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#2/2018

„Wir sind Vollbluthändler.“

Susanne und Christoph Botschen, Susanne Tebartz

Lasst die Jungen ran! In vielen Unternehmen schlummern ungenützte Potenziale Mondpreise als Frequenzkiller Macht mich glücklich, aber nicht arm! Nummer sicher gibt es nicht Mode ist nicht Mathematik Pop-Kultur und Umsatzbringer Wie Sneaker immer neue Zielgruppen erobern

€ 15,00


ART INSTALLATION BY ANSELM REYLE

3 – 5 J U LY


T H E FA S H I O N AUTHORITY www.premiumgroup.berlin

2018 BERLIN


04 EDITORIAL

Mit beiden Füßen auf dem Boden Handel, das ist das Verstehen der Sehnsüchte und Wünsche von Kunden. Was zugegeben manchmal einem Blick in die Kristallkugel gleicht: So richtig vorhersehbar sind sie nicht. Eine gute Portion Bauchgefühl und Mut sind dringend nötig. „Die Kunden kaufen emotional für den Moment“, sagt Alexandra Schütz von Top Chic in Traunstein im Gespräch mit Martina Müllner-Seybold (Ground Control, ab Seite 34). „Sie suchen das Besondere“, ist Frauke Ortner von Ortner Womensworld und Ortner 1864 überzeugt. Dafür sind sie auch bereit, tief in die Tasche zu greifen – aber wie tief? Ein nachvollziehbares Preis-/Leistungs-Verhältnis ist wichtiger denn je. „Es liegt auf der Hand, dass ein Qualitätshemd für 79, 89 oder 99 Euro schneller zur Kasse läuft, als ein Hemd für 139 oder 149 Euro. Nur der Händler, der das einsieht, wird Kundenzuwachs generieren können“, bringt es Heiko Storz, der Mann hinter Fil Noir auf den Punkt. Doch wer meint, diese Preisgruppen mit Basics abdecken zu können, irrt: Nicoletta Schaper formuliert in ihrem Artikel (Mut ist eure einzige Chance!, ab Seite 40) die These deutlich: Das Besondere ist kriegsentscheidend. „Die Sortimente brauchen Spannung und Emotion“, so Patrick Ebnoether von Warehouse. „Das Basic-Geschäft ist ohnehin ins Netz oder zu den Vertikalen abgewandert.“ Aber statt Innovationen wird immer noch am liebsten die ewig gleiche dunkelblaue Jacke geschrieben. „So glaubt der Verkäufer auf der Fläche, dass die Marke doch immer nur das Gleiche macht“, sagt René Michaelis von Michaelis Fashion Agency. „Mit der Folge, dass seine Motivation in den Keller geht und kein Kunde gewonnen wird. Die dicken Pufferdaunenjacken à la Givenchy hat Zara schon längst erfolgreich auf der Fläche gezeigt, aber wir kriegen es kaum hin, sie für den nächsten Winter im Handel zu platzieren, da der Mut des Einkaufs fehlt.“ Des Rätsels Lösung liegt auf der Hand: Auch mal einen anderen Blickwinkel zulassen – zum Beispiel den junger Mitarbeiter. Elke Henschel, Head of Buying Ludwig Beck, baut auf die Jugend (Lasst die Jungen ran, ab Seite 44). „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, jüngere Mitarbeiter zu fördern und ihnen auch Verantwortung zu übertragen“, sagt sie. „Sie gehen anders ran an die Dinge, frisch und unvoreingenommen, ohne Vorgeschichte. Das möchten wir für Ludwig Beck nutzen. Auf der anderen Seite haben wir langjährige Mitarbeiter, deren Erfahrung zum Tragen kommt, wenn es schwierig wird, zum Beispiel, wenn Umsätze nicht laufen und ein Plan nicht wie gedacht aufgeht. Denn damit tun sich Jüngere schwer. Im Zusammenspiel unserer Mitarbeiterschaft zwischen Anfang 20 und 60 Jahren ist es umso wertvoller, dass jeder etwas beitragen kann.“ Die Conclusio ist, wie so oft, kein Entweder-oder. Nicht Bauch oder Kopf. Nicht Alt oder Jung. Sondern das Beste aus beiden Welten. Ein Motto, dem sich die Branchenrückkehrer Susanne und Christoph Botschen vollinhaltlich anschließen können (The Longview, ab Seite 18): Mit dem auf Luxus- und – wichtig – ContemporarySchuhe spezialisierten Onlinestore MarthaLouisa.com setzen sie auf Begehrlichkeit großer Marken genauso wie die Spannung weitest­ gehend unbekannter Labels. Ein Konzept, das mit Exklusivität genauso wie mit neuer Bodenhaftung überzeugt. Es braucht eben zwei Beine, um in Zeiten wie diesen fest auf dem Boden zu stehen. Viel Vergnügen beim Lesen wünscht, Coverfoto: Yorick Carroux

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Ihr Team von style in progress


visit www.marc-cain.com


06 INHALT

04 EDITORIAL

Mit beiden Füßen auf dem Boden

08 JETZT 50 FINDEN WIR GUT

THE LONGVIEW 18

18 „Wir sind ein Start-up-Familienunternehmen, allerdings mit massiver Erfahrung.“ Viel spannender als Frührente: Die Botschens wollen es mit MarthaLouisa.com noch mal wissen.

SO LÄUFT’S 26 Der Preis ist heiß Sind geerdete Preise die richtige Antwort? 34 Ground Control Ist Premium der neue Luxus? 38 „Der Kunde kann auf hohem Niveau vergleichen – über den Preis hinaus“ Fil Noir überrascht mit attraktiven Einstiegspreislagen. 40 Mut ist eure einzige Chance! Warum beherzter Einkauf jetzt so wichtig ist. 44 Lasst die Jungen ran! Neue Realitäten, neue Generationen, neue Chancen. 48 Unter neuer Flagge Die Bootsschuh-Ikone Sebago erfindet sich neu.

MODE 56 If the shoe fits Sneakers am Zenit? 34

VOR ORT 74 Der diskrete Charme der Bourgeoisie Coccodrillo Chaussures/Antwerpen 76 Expressive Menswear Elkel/New York 78 Frauenpower Schröcker Fashion/Salzburg 79 An-Gewand-te Männermode Kenner/Zürich 80 Russische Botschaft SVMoscow/Moskau 82 Kuratieren statt nur verkaufen No59/Köln 84 Shoppingdestination Zanon/Lienz 86 Die perfekte Welle L&T/Osnabrück

88 EDITOR’S LETTER

Das Digitale ist kein Paralleluniversum 80

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88 IMPRESSUM


S U M M E R PA N T S

alberto-pants.com


08

Jetzt Die Stiefel der Jubiläumsedition von Nobrand verbinden Vergangenheit und Gegenwart.

Nobrand Happy Birthday

Das portugiesische Schuhlabel Nobrand feiert 30-jähriges Bestehen. Seit drei Dekaden überzeugen die Sneaker und Lederschuhe für Frauen und Männer durch ausgezeichnete Qualität, guten Tragekomfort und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Unternehmen hinter der Marke mit Hauptsitz unweit der Hafenstadt Porto produziert bereits seit 1935 Schuhe im Norden Portugals. Während früher kleine und mittelständische Produzenten vornehmlich Auftragsarbeiten für große Schuhhersteller ausführten, haben sich

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mittlerweile die eigenen Marken international etabliert. Nobrand wirbt mit dem selbstbewussten Slogan „Handmade in Portugal with Love“ und wird u. a. in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Russland, Kanada, England, Japan, Deutschland und Österreich vertrieben. „In unserer Jubiläumskollektion interpretieren wir die Klassiker der Vergangenheit neu. Bei diesem Austausch trifft Geschichte auf kontinuierliche Evolution und es entstehen faszinierende Kreationen, die Tradition und Zukunft der Marke verbinden und widerspiegeln“, freut sich Sergió Cunha, CEO von Nobrand. Wir sagen: Parabéns pelo aniversário! www.nobrand.pt


Jetzt 09

Peuterey Die Ikonen

Jede Saison will ihre Besonderheiten – dem zollt die italienische Outerwearmarke Peuterey mit ihrer Capsule-Kollektion Icon Tribut. Die beiden Jacken der aktuellen Saison zeigen Peutereys Exzellenz in der Verarbeitung: leichte Baumwolljacken, wasserfest, imprägniert und von einer innovativen Technologie geprägt. Das Taping der Einzelteile macht es möglich, komplett auf Nähte zu verzichten. Die mit Laser zugeschnittenen Teile werden mit Tapes verklebt und anschließend unter Hitzeeinwirkung zusammengepresst. Das spart Volumen und Gewicht, verbessert die Wetterbeständigkeit und gibt zudem eine moderne Optik. Zusätzliche Features wie eine abnehmbare Kapuze, verschließbare Außentaschen, adjustierbare Ärmelabschlüsse oder verdeckte Zipps zahlen auf beides ein: die Optik und die Funktion. www.peuterey.com

Ein Erfolgsprojekt: die Peuterey CapsuleKollektion Icon.

Komplett aus Biobaumwolle: Dawn Denim setzt seinem Fairness-Gedanken noch eins drauf.

Dawn Denim Jeans 2.0

Sie darf in keinem Kleiderschrank fehlen: Jeans sind wohl der Inbegriff eines modischen Klassikers. Mit der Kölner Marke Dawn Denim erfährt dieser nun eine echte Evolution. Ganz nach ihrem Motto: „You can’t just wish for a better world, you must go out there and create it“ haben es sich die drei Gründer Ines Rust, Gabriel Fellsches und Marian van Rappard zum Ziel gesetzt, zu beweisen, dass eine Produktion in Fernost nicht zwangsläufig mit Ausbeutung gleichzusetzen ist. Dies gelang der Brand mit Produktionssitz in Vietnam so gut, dass sie sogar von der „Business Social Compliance Initiative“, einer Organisation zur Verbesserung der sozialen Standards in der weltweiten Wertschöpfungskette, zertifiziert wurde. Für die Herbstsaison präsentiert Dawn nun eine Capsule-Kollektion aus elf Modellen komplett aus Biobaumwolle. Ein weiteres Ziel der Marke ist, so wenig wie möglich nach 08/15-Jeans auszusehen. Geradlinige Schnitte und cleane Designs vereinen klassische Heritage-Einflüsse mit jeder Menge Innovationsgeist. Mit Preisen zwischen 50 und 65 Euro bei einer Kalkulation mit 2,8 besticht die Marke zudem mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Über Vertriebsagenturen wird der Ausbau des Händlernetztes forciert, ein eigener Onlinestore pusht die Sichtbarkeit des Produkts. www.dawndenim.com style in progress 218


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Ein Angebot an eine vielreisende Zielgruppe: die Urban-TravellerModelle von Alberto.

Alberto FashionMiles & More

Gestern Berlin, morgen London und übermorgen zum Meeting über den großen Teich. Der Terminplaner kennt keine Gnade, die Fashion von Alberto schon. Der Mönchengladbacher Hosenspezialist richtet sich mit der Urban-Traveller-Kollektion an stilbewusste Kosmopoliten. Für eine Kapselkollektion hat Alberto sein Know-how in Sachen bequemer, funktionaler und passgenauer Hosen auf den Punkt gebracht. Hightech-Verfahren machen

die Modelle extrem leicht, widerstandsfähig und knitterfrei. 360-Grad-Bi-Stretch sorgt für besondere Bewegungsfreiheit und atmungsaktive, schnelltrocknende Jersey-Qualität für UV-Schutz. Insgesamt umfasst das Urban-Traveller-Programm vier Hosen, die Klasse und Komfort vereinen und sich hervorragend kombinieren lassen. Die Kernidee: Eine echte Lieblingshose, die nicht nur in der Reiselounge eine gute Figur macht, sondern auch beim Meeting danach. Urban Traveller ist ab Herbst 2018 im Handel erhältlich. www.alberto-pants.com

Burlington x Brosbi Mit Herz und Socke

Rails Bessere Preise

Alles in einer Hand: Die Contemporary-Marke Rails aus Los Angeles, die im deutschsprachigen Markt über die Modeagentur Benabou vertrieben wird, arbeitet jetzt direkt mit der Düsseldorfer Agentur – ohne weitere Zwischenstufe auf Vertriebs- und Logistikebene – zusammen. „Wir haben seit dem Saisonstart sehr viel positives Feedback von unseren Kunden bekommen“, sagt Regis Benabou. „Besonders erfreut wurde die Nachricht aufgenommen, dass die EK-Preise im Vergleich zur letzten Wintersaison um durchschnittlich fünf bis zehn Prozent gesunken sind, da wir die Vertriebsstrukturen vereinfachen konnten und auch die Logistik in die eigenen Hände genommen haben.“ Darüber hinaus wurde das modische Angebot, zusätzlich zu den Blusen und Tops, um Strick, Loungewear, Röcke, Kleider und Jacken erweitert. Pro Saison gibt es vier Kolllektionen und zwei Capsules, wobei die Pre-Kollektion für Frauen im Herbst 150 Teile umfasst. In den kommenden Jahren möchte Markengründer und CEO Jeff Abrams sowohl die Damen- wie auch die Herrenlinie weiter ausbauen und eigene Läden in Los Angeles und New York eröffnen. „Wir fokussieren uns darauf, unsere Kunden über neue Wege via Website und durch unsere direkten Verbindungen zu den internationalen Märkten zu erreichen“, so Jeff Abrams. „Wir haben großartigen Traffic auf unserer Site in Deutschland und wissen, dass wir Kunden haben, die unsere Produkte lieben.“ www.railsclothing.com 218 style in progress

Eine gute Portion Humor und Selbstironie: Burlington und Brosbi machen gemeinsam Socken.

Die Erfolgsstory von Rails begann mit einem Hut. Heute hat die Marke 1.500 Verkaufspunkte in 50 Ländern.

Wer bei Burlington nur an das traditionelle Argyle-Muster nach urschottischem Vorbild denkt, liegt falsch. Längst sind die Socken mit vielen verschiedenen Mustern und außerdem in allen erdenklichen Farbnuancen von grellen Neon- bis hin zu kräftigen Knallfarben erhältlich. Camouflage-Kombinationen gibt es genauso wie spektakuläre Neuinterpretationen des Argyle-Musters. Und neben klassischen Socken und Kniestrümpfen hat die Kollektion mittlerweile kurze Sneakersocken oder flache Füßlinge zu bieten. Natürlich dürfen bei einer ernst gemeinten Verjüngungskur auch Kooperationen mit renommierten Streetund Urbanwear-Labels nicht fehlen. Was wäre naheliegender als gleich eine Zusammenarbeit im Bereich Contemporary Classics einzugehen? Die Brüder Yves-Oliver und Dennis Wilke gründeten 2012 ihr Label Brosbi, das nicht zuletzt dank der Icon-Serie mit Stickereien wie Eis am Stiel, explodierenden Bomben, roten Herzen oder lustigen Hotdogs längst Kultstatus bei Händlern und Fans erlangt hat. Zur Wahl stehen Socken aus Wolle oder Baumwolle, die statt des Burlington typischen Metal Clips ein eingesticktes Herz oder ein Victory Zeichen an derselben Stelle tragen. www.brosbi.com, www.burlington.de


Jetzt 11

Ante Brekalo möchte mit seinem Team bei Ben and die Auftritte der Marken am PoS unterstützen.

Save the Duck Bereit, zu wachsen

Im März war die Tinte trocken: Nicola Bargi, CEO von Save the Duck, hat mit einer Beteiligung durch einen Investor die nächste Stufe im Wachstum der Marke gezündet. Der neue Mehrheitseigentümer heißt Progressio und ist in der Branche kein Unbekannter: Zuvor war der italienische Finanzinvestor bei Moncler investiert. Mit diesem Funding soll die Expansion der Marke Save the

Duck vorangetrieben werden – unter anderem mit eigenem Retail. Der erste Store ist 2018 in Mailand geplant, New York, Tokio und London sollen folgen. Der Ladenbau folgt den Prinzipien der Marke und ist zu einhundert Prozent nachhaltig. Doch mehr noch: Save the Duck will in den eigenen Stores auch mit dem Saisonmodell brechen: „Jeden Monat werden neue Modelle in die Läden kommen, die sich in Funktionalität, Gewicht und Materialien unterscheiden“, so Nicola Bargi. www.savetheduck.com

Ben and Support am PoS

Neue Finanzkraft gibt der Ente einen Wachstumsschub: Save the Duck hat mit Progressio einen strategischen Investor an Bord. Filippo Gaggini und Nicola Bargi.

Weber + Weber Tour de Shop

Ben Botas hat innerhalb seiner Agentur Ben and eine neue Abteilung gegründet, um die Flächen der Agenturmarken in den Departmentstores optimal betreuen zu können. „Ein Team unter Ante Brekalo, der vorher unter anderem Sales Manager D-A-CH für Moncler und Retail Buyer für Prada war, ist am 1. April gestartet und kümmert sich um Visual Merchandising, Staff Training und Sales Performance Increase“, so Ben Botas. „Darüber hinaus wird Ante Brekalo genereller Ansprechpartner für die Departmentstores sein, um unseren Marken die bestmögliche Darstellung am Point of Sale zu ermöglichen.“ Das betrifft beispielsweise Flächen bei Händlergrößen wie Engelhorn, Oberpollinger, KaDeWe, Breuninger, P&C, L&T sowie Ludwig Beck. Die Agentur betreut unter anderem Kollektionen wie Moose Knuckles, NA-KD, Mason’s, Filippa K, 81Hours und Juicy Couture und ist in Deutschland mit Showrooms in München, Düsseldorf und Berlin vertreten. www.ben-and.com

Als wäre man als Fashion-Start-up nicht schon genug auf Reisen: Christian und Manuel Weber, Inhaber des Slow-Fashion-Labels Weber + Weber, drehen derzeit den Kilometerstand ihres Autos hoch. Sowohl bei neuen als auch bei etablierten Handelspartnern wird Station gemacht, um das Gespräch zu suchen, Events abzuhalten und das Personal zu schulen. Im Gepäck haben die beiden erstmals eine kleine Capsule-Kollektion, Timeless Travel mit Auslieferung im September. „Wunderbare, reiche, interessante Teile, die wir gemeinsam mit Partnern wie der Tintoria Emiliana umgesetzt haben. Mit diesem zusätzlichen Liefertermin im September wollen wir unseren Händlern die Möglichkeit geben, die Bestseller noch einmal modisch upgedatet zu bestellen“, erklärt Christian Weber das Prinzip. Und siehe da: Unter den Bestsellern findet sich auch ein Damenmodell, auch wenn die Webers ihren Fokus nach wie vor auf die Herrenkollektion gerichtet halten. www.weberweber.it

Manuel und Christian (re.) Weber auf Tour: Mit der Capsule-Kollektion Timeless Travel ergänzt Weber + Weber sein Angebot.

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Jetzt Agenturen Vestitus C.P. Company neu im Portfolio

Heritage Agents Italienische Neu­ entdeckung

Zum 1. April startete das Team rund um Malte Kötteritz und Michael Brockmann mit einem neuen Partner und Spezialisten für Herrenhemden im Premiumsegment in die Saison: dem traditionellen Hemdenunternehmen Bagutta aus Mailand. „Für uns war es an der Zeit, der Anspruchshaltung unserer Kunden in Bezug auf hochqualitative Hemden mit einer entsprechenden Marke nachzukommen und uns nach vier Jahren von Xacus zu trennen“, erklärt Malte Kötteritz. Bagutta entdeckten die beiden Agenturinhaber über einen gemeinsamen Bekannten, Mario Maran, der zuvor viele Jahre für Boglioli und PT tätig war und als Commercial Director bei Bagutta seit rund einem Jahr die Marke entscheidend weiterentwickelt hatte. „Auf dem letzten Pitti Imagine Uomo in Florenz hat man die Tendenz schon gesehen, wohin sich Bagutta entwickelt. Dass bereits erste Kunden wie Dantendorfer in Salzburg, Lodenfrey in München und Braun in Hamburg Kunden sind, spricht außerdem für sich“, sagt Malte Kötteritz. Die Kollektion ist mit vier Linien breit aufgestellt und bedient beispielsweise mit der Linie Matteucci mit EK-Preisen zwischen 28 und 38 Euro Einstiegspreislagen. Besonderes Highlight ist die Capsule-Kollektion bestehend aus elf Designs, die Stilikone Alessandro Squarzi exklusiv für Bagutta entwarf. Für den Launch dieser Capsule fand Anfang bis Mitte April eine Schaufensteraktion bei Lodenfrey in München statt, gefolgt von einem Pop-up-Store am 13. und 14. April. Labels: Bagutta, Lardini, Matteucci, Mey Story, PT Heritage Agents, München/Deutschland, office@heritage-agents.com, www.heritage-agents.com

Neu im Showroom des VestitusTeams: C.P. Company.

Ab der Saison Frühjahr/Sommer 2019 übernimmt Vestitus den Vertrieb der Marke C.P. Company für Deutschland und Österreich. „Damit bekommen wir ein Produkt, das sich perfekt in unser bestehendes Markenportfolio einfügt“, erklärt Agenturinhaber Volker Haertel. C.P. Company wurde 1971 von Kultdesigner Massimo Osti gegründet, damals noch unter dem Namen Chester Perry, einer Figur aus Ostis Lieblingscartoon. C.P. Company steht heute vor allem für innovative Färbetechniken und hat den Garment-Washed-Look unter den Topmarken dieser Welt eingeführt. Ein Iconic Piece der aktuellen Kollektion ist die C.P. Company Mille Miglia Goggle Jacke, produziert für die Fahrer des Mille Miglia Oldtimer-Straßenrennens in Italien. Neben diesem Neuzugang entwickeln sich auch die anderen Marken im Portfolio der Agentur stetig weiter. Antonelli setzt für den Sommer 2019 hauptsächlich auf florale Chiffon-Prints und zarte Seidenkleider mit Millefleur-Dekor in prachtvollen Farben. Tortona 21 präsentiert Jersey-Themen mit Strickdetails, sommerliche Tops und Shirts mit wertvollen Cash­ mere-Elementen. Und die Kollektion von Fedeli bleibt ihrem Motto Pure made in Italy treu und richtet mit hochwertigen Strickteilen, Polos und farbenfrohen Badeshorts eine kleine Hommage an das Italien der 1950er- und 1960er-Jahre. Labels: Antonelli, C.P. Company, Fedeli, Finamore, Herno, Jacob Cohën, L.B.M., Olivieri, Santoni, Tortona 21, WLNS Vestitus GmbH, Düsseldorf/Deutschland, info@vestitus.er, www.vestitus.eu

Sneaker von Ecoalf aus recycelten Gummireifen und Fischernetzen.

Room with a view Upcycling

Seit sechs Saisons ist das Team von Room with a view rund um Inhaber Christian Obojes mit dem Vertrieb des spanischen Labels Ecoalf für Österreich betraut. In Deutschland ist Niels Garbe von der Agentur Anotherproject aus Berlin für diese Marke verantwortlich. Das Label aus Madrid macht mit dem eindringlichen Aufruf „There Is No Planet B“ auf den Handlungsbedarf in der Textilbranche aufmerksam. Die Jacken, Taschen, T-Shirts und Sweatshirts von Ecoalf sind allesamt aus recyceltem Material wie Fischernetze, PET-Flaschen, Wolle, Baumwolle, Autoreifen oder Kaffeesatz gefertigt. Der Plastikmüll wird Mithilfe von Fischern überall auf der Welt aus dem Meer gefischt und wiederverwertet. Besonderes Augenmerk sollte den Sneaker gelten, die zum einen besonders leicht und zum anderen mit VK-Preisen zwischen 79 und 99 Euro vergleichsweise preisgünstig sind. Kunden sind u. a. One in Innsbruck, Schönherr in Neustift, Steffl in Wien, Magazin in Graz, Gschwantler in Kirchberg und Kitzbühel und Kastner & Öhler in Graz. Labels: 7 for all Mankind, Alto, Aos, Arkk, Better Rich, Ecoalf, Hanky Panky, Happy Socks, Holubar, Lauren Moshi, Moon Boot, Moose Knuckles, Osvaldo Trucci, Pomandere, R13, RRD, Stand, Steamery, Steven K, Swell, The White Brand, Veja, Warm Me, White Sand, Xacus Room with a view, Salzburg/Östereich, office@roomwithaview.at, www.roomwithaview.at Der italienische Hemdenspezialist Bagutta ist seit April neu bei den Heritage Agents.

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Jetzt Agenturen 13

Die Hinterhofagentur Good Vibration

„Die erste Saison haben wir erfolgreich in unserem neuen Showroom hinter uns gebracht. Die positive Ausstrahlung der Räume gefiel unseren Kunden sehr gut“, sagt Dominik Meuer von der Hinterhofagentur. Auch das Ergebnis war am Ende für alle erfreulich, denn vor allem die Kollektionen Des Petits Hauts, Bob und der Neuzugang Manuel Ritz entwickelten sich mit überzeugenden Komplettkonzepten deutlich nach oben. Das sei auch an den Nachbestellungen aus dem Lager für die Saison Frühjahr/Sommer 2018 sehr gut zu spüren. „Wir sind schon wieder mittendrin, die kommende Frühjahr-/Sommer-Saison 2019 zu organisieren. An unserem Produktmix werden wir weiter feilen, wobei die wichtigen Brands gesetzt sind und weiter ausgebaut werden. Zum Beispiel werden wir als Pre-Kollektion von Manuel Ritz im Mai eine Anlasskollektion mit Lieferzeitpunkt Dezember anbieten. Die teilweise Neuausrichtung des Spezialstrickers Wool & Co wurde auch sehr positiv aufgenommen. Die Überraschung war die Damen-Capsule von Wool & Co, die ebenso gut ankam“, sagt Dominik Meuer. Weitere Neuzugänge seien geplant, diese müssten allerdings ziemlich hohe Standards in Produkt, Abwicklung und Professionalität erfüllen. „Die Bereitschaft, mit uns gemeinsam auf dem deutschsprachigen Markt erfolgreich sein zu wollen, muss wirklich ausgeprägt sein. Unser Motto ist zusammenarbeiten, zuhören, verändern!“ Labels Women: Cape Horn, Des Petits Hauts, Ginger and Ruby, Lab Dip, My Sunday Morning, Rose and Rose, The Jacksons, Wyse London Labels Men: Bob, Cape Horn, Koike, Manuel Ritz, Portofiori, Uniform Jeans, Wool & Co Die Hinterhofagentur, München/Deutschland, info@diehinterhofagentur.de, www.diehinterhofagentur.de

Die Erfolgsstory der Hinterhofagentur mit der Kollektion von Des Petits Hauts geht weiter.

Urban Outdoor: Die Boots von Danner verbinden klassische Optik mit Funktions­ anspruch.

Anotherproject Keine Kompromisse

Das schwedische Unisex-Label Appletree wurde 2015 von dem Designerduo Sandberg und Murray in Stockholm gegründet. Ein Jahr lang haben sie das Produkt entwickelt und ein weiteres Jahr damit verbracht, Produzenten zu finden, die ihrem Primat der Qualität gerecht werden. Mit Appletree gehen die beiden keine Kompromisse ein, wenn es um Passform, Material und die Herstellung der Produkte geht. Alle Hemden werden in Norditalien gefertigt. Zum Einsatz kommen feinste ägyptische Baumwolle in Kombination mit Seide, die am Comer See gesponnen wird. Die Verkaufspreise für Unisex-Hemden liegen zwischen 325 Euro für eine kurze Variante und gehen über 600 Euro für eine lange Ausführung im Kaftan-Stil bis hin zu 750 Euro für ein Shirt aus reiner Seide. Die zehnteilige Jeanskollektion wird aus japanischem Denim in Italien gefertigt. Verkaufspreise dafür liegen je nach Waschung zwischen 220 und 400 Euro. Etwas preisgünstiger sind die Hemden und T-Shirts aus der neuen Recyclingkollektion. Labels: Appletree, Ecoalf, Inis Meáin, Norwegian Rain, T Michael Anotherproject GmbH, Berlin/Deutschland, T 0049.178.5983400, niels.garbe@anotherproject.de, www.anotherproject.de

Agentur Treibstoff Outdoor Lifestyle

Neuester Zugang im Portfolio von Fred Bschadens Agentur ist die Lifestylelinie der amerikanischen Schuhmarke Danner, die er in der gesamten D-A-CH-Region vertritt. Charles Danner gründetet 1932 seine kleine Schuhfabrik in Chippewa Falls, Wisconsin und zog vier Jahre später zum heutigen Hauptsitz der Marke nach Portland in Oregon um. Seine Boots sind bis heute bei Wanderern und Abenteurern auf der ganzen Welt beliebt. Neben den klassischen Made-in-USA-Modellen aus kräftigem Leder und markanten Bergschuhschnürung gibt es zahlreiche leichte Varianten u. a. mit Goretex im Urban- und City-Look, allesamt mit kernigen Vibram-Sohlen ausgestattet. Die Lifestylekollektion beinhalten rund 40 Modelle für Frauen und Männer zu VK-Preisen zwischen 160 und 400 Euro mit Kernpreislagen um 200 Euro bei einer 2,4er-Kalkulation. Kunden sind bereits Sport Schuster, Engelhorn, Möller und Möller in Hannover, Thomas i Punkt, Zeitzeichen, Ralf’s Fine Garments sowie Kevin in the Woods und Esperanto in Zürich. Labels: Danner, Grenfell, Solovair Agentur Treibstoff, 80796 München/Deutschland, info@agenturtreibstoff.com www.agenturtreibstoff.com

Die Unisex-Hemden von Appletree gibt es in unterschiedlichen Längen.

