir jeden Tag viel Neues. Das ist sehr beeindruckend.“ Christina Paulon, Parajumpers

„Wir wollen das europäische Mode-Öko­system stärker vernetzen und somit nachhaltig beeinflussen. Diese Motivation hilft uns, die Modebranche kontinuierlich so weiterzuentwickeln, dass alle Beteiligten davon profitieren. Unsere Vision ist es, eine Plattform aufzubauen, die auf der einen Seite den individuellen Bedürfnissen des heutigen Kunden gerecht wird und auf der anderen Seite Marken und Einzelhändlern intelligente Lösungen bietet, ihr Geschäft weiter auszubauen. Dafür gibt es meines Erachtens keine ‚One size fits all‘-Lösung. Es geht vielmehr darum, gemeinsam individuelle Ansätze zu erarbeiten. Unsere Plattformstrategie ist dabei einerseits ein Commitment an die Industrie, andererseits aber auch ein Mind-Set, um maßgeblich die Zukunft der Modebranche mitzugestalten.“ David Schneider, CEO und Gründer Zalando

Christina Paulon, Parajumpers und Matthias Schwarte, Agentur Schwarte

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I absolutely love it.

058 SO LÄUFT’S

Stefan Wittmann, Agentur Wittmann

GESTERN HEUTE MORGEN

Gordon Giers, Closed, Hirofumi Kurino, United Arrows, Till Nadler, Closed

„Unsere Produktion ausschließlich in Italien vorzunehmen, bedeutet, dass es anstrengender ist und die Margen kleiner sind. Die Arbeit geht also in die entgegengesetzte Richtung. Aber ich liebe es und ich will es genauso machen, was immer auch geschieht. Ich glaube an die Produktion in Italien, nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Lebens. Es macht einen Unterschied. Vielleicht sieht der Endverbraucher diesen Unterschied nicht, aber für mich gibt es ihn. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“ Daniele Fiesoli, Wool Group Italia

„You are here to make it happen. This is Alberto.“ Marco Lanowy, Geschäftsführender Gesellschafter Alberto

Marco Lanowy, Geschäftsführender Gesellschafter Alberto und Michael Willems, Product Manager Alberto

„Nur was mit guten Absichten entsteht, wird Bestand haben.“ Kristin Versümer, Sportalm 317 style in progress

„In der Mode, wie in anderen Bereichen auch, sollte sich die Gesellschaft zu einem respektvolleren Umgang mit den Mitmenschen bekennen, im Einklang mit der Natur leben und achtsam mit dem Erbe unserer Kinder umgehen. Das sind keine leeren Phrasen, sondern der einzige Weg, um in Zukunft noch erfolgreich sein zu können. Sonst fliegt uns die Welt, in der wir heute leben, nämlich um die Ohren und dann ist Mode das Letzte, was die Menschheit interessiert.“ Ulli Ehrlich, Sportalm


„Wir müssen in der Lage sein, die Branche zu schützen, da wir die Zukunft nicht voraussagen können. Die Rhythmen sind sehr schnell geworden und deshalb muss auch die Geschwindigkeit innerhalb einer Firma an diese Rhythmen angepasst sein, verbunden mit der Fähigkeit, Veränderungen schnell zu ermöglichen.“ Luca Orsati, AT.P.CO und People of Shibuya

Mirjam Dietz, Business development & Communications, Aline Schade, Executive Director, Vanessa Meier, Munichfashion Company

„Rückbesinnung auf Werte, Qualität und Individualismus sind Schlagwörter für die Zukunft, denn damit wird die Vielfalt von Mode gefördert und Begehrlichkeiten werden wieder geweckt. Der Verbraucher ist informiert und seine zukünftigen Ansprüche sind das Maß der Dinge. Nachhaltigkeit wird in Zukunft eine wichtigere Rolle einnehmen, um Vertrauen zu schaffen und um sich abzuheben. Schon jetzt produzieren einige Labels wieder in Europa, um die Qualität zu sichern und auch um neue Standards zu gewährleisten.“ Aline Schade, Executive Director Munichfashion Company

„Ein wichtiger Zukunftsaspekt in der Modebranche ist die Discountpolitik. Die Sale-Phasen starten viel zu früh. Höhere Verkaufspreise werden schon in die Kalkulation mit einbezogen, um die Rabatte abzudecken. Aber es wäre viel sinnvoller, die Verkaufspreise realistischer anzusetzen und sie zu respektieren. Diese Ausgewogenheit in der Rabatt- und Preispolitik wäre weitaus gesünder für die Branche.“ Mario und Stefano Colombo, Inhaber von Colmar

Peter Haertel, Vestitus und Timm Hartmann, Timm Hartmann Communications

„Es dreht sich alles um die Persönlichkeit, um gute Verkäufer und sympathische Personen, und wer sich Mühe gibt, bei dem klappt’s.“ Peter Haertel, Vestitus style in progress 317


„Don’t be so shoefish.”

Etienne Manderveld, Floris van Bommel

„Less is more.”

Zeshan Ahmed, Blaumax

„Die Akzeptanz der Konsumenten für Produkte, die mit ökologischem Verantwortungsbewusstsein produziert werden, wächst. Dies gibt der Industrie die Möglichkeit, im vermehrten Maß Bekleidung anzubieten, die die Freude an Mode befriedigt, ohne die Umwelt vermeidbaren Belastungen auszusetzten. Ziel muss es sein, Nachhaltigkeit in unserer Lebensführung zu entwickeln, ohne die Freude an der Mode zu verlieren.“ Sabrina Arlovic und Sonja Gregan, Blaumax

„Wir konzentrieren uns darauf, unseren Kunden den besten Service und eine profitable Kollektion zu bieten. Mein Vater gründete die Firma 1985 und nun führen meine Geschwister und ich die gute Partnerschaft mit unseren Kunden weiter. Das ist für uns das Wichtigste für die Zukunft.“ Paolo Rossi, Alpha Studio 317 style in progress

Paolo Rossi, Alpha Studio und Patrick Coppolecchia Reinartz, Agentur D-tails

„Es ist ganz leicht: Produkte müssen fair und haltbar sein. Das mit Kreativität kombiniert – und die Fashionindustrie ist eine großartige Sache.“ Pepijn van Bommel, Floris van Bommel

„You can’t fake relevance.” Thomas Briel, Krauts PR

„Was mir Sorgen macht ist die Geschwindigkeit, in der die Industrie redundante Produkte produziert. Heute ‚hot‘ morgen ‚not‘. Das ist eine wahnsinnige Verschwendung von Ressourcen. Ich würde mir mehr Langlebigkeit und Nachhaltigkeit bei der saisonalen Planung wünschen. Die Tatsache, dass wir schon im Januar Sommerware in den Läden haben und Winterware schon reduziert ist, bevor der Winter überhaupt erst richtig angefangen hat, ist dabei auch nicht gerade hilfreich.“ Frank Spiewack, VP Global Sales & Marketing, Alchemy Equipment


Jens Eilhardt und Eva Maria Kreissl, Schneiders

„Werte und Haltung sind in Zukunft wichtiger denn je. Intensivere Förderung von jungen Designtalenten gehört genauso dazu wie mehr Nachhaltigkeit, aber auch weniger Dauer-­ Sale. Eine Rückkehr zu mehr Handwerklichkeit und mehr Qualitätsbewusstsein, dafür eine Reduktion der Wegwerfmentalität.“ Jens Eilhardt, Schneiders

Steff Hoff, Moose Knuckles und Ben Botas, Agentur Ben and

„Die Klimaschutzprogramme zu berücksichtigen, ist wichtig. 80 Prozent unserer Kollektion wird in Kanada mit den höchsten ethischen Standards der Welt gefertigt. Die Leute fürchten sich immer vor zu niedrigen Margen. Wir glauben, dass es möglich ist, familienorientiert, traditionell und umweltfreundlich zu produzieren und dabei lokale Unternehmen zu unterstützen. Der Trend zur Fast Fashion und die Massenproduktion müssen wieder zurückgehen. Ich will nicht behaupten, dass wir Engel sind, aber wir tun. was wir können, um etwas zu verbessern.“ Steff Hoff, Moose Knuckles Andrea Sanchioni, Export Area Manager und Carlo Meli, Commercial Director Liu Jo

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062 SO LÄUFT’S GESTERN HEUTE MORGEN

„An dieser Stelle könnte man viele Themen nennen. Beginnend mit fairer Produktion bis hin zur respektvollen Art der Zusammenarbeit in unsere Branche. Der schnelle Wechsel von Trends und der Fokus auf Marketing lässt die Leute zu viele Sachen haben wollen. Die Rückbesinnung auf den eigene Stil und damit verbunden, weniger zu kaufen, wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung. Diese Konzentration würde Menschen wieder sensibler für sich selbst werden lassen. Außerdem würden Designer erkennen, dass Marketing nicht alles ist, und dass das Kreieren von Bestsellern nicht das Ziel der Mode ist.“ Herbert Hofmann, Head of Buying & Creative Director Voo Store

„Gutes Design und gute Qualität haben einen Preis. Dieses Bewusstsein müssen wir bei unseren Kunden wecken und verstärken. Preis und Rabattschlachten haben zur Folge, dass niemand mehr weiß, was ein echter Preis ist und wie er sich zusammensetzt. Wertschätzung den Produzierenden und dem Produkt gegenüber würde dann auch diese unselige Abwärtsspirale beenden, die keinem nutzt, vor allem nicht den Menschen, die in dieser Industrie arbeiten.“ Daniel Werner, Buyer Urbanwear, The KaDeWe Group

„Lay back and relax!“

Noro Hoferer

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GEST ERN MOR HEU GEN TE


064 SO LÄUFT’S

style in progress

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065

20 Jahre … in Progress 1997 hat Colette in Paris eröffnet. Was schon bald die Mutter aller Conceptstores werden und einen weltweiten Hype auslösen sollte, war zunächst einmal einfach eine Idee oder die sehr frühe Wahrnehmung einer epochalen Veränderung. Denn etwa zu dieser Zeit begann auch die exponenzielle Entwicklung der Globalisierung, angetrieben durch die digitale Revolution. Dass das intensive Auswirkungen auf das Konsumverhalten haben würde, war vielleicht nicht in der Dimension zu erahnen, die wir heute gerade zu verstehen beginnen. Aber dass sich vor allem in der neuen Zielgruppe der Early Adopter dieser Veränderungen auch die Ansprüche und Bedürfnisse verändern würden, das war greifbar. Zumindest für Colette Roussaux und ihre Tochter Sarah Andelman. Mir war Colette damals noch kein Begriff. Aber dass etwas in der Luft liegt, dass die Modebranche in all ihren Komponenten auf eine eben epochale Veränderung zusteuert, das war einfach klar. Und das war auch der Anstoß, style in progress zu

Ein Magazin, das diesen Wandel und damit den Weg in die Zukunft nicht einfach nur abbilden, sondern auch gestalten und im Idealfall vordenken sollte. Insofern ist der Titel,

Foto: Markus Huber

machen.

insbesondere der Zusatz „in progress“, bis heute programmatische, inhaltliche Leitlinie.

Unser Anspruch war immer, Themen zu setzen und damit Debatten anzu­stoßen. Und das ist

uns, in aller Bescheidenheit, im Laufe von mittlerweile zwei bewegten Jahrzehnten auch über weite Strecken sehr gut gelungen. Ob es das Entstehen einer neuen Generation von Handelskonzepten war, der radikale Rollenwandel der Messen oder das Infragestellen immer grotesker am Konsumenten vorbeizielender Branchenrhythmen, style in progress war bei diesen Fragen ebenso früh am Punkt wie bei der künftigen Bedeutung des Fachhandels und der Innenstädte oder einem kritischen und gleichzeitig unaufgeregten Blick auf den digitalen Wandel.

Zwei Prinzipien standen und stehen für uns dabei unverrückbar fest: Zu zeigen, wie es geht oder gehen könnte, ist wesentlich spannender, als ständig zu erklären, wie es nicht geht. Man kann von positiven Vorbil-

dern viel mehr lernen als vom leider so weit verbreiteten medialen Prinzip des Daueralarms und der negativen Schlagzeile.

It’s a people’s Busi­ness. Und darum interessieren wir uns vor allem für die Menschen, die eine Branche geprägt haben und prägen, die wir spannender und herausfordernder finden denn je. Für style in progress ist dieses Jubiläum also nur ein Etappenziel. Ein sehr schönes, zugegeben. Eines, auf das wir auch stolz sind. Aber unser Blick ist schon wieder in die Zukunft gerichtet. Ihr Stephan Huber und das gesamte Team von style in progress

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1998 „Ich arbeite seit 30 Jahren am und um den menschlichen Körper. Ich habe in der Zeit über 3.000 Hosen entworfen. Das hat viel mit Sex zu tun. Wahrscheinlich ist das meine eigentliche Motivation.“ François Girbaud

„Wenn man in ein Drei-HaubenLokal essen geht, akzeptiert man doch auch, dass dort nicht nur das Essen mehr kostet, sondern auch das Mineralwasser oder der Espresso.“

Dietmar Lingg, Lingg Dornbirn

„Ich möchte Kleidung machen, die man lange tragen kann. Ich denke, man

sollte anders über die Mode denken, als sie bei den großen Shows in Paris, Mailand oder London gezeigt wird. Ich meine eine ‚normale‘, natürliche Kleidung, die Leute auf der Straße. Auch meine Schnitte sind ja sehr klassisch. Das einzige, was ich hinzufüge, ist Attitüde.“ Raf Simons

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067

„Mode ist das Absolute. Das Wenige, was ich habe, investiere ich in Mode. Es ist doch das Einzige, was Spaß macht.“ Adriano Pirani, damals Città di Bologna, Köln „Die Kunden kaufen auch, weil sie dazugehören wollen. Wir sind eine Art Familienersatz.“ Werner „Winni“ Klenk, damals mit Stephan Kalbfell Inhaber von Ave in Stuttgart

„Am liebsten wäre ich selbst ein Molekül, um in den Stoff eindringen zu können, um ihn so besser zu verstehen.“ François Girbaud

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1999

„Es geht um die Bedeutung des Internets und seine globale Austauschmöglichkeit. Ich benütze diese Möglichkeit selbstverständlich, alle meine Sachen sind im Internet.“ Helmut Lang

„Inneneinrichtung, Unterhaltung und Reisen sind die Ziegel – Mode ist der Mörtel.“ Tyler Brûlé, damals Herausgeber des Wallpaper Magazins

„Die Menschen in Deutschland sind, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, teilweise sehr verschlossen. Die Hauptaufgabe von mir und meinem Verkaufsteam bleibt aber das Beraten.“

Jutta Heidt, Fifty Eight’s Frankfurt

„Es ist für mich wichtig, diese eine Sache richtig zu machen!“ Sarah Andelman, Colette

„Der gehobene Diskurs über Mode unterscheidet sich strukturell kaum vom Kunstdiskurs der 80er-Jahre. Teilweise wird er sogar von denselben Leuten geführt, mit denselben klingenden Worthülsen und theoretischen Gemeinplätzen.“ Sven Gächter,

heute Chefredakteur des Magazins Profil 317 style in progress


069

„Die Kraft und Konzentration, die man heute auf die erfolgreiche Positionierung in den Medien verwendet, wird der Kreativität und damit dem Produkt entzogen. Die Konsequenz ist Verflachung.“ Massimo Osti

„Ein original Punk wird sich immer von jedem unterscheiden, der versucht, ein Punk zu sein. Und nur weil man sich wie Prinz Charles kleidet, ist man noch kein Aristokrat. Kleidung definiert immer. Politische Bewegungen spiegeln sich in der Mode wider. Das war in der Reaktion auf den Krieg so, bei der Frauenbewegung, den Hippies.“

Helmut Lang

„Unsere Stärke heißt: Hinschauen, was der Mensch braucht. Ganz persönlich.“ Kaspar Frauenschuh

„Die Medien treffen die Wahl für den Konsumenten, indem sie alles, was nicht stromlinienförmig ist, ausfiltern. Das ist eine unaufhaltsame Entwicklung, aber die Kreativität wird dadurch empfindlich eingeschränkt. Ich bemerke dieses Korsett auch in meiner Arbeit. 50 Prozent meiner Ideen verwerfe ich, weil der Markt sie nicht mehr zulässt.“

Massimo Osti

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2000

„Fünf Firmen sind im Hafen, aber rund 2.500 Firmen hier auf der Messe. Um die fünf im Hafen wird aber soviel Aufhebens drum gemacht, dass alle denken, im Hafen hätte sich was getan.“ Manfred Kronen, damals CPD-Chef

„In der ersten Saison von Hugo – ich werde das nie vergessen – haben wir mit 3.000 Leuten eine Modenschau gemacht. Alles Boss-Kunden, also vermeintliche Hugo-Kunden. Wir haben alle drei Marken gezeigt, in einer Modenschau, hintereinander. Als Hugo gezeigt wurde, habe ich mir die Kunden angeschaut, die ich ja nach 20 Jahren kenne, und mir den Gesichtsausdruck angesehen. Die haben gedacht, bin ich froh, dass ich das nicht kaufen muss. Aber in denen hat es gearbeitet. Ich glaube, dass Hugo für die gesamte Branche eine Frischzellenkur war.“

Werner Baldessarini

„Natürlich ist Berlin eine Metropole im globalen Sinn. Ich bezweifle aber, ob das ausreicht, um einen neuen Standort zu schaffen, der so viel verschieden gelagerte Bedürfnisse unter einen Hut bringt. Als Messeplatz kann man Berlin, bei allem Respekt vor den Kollegen, bestimmt nicht mit Köln oder Düsseldorf auf eine Stufe stellen.“

Wilhelm Niedergöcker, damals Geschäftsführer der Köln Messe

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„Die Basis des Ladens ist der persönliche Bezug, bei allem wirtschaftlichen Erfolg also ein nur schwer andernorts nachzuvollziehendes Konzept. Die neue Website unter www.offandco.com soll im zweiten Schritt auch einmal als Bestellplattform für Nicht-Münchner fungieren, das ist allerdings noch Zukunftsmusik.“ Peter Stumm von Off & Co


„Wie eine Marke gemacht wird, kann man heute in jeder Zeitschrift nach­lesen. Das Entscheidende wird dabei aber immer vergessen. Marken haben nämlich immer eine verdammt lange Entstehungsgeschichte hinter sich. Und die kann man eben nicht kaufen oder retortenhaft vorzüchten, das geht nicht.“ Holger Jung, Jung von Matt

