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!ticket Österreichs Eventmagazin Nr.1

musik show 2 0 1 8 sport theater kabarett

OKT

Ausgabe 224

Damit sind Sie live dabei!

& speer IHRE ZWEITE CHANCE

Österreichische Post AG / MZ 15Z040254 M, CTS Eventim Austria GmbH, Heumühlgasse 11, 1040 Wien

2,90 €

KABARETT PREMIEREN Andreas Vitásek Michael Buchinger, Viktor Gernot Nadja Maleh, Christoph & Lollo Herbert Steinböck, Günther Lainer Mike Supancic und viele mehr!

i will always love you

BODYGUARD

Tauchen Sie ein in die packende Liebesgeschichte um Superstar Rachel Marron und ihren Bodyguard Frank Farmer!


PRÄSENTIERT: LIVE SPÜRT MAN MEHR.

Machen Sie jedes Event zu einem besonderen Erlebnis! Genießen Sie die Kombination aus Kulinarik und Show oder machen Sie aus Ihrem Veranstaltungsbesuch einen Kurzurlaub!

Die angegebenen Preise gelten pro Person (Erwachsener) und inkludieren eine Servicegebühr von max. €2,00 pro Ticket. ticketPLUS+ Hotel beinhaltet ein Veranstaltungsticket in der genannten Kategorie und 1 Nächtigung im Doppelzimmer im genannten Hotel. Eine detaillierte Leistungsbeschreibung entnehmen Sie bitte der jeweiligen Veranstaltungsinformation unter www.oeticket.com/hotel. Einzelzimmer auf Anfrage! Reiseveranstalter: Mondial GmbH & CoKG, Eintragungsnummer im Reiseveranstalterverzeichnis: 1998/0040 Es gelten die Allgemeinen Reisebedingungen der CTS Eventim Austria GmbH und die Allgemeinen Reisebedingungen des Reiseveranstalters.

Bilderbuch

Falco

Cirque du Soleil

Andreas Gabalier

Donaulände Linz Open Air, 1 Nächtigung 13.7.-14.7.2019

Februar & April 2019 in Graz, Wien, Innsbruck & Linz

Wien, 1 Nächtigung zu diversen Terminen März und April 2019

Wien, 1 Nächtigung 31.8.-1.9.2019

Doppelzimmer + Stehplatz Preis pro Person im Doppelzimmer

Doppelzimmer + Sitzplatz Kategorie 1 oder Kategorie 3 Preis pro Person im Doppelzimmer

Doppelzimmer + Sitzplatz Kategorie 2 Preis pro Person im Doppelzimmer

Doppelzimmer + Stehplatz Golden Circle oder Stehplatz oder Sitzplatz Kategorie 1, Preis p.P.

EUR 127,–

ab EUR 119,–

ab EUR 140,–

ab EUR 170,–



Die Seer

Die Fantastischen Vier

Beat It!

The BossHoss

Diverse Termine in Linz, Wien & Graz, 2018 & 2019

Wien, Mi, 9.1.2019, ab 17:00 Uhr

Februar & März 2019 in Graz, Innsbruck & Wien

Wien,Mi, 27.3.2019, Essen ab 17:00 Uhr

Mehrgangmenü + Sitzplatz Kategorie 1 oder Kategorie 3 Preis pro Person

Mehrgangmenü + Stehplatz Preis pro Person

ab EUR 93,90

ab EUR 99,40

Mehrgangmenü + Sitzplatz Kategorie 1 oder Kategorie 3 Preis pro Person

Mehrgangmenü + Stehplatz Front of Stage oder Stehplatz oder Sitzplatz Kategorie A Preis pro Person

ab EUR 76,90

ab EUR 100,50

W E R B E A G E N T U R H O C H Z W E I | H O C H 2 . AT

Die angegebenen Preise gelten pro Person (Erwachsener) und inkludieren eine Servicegebühr von max. €2,00 pro Ticket. ticketPLUS+ Dinner beinhaltet ein Veranstaltungsticket in der genannten Kategorie und ein speziell zusammengestelltes Mehrgangmenü im genannten Restaurant. Eine detaillierte Leistungsbeschreibung entnehmen Sie bitte der jeweiligen Veranstaltungsinformation unter www.oeticket.com/dinner.

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ANDREAS VITÁSEK ist nur einer von zahlreichen Kabarettisten, die diesen Herbst ihr neues Programm präsentieren …

14 EDITORIAL

Bona vox.

C

hemnitz im Spätsommer: Es feiert den 875. Stadtgeburtstag. In ausgelassener Stimmung geraten drei Männer in einen Disput, worüber ist nicht bekannt. Der Ausgang sehr wohl: Einer stirbt. Die Täter: ein Syrer und ein Iraker. Schnell werden Springerstiefel geschnürt, eindeutige Fahnen gehisst, Fäuste geballt und Parolen gebrüllt. Wieder einmal rücken trinkfeste Wutbürger die sächsische Provinz in den Fokus der Europapolitik. Dazu äußerte sich natürlich auch Bono Vox, Sänger der irischen Rockband U2. „No more Chemnitz!“ rief er beim Europa-Auftakt der „Experience + Innocence“-Tour in Berlin und schoss auch gleich den neuen Anti-Nazi-Slogan „Wir sind mehr“ auf Deutsch nach. Es wird das Brandenburger Tor eingeblendet, das gibt natürlich Applaus. Plötzlich muss man erkennen, dass es eine Aufnahme von 1945, dem zerbombten Berlin ist – und es jubelt keiner mehr.

„We are one, but we’re not the same“, singt Bono nun gen Ende, und gestikuliert wild: „Wir können diesen Song gar nicht singen, ohne darauf hinzuweisen, was hier in Europa schiefläuft.“ Ja, man muss Bono zugutehalten, dass er im Gegensatz zu Kollegen wie etwa Mick Jagger durchaus weiß, wo er sich befindet und was da gerade abgeht. Während es bei Jagger jedesmal so wirkt, als hätte man ihm kurz vor der Show eine Stichwortkarte gereicht und gemeinsam vor dem Schminkspiegel eingeübt, kann man sich Bono durchaus vor einem Stapel Lokalzeitungen vorstellen, die er penibel erfasst. Es ist mittlerweile 25 Jahre her, dass Bono während der Zooropa-Tour in die Rolle seines Alter Ego MacPhisto schlüpfte und „Goodbye to all you neo-nazis, I hope they give you Auschwitz“ prononcierte. 1993, nach Rostock und Mölln, verkündete Bono auch schon auf Deutsch: „Lasst es nie wieder passieren“. Nun, Prophet ist

er keiner – so doch Prediger: Nicht wenige frohlockten, als er während des zweiten Berlin-Konzerts zumindest kurzzeitig die Stimme verlor, verwechselt Bono doch zu gern die Bühne mit dem Parlament – wie auch seine deutsche Blaupause Campino von den Toten Hosen. Diese setzten Anfang September in Dresden gemeinsam mit in Besorgtenbürgerkreisen wohl als „linkslink“ geächteten Kollegen wie K.I.Z und Feine Sahne Fischfilet wiederholt ein Zeichen gegen Fremdenhass. Überraschend ist vielmehr, dass sich selbst Helene Fischer die Welt nicht mehr schönreden will und nach dem Echo-Eklat auch hier wenngleich liebliche, so doch deutliche Stellung bezieht. Wenn nun der übrige angesagte Pop-Kader noch nachzieht, wird ihm womöglich sogar wieder so etwas wie ein Hauch soziokulturelle Relevanz verliehen. Stefan Baumgartner (Chefredakteur)

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JAN FEB MAR APR MAI JUN JUL AUG SEPT OKT NOV DEZ

IN DIESER AUSGABE [14] Kabarettpremieren Von Austrophobie bis Lügen [18] Yung Hurn Ein werteumwälzender Styler [21] Marshmello Der DJ mit Eimer am Beatpatrol [22] In Concert Filme mit Livemusikbegleitung [25] André Heller Poetische Expeditionen [34] Voodoo Jürgens sing Ludwig Hirsch [42] Tennis Dominik Thiem sorgte nach Jahren der Beliebigkeit für den neuen Boom

AC/DC: Back in Black? Angeblich steht ein neues Album von AC/DC in den Startlöchern. Doch damit nicht genug der frohen Botschaft: Sämtliche Parts der Rhythmus-Gitarre stammen vom 2017 verstorbenen Malcolm Young – Archivmaterial, das er noch zu Lebzeiten aufnahm. Doch Angus Young hat nicht nur die besten der angeblich 100 Stücke ausgewählt, sondern auch Phil Rudd, Cliff Williams – und Brian Johnson wieder zurückgeholt! Das ist trotz ausstehender offizieller Bestätigung eine kleine Sensation!

Grundig. Klein, aber stark im Klang präsentiert sich das neue Micro HiFi-System von Grundig; Es verbindet ansprechendes Design mit leistungsstarker Technik und kann (bis auf Vinyl) alles, was eine Stereoanlage können muss: Radio, CD, MP3, USB oder Streaming. Die M 2000 BT sorgt trotz ihrer kompakten Größe für den perfekten und störungsfreien Musikgenuss. Über die mitgelieferte Fernbedienung stehen nicht nur die wichtigen, sondern auch viele innovative Funktionen jederzeit zur Verfügung. So lassen sich neben den Grundfunktionen – der Lautstärkeregelung oder Wir verlosen 1 Micro HiFi-System der Einstellung der M 2000 BT von Grundig! Programmquelle – beiMehr Informationen und spielswiese auch ganz Teilnahmebedingungen siehe viele verschiedene Klangticketmagazin.com! effekte zur Bassverstärkung und Klangoptimierung wählen.

GEWINN SPIEL

LIFESTYLE 30 Coole Zeit Wer auch im Herbst gern unterwegs ist, darf auf diese Gadgets nicht verzichten ...

HEIMAT 32 Roadwolf Die 88.6-Gewinner möchten das Heavy-Genre wieder aus dem Untergrund holen

LOCATION 37 Szene Salzburg Schwerpunkt Tanz- und Performancekunst & Gesellschaftskritik

KULTOUR 38 Grenzgänger Über die Grundsätze der politischen Freiheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit

LIVE IS LIFE 45 FM4 Frequency Der Inbegriff des Sommers, der Freiheit und der Lebensfreude

MEDIA 46 Kino, Musik und Spiele Mit Paul Weller, Element Of Crime, „A Star is Born“ und mehr!

PLUG&PLAY 48 Equipment Vorbei sind die Zeiten der seelenlosen Produktnamen

Fotos: Jan Frankl, Grundig, Universal Music; llustration: baes

Kasperl und Pezi vor dem Aus! Weil kein neuer Direktor und Finanzier gefunden werden konnte, muss die legendäre Theaterbühne in der Wiener Urania schließen, wie Direktor Manfred Müller Anfang September bekanntgab. Nicht nur für den ehemaligen Kulturminister Thomas Drozda wäre das „Schließen dieses Kleinods ein schwerer Kulturverlust“, auch oeticket-Geschäftsführer Christoph Klingler zeigte sich schockiert über das drohende Aus und bot an, ab sofort den Vertrieb zu übernehmen und marketingtechnische Unterstützung zu leisten, um die Betreiber zu entlasten und eine bestmögliche Auslastung zu garantieren.

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SHOWHIGHLIGHTS IN ÖSTERREICH GE S

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Storyteller DAS NEUE PRO GRAMM

19. Okt 11. Nov

G RA Z

MESSE FREIGELÄNDE

THE TOUR

16. Nov 9. Dez

L I NZ

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ROLAND

19.10.18 WIEN OT

TAKRINGER BRAUER

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KAISER LIVE 2018

Die Arena-Tournee F ENER STADTHALLE 25.10.18 WIEN WI UCK CONGRESS 26.11.18 INNSBR BURG CONGRESS

27.11.18 SALZ

ADTHALLE D

09.12.18 WIEN ST

Das Weihnachtsmusical für die ganze Familie 22.-30.12.18 WIE

N MUSEUMSQUARTIER

EUROPAS BELIEBTESTE PFERDESHOW IST ZURÜCK

Nach dem olg von großen Erf

E BRUCK OLYMPIAHALL 23.-24.03.19 INNS A EN BURG SALZBURGAR 11.-12.05.19 SALZ D N WIENER STADTHALLE 18.-19.05.19 WIE D LE AL ENER STADTHALLE STADTH 31.05.19 WIEN WI 25.-26.05.19 GRAZ

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HALLE E


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!ticket highlights

SCHEINWERFERLICHT

Mag. Roberta Scheifinger Chefredakteurin und Herausgeberin

Eine kleine Verschnaufpause bleibt uns noch bis Weihnachten, doch wie wir alle wissen, fängt der frühe Vogel den Wurm, daher lege ich Ihnen jetzt schon die begehrten Festivaltickets für 2019 als Geschenktipp ans Herz. Erfreulicherweise war das FM4 Frequency Festival heuer restlos ausverkauft, enttäuschend allerdings für all jene, die keine Tickets mehr ergattern konnten. Solange der Vorrat reicht, sind derzeit noch limitierte #FQ19-Justin-Taim-Tickets (ehem. Early-Bird) für € 149,99 erhältlich! NOVA ROCK Early-Birds waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen, Festivalpässe sind für € 169,99 zu haben. Meine Eventtipps im Oktober: Rea Garvey (4.), Per Gessle’s Roxette (18.) – beide im Gasometer, das Vinyl & Music Festival (20. und 21. in der Tabakfabrik Linz) und sehr gerne hätte ich mir auch George Ezra (23., Gasometer) angeschaut, aber leider ist der frühe Vogel einem Jetlag zum Opfer gefallen und blickt nun betreten auf das „Ausverkauft“-Schild. Einen Freudensprung in eigener Sache erlaube ich mir zum Schluss: Die CAWI Print 2018 (Reichweitenstudie für Spezialmagazine) bestätigt uns 173.000 LeserInnen pro Ausgabe, das entspricht einem Zuwachs von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr! Herzliches Dankeschön für Ihre Treue!

DVD-Tipp!

Über 700 Fans zeigten sich Mitte September bei der „Horvathslos“-Premiere im ausverkauften Gartenbaukino begeistert von der exklusiv für diesen Abend produzierten Filmfassung der neuen, vierten Staffel, die mit dem Untertitel „Täglich grüßt der Alltag“ ab 5. Oktober im Handel erhältlich sein wird. horvathslos.at

• Highlights Oktober • Highlights Oktober • Highlights Oktober • Rea Garvey Der „Irishman in Berlin“ schlägt mit seinem vierten Album urbane Töne an 4., Gasometer

LUCCA – Der Salon des Staunens Der amtierende Europameister und zweifache VizeWeltmeister der Mentalmagie präsentiert ab 5. Oktober im Wiener Park Hyatt seine neue Magie-Show.

Per Gessle’s Roxette Der Gitarrist/Komponist des Duos geht mit den einmaligen Hits auf Tour 18., Wiener Stadthalle (F)

Kim Wilde Die „Princess of Pop“ mit Songs von „Here Come The Aliens“ & alten Hits 19., Ottakringer Brauerei

Jason Derulo Derulo wird nicht müde, hochgradig ansteckende, temporeiche Hits abzuliefern 22., Gasometer

Svavar Knutur Der Isländer ist einer der berührendsten Singer-Songwriter der Gegenwart 2., B72

FM4 Unlimited Mehr als 40 Acts & gratis Fahrgeschäfte im Prater: Thank God it’s Friday! 5., Pratersauna

Mike Singer Die außergewöhnliche Stimm-Hoffnung auf dem deutschen Musikmarkt 25. bis 28., 4× in Österreich

Boybands Forever Eine Reise durch die faszierende Welt der Sounds und Moves der Boybands 26. und 27., Graz und Wien

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Fotos: Lucca (Lucca), Hersteller

Alles war gut! Eine kabarettistische Revue von M. Niavarani und A. Schmidleitner laufend, Kabarett Simpl


THE LOOK / IT MUST HAVE BEEN LOVE / JOYRIDE / LISTEN TO YOUR HEART

SPENDING MY TIME / HOW DO YOU DO! / DANGEROUS / FADING LIKE A FLOWER

CODE TOUR 2018 PART 2

WEITERE INFORMATIONEN UNTER: WWW.LIVENATION.AT


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I will always love you Der romantische Kino-Blockbuster „The Bodyguard“ kommt endlich auf die Musical-Bühne des Wiener Ronacher und verspricht jede Menge Nervenkitzel, Glamour, Glitzer, große Gefühle – und natürlich jede Menge Hits der größten Sängerin unserer Zeit. Plus: die Faszination des Films. TEXT: MANUEL SIMBÜRGER

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f I should stay, I would only be in your way. So I'll go but I know I'll think of you every step of the waaayyy. And Iiiiiiii will always love yooouuuu …“ Rachel Marron wird endlich klar, dass sie mit ihrem Privatjet nicht einfach so in die Lüfte abheben darf, auf Nimmerwiedersehen. Als ihr Lebensretter Frank Farmer ihr mit Armschlinge stählern und würdevoll wie Superman nachwinkt und ihr einen letzten sehnsüchtigen, verletzlichen Hundeblick zuwirft, da ist es um Rachel geschehen. „Stopp! Stopp!“, ruft sie dem Piloten zu, stürzt sich die Treppen des Jets hinab und direkt in Franks Arme. Die Kamera wirbelt um die sich küssenden Turteltäubchen herum, Marrons Kopftuch flattert dramatisch im Wind des Propellers – und es ist klar: Die beiden werden sich immer lieben, auch wenn man gar nicht weiß, ob sie nun wirklich zusammenkommen. Bis es aber zu der wohl berühmtesten (Beinahe-)Liebesvereinigung seit „Casablanca“ mitsamt dem engelsgleichen Intro des schönsten (und traurigsten!) Lovesongs

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ever kommt, muss Farmer Marron noch aus einer aus der Kontrolle geratenen Fanhorde retten, die Oscar-Verleihung zum Actionspektakel machen, Marron ihre seelischen Mauern einreißen und Farmer lernen, dass auch ein Bodyguard Gefühle zeigen und hegen darf … Kult-Klassiker Zugegeben: Das Ende eines Films zu verraten – das geht eigentlich gar nicht! Wir vertrauen aber an dieser Stelle darauf, dass Sie, liebe Leserin und Leser, zum Millionenpublikum gehören, das die dramatische Liebesgeschichte von Superstar Rachel Marron (Whitney Houston) und ihrem Bodyguard Frank Farmer (Kevin Costner), der sie vor einem unbekannten Stalker schützen muss, bereits gesehen haben. „The Bodyguard“ war schließlich der zweiterfolgreichste Film in seinem Erscheinungsjahr 1992 und spielte weltweit insgesamt 411 Millionen US-Dollar ein – für damalige Verhältnisse ein rundum gelungener Kassenschlager! Wobei, rundum gelungen,

das sah zumindest die zeitgenössische Kritik nicht ganz so: „Ein totaler Fehlschlag, trotz aller vorhandenen Zutaten!“ schrieb zum Beispiel der „Boston Globe“. Aber wer hört schon auf die Kritiker? Mittlerweile zählt „The Bodyguard“ zu den bekanntesten und lukrativsten Kultfilmen des vorvergangenen Jahrzehnts. Und das zu Recht! Simple Genialität Blickt man unter die glitzernd-glamouröse Popcorn-Blockbuster-Oberfläche von „The Bodyguard“, entpuppt sich der Streifen als erstaunlich mutige und sensible Geschichte rund um zwei vom Leben geprägten Menschen, die, ähnlich wie Romeo und Julia oder Bogart und Bergman, einfach nicht zusammen sein können, weil es die äußeren – und wohl auch inneren – Umstände einfach nicht zulassen. In seiner Struktur und seinem Konzept ist „The Bodyguard“ einfach wie genial zugleich – und doch voller versteckter Komplexität: Ein romantischer Thriller, der seine Spannung vor allem aus der stets unterschwelligen Gefahr gewinnt,


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GEWINN SPIEL

Fotos: VBW, Nilz Boehme

Wir verlosen 2 x 2 Tickets für „Bodyguard – Das Musical“! Mehr Informationen und Teilnahmebedingungen siehe ticketmagazin.com!

