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!ticket Österreichs Eventmagazin Nr.1

musik show 2 0 1 8 sport theater kabarett

SEPT

Ausgabe 223

2,90 €

Damit sind Sie live dabei!

global comedy

ziemlich beste freunde Beefeater Master Distiller Desmond Payne über das Erfolgsgeheimnis von Gin & Tonic

Österreichische Post AG / MZ 15Z040254 M, CTS Eventim Austria GmbH, Heumühlgasse 11, 1040 Wien

Nach dem Brand letztes Jahr öffnet das Globe Wien wieder seine Tore, auch der internationalen Comedy.

NIAVARANI CEYLAN CARR U.V.M.

what a feeling „Flashdance – Das Musical“ ist die Bühnenadaption des gleichnamigen Kultfilms: Erzählt wird die Geschichte der Schweißerin Alex, die von einer Tanzkarriere träumt.

FLASHDANCE


#WeAreMusical

DAS MUSICAL MIT DEN HITS VON

RAIN HARD FEN DRICH

BUCH Titus Hoffmann Christian Struppeck

Foto VBW © Oliver Gast 2018

REGIE Andreas Gergen

JETZT TICKETS SICHERN!

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© THE BODYGUARD (UK) LTD. Designed by DEWYNTERS

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GINMARKT Parallel zum Rumfestival findet im September wieder der Ginmarkt statt. Wir haben „ins Glas geschaut“ …

18 EDITORIAL

Frequotency.

N

ach jedem Sommer begeben wir uns in die Zäsur: Nicht als Journalisten allein, in erster Linie als Fans – und üben uns in Reminiszenz und Perspektive: Welche Festivals waren besonders gelungen, wo herrscht Reformbedarf? Im Zentrum stehen Gedanken zu Line-up, Abwicklung und Rahmenangebot: ein übliches Preis-Leistungsdenken eben. Kolleginnen wie Therese Kaiser (Kolumnistin bei The Gap und Electric-Spring-Kuratorin) beenden den Sommer jedoch, wie andere ihn begonnen haben, mit einem Quoten-Plädoyer: Die „Abwesenheit von Frauen auf Festivalbühnen ist keine paranoid-feministische Einbildung“, heißt es da. Bullshit! Festivals spiegeln zuvörderst einen je nach Kapazität mehr oder minder populären Hörergeschmack wider, da haben (nicht allein aus wirtschaftlicher Sicht) gesellschaftspolitische Querelen nichts verloren: Gerade jene, die sonst zu jeder Gelegenheit sämtliche Freiheiten für die Künste fordern, wollen selbige

hier plötzlich instrumentalisieren? Wie malen sich verblendete KritikerInnen eigentlich das Arrangement von Billings aus? Dass da in die Jahre gekommene, hinterwäldlerische, schmerbäuchige, goldketterlbehängte Herren am Wirtshaustisch zusammensitzen und zwischen derben Blondinenwitzen potenzielle Bands mit Frauenanteil („Außer die ganz feschen!“) mit schäbigem Lacher vom Bierdeckel streichen? Ja, meine dahingehend ablehnende Haltung ist notgedrungen eine männlicheSicht der Dinge – dennoch eine aufgeklärte und durchaus pro-feministische: Es gibt keinen Grund, Musikerinnen nachteilig zu behandeln, etwa ihre Auftritte minder zu entlohnen oder ihnen gar abschlägig entgegenzutreten, weil „Frauen backstage ohnehin nur für Drama sorgen“ – und ähnlichen Stumpfsinn. Hingegen formuliere ich bewusst provokativ, wenn ich frage: Würde ich als Künstlerin einen Auftritt bekommen wollen, alleinweil ich weiblich bin und die Quote einen Veranstalter dazu nötigt? Wäre

das für mich und meine Kunst nicht ein schreckliches Armutszeugnis, könnte ich mich nicht mit den männlichen Kollegen auf Augenhöhe messen? In Besitz keines Penis zu sein ist keinekünstlerische Leistung – genauso wenig übrigens, wie über die paar Zentimeter Schwellkörper zu verfügen. Kunst sollte keine, insbesondere keine wertenden, einen Keil in die Gesellschaft treibende Grenzen kennen: Keine des Geschlechts, der Hautfarbe, der Religion, der Herkunft, des Body-Mass-Indexes oder eines anderen Klassements, das uns ohnehin im alltäglichen Leben auf Schritt und Tritt begleitet. Denn dann könnte uns als nächster Aufreger blühen, dass plötzlich eigentlichzu viele Künstler aus den Staaten und Skandinavien bei uns gastieren und die weltoffene, multikulturelle Quote zwanghaftnach Bands aus Afrika und Asien giert. Reglementierende Idiotie kennt leider keine Grenzen. Stefan Baumgartner (Chefredakteur)

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JAN FEB MAR APR MAI JUN JUL AUG SEPT OKT NOV DEZ

IN DIESER AUSGABE [14] GLOBE Wien Die neue Saison nach dem verheerendem Großbrand [18] Ginmarkt Ein Blick ins Glas [21] Freddie Mercury Die Filmbiografie über Queen [22] Dinosaurier Eine Reise ins Reich der Giganten [25] Carmen Die emanzipierte Heldin [34] Don Giovanni Schwere Zeiten für Herzensbrecher [42] E-Mobility Ein Event, das sich der Zukunft verschrieben hat

30 Modern Vamp Dunkle Farben und urbane Coolness stimmen auf den Herbst ein

Location 37 Orpheum Graz Auf Vielfalt fokussiert und mit Lend-Viertler Flair gesegnet

Wie Österreicher Musik hören Auch wenn es keine große Überraschung sein dürfte, jetzt belegt es auch die Statistik: Zum ersten Mal macht der virtuelle Musikmarkt etwas mehr Umsatz als physische Tonträger wie CDs und Vinyl. Geld lassen die Österreicher für ihre Musik trotzdem springen, im ersten Halbjahr 53,5 Millionen Euro und damit um 6,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Und wofür? Auch das ist keine Überraschung: An der Spitze liegt Andreas Gabalier, gefolgt von Helene Fischer. Ebenfalls in die Top 10 geschafft haben es unter anderem die heimischen Künstler Pizzera & Jaus, Wanda und RAF Camora, sowie der internationale Superstar Ed Sheeran.

HEIMAT 28 AVEC Ein neues Freiheitsgefühl und mehr Ehrlichkeit zu sich selbst zeichnet „Heaven / Hell“ aus

KULTOUR Leberkas Greissler Was Knoppers für die deutschen Nachbarn, ist in Österreich der Leberkäse: Einen besseren Snack gegen den Hunger (und für den Gusto) gibt es kaum. Nun hat in der Riemergasse 4, in direkter Nähe zu Porgy & Bess und Ronacher, mit dem Leberkas Greissler ein Paradies für Feinschmecker eröffnet: Beste und regionale Zutaten finden sich in den bekannten und außergewöhnlichen Kreationen des ehemals auch Do & Co und Plachutta mitverantwortenden Teams, darunter „Brie mit Nuss“ oder „Schweinebauch mit Leberkäs und Speckwürfel“ – auf Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Konservierungsstoffe wird hingegen verzichtet. Kredenzt werden die Leckerbissen u. a. mit Gebäck, Kren und großer Senfauswahl, dazu wird Trumer Pils oder Prosecco genossen. Kostenlos (aber nicht umsonst) gibt es eine Bewirtung, die die Bezeichnung Gastfreundschaft verdient. leberkas-greissler.at

38 Kampfkunst Theater ist nicht nur Unterhaltung, es beschäftigt sich auch mit Gesellschaftsfragen

LIVE IS LIFE 45 Ed Sheeran Von Jamie Lawson über Anne-Marie bis hin zu Ed Sheeran einfach wunderschön

MEDIA 46 Kino, Musik und Spiele Mit Interpol, Slash, dem /slash Filmfestival und mehr

PLUG&PLAY 48 Equipment Großer Sound im Kleinformat, und das zudem noch erschwinglich …

Fotos: Ginmarkt, Stefan Baumgartner, Matthew Murphy; llustration: baes

Harry Potter Das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ kommt ins Hamburger Mehr! Theater. Die deutschsprachige Erstaufführung findet im Frühjahr 2020 statt und wird dauerhaft gezeigt. Im zweiteiligen Stück geht es um den mittlerweile erwachsenen Harry Potter, die beiden Teile werden entweder an einem Tag in einer Nachmittags- und einer Abendvorstellung hintereinander oder aber an zwei aufeinanderfolgenden Abenden gezeigt.

LIFESTYLE

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!ticket highlights

SCHEINWERFERLICHT Mag. Roberta Scheifinger Chefredakteurin und Herausgeberin

„Don’t bring me down“, „Hold on tight“, „Confusion“, „Last train to London“ sind nur einige der bekanntesten Welthits des Electric Light Orchestras. Am 23. September lassen Jeff Lynne’s ELO in der Wiener Stadthalle Kindheits- und Jugenderinnerungen wach werden. Manchmal tut’s auch ein Hit: Europe feierten ihren Durchbruch 1986 bekanntlich mit „The Final Countdown“, „Carrie“ schaffte den Sprung in die Charts, konnte an den großen Erfolg aber nicht mehr anknüpfen. Nach ihrer Trennung 1992 gehen die Schweden seit fünfzehn Jahren wieder gemeinsame Wege, die sie am 29. September in den Wiener Gasometer führen. Nicht genug der Nostalgie: Am 27. September findet die Österreich-Premiere von „Bodyguard – das Musical“, basierend auf einem der erfolgreichsten Kino-Blockbuster, im Wiener Ronacher statt. Lassen auch Sie sich diesen „One Moment in Time“ nicht entgehen! Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Spätsommer!

• Highlights September • Highlights September • Highlights September • Rebekka Bakken Die Geschichtenerzählerin fischt im Jazz, Soul, Blues, Folk und Country 6., Schloss Esterhazy Nick Mason’s Saucerful of Secrets Der Schlagzeuger von Pink Floyd präsentiert ihre ersten beiden Alben live 19., Wiener Stadthalle (F) Helene Fischer Die Schlagerkönigin holt ihre Konzerte vom Frühjahr nach 11. & 12., Wiener Stadthalle (D) Humorfestival Velden Das 10-jährige Jubiläum mit inter/nationalen Stars der Kleinkunst 20. bis 23., Casineum Velden

Bonnie Tyler Mit Hits von „Total Eclipse of the Heart“ bis hin zu „It’s a Heartache“ 28., Kufstein Festung

Wanda Die „vielleicht letzte wichtige Rock-’n’Roll-Band“ unserer Generation 14., Wörthersee Stadion

Brunner Wiesn Gemütlichkeit, Tradition und ein abwechslungsreiches Programm 7. bis 29., Campus21

Sophie Hunger Die fantastische Schweizerin auf „Molecules“-Tour in drei Wiener Locations 11. bis 13., Wien

Puddle Of Mudd „Blurry“ oder „She Hates Me“ gehören zweifelsohne auf jede Grunge-Playlist 23., Arena

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Fotos: Circus Roncalli (Circus-Theater Roncalli), BMG (Kylie Minogue), MPL Communications (Paul McCartney)

Circus-Theater Roncalli ab 13. September, Rathausplatz Wien


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Kylie Minogue

Golden Mit im Gepäck hat die Australierin ihr aktuelles Studioalbum „Golden“, ein pulsierender Hybrid, der Kylies unverwechselbaren Dance-Pop mit dem typischen NashvilleCountry-Sound vermischt. Kylie wird mit ihrer Band natürlich nicht nur Songs von „Golden“, sondern aber auch etliche Hits aus ihrem phänomenalen Repertoire performen, und das in einem für sie erstaunlich intimen Rahmen! 14. November, Gasometer

Paul McCartney

Freshen Up Bereits fünf lange Jahre ist es her, dass der Ex-Beatle 2013 im Zuge seiner „Out There“-Welttournee in Wien war. Eine Paul-McCartneyShow beinhaltet alles, was man sich als Musikliebhaber von einer Rock-Show nur wünschen kann: In knapp drei Stunden führt er uns durch die größten Momente der letzten 50 Jahre Musikgeschichte. Mit zahlreichen Songs sowohl aus seiner Zeit als Solokünstler (darunter findet auch sein neues Album „Egypt Station“ Gehör) sowie natürlich mit den Wings und vielen Klassikern der Beatles lässt er keinen Musikwunsch offen.

5. und 6. Dezember, Wiener Stadthalle (D)

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Lasst uns singen Der kultige Musikfilm „Flashdance“ kehrt als Musical zurück und heizt nach wie vor dem Publikum mächtig ein. Wie aber hat Musik und Tanz in die Gattung Film überhaupt Einzug gefunden? Und wieso ist die Faszination von Musikfilmen auch nach Jahrzehnten ungebrochen? Eine kleine (historische) Analyse. TEXT: MANUEL SIMBÜRGER

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nschuldige, große Rehaugen starren fünf strengen, ja arroganten Blicken entgegen. Hoffnung, dem großen Lebenstraum endlich ein großes Stück näher gekommen zu sein, trifft auf masochistische Lust, diesen Traum bloß mit einer hochgezogenen Augenbraue zu zerstören. Das Sonnenlicht bricht durch die großen Fenster des Tanzsaals und verwandelt ihn in eine Parallelwelt, in der sich Licht und Schatten umspielen, in der sich durchtrainierte, von Stulpen verzierte Beine zielstrebig ihren Weg bahnen. Der Plattenspieler wird angemacht. Die ersten Tanzschritte. Ambitioniert. Doch – huch! Schreck! Gestockter-Atem-Moment! Die trainierten Beine verlieren bei der Pirouette ihren Halt, stolpern am rutschigen Boden. Regungslos verharrt Alex vor der gestrengen Jury, die ersten Augenbrauen bewegen sich Richtung Horizontale. Beschämt senkt sie den Kopf. Doch dann – juhu! Yeah! Come on, girl! Die Nadel des Plattenspielers wird von Alex erneut an die Startposition gebracht. Und nun, weil verkackt hat sie schließlich eh schon, lässt Alex, die Schweißerin und Stripperin, los. Zeigt alles, was sie kann. Fordert ihren Körper ein letztes Mal derart, wie sie ihn in den letzten Wochen gefordert hat. Er wird zu ihrem

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willigen Instrument, verdreht, verbiegt, dreht und verschlingt sich, springt, hüpft, lässt die Schwerkraft hinter sich. Augenbrauen wandern hinunter, stattdessen wird freudig mitgeklatscht und sich sogar im Takt geschneuzt. What a feeling! Ein Kult ist geboren Vor 35 Jahren tanzte sich Jennifer Beals alias Alex in „Flashdance“ nachhaltig in die Herzen und Tanzbeine des Publikums. Nur acht Millionen Dollar kostete der Film, am Ende spielte er rund 200 Millionen weltweit ein und war der dritterfolgreichste Film des Jahres. Die Schlüsselszene des Streifens, in der Alex die Aufnahmeprüfung an einer renommierten Ballettschule absolvieren muss, gilt heute noch als eine der bestchoreografierten filmischen Tanzszenen und inspirierte nicht nur cinematografische Nachfolge-Hits wie „Dirty Dancing“ oder „Save the last Dance“. Auch Künstler wie Kanye West („Fade“), Jennifer Lopez („I’m Glad“) oder Geri Halliwell („It’s Raining Men“) zollten in ihren Musikvideos sexy Hommage an Beals. Passend und richtig so, denn nicht die Handlung oder die Dialoge, sondern Giorgio Moroders Musik, ein Mix aus Disco, Ballett und Hip-Hop, sind die große Stärke des Films. MTV

feierte zwei Jahre zuvor sein TV-Debüt und „Flashdance“ war der erste Film, der sich mit seinem schnellen Rhythmus, der Inszenierung des Körpers als erotisches Gesamtkunstwerk und den wie Musikvideos arrangierten Tanzszenen gezielt an die junge Generation richtete, für die Musikvideos fortan zur Lebensphilosophie wurden. Der Titelsong „What a Feeling“ von Irene Cara heimste gar einen Grammy, einen Golden Globe und einen Oscar ein, „Maniac“ wurde immerhin für Letzteren nominiert. Zwischen all dem Getanze gibt’s auch noch was fürs Herz, nämlich eine sensible Story über Selbstfindung, Empowerment und das Kämpfen für die eigenen Träume. Dazu Stulpen, Strumpfhosen, Schulterpolster und toupierte Haarmähnen. Lang leben die Achtziger! Ton ab! Natürlich spielten Musik und Tanz schon lange vor „Flashdance“ eine große Rolle im Film. Bereits Vorführungen von Stummfilmen wurden von Live-Musik begleitet – eigentlich nur deshalb, um die störenden Geräusche der Vorführapparate zu übertönen. Als erster Tonfilm gilt „The Jazz Singer“ aus dem Jahr 1927, seitdem entwickelte sich die Musik im


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en & tanzen!

Fotos: Mats Bäcker, Louise Martinsson

Genre Film langsam, aber stetig: Weil Neugier bekanntlich die Experimentierfreudigkeit beflügelt, wurde Musik mehr und mehr dramaturgisch höchst raffiniert und punktuell eingesetzt. Anfangs griff man vor allem auf bekannte Stücke aus Operetten, Opern und Revueshows zurück, man wollte damit die „gute alte Zeit“ mit moderner Technik beschwören. Seine erste Blütezeit erlebte der Musikfilm bereits in den Dreißigern und Vierzigern, als Fred Astaire, Ginger Rogers und Gene Kelly mit ihrem unvergleichlichen Tanzstil und ihrer Eleganz das Publikum verzauberten. Astaire gilt gar als Erfinder des Tanzfilms. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte der Film vor allem eines sein: eine Möglichkeit zum Träumen. Zahlreiche Musicals wurden pompös und farbenprächtig verfilmt; im deutschen Sprachraum etablierte sich der Heimatfilm, in dem die Welt heil, friedlich und voller schöner Melodien war.

Film wird Pop Prägend für den Musikfilm waren die Sechziger: Die Grenzen zwischen Musik- und Filmgenre verschwammen immer mehr, man entdeckte sich gegenseitig als profitable Marketingmöglichkeit. Zahlreiche Filme wurden auf damals populäre Künstler wie Elvis Presley oder die Beatles zugeschnitten, die wiederum sich und ihre Songs somit als Marke etablieren konnten. Die Musik wurde zu einem entscheidenden Faktor in Sachen Produktion, Vermarktung und Rezeption des Films. In diesem Jahrzehnt etablierte sich nicht nur der Konzertfilm (z. B. „Woodstock“, 1970), sondern es brachte auch dank perfektionierender Verknüpfung von Musik und Handlung viele Genreklassiker hervor,

u. a. „West Side Story“ (1961) „Mary Poppins“, „My Fair Lady“ und „The Sound of Music“ (alle 1964). Richtig ab – vor allem für das junge Publikum! – ging’s in den Siebzigern: Filme wie „Rocky Horror Picture Show“ (1975), „Saturday Night Fever“ (1977), Grease“ (1978) und „Hair“ (1979) fingen, nicht zuletzt dank ihrer fetzigen Musiknummern, das damalige sexy, aber auch politische Lebensgefühl wie kein anderes Filmgenre ein und waren sowohl in den Kinocharts als auch in den Hitparaden Kassenschlager.

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Flashdance Die mitreißende Bühnenadaption des Films mit Songs von Produzent Giorgio Moroder und Keith Forsey, die für den Titelsong sowohl einen Oscar sowie einen Grammy erhielten, kommt jetzt als moderne Bühnenadaption auch nach Österreich.

nicht mehr ausreichen, einfach auf offener Straße eine Powerballade schmettern zu können?

