turi2 edition #15 – Menschen, Medien und Marken in Bewegung

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Blümchen und Bienchen

Chefredakteurin Petra Hornberger und PublishingChef Kay Labinsky im bienenfreundlich bepflanzten hauseigenen Lehrgarten von Burda

Wachsen und Gedeihen Das heimliche Flaggschiff von Burda heißt nicht „Bunte“ oder „Focus“, sondern „Mein schöner Garten“. In der Pandemie boomt das Geschäft mit dem Grünzeug

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etra Hornberger hat 2020 sehr unter dem Buchsbaumzünsler gelitten – wie viele Gärtnerinnen. Und das, obwohl sie nur einen Balkon begrünt. Gut, wenn man kompetente Kolleginnen hat, die wissen, wie man der Raupe Nimmersatt zu Leibe rückt: „Die helfen mir schon immer mit Tipps“, sagt Hornberger. Bei Burda verantwortet sie als Managing Director den Bereich der Gartenund Living-Produkte. Im Fall des Zünslers war der Weg zum guten Rat klar: Er führte in die Redaktion von „Mein schöner Garten“. Bei Burda denken viele Leserinnen an den „Focus“, die „Bunte“, Modebewusste vielleicht noch an die „Elle“. Ein eher heimlicher Star des Portfolios ist „Mein schöner Garten“, ein Magazin, das 2022 seinen 50. Geburtstag feiert. „Alle Mitbewerber im Markt sind mindestens ein Drittel der verkauften Auflage hinter uns“, sagt Hornberger. Aber weil Print nicht mehr alles ist, sind Burdas Gartenprofis auch digital aktiv. In den vergangenen fünf Jahren haben die Offenburger die Website

so erfolgreich ausgebaut, dass sie pro Monat 30 bis 40 Prozent Wachstum verzeichnet. Im „Mein Schöner Garten“-Shop finden sich Pflanzensets, Dünger und Rasenmäher. Corona samt Baumarkt-Schließungen tat sein Übriges, um die Menschen zum Online-Pflanzenkauf zu bewegen. „Wir hatten bis zu 2.000 Bestellungen am Tag“, sagt Hornberger und findet das „schon beachtlich.“ Gärtnern, eine durch und durch analoge Beschäftigung, wird bei Burda digital. Das beginnt bei den Evergreens, die ratlose Pflanzenfreunde übers Web suchen: „Wie werde ich Wühlmäuse los? Wie schneide ich Hortensien richtig? Wie geht Basilikum aus dem Supermarkt nicht sofort ein? Diese Klassiker kommen immer wieder“, sagt Hornberger. Einmal gegoogelt, weiß msg.de Rat. Von dort ist es nur noch ein Klick zum Shop, der heutzutage statt zu gefüllten Rosen eher zum bienenfreundlichen Staudenbeet rät, Kostenpunkt: 59 Euro. Auch Online-Kurse sind im Programm: „Werde mit Expertentipps zum Gemüsegartenprofi“, für 99 Euro.

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Der Anstoß zu diesen Projekten kommt laut Hornberger meist „aus dem strategischen Bereich“. Auf gedrucktem Papier allein ruht sich niemand mehr aus, auch nicht „Mein schöner Garten“. Die Profis in der Redaktion, oft gelernte Landschaftsgärtnerinnen, haben also alle Hände voll zu tun: Sie müssen Print und Digital bespielen, arbeiten externen Kunden wie „namhaften Baumärkten“ zu und sollen beizeiten ihre Expertise auch für Shop-Produkte oder E-Learning zur Verfügung stellen. Hornberger sieht das optimistisch: „Wir versuchen generell, unser traditionelles Geschäft sinnvoll zu erweitern und neue Erlösströme zu schaffen. Dazu gehört insbesondere der E-Commerce-Bereich.“ Der digitale Pflanzenmarkt ist noch nicht perfekt ausgebaut, ergo: Es ist noch Licht und Luft nach oben, um zu wachsen. Weniger Bewegungsspielraum sieht Hornberger bei weiteren Printprodukten für den Garten. Auch wenn sich dort nicht ganz so viele wie im Landbereich tummelten: „Unser Gartenportfolio ist bereits sehr vielseitig und umfangreich“. Neben „Mein schöner Garten“ kümmert sich Burda etwa mit „Wohnen und Garten“ auch um Liebhaberinnen des Landhausstils. Ein extra Pflanzenheft für die junge Zielgruppe sei eher nicht drin – die Jungen kommen mittlerweile ohnehin über die Website oder den zweiten Onlineshop „Sense of Home“. Den hat Burda wie ein Startup aufgezogen, er holt eher die Instagram-Community via Trocken- und Zimmerpflanzen ab. Dass die Menschen nach Corona, sollte es je so weit sein, ihre Gärten, Balkone und Hochbeete dem Unkraut und dem Vergessen anheimfallen lassen, denkt Hornberger nicht: „Der generelle Trend, sein Zuhause drinnen und draußen weiter zu gestalten – der bleibt.“ Tatjana Kerschbaumer


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