Actionszenen sind rar, dafür effektiv gesät. Ein „Musikfilm“, der keiner ist, und doch jeden der Songs eine dramaturgische Aufgabe erfüllen lässt. Ein Liebespaar, so klassisch wie ungewöhnlich zugleich: The Watcher trifft auf The Watched, ein ehemaliger Geheimagent auf eine Diva, die (anfangs) eigentlich gar nicht beschützt oder gerettet werden möchte. Denn Rachel Marron, das war zur damaligen Zeit nicht selbstverständlich, ist kein Hascherl, das sich bei

jedem Bumserer erschrocken hinter den breiten Schultern ihres Bodyguards versteckt. Das bisherige Leben, obwohl so verschieden, hat sowohl Rachel als auch Frank zynisch und misstrauisch werden lassen – womit „The Bodyguard“ genauso sehr Liebesfilm (mit einem für dieses Genre sehr ungewöhnlichen offenen Ende!) wie Studie der Unterschiede von Lebensstilen zweier Menschen ist, wie auch „The Chigaco Times“ 1992 schon richtig analysierte. Und:

Rachel ist schwarz, Frank ist weiß, ihre Liebe ist Ethnien-blind. Schon mal aufgefallen? Ganz genau. Songs zum Träumen So romantisch, packend, ergreifend und faszinierend die Liebesgeschichte rund um Rachel und Frank auch ist, beruht der große Erfolg von „The Bodyguard“ zu einem wesentlichen Teil doch auf dem Soundtrack, der vor allem von

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Superstar Rachel Marron Patricia Meeden konnte bereits in der Kölner Inszenierung begeistern, obwohl (oder gerade weil) sie versucht, ihre „eigene Rachel zu finden“.

Überstimme Whitney Houston getragen wird. Dank zeitloser und unvergesslicher Songs wie „I have nothing“, „Run to you“ und natürlich dem (Hochzeits-)Smashhit „I will always love you“ (14 Wochen auf Platz 1 der US-Charts; 20 Millionen Mal weltweit verkauft!) avancierte der Soundtrack mit über 45 Millionen verkauften Exemplaren zum bis heute erfolgreichsten Filmmusikalbum aller Zeiten. Zwei Oscar-Nominierungen, drei Grammys und zahlreiche andere Auszeichnungen (darunter acht American Music Awards!) verliehen Whitney Houston, die eigentlich nur sechs Songs zum Album beisteuerte, endgültig den Legenden-Status. Und: Musik wurde einmal mehr, ganz im Sinne des damals die Konsum- und Entertainmentwelt prägenden Senders MTV, als profitable Marketingmöglichkeit des Films entdeckt. Der Einzug von Pop in die Welt des Kinos erreichte mit „The Bodyguard“ einen neuen Höhepunkt. Und das, obwohl die Musik selbst im Film eigentlich nur eine Nebenrolle spielt, die aber, wie es ja sein soll, die Protagonisten umso mehr glänzen lässt. Vom Film- zum Musicalhit Was liegt da also näher, als die Songs endlich zum Hauptdarsteller aufsteigen zu lassen? 2012 feierte „The Bodyguard – The Musical“ im Londoner West End Uraufführung, für die Bühnenadaption zeichnete Drehbuchautor und Dramatiker Alexander

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Dinelaris (Oscar für „Birdman“) verantwortlich. Nun ist es endlich in Wien so weit: Die Vereinigten Bühnen Wien bringen den Kino-Blockbuster inklusive Gänsehaut-Soundtrack auf die Bühne des Ronachers. Ein romantischer Thriller als Musical – geht so was überhaupt? Klar, denn dem Konzept, das schon in England und Deutschland zum Erfolg führte, bleibt man auch in Wien treu: Hohes Tempo, Glamour, Glitzer, ein hochmodernes, aufwendiges Setting, sexy Darsteller mit großen Stimmen, bisserl nackte Haut, sensationelle Choreografien und Mitsing-Lieder am laufenden Band machen „Bodyguard – Das Musical“ zum Musical-Ereignis des ausgehenden Jahres. „Ich bin sehr beeindruckt davon, wie spektakulär es gelungen ist, den Film auf die Bühne zu bringen“, macht uns Frank Farmer-Darsteller Jo Weil den Mund wässrig. „Dem Zuschauer wird unglaublich viel geboten: einige der größten Hits und Balladen unserer Generation, ganz viel Gefühl, Drama und auch Action, das alles in wunderschönen Kulissen und Kostümen. Ich war schon immer ein großer Fan des Films – aber ganz ehrlich: ich finde die Musical-Version sogar noch besser!“ Whitney-Tribut Das mag auch damit zu tun haben, dass „Bodyguard – Das Musical“ nicht nur ein Tribut an den Film, sondern vor allem an Whitney Houston ist, immerhin Gottes

Geschenk an den menschlichen Gehörgang. Im Musical werden nicht nur die aus dem Streifen bekannten Hits, sondern auch andere Houston-Klassiker wie „One Moment in Time“, „Saving all my love for you“ oder „I wanna dance with somebody“ zu hören sein. Die Hürde, diese Fan-Favourites auf der Bühne zu stemmen, hat Patricia Meeden übernommen, sie spielt im Musical die Rachel Marron. „Was mich am Stück am meisten fasziniert, ist, wie gut sie die Songs in die Story integriert haben“, erzählt Meeden im Interview. „Das klappt nicht bei vielen Musicals, bei denen bereits bestehende Songs eingearbeitet werden.“ In die Fußstapfen von Houston möchte sie nicht treten, betont sie: „Ich versuche, meine eigene Rachel zu finden. Das macht mehr Spaß, als nur jemanden zu kopieren.“ Bei wem jetzt Zweifel aufkommen, der sei beruhigt: Wer Meeden bereits in der Kölner Inszenierung von „Bodyguard – Das Musical“ gesehen hat, in der sie ebenfalls die Hauptrolle spielte, weiß, dass die 32-Jährige zu den derzeit besten Musicaldarstellerinnen im deutschsprachigen Raum gehört. Hier sitzen und berühren alle Töne, sowohl die lauten als auch die leisen. Eine Ehre Ein Erfolgsdruck sei schon vorhanden, geben sowohl Meeden als auch Weil zu. „Ich empfinde es als echte Ehre, dass wir diese Kultrollen spielen dürfen“, zeigt sich Weil bescheiden. „Ich sehe es aber viel mehr als Motivation. Wir haben die Chance, jeden Abend aufs Neue unsere Zuschauer mit dieser einzigartigen Liebesgeschichte zu unterhalten. Das ist ein echtes Privileg und wir werden unser Bestes geben, damit jeder Zuschauer mit einem Lächeln im Gesicht das Ronacher verlässt.“ n „Bodyguard – Das Musical“ premierte am 27. September im Wiener Ronacher. Auf oeticket.com sind nebst FanTickets ticketPLUS+ Bus und ticketPLUS+ Hotel verfügbar.


So rockt das Leben. Mit freundlicher Genehmigung von Warner Music Austria

Aktuelles Album: Slash – Living the Dream

Foto: Š Gene Kirkland

radio886.at


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!ticket highlights Bach meets Kennedy meets Gershwin Er kümmert sich nicht um Konventionen, mag es eher ungehobelt und sein rebellischer Geist zeichnet ihn auch mit über 60 immer noch aus. Nigel Kennedy ist geradezu zum Symbol dafür geworden, dass klassische Musik, Pop und Jazz auf höchstem musikalischem Niveau zusammenfinden können.

Nigel Kennedy

The Tiger Lillies The Devil’s Fairground Die Songs des neuen Albums handeln von der Zeit der Band im Prag der frühen Neunziger, von einer blühenden wie glühenden Stadt im Umbruch zwischen ehemaligem Osten und anbrechendem Westen, intellektueller Skepsis wie utopischen Hoffnungen, von ausschweifendem Lebensgefühl, wüsten Konzerten in kleinen Bars, kalten Absteigen und viel Liebe & Romantik. Die Songs werden in Kooperation mit dem South Bohemian Philharmonic Orchestra mit Arrangements des preisgekrönten tschechischen Komponisten Michal Nejtek komplett gespielt, zudem gibt es Fan-Favourites. 9. & 13. Dezember, Music Hall & Rockhouse

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27. November, Wiener Konzerthaus


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Bodo Wartke Antigone Der Klavierkabarettist Bodo Wartke präsentiert mit „Antigone“ die lang erwartete, abendfüllende Fortsetzung von König Ödipus. Zusammen mit seiner langjährigen Duettpartnerin, der Schauspielerin Melanie Haupt, widmet sich Bodo Wartke zum zweiten Mal einer Tragödie des Sophokles. Wartke und Haupt spielen alle Rollen des Stückes in rasanten Rollenwechseln mit wenigen Requisiten in minimalistischem Bühnenbild. Wie das Vorgängerstück ist auch „Antigone“ komplett gereimt, die Sprache ist modern und es gibt wieder zahlreiche popkulturelle Verweise zu entdecken. im November in Linz, Wien und Graz

Fotos: Reimkultur GmbH & Co. KG (Bodo Wartke), Jonas Sorgalla (Khalid Bounour), Carl Hyde (Nigel Kennedy), Photo-Graphic-Art (The Tiger Lillies), Simon Pauly (Euryanthe)

Khalid Bounouar

Showtime Der elegante Aachener Comedian, dessen Markenzeichen die Fliege ist, geht nach 10 Touren mit RebellComedy mit seinem ersten Solo auf Tour. Mit Geschichten aus dem Leben, über seine Beobachtungen und sich selbst lässt er die Zuschauer Teil seiner Show werden und führt sie in seine Welt ein. In diesen 120 Minuten werden all seine Fähigkeiten vereint: Stand-up, Crowd Work, Musik, Tanz und Poesie. Die Zuschauer erwartet ein Hauch von Las Vegas, in diesem Sinne: It’s Showtime! 8. November, Marx Palast Wien

Euryanthe

Große romantische Oper von Carl Maria von Weber Der Frauen Treue steht wie so oft in der Oper auch in dieser von Christof Loy inszenierten auf dem Prüfstand: In einer mittelalterlichen, fantastischen Ritterzeit ist der edle Graf Adolar mit der empfindsamen Euryanthe, gesungen von Jacqueline Wagner, verlobt. Den Grafen Lysiart hingegen hatte sie abgewiesen. Aus Eifersucht will er nun die Liebe des Paares zerstören und er provoziert Adolar, der nicht müde wird, die Reinheit und Treue seiner Braut zu preisen, zu einer gewagten Wette um deren Standhaftigkeit …

9., 15., 17., 19., 28. und 31. Dezember, Theater an der Wien

IT’S ONLY WOERZ

Preis wert? Meine Heroes von Aerosmith treten im kommenden Jahr in einer Spielserie von 18 Konzerten in Las Vegas auf, erfahre ich. Der kleine Luxus-Schelm in mir überlegt sich, die Herren im zweitbesten Mannesalter noch einmal auf der Bühne erleben zu wollen und zu diesem Behufe in die gepeinigten Staaten zu fliegen. Ein klärender Blick ins Netz zeigt mir, dass es vereinzelt noch VIP-Karten zu erwerben gibt. Mit Meet & Greet, Merchandising-Packages und sogar mit Sitzplatz auf der Bühne. Einen Klick weiter sehe ich die vierstellige Bestellnummer für die Tickets. Hoppla, … nein, das ist keine Bestellnummer, das ist … äh, … der Kartenpreis. 4.099 Dollar. Direkt vor der Bühne wird es gleich günstiger. 738 Dollar. Und an der seitlichen Rückwand des Saales, vermutlich gerade noch in Hörweite und hinter sichtbehindernden Stützpfeilern: 99 Dollar. Das sind die „Ich-war-irgendwie-dort-Plätze“. Nö! So weit geht meine Liebe dann doch nicht. Ich ziehe nunmehr in Erwägung, erstens eine Preisanpassung für meine anstehenden Kabarettauftritte durchzuführen und zweitens, ebenfalls Plätze auf der Bühne anzubieten. „Adventureseats“ um 300 Euro pro Karte. Man muss es ja nicht gleich übertreiben. Und, hey, das ist inklusive Meet & Greet & Hintnach-Drink & Schmähführing. Das ist doch wohl einen Versuch wert, wiewohl die Vermutung in Griffweite liegt, dass die Begriffe „Alleinunterhalter“ und „Soloprogramm“ damit eine ganz neue Bedeutung erlangen würden.

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GEWINN SPIEL Wir verlosen eine „Best Of Kabarett Edition 148–153“ mit DVDs von Lukas Resetarits, Alex Kristan, Manuel Rubey, Christof Spörk, Heilbutt & Rosen und Tricky Nicky! Mehr Informationen und Teilnahmebedingungen siehe ticketmagazin.com! Andreas Vitásek Diesen Herbst feiert sein 13. Kabarettprogramm Premiere: In „Austrophobia“ dreht sich alles um die ambivalente Heimatliebe.

Möchte man der britischen Komikertruppe Monty Python Glauben schenken, so ist der lustigste Witz der Welt todgefährlich. Trotzdem rittern allherbstlich Haudegen wie Neulinge mit Inbrunst in ihren Kabarett-Premieren um die Gunst des Publikums ... TEXT: STEFAN BAUMGARTNER, MANUEL SIMBÜRGER

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Fotos: Jan Frankl, Dominik Pichler, Hersteller

Der lustigste


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m Sommer befinden sich zahlreiche Kabarettisten in der Klausur, feilen nach initiativer Ideen- und Titelfindung an der vorläufigen Endfassung ihrer neuen Programme: Nicht selten, dass da ganze Passagen noch fliegen oder zumindest der Feinschliff Spreu von Weizen trennt. Doch bis zu den Herbstpremieren in Wien – gerne im Stadtsaal, der Kulisse und im Niedermair – muss alles stehen, das Publikum verlangt danach: Irgendwie muss sich ja das sommerliche Glücksgefühl, das durch die Sonne angefeuerte Serotonin, über den tristen Herbst bis ins Frühjahr retten. Auch Reinhard Nowak und Alkbottle-Kopf Roman Gregory haben sich nach Montenegro zurückgezogen, um dort über einer Flasche Vranac Pro Corde und einem Tellerchen Riblja Corba an ihrer ersten Kollaboration zu tüfteln, die mit „Voll am Start“ betitelt im Frühjahr 2019 premieren soll. Das Urgestein Andreas Vitásek ist hingegen im Lande geblieben, hat sich ebenda mit dem Heimatbegriff auseinandergesetzt und der Frage gestellt: „Lauert das Grauen in der Idylle?“ An einer Idylle mangelt es hingegen Michael Buchinger, der sich mit „Lange Beine, kurze Lügen“ an die Bühnen-Feuertaufe wagt: Ihm geht eigentlich alles und jeder auf die Nerven.

Regis Jauffret hat über den Fall Fritzl ein – heiß diskutiertes – fiktives Buch mit dem Titel „Claustria“ geschrieben, eine Verschmelzung von „Klaustrophobie“ und „Austria“. Welches Gefühl erweckt das Wort „Österreich“ in Ihnen? Österreich bedeutet für mich Kindheit, Erwachsenwerden, Familie, Sprache und Beruf.

Herr Vitásek, Ihr neues Programm nennt sich „Austrophobia“. Wo verorten Sie Ihr persönliches Auf, wo das Ab der Gefühle zu Österreich? Ich fühle mich als österreichischer Europäer, wobei gerade das Pendel etwas in Richtung Europa ausschlägt.

Das Klischee des Österreichischen trifft seltener zu, als man gemeinhin glaubt.

Sie sind geborener Wiener, residieren aktuell im Burgenland. Gibt es abseits davon Flecken in Österreich, die Sie aufgrund von Landschaft und/oder der Leute besonders schätzen? Ich schätze u. a. die Tiroler sehr, obwohl mir die hohen Berge manchmal ein beklemmendes Gefühl der Enge bereiten. Ihr Vater war Tscheche. Wie weit finden sich diese Wurzeln in Ihnen noch wieder? In meinen dunklen Momenten spüre ich meine slawische Ader mehr, als mir lieb ist. Sie gastierten im Puls 4-Satireformat „Homo Austriacus“ – darin ging man den Vorlieben von Herrn und Frau Österreicher auf den Grund. Was haben Sie für sich persönlich mitgenommen?

kommen. Was macht „Heimat“ für Sie eigentlich aus? „Zuhause sein“ ist für mich ein Gefühl, das ich überall dort haben kann, wo es mir gut geht, wo ich mich sicher fühle und wo Menschen sind, mit denen ich gerne zusammen bin. Das muss nicht unbedingt an einen bestimmten Ort gebunden sein. Oft wird nach dem „psychohygienischen Mehrwert“ des Kabaretts gefragt, also nach dem, was auch Sie für die Gesellschaft leisten. Viel interessanter ist jedoch: In wie weit ist Ihr Beruf eine Form der Katharsis? Für mich selber hat mein Beruf sicher eine lebenserhaltende Wirkung und da Lachen angeblich gesund ist, für die Besucher hoffentlich auch. Dass aber jemand eine kathartische Erfahrung in meinem Programm erlebt, kann ich leider nicht garantieren. In Ihrer Grünmandl-Hommage fand sich der Satz „Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn’ ich mich aus.“ Wie heikel ist die Gratwanderung, auf der Bühne politische, gesellschaftliche Probleme zu thematisieren, aber selbst nicht unbedingt eine Lösung parat zu haben?

Fotos: Jan Frankl, Dominik Pichler, Hersteller

Witz der Welt In einem Gespräch mit News zu Ihrem Programm „Sekundenschlaf“ werden Sie zitiert, dass Sie ein „Nach-HauseKommen“ fühlen, wenn Sie nach Paris

Es ist nicht meine primäre Aufgabe, Lösungen für gesellschaftliche Probleme aufzuzeigen, sondern unterhaltsam den Finger auf offene Wunden zu legen. Aber sollte mir etwas Nützliches einfallen, werde ich es nicht für mich behalten.