Ist Mode eigentlich ein schwieriges Thema für Werber? „Absolut. Das beginnt damit, dass die Entscheider auf der Modeseite natürlich kreativ sehr ambitioniert sind, nach dem Motto: Wenn wir einen Pullover stricken können, dann können wir auch die Werbung dazu stricken.“

Jean-Remy von Matt, Jung von Matt

071

„Luxus ist nicht die goldene Rolex. Luxus ist Distanz, Ruhe, Gärten sind Luxus. Auf alle Fälle verbiete ich mir im Zusammenhang mit Joop das Wort Lifestyle. Das hängt mir schon seit zehn Jahren zum Hals heraus. Was beschreibt dieses künstliche Wort eigentlich? Saufen und golfen auf Mallorca? Big Brother ist auch Lifestyle.“ Wolfgang Joop

„Entscheidend ist doch die Frage, ob der Handel in der Lage ist, Radikalkuren zu machen, denn das wird notwendig sein.“ Jochen B. Holy

„Heute erleben wir erneut eine Auflösung der Verschmelzung der Geschlechterunterschiede, allerdings in eine andere Richtung. Unsere Gesellschaft und Kultur befindet sich im Prozess der Feminisierung. Die Frauen werden wieder weiblicher, aber eben auch die Männer, die am Ende eines alten und Beginn eines neuen Jahrhunderts massiv von ihrem traditionellen Rollenbild geknebelt sind. Man glaubt ihnen ihre Stärke ganz einfach nicht mehr.“

Wolfgang Joop

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2001 Wie lebt man global? „Nicht darüber nachzudenken, das ist eben die Globalisierung. Ich denke nie darüber nach, denn die Globalisierung ist eine Erfindung der Medien. Ich empfinde Grenzen nur, wenn ich wieder einmal meinen Pass vorzeigen muss.“

Issey Miyake

„Für mich ist Mode nichts anderes als Musik oder Literatur. Es ist eine Form, zu kommunizieren. Und so wie andere eben mit Melodien, Harmonien oder auch mit Malerei kommunizieren, mache ich das eben mit Stoffen und Schnitten. Mode ist mein persönliches Kommunikationstool, um meine Ideen und Visionen zu vermitteln.“

Ann Demeulemeester

„Bei uns kommt erst der Kunde, dann der Profit. Langfristige Kundenbeziehungen rechnen sich, dazu müssen wir aber in Vorleistung gehen, investieren. Abgerechnet wird dann einmal im Jahr. Da muss die Bilanz stimmen, damit wir zur äußersten Leistung bereit sein können.“

Kurt Müller-Meinhard, Bruns, Oldenburg

„Vertikalisten und Filialisten sind für uns durchaus willkommene Mitbewerber, von denen wir uns durch Stil, Qualität der Ware sowie fachkundige Beratung klar und relativ einfach abheben können.“ Dietmar Lingg, Lingg Fashion Dornbirn 317 style in progress


073

„Mode ist keine Kunst. Was meine Person anbetrifft, bin ich ein gesunder, dem Zeitgeist folgender Opportunist. Ein Opportunist im intellektuellen Sinn. Disponibel und offen für Zeitströmungen.“

Karl Lagerfeld

Einen Wechsel zu einem der Luxushäuser wie LVMH oder Gucci kann sich Raf Simons nicht vorstellen. „Ein solches Unternehmen würde mich zu sehr beschränken und fesseln.“

Raf Simons, damals Gastprofessor an der Universität für angewandte Kunst Wien

„Berlin hat sehr viel mit Kunst und Kultur zu tun, aber nicht mit Mode. Aber die Berliner haben eine sehr persönliche Einstellung zur Mode. Sie haben ihre eigene, bestimmte, individuelle Mode, welche ich mag. Berlin ist für mich ein sehr privates Ding. Ich kenne da nur ein oder zwei Leute. So kann ich mich dort vollkommen frei fühlen. Ich will daher nicht, dass es auch noch eine Modestadt wird. Aber ich will, dass Berlin eine Chance bekommt. Es ist so eine kraftvolle Hauptstadt. Sie erholt sich noch immer, ist immer noch getroffen und muss noch reifer werden. Gleichzeitig fühlt man die Kraft dieser Stadt, ihren eigenartigen, fast chaotischen Charme.“

Hedi Slimane, damals Chefdesigner von Dior Homme

„Genau das ist das Problem im deutschen Handel – man ist nicht mehr bemüht um den Kunden, und das unabhängig von der Branche. Mancher Experte bescheinigt dem Handel, sich in einer Art ‚Trancezustand‘ zu befinden. Der Kunde soll kommen, sehen, kaufen, aber keine Fragen, keine Ansprüche stellen. Die kann nämlich eh niemand beantworten. Den Aushilfen fehlt die Qualifikation, für die Fachkräfte das Geld.“

Joachim Schirrmacher

„Es ist harte Arbeit, Mode zu entwerfen.

Ein kreativer Prozess ist immer auch harte Arbeit. Aber dem Ergebnis, also der Kollektion, soll man diese Knochenarbeit natürlich nicht ansehen. Es soll immer etwas Selbstverständliches haben, beinahe etwas Beiläufiges. Wenn du dir eine CD kaufst, interessiert es dich dann, wie hart die Band daran gearbeitet hat? Natürlich nicht.“

Ann Demeulemeester

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2002

„Die Globalisierungsdebatte hat der westlichen Welt sehr deutlich vor Augen geführt, wie viel Armut es auf der Welt gibt. Und das ist jetzt auch die Schnittstelle mit dem Luxusmarkt und seinen Problemen. Dass die Güter der Welt nicht gerecht verteilt sind, war ja immer irgendwie bewusst. Aber das Ausmaß dieser Situation, war für viele neu. Und da bildet die maßlose Geldvernichtung, die in den letzten Jahren in der sogenannten New Economy betrieben wurde, schon einen sehr grellen und provokanten Gegensatz.“ Wolfgang Ley

„Mode muss natürlich wesentlich spontaner beeindrucken. Weil sie so vergänglich ist. Aber über Sätze wie ‚Der Minimalismus ist tot‘ kann ich nur lachen. Weil er schlicht unsinnig ist. Eine Schlagzeile. Denn Minimalismus ist ja keine Modeerscheinung, sondern ein Stil.“ Antonia Cittero

Wie wäre der neue Look von Präsident Berlusconi, wenn Sie Hand anlegen dürften? „Einem Mann, der in seiner Denkweise im Faschismus der 30er-Jahre verhaftet ist, steht eigentlich nur ein brauner Anzug, kurz geschorenes Haar und ein kleines, viereckiges Schnäuzchen. Sie verstehen, welches ich meine?“ Roberto Cavalli

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075

„Die Zukunft ist jetzt! Wir leben in der Zukunft! Wir müssen aufhören, zurückzuschauen, nur weil es bequemer ist. Menschen, die Modernismus ablehnen, haben Angst davor, weil sie unvertrautes Terrain betreten.“ Milan Vukmirovic, damals Creative Director von Jil Sander „Wer schon mal bei Prada und Co geordert hat, kennt das Gefühl, zu kleinen Mäusen gemacht zu werden. Es ist eine totalitäre, abstoßende Welt.“

Marco Kunz, Inhaber von Fidelio Zürich

„Es ist sehr wichtig, dass Closed keinen deutschen Geruch hat. International würde man damit nicht glaubwürdig und kompetent erscheinen.“ Gordon Giers, Closed

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2003 „Formelle Bekleidung hatte lange Zeit eine klare funktionelle Bedeutung. In einer Gesellschaft, die sich

„Erst war Japan, dann Paris, Belgien und Italien angesagt. Jetzt bleibt fast nur noch Deutschland übrig. Die deutsche Mode, die ja sehr bodenständig ist, passt in die Zeit. Da geht es nicht um durchsichtige Chiffonblusen, sondern um das Ding an sich. Zudem ist Berlin als Stadt sehr offen, interessant. Auch der Ostcharme hat das Potenzial zu einem Modestatement.“

über die Arbeit definierte, war Businessmode also durchaus ein notwendiges äußerliches Signal. Diese strikte Trennung zwischen Berufsleben und Freizeit hat sich mehr und mehr aufgelöst. Heute sprechen wir ja eigentlich eher von einer Freizeitgesellschaft. Das hat natürlich zu einer Veränderung der Botschaft geführt, die formelle Bekleidung aussendet. Was nicht bedeutet, dass sie nicht mehr zeitgemäß wäre. Denn in meinen Augen ist Mode ja vor allem ein Weg, sich abzuheben, ein Weg, anders zu sein. Wenn also Sportswear oder Casual zum Mainstream geworden sind, dann kann die Formal Wear wiederum ein Weg sein, sich von diesem Mainstream zu unterscheiden.“

Terry Jones, Gründer des i-D Magazins

Stephan Schneider „Der ‚alte‘ Weg, dass die georderte Ware zum größten Teil mit einer Lieferung zu Saisonbeginn an die Läden geht, wird künftig nicht mehr möglich sein. Es muss zu einer Staffelung in mehreren Intervallen kommen. Und in diesen Intervallen werden wir die Ware künftig auch bezahlen.“

Walter Kirner, damals Vorstand von Don Gil

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„Die schlechte Situation vieler Einzelhändler resultiert aus deren starrem Festhalten an Normen und Gewohnheiten. Doch Mode bedeutet Veränderung, Bewegung. Nicht Stillstand.“

Mario Eimuth, damals Inhaber von Sarajo in München, heute stylebop.com

„Die Zukunft des Luxus liegt nicht wie bisher in der Vermehrung, sondern in der Verminderung, nicht in der Anhäufung, sondern in der Vermeidung.“ Hans-Magnus Enzensberger


Konsum ist langweilig. Es gibt ja in vielen Bereichen keine wirklichen Neuheiten mehr. Gerade im Bereich der Mode ist bereits alles gesagt, gedacht und geschneidert.“ Matthias Horx, Trendforscher

077

„Die Zeit des Gigantismus nach dem Motto: „Wir packen alles unter ein Dach“ ist nun auch zum Glück vorbei. Kommerz und Design passen nun mal nicht zusammen, genauso wenig wie in das Sortiment eines Händlers. Special products need special places!“

Anita Tillmann,

Gründerin der Premium Exihibitions

„Der Fachhandel, nicht nur für Mode und Bekleidung, ist in Ländern wie Italien oder Deutschland Teil der kulturellen Identität. Er bestimmt ganz entscheidend den Charakter einer Stadt und ist daher auch unverzichtbar. Aus meiner Sicht hat der Fachhandel aber mit einem massiven Generationsproblem zu kämpfen. Oft fehlt bei der Generation der Erben das Know-how und auch die Konsequenz, das Geschäft immer wieder weiterzuentwickeln. Und ohne diese Eigenschaften ist es natürlich schwierig, rezessive Phasen zu überstehen. Denn natürlich hat der Druck auf den Fachhandel in den letzten Jahren stetig zugenommen.“

Gildo Zegna, CEO von Ermenegildo Zegna

„Die Bread & butter wird unter keinen Umständen zur Leitmesse nach altbekanntem Muster mutieren, sie wird nicht der gesamten YoungFashion-Branche als Plattform dienen.“

Karl-Heinz Müller,

Gründer der Bread & Butter

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2004 „Ganz ohne Reduktionen kommen wir im Handel nicht aus. Und wir haben da in Düsseldorf ja auch noch das lokale Problem mit einem Platzhirschen, der ja schon im Mai mit Reduktionen wirbt. Es werden sich schon bald viele nach einer klaren gesetzlichen Regelung zurücksehnen.“ Reinhard Haase, Gründer der Agentur Unifa

„Letztlich ist es bei der Bekleidung immer um Funktion gegangen. Denn je-

des Bekleidungsstück dient ja einem bestimmten Zweck. Hochwertige technische Materialien haben nur die Bandbreite der Möglichkeiten erweitert. Und die schon erwähnten gesellschaftlichen Veränderungen haben auch die Ansprüche an die Funktionalität von Bekleidung ganz entscheidend verändert. Mit den Qualitäten von heute ist es wesentlich einfacher, sehr präzise auf diese Ansprüche einzugehen.“

Neil Barrett im Longview

„Man muss ausnahmslos hinter jeden Einkauf ein Fragezeichen setzen. Inkonsequenz kann man sich nicht mehr leisten.“ Karl Reyer, Reyer Hallein „Währen die Old Economy schrumpft, ist das Onlinegeschäft das, was der Markt verlangt. Die Kunden haben inzwischen gelernt, mit dem Internet zu leben. Zudem ist das Netz, aber auch die Logistik deutlich ausgebaut sowie schneller und sicherer geworden. Die Kunden kennen heute die Ware ganz genau und wissen, was sie wollen: Sie brauchen die Kleider nicht mehr anzufassen oder anzuprobieren.“

Raffaello Napoleone,

Pitti-Chef anlässlich seiner Bestellung in den Aufsichtsrat von Yoox 317 style in progress


079

Frau Stanoiu, fühlen Sie sich als Angehörige einer vom Aussterben bedrohten Spezies? „Auf keinen Fall. Was wir bieten, kann keine andere Handelsform ersetzen. Denn wir verkaufen ja nicht einfach Bekleidung. Wir verkaufen Emotionen, ein Lebensgefühl.“ Mirella Stanoiu, Inhaberin der Donna Gruppe

„Jedes Geschäft, das zehn Jahre alt ist, ist alt. Besonders wenn sich die Inhaber jetzt nicht zu investieren trauen. Dann haben sie exakt dann, wenn die Konjunktur wieder anzieht, einen uralten Laden, in dem niemand mehr einkaufen will.“

Josef Einwaller, Einwaller Innsbruck Nun sagen die Veranstalter der CPD, es ist ja ganz schön, dass in Berlin Party gemacht wird, aber 90 Prozent des Geschäftes finden hier bei uns in Düsseldorf statt. „Das klingt ein bisschen nach Pfeifen im Walde. Und selbst wenn es so sein sollte: Das kann sich ja ändern. Auf Dauer wird es nur zusammen gehen, die Events sind ja schließlich kein Selbstzweck, sondern eine andere Art des Business.“

Klaus Wowereit, damals regierender Bürgermeister der Stadt Berlin

„Es geht nicht darum, wie man Kleider und Koffer oder Kaffee und Kuchen verkauft, sondern mit allen Elementen eine Atmosphäre zu kreieren, welche Wünsche auslöst. Die Cafés helfen zudem, die Dramaturgie des Hauses zu entschleunigen. Ich glaube, die neue Langsamkeit und die neue Schnelligkeit sind ganz wichtige Konzepte im Handel der Zukunft.“ Susanne Tide-Frater, damals

Kreativdirektorin von Selfridges

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2005 „Die riesigen Einkaufszentren in den Vororten reißen den Städten das Herz heraus.“ Sir Norman Foster

„Wie viel Identität kann man sich in einer globalisierten Welt leisten? Was zu stark aus der Reihe tanzt, lässt sich nicht vermarkten, je profilloser das Produkt, desto größer der Markt, so die derzeitige Logik. Wird es also ein weltweites ‚Stil-Esperanto‘ mit einem Alphabet von Armani bis Zara geben? Oder gibt es ein neu erwachtes Interesse an textilen Dialekten?“

„Wir wollen künftig eine FourSeasons-Politik fahren, weil wir darin eine notwendige Reaktion auf die geänderten Bedürfnisse des Handels sehen. Der häufigere Wechsel der Warenbilder ist heute gerade im hochwertigen Segment entscheidend.“

Lothar Reiff, damals

Vorstand für Kreation und Lizenzen Hugo Boss

Joachim Schirrmacher

„Früher beschäftigte das Modevolk die Frage Einknopf oder Zweiknopf, einreihig oder doppelreihig. Heute ist es die Frage: Kommt Denim? Bleibt Denim? Wie ist die Waschung?“

Carl Tillessen, damals Geschäftsführer von Firma

„Die Zeit ist im Wandel der Gesellschaft auch für den Verbraucher zum Wirtschaftsfaktor geworden. Das wirkt sich auf unser Konsumverhalten aus: Im Discountbereich geben die Menschen Zeit aus, um Geld zu sparen. Im Premiumbereich geben Sie Geld aus, um Zeit zu sparen.“ Aus dem Artikel „Wirtschaftsfaktor Zeit“ von Nicoletta Schaper 317 style in progress


081

„Ich wurde in meiner frühen Jugend einfach und ziemlich streng erzogen und musste auf dem Bauernhof mitarbeiten. Wahrscheinlich mag ich deshalb in jedem Bereich meines Lebens das Echte und Authentische. Ich treffe mich gerne mit meinen Freunden in meiner Heimatstadt, gehe gern in ein nettes Restaurant oder spiele Fußball mit dem lokalen Verein. Mit diesen Leuten habe ich viel mehr Spaß als mit den Reichen und Prominenten.“

Renzo Rosso

„Das Neinsagen zu Trends und Strömungen, die man als naheliegend und vermeintlich notwendig empfindet, nimmt heute einen größeren Stellenwert ein, als das Jasagen. Wir sagen heute zu 95 Prozent, das machen wir nicht, weil es nicht zu uns passt.“ Jörg Ehrlich, damals Creative Director von René Lezard

„Letztlich machen wir die Bread & butter ja für die Independent Retailer, weil wir an diese Kultur glauben. Woher die kommen, ist doch egal. Wohin sie kommen auch. Unsere Aufgabe ist es, eine Veranstaltung zu bieten, die so spannend und un­verzichtbar ist, DASS sie kommen.“ Karl-Heinz Müller

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2006

„Das Problem unserer Gesellschaft ist es, dass alles schnell, schneller und noch schneller läuft. Aber im Leben geht es nicht nur darum, schneller zu laufen. Man muss auch einmal stopp sagen und nachdenken können: Ist das für mich sinnvoll, was ich hier mache? Erst zehn Kollektionen im Jahr, dann zwei pro Monat, was kommt dann? Eine Kollektion pro Tag?“

