turi2 edition #14 Social Media

Page 151

die Souveränität an, mit der man eine vermeintliche Peinlichkeit vorträgt. Klar, die Grundregel ist: Benimm dich nicht wie ein Arschloch. Aber dafür sollte man ab einer gewissen Position sowieso ein Gespür haben. Was man den jungen Leuten nicht sagen muss, aber den älteren eben doch noch oft: Sei nicht so verkrampft, lass einfach mal los. Authentizität ist cool, so tun als ob ist peinlo. Also auch hier: ein Generationen-Unterschied. Die jungen Leute wachsen auf mit einem Smartphone vor der Nase, die wissen, wie man sich vor der Kamera bewegt, wie man redet. Ich hab auf der Journalistenschule noch Seminare besucht, um das Sprechen vor der Kamera zu üben. Ich weiß noch, wie viel Überwindung mich das gekostet hat. Und ganz viele Politikerinnen und Politiker haben viel, viel längere Zeit nie vor der Kamera sprechen müssen. Da ist es völlig normal, dass das manchmal cringe rüberkommt. Kann Social Media auch entlarvend sein? Klar. Bodo Ramelow, der dachte, er kann bei Clubhouse mal aus dem Nähkästchen über Candy Crush plaudern. Oder Robert Habeck, der wutentbrannt in die Handykamera pöbelt, nachdem er Trump reden gehört hat. Dass er wirklich gesagt hat, was er denkt, macht

„Wir sind heute nicht mehr nicht online“: Carline Mohr im Willy-Brandt-Haus

151 · turi2 edition #14 · Social Media