Der siegreiche Einzug von Pop und Rock hält bis heute an. All das wird in den Achtzigern mit „Fame“ (1980), „Footloose“ (1984), „Staying Alive“ (1983) und Dirty Dancing“ (1987), aber auch mit „The Blues Brothers“ (1980) und „Hairspray“ (1988) auf die nächste Entertainment-Ebene gehoben. Seitdem präsentiert sich der Musikfilm abwechslungsreich, experimentell und vor allem mainstreamtauglich: sei es in Form von Dokumentationen, Biografien, leisen Dramen, neu interpretierten Musicals, sexy Tanzfilmen oder knallbunten Franchises. Musik öffnet Augen und Seele Was aber ist es, das uns nach wie vor so sehr an Musikfilmen fasziniert? Mal abgesehen vom Offensichtlichen – nämlich dass es einfach Laune macht, anderen beim perfektionierten Singen und Tanzen zuzusehen (laut Glücksforscher haben musikalische Menschen ein geringeres Depressionsrisiko!) – ist Musik jene Sprache, die verbindet wie keine

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andere und die einen überall Herzerl sehen lässt. Musik und Tanz überwindet gar kulturelle Grenzen, lässt einen dabei die eigene Wertekultur hinterfragen und somit zu sich selbst finden (und die Welt wird ganz nebenbei auch noch ein Stückerl friedvoller). Musik wird nicht nur zur Fluchtmöglichkeit aus dem tristen Alltag, sondern allen voran zur Metapher der sozialen Identität und des romantischen Sehnens – so wie Musik generell vor allem eine Sprache zwischen den Zeilen ist, eine Sprache, die aussagt, was nicht gesagt werden darf oder kann. Tanz wird nicht selten zum Synonym für Sex, Songs geben tiefere Einblicke in die Seelen- und Gefühlswelt der Protagonisten, wodurch wir Zuseher uns unseren Helden näherfühlen. Zudem kann im Film einfach jeder tanzen und singen (oder erlernt es durch harte Arbeit), was uns Faultieren das Gefühl gibt, es auch zu können, wenn wir es nur wollen (würden). Und, Hand aufs Herz: Wäre es nicht schön, immer dann, wenn Worte für unsere überbordenden Emotionen

Flashdance – Das Musical Weil das aber nun mal nicht geht, ohne sich kurz danach in enge, weiße Westen gekuschelt wiederzufinden, gehen wir einfach ins Musical, wenn wir einer Realität, in der Musik und Tanz den Rhythmus vorgeben, so nahe wie möglich kommen wollen. Also ab zu „Flashdance – Das Musical“, der Bühnenadaption zur erotisch aufgeladenen CinderellaStory. Diese feierte bereits 2008 Weltpremiere in England und kommt nun im Herbst, anlässlich ihres 35. Geburtstags, optisch und technisch runderneuert auf große Tournee nach Österreich und Deutschland. Aufwendige LED-Techniken sorgen für sekundenschnelle Szenen- und Themenwechsel, vorprogrammierte Sequenzen werden mit Live-Szenen in Echtzeit auf die Wände gebracht. Auch die Tanzszenen wurden mit zeitgemäßen Tanzeinflüssen aus Street Dance und Modern Dance ins Heute geholt und verbinden so das Gefühl der Achtziger mit aktuellem Flair. Dieses „Feeling“ sollte man sich keinesfalls entgehen lassen! n „Flashdance – Das Musical“ spielt es Ende Oktober in der Salzburgarena und ab Mitte November bis Monatsende im Wiener MuseumsQuartier (Halle E). Für die Veranstaltung sind FanTickets verfügbar, für Wien zudem ticketPLUS+ Dinner im Restaurant Motto und ticketPLUS+ Hotel (Falkensteiner Am Schottenfeld****).


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!ticket highlights

Twenty One Pilots

The Bandito Mit großem Paukenschlag brachen Twenty One Pilots ihre einjährige Stille: Anfang Juli teilten sie die zwei neuen Songs „Jumpsuit“ und „Nico And The Niners“, die beide auf ihrem am 5. Oktober erscheinenden Album „Trench“ zu finden sein werden, das natürlich auch live präsentiert wird …

Edwards/Hacke

8. November, Flex

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17. Februar, Wiener Stadthalle (D)

Fotos: Brad Heaton (Twenty One Pilots), Arcadia Live (Edwards/Hacke), Udo Leitner (Stermann & Grissemann), Oktober Promotion (Mother’s Cake), Barracuda Music (Chvrches)

Risha David Eugene Edwards (Wovenhand, 16 Horsepower), ist wohl einer der beeindruckendsten Gitarristen/Sänger, Songschreiber und Lyriker unserer Zeit, Alexander Hacke ist einer der bedeutendsten deutschen experimentellen Künstler und vor allem als Mitglied der Einstürzenden Neubauten bekannt. Gemeinsam kreieren sie auf „Risha“ eine geheimnisvolle und hypnotische Atmosphäre, irgendwo zwischen Americana, Neo-Folk, Industrial, Ambient und arabischen Einflüssen.


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IT’S ONLY WOERZ

Chvrches Love Is Dead (Support: Anger) Seit sie 2013 erstmals überstrahlt vom funkelnden Glanz ihrer Single „Recover“ auf der Bildfläche erschienen, haben sich Chvrches immer mit subtiler, aber unmissverständlicher Vorsicht dagegen gesträubt, sich auf ihr Sommerhit-Potenzial reduzieren zu lassen, denn in ihrem Innersten sind sie echte Punks aus Glasgow. Die drei haben alles getan, um sich selbst und die ihnen innenwohnende Melancholie zu schützen, die ihrem sonnigen Synthie-Pop Tiefe verleiht. So auch auf ihrem brandneuem Album „Love Is Dead“. 10. November, Gasometer Live Paris, London, Australien – schon anhand ihrer Tourstatistik waren Mother’s Cake immer die etwas „andere“ Band Österreichs. Mit den Erfahrungen, die Yves Krismer, Benedikt Trenkwalder und Jan Haußels in knapp zehn Jahren Bandgeschichte sammeln konnten, würden andere bereits Biografien füllen. Hinzu kommen nicht nur drei stilistisch unterschiedlichen Studioalben, sondern auch ihr aktuelles Live-Album „Live At Bergisel“: Aufgenommen unplugged in der Band-Heimat, im leeren Skisprung-Stadion in gnadenloser Kälte.

Mother’s Cake

im Herbst & Winter, u. a. in Reutte, Graz, Dornbirn, München und Wien Gags, Gags, Gags! und Das Ei ist hart! Das Stermann-&-Grissemann-Universum aus feiner Beschimpfung, Sinnsabotage und Selbstdemontage, Nonsens, bizarrer Parodie, Persiflage und Polemik erlaubt sich in „Gags, Gags, Gags“ eine neue, nicht geahnte Ausdehnung. Man brilliert aber auch mit fremden Texten, nämlich in „Das Ei ist hart!“, Loriots „Dramatische Werke“ gelesen und gespielt von Stermann & Grissemann.

Stermann & Grissemann im Herbst und Winter in ganz Österreich

сюрприз

Urlaub. Fremdes Land. Fremde Sitten. Fremde Schrift. Kurz nach Ende der Fußball-WM begab ich mich nach Moskau. Was mich nebst dem Reisen schon immer fasziniert hat, sind Schriften, die ich gelernter „Schreiblatino und Zahlenaraber“ nicht lesen kann. Unabhängig davon, dass ich die dazu passende Sprache ohnehin nicht verstehe. Japanisch, Koreanisch, Klingonisch und eben Russisch, um nur einige zu nennen. Umso spaßiger erschien mir das Unterfangen, eine Veranstaltung auszusuchen und hinzugehen, ohne zu wissen, was es ist. Ausschließlich kyrillische Schrift in der Ankündigung war die Voraussetzung. Meine Freundin und zwei in Moskau ansäßige Freunde begleiteten mich. So landeten wir, und ich denke, es hätte weitaus fataler sein können, in einem anheimelnden, verhältnismäßig kleinen Club. Am Eingang stellte sich heraus, dass es dort zwei Bühnen gab. In einem Saal spielten sie Jazz, im anderen eine Blues-Jamsession mit einer mehr oder weniger fixen lokalen Band sowie brillierenden Gastmusikern, die jeweils für drei, vier Lieder auf die Bühne kamen. Blues war die Wahl des Abends. Es war eine unterhaltsame Vorstellung und ich wage den p.t. Lesern dieser Kolumne den Vorschlag zu machen, ebenfalls Neues, selbst Uneinschätz- oder Unlesbares zu versuchen und sich der Kultur einer Stadt auf diese Art zu nähern. Ach ja, zum Ausgleich musste, pardon, durfte ich dann mit meiner Freundin in die Oper. Russisches Ballett. Das war vorab leserlich angekündigt.

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„Man darf mit Shakespear E

s mag wie ein Klischee klingen, aber manchmal ist es eben doch das Leben selbst, das die besten Drehbücher schreibt und die Grenze zwischen Realität und imitierender, fantasievoller Kunst verschwimmen lässt: Im September 2017 kam es zu einem Brand in der Wiener Marx Halle, der auch auf das berühmte GLOBE WIEN, das 2014 von Künstleragent Georg Hoanzl und Publikumsliebling Michael Niavarani nach dem Vorbild des historischen Globe Theatre von Shakespeare gegründet wurde, übergriff. Nicht ein technischer Makel, ein explorierender Scheinwerfer, ja noch nicht mal eine glimmende Zigarette waren schuld am Unglück, sondern eine Geisterbeschwörung zweier Jugendlicher, die scheinbar nicht ganz nach Plan lief (oder etwa doch …?). Ein Drama, das Shakespeare selbst nicht besser verfassen hätte können. „Der substanzielle Schaden bestand in der Verformung der denkmalgeschützten Eisenkonstruktion, die fast die gesamte Dachkonstruktion des Globe Wien betroffen hat“, erzählt Hoanzl. Nach intensiven Aufbauarbeiten ist es endlich wieder so weit: Anfang Oktober werden die Globe-Wien-Tore neuerlich geöffnet und die Welt, ganz nach Shakespeare, wieder zur Bühne gemacht …

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Hat man den Brand zum Anlass genommen, das Theater ein paar Neuerungen zu unterziehen? Georg Hoanzl: Optisch und funktional sind wir dem bekannten Konzept treu geblieben, haben aber natürlich einige Erfahrungswerte der letzten Jahre in den Wiederaufbau einfließen lassen. Auch beim Programm gibt es eine Fortsetzung der bereits begonnenen Linie mit den von uns und vom Publikum geschätzten Künstlern. Bei den Eigenproduktionen wird es noch ein bisserl dauern, weil sie eine wesentlich längere Vorbereitungszeit brauchen und wir bis vor einigen Wochen nicht genau gewusst haben, wann es weitergeht. Auch Shakespeares Globe ist nach 14 Jahren einem Feuer zum Opfer gefallen. Liegt ein Fluch auf der Marke Globe? Michael Niavarani: (lacht) Der Versuch, das Globe so originalgetreu wie möglich nachzubauen musste natürlich in diesem Brand gipfeln, das ging gar nicht anders. Ich glaube, bei der Geisterbeschwörung sollte Shakespeares Geist gerufen werden – und der hatte so einen Zorn, dass er dann das ganze Gebäude angezündet hat.

Wann waren Sie das letzte Mal im Londoner Globe Theatre? Hoanzl: Bei mir war es „Titus Andronicus“ im Frühjahr 2014. Mich haben das Stück und die Inszenierung und natürlich die schauspielerische Leistung trotz oder gerade wegen der rohen, brutalen Gewalt in meinem tiefsten Inneren voll erfasst und alles, was in mir an pazifistischen Gefühlen vorhanden ist, verstärkt. Dadurch habe ich die Wirkung von Shakespeare in seiner politischen Dimension und Aktualität hautnah erlebt. Niavarani: Vor einer Woche erst – und wir haben uns „Hamlet“ angesehen. Die Titelrolle wurde von einer Frau gespielt, was ich extrem interessant und spannend fand. Das hat mich dazu inspiriert, die Hamlet-Geschichte aus der Sicht der Ophelia zu erzählen. Das wird eines meiner nächsten Projekte werden. Regisseure nehmen sich in ihren Shakespeare-Inszenierungen gerne vie-

Fotos: Jan Frankl, Agentur Hoanzl

Anfang Oktober öffnet das GLOBE WIEN nach einem verheerenden Brand wieder seine Pforten. Grund genug, um ein Pläuschchen mit den Gründern Michael Niavarani und Georg Hoanzl zu führen – über die Vergangenheit, die Zukunft und Shakespeare mittendrin. TEXT: MANUEL SIMBÜRGER


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are alles machen“

dvd-tipp Das GLOBE WIEN für daheim „Romeo und Julia“ ist die zweite Shakespeare-Interpretation von Michael Niavarani: Romeo und Julia sind nur deswegen das größte Liebespaar der Weltliteratur, weil sie nie miteinander leben mussten, sondern rechtzeitig gestorben sind. Im Falle der höchst beklagenswerten Komödie sind nicht die beiden Liebenden gestorben sondern die Liebe. Die Kinder sind aus dem Haus, die Geschäfte laufen gut – und plötzlich tauchen eine alte Liebe und eine junge Schauspielerin auf und allen Beteiligten schießt die Verliebtheit wieder ein! Sofort kommt es zu Lügen, Sex und Betrug … denn wie sagt William Shakespeare selbst: „Weise sein und lieben vermag kein Mensch!“ Es spielen unter der Regie von Bernhard Murg, Michael Niavarani und Oliver Rosskopf: Michael Niavarani, Sigrid Hauser, Bernhard Murg, Otto Jaus, Günther Lainer, Oliver Rosskopf, Susanne Preissl, Hemma Clementi, Georg Leskovich, Eva Maria Frank, Pia Strauss und Stefan Altenhofer.

Die Doppel-DVD kommt inklusive Textbuch und Programmheft und ist im gut stortierten Fachhandel und auf hoanzl.at erhältlich.

Fotos: Jan Frankl, Agentur Hoanzl

GLOBE WIEN Nach dem Brand öffnet das St. Marxer Theater im Oktober wieder seine Pforten. Hausherr Niavarani freut sich schon wieder auf die „Nähe zum Publikum“.

le Freiheiten, modernisieren das Stück. Kreativität oder Respektlosigkeit? Niavarani: Hier gibt es zwei Herangehensweisen: Die meisten Regisseure fragen nicht, was der Originaltext historisch bedeutete, sondern zeigen ihre eigene Interpretation auf der Bühne. Das ist legitim und kann zu absurden, brisanten, spannenden, aber auch sehr langweiligen Varianten des Stückes führen. Und dann gibt es die Möglichkeit der historischen Recherche, also zu fragen, was Shakespeare da und dort genau gemeint hat: Viele zeitgenössische, auch politische Anspielungen verstehen wir heute gar nicht mehr. Da muss man dann versuchen eine Form zu finden, wie man selbst und das Publikum verstehen kann, was der Typ damals eigentlich sagen wollte. Beide Methoden sind sehr spannend. Man darf mit Shakespeare alles machen, wie mit jedem anderen Text auch. Welche Methode liegt Ihnen näher?

Niavarani: Gar keine! (lacht) Ich versuche ja, aus Shakespeare eine Komödie zu machen – aber versuche dabei, ihm treu zu bleiben. Ich tendiere also zur Recherchearbeit. Meine Stücke sind inspiriert von Shakespeare, aber nicht Shakespeare selbst. Goethe und Mark Twain sind berühmte Shakespeare-Kritiker. Tatsächlich sind seine Dramaturgien bisweilen nicht ganz konsistent und wenn man genau hinschaut, lassen sich mitunter absurde kleine Fehlleistungen darin finden. Schleicht sich auch bei Ihnen, obwohl außerordentlicher Shakespeare-Verehrer, manchmal der eine oder andere kritische Gedanke ein? Niavarani: Shakespeare war ein Theatermensch. Er war Autor, Regisseur, Schauspieler, Theaterteilhaber in Personalunion. Seine Texte sind nicht Literatur, sondern theaterkonventionelle Texte für die Bühne. Zum Beispiel: Manchmal tre-

ten Figuren in Shakespeares Stücken nur deshalb so spät auf, weil sich der Schauspieler erst umziehen musste. Das muss man im Hinterkopf behalten. Goethe kritisiert, dass Shakespeare die Einheit von Zeit und Raum nicht einhält. Ich finde aber, dass genau das seine Stücke so faszinierend macht. Streng genommen hat William Shakespeare das Drehbuch erfunden. Als Teilhaber des Globe erwarb sich Shakespeare Vermögen und Einfluss. Wie sieht’s da bei Ihnen beiden aus? Hoanzl: Der Brand hat uns finanziell „ein bisserl“ zurückgeworfen. Der Konkurrenz von Netflix, Amazon und Hollywood waren Shakespeare und seine Zeitgenossen genauso wenig ausgesetzt wie allen anderen Errungenschaften der gegenwärtigen Kulturbranche und Freizeitindustrie. Deshalb gibt es mehr Startups in anderen Bereichen als unsubventionierte Theaterneugründungen. Ich

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vom aufwendigen Raumkonzept bis hin zu dem künstlerischen und finanziellen Einsatz, den wir in unseren ersten beiden Eigenproduktionen „Richard III“ und „Romeo & Julia“ eingebracht haben. Das war schon ein Steilpass, der uns ordentlich zum Schwitzen gebracht hat. Aber das ist gut so.

Permanente Selbstkritik – so etwas wie Ihr Erfolgsgeheimnis? Niavarani: Eher mein Antrieb. Wenn ich etwas erschaffen würde, was perfekt wäre, würde ich nicht mehr weitermachen. Weil danach kann es ja nur schlechter werden. Aktuell habe ich das Gefühl, dass meine Arbeit Stück für Stück immer besser wird. Was natürlich auch eine Illusion sein kann (lacht)!

Das Besondere des GLOBE WIEN ist die außergewöhnliche Nähe zwischen Publikum und Bühnengeschehen. Herr Niavarani, wie sehr beeinflusst diese Nähe Ihr Spiel auf der Bühne? Niavarani: Das Timing des Abends wird bei einer Komödie zur Hälfte von den Schauspielern, zur Hälfte vom Publikum bestimmt. Der Rhythmus des Lachens gibt das Tempo des Spielens vor. Die Interaktion ist im GLOBE natürlich viel stärker als in anderen Spielstätten. Die Bühne ist umgeben vom Publikum, man spielt inmitten der Menschen. Das führt dazu, dass man leichter auf sie hören kann. Als Druck empfinde ich das aber nicht, denn dann wäre ich im falschen Beruf. Im Gegenteil, es erleichtert die Sache.

