Smart Work topsoft Fachmagazin 17-2
Arbeitswelt im (digitalen) Wandel Globalisierung, Markttransparenz und wachsender Konkurrenz- und Kostendruck führen dazu, dass Unternehmen ihre Geschäftsmodelle, Arbeitsprozesse und Kundeninteraktionen kontinuierlich auf den Prüfstand stellen. Agilität und Innovationsfähigkeit werden zu zentralen Erfolgsfaktoren in einer schnelllebigen, digitalen Welt. Bei IT-Verantwortlichen und Führungskräften ist dabei gleichermassen ein Umdenken gefragt. >> Tanja Regli | passion4IT Gmbh
Ob online, offline, im Büro oder von unterwegs: Der neue «Digital Workstyle» hebt die bisherigen Grenzen von Raum und Zeit auf. Mitarbeitende erwarten – geprägt durch die Digitalisierung ihres privaten Alltags – neue, schnellere und einfachere Formen der Interaktion mit dem Unternehmen. Und sie erwarten maximale Flexibilität in der Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben. Eine freie Wahl des Arbeitsumfeldes und ein stabiler, orts- und zeitunabhängiger Zugriff auf geschäftliche Anwendungen und Daten gelten dabei als Basisanforderungen des modernen Wissensarbeiters (engl. Knowledge Worker).
Mitarbeiter-Produktivität in Höchstform Tatsächlich belegen diverse Studien, dass Mitarbeitende, die ihren Arbeitsalltag flexibel gestalten können, produktiver und zufriedener sind. Das Wissen um die wertvolle Ressource Mensch und den nach wie vor akuten Fachkräftemangel motiviert denn auch Führungskräfte vieler Unternehmen, diese neue Arbeitskultur zu fördern. Dabei lockt aber längst nicht nur der Gewinn von produktiveren und zufriedeneren Mitarbeitenden. Auch die Auslastung der firmeneigenen Infrastruktur lässt sich dank flexibler Arbeitsplatzmodelle optimieren. Soweit die Theorie.
Spagat zwischen Flexibilität und Standardisierung Was auf den ersten Blick nach einer Win-WinSituation klingt, verkommt aus einer IT-Perspektive schnell zum Schreckensszenario. Die Zeit, in der die Unternehmens-IT als alleiniger Bereitsteller von Informationstechnologie in Erscheinung trat, ist zu Ende. Vor dem Hintergrund möglicher Effizienz- und Innovationspotenziale soll den Mitarbeitenden nicht nur in der Gestaltung ihres Arbeitsumfeldes, sondern auch bei der Auswahl und dem Einsatz von IT-Mitteln mehr Freiheit und Autonomie eingeräumt werden. Das birgt eine Fülle von 4
neuen Herausforderungen in den Bereichen IT-Architektur, Support und Management. Durch die zunehmende Anzahl und Vielfalt der eingesetzten Geräte erhöht sich nicht nur die Komplexität in der Verwaltung massiv. Es ergeben sich auch ganz neue Sicherheitsrisiken beim Schutz von Unternehmensdaten.
Benutzer auf der Überholspur Während das Konsumenten-Ich mit dem Arbeitnehmer-Ich des Benutzers verschmilzt, werden Sicherheits- und Governance-Anliegen nicht länger vollständig erfüllt. Mitarbeitende suchen und finden ihre eigenen Wege, um die persönlichen Produktivitäts-Anforderungen zu erfüllen. Unwissenheit und fehlender Sensibilisierung geschuldet, lassen sie sich dabei auch von Sicherheitsbedenken nicht aufhalten. So gelangen immer öfters Firmendaten auf öffentliche Cloud-Plattformen wie OneDrive, Dropbox & Co., wo sie von einer Vielzahl an Geräten und Apps synchronisiert und genutzt werden.
IT als Selbstzweck war gestern Während Applikationen, Daten und Technologien im digitalisierten Arbeitsalltag zu zentralen Elementen für den Geschäftserfolg werden, übernehmen die Geschäftseinheiten und Mitarbeitenden den «Driver seat» in diesem Transformationsprozess. IT-Organisationen ihrerseits werden in noch stärkerem Mass daran gemessen, wie sie die neue Arbeitswelt unterstützen, Agilität und Innovation zulassen und damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor in der digitalen Transformation werden. Damit der stetige Kontext-Wechsel zwischen dem privaten und geschäftlichen digitalen Raum sicher gestaltet werden kann, gilt es, die Produktivitätsanforderungen der Mitarbeitenden mit der Bereitstellung von vergleichbaren, benutzerfreundlichen weil gleichzeitig sicheren Geräten, Applikationen und Services zu erfüllen.
Wenn die Kür zur Pflicht wird Es ist unverzichtbar, dass IT- und Geschäftsbereich-Verantwortliche diesen Weg gemeinsam beschreiten. Themen wie Virtualisierung, Cloud-Dienste und Collaboration sind zentral. Die neue Benutzergeneration soll befähigt werden, neue Technologien für eine effizientere – und wo immer möglich auch schnellere – Bewältigung ihrer Arbeitsprozesse zu nutzen. Die heutigen Benutzer interessiert es dabei in der Regel nicht, wie Applikationen bereitgestellt werden, solange der Zugriff darauf für sie problem- und nahtlos möglich ist. Die Herausforderung für IT-Organisationen besteht darin, Benutzern unabhängig von deren Rolle, Standort oder Arbeitsgerät einen barrierefreien Zugang zu den benötigten Applikationen zu ermöglichen – bei gleichzeitiger Wahrung aller Sicherheitsaspekte. Und das alles mit dem kleinstmöglichen Kostenund Ressourcenaufwand.
Wer A sagt… Bei aller Liebe zum technologischen Fortschritt: Es wäre fatal die digitale Transformation nur mit der Umsetzung von digitalen (IT-) Initiativen gleichzusetzen. Ein zielführender Transformationsprozess bricht zwangsläufig
Die Autorin Mitinhaberin der passion4IT GmbH, einem Beratungsunternehmen für Digitale Strategien und Projekte. Tanja Regli verfügt über langjährige Erfahrung im Schweizer IT-Markt und hat sich in verschiedenen Projekten erfolgreich als Digitalexpertin etabliert.