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FH POTSDAM

Live 20/20


Green Music Initiative Die Green Music Initiative hat sich die Förderung einer klimaverträglichen Musik- und Entertainmentbranche zum Ziel gesetzt. In enger Kooperation mit renommierten wissenschaftlichen Instituten, Stakeholdern und bekannten Künstlerinnen und Künstlern werden Reduktionsstrategien beispielhaft umgesetzt. So können CO2-Emissionen und weitere durch Veranstaltungen bedingte Umwelteinwirkungen in allen Bereichen vermindert werden.

Fachhochschule Potsdam Die Fachhochschule Potsdam wurde 1991 gegründet und zählt derzeit 3.000 Studierende in 22 Studiengängen, darunter der Studiengang Kulturarbeit.


Inhalt

Grußworte

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Jacob Bilabel Hermann Voesgen

Das Team

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Einleitung

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Partner

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Online-Umfrage

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Hintergrundgespräche

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Im Gespräch mit . . .

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Paul van Dyk / DJ und Musikproduzent Nadja Clarus / Senatsverwaltung Berlin Ina Kahle / FKP Scorpio Detlef Schwarte / Reeperbahn Festival Mankel Brinkmann / Club Bahnhof Ehrenfeld Manfred Tari / Musikjournalist Michael Fritz / Viva con Aqua Evelyn Bork / Initiative Musik Nina Sauer / Elbjazzfestival Stephanie Weigel / Tollwood Festival Ralph Zimme / Esprit Arena Düsseldorf Thies Schröder / Ferropolis Julia Gudzent / Melt Festival Holger Jan Schmidt / Rheinkultur Festival

Erfahrungen

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Fazit

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Impressum

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FH Potsdam

Live 20 20 Luise Vรถrkel Nora Kasparick Falk-Arne GoรŸler Ulrike Trenz

Eine Publikation der FH Potsdam gemeinsam mit der Green Music Initiative


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JAcob bilabel


Live 20/20

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Grußwort

Repeating History Wenige Begriffe haben in den letzten Jahren einen solchen Wandel durchlitten wie die Worthülse „Nachhaltgkeit“. Und je mehr einem überall das Wort begegnete, umso ungenauer schien die wirkliche Bedeutung zu werden. „Nachhaltig“ sollte auf einmal alles sein, mit wenig Umweltwirkung oder am besten gleich klimaneutral. In der erhitzen Diskussion wurde so aus einem sinnvollen Konzept ein kommunikativer Hype. In der täglichen Arbeit der Green Music Initiative begannen wir uns zu fragen: Wollen wir überhaupt eine nachhaltige Musikbranche? Passt dieses Konzept auf einen Wirtschaftszweig, dessen Attraktivität und Anziehungskraft sich eben gerade nicht aus Verzicht, Ressourcenschonung oder Bescheidenheit speist? Dessen Akteure viel mehr Blühen, Glühen oder Verglühen? Mit anderen Worten: Wäre eine nachhaltige Musikindustrie nicht eine verdammt langweilige? Stattdessen scheint mir der Begriff „zukunftsfähig“ passender. Eine zukunftsfähige Branche entwickelt innovative Geschäftsmodelle, die sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht überlebensfähig sind. Grund genug also, einmal mit einer Gruppe von Studenten der FH Postdam um Professor Hermann Voesgen genauer hinzuschauen und zu fragen: Wo steht die Branche in dem Thema? Hat der Hype um die Nachhaltigkeit neben Lippenbekenntnissen auch zu realen Prozessen geführt? Gibt es klare Strategien oder vage Absichtsbekundungen? Die hier vorliegenden Ergebnisse habe ich mit Spannung erwartet. Klar wird: Pioniere haben in der Auseinandersetzung mit dem Thema ganz konkrete Vorteile erkannt und realisieren diese mit positivem Effekt für ihr Geschäft. In der Breite überwiegt aber im Jahre 2012 noch immer das numinose Gefühl, mal dringend etwas tun zu müssen, aber nicht genau zu wissen, was denn nun eigentlich. Vor ungefähr zehn Jahren habe ich im Managment von Universal Music erleben müssen, wie große Teile der Branche die Herausforderung Digitalisierung nicht erkannt, verschlafen oder schlichtweg ignoriert haben. Die Effekte sind bekannt. Heute wird sich die Zukunfstfähigkeit der Branche daran festmachen, wie schnell und smart sie sich auf die Chance Klimawandel ein- oder umstellt. Ich danke den mitwirkenden Partnern FH Potsdam, Berlin Music Week, Tollwood Festival, Club Consult, Elbjazz und THEMA1 für Ihre Hilfe. Und natürlich allen Interviewten für die Bereitschaft, sich gemeinsam dieser großen Frage zu stellen.

