turi2 edition #15 – Menschen, Medien und Marken in Bewegung

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App für Asphalt Mit zwei Partnern startet die R+V-Tochter Kravag einen LKW-Helfer, der auch auf einer Nordsee-Insel nützlich ist

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as Busnetz auf Norderney ist übersichtlich. Fünf Linien transportieren Touris und Einheimische über die zweitgrößte ostfriesische Insel. Nummer 5 braucht von Start bis Ziel, Busbahnhof bis Weiße Düne, gerade einmal fünf Minuten. Die Abfahrt der 6 orientiert sich an der Ankunft der Fähre aus Norddeich Mole. Alles ist ein bisschen anders als in Berlin oder Münster: weniger Verkehr, kürzere Wege, Meerblick. Die Technik ist dieselbe, das Gesetz auch. Und so müssen Busfahrerinnen, auf Norderney wie in Nürnberg, morgens vor Antritt der Fahrt checken, ob ihr Fahrzeug verkehrstüchtig ist. Um diese Kontrollen zu dokumentieren, nutzt der Inselbus Norderney eine App aus Hamburg. Fahrerinnen können darüber den fertigen Prüfbericht per Klick und versehen mit Fotos und Standortinformationen direkt an die Verwaltung schicken.

Überwiegend genutzt wird die App namens Wedolo nicht im nördlichen Insel-Idyll, sondern auf dem grauen Asphalt deutscher Autobahnen. Sie soll die Abläufe in kleinen und mittelständischen Unternehmen mit bis zu 25 LKW – oder Bussen – digitaler machen. „Ohne App bedeutet die Abfahrtskontrolle jede Menge Zettelwirtschaft“, sagt Kravag-Sprecherin Julia Richter. Kravag, Kfz-Versicherer und R+V-Tochter, die Straßenverkehrsgenossenschaft SVG und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung BGL haben das Joint Venture im Sommer 2019 als Plattform an den Start gebracht, 2020 folgte die Smartphone-App. Neben der Abfahrtskontrolle bietet Wedolo etwa auch eine Notfall-Hilfe, wenn der LKW mal liegen bleibt. Ist ein Rücklicht kaputt, können sich die Fahrerinnen auf ihrem Endgerät den nächsten Werkstatt-Kontakt anzeigen lassen.

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Bisher ist die Nutzung der App kostenlos. Gebührenpflichtige Services sind laut Kravag geplant, darunter juristische Beratung per Video-Call. Was sich die drei Eigentümer von der kleinen Anwendung erhoffen? Logistik-Firmen sollen mit Wedolo Zeit in Fahrerkabine und Büro und damit Geld sparen. In konkreten Zahlen messen lässt sich das laut Sprecherin Richter noch nicht. Auch, weil das „Sparpotential“ von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sei. Rund 6.500 Nutzerinnen zählen die App-Macherinnen im Mai 2021 nach eigener Aussage – und monatlich knapp 1.000 durchgeführte Abfahrtskontrollen. Für die WebApp sollen 2.000 Menschen aus circa 420 Unternehmen registriert sein. Die Zahl aller Firmen im gewerblichen Güterverkehr in Deutschland, die in die Wedolo-Zielgruppe passen, liegt deutlich darüber: Es dürften um die 40.000 sein. Elisabeth Neuhaus