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Kurz nachdem Haiders Partei in die Regierung kam, fiel von Ihnen der Satz „Ich suche jetzt lieber den Faschisten in mir selbst.“ Ist der Faschist notwendigerweise Teil eines jeden (nicht nur) Österreichers? Nein, auf keinen Fall. Der Faschimus ist eine menschenverachtende Ideologie und sicher nicht naturgegeben. Wirklich politisches Kabarett ist bei uns jedoch – im Gegensatz zu Deutschland – rar. Warum? Ist das wirklich so? Ich finde, wir haben einige großartige politische Kabarettisten. Sie agieren vielleicht nicht ganz so direkt wie die deutschen Kollegen. Erst kürzlich wurde der Stargalerist Thaddaeus Ropac im Profil zitiert, er „könne nicht behaupten, stolzer Österreicher zu sein“. Der Kontext dazu ist freilich die aktuelle Regierung in Österreich. Wie steht es um Sie? Es besteht tatsächlich die Gefahr, dass

cd-tipp Die Kabarettistin Nadja Maleh liebt nicht nur Kabarett. Sie liebt auch Musik. Deshalb hat sich die vielseitige Künstlerin mit vier Topmusikern zusammengetan. Atmosphärische Chansons werden stimmig mit verschiedensten Musikelementen verbunden, mal mit Swing, Jazz, oder Pop! Nach ihrer erfolgreichen ersten CD mit dem Titel „Songs Vol. 1“ gibt es nun eine zweite mit dem überraschenden Titel „Songs Vol. 2“. Live werden die Stücke kommenden März in St. Pölten, Pregarten, Ansfelden und Purkersdorf präsentiert.

wir unsere gute Reputation in der Welt leichtsinnig aufs Spiel setzen. Aber ich versuche, das Ganze so unaufgeregt wie möglich zu sehen. Regierungen haben im Schnitt keine sehr lange Lebenszeit. Ich hab schon einige erlebt, perfekt war übrigens keine. Die österreichische Regierung war auch Thema eines Gesprächs, das Wolfgang Ambros im Sommer der Süddeutschen gab. Hierauf entlud sich eine Lawine an Beschimpfungen. Nachdem Sie beide nur wenige Jahre trennen: Wird Kritik „vor der eigenen Haustür“ mittlerweile wieder empfindlicher aufgenommen, wäre heute erneut ein „Heldenplatz-Skandal“ denkbar? Es ist auffällig, dass gerade die, die am angriffigsten sind, ziemlich schwach im Einstecken sind. Skandale entstehen ja erst durch die überzogene Reaktion darauf. Stimmt. Gerade der rechtspopulistische Regierungspartner FPÖ ist bekannt dafür, sich gerne von Künstlern schnell auf den Schlips getreten zu fühlen. Könnten Sie dingfest machen, wieso kaum ein Kulturvertreter – abseits der John Otti Band und Andreas Gabalier – ihren Fürsprecher gibt? Ganz im Ernst, ich glaube nicht, dass Andreas Gabalier ein Fürsprecher der FPÖ ist. Der zieht einfach sein Ding durch. Und das kommerziell ziemlich erfolgreich. Gabalier empfing von der Band Krautschädl einen Brief, denn mit seinem aktuellen Album malte er wiederholt ein Österreichbild, das nicht allen genehm war – und so wird das Oberösterreicher-Trio zitiert: „Wir wollen uns den Heimatbegriff nicht okkupieren lassen.“ Können diver-

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gierende Heimatbilder nicht – wie auch im Bundespräsidentenwahlkampf, wo beide Kandidaten auf „Heimat“ pochten – nebeneinander existieren? Gegenfrage: Muss man den Begriff „Heimat“ immer als Kampfmittel missbrauchen? Das ist schon bei der Religion nicht zielführend. In Ihrem Programm fragen Sie sich auch nach den Gründen Ihrer ambivalenten Beziehung zu Österreich. Auch von Ihrer Person losgelöst: Welche Rolle nehmen hier die Medien und sozialen Netzwerke ein, die den Österreicher links wie rechts der Mitte doch in separierende Blasen hüllen? Man kann sich seine Informationsquellen ja – noch – aussuchen. Es schadet niemandem, hin und wieder ein bisschen über den Tellerrand hinauszuschauen. Gemeinsam mit Ihren Kollegen Alfred Dorfer und Lukas Resetarits (nebst anderen) starteten Sie die IG Autorinnen Autoren, die sich um die Unabhängigkeit des ORF vor politischem Einfluss sorgt. Hand aufs Herz: Unabhängig war der ORF vor der aktuellen Regierung auch nicht. Wie sieht Ihre Idealvorstellung aus, was müsste sich ändern? Ein öffentlicher Rundfunk muss so unabhängig wie möglich agieren können, sonst kann man ihn gleich einsparen. Aber es ist klar, dass jede Regierung leicht in Versuchung gerät, Einfluss zu nehmen. Was für ein Österreich möchten Sie Ihren Kindern hinterlassen? Ein freies, gerechtes, solidarisches und lebenswertes! n „Austrophobia“ premiert am 2. Oktober im Wiener Stadtsaal.


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premierenreigen Seit September: Peter & Tekal „Gesund gelacht“ (Jubiläum) Michael Buchinger „Lange Beine, kurze Lügen“ Jimmy Schlager „Powidl“ Evelin Pichler „Volljährig“ Claudia Rohnefeld „Gschisti Gschasti“ Pepi Hopf „Gemmas an! Ein Abend über Arbeit“ Hosea Ratschiller „Ein neuer Mensch“ Didi Sommer „Aufschneiden“ Kernölamazonen „Was Wäre Wenn“

Michael Buchinger Er ist HassYouTuber, Autor, Lügner aus Leidenschaft – und nun auch Kabarettist: In „Lange Beine, kurze Lügen“ zieht er unzensiert über all die her, die ihm auf die Nerven gehen …

Ab Oktober: Joesi Prokopetz „Gürteltiere brauchen keine Hosenträger“ Andreas Vitásek „Austrophobia“ Jörg-Martin Willnauer „Schas-Vergolder“ Dieter Hörmann „Über den Tellerrand“ Viktor Gernot „Nicht wahr?“ Nina Hartmann „Laut“ Nadja Maleh „Hoppala!“ Christoph & Lollo „Mitten ins Hirn“ RaDeschnig „Doppelklick“ Stefan Haider „Freifach: Herzensbildung“ Gregor Seberg „Seberg off Music“ Herbert Steinböck „Ätsch“ Gebrüder Moped „Heute gehört uns Österreich …“ Harry G. „#HarrydieEhre“ Christoph Fälbl „Menocrises & Midlifepause“ Im November: Günther Lainer & Christian Putscher „WurstSalat“ Im ersten Quartal 2019: Mike Supancic „Familientreffen“ Klaus Eckel „Ich werde das Gefühl nicht los“ Reinhard Nowak & Roman Gregory „Voll am Start“ Gregor Seberg „Wunderboi“

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Michael Buchinger ist „bis oben hin voll mit Hass“. Kein Wunder, der Arme hat’s auch nicht leicht in einer Welt voll von Rolltreppen-Links-Stehern, Kostümparty-Fans, Brettspiel-Liebhabern und … ja, Menschen halt. „Meine Eltern standen meiner Kreativität immer sehr kritisch gegenüber“, erzählt der 25-Jährige Wiener. „Sie sagten zu mir immer: ,Sei doch mehr wie deine Cousine Barbara!‘ Barbara ist bei der Geburt gestorben.“ Und manchmal gebe es auch für ihn Momente, die seien ihm durchaus peinlich. „Dann fühle ich mich so unwohl wie ein gutaussehender Junge auf der Neverland-Ranch.“ Schrecksekunde im Publikum. Dann lautstarkes, beinahe hysterisches Lachen, geschocktes Hand-vorden-Mund-halten. Hat er grad wirklich …? Er hat nicht nur, sondern Buchinger sowie sein gesamtes Debüt-Kabarettprgramm „Lange Beine, kurze Lügen“ leben von solchen WTF-Momenten. Buchinger fasst nichts und niemanden mit Samthandschuhen an, sogar

die eigene Familie und der Boyfriend werden genüsslich durch den kokettierten Hass-Kakao gezogen. Buchingers Programm hat in einer Zeit von übertriebener Political Correctness etwas von humorvoller Psychotherapie: Im geschützten Raum dürfen wir an und über all das denken, sprechen und vor allem lachen, was sonst nicht erlaubt ist. Ganz nach dem Motto: „Endlich sagt’s mal einer!“ Buchingers Humor-Konzept, irgendwo zwischen Hollywood und Almhütte, funktioniert auch auf der Bühne wunderbar. Mit seinen liebevoll-frechen YouTube-Videos mit Lausbub-Charakter blödelt er sich seit fünf Jahren mit großer Geschwindigkeit Richtung heimischer Comedygipfel. Wenn er das Absurde im (schmerzhaft bekannten) Normalen betont und Alltägliches plötzlich außergewöhnlich werden lässt, dabei die Eigenheiten des Menschseins auf gar nicht so subtile Weise (er hasst schließlich Um-den-heißen-Brei-Herumreden!) unters Kaleidoskop stellt, erinnert

er nicht selten an den jungen Düringer. Ein schwuler Düringer, wodurch es Buchinger vielleicht noch ein Stückchen mehr als gewohnt gelingt, von außen kritisch auf die (nervige!) Gesellschaft zu blicken. Dabei ist er immer der gute Freund, der crazy guy next door, mit dem man gern ablästert – und der auch und vor allem vor sich selbst nicht haltmacht. Was den bösen Michi dann wiederum ganz lieb erscheinen lässt. „Humor war immer schon mein seelischer Schutzschild“, meint er. Den braucht es heute nicht mehr, im Gegenteil: Langfristig sieht sich Buchinger vor allem auf der Bühne zu Hause. „Weil man da die direkte Reaktion des Publikums mitbekommt.“ Die Anhängerschaft ist im treu, die Premiere im September war ausverkauft. Buchinger weiß: Manchmal verbindet Hass eben mehr als Liebe (dank ihm trauen wir uns das zuzugeben!). Da werden noch viele, viele Schrecksekunden folgen.

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Yung Hurn ist werteumwälzender Cloudrapper, genialer Styler und Mamas liebster Bua in Personalunion. Der Hirschstettner Schulabbrecher ist zum Star mutiert. Sein Album „1220“ und die „Love Hotel EP“ sind Highlights von hoher Zeitlosigkeit. TEXT: SAMIR H. KÖCK

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eder der vielleicht zwölf Leute in Waggon 12 des Wiener Riesenrads wusste: Das ist ein Highlight. Und nicht nur eines der laufenden Konzertsaison. Die Seligen, die dieses Minikonzert miterleben durften, wurden Zeuge der butterweichen Seite des sonst so ultracoolen Yung Hurn. Am Zettel stand der mit seiner Love Hotel Band, einer Art R&B-Schlager-Kombo, die krasse Gefühle, selbstverständlich hochgeschraubt mit dem Klangeffekt Auto-Tune, kommuniziert. Herr Hurn gab sich erstaunlich umgänglich und lud sogleich zu einer Wodka-Schluckimpfung. Dann konnte es schon losgehen. „Baby, du glitzerst wie ein Diamant. Komm mit zu mir, ich nehm dich in die Hand. Mein ganzer Körper ist auf einmal warm, wie deine Augen funkeln in dem Licht. Ich glaub’ ich hab’gefunden, was ich will. Ich wollt’ die ganze Zeit nur dich, Pretty Baby, komm, lass’ mich jetzt nicht im Stich.“Der Bassist spielte in Zeitlupe, der Gitarrist zart funky. Beim DJ liefen die Fäden zusammen. Jetzt ging’s um den Refrain. Da mussten die Fans jetzt stimmlich zusammenlegen. „Dein Körper, mein Körper, du bist so heiß, Baby, ja du weißt.“Die Fenster

K. Ronaldo a.k.a. Love Hotel Band der Messias des Cloudrap. Nicht bloß nur des heimischen. Das offizielle Debütalbum „1220“ erklomm in den deutschen Charts Platz 2. Die Teflon-Schlagerkönigin Helene Fischer kam wohl ausnahmsweise ins Schwitzen. Knapp, sehr knapp, schrammte Herr Hurn an der Nummer 1 vorbei. Aber egal. Was für ein Erfolg für einen Hiesigen, der die ausgetrampelten, medialen Pfade umgeht! Leider, will man seufzen. Interviews gab er bislang nur Kasperlmedien und – immerhin einmal – dem arte-Kulturmagazin Tracks. Bei all diesen Begegnungen hielt er sich eisern an einen alten Künstlergrundsatz: „Erkläre niemals dich oder deine Kunst.“ Seine Beliebtheit hängt an vielen Fäden. Da ist zum einen der wunderbar weiche Wiener Flow seiner Raps: Yung Hurns Diktion hebt sich angenehm vom Machogeplärre vieler anderer Rapper ab. Dann erfreuen eine hohe Funkyness, ein hehrer Minimalismus und eine flächendeckende Umwertung bürgerlicher Standards. Ein Labsal in Zeiten von viel zu viel Political

waren geöffnet, die Stimmen zersägten die schwarze Luft hoch über dem Red Bull Music Festival. Wir müssen die Lautesten sein, murmelte Yung Hurn.

Correctness. Geht es in seinen Stücken um Liebe, gibt er sich vorzugsweise indifferent. Beim Thema Drogen stellt er auf Modus „Exzess“ um. Am aufregendsten ist aber das labile Gleichgewicht zwischen Dilettantismus und Raffinesse. Es macht die Aura seiner Stücke unvergleichlich. Es ist ein wenig rätselhaft, wie sich der Mittzwanziger aus der Wiener Donaustadt in-

Fotos: Vitali Gelwich, Barracuda Music

cool Bitchfight Julian Sellmeister, Schulabbrecher aus Hirschstetten in Wien-Donaustadt, ist unter seinem Nom de guerre Yung Hurn a.k.a.

nerhalb so kurzer Zeit zum schärfsten Cloudrapper des deutschen Sprachraums hochhieven konnte. Yung Hurn probierte etliche Beatprovider aus. Lange war Lex Lugner federführend, jetzt ist es der gebürtige Linzer Stickle, der schon mit Granden wie Casper erfolgreich gearbeitet hat. Tatsache ist jedenfalls, dass sich der Donaustädter mittlerweile auf den größten Bühnen des deutschen Sprachraums äußerst wohlfühlt. Er begeisterte auf dem Splash, beim Openair Frauenfeld und zuletzt auf dem Frequency. Mit Stücken wie „Hellwach“, „Mhhm“ und „Sie schauen“ kochte er locker das Publikum ein. Die Autotune-Edelschnulze „Diamant“ war einmal mehr Highlight eines amtlichen Auftritts. Sceptic Schizo Und doch ist er umstritten. Den einen mangelt es an Authentizität, den anderen ist das viele Auto-Tune zu viel. Und wer erfolgreich ist, hat ohnehin das größte aller Verbrechen begangen. Yung Hurn weiß das selbstverständlich. „Alle hassen uns, aber sie schauen, ja, sie schauen, schauen mich an, Instagram, Instagram, Tag und Nacht.“ singt er in „Sie schauen“. Damit gibt er ein wenig Arbeitsleid preis. Weil er auf die konventionellen Medien pfeift – wahrscheinlich ist ihm wie den meisten seiner Generation das Lesen suspekt – setzt er seit drei Jahren voll aufs Netz. Er stellt pausenlos kuriose Videos und lustvoll katastrophale Interviews auf YouTube, postet exzessiv Fotos auf Instagram. Auf Facebook agiert er nur peripher. Mit diesen Werkzeugen hat er große Massen an Followern rekrutiert. Sein bislang größter Blockbuster ist das Video zum gemeinsam mit dem süddeutschen Kollegen RIN kreierten Stück „Bianco“. Mehr als 12 Millionen Klicks gab es für diese Ode an die „weiße Tant’“, das Kokain. Im Segment Cloudrap entwickelt man Charaktere, sogenannte Personae. Aus lieben Milchbubis erwachsen dann kleine Monster, die alle bürgerlichen Vorstel-

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TIM_18_20_Yung Hurn_g_KSB_k1.qxp_Layout 1 19.09.18 11:15 Seite 3

lungen vom richtigen Leben über den Haufen werfen. Yung Hurn braucht derzeit drei Alter Egos, um das, was ihn beschäftigt, gesundheitsfördernd abzuführen. Er ist K. Ronaldo, der zwielichtige Chef der Love Hotel Band und Yung Hurn in Personalunion. Eine klassische Aufspaltung, wie sie all jene vornehmen, denen mit nur einer Identität fad ist. Der rasche Wechsel zwischen den Befindlichkeiten ist ganz wichtig. Von einer Impulskontrolle will niemand in dieser Szene etwas wissen. Yung Hurn singt darüber, Bitches zu ficken und in der nächsten Zeile lobt er seine Frau Mama. Das hat stets Potenzial zum Skandal. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem französischen Chansonnier Serge Gainsbourg flackern in den radikal zwischen Drogen, Sex und jugendlicher Rebellion irrlichternden Texten auf. Würde er ins Fernsehen in eine Livesendung eingeladen werden, ein Skandal wie ihn damals Gainsbourg mit Whitney Houston angezettelt hat, wäre möglich. Sein nachvollziehbares Ansinnen „I wannö föck yu“, das er in einer TV-Show der verblüfften Miss Houston gegenüber formulierte, war Bürgerschreckkunst deluxe. „He says, you are beautiful“ versuchte der Moderator damals die Situation zu retten. Aber vorbei, vorbei. Vu de l’extérieur Zur bildenden Kunst hat Yung Hurn auch eine Art inniges Verhältnis. Er malt zeitweilig. Das wäre eine weitere Parallele zum Leben Gainsbourgs. Der begann ja als Maler. Und scheiterte spektakulär. Erst dann wandte er sich dem Chanson zu, das er zunächst als mindere Kunstform ansah. Das befreite ihn vom Druck, dem er sich als Maler ausgesetzt sah. Endlich konnte er loslassen und seine eigentliche Kunst entwickeln. Von Yung Hurn heißt es, dass er in der Klasse von Maler Daniel Richter gewesen sei. Im arte-Film „10 Minuten Kunst“ konversiert Yung Hurn erstaunlich artig

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mit diesem Meister der organisierten Farbenverteilung. Und er plaudert aus dem Nähkästchen. Schnell habe man Musik gemacht in den frühen Tagen. An das Geldverdienen hat niemand gedacht, auch nicht daran, etwas Sinnstiftendes zu erzeugen. Es ist wohl genau dieser Anarchismus im Zugang, der letztlich aus Sellmeister einen Künstler gemacht hat. Ein weiterer zarter Hinweis auf Kontakte in der bildenden Kunst ist der Song „Gefühle an dich in einer Altbauwohnung Pt. 1“, der als featured Artist den bösen Buben Christian Rosa ausweist. Der war ganz sicher in der Klasse von Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste. Vielleicht hat Yung Hurn damals jene goldene Regel entdeckt, dass man die eigene Meisterschaft möglichst im Verborgenen kultiviert. Ein anderer interessanter Aspekt ist Yung Hurns Affinität zur Mode. Für das Label Vetements hat er mit seiner Love Hotel Band aufgespielt, allerlei Louis-VuittonTascherln führt er selbst gerne spazieren. Der Mann ist der perfekte Styler. Die geschmacklosesten Dinge sehen an ihm gut aus. Sehr gut sogar. Das ist eine grandiose Gabe in einer Zeit, in der es fast nur noch systemkonforme Differenzen gibt. Weil sich seit geraumer Zeit nicht nur geistige und soziale Abweichler mit Peckerln zutätowieren lassen, setzt sich das Gleiche im Anders-sein-Wollen durch. Yung Hurn ist dem bewusst oder unbewusst ausgewichen, indem er seiner Haut unglaublich amateurhafte Tattoos angetan hat. Es mag vielleicht paradox klingen, aber gerade dadurch beweist er großen Stil. Von ihm steht noch einiges zu erwarten. n Yung Hurn spielt am 1. Dezember im Linzer Brucknerhaus, am 2. Dezember im Gasometer. Das Konzert im Münchner Backstage (30. November) ist bereist ausverkauft. RIN gastiert am 9. Jänner in der SimmCity. Auf oeticket.com sind FanTickets verfügbar.

