turi2 edition #16, Agenda 2022/Nachhaltigkeit

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Wenn man den Bayerischen Rundfunk 2022 neu bauen würde, wie müsste er aussehen, Katja Wildermuth?

In drei Jahren wird der Bayerische Rundfunk 75 Jahre alt. Eine lange Zeit, über die uns das Publikum die Treue gehalten hat, von einer der ersten Radiosendungen „Sie wünschen, wir spielen: Ihre Lieblingsmelodien“ bis hin zur News WG bei Instagram. Es ist auch ein Anlass, sich Gedanken zu machen, wie wir den BR der Zukunft gestalten wollen. Der gesetzliche Auftrag ist hierbei Orientierung und Ansporn zugleich. Der BR muss 2022 natürlich anders aussehen als bei seiner Gründung 1949. Die Digitalisierung hat unsere Welt und damit auch die Medienlandschaft grundlegend verändert. Die Gesellschaft ist vielfältiger geworden, mit ihr die Bedürfnisse, die Lebensmodelle und Interessen – das spiegelt sich auch in der Medien-

nutzung wider: Das große Lagerfeuer-Fernsehen gibt es kaum noch. Wir erleben einen Siegeszug des Streamings und gerade junge Menschen fühlen sich heute von ganz anderen Erzählformen angesprochen als früher. Die Frage ist also: Wie muss ein BR aussehen, der sich all diesen Herausforderungen stellt und zugleich den Anspruch hat, weiter für die gesamte Breite der Bevölkerung Mehrwert zu bieten? Dieser Public Value zeichnet den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus und macht ihn gerade heute unverzichtbar. Ein BR 2022 muss daher das tun, was er immer schon am besten konnte: Qualitätsinhalte liefern – in Zeiten von Desinformation und Verschwörungstheorien ist das wichtiger denn je. Die besten Mittel gegen Fake News sind

sorgfältige Recherche und Faktenprüfung – professioneller Journalismus. Der BR 2022 muss zudem vielfältig sein. Im Angebot, aber auch in der Belegschaft: Glaubwürdige Diversität im Programm geht nicht ohne Diversität unter den Mitarbeitenden. Dazu gehört auch eine moderne Unternehmenskultur, die Kreativität fördert, zum Ausprobieren ermutigt und auf Eigenverantwortung setzt. Ein BR 2022 muss – auch das ist Public Value – nachhaltig sein. Der BR ist innerhalb der ARD seit Kurzem Federführer im Themenfeld ökologische Nachhaltigkeit und setzt dies auch im eigenen Unternehmen um: Bereits beschlossen haben wir eine systematische CO2-Messung und die Einführung ökologischer Mindeststandards in der Filmproduktion, die Um-

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stellung auf Ökostrom und eine sparsame Energienutzung. Ganz schön viele Baustellen für den BR der Zukunft – und das in einer Zeit knapper Ressourcen. Vieles davon ist längst keine Vision mehr, sondern Realität im Werden, es wird gewerkelt, geschraubt, erste Ergebnisse sind sichtbar. Im Übrigen bauen wir ja gerade wirklich: In München-Freimann entsteht ein Mediencampus, an dem wir alle Redaktionen zusammenführen und dadurch effizienter werden, wo wir unsere geballte journalistische Kompetenz in einem crossmedialen Newsroom bündeln, wo wir Studios gemeinsam nutzen und mit dem der Bayerische Rundfunk gut gerüstet ist für die Zukunft. Dann können die nächsten 75 Jahre gerne kommen.

Foto: BR/Markus Konvalin

Katja Wildermuth ist Fernsehjournalistin und Intendantin des BR


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