turi2 edition #11 Fußball (in schweren Zeiten)

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»Schön, wenn die Leute sich freuen« VIP-Hostess Julia Z.

Die Hostess

Fotos: privat (2), imago images (2)

Julia Z. ist Hostess in einer Loge der Allianz Arena München. Am 3. April erzählte sie davon am Telefon Ich studiere Jura im 10. Semester und verdiene meinen Lebensunterhalt mit verschiedenen GastroJobs – unter anderem arbeite ich als Hostess in einer der 106 VIP-Logen der Allianz Arena. In dem Job ist Diskretion wichtig. Es gibt große Logen, die bis zu 30 Gästen Platz bieten und in denen sich zwei Kollegen um den Service kümmern. Ich betreue aktuell alleine eine kleinere Loge für etwa 9 Gäste, die ein bisschen wie ein kleines Wohnzimmer mit Küche wirkt. Ich fange vier Stunden vor Spielbeginn an, alles vorzubereiten: Ich decke ein, fülle den Kühlschrank auf und informiere mich zum Beispiel, ob es etwa einen neuen Wein gibt. Die Gäste können ab zwei Stunden vor Spielbeginn kommen, in der Regel gibt es zunächst ein kaltes Vorspeisenbuffet mit Salaten, Lachs und Käseplatten, später etwas Warmes wie Braten, Fisch oder Curry. In der Halbzeitpause wird Kaffee und Süßes angeboten. Während des Spiels bin ich die meiste Zeit mit Abräumen beschäftigt. Es kommt eher selten vor, dass mich ein Gast bittet, ihm eine Platte zusammenzustellen und an den Platz zu bringen. Trotzdem sind viele total begeistert, was es bei uns alles gibt und freuen sich sehr – das ist schön, ich möchte ja, dass die Leute zufrieden sind. Wie überall in der Gastro ist es deshalb auch in der Loge wichtig, immer charmant und zuvorkommend zu sein. Durch Corona liegt mein Job aber gerade auf Eis, aktuell bekomme ich noch Urlaubstage ausbezahlt. Als Studentin habe ich aber keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld – das heißt, entweder es geht bald weiter oder ich muss mir übergangsweise eine neue Arbeit suchen.

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VideoAssistent*in Einen Video-Assistenten in der Krise interviewen? Unmöglich. Über den Beruf gibt es trotzdem einiges zu erzählen Es ist einer der neuesten Berufe der Fußballwelt: Video-Assistenten sind in der 1. Bundesliga seit der Saison 2017/2018 im Einsatz, in der 2. Bundesliga erst seit der Saison 2019/2020. Alle Video-Assistenten sind ausgebildete Schiedsrichter; sie arbeiten zentral im Video-AssistCenter in Köln. Eingreifen sollen sie laut DFB in folgenden Fällen: wenn es um falsch oder nicht gegebene gelbe und rote Karten geht – und wenn eine StrafstoßEntscheidung oder ein Tor strittig ist. Im Fall der Fälle nimmt ein Video-Assistent per Funk Kontakt zu Schiedsrichter*innen auf dem Platz auf, um die Situation zu klären. Die letzte Entscheidung obliegt aber immer dem Mann oder der Frau mit der Pfeife.