RIN Bietigheim-Bissingen ist eine Kleinstadt in BadenWürttemberg. Es ist ein eher ruhiges Örtchen etwa im Vergleich zum nahe gelegenen Stuttgart: Einfamilienhäuser, Altbauten, zwischendrin fließt die Enz, ein Nebenfluss des Neckar. Alles wirklich beschaulich, gar ruhig. Und trotzdem schlummert in diesem Ort ein musikalisches Talent: Denn dieses, auf gut Österreichisch mag man ehrlich sagen: Kaff ist gerade dabei, ob zweier Lichtgestalten die vorübergehende Hauptstadt des Rap zu werden: Shindy heißt der eine und hat es bei Bushidos Label innerhalb von drei Jahren vom Newcomer zu einem der größten Künstler seines Genres gebracht. Ein anderer ist gerade auf dem Weg dorthin: RIN, heißt eigentlich Renato und ist Sohn bosnischer Einwanderer. Er hat letzten September gerade erst sein erstes Album („Eros“) veröffnet, im Social Media macht er sich rar. Wie auch Yung Hurn lässt er lieber die Musik für sich sprechen, dem deutschen Juice sagte er: „Für mich ist der größte Kritikpunkt an der Rapszene, dass es um nichts anderes geht als Promophasen, die besten Videoblogs und den größten Twitterbeef. Alles ist wichtig, außer Musik. Das ist nicht mein Ansatz.“ Im Sommer 2015 veröffentlichte er sein erstes Musikvideo „Ljubav/Beichtstuhl“, der Style war damals noch neu – irgendwo zwischen Trap-, Rap- und R’n’B-Elementen changierend. Heute würde man wohl Cloud Rap dazu sagen. Und damit trifft er augenscheinlich den Zahn der Zeit – irgendwo zwischen Chillen und auf der Suche nach Antworten. Seine Songs, darunter die Kollaboration mit Yung Hurn, kommen an. RIN schafft es mit einer Mischung aus Auto-Tune, weichen Synthesizern und eingängigen Refrains, einen Ohrwurm nach dem anderen zu liefern. Alles klingt dabei abgespacet, aber auch immer am Nabel der Zeit. Stefan Baumgartner


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Mäusespeck Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Der mächtigste Mann der Welt ist eine ehemalige Reality-TV-Ikone und einer der größten Stars der zeitgenössischen elektronischen Musik ist ein Typ, Marshmello Die Maske der zur Verschleierung seiner Identität einen seines Kostüms besteht aus einem zylinderförmigen Helm, auf dem ein weißen Eimer auf dem Kopf trägt: Smiley-Gesicht zu sehen ist, und ist an die Marshmello, Headliner des Süßigkeit Marshmallow angelehnt, Beatpatrol. TEXT: ROUVEN AHL was ausschlagge-

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Foto: Beatpatrol

arshmello hat die Szene in den letzten Jahren ganz schön aufgemischt. Er headlinet die größten Elektro-Festivals dieser Erde und hat mit Hits wie „Wolves“ oder „Happier“ echte Chartstürmer erschaffen, deren Klickanzahl auf YouTube oder Spotify weit über die 100-Millionen-Grenze hinausgehen. Den ersten großen Hit hatte er 2016 mit „Alone“. Sein Mix aus Bass, Future und Trap ist am besten mit dem wertfreien Attribut „modern“ beschrieben. So modern, dass man sich beim Hören irgendwie alt fühlt und den Drang verspürt, am Fenster zu warten, um potenzielle Delinquenten in Kindergestalt vehement vom Betreten einer Grünfläche abzuhalten. So haben sich wohl unsere Eltern gefühlt, als zum ersten Mal die poetischen Texte von Scooter aus unseren Zimmern schallten. Yeah, okay, but who the fuck is Marshmello? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit steckt unter der eigenwilligen Kopfbedeckung von Marshmello der DJ und Produzent Christ Comstock alias Dotcom. Das US-amerikanische Forbes-Magazin hatte dies 2017 bestätigt. Inspiriert wurde Marshmello bei der Wahl

seines Outfits angeblich vom kanadischen Electro-HouseMusikproduzenten Deadmau5, dessen Kopfbedeckung wiederum an eine von Tim Burton designte Mickey Mouse erinnert. Die selbst gewählte Anonymität hatte nach Marshmellos eigener Aussage zunächst den Zweck, die Musik in den Vordergrund zu rücken. Dass das Mysterium um seine Identität wohl durchaus ebenfalls zu seinem großen Erfolg beigetragen hat, nahm er als angenehmen Nebeneffekt aber sicher gerne mit. Bei aller Spekulation darüber, wer sich hinter Marshmello verbirgt, gilt jedoch eine Tatsache als gesichert: Der Mann mit dem Eimer ist ein hervorragender LiveAct. Sonst hätten ihn die Macher des Beatpatrol zum zehnjährigen Jubiläum wohl nicht als Headliner verpflichtet. Neben Marshmello gibt es auf dem am längsten bestehenden Electronic-MusicFestival und größten Indoorfestival Österreichs aber noch zahlreiche andere hochklassige Acts, die den Tanzflur in eine große finnische Sauna verwandeln werden. Dazu gehören u. a. die Künstler Carnage (der Name ist Programm), Fritz Kalkbrenner oder die beiden Österreicher Camo & Krooked.

bend für sein Pseudonym ist.

n Das Beatpatrol geht am 25. Oktober im VAZ St. Pölten über die Bühne: 5 Bühnen mit über 50 Acts!

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Drama, Baby! Während zuvorderst Regisseure und Schauspieler für ihre Leistungen honoriert werden, darf man nicht vergessen: Nicht zuletzt die Filmmusik trägt mit zum Gelingen eines Filmes bei. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER

John Williams setzte neue Maßstäbe für Teil 2 des Epos „Star Wars“

Wagner gibt in „Apocalypse Now“ den Vietcong-Schreck. Und natürlich: der italienische Komponist Ennio Morricone! Er trug mit seiner Musik wesentlich zum Welterfolg von Kultwestern wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ bei. Ihr Regisseur Sergio Leone bekannte, dass Morricone für ihn mehr ein Drehbuchautor sei als ein Komponist, denn durch die Musik könne er etwas mitteilen, was er sonst hätte aufwendig zeigen müssen. So verrät uns auch Sandra Tomek, die im Wiener Konzerthaus die alljährlich ausverkaufte „Hollywood in Vienna“Reihe verantwortet: „Filmmusik kann dem Zuseher Inhalte des Films vermitteln, die für das Auge unsichtbar bleiben

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und dadurch vor allem die dem Bild zugehörigen Emotionen unterstreichen oder auslösen. Kein anderer Part des Films kann Emotionen wie Freude, Schrecken oder Traurigkeit so gut transportieren wie die Musik. Dies geschieht für das Publikum, meist ohne dass es von ihm bewusst wahrgenommen wird. Das ist der Zauber der Filmmusik.“ Wien und Hollywood Auch wenn die größten Blockbuster immer noch aus Amerika kommen, ohne einen Österreicher würden Kassenschlager von „Der Herr der Ringe“ über „Star Die Musik zu „Der Herr der Ringe“ stammt von Howard Shore

Wars“ bis „Harry Potter“ heute vielleicht anders klingen, denn: „Als der Tonfilm aufkam, war es insofern nur die logische Konsequenz, dass auch eine Musik zum Film aufgenommen wurde. Hier kamen dann die wertvollsten Ideen aus Wien, nämlich von Max Steiner“, erklärt Tomek die Benamung des von ihr vergebenen „Max Steiner Film Music Achievement Awards“, der im Rahmen von „Hollywood in Vienna“ dieses Jahr an Hans Zimmer verliehen wird. „Steiner erklärte den Studioproduzenten in Hollywood, dass man zum Beispiel Western nicht unbedingt mit Country-Musik unterlegen muss. Diese Idee fand man anfangs etwas verwunderlich, aber es funktio-

nierte! Das beste Beispiel ist wohl der erste „King Kong“. Beim Pre-Screening erschien der Affe dem Publikum so künstlich-lächerlich, dass alle lachten. Man rief dann Max Steiner zu Hilfe und der komponierte schließlich den ersten großen, sinfonischen Filmscore. Und siehe da: Plötzlich war der Affe furchterregend – und der Film wurde zu einem Kassenschlager!“ Nach Max Steiner und Alfred Newman formte wiederum ein Wiener Klassikkomponist, Erich Wolfgang Korngold, den typischen „Hollywood Sound“, der sich gerade beim amerikanischen Film bis heute hält. John Williams verantwortet das 3. Schuljahr von „Harry Potter“

Starsolisten singen sich durch Disneys „Wonderful Worlds“

n Jeweils mit Live-Orchester-Begleitung erleben wir „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ am 8. Dezember, „Star Wars: Das Imperium schlägt zurück“ am 11. Jänner sowie „Harry Potter & der Gefangene von Askaban“ am 13. April, „Disney in Concert“ gastiert mit Gästen wie Cesár Sampson, Annett Louisan u. a. am 22. Dezember in der Wiener Stadthalle (D). Für alle Veranstaltungen sind ticketPLUS+ Dinner-, Bus- und/oder Hotel-Angebote verfügbar.

Fotos: Fotolia, Thomas Rammersdorfer, Warner Bros, LSK, Cami Music

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an erinnere sich an die mörderische Duschszene aus Hitchcocks „Psycho“, untermalt von im Takt quietschenden Geigen. Was wäre Darth Vader ohne seinen „Imperial March“? Vermutlich nur ein tatteriger Grantscherm mit Raucherlunge. Und auch eine andere Melodie kennt jeder; sie beginnt mit Streichern, Schicht für Schicht peitschen sie sich empor, bis mächtige Hörner hineinjagen wie Fanfaren vorm Jüngsten Gericht: Richard


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Bürgerschreck in Afrika Die wahren Abenteuer sind nicht im Kopf, sondern in Erdberg: Der Wiener Rabenhof huldigt André Heller mit der Wiederaufnahme von „Holodrio“. Der Künstler selbst hat es sich inzwischen weitab in Marrakesch bequem gemacht. TEXT: EMILE RAMEAU

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anchmal schlendert André Heller durch seinen öffentlichen Garten in Marrakesch – sehr zur Überraschung der Besucher des weitverzweigten Areals am Fuße des beeindruckenden Bergs Toubkal. Hier zwischen der pulsierenden marokkanischen Tourismushochburg und dem von Berbern besiedelten Ourika-Tal hat sich der Universalkünstler mit ANIMA eine Oase der Ruhe und des Staunens geschaffen. Mitten in der lebendigen Inszenierung aus Bambus, weit gereisten Kakteen und Skulpturen von Keith Haring oder Auguste Rodin steht er also auf einmal, der Heller. Eine Dame springt selbstgefährdend aus einer Hängematte hervor und umklammert ihr Handy, den Finger bereits locker am Instagram-Abzug. „Sie sind’s, der Heller, stimmt’s?“ – no na. Der Ertappte lächelt und posiert bereitwillig für ein Selfie. Sie ist nicht die erste an diesem Morgen im April. Andere Gäste –motorisch sicherer – suchen ein Gespräch mit Heller; sie verorten ANIMA als Ort der Spiritualität, der ihnen helfen soll, wichtige Fragen ihres Lebens zu klären.

schreibungen einlassen wollen. Begriffe wie Chansonnier, Regisseur, Poet, Maler oder Gartenkünstler greifen nicht weit genug. Von „Bürgerschreck“ über „Enfant terrible“ bis hin zu „Pyrotechniker, der einst in Lissabon sein Vermögen angezündet hat“ reichen die Berufsbezeichnungen. Heller ist daher vor allem ein poetischer Grenzgänger, unzählbar häufig prämiert und für so manche mindestens genauso oft polarisierend. Publikumserfolge wie „Afrika, Afrika“ oder das monatelang die Bestenlisten anführende „Buch vom Süden“ stellen neben der zum Garten gewordenen Inszenierung ANIMA nur einen jüngsten Auszug aus dem Werkverzeichnis dar. Das Dreckstück Mit „Holodrio – Lass Mich Dein Dreckstück sein!“ lieferte der Rabenhof letztes Jahr eine schrille Huldigung: Zu Hellers Siebziger hatte man diesen Abend voll von seinen „poetischen Expeditionen als literarisch-musikalische Revue“ inszeniert und wurde dafür mit

dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet. Das hauseigene Enfant terrible Thomas Gratzer stellt dabei ein charmant-verschrobenes Ensemble auf die Bühne des Gemeindebaus: Christopher Krutzler und Travestiekünstlerin Lucy McEvil teilen sich den Abend mit zwei Garanten der zärtlichen tonalen Unsicherheit, „Naked Lunch“-Stimme Oliver Welter und Ex-„Kommando Elefant“-Sänger Alf Peherstofer. Und André Heller? Der ist wahrscheinlich in Marrakesch, am Spazieren durch seinen Garten. n„Holodrio“ spielt es im Oktober im Rabenhof, der Bühne im Hof und im Congress Center Villach, im November im Rabenhof. Hellers Sohn Left Boy kehrt mit seinem neuen Album „Ferdinand“ ebenfalls auf die Bühnen zurück und spielt im Dezember in Linz, Innsbruck, Graz und Wien. Auf oeticket.com sind FanTickes verfügbar.

Foto: Ingo Pertramer

Das Universalgenie Keine Frage: André Heller hat mit seinem Schaffen eine einzigartige Stellung in der heimischen Kulturlandschaft erlangt. „Universalgenie“ nennen ihn jene, die sich nicht auf zeilenlange Auflistungen seiner BerufsbeHolodrio Mit dem NESTROY-Theaterpreis 2017 ausgezeichnet wurden Oliver Welter, Lucy McEvil und der an Helmut Qualtinger erinnernde Christoph F. Krutzler.

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!ticket highlights

Helge Schneider Ordnung muss sein Helge Schneider macht möglich, dass wir nicht nur lachen, sondern dass sich unser Herz zu einem saftigen Steak weitet, wenn er uns die Katze Orangutanklaus samt ihrer rührenden Lebensgeschichte vorstellt. Seit über 40 Jahren auf der Bühne zu Hause, hat Helge Schneider es zur ausgereiften Pflaume gebracht. Petze Thoms, Beat und JazzSchlagzeug, und Henrik Freischlader, Blues-Gitarre, bieten Schneider die Wurst. Body-Dance: Sergej Gleithmann. im Oktober 2019 in Graz, Wien, Salzburg & Innsbruck

Klaus Eckel und Viktor Gernot Im Juni startete das berühmte CasaNova aus der Wiener Dorotheergasse erstmals mit „CasaNova on Tour“, der Zielort ist Zell am See im wunderschönen Salzburger Land! Dort freuen wir uns dieses Jahr noch auf Klaus Eckel (30. Oktober „Zuerst die gute Nachricht“, Foto) und am 1. Dezember auf Viktor Gernot mit seinen „best friends“ und dem Musikprogramm „X-Mas is here“. im Ferry Porsche Congress Center Zell/See

David Garrett

31. Mai, Wiener Stadthalle (D) Mit Kreisky, The Crispies, Anti-Flag u. a. Ein Vierteljahrhundert Rockhouse Salzburg, das kann man sich gut und gerne mal ins Tagebuch schreiben. Silberhochzeit quasi. In Clubjahren sind das umgerechnet ungefähr dreieinhalb Jahrhunderte. Doch bevor das Rockhouse in die Zukunft voranschreitet, lässt es es natürlich erst noch einmal ordentlich krachen, und das gleich zwei Tage lang! Mit dabei sind am Freitag die heimischen Aushängeschilder Kreisky (Foto), Magic Delphin, The Crispies, Coperniquo und Please Madame (DJ Set), am Samstag die internationalen Gäste Anti-Flag, Silverstein, Cancer Bats und Worriers.

25th Rockhouse Birthday 12. und 13. Oktober, Rockhouse

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Fotos: GEPA Pictures (ÖFB), Pedro Becerra (David Garrett), Ingo Pertramer (25th Rockhouse Birthday Party), Helge Schneider (Helge Schneider), Volker Weihbold (CasaNOva on Tour)

CasaNova on Tour

Unlimited Für David Garrett gab es seit Beginn seiner Karriere keine musikalischen Grenzen. Unlimited“ ist deshalb mehr als ein Tour-Titel: Es ist seine persönliche Lebensphilosophie. Damit fasziniert er seit über 10 Jahren weltweit Millionen von Fans. Durch diese Leidenschaft zur Musik hat er es geschafft, ein ganz neues Publikum nicht nur für Crossover, sondern auch für die Klassik zu begeistern. Auf seiner „Greatest Hits“-Tour werden wir vor allem Highlights der letzten zehn Jahre wie „Smooth Criminal“, „Nothing Else Matters“ oder auch „Thunderstruck“ zu hören bekommen!


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Das Nationalteam UEFA Nations League: Österreich trifft auf Nordirland und Bosnien-Herzegowina Für die von Puma präsentierte Begegnung mit Nordirland (12. Oktober) und das Generali-Länderspiel gegen Bosnien-Herzegowina (15. November) im Rahmen der UEFA Nations League wurden bereits 12.000 Abos abgesetzt. Beide Partien werden im Wiener Ernst-Happel-Stadion ausgetragen, Beginnzeit ist jeweils 20.45 Uhr. Tickets für die beiden Partien sind jeweils zwischen 10 und 64 unter oefb.at/tickets und via ÖFB Ticket-Hotline (01) 96096 555 erhältlich. ÖFB Reisen hat für beide Heimspiele in der UEFA Nations League wieder attraktive Angebote für Fans inklusive Anreise, Übernachtung und Ticket für das Länderspiel zusammengestellt. Die Fanreisen sind unter oefb-reisen.at buchbar.