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14 Jetzt Agenturen

Wunschnaht Mehr Nach­ haltigkeit

Das schwedische Label Sandqvist wurde 2004 gegründet und ist für seine schlichten, funktionalen und zeitgemäßen Rucksäcke, Schultertaschen und Weekender bekannt. Kernpreislagen sind 119 bis 229 Euro. Ab Herbst 2018 kommt nur noch Biobaumwolle bei all ihren Canvas-Produkten und recycelte Fasern bei den synthetische Materialien zum Einsatz. „Das ist ein wichtiger und bedeutender Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Produktion“, erklärt Sebastian Westin, Mitgründer und Brand Manager von Sandqvist. „Wir kaufen die Baumwolle in Indien direkt ein, um sicherzustellen, dass das Geld den Bauern und ihren Familien zugutekommt. Wir wollen das alle, die an der Herstellung unserer Produkte mitarbeiten, fair bezahlt werden und weder der Mensch noch die Umwelt mit giftigen Stoffen belastet werden.“ Neu ist zudem die eigenständige Kollektion Femme mit Lederhandtaschen, -rucksäcken und Businesstaschen mit Verkaufspreisen von 149 bis 399 Euro. Die Kalkulation liegt bei 2,5. Die meisten Modelle sind im Lagerprogramm erhältlich mit der Möglichkeit für Nachbestellungen. Kunden sind u. a. KaDeWe, Dipol und der Scandi Club in Bayreuth. Labels: Anderson’s, Cote & Ciel, Edwin, Lyle & Scott, Oliver Spencer, Sandqvist, Tangent GC, The One Goods Wunschnaht, Offenbach/Deutschland, info@wunschnaht.de, www.wunschnaht.de

Leichte HikingSneaker von Ridgemont für den Alltag.

Panorama Europe Stadt, Land, Fluss

Bei Ridgemont dreht sich alles um die Kombination aus Funktionalität und Design. Das Ziel sind gutgemachte und einfach gestylte Schuhe, mit denen man wandern, aber auch zur Arbeit gehen kann. Der Hauptsitz der Marke ist in England, das Design entsteht in Kalifornien. Die Marke gehört Alex Hall und Stacy Lowery. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde zunächst nur die Herrenkollektion mit fünf Modellen in bis zu jeweils drei oder vier Farbstellungen angeboten. Ab Frühjahr/Sommer 2019 wird es auch eine Damenkollektion geben. Die Verkaufspreise liegen zwischen 120 und 180 Euro bei einer 2,7er-Kalkulation. Neben Modellen aus Leder und Leder-Synthetik-Mix gibt es zudem Varianten mit Sympatex-Membran, die dafür sorgt, dass beim Durchqueren von Pfützen, nassen Wiesen oder kleinen Bächen die Füße trocken bleiben. Die Schuhe sind nicht für den hochalpinen Bereich konzipiert, sondern verbinden Komfort und Stabilität eines Wanderschuhes mit zeitgemäßer Optik. Die verwendeten Sohlen ermöglichen problemlos leichte Touren oder Spaziergänge auf unbefestigtem Terrain. Zu sehen ist die Kollektion auf der Panorama in Berlin und auf kleinen Regionalmessen in Südwestdeutschland. In diesem Gebiet ist die Agentur Blacksales von Marc Schwarz für den Vertrieb verantwortlich. Labels: Airforce, Espadrij l’Originale, Le Mont St. Michel, Menil, Paraboots, Pyrenex, Ridgemont, Schott NYC Panorama Europe GmbH, Düsseldorf/Deutschland, mail@panorama-europe.eu, www.panorama-europe.eu

Premium Brand Group Der nächste Schritt für Derek Rose

Auf den vergangenen Messen in Florenz im Januar präsentierte Erika Palese bereits die zweite Ressortwear-Linie der Marke Derek Rose, nachdem sich die erste Kollektion, die im Juni 2017 in den Verkauf gestartet war, sehr erfolgreich positionieren konnte. „Nach den Erfolgen in der Homewear-Linie von Derek Rose war das einfach der konsequente nächste Schritt. Im Zentrum der Kollektion stehen eine Herrenbadeshort und eine Badehose, um die herum eine Kollektion mit Leinenshirts, T-Shirts und Bermudashorts das Thema abrunden. Die VK-Preise liegen zwischen 140 und 170 Euro und die Kalkulation ist mit 2,7 bis 2,8 ganz attraktiv“, sagt Erika Palese. Im April folgt nun die erste Auslieferung der High-Sommerkollektion für Juni 2018. Labels: Begg & Co, Derek Rose, Les Ottomans, Nobis, The Bespoke Dudes Eyewear, Woods Premium Brand Group, München/Deutschland, office@premiumbrandgroup.de, www.premiumbrandgroup.de

Mehr Fokus auf die Frauen: Sandqvist startet die eigenständige Kollektion Femme. Die neue Ressortwear von Derek Rose konnte erfolgreich bei den ersten namhaften Kunden platziert werden.

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Jetzt Agenturen 15

Mosaic Sales Neues Life­ stylelabel aus Frankfurt

Anfang Juni 2018 wird in Frankfurt das neue Lifestylelabel MDLR gelauncht. Treibende Kraft hinter der Marke ist Marco Lachner, Creative Director bei Jost Bags und Mitgründer von MDLR. Er verfügt über 20 Jahre Branchenerfahrung und war u. a. für Homeboy, Levi’s, Vaude, Kangaroos und Birkenstock tätig. Mit MDLR erfüllt sich Lachner einen langgehegten Traum: „Seit einer gefühlten Ewigkeit schon suche ich die perfekte Tasche. Eine, die nicht nur Style hat, sondern auch ganz praktisch zu mir passt. Also beschloss ich, einfach selbst eine zu entwickeln“, erklärt Lachner der dabei von befreundeten Designern, Fotografen, Künstlern und Verkaufsprofis unterstützt wird. Ausgelegt auf praktische Modularität, können mittels einem hochwertig-robusten Stecksystem Taschen und Accessoires unterschiedlicher Größe je nach Bedarf und Anforderung im Handumdrehen kombiniert werden. MDLR wurde weltweit in mehr als 36 Ländern als Trademark geschützt, unter anderem in Japan, China, den USA und Korea. Labels: BLVD, Central, Dirty Ghetto Kids. Doughnut, For The City, Gold, Huf, Lakai, Makia Clothing, MDLR, Primitive, The Quiet Life, Western Edition, WKND Mosaic Sales, Begoni GmbH & Co.KG, Gießen/Deutschland, info@mosaic-sales.com, www.mosaic-sales.com

Hier und jetzt: MDLR steht für funktional-modulare Taschen, Apparel und urbane Accessories.

Brandpool Hier und Jetzt

Maison030 ist ein Newcomer Label, das 2017 von Sofiane Benbrahim und Jeromin Blank in Berlin gegründet wurde. Das Ergebnis ist eine junge Marke, die das Jetzt auf raffinierte Weise umsetzt. Die erste Kollektion Kombiniert Streetwear mit Prêt-à-porter-Einflüssen. Die Macher wollen das Beste aus beiden Modewelten vereinen und qualitativ hochwertige Unisex-Produkte auf einem Mainstreampreisniveau anbieten. Die Rund 60-teilige Kollektion beinhaltet Denims, Chinos und Mäntel. Sweatshirts gibt es zu Verkaufspreisen ab 85 Euro, Hoodies ab 100 Euro und T-Shirts ab 45 Euro bei einer 2,6er-Kalkulation. „Die Verarbeitung hochwertigster Materialien in Kombination mit perfekten Passformen manifestiert unseren Qualitätsanspruch“, erklärt Sofiane Benbrahim. Schon vor Kollektionslaunch war Maison030 mehr als ein Geheimtipp, rund 5.000 Fans folgen den Berlinern bereits auf Instagram. Labels: Alpha Industries, Arkk, Daily Paper, Deus, Filling Pieces, Happy Socks, Hi-Tec, Hysteria, J. Legacee, Krakatau, Maison030, Nudie Jeans, Profound Aesthetic, Stutterheim, Tom Wood Brandpool GmbH & Co. KG, 63071 Offenbach am Main/ Deutschland, customerservice@brandpool.biz

Neuester Zugang im Portfolio von Brandpool ist das Berliner Label Maison030.

Aco Modeagentur Handwerkskunst aus Florenz

Mit der hochwertigen Premiumtaschenkollektion Gianni Chiarini aus Florenz startete das Team von Aco in Salzburg bereits zur Saison Herbst/Winter 2018 – und kann bereits von zwei Topsellern der Kollektion sprechen: Ein Kultobjekt ist das Modell Elettra, das in der kommenden Saison in einer noch größeren Farbpalette angeboten wird. Die enorme Bandbreite unterschiedlicher Farben ist übrigens eine Stärke, die der Marke in ihre DNA mit hineingewoben wurde. Das zweite ist Sophia Bucket, ein sehr edles Modell mit Goldkette. Mit der Marke GUM by Gianni Chiarini bedient die Agentur auch den Nicht-Leder-Bereich, denn alle Taschen sind aus veganem Eco-Leder gefertigt. In der Kollektion Marciano Los Angeles gibt es wieder eine aktuelle Capsule-Kollektion gemeinsam mit Jennifer Lopez, die im April und Mai ausgeliefert wird. Ansonsten bleibt das Line-up der Agentur unverändert stark und das Team freut sich auf die bevorstehende Order- und Messesaison. Labels: Camicissima, Erdbär, Gianni Chiarini, Gum Gianni Chiarini Design, Ishikawa, Just Cavalli, Maliparmi, Marciano Los Angeles, Napapijri, Pinko, Riani, Steffen Schraut, Trussardi Jeans & Accessoires, Versace Jeans, Ventcouvert Aco Austria, Salzburg/Österreich, salzburg@acomode.at, www.acomode.at

Das Taschenmodell Elettra ist ein Klassiker jeder Gianni-Chiarini-Kollektion und hat sich bereits zu einem der Top­seller entwickelt.

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Premium, Seek, Show & Order, Fashiontech Mehr Internationalität

Die drei treibenden Kräfte hinter den Veranstaltungen der Premium Group sind „Content, Commerce and Community“. Neu ist ein Collaboration Space in der Halle 2 der Premium, in dem Marken ihre Produkte, die in Zusammenarbeit mit anderen Marken, Designern, jungen Talenten, Musikern oder Künstlern entstanden sind, ausstellen können. Schon bei der vergangenen Premium im Januar hatte Superga kleine Editionen von jungen Designtalenten wie Julia Seemann und Kenneth Ize dem Messepublikum präsentiert, die jetzt im Sommer bei Galeries Lafayette den Endverbrauchern gezeigt werden. Gemeinsam mit dem Fashion Council Germany arbeitet die Premium Group nun außerdem daran, Budgets zu generieren, um internationale Topeinkäufer nach Berlin einladen zu können. Eine Praxis, die in anderen Ländern längst gang und gebe ist und seit Jahrzehnten z. B. in Italien von Wirtschaftsverbänden oder Ministerien gefördert wird, konnte bisher in Berlin, zum Nachteil der Internationalität der Messen, nicht realisiert werden. Darüber hinaus wird die Partnerschaft mit der Messe Frankfurt im Hinblick auf die gemeinsamen Konferenz- und Vortragsreihen sowie dem Industry Insights Event am Vorabend weiter ausgebaut. Das Thema der nächste Seek Edition lautet Destination. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen unverwechselbare Berliner Attraktionen, die von Fotograf Johannes Böttge im Seek typischen Stil interpretiert wurden. Außerdem erwarten die Besucher weitläufigere Außenflächen, das legendäre Dachterassen-Barbeque in Kooperation mit den Stores Patta aus Amsterdam und 24 Kilates aus Barcelona. Kurz: Eine Arbeitsatmosphäre, wie man sie sonst nur im Sommerurlaub am Strand vorfindet. 3. bis 5. Juli 2018, www.premiumexhibitions.com

Die Premium Group will mehr internationale Topeinkäufer nach Berlin holen.

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Die Panorama Berlin erweitert im Sommer das Angebot um eine Vielzahl von Segmenten.

Panorama Neue Plattformen

Die kommende Veranstaltung der Panorama Berlin steht unter dem Motto Connecting Communities. „Das Fashionbusiness bleibt ein People’s Buisness. Neben der frühen Sichtung der kommenden Trends, bleibt der Austausch der Branche untereinander unverzichtbare USP der Panorama Berlin“, sagt Jörg Wichmann, CEO Panorama Berlin. Durch die Integration von Schuhen und Accessoires sowie Lifestyleartikeln, die ab diesem Sommer in stilistisch homogenen Welten gemeinsam präsentiert werden sollen, will die Panorama ihr Spektrum erweitern. „Das positive Feedback seitens der Aussteller und Besucher bezüglich der neuen Hallenaufteilung und der Erweiterung der Lifestyleflächen auf alle Segmente hat unser Konzept bestätigt. Die Integration von Schuhen und Accessoires mit der Sommersaison 2019 unterstreicht die jeweiligen Themenwelten und rundet diese sinnvoll ab“, erklärt Wichmann und fügt hinzu: „Der Bereich Xoom für nachhaltige Mode wird nach erfolgreicher Premiere im letzten Januar nun um eine Halle mit insgesamt 3.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche erweitert. Der große Erfolg dieser Area, die wir in Partnerschaft mit Innatex bespielen, zeigt die stetig wachsende Nachfrage, die dieses wichtige Thema zu Recht erfährt.“ Außerdem erhält die Denim- und Casual-Halle Nova einen neuen Ableger mit Namen Nova Court. Hier werden auf 3.600 Quadratmeter in der benachbarten Halle rund 60 Marken aus den Bereichen Athleisure, Sportsfashion, Yoga und Beachwear ausstellen. Das neue Format Retail Solutions ist als Plattform zur Optimierung des stationären Einzelhandels konzipiert. Von digitalen Lösungen über gastronomische Franchisekonzepte bis hin zu Ladenbau und Merchandisinganbietern werden hier Dienstleister und Tools, die den Handel mit der Mode auf Touren bringen, gebündelt. Geplant sind Panel-Talks und Vorträge, die den Besuchern neue Einblicke und Ideen vermitteln sollen. 3. bis 5. Juli 2018, www.panorama-berlin.com


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Munich Fabric Start & Munich Apparel Source Plattform für Interaktionen

Parallel zur Munich Fabric Start findet in enger Anbindung die zweite Ausgabe der Munich Apparel Source statt. Dieses Konzept wird durch die große Nachfrage auf Anbieterseite bestätigt. Das MOC sowie das Zenith Gelände sind voll ausgebucht. Insgesamt werden über 1.200 Anbieter in München sein und ein breites Angebot an Fabrics- und Additionals-Kollektionen für Herbst/Winter 2019/20 sowie die neuesten Prozesslösungen, Fertigungsmethoden und Serviceleistungen in den Bereichen Manufacturing und Sourcing vorstellen. „Wir sind überzeugt, dass

aufgrund der immer stärkeren Verzahnung der Märkte und dem zunehmenden Einfluss der Digitalisierung die komplette Darstellung eines verlässlichen Beschaffungsmanagements wichtiger denn je ist“, erklärt Sebastian Klinder. Dazu ergänzt Wolfgang Klinder, Managing Director Munich Fabric Start: „Hier setzen wir an und bieten mit zwei sich ergänzenden Messen eine professionelle, zuverlässige und qualitativ anspruchsvolle Plattform am Messestandort München.“ Zudem wird die zweite Auflage der Patterns X.0-Konferenz stattfinden, bei der internationale Experten und Global Player der Beschaffungsindustrie einen strategischen Ausblick auf zentrale Marktentwicklungen und wichtige Beschaffungsmärkte der Zukunft geben. 4. bis 6. September 2018, Bluezone 4. bis 5. September 2018, View Premium Selection 17. bis 18. Juli 2018, www.munichfabricstart.com

Netzwerkplattform und Inputgeber: Die Munich Fabric Start stellt sich neuen Aufgaben und Herausforderungen.

Paul Surridge zeigt seine erste Männerkollektion für Roberto Cavalli zum Saisonauftakt in Florenz.

Pitti Immagine Uomo Special Guest Designer

Zur 94. Ausgabe des Pitti Uomo zeigt Roberto Cavalli in Florenz die erste Männerkollektion, die vom neuen Creative Director Paul Surridge designt wurde. Gian Giacomo Ferraris, CEO der Roberto Cavalli Group: „Florenz ist die Heimat von Cavalli. Hier wurde die Marke geboren und so ist es selbstverständlich, dass wir die Einladung gerne annehmen, um den Relaunch der Marke und das Debüt von Pauls Männerkollektion für Roberto Cavalli in dieser Stadt zu begehen. Das wachsende MenswearSegment bietet signifikante Gelegenheit für unser Business. Pauls Talent, seine Vision und seine Erfahrung im Kontext mit dem Pitti Uomo bilden die perfekte Plattform zur Entwicklung der Menswear.“ Und auch Raffaello Napoleone, CEO des Pitti Immagine, freut sich: „Die Zusammenarbeit von Roberto Cavalli und dem Pitti begann vor fast 20 Jahren. Die Fashionshow während des nächsten Pitti Uomo markiert die Rückkehr eines der großen Namen der italienischen Mode, der wie kaum ein anderer Florenz zur weltweiten Fashionmetropole gemacht hat. Gleichzeitig ist es der Beginn einer neuen Epoche der Marke unter der Leitung von Paul Surridge als Creative Director. Wir freuen uns ganz besonders, ihn als Special Guest im Juni begrüßen zu dürfen und über das großartige Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Roberto Cavalli Group.“ 12. bis 15. Juni 2018, www.pittimmagine.com

Stilechte Architektur und originalgetreues Interieurdesign: das Palais am Funkturm.

Selvedge Run Mehr Platz

Erneuter Umzug: Die siebte Ausgabe des Selvedge Run findet im Palais am Funkturm statt. „Wir nutzen den Fahrtwind der erfolgreichen Winterveranstaltung und beziehen im Sommer eine neue Location, die sich ebenfalls auf dem Messegelände der City West

befindet. Dort haben wir mehr Platz, eine attraktive Außenfläche und viel bessere Rahmenbedingungen für die Logistik. Die Kooperation mit der Panorama Berlin bleibt bestehen. Mit diesem Schritt demonstrieren wir noch mehr Eigenständigkeit und setzen wichtige Signale hinsichtlich eines organischen Wachstums und optimieren die Abläufe für Aussteller und Besucher“, sagt Shane Brandenburg, Sales Manager des Selvedge Run. Die neue Location liegt direkt gegenüber dem Marshall-Haus, dort, wo die Tradeshow for quality garments and crafted goods zuletzt stattfand. Das Palais am Funkturm wurde 1957 von Bruno Grimmek und Werner Düttmann als Ballhaus erbaut und aufwändig saniert. Das zweigeschossige Gebäude bietet aufgrund der großen Glasfassade viel Tageslicht. Der Zutritt erfolgt über den separaten Eingang der Halle Nord an der Masurenallee, wodurch die Laufwege für die Besucher deutlich klarer sind und die Anfahrtssituation für die Aussteller entzerrt wird. 3. bis 5. Juli 2018, www.selvedgerun.com

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„Wir sind ein Start-upFamilienunternehmen, allerdings mit massiver Erfahrung“ Susanne Tebartz, Susanne Botschen und Christoph Botschen im Gespräch mit style in progress. Interview: Stephan Huber, Martina Müllner-Seybold. Fotos: Yorick Carroux, MarthaLouisa.com. Location: Lovelace Hotel, München

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Drei Jahre Auszeit – für viele ihrer Kollegen ein Traum. Viele haben zu uns gesagt: Nach diesem Exit wäre ich nicht zurückgekommen. Warum also sind Sie wieder da?

rei Jahre hinderte eine Non-Compete-Klausel Susanne und Christoph Botschen daran – jetzt sind sie wieder da. Mit MarthaLouisa.com, einem Onlineshop für Luxusschuhe, melden sich die Gründer von Theresa und mytheresa. com zurück. Doch nicht nur die Nische ist neu: MarthaLouisa.com will sich auch neuen Talenten und einer Contemporary-Preislage öffnen. Im Interview mit style in progress sprechen die beiden Händler und ihre Geschäftsführerin, die ehemalige Director Amazon Fashion Europe Susanne Tebartz über eine veränderte Branche, in die sie zurückkehren. Dass MarthaLouisa.com mehr ist als das Plaisir zweier, die es sich leisten können, ist jedem klar, der das Powerpaar kennt: 50 Mitarbeiter, fast alle mit Erfahrung in ihren jeweiligen Bereichen, arbeiten von München aus daran, den Erfolg zu wiederholen.

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Christoph Botschen: Wir haben einiges in diesen dreieinhalb Jahren gemacht, sind gereist, haben uns in Bauprojekten engagiert, haben versucht, uns für Kunst zu interessieren. Susanne Botschen: Versucht, ja. (lacht) CB: Meine Frau wäre ja am liebsten an Tag zwei oder drei nach dem Exit wieder zurück an die Arbeit gegangen, bei mir hat es gedauert. Ich war hoch erfreut und hoch entlastet nach dem Exit. SB: Auf einer Weltreise kam dann der Wendepunkt für meinen Mann, da hat er plötzlich gesagt: So jetzt reicht’s! CB: Die Erkenntnis war, dass uns das, was uns die letzten 30 Jahre erfüllt hat, noch immer packt. Die Branche, der Job – es macht wieder gewaltigen Spaß. SB: Am Ende ist das ja auch das Geheimnis eines zufriedenen Lebens, wenn man den Job, den man macht, wirklich gerne macht. CB: Und den man ja auch kann! Was kam nach dem WiederWollen?

CB: Wir sind im Februar letzten Jahres auf Roadshow gegangen, wie ganz früher. Wir haben unsere langjährigen Beziehungen und Brands vornehmlich in Paris und Mailand gefragt: Was wäre denn, wenn? „Ja, klar! Toll! Ihr seid wieder da?“ Das war die erste Welle. Die zweite Welle gestaltete sich dann schon schwieriger. Die Welt ist nicht stehen geblieben. Die Distribution ist vorangeschritten. Alle großen Brands sind heute online schon sehr weit verbreitet. Also mussten wir dann doch das Klinkenputzen anfangen. Aber wir haben eigentlich fast alle an Board bekommen, die wir wollten. SB: Mit unserem Ansatz der Spezialisierung sind wir auf offene Arme und offene Ohren gestoßen. Seit unserem Exit 2014 hat sich die Branche unfassbar verändert. Wie mit einem Gongschlag. Die Disruption, das ganze Theater um See-now-buy-now und dann doch wieder nicht. Da könnte ich jetzt eine halbe Stunde darüber referieren: Die Herausforderungen für Brick and Mortar, die Entwicklung der großen Player in unserm Bereich, unser Ex-Unternehmen, aber auch Net-a-porter zusammen

mit Yoox, Matches. Alles ist so groß geworden, dass der Endverbraucher überhaupt nicht das Gefühl hat, da ist jemand, der für mich aussucht. Dieser berühmte Wald vor lauter Bäumen, diese Flut von Produkten. Wenn man drei Jahre raus ist aus der Branche – natürlich nie ohne weiter interessiert zu sein, denn es ist ja die Branche, die man liebt –, sieht man vieles auch wieder mit dem Auge eines Endverbrauchers. Das Versprechen von 1.500 Marken ist für den Endverbraucher ja kein Feature, das ist ein Bug.

SB: Und genau das ist der Punkt, den wir erkannt haben. Wenn Sie mit Frauen sprechen, die bereit sind, wirklich Geld auszugeben, für die ist es eine Last. Wie oft habe ich gehört: „Suche mir die besten Schuhe der Saison aus und ich bin der dankbarste Mensch.“ Der Wille, zu kaufen, ist da, aber wenn sie jeden Tag mit Newslettern bombardiert werden, wo jede Marke, jedes Modell, jede Absatzhöhe, jede Farbe drinnen ist, wie soll ich dienstags wissen, ob nicht mittwochs schon wieder ein anderer Schuh kommt? Susanne Tebartz: Genau dieses stationäre Erlebnis, dieses Vorkurartierte, dieses Personalisierte erwarten die Kunden zunehmend auch online. Unser Anspruch an Kundenorientierung, Service und Ästhetik ist für MarthaLouisa.com ganz oben angesetzt. Wir müssen in punkto Usability, Fullfillment und Kundenansprache bieten, was die erfolgreichen Player auch bieten, und sogar noch mehr, das ist gar keine Frage. Personalisierung spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Die Aufgabenstellung an Sie ist, all diese Prozesse und operative Exzellenz zu garantieren, während sich das Ehepaar Botschen auf Ware und Strategie konzentriert?

ST: Gewissermaßen, ja. Das bringe ich ja auch an Erfahrung ein. CB: Wir haben einige positive Learnings aus unserem ehemaligen Unternehmen mitgenommen – und uns in der Geschäftsführung durch eine dritte Person zu verstärken, war auch in der Vergangenheit von Anfang an sinnvoll.

Mit Schuhen picken Sie sich ja auch die Rosine aus dem Kuchen.

SB: Denken Sie an früher: Diese wunderbaren Multibrandschuhgeschäfte. Ein Highlight und jemand hatte AUSgesucht! Aber die gibt es kaum mehr. Dafür sind die Schuh­ abteilungen aller großen Departmentstores von einer kleinen Ecke auf einen ganzen Floor gewachsen.


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„Genau dieses stationäre Erlebnis, dieses Vorkurartierte, dieses Personalisierte erwarten die Kunden zunehmend auch online.“ Susanne Tebartz

sehr viel weniger Menschen und es ist befriedigender, gerade wenn man es schon einmal gemacht hat, global Menschen zu erreichen. Aber natürlich würde das in Form von einem Laden auch funktionieren. Sicher nicht an jedem Standort, aber der Einzelhandel wird Bestand haben. Überall dort, wo es Tourismus gibt. Es ist ja eine Freizeitbeschäftigung, Shoppen zu gehen. In Städten und Ferienorten wird der Einzelhandel immer bestehen. CB: Ja, aber er konzentriert sich gewaltig. Konzepte verändern sich und Online übt natürlich eine Hebelwirkung aus, dass dieser Wandel noch schneller von statten gehen wird.

Aber noch immer verdienen nicht alle Onlineplayer damit auch Geld.

Die einzige Abteilung, die frequentiert ist, und zwar immer. Warum eigentlich?

SB: Das kann ich Ihnen ganz einfach sagen. Gemeinsam haben wir gerade festgestellt, dass es eine Disruption gab, eine riesige Veränderung in der Fashion generell. Der Endverbraucher ist so was von verunsichert, durch diesen schnellen und stetigen Umbruch. Es gibt nichts mehr, woran er sich festhalten kann. Auf der einen Seite geht es immer noch schneller, auf der anderen Seite das Sterben der Läden. Dann Crossdressing: Man kann heute wunderbar bei Zara kaufen und keinem fällt eine Perle aus der Krone. Aber bestimmte Dinge sollten hochwertig sein, als allererstes die Schuhe. Einmal mehr wird der Begriff des demokratischen Luxus ad absurdum geführt.

SB: Demokratischer Luxus ist völliger Blödsinn!

Luxus kann nicht demokratisch sein.

SB: Sie können einen Schuh vielseitig einsetzen. Wohingegen eine gemusterte Bluse für 1.200 Euro tragen Sie einmal und dann sind Sie damit schon gesehen. Im Verhältnis ist ein Schuh viel eher bezahlbar. Im Luxusbereich sind die Preise für Ready-to-wear extrem gestiegen.

CB: Die meisten sind keine Händler. Wir sind Vollbluthändler und können nicht anders. Dieses Händler-Denken kombiniert mit dem Verständnis für Technik und für Organisation – das macht den Unterschied. Man muss immer den Kunden im Visier haben, das ist Priorität. IT und Technik müssen möglich machen, was der Kunde will. SB: Dass jeder, der einen Laden hat, meint, er macht eine Website zusätzlich, ist ein Trugschluss. Entweder Sie machen’s richtig oder gar nicht. CB: Und es richtig zu machen, ist sowas von komplex geworden. In den drei Jahren unserer Abstinenz hat die Komplexität noch weiter zugenommen. ST: Operative Exzellenz – dafür ist nicht jeder aufgestellt, der einfach mal von Offline online verkaufen will. Es muss die ganze Logistik stimmen, alle Prozesse, die hinten dranhängen, die man ja gar nicht so sieht.