Jacob Bilabel Gründer Green Music Initiative


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Hermann voesgen


Live 20/20

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Grußwort

„Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.“ Dieser Satz von Ödön von Horváth steht als Motto über Seminaren und Projekten im Studiengang Kulturarbeit, zu den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit. Es geht uns dabei immer wieder um die Frage, wie wir unsere Erkenntnisse und Einsichten in verändertes Verhalten und Handeln umsetzen. Die sogenannte kognitive Dissonanz, zwischen dem was wir eigentlich wissen und dem was wir tatsächlich tun, spielt auch in der Kulturarbeit eine wesentliche Rolle. Kulturmanager und Künstler müssen sich dieser Herausforderungen stellen und die Idee der Nachhaltigkeit in ihre Praxis einbeziehen. Daher ist es sinnvoll auch in der Ausbildung dieses Thema anwendungsbezogen einzubringen. Die folgende Untersuchung ist aus einem Seminar zur nachhaltigen Produktion im Kulturbereich entstanden. Daraus entstand der Kontakt zu Jacob Bilabel und der Green Music Initiative. Für uns ist es eine besondere Bereicherung mit den „Machern“, konsequenter und phantasievoller Strategien zur Veränderungen in der Musikindustrie, zusammen zu arbeiten. Ein erstes Ergebnis der Kooperation liegt nun vor. Nachdem wir viele gute Beispiele „best practice“ für nachhaltige Veranstaltungen kennengelernt hatten, wollten wir wissen, inwieweit das Thema Nachhaltigkeit in der Breite angekommen ist. Die Untersuchung liefert dazu erste Ergebnisse. Dabei bestätigt sich die Differenz zwischen dem was wir für wichtig halten und dem was wir meinem in unserem Alltag, mit all seinen Zwängen, tun zu können. Daraus ergeben sich die nächsten Aufgaben. Den ersten Schritt sind die vier Studenten Falk-Arne Gossler, Luise Vörkel, Nora Kasparick und Ulrike Trenz mit großem sachlichen und emotionalen Engagement gegangen. Herzlichen Dank für diese Leistung und an Jacob Bilabel, ohne den es dieses Studie nicht geben würde.

Hermann Voesgen FH Postdam


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Live 20/20 Team

Luise Vörkel Luise Vörkel (23) verschlug es mit ihrer Ankunft in Berlin in die hiesige Musikszene. So hat sie bereits die Freuden und Tücken von Konzertorganisation, Tourbooking, Pressearbeit und der Musik im Eigentlichen kennengelernt. Mittlerweile ist sie bei zwei Veranstaltungsorten beschäftigt, dem Madame Claude und dem Marie-Antoinette. Um den Blick über den Tellerrand zu wahren arbeitet Luise außerdem als Nachhilfelehrerin, sie ist Kolumnistin beim AFFEKT-Blog, bildet sich im Feld der Genderwissenschaften weiter und setzt sich im Rahmen ihres Studiums mit dem modernen Arbeitsbegriff und dem Wandel der Lohnarbeit auseinander.

Nora Kasparick Derzeit befindet sich Nora Kasparick (30) im Endspurt ihres Studiums zur Kulturarbeiterin an der Fachhochschule Potsdam. Geprägt durch das Ausstellungsprojekt „Klimatisiert“ und einem Praktikum bei SUSTAINUM-Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften Berlin, war das Thema Umwelt& Nachhaltigkeit in ihr Interessenfeld gerückt. Nichts lag da näher! als beim Studienprojekt „Live 20/20“ mitzumachen!

Falk-Arne GoSSler Falk-Arne Goßler (23) ist neben seines studentischen Schaffens (Kulturarbeit an der Fachhochschule Potsdam) Musiker und Texter. Seine Band „The Love Bülow“ spielt im Jahr ca. 50 Konzerte in der gesamten Bundesrepublik. Neben dem persönlichem Interesse war es vor allem diese enge Verbindung zum LiveEntertainment-Sektor, die ihn für die „Live 20/20“-Studie begeisterte. Nach seinem Diplom möchte sich Falk für ein paar Jahre ganz der Musik widmen.