Anne Lise Kjaer,

dänische Zukunfts- und Trendforscherin

„In unserem Geschäft hat sich über die Jahre vieles verändert. Es ist schneller geworden, in jeder Beziehung. Die Trends wechseln rascher, die Halbwertszeit der Kollektionen wird immer kürzer. Alles, was sich heute länger als drei Jahre wirklich an der Spitze halten kann, ist schon eine Sensation. Gleichzeitig werden die Kollektionen, also die Produkte, gerade in unserem Genre im Schnitt immer besser. Meine Möglichkeiten, als Fachhändler ein wirklich hochwertiges Sortiment zusammenzustellen, sind heute wesentlich breiter als noch vor einigen Jahren. Das verlangt von mir natürlich einen höheren Einsatz, mehr Wissen, mehr Information. Denn die Lösung von der Stange gibt es nicht. Wenn ich aber bereit bin, das zu leisten und zu investieren, dann habe ich als Fachhändler auch eine Berechtigung und eine Zukunft.“

„Man kann es nicht jedem recht machen!“ Udo Töpfer

Ambros Strolz, Strolz Lech

„Die Mode ist immer ein Schleudersitz. Aber heute nichts zu riskieren, halte ich nicht für zukunftsträchtig. Wer kein Risiko eingeht, darf nicht Unternehmer werden, das Wort kommt ja von etwas unternehmen und nicht etwas belassen. Und man darf nicht vergessen: Mit Risikobereitschaft kann man ja auch wirtschaftlichen Erfolg haben!“ Midi Moser-Föger, Inhaberin von Föger in Telfs

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083

„Ich bin der festen Überzeugung, dass Produkte eine Sprache sprechen. Menschen, die diese Produkte fertigen, verleihen ihnen Geist und Seele.“ Markus Meindl

„Heute bieten Unternehmen nicht nur weltweit ihre Kleider an, sondern auch Bettwäsche, Interieur, Unterwäsche oder Kosmetik, ohne zu überlegen, ob es überhaupt einen Markt dafür gibt. Es kann ja sein, dass ein Unternehmen gute Pullover macht, aber wer sagt, dass sie auch ein gutes Make-up herstellen können? Es ist eine Massenhysterie. Prada macht Unterwäsche? Wir machen Unterwäsche! Gucci macht Parfüm? Wir machen ein Parfüm! Wir haben aber zu viel und daher begehren wir nichts mehr. Deshalb haben wir eine Krise.“

Anne Lise Kjaer, dänische Zukunfts- und Trendforscherin

„Mein großes Vorbild Christobal Balenciaga hat gesagt, als Modesdesigner ist man Künstler für die Idee, Maler für die Farben und Architekt für die Proportionen. Das ist eine sehr schöne Beschreibung für unseren Beruf.“ Albert Kriemler, Akris

„Premium-Lifestyle bezeichnet ein modernes Lebensgefühl, für das es bisher nicht wirklich einen Namen gegeben hat. Es hat mehr Understatement und ist weniger verschwenderisch als Luxus, dabei in genau so hohem Ausmaß qualitätsorientiert.“

Andrea Bernholtz,

damals Rock and Republic

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2007 „Mir geht es nicht um künstlerische Selbstverwirklichung, die vielleicht von einigen hoch gelobt, aber selbst von diesen nicht gekauft wird.“ Michael Michalsky

„Fair Fashion ist nur eine Frage der Zeit. Auch Biolebensmittel haben sich über viel Jahre sehr schwer getan. Inzwischen ist es breit erkannt worden, dass gesunde Ernährung ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist, und das gleiche wird meines Erachtens auch für den Modebereich gelten. Vor allem aber nimmt das Bewusstsein zu, dass wir durchaus mit Freude konsumieren wollen, aber nicht zu Lasten anderer. Schon heute ist hochwertige Mode aus nachhaltiger Produktion trendy geworden. Das wird sich deutlich verstärken.“

Michael Otto, CEO der Otto-Gruppe „Via Suchmaschinen oder Empfehlungen finden Kunden im Internet ausführliche Informationen zu Eigenschaften, Qualität und Herkunft der Ware, sie vergleichen Angebote und Preise oder rufen in speziellen Internetforen Test­ ergebnisse ab. Aus dem passiven Kunden ist ein ‚genießender Diktator‘ geworden, der selbstbewusst und gut informiert genau weiß, was er will.“ Joachim Schirrmacher

„Einmal mehr wird es also das Volk sein, welches die Revolution auslöst. Man schaue sich Scott Schuman an, der unter dem Pseudonym ‚The Satorialist‘ das Erwachen eines neuen urbanen Selbstbewusstseins in seinem Photoblog dokumentiert. In Paris fotografierte Schuman im Auftrag von style.com – nicht etwa die Schauen, sondern die Leute auf der Straße, vor den Schauen, in den Jardins des Tuileries. Seine Fotos zeigen die Zukunft viel deutlicher als alle Bilder vom Laufsteg.“

Jeroen van Rooijen, Modejournalist der NZZ 317 style in progress


085

„Eine Herausforderung ist, die Seele des Unternehmens nicht dem Wachstum zu opfern. Rasanter Erfolg hat etwas sehr Verführerisches. Gerade im Erfolg gilt, von einer klaren Strategie nicht aus kurzfristigem Interesse abzulassen.“ Graziano Gianelli, damals CEO der Geospirit-Gruppe

„Die Realität ist nicht Berlin-Mitte, die Realität ist Würzburg.“ Marco Götz, Inhaber von Drykorn „Wenn irgendwann einmal alle Einkaufsstraßen in Deutschland, Europa oder der Welt gleich aussehen, dann führt das automatisch dazu, dass die Menschen insgesamt weniger konsumieren, weil die Spannung fehlt. Fachhandelsgeschäfte, die den Stil eines Landes oder einer Region repräsentieren, sind das Um und Auf jeder gesunden Handelslandschaft.“

Rainer Pichler, damals Group CEO der Holy Group „Das Traurige ist ja: Die meisten Menschen wollen immer nur billig, billig, billig und jammern auf der anderen Seite über die Konsequenzen dieser Lebenseinstellung für Europa. Man muss diesen Menschen einmal den Zusammenhang erklären: Wenn ich dauernd nur Produkte aus Fernost kaufe, weil sie billig sind, dauert es nicht lange, bis auch mein Arbeitsplatz dorthin verlagert wird.“

Ignatious Joseph, Inhaber Ign. Joseph

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2008

„Glücklicherweise bin ich so neugierig, dass ich ständig in vieles hineinschnuppere und ständig lerne. Daran habe ich einfach Spaß, Ich bin ein wirklich glücklicher Mensch. Manchmal befürchte ich, dass mich ganz plötzlich ein riesiger Doppeldeckerbus überrollen wird. Ansatzlos, einfach als Ausgleich für dieses wunderbare, privilegierte Leben, das ich bisher führen durfte.“

Paul Smith

„Wer heute noch glaubt, allein kämpfen zu müssen, kämpft auf verlorenem Posten.“ „Unsere Jugend interessiert sich nicht für manuelle Arbeit, sondern sieht in der Modebranche nur die exponierten Berufe. Aber Mode ist nicht nur der Laufsteg. Mode braucht Ingenieure, Techniker, Entwickler, Kontrolleure. Diese Positionen sind wahnsinnig schwer zu besetzen, die wenigen, die es gibt, verdienen wirklich gut. Aber wahrscheinlich mangelt es an der Kommunikation. Wir schaffen es nicht, die Berufe attraktiv zu machen.“

Lars Braun, Braun Hamburg

Carlo Rivetti, Inhaber Stone Island

„Mode wird weitgehend oberflächlich kommuniziert. Das hängt auch damit zusammen, dass anzeigenstarke Modemarken gerne dorthin gehen, wo es am ungefährlichsten ist. Wo die Berichterstattung am freundlichsten, am oberflächlichsten und am stärksten produktorientiert ist. Es kommt immer stärker zu einer Vermischung zwischen dem, was Anzeigenabteilungen und die freie Presse machen könnten und sollten.“

Alfons Kaiser, Modejournalist der FAZ 317 style in progress


087

„Ich ignoriere Trends. Trends laufen Gefahr, uniform zu werden. Und ich hasse Uniformen. Ich bin überhaupt gegen Globalismus der Mode. Mode ist auf keine Codes festzulegen, wie etwa Freizeitmode oder so. Mode ist für mich auch keine Werbung für Accessoires oder Parfüm. Mode ist Schneiderhandwerk.“

Alber Elbaz, damals Chefdesigner von Lanvin „Gegenseitiges Vertrauen ist eine Grundvoraussetzung. Und das kann nur auf einer offenen, ehrlichen Kommunikation aufbauen. Ich will zum Beispiel, wenn ich einem Lieferanten sage, dass seine Marke nicht läuft, nie mehr denn Spruch hören: ‚Aber bei allen anderen läuft’s!‘ Gerade wenn es Probleme gibt, brauchen wir Ehrlichkeit. Reden kann und soll man nämlich über alles.“ Markus Höhn, Lodenfrey

„Ich wurde von H&M gefragt und habe aus zwei Gründen abgelehnt. Zum einen habe ich es schlicht nicht nötig. Zum anderen halte ich es für verwirrend und letztlich für einen Betrug am Kunden, es wird ein Versprechen gegeben, aber nicht eingelöst.“

Paul Smith

„Privat ist Sylt Alcatraz: keine Kultur, keine Privatsphäre, kein soziales Leben.“ Manuel Rivera, Different Fashion

„Meine Mutter hat mir noch etwas völlig anderes vermittelt. Dass es etwas Besonderes ist, eine Frau zu sein. Etwas, was man nicht kompensieren muss, sondern mit Stolz leben soll. Viele Frauen trauen sich das nicht oder sie dürfen es nicht – wegen ihrer Erziehung, ihrer Religion, ihres sozialen Umfeldes. Aber für mich bedeutet Femininität, mit Stolz eine starke Frau zu sein. Mode für Frauen sollte immer diesem Prinzip folgen.“

Diane von Fürstenberg

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2009 „Ich spüre keinen Antiamerikanismus gegen einzelne Marken, ich spüre eine negative Einstellung gegen die USA und die Regierung. Aber ich bin voller Hoffnung, dass sich die Dinge genauso schnell wieder positiv entwickeln, wie sie sich in den letzten Jahren verschlechtert haben.“

Tommy Hilfiger

„Wer heute zu einer Bank geht, mit einem guten Konzept, einem schlüssigen Businessplan und mit echtem Unternehmergeist, wird dennoch meist auf Granit beißen.“ Clemens Kappler, Inhaber K&K Logistics

„Die gesamte Frage rund um Made in Italy hat ja viele Facetten. Zum puren Made in Italy zurückzukehren, wäre nicht so einfach, denn es gibt nicht einmal die Ausbildungsstätten für die Jobs, die wir brauchen. Der Nachwuchs will nur Mode machen und hat selten dar­ über nachgedacht, dass das Kreieren von Mode auch manuelle Arbeit bedeutet. Für diesen Teil der Industrie gibt es wenige Schulen und es gibt auch keine Kultur, das Wissen weiterzugeben.“ Giorgio Braschi, Giorgio Brato

„Das Rad muss wieder etwas zurückgedreht werden, auch im Luxussegment. Heute habe ich in München auf der Maximilianstraße gesehen, dass mehrere Premiumhändler den Rotstift voll angesetzt haben. Am 10. November, das kann es doch nicht sein. Genau das macht die Branche kaputt. Es ist doch lächerlich, vor Weihnachten 50 Prozent zu reduzieren. Irgendwann wird der Endverbraucher im September und Oktober überhaupt nicht mehr einkaufen.“

Helmut Eder, Inhaber von Helmut Eder in Kitzbühel 317 style in progress


089

„Die Messelandschaft wird sich völlig neu sortieren. Mit der Rückkehr der Bread & Butter findet die Leitmesse wieder in Deutschland statt.“ Karl-Heinz Müller

„Klar muss man auch besondere Teile haben – aber eben nicht unrealistische. Und mit unrealistisch meine ich auch Teile, die nur funktionieren, wenn sie superschlanke Frauen tragen.“ Patricia Field

„Vom Image alleine kann man nicht leben. Letztlich sind die wirklich guten Händler auch gute Zahler.“

Andreas Knezovic, Inhaber FTC Cashmere

„Man verkauft nicht ein Teil mehr, wenn man bei den Zahlungsbedingungen übertrieben kulant ist. Wir liefern Ware, und zwar gute Ware. Dadurch verdient mein Kunde Geld und dann soll er auch seinen Teil erfüllen und die pünktlich gelieferte Ware auch pünktlich bezahlen.“

Alexander Gedat, damals CEO von Marc O’Polo

„Ich glaube, dass es ein Privileg ist, kopiert zu werden. Davon habe ich immer geträumt. Ich bin total glücklich, wenn ich nach China oder Thailand fahre und dort meine Designs sehe, neben Gucci und Chanel. Ich freue mich so wahnsinnig darüber, weil ich genau weiß, dass die Leute eher zu Ed Hardy greifen, als zu Chanel oder Gucci.“

Christian Audigier

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2010

„Moral in der Mode ist eine furchtbar komplizierte Sache. Sie können zu Primark gehen und ein Kleid für sieben Pfund kaufen. Und im Anschluss gehen sie fast gegenüber in Selfridges Café, wo Sie einen Cappuccino und ein Croissant für dasselbe Geld bekommen. Da ist etwas falsch, moralisch falsch.“

Suzy Menkes

„Wenn wir die Menschen nicht in den Mittelpunkt stellen, ist in unserem Business doch etwas kaputt. Wenn wir alles nur noch über Systeme und Regeln definieren. Erst kürzlich habe ich so viele Regeln wie möglich in unseren Läden eliminiert. Denn ich mag Menschen, die mit anderen Menschen umgehen können und nicht nur mit Regeln. Die neuen Regeln sind, dass es keine Regeln gibt.“

Ron Herman, Inhaber von Ron Herman

„Die Entwicklung der Jeans in den letzten Jahren ist ein schönes Beispiel. Das reicht von subkulturellen Phänomenen bis hin zu Waschung und Preislagen. Enorm! Das ist ja nicht mehr ein einfaches Produkt. In dieser Innovation liegt große Kraft. Natürlich werden 80 Prozent der Jeans unter 30 Euro verkauft. Das ist ein Markt, der mit Mode nichts zu tun hat. Diese gewaltige Schere in den Preislagen ist schon erschreckend. Und sie geht tendenziell immer weiter auf. Die Frage ist: Wer deckt diese Kundschaft ab? Die Vertikalen? Kik? Und auf wessen Kosten?“

Gerhard Wöhrl

„Wir leben ja genau von dem Kunden, der genau das nicht will, was alle haben!“ Klaudia Burger, Slips

„Ich versuche zunächst immer das bestmögliche Produkt zu erschaffen, dann erst überlege ich, wie man Geld sparen kann – in die Gegenrichtung funktioniert das nicht.“ Adriano Goldschmied

„Das Wichtigste ist, dass sich unsere Leute auf Augenhöhe mit ihren Kunden wissen dürfen. Für mich sind sie Stilberater, keine Verkäufer – und in dieser Frage sind sie so bewandert, dass sie nicht unterwürfig sein müssen.“

Hannes Profanter, Inhaber Maximilian in Brixen, Bruneck, Sterzing und Bozen 317 style in progress


091

„Die Modeschauen werden stattfinden, wenn die Ware ausgeliefert wird. Das wird sicher ein schmerzlicher Schnitt sein, wenn aus den Modeschauen Events für den Konsumenten werden. Aber im Grunde sind sie das ja bereits, aber niemand akzeptiert diese Tatsache. Ich bin überzeugt, dass sich die Mode in Zukunft viel direkter an den Konsumenten wendet. Wenn man die Shows zukünftig dann zeigt, wenn die Ware auch erhältlich ist, wird der Effekt beeindruckend sein – schließlich ist eine Modeschau eine der schönsten Arten, wie sich ein Label vermarkten kann. Stellen Sie sich nur vor, wie sehr die Marken davon profitieren werden!“ Natalie Massenet, Gründerin von net-a-porter.com

„Unsere Landsleute haben heute große Angst davor, nicht mit dem Strom zu schwimmen. Schauen Sie sich doch um – das sind Heere der immer gleichen Jacken, die durch unsere Innenstädte ziehen!“

Massimo Rosetti,

Creative Director von Parajumpers

„Die ganze Wareneinsteuerung in unserer Branche ist einfach nur die Oberkatastrophe! Zu oft am Verbraucher vorbei! Wir müssen sehen, dass wir den Verbraucher endlich mal in den Fokus kriegen!“

Wolfgang Drewalowski,

damals Geschäftsführer der Leineweber GmbH & Co. KG/Brax

„Würde ist, was wir zum Leben brauchen, mehr noch als Essen.“ Brunello Cucinelli

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2011

„Wer dauerhaft zu früh oder zu viel reduziert, also zu wenig Ware regulär verkauft, hat ohnehin keine Zukunft.“ Christian Obojes,

Inhaber von Room with a view

„Wir sollten Made in Italy in Händen halten, damit die wahre Bedeutung des Begriffs in Zukunft noch Bestand hat. Es ist wichtig, dass Gesetze diesen Begriff schützen. Sonst versteht man in 20 Jahren nur noch designed in Italy darunter.“ Mario Boglioli

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093

„Die Zukunft des Handwerks ist eine echte Herausforderung. Und ist nicht nur dadurch zu lösen, dass die Betriebe ausbilden. Da muss übergeordnet an der gesellschaftlichen Akzeptanz eines Berufsbildes gearbeitet werden.“ Markus Meindl

„Als erste Sommerware bekomme ich wie zu Fleiß Badehosen. Wenn meine Kunden in der Daunenjacke vor dem Fenster stehen oder gerade vom Glühwein kommen.“ Uwe Maier, Bungalow

„Wir machen E-Commerce ja nicht, weil wir zu viel Zeit haben.“

Harald Heldmann, Inhaber von Classico

„Ich kam nach Amerika, um Modedesigner zu werden. Und dadurch wurde ich Teil der amerikanischen Geschichte. Ein kleiner Teil, ein sehr kleiner Teil.“ Jason Wu

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2012 „Welches Problem hat die Modebranche eigentlich mit Kommerzialität? Warum verurteilen Journalisten etwas, bloß weil es bei allen gut ankommt? Es ist nichts Schlechtes, kommerziell zu sein.“

Franka Sozzani

„Das beste Verkaufsseminar ist in meinen Augen immer noch der Bauernmarkt. Das ist Führung und Inspiration in der besten und reinsten Form.“

Christoph Bründl, Geschäftsführer Bründl Sportgruppe

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„Wer sagt denn, dass Marken Luxus sind, bloß weil man sich eine Aktie kaufen kann? Darunter leidet oftmals die Integrität. Plötzlich muss man überall neue Stores eröffnen, in jeder Stadt, an jedem Flughafenterminal. Ich verstehe, dass globale Marken so agieren müssen, aber für mich bleibt es der falsche Weg.“