Mit welchen Hürden mussten Sie anfangs kämpfen, als Sie bekannt gaben, das GLOBE WIEN zu errichten? Niavarani: Branchenintern gab es keinen Gegenwind, weil wir sehr tiefgestapelt haben! Wir sind sehr unauffällig an die Sache rangegangen. Wir sind keine großen Ankündiger. Wir machen einfach und die Leute entdecken das dann von alleine. Wir mussten sehr zu unserer Überraschung nicht mal einen Kredit aufnehmen, weil wir bereits so viele Karten verkauft hatten. Man kann also sagen: Die Leute haben sich das Theater selbst erbaut. Dafür bin ich sehr dankbar. Hoanzl: Die größten Hürden, die wir überwinden mussten, waren tatsächlich unsere eigenen Ansprüche, angefangen

Wie sehr hat sich die Kabarettbranche seit der Gründung des GLOBE WIEN verändert? Hoanzl: Meiner Wahrnehmung nach wird es immer bunter und vielfältiger in der Branche. Neben den bekannten Stars der Szene beleben englischsprachige Comedians ebenso wie Kollegen aus Deutschland die Szene. Das hat sicher auch mit dem fast uneingeschränkten Medienangebot zu tun. Zusätzlich ist in Österreich in den letzten Jahren eine neue starke Generation von Kabarettistinnen und Kabarettisten herangewachsen. All das beeinflusst in direkter und indirekter, jedenfalls aber positiver Form natürlich auch das GLOBE WIEN wie alle anderen Spielstätten.

Michael Niavarani Der Hausherr und Hauptdarsteller ist auch sein größter Kritiker: „Ich habe nicht die Ruhe, mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen. Die san a vü zu klan für mein riesign Oasch!“

glaube, die letzte privatwirtschaftliche Theatereröffnung mit über 1.000 Sitzplätzen in Wien war vor über hundert Jahren. Aber die Gewinnbestrebung ist voll da! Weil anders werden wir als bewusst unsubventioniertes Theater und Produzenten nicht dauerhaft bestehen. Das GLOBE WIEN wurde 2014 gegründet. Wie fällt bisher das Resümee aus? Hoanzl: Es war eine gute Idee! Niavarani: Man kann immer besser werden. Ich bin nie zufrieden mit dem, was ich mache. Von meiner Arbeit gefallen mir 98 Prozent nicht und würde ich gerne anders machen. Georg und ich arbeiten schon an den nächsten Projekten und aktuell ist es so, dass ich nur die negativen Dinge sehe. Ich finde das sehr wichtig: jene Bereiche zu sehen, die nicht funktionieren. Sonst entwickelt man sich nie weiter. Jedes neue Projekt ist ein ständiges Ausbessern der Fehler, die man bei den vorherigen gemacht hat. Und jedes Projekt ist dafür da, um wieder neue Fehler zu machen. Ich habe nicht die Ruhe, mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen. Die san a vü zu klan für mein riesign Oasch!

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Apropos: Im Oktober treten Pizzera & Jaus im GLOBE WIEN auf – nicht nur die aktuell heißesten, sondern auch jüngsten Eisen in der Kabarettbranche. Will man so das junge Publikum ins Theater zurückholen? Und wie schwer ist es, die Jungen fürs Theater zu begeistern? Hoanzl: Ich glaube, dass es auf die Themen, das Lebensgefühl und die glaubwürdige Darstellung derselben ankommt, ob man damit junge Menschen anspricht. Hier gibt es neben Pizzera und Jaus, die verdienterweise großartige Erfolge feiern, mit Lisa Eckhart, Stefan Leonhardsberger, Christoph Fritz und vielen anderen ein umfangreiches und vielfältiges Angebot, das Gleichaltrige ebenso anspricht wie alle seit Jahrzehnten Kabarettinteressierten. Das führt zu einer Durchmischung und Belebung, die der gesamten Branche zusätzliche Vitalität einhaucht. Niavarani: Es ist wichtig, den Kontakt

zur nächsten Generation zu halten und ich lasse mich auch von ihr beeinflussen. Mich interessiert, was und wie die das Ganze machen, wie sie an eine Pointe herangehen. Ich bin sehr neugierig, was für neue Wege gegangen werden. Denn es ist ja nichts fader, als immer dasselbe zu sehen. Wobei man ja ehrlich sagen muss: Wir machen alle dasselbe (lacht)! Manchmal erkenne ich mich in dem einen oder anderen Newcomer wieder.

n Ab Oktober öffnet der GLOBE WIEN wieder seine Pforten, u. a. mit Künstlern wie Pizzera & Jaus, Gernot Kulis, Michael Mittermeier, Hausherr Michael Niavarani, Thomas Stipsits, Jimmy Carr und Bülent Ceylan. Am 26. November wird hier übrigens auch der österreichische Kabarettpreis vergeben. Für ausgewählte Veranstaltungen sind FanTickets verfügbar.

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Gin & Tonic: Ziemlic

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Li i Phili

Was ist Gin eigentlich? Seine Herkunft verdankt der Gin Benediktinermönchen in Salerno, die 1055 beschrieben, wie sie Wein mit Wacholderbeeren versetzten. 1575 soll ein Professor an der Universität in Leiden Wacholderöl mit Alkohol versetzt haben. Holländische Apotheker brachten das Wacholderdestillat „Genièvre“ (französisch: Wacholder) gegen Fiebererkrankungen unter die Leute. Weil dieses Heilmittel auch als Getränk interessant schmeckte, dürfte sich auch Lucas Bols damit beschäftigt haben, nachdem er 1575 eine Brennerei in Amsterdam gegründet hatte. Schnell verbreitete sich der Genever im nördlichen Europa. Vor allem in England fand das Destillat als Schnaps begeisterte Abnehmer, die das mittlerweile als Genever bekannte Getränk zu Gin – nach Verordnung eine „Spirituose mit Wacholdergeschmack, die durch Aromatisieren von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs gewonnen wird“ – anglisierten. Heute unterscheidet man je nach Reinheitsgebot drei Sorten von Gin, die nichts über den Geschmack aussagen, wohl aber über die Art und Weise, wie er hergestellt wird: London Gin, Dry Gin und Sloe Gin, der eigentlich ein Likör ist. Neben diesen

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ten – Alkoholika. Vielleicht nicht gerade zum Frühstück, aber als Aperitif oder als Feierabendgetränk ist ein Gin & Tonic eine erfrischende Alternative zu Bier und Wein – oder auch deren benebelungsfreundlicheren Varianten Radler und Spritzer. Einfach nur einen Gin & Tonic beim Barkeeper seines Vertrauens bestellen geht allerdings kaum noch – zu angesagt ist das Getränk mittlerweile und zu divers daher auch die Angebote: Nicht nur Gin-, auch Tonic-Produzenten gibt es viele – auch in Österreich, darunter besonders empfehlenswert der Styrian Dry Gin STIN und Enn Gin aus Saalbach. Welcher Gin wem und wann schmeckt, ist ähnlich wie beim Wein: Beginner fangen gerne mit fruchtigen Weißweinen an, bekommen irgendwann Geschmack an den trockenen; machen dann ihre Erfahrungen mit unkomplizierten Roten und bleiben entweder bei den eingängigen Blockbustern hängen oder finden zu Subtilerem wie Bordeaux, Rhône oder Barolo. Beim Gin ist es ganz ähnlich. Gelegenheitsgenießer und Jungspunde bevorzugen Wodka oder Gins mit Frucht- und Kräuteraromen, sogenannten Botanicals, die einfach oder komplex sein können. Dagegen tendieren erfahrene Ginliebhaber tendenziell zu trockenen Gins mit mehr oder weniger markantem Wacholdergeschmack.

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ueen Mum ist dem Gin nicht abgeneigt. Bereits beim Frühstück beliebt sie sich damit zu stärken, wie in der autorisierten Biografie „Queen Elizabeth – The Queen Mother“ nachzulesen ist. Desmond Payne, Master Distiller beim britischen Gin-Giganten Beefeater, lächelt darauf angesprochen verschmitzt. Auch er ist einem Gläschen in den Morgenstunden – bevorzugt einem Martini – nicht abgeneigt. Und natürlich weiß er, welchen Gin das Oberhaupt des britischen Empire bevorzugt. Verraten möchte er uns dieses wohl gehütete Geheimnis jedoch nicht: Der Name der Marke Beefeater geht zwar auf die Yeomen Warders, die Ordnungstruppe des Towers of London, zurück. Seinen Lebensalltag im ehemaligen Kriminalgefängnis verbringen, das möchte Payne dann doch nicht, scherzt er – in Kennington, wo die Distillerie nach ihrer Gründung im Stadtteil Chelsea und nach Ausbau zur Jahrhundertwende in Lambeth schließlich seit Ende des zweiten Weltkriegs beheimatet ist, fühle er sich eigentlich ganz wohl. Doch Gin ist nicht allein der britischen Hautevolee vorbehalten. Der Ansturm auf die letztjährige Premiere des Wiener Ginmarktes macht es deutlich: Die Wacholderspirituose zählt heute zu den beliebtesten – dabei aber auch spannends-

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Wo früher Hefe hergestellt wurde, findet heuer Wiens größter Ginmarkt statt: Parallel zum Rumfestival dreht es sich im Herbst in der Ottakringer Brauerei zur Abwechslung einmal nicht um Flüssigbrot. Wir haben im Vorfeld Beefeaters Master Distiller Desmond Payne in die Karten – und mit ihm ins Glas geschaut. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER


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Fotos: Beefeater, Philipp Lipiarski

lich beste Freunde von der EU festgelegten haben sich zahlreiche weitere Sorten wie Old Tom und Reserve etabliert, die zwar nicht offiziell geschützt, von Herstellern aber trotzdem mehrheitlich einheitlich verwendet werden. Manche dieser geben auch eine geschmackliche Orientierung. Doch schließlich die Frage aller Fragen: Wie genießt man dieses klare, bekömmliche alkoholische Getränk eigentlich? Nach einer Führung durch „seine“ Distillerie lädt Desmond Payne in sein Heiligtum, sein Büro. Es dominiert dunkles Holz und schweres Leder – und eine Vielzahl an Gerüchen: Zitrusfrüchte, Koriander, Blumiges – hie und da vielleicht auch Arznei-Noten. Hier wird also darauf geachtet, dass die Qualität, das Rezept von Beefeater-Gründer James Burrough bewahrt bleibt. Mit strengem Blick wacht jener von einem Ölgemälde aus über jeden Handgriff seines Nachfolgers, Desmond Payne. Eigentlich gibt es kaum einen geeigneteren Ort auf der Welt, um in die Welt des Gins einzutauchen. Wohlan! Was hat der Beefeater Gin eigentlich mit den Wächtern des Tower of London am Hut? Es ist eine Frage der Tradition, eine Hommage – auch bei Beefeater Gin geht es um Kulturerbe, Anspruch und Londoner Herkunft. Letztes Jahr konnten Sie persönlich ein Jubiläum feiern: Bereits seit 50 Jahren sind Sie unabkömmlicher Teil

GEWINN SPIEL

aber faszinierend. Und der Industrie, wennwenn ich jetzt ins gleich im HinterSchwärmen komme, grund. Wie bewahWir verlosen 3×2 Tages-Kombitickets für auf was ich bei Cockren Sie sich nach so das Rumfestival und den Ginmarkt sowie tails laufend stoße, langer Zeit den Endrei Beefeater-Packages mit 1 Flasche Beefeater, 2 Goblet-Gläser, 4 Ice Ball dann geht das ewig thusiasmus? Maker und 2 Fish-Glass Marker. Mehr Informationen und noch so weiter … Mich inspiriert vor alTeilnahmebedingungen siehe lem die Ereiferung, die ticketmagazin.com! Wie wichtig ist also InnovaGin aktuell erfährt. Wenngleich ich sagen muss: Über ein Gros tion – oder wie gefährlich, wenn es um meiner Karriere folgte die Gin-Produk- die Tradition geht? tion einem Schema F, doch selbst da war Innovation ist natürlich unumgänglich, jedes Jahr spannend und aufregend, weil sonst wird es fade und öde – das war in sich die Variablen in der Produktion, etwa die Krux, die wir in den Siebzigern die es zu beachten galt, stets änderten. zu beklagen hatten. Doch nehmen wir Wir sind abhängig von Naturprodukten, unseren Beefeater 24 zum Beispiel her und die sind einer Vielzahl an Faktoren – hier ergänzt ein Hauch Grapefruit die unterworfen, die wir nicht beeinflussen bekannten neun Inhaltsstoffe unseres können – wie etwa dem Wetter. Doch Standard-Gins und sofort haben wir ein gerade heute, bei einer derartigen Viel- komplett neues Produkt vorliegen, ohne zahl an Mitbewerbern, ist unser Geschäft dabei seine Herkunft zu negieren. So etwas belebt die Szene, weckt Interesse. immens aufregend. Natürlich birgt Innovation auch die GeWann waren Sie eigentlich das letzte fahr, übers Ziel hinauszuschießen: Plötzlich ist Gin kein Gin mehr. Beim Gin Mal so richtig vom Hocker? Eigentlich permanent. Erst kürzlich war gibt es ziemlich strenge Regeln, was ihn ich auf einer Gin-Messe in Mailand und zu einem Gin macht – und viele Promusste mich zwangsweise durchkosten dukte gaukeln vor, etwas zu sein, was – eine wahrlich schreckliche Kehrseite sie letztlich nicht sind. So sind besonders meines Berufes (lacht). Einer von den süße Gins per definitionem eigentlich Ausstellern hatte einen Gin mit Toma- Liköre. Man muss überdies auch auftengeschmack – und ich war so richtig passen, welche botanischen Inhaltsstoffe verblüfft, weil man Tomaten eigentlich man verwendet, man muss genau abnicht destillieren kann, und zudem ist’s stecken, ob die Produkte nicht nur sicher ja noch dazu auch ein ziemlich unge- und legal, sondern auch problemfrei zu wöhnlicher Geschmack für einen Gin. verarbeiten sind – wir wollen zum BeiDoch: Überraschungen, auch positive, spiel tunlichst vermeiden, dass der Gin passieren immer wieder! Auf derselben mit der Zeit in der Flasche trüb wird Messe sah ich auch einen Gin, der war oder gar die Farbe verändert. Zu diesem blau, aber mit Zusatz von Tonic Water Behufe verfüge ich über eine gigantische wurde er plötzlich pink: Eine Spielerei, Bibliothek an möglichen Ingredienzien

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– viele davon sind noch nicht verwendet worden –, die wir da dann genau durcharbeiten. Es gab zum Beispiel erst kürzlich den Vorfall, dass ein Barkeeper für einen Drink Flüssigstickstoff verwendete. Dass das nicht glimpflich ausging, brauche ich glaube ich nicht zu erwähnen. So etwas muss bei aller Innovation natürlich tunlichst vermieden werden. Vorsicht ist immer die Mutter der Porzellankiste. Italienische Puristen sagen, dass ein Pizzabelag nicht aus mehr als zwei oder drei Zutaten bestehen sollte. Nun hat Beefeater Gin derer neun, andere Gins eine schier unglaubliche Menge an Inhaltsstoffen. Kann man es auch beim Gin übertreiben? (lacht) Guter Vergleich, aber: natürlich! Ich glaube, dass man sowohl Gefahr laufen kann, wenn man zu wenige, oder aber auch zu viele Ingredienzien verwendet: Dann wirkt der Gin bald einmal zu simpel, oder im Gegenteil wirr. Hingegen sind Tanqueray und Monkey47 beide gute Gins – erster mit vier, zweiter mit 47 Inhaltsstoffen. Letztlich kommt es nur darauf an, wie die Inhaltsstoffe zusammen wirken – auf die Balance. Mit Gin ist es wie bei dem Zirkus-Akt, bei dem Teller auf Stäben rotieren: Man muss stets auf jeden der Teller genau achten und sie immer in Schwung halten. Da ist es manchmal klüger, sich das Leben nicht zu schwer zu machen, das Kunststück ist auch mit wenigen Tellern beachtlich, wie auch ein Gin mit weniger Zutaten hervorragend sein kann! Für Otto Normal ist es ja nicht allein die größte Krux, einen formidablen Gin zu finden. Wie weiß man, welches Tonic Water dazu passt? Gibt es da eine Faustregel? Leider nein: Probieren geht über Studieren (lacht). Gin hat einen Vorteil, der halt auch zum Nachteil gereichen kann:

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Gin harmoniert in viele verschiedene Richtungen, da gibt es nicht ein Richtig und ein Falsch. Ein guter Gin – und natürlich auch ein gutes Tonic Water – harmonieren in unterschiedlichen Zusammensetzungen und in einer Vielzahl an Kombinationen. Letztlich ist die Aromatik eines Gins richtungsweisend für das Desmond Payne Seit 1967, dem Jahr, in dem das Rolling Stone Maideale Tonic: Verfügt gazine erstmals erschien und die Beatles „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ veröffentlichten, ist der Brite integraler Bestandteil der der Gin bereits über bunten Welt des Gins. Mittlerweile ist er hauptverantwortlich für die ein sehr intensives Qualität von Beefeater Gin. oder komplexes Aromenspektrum, kann das Tonic eher zu- pulär ist, Cocktails wieder in sind und rückhaltend sein – oder, wenn es denn vor allem die Barkeeper auch geschult, besonders aromatisch sein soll, weiteres haben wir wirklich ein schier endloses Feld an Möglichkeiten, und da sticht Aroma mitbringen. Gin im Gegensatz zu anderen Spirituosen Gin ist aktuell sehr angesagt, beinahe: eben nochmals hervor. Man könnte Gin trendy. Geht da die einstige Noblesse vielleicht mit Wodka vergleichen, doch guter Wodka hat bekanntlich keinen etwas flöten? Vielleicht, aber Menschen heutzutage Eigengeschmack. wollen keine „Noblesse“. Es ist toll, gewisse klassische Referenzwerte zu haben, Gibt es heute eigentlich einen typischen aber man muss aufpassen, nicht links Gin-Trinker, den Sie auch mit Beefeater ansprechen müssen? Also von wegen liegen gelassen zu werden. „männlicher, gut situierter Single zwiGin, so variabel sein Einsatz auch ist, schen 30 und 45 sucht alkoholisches ist jedoch nur eine von vielen alkoho- Getränk“? lischen Stimulanzen – angefangen bei (lacht) Heutzutage nicht mehr, nein. Bier über Wein bis hin zu einer Vielzahl Gin war dereinst das Getränk, das alte Herren im Golfclub tranken. Diese Zeian Spirituosen. Was ist sein USP? Bei Wein steht die Traube im Fokus, bei ten sind vorbei. Die neue Generation an Bier die Gerste, bei Whisky das Getreide, Gin-Trinkern ist so divers, dass es auch bei Rum Zuckerrohr. Gin kann sich ge- dementsprechend eine Vielzahl an Mögschmacklich um alles, was du willst, dre- lichkeiten gibt, Gin zu genießen. hen. Auch wenn Wacholder Hauptbestandteil sein muss, Gin ist sehr wand- n Der Ginmarkt findet parallel zum Rumlungsfähig und kann ob der Vielzahl an festival zwischen 28. und 29: September möglichen Inhaltsstoffen in sämtliche in der Wiener Ottakringer Brauerei statt. Richtungen stieben. Jetzt, wo Gin po- Infos: ginmarkt.at & rumfestival.at


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I want to break free Unter dem Slogan „Das Einzige, das noch außergewöhnlicher ist als ihre Musik, ist seine Geschichte“ erzählt die neue Filmbiografie „Bohemian Rhapsody“ Mercurys Aufstieg mit Queen. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER

Foto: 20th Century Fox

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eit Jahren versuchen diverse Studios, eine hochwertige, aber trotzdem massentaugliche Filmbiografie über Freddie Mercury und seine Band Queen auf die Beine zu stellen. Schließlich traute es sich 20th Century Fox zu und hatte eigentlich Bryan Singer („X-Men“, „Die üblichen Verdächtigen“) als Regisseur für das Projekt verpflichtet. Dumm nur: Singer ist irgendwann einfach nicht mehr am Set aufgetaucht und wurde gefeuert. Fertig gedreht wurde „Bohemian Rhapsody“ trotzdem, am 1. November kommt er in die heimischen Kinos. Rami Malek, der durch die Serie „Mr. Robot“ zu Ruhm gekommen ist, spielt hierin Freddie Mercury. Damit er Mercury jedoch nicht nur optisch das Wasser reichen kann, nahm er für die Rolle viel Gesangstraining, probte die Stücke von Queen zudem auch nicht irgendwo, sondern in den berühmten Abbey Road Studios (The Beatles, Pink Floyd, Deep Purple, Depeche Mode, Oasis, Nick Cave, Robbie Williams) in London. „Ich werde kein Rockstar sein, ich werde eine Legende!“ Dieser berühmte Satz, den der junge Freddie Mercury noch lange vor der Gründung von Queen gesprochen haben soll, mag aus anderen Mündern arrogant klingen, doch in seinem Fall war es einfach prophetisch. Während Mercurys Kampf gegen AIDS nicht ausgeschlachtet werden soll, wird sein Privatleben durchaus eine große Rolle spielen: Sowohl seine langjährige Partnerin Mary Austin wie auch seine

GEWINN SPIEL Wir verlosen zwei Premierentickets für „Bohemian Rhapsody“ in einem österreichischen Cineplexx-Kino und einen Gutschein für ein ZweipersonenMenü im Hard Rock Cafe Vienna. Mehr Informationen und Teilnahmebedingungen siehe ticketmagazin.com!