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12. Oktober (gegen Nordirland) und 15. November (gegen Bosnien-Herzegowina), Ernst-Happel-Stadion

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C OOLE Z BLAUE STUNDE.

EVENT-TIPP

Im Herbst darf es ruhig etwas extravaganter sein: Blauer Lidschatten sorgt für kühle Eleganz. hm.com

Was uns der Herbst wohl bringen wird? Das !ticket-Magazin weiß ein paar Dinge, die Freude bereiten werden. REDAKTION: ANGELIKA GOLDMANN

FM4 UNLIMITED IM WIENER PRATER. Clubmusik von österreichischen DJs und Acts erschallen am 5. Oktober im Prater: Warm-up mit Live-Sets aus dem Funkhaus und anschließende Party in der Pratersauna. Unlimited halt! Wer nicht physisch anwesend sein kann, kann live via Radio und Social Media dabei sein! Tickets gibt es auf oeticket.com!

PETER BJORN AND JOHN. Die drei Jungs aus Schweden beglücken uns schon länger mit ihrer Musik. Am 18. Oktober sind sie mit ihrem neuen Album „Darker Days“ live zu Gast im Flex in Wien. Tickets gibt es auf oeticket.com!

DRUCKFERTIG. Der Weg vom Handyfoto zum ausgedruckten Bild war noch nie so kurz! Das coole Stück gibts bei prynt.com!


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ZEIT

!ticket lifestyle

GLÜHWÜRMCHEN. Wer seine Hände warm halten möchte und sie auch im Dunkeln sehen will, der schnappt sich diese Handschuhe und macht dann das Licht aus! cheapmonday.com

Der Akku der kabellosen Over-Ear-Kopfhörer E55BT von JBL hält 20 Stunden. Pluspunkt ist das abnehmbare Kabel mit integrierter Fernbedienung und Mikrofon samt einem smoothen Übergang zwischen Telefonieren und Musikhören. Und natürlich das schicke Design in verschiedenen Farben. Gibt es bei jbl.at!

ZUBEISSEN.

SOUNDWELT.

Fotos: Hersteller

Der Koala und weitere hungrige Tierchen von Cable Bite schützen unsere Ladekabel vor dem Verschleiß. Gesehen bei urbanoutfitters.de und bei cable-bite.com.

Immer dabei. Der Speaker Beoplay P2 von Bang & Olufsen ist schick wie eine Clutch und begleitet uns soundtechnisch, wohin auch immer wir gehen. Trotzt jedem Herbstwetter und hält 10 Stunden lang durch! bang-olufsen.com

OHRENSCHÜTZER.

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!ticket heimat Die Wiener Neustädter Band Roadwolf konnte sich im 88.6Bandcontestfinale mit ihrem wuchtigen Hardrock-Sound gegen die Konkurrenz durchsetzen – und möchte dazu beitragen, das HeavyGenre in Österreich aus dem Untergrund zu holen. TEXT: AMINA BEGANOVIC

Energie

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Heavy Austria Roadwolf sind Teil der starken Rockszene, die es aus dem Untergrund zu holen gilt.

Wieso kam der Sieg beim 88.6-Bandcontest so unerwartet für euch? Emanoel: Weil wir aus einem sehr speziellen Genre kommen. Dass die Menge trotzdem so mitgegangen ist, ist unglaublich. Alleine schon ins Finale zu kommen, war bereits ein Sieg für uns. Vielen Dank an die vielen Unterstützer, die mit uns gerockt und für uns gevotet haben! Franz: Wir spielen Rock ’n’ Roll mit Herz und Seele. Dass uns so viele Leute beim Voting und im Finale unterstützt haben, zeigt uns, dass wir mit unserer Musik etwas richtig machen.

Deutschsprachiger bzw. MundartPop/Rock ist in Österreich aktuell enorm populär, mit euren englischen Texten habt ihr euch stark abgehoben. Behaltet ihr diesen Stil weiter bei? Franz: Wir machen klassischen Heavy Metal, und das soll auch so bleiben. Es ist schade, dass Bands wie wir nicht im Mainstream ankommen – obwohl es in Österreich viele sehr gute Künstler aus dem Genre gibt. Valentin: Das sind Bands, die teilweise international spielen, aber hierzulande kaum Beachtung finden. Leider ist es hier

termine Wer die Energie von Roadwolf live erleben möchte, hat am 25. Oktober beim Zirkus Schwermetall im SUB Wiener Neustadt die Gelegenheit dazu. Auch sonst ist der Oktober vollgepackt mit Terminen diverser, aber allesamt hervorragender heimischer Künstler: PAENDA bringt ihr Debütalbum „Evolution I“ am 5. Oktober in die Kulturwerkstatt Kammgarn, Kaiser Franz Josef wiederum setzen mit Thorsteinn Einarsson am 6.

den Konzertzug bei der Wiener U2-Station Stadion in Bewegung. Schmieds Puls machen am 11. in der Remise Bludenz, am 12. in der ArgeKultur Salzburg, am 18. im Orpheum Graz und am 25. im WUK Halt. Das Rockhouse Salzburg feiert 25-Jähriges und lädt am 12. und 13. zur Birthday Party, Flut wiederum laden am 20. zur „Nachtschicht" ins Kulturhaus Röda. Zwischen „Himmel und Hölle“ bewegt sich Avec am 25. im Orpheum Graz, am 26. im stereo, am 27. im Kulturhaus Röda und am 30.10. im WUK.

Fotos: 88 6 Hersteller

it Bandcontests ist es so eine Sache: Während die einen sie als Chance sehen, auf einer größeren Bühne performen zu können, kritisieren die anderen das Prozedere des „Bewertens“ von Musik. „Wettbewerbe sind für Pferde, nicht für Künstler“, meinte etwa der Komponist Béla Bartok. Nichtsdestotrotz sind sie für Musiker eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen und neue Hörer zu gewinnen. Die Wiener Neustädter Formation Roadwolf nutzte die Plattform, die der 88.6-Bandcontest dafür lieferte – und konnte im Finale in der Ottakringer Brauerei Jury und Publikum von sich überzeugen. Musik machen Emanoel Bruckmüller (Drums), Franz Bauer (Vocals), Valentin Strasser (Gitarre) und Christoph Aigner (Bass) bereits seit gut zehn Jahren, in der aktuellen Besetzung seit 2016. Sie standen schon auf namhaften Festivals wie dem Wacken oder dem Full Metal Mountain auf der Bühne, das erste Album ist gerade am Fertigwerden. Dennoch kam der Triumph beim 88.6-Bandcontest für sie selbst überraschend – setzt aber vielleicht ein Zeichen für das Heavy-Genre in Österreich.


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MUNDPROPAGANDA immer noch so: Solange man Mozart gut verkaufen kann, haben die anderen nicht viel zu melden …

Fotos: 88.6, Hersteller

Dass ihr beim Contest auf so große Resonanz gestoßen seid, könnte doch ein Hinweis darauf sein, dass die Leute mehr vom Heavy-Genre hören wollen. Franz: Ich glaube auf jeden Fall, dass der Markt dafür da ist. Wenn es nicht so wäre, würde es kein Nova Rock geben, Iron Maiden, Metallica oder Kiss würden nicht noch immer vor zigtausend Leuten spielen. Fakt ist leider, dass diese Musik im Mainstream in Österreich nicht stattfindet, sondern irgendwo im Untergrund. Wir haben viele geniale Bands, die einfach nur die Bühne und mehr Möglichkeiten bräuchten. Genau so eine Chance haben wir mit dem Contest genutzt. Wir wollten sehen, ob es bei diesem Publikum funktioniert – und es hat funktioniert. Emanoel: Ich glaube, dass viele die kommerzielle Plastik-Musik, die am Laptop entsteht, satthaben. Diese Sachen sind zwar hochproduziert, aber sie haben kein Leben. Die Leute wollen wieder etwas Echtes erleben und Musik hören, die von Menschen gemacht wird, die in diesem Moment auf der Bühne stehen. Valentin: Songs sind schließlich Geschichten, die erzählt werden, und so wollen wir sie auch rüberbringen. Wir wollen, dass die Hörer genauso viel Spaß haben wie wir beim Musizieren. Franz: Genau, ohne die Interaktion und den Enthusiasmus funktioniert es nicht. Da muss einfach dieser Energieaustausch passieren, der ist das Um und Auf. Euer erstes Album ist gerade am Entstehen, habt ihr schon einen Release im Auge? Valentin: Es befindet sich in der Schlussphase, es geht nur noch ums Mischen und Mastern. Wir sind mit einigen HeavyMetal-Labels im Gespräch. Natürlich wol-

len wir auch schauen, ob was mit den Big Playern im Rock und Metal geht. Franz: Wir haben in Österreich mit Napalm Records eines der größten MetalLabels sitzen – aber kaum österreichische Bands darauf vertreten! Das sagt auch schon vieles … Emanoel: Weil einfach zu wenig Interesse an ihnen besteht, es fehlt leider der Support. Natürlich muss man nach den Talenten suchen, aber sie sind da. Bei Ländern wie Schweden sieht man ja, wie gut es laufen kann, wenn man die eigenen Künstler fördert. Das heißt, es scheitert primär an den Plattformen? Emanoel: Genau, das Talent ist schließlich da. Wir kennen einige heimische Bands, die vom Niveau mit Größen wie Judas Priest mithalten könnten – aber die stehen dann vielleicht im Arena Beisl vor 20 Leuten. Daher müssen wir uns wirklich bei 88.6 bedanken. So muss es ein Sender machen, der sich als „Rocksender“ bezeichnet! Franz: Alleine in unserer Heimatstadt Wiener Neustadt haben wir mit den Blood Sucking Zombies From Outer Space und Kaiser Franz Josef zwei Amadeus Awards stehen. Die Bands sind gut, haben teilweise mehr Reputation im Ausland als hier, haben zehn Jahre TourErfahrung hinter sich, aber trotzdem geben die Radios ihnen keinen Platz. Und das ist eine Schande!

Hören Sie mal rein! Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. Oder? (ab)

LIVE Christoph & Lollo – Mitten ins Hirn Rotzfrech, bitterböse und sehr lustig macht das Duo eine Bestandsaufnahme zur Lage unseres schönen Planeten.

Anna-Fay – Augenblick Die Marchfelderin singt von den kleinen und großen Momenten des Lebens – Feelgood-Poprock gegen Schwermut.

LIVE Listen To Leena – Pendulum Von schwerelos bis ekstatisch: Sängerin Lucia Leena und ihre Jungs zaubern vielschichtigen Pop voller Kontraste.

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Wie geht es jetzt nach diesem Sieg weiter für euch? Franz: Wir werden unseren Weg weiter beschreiten, unser Album fertig machen und unsere Gigs im Herbst und Winter spielen – mit derselben Energie, die die Leute von uns gewohnt sind. Emanoel: Und wer weiß, vielleicht ist heute auch ein kleiner Einschnitt in der österreichischen Radiogeschichte passiert …

Nabil – Relocated Cover & Neuinterpretationen von BluesKlassikern, getragen von Alfred Goubrans Reibeisenstimme. Perfekt für den Herbst!

LIVE Felix Kramer – Wahrnehmungssache Mal aufwühlender, mal tröstender Mundartpop: Der 23 Jahre junge Wiener liefert ein berührendes Debütalbum.

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Der Schlurf empfiehlt

Austropop-Hoffnung und FM4-Liebling Vodoo Jürgens singt Ludwig-Hirsch-Songs. Wieso? Weil’s wie die Watschn ins G’sicht passt natürlich. Ein launiger Talk über Austropop, Wiener Dialekt und natürlich Ludwig Hirsch. TEXT: MANUEL SIMBÜRGER

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Voodoo Jürgens Mit viel Respekt vor dem Interpreten Ludwig Hirsch wird Voodoo Jürgens die großen Hits von „Omama“ bis „I lieg am Ruckn“ wieder auf die Bühne bringen.

landschaft. Bereits mit seiner allerersten CD „Dunkelgraue Lieder“ 1978 zementierte er seinen Ruf als bluesiger Geschichtenerzähler. Zum 40-jährigen Jubiläum wird Jürgens, der vielleicht einzige würdige Nachfolger Hirschs, dessen größte Hits erneut auf die Bühne bringen.

Ich glaub’, es macht keinen Sinn, die Lieder 1:1 zu übernehmen. Ich bin nicht Ludwig Hirsch! Ich schätze seine Lieder und zolle Tribut. Beim Arrangement entfernen wir uns ab und zu vom Original. Es soll eine gute Mischung aus Neuinterpretationen und Bekanntem werden.

Was dürfen wir uns von „Voodoo Jürgens singt Ludwig Hirsch“ erwarten?

Geht man da mit immenser Ehrfurcht an die Sache ran?

Foto: Wolfgang Bohusch

bwohl gar kein gebürtiger Wiener, zelebriert der Tullner Voodoo Jürgens das Wienerische, nämlich die Sprachkultur, genauso wie die Einstellung zum Leben, bis zum Exzess. Er raunzt, er schimpft, er ist deftig, er sagt, wie’s ist, schließlich ist er ein g’rader Michl. Seine Alltagsgeschichten, die aus dem Wiener Gemeindebau kommen könnten, gibt er im breitesten Wiener Slang zum Besten. Die emotionale Düsternis und das Kaputte am Zwischenmenschlichen hat’s im angetan, gemischt mit Wiener Ironie und bissl Spaß, ganz nach dem Motto: Eh scho wurscht! Weit weg von Kitsch und Melancholie, ganz nah dran an der Realität. Denn Voodoo Jürgens, trotz verballhornenden Künstlernamens, ist einfach er selbst. Mit seiner tragikomischen Sicht auf die Welt und der Melange aus Poesie und Spira-Lebensweisheiten erinnert Jürgens, mit seinen Wienerliedern eher an Qualtinger und H.C. Artmann als an Fendrich oder – Gott behüte! – Gabalier dran, ganz stark an einen anderen Austropop-Vertreter, der eigentlich gar keiner war: Ludwig Hirsch. Der Sänger, Autor, Komponist und Schauspieler zählt auch nach seinem Tod 2011 zu den bekanntesten Persönlichkeiten der österreichischen Musik-


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Erfolgsdruck ist immer und überall in unserer Gesellschaft. Ich wüsste nicht, was mir Ehrfurcht nützen sollte. Ich bin ja nicht dazu da, um’s jedem recht zu machen! Wir werden sehen, wie’s ankommt. Ludwig Hirsch war ein Poet. Würden Sie sich auch als Poeten bezeichnen? Diese Beurteilung überlasse ich anderen. Aber natürlich versucht man seine Geschichten so gut wie möglich zu formulieren. Von Selbstbeweihräucherung halt’ ich aber wenig. Denken Sie, wären Sie mit Hirsch befreundet gewesen? Und wie hätte ein gemeinsames Lied zwischen Ihnen beiden ausgesehen? Mir war Ludwig Hirsch sehr sympathisch – als Musiker, aber auch als Schauspieler. Wie ein Duett geklungen hätte, werden wir leider nie herausfinden … Bei einem Konzert wäre ich wahrscheinlich die Vorband gewesen. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass wir uns vertragen hätten.

Foto: Wolfgang Bohusch

Sie sind, wie Hirsch, bekannt für Ihren Hang zum schwarzen Humor, zum Melancholischen gemischt mit Lebenslust. Was fasziniert Sie so sehr am Kaputten des Zwischenmenschlichen, an der emotionalen Düsternis? Vielleicht schreib’ ich ja mal ein Lied über das glückliche Leben einer Familie in einem noblen Wiener Vorort. Das würde dann vielleicht auf Ö3 laufen. Sie werden als einer der größten Nachwuchskünstler im Austropop bezeichnet. Ist Ihnen das überhaupt recht, oder wäre es Ihnen lieber, Sie würden weiterhin in Beisln spielen? Es stehen mir beide Türen offen. Es macht natürlich Spaß, auf Festivals und großen Bühnen zu spielen. Die Lieder

selbst klingen wahrscheinlich eher nach dem kleinen Beisl. Musik wird gern in Schubladen gesteckt. Ich finde, man sollte seine Musik nicht zerreden. Es gibt eh so viel Text in den Liedern. Sehen Sie sich selbst eigentlich auch als Austropop-Künstler? Ich bin ein Musikant, der gern reist. Ein Bänkelsänger. Ein Schlurf. Anscheinend wird dieser Titel aber eh jedem umgehängt, der in Österreich Musik macht. Ich mache mit den mir gegebenen Möglichkeiten Musik. Da bietet sich das Wienerische halt an. Was halten Sie von der aktuellen Austropop-Szene, die ja dank Gabalier einen neuen Hype erlebt, wie er lange nicht mehr da war? Ist das nicht eher Schlager? Oder VolksRock ’n’ Roll? Berührt mich nicht. Ihre Musik, die sich ja sehr stark am traditionellen Wienerlied und am UrAustropop orientiert, ist vor allem bei jungen Leuten beliebt. Steckt da vielleicht der geheime Wunsch nach Tradition dahinter? Ich singe im Wiener Dialekt mit Gitarre, das ist ja eigentlich zeitlos und geht sich immer aus. Wurscht, ob bei Jung oder Alt! Entweder berühren Lieder oder halt nicht. So einfach ist es im Grunde. Ist es so etwas wie Ihre Mission, das Wienerlied und den Wiener Dialekt vor dem Aussterben zu bewahren? Es ist ärgerlich, wenn man gleich mit „Tradition“ verbunden wird, nur weil man im Dialekt singt. Es ist die Art, wie ich mich am besten ausdrücken kann. Basta! Es ist zwar schade, dass Dialekte am aussterben sind, aber ja, ich werde nicht aufhören! Sollte, vor allem in Wien, wo junge

Menschen stark nach der Schrift sprechen, wieder mehr im Dialekt gesprochen werden? Mir hat das Lebendige in der Sprache immer gefallen. Im Wienerischen gibt’s ja oft für ein Wort mehrere Begriffe. Wenn ich mit meinen Liedern jemanden dafür begeistere, dann ist das schön. Die Jugend soll sprechen, wie’s ihr passt. Ihr Lieblingswort oder Redewendung auf Wienerisch? Alles zwischen Pantscherl und Wickl. Der breite Wiener Slang wird auch viel in den Arbeiterbezirken und Arbeiterklassen gesprochen. Sehen Sie sich als Vertreter des „kleinen Mannes“? Ich komme aus kleinen Verhältnissen, ja. Ihnen wurde aber auch schon vorgeworfen, Sie würden das Milieu zur Schau stellen oder romantisieren. Was sagen Sie dazu? Ich greife Dinge auf, die ich gehört und erlebt habe und verwebe sie zu Geschichten, beziehe mich da auch mit ein und gehe auch schonungslos mit mir um. Die Leute, die mich kritisieren, sind oft ganz weit weg von solchen Dramen. Noch mal: Es kann nicht darum gehen, es jedem recht zu machen. Sie wehren sich, dass man Ihre Musik mit Patriotismus in Verbindung bringt. Wir haben uns nicht ausgesucht, wo wir auf die Welt kommen. Warum sollte ich also Fähnchen schwenken?! Gerade in einen Land mit dieser Vergangenheit hat Patriotismus einen ganz bitteren Beigeschmack. n Voodoo Jürgens singt ab Oktober die Lieder von Ludwig Hirsch, u. a. in Linz, Dornbirn, St. Pölten, Wien und Salzburg.