Ulrike Trenz Ulrike Trenz (28) steckt ebenfalls in den letzten Zügen ihres KulturarbeiterStudiums an der FH Potsdam. Schon während eines Ausstellungsprojekts “Klimatisiert” im Oktober 2010 beschäftigte sie sich zusammen, unter anderem mit Nora Kasparick, mit den Fragen, was Klimawandel eigentlich im alltäglichen Leben bedeutet und wie ein klimaveträglicher Alltag überhaupt aussehen könnte. Als ausgebildete Veranstaltungskauffrau, die genauso gern auf Konzerte geht, wie diese organisiert, war die Motivation für ein Projekt wie „Live 20/20” sofort groß und auch nach dem Studium dürfte es gerne weiter in diesem Bereich gehen!


Luise Vรถrkel, Nora Kasparick, Falk-Arne GoSSler, JAcob bilabel, Ulrike Trenz

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Live 20/20 Einleitung

Zukunftsfähigkeit und Innovation sind wesentliche Elemente der Musik- und Live-Entertainmentbranche. Doch kann dieser innovative Anspruch auch auf das Handeln der Beteiligten in Bezug auf Klimaund Umweltverträglichkeit ihres Aktions- und Arbeitsumfeldes angewandt werden? Diese Frage stellten sich im Sommer 2011 vier Studierende der Fachrichtung Kulturarbeit an der Fachhochschule Potsdam gemeinsam mit Jacob Bilabel, dem Geschäftsführer der Green Music Initiative Berlin, welche u.a. für das „Grünerwerden“ der Berlin Music Week (green Berlin Music Week) und des Melt! Festivals (M!Eco) eintritt. Die Gruppe, die aus einem Hochschulseminar hervorgegangen war, beschloss, diese Fragestellung in ein konkretes Projekt umzusetzen. Daraus entstand die Studie „Live 20/20“. Kern der Studie ist eine online basierte Befragung der deutschen Musik- und Entertainmentbranche, mit dem Ziel ein Stimmungsbild und eine Zustandsbeschreibung dieses Arbeitsumfeldes hinsichtlich Umwelt- und Klimaverträglichkeit zu ermitteln. Welche Rolle spielt Klima- und Umweltschutz im breiten Feld der Musikwirtschaft gegenwärtig? Welche Möglichkeiten nachhaltigen Wirtschaftens werden bereits genutzt und welche können zukünftig noch stärker genutzt werden? Diesen Fragen wurde nachgegangen. Die Studie ist eine Grundlage für die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen, denen sich Musik und Unterhaltung im Umgang mit umwelt- und klimaverträglichen Aspekten stellen müssen. „Live 20/20“ ist ein Kooperationsprojekt der Fachhochschule Potsdam und der Green Music Initiative.


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Partner

Berlin Music Week Die Berlin Music Week ist eine Dachmarke unter der sich Musikmessen und -konferenzen, eine Vielzahl von Konzertveranstaltungen und Branchennetzwerke zusammenschließen. Organisiert und koordiniert wird die Berlin Music Week von der Kulturprojekte Berlin GmbH.

Club Consult ClubConsult ist eine Beratungsagentur für Berliner Clubs und Veranstalter, die Expertenwissen für ein optimiertes Management, wirtschaftliche Effizienz sowie Nachhaltigkeit in der Musikwirtschaft bündelt und vermittelt.

Elbjazz Festival Das Elbjazz Festival ist ein internationales Musikfestival mit dem Ziel, das kulturellen Leben in der Metropolregion Hamburg und entlang der Elbe durch Jazzmusik zu bereichern und zu fördern.

Tollwood Festival Das Tollwood Festival ist ein traditionsreiches Kulturfestival mit Sitz in München, das, seit seinem Beginn vor über 25 Jahren, ökologische und soziale Aspekte in seine Organisation einbezieht und sich gezielt mit dem Thema Umwelt auseinandersetzt.