Bohemian Rhapsody Rami Malek lässt im fantastischen Biopic Queen wiederauferstehen: Ab 1. November in den Cineplexx-Kinos.

gleichgeschlechtlichen Beziehungen finden Raum. Dennoch soll „Bohemian Rhapsody“ kein reines Mercury-Biopic werden, vielmehr soll die Geschichte von Queen und ihre Musik im Mittelpunkt stehen: „Bohemian Rhapsody“ wird 1970 beginnen, als Mercury sich mit Roger Taylor und Brian May entschloss, die Band zu gründen. Der Film begleitet Queen, während sie Hit über Hit produzieren, die Musikcharts anführen und dabei ihre Musik immer weiter entwickeln. Durch so grundverschiedene Songs wie „Killer Queen”, „Bohemian Rhapsody”, „We Are The Champions” und „We Will Rock You” sowie unzählige weitere Songs gelang der Band ein beispielloser Erfolg, der Freddie zu einem

der beliebtesten Entertainer weltweit, ja: zur Legende machte. Doch hinter der Fassade von Erfolg kämpfte Freddie mit seiner inneren Zerrissenheit. Enden wird der Film 1985, dem Jahr, in dem Queen bei Band Aid auftraten – sechs Jahre vor Mercurys Tod. Doch vor dem Tod kommt bekanntlich die Geburt: Mercury wäre am 5. September 72 Jahre alt geworden. Das nimmt das Hard Rock Rock Cafe Vienna zum Anlass, ihn im großen Stil zu feiern. Das Team wird den ganzen Tag als Freddie Mercury kostümiert sein, außerdem sind „Charity Schnurrbärte“ erhältlich, deren Erlöse dem Mercury Phoenix Trust, der sich dem globalen Kampf gegen HIV/AIDS einsetzt, zugutekommt.

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„Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ bietet eine fulminante Reise ins Reich der gigantischen Urechsen – „hautnah“. Bereits in den größten deutschsprachigen Städten aufgeführt, bietet die Show „Edutainment“ – Wissen unterhaltsam und spannend dargeboten – auf allerhöchstem Niveau. Bisher hieß es: „Gut gebrüllt, Löwe!“ Ab nun heißt es: „Gut gebrüllt, T. rex!“ TEXT: STEFAN BAUMGARTNER

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993 setzte eine Hollywood-Produktion neue Maßstäbe im Bereich der Spezialeffekte und Computertechnologie: Steven Spielbergs „Jurassic Park“. Erstmals in der Geschichte des Films erwachten die gigantischen Kreaturen aus grauen Vorzeiten, die Dinosaurier, lebensecht aus ihrem Jahrmillionen andauernden Tiefschlaf. Nicht nur waren computergenerierte von animatronischen Giganten nicht mehr zu unterscheiden, auch wirkten sie auf der Leinwand lebensnah wie das Eichhörnchen im Park oder der Elefant im Zoo. Dabei ist die Geschichte dahinter so einfach

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wie genial (wenn auch aus naturwissenschaftlicher Sicht hanebüchen): Multimilliardär John Hammond hat sich seine kindliche Begeisterung für die Urzeitechsen behalten und plant auf einer pazifischen Insel einen Erlebnispark mit paläontologischen Sensationen, den Jurassic Park eben. Möglich machte dies erst die Entdeckung einer im Baumharz eingeschlossenen Stechmücke, der man Dinosaurierblut als Grundlage zur DNA-Rekonstruktion entnahm. Allzu schnell kommt man schmerzlich drauf, dass Raptoren oder ein Tyrannosaurus ihre eigene Vorstellung von „Spiel, Spaß und Spannung“ haben.

Faktum und Fiktion Eines muss man John Hammond jedoch lassen – ein Park wie dieser würde ein jedes Kinderaugenpaar leuchten machen und selbst den abgebrühtesten Erwachsenen in ein schieres Staunen versetzen. Die Dinosaurier! Allein der Name ist schon bombastisch, der Rocky der Tierwelt. So alt wie die Urzeitechsen – bis zu über 200 Millionen Jahre – ist der Begriff freilich nicht. Erst 1842 wurde vom englischen Anatom Richard Owen das Taxon „Dinosauria“ aufgestellt. Dazu zählen seitdem die Theropoden (zweibeinige Fleischfresser wie der Tyrannosaurus), die Sauropodo-

Fotos: Live Nation

Die Dinosaurier Insgesamt 18 Dinosaurier neun separater Spezies sind die Stars aus einem „Land vor unserer Zeit“. Während der Brachiosaurus mit 17 Meter Länge protzt, ist der Star der Show freilich der Tyrannosaurus rex.


Fotos: Live Nation

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morphen (weitestgehend größere, pflanzenfressende Saurier mit langen Hälsen und Schwänzen wie der Diplodocus), Ankylo- und Stegosaurier, sowie Ceratopsia (allesamt vierbeinige Pflanzenfresser mit massiven Hautpanzern, an der Wirbelsäule entlang aufgestellten Knochenplatten sowie Hörnern und Nackenschilden wie zum Beispiel der Triceratops, der Stegosaurus und der Panoplosaurus), wie auch die Ornithopoden, weitestgehend zweifüßige Pflanzenfresser. Doch was macht die immense Faszination eigentlich aus? Die Imposanz der Tiere allein kann es kaum sein, auch Wal, Rie-

senkrake, Elefant oder Giraffe sind bombastische Tiere, alt ist ein Achat oder die Heidelberger Liederhandschrift auch, bekommt aber nur minder breitenwirkende Begeisterung zugeteilt. Vielleicht liegt es auch weniger an der Evolution der Saurier, weniger an ihrem naturwissenschaftlichen Faktum, vielmehr an ihrer Fiktion, an ihrer Kulturgeschichte, in der Fossilien tatsächlich nur ein Stück des Puzzles ausmachen. Immerhin weiß man nur wenig über das Knochenskelett Hinausgehendes – welche Farbe die Haut dieser oder jener Dinosaurier tatsächlich hatte, ist bis heute Erfindung, Fantasie, ein Konstrukt.

Popstar Dino Der Dinosaurier wandert nicht aus dem öden, staubigen Schulbuch in Kinderzimmer, sondern tritt von der Bühne „Film“ und „Comic“ in die kindlichen vier Wände, und das mit einem Kawumms. Gleich wie Godzilla oder King Kong stampfen die Monster querbeet und sorgen für Verwüstungen und durch Mark und Bein gehendes Geheul und Gebrüll – oder aber auch kindergerecht moralisierend und persönlichkeitsbildend wie in der ebenfalls aus dem Hause Spielberg stammenden Filmreihe „In einem Land vor unserer Zeit“, in der Kindchenschemata auf einen

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Nahrungskette Heute ist der Disput zwischen Herbivoren und Carnivoren vornehmlich amikaler. In grauen Vorzeiten jedoch haben die Fleischfresser ihre Artgenossen einfach noch verspeist. Hier macht gerade ein Allosaurus Jagd auf einen Stegosaurus.

actiongeladenen, tierischen Bildungsund Wanderroman treffen. Für Erheiterung wiederum und nicht für Angst und Schrecken sorgten „Die Dinos“ aus der Feder von „Muppets“Vater Jim Henson mit der vermenschlichten Dinosaurier-Familie Sinclair im Mittelpunkt der Erzählung, welche sich als eine Mixtur aus Moderne und einer fiktiven, von Dinosauriern bevölkerten Steinzeit präsentiert und ähnlich wie die Familie Feuerstein einer stereotypischen US-amerikanischen Familie nachempfunden ist – gewissermaßen „Roseanne“ mit Ganzkörperdinopuppen. Slapstick pur, im Zentrum freilich Baby Sinclair, das Vater Earl provoziert, indem es ihn „nicht die Mama“ nennt und somit die Bezeichnung „Papa“ umgeht. Mitlesende Väter aufgemerkt, Babies sind schlauer als man denkt! Im Reich der Giganten Was ist nun „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“? Verstaubte Museumsexponate, die von selbst zum Husten anfangen? Eine Ausstellung, eine Diashow, ein Film? Nun – am Bildschirm

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fing alles tatsächlich an. Tatsächlich produzierte die britische BBC – der Name bürgt für Qualität – 1999 eine dokumentarische Fernsehserie namens „Walking With Dinosaurs“, auf den deutschen Markt kam selbige unter dem Namen „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ auf ProSieben. Der BBC gelang eine Verbindung zwischen Fiktion und Faktum sowie Spannung und Bildung, präsentierte fesselnd einer altersmäßig breit gefächerten Zielgruppe paläontologische Erkenntnisse. Auf genau jener Serie baut nun die Show in der Wiener Stadthalle auf und wir sagen bewusst: Show, Live-Spektakel ist eine treffende Alternative. Ein theatralischer Zoo, in dem die Tiergartenbewohner vielleicht eigentlich tot und mechanisch sind, dabei aber nicht minder lebendig und „spontan“ wirken als Löwe, Affe, Panther und Elefant ums Eck in Schönbrunn. „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ ist eine fantastische Reise in die Urzeit, eine perfekte Illusion eines „Landes vor unserer Zeit“ mit monumentaler Kulisse und 18 Urechsen, die kunstfertig zum Leben erweckt wurden.

Anschaulich, unterhaltsam und dramatisch wird die Geschichte der Dinosaurier bis zu ihrem Untergang präsentiert. Die Zuschauer erleben hautnah, wie fleischfressende Dinosaurier sich im Laufe ihrer Evolution auf zwei Beine aufrichten oder wie pflanzenfressende Saurier scheinbare flinkere und beweglichere Angreifer in die Flucht schlagen. Nach dem Vorbild der TV-Serie ist die Show in eine emotionale Story eingebettet, die gleichermaßen berührt und fasziniert. Die Hauptakteure sind Tyrannosaurus rex, der Schrecken der Urwelt, Plateosaurus und Liliensternus aus dem Trias, Stegosaurus und Allosaurus aus dem Jura und Torosaurus und Utahraptor aus der Kreidezeit. Der größte von ihnen, der Brachiosaurus, ist 11 Meter hoch und misst von der Nasen- bis zur Schwanzspitze fast 17 Meter. Freilich ist die Show „populär“, dadurch aber familiengerecht – Suess, Murchison, Geinitz, Darwin oder Cuvier würden vermutlich „zu wenig Fußnoten“ finden, der Anspruch ist jedoch auch ein anderer: „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ weckt die Faszination an Dinosauriern oder bestärkt selbige, begeistert mit symphonischer Musik, realistischen Darstellungen und raffinierten Effekten, entführt in eine Welt voller ehrfürchtigem Staunen – und regt nicht selten dazu an, sich im Anschluss näher und intensiver „mit dem Thema“ zu beschäftigen. Hier fragen sich wohl einige der Eltern: „Und wann kommt endlich eine Show über Brokkoli?“

n „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ gastiert Anfang März in der Wiener Stadthalle (D), zur Monatsmitte in der Olympiahalle München. Auf oeticket.com sind FanTickets verfügbar, für Wien gibt es ticketPLUS+ Dinner im Restaurant Oben.


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Emanzipierte Heldin Starke Frauen, Freiheitsdrang, Fröhlichkeit und Lebenslust – das sind die Motive von José Montalvos neuester Tanzkreation „Carmen(s)“. TEXT: PAUL M. DELAVOS

Foto: Patrick Berger

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ür den spanischstämmigen Choreografen José Montalvo ist die Figur der Carmen und ihr Freiheitsdrang in jeder Frau und auch in so manchem Mann enthalten. Somit wird die Hauptrolle auf alle Tänzerinnen aufgeteilt und Carmen spricht simultan in den Sprachen der Welt: Französisch, Spanisch, Koreanisch … Was ihn an Carmen fasziniert, erklärt der Choreograf so: „Ich liebe diese mythische Figur, weil sie singend und tanzend die Revolte verkörpert.“ Carmen, das war zudem der Vorname seiner katalanischen Großmutter und die Lieblingsrolle seiner Mutter als Tänzerin. Bizets Musik mit ihrer „tragischen Leichtigkeit“ ist für Montalvo „eine echte Herausforderung“ für eine choreografische Version. Zwischen Flamenco und Hip-Hop, klassischer Oper und moderner Live-Musik, mit iranischer Dudelsackmusik, arabisch-andalusischen Klängen und koreanischer Perkussionskunst huldigt Montalvo in seiner hoffnungsvollen Arbeit „Carmen(s)“ der individuellen Freiheit des Einzelnen.

Koproduktionen Das Festspielhaus St. Pölten etabliert sich immer mehr als Koproduzent und ist mittlerweile ein wichtiger Partner im zeitgenössischen Tanz- und Circusschaffen geworden. Brigitte Fürle, Intendantin des Hauses, betont, dass es ihr allem voran um die Förderung freier Compagnien im Bereich des Tanzes geht, die keinen festen Repertoirestrukturen angehören: „Die großen europäischen Festivals entziehen sich zunehmend ihrer Rolle als Koproduzenten und verweisen auf den Imagegewinn der Compagnien durch die Einladung – das Festspielhaus St. Pölten sieht es jedoch auch als eine künstlerische Notwendigkeit, am Kreationsschaffen der großen Künstlerinnen und Künstler teilzu-

nehmen. Denn es sind vor allem ihre Kreationen, die künstlerische Ausnahmeproduktionen hervorbringen und die auch die spannendsten Begegnungen innerhalb der verschiedenen Kunstgenres riskieren.“ Nach „Carmen(s)“ werden drei weitere Koproduktionen – Sasha Waltzs „Kreatur“ (8. Dezember), „Requiem pour L.“ von Alain Platel und Fabrizio Cassol sowie der frankokanadische Cirque Éloize mit seiner neuen Kreation „HOTEL“ – in der kommenden Saison zu sehen sein. n „Carmen(s)“ erleben Sie am 13. Oktober im Festspielhaus St. Pölten. Weitere Inszenierungen des Stoffes: Von Laurence Dale im September am Tiroler Landestheater, dirigiert von Frédéric Chaslin in der Wiener Staatsoper im September und im Oktober und Dezember unter der Regie von Raúl Macías Ramos im Theater Akzent.

Starke Geschlechter Für den Choreografen José Montalvo steckt Carmens Freiheitsdrang in jeder Frau und auch in so manchem Mann.

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!ticket highlights

Donavon Frankenreiter Support: Luke Andrews Seit frühester Kindheit lebt Donavon Frankenreiter seine Kreativität auf zwei Wellen: Surfen und Musik. Beides praktiziert er aus vollem Herzen und ist damit äußerst erfolgreich. Fans rund um den Globus lieben ihn für seine authentische und ehrliche Persönlichkeit. Sein aktuelles, mittlerweile siebtes Studioalbum trägt den Titel „The Heart“. Donavon Frankenreiter beschreibt es als sein persönlichstes und emotionalstes Werk, es markiert den Beginn seiner zweiten Dekade als Solokünstler. 13. Oktober, ppc Graz und 14. Oktober, Wiener Metropol

Novum Seit ihrem ersten Auftritt 1967 haben sich Procol Harum stetig weiterentwickelt, aber Kopf der Band war immer Sänger, Pianist und Komponist Gary Brooker. Ein großer Teil der aktuellen Besetzung spielt schon seit Anfang der Neunziger zusammen. Dazu gehören Bassist Matt Pegg (Jethro Tull, Ian Brown), Drummer Geoff Dunn (Jimmy Page, Dave Stewart, Van Morrison), Gitarrist Geoff Whitehorn (Roger Chapman, Paul Rodgers, Roger Daltrey) und Hammondorgelspieler Josh Phillips (Pete Townshend, Midge Ure). 14. Oktober, Gasometer

Andreas Ferner Herbst und Winter in diversten Locations in Wien und Graz Liebe. Ist ein Killer. Murder Ballad sorgte bereits bei seiner Premiere 2012 am Off-Broadway für Furore. Der messerscharfe Musicalthriller von Julia Jordan (Preisträgerin des Jonathan Larson Awards) und die Indierock-Singer-Songwriterin Juliana Nash ist eine dramatische und spannende Dreiecksliebesgeschichte mit der jungen Sara im Mittelpunkt, deren scheinbar sorgloses Leben von der eigenen Vergangenheit getrübt wird. Liebe, Schmerz, Sehnsucht und Verlangen ziehen dabei in einen Strudel aus Gefühlen, der am Ende tödlich endet. Das Musical überzeugt mit rockiger Musik und gefühlvollen Balladen.

Murder Ballad 6. bis 28. Oktober, Sargfabrik

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Fotos: GEPA Pictures (ÖFB), Agentur3 (Murder Ballad), Rodney Bursiel (Donavon Frankenreiter), Severin Wurnig (Andreas Ferner), Barracuda Music (Procol Harum)

Procol Harum

(Noch) BildungsFERNER Der „Lehrer des Jahres“ lässt auf seinen großen Kabarett-Erfolg „Schule, OIDA!“ das Programm „BildungsFERNER“ folgen! Darin geht er auf humorvolle Weise den folgenden Fragen nach: Ist die Ganztagsschule die Rettung des Bildungssystems oder ist das Bildungsministerium noch zu retten? Handelt es sich bei „unter ferner liefen“ um Österreichs Platz beim Pisatest? Oder geht es doch um Österreichs Schüler, also die zukünftige Bildungselite, denen Andreas Ferner tagtäglich unter Tränen und Schweiß Wissen nahebringen möchte?


TIM_26_27_Highlights OEFB_g_KSB_k1.qxp_Layout 1 21.08.18 13:24 Seite 2

Das Nationalteam Österreich auf Torejagd in der UEFA Nations League Das österreichische Nationalteam startet im Herbst in die UEFA Nations League und trifft dabei in den Heimspielen auf Nordirland (12. 10.) und Bosnien-Herzegowina (15. 11.). Beide Partien werden im Wiener Ernst-Happel-Stadion ausgetragen, Beginnzeit ist jeweils 20:45 Uhr. Karten sind vorerst ausschließlich im Vorteils-Abo unter oefb.at/tickets und via ÖFB Ticket-Hotline (01) 96096 555 erhältlich. Die Ticketpreise liegen zwischen € 16,00 und € 106,00. Bestellungen für Karten der begehrten VIP-Kategorien können an vip@oefb.at gerichtet werden. Für Anhänger von Bosnien-Herzegowina ist der Sektor A/F vorgesehen. Die Fans werden dringend gebeten, ihre Tickets im entsprechenden Bereich zu buchen. Im Österreich-Sektor C/D sind keine Fanutensilien der Gäste-Teams erlaubt. ÖFB Reisen hat wieder attraktive Angebote für Fans aus ganz Österreich inklusive Anreise mit den ÖBB, Übernachtung und Tickets für die Länderspiele zusammengestellt. Die Fanreisen sind unter www.oefb-reisen.at buchbar.