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GEBURTSTAGSKONZERTE

WILLI RESETARITS & seine Bands seit 1965

04.01.2019 05.01.2019


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Engagiert & vielfältig Die SZENE Salzburg ist nicht einfach nur ein Veranstaltungsort, sondern versucht mit zahlreichen internationalen Projekten auch junge KünstlerInnen zu fördern. Das Programm ist dabei eine bunte Mischung aus Kunst und Kultur – mit Schwerpunkt auf Tanz- und Performancekunst. TEXT: ROUVEN AHL

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ie SZENE Salzburg (das ehemalige republic) ist aus dem Veranstaltungsleben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Bereits seit 1968 gibt es den Trägerverein, der seit 1986 im ehemaligen Stadtkino angesiedelt ist. Besonders die Lage mitten in der Altstadt sieht Elfi Eberhard, zuständig für die PR des Vereins, als eines der Alleinstellungsmerkmale. „Wir haben ein Fassungsvermögen von circa 700 Zuschauern, bieten damit sozusagen eine ideale Mittelgröße“, so Eberhard. „Hinzu kommt unsere ausfahrbare Tribüne, die ein hohes Maß an Flexibilität garantiert.“ All diese Faktoren machen die SZENE Salzburg begehrt für Vermietungen. Im September tritt beispielsweise die Kabarett-Gruppe maschek. in Zusammenarbeit mit der ARGEkultur Salzburg auf, zuletzt spielte die Rockband

termine (auswahl)

Foto: Bernhard Müller

25. und 26. Oktober: maschek. „XX“ 15. November: Michl Müller „Müller … nicht Shakespeare!“ 22. November: Gernot Kulis „Herkulis“ 4. Dezember: Conchita & Band 13. Dezember: Günter Grünwald „Deppenmagnet“ 4. April: Rebekka Bakken 27. April: Saturday Night Fever

info Telefon: 0662/843448 Web: szene-salzburg.net Anton-Neumayr-Platz 2

SZENE Salzburg Bis zu 700 Besucher finden in der etablierten Location am Rande der Salzburger Altstadt Platz: Bisher als republic bekannt, firmiert das Haus hinkünftig unter neuem Banner.

Tocotronic in Kooperation mit dem Rockhouse Salzburg in der SZENE Salzburg. Schwerpunktsetzung & Herzstück Der künstlerische Schwerpunkt der SZENE Salzburg liegt jedoch klar auf der Tanz- und Performancekunst. Schon in den Anfangstagen des Vereins gelang es, die besten Tanzkompagnien nach Salzburg zu holen. „Neben Wien ist Salzburg in Österreich, auch aufgrund der Arbeit unseres Vereins, das Nonplusultra der Performancekunst“, erzählt Eberhard. Zu den zahlreichen internationalen Projekten des Vereins gehört das europäische Netzwerk „apap“, das sich

der Förderung der zeitgenössischen performativen Künste verschrieben hat und bereits seit 18 Jahren existiert. Das „Herzstück“ der SZENE Salzburg, wie es Eberhard beschreibt, ist jedoch das Sommerszene-Festival, eine zumeist zweiwöchige Veranstaltungsreihe im Juni. In diesem Jahr standen Frauenrollen und -bilder im Vordergrund. „Wir versuchen immer politische und gesellschaftskritische Themen aufzugreifen“, sagt Eberhard „Wir haben schließlich auch einen politischen Auftrag.“ Neben diesem geht es natürlich auch darum, junge Talente nach Möglichkeit zu fördern. Das liegt auch Intendantin Angela Glechner sehr am Herzen.

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!ticket kultour

Grenzgänger Diesen Monat stellen wir eine Freiheitsoper, eine Operette, in der gesellschaftliche Grenzen überwunden werden, und ein Tanztheaterstück, das die Spiele der Macht aufzeigt, vor. TEXT: PAUL M. DELAVOS

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wortklang Das Brucknerhaus Linz hat eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Bei WortKlang kommt es zu einem Zusammentreffen von österreichischen Schauspielstars und MusikerInnen. Gezeigt wird dabei, wie sich Sprache und Musik gegenseitig beeinflussen sowie beflügeln und wo die Musik beginnt, wenn die Sprache endet. Dabei begegnet Ursula Strauss am 5. November dem Ketos Quintett und beschäftigt sich dabei u. a. mit dem Koran. Peter Matic widmet sich mit dem Cembalisten Mahan Esfahani am 24. Jänner Johann Kuhnaus Komposition „Musicalische Vorstellung einiger biblischer Historien“. Am 14. März entführt Peter Simonischek mit den Österreichischen Salonisten in die 1930er-Jahre und Birgit Minichmayr liest am 28. Mai Albert Ehrensteins „Briefe an Gott“, begleitet wird sie dabei vom Harfenisten Christoph Bielefeld.

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Beethoven kehrt nach Baden zurück Das Stadttheater Baden zeigt Beethovens einzige Oper „Fidelio“ mit Reinhard Alessandri und Miriam Portmann.

Portmann, Reinhard Alessandri sowie Sébastien Soulès zu hören. Beethoven verbrachte übrigens insgesamt 15 Sommer in der Kurstadt, um Heilung von seinen unzähligen Leiden zu suchen. Familienehre 1915 kam Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“ zur Uraufführung. Sie gilt als Höhepunkt der sogenannten Silbernen Wiener Operettenära, steht

Kampf um die Macht 1988 brachte der österreichische Tänzer, Choreograf und Regisseur Johann Kresnik seine Version des „Macbeth“ zur Musik von Kurt Schwertsik auf die Bühne. Seine Kunstform nennt er selbst „choreographisches Theater“ und er sprengte bereits damals die Grenzen zwischen Tanz und Theater. Seine Arbeiten waren immer auch gezielte Provokation, um das Publikum zum Nachdenken anzuregen, denn „Ballett kann kämpfen“! Im Landestheater Linz ist ab 13. Oktober eine Rekonstruktion dieses Werks, das für das Theater der Stadt Heidelberg geschaffen wurde und den mörderischen Kampf um die Macht zeigt, zu sehen.

Fotos: Lukas Beck, Thomas Dorn, Sony

aber auch für das Ende der Donaumonarchie. Der Wiener Fürstensohn Edwin Lippert-Weylersheim liebt Sylva Varescu, eine erfolgreiche Chansonnière. Doch wie nicht anders zu erwarten stellt sich seine Familie gegen diese Liaison, da diese nicht standesgemäß ist. Doch nach einigen Verwirrungen gibt es ein Happy End. Regisseur und Textbearbeiter Peter Lund inszeniert die Operette an der Wiener Volksoper u. a. mit dem Hausherrn Robert Meyer, Sigrid Hauser, Elissa Huber sowie Lucian Krasznec.

udwig van Beethoven komponierte eine einzige Oper: „Fidelio“. In ihr bringt er die Grundsätze der politischen Freiheit, der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit zum Ausdruck. Florestan wird unschuldig gefangen gehalten. Seine Gattin Leonore begibt sich verkleidet als Mann – Fidelio – auf die Suche nach ihm. Im Stadttheater Baden steht die Oper ab 20. Oktober nach knapp 100 Jahren – das letzte Mal war sie 1922 zu sehen – wieder auf dem Spielplan. In der Inszenierung von Michael Lakner sind u. a. Miriam


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EINE ITALIENISCHE NACHT Diesen Sommer wurde das Konzert von Jonas Kaufmann in der Berliner Waldbühne mitgeschnitten und erscheint nun in Ton & Bild.

GESELLSCHAFTSKRITIK Ilija Trojanow übt in seinen Büchern, Essays und Dokumentationen immer wieder Gesellschaftskritik. Zuletzt veröffentlichte er gemeinsam mit Thomas Gebauer „Hilfe? Hilfe! Wege aus der globalen Krise“. Der gebürtige Bulgare verbrachte einen Teil seiner Jugend in Kenia und in Deutschland, aktuell lebt er in Wien. 2018 erhielt er den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. Am 9. Oktober ist er im Rahmen des Festivals „Blätterwirbel“ im Landestheater Niederösterreich zu Gast bei einem Gespräch mit der Literaturjournalistin Sigrid Löffler. Ensemblemitglieder des Landestheater Niederösterreich lesen aus seinen Werken.

Wer den Sommer bereits vermisst, dem sei die neueste CD bzw. DVD/Blu-ray des Startenors Jonas Kaufmann ans Herz gelegt. Es ist dies die Live-Aufnahme seines Konzertes in der Waldbühne Berlin mit dem großartigen Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Jochen Rieder und mit der georgischen Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili als Gastsolistin. Die etwas eigenwillige Mischung aus Opernarien wie „Nessun Dorma“ aus „Turandot“ und italienischen Schlagern wie „Volare“ versprüht viel Italianitá und lässt einen an die vergangen Sommer in Italien zurückdenken … Ein Muss für jeden Opern-, aber auch jeden Italien-Fan!

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Musik: A. Gerber / Text: P. Wilhelm Auf Basis der weltbekannten Romanvorlage von Gaston Leroux erwecken Librettist Paul Wilhelm und Komponist Arndt Gerber den weltbekannten Klassiker „Das Phantom der Oper“ erneut zum Leben: Die finsteren Katakomben des altertümlichen Pariser Opernhauses sind das Reich des Phantoms, welches sein grausam entstelltes Antlitz hinter einer Maske verbirgt und weder vor Erpressung noch vor Gewalt zurückschreckt. Von der Welt unverstanden, gelingt es nur der jungen Sängerin Christine Daaé das zerrissene Herz des Entstellten zu erweichen und entfacht in ihm eine sehnsuchtsvolle Liebe. Besessen von ihrem großen Talent erteilt er ihr Gesangsunterricht und beginnt damit, ihre Karriere mit allen Mitteln zu fördern …

Das Phantom der Oper

Wer sich in Österreich für Popmusik interessiert, hört Ö3 oder FM4 (sofern es nicht ein Privatradio-Klon ist, der das Ohr penetriert). Jetzt aber gilt es umzudenken: denn Pop ist Ö1-tauglich geworden. Der Kultur- und Bildungssender, der diesen Namen auch verdient, erreicht zwar vornehmlich Erwachsene. Aber er stellt sich gleichwohl der Aufgabe, diese Zielgruppe über notorische Jugendphänomene aufzuklären. Also feiern plötzlich Wanda, Voodoo Jürgens, Elektro Guzzi, Yung Hurn & Co. fröhliche Urständ mitten in der Klassikwelt. Allerdings nicht einfach so als bunte Einsprengsel im Laufbandprogramm – sondern als Einträge in einem „Lexikon der österreichischen Popmusik“. Dieses existiert seit knapp zwei Jahren und wird laufend erweitert. Freilich sind in den bislang 37 Folgen die Säulenheiligen des Austropop – Ambros, Danzer, Ostbahn-Kurti, Werger et al. – genauso vertreten wie historische Namen, die vielen nichts mehr sagen werden: Die Bambis, Jack Grunsky, Lolita oder Hallucination Company. Geschichtsstunde, Baby! Es ist kein Zufall, dass dieses tönende Lexikon im „Radiokolleg“ angesiedelt ist, das einst aus dem Schulfunk entstand. Aber die jeweils 13-minütigen Porträts sind hochaktuelle, konzentrierte, kurzweilige Lektionen für alle, die mitreden wollen. Und noch ein Plus gilt es zu erwähnen: Alle Beiträge sind dauerhaft im Netz abrufbar. Walter Gröbchen

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im Februar in Wien, Klagenfurt, Salzburg und Eisenstadt Gangster Vitus Wieser, Gewinner des Wiener Kabarettfestivals 2016 sowie Finalist des Grazer Kleinkunstvogel 2016 und Goldener Kleinkunstnagel 2016, ist ein Spitzensportler, gefangen in einem Durchschnittskörper, bei dem der MidlifeChrysler vor der Tür steht. Angefangen hat alles mit der brutalen Melancholie des Achtzigerjahre-Kinderfernsehens à la „Niklaas – Ein Junge aus Flandern”… Kurz vor dem Lebens-Totalschaden kommt es zu einem Wiedersehen mit einem zum Junkie gewordenen Ex-Schulfreund. Als dieser dem Heroin abschwört, ergehen sich die beiden in einem Koffein-Overdosing, das letztlich in einem flammend-freudvollen Plädoyer für das Leben endet!

Vitus Wieser

im Oktober in Salzburg, Dornbirn, St. Pölten, Mautern und Leibnitz 10 Jahre & Album-Release Die vier Vorzeigeschwiegersöhne aus der Simmeringer Nachbarschaft zelebrieren ihr zehnjähriges Bandbestehen, Und weil die selbsternannten Retter des Austropop und Gewinner des Protestsongcontests wissen, was sich gehört, kommen sie zu dieser Festivität nicht mit leeren Händen, sondern bringen den werten Gästen nebst Blumen und Pralinen auch noch ihr mittlerweile viertes Album mit.

Rotzpipn

2. November, Arena

Fotos: Roland Ferrigato (Vitus Wieser), ASA Event (Das Phantom der Oper), Pascal Riesinger (Rotzpipn)

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Kultur

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Die Zukunft leu D

ie nackten Zahlen sprechen schier Unmenschliches. 17 Grand-Slam-Titel (darunter alle vier verschiedenen Grand-Slams mindestens einmal gewonnen), 80 Turniersiege, vier Daviscup-Triumphe und 2008 sogar die olympische Goldmedaille. Die Vita gehört dem heute 32-jährigen Spanier Rafael Nadal, der, wenn nichts Außergewöhnliches passiert, am Jahresende das fünfte Mal in seiner Karriere die Weltrangliste auf Platz eins beenden wird. Gemeinsam mit dem Schweizer Roger Federer und dem Serben Novak Djokovic prägte der Mallorquiner den Tennissport in den letzten 15 Jahren wie niemand anderes. Nadal ist aber nicht nur einer der allergrößten seiner Zeit, sondern zählte auch zu den letzten Exemplaren der erfolgreichen Teenager im ATP-Zirkus. Bereits als 18-Jähriger zog er 2005 in die Top 10 der Weltrangliste ein und hat sie seither nicht mehr verlassen. Den Grundstock für diese außergewöhnliche Karriere lieferte Onkel und Trainer Toni Nadal, der ihn schon als Vierjährigen über den Platz jagte und zu der athletischen Maschine formte, vor der sich fortan alle fürchten sollten. Die Trainingsmethoden des ehemaligen Spielers wurden von Fachleuten des Öfteren angezweifelt. Toni ließ Rafael in seiner Ju-

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gend gerne absichtlich auf schlechten Plätzen und mit alten Bällen trainieren, um ihn zu lehren, dass Sieg oder Niederlage nicht von den Qualitäten des Drumherums, sondern einzig und allein von Fitness, Disziplin und Einstellung abhängen würden. Österreich ist anders Leichte Parallelen zu Österreichs Tennisstar Nummer eins, Dominic Thiem, sind dabei nicht von der Hand zu weisen. Dessen Trainer Günter Bresnik gilt zwar per se nicht als Schleifer vor dem Herrn, sorgte sich aber schon in Thiems Kindheit darum, dass auch neben dem Platz alles in geordneten Bahnen abläuft. Dazu zählte die Miterziehung mit den Eltern, die Thiem schlussendlich zu seinen perfekten Manieren, seiner demütigen Bescheidenheit und seinem unaffektierten Auftreten in der Öffentlichkeit verhalfen. Thiem ist mittlerweile zehnfacher Turniersieger, rund 13 Millionen US-Preisgelddollar schwer und gilt trotz seiner 25 Jahre als eines der größten Talente des Turniertableaus. Während aber in früheren Dekaden Spieler wie Boris Becker, Michael Chang oder Björn Borg schon im Teenageralter Grand Slams oder zumindest größere Turniere gewannen, kommt der Durchbruch heute

meist viel später. Für den knallharten Toni Nadal liegt das mitunter auch am fehlenden Biss, wie er Anfang des Jahres bei einem Österreich-Besuch dem „Kurier“ gegenüber bekundete. „Federer ist mit 36 noch lernfähig und hat seine Technik umgestellt. Bei vielen Jungen vermisse ich heute aber Leidenschaft und Konzentration. In Salzburg habe ich die European Tennis Base von Gerald Mild besucht. Auch dort sah ich Talente mit Perspektive und ich sagte ihnen, dass sie ihre Ziele nur erreichen, wenn sie bereit sind, hart zu arbeiten, nie aufhören zu lernen.“ Doch gerade in Österreich herrscht derzeit Aufbruchsstimmung. Ein Weltklasse-Spieler wie Dominic Thiem ist als Vorbild für die Jugend natürlich ungemein wichtig, schließlich hat schon Österreichs einzige Nummer eins, Thomas Muster, mit seinen sensationellen Erfolgen in den Neunzigern für einen wahren Tennisboom gesorgt. Markus Hipfl, der derzeitige Daviscup-Kapitän Stefan Koubek und Jürgen Melzer starteten nach der großen Muster-Ära mehr oder weniger erfolgreiche Karrieren – Letzterer lässt sich auch von Verletzungen nicht unterkriegen und kämpft im Alter von 37 noch immer um ATPPunkte. Doch erst durch Thiem gelang es, die teilweise schon ausgedünnten

Fotos: Bildagentur Zolles KG

Nach Jahren der Beliebigkeit sorgen die Erfolge von Dominic Thiem wieder für einen österreichischen Tennisboom. Hinter ihm lauern zahlreiche Top-Talente auf den großen Durchbruch – auch wenn sich das Alterssegment über die Jahre etwas verschoben hat. TEXT: ROBERT FRÖWEIN


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euchtet filzgelb Erste Bank Open 500 Die Erste Bank Open 500 in der Wiener Stadthalle sind alljährlich das Tennis-Highlight im heimischen Sportkalender. Seit 1974 geben sich Stars von Agassi über Muster und Thiem bis hin zu Zverev in Wien ein Stelldichein.