Carla Sozzani, 10 Corso Como


„Männer sind besser vernetzt, weil sie nach der Arbeit noch gemeinsam auf ein Bier gehen. Die Frau geht heim und kocht. Wie soll sie sich so solidarisieren?“

095

Ulli Ehrlich, Geschäftsführung Sportalm

„Es geht nicht um die Frage, ob in China produziert wird, sondern darum, wie in China produziert wird.“ Gerhard Flatz, KTC

„Seit Fukushima und dem großen Tsunami ist uns Japanern bewusst geworden, dass unser Leben morgen zu Ende sein könnte. Deshalb müssen wir uns wirklich fragen, warum wir Geld für schlechte Qualität ausgeben sollten. Wenn wir etwas kaufen, wollen wir etwas Wahrhaftes haben, etwas Interessantes von wirklich guter Qualität. Dieses Gefühl ist jetzt nach den Katastrophen in Japan sehr stark geworden. Deshalb haben auch die Verkäufe von Fast Fashion so nachgelassen. Doch selbst die Luxusmarken haben Verluste erlitten, weil sich ihre Preise in unrealistische Höhen geschraubt hatten.“

Kurino Hirofumi, United Arrows

„Ich kenne immer mehr Menschen, die sagen: Der Sale Preis ist der ehrliche Preis, vorher werde ich beschissen. So denkt der Konsument.“ Henrik Soller, Komet und Helden

„Viele Einzelhändler denken, sie werden reich, bloß weil sie irgend etwas online stellen und machen sich keinen Begriff, wie komplex das ganze Thema ist.“

Susanne Botschen, damals Inhaberin von mytheresa.com

„In London ist die Mode eine Pflicht, in St. Johann im Pongau ein Vergnügen!“ Bernhard Adelsberger, Adelsberger

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2013 „Auch vor dem Hintergrund der Investitionen, die wir in den letzten drei Jahren bei Lodenfrey getätigt haben, bekenne ich mich klar zur Zukunft des profilierten Multibrand-Retails. Meiner Meinung nach hat der Multibrand-Retail in den kommenden Jahren sogar die Chance, durch Differenzierung und Profilierung erfolgreich zu wachsen.“ Ralph Nagel, Lodenfrey

„Was uns im Textilhandel fehlt, ist Innovation. Wir bringen mal ein neues Label, einen neuen Designer oder eine neue Materialität hi nein, aber mehr nicht. Wir können nicht innovativ in neue Bereiche vorstoßen wie beispielsweise der Technikmarkt.“

Christian Greiner, Ludwig Beck

„Im Moment kann ich nicht erkennen, dass man an kleineren Standorten den Niedergang verwalten müsste. Ich glaube, dass es der Schlüssel zum Erfolg ist, die Bedürfnisse der Kunden in einer kleinen Stadt zu verstehen.“

John Cloppenburg,

Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf

„Die Menschen wollen Erdbeeren im Winter, sie leben die Saisons nicht mehr. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Sondern dass die Händler volle Lager haben, bis zum geht nicht mehr, und Budgets raushauen, bis zum geht nicht mehr.“

Niko Pesko, Geschäftsführer Pesko in Lenzerheide

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097

„Marke wird an der Kasse gemacht! Letztlich ist es doch ganz einfach: Lieferant und Händler müssen Geld verdienen. Und ein Produkt, dass das gewährleistet, ist ein gutes Produkt.“ Rachid Bourak, Gründer von 0039 Italy

„Mit dem E-Commerce wird sich alles ändern und alle Beziehungen zwischen den großen Unternehmen und den Einzelhändlern werden nie mehr dieselben sein. Denn was alle CEOs jeglicher Unternehmen lernen werden, sofern Sie es noch nicht wissen, dass sie eine größere Gewinnspanne und weniger Sorgen mit den Einzelhändlern haben werden.“

Armand Hadida, Inhaber von L’Eclaireur

„Den Spruch ‚Der Kunde ist König‘ haben wir eliminiert. Weil man einem König gegenüber nicht ehrlich ist und immer aufpassen muss, dass er einem nicht aus einer Laune heraus die Freundschaft kündigt.“ Bernd Deuter, Marketing Reischmann Gruppe in Ravensburg

„Man muss seine eigene Ware gut finden, man muss sich selber gut finden, man muss den Ort lieben und man muss die Kunden lieben.“ Christian Mikunda, Retailexperte

„Wir müssen uns die Konjunktur immer selbst machen. Bei 10.000 Einwohnern in Waldkirchen sind 6.000 Quadratmeter nicht nach logischen Maßstäben zu betreuen. Wir müssen einfach besser sein als die anderen.“

Christoph Huber, geschäftsführender Gesellschafter Garhammer

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2014

„Unsere Verkäuferinnen und Verkäufer sind und bleiben unser wichtigster Erfolgsfaktor.“ Sebastian Proft, Dollinger

„Eigentlich hat ein guter Verkäufer drei Jobs: Er ist Betriebswirt, Psychologe und Improvisationskünstler in einem.“ Andreas Weitkamp, Modehaus Schnitzler und Weitkamp

„Wenn man wirklich etwas bewegen will, dann muss Nachhaltigkeit und alles, was ökologisch wichtig ist, in sämtlichen Bereichen eines Unternehmens verankert sein.“

Jochen Zeitz

„Heute, wo man 24 Stunden lang online ist, muss man auch mal offline gehen. Dieses zurück in die Natur ist einfach eine Grundsehnsucht in dieser hektischen Welt. Darum ist die gesamte Outdoorbranche auch wieder so spannend geworden.“

Heiner Oberrauch,

Inhaber der Oberalp Gruppe

„Wir müssen die Ware zeigen, wenn unsere Kunden sie wollen. Wir haben immer das getan, was der Kunde wollte. Wenn man das System der Modebranche verstehen und Umsätze machen will, muss man früh dabei sein.“

Albert Eickhoff

„In den USA ist das E bei E-Commerce schon lange gestrichen, da geht die Diskussion auch nicht um Multi- oder Omnichannel. US-Unternehmen machen einfach Commerce, die Frage auf welchem Kanal, ist irrelevant.“

Torsten Waack von Wasen,

damals Managing Director Alvarez & Marsal European Corporate Solution 317 style in progress


099

„Die meisten Läden sind altmodisch: Sie zeigen viel zu viel Ware zur gleichen Zeit. Der Laden wird als Lager benutzt, das ist in meinen Augen ein großer Fehler. Viel besser wäre es, weniger in einem kleineren Raum zu präsentieren. Eine Art Showroom mit einem versteckten Lager.“

Li Edelkoort

„Manchmal sieht es so aus, dass Leute so auf diesem Planeten leben, als hätten sie noch einen anderen, auf den sie ziehen können.“ Javier Goyenche, Ecoalf

„Freiheiten jenseits des Verkäuflichen zählen zum Muss, dadurch werden Kollektionen inspiriert.“

Remo Ruffini, Inhaber Moncler

„Es geht wie so oft im Leben um Balance. Wir machen zwar mit rund 20 Prozent der Marken 80 Prozent unseres Umsatzes. Aber die anderen 80 Prozent sind dennoch essenziell. Der Multibrand-Anbieter muss in Zukunft noch viel mehr überraschende Einkaufserlebnisse schaffen und seine Kompetenz mit den besten Marken unter einem Dach ausspielen.“

Philippe Oliver Burger, Eigentümer und damals Geschäftsführer der PKZ Gruppe

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2015 „Ich habe bei vielen Gesprächen das Gefühl, dass sich der Handel im Jetzt befindet, mit dem Blick nach hinten.“ Christiane Arp, Chefredaktion Vouge Germany

„Wir können an den Punkt kommen, wo Mode­ konsumenten Fast-Fashion-Marken wie McDonald’s sehen – mit etwas Misstrauen und Ekel.“

Christina Dean, Redress

„Im Endeffekt wollen wir die erste Anlaufstelle für jegliche Fashionfrage oder jegliches Fashionproblem werden. Sucht zum Beispiel ein Kunde einen speziellen Artikel und braucht ihn sofort, wollen wir eine Lösung dafür schaffen.“ David Schneider, Vorstand Zalando „Die Welt hat sich in den vergangenen zehn Jahren geändert und unser Verhalten als Konsumenten noch viel mehr. Die Modebranche hechelt hinterher. Geändert, wirklich geändert hat sich nichts, außer im Onlinebusiness. Der stationäre Handel ist immer noch derselbe. Messe, anschließend Vororder und ein halbes Jahr später ist alles anders, als man gedacht hat, und wieder sind wir alle sprachlos und fassungslos! Wir sind wie Politiker, wir können stundenlang auf Messen diskutieren, jammern, schimpfen und am Ende des Tages sind wir verwundert, dass nichts passiert ist, und es so kommt, wie es kommen musste.“

Theresa Minatti-Einwaller, Einkauf Einwaller 317 style in progress


101

„Der Endkunde ist übersättigt. Da ist es geradezu absurd, wenn eine Marke Druck macht, dass man bestimmte Budgets schreibt.“

Wilfried Wetzl, Casa Moda

„Die 14- oder 15-jährigen Mädchen kaufen sich Riesentüten voll mit Billigkleidung, die sie vielleicht nur einmal tragen, bevor sie sie wegwerfen – weil die Qualität so minderwertig ist. Mit solchen Unternehmen entsteht schon ein gewisser Kulturverlust. Und auch Moralverlust, wenn man sich anschaut, wie die Mode produziert wird.“

Richard Engelhorn, Engelhorn

„Mein Positionspapier sagt mir: Mach, dass Hermès noch in der nächsten Generation genauso glänzend dasteht wie heute. Und nicht: Wenn Sie in zwei Jahren folgenden Erfolg verbuchen können, bekommen Sie eine Prämie in der Höhe von X.“

„Die meisten Einzelhändler, gerade in Deutschland, haben das Einkaufserlebnis noch nicht verstanden. Das ist noch der klassische Beschaffungseinzelhandel.“

Stephan Schneider, Conleys

Florian Craen, Managing Director Hermès

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2016

„Ich glaube daran, dass Marken wichtiger werden können als Politiker.“ Johan Lindeberg

„Ich sehe mich selbst als Arbeiterin im Modezirkus. Es bereitet mir also schon Kopfzerbrechen, wenn ich eine Show besuchen will, und der VIP-Eingang ist heute größer als der Eingang für die Einkäufer.“ Sarah Andelmann, Colette

„Ich sehe es als Privileg, an der Front einer wirklich distributiven Entwicklung des Handels zu sein. Seit 30 Jahren ist der Handel im Wandel, wie sehr er sich verändert hat, ist bemerkenswert.“

Tom Chapman,

Gründer Matchesfashion.com

„Auf Basic-Niveau kann vielleicht jeder im Verkauf stehen. Aber sobald es um die individuelle Beratung geht, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen.“ Alexander Petrskovsky, Kastner & Öhler, Graz

„Ich kenne die Macht von Social Media, die Macht von StreetstyleFotografie. Und ich weiß, warum bestimmte Sachen fotogen sind. Und ja, ich wechsle meine Garderobe häufig. Aber das habe ich schon lange vor Instagram und Konsorten gemacht.“

Nick Wooster 317 style in progress


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„Unsere Stammkunden wissen, dass wir erst in der letzten Dezemberwoche und sechs Wochen nach Pfingsten mit dem Reduzieren beginnen.“

Matthias Beckmann, Beckmann

„Wenn wir etwas auf Instagram sehen, wollen wir es sofort, wir wollen nicht sechs Monate warten. Ich hatte das Glück, dass ich

meine Marke aufgebaut habe, als Instagram populär wurde, ich war eine der ersten Marken, die auf diesen Zug aufgesprungen sind. Ich habe den Effekt von Instagram gesehen und ich hatte ja schon viele Jahre meinen Blog, daher kannte ich die Bedürfnisse der Kunden, der Frauen da draußen. Frauen, die das, was ich getragen habe, auch wollten. Das war doch eine smarte Art, ein Business aufzubauen.“

Anine Bing

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2017 „Der stationäre Handel bleibt in vieler Hinsicht unverzichtbar. Aber er muss sich verändern.“ Daniel Grieder,

CEO Tommy Hilfiger

„Wenn du gut bist, musst du in Italien immer damit rechnen, dass jemand das­ selbe zu einem niedrigeren Preis anbietet.“

Marco Berni, CEO Antonelli und Tortona 21

„We try to speed up. In der Mode haben wir einen unglaublich langen Entwicklungszeitraum von 18 Monaten. In einer Welt, die sich so schnell und dynamisch verändert, die so viele Einflussfaktoren kennt, ist es völlig illusorisch, voraussagen zu wollen, ob ein bestimmter Gelbton in 18 Monaten noch immer gut laufen wird.“

Andrea Cané,

Global Creative Director Woolrich

„Das Modebusiness ist heute wesentlich komplizierter als 1967, im Jahr der Gründung von Marc O‘Polo.“ Werner Böck, Eigentümer

Marc O’Polo

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105

„Ich versuche im Laden heute vieles mit Humor zu nehmen, sag meinen Kunden oft: Ihr kauft ja keine Einbauküche.“ Susanne Lindner, Lindner Fashion

„Ich glaube, dass Familienunternehmen den Mitarbeitern mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen – denn alleine gelangt man nirgendwohin.“ Giovanna Furlanetto, Presidente Furla

„Mode ist nicht Mathematik.“ Matthias Moser, Föger Woman Pure

„Ich möchte die Mitarbeiter als Mitunternehmer wahrnehmen, mit geteilten Verantwortlichkeiten.“ Clemens Sagmeister, Sagmeister

„Wenn es dann endlich so weit ist, die neue Saison mit all ihren neuen Kollektionen einzuläuten, ist das ein magischer Moment. Für jeden, der die Mode liebt, wie wir das tun, ist das ein elektrisierender Moment.“ Andrea Panconesi, Inhaber Luisaviaroma.com

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Back in 199 – 8! Das Klassenalbum aus dem Gründungsjahr von style in progress. Fotos: Privat

Michael Prues

Dominik Meuer

Alexandra von Richthofen, Nicoletta Schaper, Uwe Scherer

Christina Michaelis

Milan Danek, Ina Köhler

Lars Braun

Reinhart Oberstein

Kay Alexander Plonka

Johannes Seymann

Gaby Ventrella

Ignatious Joseph

Mel Nienaber

Dirk Nienaber

Familie Schneider

Daniel und Markus Freitag

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Wolfgang Lohe

Claudia Meitert


107

Michi Klemera

Jörg Wichmann

Isabel Faiss

Miriam und Piero Cividini

Martina Müllner-Seybold

Mirela Stanoiu

Marco Götz

Christoph Steiner

Stephan Huber

Evelyn Hammerström, Victoria Beckham, Reinhard Haase

Sigrid Staber

Sabine Berlipp

Michele Ventrella

Dörte Welti

Valentino de Luca

Markus Klosseck, Claudia Eilers, Nicoletta Schaper

Elisabeth Prock-Huber

Karl-Heinz Müller

Ina Köhler

Jörg Korfhage

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108 SO LÄUFT’S

„Eine Kollektion zu konzipieren fällt mir leicht, ich habe viele Ideen“, sagt Donna-Inhaberin Mirela Stanoiu, die eben auch Einzelhändlerin mit Leib und Seele ist.

Roqa. SENKRECHTSTART 150 Doors in der ersten Saison – damit ist Mirela Stanoiu für ihre Kollektion Roqa ein phantastischer Start gelungen. Aber nicht nur, weil der Style zum Zeitgeist passt, sondern weil sich alle Komponenten so perfekt zueinander gefügt haben. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Roqa

„Ich zieh überhaupt nichts anderes mehr an!“, lacht Mirela Stanoiu. Für ihre eigene Kollektion ist die gebürtige Rumänin ohnehin die beste Werbung. Sie hat lässige Trackpants mit sportivem Streifen an der Seite und großzügige Sweat-Hoodies 317 style in progress

in Statementfarben kreiert, um diese mit femininen, kleindessinierten Seidentops und Rüschen­ blusen zu kombinieren. Es ist dieser stilistische Bruch, der den Athleisuretrend glaubhaft in Szene setzt und den Nerv der Zeit präzise trifft. Präsentiert von der Agentur Toepfer auf der Premium, hat Roqa auf Anhieb die namhaftesten Topeinzelhändler im deutschsprachigen Markt gewinnen können. Unter ihnen Lodenfrey, Engelhorn, Apropos, Jades und Daniels in Deutschland, Strolz, Helmut Eder, Föger, Dantendorfer und Reyer in Österreich sowie Lorenz Bach, Phänomen, Fidelio, Ciolina und Pesko in der Schweiz.