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Live 20/20 Online Umfrage

Hintergrund Für die Studie „Live 20/20” wählten wir das Mittel der Online-Umfrage, wodurch wir mannigfaltige Eindrücke davon sammeln konnten, wie in unterschiedlichen Ebenen der Branche mit Umweltverträglichkeit und Klimawandel umgegangen wird. Befragt wurden u.a. Kultur- und MusikmanagerInnen, ClubbetreiberInnen, KünstlerInnen, sowie LeiterInnen und MitarbeiterInnen von Booking-, Event- und PR-Agenturen, Kultur- und Eventstätten. Fragestellung 2012 ist der Begriff Nachhaltigkeit in aller Munde. Kaum eine Konferenz oder Messe der Musikbranche kommt ohne Vorträge und Podiumsdiskussionen zu dem Thema aus. Es findet bereits eine Vielzahl von Netzwerkmeetings statt, die sich ausschließlich mit dem Zusammenhang von Umweltschutz und Veranstaltungsorganisation beschäftigen, z. B. die „Green Events Europe Conference“ in Bonn. Das Thema ist nicht nur in einschlägigen Fachzeitschriften zu finden, es ist in den Dossiers großer Tageszeitungen angekommen. Kurzum: „Nachhaltigkeit“ erfuhr in den letzten Jahren einen Hype. Und da „Hype“ auch meint, dass plötzlich ein derart hohes Interesse existiert, dass Aktionen im gleichen Umfang gar nicht so schnell geschehen können, fragten wir uns: Folgen den Worten ebenso viele Taten? Befindet sich die Branche im Wandel und sieht

sie die Herausforderungen, die sich durch die Umwelt bieten, als eine Chance für Innovationen im Geschäft? Oder bleibt „Nachhaltigkeit“ ein Nischenthema? Vielleicht sogar eine Diskussion, die oft und gern geführt wird, ohne dass Veränderungen stattfinden? Ein Thema, das als Schmuck dient? Fehlen vielen kleineren Clubs und Agenturen womöglich die Zeit und das Geld um neue Ideen für ein umweltverträgliches Arbeiten umzusetzen? Die Online-Umfrage „Live 20/20“ ging diesen Fragestellungen nach und wir können nun, gemeinsam mit den Bereicherungen aus den Einzelinterviews, ein Stimmungsbild der Branche geben. Die UmfrageteilnehmerInnen erreichten wir durch die Zusammenarbeit mit der Green Music Initiative und unseren Partnern - der Berlin Music Week, ClubConsult, dem Elbjazz-Festival und dem Tollwood Festival - die den Link zur Online-Umfrage an ihre Mitglieder und Kontakte weiterleiteten. Aufbau Gegliedert ist unser Survey in drei Teile, wobei auf der ersten Seite allgemeine Angaben zur Person, zum Unternehmen und der Unternehmensstruktur abgefragt wurden. Seite zwei hinterfragte die Relevanz und den Einfluss der Themen Klimawandel und Umweltverträglichkeit für die Live-Entertainment-Branche, sowie die Bereitschaft, mit diesen Herausforderungen zu planen und zu arbeiten. Auf der abschließenden Seite konnten


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Online Umfrage

die UmfrageteilnehmerInnen angeben, inwiefern sie konkrete Änderungen und Maßnahmen in ihrem Unternehmen durchgesetzt haben. Insgesamt 28 Fragen, davon 10 optional, wurden von 86 Teilnehmenden beantwortet. Jedoch haben insgesamt 113 Personen die Umfrage begonnen. Es ist uns aufgefallen, dass die Fragen nach tatsächlichen Veränderungen im Tagesgeschäft von vielen Personen ausgelassen wurden. An diesem Punkt endeten plötzlich 10 Beantwortungen. Eine mögliche Erklärung dafür wäre: Es besteht bei den „AbbrecherInnen“ ein Interesse für das Survey-Thema, jedoch fehlt es möglicherweise noch an Veränderungen in ihrem Unternehmen. In dem Fall hätten alle folgende Fragen verneint werden müssen. Ergebnisse Unter den TeilnehmerInnen des Surveys „Live 20/20” befinden sich große Veranstaltungsagenturen, bekannte Festivals, Booking- und PR-Agenturen, Labels, sowie Künstlerinnen und Künstler selbst. Viele davon sind selbstständig tätig (28 %), 30 % führen oder arbeiten in einer GmbH – und von allen Unternehmen sind knapp 25 % gemeinnützig. Bei beinah 85 % handelt es sich um kleinere Unternehmen, mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 1 und 40 Personen, 95 % aller Befragten sind zum Teil oder hauptberuflich in den Bereichen Booking, Konzert- und Festivalveranstaltung tätig. Auf die Frage, in welchem Maße der