SB: Sie erreichen mit einem Laden

SB: Da fange ich jetzt mal an, weil es mein Part ist: die Ware. Wir haben selbstverständlich alle wichtigen

SB: Schuhe bestimmen komplett einen Look. Sie ändern Ihren Look, Ihre Laune, Ihre Stimmung mit Schuhen – sogar, wenn Sie sonst nichts an Ihrer Garderobe ändern. Aber heute ein Pumps zur Jeans, morgen ein Sneaker – das sind zwei völlig verschiedene Aussagen. Sie verändern Ihren Look, Sie signalisieren Ihre Einstellung, Sie signalisieren, wie modern Sie sind. Schuhe müssen Qualität haben. Weil es ein handwerkliches Produkt ist, sind die Preise auch besser nachzuvollziehen.

Ist es für einen Spezialisten zwingend, einen globalen Markt zu bedienen, oder könnte MarthaLouisa.com auch ein Laden sein?

Was ist der große Unterschied zum ersten Erfolgskonzept?

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Fashion-Power-Houses und großen Schuhmarken im Luxusbereich an Bord. Aber wir wollen zumindest 50 Prozent auch Newcomer, was wir New Talent nennen, zeigen. Und auch Contemporary-Preislagen. Ein entscheidender Unterschied! Früher waren wir auf Luxus fokussiert, wobei mir immer wichtig war, dass es eine Einstiegspreislage gibt. Schon vor 25 Jahren gab’s bei Theresa immer ein T-Shirt für 45 D-Mark, damit der Kunde von morgen auch mit einem Theresa-Tütchen rauslaufen und ein Teil dieser Welt sein konnte. Ganz simple Psychologie …

SB: So ist es. Vielleicht kann ich es mir heute nicht mehr leisten, vielleicht kann ich es mir erst morgen leisten? Dann will ich mit etwas Kleinem trotzdem Teil dieser Welt sein. Das Schöne ist: Es gibt heute, auch wieder mit Gongschlag, so viel Neues. So viele neue Marken, die sind weltweit verteilt, aber kein Händler hat sie kuratiert

„Wir lassen Neues in Dialog mit ersten Linien treten.“ Susanne Botschen

unter einem Schirm. Dieses Neue in Dialog mit den ersten Linien treten zu lassen, ist, was wir jetzt machen wollen. Sie sind zurück an der vordersten Front, ganz Hands-on. Das haben Sie auch am meisten vermisst, richtig?

SB: Ja, das habe ich am meisten vermisst. Ich war nie jemand, der auf Schauen lief, um selbst fotografiert zu werden. Mir ging es immer ums Produkt.

Aber ganz darauf zu verzichten – also darauf, die Marken zu führen, wäre auch keine Option gewesen.

SB: Die Major Brands verstehen heute das Internet viel besser, damals beim Start von myTheresa.com hatte noch niemand viel Ahnung. Heute wissen sie, dass man die Onlinedistribution sehr viel globaler sehen muss, Geo Pricing, all diese Themen. Wir haben bestimmt einen Vertrauensvorschuss gehabt, man weiß bei unseren 30 Jahren Historie, dass wir halten, was wir versprechen, und dass wir es auch schaffen, die Marken in einem Rahmen zu zeigen, der mit ihrer DNA vereinbar ist. CB: Das ist alles Branchenwissen, Insidertum. Für den Endverbraucher ist das nicht relevant, wer wir

sind. Für den zählt unser Portfolio und unsere operative Performance. SB: Da kommt Susanne Tebartz ins Spiel. ST: Die Kunden haben hohen Anspruch und unser Anspruch ist natürlich das beste mögliche Kundenerlebnis, das wir liefern wollen. Das fängt natürlich beim Sortiment an, geht aber natürlich über den kompletten Einkaufsprozess auf der Seite bis zur Warenlieferung und zur Retoure. Wir müssen so aufgestellt sein, dass wir es skalieren können, die Strukturen müssen passen und unser Anspruch daran ist extrem hoch. Wir werden viel lernen, jeden Tag, und niemals aufhören, das zu tun. Ein großes Investment …

CB: Wir hatten schon vor dem Launch 50 Leute im Team – mit keinem Cent Umsatz. In Sachen Bekanntheit fahren wir mehrere Strategien parallel. Die klassische ist natürlich Onlinemarketing. Da sind die großen Marken ein Segen, denn wer sie online sucht, wird feststellen, dass es gar nicht so viele Anbieter weltweit gibt. Dazu setzten wir mit Karla Otto PR auf weltweite Pressearbeit mit einem LaunchEvent in Paris. Die nächste Ebene ist Social Media.

Alte Bande: Die Botschens führten den ersten Prada-Laden Münchens, dass Prada die erste Exklusivkooperation bei MarthaLouisa.com markierte, knüpft an diese lange Geschäftsbeziehung an. ©Michal Pudelka

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„Zu einem guten Einkauf gehören Selbstbewusstsein, Zahlenverständnis und auch ein gewisses Bauchgefühl und Händchen fürs Produkt.“ Susanne Botschen

Wer ist denn MarthaLouisa? Das vierte Kind der Botschens?

SB (lacht): Unsere Historie war immer schon ein Mädchenname. Und der Ursprung von allem war und ist Theresa. Und der Name Theresa war auch schon damals speziell. Eine Martha ist das wieder. Weil Sie heute für einen einzelnen Namen keine .com-Domain mehr weltweit geschützt bekommen, ist ein zweiter Mädchennamen dazugekommen. Louisa, die kann auch schon mal sexy sein. Eigentlich hat jede Frau beide Komponenten in sich. Je nach Laune, je nach Tageszeit. CB: Die größte Herausforderung, der wir uns stellen müssen, ist die hohe Erwartungshaltung an uns als Gründer. Da ist es wichtig, zu sagen: Wir werden das Rad im E-Commerce nicht neu erfinden, denn es gibt ja einfach etablierte Standards, gerade was die Bedienbarkeit einer Seite angeht. SB: Die einzige Revolution, wenn Sie so wollen, wird die Konzentration auf Schuhe sein. Natürlich mit einem breiten, für viele Märkte passenden Sortiment und entsprechender Tiefe im Angebot. Offline sehen wir ja auch, dass sich die Kunden von Konzernen und Kaufhäusern abwenden, dass sie von überall gleichen Monobrandstores gelangweilt sind. Dem können Sie nur mit Spezialisierung und Persönlichkeit antworten – und wir versuchen das eben online. Der Kunde will sich persönlich wahrgenommen fühlen und … ST: … will trotzdem die Verlässlichkeit im Prozess haben. Das ist die Challenge. Jetzt erzählen Sie doch von Ihrer Challenge. Sie kommen vom Giganten und steigen jetzt in ein – was ist es denn, ein Familien­ unternehmen? – ein.

ST: Ein Start-up-Familienunternehmen. Hört sich vermessen an, aber vielleicht auch nicht. Wir nennen uns Start-up, allerdings mit massiver

Erfahrung. Viele Mitarbeiter, die wir an Bord bekommen haben, haben das alle schon mal gemacht, das macht Spaß. Das ist kein Startup von Null. Ich komme aus einem wahnsinnig effizienten und professionellen Umfeld, aber mich hat gerade diese Idee, das aufzubauen, gereizt. Natürlich, weil ich an das Konzept glaube, die Spezialisierung. Trotzdem die Herausforderung an die Prozesse, da hoffe ich, mit meinen sieben Jahren Erfahrung etwas mitzubringen. Was kann man aus sieben Jahren Amazon in dieses Start-up transferieren?

ST: Zunächst die Strukturen, die Prozesse erst einmal aufbauen, wie die verschiedenen Bereiche ineinandergreifen müssen, um eben die beste Seamless Customer Experience anzubieten und dauerhaft für den Kunden sicherzustellen. Und es ist nicht so trivial, wie’s vielleicht klingt, da im Hintergrund alle Räder perfekt ineinandergreifen müssen.

Am Ende des Tages ist das, hartes Wort, kriegsentscheidend.

CB: Ja, trotzdem: Wenn wir langweilige Ware hätten und hinten funktioniert alles, würde das auch nicht helfen.

Wie verhält es sich denn eigentlich im Schuhbereich mit dem größten Pferdefuß des Onlinehandels, der Retoure?

SB: Auf jeden Fall weniger als in der Ready-to-wear. CB: Unsere Erfahrung sagt, dass Schuhe die geringste Retourenquote haben, sogar weniger als Taschen. Die allermeisten Kunden wissen ungefähr, welche Größe sie bestellen müssen. Es wird auch eines unserer Assets als Schuhspezialist sein, dass wir die Passformen sehr genau – und gut ersichtlich – beschreiben. SB: Wir suchen innerhalb der Marken sehr aus. Jede Marke hat ihre DNA, macht bestimmte Dinge viel besser als andere. Das stellen wir in den Fokus. Nun gibt es aber viele Marken, die den Einkäufern nicht unbe-

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„Als Familien­ unternehmen sind wir viel schneller in der Reaktion.“ Christoph Botschen

dingt selbst überlassen, was sie für ihren eigenen Shop für richtig halten.

SB: Da habe ich einen gewissen Vertrauensvorschuss. Ich bin heute auch so weit, dass ich sage, was ich denke. Wenn eine Marke meint, etwas verkaufen zu müssen, was nichts ist, dann sage ich das auch. Zu einem guten Einkauf gehören Selbstbewusstsein, Zahlenverständnis und auch ein gewisses Bauchgefühl und Händchen fürs Produkt. Und man muss aus Fehlern lernen dürfen. CB: Da haben wir natürlich einen Vorteil. Wir als Familienunternehmen sind viel schneller in der Reaktion. SB: Und wir machen unsere Fehler natürlich auf eigene Kosten. Diesmal also ziehen Sie gänzlich ohne Zahlen los – nur mit Bauch und Händchen.

SB: Jetzt stochern wir im Dunkeln. Gut, ich war noch nie ein Zahlenmensch, wenn ich ehrlich bin. Ich habe auch gerne mal Zahlen ignoriert, und mehr meinem Gefühl vertraut. CB: Wir nehmen eine Menge eigenes Geld in die Hand, und ordern ins Blaue hinein. Im wahrsten Sinne des Wortes und zwar jetzt schon zum zweiten Mal. Also ja, wir sind uns unserer Sache sicher, aber wir werden eine ganze Menge lernen. Was ist denn besser: Wenn man für die erste Phase zu wenig auf Lager hat oder wenn man für die erste Phase zu viel auf Lager hat?

SB: Also ich finde es schrecklich, wenn es zu wenig ist. ST: Wenn eine Kundin mehrfach kommt und ihre Größe immer ausverkauft ist, dann laufen wir Gefahr, sie schnell zu frustrieren. Also lieber zu viel. Mit der Erfahrung können wir optimieren und immer besser werden. SB: Dass es irgendwann im Laufe der Saison dann mal ausverkauft ist, ist eine andere Sache, dann hat man dieses psychologische Moment: „Ah, ich war nicht schnell genug und das nächste Mal beeile ich mich.“ Das ist wiederum gut. CB: Wir haben früher immer mehr 218 style in progress

gekauft, als wir brauchten, das ist so. Online ist die Verfügbarkeit einfach ein Riesenthema. Bekommt die Kundin es bei uns nicht, switcht sie in Nanosekunden zu einem Mitbewerber. Ist es nicht logisch, dass es mittelfristig zur Sortimentserweiterung um eine Kategorie kommen wird?

SB: Also im Moment eher nicht. Die Tasche ist also tatsächlich nicht am Horizont?

SB: Nein! CB: Wir haben uns ja auf die Fahnen geschrieben, Spezialist zu sein. Spezialist bei Schuhen. Wenn wir in ein paar Jahren auf dem Volumen bei Schuhen sind, das unsere Mitbewerber umsetzen, sind wir schon sehr happy.

Sie wurden zitiert, dass Sie bei einem Hausbrand als erstes die Handtasche retten würden. Tragen Sie also jetzt als erstes die Schuhe raus?

SB: Wahrscheinlich immer noch die Handtasche, weil da eben die

entscheidenden Dinge drin sind. Was würde ich heute als Erstes raustragen? Wahrscheinlich … CB: … mich! SB: Dich! Sowieso. Letzte Frage: Wann soll MarthaLouisa.com profitabel sein?

CB: Wenn man von Scratch, von Null, beginnt, hat man natürlich keine Erfahrungswerte. Wir nehmen uns vor, 2019 den Break-even zu erreichen. Es wird uns nicht umbringen, wenn das 2019 nicht klappen sollte, aber aller allerspätestens 2020. Was ja auch schon ambitioniert ist.

CB: Finden Sie? Warum? Mit myTheresa.com waren wir keine einzige Sekunde negativ. SB: Das ist die Stärke meines Mannes. Er hat, was Zahlen betrifft, ein untrügliches Bauchgefühl. Und irgendwie habe ich so ein Gott­ vertrauen, dass wir drei eine irre gute Kombi sind. Das muss ich jetzt einfach auch mal so sagen. Vielen Dank für das Gespräch.


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DER PREIS IST HEISS! Der Cashmere-Blazer kostet schlappe 1.500 Euro, die Seidenbluse ist nicht unter 800 Euro zu haben. Im Premiumhandel kosten Topmarken und Topprodukte nun mal ihr gutes Geld. Doch nur die wenigsten Kunden bezahlen Preise, ohne mit der Wimper zu zucken – vorausgesetzt, sie kommen überhaupt ins Geschäft. Inwieweit muss der Premiumhandel umdenken, wenn er nicht in Schönheit und Einsamkeit sterben will? Ist ein stärkerer Preisunterbau die Lösung oder verwässert er nur das Sortiment? Kann er ein Instrument sein, für mehr Frequenz zu sorgen? Und ist es womöglich besser, zwei Jacken für je 399 Euro zu verkaufen, als eine allein für 799 Euro? Branchenprofis geben Antwort. Text: Kay Alexander Plonka, Nicoletta Schaper. Illustration: Claudia Meitert@Caroline Seidler

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DER MIX MACHT’S

Elena Schmuschkowitsch, Inhaberin Roman’s, Berlin. „Es war schon immer mein Anliegen, zu den hochpreisigeren Marken auch günstigere hinzuzunehmen. Das sind Kollektionen, die vielleicht noch nicht so groß sind, die weniger beworben sind und deshalb noch ein anderes Preisgefüge haben. Der Mix und das Styling sind unsere Stärke. Mir geht es aber primär nicht darum, mit einem Preisunterbau eine neue Kundin anzusprechen, sondern darum, meiner bestehenden Kundin einen guten Mix anzubieten. Sie hat nicht immer Lust, viel Geld auszugeben. Ich stelle fest, dass die Preissensibilität gewachsen ist. Vielleicht leistet sie sich ein teures Teil und freut sich darüber, etwas Günstigeres in Kombination dazu kaufen zu können. Die Kehrseite dabei ist vielleicht, dass sie womöglich für einen Gesamtlook immer weniger Geld ausgeben will. Wir Händler sind gefordert, da die richtigen Vorschläge zu machen und auch die richtige Argumentation für die teuren Kollektionen zu liefern, denn eine besondere Qualität hat nun mal ihren Preis.“

PERSÖNLICHE BEZIEHUNG Dagmar von Schmaus, Rosa & Me. „Es wird

immer Kunden geben, die für Premiummarken ihr Geld ausgeben. Wichtig ist es, ein Einkaufserlebnis durch Individualität der Präsentation, Qualität der Produkte und Authentizität der Beratung zu schaffen. Man sollte sich auf das besinnen, was die eigene Marke auszeichnet, seinem Stil treu bleiben und dieses Gefühl schließlich mit Leidenschaft an den Kunden weitergeben. Die persönliche Beziehung zum Kunden ist gerade für kleinere Premiummarken wie Rosa & Me von essenzieller Bedeutung. Wenn man mit Herzblut bei der Sache ist, spürt das der Kunde und fühlt sich gut aufgehoben. Dies ist sehr wichtig für die Markenbindung.“

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DIE KUNDEN ABHOLEN Sandra Lemmich, Inhaberin Mainglück, Würzburg.

„Wir brauchen unbedingt einen Preisunterbau im Laden! Unsere Stammkundin ist glücklich, wenn sich unsere Outfits aus mehreren Preislagen zusammensetzen. Darauf achten wir auch bei der Anprobe, beispielsweise, indem wir die teureren Sachen auch erst einmal außen vor lassen, um die Kundin nicht zu verschrecken. Auf diese Weise gelingt es uns, sie auch wirklich abzuholen, mit dem Ergebnis, dass sie den Look mega findet und für manches auch mehr Geld ausgibt, weil sie von dem Wert auch überzeugt ist. So verkaufen wir die J Brand für 300 Euro und das Shirt dazu für 49 Euro, oder auch die teure Lederhose von Arma, die wir mit einem günstigen Pullöverle ergänzen. Wir wollen unserer Kundin nicht das Gefühl geben, nur teuer zu sein. Zugleich bringen uns manche Schnäppchen im Fenster oder auf dem Ständer vor der Tür auch Neukunden ins Geschäft. Ihr seid ja gar nicht so teuer, freuen sie sich. Und wir freuen uns, dass wir neue Kundinnen gewinnen können, die sich dann auch wieder von Hochpreisigerem überzeugen lassen.“

BEGEHRLICHKEIT SCHAFFEN Roberto Ricci, CEO RRD. „Jede Marke mit einer

Geschichte setzt modische Statements. Nur so gelingt es, Kunden an sich zu binden und sich als Marke von anderen Anbietern abzuheben. Unsere Marke kommt ursprünglich aus dem Surfbereich und vereint deshalb funktionale Schnitte mit fließenden Formen. Wir setzen auf klares Design in Kombination mit Hightech-Materialien und vermitteln dadurch die DNA von RobertoRicciDesigns. Marken müssen Händlern und Endverbrauchern ihre Geschichte und ihr Verständnis von Mode vermitteln. Der stationäre Handel muss sich folglich in der Rolle des Storytellers verstehen und mit den Geschichten zu den Produkten und Marken ein Erlebnis inszenieren, um somit schließlich Begehrlichkeit zu schaffen. Der größte Vorteil des stationären Handels ist der direkte und persönliche Kundenkontakt. So erfährt der Endverbraucher mehr über eine Marke, sowohl in Bezug auf Qualität und Funktionalität als auch über den Ursprung der Brand selbst. Am Ende spielt der Preis für Kunden nur noch eine Nebenrolle. Wichtig ist, dass Marken sich treu bleiben und keinesfalls selbst unterbieten.“

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3–5 JULY 2018

PANORAMA-BERLIN.COM

CONNECTING COMMUNITIES


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ES GEHT UM SPEZIALISTEN Klara Moormann, Geschäftsführerin Womenswear,

Agentur Moormann. „Nein, es muss nicht immer teuer sein. Wenn wir von Style sprechen, muss der Anspruch modisch, neu und qualitativ hochwertig sein. Die Fashionverliebten werden für ein angesagtes Must-Have-Teil immer den Preis der Premiumbrands bezahlen. Ich halte es für gefährlich, Kollektionen nur nach Preisen einzukaufen und zu bewerten, weil nicht mehr die Ware und der Look im Vordergrund stehen, sondern nur der Preis. Unterbau?! Ich denke, es geht nicht um einen Preisunterbau, sondern viel mehr um Spezialisten! Die können alles sein: neue Kollektionen mit gutem Spirit, mit guter Kalkulation … Das Salz in der Suppe! Die Mischung macht es letztendlich aus.“

FAKTOR MARKE

Marcel Melzig, Managing Director Ash Germany Dis­ tribution. „Viele Kunden sind bereit, für die in ihren Augen richtige Marke immer wieder viel Geld auszugeben. Dem Kunden kommt es oft nur darauf an, mit einem Teil ein State­ ment zu setzen. Hier ist das Markenimage natürlich ein wichtiger Faktor. Ihm ist dann das Logo und die Marke dahinter besonders wichtig. Eine sicherlich erfolgsgekrönte Strategie, die viele Luxusmarken für sich nutzen, ist es, die Kunden mit günstigeren Accessoires wie etwa Kleinlederwaren, Gürteln, Sonnenbrillen oder auch Handyhüllen an sich zu binden. So generieren sie immer wieder Umsatz in einer niedrigeren, meist sehr margenträchtigen Preiskategorie. Letztlich lässt sich so die Kommerzialisierung eines hochwertigen Markenportfolios umgehen und gleichzeitig das Sortiment um weniger preisintensive Produkte ergänzen.“

DIE QUALITÄT MUSS STIMMEN Cristian Cappozzo, Sales Manager Antonelli. „Von Anfang

an heißt es bei Antonelli: Wir stehen für zeitgemäßen, bezahlbaren Luxus. Das bedeutet eine Produktion zu 100 Prozent in der Toskana. Mit italienischen Stoffen und Zutaten, toskanischen Fachkräften, internationaler Denkweise und dem Antrieb zur Expansion. Das hat alles seinen Preis, der aber im Verhältnis steht. So bietet Antonelli Seidenblusen aus einer technischen Ware für 329 Euro an, die nicht nur waschbar sind, sondern auch einen hohen, modischen Anspruch haben; einen Mantel aus Wolle-Cashmere für 889 Euro oder Blazer ab 400 Euro. Wichtig dabei: Die Qualität muss stimmen! Für einen hochwertigen Look muss man also nicht gleich seinen gesamten Lohn ausgeben oder exorbitante Preise zahlen. Das gelingt, indem Antonelli sehr auf Preise und Kalkulation achtet, ohne Qualität und Stil zu vernachlässigen. Somit hat Mode immer ihren Preis, oder?“

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NÄHER DRAN SEIN André Lösekann, Inhaber von Brooks, Ozone

und Lösekann in Bielefeld. „Vor ein paar Jahren war Onlineshopping noch total cool. Exkusives aus den USA oder England zu bestellen, war sehr angesagt. Auch wir haben schon länger einen Onlinestore. Heute ist online Einkaufen Alltag und Normalität. Ähnlich verhält es sich mit den vertikalen Konzepten – Begehrlichkeit fehlt dort heute, es wird Bedarf befriedigt, es gibt alles im Überfluss. Wir spüren eine immer höhere Bereitschaft bei den Kunden, Geld für Sachen auszugeben, die nicht überall unendlich verfügbar sind. Nehmen wir das Beispiel Off-White, bei dem Teenager und junge Erwachsene unbedingt nur das eine 500 Euro teure Sweatshirt haben wollen oder alles möglich machen, um eine Stone-Island-Jacke zu bekommen. Und auch im Premiumbereich ist es die Aufgabe eines guten Multibrandfachhändlers, näher dran zu sein, genau die richtigen Teile von den richtigen Marken zu haben und am Geschehen teilzunehmen. Wem es gelingt, die Begehrlichkeiten zu transportieren und das Lebensgefühl und die Emotion zu wecken, der erreicht auch den Kunden, für den der Preis eine untergeordnete Rolle spielt. Das Markenumfeld muss stimmen, das Sortiment darf nicht verwässert sein, die richtige Ware muss zur richtigen Zeit kommen und vor allem braucht man ein super Team das mit Herzblut dabei ist – dann funktioniert Premiumhandel extrem gut.“

KEINE CHANCE AUF GÜNSTIG Maja Eger, Geschäftsführerin Yippie Hippie.

„Dem Premiumkunden geht es um ein nachvollziehbares Preis-Leistungs-Verhältnis, er möchte den Wert klar erkennen können, sei es durch Material, Qualität, Design, Verarbeitung oder auch den Modegrad. Dieser Endverbraucher ist nicht bereit, Mondpreise zu bezahlen, selbst wenn er es sich leisten könnte. Wir als Hersteller sind bemüht, in unserem Preisniveau einen Preisaufbau zu bieten. Wenn man jedoch wie wir mit guten Materialien qualitativ sauber arbeitet und produziert, dem Handel eine gute Kalkulation bieten möchte und fair mit den Herstellern umgeht, gibt es keine Chance auf günstig. Wir sehen jedoch bei vielen Marken auch ein Problem für den Handel, wenn dieser große Mengen zu jeder Order abnehmen muss, um eine Marke überhaupt zu bekommen und halten zu können. Darunter leiden speziell die kleineren und mittelgroßen Einzelhändler, denen dann das Limit für ein vielfältiges Angebot mit neuen und auch kleineren Marken fehlt. So geht die für sie wichtige Flexibilität verloren.“

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4 JULY 2018 – KRAFTWERK BERLIN WWW.FASHIONTECH.BERLIN

FASHION. TECH. DIGITALISATION. INNOVATION. BUSINESS.


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GROUND CONTROL Keine Saison ohne Preissteigerungen bei den Luxuslabels – und in Folge Kopf­ schütteln bei den Konsumenten ob der Mondpreise. Diese finden längst andere Preise gerechtfertigt, die deutlich realis­ tischer mit dem Wert der Ware verquickt sind. Davon profitiert die vielfach tot­ gesagte Mitte des Marktes. Ist Premium der neue Luxus? Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Gesprächspartner. Illustration: Claudia Meitert@Caroline Seidler

„Das Teil muss perfekt sein“, sagt Frauke Ortner, die in Dortmund mit drei Geschäften – dem Damenladen Ortner Womensworld, dem Herrenshop Ortner1864 und einem Juvia-Monolabelstore zu den Platzhirschen zählt. „Es gibt auf jeden Fall die Kundin, die viel Geld zur Verfügung hat und es durchaus sehr unbeschwert ausgibt. Das erste Kaufkriterium ist nicht der Preis – aber Bedingung ist, dass das Teil für diese Kundin passend ist. Ein Teil schönzureden, ganz egal, ob den Preis oder die Qualität, das funktioniert heute nicht mehr. Wenn etwas nur zu 95 Prozent überzeugt und die letzten fünf Prozent fehlen, dann ist es egal, ob teuer, günstig oder gar reduziert – da haben die Kunden keine Nachsicht.“ Ein bis in die Spitzen komplett nachvollziehbares Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten, ist mehr denn je Aufgabe der Händler. Doch insbesondere bei Designerkol-

lektionen ist das nicht immer einfach: Um die begehrten Taschen, Accessoires und Schuhe überhaupt in entsprechender Menge kaufen zu dürfen, ist bei vielen First Lines ein Ready-­ to-Wear-Budget Pflicht. „Bei manchen Designerbrands denkt man sich heimlich: Taschen super, Bekleidung Bauchweh“, fasst Marianne Köhler das Gefühl zusammen, das sie oft bei der Order in Mailand oder Paris beschleicht, wenn sie für Diva by Makole ihre Aufträge schreibt. Vor zehn Jahren hat sich die Händlerin von einer Stadtrandlage und dem entsprechenden Segment in der Premiumpreislage verabschiedet und in Salzburgs Innenstadt einen echten Designermarkentempel eröffnet. Diesem verleiht sie heute mit dem jüngeren, von Contemporary-Marken und entsprechend niedrigschwelligeren Preisen geprägten Konzept The Base einen neuen Akzent. Da hängt dann plötzlich auch mal style in progress 218


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ein Sweater von Champion, eine Bluse von Ganni oder ein Sneaker von Fenty x Puma für kleineres Geld. „Wir hören schon mal von Kundinnen, dass sie um das Geld, das sie bei unseren Designern für einen Pulli bezahlen, anderswo drei bekommen. Da ist es nur natürlich, dass wir unseren Stammkundinnen auch ein anderes Angebot machen wollen. Der Mix aus Contemporary, Klassik im besten Sinne des Wortes und Designern ist ja heute etwas ganz Natürliches – die Kundinnen kombinieren teuer mit günstig und haben Spaß, wenn sie auch mal für weniger Geld ein tolles, modisches Teil bekommen.“ Das mach ich nicht mit

„Wir wissen ja alle, was hinter den Preisen bei den Designerbrands steht: Die meisten haben Investoren, da geht es um Gewinnmaximierung und darum, dass sich einige wenige die Taschen noch ein bisschen voller machen. Das finde ich unmoralisch und das will ich nicht

mitmachen“, bringt es Andrea Schütz von Tutto in Frankfurt auf den Punkt. Seit 26 Jahren führt sie ihren Laden mit Passion und Sensibilität. „Ich bin seit Beginn eine begeisterte Verfechterin von Premium gewesen, ich will, dass die Dinge, die ich führe, eine schlüssige Verbindung zwischen Produkt und Preis haben.“ Von Designermarken, die sie anfänglich auch geführt hat, hat sie sich längst verabschiedet. „Wenn ich selbst nicht hinter einem Preis stehen kann, funktioniert es nicht, meine persönliche Schmerzgrenze ist der meiner Kunden sehr ähnlich“, erzählt die TuttoInhaberin. „Generell hat die Mode ja an Stellenwert im Konsum eingebüßt, die Menschen teilen ihr verfügbares Einkommen in Gesundheit, Wellness, Sport, Reisen. Wobei ich auch Kundinnen habe, die sich das alles und teure Kleidung leisten können – aber die interessiert das oberste Preissegment gar nicht. Die sagen, das sehe ich nicht ein.“

Unsere Kundinnen entscheiden sehr emotional, wenn sie sich von einem Teil angesprochen fühlen, ist der Preis eigentlich nachrangig, aber eben nicht ganz egal.“ Auch für Nicole Doleh, Inhaberin der Inked-Stores in Wien – einer davon wird im Mai unter ihrer Führung als Golden Goose Deluxe Brand Flagshipstore neu eröffnet – ist das Preissegment Contemporary ein klares Bekenntnis. „Gerade war ich in Kopenhagen, dort ist viel Bewegung im preislichen Unterbau des Premiumsegments zu sehen. Aber das geht natürlich nur mit dementsprechend niedrigen Mieten.“ Ihr Entschluss, Golden Goose Deluxe Brand einen so großen Stellenwert einzuräumen, liegt vor allem in ihrer Liebe zu dieser Marke begründet. „Für mich ist Golden Goose eine der wenigen Marken, die es auf fantastische Weise verstehen, sich zu erneuern, nicht immer dasselbe zu präsentieren und trotz all der Detailliebe und Hochwertigkeit am Ende doch bei einem Preis

Ätsch-bätsch, wir leben!