Akribisch, perfektionistisch, voller Energie

Mirela Stanoiu kennt die Branche seit nunmehr 30 Jahren. Ende der 1970er-Jahre floh sie mit ihren Eltern aus Rumänien vor dem Regime von Ceausescu. Sie fasste Fuß in Hannover, jobbte als Model und eröffnete 1989 ihren ersten Laden Donna für Premiummode. Zwei Jahre später kam das High-EndFashiongeschäft Emma hinzu, unter anderem gefolgt von zwei Donna-Filialen in Hannover, dem Shoehouse und Zoé in Hamburg, einer Stadtvilla, bei der jeder Raum für sich ein besonderes Einkaufserlebnis verspricht. Zoé heißt auch das

Eigenlabel, das Mirela Stanoiu vor 15 Jahren ins Leben rief, um Trendteile zu realisieren, die sie bei anderen Labels nicht fand. „Eine Kollektion zu kreieren, fällt mir leicht, ich habe viele Ideen“, sagt Mirela Stanoiu, der der Ruf als absoluter Branchenprofi vorauseilt, akribisch, perfektionistisch und voller Energie. Fehlentscheidungen gehören bei einer langen Laufbahn dazu, und die pragmatische Einsicht, auch mal die Richtung zu ändern. „Man muss sich immer der Zeit und ihren besonderen Anforderungen anpassen“, sagt Mirela Stanoiu und meint damit die zum August 2018 geplante Schließung ihres großen


SO LÄUFT’S 109

Donna-Stores. „Wir hätten gern noch zehn Jahre weitergemacht, aber die Mietforderungen waren utopisch. Heute finde ich es gut, dass es so gekommen ist, weil ich mich mit der nötigen Ernsthaftigkeit Roqa widmen kann.“ Teamwork

Für Roqa ist ihr an größtmöglicher Qualität und Perfektion gelegen, die Motivation ist groß. „Wir drücken nicht den Herstellerpreis, um ein paar Prozent mehr Marge zu realisieren. Wir wollen Qualität und ein tolles Produkt in den Markt bringen, das mehr als eine Saison überzeugt.“ Dazu zählt für Mirela Stanoiu auch der Vertrieb. Die Wahl fiel ihr schwer, aber die Agentur Toepfer kennt sie als eine derjenigen, die auch bei Problemen schnell zur Stelle ist. „Die Agentur Toepfer ist professionell strukturiert und hat in der Vergangenheit oftmals bewiesen, dass sie neue Brands mit der nötigen Distribution etablieren kann“, so Stanoiu. „Die vielen kleinen Rädchen haben glücklicherweise ineinandergegriffen“, ergänzt Udo Toepfer. „Es wäre vermessen, wenn sich einer allein auf die Schulter klopfen würde.“ Die erste Kollektion umfasst 150 Teile mit drei Lieferterminen. Sterne und Streifen bestimmen den Look, dazwischen finden sich Sweater mit Anker darauf, die ihre besondere Geschichte haben. Mirela Stanoiu ist seit Jahren mit dem Schauspieler Ralf Bauer befreundet, der mit ihr das Projekt „Anker für Nepal“ gegründet hat, um den Erdbebenopfern und insbesondere den Kindern dort zu helfen. So sollen beim Verkauf jedes dieser Sweater fünf Euro in das Hilfsprojekt fließen. Mirela Stanoiu steckt voller Pläne. Momentan hat die Kollektion einen Durchschnittspreis von 50 Euro und eine Kalkulation von 2,8, aber für die nächsten Saisons ist eine Dreierkalkulation angestrebt. Die Storekonzepte in Hannover und Hamburg bleiben bestehen, lediglich die Fläche der

von Donna benachbarten Läden Emma und Shoehouse sollen zu einem einzigartigen Konzept für Premium und High End zusammengelegt werden. Auch eine Männerlinie mit Namen Roqa ist geplant. „Für mich steht viel auf dem Spiel, aber ich bin keine Anfängerin. Alle sollen mit Roqa Spaß haben: Produktion, Vertrieb, Händler und die Endkunden. Dafür gebe ich gern alles.“ www.roqa.de

„Für mich steht viel auf dem Spiel, aber ich bin keine Anfängerin. Alle sollen mit Roqa Spaß haben: Produktion, Vertrieb, Händler und die Endkunden. Dafür gebe ich gern alles.“ Mirela Stanoiu

Sie trifft den Nerv der Zeit: die neue Kollektion Roqa.

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FINDEN WIR GUT

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FINDEN WIR GUT 111

Die Poeten

PAS DE CALAIS. Ein japanisches Label, das sich einen sehr französischen Namen gibt und seine Inspiration in der einzigartigen Schönheit des Pas de Calais findet. Ein Landstrich, der großes textiles Erbe hervorgebracht hat: Die Dentelle de Calais, also Spitze aus Calais, ist vielen ein Begriff. 1998 gegründet, entschloss man sich 2008 zu einer Exportoffensive. Messeteilnahmen an der Coterie oder Tranoi sowie die Eröffnung von Showrooms und Flagshipstores in New York und Paris folgten. Mit ihrer globalen Designsprache adressiert Designerin Yukari Suda Puristen weltweit: Aufwändig veredelte natürliche Stoffe, oft handgefärbt und samt und sonders mit Patina geben einen unprätentiösen, zeitlosen Contemporary-Look. Ein angenehmer Kontrast zu vielen Showkollektionen, eine Garderobe für jeden Tag und doch so besonders, dass Pas de Calais echte Lieblingsstücke hervorbringt. Layering ist ein wichtiges Stilelement. Mit gekonnter Schnittführung bringt Yukari Suda auch in Oversize-Modelle die nötige Portion Femininität. In Deutschland und Österreich hat Anke Burkhardt den Vertrieb für die Kollektion übernommen. Die EK-Preise beginnen bei 39 Euro für Shirts und enden in der Sommer­ kollektion bei 268 Euro für Mäntel. Trotz Lieferung aus Japan erhalten internationale Kunden ihre Ware DDC, also verzollt. Pas de Calais, Modeagentur Anke Burkhardt, Pahlen/Deutschland, T 0049.171.5466885, info@ankeburkhardt.de, www.pasdecalais.jp

Casual Chic made in USA

FRAME. Die Kollektion Frame ist neu im Vertrieb der Brama Gruppe, die die Marke für den EMEA Markt mit Ausnahme von UK und Skandinavien unter Vertrag hat. Der Stil vereint französisch inspirierten Casual Chic mit dem Denim-Know-how aus Los Angeles, elegant und lässig zugleich. Innerhalb von fünf Jahren hat sich das 2012 gegründete Label von der zwanglosen Jeans zu einer Marke entwickelt, die vier Ready-to-Wear-­ Kollektionen jährlich herausbringt, zu einem Durchschnitts-EK zwischen 118 und 124 Euro bei einem Mark-up von 2,7. Der Hauptsitz von Frame teilt sich in zwei Dependancen, in Culver City, Los Angeles sowie in Shoreditch, London, wobei Frame zu 80 Prozent in den USA produziert wird. Für Renzo Braglia, CEO der Brama Gruppe, markiert die Übernahme des Vertriebs von Frame einen wichtigen Schritt. „Im selben Moment, in dem wir unser Flagship-Headquarter in Mailand eröffnet haben, um mit dem direkten Vertrieb für den italienischen Markt zu beginnen, bringt uns der Zugang von Frame in die Position des Main Actors im Premiumdenimgeschäft, zusätzlich zu den anderen exzellenten Denim­marken, die wir bereits vertreiben, wie J Brand, Mother und Current/Elliott.“ Mit dem Mailänder Showroom zählt Brama europaweit sieben Showrooms: in Düsseldorf, München, Kopenhagen, Antwerpen, Paris und Madrid. Brama, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.97176054, info@bramaduesseldorf.com, www.frame-store.com

Mini Gewächshäuser

GREEN FACTORY. Wunsch nach Pflanzen im trauten Heim oder Büro, aber keinen grünen Daumen oder keine Zeit zum Gießen? Kein Problem dank Green Factory. Aus der Pariser Werkstatt kommen einzigartige Pflanzenkompositionen, die von Hand zusammengestellt werden. Jedes Pflanzenobjekt besteht aus einem Minibaum, der über eine eigene kleine Welt in einem Glas wacht: ein fast autonomes Ökosystem, das sich abgesehen von einigen wenigen Gießvorgängen pro Jahr so gut wie von selbst entfaltet. Dank der Fotosynthese, des Wasserkreislaufs und einer geschlossenen transparenten Umgebung können sich diese Biotope ganz von alleine entwickeln. Green Factory wurde gegründet, um dazu beizutragen, das städtische Leben durch eine Begrünung des Lebensraums und der Arbeitsumgebung wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ohne dass hierfür botanische Kenntnisse oder Zeit für die Pflege benötigt werden. Die Gläser mit den Bonsais, Ficusbäumen und Palmen sind in den Größen S bis XXL verfügbar und kosten zwischen 30 und 430 Euro bei einer 2,3er-Kalkulation. Kunden sind bereits u. a. Fleux, Kann Design und Made in Live in Paris sowie Urban Therapy in Brüssel, The Golden Rabbit in Düsseldorf, I’m a Kombo in Kopenhagen und Delphine & Edouard in Stockholm. Generalagentur D, A, CH: Fashion Factory by Mark Grütters, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.311299-01, contact@ffbymg.com, www.greenfactory.fr style in progress 317


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FINDEN WIR GUT

Urban Athleisure

Lach mich schlapp(en)

THE WHITE BRAND. Dass Pool Slides aka Adiletten das nächste große Ding sind, da­rüber besteht kein Zweifel mehr. An verrückten Ideen für die Badeschlappen mangelt es nicht: Von Faux Fur bis Perlenbesatz, es gibt nichts, was es nicht gibt. Hardcore Fashionistas tragen ihre Schlappen sogar, wenn ihr natürliches Biotop bestenfalls das Hallenbad wäre. Mit Socken, so die Meinung unter Influencern und Designern, werden die Dinger wintertauglich. Dem Modehandel tut diese Crazyness gut: Ein Schaufenster voller Pool Slides, fertig ist das Sommergefühl – selbst an finsterkalten Märztagen. Die spanische Marke The White Brand spielt die gesamte Klaviatur des Schlappen-Hypes. Bunte Modelle, lustige Statements, ausge­ fallenes Dekor. Das Ganze gibt es auch im VK für relativ kleines Geld: 33 bis 50 Euro kosten die Modelle da, kalkuliert wird mit 2,3. Für eine umfassende Aussage braucht es also nicht viel Budget. Da sich The White Brand seiner Natur als Mitnahmeartikel durchaus bewusst ist, ergänzen Nachordermöglichkeiten das Serviceangebot für Händler. Dass die innovative Brand mehr als nur Schlappen kann, zeigt sie mit den neuesten It-Pieces: Slip-ons in Materialien wie Samt. The White Brand, Room with a view, Salzburg/Österreich, T 0043.662.875651, christian@roomwithaview.at, www.thewhitebrand.com 317 style in progress

VERDANDY. Martin Pichler und Manuel Rauner lieben den Jeans-Look. Weil ihnen die Hosen und Jacken aus Denim aber immer viel zu hart und unbequem erschienen, gründeten sie 2015 kurzerhand ihre eigene Brand. Verdandy steht für urbane Athleisure die wie Denim aussieht, jedoch einen viel höheren Tragekomfort aufweist. Eine klar definierte Pro­duktpalette, bestehend aus einzelnen Hosen- und Jackenmodellen in verschiedenen Farbvarianten und Waschungen, bestimmt den Look. Die Kreationen im Loose und Slim Fit sind aus extraweichem Baumwolljersey, der durch verschiedene Waschungen und Beschichtungen den typischen Jeans-Charakter erhält. Was Männer wollen und wie eine Hose zu sitzen hat, wissen die beiden Österreicher nur zu gut. Ihre Modeerfahrung haben sich Manuel Rauner und Martin Pichler durch ihre langjährige Tätigkeit im internationalen Modelbusiness angeeignet. Der Name Verdandy stammt von Verðandi, der nordischen Schicksalsgöttin der Gegenwart, sie spinnt die Schicksalsfäden der Menschen. Analogien zu diesen Schicksalsfäden finden sich auch in der Mode von Verdandy: Farblich abgesetzte Nähte und Innenfutter in Kontrastfarben. Nachhaltigkeit ist Verdandy ein Anliegen: Produziert wird ausschließlich in Europa und die Partner werden sorgsam nach sozialen und ökologischen Aspekten ausgewählt. Die Preise für die Hosen Thor und Balder liegen bei 189 Euro VK und für die Jacke Loki je nach Ausrüstung von 229 Euro bis 269 Euro. Um den Vertrieb der Marke kümmern sich die Labelgründer noch selbst. Verdandy, Wien/Österreich, info@verdandy.com, www.verdandy.com

Putzig? Wir doch nicht!

LES COYOTES DE PARIS. Angefangen hat alles 2015 mit einer Mädchenkollektion. Marie, ihren Nachnamen verschweigt sie gerne, ehemals bei Scotch & Soda als Designerin tätig, wollte modernen Mädchen ein Denkmal setzen: Coole Klamotten, die nichts mit Rosaund Ponyklischees zu tun haben. Luxuriös in den Materialien, schließlich ist man in Paris. Die Mamas, die Les Coyotes de Paris für ihre Töchter entdeckten, wollten mehr – und zwar für sich selbst. So kam nach zwei Saisons eine Linie für Frauen hinzu, die sich auf die Grundpfeiler einer Garderobe einer modernen, urbanen Frau konzentriert. Lieblings­teile, die länger als eine Saison Relevanz haben, simpel und trotzdem edgy sind. Diese feine Selektion geht nun zu Großhandelspreisen von 40 Euro für Tops bis 250 Euro für Jacken an den Start, in Caro Pezzettas Studio Pezetta kann für die deutschsprachigen Länder geordert werden, im Showroom in der fanzösischen Hauptstadt international. Les Coyotes de Paris, Studio Pezzetta, München/Deutschland, T 0049.89.23000081, info@studiopezzetta.com, www.lescoyotesdeparis.com


FINDEN WIR GUT 113

Cotton with attitude

VATTER. Mit der Erweiterung der Produktpalette um T-Shirts, Tanktops und Longsleeves für Frauen und Männer geht das 2015 gegründete Label Vatter einen Schritt weiter. Die Basics sind aus Biobaumwolle und zeichnen sich durch einen lockeren Schnitt aus. Alle Modelle sind in den Farben Weiß, Schwarz, Grau Melange und Navy erhältlich. Frauen haben bei der Unterwäsche die Wahl zwischen drei Slip- und zwei BH-Styles. Jedes Modell gibt es in einer schlichteren Variante und in verspielteren Varianten mit raffinierten Details. Männer können zwischen luftiger Boxer Short, klassischer Boxer Brief oder moderner Trunk Short in dezenten Uni-Designs oder etwas auffälliger in stilvoll gemusterten Varianten wählen. Produziert wird in familien­ geführten Betrieben in Griechenland und der Türkei, die GOTS-zertifiziert sind. Auch die Verpackung ist umweltfreundlich. So bestehen die stylischen Boxen zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial und wurden mit Farben auf Gemüsebasis bedruckt. Beim kontrolliert biologischen Anbau von Baumwolle wird nur nicht genmanipuliertes Saatgut verwendet. Die Baumwolle wird per Hand geerntet und es werden ausschließlich natürliche Düngeund Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die weder der Natur noch dem Bauern schaden. Dadurch sinkt auch der Wasserverbrauch im Vergleich zum konventionellen Anbau, denn der natürliche Dünger steigert langfristig den Humus­anteil im Boden und dieser kann dann größere Wassermengen speichern.

Vatter Fashion GmbH, München/Deutschland, T 0049.89.76706627, info@vatter-fashion.com, www.vatter-fashion.com

Multikulti

Tennislegende

LOTTO LEGGENDA. Als Tennisschuh Boris Beckers und Martina Navratilovas schrieb der Name Lotto Geschichte – nun ist er als Fashionsneakerskollektion namens Lotto Leggenda wieder da. Dahinter steht die Lotto Sport Italia, die sich seit 1973 auf Sportschuhe spezialisiert hat und auf zahlreiche Kooperationen mit Sportstars aus Tennis und Fußball zurückblicken kann, darunter zum Beispiel der italienische Fußballstar und Torhüter Dino Zoff, der den Schuh 1982 zur Weltmeisterschaft in Spanien trug. Lotto Leggenda bringt lifestylige Sneakers für Männer und Frauen heraus. Der Stil der Kollektion ist clean, vom Sport und der Tradition der Marke inspiriert und setzt auf subtile modische Details, ohne der Linie ihren authentischen Vintage-Touch zu nehmen. Im Handel gibt es den Schuh beispielsweise bei 10 Corso Como, Luisa Via Roma, Le Printemps, Harrods, Selfridges und Mr. Porter. Für Deutschland und Österreich hat die Agentur D-tails unter der Leitung von Patrick Coppolecchia Reinartz den Vertrieb übernommen, zu dessen Lotto Kunden Burresi, Daniels, Uli Knecht, Lorenz Bach in Gstaad und Ieri Oggi in Kitzbühel zählen. Der EK für den Lotto Signature liegt bei 54 Euro, der VK bei 135 Euro. D, A: Agentur D-tails, München/Deutschland, T 0049.89.20207771, info@d-tails.de, www.lotto.it

POAN. Der österreichische Designer Georg Weissacher will mit seinem Label Poan – kurz für Peoples of All Nations – dem Multikulti-Gedanken Tribut zollen. Neun Jahre lang sammelte er unter den Fittichen seines Mentors, des Österreichers Andreas Kronthaler, dem Ehemann von Vivienne Westwood, Designerfahrung. In London, wo das Label ansässig ist, lebt er seit fast zehn Jahren. Die Kollektion baut insbesondere auf Eigen­ent­ wicklungen mit italienischen Webern und Strickern. Die enge Zusammenarbeit mit seinen Zulieferern bezeichnet Georg Weissacher als essenziell für sein Label, da nur so Innovation entstehen könne. Die Kollektion wird im Rahmen der Mailänder Fashion Week gezeigt, bis auf wenige Styles richtet sie sich an Herren. Die Einkaufspreise beginnen bei 80 Euro für Shirts und reichen bis zu 800 Euro für aufwändig gestaltete Mäntel. Zu den ersten Kunden der Kollektion zählen Häuser wie Oberrauch-Zitt in Bozen, Gschwantler in Tirol oder World’s End in Berlin. Stilistisch kann man die prägenden Jahre in der Menswear von Vivienne Westwood deutlich ausmachen: Tapered Hosen aus experimentellen Materialen, Streetweareinflüsse bei Shirts und Sweats, dicke Strickjacken mit einem Hauch Ironie im Design. Abgerundet wird die Kollektion mit Schuhen, Kleinlederwaren, Tüchern und Baseballcaps. Poan, London/Großbritannien, georg@peoplesofallnations.com, www.poancollection.com style in progress 317


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FINDEN WIR GUT

Mission possible

SHIRTS FOR LIFE. Jeder wäre gerne einer der Ersten, die wenigsten sind es – Shirts for Life zählt zu den grünen Gewinnern: Als Nachhaltigkeit noch milde belächelt wurde, startete das umweltbewusste Label bereits mit seiner Social Green-Fashion durch. Dabei stehen der faire Gedanke und ökologische Stoffe ganz oben auf der Prioritätenliste. Shirts for Life verwendet ausschließlich Biobaumwolle aus Indien. Sie stammt größtenteils von Kleinbauern aus den Bundesstaaten Gujarat und Telangana und wird nach strengen Richtlinien angebaut. Der Einsatz von schädlingsresistenten und genmanipulierenden Saaten oder giftigen Spritzmitteln ist tabu. Durch die Ernte von Hand gelangen nur voll ausgereifte Kapseln mit langstapeligen Baumwollfasern in die Weiterverarbeitung. Das garantiert hochwertige und bequeme Textilien, die die Basis der modernen Casualwear von Shirts for Life bilden. Das Fair-Trade-zertifizierte Sortiment bewegt sich preislich von 19,90 bis 89,90 Euro und bietet T-Shirts, Longsleeves, Tops, Sweatshirts, Sweathoodies, Sweat Pants und Sweatdresses. Pro verkauftem Shirt geht außerdem ein Euro an die School For Life in Thailand für die Förderung von Kindern aus armen Verhältnissen. Shirts for Life, Buchholz/Deutschland, T 0049.418.194220, info@shirtsforlife.de, www.shirtsforlife.de 317 style in progress

Zum Wohlfühlen!