Fotos: Bildagentur Zolles KG

Tennisschulen zu füllen und die Jagd nach der gelben Filzkugel wieder als attraktiven Sport zu inszenieren. Der zeigt sich selbst optimistisch: „Für das österreichische Tennis kann es nur gut sein, wenn so viele Spieler wie möglich Erfolge feiern. Ich glaube, dass es für die Zukunft gut ausschaut.“ Junge Talente Und tatsächlich – hinter Thiem drängt sich derzeit eine ganze Phalanx an großen Talenten in den Vordergrund. Beispiele für ein Aufbäumen der nächsten Generation gab es in den letzten Monaten zuhauf. Etwa als Sebastian Ofner 2017 in Wimbledon aus dem Nichts in die dritte Runde einzog oder in Kitzbühel ins Semifinale kam. Thiems Freund Dennis Novak qualifizierte sich vor wenigen

Wochen für den Hauptbewerb der US Open, bei diversen Challenger- und Future-Turnieren begeistern der 22-jährige Lucas Miedler, der 21-jährige Lenny Hampel oder der erst 19-jährige Jurij Rodionov, dem man gemeinhin am ehesten eine respektable Weltkarriere auf dem internationalen Parkett zutraut. Der gebürtige Nürnberger mit weißrussischen Vorfahren hat seit 2015 die österreichische Staatsbürgerschaft und sieht Thiem als großes Idol. „Ich habe einmal mit ihm und Günter Bresnik trainieren dürfen – das war eines der größten Highlights in meiner Zeit als Jugendspieler.“ Von der magischen Sogwirkung Thiems

profitiert im Endeffekt das ganze Tennisland. In der nach Fußball zweitgrößten Weltsportart gibt es nicht nur sehr viel Geld zu verdienen, auch die Popularität der Sportler ist durch die sozialen Medien ins Unendliche gestiegen. Der interne Konkurrenzkampf findet auf einer gesunden Wettbewerbsbasis statt. Die meisten der zuvor ausgewählten Jugendspieler kennen sich seit Jahren, haben teilweise ihren Karriereweg parallel zueinander beschritten. Die Freundschaft sollte trotzdem nicht darunter leiden,

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GEWINN SPIEL Wir verlosen zwei mal zwei VIP-Tickets für das Finale am 28. Oktober! Mehr Informationen und Teilnahmebedingungen siehe ticketmagazin.com!

Dominic Thiem Unser Lokalmatador ist bereits zum neunten Mal am Start.

doch wenn eine Lichtgestalt mit hoher Qualität vorlegt, wollen die anderen an seinem Thron sägen. Für die Tenniszukunft Österreichs ist der derzeitige Zustand ein goldener – auch wenn man

heute nicht mehr mit 18, sondern erst mit 24 an die Spitze stößt. Für die Spieler, Betreuer und Jugendzentren heißt es nun, den Effekt zu nutzen und sprichwörtlich am Ball zu bleiben.

info Seit 1974 geben sich in der Wiener Stadthalle die Tennis-Superstars die Klinke in die Hand, dieses Jahr finden zwischen 22. und 28. Oktober die Erste Bank Open 500 bereits zum vierten Mal als ATP 500-Turnier statt. Topstars wie Grigor Dimitrov, Nick Kyrgios und Kei Nishikori sowie „Young Guns“ wie Hyeon Chung und Frances Tiafoe werden in diesem Jahr allesamt ihre Wien-Premiere feiern. Im Ge-

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gensatz dazu ist Lokalmatador Dominic Thiem, der an dem nach ihm benannten THIEMstag (23. Oktober) sein erstes Match bei dem mit 2.788.570 Euro dotierten Tennis-Highlight bestreiten wird, bereits zum neunten Mal am Start. Zudem wird der Franzose Lucas Pouille seinen Vorjahrestitel verteidigen, den er durch einen Finalerfolg über seinen Landsmann Jo-Wilfried Tsonga errungen hat.

n Am Samstag, den 20. und Sonntag, den 21. Oktober findet die Qualifikation für den Hauptbewerb statt. Der Eintritt ist frei. Am 22. Oktober folgt der spark7 Next Gen Day für die Kids, am 23. Oktober spielt Dominic Thiem sein 1. Match. Am 24. Oktober. dem ÖTV Day, schlägt die #1 zum ersten Mal auf, am 25. Oktober ist der Rado-Day, bei dem jene Besucher in den Genuss eines freien Eintritts kommen, die sich durch Vorweis ihrer Rado-Uhr im Rado-Store auf der Wiener Kärntner Straße am 10. Oktober 2018 ab 10:10 Uhr ihre Freikarte gesichert haben – Tageskarten gibt es natürlich auch käuflich zu erwerben. Am Freitag, den 26. und Samstag, den 27. Oktober fällt mit den Viertel- und Halbfinali die Vorentscheidung. Sonntag, der 28. Oktober ist schließlich der Finaltag im Einzel und Doppel mit großer Siegerehrung.


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!ticket live is life www.mutausbrueche.com

Soooo perfect! XOXO August: Das Festival des Jahres stand in den Startlöchern, das FM4 Frequency. Für mich ist das der Inbegriff des Sommers, der Freiheit und der Lebensfreude!

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ch sag’s euch, Leute: alleine schon die Anreise ist der Hammer. Der Zug ist voll, man sieht überall keine Gesichter mehr, sondern nur riesige Rucksäcke mit Zelten dran und der Geruch eines kühlen Radlers liegt in der Luft. Ich weiß auch nicht, wie das funktioniert, aber zudem war das Wetter wieder mal genau zur richtigen Zeit traumhaft, man könnte fast meinen, es war zu heiß. Als wir ankamen und

Fotos: Antonia T. Schulz

Wie ihr ja wisst, war das FM4 Frequency heuer richtig schnell ausverkauft. Ich empfehle euch, dass ihr euch rasch Karten für 2019 besorgt, sonst steht ihr dann vielleicht mit leeren Händen da. Ich werde mir auf alle Fälle gleich welche besorgen!

Tipp!

unsere Zelte aufgeschlagen hatten, war der erste Stopp natürlich gleich in der Traisen. Rechts unser Campingsessel in der Hand und links ein kühles Bier. Abkühlen und auf den Abend freuen. Da das Festival dieses Mal Donnerstag bis Sonntag dauerte, mussten wir unsere Energie natürlich einteilen und durften nicht gleich zu wild starten. Der erste Abend war gleich mal wunderschön, mit Bastille und meiner großen Liebe Dan Smith (das

Antonia T. Schulz, Studentin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, Bloggerin (www.mutausbrueche.at) und nicht zuletzt oeticket.com-Kundin, besucht für !ticket jeden Monat ein Konzert und berichtet darüber. Dieses Mal war sie zwischen 16. und 19. August im Green Park St. Pölten beim FM4 Frequency.

wisst ihr ja alle schon!). Davor waren Yung Hurn und Trailerpark am Start und ich war schon nach dem ersten Tag komplett fertig, weil ich so viel getanzt und gesungen habe. Der zweite Abend wurde mit Afrojack, Raf Camora, Macklemore und Hardwell weitergeführt und das war auch verdammt gut! Das Wetter passte einfach und die Stimmung natürlich auch! Ich hab’ überall nur glückliche Gesichter gesehen, die den Sommer genossen haben und voll in der Musik versunken sind und genau das liebe ich am Frequency. Timmy Trumpet, Casper, Kygo und Vini Vici versüßten mir dann den Samstag und am Sonntag machten Sum41, Kaleo und Imagine Dragons den krönenden Abschluss. Ich muss ehrlich zu euch sein: Es war so anstrengend, aber so schön und es ist kein Wunder, dass das ganze Festival ausverkauft war, bei diesem Line-up – der perfekte Sommerabschluss, wie jedes Jahr.

Kunden, die aufs FM4 Frequency gingen, kauften auch Tickets für Bonez MC & Raf Camora im Februar in der Wiener Stadthalle, Yung Hurn im Dezember in Linz & Wien, Clueso im Oktober & November in Linz, Wien & Graz und Timmy Trumpet im November in Linz, Graz, Bregenz & Wien. Tickets für alle Veranstaltungen finden Sie auf oeticket.com!

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MUNDPROPAGANDA Hören Sie mal rein! Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. Oder? (sb)

Spielwiese Puzzeln im Takt: Mit „Lumines Remastered“ ist Nintendos Switch um einen Spiele-Perle reicher. TEXT: JOACHIM SCHMIDA

Kurt Vile – Bottle It In Ein USA-Reisehörbuch voll von entrücktschlurfigen Melodien & einem ungemein lässigen Slacker-Habitus à la Neil Young.

Thom Yorke – Suspiria Nicht nur Greenwood ist im Hause Radiohead der Mann für Soundtracks: Yorke vertont nach Goblin den Horrorklassiker findig neu.

Lumines Remastered Enhance Games für Nintendo Switch Kennen Sie Tetsuya Mizuguchi? Der 53jährige japanische Videospieleentwickler ist ein wahrhaft kreativer Kopf und unter anderem verantwortlich für das geniale „Rez“ sowie das nicht minder brillante „Lumines“, welches vor knapp 15 Jahren erstmals erschien. Nun gibt es auch eine Switch-Version. „Lumines Remastered“ heißt diese und begleitete uns vergangenen Sommer etliche Stunden – insbesondere auf Reisen. Der TetrisAbleger entfaltet als Musik-Puzzle-Spiel unheimlichen Suchtfaktor. Kurz erklärt: Es geht darum, herunterfallende Blöcke, die immer aus vier Teilen bestehen, farblich so zu verbinden, dass sie sich auflösen. Vor allem die Kombination mit der Musik in Form elektronischer Tracks plus die speziellen Sound- und Vibrationseffekte sorgen für ein motivierendes Flow-Erlebnis. MINUS Die Neuerungen zum Original aus dem Jahre 2004 sind letztendlich dann doch sehr überschaubar. Außerdem stören kleinere Bugs den Spielfluss gelegentlich. FAZIT „Lumines“ generell ist eine kongeniale Tetris-Weiterentwicklung und darf sich jetzt schon als moderner Klassiker seines Genres bezeichnen lassen.

PLUS

The Blue Stones – Black Holes Zwei Kanadier, die sich mit potenten Orchis durch das Mississippi-Delta wüten und eine frische, luftige Idee von Blues zelebrieren.

John Smith – Hummingbird Nur ein Mann mit Gitarre und verlockender Stimme: Nicht Ed Sheeran allein hat das Erfolgsrezept gepachtet. Magnifiker Folk!

Bloodbath – The Arrow of Satan is Drawn Das Allstar-Kollektiv erbricht mit seiner Teufelsanbetung erneut modriges Gewürm aus dem gierig klaffenden Schlund.

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Super Mario Party „Get The Party Started“, denn der Super-MarioPartyspaß steigt nun erstmals auf der Switch und bietet Minispiele en masse.

Life Is Strange 2 Die zweite Staffel der Mystery-Adventure-Reihe des in Paris ansässigen Studios Dontnod wagt einen erzählerischen Neuanfang.

Forza Horizon 4 „Größer, schöner, besser“, so präsentiert sich die Neuauflage unseres Lieblings-Edel-Racers aus dem Hause Microsoft.

Fotos: Hersteller

HEISSE NEUERSCHEINUNGEN & KOMMENDE HIGHLIGHTS


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!ticket media PAUL WELLER

True Meanings Kunterbunt und raubeinig klangen seine letzten Platten, und auch live spielte sich der kaum merklich gealterte Modfather stets zuverlässig in Erregungszustände. Da wirkt es – auch wenn es mit stolzen 60 Lenzen zeitgemäß zulässig ist – beinahe überraschend, dass „True Meanings“ zu Wellers erstem Alterswerk geriet: Die gierende E-Gitarre macht Pause, stattdessen zupft er die Akustische, lässt sich von Streichern umgarnen. Ja, das hatten wir

ELEMENT OF CRIME

schon bei „Wild Wood“, Wellers Durchbruch als Solokünstler 1993, doch gab er damals noch den rustikalen Ursprungbua. Heute verliert er sich in einer Introspektive, einer Meditation – klingt dabei kitschig, aber auch tröstlich. Die erstaunlich ruhigen Songs strahlen Sanftmut aus, rücken seinen Gesang in den Mittelpunkt, verwehen sich dabei aber dank voller unaufgeregt-sorgfältig inszenierter Musik nicht in plätschernder Belanglosigkeit: Das nostalgische „May Love Travel With You“ macht mit schwelgerischen Orchesterklängen auf sich aufmerksam. Eine Hammond veredelt „Soul Searchers“, „White Horses“ ein Mellotron. Die Sitar verleiht „Books“ einen indischen Touch, dazu gesellt sich die hinreißende Stimme von Lucy Rose. Ein besonderer Seufzer entfährt ihm zur Plattenmitte mit „Bowie“, einer lyrisch raffinierten und mit Piano und einer Violine auf Samtpfoten auch musikalisch herausragenden Hommage an den Künstler, von dem wir alle dachten, er sei unsterblich – was er gewissermaßen auch ist. (sb)

4/5

BEHEMOTH

LIVE Schafe, Monster & Mäuse Mit Element Of Crime schmiedet der Berliner Sänger und Schriftsteller Sven Regener seit Jahren lyrisches Liedgut und wird dafür ehrfurchtsvoll verehrt. Für den Mythos, der ihn umweht, hat er zwar wenig Verständnis, doch es kommt nicht von ungefähr, dass selbst der germanophobischste Wiener einen Hang zur versifften Hamburger Schule hat – für die „Schafe, Monster & Mäuse“ mit seiner norddeutschen, tränenqualvollen Bluespoesie erneut zu einem Paradebeispiel geraten ist. (sb)

SHVPES

Greater Than Der Filius von Iron-Maiden-Legende Bruce Dickinson tritt in die Fußstapfen seines Vaters, frönt mit dem aus CYTOTA herausgegangenen Quintett jedoch dem Schreihals-Core, wie ihn sich die Generation Alpha en masse, jedoch unfokussiert einverleibt. Originalität ist Fehlanzeige, melodiöse Refrains prallen vorhersehbar in die grobe Kelle – allerdings muss man sowohl die eingängigen Hooks als auch die juvenile Aggression durchaus loben, die ebenso vorhanden sind wie eine bereits beachtliche Professionalität. (sb)

UNCLE ACID

LIVE I Loved You at Your Darkest Das polnische trio infernal zelebriert hierauf ein opulentes, vielschichtiges Dramma per musica, bei der die Sünden der Kirche ähnlich bildgewaltig an den Pranger geknüppelt werden wie die vermeintlichen Ketzer dereinst. Dabei gerät selbiges vielleicht nicht so rasend wie der beelzebübische Vorgänger, überzeugt aber gerade mit gekonnt gesetzten Interpunktionen und peitscht mit grässlichem Gaudium zwischen Licht & Dunkel, sodass die Irrfahrt gen Apokalypse trügerisch leichtfüßig scheint. (sb)

LIVE Wasteland Das initiative, aus dem Nobiskrug dröhnende Geschwurbel hat Starrs mittlerweile vollends ad acta gelegt. Vielmehr ist seine Replik auf unser dystopisches Weltgebilde ein lichtes, beinahe verträumt stiebendes Ideologem geworden, das man auf den ersten Eindruck tapsig verloren unter omnipotenten Häuserschluchten vermeint, doch sobald der lieblich wie Hamelns Rattenfänger lockende Mahlstrom einen gefangen hält, wirkt „Wasteland“ wie Dantes Himmelfahrt aus dem Inferno. (sb)

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!ticket plug&play

Plug&Play-Tipps Die Zeiten der seelenlosen XYZ-123-Produktnamen (die sich kein Mensch merken kann) sind vorbei. Satan 50, Super 64, Electribe, Quiet Tone, Royal Jelly und Buzzter machen ihren Namen alle Ehre und sprechen Seelenverwandte an. TEXT: AMANDA PENISTON-BIRD

Satanischer Nachwuchs. Ampguru Mike Fortin beschert der Metalwelt einen kleinen Satan. Dessen großer Bruder, der Randall Satan Signature Amp für den Gitarristen Ola Egland (Feared, The Haunted) debütierte 2014 und gilt bereits als Klassiker. Der kleinere, kompakte Satan 50 von US-Hersteller Randall ist preisgünstiger und einfacher ausgestattet. Bei Gain, Ton und Flexibilität lässt der High-GainVollröhrenverstärker für modernen Metal keine Wünsche offen. Ordentliche Gain-Reserven und vielseitige Einstellungsmöglichkeiten gehören zu seinen Stärken. Der Clean-Kanal klingt klar und sauber. Der 50 W, 2-Kanal-Vollröhrenamp ist mit drei 12AX7-Röhren in der Vorstufe und zwei 6L6-Röhren in der Endstufe bestückt. Regler für Presence, Depth, Master Volume sowie (Kill-)Boost und eine schaltbare Effektschleife stehen bereit, um den Sound präzise abzustimmen. Ein Fußschalter wird mitgeliefert. Der kleine Satan klingt auch leise gespielt sehr gut und die rote Innenbeleuchtung ist ein nettes Detail. randallamplifiers.com

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Beetronics Buzzter & Royal Jelly I’m a King Bee. Beetronics, eine kalifornische Manufaktur von Boutique-Effekten, präsentiert zwei feine, neue Kombieffekte. Buzzter ist ein kombinierter Booster und Preamp mit zwei Output-Presets, drei Stufen und großzügige Reserven, um Riffs zu veredeln und Soloeinsätze noch mehr zu betonen. Der Boost veredelt den Ton, setzt sich im Mix gut durch und lässt sich mit den Reglern Honey, Nectar und Pollen gefühlvoll einstellen. Royal Jelly ist ein Overdrive/Fuzz-Blender. Die beiden Schaltungen können zusammen oder getrennt genutzt werden. Zwei Blend-Presets, Queen und King, stehen bereit. Und das Dry-Signal kann dazugemischt werden, eine interessante Option für Bass, Schlagzeug, Synths und Studioeinsätze. Der Effekt zeichnet sich durch mächtiges EQ & Vintage-Fuzz-Qualitäten aus. beetronicsfx.com

Fotos: Hersteller

Randall Satan 50


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Hohner Super 64 Still got the Blues. Hohner präsentiert eine Neuauflage der Super 64. Die legendäre chromatische Mundharmonika kommt im ausgefeilten neuen Design mit innovativen Features. Dank VarioSpring-System lässt sich die Federstärke des Schiebers individuell anpassen. Durch den neuen SilentSlide ist der Schieberlauf komplett luftdicht und fast geräuschlos. Zusätzlich sorgen die optimierten Kanzellenkammern für schnellste Tonansprache. Die neue Super 64 setzt Maßstäbe für Langlebigkeit. Die Stimmplatten sind ohne Kontakt zu den Deckeln verschraubt, was die Spannung auf die Stimmplatten reduziert und einfache Wartungsarbeiten erleichtert. Die Deckel sind einzeln angebracht. Ein hochwertiges Reißverschlussetui wird mitgeliefert, es lässt Feuchtigkeit entweichen, schützt vor Schmutz und dient gleichzeitig als praktische Werkbank. hohner.de

Korg Electribe Wave Party like it’s 1999. 1999 debütierte die Korg Electribe Serie. Seitdem wurde jede nachfolgende Generation um neue, angesagte Sounds für aktuelle Musikproduktionen erweitert. Gleichgeblieben ist die intuitive Bedienung, sie zeichnet auch die neu entwickelte Electribe-App für iPad mit Wavetable und PCM-Klangerzeugung aus. Das coole Produktionsstudio für elektronische Tracks kommt mit Quick Input Sequencer und ChordPad-Funktion zum Spielen kompletter Akkorde mit nur einem Finger. Je acht Drum- und Synth-Parts sowie 29 Effekttypen sind on-board. Die KAOSS-Pad-Funktion erlaubt die gleichzeitige Steuerung von zwei Effektparametern mit einem Finger. Die Electribe-App ist ideal für Musikstile wie EDM und Future Bass. korg.com/de

Sabian Quiet Tone

Fotos: Hersteller

Beat it. Übung macht den Meister. Sabian stellt mit der Quiet-Tone-Serie spezielle neue Becken für alle Situationen vor, die nach reduzierten Lautstärken verlangen. Das Spielgefühl wirkt vertraut, denn die Instrumente der Quiet-Tone-Serie verhalten sich wie traditionelle Becken – bis hin zur klar definierten Glocke. Die Instrumente sind ideal zum Üben, beim Unterricht oder in allen Situationen, in denen leise Becken gefragt sind. Hergestellt aus einer robusten Legierung, die hart im Nehmen ist und Dellen sowie Brüchen widersteht, zeichnet sich die Quiet-Tone-Serie auch durch Langlebigkeit aus. Verschiedene Cymbal-Packs stehen zur Auswahl. sabian.com

Das Event für Auto-Tuning, Lifestyle und Clubs in der Messe Wien Spektakuläre Projekte auf zwei oder vier Rädern, Motoren, Performance, Lowrider, Design und guter Sound – das ist die Custom Wheels Vienna! Das Event für Autotuning, Lifestyle und Clubs feiert von 27. bis 28. Oktober Premiere in der Messe Wien. Zahlreiche Größen der Szene sind bereits fix auf der Veranstaltung vertreten – unter anderem Stargast Franz Simon von Simon Motorsport. Weitere Clubs und Unternehmen sind zum Beispiel die Austrian Motorsport Federation, die Mattz Garage oder EMMA Austria. Auch Vorführungen, Shows und Action kommen nicht zu kurz. Mit der Driftshow im Freien und den Low Ridern innerhalb der Messehallen ist der Spaßfaktor garantiert. Adresse & Öffnungszeiten 27. und 28. Oktober 2018 Samstag 9-18 Uhr, So 9-17 Uhr Messe Wien, Eingänge A + D Messeplatz 1 + Trabrennstraße 7, 1020 Wien Tickets: www.custom-wheels.at

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Sternchen

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„A Star Is Born“ ist eine klassische Hollywood-Story, wieder einmal neu verfilmt mit Lady Gaga und Bradley Cooper, der auch Regie führte.TEXT: ANDREAS UNGERBÖCK

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Über Nacht zum Star Ab 5. Oktober erleben wir Bradley Cooper als Jackson Maine, der Ally (Lady Gaga) unter seine Fittiche nimmt. Über Nacht wird sie zum Star und stellt seine eigene Karriere in den Schatten ...

