turi2 edition #16, Agenda 2022/Nachhaltigkeit

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Wir sind heute in der Blumberger Mühle im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in der Uckermark – einem Vogel-Paradies. Herr Krüger, was ist so faszinierend daran, Vögel anzuschauen? Vögel haben eine unglaublich ausgefeilte Biologie. Ein 20-Gramm-Vogel fliegt bis nach Südafrika – irre! Die Tiere sind außerdem unglaublich schön, sei es das Gefieder oder die Interaktion untereinander. Wenn ich verreise, nehme ich deshalb immer ein kleines Fernglas mit. Und am Wochenende fahre ich gerne von Berlin aus hierher, um Silberreiher, Kraniche und Seeadler zu beobachten. Welcher ist Ihr Lieblingsvogel? Der Kiebitz. Er ist eine klassische Wiesenbrüterart mit langen Beinen, schwarz-weißem Gefieder und einer Haube auf dem Kopf. Er fliegt ein wenig wie ein Schmetterling. Wenn im Frühjahr die Kiebitze in den Wiesen rufen, dann weiß ich: Der Frühling ist da. Vogelbeobachter, Insektenzähler, tendenziell weiß, männlich und älter – ist das das Image des Nabu? Vordergründig ja, tatsächlich nein. In vielen unserer Gruppen sind Frauen und Männer aktiv – auch solche zwischen 30 und Mitte 40. An der Spitze unserer örtlichen Gruppen stehen häufiger noch ältere Männer in Verantwortung, aber der Generationswechsel ist eingeleitet. Wir haben innerhalb der letzten Jah-

re vier Frauen als Landesvorsitzende gewählt. Wir wollen bunter, diverser und weiblicher werden, weil unser Anspruch ist, in der Mitte der Gesellschaft zu stehen. Warum hat es der Nabu anders als Fridays for Future nicht geschafft, große Gesellschaftsschichten zu durchdringen und zum Nachdenken zu bewegen? Wir würden natürlich gerne genauso erfolgreich durchdringen wie die Fridays. Wir sind aber eine Organisation, keine Bewegung. Eine Bewegung hat immer etwas positiv Dynamisches aus einem aktuellen Anlass heraus, hinzu kommt mit Greta Thunberg eine starke Person an der Front, die zur Identifikation einlädt. Wir sind eine Organisation mit Gruppen, die 100 Jahre alt sind. Wir haben Gremien, ein gewähltes Präsidium und demokratische Abläufe. Das ist tatsächlich etwas schwergängiger und weniger spontan, aber dadurch nicht zwangsläufig weniger erfolgreich. Der Nabu setzt seit Jahrzehnten in politischen Gremien seine Forderungen durch. Nachhaltigkeit ist eine Daueraufgabe und kein Sprint. Der Nabu hat sich also damit abgefunden, dass Player wie Fridays for Future oder Greenpeace mit Promis und coolen Aktionen auf sich aufmerksam machen? Wir empfinden uns gar nicht als so uncool. Als ich zum Beispiel in der Jugendgruppe des Nabu war, haben wir Hecken gepflanzt, Büsche mit Ma-

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In der Uckermark betreibt der Nabu das Erlebniszentrum Blumberger Mühle: 240 Hektar mit Moor, Fischteichen und Europäischer Sumpfschildkröte


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