turi2 edition #11 Fußball (in schweren Zeiten)

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GELDVERTEILUNG

Der König regiert Fußball ist deutscher Sportgeldmeister – mit weitem Abstand zu anderen Mannschafts-Sportarten. Die zweite Reihe könnte ein Konkurrent aus unerwarteter Richtung aufmischen

G

eht es um große Titel, kann zumindest der Handball Massen mobilisieren. Das gewonnene EM-Finale in Polen 2016 verfolgten hierzulande 13 Millionen Menschen im Fernsehen, das WM-Halbfinale gegen Norwegen im vergangenen Jahr fast 12 Millionen. Doch solche Zahlen bleiben die Ausnahme. Reichweiten dieser Größenordnung liefert sonst nur Fußball, der König unter den TV-Sportarten. Der Fußball ist nicht nur in den Medien allgegenwärtig, sondern auch als deutscher Sportgeldmeister unschlagbar. Die Bundesliga ist der Krösus unter allen Ligen: Die 18 Clubs der Eliteklasse haben in der Spielzeit 2018/19 mit knapp über 4 Milliarden Euro zum 15. Mal in Folge einen Umsatzrekord aufgestellt. Zum Vergleich: Die BasketballBundesliga, die Deutsche EishockeyLiga und die Handball-Bundesliga erzielen in einer Saison jeweils rund 120 Millionen Euro. Die drei stärksten Sportligen hinter dem Fußball kommen also zusammen auf einen Umsatz, der nicht einmal zehn

Prozent des Bundesliga-Umsatzes entspricht. Fast jeder einzelne Club der ersten Fußball-Liga steht wirtschaftlich besser da als die gesamten Ligen in Basketball, Eishockey oder Handball. Selbst in der zweiten Etage des Fußballs ist der Umsatz noch fast siebenmal so groß wie der anderer Mannschaftssportarten in der TopKlasse. Wie hart die Corona-Krise die einzelnen Clubs trifft, ist noch nicht abzusehen. An den herrschenden Verhältnissen wird aber wohl auch sie kaum ruckeln. „Fußball wird auch in Zukunft mit Abstand das meiste Geld verdienen“, konstatierte Christian Hesselbach von Lagardère Sports Germany, einem der größten deutschen Sportvermarkter, noch vor der Pandemie. Und solange die TV-Sender und nun auch Digitalgiganten wie Amazon oder nationale Größen wie die Telekom hohe Millionenbeträge für die Medienrechte zahlen, wird sich daran nichts ändern. Die Fußballverrückten sind hierzulande klar in der Mehrheit. Beispiel

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gefällig? Angelique Kerber bescherte dem deutschen Tennis durch ihren Wimbledon-Sieg 2018 eine Sternstunde. Das ZDF übertrug live, jedoch schauten dreimal mehr Leute lieber im Ersten, wie sich Belgien und England bei der Fußball-WM im Kick um Platz drei plagten. Den abgehängten Ligen anderer Sportarten traut Hesselbach moderates Wachstum, aber keine großen Sprünge zu. Sie müssen sich eher auf neue Konkurrenz gefasst machen: E-Sport steht ante portas. Laut einer Analyse von Lagardère Sports Germany interessiert sich fast jeder Zweite der 16- bis 65-Jährigen für das in Online-Arenen und Live-Veranstaltungen inszenierte, virtuelle Mannschaftsspiel Dota2. Unter den Nicht-Fußball-Sportarten erreicht lediglich das Handball-Nationalteam so hohe Werte. Der Thron von König Fußball wackelt angesichts solcher Zahlen aber noch lange nicht. Roland Karle


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