STEPHAN BOYA. Neu in der Düsseldorfer Agentur Moormann & Co. ist die Kollektion Stephan Boya, die sich seit acht Jahren auf ein- bis 14-fädigen Luxus-Cashmere spezialisiert. Hinter Stephan Boya steht ein Hamburger Familienunternehmen, das die Kollektion in Nepal produzieren lässt und beispielsweise auch edle Tuchware von der Decke bis zum Pullover für Til Schweigers Barefoot-Living-Konzept fertigt. Für die Kollektion Stephan Boya stehen Strickjacken und Cardigans, Pullover und Tops von kurz bis lang in hochwertigen Cashmere- und Cashmere-Mischqualitäten im Mittelpunkt. Der Style ist minimalistisch, besonders sind die speziellen Stricktechniken und Passformen. Ein nicht unwesentliches Plus von Stephan Boya ist die große Farbkarte mit vielen Farbnuancen, in denen die edlen Teile erhältlich sind. Zu Durchschnittspreisen um 180 Euro im EK und einer Kalkulation von 2,7 bis 2,8. D, A, CH: Moormann & Co., Düsseldorf/ Deutschland, T 0049.177.8016417, k.moormann@moormann-co.com, www.stephanboya.com

Der große Auftritt

RIVIVI 6269. Wienern ist Thang de Hoo ein Begriff: Seine Roben passen für den Opernball genauso wie für den Life Ball, der Wiener Hautevolee schneidert der Designer luxuriöses für den großen Auftritt auf den Leib. Mit Rivivi 6269 by Thang de Hoo präsentiert der Designer jetzt eine demokratische Variante seines Könnens. Eine Ready-to-wear-Kollektion, die um das Thema Kleid kreist. Die Daily Dresses gibt es mit oder ohne abnehmbaren Applikationen ab einem EK-Preis von 99 Euro, Cocktailkleider ab 89 Euro und Abendkleider schließlich ab 140 Euro. Kalkuliert wird mit dem Faktor 2,8. Die Tages- und Cocktailkleider werden in zwei Längen angeboten. Ein besonderes Extra sind abnehmbare Applikationen oder Paillettenverzierungen, die variabel platziert und abgenommen werden können. Damit werden die Kleider universell tragbar – vom Businessmeeting bis zum Abendtermin. Bestickte Brokatmäntel und Highlights wie ein paillettenverzierter Trenchcoat runden die Kollektion ab. Rivivi 6269, Wien/Österreich, T 0043.664.1028183, wolfgang.olzinger@a1.net, www.rivivi6269.at


FINDEN WIR GUT 115

Schön und gut

NURUCOFFEE. George Clooney bekommt Konkurrenz. Den meisten ist Sara Nuru sicherlich als Model mit äthiopischen Wurzeln bekannt. Neben ihrem Engagement im Segment Fair Fashion ist sie u. a. Botschafterin der Karlheinz Böhm Stiftung Menschen für Menschen die in Äthiopien Projektarbeit leistet. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sali Nuru hat sie 2016 das Label NuruCoffee gegründet. Die Mission dahinter: Fair gehandelten Kaffee trinken und gleichzeitig Gutes tun. „Wir möchten die Menschen unterstützen, die in der Wertschöpfungskette am meisten benachteiligt werden: Frauen. Ihnen wollen wir gemeinsam mit Organisationen vor Ort in Äthiopien mittels Schulungen, Trainingskursen und Mikrokrediten eine Perspektive und Chancen bieten, ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben zu führen. Mit NuruCoffee haben wir uns einen langersehnten Traum erfüllt, dem Land unserer Eltern etwas zurückzugeben“, erklären die beiden Schwestern. Der Kaffee stammt ausschließlich aus Äthiopien, ist biologisch angebaut, fair sowie transparent gehandelt und stammt aus zertifizierten Kooperativen der Sidama Coffee Farmers Cooperative Union. Lieferbar sind die Sorten Sidamo, Yirgacheffe, Limu, Harrar, Jimma und Kaffa in aluminiumfreier und recycel­barer Verpackung. Wer wird da noch zur Kapsel greifen, NuruCoffee – what else? Nuru GmbH, Berlin/Deutschland, T 0049.30.58916404, hello@nurucoffee.com, www.nurucoffee.com

Jesusschlappen the Öko-Way

FREEDOM MOSES. Ins heilige Land ist er nie gekommen – aber die nach ihm benannten Pool Slides kommen daher: Hinter Freedom Moses steht die witzige Remineszenz der Designerin Sarah Gurt an ihre Wahlheimat Israel. Eine Marke, die den relaxten Style Tel Avivs wiedergibt, die gleichzeitig witzig im Design und todernst in Sachen Nachhaltigkeit ist. So wundert es nicht, dass sich Sarah Gurt an den Jesusschlappen herantraut, also jene Sandale, die man hierzulande am ehesten mit Birkenstock assoziiert. In knallbunten Farben und poppigen Mustern, komplett aus PCU-Plastik gefertigt. Durch die Luft, die in dem nachhaltig hergestellten Material eingeschlossen ist, sind diese Schlappen besonders angenehm zu tragen. Langlebig, einfach zu säubern und ja, sogar wintertauglich. Für den Winter am Beach von Tel Aviv gibt es nämlich passende Socken in ebenso verrückten Designs. Keine Frage, bei 15 Euro EK und 35 Euro VK (Kalkulation 2,3) ist es vor allem der modische Gag, der zählt. Und der ist gelungen. Die Agentur Room von Berlin betreibt ab Januar 2018 ein Lager und ist Distributeur für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Room von Berlin, München/Deutschland, T 0049.151.19497959, michaela@roomvonberlin.de, www.freedommoses.com

Zeitwert

KRONABY. Die schwedische Marke Kronaby kombiniert bei ihren Konnex-Uhren traditio­ nelles Uhrmacherhandwerk, skandinavisches Design und moderne Technologie. Die Lauf­werke der Armbanduhren wurden in Eigenregie von Soft- und Hardware-Experten entwickelt und sind sowohl mit Android- als auch dem iOS-Betriebssystem kompatibel. Einmal mit einem Smartphone und der App verbunden, kann der Kronaby-­Träger zahlreiche Funktionen nutzen, wie u. a. Filtered Notifications, Auto Time Zone, Silent Alarm, Musik- und Kamerafernbedienung, einen Timer oder die Funktion Walk Me Home, die ganz dezent zu einem sicheren Gefühl auf dem Nachhauseweg verhilft. Die Idee der Smartwatch in klassischem Look: „Connected but not distracted.“ Sorgfältig gewählte Funktionen halten den Träger der Uhr mit seinem Smartphone verbunden, und zwar ohne dass er das Smartphone ständig in der Hand haben muss und womöglich dann doch neue Nachrichten oder E-Mails liest. Wertvolle Zeit soll bewusster erlebt werden. Mit einer Batterielaufzeit von bis zu zwei Jahren werden Ladezeiten überflüssig. Zur Auswahl stehen vier Modelle in bis zu sieben Varianten zu Verkaufspreisen zwischen 345 und 595 Euro. D, A: Elysee Uhren GmbH, Düsseldorf/ Deutschland, T 0049.211.522894-0, info@elysee-watches.com CH: Braloba SA, Lengnau/Schweiz, T 0041.323283030, info@braloba.ch, www.kronaby.com

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Fotos: Mitja Arzensek/www.zenivision.com Produktion & Styling: Sabine Berlipp/blossommanagement.de Haare: Sacha Schuette/sachaschuette.de/ Make-up:116 Gabrielle MODETheurer/www.basics.berlin Make-up: Stephan Schmied/blossommanagement.de Styling Assistenz: Anne Lau Models: Sarah Batt, Ulfar Logason, Vanessa Hänisch/ vivamodels.de; Ilija Osborn/megamodelagency.com; Lale, Micha/m4models.de, Jenny und Lan Location: Konsum Studio, Berlin/konsum-studio.de

Anzug: Joop Rollkragenpullover: Avant Toi Jacke (unter dem Anzug): Steinrohner Kette: One Fashion Headset Socken: Falke Schuhe: Converse 317 style in progress


MODE 117

Brille: Iolani Eyewear Anzug und Hemd: Hugo Kravatte: Strellson Kette: Model’s own

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118 MODE

Links Pullover: Drykorn Hemd: Drykorn Gürtel: Paige Hose: Stand Socken: Stance Schuhe: Floris van Bommel Rechts Mantel: Dimitri Shorts: Samsoe & Samsoe Netztop: Michael Sontag Schuhe: Model’s own

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MODE 119

Nieten-Choker: Stylist’s own Corsage: Marlies Dekkers Netzshirt: Urban Outfitters Gßrtel: Nolita Rock: Esprit Socken: Stance Schuhe: Gola style in progress 317


120 MODE

Brille: Alain Mikli Mantel: Onepiece Kleid: Escada Tasche: Benedetta Bruzziches Schuhe: Palladium 317 style in progress


MODE 121

Hut: Stetson Headphones: Skullcandy Parka: Le Temps de Cerises Hoodie: True Religion Shirt: Replay Hose: Lacoste Schuhe: Zign

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122 MODE

Jacke: C.P. Company Federblouson: Urban Outfitters Streifenshirt: Armor Lux Gürtel: Fred Perry Hose: Loom


MODE 123

Top: Dyao by Lan Behrendt Rock : Marina Hoermanseder FuĂ&#x;-Schmuck: Abury style in progress 317


124 MODE

Ohrring: Michael Sontag Kleid: I’VR – Isabel Vollrath Tasche: Hidesins Milano Schuhe: Michael Sontag X Trippen 317 style in progress


MODE 125

Blouson: Mother Track Suite: Norma Kamali Bluse: Hugo Schuhe: Trippen

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126 MODE

Sonnenbrille: Vava Jacke: Private White V.C. Hoodie: ATF Bauchtasche: Eastpak Helm: BMW Boots: Floris van Bommel 317 style in progress


MODE 127

Kimono: Otto d’ame Lederweste: 22/4 Hommes Femmes Strickschal: Lacoste Kleid: Fabienne Chapot Rollikleid und Leggings: Allude Boots: Sorel style in progress 317


128 MODE

Brille: Pilgrim Pullover: Strellson Mesh-Shirt: Vladimir Karaleev Hosenträger: Bootik Hose: Brachmann Schuhe: Ugg

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MODE 129

Sonnenbrille: Vava Blouson: Pinko Hemd: Haupt Bandana: Urban Outfitters Hose: Goetze Socken: Stance Schuhe: Dr. Martens style in progress 317


130 MODE

Parka: Gina Laumanns Hoodie: Stella McCartney for Adidas Cap: New Era Leggings: Mandala Handschuhe: Roeckl Socken: Sox in a Box Sneakers: Premiata 317 style in progress


MODE 131

Links Top: SLY Rock: Claus Tyler Top: Talbot Runhof (im Rock drapiert) Handschuhe: Karl Lagerfeld Tasche: SessĂšn Schuhe: Floris van Bommel Rechts Sakko: Cinque Hemd: van Laack Fliege: J/B Jacques Britt Pullunder: J/B Jacques Britt Hose: Cinque style in progress 317


132 MODE

Ohrringe: Urban Outfitters Lederjacke: JN by JN LLovet Shirt: Eleven Paris Perlenkette: Konplott Nietengürtel: Joop Rock: Lin Art Project Socken: Wolford Tasche: Pinko Schuhe: Mai Più Senza

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Mantel: MODE Holy Ghost 133 Cardigan: Strenesse Long Pullover: Allude

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Weste: Jarow 134 MODE Netzshirt: Nikita Clothing Gürtel: Jacob Cohen Jeans: Pepe Jeans Kette: Stylist’s own Leomantel: Samoon Schuhe: Nobrand

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MODE 135

Links Kleid: Marcel Ostertag Mitte Ohrringe: Pilgrim Jacke: Vladimir Karaleev BH: Urban Outfitters Shorts: Marcel Ostertag Hose: Nobi Talai Rechts Weste: I’VR – Isabel Vollrath Seidentop: SLY Hose: ATF style in progress 317


136 MODE

Helm: HMR Helmets Schmuck, Ketten, Ohrringe, Fingerringe: Konplott Shirt: Traffic People Bluse: Jacob Cohen Gürtel: b.belt Rock silberfarben: Windsor Rock: Otto d’ame Clutch: Justfab Tasche: Tosca Blu Goldene Uhren: Pop_Pilot und Kapten & Son Schuhe: Justfab

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MODE 137

Hut: Stetson Brille: Allied Metal Works Karomantel: Strellson Mantel: RRD Roberto Ricci Designs Poloshirt: Original Penguin

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Was für ein Schaufenster: 23 histori­ sche Rundbögen verleihen Sois Blessed seine lichtdurchflutete Aura.

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Perfekt, um so außergewöhnli­ che Ware wie bei Sois Blessed zu inszenieren: Das Sortiment vereint Mode, Living und Life­ style.

Fensterfronten in historischen Rundbögen. Durch die ungewöhnliche Lage des Ladengeschäfts an der Spitzkehre zwischen Pranner- und Rochusstraße erstrahlt Sois Blessed durch die großformatigen Fenster an beiden Seiten der dreieckigen Grundfläche – der erste Überraschungseffekt. Der zweite: im Herbst wird der Store um eine Tagesbar, einen Blumenshop, einen bestuhlten Innenhof und im Durchgangsbereich dazwischen um ein „Herzstück“ als wandelbarer Kreativraum für Ausstellungen, Events und Ideen erweitert. „ICH FÜHLE MICH GESEGNET“ Wenn Ruth Gombert über ihren Werte-Store spricht, in dem sie ausgesuchte Mode, Interieur und Lifestyleprodukte präsentiert, begegnet man einer einnehmend charmanten Idealistin, die sich hier ihren Traum erfüllte. Und dieser Traum beginnt mit dem Namen Sois Blessed. „Er besagt: Sei gesegnet, sei beschenkt. Ich persönlich fühle mich in meinem Leben gesegnet und das möchte ich auch an andere weitergeben“, erklärt sie. Das lässt sich an subtilen Details wie Karten mit Segnungen an den unbeschrifteten Einkaufstüten erkennen, an der ruhigen, unverfänglich fa-

Sois Blessed/München

550 Quadratmeter Verkaufsfläche inmitten der Münchner Innenstadt. Das lässt aufhorchen. Mit dem Conceptstore Sois Blessed hat Ruth Gombert eine in sich runde Lifestylewelt erschaffen, die sich um das sinnliche Erleben von Werten dreht. Text: Isabel Faiss. Fotos: Sois Blessed

PRÄDIKAT WERTVOLL

miliären Atmosphäre im Laden und konsequenterweise auch in der Auswahl der Produkte. „Wir setzen auf einen spannenden Mix, der neue Produkte und Marken vorstellt, die es in München teilweise noch nicht gibt.“ So reihen sich beispielsweise neben glamourösen Designs von Pallas Paris kunstvolle Spitzencolliers der österreichischen Designerin Kex Spitzenkultur. Mit Einstiegspreislagen ab 50 Euro für ein T-Shirt bis hin zu 2.000 Euro für ein Couture-Kleid findet man auf der elegant gestalteten Fläche einige Überraschungen, immer nach Looks und nicht nach Marke zusammengehängt, die man der Münchner Zielgruppe spontan nicht zugetraut hätte. Ruth Gombert lächelt, denn sie beantwortet die ihrer Meinung nach steigende Nachfrage nach besonderen Produkten mit einer ehrlichen Geschichte, ebenso mit kommerziellen wie modisch spitzen Designs. Diese findet sie überwiegend durch eine fokussierte internationale Recherche und auf Reisen unter anderem nach Paris, Mailand, London und Kopenhagen. Es ist ihr Anliegen das Markenportfolio ständig weiterzuentwickeln und dadurch außergewöhnlich spannend zu bleiben. Ihre Wertschätzung für Dinge drückt Ruth Gombert auch darin aus, dass sie sich entgegen dem Trend der Innenstadt gegen die leider üblichen Sale-Aktionen wehrt. MIT HERZ UND VERSTAND Wenn Ruth Gombert davon spricht, in Dankbarkeit zurückzugeben, begegnet man einer Idee, die schöne Worte in eine konkrete Tat umsetzt: Die Eigenkollektion Sois Blessed; eine in Kooperation mit der Hope School in East London, Südafrika gestaltete Kollektion, deren Gewinn zu 100 Prozent an das Schulprojekt für HIV-infizierte Kinder geht. „Wir animierten die Kinder, zu malen, kreativ zu sein und neue Dinge zu entdecken“, erklärt sie begeistert. Aus den Zeichnungen entstanden schließlich die Drucke und Muster, die der Kollektion ihren ganz besonderen Charme geben. In Zukunft kann sie sich weitere Charity-Aktionen vorstellen, die ihre kleine Welt Sois Blessed noch wertvoller machen.

Ruth Gombert hat mit ihrem Laden Mut bewiesen. Der Name Sois Blessed bedeutet: „Ich bin gesegnet“ und bringt das Selbst­ verständnis der Storeinhaberin auf den Punkt.

Sois Blessed Prannerstraße 10 80333 München/Deutschland www.soisblessed.com Eröffnung: April 2017 Inhaber: Ruth Gombert Anzahl der Mitarbeiter: 6 Verkaufsfläche: 550 qm Marken: u. a. 8 Eden Avenue, Aeron, Alma Frieda, Alexander Laude, Axpasia, Banana Time, Capitana, Dawn Jeans, Dawid Tomaszewski, Drome, Elena Berton, Erika Cavallini, Frenken, Gabriele Frantzen, Gia Couture, Kex Spitzenkultur, La Perlina, L’Autre Chose, Lili Radu, Linda Farrow, Liven, Lug von Siga, Mai Mai, Malaika Reiss, Pallas Paris, Radice, Seventy, Smarteez, Sminfinity, Sly010, The Attico, Vivetta style in progress 317


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Betont unprätentiös präsentiert, lädt Project 4 auf Entdeckungsrei­ se wie ein kleiner Trödelladen ein, der ungeahnte Schätze birgt.