Severin Wurnig (Andreas Ferner), Barracuda Music (Procol Harum)

12. Oktober (gegen Nordirland) und 15. November (gegen Bosnien-Herzegowina), Ernst-Happel-Stadion

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!ticket highlights The Ultimate Am 25. November ist es so weit: der kanadische Rocksänger Bryan Adams kommt nach Salzburg! Seit 1983 erreichte er in über 30 Ländern Nummer-1Platzierungen in den Charts. Adams hat in seiner Karriere über 100 Millionen Tonträger verkauft. Mit „I Do It For You“, „Summer Of ’69“ oder „Heaven“ landete er Hits, die wohl jedem im Gedächtnis geblieben sind. Dass Adams nicht nur als Headliner, sondern auch als Support-Act glänzt, hat er Anfang August in Toronto bewiesen, wo er ganz unverhofft bei einer Show von Taylor Swift auf der Bühne stand und gemeinsam mit der „Reputation“-Sängerin eben einen seiner Gassenhauer („Summer Of ’69“) auf die Bühne gebracht hat. Bei seiner Show im November steht er dann allerdings wieder im Mittelpunkt.

Bryan Adams

22. November, Dvorana Stozice (Laibach) und 25. November, Salzburgarena

Ecclesia Diabolica Evropa e.v. Behemoths neues Album „I Loved You At Your Darkest“ wird am 5. Oktober via Nuclear Blast veröffentlicht, gemeinsam mit At The Gates und Wolves In The Throne Room werden sie hierauf eine unheilige Dreifaltigkeit bilden und einen Schwarm der Verwüstung über den alten Kontinent bringen. Wenn der Auftritt am diesjährigen Brutal Assault Bände spricht, dann wird es feurig! 14. Oktober, Gasometer

Michelle

15. September 2019, Stadthalle (F) 1220 Dem Cloud-Rapper Yung Hurn wird seit seinen ersten musikalischen Ausrufezeichen eine ganze Menge zugeschrieben. Er ist unter anderem Punk, Dadaist, Avantgardist und Stilikone, ein Star wider Willen. Einer, der sich den Gesetzmäßigkeiten der Hip-Hop-Welt verweigert und gerade deshalb Künstler aller Couleur, Schriftsteller oder Modemacher anspricht, die in ihm einen Dadaisten fürs 21. Jahrhundert sehen. Die Yung-Hurn-Liebe der Kulturbohème geht mittlerweile sogar so weit, dass Yung Hurn kürzlich in einem Anzug von Gucci von der Modebibel Vogue angepriesen wurde. Ja selbst die sonst so konservative Tageszeitung Die Presse findet nur beste Worte über den Donaustädter!

Yung Hurn

1. Dezember, Brucknerhaus & 2. Dezember, Gasometer

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Fotos: LKS (Michelle), Bryan Adams (Bryan Adams), Barracuda Music (Yung Hurn), Grzegorz Gołe? biowski (Behemoth), Snorri Sturluson (Solstafir)

Behemoth

Tabu „Tabu – LIVE" ist die Fortsetzung einer künstlerischen Offensive, die Michelle bereits mit der Veröffentlichung ihres Albums „Tabu“ eingeleitet hat. Mit einem Team junger und progressiver Songschreiber und Produzenten im Rücken balanciert sie gekonnt auf der Grenze von Schlager und Pop: Beteiligt waren u. a. Joe Walter (Glasperlenspiel, Felix Jaehn, Jennifer Rostock, Christina Stürmer), Stephanie Stumph (Helene Fischer), Thorsten Brötzmann (Helene Fischer, Kerstin Ott, Matthias Reim, Ben Zucker) sowie Peter Plate und Ulf Sommer (Rosenstolz, 2Raumwohnung, Sarah Connor).


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Vienna Metal Meeting Mit: Sólstafir, Unleashed, Rotting Christ, Necrophobic u. a. Das Vienna Metal Meeting ist neben dem Kaltenbach Open Air das größte und härteste Festival Österreichs und konnte bereits in den ersten beiden Saisonen mit einem breit gefächterten Programm überzeugen. Doch die ersten Ankündigungen für die dritte Saison legen für Connaisseure der Brachialgenres Death, Black und Thrash noch ein Schäufelchen nach: Von Sólstafir über Unleashed und Fleshcrawl bis hin zu Rotting Christ und Necrophobic sind jetzt schon absolute Szenegrößen zu vermelden! Aber: Auch das Okkulte steht diesmal mit Urfaust und Our Survival Depends On Us hoch im Kurs!

Gołe? biowski (Behemoth), Snorri Sturluson (Solstafir)

11. Mai, Arena

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MODERNV Im Spätsommer tragen die coolen Mädels Lila. Dunkle Farben und urbane Coolness stimmen auf den Herbst ein. REDAKTION: ANGELIKA GOLDMANN

WARME OHREN Orange passt zu Lila und frech zu cool. Die orangen Beanies gibt es bei www.cheapmonday.com.

DER HERBST WIRD COOL Zoë Kravitz ist das neue Gesicht des Kult-Duftes Black Opium. Natürlich, feminin und avantgardistisch – das beschreibt dieses neue Duo wohl am besten. Die Musikerin und Schauspielerin ist im Herbst auch auf der Leinwand aktuell: „Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald“ läuft ab November in den Kinos. Erhältlich ist der Duft zum Beispiel bei www.douglas.at.

ES SCHALLT …

… einfach wunderbar mit Vinyl. Diese LP fehlt noch in deiner Sammlung! Schöne Stimmen für melancholisches Nachspüren. Herbstlich. www.urbanoutfitters.de

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NVAMP

!ticket lifestyle

Warme Ohren.

Orange passt zu lila und frech zu cool. Orange Beanie von www.cheapmonday.com Der Skull-Ring von Cheap Monday ziert im Herbst unsere zarten Finger. www.cheapmonday.com

SCHMUCKES TEIL

FLAUSCHIG Noch mögen wir es nicht so richtig glauben, aber die kühleren Tage werden kommen. Warm und kuschelig ist der Mantel aus der H&M Herbstkollektion. Ab September in den Shops und online auf www.hm.com.

BAUCHLADEN

Fotos: Hersteller

VIOLETT, AUBERGINE, LILA Mit dem Vice Lippenstift Marfa aus der Born to Run Collection von Urban Decay sind wir im Herbst farblich auf der richtigen Seite des Make-up-Spektrums. www.urban-decay.at

Dieses Jahr geht es einfach nicht ohne: Die späten Neunziger lassen mit dieser tollen Gürteltasche aus hellblauem Samt grüßen. www.urbanoutfitters.de

STOLZES SHIRT Wie könnte man besser in den Spätsommer starten als mit diesem Shirt voll Liebe? Aus der Love For All Collection von H&M, die in ausgewählten Shops und auf www.hm.com erhältlich ist.

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!ticket heimat

Himmel & Hölle Ein neues Freiheitsgefühl, mehr Ehrlichkeit zu sich selbst: die oberösterreichische Musikerin AVEC legt ihr zweites Album „ Heaven / Hell“ vor – und zeigt damit ihre musikalische und persönliche Weiterentwicklung. TEXT: AMINA BEGANOVIC termine Im Herbst und Winter geht AVEC auf große Album-ReleaseTour und macht dabei unter anderem im Orpheum Graz (25. 10.), im Wiener WUK (30. 10.), im Rockhouse Salzburg (7. 11.), im Spielboden Dornbirn (10.1 1.) und im OKH Vöcklabruck (22. 12.) halt. Auch im September ist auf den heimischen Bühnen einiges los: Seiler & Speer zelebrieren ihre live-haftige Rückkehr am 7. auf der Kasemattenbühne Graz, wo tags darauf auch Tagtraeumer aufspielen. Edmund laden am 13. zum Album-Release in die ((szene)) Wien, Wanda wiederum machen am 14. im Wörthersee-Stadion Klagenfurt Halt. 5/8erl in Ehr’n grooven am 21. im Plenkersaal Waidhofen und am 28. auf der Bühne Purkersdorf. Flowraq bringen am 27. Popsounds ins Theater am Spittelberg, folkshilfe beenden den Monat mit viel „Bahö“ am 28. in der Remise Amstetten und am 29. im VZ Gunskirchen. Erwachsen AVEC machte mit ihrem neuen Album einen Reifeprozess durch.

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schwertheit bestimmt sein sollte. Aber AVEC suchte nie den einfachen Weg, zumindest nicht in musikalischer Hinsicht. Die Schönheit sowie die Schattenseiten des Lebens sind die Dinge, die die mittlerweile 23-jährige Liedermacherin inspirieren – auch auf ihrem zweiten Album „Heaven / Hell“, das am 14. September via earcandy recordings erscheint. Damit geht AVEC nun in andere Richtungen und beweist den eigenen Entwicklungsprozess als Künstlerin, von ju-

gendlicher Schwermut hin zu einer neuen Reife, die aber nicht minder berührt. Wenn man den Titel deiner neuen Platte hört, könnte man meinen, es ist ein Album der großen Gegensätze. Es ist auf jeden Fall anders als das erste Album, es hat mehr Ecken und Kanten, ist weniger rund. Bei der ersten Platte war ich 19 Jahre alt, also extrem jung. Mit diesem Album bin ich wohl erwachsen geworden.

Fotos: Universal Music Hersteller

2015

tauchte die junge Singer-Songwriterin quasi aus dem Nichts auf und verzauberte mit ihrer filigranen Gitarrenmusik und einer Stimme, die eine Brücke zwischen zarter Leichtigkeit und rauer Melancholie schlägt. Ihr Debütalbum „What If We Never Forget“ wurde von Kritikern gefeiert, es folgten sogar Amadeus AwardNominierungen für die knapp 20-Jährige. Ein Alter, das eigentlich von Unbe-


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MUNDPROPAGANDA Die erste Singleauskopplung „Love“ hat im Mai gleich die Spitze der FM4-Charts erklommen. Was war die Inspiration für den Song? Natürlich die Liebe, beziehungsweise dieses Gefühl, wenn man wirklich unglücklich verliebt ist, dieser Zustand aber einfach nicht weggeht. Ich habe das selbst so erlebt, gut eineinhalb Jahre lang … Da kommt natürlich auch jede Menge Inspiration (lacht). Das Video dazu zeigt herrliche Aufnahmen von Irland, wo auch der Großteil des Albums entstanden ist. Wieso hat es dich dorthin gezogen? Das war in Donegal, im Nordwesten Irlands, ein unglaublich schönes Fleckchen! Irland stand eigentlich nie auf meiner Bucket List. Dann haben wir aber Produzenten Tommy McLaughlin gefunden und ihm geschrieben – der war sofort motiviert, innerhalb von nur einem Monat sind wir mit der kompletten Band rübergeflogen. Ich habe mich dabei in Irland verliebt, im August fliege ich zum mittlerweile 5. Mal hin, nur zum Songschreiben. Einfach ein Cottage mitten im Nirgendwo mieten … Das Alleinsein ist wohl die Quelle meines Songwritings.

Fotos: Universal Music, Hersteller

Mit welchen Themen setzt du dich noch auf dem neuen Album auseinander? Ich habe mich vor allem viel mit mir selbst auseinandergesetzt, wollte ehrlicher zu mir sein, nichts mehr schönreden … Ich bin ja Meisterin im Verdrängen von Dingen, aber diesmal habe ich mein Herz und meine Seele in die Texte gelegt, ohne etwas zu beschönigen. Frühere Songs von dir waren eher minimalistisch gehalten, nur Stimme und Gitarre. Nun sind neue Elemente vertreten, auch mehr Elektronisches, etwa bei „Close“. Wie kam es zu dieser Soundentwicklung? Die Idee mit dem voluminösen Schlag-

zeug am Schluss bei „Close“ ist uns in Irland passiert. Das war so ein Moment, wo ich plötzlich Gänsehaut mitten im Studio hatte, was bei den eigenen Songs eigentlich recht komisch ist (lacht). Es gab einen Punkt, wo wir es einfach passieren ließen, und es hat dann wie die Faust aufs Auge zum Song gepasst! So war es beim gesamten Albumprozess: Ausprobieren, sich Neues trauen, Elektronik mit Melancholie verbinden. Es sollte nicht das typische Singer-Songwriting mit Gitarre werden – was unglaublich schön ist, keine Frage, aber ich wollte diesmal mehrere Stilelemente mischen. Ich glaube, das haben wir ganz gut hinbekommen. Was bedeutet „Heaven / Hell“ für dich? Das Leben ist wie Himmel und Hölle aufgebaut, man sollte dazu stehen, dass es nicht perfekt sein kann. Es gibt eben diese Zeiten, wo man am Boden ist und einfach nicht mehr kann. Trotzdem kommen irgendwann wieder die schönen Momente ... Das habe ich auch selbst aufgearbeitet, denn diese Platte ist auch meiner Oma gewidmet, die leider im November verstorben ist. Sie hat gerade am Ende ihrer Alzheimer-Krankheit zwischen zwei Welten gelebt – das war eine unglaubliche Inspiration für das Album. Du bist auch außerhalb Österreichs viel unterwegs. Ist es anders für dich, als „daheim“ auf der Bühne zu stehen? Auf jeden Fall, in Österreich zu spielen ist mit viel mehr Druck verbunden. Daheim ist man doch etwas bekannter, daher glaube ich immer, dass die Erwartungen hier viel höher sind, als wenn ich im Ausland spiele – was eigentlich paradox ist! Ich kann auch noch gar nicht sagen, wie die neue Platte ankommen wird. Du schickst eben dein Baby in die Welt hinaus, danach liegt es nicht mehr in deiner Hand. Ich persönlich bin aber wirklich happy mit dem Album.

Hören Sie mal rein! Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. Oder? (ab, sb)

Animal Machine – High Treason Stoner Rock trifft auf Barber Shop: Animal Machine mixen verschiedene Sounds ohne Genregrenzen zu ihrem eigenen Stil.

LIVE Mother’s Cake – Live At Bergisel 3 Musiker plus viel Kälte plus ein leeres Skisprungstadion ergeben ein gelungenes Live-Album in toller Szenerie.

LIVE The Fictionplay – Tohu Bohu Die Band aus NÖ widmet sich dem Chaos der Welt – und oszilliert zwischen modernem Rock und progressiver Pop-Ballade.

Hold – Diners Club (EP) Gabriel Hyden packt als Alter Ego Sean Videre seine Beobachtungen unserer Gegenwart in gefühlvolle Songs.

LIVE Coinflip Cutie – Second Chance Eleganter Alternative schmiegt sich sanft in Folksounds ein und sorgt so für betörende Hooks und Melancholie.

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Verführungskunst empfiehlt

Das Wiener Metropol zeigt eine Neufassung von Mozarts „Don Giovanni“. !ticket sprach mit Regisseur und Darsteller Adi Hirschal u. a. über #MeToo, Volkstheater und Doppelbelastung. TEXT: PAUL M. DELAVOS

Don Giovanni ist ein ehemals sehr erfolgreicher Modeschöpfer, aber auch ein in die Jahre gekommener Liebhaber, der sich vergeblich gegen die Zeit und den Zeitgeist stemmt: Gendering, Binnen-I, Frauenquote, Gleichbehandlungsbeauftragte.

das wiener metropol

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Kann man „Don Giovanni“ 2018 nach #MeToo noch machen? Er ist ja ein ziemlicher Frauenheld. #MeToo hat mit „Don Giovanni“ nicht wirklich etwas zu tun. Eher mit den Frauen, die sich endlich gegen diese Attacken, wie sie nach wie vor geritten werden, wehren. Man kann ihn allerdings spielen: als Beispiel, wie es nicht geht. Es ist ein Stück über die Liebe und wie man Liebe versteht. Es steckt ja ein Stück Aufklärung dahinter, die im Stück ganz klar zum Ausdruck kommt. Es geht um die Vereinnahmung der Sexualität durch die Kirche. Das waren damals schon sehr

fortschrittliche Gedanken. Wie kam es dazu, „Don Giovanni“ auf die Bühne zu bringen? Wir haben schon 2006 „Così fan tutte“ bearbeitet und da kam die Idee, einen Zyklus zu machen. So kamen in der Folge „Don Giovanni“ und „Figaros Hochzeit“. Dazu natürlich die schönen Originalmusiken mit den hübschen Melodien, als Draufgabe noch etwas

Foto: Sabine Hauswirth

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er Schauspieler, Sänger, Entertainer und Regisseur Adi Hirschal reüssiert seit Jahren erfolgreich mit Neubearbeitungen bekannter Stoffe u. a. im Wiener Lustspielhaus, dessen Intendant er ist. Ab 3. Oktober ist nun im Wiener Metropol „Don Giovanni oder Der letzte Mann“ in einer Bearbeitung von Max Gruber frei nach W. A. Mozart & Lorenzo da Ponte zu sehen. Don Giovanni stemmt sich vergeblich gegen die Zeit und den Zeitgeist. Er ist in die Jahre gekommen und die Frauen weigern sich, Beute seines Eroberungsdrangs zu werden …

Seit 20 Jahren ist Peter Hofbauer Hausherr im Wiener Metropol. Das wird am 19. September mit einer großen Jubiläumsshow gefeiert. Zu Gast sind u. a. die hauseigene Formation „Gaudi Quattro“, „Insieme“ (Monika Ballwein, Christian Deix, Rene Velazquez und Erik Arno), Any Lee Lang mit seinen „Wonderboys“ sowie Adi Hirschal.


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aus der „Zauberflöte“. Da gibt es einiges zu entdecken und zu bearbeiten. Gute Stoffe sind ewig. Und es gibt erstaunlich viele große Stoffe, die sich mit dem Verführen und Verführtwerden beschäftigen. Die Musik von Mozart wurde bearbeitet? Ja. Wir haben das Glück, in Thomas Mahn einen kompetenten Musiker zu haben, der Mozart spielen, bearbeiten kann. Er stellt einen ungeheuren Fantasieraum zur Verfügung. Er weiß, wo es hingehen soll.

