turi2 edition #16, Agenda 2022/Nachhaltigkeit

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Die Null soll stehen Der VfL Wolfsburg ist Fußball-Europameister – zumindest in Sachen Nachhaltigkeit. Nächstes Ziel: bis 2025 klimaneutral werden

Fotos: PR, HÖRZU, VfL Wolfsburg

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ie Anzeigetafel ist nicht der einzige Hingucker in der Volkswagen-Arena: „Race to zero“ steht auf einer Bande im Oberrang, daneben tickt in großen Zahlen der Countdown. Als erster Profi-Fußballclub der Welt unterstützt der VfL Wolfsburg die ehrgeizige Klima-Initiative der Vereinten Nationen: Bis 2025 soll die NettoNull bei den Emissionen stehen. Mal wieder marschiert der Verein vorneweg. Wie schon 2010, als er eine eigene Stabsstelle für Corporate Social Responsibility (CSR) installiert. 2011, als komplett auf Ökostrom umgestellt wird, was jährlich über 1.000 Tonnen CO2 einspart. Und 2012, als der erste zertifizierte Nachhaltigkeitsbericht erscheint. Im europäischen Spitzenfußball hat der Club eine Pionierrolle übernommen. „Wir sind das Thema von Beginn an sehr systematisch angegangen. Inzwischen ist Nachhaltigkeit zu einem zentralen Bestandteil der Vereins-DNA geworden“, sagt Nico Briskorn, Leiter CSR und seit über 17 Jahren bei den Wölfen. Der Verein will nicht nur möglichst erfolgreich Fußball spielen, sondern begreift sich als aktiver Teil

der Gesellschaft. „Der Profisport steht enorm in der Öffentlichkeit und hat die Kraft, Dinge zu verändern. Deshalb wollen wir eine Vorbild-Funktion einnehmen“, sagt Briskorn. Klimaschutz ist dabei eines von vier Feldern, über das sich das Engagement erstreckt. Unter dem Claim „Wir für morgen“ setzt sich der VfL Wolfsburg auch für Vielfalt, Jugendförderung und regionale Projekte ein. Die Attraktivität eines Fußballclubs bestimmen in Zukunft nicht nur Titel, Tore und Temperamente auf dem Spielfeld. Gerade die junge Generation gebe sich damit nicht zufrieden, sagt Briskorn. „Unsere jährlichen Analysen bestätigen, dass Nachhaltigkeit ein Treiber für positive Wahrnehmung ist.“ Im Fanshop zeigt sich der Einfluss schon jetzt. Laut Umfrage unter den VfL-Fans sind nachhaltig produzierte Artikel für jeden zweiten wichtig. 70 Prozent sind bereit, mehr Geld dafür auszugeben. Zum gesamten CO2-Fußabdruck trägt Merchandise mit etwas mehr als drei Prozent allerdings einen geringen Anteil bei. Rund 60 Prozent der Emissionen werden verursacht

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durch die An- und Abreise der Fans bei Heimspielen. Lösungsansätze: Kombi-Tickets, um mit dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr ins Stadion zu fahren, und ein KlimaTicket, für das Fans einen kleinen Aufschlag zur CO2-Kompensation zahlen. „Wir versuchen, das Publikum weiter zu sensibilisieren und zum Mitmachen zu bewegen“, sagt Briskorn. Den Fortschritt treiben viele kleine und große Projekte: Trikots für die Spielzeit 2020/21 wurden aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Das Flutlicht in der Arena strahlt seit 2017 komplett in LED. Die Lampen halten 50.000 Stunden, während herkömmliche nach 3.000 Stunden ausgewechselt werden müssen. Zudem verbrauchen die LED-Scheinwerfer rund ein Drittel weniger Energie. Was die Wölfe vor mehr als einer Dekade freiwillig begonnen haben, gewinnt im Profisport immer mehr an Bedeutung. Ab der Saison 2023/24 wird die Deutsche Fußball Liga Nachhaltigkeit zu einem Kriterium für die Lizenzierung der 36 Proficlubs machen. Roland Karle


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