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Project 4/Kopenhagen

Der kleine Laden wirkt unscheinbar, dennoch verbirgt sich hier eine wahre Pilgerstätte für diejenigen, die handverlesenes Design abseits des üblichen Fashionangebots schätzen. Damit ist Project 4 auch in Sachen Trends der Konkurrenz oft einen Schritt voraus. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Project 4

HOT SPOT 317 style in progress

orab: Nicht jeder versteht den Laden. Project 4 wird in sämtlichen Kopenhagener Cityguides als die Anlaufstelle für Womenswear und neue Trends empfohlen, was ein eher breit gefächertes Publikum ansprechen dürfte. Dabei wird das Sortiment betont unprätentiös auf nur 63 Quadratmetern präsentiert und mag zunächst wie zufällig zusammengestellt wirken. Aber kaum etwas ist hier dem Zufall überlassen, sondern ergibt viel mehr ein bewusst kreiertes Miteinander, das zur inspirierenden Entdeckungsreise einlädt. DREI GENERATIONEN Das Sortiment aus Marken rund um Libertine Libertine, Ventil Studio, Whyred und Won Hundred ist skandinavisch geprägt, ohne zu minimalistisch zu sein. Die meisten Kollektionen stammen aus Dänemark, ergänzt von internationalen Labels, von denen es einige in Dänemark nur bei Project 4 gibt. Darunter sind beispiels-

weise Organic T-Shirts und Sneakers, feminine Kleider ebenso wie derbere Bomberjacken, Sonnenbrillen mit Holzfassungen und Sweatpants recycelten Materialien. Dazu kommen klassische Taschen und besonderer Schmuck. „Wir glauben, dass die Leute nach Mode mit Qualität suchen, nach Produkten, die eine Geschichte zu erzählen haben, egal, ob sie Organic oder Fairtrade sind, oder eben etwas, das nicht überall angeboten wird“, sagt Casper Schandorff, der Project 4 vor sechs Jahren ins Leben gerufen hat. Mit seinem Store gelingt ihm auf kleiner Fläche, was nur wenigen Multibrandkonzepten


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gelingt: nämlich sowohl die 20-Jährigen als auch Ältere zu begeistern. „Manchmal kommen mit Oma, Mutter und Tochter drei Generationen zu uns und alle drei kaufen etwas“, so Casper Schandorff. Zweifelsohne hat der Däne ein Gespür für Trends, dabei sah sein Werdegang zunächst nach etwas ganz anderem aus. Er ließ sich zum Lehrer ausbilden, studierte im Anschluss pädago­ gische Anthropologie und startete in dieser Zeit Project 4 für spezielles Design in einer kleinen Straße im Zentrum Kopenhagens. Anfangs unterrichtete Schandorff noch behinderte und autistische Kinder am Vormittag, um sich danach auf sein Rad zu schwingen und am Nachmittag Project 4 zu öffnen. Doch schon bald entwickelte sich die Arbeit für Project 4 zur Hauptsache und begann, Früchte zu tragen. Dazu zählt auch der Best Female Store Award 2015 in Kopenhagen von AOK Byens Bedste, dem weitere Preise folgten. Seit Mai hat Casper Schandorff das Kellergeschoss von Project 4 zu einem ergänzenden Conceptstore ausgebaut, genannt Concept 4, für besondere Designerstücke, Bücher und Magazine. Unter dem gleichen Vorsatz, einen einzigartigen Mix von dänischem und internationalem Design zu kreieren, mit Blick auf neue Labels und Trends.

Casper Schandorff beweist mit Project 4 ein Gespür für Trends.

Project 4 Larsbjørnstræde 19 1454 Kopenhagen/Dänemark www.project4.dk Eröffnung: November 2011 Inhaber: Casper Schandorff Geschäftsführerin: Simone Olsson Anzahl der Mitarbeiter: 4 Verkaufsfläche: 63 qm Womenswear: Brixtol, Construction No.4, Libertine Libertine, The Lakes, Ventil Studio, Won Hundred u. a. Accessoires: Asics, Atp Atelier, Dr. Martens, Reebok, Slowtide, The Nomad Society, Ziva u. a.

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Ein bisschen Bel Époque Charme, dazu ein frisches Sortiment – Wally Gastein.

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B Wally/Gastein.

Dort, wo das Wasser tosend ins Tal rauscht, baut Bettina Schuh an der Erneuerung des Urlaubsortes Bad Gastein mit: Sie hat die Boutique Wally übernommen und bietet Mode für Urlaubsgäste, Gasteiner und Rückkehrer. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Wally Gastein

AM FLUSS

Bettina Schuh ist gelernte Floristin und schuf früher Blumendekos für Events. Jetzt hat sie die Geschäftsnachfolge von Wally Vogel angetreten. „Es macht unglaublich viel Spaß“, sagt die Wahlgasteinerin.

ad Gastein ist ein Ort, dem seine strahlende Vergangenheit oft zu schaffen macht: Anno dazumal das Monaco der Alpen, der Ort, an dem die gekrönten Häupter zur Kur kamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bad Gastein selbst zum Patient. Die altehrwürdigen Häuser im Zentrum verfielen, vor der ehemaligen Grandezza der Grand Hotels tummelten sich Pauschalurlauber und Krankenkassenpatienten. Es ist einer Handvoll innovativer Hoteliers zu verdanken, dass Bad Gastein ein neues Image etablieren konnte. Ob Haus Hirt, Regina, Miramonte oder Rudolfshöhe, hier urlaubt eine gänzlich neue Boheme. Urbane, aufgeschlossene, erfolgreiche Menschen, für die Bad Gastein eine Chance ist, abzuschalten und den Wandel von der morbiden Geisterstadt zum Hotspot zu erleben. Bettina Schuh ist nun eine von ihnen, den Gestaltern des Wandels: Durch ihre Mutter, eine gebürtige Bad Gasteinerin, hat sie den Ort immer im Herzen getragen. Und als es für die Floristin und Eventdekorateurin Zeit für einen beruflichen Neuanfang war, kam die Gelegenheit in Gastein: Wally’s Moden suchte eine Nachfolgerin und Bettina Schuh griff zu. „Eine tolle Chance, einem eingeführten Laden meinen Anstrich zu geben.“ Sie lacht viel und mitreißend, ist anpackend und liebt den Austausch mit Kunden aus aller Welt. „Ich genieße die Gespräche, die Beratung, den Kontakt.“ Zum Saisonauftakt im Dezember 2016 war die Übergabe perfekt, fast ein Jahr später ist der Enthusiasmus noch größer: „Ich liebe diese Arbeit.“ ENTSTAUBT UND VERJÜNGT Wally Gastein kleidet Tochter und Mutter, kleidet die hippen Gäste des Ortes gleichermaßen wie die konservativen. Diesen Spagat schafft ein Sortiment, das von Schickem von Luisa Cerano bis zu Coolem von IQ+ Berlin reicht. „Die Kunden müssen den Wert eines Produktes nachvollziehen können“, sagt Bettina Schuh. „Was mir nicht gefällt, kann ich auch nicht verkaufen“, meint sie und gibt damit den roten Faden im Sorti-

Direkt nebenan rauscht der Ga­ steiner Wasserfall – mehr Zentrum geht eigentlich nicht.

ment vor. Kleidung von Kopf bis Fuß, Kuschel-Cashmere, schöne Tücher und kleine Accessoires, dazu Duftkerzen, vegane Pflegeprodukte. Eine Wohlfühlwelt, die genau zur Urlaubsstimmung der Kunden passt. Weil sie sich Zeit nimmt und gerne von ihren Marken erzählt, sind nachvollziehbare Produktionswege für Bettina Schuh ein wichtiges Auswahlkriterium. „Polyester made in China, das würde hier nicht passen.“ Nicht zum MindSet der neuen Generation von Gasteinliebhabern, nicht zur neuen Generation bei Wally.

Wally Straubingerplatz 1, 5640 Bad Gastein, bettina.schuh@wallygastein.at, www.wallygastein.at Neuübernahme: Dezember 2016 Inhaberin: Bettina Schuh Anzahl der Mitarbeiter: 1 Verkaufsfläche: 80 qm Marken Frauen: Closed, Hemisphere, Herzens­angelegenheiten, Irmtraud Lanz Handstrickerei, IQ+ Berlin, Lena Hoschek Luisa Cerano, Not Shy, Opportuno, Simfinity Marken Accessoires: Becksöndergaard, Be my Friend, Castel Bel, Dirndl & Bua, Lili Radu, Veja, Warm-Me style in progress 317


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Melanie und Thilo Pfeffer glauben bedingungslos an den Multi­ brandstore, in dem Einkaufen ein soziales Erlebnis ist.

E Pfeffers/Essen

Melanie und Thilo Pfeffer vereinen mit ihrem Multibrandstore Pfeffers in Essens Rüttenscheider Straße langjährige Handelserfahrung und den Wunsch, nach den eigenen Maximen zu arbeiten. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Pfeffers

OHNE RÜCKSPIEGEL

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ine Musterkarriere im Textilhandel haben sie beide hinter sich: Melanie und Thilo Pfeffer kennen die Mode von der Pike auf, haben bei Häusern wie Anson’s oder Peek & Cloppenburg gearbeitet. Ende 2016 haben sie die Sicherheit ihrer guten Stellungen hinter sich gelassen. Noch ohne festen Mietvertrag starteten sie in ihre erste Einkaufssaison. Für ihre Vision eines spannenden Multibrandstores im Premiumbereich setzten sie auf ihren eigenen Geschmack. „Der Store ist so etwas wie unser großer Kleiderschrank. Jedes Teil, das wir verkaufen, haben wir auch selbst probiert. Wir wissen um seine Stärken und können daher sehr persönlich beraten“, sagt Thilo Pfeffer. VON EXCEL-LISTEN UND SOCIALIZING Aus seiner bisherigen Laufbahn nimmt Thilo Pfeffer vieles mit, kombiniert es mit dem Unternehmergeist, der in seiner Familie schon immer herrscht: „Ich war der einzige Nicht-Selbstständige in meiner Familie, mein Großvater und Vater im Modegroßhandel und eigenen

Produktionen. Die Gründung einer eigenen Agentur stand aber für mich nie auf dem Plan, es sollte immer die Mischung aus Einkauf und dem Kontakt zum Endverbraucher sein. Ich möchte Gespräche über Stil und Geschmack führen, meine Erfahrungen teilen.“ An der Front stehen folgerichtig in den ersten Wochen nach der Eröffnung nur seine Frau Melanie und er selbst. Unumgänglich, um das Sortiment noch weiter zu verfeinern. „Excel-Listen sind großartig und richtig, wenn man die Inhalte richtig interpretiert. Wenn die Bundfaltenhose bei Herren in der ersten Saison nicht gleich die geforderte LUG und Abschrift bringt, darf man nicht aufgeben. Bei modischen Artikeln muss man auch mal Atem zeigen, bis diese sich durchsetzen. Wer nur auf Rückspiegel fährt, hat in


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der Mode nichts verloren.“ Dass auch der eigene Laden erst mal Fahrt aufnehmen muss, ist dem Ehepaar Pfeffer bewusst. Genau deshalb die Entscheidung für die szenige Nachbarschaft auf der Rüttenscheider Straße, rund fünf Kilometer außerhalb der Essener Innenstadt. „Hier flaniert man noch, ein cooler Kaffeeladen, ein guter Italiener, ein toller Mitbewerber im Modehandel, ein guter Optiker – die Nachbarschaft hat uns herzlich willkommen geheißen.“ Als während der Umbauzeit plötzlich der Restaurantinhaber von nebenan mit zwei Bier klopfte, war Thilo Pfeffer ehrlich berührt. „Hier ist die Welt noch in Ordnung.“ Doch bleibt sie das, im Modehandel, dem so stürmische Zeiten vorausgesagt werden? „Ich habe keine Angst vor dem Schreckgespenst Online. Das, was wir hier machen, das kann Online nicht leisten. Einkaufen ist doch nicht nur Pakete aufreißen abends im Wohnzimmer. Einkaufen ist, jemandem in Sachen Stil zu vertrauen, ein gutes Gespräch

zu führen, das dann auch mal über einen guten Wein, Uhren, Autos oder den Urlaub geht. Dieses soziale Erlebnis, das können nur Formate wie unseres bieten.“ ZU HUNDERT PROZENT Ein Grund mehr für Melanie und Thilo Pfeffer, dass sie zu hundert Prozent hinter ihren Lieferanten stehen müssen. „Wir haben all unsere Marken sehr bewusst ausgesucht, stehen hinter deren Qualität, Geschichten und Preisen. Daher habe ich auch den Anspruch, dass wir für alles, was wir einkaufen, auch die volle kaufmännische Verantwortung tragen“, macht Thilo Pfeffer klar. „Wozu führen denn Sortimente auf Kommission? Dazu, dass beides leidet – die bezahlte Ware, weil ihr der Platz fehlt und die Kommissionsware, denn, was man zurückschicken kann, muss man auch nicht ambitioniert verkaufen.“

Designklassiker, Bücher, Fotos von Stilikonen und Modellautos, die von Thilo Pfeffers Leidenschaften zeugen.

Auf drei Split-Levels tei­ len sich die Männer und Frauen eine Verkaufsflä­ che von insgesamt 160 Quadratmetern.

Pfeffers Rüttenscheider Straße 261, 45131 Essen, info@pfeffers-fashion.de, www.pfeffers-fashion.de Inhaber: Melanie und Thilo Pfeffer Eröffnung: September 2017 Verkaufsfläche: 160 qm Marken Frauen: 7 for all Mankind, American Vintage, Blake Seven, Closed, Colmar, Delicatelove, Dolores… but you can call me Lolita, Herzensangelegenheit, IHeart, IQ+ Berlin, Jacob Cohen, Parajumpers, Rebel Rose, Rich & Royal Marken Männer: American Vintage, Closed, Colmar, C.P. Company, Duffle & Rums, Gant, Jacob Cohen, MMX, Parajumpers, True Friend Marken Accessoires: Another Bag, B. Belt, Mou, Womsh style in progress 317


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180 The Store liegt in Tribeca – einem New Yorker Viertel, dessen Look von den Gusseisenfassaden ehemaliger Industriegebäude geprägt ist.

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as ist ja mal ein Empfang: An einem heißen Sommertag grüßt der Eingangsbereich von 180 The Store mit einem Dschungel aus käuflichem Grünzeug, ein paar Schritte weiter liegen Eyevan-Sonnenbrillen auf einem Tisch. Ganz hinten gleißt die Sonne durch ein riesiges Oberlicht, weiter vorn glitzert filigraner Schmuck von Kataoka und an rollenden Kleiderstangen hängen ausgewählte Stücke von Marken wie Nanamica, Christina Lehr, Pero und WMV.

Luftig und mobil: Mode präsentiert sich in die­ sem Laden auf Kleiderständern mit Rollen.

180 The Store/New York

Vom Showroom zum Conceptstore mit Hang zum Asiatischen: Im schicken New Yorker Stadtteil Tribeca gibt es Gutgemachtes zu entdecken. Text: Petrina Engelke. Fotos: Justin Bridges

EINE FUNDGRUBE FÜR NEW YORK

DAS KONZEPT: EIGENINITIATIVE ERGREIFEN Der Fokus auf japanische Marken hat mit Geografie nichts zu tun. Ladenbesitzerin Denise Williamson schätzt deren Qualität, Sorgfalt und Liebe zum Detail: „In einer Welt, die so sehr mit Waren überladen ist, sticht das hervor“, sagt sie. „Deshalb fühle ich mich zu Marken hingezogen, die sich viele Gedanken über die Herstellung machen, und zufälligerweise ist das oft bei japanischen Unternehmen der Fall.“ Denise Williamson liebt das Gutgemachte. Das gilt für ihre eigene Arbeit, ihr Mitarbeitertraining und auch für die Auswahl der Modemarken, die sie vertritt. Letzteres tut sie seit knapp einem Jahr gleich doppelt: Nach 18 Jahren als Chefin einer Mode-PR- und Vertriebs­ agentur expandierte Williamson, indem sie zusätzlich zum frisch umgezogenen Showroom diesen Laden eröffnete. „Das Konzept lautet: Eigeninitiative ergreifen bei PR und Marketing, aber auch im Hinblick auf den Einzelhandel. Denn ich finde, New York braucht eine richtige Fundgrube, wo man eintritt und etwas Neues entdeckt“, sagt Williamson. Damit auch das gut gemacht wird, verließ sie sich nicht allein auf ihr eigenes Gespür, sondern tat sich mit Debi Greenberg zusammen, die bis 2015 den legendären Bostoner Luxusmodeladen Louis Boston führte. MOBILES MOBILIAR Im weißgetünchten Laden vermählen sie Minimalismus mit Wärme, als ginge das mal eben so nebenbei. Tatsächlich ist

das Mobiliar so beschaffen, dass der gesamte Raum binnen zwei Stunden geleert werden kann – aus Prinzip. Williamsons europäische und asiatische Kunden sollen sich ohne Rücksicht auf ein Ladenkonzept so zeigen, wie sie ihre Kollektion repräsentiert sehen wollen. „Man muss ja den Jahreszeiten schon ein wenig folgen“, räumt sie ein. So hängen im August noch keine Wintermäntel auf den Kleiderstangen; Herbstkleider ziehen nach Mitte September ein. Vorher blitzt aber kurz die Zukunft auf: Zur New Yorker Modewoche verwandelt sich der Laden in einen Veranstaltungsraum für die Branche – genauer gesagt: für einen der PR-Kunden von Williamson. Im Herbst 2017 präsentiert sich dort etwa die japanische Luxusmarke Visvim. Auch für eine Buchpräsentation und eine Cocktailparty wurde der Laden schon komplett umgestaltet. Hinzu kommen Pop-ups für Lifestyle-Extras wie Fahrräder von Tokyo Bikes – eines darf man zum Ausprobieren ausleihen –, also Marken, mit denen Williamson bislang nicht arbeitet. Dabei betont sie das „bislang“. Schließlich hat sich schon erwiesen, dass der Laden nicht nur die Kundschaft inspiriert. „Ich komme gar nicht mehr nach Hause“, sagt sie lachend über die Arbeitsbelastung mit PR- und Vertriebsbüro, Showroom und Laden an einer Adresse. „Aber ich genieße das auch: Ich habe schon ganz tolle Leute kennen gelernt, weil man hier einfach hereinkommen kann.“

180 The Store 180 Duane Street New York, NY 10013/USA T 001.212.2265506 Eröffnung: Februar 2017 Inhaberinnen: Denise Williamson, Debi Greenberg Mitarbeiter: 4 Verkaufsfläche: 278 qm Marken Mode: Blurhms, Chimala, Christina Lehr, Engineered Garments/ FWK, From the Road, Nanamica, Pero, Rivay, WMV Marken Accessoires: Apotheke, Bags in Progress, Domi, Eyevan, Green Fingers, Kataoka, Kofu/Curious Corners, Koio, Suicoke, Surface, Pero, Tokyo Bikes style in progress 317


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Viel Holz, bronziertes Metall, kuschelige Materialien – Gogl Architekten hat das neue Ladenlokal von Insieme gestaltet.