Da müssen jetzt aber ein paar Damen und Herren Trendforscher ihre Thesen von vor einigen Jahren gehörig revidieren: „Luxus und Billig, die Mitte stirbt.“ – Wer hat diese Weisheit nicht gelesen oder sogar einige Zeit lang geglaubt? „Ganz im Gegenteil: Premium ist der neue Luxus“, sagt Alexandra Schütz, die mit Top Chic in Traunstein immer schon in diesem Segment zu Hause war. Ihre Experimente nach oben und unten bringen sie immer wieder zurück in die Mitte. „Ich probiere mich aus und habe sowohl unten als auch oben angebaut – aber beides ist sehr sensibel. Bei günstigeren Marken muss ich sehr aufpassen, dass trotzdem der modische und qualitative Anspruch stimmt. Umgekehrt finden meine Kundinnen den toll gemachten Cashmere-Handstrick für 800 Euro zwar schön, aber sie kaufen ihn nicht. Ich habe Kundinnen, die absolut den Wert der Ware schätzen, aber irgendwann ist einfach Schluss.

„Ich will eine schlüssige Verbindung zwischen Produkt und Preis bieten.“

Andrea Schütz, Tutto

„Die Kundinnen haben Spaß, wenn sie auch mal für weniger Geld ein tolles, modi­ sches Teil bekommen.“ Marianne Köhler, Diva by Makole

„Das Teil muss perfekt sein.“ Frauke Ortner, Ortner Womensworld, Ortner1864

„Premium ist der neue Luxus.“ Alexandra Schütz, Top Chic

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„Auch Kunden, die sich Designermarken locker leisten können, haben Freude daran, wenn sie bei uns mehrere Outfits bekommen.“

„Man freut sich doch, wenn man auch mal für 500 Euro ein gelungenes Outfit bekommt.“

Thilo Pfeffer, Pfeffers

Christine Beckmann, Beckmann & Grösser

„Ein boden­ständiges PreisLeistungs-Verhältnis ist enorm wichtig.“

„Ich möchte, dass der Konsument mit einem guten Gefühl kauft.“

Michael Azoulay, CEO American Vintage

Alexandra Kiefermann, iHeart und Kiefermann

zu landen, bei dem Shopping noch glücklich macht. 270 Euro für eine wirklich aufwändig gemachte Seidenbluse mit einem venezianischen Print finde ich nachvollziehbar – und meine Kundinnen auch.“ Mit vollen Tüten

Christine Beckmann, hat mit Beckmann & Grösser in Gelsenkirchen einen Modeladen aufgebaut, der „zu 90 Prozent von Stammkundschaft lebt. Da zählt unsere Persönlichkeit, diese Kunden sind, selbst wenn sie es sich leisten können, nicht wahnsinnig markenfixiert. Wir sind ihre Referenz, sie vertrauen uns. Es ist ein unglaublich schönes Kompliment, jemanden vom Schuh bis zum Mantel einzukleiden und ihn glücklich zu sehen.“ Dass ihre Versuche, im Designersegment anzubauen, oft am Standort Gelsenkirchen oder an den strengen Aufnahmekriterien der Marken scheiterten, sieht sie heute gelassen. „Selbstverständlich könnte ich eine teure Designerhandtasche verkaufen, unsere Kundinnen tragen sie ja. Aber diese Firmen

machen sich nicht mal die Mühe, auf Anfragen zu antworten. Seit drei Saisons bemühe ich mich um eine Zweitlinie einer Designermarke, aber um sie zu bekommen, sollte ich schon zehn andere First Lines führen – das ist doch absurd. Dabei verkaufe ich heute schon teurere Kleider, als diese Marke sie überhaupt anbietet!“ Im Gespräch mit befreundeten Händlern, an deren Stangen die Ready-to-Wear der Nobelmarken wie Blei hängen, sei der Gelsenkirchen-Fluch dann wieder Segen. „Auch Kunden, die sich Designermarken locker leisten können, haben Freude daran, wenn sie bei uns mehrere Outfits bekommen.“ Eine Beobachtung, die auch Thilo Pfeffer von Pfeffers in Essen teilt. „Man freut sich doch, wenn man auch mal für 500 Euro ein gelungenes Outfit bekommt. Das sehen sogar Kunden so, die wohlhabend sind und überall einkaufen könnten.“ Dem Ehepaar Melanie und Thilo Pfeffer ist daher insbesondere wichtig, das Premiumsegment auch mit Marken wie Rich & Royal oder American Vintage zu

unterfüttern. „Dann geht auch mal die Jacob Cohen Jeans, um die manche Kunden aufgrund des Preises auch mal lange herumschleichen. Und ich meine das absolut nicht despektierlich – ein tolles Produkt, aber 350 Euro sind auch eine Nummer.“ Macht mich glücklich, nicht arm

Das ist eine Herausforderung an die Hersteller. Alexandra Kiefermann von iHeart und Kiefermann meint: „Konsumenten schätzen, wenn sie das Preis-Leistungs-Verhältnis eines Herstellers nachvollziehen können – und obwohl wir in einer Premiumpreislage sind, ist es an uns, das auch in jedem Fall unter Beweis zu stellen. Ich möchte, dass der Konsument mit gutem Gefühl kauft.“ Eine Greenpeace-Studie sagt: 60 neue Bekleidungsstücke kauft sich der Deutsche pro Jahr – im Schnitt! American Vintage CEO Michael Azoulay: „Wir müssen mit unserem Preisgefüge Tribut zollen, dass die Leute das ganze Jahr über konsumieren und das in höherer Frequenz tun

wollen. Da ist ein bodenständiges Preis-Leistungs-Verhältnis enorm wichtig.“ Dass Preise realistisch, fair und nachvollziehbar sind, ist nichts, was der Handel in die Sale-Phase auslagern darf – wenn die Mondpreise durch den Rotstift plötzlich Bodenhaftung bekommen. Christine Beckmann: „Den Sale-Kunden brauchen wir auch, klar, aber er ist ein anderer Kunde als unser normaler. Aus dem Schnäppchenjäger wird kein Vollpreiszahler. Umso wichtiger ist es, das ganze Jahr über Glaubwürdigkeit im Preis zu haben – die Kunden können sich erinnern, dass Mäntel einer bestimmten Marke vor ein paar Jahren noch 2.500 Euro gekostet haben und jetzt 3.500. Da sagte eine Kundin zu mir: Weißt du was? Statt dem einen Mantel nehme ich diesmal einen tollen Wollmantel mit Nerz von Max Mara und noch eine Moncler-Jacke obendrauf. Das kostet gleich viel, aber ich habe doppelt Spaß.“

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Ein Qualitätshemd made in Europe für 79,90 Euro? Geht, sagt Heiko Storz, der Mann hinter Fil Noir.

„DER KUNDE KANN AUF HOHEM NIVEAU VERGLEICHEN – ÜBER DEN PREIS HINAUS.“

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informierter, bewusster und vielseitiger unterwegs, anders als früher können sie zwischen zahlreichen Alternativen, für die sie ihr Geld ausgeben können, wählen – Spielekonsole, Smartphone, Reisen, um nur einige zu nennen. Für Mode bleibt also weniger übrig. Darauf muss der Händler reagieren

Glauben Sie, dass es eine Diskrepanz zwischen dem gefühlten richtigen Preis für Ihr Produkt zwischen Endkon­ sument und Händler gibt?

Heiko Storz hat sich mit Fil Noir an einen Markt gewagt, den man eigentlich übersättigt glaubte. Wer braucht ein weiteres Premiumhemd im Sortiment? Viele, wenn es wie Fil Noir mit anderen Argumenten aufwarten kann. Text: Martina Müllner-Seybold. Foto: Fil Noir

Händler öffnen sich einer neuen Einstiegspreislage. „Zu günstig für mein Sorti­ ment“, hieß es oft, wenn ein Produkt zum herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten wurde, jetzt wer­ den Hemden unter 100 Euro dankend angenommen. Was hat sich verändert?

Die meisten Händler sind über unsere Einstiegspreislage überrascht, die bei 79,90 liegt. Einmal mehr, weil unsere Produkte ausschließlich in Europa gefertigt werden. Wir können einen solchen Preis realisieren, weil wir ein kleines Team sind und sehr schmal kalkulieren. Wir sind also in der Lage, ein Qualitätsprodukt zu einem fairen bzw. demokratischen Preis anzubieten. Das ist Teil unseres Erfolgs, der Abverkauf von Fil Noir spricht für sich. Meiner Ansicht nach liegt die größte Veränderung beim Gros der Konsumenten – sie sind

Das lässt sich nicht verallgemeinern – ein guter Händler ist im Idealfall selbst Marke bzw. eine Instanz, der Vertrauen beim Kunden schafft. Er kennt seine Kunden und weiß in der Regel, welchen Preis sie bereit sind, zu zahlen. Aber: Es liegt auf der Hand, dass ein Qualitätshemd für 79, 89 oder 99 Euro schneller zu Kasse läuft, als ein Hemd für 139 oder 149 Euro. Nur der Händler, der das einsieht, wird Kundenzuwachs generieren können.

Kunden kaufen öfter, geben aber in Summe nicht mehr pro Jahr für Mode aus. Welcher Entwicklung ist das geschul­ det?

Der Endverbraucher ist satt, der Kleiderschrank ist voll. Also muss der Händler den Kunden locken, und das kann er, indem er ihn mit tollen Produkten überzeugt. Ehrliche Produkte, die ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, stehen an erster Stelle, denn immer mehr Kunden – insbesondere die, die im Facheinzelhandel einkaufen – interessieren sich für Herkunft und Produktion. Made in Europe wird ein immer stärkeres Argument, da das Gros der Kunden informiert ist und bewusster konsumiert. Im Vordergrund steht natürlich der Look, aber wenn das gute Gefühl im Preis inbegriffen ist, wirkt sich das positiv auf die Kaufentscheidung aus. Wie, glauben Sie, sieht die künftige Konsumentengene­ ration die Premiumpreislage? Ist für jemanden, der mit Zara und Co groß geworden ist, ein Hemd für über 100 Euro ohnehin schon Luxus?

Angefeuert durch die neuen Medien d. h. durch die sozialen Netzwerke und Influencer zählt für die künftige Generation

Wo liegt in Ihrem Segment die Schmerzgrenze? Was lässt sich argumentieren, was ist ein Mondpreis?

Ab 129 Euro wird die Luft recht dünn. Oberhalb dieser Preislage wird nicht mehr in großen Stückzahlen agiert. der schnelle Konsum – heute auf dem Laufsteg, gleich auf Instagram und kurze Zeit später, erschwinglich für die meisten, bei den großen, bekannten Ketten. Die Welt ist via Web in jedem Wohn- bzw. Jugendzimmer, selbst in Hintertupfingen, zu Hause – das schürt die Gier, immer dem neuesten Trend zu entsprechen – Trend vorbei, Klamotte weg, im Zweifel im Mülleimer. Aber: Der Kunde, und auch die künftige Generation, ist mittlerweile bestens informiert und kann auf hohem Niveau vergleichen – über den Preis hinaus. Das Bewusstsein für die Umwelt, fairen Handel und Produktion und gute, originelle Produkte wird geschärft. Die Produktspezialisten, die ein gutes Produkt, das fair produziert wird, zu einem nachvollziehbaren Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten und ihren Werten treu bleiben, werden zu den Gewinnern zählen. Hingegen werden es die Marken, die auf schnellen Profit aus sind und für Produkte, die vergleichbar bzw. beliebig sind, zu hohe Preise verlangen, schwer haben.

Was muss ein Hersteller tun, um sein Preis-Leistungs-Ver­ hältnis im Rahmen zu halten? Wie groß ist Ihr Aufwand, dass die Preise nicht nach oben entgleiten und trotzdem die nötige Spannung, Innova­ tion und der Wert im Produkt erhalten bleiben?

Ich bin übers Jahr unterwegs, um vorteilhafte Vereinbarungen mit meinen Stoffanbietern zu treffen. Ich überprüfe mehrmals im Jahr unsere Produktionsstätten. Darüber hinaus sind kreatives Produktdesign, raffinierte und subtile Details, gute Waschungen essenzielle Faktoren – immer innerhalb unseres Markenkerns. Wir bleiben uns treu, verlieren unsere Erkennungsmerkmale nie aus den Augen. Und last but not least: Wir bleiben realistisch und betreiben keine übermäßige Profitgier – die ist letztendlich der größte Killer einer Marke.

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MUT IST EURE EINZIGE CHANCE! Inspiration! Überraschung! Begeisterung! Es ist der Job des Modeeinzelhandels, jede Saison Neues und Spannendes zu bieten. Aber oft fehlt es an der dafür nötigen Offenheit, Neugier und an Mut. Oder – Moment: Wandelt sich das gerade? Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Gesprächspartner

„Und, hast du was Neues gesehen?“ Das ist die auf Modemessen wohl am öftesten gestellte Frage unter Retailern. Doch die Antwort scheint nicht wirklich interessant. „Viele Händler sind auf den Messen nicht offen genug für Neues, sie sehen nicht nach rechts und nicht nach links, als hätten sie Angst, von uns Agenten angesprochen zu werden“, sagt René Michaelis, Inhaber der Michaelis Fashion Agency. „Vor allem viele kleine Händler sehen sich außerstande, überall Neues zu sichten und uns wirklich zuzuhören – wohl weil sie gefangen in ihren kaufmännischen Begebenheiten und frustriert sind, aufgrund von Frequenzmangel, unhöflichen Kunden und rückläufigen Umsätzen.“ Dazu kommt eine gewisse Überalterung im kleinen Facheinzelhandel, mit nicht wenigen Protagonisten, die ihr Geschäft in den goldenen 1980er-Jahren gegründet haben und denen ein Nachfolger und die Energie für die heute ungleich größeren Herausforderungen fehlt. „Wer kurz vor der Pensionierung steht, lehnt sich im Allgemeinen nicht mehr allzu weit aus dem Fenster und scheut das Risiko“, sagt Patrick Ebnoether von der Agentur Wearhouse im schweizerischen style in progress 218


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„Keiner ordert die Nummer sicher, weil es eine Nummer sicher einfach nicht mehr gibt. Was letzte Saison gut war, ist diese Saison womöglich durch und flutet in geballter Ladung über billigere Kanäle.“ Patrick Ebnoether, Inhaber Agentur Wearhouse

Erlenbach. „Aber der Kunde, der schon vieles im Schrank hat, reagiert ja gerade auf neue Impulse. Dazwischen liegt die große Diskrepanz.“ Top oder Flop!

„Nur wenn ich weiß, wer mein Kunde ist, kann ich für ihn ein­ kaufen.“ Roberto

Bauer, Inhaber Roberto Bauer, Lichtenfels

„Gute Einkäufer sind offener ge­ worden, sie haben erkannt, dass die Konsumenten die Trends heute so­ fort haben wollen.“ Ben Botas, Inhaber Agentur Ben and

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Indes vollzieht der Markt seinen von der Digitalisierung vorangetriebenen Wandel umso dynamischer – und tiefgreifender. Dieser ist nach wie vor mit einem Überangebot von zu konformer Ware und mit Konsumenten, die manchen Einkäufer an Wissen und Information längst überholt haben, konfrontiert. Vor allem im Premiumsegment funktioniert nunmehr das Spezielle, das Einzigartige. Damit haben sich die Erfolgskriterien im Handel grundlegend geändert. „Die Sortimente brauchen Spannung und Emotion“, so Patrick Ebnoether. „Das Basic-Geschäft ist ohnehin ins Netz oder zu den Vertikalen abgewandert.“ Aber statt Innovationen wird immer noch am liebsten die ewig gleiche dunkelblaue Jacke geschrieben. „So glaubt der Verkäufer auf der Fläche, dass die Marke doch immer nur das Gleiche macht“, sagt René Michaelis. „Mit der Folge, dass seine Motivation in den Keller geht und kein Kunde gewonnen wird. Die dicken Pufferdaunenjacken à la Givenchy hat Zara schon längst erfolgreich auf der Fläche gezeigt, aber wir kriegen es kaum hin, sie für den nächsten Winter im Handel zu platzieren, da der Mut des Einkaufs fehlt.“ In den letzten Saisons herrschte vielfach der Blick in den Rückspiegel vor. Ein Stück weit nachvollziehbar, meint Marino Edelmann. „Der Einkäufer hat seine knallharten Kennzahlen, die er erreichen muss“, so der Geschäftsführer Vertrieb und Marketing Drykorn. „Aber mancher Modehändler scheint mehr Mathematiker als Modekenner zu sein. War bei vielen vor eineinhalb Jahren bei Namen wie Vetements und Off-White noch ein großes Fragezeichen in den Gesichtern, ändert sich das gerade spürbar: Weil der Handel verstanden hat, dass es ohne Neues nicht funktioniert. Der Kunde will überrascht werden und braucht konstant neue Impulse. Das zeigt sich allein daran, dass sich die besonderen Teile im Markt gerade deutlich besser verkaufen als das Bewährte.“ Entsprechend steht die Order nach Abverkaufs­ listen der Vorsaison vielfach in der Kritik. „Je größer die Handelsunternehmen sind, desto datengestützter arbeiten sie“, sagt René Michaelis. „Das ist kein Fehler, sofern der Einkauf aus den Zahlen die richtigen Schlüsse zieht. Er muss sensibel analysieren und abwägen, welche Marke wofür steht und inwieweit man ihrer Entwicklung in der Kollektion Rechnung trägt. Einige große Händler wie zum Beispiel Lodenfrey und Breuninger

haben diesen Part an Freiheit und nutzen ihn ganz gezielt, um Neues auszuprobieren.“ Dabei gilt es vor allem, die Stärken der jeweiligen Kollektion herauszuschreiben. „Ein guter Einkäufer vermag, richtig zu quantifizieren, von welchem Trend und welchem Produkt er wie viel schreiben muss und welche Kollektion wofür steht“, so Patrick Ebnoether. „Die richtige Gewichtung zu treffen, ist ein wirklich anspruchsvoller Job, der viel Erfahrung und Gefühl erfordert.“ Denn zu lange wurde auch nach rechts und links nach dem Mitbewerbern geschaut. „Unterdessen ist der Markt so anspruchsvoll, dass sich viele auf sich selbst konzentrieren und für sich herausfinden, wofür sie stehen wollen“, sagt Patrick Ebnoether. „Gute Einkäufer trauen sich, bei einer Kollektion auch mal das Doppelte des Vorjahres zu schreiben, wenn Produkt, Aussage und Vertrieb stimmen. Waren die Steigerungen früher homogener und verhaltener, heißt es heute eher Top oder Flop. Es werden auch Kollektionen trotz einigermaßen guter Abverkäufe ganz gestrichen, wenn es nicht mehr passt.“ Zugleich bekennen sich vor allem die Tophändler umso schneller zu einer neuen Kollektion, sofern diese überzeugt. „Wir haben seit vergangener Wintersaison die neue Outerwearkollektion Duno im Programm und konnten wichtige Kunden auf Anhieb gewinnen“, sagt Patrick Ebnoether. „Im Premiumsegment fehlte lange ein neues Jackenprodukt, und hier stimmen Modegrad, Preis und Leistung.“ Mit Budget reingehen, mit Emotion inszenieren

Ganz oder gar nicht: Wer Neues zeigt, muss auch überzeugend darstellen. „Ein großes Potenzial liegt in der Präsentation, Zusammenstellung und Darstellung und im Verkaufspersonal“, sagt Patrick Ebnoether. „Hier kann noch so viel mehr gemacht werden! Wir überlegen deshalb, uns hier als Agentur noch mehr einzubringen, um die Ware in den Läden unserer Kunden zu inszenieren.“ Ben Botas, der mit seiner Agentur Ben and das junge, gehypte Label NA-KD vertreibt, plant gemeinsam mit Händlern wie Ludwig Beck Pop-up-Flächen von etwa 15 Quadratmetern. Die Pop-up-Fläche hat mit den üblichen Shop-in-Shops wenig zu tun. Denn es geht um eben diese Inszenierung: die Kollektion für die Zielgruppe überraschend und ansprechend zu präsentieren, immer wieder neu. Ben Botas sieht deshalb die Aufgabe seiner Agentur, nicht nur die Möblierung zu planen, sondern auch die laufende Warenbestückung mitzudenken. Es wird also nicht nachgezogen, was gut verkauft wurde, sondern mit Trendteilen immer neu dargestellt. Denn das Erfolgsprinzip dieser jungen Marken sind ja die täglich neuen Modeimpulse. „Die Bestseller wieder aufzufüllen, ist richtig für Onliner wie zum Beispiel Zalando, der täglich mehrere hundert Teile von NA-KD verkauft“, sagt Ben Botas. „Im stationären Handel muss dagegen


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ein immer wieder neues Bild präsentiert werden – gerade für die junge Zielgruppe, die schnell gelangweilt ist und immer wieder neu begeistert werden will.“ Ganz bewusst ist die Wholesale-Kollektion von NA-KD nicht online erhältlich, wird jedoch bei na-kd.com beworben: verlinkt mit dem nächsten Händler in der Nähe und gepusht durch Kooperationen mit lokalen Bloggern. „Ein Megasupport, der zeigt, dass der Wholesale ein großer Fokus der Marke ist“, sagt Ben Botas. Drykorn setzt ebenso auf die Vernetzung online und offline – weil es nunmehr wichtig ist, den Konsumenten auch im Netz abzuholen. „Seit eineinhalb Jahren stellen wir dem Handel unser Mediapackage digital zur Verfügung und richten unsere Kommunikation Social-Media-lastiger aus“, sagt Marino Edelmann.. „Indem wir unsere Key-Looks über Newsletter, mit Bloggern und Social Media pushen, geben wir auch den Leitfaden für die Händler vor. Es ist wichtig, dass wir das gemeinsam spielen.“ Haben wollen

Die sozialen Medien zu nutzen, ist für Händlerin Sandra Lemmich fast zur zweiten Natur geworden. „Im Handel wird brutal unterschätzt, was Instagram für eine Reichweite und Zugkraft hat“, sagt die 37-Jährige. „Ich bin mit vielen Händlern vernetzt, um mich über Neues auszutauschen. Auch in der Kommunikation mit den Kunden wird Instagram immer wichtiger. Viele entdecken uns dort: Letztens kamen ein paar Mädels aus München zu uns, weil sie neugierig geworden waren, und haben uns fast den Laden leergeshoppt.“ Sandra Lemmich arbeitete bei s.Oliver und beim Einkaufsverband Katag, bevor sie vor drei Jahren Maingold übernahm, um ihn zu ihrem Womenswear-Konzept namens Mainglück zu machen. Der Name ist Programm: Der Laden brummt auf seinen nur 100 Quadratmetern. Weil Sandra Lemmich die Vorteile nutzt, die sich ihr als kleiner Händlerin bieten. „Wir sind viel flexibler als jeder Filialist, der viel mit Vororder arbeiten muss“, so Sandra Lemmich. „Bei uns deckt die Vororder lediglich 45 Prozent ab, der Rest läuft kurzfristig.“ Sandra Lemmich ist fast jeden Tag auf der Fläche und beobachtet genau, wie die Ware ankommt. Fühlen sich die Kundinnen von den neuen, weiten Hosentypen angesprochen? Braucht es Strick in neuer Akzentfarbe dazu? „Ich kann dann schnell und kurzfristig reagieren. Wenn etwas gut läuft, kann ich mich schnell meine Lieferanten für Sofortware anrufen und so den Umsatz weiter pushen.“ Dieses Finetuning erfordert viel Fingerspitzengefühl – und einigen Aufwand. „Es verändert sich viel von Saison zu Saison, manche Lieferanten fallen weg, andere werden klarer in der Ausrichtung“, meint Lemmich. „Das kann ich nur nutzen, wenn ich dranbleibe.“ Verhindert der stationäre Handel manchmal Trends, wie ein Flaschenhals? Mitunter haftet ihm dieses Image an, zumal manche Innovationen schneller im Netz als auf den Verkaufsflächen sichtbar sind und die Konsumenten die neuen Sachen heute sofort haben wollen, nicht erst ein halbes Jahr später. „Manche Trends würgen wir im Handel sicher ab“, sagt Sandra Lemmich. „Mein Team und ich schauen auf den Berliner

Messen und im Netz und entscheiden uns nur dann für Neues, wenn wir glauben, es auch verkaufen zu können. Was eine Frau auf Instagram gut findet, gefällt ihr noch lange nicht an ihr selbst, die Trends bauen sich viel langsamer auf, als man denkt. Letzten Endes gefällt ihr der von uns zusammengestellte Look nur, wenn sie sich darin wohlfühlt. Egal, was in der Zeitschrift steht oder was im Netz gepostet wird.“ Passion und Engagement

Das Rad wird also nicht ständig neu erfunden, sondern es dreht sich weiter, immer ein kleines bisschen. Dass sich die Mode jede Saison rundum erneuern muss, ist vielleicht der Irrglaube, von dem man sich lösen sollte. Es geht viel mehr um eine evolutionäre Weiterentwicklung, um die Verfeinerung in den Kollektionen und manchmal sind es nur Nuancen, die es wieder spannend machen. Diese Nuancen gilt es für den Handel, zu finden – und das Richtige für ihn und seine Kunden auszuwählen. „Der Einkauf muss Trichter sein“, formuliert es Roberto Bauer. Sein gleichnamiges Herrenausstattergeschäft hat er 1986 in Lichtenfels gegründet – seine Leidenschaft für sein Metier hat ihn bis heute nicht verlassen. „Auf den Messen im In- und Ausland hole ich mir Appetit, mit Farben Formen und Looks. Ich bin viel unterwegs, um mir die Firmen anzuschauen, es gibt so tolle Manufakturen! Die finde ich aber nur, wenn ich mich zu ihnen aufmache, offen und neugierig bleibe.“ Im Anschluss nimmt sich Bauer gemeinsam mit Tochter Sara, die am Geschäft beteiligt ist, die Zeit, die Eindrücke einzuordnen. „Es ist wichtig, zu überlegen, was mein Kunde im Schrank hat. Braucht er noch die 27. Daunenjacke? Oder habe ich den Mut, ihn mit etwas Unerwartetem zu locken?“ Nur wer seinen Kunden kennt, kann für ihn auch einkaufen, weiß Roberto Bauer. Daran arbeitet er mit Spaß und Engagement: Vorn im Sortiment etwas anbauen, hinten etwas wegnehmen. „Akzeptiert der Kunde den Look, den Preis, den modischen Grad? Es ist eine Philosophie und zugleich ein immerwährender Prozess“, beschreibt Roberto Bauer. „Unserem Kunden geht es um Begehrlichkeit, Ehrlichkeit, Kompetenz und Qualität. Jede Saison birgt eine große Chance und jede Saison beginnt immer bei Null.“

„Alle reden dar­ über, wie wichtig Individualität ist, aber nur die we­ nigsten setzen es in ihren Sortimen­ ten glaubhaft und konsequent um.“

René Michaelis, Inhaber Michaelis Fashion Agency

„Die Reichweite und Zugkraft von Instagram wird im Handel brutal unterschätzt.“ Sandra Lemmich, Inhaberin Mainglück, Würzburg

„Der Handel soll überraschen, gleichzeitig hat er seine knallharten Kennzahlen und sieht sich mit Kunden konfron­ tiert, die oft besser infor­ miert sind als er selbst.“ Marino Edelmann, Drykorn Geschäftsführer Vertrieb und Marketing

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LASST DIE JUNGEN RAN! Die Sortimente auffrischen, sich mit den neuen Herausforderungen der Di­ gitalisierung auseinandersetzen – das sind überlebensnotwendige Aufgaben im Handel. Warum nicht die Fähigkeiten junger Mitarbeiter nutzen, wenn es dar­ um geht, den Modehandel nach vorne zu denken? Ihr Potenzial wird noch viel zu wenig genutzt. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Gesprächspartner. Illustration: Claudia Meitert@Caroline Seidler

