turi2 edition #15 – Menschen, Medien und Marken in Bewegung

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Fotos: Privat

Zu Land und zu Wasser

ist Oliver Schrott unterwegs, erst leger als Journalist 1984 in Bonn und 1985 beim „Tatort“Filmdreh in Duisburg, 2002 dann schon als gut gekleideter PR-Chef auf der Strickleiter der RMS „Queen Elizabeth 2“. Anzug trägt er heute noch

des Bauer Verlags, bis er ab 1989 als freier Journalist für „Capital“ über Wirtschaft, für „Horizont“ über Automarketing berichtet. Als immer mehr PR-Aufträge reinkommen, entscheidet er, dass es unglaubwürdig ist, beides parallel zu machen. Fortan schreibt er für Autohersteller Vorstandsreden, betextet Pressemappen und das Mazda-Kundenmagazin. Als er 1993 auf einen Schlag zwei Mitarbeiter einstellt, rät ihm sein Steuerberater zur Gründung einer GmbH. Dass er mal Journalist gelernt hat, merke man der Agentur noch immer an, meint Schrott. Seine Leute sollen „Dingen auf den Grund gehen, recherchieren, Sachverhalte gut erklären und verständlich aufbereiten“. Doch Corona macht der Agentur zu schaffen. Der Umsatz bricht um fast 30 Prozent ein. OSK passt sich den Umständen an: Die Premiere der S-Klasse ab Herbst 2020 begleitet sie rein digital. Videos mit der Musikerin Alicia Keys und Rennfahrer Lewis Hamilton sollen das physische Event ersetzen. Schrott weiß, dass Paris-Peking per E-Klasse heute nicht nur wegen der Pandemie und aus politischen Gründen kaum noch vorstellbar wäre. Der Schwerpunkt seiner Agentur liegt weiterhin auf Mobilität, die Autobauer sprechen jetzt aber lieber über Elektro als über Diesel. „Wir müssen heute bei der Wahl der Mittel der PR-Inszenierung sehr sensibel sein. Sie darf die Nachhaltigkeit, die oft im Vordergrund der Kommunikation stehen soll, nicht konterkarieren“, sagt Schrott. „Wir würden heute nicht mehr Autos mit Hubschraubern rumfliegen.“ Er meint den Relaunch der Luxus-Automarke Maybach, die OSK 2002 für Daim-

ler, damals DaimlerChrysler, stemmt. Dafür kutschiert die Agentur den Neuwagen per LKW von Sindelfingen nach Southampton, lässt ihn dort von einem Schwimmkran in einem gläsernen Container auf das 1.-KlasseSonnendeck des Ozeanriesen „Queen Elizabeth 2“ hieven und schließlich bei der Ankunft in New York vor der Skyline von Manhattan mit einem Hubschrauber an Land fliegen, wo er zur Pressekonferenz in einen alten Börsensaal an der Wall Street einrollt. CNN und zahlreiche Morning Shows berichten, 500 Millionen Menschen sehen die bildstarke Inszenierung im TV. Für die Kommunikation zum Maybach-Relaunch macht Daimler-Chrysler eine Millionensumme locker. Fast 20 Jahre danach sind die Aktionen leiser geworden. Autobauer geben weniger Geld für PR-Einzelmaßnahmen aus, erst recht für spitze Zielgruppen wie beim Maybach. Zudem bindet die E-Transformation viele Mittel. OSK wächst trotzdem. Längst haben Schrott und sein Team auch Kunden aus anderen Bereichen der Industrie für sich gewonnen. Gerade zieht die Agentur um, in ein ökozertifiziertes, barrierefreies Haus im Belgischen Viertel in Köln. Mit Coworking-Bereichen und kreativen Gemeinschaftsflächen auf 4.000 Quadratmetern. Schrott nennt es das „Haus der Ideen“. In der Tiefgarage gibt es Wallboxen für E-Fahrzeuge und Duschen für Kolleginnen, die mit dem Rad kommen. Schrott nimmt das Auto. Elisabeth Neuhaus Video-Tipp:

Oliver Schrott im Videofragebogen über Bewegung unter turi2.de/koepfe

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