Foto: Sabine Hauswirth

Don Giovanni wird zum Schluss geläutert. Ist das eine gerechte Strafe? Ich weiß nicht, ob er geläutert ist. Er erfährt eine Strafe. Sicher ist, dass er bei uns überlebt – einigermaßen gerupft. Man darf nicht vergessen, dass es kein „Giovanni“ im klassischen Sinn ist. Wir machen Volkstheater im weitesten Sinn. Das hat seine Berechtigung und ist eine alte Tradition. Schon Nestroy hat sich die großen Stoffe hergenommen und geschaut, wo es etwas zu lachen gibt. Dieses Lachen ist uns sehr wichtig. Wird das Volk theatermüde? Nein, das glaube ich nicht. Theater ist ein Live-Erlebnis mit einen ganz bestimmten Zauber. Es gibt Trends, es gibt Leute, die während der Vorstellung am Handy fernsehen. Aber: sie gehen trotzdem ins Theater. Das Volk könnte allerdings müde werden, gewisse Formen des Theaters sehen zu müssen. Ich bin da sehr puristisch und vertraue darauf, eine Geschichte schnörkellos zu erzählen. Man soll nicht über zehn Ecken denken müssen, um mitzubekommen, worum es eigentlich geht. Ich bin begeistert von gut geschriebener Prosa. Die kann man inszenieren, aber

das beste Mittel, die Leute ins Theater zu locken, ist immer noch eine gut erzählte, identifizierbare Geschichte und sind immer noch die Schauspielerinnen und Schauspieler. Wir produzieren Publikumslieblinge. Unser Publikum ist ein eigenes Biotop. Es liebt das Erlebnis, will Sinnliches im Theater spüren. Man ist dabei, wenn Fehler passieren. Unser Theater hat mit Rhythmus, Intelligenz, Geschwindigkeit und Pointierung zu tun. Es ist die Faszination des gesamten Werkstückes, das man in einem Bogen sehen kann. Ist es eine besondere Herausforderung, wenn man selber spielt und gleichzeitig Regie macht? Das kann man so sagen. Das soll auch so nicht mehr passieren. Es braucht schon eine Menge Kraft. Man ist, wenn man selbst auf der Bühne ist, nicht mehr in der Lage, alles zu kontrollieren. Ich habe mich gerettet, indem ich meine Tochter Maddalena, die unseren Theaterstil am besten kennt, gebeten habe, mich als Spieler zu beobachten. Sie ist die perfekte Co-Regisseurin. Bald wird sie alleinverantwortlich Regie führen. Sieht sie aus weiblicher Perspektive Don Giovanni anders? Nein, sie kennt ja unseren Ansatz. Sie ist keine Ideologin. Sie ist geschmackssicher. Darauf setze ich. Ideologien haben im Theater nichts verloren. Ein Ideologe im Theater ist eine höchst komische Figur. n „Don Giovanni“, und zwar frei nach W.A. Mozart und Lorenzo da Ponte, spielt es im Oktober im Wiener Metropol. Ebenfalls im Metropol erleben wir Adi Hirschal mit Samtorchester de Luxe und Jubiläumskonzert zum 70. Geburtstag am 16. November.

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03.08.2019,, St. Margarethen Haltestellen: BGLD, NÖ, OÖ

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04.10.2018, Wien Haltestellen: BGLD, NÖ, OÖ, SBG, STMK

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09.02.2019, Innsbruck Haltestellen: SBG,T

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TIM_37_Location Orpheum Graz_g_KSB_k1.qxp_Layout 1 20.08.18 10:50 Seite 1

Lend-Viertler Flair Ob Rock-Star, Newcomer oder Comedy-Held: Jeder dritte Grazer besucht im Durchschnitt ein Mal pro Jahr das Orpheum. So die trockene Statistik. Für Kabarett-Guru Michael Niavarani ist es sogar sein Lieblingsauftrittsort. TEXT: ALEXANDER HAIDE

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as Herbert Pixner Projekt, Jennifer Rostock, die Sportfreunde Stiller, Gregor Meyle oder Suzanne Vega – wer in der Grünen Mark auftritt, gastiert zumeist im legendären Orpheum. Doch es sind nicht nur die internationalen und nationalen Stars, die das Traditionshaus zu einem Fixpunkt in der steirischen Kulturlandschaft machen: Eigenproduktionen wie das David Bowie Tribute-Konzert oder der „Styrian Science Slam“ und die Vorrunde zur Wissenschafts-Staatsmeisterschaft machen das Haus unweit des Grazer Schlossbergs (mit den „Schwesterspielstätten“ Kasematten und Dom im Berg) zu einem Dauerbrenner beim breiten Publikum. Das unterstreichen beeindruckende Zahlen: In der Saison 2016/17 zählte man im Orpheum 106.080 Besucher bei 390 Veranstaltungen – das ist mehr als eine Veranstaltung pro Tag, die durchschnittlich von etwa 290 Besu-

termine (auswahl) ab 22. September: steirischer herbst 6. Oktober: Saisonstart Festival mit Fiva u. a. 16. Oktober: Voodoo Jürgens 23. Oktober: Josef Hader „Hader spielt Hader“ ab 28. Oktober: Die Lochis 17. Oktober: Bodo Wartke „Antigone“ 7. Dezember: Granada 5. April: Madsen

Foto: Lupi Spuma

info Telefon: 0316/8008-9000 Web: spielstaetten.at 8020 Graz, Orpheumgasse 8

Orpheum Graz Es hat seine Gründe, warum nicht nur Michael Niavarani die Spielstätte im Künstlerviertel der steirischen Landeshauptstadt so schätzt: Das Haus hat Seele und Flair.

chern besucht wird. Mit 1.500 Quadratmatern, auf denen mehr als 1.200 Fans bei Stehkonzerten Platz finden, ist der „Große Saal“ der Mittelpunkt von Niavaranis Lieblingstheater. Auf dem Balkon und in den Logen können weitere 173 Personen Vorstellungen mit exklusivem Blick von oben beiwohnen. Zusätzlich zum „Main Floor“ ist das „Orpheum Extra“ im Obergeschoß längst zu einem Hotspot für kleine, aber feine Konzerte und Happenings geworden. Mit einem Fassungsvermögen für bis zu 300 Stehplatz-Gäste oder von 170 Sitzplätzen samt eigener Bar hat sich dort die „DoPop“-Serie, die jeden Donnerstag Auftrittsmöglichkeit für Nachwuchskünstler bietet, bestens

etabliert. Das „Orpheum Extra“ ist mittlerweile ebenfalls die traditionelle Heimat der „Grazer Blues Tage“. Gegründet als Varietétheater anno 1899, wurde das in Würde gealterte, dabei aber stets jung gebliebene Orpheum im Jahr 2016 sanft renoviert und technisch auf den letzten Stand gebracht, ohne die alte Patina mit dem Flair der Stars und Sternchen zu verlieren. Nicht nur damals, auch heute wird die auf Vielfalt fokussierte Location ihrem Ruf als eine der legendärsten Bühnen des Landes gerecht: So haben sich wieder etliche Publikumslieblinge angesagt, darunter Stermann & Grissemann, Voodoo Jürgens (singt Ludwig Hirsch), Josef Hader, die Lochis, Pizzera & Jaus und Conchita live mit Band.

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TIM_38_39_Kultour Kampfkunst_g_KSB_k1.qxp_Layout 1 20.08.18 10:51 Seite 1

!ticket kultour

Kampfkunst Theater ist nicht nur zur Unterhaltung da – deshalb stellen wir Ihnen drei neue Produktionen vor, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen beschäftigen. TEXT: PAUL M. DELAVOS

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steirischer herbst Unter dem Übertitel „Volksfronten“ findet von 20. September bis 14. Oktober die 51. Ausgabe des steirischen herbst statt. Das Kernprogramm erkundet u. a. das gegenwärtige politische Klima in Mittel- und Osteuropa, an dessen Grenze sich Graz vor dem Hintergrund einer erweiterten Gesamtausstellung befindet, die als solche an zahlreichen Orten der Stadt verstanden und erfahren werden kann. Dabei liegt das Augenmerk auf dem Lokalen, das von der Geschichte geprägt ist. Begleitend findet von 4. bis 7. Oktober das „musikprotokoll“, bei dem u. a. das RSO Wien & Klangforum Wien, das Duo Fred Frith & Bérangère Maximin sowie das Konus Quartett & Martin Brandlmayr auftreten. Es kommt zu einer Uraufführung von Georg Friedrich Haas durch das Talea Ensemble und das ensemble zeitfluss erforscht die Klangwelten von Joann Wozny.

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Nummer statt Mensch „Die Irrfahrt der St. Louis“ ist die Vorlage für Daniel Kehlmanns „Die Reise der Verlorenen“, in der eine Gruppe von Individuen zu einer namenlosen Masse wird.

bis in die Gegenwart spannt. Themen sind u. a. Meinungsfreiheit, Minderheitenschutz aber auch der gläserne Bürger und die subjektive Sicherheit. Deserteure Felix Mitterer hat das Auftragswerk „Vomperloch“ des Tiroler Landerstheaters zur Eröffnung der neuen Kammerspiele im Haus der Musik Innsbruck geschrieben. Vomperloch ist der Name ei-

Auf der Flucht Im Mai 1939 war es 937 Juden „erlaubt“, Deutschland zu verlassen. Sie befinden sich auf einem Schiff nach Kuba. Doch plötzlich lässt Kuba niemanden mehr ins Land: Daniel Kehlmann erzählt ab 7. September im Theater in der Josefstadt die Geschichte von Menschen, die ohnmächtig zum Spielball politischer und wirtschaftlicher Einflüsse werden. Für die Schifffahrtsgesellschaft sind sie Kapital, von Goebbels werden sie für Propagandazwecke missbraucht und auf Kuba von der Politik als Wahlkampfthema gesehen. Die Gesellschaft sieht die Geschehnisse zwar als tragisches, aber leider unabänderliches Schicksal. Eine Situation, die heute aktueller erscheint denn je.

Fotos: Jan Frankl, Ingo Pertramer, Deutsche Grammophon

nes abgeschiedenen und unzugänglichen Seitentals des Tiroler Karwendelgebirges. Dort bestand zwischen Sommer 1943 und Kriegsende ein Lager von Deserteuren. „Desertion galt damals als Schande, wird immer mit Schande behaftet sein. Ich habe dieses Stück mit der Intention geschrieben, die damaligen, heutigen und zukünftigen Deserteure von dieser Schande zu erlösen“, sagt Mitterer über sein Stück. Premiere von „Vomperloch“ ist am 7. Oktober.

as Volkstheater Wien bringt am 18. Oktober Christine Eders „Verteidigung der Demokratie – Politshow mit Musik“ zur Uraufführung. In ihrer mittlerweile dritten Arbeit für das Volkstheater befasst sich die Autorin und Regisseurin mit Grundfragen der Demokratie, des Parlamentarismus sowie der Freiheitsund Bürgerrechte. Es ist eine theatrale Standortbestimmung, die den Bogen ausgehend von den Überlegungen des Rechtswissenschaftlers Hans Kelsen, eines der Autoren der österreichischen Verfassung,


TIM_38_39_Kultour Kampfkunst_g_KSB_k1.qxp_Layout 1 20.08.18 10:51 Seite 2

KRAFT UND VISION Die Symphonien Nr. 4. und 11 von Dmitri Schostakowitsch werden von Andris Nelsons wiederbelebt.

DIE LETZTEN IHRER ART Douglas Adams, der britische Kultautor, u. a. bekannt für „Per Anhalter durch die Galaxis“, verfasste vergnüglich-nachdenkliche Reportagen über bedrohte Tierarten der Erde wie z. B. die Drachenechsen auf Komodo, die neuseeländischen Kakapos oder die Yangtse-Delfine in China. Tatort-Kommissarin Adele Neuhauser liest aus „Die Letzten ihrer Art“ und wird dabei vom KammerPunkJazz-Trio Edi Nulz begleitet.

„Die letzten ihrer Art“ spielt es am 27. September im Spielberger Kultur im Zentrum, am 1. Februar im Stadttheater Gmunden, am 2. Februar im Kultur Kongress Zentrum in Eisenstadt und am 28. Februar in der Johann-Pölz-Halle in Amstetten.

Dmitri Schostakowitsch fiel 1936, zwei Jahre nach der Uraufführung seiner Oper „Lady Macbeth von Mzensk“, bei Josef Stalin in Ungnade – der Diktator verließ das Theater während der laufenden Vorstellung. So verschwand die sich eben in Arbeit befindliche Symphonie Nr. 4 in der Schublade, die Partitur ging verloren und eine rekonstruierte Fassung kam erst 1961 zur Uraufführung. Andris Nelsons hat diese und die Symphonie Nr. 11, die bei manchen als Kritik am Sowjetstaat gilt, zusammen mit dem Boston Symphony Orchestra aufgenommen. Die Einspielung bringt die Klangwelt beider Symphonien zum Strahlen und wirkt dabei nie überladen.

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Unlängst wurde in New York eine Gitarre um 495.000 Dollar verkauft. Eigentlich keine besonders ungewöhnliche Gitarre: eine schon etwas zerschrammte Fender Telecaster aus dem Jahr 1965. Allein: sie gehörte Bob Dylan. Oder wurde zumindest von ihm gespielt, wie das Auktionshaus Julien’s mitteilte, dito von Eric Clapton und George Harrison. Und freilich war dieses Instrument ein wesentlicher Faktor der Entwicklung des AkustikFolk-Barden Dylan hin zum elektrifizierten Rock-Sänger. Jedes Pop-Museum weltweit würde sich diese Gitarre als symbolträchtiges Ausstellungsstück wünschen. Dabei steht längst die Ära der EGitarre selbst zur Disposition. Fenders großer Konkurrent, der Gitarrenhersteller Gibson, musste vor wenigen Wochen Konkurs anmelden – baut aber, keine Sorge, gewiss mit anderen Besitzern weiter seine legendären Prachtstücke. Dennoch machen sich Experten Sorgen: Wie das Buch stehen traditionelle Instrumente bei jüngeren Menschen nicht mehr allzu hoch im Kurs. Eine gewisse „Retromania“, die viel Geld in die Vergangenheit fließen lässt oder sie zumindest oberflächlich beschwört, ist zwar unzweifelhaft in Mode. Aber sie stirbt, wenn der Enthusiasmus nicht weitergegeben wird. Und zwar von Generation zu Generation. Ob ein Mischpult von DJ Avicii einst auch um Unsummen als Museumsstück angekauft wird? Walter Gröbchen

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Natalia Ushakova

1. Dezember, Berghotel Tulbingerkogel Mit dem Original Wiener Salonensemble Dass sich Wiener Blond in der Welt der Musikgenres schwer schubladisieren lässt, hat das Duo mit seinem zweiten Studioalbum „ZWA“ erneut bewiesen – Heurigenschmäh trifft auf Hip-HopGrooves, die fetzigen Beatbox-Loops tanzen Strauß-Walzer. Gemeinsam mit dem fünfköpfigen Original Wiener Salonensemble haben sie ein gemeinsames Programm erarbeitet, bei dem die Loopstation ausnahmsweise in den Hintergrund tritt und Platz für Streicherklänge macht. „Charmant, goschert und grantig“ bleibt aber dennoch das Motto des Abends.

Wiener Blond u. a. am 13. November, Theater Akzent Electrifying Das Herbert Pixner Projekt kommt nun nach einer kreativen Schaffenspause wieder mit einem neuen Programm, noch ausgefeilteren Sounds, noch experimentelleren Arrangements und einer neu inszenierten Bühnenshow zurück auf die Bühne. Unser Gespräch zu den Themen Andreas Gabalier, die Dolomiten, Sagen und Mythen lesen Sie auf ticketmagazin.com!

Herbert Pixner Projekt

laufend, u. a. in Klagenfurt, Eisenstadt, Innsbruck, Bregenz und Wien

Fotos: MVM (Natalia Ushakova), Konstantin Reyer (Wiener Blond), guentheregger.at (Herbert Pixner Projekt)

MONKEY BUSINESS

13. Tullnerfelder Advent Natalia Ushakova begann ihr Gesangsstudium am Rimsky-Korsakov-Konservatorium in St. Petersburg. Sie erhält ein Stipendium für das Grazer Opernstudio, wo sie alle wichtigen Mozartpartien singt, setzt das Studium mit der Meisterklasse an der Hochschule für Musik in München und der „Akademie di Perfezionamento“ des Teatro alla Scala fort. Sie gab bereits die Violetta in Verdis „La Traviata“ und Mimi in Franco Zeffirellis Inszenierung von „La Bohème“ in Mailand und trat in den größten internationalen Opernhäusern und Konzertsälen auf. Dank ihrer wundervollen Stimme, Musikalität und ergreifenden Bühnenporträts zu den Stars der Musikwelt. Das wird definitiv ein Highlight des diesjährigen Tullnerfelder Advents!


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Lazarus

Schlossklänge BILD: UDO TIETZ

BILD: LUPI SPUMA

BILD: ROBERT JOSIPOVIC

The Fountainhead

Plácido Domingo

14.09. bis 19.10.2018 Schauspielhaus Graz

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BILD: GÜNTHER EGGER

Vomperloch

BILD: PEDRO WALKER

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Disneyland de W

ie weit kann ich mit einem E-Auto fahren? Welche Gefahren birgt ein Elektrogerät und wie kann ich dieses Ding da vor mir überhaupt bedienen? Diese und viele andere Fragen aus dem Alltag illustrieren die Unsicherheit, die noch heute mit dem Thema Elektromobilität mitschwingt. Dabei hat sie längst in jedem Wohnzimmer und jeder Hosentasche Einzug gefunden, denn sie besteht nicht nur aus benzinfreien Autos und über unseren Köpfen kreisenden Drohnen, sondern auch aus profanen Dingen wie einem Fernseher oder dem Smartphone. „Wenn es aber um ein E-Auto geht, dann wissen die Leute oft nicht einmal wo sie überhaupt nachfragen sollen, wenn sie nicht wissen, wo sie es anstecken müssen“, erklärt Philipp Berkessy, Head Of Marketing des Projekt Spielberg, das die am 29. und 30. September stattfindenden „E-Mobility Play Days“ am steirischen Red Bull Ring in Szene setzt.

letztes Jahr zu einem veritablen Erfolg. An zwei Tagen besuchten rund 31.000 Menschen das Gelände und es wurden mehr als 3.000 Fahrten mit Elektroautos abgewickelt – heuer will man die Statistiken in allen Bereichen nach oben treiben. „Wenn das Wetter mitspielt, wäre das Ziel 45.000 Besucher und bei der

dritten Auflage im nächsten Jahr mehr als 70.000. Dann wären wir nicht nur das größte E-Event der Welt, sondern auch unter den Top drei aller Veranstaltungen am Red Bull Ring.“ Die Umgebung ist freilich mitentscheidend für den Erfolg. „Die Marke Red Bull Ring ist natürlich extrem stark. Große Auto-

Kraft der Marke Die Veranstaltung dient als Brückenbauer zwischen Hersteller und Konsument. Sie will Vorurteile abbauen und den Menschen die breite und nur schwer eingrenzbare Welt der Elektromobilität verständlich und interaktiv näherbringen. Die Erstauflage des Events wurde

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Erfolgsgeheimnis E-Mobility Die Coolness und die Vielfalt der Produkte sind das größte Plus. Außerdem kann man nicht nur wie hier zuschauen, sondern auch selbst ausprobieren …

Fotos: Red Bull

Am 29. und 30. September finden am steirischen Red-Bull-Ring die zweiten „E-Mobility Play Days“ statt. Ein Event, das sich ganz der Zukunft verschrieben hat und als Brückenbauer zwischen Innovator und Konsument dient. TEXT: ROBERT FRÖWEIN


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Fotos: Red Bull

er E-Mobilität mobilhersteller und Partner kennen uns und wissen, dass wir etwas Tolles auf die Beine stellen können. Insofern haben wir von dort auch sehr viel Vertrauensvorschuss.“ Das Geheimnis des Erfolgs der „E-Mobility Play Days“ fußt vorwiegend auf der Interaktivität. „Das Spielerische ist immens wichtig“, erklärt Berkessy, „denn wir sind ja keine Messe. Die Coolness und die Vielfalt der Produkte sind unser größtes Plus. Das wahre Highlight ist, dass man all das bei uns nicht nur anschauen, sondern selbst ausprobieren kann.“ Dass es nicht immer leicht ist,

die Attraktivität von Elektromobilität begreifbar zu machen, streitet Berkessy gar nicht ab. „Prinzipiell sind wir eine extrem leise Veranstaltung und müssen den Menschen die Produkte daher auf anderem Wege näherbringen. Normalerweise brummt es am Ring ja in alle Richtungen, bei uns ist alles sehr ruhig, doch die meisten wissen gar nicht, wie spannend das Thema ist. Bei uns ist es möglich, auf dem Ring E-Sportwagen Probe zu fahren und jeder, der das einmal gemacht hat, weiß, dass ein Porsche Kinderkram dagegen ist. Wir führen die Leute behutsam an das Thema ran, lassen

sie überall mitmachen und wollen AhaEffekte bieten. Künftig werden monatlich zehn neue coole Sachen entstehen und wir wollen von Anfang an dabei sein.“ Drohnen-Champions-League Der Vielfältigkeit ist bei den „E-Mobility Play Days“ keine Grenze gesetzt. Nicht nur Autos und Motorräder, auch Boote, E-Roboter, diverse Prototypen und ein Koffer, der dem Besitzer von alleine nachfährt, zählen zu den Programmhighlights. „Von der Formel E war letztes Jahr ein Auto vor Ort, heuer sind es zumindest fünf. Wir haben die ersten EMotorräder der Moto GP am Start, der Autohersteller Jaguar hat sich in das Programm eingeklinkt und nicht zuletzt wird man bei uns erstmals die DroneChampions-League sehen können.“ Sie wird online oder live im TV in mehr als 100 Länder übertragen und den Wettkampf auf den Champs-Élysées verfolgten mehr als 800.000 Menschen. Die Profis der Drohnen-Rennserie werden auf einem speziell für den Red Bull Ring gestalteten Parcours ihr Können unter Beweis stellen. Die Renndrohnen werden sich unter anderem auch Duelle mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen liefern. „Wenn man die Drohne gemeinsam mit der entsprechenden Kamera und einer Videobrille nützt, fühlt sich das fast so an, als würde man selbst durch die Luft fliegen“, erklärt Herbert Weirather, Chef der Drone Champions League. Um eine bessere Übersicht zu garantieren, wird der Ring am Veranstaltungswochenende in eine Nord- und eine Südhälfte aufgeteilt. Während die Be-

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Leiser Gummi Normalerweise brummt es am Ring aus allen Richtungen. Obwohl es bei den E-Mobility Play Days ruhiger zugeht, bedeutet dies noch lange nicht weniger Action …

Wissen ist Macht Während Elektrogeräte mittlerweile Teil des Alltags sind, wissen viele Leute nicht einmal, wo sie ein E-Auto anstecken müssen.