Klimawandel die zukünftige Arbeit beeinflussen würde, erhielten wir keine eindeutige Antwort. Die relative Mehrheit von 26 % hat auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht) bis 5 (sehr stark) die 3 gewählt. Dennoch sind 59 % der Meinung, dem Klimawandel werde noch zu wenig Beachtung in ihrer Branche geschenkt, und ganze 89 % sagen, dass der kommende Wandel als Chance zu begreifen sei. Zeigen diese Zahlen, dass es im Moment noch an Ideen fehlt, wie man diese Chance nutzen könnte? Immerhin planen nur 74 % mit diesen Veränderungen. 61% geben an, sich eine Strategie zurechtgelegt zu haben – 50 % nennen hierbei eine kurzfristige Planung, 40 % eine mittelfristige. Auf die Frage, welche Gebiete die Strategie umfasst, antworteten 82 % mit Stromwechsel, 53 % mit Travel Policies und 71% mit dem Punkt Rohstoffe. Mehrfachnennungen waren möglich. Nur 21% der Befragten beschäftigen in ihrem Unternehmen eine Person, die sich mit Umweltfragen auseinandersetzt – in 8 Fällen liegt der Bereich Umweltverträglichkeit in der Hauptverantwortlichkeit dieser Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters. Bei 65 % der Unternehmen befasst sich die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter zu 5 bis 30 % ihrer bzw. seiner Gesamtarbeitszeit mit dem Thema. Diese Antworten machen deutlich, dass im Gegensatz zu einem großen Interesse am Thema Klimawandel und dem positiven Blick in die Zukunft –


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Live 20/20 Online Umfrage

Wandel gleich Chance – relativ wenig mit dieser Chance gearbeitet wird. Dieser Eindruck setzt sich fort. An den Zertifizierungssystemen beteiligen sich derzeit wenige Akteure (30 %) bestehenden, Reduktionsziele haben sich nur knapp 40 % gesetzt. Beachtet man, dass unter unseren Befragten viele „Vorreiter“ der Branche sind, lässt das die Vermutung zu, in der gesamten Branche fielen diese Zahlen noch geringer aus. Zu den Reduktionszielen zählen, genauso wie zu den angegebenen Strategien, auch passive Änderungen, wie der Wechsel zu Grünem Strom. Insgesamt 83 % der 40 % geben an, sich diese Ziele im Bereich Energie gesetzt zu haben. Allerdings waren hier Mehrfachnennungen möglich – auch Mobilität, Ressourceneinsparung und Abfallentsorgung liegen im Interesse der Befragten. Eine konkrete Änderung in ihren Kerngeschäften haben gleichwohl 70% durchgeführt (73 % – Energie, 60 % – Mobilität, 46 % – Ressourcen, 54 % – Abfallentsorgung). Als Beispiele für diese Änderungen wurden u.a. der Verzicht auf Papier in der Pressearbeit und bei Bewerbungsverfahren, die Umstellung beim Catering auf regionale Lebensmittel, der Einsatz recyclebarer Produkte bei Veranstaltungen und das Durchsetzen klimafreundlicher Reiserichtlinien im gesamten Unternehmen angegeben. Es gibt also eine Vielzahl effizienter und kreativer Ideen für einen Wandel zu

mehr Umweltfreundlichkeit in der eigenen Arbeit. Gleichwohl liegen bei den Angaben bisher erfolgter Änderungen und geplanter Strategien die Punkte vorn, die mit einem möglichst geringen Kosten- und Energieaufwand umzusetzen sind – der Umstieg auf Ökostrom, die Verwendung von recyclebarem Papier, Videokonferenzen statt Dienstreisen. Dieser Sachverhalt ist gut nachvollziehbar. Agenturen, die aus nicht mehr als zwei bis 40 Personen bestehen, verfügen nicht über ein großes Einflussfeld – ihr Tagesgeschäft beschränkt sich oft auf Computerarbeit und Meetings. Dabei existieren wenig Prozesse, die einer weitreichenden Veränderung unterworfen werden können. Im gleichen Moment beweist dieses Ergebnis, dass umweltverträgliches Wirtschaften nicht unbedingt Mehrkosten sondern ebenso Effizienz bedeuten kann, und dass 100 % aller BranchenvertrerInnen im Stande sein müssten, auf einfache und unkomplizierte Weise einen Schritt in Richtung Umweltfreundlichkeit zu tun – sei es im Büro oder unterwegs. Dennoch ist dies nicht der Fall. Von 88 %, die den Klimawandel als Chance sehen, planen 20 % nicht in dieser Hinsicht, 35 % verfügen nicht über eine Strategie, und 60 % dieser Gruppe haben sich keine Reduktionsziele gesetzt. Von den Personen, die angeben, mit den umweltbezogenen Herausforderungen zu planen, schließen lediglich 45 % dabei Reduktionsziele mit ein, und 15 % dieser Befragten haben noch keine


