turi2 edition #16, Agenda 2022/Nachhaltigkeit

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Von der Wurzel zur Blüte Die einen haben die Schnapsidee, die anderen die Erfahrung: Dass diese Kombi die Welt verändern kann, beweisen Viva con Agua und die Welthungerhilfe seit mehr als 15 Jahren

Fotos: i&uTV, Ökotest, ChrisSchwarz

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enjamin Adrion spricht von einer „Schnapsidee“, wenn er an die Anfänge von Viva con Agua erinnert. 2005 reist er als Berufsfußballer beim FC St. Pauli zu einem Trainingslager nach Kuba und erlebt die dortige Wasserknappheit. Ein Jahr später gründet Adrion den gemeinnützigen Verein Viva con Agua de Sankt Pauli. Der ist heute eine internationale Organisation, die sich für sauberes Trinkwasser und die Verfügbarkeit sanitärer Anlagen einsetzt. Wasser ist ein Menschenrecht. Trotzdem haben weltweit 2,2 Milliarden Menschen keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser – und die Klimakrise verschlimmert die Lage. Da braucht es mehr als Schnapsideen. Für die junge Bewegung Viva con Agua ist dieses Mehr die Zusammenarbeit mit der Deutschen Welthungerhilfe, aktiv seit 1962. Im Mai 2005, noch vor Vereinsgründung, setzen die Organisationen

das erste gemeinsame Projekt um. Sie sammeln über 50.000 Euro und statten binnen eines Jahres 153 Kindergärten und vier Sportschulen auf Kuba mit Trinkwasserspendern aus. In den vergangenen 16 Jahren haben sie 60 Projekte in 24 Ländern zu zweit realisiert. „Die Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe war ein entscheidender Faktor für die Entwicklung von Viva con Agua“, sagt Bastian Henrichs, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei VcA. Stefan Isbrecht, der die Kooperation von Seiten der Welthungerhilfe managt, sagt: „Wir sind wie ein Baum mit tiefen Wurzeln. Viva con Agua liefert das Wasser und den Sonnenschein, den wir zum Blühen brauchen.“ Seine WASH-Projekte – kurz für Wasser, Sanitär, Hygiene – finanziert VcA überwiegend durch Spenden, 2020 machten sie 84 Prozent der Einnahmen aus. Aus und mit VcA sind mehrere Sozialunternehmen und Produkte, etwa Mineral-

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wasser und Klopapier, entstanden. Lizenzerträge aus deren Verkauf fließen dem Verein zu, der rund 80 Prozent für die konkrete Projektarbeit verwenden kann. Hier spielt der Partner der ersten Stunde eine große Rolle: Die Welthungerhilfe ist in mehr als 30 Ländern und hat dort ein starkes Netzwerk. „Super nützlich“ nennt das Henrichs von VcA. Unkonventionell ist, wie Viva con Agua das Netzwerk mit Leben füllt. Zum Beispiel begleiten sogenannte Wasserkomitees, bestehend aus gewählten ehrenamtlichen Nutzerinnen, die Projekte vor Ort und kümmern sich etwa um Reparaturen. Pfiffig ist auch die Art, wie zu Spenden animiert wird. Das Pfandbechersammeln bei Musikfestivals steht dafür beispielhaft. Die VcA-Macherinnen fremdeln mit der Schablone „Non Profit“ – und nennen sich lieber „All Profit Organisation“: Alle Beteiligten sollen profitieren. Roland Karle


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