Keine langweilige Messe „Das wahre Highlight ist, dass man all das bei uns nicht nur anschauen, sondern selbst ausprobieren kann“, weiß Philipp Berkessy, Head Of Marketing des Projekt Spielberg.

sucher auf dem Nordteil das Steuer selbst fest in der Hand haben, werden am Südkurs Prototypen, einzigartige E-Sportwagen und andere Meisterwerke der Technik für Furore sorgen. „Beim Debüt ist natürlich noch nicht alles perfekt gelaufen, aber wir haben auch sehr viel daraus gelernt“, blickt Berkessy zurück, „wichtig war uns etwa, dass die Veranstaltung heuer Samstag und Sonntag stattfindet, damit Menschen, Familien, Freunde oder ganze Schulen zwei volle Tage am Ring ausschöpfen können. Zu-

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dem haben wir alles kompakter gemacht. Wir haben die Wege zwischen den einzelnen Programmpunkten verkürzt und es wird Leitinformationen geben, die durch das gesamte Wochenende führen.“ Grenzerweiterung Zu den Gästen bei den „E-Mobility Play Days“ zählen unter anderem Verkehrsminister Norbert Hofer, der deutsche Comedy-Shootingstar Oliver Gimber und noch viele andere namhafte Personen aus der großen Welt der Elektro-

mobilität. „Wir hatten viele unterschiedliche Gesichter von Armin Assinger über Renate Götschl bis hin zu DTM- oder Moto-GP-Fahrern vor Ort. Die E-Mobilität steht ja für die Vielfalt, da kann man das Event nicht mit einer spezifischen Person verkaufen.“ Der Promifaktor wird aber ohnehin von den technischen Innovationen und Gustostückerln bestimmt, am „schönsten Spielplatz Österreichs“ werden die Grenzen für die Zukunftstechnologie erweitert. „Wir wollen möglichst eine Komplettabdeckung der gesamten Thematik. Wir haben viel von anderen Veranstaltern gelernt, sehen uns selbst aber als das Disneyland der E-Mobilität. Uns sind keine Grenzen gesetzt.“ n Die E-Mobility Play Days finden am 29. und 30. September am Red Bull Ring in Spielberg statt.


TIM_45_Rueckblick Ed Sheeran_g_KSB_k1.qxp_Layout 1 20.08.18 10:53 Seite 1

!ticket live is life www.mutausbrueche.com

I was expecting that Jamie Lawson, Anne-Marie, Ed Sheeran und ihre wunderschöne Musik, eine warme Sommernacht, 50.000 Menschen im Stadion und ich mittendrin.

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d Sheeran und ich – diese Liebe besteht schon sehr lange. Die Karten vom Konzert waren so schnell ausverkauft, dass Mister Sheeran Gott sei Dank eine Zusatzshow spielte und die war natürlich auch sofort ausverkauft. Zu Recht! Der Abend startete mit dem wunderbar kitschigen Sänger Jamie Lawson („Wasn’t Expecting That“ kennt ihr von ihm, oder?) und der verrückten

Fotos: Antonia T. Schulz

Wenn ihr die Möglichkeit habt, geht unbedingt mal auf ein Konzert im Ernst-Happel Stadion (Stehplatz!). Dort kann man nicht nur Fußballspiele anschauen, sondern sich auch tolle Konzerte mit super Atmosphäre anhören – ganz große Empfehlung!

Tipp!

Anne-Marie. Ich sag euch eines: Besser hätte die Einstimmung auf den eigentlichen Star des Abends nicht sein können. Vor allem Anne-Marie hat es mir mit ihrer Art und Stimme so angetan, dass ich mir gleich all ihre Songs in meine SommerPlaylist gespeichert habe! Als alle dann sehnsüchtig auf den wichtigsten Star des Abends warteten, betrat Ed Sheeran um 20:45 endlich die Bühne. Ganz alleine natürlich – nur er, seine Gitarre und seine Loop-

Antonia T. Schulz, Studentin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, Bloggerin (www.mutausbrueche.at) und nicht zuletzt oeticket.com-Kundin, besucht für !ticket jeden Monat ein Konzert und berichtet darüber. Dieses Mal war sie am 7. August im Ernst-Happel-Stadion bei Ed Sheeran.

Station. Ich dachte immer, Stars brauchen immer eine Band im Hintergrund aber Ed Sheeran schafft das alles alleine und es klingt dazu noch unglaublich! Der Abend war begleitet von alten Liedern wie „Thinking out loud“, noch älteren Songs wie „The A-Team“ aber natürlich auch Songs vom neuen Album wie „Galway Girl“. Die Mischung aus Schnell, Langsam, Alt und Neu war einfach perfekt und das schönste war, dass er das Publikum integrierte und auch einen Witz nach dem anderen machte. Der geborene Entertainer eben! Ich muss sagen, das war das erste Konzert, wo wirklich keiner still stand und jeder mitsingen musste. Nicht nur weil er uns dazu ermutigte, sondern weil’s auch bei seiner Musik gar nicht anders ging! Danke Mister Ed Sheeran – du hast den Abend mit deiner Musik und dem verdammt guten Wetter zu etwas ganz Besonderem gemacht – aber mal ehrlich: Ich hab’ auch nichts anderes erwartet!

Kunden, die zu Ed Sheeran gingen, kauften auch Tickets für Christina Stürmer im Mai in Wien und Graz, AnnenMayKantereit im April und Mai in Graz, Innsbruck und Wien, Lena im Oktober im WUK, George Ezra im Oktober im Gasometer, sowie Alex Clare im November im WUK. Tickets für alle Veranstaltungen finden Sie auf oeticket.com!

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MUNDPROPAGANDA Hören Sie mal rein! Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. Oder? (sb)

Crippled Black Phoenix – Great Escape Greaves Depressionen folgend schleichen sich die neuen Post-Prog-Stücke beinah schüchtern-melancholisch aus dem Äther.

Spielwiese Ein Wollknäuel kommt selten allein: Der zweite Teil von „Unravel“, des charmanten Plattformers aus Schweden, erobert erneut die Herzen – für Singles und Paare geeignet! TEXT: JOACHIM SCHMIDA Unravel Two Electronic Arts für PS 4, Xbox One, PC Als vor mehr als zwei Jahren Unravel erschien, waren wir verzückt von diesem Feel-good-Game. Die Niedlichkeit der Präsentation, der entspannte Rätselspaß und das insgesamt bezaubernde Erlebnis sind auch beim Nachfolger noch immer vorhanden – mehr noch: Unravel Two hat einfach mehr Spielwitz! Mit viel Liebe zum Detail kann der Side-Scroller dank der verbesserten Jump ’n’ Run-Elemente wie der spritzigeren Knobelaufgaben bei uns ein Funkeln in den Augen auslösen. Der neue Couch-KoopModus ist dabei grandios umgesetzt – die Reise des Garn-Duos lässt sich übrigens auch solo ganz herrlich meistern. Einen geringen Wiederspielwert sowie gewisse Rätsel-Monotonie kann man MINUS dem Spiel durchaus vorwerfen. FAZIT Unsere Knie werden weich wie Wolle: Das Studio Coldwood strickt uns mit dem Sequel einen der wohl herzerwärmendsten Plattformer der letzten Zeit. Somit ist auch „Unravel Two“ – wie schon der Vorgänger – ein poesievolles sowie rätselreiches Kleinod und ein generell sehr sympathisches Spiel.

PLUS

LIVE Anti-Flag – American Reckoning Ein akustischer Streifzug durch die letzten beiden Alben, Cover von John Lennon, Cheap Trick & Buffalo Springfield inklusive.

Ane Brun – Live At Berwaldhallen Brun kollaboriert mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra und entfesselt einen berührend-atmosphärischen Karriererückblick.

Superfjord – All Will Be Golden Am zweiten Album der finnischen Prog-Heroen dreht sich alles um (Traum)reisen, und so klingt der langbögige Mandala-Trip auch …

alt-J – Reduxer Der „Relaxer“ erfährt von globalen Rappern und Produzenten eine neue Interpretation, besonders gelungen: „In Cold Blood“.

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Pro Evolution Soccer 2019 Konami verleiht seiner Kicker-Simulation mit zahlreichen neuen Features und Verbesserungen den nächsten Schliff.

Shadow of the Tomb Raider „In the Jungle, the mighty jungle …“: Lara wagt sich wieder in ein neues, „bislang gefährlichstes“ Abenteuer.

Spider-Man Der Spinnenmann begibt sich nun PS4exlusiv auf Verbrechensbekämpfung in den Schluchten der New Yorker Wolkenkratzer.

Fotos: Hersteller

HEISSE NEUERSCHEINUNGEN & KOMMENDE HIGHLIGHTS


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!ticket media SLASH

Living The Dream Früher, bei Guns N’ Roses oder Slash’s Snakepit, da wollte man noch Platten kaufen, allein weil das Cover gerade in Übergröße so famos und begehrlich war. „Living The Dream“ hingegen geht, noch mehr als sein Vorgänger, mit der Zeit: Eigentlich reicht da ein Download auch schon aus. Sofern sich ein solcher denn rechnet, ist Slash wieder-wiederholte Kollaboration mit dem Goldkehlchen von Alter Bridge ähnlich billig und schrill-schmal-

IAN GILLAN

zig geraten – und wer stellt sich schon ernsthaft eine Blume aus dem Gemeindebau auf Balkonien? Gewiss, Slash beherrscht sein Instrument, Myles singt sauber und auch die Konspiratoren beherrschen ihr Handwerk, doch Ecken und Kanten, ein dem Rock ’n’ Roll zuträglicher Biss auch nur irgendwo zwischen „Appetite“ und „Five O’Clock“ sucht man vergeblich, „Living The Dream“ könnte mühelos als Sputum Aerosmiths durchgehen, verfügte Tyler nicht selbst in Larmoyanz über eine behaartere Brust. Einzig zwei Nummern – „Lost Inside The Girl“ und „The Great Pretender“ – retten vor einem Totalausfall, wobei bei erster Myles endlich! singulär! die elendigen Kuschelpfade verlässt und ein paar Tonlagen tiefer brilliert, während zweite nach einem Zitat irgendwo aus dem übermächtigen Hardrock-Kanon klingt. Darüber hinaus: seichte, balladeske oder behutsam rockende Kost, die beinah zwanghaft auf Hit getrimmt exakt daran scheitert und in einer im Pop-Zirkus geschulten Opulenz zugrunde geht. (sb)

2.5/5

INTERPOL

CYPRESS HILL

LIVE Elephants On Acid Acht Jahre sind seit „Rise Up“ ins Land gezogen, Zeit, die man offenbar nicht nur mit u. a. Prophets Of Rage, sondern auch großzügigen Bewusstseinsstimulierungen überbrückte: Bizarr wie der Titel, dabei aber härter als zuletzt klingt das neunte Album, das auch vor psychedelischen Oriental-Sounds nicht zurückschreckt. Doch keine Sorge: Das Lichte des Orients wird in den Okzident verdreht, der Elefant stampft durch ein schräges Dunkel, das einem jazzig-verqueren Hirn wie Tim Burton entsprungen sein könnte. (sb)

REBEKKA BAKKEN

LIVE And The Javelins Ian Gillan kennt man zuvörderst von Deep Purple, nun hat er aber mit der Band aus seinen Knabentagen ein Album aufgenommen – mit Coverstücken aus dem Pop, Soul, Blues und Rock ’n’ Roll, so wie es „in den güldenen Zeiten“ modern und populär war. Das ist zwar keine rein staubige Nostalgie allein, die da aus dem Äther swingt, aber doch ein vielleicht zu charmanthöflicher Blick zurück – Adjektive, die für einen Charakter wie Gillan nun doch ungewöhnlich scheinen. (sb)

Marauder Auf „El Pintor“ war der Bass für ihn noch Neuland, nun steht der Rhythmus nicht nur für Banks im Fokus: „Marauder“ ist durchwegs beatfokussiert geraten, mit geometrischen Gitarren, die sich im pochenden Fahrwasser schlängeln und mit den neuerdings weniger abstrakten Geschichten verquirlen. Somit legen Interpol die musikalische Stagnation endlich ad acta, lassen „Marauder“ als Hedonist mit Rückgrat geraten, vermengen tollkühnes Denken nun doch wieder mit unbeirrbaren Klängen. (sb)

Things You Leave Behind Es ist nicht nur der Titel der Schlussepisode von „Star Trek: Deep Space Nine“, sondern auch der des hoffentlich nicht finalen Albums Bakkens: Für die wieder in Norwegen logierende Sängerin ist „Things You Leave Behind“ zu einem persönlichen Befreiungsschlag geraten, changiert sie doch flatterhaft zwischen Introspektiven und Perspektiven, vermischt dabei Klänge aus Gospel über Country bis hin zu Pop, die allesamt allein durch ihre ureigene Stimme zusammengehalten werden. (sb)

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!ticket plug&play

Plug&Play-Tipps Hersteller nutzen den allerneuesten Stand der Technik, um großen Sound im Kleinformat zu verwirklichen. Wir stellen erschwingliche, durchdachte Lösungen vor, die alltagstauglich sind und guten Sound mit feiner Ausstattung kombinieren. TEXT: AMANDA PENISTON-BIRD

Eine große Schuhschachtel. Der Double Four (Modell BG-75) ist der ultimative Micro-Bass-Amp. Mit der neuesten Treiber- und Digitalverstärkertechnologie ausgestattet, begeistert der winzige Combo mit dem beeindruckenden PJB-Signature-Sound. Kaum größer als eine Schuhschachtel, scheint der Double Four physikalischen Gesetzen zu trotzen. Den Clean-Ton haben die Entwickler beeindruckend gut hinbekommen. Der kleine, transportfreundliche Amp besitzt die Fähigkeit, die volle Bandbreite an Bassfrequenzen bis zum tiefen H hinunter zu produzieren. Technisch ist der Double Four ausgefeilt. Der 70-W-Verstärker ist mit zwei 4"-Neodym-Treibern bestückt, die hochpräzise arbeiten. Jeder 4"-Treiber wird von einem eigenen PWM-Verstärker gespeist. PWM-Verstärker arbeiten viel effizienter als herkömmliche Transistorverstärker und die niedrigere Betriebstemperatur verlängert die Lebensdauer. Auf der Sommer-NAMM in Nashville wurde der Double Four mit einem „Best in Show“-Award ausgezeichnet. Der Verstärker, der für kleine Gigs und als edler Übungsamp konzipiert ist, kam bei Standbass-Spielern ebenso gut an wie bei E-Bassern. pjbworld.com

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RØDE VideoMic Me-L Mehr als nur ein Meidlinger „L“. Das neue, erschwingliche, professionelle Richtmikrofon von RØDE verspricht eine drastische Verbesserung der iPhone-Audio-Aufnahmequalität. Die hochwertige Vorverstärkung und Digitalwandlung mit 24 Bit und 48 kHz erfolgen bereits im VideoMic Me-L. Das Aufnahmesignal wird direkt digital übertragen und umgeht den Preamp/Wandler-Chip des iPhones. Das „L“ im Modellnamen steht für den integrierten Lightning-Stecker, für den Anschluss an aktuelle iOS-Geräte mit Lightning-Connector. Eine Stereo-Kopfhörerbuchse ist auch eingebaut. Sofern es die App zulässt, kann man somit schon während eines Videodrehs die Tonaufnahme kontrollieren, auf jeden Fall spart man sich das lästiges Umstecken von Mikrofon auf Kopfhörer. Das Mono-Richtmikrofon mit 1/2"Nierenkapsel und 90 Grad-Einsprechwinkel ist gut für Sprachaufnahmen geeignet, aber auch für jede andere Art von Schallquellen einsetzbar. Im Lieferumfang des VideoMic Me-L ist ein De-luxe-Fellwindschutz inkludiert. rode.com

Fotos: Hersteller

Phil Jones Bass Double Four


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Positive Grid BIAS AMP 2 Mobile Eine fantastische Weiterentwicklung der Vorgängerversion. Die mobile App „BIAS AMP 2 Mobile“ für iPhone und iPad wartet mit einer neuen Anwenderoberfläche, neuen Amps und Röhrentypen sowie Trafos, Klangregelnetzwerken und mehrfach mikrofonierten Lautsprecherboxen auf. Sie ist einerseits ein hochwertiger, mobiler Stand-alone-Modeling-Prozessor für Gitarristen und Bassisten und andererseits ein über Bluetooth nutzbarer Editor für BIAS-Hardware-Geräte wie Head, Rack und die neuen Mini-Amps. Als Basisanwendung zur Steuerung der Hardware ist die App kostenlos. Die volle Standalone-Funktionalität wird durch In-App-Käufe geboten, verfügbar sind zum Beispiel diverse Amp-Packs, der Zugriff auf die ToneCloud, die Integration von BIAS FX, ein neues Lautsprechermodul und Celestion-Packs. positivegrid.com