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Insieme, St. Johann in Tirol

Nach 15 Jahren Insieme ist der Umzug in ein größeres, modernes Ladenlokal für Martina und Edgar Wachel fast so etwas wie ein Neustart. In ihrem neuen Ladenlokal perfektionieren die beiden, was sie ganz besonders gut können: Mode inszenieren – und natürlich auch verkaufen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Insieme

ZUSAMMEN 317 style in progress

s gibt diese Unternehmer, denen ihre eigenen Leistungen so selbstverständlich sind, dass sie kaum Aufhebens darum machen: Martina und Edgar Wachel gehören zu diesem Menschenschlag. 2016 bezogen sie mit ihrem Laden ein neues Geschäftslokal. Eine Gelegenheit, die ihnen neue Horizonte eröffnet. „Vorher hatten wir nur 90 Quadratmeter für Damen und Herren, das war fast eine natürliche Grenze“, erzählt Martina Wachel. Jetzt, auf großzügigen 200 Quadratmetern und zwei Etagen, bespielt das Modepaar eine ganz neue Spielwiese. „Unser Erdgeschoss gestalten wir wie einen Showroom, mit wechselnden Themen, die sich dann von der Fläche bis in die Schaufenster durchziehen. Mal Jeans, mal Outdoorjacken, mal Leisure Wear“, erklärt Martina Wachel das Konzept. Die Inspiration geht auf und wird im Obergeschoss weitergeführt. Dort finden sowohl Damen als auch Herren ihr Dorado. „Wir wollten die beiden Abteilungen nicht trennen, denn bei uns kaufen viele Paare ein, da macht es Spaß, auf beiden Seiten zu bedienen.“

ES PASSTE ALLES Die Gelegenheit war günstig: Der Inhaber der Immobilie ist ein Freund, die Architek­ tin Monika Gogl von Gogl Architekten eine Freundin. „Uns war immer klar: Wenn wir mal umbauen wollen, dann mit ihr“, sagt Martina Wachel. Dass dann eins ins andere gegriffen hat, ist ein Glücksfall. „Wir konnten von Anfang an viel in der Planung mitsprechen, das ist natürlich der Idealfall.“ Licht ist es geworden, viel Holz, Metall in Bronzenuancen, Messing, dazu einladende Materialien wie Samt. „Die Verweildauer unserer Kunden ist gestiegen, wir bekommen viele Komplimente und die Leute fühlen sich wohl“, ist Martina Wachel zufrieden. Doch dieses Wohlfühlen ohne die Wachels selbst, es wäre nicht möglich. „Modehandel bedeutet halt, dass man von Montag früh bis Samstagabend im Laden


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steht, dass man mit den Kunden enge Beziehungen pflegt, auch mal ein Glas Wein zusammen trinkt. Sind wir nicht auf Orderreise, sind mein Mann und ich immer persönlich anwesend.“ Unterstützt von nur zwei Teilzeitkräften, nimmt das Ehepaar den Laden und seine Anforderungen persönlich. „Ich glaube, das macht den Unterschied heute – viele unserer Kunden wollen nicht im anonymen Monobrandstore einkaufen, sondern schätzen, dass hier jemand ist, der sie kennt und ihnen von Kopf bis Fuß ein Outfit zusammenstellen kann.“ Diese Beziehungsqualität macht sich bezahlt: Mit dem neuen Store sind auch Einkaufsvolumen und Umsatz gestiegen „Wir können wirklich nicht klagen.“ Ein Satz, den man heute selten aus dem hochklassigen Modehandel hört. „Natürlich, die top Beratung und die vielen kleinen Serviceleistungen rundherum, die sind heute fast selbstverständlich, die muss man leisten – aber dann macht es Spaß“, ist Martina Wachel überzeugt. Die showroomartige Inszenierung im Erdgeschoss, die Hauptver­ kaufsräume im Obergeschoss: die neue Großzügigkeit bei Insieme.

Edgar und Martina Wachel sind mit Herzblut bei der Sache.

Insieme Kaiserstraße 5, 6380 St. Johann i. Tirol/Österreich, info@insieme-mode.at, www.insieme-mode.at Eröffnung: 2016 (nach Umbau), gegründet 2000 Inhaber: Martina und Edgar Wachel Anzahl der Mitarbeiter: 2 Verkaufsfläche: 200 qm Marken Frauen: 360 ° Cashmere, 7 for all Mankind, Allude, AOS Jeans, Arma, Blauer USA, Blonde No. 8, Cecile Copenhagen, Citizen of Humanity, Como, Drykorn, FFC, Five Units, Giorgio Brato, Jadicted, Iheart, J Brand, Juvia, Lala Berlin, Le Sarte Pettegole, Liv Bergen, M Missoni, Nine in the Morning, Rosemunde, Sly010, T Jacket, Velvet Marken Männer: 7 for all Mankind, Adhoc, Blonde No. 8, Caliban, Drykorn, Hannes Roether, Juvia, Kiefermann, Myths, Original Vintage, The Nim, T Jacket, Sun 68, Weber + Weber Marken Accessoires: 813, Atlantic Stars, Carditosale, Estella Bartlett, Faliero Sarti, Fiorentini + Baker, Inuikii, Lua, NDV, Philippe Model, Ralph Gladen, Sam Edelman style in progress 317


Robin Wagner, Raphael Kern und Christopher Magbanua legen viel Wert auf 150Nachhaltigkeit VOR ORT und quali­ tativ hochwertige Produkte.

Die Ware des dynamischen Startups wird in barrierefreien Stores präsentiert und lädt zum Anfassen ein.

Ein bisschen Bel Époque Charme, dazu ein frisches Sortiment – Wally Gastein.

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meistens in fünf bis zehn verschiedene Läden rennen“, erklärt Robin Wagner. Gemeinsam entwickelten sie deshalb die Idee zu Strandmeister. „All das, was die anderen nur am Rande an der Kasse präsentieren, bringen wir zum Anfassen im eigenen Store. Wir haben Unterwäsche, Juweliere, Lederwaren und Textiler zusammengeführt.“

W

ie schwierig es für Herren ist, Accessoires zu kaufen, haben Raphael Kern, Robin Wagner und Christopher Magbanua am eigenen Leib erfahren. Die drei Jungunternehmer kommen aus der Branche und lernten das Business von der Pike auf. Bald stellten sie fest, dass es in den meisten Stores zwar ein breites Sortiment an Oberbekleidung für Herren gibt, aber Männer-Accessoires ein Mauerblümchendasein fristen. „Um eine Uhr zu bekommen, einen Schal und vor allem Taschen muss man als Mann

Strandmeister/Wien, Linz

„Uns gibt es, weil du uns wichtig bist.“ Das Motto von Strandmeister ist eine Ansage, die den Nerv der Zeit trifft. Das junge Start-up erobert mit hochwertiger Slow Fashion und innovativem Storekonzept den Markt.

DIE JUNGEN WILDEN Text: Veronika Zangl. Fotos: Strandmeister

ALPHA FASHION Das Storedesign von Strandmeister ist eine Maßanfertigung von Vrana, das sich durch alle Filialen zieht. „Jugendliche Leichtigkeit und stilvoller Gentleman“, nennt Robin Wagner den Signature-Look. Durch stringentes Innendesign mit gleichbleibendem Mobiliar wird ein hoher Wiedererkennungswert erzielt. Diesen unterstützt auch das Fischgrätparkett, das sich nicht auf den Boden beschränkt. Stattdessen zieht sich das edle Muster bei den Taschen über die Wand hoch und verleiht dem Store eine innovativ maskuline Note. Sie ergänzt stimmig das Gesamtkonzept und akzentuiert zugleich das Sortiment. „Wir arbeiten gerne mit nostalgischen Geschichten“, erklärt Robin Wagner und gerät ins Schwärmen. „Bei uns gibt es Pomaden wie aus den 1920er-Jahren, während im Hintergrund Musik aus den 1950ern läuft. Wir verkaufen Hosenträger und Oldschool-Krawatten. Das finden nicht nur Männer toll, die aus der Zeit stammen, sondern auch die jungen um die 30.“ Generell setzt Strandmeister auf Entschleunigung: Das Start-up bietet qualitativ hochwertige Ledertaschen wie die von Aunts & Uncles. Bei dem deutschen Familienlabel wird noch jedes Produkt einzeln auf Qualität, Nähte und Verschlüsse überprüft. Uhren und Sonnenbrillen stammen unter anderem von Komono, einer Marke, die normalerweise nur bei Optikern zu finden ist. Das Konzept geht auf: Im Februar 2016 launchte Strandmeister den ersten Store mit 140 Quadratmeter in der SCS in Wien-Vösendorf. Kurz darauf folgte die Donaucity Wien mit 170 Quadratmeter und im April 2017 die Eröffnung in der PlusCity in Linz mit 140 Qua-

dratmeter. Weiteres Wachstum nicht ausgeschlossen. Wobei sich das Start-up auf Hochfrequenzlagen mit viel Durchlauf spezialisiert hat. „Kleine Innenstadtlagen wären für unser Konzept nicht hilfreich“, betont Robin Wagner, „da erkennt man oft nicht, worum es in den Boutiquen eigentlich geht, was genau verkauft wird.“ Beim Eintritt in eine Strandmeister-Filiale wird deutlich, dass sich selbst hinter der Sortimentspräsentation eine Idee verbirgt: Kunden arbeiten sich von den Socken und der Underwear zu Accessoires, Kopfbedeckungen und Taschen vor – und durchlaufen nebenbei einen maskulinen Tagesablauf.

Bei Strandmeister stehen Acces­ soires für Männer im Mittelpunkt.

Strandmeister - SCS Vösendorf, Shop 92, Allee 214, 2334 Vösendorf/Österreich - Donauzentrum, Shop 703, Wagramer Straße 81, 1220 Wien/Österreich - PlusCity Pasching, Pluskaufstraße 7, 4066 Pasching/Österreich www.strandmeister.at Inhaber: Robin Wagner, Raphael Kern, Christopher Magbanua Eröffnung: Februar 2016 Anzahl Mitarbeiter: 4 (SCS), 5 (DZ), 5 (PC) Verkaufsfläche: 140 qm (SCS), 170 qm (DZ), 140 qm (PC) Marken Accessoires Männer: Aunts & Uncles, Burlington, Calvin Klein, Diesel, Eastpak, Falke, Fred Perry, Happy Socks, Hugo Boss, Kapten & Son, Kerbholz, Komono, Lacoste, Levi’s, Lyle & Scott, Paul Hewitt, Pinqponq, Secrid, Tommy Hilfiger, Toms, Ucon Acrobatics u. v. a. Marken Accessoires Frauen: u. a. Happy Socks, Kapten & Son, Kerbholz, Komono, LeSpecs style in progress 317


152 EDITORIAL /// IMPRESSUM

Win – Win – Win – Win ... Eines der Themen, das mich an dieser Stelle in den vergangenen 20 Jahren am intensivsten beschäftigt hat, war der Umbruch der Messelandschaft und der Bedeutungswandel der Modemessen in einem sich umfassend ändernden Markt. Dass es diesmal wieder um Messen geht, konkret um den Standort Berlin, ist aber keine Reminiszenz, sondern aktuell höchst geboten. Die Fashion Week steht einmal mehr im Mittelpunkt von Diskussionen. Kritisiert werden (zu Unrecht) Angebot und Markenportfolio, (nicht ganz zu Unrecht) die Kosten für die Aussteller, immer wieder aber auch die Besucherfrequenz, die mangelnde Internationalität und damit letztlich die Relevanz. Dass die Zahl und Qualität der Besucher aus internationalen Märkten spürbar zurückgegangen ist, lässt sich nicht leugnen. Dass die Frequenz insgesamt, übrigens nicht nur in Berlin, zurückgeht, ebenfalls nicht. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, rationale und irrationale. Die Frage ist, ob man das einfach bejammert und kritisiert, aber hinnimmt, oder ob man überlegt, welchen Beitrag jeder selbst leisten kann. Die Internationalität des Publikums wieder zu gewinnen, ist ein hartes Brot. Berlin passt nicht wirklich in den eng getakteten Terminkalender der Einkäufer aus Übersee. In vielen europäischen Märkten gibt es gut gemachte, regionale Veranstaltungen. Und die Anziehungskraft Berlins selbst wurde vielleicht ohnehin überschätzt. Um namhafte internationale Einkäufer (wieder) zu gewinnen, müsste man wohl andere Register ziehen. Andere Messeveranstalter laden und fliegen Prestigekunden gezielt ein. Hugo Boss hat das, sehr zum Vorteil aller Beteiligten, schon zu Zeiten der Herren-Mode-Woche in Köln gemacht. Es kommen aber auch zu wenige Besucher aus dem deutschsprachigen Markt. Und dafür fehlt mir ganz ehrlich ein wenig das Verständnis. Denn das Gesamtangebot der Berlin Fashion Week ist so differenziert und gut, dass es eigentlich kaum nachvollziehbare Ausreden gibt, es nicht zu nützen, aber viele gute Argumente dafür, es noch viel intensiver als aktuell zu nützen. Hier ist also eine Idee bzw. ein Appell an den Fachhandel, der in diesen Zeiten Information, Austausch, Networking und Erkenntnisgewinn gar nicht hoch genug einschätzen kann: Nehmt Eure MitarbeiterInnen aus dem Verkauf mit nach Berlin! Nicht zuletzt auch Auszubil317 style in progress

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dende! Wer sich rechtzeitig darum kümmert, findet preiswerte Appartements. Aus vielen Ecken Deutschlands kann man mit der Bahn anreisen, auch Flüge gibt es zu überschaubaren Tarifen. Kostenalarm? Nicht wirklich. Großzügig gerechnet kostet es etwa 2.000 Euro (Betriebsausgaben!), um drei MitarbeiterInnen zu ermöglichen, die Branche, in der sie arbeiten, mal so wirklich zu erleben und aufzusaugen. Klar – das ist Geld. Aber jetzt schauen wir uns mal den Return of Investement an. Sechs zusätzliche Augen entdecken und finden nicht nur mehr, sie haben vor allem auch einen anderen Blick, einen jüngeren, einen anders sozialisierten. Einen, der bestimmte Zielgruppen und ihre Stilwelten, ihre Art zu kommunizieren etc. besser versteht. Das ist auf jeden Fall eine enorme Bereicherung. Selbstverständlich sollen die Ergebnisse dieser Fact Finding Mission in eine Präsentation einfließen. In der Sie unter anderem auch sehr viel über diese MitarbeiterInnen lernen. Über ihre Stärken, auch über ihre Schwächen. Die MitarbeiterInnen selbst lernen ebenfalls viel dazu. Über sich selbst, über die Marken und Produkte, die sie verkaufen. Natürlich auch über ihre Arbeitgeber, die ihnen so einen Trip zutrauen und ermöglichen. Motiviationsschub garantiert! Diese MitarbeiterInnen sind innerhalb ihrer Community natürlich auch Multiplikatoren. Ein kleiner Boost also für das insgesamt nicht so tolle Image des Verkäuferberufs. Ganz ehrlich, das ist eine aufgelegte Win-winGeschichte. Und es kommt noch ein zusätzliches „Win“ dazu. Wenn nämlich viele erkennen, wie sinnvoll diese Investition in die „Human Ressources“ eigentlich wäre, dann erhöht sich auch wieder die Frequenz auf den Messen. Und das ist eine Steigerung, von der auch die Aussteller direkt profitieren. Denn das sind die Menschen, die ihre Produkte dann mit Begeisterung verkaufen und die Geschichten rund um diese Produkte kompetent vermitteln sollen. Womit wir also beim insgesamt vierten „Win“ angekommen wären. Die Veranstalter in Berlin könnten so eine wünschenswerte zukünftige Entwicklung aktiv fördern, indem sie dafür ein spezielles Pricing anbieten. Gute Idee? Ich bin fest davon überzeugt! Feedback ist mehr als willkommen! Ihr Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at

Eigentümer/Verleger/ Redaktion/Anzeigen UCM-Verlag B2B Media GmbH & Co KG Salzweg 17, 5081 Salzburg-Anif Österreich T 0043.6246.89 79 99 F 0043.6246.89 79 89 office@ucm-verlag.at www.ucm-verlag.at Geschäftsführung Stephan Huber Nicolaus Zott

Chefredaktion Stephan Huber – seit Beginn stephan.huber@ucm-verlag.at Martina Müllner-Seybold – seit 2000 martina.muellner@ucm-verlag.at Art Direktion/Grafik/Produktion Elisabeth Prock-Huber – seit Beginn elisabeth@ucm-verlag.at Autoren dieser Ausgabe Sabine Berlipp – seit 2001 Petrina Engelke – seit 2010 Isabel Faiss – seit 2007 Ina Köhler – seit 2003 Kay Alexander Plonka – seit 2007 Nicoletta Schaper – seit 2000 Joachim Schirrmacher – seit Beginn Quynh Tran – seit 2014 Veronika Zangl – seit 2017 Fotografen Bernhard Musil – seit 2008 Andreas Hechenberger – seit 2005 Marina Vorobyeva – seit 2017 Illustratorin Claudia Meitert – seit 2014 Bildbearbeitung Johannes Hemetsberger – seit 2017 Anouk Schönemann – seit 2005 Anzeigenleitung Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at Verlagsassistenz/Vertrieb Sigrid Staber – seit 2002 sigrid.staber@ucm-verlag.at Christina Hörbiger – seit 2005 christina.hoerbiger@ucm-verlag.at Lektorat Johannes Seymann – seit 2004 Übersetzung Manfred Thurner – seit 2013 Druck sandlerprint&packaging 3671 Marbach, Österreich Druckkoordination Manfred Reitenbacher – seit 2009

Nächste Ausgabe 10. Januar 2018


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