Johannes Westerheide ist von der Orderrunde zurück. Mehrere Tage war er unterwegs, hat mit seinem Team viele Kollektionen gesehen und viele Leute gesprochen, schließlich gehört er der Branche seit zehn Jahren an und ist entsprechend gut vernetzt. „Ich beobachte auf Messen und in Showrooms nur vereinzelt, dass die Einkäuferteams gestandener Häuser auch junge Leute dabei haben“, so der Geschäftsleiter von Silomon. „Generell bindet unser Handel seinen Nachwuchs noch viel zu wenig ein. Vielleicht, weil gerade wir in der Modebranche uns immer für am Puls der Zeit halten, egal, wie alt wir sind. Aber ein Mittvierziger kann dennoch gewisse Dynamiken nicht mehr so nachvollziehen wie derjenige, der jetzt damit aufwächst.“ Zugleich steht der Einzelhandel unter Kostendruck. „Aus der Not heraus gönnt sich der Händler oft die Investition nicht, seine jungen Mitarbeiter mitzunehmen“, sagt Westerheide, „für viele sind das Personalkosten, bei denen kein unmittelbarer Umsatz dahintersteht. Die Wenigsten haben begriffen, dass das aber für ihre Zukunft notwendig ist.“ Umbruch

Offline und Online, anything goes. Die Herausforderungen im Markt sind überaus komplex: Die Kommunikation hat sich vollkommen gewandelt, der Informationsfluss ungleich beschleunigt. Was

uns heute bestimmt, ist zudem jung getrieben: Die technische Digitalisierung und Social Media sind jung besetzte Themen, die von den Jungen gefordert und auch vielfach weiterentwickelt werden. Und sie können von großem Nutzen für den stationären Handel sein. Johannes Westerheide sieht sich und Silomon als Handelsunternehmen, wie viele andere auch, im Findungsprozess. Er möchte Erlebnis auf der Fläche bieten und das auf allen Kanälen entsprechend bewerben. „Wir haben in der Geschäftsleitung diskutiert und erkannt, dass, wer es nicht versteht oder nicht Social-Media-affin ist, es auch nicht gut kann“, sagt Westerheide. „Deshalb habe ich das Feld ein paar Mitarbeitern überantwortet, die 20 bis 25 Jahre alt sind und somit die sozialen Medien ganz intuitiv nutzen.“ Etwa dreimal wöchentlich gibt es Posts auf Facebook und Instagram. Die Ideen hierfür kommen meist von den Verkaufsmitarbeitern auf der Fläche. „Der Erfolg ist nicht direkt messbar, aber wir merken, dass sich unsere junge Klientel glaubhaft mitgenommen fühlt, weil es nicht so erwachsen konstruiert ist.“ style in progress 218


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Elke Henschel, Head of Buying Ludwig Beck, baut ebenfalls auf die Jugend. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, jüngere Mitarbeiter zu fördern und ihnen auch Verantwortung zu übertragen“, sagt sie. „Sie gehen anders ran an die Dinge, frisch und unvoreingenommen, ohne Vorgeschichte. Das möchten wir für Ludwig Beck nutzen. Auf der anderen Seite haben wir langjährige Mitarbeiter, deren Erfahrung zum Tragen kommt, wenn es schwierig wird, zum Beispiel, wenn Umsätze nicht laufen und ein Plan nicht wie gedacht aufgeht. Denn damit tun sich Jüngere schwer. In Zusammenspiel unserer Mitarbeiterschaft zwischen Anfang 20 und 60 Jahren ist es umso wertvoller, dass jeder etwas beitragen kann.“ So sind bei Ludwig Beck die Jungen in der Order oft die Entscheider, die auch die Möglichkeit bekommen, junge Kollektionen, die gerade dran sind, auch mal mit einer Pop-up-Fläche zu promoten, wie in den vergangenen Osterferien die Marke NA-KD, mit DJ und Drinks von frank Juice. „Neue Kollektionen bekommen bei uns leicht eine Chance“, so Elke Henschel. „Wir wissen durch Umfragen, dass unsere Kunden von uns erwarten, überrascht zu werden. Deshalb sind wir immer bereit, Neues auszuprobieren, auch, weil die Dynamik im Markt noch mal zugenommen hat.“ Eine Dynamik, die auch Johannes Westerheide zu spüren bekommt. „Es ist schwieriger geworden, die jüngeren Kunden authentisch abzuholen, weil der modische Wandel sich dort schneller vollzieht. Für sie müssen wir die neuen Themen wie jetzt die Streetwear, wie sie Marken wie Champion, Fila und Elesse verkörpern, von Null auf Hundert auf der Fläche zeigen. Das gelingt uns nicht immer. Und die jungen Kunden sind noch nicht so loyal wie die älteren, weil ihnen die Beratung, also unsere USP, noch längst nicht so wichtig ist.“ Neue Kunden

Laura Rogger unterstützt ihre Eltern Fritz Rogger und Sonja Rogger-Furrer seit eineinhalb Jahren im Unternehmen Phänomen, gemeinsam mit ihrer Schwester Marina Bayat-Rogger. Facebook, Instagram und Whatsapp sind ihre Domäne, und sie nutzen sie für Phänomen schon länger. „Für uns ist das ein zusätzlicher Kanal, mit dem wir unser Geschäft bewerben, außerdem sehen wir dort Trends und welche Marken die Stars tragen“, sagt die 28-Jährige. Durch Initiative der Schwestern bereichern Kollektionen wie Fenty x Puma, Roqa, Sneaker von Filling Pieces und Menswear von Deus Ex Machina das Angebot von Phänomen. „Manches haben wir zu vorsichtig eingeteilt, da hätten wir mehr auf unser gutes Bauchgefühl hören können, denn ein Bild auf der Fläche überzeugt mehr als ein paar Einzelteile“, sagt Laura Rogger. „Mit Anine Bing trafen wir zwar den Geschmack unserer jüngeren Kundinnen, aber die Kollektion war für sie zu hochpreisig. Viele junge Frauen kaufen mehr bei Zara, während die jungen Männer eher bereit sind, bei uns Geld auszugeben, etwa für Marken wie Stone Island und Dsquared2.“ Schon zweimal haben die Rogger-Schwestern zur Friend’s Night eingeladen, gemeinsam mit den jungen Verkaufsmitarbeitern, inklusive DJ und Drinks. „Das kam super an, viele haben sich 218 style in progress

vorher nicht zu uns getraut, weil sie dachten, das Sortiment sei nur teuer!“, berichtet Laura Rogger. „Die jungen Kollektionen haben oft auch erschwinglichere Preise, die sich Jüngere leisten können, während die Junggebliebenen gern zur Dsquared2-Jeans das T-Shirt von Deus dazu kombinieren.“ So spricht der verjüngte Markenmix auch die Stammklientel von Phänomen an und macht darüber hinaus Jüngere zu neuen Fans. Freiheit zur Verantwortung

Die Freiheit der neuen Generation zu geben, damit diese sich im Unternehmen entfalten kann, wird auch von der Familie Grüner beispielhaft gelebt. Mit 150 Jahren ist Grüner in Klagenfurt das dort älteste Handelsunternehmen, das jetzt in fünfter Generation geführt wird. „Wir haben das Glück, dass unsere Kinder mit Spaß dabei sind, das ist ja keine Selbstverständlichkeit“, sagt Alfred Grüner. Seine Tochter Theres verwaltet das Büro für die nunmehr fünf Geschäfte, während sein Sohn

„Mit unseren neuen Kollektionen bekommen wir auch die jüngeren Kun­ den, weil die Preise nicht so hoch sind.“ Laura Rogger, Geschäftsführerin Phänomen

„Es ist mir eine Herzensan­ gelegenheit, jün­ gere Mitarbeiter zu fördern und ihnen Verantwortung zu übertragen.“

Elke Henschel, Head of Buying Ludwig Beck

„Ich möchte bei meinen Einkaufs­ mitarbeitern ein Be­ wusstsein für einen gesunden Preisla­ genaufbau schaffen, weil die Welt nicht nur aus Premium besteht. Denn wir wollen auch die Breite der Kunden erreichen.“ Johannes Westerheide,  Geschäftsleiter Silomon 


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Grüner. „Wohl ganze 70 Prozent der Konsumenten informieren sich vorab im Netz, bevor sie ins Geschäft kommen. Was mich dabei überrascht, ist die Tatsache, dass das Konsumenten jeden Alters sind.“

„Es steht nicht mehr einer allein vorn, der alles weiß, sondern wir alle wissen etwas, über alle Alters­ schichten hinweg.“

Hard to get

Frank Troch, Geschäftsführer Hirmer

„Die junge Denke unserer Kinder hält auch uns Eltern jung.“

Alfred Grüner, Geschäftsführer Grüner

„Es funktioniert, weil mein Vater von Anfang an den Druck herausge­ nommen hat.“ Gregor Grüner, Leiter Online-Business Grüner

Gregor neben der Filiale in der Kramergasse, den Onlinebereich verantwortet. Mit Erfolg: Der seit sieben Jahren betriebene Webshop ist seit zwei Jahren in den schwarzen Zahlen. „Es funktioniert deshalb so gut, weil mein Vater von Anfang an den Druck herausgenommen hat, dass wir übernehmen müssen“, so Gregor Grüner. „Zudem ist er ein guter Stratege und macht die Möglichkeiten auf.“ Schon 1998 initiierte Alfred Grüner einen Webshop und bewies damit visionäres Denken. „Es war aber noch zu früh und außerdem konnte sich keiner richtig darum kümmern“, sagt Alfred Grüner. In der Zusammenarbeit wird eine demokratische Gesprächskultur gepflegt. „Vor allem bei modischen Themen zeigt sich die andere Sicht“, meint Alfred Grüner. „Der Trend Karo wirkt auf unsere Generation bieder, die junge dagegen findet Karos cool.“ Wann ist es gut, auf die Kinder zu hören, und wann zählt die Erfahrung? „Da kann man keinen Strich ziehen“, sagt Alfred Grüner. „Ich glaube an den stationären Handel, zumal wir jetzt eine weitere Filiale in Velden eröffnen. Aber ich halte Online auch für wahnsinnig wichtig. Die Social-Media-Kanäle sind so tolle Instrumente, uns zu bewerben, so können wir schnell interessante Artikel unter die Leute bringen“, sagt Alfred

Nach wie vor leidet der Handel unter Mangel an Nachwuchs. Niedrige Löhne machen den Job ebenso wenig attraktiv wie die Rabattschlachten im Modemarkt, die zur Selbstentwertung beitragen. „Die wirklich qualifizierten jungen Leute muss man heute länger suchen“, sagt Frank Troch, Geschäftsführer von Hirmer. „Die aber, die man findet, die Spaß am Beruf haben, stehen viel früher vor einer Gruppe und referieren, sie trauen sich mehr zu.“ Die Anforderungen auch an den Einkauf ändern sich schnell und grundlegend. „Gleichzeitig ist die normale Ausbildung für den Bereich Einkauf oft unzureichend“, sagt Johannes Westerheide. „Ich muss meine Einkaufszahlen verstehen, lesen, deuten und aufbereiten können, das lernt der Auszubildende bei uns in internen Schulungen und Learning by Doing. Der Markt ist so stark im Wandel, aber der Professionalisierungsgrad der Ausbildung im Handel muss deutlich steigen. Wir sind oft nicht schnell genug, die nötigen Schritte zu gehen.“ Smartphonegeneration

Hirmer in München will die Tradition des Herrenmodehauses ebenso in die Zukunft führen. Gerade wird das Erdgeschoss modernisiert und dabei einem jungen Mitarbeiterteam zwischen 18 und 25 Jahren, der sogenannte Förderkreis, ein Mitspracherecht eingeräumt. „Wie sieht heute ein Cashpoint aus, wo und wie zahlt der Kunde, wie vernetzt sich der Kunde bei uns mit unserem Onlineshop? Da kommen ganz andere Sichtweisen aus der Smartphonegeneration zum Tragen“, sagt Frank Troch. „Früher hatte jeder Verkäufer einen Zettel mit seinen Stammkunden in der Tasche. Heute ist es das Smartphone. Das ist nur ein anderes Medium, um mit dem Kunden zu kommunizieren. Wer hätte noch vor einigen Jahren gedacht, dass sich über Whatsapp Umsätze generieren lassen?“ Darüber hinaus werden die Jungen bei der Order und bei Fabrikantenschulungen integriert. „Heute übertragen wir dem Nachwuchs schon deutlich früher mehr Verantwortung“, sagt Frank Troch. Die eingangs formulierte Forderung: „Lasst die Jungen ran“ möchte er dennoch umformulieren. „Lasst die Mutigen ran, das trifft es für mich besser“, sagt Troch. „Es steht nicht mehr einer allein vorn, der alles weiß, sondern wir alle wissen etwas, über alle Altersschichten hinweg. Wir haben heute viel mehr Spezialistentum und jeder hat seine entsprechenden Stärken. Diesen Wandel vollziehen wir gerade: Ich weiß was und du weißt was. Gemeinsam wissen wir mehr.“

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Sebago. UNTER NEUER FLAGGE Die italienische BasicNet Gruppe, zu der u. a. auch die Marken Superga, Kappa und K-Way gehören, hat im Sommer des vergangenen Jahres vom amerikanischen Konzern Wolverine die Lizenz für Sebago übernommen. Seitdem wurde damit begonnen, die Traditionsmarke wieder zu alter Stärke zurückzuführen und behutsam mit modernem und zeitgemäßem Designansatz weiterzuentwickeln. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: Sebago

Daniel J. Wellehan Sr., William Beaudoin und Joseph Cordeau gründeten Sebago 1946 am Ufer des gleichnamigen Sees in Maine im Nordosten der USA. Ihr erster Schuh war ein rahmengenähter Penny Loafer, der in seiner Machart vom Mokassin der Indianer inspiriert war. Ab Mitte der 1960er-Jahre wurden die Loafer auch nach Europa exportiert. Im Jahr 1970 folgte mit der Einführung des Modell Docksides ein handgenähter Segelschuh aus Leder mit rutschfester Gummisohle, der genau wie das farbenfrohen Pendant Namens Spinnaker zu den wohl bekanntesten Modellen von Sebago gehört. Viele Jahre lang war die Marke Sponsor des America’s Cup und der Celebrity-Regatta von Newport nach Bermuda sowie Ausstatter der US-amerikanischen Segelnatio-

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nalmannschaft. Aktuell ist die Marke weltweit in 90 Ländern vertreten. Aber nicht nur echte Segler schwören auf Sebago. Schon Paul Newman, John F. Kennedy, Steve McQueen und Michael Jackson trugen damals die Schuhe aus Maine. Heute gehören u. a. Kate Middleton, Tom Hanks, Pharrell Williams, Bruno Mars, Lourdes Ciccone Leon und Jack O’Connell zu den Fans der Marke. Zudem gab es Kooperationen und Capsule-Kollektionen mit Filson, Ronnie Fieg und Amor Luxe. Bereits im Jahr 2003 übernahm Wolverine World Wide Inc. die Rechte an der Marke, bis im Juli 2017 die in Turin ansässige BasicNet SPA die Lizenz von Wolverine kaufte. Die österreichische CMH GmbH ist der Vertriebspartner von BasicNet für die D-A-CH-Region. Customer Service und Lager für die D-A-CH-Region sind in Schönau ansässig.

Klassisch, kultig, sportlich: Segelschuhe von Sebago sind weltberühmt und gehören zu DNA der Marke.


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Seit 18 Jahren kümmert sich Jan Dicks um den Vertrieb von Sebago in der D-A-CH-Region.

Auf neuem Kurs

„Direkt nach der Übernahme durch BasicNet haben wir mit einer Qualitätsoffensive begonnen und die alten Produktionsstätten in der Dominikanischen Republik und in Mexiko wieder aktiviert. Dazu kommen Betriebe in Portugal und Spanien, die alle dafür Sorge tragen, dass binnen kürzester Zeit die Qualität wieder genauso sein wird wie vor 25 Jahren“, erklärt Jan Dicks, Vertriebsleiter für Sebago in Deutschland, Österreich und der Schweiz und fügt hinzu: „Auch in puncto Brandbuilding

und Kommunikation hat sich schon einiges getan. Wir haben die Agentur Think Inc. aus München, die schon seit vielen Jahren für Superga aktiv ist, mit der PR-Arbeit für Sebago beauftragt. Um die Marke klar im Markt zu positionieren, wurde die Kollektion in die drei Linien Outdoor Campsides, Marine Docksides und Urban Citysides unterteilt. Zu unseren langjährigen Kunden gehören u. a. Hirmer in München oder Horstmann + Sander in Hannover. Zu den Wunschkunden in der Zukunft zählen neben

KaDeWe und Breuninger auch Händler wie Eckerle.“ Die Preisspanne der Sommerkollektion reicht von 79 und 89 Euro für Canvas-Modelle über die Kernpreislage 120 bis 150 Euro bis hin zur Premiumpreislage von 200 Euro für Loafers aus hochwertigem Leder. Die Kalkulation liegt zwischen 2,5 und 2,7. „Es gibt drei Liefertermine und den unschlagbaren Vorteil der freien Größeneinteilung. Gerade erweitern wir das NOS-Programm auf rund 35 Modelle und werden künftig auch

große Größen ab Lager anbieten können. Außerdem starten wir mit dem Aufbau einer Textilkollektion, die wir im Sommer zum ersten Mal auf dem Pitti in Florenz und der Premium in Berlin zeigen werden“, freut sich Jan Dicks, der für Süddeutschland und Österreich den Vertrieb macht. In der Schweiz ist die Agentur von Daniel Graf zuständig, der Norden Deutschlands wird von Michael Zabe betreut.

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FINDEN WIR GUT

Fashion Forward Berliner Duft

FRAU TONIS PARFUM. Düfte für sich sprechen zu lassen, Duft als Inspiration zu begreifen – ganz ohne Kampagne und ohne schmückende Prominenz: Das ist die Philosophie von Frau Tonis Parfum aus Berlin. Mit viel Sorgfalt und Liebe kreieren die Macher seit 2009 in ihrer puristisch eingerichteten Werkstatt der Düfte am Checkpoint Charlie ausgewählte Parfüms mit einzigartiger Qualität und Struktur. Bestes Beispiel ist der Lieblingsduft von Marlene Dietrich, die in den späten 1920er-Jahren „Reines Veilchen“ getragen hat. Ein exzentrischer Duft mit eigenwilligen Noten von grünem Blattwerk, Lakritz und Vanille. Die Manufakturdüfte werden in gläsernen Apothekerflakons präsentiert. Nichts soll vom Wesentlichen ablenken. Die neueste Kreation der Duft No. 33 Vild ist bewusst jenseits des Mainstream angelegt. Kein zarter Blütenduft, sondern ein kompromissloser, betörend aromatischer Duft, der zu Widerstand, Unabhängigkeit und Mut anregen will. Verarbeitet wurden dafür Aromen wie Safran und Wildleder in außergewöhnlich hoher Konzentration, die mit Noten von Thymian, Himbeere, Amber und Mitternachtsjasmin unerwartet ergänzt werden. Das Eau de Parfum No. 33 Vild ist in den drei Größen 15, 50 und 100 Milliliter erhältlich und kostet von 45 bis 135 Euro. Mit Hilfe der Experten von Frau Tonis Parfum können sich Duftliebhaber auch ihren eigenen persönlichen Duft anfertigen. Frau Tonis Parfum, Berlin/Deutschland, 0049.30.20215310, post@frau-tonis-parfum.com, www.frau-tonis-parfum.com 218 style in progress

FUNKY BUDDHA. 2003 von Familie Alexiou aus Griechenland gegründet, stehen beim Young-Fashion-Label Funky Buddha alle Zeichen auf Expansion. In Deutschland wurde 2017 ein Flagshipstore im Centro Oberhausen eröffnet sowie ein eigener E-Commerce-Store gelauncht. Doch auch im Wholesale will es die Marke wissen. Mit preislich attraktiven Kollektionen präsentiert man sich dem Multibrandhandel als verlässlicher Partner. Mit Shop-in-Shop-Systemen, eigenen Retailstores und einem Franchisingkonzept wird die Expansion weiter vorangetrieben. Das Besondere an Funky Buddha: Die Produktions- und Lieferkette unterliegt einer strengen Corporate Social Responsibility, die Verwendung streng kontrollierter, ökologischer Materialien, nachhaltige Produktionsprozesse sowie der Umweltschutz spielen in allen Abläufen und Entscheidungen des Unternehmens eine wichtige Rolle. Die aufgehende Sonne im Labelling wurde nicht von ungefähr als Markensymbol gewählt: Den Entschluss, ein eigenes Modelabel zu gründen, fasste die Familie Alexiou auf einem Businesstrip durch Asien. Die Philosophie der Marke huldigt dem Markenmotto „Express yourself“. Inspiriert von Musik, verschiedenen Kulturen, Kunst, intensiven Gefühlen und der leidenschaftlichen Liebe zur Natur interpretiert Funky Buddha die neuesten Trends mit innovativen Ideen und individuellem Style. EK-Preislagen der Kollektion für Damen und Herren beginnen bei 20 Euro und gehen bis 35 Euro, kalkuliert wird mit 2,7. Pro Jahr gibt es acht Kollektionen und zwei Flashprogramme, ein Lager ergänzt das Serviceangebot für den Handel. Funky Buddha Germany, Dortmund/ Deutschland, T 0049.231.42789894, dwaloszczyk@funkybuddha.de, www.funkybuddha.de

#Brillenfashion

IZIPIZI. Die 2010 gegründete Prêt-à-porter-Brillenmarke ist mit über 55 internationalen Kaufhaus-Präsenzen eine versierte Globetrotterin. Egal ob Le Bon Marché und Merci in Paris oder MoMa, Dover Street Market und Barneys in New York – Izipizi trifft mit seinen klassischen Gute-Laune-Accessoires, nämlich Lese- und Bildschrimbrillen in lustig, genau den Zeitgeist. Dabei setzt das Label auf bestmögliche Komptabilität und kreiert Modelle für die ganze Familie. Im Marais-Viertel in Paris eröffnete die Brand ihren ersten Flagship-Store und präsentiert die vollständige Kollektion – von der #Reading über die #Screen, der #Sun Glacier bis zur #Screen Junior. Händlern bietet Izipizi einen schnellen, unkomplizierten Order- bzw. Nachorder-Service. Pro Saison produziert das Label eine Limited Edition und stellt unterschiedliche Arten von Vitrinen und Präsentiermöglichkeiten zur Verfügung. Zusätzlich haben Händler die Möglichkeit, sich bei Auswahl und Merchandising beraten zu lassen oder grafische Unterstützung einzuholen. Die Mindestbestellanzahl ist variabel und von der Range abhängig. Das alles kommt ihnen von einer anderen Marke bekannt vor? Zum Start des Labels hieß Izipizi noch anders, musste aber den Namen ändern. Also: Same, same but different. dfp design, Baden-Baden/Deutschland, cornelia.bechtold-grafe@dfpdesign.de, T 0049.722.4067854, www.izipizi.com


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Bonjour Sunshine

MATIN. Nicht nur Gesundheitslehren schwören auf ihn, den Morgen, auf Französisch „le matin“. Auch das australische Label Matin setzt auf die produktivste Zeit des Tages. Die Gründerinnen und Designerinnen Lucy und Michelle Perret haben sich der regionalen Kleidung verschrieben. Trotzdem denkt die Brand mit Sitz in Sydney europäisch. Ihr Stil ist von der Mode Frankreichs und den fließenden Silhouetten der 1970er-Jahre inspiriert: Luftige Kleider und voluminöse Tops mit weiten Ärmeln und floralen Dessins oder weite Hosen und Röcke mit modischen Rüschen-Details lassen die Ära von Brigitte Bardot und Jane Birkin aufleben. Matin verfeinerte den Bohemien-Style mit hochwertigen Materialien und setzt dabei auf softe Stoffe und Naturfasern wie Seide, Baumwolle oder Leinen. Die EK-Preise bewegen sich bei der australischen Brand zwischen ungefähr 50 und 270 Euro, der VK ist zwischen circa 150 und 790 Euro angesiedelt. Eine Mindestabnahme ist bei Matin nicht gegeben – vertreten wird die Marke in den deutschsprachigen Ländern von der Agentur The Style Manifest. The Style Manifest Agency, Berlin/Deutschland, T 0049.30.69504238, steve@tsma-fashion.com, www.matinstudio.com

Buy less, buy better

VOR. Eine Freundschaft aus frühen Jugendtagen, das Interesse an Streetwear und nicht zuletzt Perfektionismus – so könnte die Kurzbiografie des Münchner Gründerduos hinter der Marke Vor lauten. Jörg Rohwer-Kahlmann designte lange für Puma, Andreas Klingseisen ist diplomierter Sportwissenschafter. Zusammen gründeten sie 2010 die Sneakermarke Vor, die in ihrer cleanen Handschrift Qualität zum obersten Prinzip erkoren hat. Mit viel Farbgefühl abgestimmte Leder, Schuhbänder und Sohlen münden in Sneaker in ihrer Reinform. Ob Hightop oder Low-Variante, jedem Schuh wohnt ästhetische Balance und Akribie in der Herstellung inne, die übrigens samt und sonders in Deutschland erfolgt. Das Label „Made in Germany“ trägt Vor mit Stolz und Konsequenz – sogar der recyclingfähige Schuhkarton kommt aus Deutschland. Mit ihrem hohen Anspruch hat sich die Marke Achtungserfolge unter Sneakerheads erkämpft, jetzt soll mit Lifestyle- und Modehändlern ein breiteres Publikum angesprochen werden. Die EK-Preislagen ab 145 Euro bei einer Kalkulation von 2,47 mündet in Verkaufspreisen von 339 Euro und mehr, weshalb die beiden Gründer raten: Buy less, buy better. Dass sie diesem Prinzip gerecht werden, ist in jeder Stufe der Wertschöpfungskette sichergestellt. Vor, München/Deutschland, T 0049.172.8476259, info@vor.shoes, www.vor.shoes

Am Anfang steht der Stoff

ERO JACKET. Seit 1950 steht der Name Lanificio Roma für innovative textile Materialien. Eine Kompetenz, die heute mit Ero Jacket in eine nicht minder innovative Fashionlinie für Damen und Herren mündet; 100 Prozent made in Italy. Am Anfang steht immer der Stoff, für die Winterkollektion sind es beispielsweise die zwei patentierten Eigenentwicklungen Cuore di Panno und Techno Panno, die in Kombination mit einem Viskosejerseyfutter wasserfest werden, Ton in Ton oder in einer Kontrastfarbe. Vielfach zeigen die Styles ihre Raffinessen erst auf den zweiten Blick, sei es in der Schnittführung oder in ihrer Haptik, die das Know-how von Lanificio Roma in Sachen Materialien spür- und erlebbar machen. Für die Sommerkollektion setzt Ero Jacket dieses Erfolgsrezept fort. Die Jacken und Mäntel liegen zwischen 90 und 160 Euro im EK, bei einem Mark-up von 2,7 und bilden damit die Einstiegspreislage ins Premiumsegment. Vielfach sind Modelle, Fabrics und Fütterung frei variierbar und werden für den deutschen Markt über die Room Nine Agency vertrieben. Room Nine Agency, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.22987978, torsten.mueller@roomnineagency.de, www.ero.moda

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FINDEN WIR GUT

Vollendung des Einfachen

HEDWIG BOLLHAGEN. In den HB-Werkstätten in Marwitz, am Rande Berlins entsteht seit 1934 exklusive Steingutkeramik von höchster Qualität. Als Gründerin und kreative Impulsgeberin prägte Hedwig Bollhagen, die 2001 im Alter von 94 Jahren verstarb, die Unternehmenskultur durch Stilsicherheit, Fleiß, Sensibilität und Mut. Über politische Systeme und Widrigkeiten hinweg kreierte sie ein Klima der Freigeistigkeit und machte die Hedwig Bollhagen Werkstätten so zur Anlaufstelle der kreativen Avantgarde. Persönlichkeiten des Weimarer Bauhaus wie Werner Burri, Theodor Bogler und Charles Crodel fanden hier eine Wirkstätte und trugen zu Stil, Renommee und historischer Bedeutung des „kleinen Bauhaus“ bei. Ganz im Geiste der Anfangsjahre bestimmen auch heute Funktionalität, Zweckmäßigkeit, Authentizität und Klarheit der Form die Kollektionen. In zahlreichen, präzisen Arbeitsschritten entstehen einzigartige Gebrauchsgegenstände, die traditionelles Keramikhandwerk und aktuellen Zeitgeist in Einklang bringen – die Vollendung des Einfachen. Die Preise für Vasen reichen von 22 Euro für eine kleine Frühlingsvase bis zu 3.000 Euro für limitierte Editionen nach Hedwig Bollhagens letzten Entwürfen. Zu sehen ist die Kollektion auf der Maison & Objet in Paris und dem Salone del Mobile in Mailand.