Zoom LiveTrak L-20 Digitalmischpult

Fotos: Hersteller

Flaggschiff. Auf den LiveTrak L12 folgt das neue, große Flaggschiff: Der L-20 ist mit erweiterten Funktionen und Hardware-Upgrades für aufwendigere Setups und Arrangements ausgerüstet. Zur Verfügung stehen 20 diskrete Audiokanäle mit 16 Mono-Mic/Line-Eingängen und zwei Stereo-Eingängen für die Aufnahme von 22 Tracks (20 Kanäle plus eine Stereo-Mischung) in Auflösungen von bis zu 24 Bit/96 kHz. Aufgezeichnet wird auf die interne SD-Karte und/oder gleichzeitig über USB auf einen angeschlossenen PC oder Mac. Sechs unabhängige Monitorausgänge für Musiker stehen bereit, mit individuellem Custom-Mix für jeden Ausgang. Die Ausgänge sind zwischen Kopfhörerausgang und symmetrischem Line-out umschaltbar. Der L-20 kommt mit zwei integrierten Effekteinheiten und bietet auch zwei individuelle EFX-Sends pro Kanal. Für die drahtlose Fernsteuerung der meisten und wichtigsten Funktionen ist eine kostenlose iOS-App verfügbar. zoom.co.jp

Mooer Preamp LIVE Kleine Röhre. Der Mooer Preamp LIVE ist das Flaggschiff der beliebten Micro-Preamp-Serie. Über die Plattform lassen sich Amp-Sounds auf der Bühne und abseits davon bequem einrichten und steuern. Der Multi-Preamp Modeler enthält u. a. 50 authentische Vorstufenmodelle von bekannten Gitarrenverstärkern, 30 Cab-Sims, einen Effektweg sowie eine Tone-Capture-Funktion, um den Klang eigener Verstärker „einzufangen“ und mit dem Mooer Preamp LIVE überallhin mitzunehmen. Die hohe Qualität der digitalen Vorverstärker-Modelle wurde in vielen Tests weltweit gelobt. Jedes der 50 Preamp-Modelle ist eine detailgetreue Nachbildung eines echten Röhrenverstärkers. Der Preamp LIVE ist intuitiv zu bedienen, erfüllt anschlussseitig alle Wünsche und gefällt mit Features wie Unterstützung von IRS von Drittanbietern, MIDI-Kompatibilität, zusätzlichen Setup-Optionen, 3-Band EQ, True-Bypass, einen separaten Kopfhörerausgang sowie USB-B-Anschluss. mooeraudio.com

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Fantastisch

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Das /slash Filmfestival hält von 20. bis 30. September zum neunten Mal die Stadt in Atem. Als Ehrengast begrüßt man den deutschen Schauspieler Udo Kier, dem eine Hommage gewidmet ist. TEXT: ANDREAS UNGERBÖCK

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Fantastische Expansion Der Erfolg gab Markus Keuschnigg, der seit Jahren auch die ähnlich heftige „Nachtsicht“-Reihe beim CrossingEurope-Filmfestival in Linz programmiert, und seinem Team recht, und so ist es kein Wunder, dass die Veranstaltung im neunten Jahr – wie Filmfestivals das nun einmal weltweit tun – erneut expandiert: Neben dem altbewährten Film-

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Prominenz und Programmvielfalt Stargast des diesjährigen /slash-Filmfestivals ist Udo Kier. Gezeigt wird neben rund 60 Filmen unter anderem sein neuester Streich „Puppet Master: The Littlest Reich“.

casino in Margareten wird das Metro Kinokulturhaus in der Wiener Innenstadt zur zweiten Heimstätte des /slash. Damit, so die Veranstalter, will man weniger das Programm ausdehnen, als vielmehr einem oft geäußerten Publikumswunsch nachkommen, nämlich dem nach mehr Wiederholungsvorstellungen. Zu sehen sind auch in diesem Jahr rund 60 Filme, darunter die „durchgeknalltesten, düstersten, wildesten, unheimlichsten und blutigsten Leinwandfantasien des Jahres“, wie die Veranstalter nicht müde werden zu versprechen, aber auch Klassiker des Genres und ausgewählte Premieren, auch von Filmen, die später im Kino starten. Prominenz Es gehört zu den Trademarks von /slash, dass es dem Festival immer wie-

der gelingt, prominente Gäste nach Wien zu holen. Das ist auch diesmal nicht anders, und nach dem TrashPapst John Waters im Vorjahr wird bei der diesjährigen Ausgabe dem deutschen Schauspieler-Weltstar Udo Kier eine Hommage mit neun Filmen gewidmet sein. Dass die Karriere des heute 73-Jährigen, eines engen Freundes u. a. der Starregisseure Lars von Trier und Gus Van Sant, in Wien ihren Anfang nahm, passt da natürlich gut, ebenso, dass sein erster Erfolg, Eddie Sallers Trash-Perle „Schamlos“ (1968) heuer ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. Der Film ist ebenso zu sehen wie Kiers neuester Streich, der Horrorkracher „Puppet Master: The Littlest Reich“. Und selbstverständlich wird der Geehrte während des Festivals anwesend sein.

Foto: /slash

on 20. bis 30. September entführt das /slash Filmfestival Wien wieder in die unendlichen Weiten des Fantastischen Films. Die Veranstaltung wurde vom Filmjournalisten Markus Keuschnigg seinerzeit gegründet, um dem Kino des Abseitigen und Düsteren hierzulande mehr Raum zu geben. Rund 20 Jahre nach dem ersten heftigen Trash-Boom im Wien der achtziger Jahre – mit Kinos wie dem (leider verblichenen) Movie und dem Schikaneder oder schrägen Lokalen zum Videoschauen wie der Fun Factory im 9. Bezirk schien die Zeit reif, aus dem DVD- und Heimcomputer-Ghetto auszubrechen und an jene Stätte zu pilgern, für die diese Filme nun einmal gemacht werden: ins Kino, zum kollektiven wohligen Gruseln und Schaudern. Dankenswerterweise hat man sich über die Jahre auch der recht eng gesteckten Grind-Grenzen der Anfänge entledigt und beackert nun ein größeres Terrain, das – siehe oben – mit dem Überbegriff „Fantastischer Film“ gut definiert ist.


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Hermann Nitsch feiert seinen 80. Geburtstag. Eine Ausstellung über sein Lebenswerk und ein musikalischer Workshop ehren den Künstler, der auch im hohen Alter noch auf Polarisierung und große, reinigende Gefühle setzt. Im Interview gewährt Nitsch Einblick in seine innere und äußere Welt. TEXT: MANUEL SIMBÜRGER

Hermann Nitsch konzipierte anlässlich seines 80. Geburtstages eine Sinfonie, die mit einer Aktion verbunden ist und als Einführung für das 6-Tage-Spiel zu verstehen ist. Es dirigiert Andrea Cusumano die Sinfonie mit dem Orchester der Klangvereinigung Wien, der Stadtkapelle Mistelbach, dem Chor con cor und dem Musik- und Gesangsverein Asparn an der Zaya.

Der Schrei W 52|

durchdacht und trotzdem undurchsichtig bleibend. Auch nach dem Interview verweilt er in derselben gemütlichen Position, am selben Platz. Nitsch, inmitten des Nitsch-Universums. Eine perfekte Konzeptionierung eines Gesamtkunstwerks.

Ehrlich gesagt war ich wegen unserem Treffen etwas nervös. Begegnen Ihnen auch andere Menschen oftmals mit großer Ehrfurcht oder gar Zweifel? Ja, durchaus. Es passiert aber auch gerade im Familien- und Pseudofamilienkreis, dass man mir gar nicht so viel Achtung entgegenbringt, wie ich es mir wünschen würde. Das hat nichts mit meiner Arbeit zu tun, sondern ich merke, dass oberflächliches Wissen, pseudo-politisches

Denken mehr Gewicht hat als die Erfahrung der Wirklichkeit des Seins.

Sie sind nach wie vor einer der bekanntesten Künstler unserer Zeit. Sind Sie sich Ihres Einflusses auf die Künstlerlandschaft bewusst oder schaffen Sie einfach? Man schafft. Und man ringt um ein Weltbild. Wieweit man das auf andere übertragen kann, ist ein anderes Kapitel.

Klar ist aber, dass Ihr künstlerisches Schaffen bis heute immer wieder detailreich analysiert wird. Wollen Sie das überhaupt? Natürlich will ich das, dafür habe ich ja meine Werke geschaffen. Ich will, dass die Menschen versuchen, mein Schaffen emotionell und mit dem

Foto: Heinz Cibulka

ir treffen uns mit Hermann Nitsch in seinem Museum in Mistelbach. Er ist einige Minuten zu früh da – wir auch, was er aber nicht bemerkt. Also beobachten wir ihn noch kurz. Gemächlich setzt sich Nitsch auf einen Stuhl inmitten des Ausstellungsraumes, der anlässlich von Nitschs 80. Geburtstag noch bis 5. Mai 2019 das Lebenswerk zeigt. Gehstock und Hut legt er wohlpositioniert links und rechts neben sich auf den Boden. Er starrt geradeaus, wahrscheinlich lässt er einfach seine Kunst auf sich wirken. Auch das Interview findet inmitten dieses Raumes statt, was perfekt ins Bild passt: Nitsch wird, umgeben von seinen Schütt- und Aktionsbildern, selbst zum Kunstwerk. Ein Kunstwerk, wohl-


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innersten Bewusstsein zu verstehen. Sie sind mittlerweile in der gesellschaftlich etablierten Hochkultur angekommen ... (lacht) Ich weiß nicht, ob meine Kunst als solche verstanden wird, aber ich bin der Meinung, dass meine Ausbildung einer Bildung der Hochkultur entspricht. Ich bin stolz darauf, als Künstler anerkannt zu werden. Ich habe immer noch sowohl Befürworter als auch Gegner, aber die zwei Bereiche dürften sich zahlenmäßig etwas verschoben haben. Aber der Kampf bleibt derselbe. Denn Gegner sind Menschen, die meine Kunst nicht verstehen. Ist Polarisierung nicht von Beginn an in Ihrem Schaffen einkalkuliert? Das Neue wird stets angefochten, das wird sich nicht ändern. Impressionisten sind anfangs bespuckt worden. Heute findet man diese Bilder in den Warteräumen von Zahnärzten. Das Neue, Aufwühlende setzt sich schlussendlich immer durch. Meine Vorbilder sind durchwegs Künstler, die angeeckt sind. Auch ich sehe mich als künstlerischer Vorreiter.

Foto: Heinz Cibulka

Wie ist Ihr Verhältnis zur aktuellen heimischen Kunstlandschaft? Ich habe mein gesamtes Leben lang gelehrt und ich bin gerne Lehrer. Aber ich bin kein Kunstkritiker und sicherlich kein Kurator. Ich muss mich so sehr mit meinem eigenen Werk beschäftigen, dass ich für die Szene um mich herum wenig Augenmerk habe. Was ich aber sagen kann: Die Kunst auf der ganzen Welt entspricht einer gewissen Hochebene, aber die Spitzen im Hochgebirge fehlen zurzeit. Hand aufs Herz: Gehen Ihnen Kritik und persönliche Angriffe auch mal nahe? Ich bin generell gegen Kritik, weil sie unproduktiv ist. Als Lehrer habe ich die Arbeiten meiner Studenten nie korrigiert. Wenn sie nicht weiterkamen, habe ich sie motiviert, an der gelungensten Stelle ihrer

Arbeiten anzusetzen und weiterzumachen. Ein Kritiker sollte nur dann etwas schreiben, wenn er begeistert ist oder der Sache zustimmt. Wenn er kritisiert, soll er das Maul halten! Die meisten Kritiker können nicht mal einen Bleistift spitzen, geschweige denn eine gerade Linie ziehen. Kunst soll begeistert analysiert und kommentiert werden. Wäre ich Kritiker und mir gefällt etwas nicht, dann gäbe es an der Stelle des Artikels nur einen weißen Fleck. Aber kann Kritik einen nicht auch weiterbringen? Mich nicht. Und wie sieht es mit Selbstkritik aus? Bis zur Selbstqual.

schreit er. Schrei ist vor allem anderen. Verstehen Sie Musik also als eine weitere Station auf dem Weg zur persönlichen Katharsis, die ja in Ihren Aktionen einen großen Stellenwert einnimmt? Genauso wie das Ausweiden eines Tieres, also die sinnliche Berührung von Fleisch und Blut, hat Lärm eine reinigende Wirkung. Es geht um die große Befreiung von Verdrängungen, unter denen wir als Gesellschaft leiden und die uns Religion und Ethik auferlegen. Zum Beispiel die Erotik, der Sport, die Disco-Wut, die Urlaubswut, die Technikabhängigkeit. All das reinigt uns nicht. Lieber Psychohygiene durch mein Orgien Mysterien Theater als durch Kriege.

Ende September findet im Nitsch Muse- Welche Musik hören Sie privat? um in Mistelbach ein Workshop zum Von klassischer Musik bis hin zu John Cage oder sonstigen akustischen ExpeThema „Hermann Nitsch und rimenten. Ich hatte zum BeiMusik“ statt. Viele wissen gar spiel eine schöne Begegnung nicht, dass Sie auch Kommit den Einstürzenden ponist sind … Neubauten bei meiner Ich war schon als JugendAktion in Tasmanien verlicher von der Weltmusik Wir verlosen 4 Stofftaschen mit Büchern. Mehr Informationen und gangenes Jahr. Die Burfasziniert. Beethoven, Bach, Teilnahmebedingungen siehe schen haben großen Gefallen Schubert, Bruckner, Strauss, ticketmagazin.com! an meiner Musik gefunden. Da Schönberg oder Wagner haben gibt es also durchaus Parallelen. mich sehr stark beeinflusst. Anfangs wollte ich mit Wortdichtung die sinnliche Gewalt beschreiben, bin dann aber dazu Der Schrei als Musik: Wie sieht es denn übergegangen, diese Gewalt erlebbar zu mit Ihrem Rockmusik-Geschmack aus? machen. Sie zu riechen, zu schmecken und Als ich meine ersten Orchesteraufnahmen eben auch zu hören. In mir ist der Wunsch gemacht habe, hatte ich meistens Rockaufgekommen, das Geräusch in die Musik gruppen dabei, weil die die besten und laumitaufzunehmen und mit klassischer Musik testen Elektroverstärker hatten. Die konnten zu verbinden. Ich sehe die Wurzeln der so richtig laute Klänge produzieren (lacht)! Musik im Schrei, im Lärm. Im exzessiven Leider hat sie schon längst ihren EntwickErregungszustand, im intensivsten Erleben lungsgipfel erreicht. Aktuell gibt’s hier ja von Wollust, Qual, Leiden. Gleichzeitig so viel lauwarmes, widerliches Zeug! geht es mir auch darum, mit dem Orchester n Die Sinfone findet am 1. September im einen Orgelklang zu erzielen. nitsch museum statt, zwischen 28. und Der Schrei als das ursprünglichste Wort. 30. September der Workshop „Zwischen Genau. Wenn der Mensch dermaßen erregt Urlärm und Sphärenharmonie“. Mehr ist, dass er keine Worte mehr findet, dann Informationen: nitschmuseum.at

GEWINN SPIEL

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Liebe ist Freiheit Ja, ich war einmal jung! Und ich bin heute noch ganz wild entschlossen, es auch so lang wie möglich zu bleiben. Denn: Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit. Und vor allem das freche Entdecken der Sexualität hat es mir angetan. „Liebe: Dunkler Erdteil“ ist ein Gedicht von Ingeborg Bachmann, das von Abenteuern in fremden Orgasmen erzählt. Es ist noch nicht so lange her, da ging es beim Sex um die Überwindung von Prüderie, Spießbürgermoral und Christentum. Guten Sex zu haben, war ein klares politisches Statement.

SEX SELLS Georg Biron

Damals verbrannten die Frauen ihre BHs, Gruppensex wurde als revolutionärer Lifestyle gesehen, und die Meinung, Selbstbefriedigung führe zu dauerhaften gesundheitlichen Schäden, wurde heftig bekämpft. Die alte Moral ist wieder da! Heute jedoch scheint der alte Scheiß wieder in Mode zu sein. Mit Vollgas zurück in die graue Vergangenheit! Viele Eltern schütteln ihre Köpfe, weil ihr Fortpflanz so prüde durch die Pubertät stolpert. Und wer sich kleine Freiheiten he-

rausnimmt, wird vom Mainstream in den sozialen Medien sogleich lustvoll hingerichtet. Da wollte etwa Justin Timberlake mit einem Instagram-Foto dokumentieren, wie sehr seine Frau Jessica Biel den dreijährigen Sohn liebt. Das Foto zeigt, wie sie dem Kleinen ein Bussi auf den Mund gibt. Na, mehr hat es nicht gebraucht! Viele User geiferten, das sei widerlich: „Ein Kind küsst man nicht auf den Mund!“ – „Das ist ja fast schon sexueller Missbrauch!“ Ich sage: Das ist Blödsinn. Macht euch frei …

Gewinnspiele in dieser Ausgabe finden Sie auf den Seiten 18–20, 21 und 52–53. Mehr Informationen & Teilnahmebedingungen finden Sie auf ticketmagazin.com. Sie können über das Gewinnspielformular auf ticketmagazin.com („!ticket Gewinnspiele September 2018“) oder per E-Mail (gewinn@ticketmagazin.com) mitspielen. Einsendeschluss ist der 15. September 2018.

Das nächste !ticket erscheint am 26. September 2018.

LASTNEWS

Ende September erscheint „Plays Well With Others“, eine 4-CD-Box von Phil Collins mit hochkarätigen Kollaborationen, darunter Brian Eno, Eric Clapton, Paul McCartney und viele mehr! André Hellers Sohn Left Boy ist zurück und geht im Dezember mit seinem neuen Album „Ferdinand“ auf Tour durch Österreich. DJ, Produzent und LiveInstrumentalist Timmy Trumpet gastiert im November in Linz, Graz, Bregenz und Wien! Am 7. September startet der Vorverkauf für das /slash Filmfestival!

impressum

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Fotos: Filmverleiher, Plattenfirmen, Fotoagenturen, Veranstalter, siehe Copyright Cover: Mats Bäcker Medieninhaber, Eigentümer, Redaktionsanschrift: CTS Eventim Austria GmbH, !ticket Eventmagazin, Heumühlgasse 11, 1040 Wien Designkonzept, grafische Produktion: QMM Quality Multi Media GmbH, Mariahilfer Straße 88a/II/2a, 1070 Wien Artdirektion: Mag. Gottfried Halmschlager Druck: NP Druck Gesellschaft m.b.H., Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten Abonnements: !ticket Österreichs Eventmagazin Nr. 1 erscheint 10 x jährlich. Jahresabo Österreich: € 22,00, Jahresabo Europa: € 44,00. Kündigung jeweils acht Wochen vor Ablauf der Bezugsfrist

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Herausgeberin, Chefredakteurin: Mag. Roberta Scheifinger Chefredakteur & Chef vom Dienst: Stefan Baumgartner Anzeigen: Suzana Milic, Mag. Roberta Scheifinger Anzeigenproduktion & Verrechnung: Susanne Franzl Redaktion/Kolumnisten: Stefan Baumgartner (sb), Amina Beganovic (ab), Georg Biron, Paul M. Delavos B.A. (pmd), Robert Fröwein (rf), Angelika Goldmann, Walter Gröbchen, Alexander Haide (ah), Amanda Peniston-Bird (apb), Mag. Joachim Schmida (js), Antonia T. Schulz (as), Mag. Manuel Simbürger (ms), Andreas Ungerböck (au), Andy Woerz Cartoon: Bertram Haid (BAES Cartoons) Lektorat: Gunther Natter


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