turi2 edition #16, Agenda 2022/Nachhaltigkeit

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Warum sollten Zuschauerinnen noch ins Kino, wenn | 10 der Film im Stream ganz ohne Werbung läuft, Oliver Adrian? Das Erleben eines Films im Kino weicht maßgeblich vom Filmerlebnis im Streaming ab. Neben der deutlich besseren Bildund Tonqualität durch große Leinwände, Hochleistungs-Projektoren und Surround-Sound unterscheidet insbesondere ein Faktor das Geschehen: gemeinschaftliches SingleTasking. Kinobesucher tauchen für zwei bis drei Stunden in eine andere Welt ab. Keine Ablenkung, Unterbrechung, Störung – der Fokus liegt ausschließlich auf der Leinwand und der Geschichte, auf die sich die Menschen emotional einlassen. Und zwar nicht allein, sondern zusammen mit anderen. Das Kino ist einer der letzten Orte, an dem sich das medial häufig beschworene „La-

Fotos: BVG, Holger Talinski, PR

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gerfeuer-Gefühl“ noch einstellt. Weder Streaming, noch Online-Video, noch TV können diese Funktion heute übernehmen. Vor diesem Hintergrund bekommt auch die Werbung einen anderen Stellenwert. Studien belegen, dass Werbung im Kino nicht als störend, sondern als Teil des Entertainments empfunden wird. Das ist umso bemerkenswerter, als dass sich die Clips in Kino und TV oder Online gar nicht mehr unterscheiden. Trotzdem löst derselbe Spot im Kino deutlich emotionalere und damit werbewirksame Reaktionen aus als in anderen Bewegtbild-Kanälen. Nun hören wir immer wieder, dass ein Großteil des Publikums zu Beginn der Vorstellung

gar nicht im Saal sei und die Werbung nicht sehen könne. Unsere regelmäßigen Besucherbefragungen sagen etwas anderes und sind seit Jahren erstaunlich stabil: In Großstädten sind bis zu 80 Prozent des Publikums im Saal, wenn der Werbeblock beginnt, in kleineren Städten und Kommunen bis zu 100 Prozent. Schönes Plädoyer, Herr Adrian, mögen Sie sagen. Aber der Großteil des Film- und Werbekonsums findet doch inzwischen online statt. Oder? Wahr ist: Die Zeit, die Menschen mit Streaming-Diensten verbringen, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Wahr ist aber auch, dass im Streaming überwiegend serieller und erst in zweiter Linie filmischer Content geschaut

Oliver Adrian ist Chief Sales Officer beim Kinovermarkter Weischer Cinema

wird. Ebenfalls wahr ist laut diverser Studien, dass ein Großteil der Heavy User im Streaming auch überdurchschnittlich oft ins Kino geht. Kino ist und bleibt der Ort, an dem echte Menschen echte Gefühle erleben. Gemeinsam mit anderen. Ein zutiefst menschlicher Wesenszug.

Was belastet das Klima stärker, Andreas Prasse – digitale oder analoge Außenwerbung?

Um diese Frage zu beantworten, muss man die gesamte Öko-Bilanz der jeweiligen Produkte im Blick haben. Einerseits haben wir bei digitalen Angeboten einen höheren Stromverbrauch – andererseits fallen An- und Abfahrtswege sowie Plakatentsorgung weg. Insgesamt aber sind Out-of-Home-Medien und Nachhaltigkeit längst keine Gegensätze mehr. Wir arbeiten schon lange an Transformationsprozessen, um nachhaltiger zu wirtschaften. Wall ist Teil von JCDecaux. Dessen glo-

Andreas Prasse ist Geschäftsführer des Außenwerbers Wall

bale Nachhaltigkeitsstrategie beruht auf drei Säulen und vereint ökologische, ökonomische und sozia-

le Handlungsfelder. Die Unternehmensgruppe hat sich darüber hinaus auf wichtige Zwischenziele verpflichtet, etwa zur ausschließlichen Nutzung von regenerativen Energien. In Deutschland decken wir seit 2017 unseren gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen mit Herkunftsnachweisen. Dem vorausgegangen sind die Umstellung auf LEDTechnologie und weitere Einsparmaßnahmen wie tageszeitenbasierte Lichtsteuerung. Wir investieren fortlaufend in eine

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Modernisierung unserer Technik, um Ressourcen zu schonen. Im April 2021 haben wir alle analogen und digitalen Plakatkampagnen – von der Buchung bis zum Aushang – klimaneutral gestellt. Alle CO2-Emissionen werden in zertifizierten Projekten kompensiert. Auch im technischen Service wirtschaften wir nachhaltig: So stellen wir unsere Fahrzeugflotte auf Elektro um und reinigen unsere Stadtmöbel wie Fahrgastunterstände und Werbeträger ohne Zusatz von Chemikalien.


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