Hedwig Bollhagen International GmbH, Oberkrämer, Marwitz/Deutschland, T 0049.3304.39800, sales@hedwig-bollhagen.de, www.hb-ritz.de 218 style in progress

Was auf die Ohren

Edles Tuch

MAISON PASSAGE. Luxuriöse Haptik, ausdrucksstarke Motive. Die Tücher von Maison Passage überzeugen mit besonders weichem Griff, gepaart mit wahrhaft künstlerischer Innovation. Dahinter steht die Beita Group aus Paris, die die Tücher aus reinem Cashmere, reiner Merinowolle, Modal oder Seide in Nepal fertigen lässt. So zeigen die Tücher beispielsweise italienische ornamentale Fresken, indische Briefmarken, Tiere oder auch New Yorker Graffitis, mal farbstark, mal in subtilen Farbtönen. Andere zeigen Popikonen wie John Lennon und David Bowie, aber auch Persönlichkeiten wie Gandhi und die Queen – der Phantasie scheinen kaum Grenzen gesetzt. Die Schals und Tücher kosten aus Modal 63 Euro im EK, aus Merinowolle 99 Euro und aus Cashmere 169 Euro bei einer Kalkulation von 2,7. Zu kaufen gibt es die Kollektion beispielsweise bei Different, Apropos, Mondial Mode, Unützer und Le Bon Marché in Paris. Im deutschen Markt ist Mark Etzold für den Vertrieb zuständig, der sich mit seiner Düsseldorfer Agentur MNE auf wenige Marken konzentrieren möchte, um sie umfassend betreuen zu können. MNE, Düsseldorf/Deutschland, mark@mne-fashion.de, www.maisonpassage.com

KREAFUNK. Reduziert, formschön, alltagstauglich – das ist das Credo des dänischen Labels Kreafunk. Hinter den smarten tragbaren Audiogeräten stehen die Gründer Kenneth Melchoff Bahnsen und Ruben Fog-Fredsgaard mit einem hohen Anspruch an Design und Funktionalität. „Dance while the music is playing“, ist ihr Wahlspruch. Ihre Wireless-Bluetooth-Lautsprecher zum Mitnehmen erinnern im Design an schicke Handtaschen oder an lustige Eulen. Sie treffen damit den Lifestyle des nomadischen urbanen Trendsetters. Zusätzliche Funktionen wie DAB+-Radio, LED-Beleuchtung oder integrierte Power Banks machen aus den kleinen Geräten alltägliche Lieblingsprodukte. Ohrhörer und Kopfhörer sowie ein reduziert gestaltetes Aufladegerät ergänzen die Linie. Seit Juli 2017 gibt es weitere Accessoires wie Ladekabel, Schlüsselanhänger aus Leder oder Laptophüllen. Das Produktsortiment soll sich stückweise erweitern. Die Lautsprecher starten mit 69 Euro, je nach Zusatzfunktion bis ca. 159 Euro VK, Accessoires gibt es ab 39 Euro bis ca. 65 Euro VK, kalkuliert wird mit 2,3. Weltweit bedient das Unternehmen 43 Märkte mit Schwerpunkt Europa. Neben Design- und Interieurshops rücken durch das erweiterte Angebot zunehmend Conceptstores in den Fokus. Kreafunk, Aarhus C/Dänemark, T 0045.96990020, Julia Dionies, jdn@kreafunk.dk, www.kreafunk.com


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Für immer Cashmere

F CASHMERE. Als Kind hatte Nicola Fissore in den Kisten gespielt, in denen die erfolgreiche Cashmere-Strickkollektion Fissore an die Premiumkunden weltweit verschickt wurde. Später arbeitete er 20 Jahre im Finanzbusiness, bevor er dieser Branche den Rücken kehrte – für das, wofür seine Familie ohnehin steht: ein jahrzehntelang erworbenes Knowhow für hochwertigen Strick und ein Gespür für Zeitgeist und Mode. So ist die Kollektion F Cashmere entstanden, deren F nicht nur für Fissore, sondern vor allem für Forever steht. Denn F Cashmere ist relaxte Everydaywear, allerdings ohne alltäglich zu sein, was namhafte Händler von Hasardeur über Helmut Eder, Abseits, Bailly Diehl, Daniels, Hubert H. bis hin zu Holiday überzeugt. Typisch sind ein sehr lässiger Style, Überfärber und gesprayte Optiken für Grob- und Feinstrick. Zu der erfolgreichen Damenlinie ist jüngst eine Herrenkollektion hinzugekommen, die die Erfolgselemente der Womenswear maskulin übersetzt und ergänzt, in gedeckten bis leuchtenden Farbnuancen. Die Modelle sind in verschiedenen Wollen und Preiskategorien erhältlich. So kosten Cashmere-Gemische zwischen 120 und 170 Euro im EK und reine Cashmere-Styles zwischen 190 und 210 Euro bei einer Kalkulation von 2,7.

D, A, CH: Agentur Toepfer GmbH & Co. KG, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.1306360, office@agentur-toepfer.de, www.fcashmere.it

Pimp your Sneaker

FRINGE. Eine Messereise nach Paris: Die Gründerinnen des Onlinestores Ella + Rubi, Daniela Juhala und Amy Radich, verschlägt es auf den legendären Flohmarkt Marché aux Pusces und dort greifen beide zu einem alten Golfschuh mit den typischen Fransen. Die Idee: Diese Fransen auch für Sneaker zu machen – als lustiges, einfach anzubringendes Accessoire. Schnell waren die ersten Prototypen fertig, lokale Produzenten gefunden, der Name lag auf der Hand: Fringe. In verschiedenen Glitzerfarben gibt es das Accessoire bereits, dazu verschiedene Farbkombinationen, besondere Lederoptiken und Camouflage-Muster. Im EK kosten die Lederversionen 14 Euro, Glitter 12 Euro, die VK-Preise liegen dann bei 28 und 24 Euro. Den Vertrieb machen die beiden Powerladys derzeit noch selbst, erste Gespräche mit Vertriebsagenturen haben aber begonnen. Neben den Modeläden reflektieren auch Golfund Tennisstores auf Fringe – was die beiden darauf brachte, sich das Ziel zu setzen, Fringe als Lizenzprodukt für die großen amerikanischen Ligen auf den Markt zu bringen. Tom Brady mit ein Paar Glitzerfringes an seinen Sportschuhen? Wenn es nach Daniela und Amy geht: Auf jeden Fall! Fringe, Oregon/USA, T 001.5038048007, hello@fringeyou.com, www.fringeyou.com

Heiße Luft

STEAMERY. Wie viel Spaß Funktionales machen kann, beweist mal wieder ein schwedisches Unternehmen: The Steamery hat aus Liebe zur Kleidung das Dampfbügeleisen perfektioniert. Was in der Modeindustrie gang und gäbe ist und sich als beste Bügelmethode bewiesen hat, ist noch längst nicht in normalen Haushalten angekommen. Das könnte auch an der sonst klobigen Aufmachung liegen, die diese eigentlich praktischen Geräte häufig mit sich bringen. The Steamery hat sich nicht nur der Funktion angenommen, sondern auch dem Design, das so schön ist, dass es fast schon als Fashion-Accessoire durchgehen könnte. Die formvollendete Reisevariante Cirrus Travel Steamer liegt nicht nur gut in der Hand und bügelt schwierige Stoffe im wahrsten Sinne des Wortes nur mit heißer Luft heraus, sondern würde auch in jeden Conceptstore neben Designobjekte passen – kein Wunder, dass er in nur wenigen Saisons schon in über 200 Geschäften in 20 Ländern, hauptsächlich Modeboutiquen, vertrieben wird. Die Reisegröße gibt es ab 89,95 Euro, Standardgrößen für Zuhause und professionelle Geräte kosten zwischen 180 und 350 Euro. Zubehör wie Kleiderbürsten und Entpiller sind ab 32 Euro erhältlich, Pflegetipps für Stoffe und Bekleidung gibt es gratis dazu. Steamery AB, Stockholm/Schweden, T 0046.10.2065015, petra@steamery.se, www.steamery.de style in progress 218


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Lasst die Qualität sprechen! California Dreaming

BELLA DAHL. Kalifornischer Lifestyle pur. Diese Leidenschaft für die Golden Coast spiegelt sich auch in den Modellen der 2010 in Los Angeles gegründeten Marke Bella Dahl wieder. Hemden und Blusen aus superweichem Tencel sind eines der Aushängeschilder der Kollektion. Besonders macht sie ihr cooler Loose Fit, der den aktuellen Oversize-Look ebenso wie die Maximen des Labels, nämlich Bequemlichkeit und maximaler Tragekomfort, trifft. Um letzteren zu gewährleisten, setzt die Marke auf Tencera, einen speziellen Fertigungs- und Waschprozess, welcher einen luxuriösen, weichen Griff und ein exklusives Finish garantiert. Zu den prominenten Fans der Marke zählen Stars wie Amanda Seyfried, Alessandra Ambrosio und Jessica Alba. Bella Dahl wird bereits in nahezu 1.000 Läden weltweit, unter anderem auch bei Bloomingdales und Nordstrom, verkauft. Preislich liegen die Modelle zwischen 29 und 59 Euro im EK, bei einer Kalkulation von 2,8. Die typisch amerikanische Taktung der Order und Auslieferung kommt europäischen Kunden sehr zugute. Knaus oder Knaus GesbR, Salzburg/Österreich, T 0043.676.5904185, isabellaknaus@me.com, www.belladahl.com 218 style in progress

EQT. Patrick van der Woude und Robin Engelen hatten genug von lautem Schuhwerk mit fettem Branding, als sie 2010 ihr Label ETQ. mit dem Anspruch gründeten, die Qualität des Produkts für sich sprechen zu lassen. So entstand eine elegante, zeitlose Sneakers­ kollektion für Männer, die über die Jahre um Outerwear und Accessoires erweitert wurde. Für alle Produkte ist der Vorsatz geblieben, nicht Mode zu machen, sondern Design zu einem nachvollziehbaren Preis zu kreieren. Ein Beispiel: Sneaker aus Kalbsleder kosten 96 Euro EK, bei einem Mark-up von 2,7. Für den Vertrieb der Sneaker in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist seit der letzten Saison die Modeagentur Benabou verantwortlich. „ETQ. ist die perfekte Ergänzung unseres Sortiments“, sagt Regis Benabou. „Wir sind mit unserer ersten Saison sehr zufrieden und konnten mit ETQ. schon einige sehr gute neue Kunden gewinnen.“ Die Herbst-/Winter-Kollektion 2018 vereint Handwerkskönnen mit Innovation. So gibt es beispielsweise einen ultraleichten technischen Hiking-Boot sowie Sneaker aus wasser- und schmutzabweisendem Nubukleder, das mit weniger Chemikalien als üblich behandelt wird, um den Umwelteinfluss der Fertigung möglichst gering zu halten. Ein Weg, den die Macher von ETQ. konsequent weiterverfolgen möchten. Die Kollektion zählt Selfridges, Apropos, Printemps und De Bijenkorf zu ihren Imagekunden. MAB Modeagentur Benabou GmbH, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.4371490, info@mab-fashion.com, www.etq-amsterdam.com

Natur und Struktur

FUNDAMENTAL BERLIN. Natürlich schön hat bei Fundamental Berlin eine ganz andere Bedeutung, denn die geometrischen Muster der Kreationen des Architektur- und Designstudios sind mathematischen Strukturen entlehnt, die nicht die Technik, sondern die Natur hervorgebracht hat. Die Metallschälchen und Messingkerzenständer bedürfen aber ein bisschen Fingerspitzengefühl, denn sie kommen versandtauglich im Flatpack und müssen von Hand zusammengebaut werden – eine Aufforderung zum Spiel und selbst zum Produkt beizutragen. Das hat natürlich auch den Vorteil, dass gutes Design zu einem sehr günstigen Preis weitergegeben werden kann: Kunstvolle Büroklammern gibt es schon für 9,90 Euro, Kerzenständer und Tillandsien-Halter für 15,90 und Vasen ab 22,90 Euro. Das intelligente Konzept hat die Berliner Architekten, die übrigens auch hochwertige Möbel und Bauprojekte machen, schon in die renommiertesten Designdestinationen weltweit gebracht. Zu den Händlern gehören die Shops von Museen wie dem Museum of Modern Art in New York, das Design Museum in London, das Vitra Design Museum und auch das HAY House in Kopenhagen und kleine Conceptstores in ganz Europa. Fundamental Berlin, Berlin/Deutschland, T 0049.30.20076424, mail@fundamental.berlin, www.fundamental.berlin


FINDEN WIR GUT 55

Bequemschuh mal anders

JOE N JOYCE. Komfort, zeitgemäßes Design und hochwertige Materialien – auf diesen Nenner lässt sich die Linie Joe N Joyce bringen. Im Fokus steht die Bequemlichkeit, daher sind anatomisch geformte Sohlen aus Kork, Kautschuk und Naturleder die Basis, es gibt sie in zwei Weiten. Auf die Sohle setzt das Münchener Unternehmen Sandalenformen und Clogs in unterschiedlichsten Materialien, Farben und Dessinierungen. Alle Modelle werden in europäischen Betrieben hergestellt, die auf diese Art von Schuhen schon lange spezialisiert sind. Ziel ist es, hauptsächlich mit Naturmaterialien zu arbeiten und die Verwendung anderer Materialien auf die Bereiche zu beschränken, bei denen sie entscheidende Trage- oder Funktionsvorteile bieten, wie z. B. bei der rutschfesten EVA-Laufsohle. Neben Leder kommen Hanf, Baumwolle und nickelfreie Metallschnallen zum Einsatz. Neben Basic-Modellen für Männer und Frauen gibt es immer wieder trendige Farben und neue Formen der Sandalen und Clogs. Das Programm wird mit modischen Espadrilles ergänzt. Diese gibt es ab 15 Euro im VK, Sandalen und Clogs ab 35 Euro bis ca. 69 Euro. Modeagentur Mindner, München/ Deutschland, T 0049.89.35062051, buero@modeagentur-mindner.com,  www.modeagentur-mindner.com

Für Minimalisten

SA.AL & CO. Tirol ist normalerweise nicht der Ort, an dem man luxuriöse Männerkosmetik vermutet. Das könnte sich ändern. Mit seinem Start-up ist Gründer Istvan Laszloffy angetreten, den Männerkosmetikmarkt aufzumischen. Das einfache Rezept: 100 Prozent hochwertige Inhaltsstoffe wie z. B. Makadamiaöl oder Shea Butter, vegan ist die Linie darüber hinaus auch noch. Seine Produktpalette ist auf fünf wesentliche Produkte reduziert: Duschgel, Feuchtigkeitslotion, Deodorant, Rasiercreme und After Shave Lotion, alles hergestellt in Tirol. Eine cleane Verpackung in gebürsteten Aluminiumtuben und -flaschen überzeugt den Minimalisten und kann darüber hinaus noch personalisiert werden. Neu ist ein Travel-Package mit Dusch­gel für unterwegs. Neben Conceptstores wie Ludwig Beck, KaDeWe oder Lodenfrey ist die Serie auch für hochwertige Parfümerien interessant. International liegt sie bei Mr. Porter, Merci, Le Bon Marché oder The Conran Store. Die Preise liegen zwischen 22 und 32 Euro mit einer Kalkulation von 2,3. Another Souvenir GmbH, Stuttgart/ Deutschland, T 0049.711.99751642, tommy@anothersouvenir.de, vanessa@anothersouvenir.de, www.anothersouvenir.de

Weitgereist

STYLE HEAVEN. Mitten im Himmel: Sabine Ritter und Sukey Brandenburger sind Gründerinnen und Geschäftsführerinnen von Style Heaven, dem gleichnamigen Onlineshop aus München. Ihr Geschäftsmodell ist, stilvolle Accessoires, Möbel und Fashion aus den unterschiedlichsten Kulturen zu einem einzigartigen Ganzen zusammenzustellen. Auf ihren Reisen rund um die Welt nach Norwegen, Bali, Marokko, Thailand, Indien und Burma suchen sie ausgefallene und hochwertige Produkte rund um Trendthemen wie Hippie und Boho Chic. Ritter und Brandenburger unterstützen durch ihren Einkauf kleine Familienbetriebe, die Produkte teilweise exklusiv für sie entwickeln. Ihre Fundstücke, die oft in traditioneller handwerklicher Qualität gefertigt werden, reichen von stilvollen Wohnaccessoires über Fashion bis hin zu Schmuck. Besonders die Schmuckauswahl ist sehr ausgefallen: Von Echtsilber-, Perlen- und Onyxketten bis hin zu aufwändigen Armbändern und Kristallketten. Die Preisspanne reicht hier von Kristallarmbändern um 20 Euro bis hin zur Turmalinkette um 170 Euro im VK. Modeagentur Mindner, München/ Deutschland, T 0049.89.35062051, buero@modeagentur-mindner.com,  www.styleheaven.de

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If the shoe fits Ist der Sneaker-Hype an seinem Höhepunkt angekommen und folgt nun die Abkühlung? Wer das prophezeit, argumentiert es als Konsequenz der aktuellen Überhitzung im Markt. Extreme Silhouetten, dekorierte Styles und Stilmittel aus der klassischen Schuhmanufaktur geben dem Sneaker eine unglaublich hohe Drehzahl. Er hat sich vom InsiderTrading der Streetwear Heads gelöst und sämtliche Genres der Modebranche buchstäblich überrannt, selbst in der HighFashion ist der Sneaker gesetz(t). Da macht es auch wenig, dass einige Major Brands dem Multibrandhändler die Freundschaft kündigen – der hat nämlich längst Alternativen gefunden. Redaktion: Isabel Faiss. Fotos: Hersteller, www.MarthaLouisa.com

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MODE 57

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58 MODE

No need for heels

Dekoration ist das Hoheitsgebiet des Fashion-Sneakers, Übertreibung der neue Mini­ malismus. Bunte Prints, kostbare Brokatstoffe, Perlenapplikationen … Der Sneaker läuft dem Highheel den Rang ab.

Vic Matié

Floris van Bommel

Melvin & Hamilton

Kennel & Schmenger

MaiMai

Prada

Ash

Superga

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Veja


MODE 59

Sun 68

Dolce & Gabbana

Golden Goose Deluxe Brand

Liu Jo

Nobrand

Floris van Bommel

„Sohlen und Stylings sind verrückter als je zuvor. Aber am Ende heißt es wie immer: Folge deiner eigenen Richtung, sei einzig­artig, und alles wird gut.“ Floris van Bommel

Ash

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60 MODE

Sloane Ranger

Der ultracleane Preppy-Look holt den maskulinen Fashion-Sneaker aus seiner Heritage-Sportswear-Ecke, übergießt ihn mit luxuriösen Detaillösungen, ersetzt Canvas auch mal gegen feinstes Leder und reduziert auf die Essenz, was es an einem Sneaker zu reduzieren gibt.

Nobrand

Bally

Berluti

Brioni

Yves Saint Laurent

Project Delray

P448

VOR

Santoni

Eytys

Bottega Veneta

„Wir machen neuartige, modische, stylische Sneaker, die durch das Material Loden wahnsinnig unique aussehen.“ Carl Warkentin, Mitgründer Monaco Duck

Monaco Duck x Glücklich

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MODE 61

„Extreme stehen für Abkühlung“ Eingeschlafene Füße oder heiß gelaufene Sohlen? Wo rennt der Fashion-Sneaker denn nun hin? Markus Dielmann verfügt über hoch­sensible Seismografen – man könnte es auch professionelles Bauchgefühl nennen –, die ihm sagen, wann die Welle eines starken Trends im Markt allmählich überschwappt. Und an diesem Punkt sieht er den Hype rund um den FashionSneaker bald angekommen. Text: Isabel Faiss. Fotos: Dielmann Gruppe

Der Fashion-Sneaker ist ein Topseller im Markt. Sind wir schon an einem gewissen Höhepunkt angelangt oder geht der Hype ungebremst weiter?

Wenn ich darauf eine Antwort hätte, wäre es deutlich einfacher. Insofern stellen Sie die richtige Frage, denn die treibt momentan viele um. Ich sehe allerdings die ersten Zeichen für eine Abkühlung. Erstens sind die neuen Modelle, die ich so sehe, sehr extrem und das müssen sie auch sein, um sich stark von dem gesamten Markt abzusetzen. Beispielsweise Balenciaga oder Ash sind aber schon so extrem, dass ich nicht daran glaube, dass diese Entwicklung bald in einen Umschwung des gesamten Marktes münden könnte. Auf der anderen Seite gibt es als Gegenbewegung zu diesem Extrem eine enorme Bandbreite an sehr, sehr ähnlichen Schuhen. Das zweite Signal ist, dass

wir die ersten Preisaktionen bei Mitbewerbern sehen, die wie der gesamte Markt große Mengen hochmodischer Sneaker gekauft haben und durch Hochrechnung nun schon sehen, dass sie mit Reduzierungen gegensteuern müssen.

ganz großen Marken zusammenzuarbeiten, weil sie ihre Cluster und Spezialprogramme haben und den Einkauf an sich sehr kompliziert machen. Darüber beschweren wir uns nicht, aber es ist einfach ein Fakt. Der Sneaker gehört inzwischen zum guten Ton einer Schuhkollektion und eines modischen Total-Look-Labels. Beflügelt das das Thema?

Wie weit geht der Konsument den Weg der stilistischen Übertreibung überhaupt mit?

Das kann ich schlecht sagen, wir sind als im mittleren Segment angesiedeltes Unternehmen nicht in der Lage, diese Zielgruppe zu kommentieren. Aber sicherlich ist an uns und unseren Kollegen ein großes Geschäft vorbeigelaufen, weil es andere Händler gab, die durch ihre Terminierung, ihre hohe Affinität zu Online und ihre Marketinganstrengungen in der Lage waren, in diesem sich sehr schnell verändernden Markt hin zu einem großen Anteil an Sneakern mitzugehen.

Welche Message schwingt mit, wenn Marken wie Nike und Adidas einen massiven Rückzug aus dem kommerziellen Markt ankündigen?

Meiner Meinung nach ist die strategische Entscheidung der Major Brands eine Reaktion auf eine von den Herstellern selbst stark vorangetriebene Überdistribution. Um eine weitere Wachstumsgeschichte schreiben zu können, müssen sie diesen Schritt machen, ohne in der Argumentation unglaubwürdig zu sein. Was das konkret in der Praxis bedeutet, das erleben unsere Einkäufer schon seit mehreren Saisons, nämlich, dass es ein sehr mühsamer Prozess ist, mit den

Markus Dielmann führt mit Thomas Dielmann die Dielmann Gruppe in der dritten Generation. Anhand von extremen High-Fashion-Trends wie Ugly Sneakers oder Dad Shoes prophezeit Markus Dielmann eine baldige Abkühlung des Themas im Markt.

Ja, das ist Fluch und Segen zugleich. Wenn man gerade die Messe in Düsseldorf gesehen hat, wo die Herbst-/WinterKollektionen und ein paar Sofortprogramme gezeigt wurden: Alle Sofortprogramme waren Sneaker und alles, was für den Herbst/Winter kam, war kein Sneaker mehr. Die Hersteller und Agenturen merken, dass sie aufpassen müssen, dass sie nicht mit dem ewig gleichen für Herbst/Winter wieder kommen. Das ist ein starkes Zeichen dafür, dass vor allem die kleineren und oft schnelleren Marken erkannt haben, dass es einen Silhouettenwechsel braucht und dass es einfach mit einem Farbupdate nicht funktionieren wird.

Mit rund 700 Mitarbeitern an 25 Standorten ist Dielmann einer der führenden Schuhhändler im deutschen Markt. Markus Dielmann leitet gemeinsam mit Dr. Thomas Dielmann das Unternehmen in dritter Generation.

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62 MODE

Black and White

Das ist die Grauzone: Shiny metallic Optiken, grafische Schwarz-WeißMuster, Grau in allen Schattierungen von der Naht bis zur Sohle, Gold als Dekor. Wer sich abheben will, trägt die Nichtfarbe auf innovative Oberflächen auf und lässt verschiedene Materialien miteinander um den Hype zanken.

Superga

Adidas Yeezy Powerphase

Nobrand

Arkk Copenhagen

Project Delray

Closed

VOR

New Balance

Veja

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Candice Cooper


MODE 63

Sun 68

Longchamp

Liu Jo

Valentino

Woolrich

Primabase

Diemme

„Jeder kann das ausprobieren, was er möchte: Riesige Sohlen, die buntesten Farben, Materialmix – die Party hat begonnen, nur leider auch in manchen Fällen mit ziemlich viel Bad Taste. Wir stehen für Good Taste, für Dinge, die uns länger erhalten bleiben.“ Susanna Nadler, Closed style in progress 218


64 MODE

„Service ist das Alleinstellungsmerkmal“ Marion Wächter hat von ihrem Vater Bernd den Wiener Laden Footsteps übernommen – und trotzt gleich dreifacher Konkurrenz: Warum trotz E-Commerce, Monolabelstores der Marken und Ketten individuelle Läden immer noch eine Chance haben, erklärt sie im Interview.

dass man als Multibrandhändler, bei dem die Kosten ja stetig wachsen, mit der Spanne kaum durchkommt. Also gilt es, sehr zu selektieren und sich die Modelle herauszupicken, die betriebswirtschaftlich Sinn machen.

Hat Adidas denn Recht, dass die Markenbildung heute hauptsächlich online passiert?

Text: Martina Müllner-Seybold. Foto: Nathan Murrell

Adidas CEO Roland Auschel ließ ausrichten, dass „sich der Konsument offensichtlich für den digitalen Vertriebsweg entschieden hat“ und die Marke „systematisch den Direktverkauf über unsere E-Commerce-Plattform“ antreiben wird. Überrascht Sie eine solche Aussage?

Nein, das wundert uns nicht, denn die großen Anbieter haben seit Jahren entschieden, dass sie eher für sich selbst als für ihre Handelspartner arbeiten. Darum haben wir uns zum Beispiel vor einigen Jahren entschlossen, die Zusammenarbeit mit Nike zu beenden – ein großer Schritt. Für uns unabhängige Händler haben sich die Bedingungen der Zusammenarbeit mit großen Marken extrem verschlechtert, der Orderprozess ist sehr kompliziert geworden, es gibt zum Beispiel oft keine österreichischen Niederlassungen mehr. Bei der Order müssen wir genau rechnen, denn auf Standardmodelle ist die Marge so gering, 218 style in progress

Marion Wächter grenzt sich mit dem Sortiment von Footsteps erfolgreich ab: Gerade weil die Auswahl an Sneaker, Schuhen und Casualwear hier fein kuratiert ist, profitiert das seit 20 Jahren bestehende Geschäft vom Sneaker-Boom.

Viele Kunden sind sehr vorinformiert, ja, ob bei der Marke oder auf unserem Onlineshop, da wird genauestens vorher recherchiert. Aber ich sehe auch einen Gegentrend: Die Kunden schätzen, dass sie die Ware bei uns noch live erleben, angreifen und probieren können. Dass scheinbar immer alles verfügbar ist, macht den Kunden anspruchsvoll: Ihn von einem anderen Modell zu überzeugen, wenn das gewünschte in seiner Größe nicht mehr da ist, ist praktisch unmöglich. Und erklären Sie mal einem Kunden, der online gesehen hat, dass es den Schuh irgendwo noch gibt, dass sie als Händler ihn nicht nachbestellen können – das versteht kein Mensch. Viele Firmen haben ja ihr Lagerangebot sehr heruntergefahren. Davon gibt es allerdings auch Ausnahmen, die einen guten B2B-Service etabliert haben.

Zielgruppe als früher. Auch die Dame im fortgeschrittenen Alter trägt heute einen Sneaker – und diese Zielgruppe schätzt unsere Beratung und unseren Service sehr. Da macht es dann auch plötzlich nichts mehr, dass 50 Meter von uns entfernt ein Snipes-Laden ist – der spricht eine ganz andere Zielgruppe an. Wie kuratieren Sie Ihr Angebot?

Wir versuchen, Klassiker in coolen Varianten zu haben und nicht den totalen Mainstream anzubieten. Diese Auswahl schätzen die Kunden, weil sie oft gar nicht so viel Zeit haben, sich so in das Thema Sneaker zu vertiefen. Da freuen sie sich, wenn sie aus einem guten Sortiment auswählen können und noch dazu von einem kompetenten Team beraten werden. Geben Sie neuen Marken eine Chance?

Natürlich, wir probieren immer mal wieder etwas aus – aber um ehrlich zu sein, schaffen es nur wenige, sich neben etablierten Marken dauerhaft zu positionieren. Und die Konsumenten wollen Marken.

Wie hat sich der Markt verändert?

Durch den Sneaker-Hype, der nun ja schon längere Zeit anhält, verkaufen wir an eine viel ältere

www.footsteps.at


MODE 65

Step up

Neue Volumen und Plateau-Sohlenformen geben dem Fashion-Sneaker seinen modischen Bezug. Seit dem Buffalo-Plateau-Schuh der 1990er-Jahre hat sich niemand mehr an dieses Thema herangetraut.

Puma

Diemme

Eytys

Superga

UGG

Kennel & Schmenger

Gucci

Marni

Ruco Line

„Selbstverständlich beobachten wir aufmerksam, wie sich der Markt entwickelt, aber in erster Linie bleiben wir uns treu und verfolgen weiterhin unsere Ziele.“ Lorenzo Boglione, Vice President Sales Superga

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66 MODE

Runnerific

Die Streetwear hat den funktionalen Laufschuh aufgrund seines Alltagskomforts längst als Umsatzbringer verstanden, jetzt setzt ihn die High-Fashion als sogenannten Ugly Sneaker um. Markante Sohlen, bunte Nähte und extravagante, futuristische Details machen den auch Dad Shoe oder Nerd Sneaker getauften Hype aus.

