turi2 edition #14 Social Media

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Network Guide: Instagram

»Wenn Leute mir schreiben, dass ich ihnen Ängste nehme und Halt gebe, weiß ich: Ich kann etwas verändern«

Mit Impfstoffen zur Infoluencerin Sie ist Ärztin, Fernsehjournalistin und Welterklärerin: Julia Fischer zeigt gerade in der Pandemie, wie man mit Posts Wissen schafft

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ie braucht keine zwei Minuten, um zu erklären, was ein Vektorimpfstoff ist. Warum Schnelltests weniger aussagekräftig sind als PCR-Tests, bringt sie in einer Minute und 34 Sekunden auf den Punkt. Julia Fischer, promovierte Ärztin, nimmt im TV Zuschauerinnen des RBB und auf Instagram ihre mehr als 30.000 Followerinnen mit in die Welt der Medizin. Inhaltlich setzt Fischer auf alltagsnahe Beispiele – und deshalb seit März 2020 schwerpunktmäßig auf Corona. Auf Instagram haben nur Lifestyle und Glamour Platz? Das sieht sie anders. Ein immer größeres Publikum, meint die Wissenschaftsjournalistin, habe in der FotoApp Lust darauf, komplexe Themen zu verstehen und darüber zu diskutieren. Fischer will ihre Followerinnen deshalb mit relevanten, gut recherchierten Infos versorgen: „In sozialen Medien verbreiten sich Fake News und Verschwörungstheorien rasend schnell und verunsichern Leute.“ Dem will sie entgegenwirken. Auf Instagram schätzt sie die enge Interaktion mit ihren Followerinnen: Oft erhalte sie Nachrichten, in

denen sich Menschen bei ihr bedanken. Sie habe manchen von ihnen Ängste nehmen und Halt geben können: „Dann weiß ich, ich kann etwas verändern. Das ist toll.“ Ein Nachteil der Instagram-Berichterstattung: Produzentinnen wie Fischer müssen ihre Inhalte so aufbereiten, dass sie idealerweise auch Menschen abholen, die auf der Suche nach schönen Bildern oder schneller Inspiration mal eben durch ihren Feed scrollen. Sonst „verpufft die große inhaltliche Mühe schnell“. Als weiteren Nachteil nennt Fischer den Instagram-Algorithmus, der nicht unbedingt die Qualität der Inhalte, sondern etwa eine hohe Posting-Frequenz belohne. Anderen Journalistinnen, die per Instagram Wissen vermitteln wollen, rät Fischer, Quellen anzugeben, um klarzumachen, dass der Content auf Fakten basiert, nicht auf Meinungen. Außerdem empfiehlt sie eine enge Interaktion mit den Followerinnen: Fragen klären, weitere Informationen bereitstellen und zum Austausch ermuntern. Das wisse die Community zu schätzen. So könne ein Kanal wachsen.

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