Von einem Remake zum nächsten Wer denkt, Remakes seien eine Erfindung des modernen Hollywood, der irrt. Schon 1954 wurde „A Star Is Born“ wieder auf die Leinwand gebracht, diesmal mit James Mason und der unvergleichlichen Judy Garland, Regie führte Melodramenspezialist George Cukor. Der Film dauerte diesmal 154 statt 112 Minuten, man hatte einiges an Schicksalsschlägen und Gefühlsaufwallungen extra mit dazugepackt. Oscars gab es allerdings keine – trotz sechs Nominierungen, dafür Golden Globes für die beiden Hauptdarsteller. 1976 verlegte man das Geschehen, das war zu der Zeit naheliegend, ins Rock-Business und konnte mit Kris Kristofferson und Barbra Streisand ein wahres Traumpaar engagieren. Der Erfolg bei Publikum und

Kritik war aber nicht ganz so durchschlagend, doch es reichte für einen Oscar (für den besten Song, „Evergreen“, von Streisand und Paul Williams) und immerhin fünf Golden Globes. Nun also feiert Bradley Cooper mit der neuesten Verfilmung des Stoffes sein Regiedebüt und übernahm auch gleich die männliche Hauptrolle. Unter den zahlreichen Damen, die sich angeblich um die weibliche bemühten (Beyoncé, Rihanna, Shakira, Kesha u. a.) wählte er Lady Gaga, die, so hört man, darauf bestand, dass alles live gesungen werden müsse. Gefilmt wurde unter anderem bei echten Live-Konzerten von Lady Gaga, so etwa in Coachella 2017. Der Trailer, so viel kann man sagen, verheißt Gutes – lassen wir uns überraschen.

Foto: Warner Bros.

ieser Stoff ist so gut, dass es kein Wunder ist, wie oft er – in unterschiedlichen Epochen – schon verfilmt wurde. Geschrieben wurde er ursprünglich vom prominenten Hollywood-Regisseur und Drehbuchautor William Wellman und dem nicht minder berühmten Autor Robert Carson in den Dreißigerjahren. Die Story konnte man in einem Satz zusammenfassen, und das galt ja im klassischen Hollywood als die Erfolgsformel schlechthin, weil man wusste, das würde jede und jeder im Publikum verstehen: Ein alternder und dem Alkohol verfallener Schauspielstar verliebt sich in eine junge Schauspielerin und verhilft ihr zum großen Ruhm, während sein Stern langsam verglüht. Ganz nebenbei hatte die Sache noch den Vorteil, dass Hollywood sich bei einem solchen Projekt ausgiebig selbst bespiegeln und reflektieren konnte. So simpel die Geschichte war, so aufwendig wurde sie 1937 verfilmt: Die berühmte Schriftstellerin Dorothy Parker schrieb mit Carson das Drehbuch – an dem noch weitere Zelebritäten mitwirkten –, David O. Selznick produzierte, der geniale Max Steiner (aus Wien) komponierte die Musik und die Publikumslieblinge Frederic March und Janet Gaynor spielten die Hauptrollen. Der Erfolg blieb nicht aus: Die Zuschauer stürmten die Kinos, Carson und Wellman wurden für ihre Story mit dem Oscar ausgezeichnet, und der Film gilt zurecht als einer der unverwüstlichen Klassiker made in USA.


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Die große 2. Im November duellieren sich Seiler und Speer mit The BossHoss bei der Österreich-Premiere des Red Bull Soundclash. Für das heimische Duo ist es nach einem Jahr voller Tiefschläge ein weiterer Schritt zurück nach oben. TEXT: ROBERT FRÖWEIN

GEWINN SPIEL

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sie dann erzwungen. Das Schicksal arbeitet nicht nach Plänen, aber wir entwickeln uns in eine positive Richtung.“ Mit Selbstantrieb Dass die beiden zuweilen mit ihren Erfolgen und vor allem sich selbst zu kämpfen hatten, streitet der Frontmann erst gar nicht ab. „Wir sind heute wesentlich geerdeter und teilweise auch wieder sympathisch geworden – das waren wir ja eine Zeit lang überhaupt nicht. Wenn man in die falsche Richtung fährt, muss man rechtzeitig bremsen und die Festplatte neu aufsetzen. Das Halligalli lassen wir im Bandkosmos mittlerweile außer Acht. Wir gehen wesentlich bewusster mit uns um und wissen, dass wir nichts für selbstverständlich nehmen dürfen.“ Als Branchen-Außenseiter hat sich das Duo schon immer selbst um die eigene Karriere kümmern müssen. Für das Debütalbum gab es noch nicht einmal Hilfe von der heimischen Musikförderstelle, den lange durch die Gegend gehallten Ruf des „One-Hit-Wonders“ konnten Seiler und Speer mit viel Beharrlichkeit und Engagement ad absurdum führen.

Foto: Oliver Topf

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iener Proll-Schmäh gegen 2017 in Hamburg angesehen – dort aber deutsches Cowboy-Gehabe, eher „klassisch“ mit Rappern wie Samy De„Ham kummst“ gegen „Don’t luxe, Eko Fresh und Afrob. „Wir haben die Gimme That“, Unterhemd gegen Stetson BossHoss-Jungs bei einem Dreh in Graz – bei der ersten österreichischen Auflage kennengelernt und damals gemeinsam WM des Red Bull Music Soundclash dürfen sich geschaut. Das sind sehr gemütliche BurMusikfans am 17. November in der Wiener schen. Spannend wird vor allem der ,TaMarx Halle auf einen Kampf der Gegensätze keover‘, das wird für sie schwieriger, weil einstellen. In sechs Runden battlen sich sie in unserem Dialekt singen müssen. Wir Seiler und Speer mit The BossHoss auf zwei können notfalls Hochdeutsch singen, da Bühnen durch unterschiedlichste Bewerbe, sind wir klar im Vorteil.“ um am Ende den großen Sieger küren zu können. Wobei: „Ein richtiges Battle in dem Die zweite Karriere Sinn wird das nicht, denn wir sind alle zi- Für Seiler und Speer ist der Soundclash vilisierte Menschen“, betont Christopher einer der vielen Höhepunkte in ihrer „zweiSeiler im Gespräch, „wir werden dort keine ten Karriere“. Nach dem tragischen VerMütter beleidigen, sondern die Musik in kehrsunfall von Bernhard Speer 2017 war lange unklar, ob das erfolgreiche den Mittelpunkt stellen. Das Austropop-Duo überhaupt Konzept an sich ist etwas wieder zurück auf die BühWunderbares.“ ne findet. Nach einem vielZu den verschiedenen umjubelten Auftritt beim Aufgabenstellungen geWir verlosen 2 große Fanpackets Nova Rock und einer imhören unter anderem von Seiler & Speer inkl. Tickets für den Songs des jeweils anderen Soundclash! Mehr Informationen und mens erfolgreichen Tour Teilnahmebedingungen siehe durch Deutschland ist das zu covern, ein bereits angeticketmagazin.com! Erfolgsgespann wieder ganz spieltes Lied des Kontrahenten oben angekommen – das aber mit zu Ende spielen müssen oder eigene Nummern in einem völlig neuen Arran- neuer Demut und veränderter Sichtweise gement zu exerzieren. Die Bands flankieren auf das eigene Tun. „Unsere Performance auf den beiden Bühnen das Publikum, das und die Liveauftritte kann man mit früher mit dem nötigen Applaus und Jubel am nicht vergleichen“, ist sich Seiler sicher, „wir Ende des Abends den Sieger kürt. Für Seiler waren sehr schnell ganz oben und haben eine große Herausforderung, denn er hat immer weitergemacht. Eine Pause wäre unsich den Soundclash schon im Dezember weigerlich nötig gewesen, leider Gottes war


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. Chance Durch die schnellen Erfolge war man exzessiven Partys und fragwürdigen Bekanntschaften nicht ganz abgeneigt – bis der schwere Schicksalsschlag die beiden auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Zudem hatte man dann beharrlich mit Medien und Internettrollen zu kämpfen. „Auch, wenn wir mit unseren privaten Namen auftreten, haben wir eine gewisse Distanz zu unseren Künstlerfiguren, anders würdest du das gar nicht aushalten. Als der Speerli auf dem Weg zur Genesung war, haben wir all die Berichte und Kommentare über ihn abgefedert. Auch die Eltern und Angehörigen werden ja wahn-

Foto: Oliver Topf

wunschduell The BossHoss sollten sich versuchen an: „Ham kummst“: Wenn zwei dialektfreie Berliner die inoffizielle österreichische Nationalhymne des 21. Jahrhunderts covern, wird das entweder grandios genial oder furchterregend fatal. „Bonnie und Clyde“: Zwei Möchtegern-Cowboys wagen sich an eine Outsider-Story im Alpenrepublik-Flair. Eine auditive Mischung aus „Bonanza“ und dem „Bergdoktor“. „Sperrstund is“: Hoffentlich für die Berliner Hutträger, denn so patriotisch dürfen wir sein: wir wün-

sinnig, wenn sie so etwas lesen. Uns wurden Dinge vorgeworfen, die nicht stimmen, von Leuten, die mit ihrem eigenen Leben nicht klarkommen und blind draufhauen. Fehler machen wir ohnehin alle. Deshalb sind wir Menschen und keine Roboter.“ Neues Album Nach der körperlichen Gesundung Speers und der Aufarbeitung der seelischen Narben ist das Duo so kreativ und motiviert wie nie zuvor. Der Red Bull Soundclash dient ob seiner einzigartigen Inszenierung als

schen schon unserem Duo den Sieg … Seiler & Speer hingegen an: „Jolene“: Zwar selbst von The BossHoss gecovert, aber der Favorit von Christopher Seiler. „Textlich und musikalisch ein Wahnsinn, das würde mich wirklich extrem reizen.“ „Dos Bros“: Brüder sind nicht nur die beiden testosterongeschwängerten Berliner, sondern auch die zwei Bad Vöslauer. Nach dem Schicksalsschlag sogar noch stärker zusammengeschweißt als früher. „Last Day (Do Or Die)“: Das passende Motto für Seiler und Speer, denen Berührungsängste fremd sind und die sich stets mit Feuereifer in neue Herausforderungen stürzen.

einer der größten Höhepunkte in diesem Jahr, ein weiterer wird die Finalisierung des dritten Studioalbums sein, das im April 2019 das Licht der Welt erblicken soll. „Das Werk ist für uns irrsinnig wichtig, weil es ein Indikator ist. Das zweite Album war anders, da befanden wir uns gerade im Strudel mit uns selbst, aber jetzt können und wollen wir wirklich messen, wo wir stehen.“ Und bis dahin? „Nach dem Soundclash und den ganzen Arbeiten am Album ist hoffentlich bald Weihnachten. Dann stehe ich vor dem Christbaum, halte die Pappen und schaue mir einfach nur die Kugeln an.“ n Der Red Bull Soundclash mit Seiler & Speer und The BossHoss findet am 17. November in der Marx Halle statt. The BossHoss gastieren zudem am 27. März in der Wiener Stadthalle (D).

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Fuck News Eine Freundin von mir, nennen wir sie doch der Einfachheit halber Petra, hat schon einmal einen Pornofilm gesehen. Aber sie würde natürlich nie im Leben so weit gehen und in so einem grandiosen Schmuddelfilmchen höchstpersönlich als eitle engagierte Hauptdarstellerin zur Tat schreiten und vor einer Kamera sozusagen ihr Innerstes nach außen kehren. Trotzdem kann sie jetzt in den USA für Furore sorgen und als Sexbombe ihr Debüt geben, ohne sich selbst zu entblättern. Die Unterhaltungsbranche hat ja schon mehrmals neue Technik zum Ein-

SEX SELLS Georg Biron

satz gebracht und etliches „gefakt“. Wir erinnern uns an den Rapper, der Auftrittsverbot in Chicago hatte und dann als Live-Hologramm von L.A. aus auf die Bühne in Chicago projiziert wurde. Naughty America Ein vifer Pornoproduzent vom XXX-Label „Naughty America“ weiß, dass man heute neue Wege gehen muss, wenn man mit Sex Kohle machen will. Mit dem Einsatz von KI und „Deep Learning“-Algorithmen ist es möglich, mit einem Urlaubsvideo oder ein paar Facebook-Sel-

fies von Petra ein völlig neues Filmchen zu kreieren, bei dem auch einem hartgesottenen Publikum die Spucke wegbleibt, obwohl alles nicht echt ist. Individuelle und personalisierte Pornos sind die Zukunft, glaubt die Produktionsfirma. Mal sehen. Wenn ich gerne mit mir einen XXX-Film hätte, dann würde ich halt einen drehen. Aber die meisten Leute sind für ein echtes Leben zu feig. Ex-US-Präsident Bill Clinton gab zu, Haschisch geraucht zu haben. Aber: „Ich habe nicht inhaliert!“ So wird das natürlich nix …

Gewinnspiele in dieser Ausgabe finden Sie auf den Seiten 4, 8–10, 14–17 und 42–44. Mehr Informationen & Teilnahmebedingungen finden Sie auf ticketmagazin.com. Sie können über das Gewinnspielformular auf ticketmagazin.com („!ticket Gewinnspiele Oktober 2018“) oder per E-Mail (gewinn@ticketmagazin.com) mitspielen. Einsendeschluss ist der 15. Oktober 2018.

Das nächste !ticket erscheint am 31. Oktober 2018.

LASTNEWS

In seinem neuen Buch „Wer’s hört wird selig“ erzählt Otto Schenk von Opern und ihren Komponisten, am 3. November findet im Wiener Musikverein unter dem Motto „Noten und Anekdoten“ sein „heiterer Spaziergang durch die Welt der Musik“ statt. Eros Ramazzotti gastiert am 15. April in der Wiener Stadthalle (D), Slash & Myles Kennedy am 10. Februar im Gasometer. Bonez MC & Raf Camora geben am 24. Februar in der Wiener Stadthalle (D) ein Zusatzkonzert.

impressum

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Lektorat: Gunther Natter Fotos: Filmverleiher, Plattenfirmen, Fotoagenturen, Veranstalter, siehe Copyright Cover: VBW Medieninhaber, Eigentümer, Redaktionsanschrift: CTS Eventim Austria GmbH, !ticket Eventmagazin, Heumühlgasse 11, 1040 Wien Designkonzept, grafische Produktion: QMM Quality Multi Media GmbH, Mariahilfer Straße 88a/II/2a, 1070 Wien Artdirektion: Mag. Gottfried Halmschlager Druck: NP Druck Gesellschaft m.b.H., Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten Abonnements: !ticket Österreichs Eventmagazin Nr. 1 erscheint 10 x jährlich. Jahresabo Österreich: € 22,00, Jahresabo Europa: € 44,00. Kündigung

jeweils acht Wochen vor Ablauf der Bezugsfrist nur schriftlich eingeschrieben an !ticket Eventmagazin, Heumühlgasse 11, 1040 Wien oder per E-Mail an abo@ticketmagazin.com. Einzelpreis: € 2,90 Für unverlangt eingesandte Texte und Fotos übernehmen wir keine Haftung, eine Rücksendung erfolgt nicht, es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor. Nachträgliche Honorarforderungen für nicht veröffentlichte Fotocredits werden nicht anerkannt. Alle Inhalte vorbehaltlich Satz- und Druckfehler. Die Offenlegung lt. Mediengesetz finden Sie auf www.ticketmagazin.com/impressum

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Herausgeberin, Chefredakteurin: Mag. Roberta Scheifinger Chefredakteur & Chef vom Dienst: Stefan Baumgartner Anzeigen: Suzana Milic, Mag. Roberta Scheifinger Anzeigenproduktion & Verrechnung: Susanne Franzl Redaktion/Kolumnisten: Stefan Baumgartner (sb), Amina Beganovic (ab), Georg Biron, Paul M. Delavos B.A. (pmd), Robert Fröwein (rf), Angelika Goldmann, Walter Gröbchen, Alexander Haide (ah), Samir H. Köck (sk), Amanda Peniston-Bird (apb), Emile Rameau (er), Mag. Joachim Schmida (js), Antonia T. Schulz (as), Mag. Manuel Simbürger (ms), Andreas Ungerböck (au), Andy Woerz Cartoon: Bertram Haid (BAES Cartoons)


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