Arkk Copenhagen

Balenciaga

Stella McCartney

Ash

Gucci

Kennel & Schmenger

Reebok

„Die Kommunikation über die digitalen Kanäle, über die sich Marken sehr stark an ihre Konsumenten binden, lösen den größten medialen Hype aus. Hier sind besonders Gucci, Balenciaga, Supreme oder Off-White zu erwähnen, welche ihren Siegeszug ausschließlich über Logo, Produkt und digitale Kommunikation erreicht haben. Aktuell geht es stark um den Ugly Sneaker, der inzwischen in allen Preislagen im Markt zu finden ist.“ Marcel Melzig, Managing Director Ash Germany Distribution 218 style in progress

Liu Jo

Prada

Fenty by Puma


MODE 67

„Dass der ursprüngliche Sneaker seine Anfänge weit hinter sich hat, lässt sich nicht bestreiten. Ebenso wenig, dass die Margen der klassischen Sportswear-Sneaker alles an­ dere als gewinnbringend bemessen sind. Bei STEREO/ MUC stellen Sneaker trotzdem eine bedeutende Säule des Produktportfolios dar. Während die Luxury-Fashion-Brands mit ihren üppigen Ugly Sneakers und Dad Shoes gerade Akzente setzen, fokussieren wir bei STEREO/MUC zeitlose Modelle, die sich abseits des Mainstreams positionieren. Die Omnipräsenz des Sneakers und dessen optische (Weiter-)Entwicklung erkennen wir jedoch auch. Heute darf ein Sneaker nicht nach herkömmlichem Turnschuh aussehen, sondern muss individuell und besonders sein. Bei unseren Kunden verspüren wir vermehrt den Wunsch, durch einen Sneaker den Gesamtlook aufzuwerten und einen gewissen Bruch zu erzielen. Im Grunde muss der Sneaker heute jedoch ein Alleskönner sein. Neben der optischen Strahlkraft muss er hohe Qualitätsmerkmale, wie beispielsweise Komfort, aufweisen. Das Erfolgsgeheimnis ist aber nach wie vor – wer hätte es gedacht – das Label. Hier darf sich der VK-Preis auch gerne der magischen Preisgrenze von 300 Euro annähern.“

Florian Ranft, Stereo/Muc

„Er darf nicht nach herkömmlichem Turnschuh aussehen“

Uwe Deinert, Cuore Tricolore

„So wie bei jedem anderen Thema verhält es sich auch mit dem Sneaker-Markt. Beim einen schlafen in der Tat die Füße ein und der nächste brennt ein Feuerwerk ab, dass die Sohlen nur so qualmen! Was sich schon jetzt andeutet, wir werden es mit einer Volumenveränderung zu tun haben. Die Tendenz, die Balenciaga mit dem Trippel S angestoßen hat, wird von vielen Fashionlabels aufgegriffen und in den unter­ schiedlichsten Typen seine Fortsetzung finden. Auch wenn jeder versucht, das Segment Sneaker zu besetzen, so finden nur wenige Gehör und setzen sich langfristig durch. Nike und Adidas haben durch ihre Streetwear- und Fashion-Colabs ein echtes Feuerwerk losgelassen, doch scheint es, zu viele Raketen in zu schneller Abfolge zu geben. Mal schauen, wann die Ersten keine Lust mehr haben, in den Sneaker-Himmel der beiden zu schauen. Durch den Rückzug der beiden Giganten im stationären Retail entsteht kein Freiraum, denn diese Zone wird ja umgehend von Marken wie Off-White, Balenciaga, Gucci oder Champion besetzt. Selbstverständlich schwächeln auch in diesem Segment einige und es wird neue Player geben, die das Licht der Welt erblicken. Des Weiteren ergibt sich im Damenmarkt eine neue Chance für Casual Schuhe, da die ersten Ladys beim Thema Sneaker müde werden.“ style in progress 218


68 MODE

Candy Shop

Glitzer, Glamour, Farbe satt. Curry-Farbtöne bleiben der Bestseller, auch im kommenden Winter. Daneben trifft man auf die üblichen Verdächtigen. Ton in Ton, von der Naht bis zur Sohle – die Wiederentdeckung der Stückfärbung.

Closed

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P448

Sun 68

Project Delray

Arkk Copenhagen


MODE 69

Adidas Yeezy Powerphase

Eytys

Kennel & Schmenger

„Für uns liegt dieser immense Erfolg vor allem in dem Wiedererkennungswert unserer Logos, einem Design passend zur Fashion und den richtigen Handelspartnern.“ Fabian Weiss, Sun 68 Fabi Shoes

Gucci

Valentino

Golden Goose Deluxe Brand

Woolrich

Adidas Pharell Williams HuHoli Powder Dye

Madeleine

„Die stetige Suche nach einzigartigen Stoffen, die besonderen Lederqualitäten und das italienische Design machen P448 zu einem authentischen Mitbewerber für luxuriöse Sneakermarken.“ P448 Team

Palm Angels

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70 MODE

„Die Sneakerindustrie ist wie eine Religion“ „Die Leute haben generell viel höhere Erwartungen als beispielsweise an ein T-Shirt.“ Thomas Refdahl und Kasper Rasmussen sind unorthodox. In ihrer Denkweise und vor allem in der Herangehensweise an einen Markt, in dem es unentwegt um den Hoheitsanspruch von Authentizität, Tradition, Heritage und namhafte Sportlegenden geht. All diese Untiefen haben die Dänen umschifft und den Sneakermarkt fast schon rotznasig mit einem völlig neuen Ansatz überrascht: Hinter ihrem Erfolg steht einfach nur ein richtig starkes Produkt und eine neue Silhouette, die inzwischen Sinnbild für ihre Marke ist. Text: Isabel Faiss. Foto: Arkk Copenhagen

Es gibt wohl kaum einen Markt, der so eng besetzt und hart umkämpft wie der Sneakermarkt ist. Wie kam es zu der Idee, ausgerechnet hier mit einem neuen Produkt zu starten? Das haben viele Marken vor Ihnen versucht und sind an der Hürde gescheitert, die Marktführer wie Nike, Adidas oder Puma halten.

Thomas Refdahl: Das ist eine spannende Frage, denn genau das hat uns veranlasst, Arkk Copenhagen zu starten. Mein Kollege und Mitbegründer Kasper hatte die Idee schon sehr lange, eine lokal verwurzelte dänische Sneakermarke zu gründen, die sich vom Rest im Markt 218 style in progress

Thomas Refdahl und Kasper Rasmussen gründeten Arkk Copenhagen aus dem simplen Grund heraus, weil sie keine Sneaker im Markt fanden, die ihren Ansprüchen genügten.

abhebt. Also waren wir uns schnell einig, dass Arkk Copenhagen auf nordischem Design, Architektur und Lifestyle basieren muss. Das unterscheidet uns von anderen Brands, die fast ausschließlich auf ihrer Heritage aus den Bereichen Sport- und Performance aufbauen.

Sie haben ein Kultprodukt gelauncht, das für sich selbst steht, ohne Storytelling über die eigene Tradition, eine authentische Heritage oder eine Sportlegende als Markenbotschafter. Das ist irgendwie neu im Sneakerbusiness.

Kasper Rasmussen: Stimmt. Ohne eine Geschichte, die man mit sich trägt, ohne Idole, denen man folgen muss, und ohne Budgets, die es einzuhalten gilt, waren wir immer so frei, uns komplett darauf zu konzentrieren, ein richtig starkes Produkt zu machen. Denn darum geht es: Wir müssen richtig starke Produkte designen, die für sich selbst stehen, da wir nicht über konkurrenzfähige Marketingbudgets verfügen. Wenn sie

einen Arkk Copenhagen Sneaker im Regal sehen, muss er so stark sein, dass er für sich selbst steht. Und ich denke, das haben wir geschafft – ob es nun ihren Schuhgeschmack trifft oder nicht. Innovation war lange Zeit ein Thema, das den Major Brands vorbehalten zu sein schien. Mit einer völlig neuen Silhouette haben sie diese Gesetzmäßigkeit auf den Kopf gestellt. Wie ist ihnen das gelungen?

Thomas Refdahl: Mit Hingabe und viel Arbeit. Das klingt klischeehaft, aber es ist wahr. Und wir haben in unser Team investiert, das uns in den Bereichen Marketing, PR, Finanzen, Verkauf, Organisation und Design unterstützt. Dieses Interview geben wir direkt aus unserem Büro in Ho Chi Minh in Vietnam, wo wir alle unsere Produkte entwickeln. Insgesamt 80 Leute wie beispielsweise Materialexperten, Ingenieure, 3D-Printing-Spezialisten, Grafikdesigner, Sohlenspezialisten,

Produktionsmanager, Qualitätsprüfer und Logistiker sind hier für Arkk Copenhagen im Einsatz. Gleichzeitig reist unser Team aus Kopenhagen inklusive mir und Kasper mindestens viermal im Jahr hierher, um neue Produkte, Prototypen und kommende Kollektionen zu sichten.

Ein Kultprodukt wie der Raven Sneaker von Arkk Copenhagen ist Fluch und Segen zugleich. Wie kann man auf diesen Erfolg aufbauen ohne dabei auf der Stelle zu treten?

Thomas Refdahl: Ich kann ihnen verraten, dass Arkk Copenhagen bisher nur die Spitze des Eisbergs gezeigt hat, wenn es um innovatives Sneakerdesign geht. Ab Mitte 2018 bis 2019 werden wir einige neue Produkte und Technologien präsentieren. Außerdem arbeiten wir gerade an der Kollektion für das dritte Quartal von 2019. Sie sehen also, wir denken weit voraus.

hm@arkkcopenhagen.com arkkcopenhagen.com


MODE 71

Moonlight Yogi

Dieser Trend ist auf sehr leisen Sohlen unterwegs: schlanke Seamless-HighTop-Varianten, supersofte Strick- und Meshstoffe, Slip-ons aus Synthetics oder zarten Veloursledern, Sockenbündchen und MokkassinSilhouetten.

Andia Fora

Vic Matié

Geox

Ecoalf

Diemme

Closed

Nobrand

Kennel & Schmenger

Arkk Copenhagen

Ash

Ecoalf

„Streetwear und HighFashion bewegen sich immer mehr aufeinander zu, wobei Sneaker diesen Prozess immer weiter vorantreiben. Nobrand greift diesen Trend auf und identifiziert sich auch ein Stück weit mit dieser Despektierlichkeit, ohne jemals die eigene DNA zu verlieren.“ Sergió Cunha, CEO Nobrand Marni

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72 MODE

Buckle Down

Die erfolgreiche Kreuzung aus Bergschuh und Sneaker macht sich vor allem bei der Schnürung bemerkbar. Aber auch Elemente wie Fellfütterungen, Schließen, Schnallen und robuste Lederoptiken stehen dem Adventure-Trend gut.

Nobrand

Woolrich

Diemme

Andia Fora

Ruco Line

Eytys

MaiMai

Primabase

„Der hohen Relevanz der Fashion-Sneaker im Markt kann man nicht entkommen.“ Lothar Radscheid, Geschäftsführer Candice Cooper GmbH

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Candice Cooper


MODE 73

Ash

Herstellerverzeichnis/Sales-Kontakte: Andia Fora, Agentur de Silvio, Bergisch Gladbach/Deutschland, T 0049.162.8110367, agenturdesilvio@gmx.com, www.andiafora.com Arkk, Kopenhagen/Dänemark, T 0045.31.140440, hm@arkkcopenhagen.com, www.arkkcopenhagen.com Bally, über Martha Louisa, www.marthalouisa.com Bottega Veneta, Lugano/Schweiz, T 0041.91.9101200, martina.deamicis@bottegaveneta.com, www.bottegaveneta.com Candice Cooper, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.45765625, lothar@candicecooper.com, www.candicecooper.com Closed, Hamburg/Deutschland, T 0049.40.4418400, sales@closed.com, www.closed.com Diemme, Komet und Helden, München und Düsseldorf/Deutschland, T 0049.89.9705280, info@kometundhelden.de, www.diemme.com Dolce & Gabbana, über Martha Louisa, www.marthalouisa.com Ecoalf, Room with a view, Salzburg/ Österreich, T 0043.662.875651, office@roomwithaview.at, www.ecoalf.com Eytys, Reference Studios, Berlin/ Deutschland, T 0049.30.20631556, wholesale@eytys.com, www.eytys.com Fabi Shoes, Mailand/Italien, T 0039.0281.34203, info@fabishoes.it, www.fabishoes.it

Floris van Bommel, Moergestel/ Niederlande, T 0031.13.5136900, etiennemanderveld@vanbommel.com, www.florisvanbommel.com Golden Goose Deluxe Brand, über Martha Louisa, www.marthalouisa.com Kennel & Schmenger, Salamander, Wien/Österreich, T 0043.1.81585081271, info@salamander.at, www.kennel-schmenger.de MaiMai, Agentur de Silvio, Bergisch Gladbach/Deutschland, T 0049.162.8110367, agenturdesilvio@gmx.com, www.maimaishoes.it Melvin & Hamilton, Paris/Frankreich, T 0033.1.77755125, Karim Choukair, kc@melvin-hamilton.de, www.melvin-hamilton.de Monaco Duck, München/Deutschland, T 0049.176.81114733, carl@monacoduck.com, www.monacoduck.com Nobrand, Xplusplus GmbH, Roshan Paul, München/Deutschland, T 0049.89.55272880, mail@xplusplus.de, www.nobrand.pt P448, Agentur Wittmann, Düsseldorf/ Deutschland, T 0049.211.58589690, office@agentur-wittmann.de, www.p448.de Prada, München/Deutschland, T 0049.89.2323850, www.prada.com Primabase, Cuore Tricolore, Düsseldorf/ Deutschland, T 0049.211.97176434, showroom@cuore-tricolore.com, www.primabase.it Project Delray, München/Deutschland, T 0049.89.54320073, service@project-delray.com, www.project-delray.com

Puma, Herzogenaurach/Deutschland, T 0049.30.22389933, service@eu.puma.com, www.puma.com Ruco Line, Showroom Mailand/Italien, showroom.milano@rucoline.it, www.rucoline.com Santoni, Vestitus GmbH, Düsseldorf/ Deutschland, T 0049.211.4360750, service@vestitus.eu, www.santonishoes.com Sun 68, Modeagentur Weiss, Fabian Weiss, Düsseldorf/Deutschland, T 0049.211.59841858, office@modeagentur-weiss.de, www.sun68.com Superga, CMH GmbH, Bernhard Aschauer, Kufstein/Österreich, T 0043.5372.716190, info@cmh-gmbh.com, www.superga.de Valentino, über Martha Louisa, www.marthalouisa.com Veja, PN Distribution GmbH, Philippe Nowotny, Berlin/Germany, T 0049.30.39800755, pnowotny@ic.vkn.de, www.veja-store.com Vic Matié, Cuore Tricolore, Düsseldorf/ Deutschland, T 0049.211.97176434, showroom@cuore-tricolore.com, www.vicmatie.com VOR, München/Deutschland, T 0049.172.8476259, ak@vor.shoes, www.vor.shoes Woolrich, Woolrich Germany GmbH, Ayca Tuncel, München/Deutschland, T 0049.89.97052827, ayca.tuncel@woolrich.de, www.woolrich.eu style in progress 218


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Schuhen ein Denkmal gesetzt: Coccodrillo Chaussures in Antwerpen.

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VOR ORT 75

A

Minimalistisch und edel ist der Stil des belgischen Stores.

Coccodrillo Chaussures/ Antwerpen

Hier finden Schuhsüchtige eine seit Jahren etablierte Anlaufstelle. Seit dem Umzug an den neuen Standort wird Coccodrillo Chaussures seinem Anspruch auf dezenten Luxus noch besser gerecht. Text: Ina Köhler. Fotos: Coccodrillo Chaussures

DISKRETER CHARME DER BOURGEOISIE

ntwerpen, die Stadt des weltweit bekannten Fashion Departments der Royal Academy of Fine Arts, hat in der Modebranche einen ganz besonderen Stellenwert. Dries van Noten, Ann Demeulemeester oder Martin Margiela starteten von hier aus ihre internationale Karriere. Das spiegelt sich nicht nur im Modemuseum der Stadt wider, sondern auch im Angebot des Einzelhandels. Neben den üblichen Luxusmarken, die auf der ganzen Welt zu Hause sind, ist die Innenstadt von vielen individuellen Boutiquen, die ganz selbstbewusst auf ihre Local Heroes setzen, geprägt. Das gilt in besonderem Maße für Coccodrillo, den 1983 gegründeten Schuhladen von Geert Bruloot und Eddy Michiels. Ihr Store gehört weit über die Grenzen von Antwerpen hinaus zur ersten Anlaufstelle für angesagtes Schuhdesign. Von Beginn an bestückten sie ihn, neben exklusiven französischen und italienischen Labels, mit einer kleinen und feinen Schuhauswahl von Antwerpener Designern, zum Beispiel vom damals noch unbekannten Martin Margiela. Das Sortiment ist bis heute ein Who’s Who der internationalen Luxusschuhwelt von Prada, Saint Laurent, Chloé, Balenciaga bis hin zu Raf Simons, A.F. Vandevorst, Church’s oder Gianvito Rossi. Im Frühjahr 2017 läutete der Umzug für das Traditionsgeschäft eine neue Epoche ein. FILIGRANER BRUTALISMUS In der Arensbergstraat, ganz in der Nähe der ursprünglichen Standorte auf der Schuttershofstraat ist auf 250 Quadratmeter ein Schuhtempel auf zwei Etagen entstanden: Von außen dezent und unauffällig gehalten, entfaltet sich im Inneren eine Welt rund um den Luxusschuh. Architektur und Möbel wurde von Glenn Sestig exklusiv für Coccodrillo Chaussures entwickelt. Das Genter Büro arbeitet bereits seit Jahren für renom-

mierte belgische Einzelhändler wie Verso oder Renaissance. Bestechend ist die Inspiration durch die Brutalismus-Architektur der 1970er-Jahre mit klaren Linien und spektakulären Sichtbetonwänden und -decken. Kontraste setzen filigrane Warenträger aus Metall, Transparenz und die in warmen Tönen bezogenen runden Polstermöbel. Das Interieur wirkt museal und minimalistisch zugleich, einzelne Paare werden mit Spots wie Ausstellungsstücke inszeniert. Für Events wie Ausstellungen und Präsentationen kann der Store flexibel umgebaut werden. Die Eingangsetage ist Frauenschuhen vorbehalten; schreitet man die großzügige Natursteintreppe hinauf, findet man eine feine Auswahl von Männerschuhen von Church’s und Carvil bis zum jungen Antwerpener Label WeberHodelFeder. Auf einen Blick wird klar: Hier geht es nicht nur um schnöden Verkauf, sondern um eine große Leidenschaft für den Schuh und alles, was dazugehört. Service wird bei Coccodrillo seit jeher groß geschrieben – eine Schuhwerkstatt, in der die Lieblingsmodelle repariert werden können, ist ebenso selbstverständlich wie regelmäßige Workshops, die von ausgewählten Marken angeboten werden. Die Verbundenheit mit dem Antwerpener Fashion Department zeigt sich bis heute: Jedes Jahr sponsert Coccodrillo einen Nachwuchspreis für das kreativste Schuhmodell der Abschlussklasse. Coccodrillo Chaussures A² New Volume Arensbergstraat 2 2000 Antwerpen/Belgien www.coccodrillo.com Eröffnung: 1983, März 2017 Inhaber: Geert Bruloot, Eddy Michiels Anzahl Mitarbeiter: 10 Verkaufsfläche: 250 qm Marken Frauen: A.F. Vandevorst, Balenciaga, Church’s, Chloé, Comme des Garçons Play, Dries van Noten, Gianvito Rossi, Miu Miu, Olivier Theyskens, Prada, Prada Linea Rossa, Raf Simons, Saint Laurent, Simone Rocha, Sofie D’Hoore, Tabitha Simmos, WeberHodelFeder Marken Männer: Brioni, Carvil, Church’s, Comme des Garçons Play, Gianvito Rossi, Lanvin, Lathbridge, Maison Martin Margiela, Max Verre, Officine Creative, Prada, Prada Linea Rossa, Raf Simons, Sofie D’Hoore, Walter van Beirendonck, WeberHodelFeder style in progress 218


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Viele der Designer bei Elkel findet man sonst nirgendwo in New York oder in den USA.

K Elkel/New York

Nimmt man den Merksatz ernst, dass ein Erfinder seine besten Ideen dann hat, wenn ihn persönlich ein Problem nervt, dann ist Kelvin Goncalves ein Ladenerfinder.

Text: Petrina Engelke

EXPRESSIVE MENSWEAR 218 style in progress

elvin Goncalves hatte den Gedanken verworfen, Mode zu studieren. Doch weil er in den USA nur mit Mühe Labels wie Dusty aus Finnland und Julian Zigerli aus der Schweiz auftreiben konnte, gründete er neben seinem Job bei einem Filmfestival einen Onlineshop für Herrenmarken. Bald stellte sich heraus, dass Elkel auch für andere Menschen ein Problem löste – in vielen Teilen der Welt. „Ich habe treue Kunden in Australien, das hätte ich nicht erwartet“, lacht Goncalves. VOM ONLINESHOP ZUM LADEN MIT DOPPELLEBEN In Windeseile wurde aus dem Experiment ein Vollzeitjob, und ein Pop-up-Shop in New York sollte als Marketingvehikel für Elkel dienen. Doch die fünf Tage jenseits der Weiten des Internets liefen so gut, dass der nach New York eingewanderte Brasilianer das Ganze wiederholte. In der Vorweihnachtszeit 2015 zog Elkel schließlich bei

Public Factory ein, einem Conceptstore-Projekt mit lauter Popups im schicken Soho Hotel. Aus den geplanten drei Monaten wurden anderthalb Jahre. Die Inspiration für seinen „richtigen“ Laden suchte Goncalves trotzdem nicht in New York, sondern in Paris und London – weil es dort viele sehr kleine Läden gibt. Und genau so etwas hatte er im Auge. Die Entscheidung für ein winziges Ladenlokal an der Lower East Side brachte ein unsichtbares Plus. Zum Laden gehört ein großer Keller, in dem nicht nur Ware für Onlinebestellungen lagert; dort hat Goncalves auch ein Fotostudio eingerichtet.


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„Man kann heutzutage nie genug Content produzieren“, sagt er. Shootings für den Onlineshop oder Social Media kann er nun effizient umsetzen – schließlich hängen die besten Stylingteile nur wenige Treppenstufen entfernt. FLEXIBILITÄT IM KLEINEN Mit dem Schritt in einen eigenen Laden erfüllte sich für Goncalves zudem ein Traum: Er konnte Walter van Beirendonk von einer Zusammenarbeit überzeugen, auch Vivienne Westwood kam hinzu. Expressive Menswear nennt Goncalves den Stil seines Sortiments, das vor allem von kleineren Designern aus Europa und Japan geprägt ist. Dieser Fokus erwies sich beim Sprung vom Onlineshop zum stationären Handel als clevere Entscheidung. „Bei der Bestellung sechs Monate im Voraus hatte ich an einen kleinen Pop-up in Soho gedacht, nicht an etwas Längerfristiges“, erinnert sich Goncalves. „Und in diesem Punkt ist es toll, mit unabhängigen Designern zu

arbeiten.“ Denn zu jenen hat er einen direkten Draht – und wenn etwas zur Neige geht, kann er für Nachschub sorgen. „Das läuft fast so wie Fast Fashion: Ich brauche dies oder das – und drei Wochen später ist es im Laden.“ Umgekehrt erfüllt Goncalves den Designern auch schon mal ausgefallene Wünsche. Für eine Präsentation wollte Julian Zigerli gern Go Go Boys haben – kein Problem: Praktischerweise hat Goncalves in seiner Karriere einen Umweg über die Film- und Musikbranche und das New Yorker Nachtleben genommen.

Frust beim Onlineshopping brachte Kelvin Goncalves auf das Konzept für Elkel.

Casper Schandorff beweist mit Project 4 ein Gespür für Trends.

Elkel 48 Hester St, New York, NY 10002/USA, T 001.347.9278232 www.elkel.nyc Besitzer: Kelvin Goncalves Eröffnet: März 2017 Mitarbeiter: 2 Verkaufsfläche: ca. 26 qm Labels Herren: Andrea Crews, Bleach Project, Christian Dada, Diego Favaro, Dusty, Elkel X Diego Montoya, Julian Zigerli, KLAR, Krizia Robustella, KTZ, MLTV, Nicola Indelicato, Pieter, Vivienne Westwood, Walter van Beirendonk, WRKDEPT Labels Accessoires: Andrea Crews, Diego Favaro, Dusty, Julian Zigerli, Krizia Robustella, KTZ, LZZR, Pieter, Vivienne Westwood, Walter van Beirendonk style in progress 218


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ie jugendlich-dynamische Boutique von Ines Schröcker zeigt, dass Salzburg nicht nur Festspiele und Mozartkugeln kann. Untermalt von Clubsound präsentiert Schroecker Fashion angesagte Brands und modische Querdenker. „Wir haben einige exklusive Marken, dazu zählt neben The Last Conspiracy auch Defend Paris“, so Ines Schröcker. Das Label von Madonnas Ex-Freund Brahim Zaibat hatte Schroecker Fashion österreichweit einige Zeit exklusiv. KREATIVER AUSTAUSCH Im September 2017 eröffnete Ines Schröcker, die für das Fashionbusiness ihr Jus-Studium ad acta legte, bereits ihre zweite Boutique. Dafür holte sie sich mit Evelyn Moser als

Schroecker Fashion/Salzburg

In Salzburg hat sich Schroecker Fashion mit zwei Boutiquen auf individuelle Mode aus aller Welt spezialisiert. Text: Veronika Zangl. Fotos: Schroecker Fashion

FRAUEN POWER

Partnerin eine treue Kundin und enge Freundin ins Boot. Die Mode-affine Quereinsteigerin aus dem Marketing- und PR-Bereich leitet die zweite Filiale. Während die erste etwas außerhalb in Nonntal liegt, ist die zweite direkt in der Altstadt. Beide Stores haben sich einem breiten, Mode interessierten Publikum verschrieben. „Eigentlich ist es nur eine Typfrage“, sinniert Ines Schröcker. „Interessiere ich mich für Mode, weiß ich, wer ich bin, und kann das damit zum Ausdruck bringen.“ Schließlich sei Mode heutzutage allgegenwärtig und das Äußere präge den ersten Eindruck. „Mit meinem Kleidungsstil kann ich ganz genau vermitteln, wer ich bin beziehungsweise wo ich platziert bin. Genau das will ich meinen Kunden anbieten“, so die Inhaberin. Kunden wird die Möglichkeit geboten, sich selbst zu verwirklichen. Je nach Boutique-Standort fällt das unterschiedlich aus. „In der Stadt ist mehr Laufkundschaft, mehr Touristen“, so Evelyn Moser. „Viele kommen nur zum Schauen und sind nicht so gezielt auf Einkauf fokussiert.“ Konträr zur Lage in Nonntal: „Dort haben wir die Kunden, die gezielt mit dem Auto kommen. Die haben Zeit, wollen etwas trinken und den Aufenthalt genießen“, erzählt Ines Schröcker. Gleichzeitig profitieren die beiden Standorte voneinander. Manche

Altstadt-Flaneure lernen Schroecker Fashion erst durch die Filiale in der Griesgasse kennen oder vice versa. LOKALE STATEMENTS Zum jungen Ladenkonzept von Schroecker Fashion trägt auch das moderne Innendesign bei. Die Basics stammen von Ines Schröcker selbst: Helle Wände wechseln sich mit dunklen Akzenten ab. Für Bilder und andere Features zeichnen Mair Graphix und Jürgen Norbert Fux verantwortlich. Die Werke der beiden Künstler geben der 70 Quadratmeter Ladenfläche einen lokalen Touch – egal ob schwarzer Gartenzwerg im Regal oder die Aufschrift „Mandal Kammal“ und „Weibal Kammal“ an den Vorhängen der Umkleiden. Auf den Wiedererkennungswert komme es an, halten Ines Schröcker und Eveyln Moser fest. Und da ist er wieder, dieser Hang zum Außergewöhnlichen, der sich bei Schroecker Fashion konsequent durch das Gesamtkonzept zieht.

Ines Schröcker und Evelyn Moser sind die Frauen hinter Schroecker Fashion.

Nur 30 Quadratmeter klein – doch in der Wirkung groß: Der neu eröffnete Store in Salzburgs Altstadt.

