turi2 edition #14 Social Media

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Technologie trifft Torfieber: Anna-Lena Müller postet auf Linked-in über ihre Projekte

Frohe Botschaft im Internett Sie war bei Microsoft und VW, heute kommuniziert Anna-Lena Müller für Siemens. Auf Linked-in mischt sie Job mit Persönlichkeit. Von ihr können Firmen viel lernen

Fotos: Screenshots, Mica Zeitz, Picture Alliance, Vivian Balzerkiewitz

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ie kann den Begriff nicht mehr hören. Nein, sie ist keine Corporate Influencerin, sagt Anna-Lena Müller. Seit 2021 verantwortet die Kommunikatorin bei Siemens die Technologie-Partnerschaft mit dem FC Bayern München. Auf Linked-in folgen ihr mehr als 22.000 Menschen. Ihnen erklärt sie, warum Siemens den Puls von Fußball-Fans misst und informiert darüber, dass Siemens an Nachtzügen für die ÖBB mitbaut. Wer Müller folgt, erfährt außerdem etwas über sie als Person. Dass sie sich über die erste Frau im Zalando-Vorstand freut, dass sie im Lockdown Konzerte vermisst und dass sie das Internet für einen guten Ort hält, den sie liebevoll „Internett“ nennt. Influencerinnen auf YouTube oder Instagram werben gegen Geld für Firmen. Corporate Influencerinnen dagegen verlieren – in der Regel freiwillig – auf ihren privaten Social-Media-Kanälen viele gute Worte über ihre Arbeitgeber, teilen und beklatschen, was sie selbst oder die Kolleginnen leisten. Sie sind Fan ihrer Firma und zeigen das ganz offen. Privates Beiwerk inklusive. Auch Müller identifiziert sich bestens mit Siemens, sieht sich aber als „Markenbotschafterin“. Job-Plaudereien hat es schließlich „schon immer“ gegeben, stellt sie fest – in der Familie, mit Freundinnen oder am Stammtisch. Eine Erfindung des Netz-Zeitalters sind die Jobfluencerinnen natürlich nicht: Arbeit liefert seit jeher Gesprächsstoff. Dass dabei auch mal die Werte eines Unternehmens anklingen – gute wie schlechte –, ist fast unvermeidbar. Plattformen wie Linked-in vergrößern nur das potenzielle Publikum dafür.

Müller rät Firmen, nicht einfach interne Weiterbildungen zu Corporate Influencerinnen anzubieten und das Beste zu hoffen: „Social Media darf keine Verpflichtung sein. Wenn aus Spaß plötzlich Pflicht wird, leidet am Ende die Kommunikation.“ Wichtig sei stattdessen ein vertrauensvoller Umgang mit den Mitarbeiterinnen: „Sie wissen in der Regel, wie sie eigenverantwortlich analog und digital kommunizieren. Wir als Kommunikatorinnen sollten sie dabei unterstützen.“ In den Kommentaren auf Linked-in bedanken sich Menschen für Müllers Beiträge. Das Wörtchen „Inspiration“ fällt mehrfach. Mit ihrem Auftreten schafft es die Siemens-Kommunikatorin, dem Dax-Konzern, der sich einst mit Fridays for Future in Klimafragen anlegte, ein sympathisches, menschliches Gesicht zu geben. Ein Gesicht, das offenbar viele Menschen schätzen, wie die Reaktionen auf Müllers Beiträge nahelegen. Ihr Beispiel zeigt, wie wertvoll zufriedene Mitar­ beiterinnen für eine Unternehmens- und Arbeitgebermarke sein können. Wenn Menschen außerhalb der obersten Führungsriege öffentlich, auf Konferenzen oder in Medienberichten präsent sind, die nicht Roland oder Ralf heißen und Millionengehälter kassieren. Müller ist nahbar, menschlich. Eine wie wir alle. Sie sagt: „Ich bin ich. Keine Marke – keine Influencerin. Einfach Anna-Lena – oder froileinmueller.“ So heißt sie auf Twitter, wo ihr mehr als 13.000 Menschen folgen. „Views are my own“, steht in ihrem Profil. Die Ansichten sind jedes Mal ihre eigenen. „Hier privat unterwegs“ steht nirgends.

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