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Schroecker Fashion Nonntaler Hauptstraße 45, 5020 Salzburg/Österreich www.inesschroecker.com Inhaberinnen: Ines Schröcker (Nonntaler Hauptstraße, Griesgasse), Evelyn Moser (Griesgasse) Eröffnung: 2017 (Griesgasse), 2014 (Nonntaler Hauptstraße) Anzahl Mitarbeiter: 5 Verkaufsfläche: 70 qm bzw. 30 qm Marken Männer: Antony Morato, Black Kaviar, Defend Paris, ER Denim, Hannes Roether, Imperial, Kultivate, Manuel Marte, Rebello, Ten117, The Last Conspiracy u. a. Marken Frauen: Arma, Defend Paris, Gestuz, Grace, Hannes Roether, iHeart, Leon & Harper, One Tea Spoon, Rabens Saloner, Rebello, Stand, The Last Conspiracy u. a. Marken Accessoires: CR7, Mala Alisha


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Stringent: Ins Sortiment kommt nur, was wirklich wichtig ist und was der Chef persönlich tragen würde.

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Kenner kommt von können und kennen: Dominik Bachmann trägt seine Ware gerne selbst.

ie Lage ist gut im szenigen Kreis 4, nicht optimal, weil es hier etwas außerhalb des Kerns des Viertels wenig Laufkundschaft gibt. Aber zu Dominik Bachmann kommen die meisten Kunden sowieso nur auf Termin. Dominik Bachmann hat sich auf Maßschneiderei spezialisiert. Die Stoffe für die Anzüge, Gilets und Mäntel kommen von Scabal.

Kenner/Zürich

Gewand ist ein altertümliches Wort für Kleidung, egal, ob für Männer oder Frauen. Dominik Bachmanns erstes eigenes Label hieß Gewandhaus Bern. Heute gehört ihm der Herrenausstatter Kenner. Namen sind sein Programm.

Text: Dörte Welti. Fotos: Kenner, Dörte Welti

AN-GEWAND-TE HERRENMODE

EINE ANSTÄNDIGE ARBEIT Dominik Bachmann hat ein stringentes Sortiment, wenige Prêt-à-Porter-Ergänzungen zur Maßarbeit und ausgesuchte Accessoires. Die Konzentration aufs Wesentliche hat ihren Preis: Leben kann der gebürtige Aargauer von dem Metier momentan nicht. Als hätten seine Eltern das geahnt, drängten sie den Modeenthusiasten, nach dem Gymnasium eine „anständige“ Ausbildung zu machen: Jura. Aber irgendwie waren Nadel und Faden stärker. Er fand einen Partner, der mit ihm seitdem mitzieht, bewarb sich mit eigenen Kreationen an Modepreisen wie dem Prix Bolero, bekam Kundenaufträge, nähte für sich und für Freunde, für Frauen wie für Männer. Der Kühlschrank musste trotzdem gefüllt sein, also arbeitet Dominik Bachmann Teilzeit als Jurist für die Aids-Hilfe Schweiz, engagiert sich als Lobbyist bei Network Gay Leadership und machte trotzdem nebenbei einen Schnittmusterkurs.

QUALITÄT FÜR EIN HAPPY END Ständig fragte man den stets gut gekleideten Beau als Styleberater an, und Dominik Bachmann wurde langsam klar, dass der einzig richtige Weg für ihn der eines klassischen Herrenausstatters ist. „Anfänglich arbeitete ich mit Geschäftspartnern, die in Bangkok auf Maß nähen ließen“, erinnert sich der heute 48-Jährige, „aber die Qualität reichte mir bald nicht mehr.“ Auf einer Weltreise schließlich formierte sich die finale Businessidee, aus der Ferne suchte und fand er das heutige Ladenlokal, unterschrieb ungesehen den Mietvertrag und legte im Sommer 2014 mit der Umsetzung los. Seine Kunden sind Liebhaber der klassisch eleganten Mode, Conaisseure, Kenner eben. 70 Prozent der Produktion entfällt auf Hochzeitsanzüge. „Anzüge fürs Leben sind das“, erklärt Dominik Bachmann. „Bei mir wird keiner zum Prinzen oder Zirkusdirektor ausstaffiert.“ Die Wahl von Scabal als Stofflieferant und Produktionsstätte erfordert den Grundpreis im vergleichsweise hohen mittleren Segment, die Anzüge kosten ab 1.500 Schweizer Franken. Eine vielversprechende neue Liaison ist in Sicht: Demnächst siedelt sich in seiner unmittelbaren Nähe eine junge Designerin mit Hochzeitskleidern an.

Kenner Müllerstraße 45, 8004 Zürich/Schweiz www.knnr.ch Eröffnung: Oktober 2014 Inhaber: Dominik Bachmann Anzahl Mitarbeiter: 2 Verkaufsfläche: 70 qm Marken: Adrian Reber, Scabal, Urbam, Weber + Weber Marken Accessoires: Begüm Khan, Broska, Drake’s, Fox Umbrellas, Francis et son Ami, Kenner, Park, Risa, Silany, Troubadour Goods, Werenbach style in progress 218


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angesagte Hinterhofbars und Flagshipstores der bekanntesten Luxusmarken findet man in dem Viertel rund um die Stoleshnikov Straße. In Sachen Mode findet sich letztlich auch nur eine Aneinanderreihung von Bekanntem.

I

n Moskau darf es für gewöhnlich gerne etwas mehr sein, die Stadt gehört zu den teuersten Metropolen der Welt. Ihre Bewohner lieben ausgiebiges Shopping, opulente Dekorationen und großflächige Inszenierung der Ware. Wie es sich für eine Hauptstadt gehört, gibt es neben unzähligen Luxusflagships auch zahlreiche Premiumdepartmentstores. So beispielsweise das passagenartig auf 75.000 Quadratmeter angelegte Kaufhaus Gum direkt am Roten Platz im Stadtzentrum. Deutlich moderner ist der Departmentstore Tsvetnoy. Aber: Die Beautyprodukte, Interieurund Fashionmarken sind fast deckungsgleich mit Formaten wie dem KaDeWe, Galeries Lafayette oder Selfridges. Kleine Restaurants, coole Agenturen,

SVMoscow

Versteckt in einer kleinen Seitenstraße in einem der vielen Botschaftsviertel der russischen Hauptstadt liegt der Conceptstore von Tatjana Strekalovskaya. Ihre Kunden lieben das Einkaufen in der versteckten Off-Location abseits der Shoppingmeilen. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: SVMoscow

RUSSISCHE BOTSCHAFT 218 style in progress

PRIVATE SHOPPING Wer dieser globalen Einöde entfliehen will, muss sich auf die Suche nach einem Laden namens SVMoscow machen. Von außen kaum als solcher zu erkennen, verbirgt sich der Store hinter einer unscheinbaren weißen Tür, die über ein paar Stufen in das Souterrain eines ehemaligen Botschaftshauses führt. „Wir wollen unseren Kunden die Möglichkeit bieten, ihrem Stil und ihrer Individualität Ausdruck zu verleihen, die nicht einfach nur auf gängigen Trends oder ausschließlich etablierten Marken basieren. Dazu kombinieren wir in unserem Portfolio Ironie mit Luxus und Erschwinglichkeit“, erklärt Tatjana Strekalovskaya. Die französische Vogue kürte SVMoscow zu einem der zehn besten Conceptstores der Welt. Das Interieurdesign stammt vom russischen Architekten Zurab Sabanadze. „Unsere Kunden schätzen die private Atmosphäre. Es ist ein vergleichsweise kleiner Laden, doch bei uns gibt es immer etwas Neues, Seltenes und Einzigartiges zu finden. Bei der Auswahl unserer Marken und Businesspartner spielen Herzblut und Leidenschaft eine große Rolle. Viele unserer Kunden sind Stammkunden, darunter Künstler, Musiker oder Architekten. Ihnen sind ehrliche Beratung und ein entspanntes Umfeld wichtiger als exzessiver Luxus. Sie empfehlen uns weiter, außerdem finden uns viele über unseren Onlinestore“, sagt Strekalovskaya und ergänzt: „Mittlerweile hat die Moskauer Modeszene eine ganze Reihe begnadeter Talente hervorgebracht, die weltweit Beachtung finden. Das gilt für Designer wie Gosha Rubchinskiy oder Mikhail Panteleev von Volga Volga genauso wie für Modell­ agenturen wie beispielsweise Lumpen oder Lotta Volkova aus Wladiwostok, eine der coolsten Stylistinnen. Früher war russische Mode vom Ballett oder der

Zarenkunst inspiriert, heute stehen Einflüsse aus der Street- und Sportswear im Vordergrund. Das hat sich auch an unserem Hoodie gezeigt, den wir als Capsule-Edition mit Vetements herausgebracht haben. Die russische Modeszene ist so spannend, weil viele talentierte Menschen sie formen und einen neuen und frischen Stil hervorbringen, der momentan international sehr relevant ist.“

Im Souterrain eines Wohnhauses ist Moskaus bestgehüteter Modegeheimtipp zu finden: SVMoscow.

SVMoscow Malaya Molchanovka 6 121069 Moskau, Russland www.svmoscow.com Eröffnung: 2001 Inhaber: Tatjana Strekalovskaya Verkaufsfläche: 120 qm Marken: 32 Paradis, A.F. Vandevorst, Ann Demeulemeester, Ashish, Backlash, Balenciaga, Blackyoto, Blyszak, By Walid, Comme des Garçons, Damir Doma, DRKSHDW by Rick Owens, Enfants Riches Deprimes, Erickson Beamon, Faith Connexion, Faliero Sarti, Fear of God, Gareth Pugh, Golden Goose, Greg Lauren, Guidi, Haider Ackermann, Hender Scheme, Hood By Air, HUN Rick Owens, If Six Was Nine, Isaac Sellam, Junya Watanabe, KTZ, Kuboraum, L.G.B., L.G.R., Leon Emanuel Blanck, Linda Farrow, Lost & Found, Maison Margiela, Marni, Mary Katrantzou, Mykita, Oliver Goldsmith, Oliver Goldsmith Kids, Plume, Raf Simons, Readymade, Reinhard Plank, Rick Owens, Rick Owens Lilies, Share Spirit, Simone Rocha, Spalwart, The Row, UEG, Undercover, Urban Zen, Vetements, Volga Volga, Y’s, Yang Li, Yohji Yamamoto


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Hinter einer unscheinbaren weißen Türe eröffnet sich eine Welt der Avantgarde.

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Das Sortiment zeigt ein ausgewähltes Angebot fßr Individualisten, mit nordisch inspirierter Mode, Interieur, Pflegeprodukten, Schuhen und Schmuck.

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Teller, Brettchen und Schüsseln sorgen für eine kommunikative Tischatmosphäre, genauso, wie es unserer Philosophie voll und ganz entspricht“, betont Gemünd.

D Katrin Gemünd und Nicolette Rosin freuen sich über einen gelungenen Start von No59.

No59/Köln

Vor einem halben Jahr hat Nicolette Rosin No59 eröffnet und damit einen Conceptstore kreiert, der herausfordern und mit neuen Trends vorgreifen will, anstatt das Gewohnte zu bedienen. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: No59

KURATIEREN STATT NUR VERKAUFEN

ie Neusser Straße in Kölns Neustadt Nord funktioniert noch wie ein Mikrokosmos, mit Bäcker, Metzger, Supermarkt und Blumenladen. Dort hat Nicolette Rosin vor einem halben Jahr No59 als erstes Designgeschäft der Gegend eröffnet und damit ein Kleinod zum Entdecken geschaffen. Nicolette Rosin ist Mitinhaberin des Lanius Stores mit nachhaltiger Womenswear direkt nebenan. Mit No59 hat sie sich den Wunsch erfüllt, Mode mit Interieur und kleinen Besonderheiten zu vereinen. „Wir wollen Anregungen bieten“, sagt Store­ managerin Katrin Gemünd, die das Geschäft mit führt und konzipiert. „No59 ist als Anlaufstelle gedacht, mit einem Sortiment an schönen Dingen, das Individualisten anspricht.“ TEAMWORK Nicolette Rosin verantwortet den Einkauf, bei dem Katrin Gemünd als Junior-Einkäuferin dabei ist. Ein schöner Style reicht ihnen nicht, viel mehr möchten sie in die Philosophie ihrer Labels eintauchen. Eine wichtige Marke ist Humanoid aus den Niederlanden, trend­ übergreifend und zeitlos. Auch Samsoe & Samsoe und Mos Mosh passen ins Bild, ebenso wie Bellerose aus Belgien. Die Woll-Accessoires von Karakoram sind aus feinstem Alpaka, das durch Schur des erwachsenen Tieres gewonnen wird, handgestrickt und fair gehandelt, und auch der in Nepal gefertigte Schmuck von A Beautiful Story hat seine nachhaltige Geschichte. Während der vordere Raum der Mode vorbehalten ist, wird das Interieur im zweiten Raum präsentiert. Zum Beispiel avantgardistische Vasen und Lampen von 101Copenhagen oder japanisch inspiriertes Steingutgeschirr der belgischen Firma Serax, die mit Merci aus Paris eine Kooperation eingegangen ist. „Die vielen kleinen

OLD FASHIONED UND HANKY PANKY Auch die Einrichtung ist individuell. Die goldene Decke im ersten Raum ist mit Schlagmetall vergoldet und wird von schwarzen Fliesen an der Wand kontrastiert. Ein Apothekerschrank ist wie die Wand gegenüber in einem tiefen Graublau lackiert und dient als Kulisse ebenso wie eine alte Tabaktheke: für Lederportemonnaies der Gö Ledermanufaktur aus Köln, Pflegeprodukte der portugiesischen Firma Benamôr und fertig gemixte Cocktail-Klassiker von Avantgarde Spirits. Dazu kommen Kunstobjekte des Kölner Keramikkünstlers Enno Jäckel. „Die Kunden begrüßen es, dass wir neben der Mode und Möbel auch Mitnahmeartikel um die fünf Euro haben. Das zieht Kunden in den Laden und wir können zeigen, dass gutes Design nicht teuer sein muss.“ Der Einstieg hätte kaum gelungener sein können, resümiert Katrin Gemünd. „Aufgrund der positiven Resonanz sind wir jetzt nochmal gewachsen, zu einem Team von sechs Mitarbeitern. Wir können uns keinen schöneren Job vorstellen.“

No59 Conceptstore Cologne Neusser Straße 59, 50670 Köln/ Deutschland, www.no59-cologne.de Eröffnung: August 2017 Inhaberin: Nicolette Rosin Storemanagerin: Katrin Gemünd Anzahl der Mitarbeiter: 6 Verkaufsfläche: 70 qm Marken Frauen: Baum und Pferdgarten, Bellerose, Humanoid, Five Units, Herzensangelegenheit, Mos Mosh, On parle de vous, Samsoe & Samsoe Marken Accessoires: A Beautiful Story, Annika Kepp, Anthology Paris, Anthony Peto, Avantgarde Spirits Company, Benamor, Bonne Maison, Bruno Premi, Elizabeth and James, Enno Jäckel, Gö Ledermanufaktur, Hay, Kapten & Son, Karakoram, Kartotek Copenhagen, Le Bonnet, Monograph, My Pretty Circus, Mutsaers Tassen, Palmaria, Typealive Marken Interieur: 101Copenhagen, Bloomingville , Design Letters, FermLiving, File under Pop, Himla, Merci for Serax style in progress 218


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M

Zanon/Lienz

Seinen gleichnamigen Store versteht Chris Zanon als Lifestyle Company mit entsprechender Wohlfühlatmosphäre. Dass er diesen Lifestyle auch selbst lebt, macht das Konzept so richtig rund. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Zanon

SHOPPING DESTINATION 218 style in progress

ut, durch Veränderung immer am Puls der Zeit zu bleiben. Diesen Mut zur Veränderung hat Store-Inhaber Chris Zanon mehrfach beweisen können. Sein Geschäft hat seit der Gründung 1988 einige Wendungen vollzogen. Als begeisterter Snowboarder und Surfer folgte er 1988 seiner Passion und eröffnete einen Laden für Boardsport im österreichischen Lienz. Surfboards waren in den Bergen schlecht zu verkaufen, aber mit Snowboards lag Chris Zanon in der Tourismusstadt inmitten der Lienzer Dolomiten goldrichtig. „In den frühen 1990er-Jahren waren wir der größte Snowboardhändler Österreichs“, erzählt der gebürtige Bayer. Als der große Hype Mitte der 1990er-Jahre vorbei war, drehte er sein Sortiment in Richtung Street- und Sportswear. „2008 gab es durch die Wirtschaftskrise wieder eine komplette Veränderung“, so Chris Zanon. „Die Mode wurde reduzierter im Style, gleichzeitig wurde viel mehr Wert auf Qualität gelegt, darauf, wie sich die Materialien anfühlen.“ Für Chris Zanon verkörpern die Skandinavier diesen Style am besten, zum Beispiel

die Kollektionen Samsoe & Samsoe, Minimum und Rvlt/ Revolution. Zusätzlich prägen Marken wie Colmar Originals, Yaya, Drykorn und Penn & Ink das Sortiment für Männer und Frauen, ergänzt von viel Schmuck, auch um für Frequenz zu sorgen. Chris Zanon bevorzugt Produkte mit authentischer Geschichte wie bei dem in Nepal handgefertigten Schmuck des Labels A Beautyful Story, All the Luck in the World aus Amsterdam oder Nachhaltiges von Armedangels. „Wir verkaufen nur noch wetterunabhängige Produkte, die 365 Tage im Jahr Konjunktur haben“, so Chris Zanon. „Nur so können wir als kleiner Einzelhandel überleben. Und indem wir Lifestyle verkaufen.“ Der 250 Quadratmeter große Store hat fünf Räume, jeder davon mit einer eigenen Atmosphäre. Mehrere Loungeecken wie auch ein großer Holztisch


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laden zum Verweilen ein, zum Beispiel, um das eigens für den Laden gebraute Zanon Beer zu genießen oder einfach nur um zu plaudern. Für eine Shopping Night können die Kunden das Geschäft auch mieten, mit DJ, Getränken und Häppchen sowie Stylingberatung inklusive.

Der Store Zanon bietet ein urban geprägtes Sortiment, das einheimische Stammkunden ebenso wie die Touristen schätzen.

BESSER ALS JEDE TOURISMUSINFORMATION Chris Zanon tut viel dafür, dass sein Laden in der 12.000 Einwohner großen Stadt nicht nur Treffpunkt für die einheimischen Stammkunden ist. Das Zanon Lifestylemagazin liegt in allen Tophotels von Süd- und Osttirol, Oberkärnten und Kitzbühel aus; darin die Einladung auf ein Getränk im Geschäft. „Ich möchte die Leute bewegen, in unseren Laden zu kommen“, sagt Chris Zanon. Der Einladung leisten viele Folge, nicht zuletzt, weil er jede Route für Snowboarder, Skifahrer und E-Biker kennt und besser und persönlicher berät als jede Tourismusinformation. Die zweistelligen Zuwachsraten sind der Lohn für das Gesamtkonzept Zanon. Das gab es nicht mehr seit seinen Erfolgszeiten mit der Hardware. Zwölf Jahre war Chris Zanon Mitglied im Stadtrat, zuständig für den Bereich Wirtschaft und Tourismus. „Dass der Ort hier so klein ist, hat uns kreativ gemacht, es muss anders sein als dort, wo es Masse gibt.“

Zanon Zwergergasse 1, 9900 Lienz/Österreich, www.zanonstyle.com Eröffnung: 14. April 1988 Inhaber: Christian Zanon Geschäftsführer: Christian Zanon Mitarbeiter: 4 Verkaufsfläche: ca. 250 qm Marken Damen: Armedangels, Colmar Originals, Drykorn, Ichi, Liu Jo, Minimum, Oakwood, Penn & Ink N.Y., Rains, Replay, Samsoe & Samsoe, Tigha, Yaya u. a. Marken Herren: Armedangels, Colmar Originals, Drykorn, Dstrezzed, Minimum, Nowadays, Rains, Replay, Rvlt/Revolution, Samsoe & Samsoe, Tigha u. a. Marken Accessoires: A Beautiful Story, All the Luck in the World, Arkk Copenhagen, Barts, Brekka, Birkenstock, Chesterfield Bags, Freds Bruder, Fritzi aus Preußen, Herschel Supply Co., Hunter Boots, I-Clip, Markberg, Mint Sweden, New Balance, Stance Sock u. a. style in progress 218


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L&T bringt Sport und Mode innovativ und zeitgemäĂ&#x; zusammen.

Die stehende Welle bietet eine einzigartige Kombination aus Sportstätte und Shoppingerlebnis.

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D L&T Osnabrück

Die Hasewelle – die Hase ist der größte Fluss in Osnabrück – ist Herzstück und Publikumsmagnet des neuen Sporthauses von Lengermann & Trieschmann. Die Indoor-Surfanlage im Untergeschoss und eine exklusive Höhentrainigsanlage im City Gym des Stores zeigen, wie stationäre Handelskonzepte auch in Zukunft begeistern können. Text: Kay Alexander Plonka. Fotos: L&T

DIE PERFEKTE WELLE

Alexander Berger, Mark Rauschen und Thomas Ganter (v.l.n.r.) sind die Geschäftsleitung von L&T in Osnabrück.

ie Eröffnung des neuen L&T Sporthauses Anfang März schlug hohe Wellen, weit über die Stadtgrenze von Osnabrück hinaus. Grund dafür war die Integration einer Indoor-Surfanlage, nach dem Vorbild der stehenden Welle im Münchner Eisbach. „Auf der Hasewelle können jetzt Groß und Klein das Surfen lernen – und das mitten in der City“, sagt Alexander Berger, einer der Geschäftsführer von L&T. Das 15 mal 7,5 Meter große Becken mit großer Tribüne liegt zehn Meter tief im Untergeschoss des Sporthauses. Bis zu 18.000 Liter Wasser, das sind 120 Badewannenfüllungen, schießen hier pro Sekunde ins Becken und formen in der Mitte eine bis zu 1,40 Meter hohe stehende Welle, die je nach Anspruch und Können der Surfer stufenlos und individuell verstellt werden kann. Surfbrett, Neoprenanzug und Helm werden gestellt. Es gibt Umkleideräume mit Schließfächern sowie großzügige Duschund Sanitärbereiche. Nach Ladenschluss kann die Surfanlage für Firmenevents oder private Feiern gemietet werden. „Wir bieten nicht mehr nur Einkaufsmöglichkeiten an, sondern sehen uns auch als Teil der Freizeitindustrie. Wir sind Publikumsmagnet und Treffpunkt für die ganze Region – egal, ob Jung oder Alt. Das ist unsere Vision, die hinter dem neuen Sporthaus steht“, erklärt Mark Rauschen, Geschäftsführer von L&T, die Strategie des Unternehmens. Dabei betont er: „Der Bau des Sporthauses ist unser klares Bekenntnis zu Osnabrück, von dem die gesamte Innenstadt profitieren wird. Denn wir können unsere Rolle als Oberzentrum nur dann langfristig sichern, wenn wir es schaffen, auch Menschen aus weiter entfernten Orten nach Osnabrück zu locken.“ DER BERG WIRD INS FLACHLAND GEHOLT In der zweiten Etage ist das über 800 Quadratmeter große Premiumfitnessstudio mit einem Kursraum für bis zu 30 Personen und finnischem Saunabereich zu finden. Das Highlight des City Gym ist der Cardio-Höhen­ raum, in dem Hypoxietraining

unter den Bedingungen von 2.500 Meter über dem Meer absolviert werden kann. Das bedeutet bis zu 50 Prozent mehr Kalorienverbrauch und 15 Prozent höheren Stoffwechsel bei geringerer Belastung und weniger Trainingszeit. Außerdem werden durch das effiziente Training Muskeln und Gewebe besser durchblutet als bei üblichen Trainingsmethoden. Auf den insgesamt fünf Ebenen des Hauses finden Sportfans und Outdoor-Freunde alles, was sie fürs Running, Tennis, Schwimmen, Fitness, Yoga, Fußball, Wandern, Bergsteigen oder den Radsport benötigen. Neben einem umfangreichen Textilsortiment mit entsprechendem Zubehör stehen eine Kletterwand, professionelle Laufanalysen sowie zahlreiche Aktionsflächen zur Verfügung. Außerdem finden sich über das gesamte Sporthaus verteilt neun Time-out-Zonen zum Entspannen. Und selbst die Fahrt mit der Rolltreppe wird mit ausgestellten Sportfotografien des Künstlers Howard Schatz zum Erlebnis. Dazu erklärt Thomas Ganter, Geschäftsführer von L&T und verantwortlich für den Bereich Mode: „Das Sporthaus ist unsere Antwort auf den Onlinehandel. Wir sind der Überzeugung, dass man durch attraktive Einkaufserlebnisse die Menschen auch weiterhin für den stationären Handel begeistern kann.“

L&T Große Straße 27–32 49074 Osnabrück www.l-t.de Eröffnung: 3. März 2018 Inhaber: Lengerman & Trieschmann Storemanager: Frank Wolf Anzahl der Mitarbeiter: ca. 60 für das Sporthaus Verkaufsfläche: 5.000 qm Marken: u. a. Alberto, Arena, Asics, Birkenstock, Black Roll, Blauer USA, Blaumax, Bogner, Dainese, Deuter, Duvetica, Falke, Fjallräven, Gaastra, Giro, Head, I.Q., Lowa, Mammut, Meindl, Mey, New Balance, Paul & Shark, Röckel, Save the Duck, Salomon, Schöffel, Stella McCartney, Superga, Tommy Hilfiger, Under Armour, Vaude style in progress 218


88 EDITORIAL /// IMPRESSUM

Das Digitale ist kein Paralleluniversum Endlich ist das Böse identifiziert! Nachdem die Politik der Digitalisierung, ihren Auswüchsen und ihrem Impact auf alles und jeden jahrelang weitgehend ahnungs- und tatenlos zugesehen hat, kann sie sich jetzt an Facebook abarbeiten. Allenthalben melden sich irgendwelche Datenschutzbeauftragte mit empörten Ansagen und Forderungen zu Wort, die Datenschutzrichtlinie der EU tritt demnächst in Kraft und selbstverständlich wollen wieder mal alle die Sorgen und Ängste der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen. Und in den Medien regiert natürlich der Alarmismus, denn der führt auf den Online­ seiten zu den besten Clickraten. Dort wird die bezahlte Werbung mit Algorithmen, die nicht zuletzt von Facebook entwickelt worden sind, gesteuert und personalisiert. Immerhin lustig. Das soll jetzt keine Verteidigungsrede für Marc Zuckerbergs Imperium sein, nicht einmal ansatzweise. Aber das jetzt so populäre FacebookBashing ist ein Paradebeispiel für „Den Sack schlägt man, aber den Esel meint man ...“ Wobei das Problem dadurch verschärft wird, dass die wenigsten benennen können, wer oder was jetzt eigentlich der Esel ist. Die Gesellschaft tut sich im Umgang mit der Digitalisierung deshalb so schwer, weil sie nicht verstanden hat, dass Online kein Parallel­ universum, sondern ein Teil des echten Lebens, des Alltags, sowohl privat als auch beruflich ist. Ein sehr großer, vielleicht zu großer Teil, der eben da ist, und das sehr real. Frank-Walter Steinmeier könnte also beispielsweise sagen: „Aber das Internet gehört inzwischen auch zu Deutschland!“ Er würde damit wohl nicht einmal eine kontroverse Diskussion auslösen. Worauf ich hinaus will: Wenn wir begreifen, dass die Digitalisierung zu einem integralen, 218 style in progress

prägenden, sogar identitätsstiftenden Teil unserer Gesellschaft geworden ist, dann muss gleichzeitig auch klar sein, dass sie den Regeln unterworfen sein muss, die dafür sorgen, dass diese Gesellschaft funktioniert. Also der Ver­ fassung bzw. in Deutschland eben dem Grundgesetz bzw. dem gesamten gesetzlichen Rahmen, den sich ein Staat oder eine Staatengemeinschaft gibt. Ein Beispiel: Zeitungen und Magazine haben immer schon Zuschriften von Leserinnen und Lesern bekommen, die vor lauter Hass, Dummheit und Rechtschreibfehlern nur so übergegangen sind. Nie im Leben wären derlei Auswürfe als Leserbrief veröffentlicht worden. Das war, selbstverständlich, KEINE Zensur, sondern einfach Bewusstsein für den Rahmen, den sich die Gesellschaft gegeben hat. Wenn dieser Rahmen bestand haben soll, dann dürfen eben online keine anderen Regeln als in allen anderen Bereichen der Gesellschaft auch gelten. Egal, ob es um Datenschutz, Umweltschutz oder Arbeitnehmerschutz oder was auch immer geht. Das hat selbstverständlich für Unternehmen zu gelten, aber wir alle, als User, als Konsumenten und Privatpersonen müssen verstehen, dass es auch für uns gelten muss. Sich über den „Datendiebstahl“ von Facebook & Co zu empören und selbst das Internet für einen Selbstbedienungsladen zu halten, in dem gefälligst alles gratis zu sein hat, ist unglaubwürdig. So richtig es also ist, Facebook (und anderen) Grenzen zu setzen, wenn das nicht mit einer gesamtgesellschaftlichen Bewusstseinsbildung einhergeht, dann ist das nichts anderes als medienwirksame Symptombekämpfung. Ihr Stephan Huber stephan.huber@ucm-verlag.at

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Nächste Ausgabe 20. Juni 2018


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