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Hintergrundgespräche

Änderungen in ihrem Tagesgeschäft umgesetzt. Liegt also auch in der per se zukunftsgewandten Musikbranche ein weiter Weg zwischen dem Wollen und dem Tun? Sollte man den Begriff „Green Washing” auf den Plan rufen? Das glauben wir nicht. Eher sind diese Zahlen damit erklärbar, dass oft noch Ratlosigkeit herrscht, wenn es um den Wandel zu einem umweltfreundlichen Geschäft geht. Das Thema steht nicht mehr in den Startlöchern, aber es ist ebensowenig Konsens in der Branche, wie die Umfrage zeigt. Ein Interesse an Handlungsempfehlungen und Hinweisen besteht. Knapp jeweils 85 % der UmfrageteilnehmerInnen, die angaben mit dem Klimawandel zu planen bzw. eine Strategie zu besitzen, sind an einem Leitfaden interessiert. Und mehr als 78 % der gleichen Gruppen würden an einem themenbezogenen Workshop teilnehmen. Ob dieses Interesse in den kommenden Jahren zu einem Wandel im Geschäft führt, wird sich zeigen. Der Klimawandel ist keine Problematik, die man kleinreden kann, sondern eine prominente Angelegenheit, die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik mehr und mehr zeigt, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit der eigenen Umwelt vonnöten ist. Die Musikbranche kann hier eine Position als Vorbild und Sinnstifter einnehmen, und diese Chance sollte sie ergreifen.

Hintergrundgespräche Einleitung Die Hintergrundgespräche wurden in ihrer Struktur an das Survey angelehnt und persönlich oder telefonisch durchgeführt. Dabei ging es darum, zusätzlich zur Umfrage weitere Meinungen und Einstellungen zum Thema zu erfassen, um einen detaillierten Einblick in das jeweilige Wirkungs- und Arbeitsfeld der Befragten zu erhalten. Bei der Auswahl der 14 Gesprächspartner haben wir darauf geachtet, dass verschiedene Felder der Musik- und Live-Entertainmentbranche vertreten waren, um ein umfassendes Stimmungsbild, gefußt auf unterschiedlichen Perspektiven, ermitteln zu können. Zu diesen 14 Befragten zählen Personen, die sich öffentlich für ein umweltfreundliches Arbeiten einsetzen und Veränderungen in diesem Bereich bewirken; ebenso VertreterInnen der Musikbranche, deren Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit uns unbekannt war. Wen genau haben wir befragt? Unsere Gesprächspartner wählten wir bundesweit aus den Bereichen Musikproduktion, Event- und Festivalmanagement, Netzwerkorganisation, Clubbetrieb, Musikjournalismus, Veranstaltungstechnik, Musikförderung, aus nachhaltigen Initiativen und Umweltprojekten im Musik- und Festivalbereich, sowie aus dem öffentlichen Sektor und der Musikszene selbst.


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Live 20/20 Hintergrundgespräche

Die Aussagen der Interviewpartner haben wir verglichen, gegenübergestellt und in Zusammenhänge gesetzt. Diese Zusammenhänge wurden im Folgenden als einzelne Punkte herausgearbeitet. So geben sie den anonymen Ergebnissen der Umfrage ein Gesicht.

Was haben wir herausgefunden? Nachhaltigkeit im Konzept Hat man sich innerhalb eines Teams oder Unternehmens für ein klima- und umweltverträgliches Handeln und Wirtschaften entschieden, ist es von Vorteil, die eigenen Ideen in eine Strategie umzuwandeln. Ein erster Schritt kann die Analyse bestehender Handlungsfelder unter Nachhaltigkeitsaspekten sein, um gemeinsam realisierbare Lösungsansätze zu finden. Experimentierfreude und der Mut, etwas Neues zu wagen, ist hilfreich, wenn nicht gar notwendig, um hierbei Veränderungen anzugehen. Dabei muss Schritt für Schritt vorgegangen werden - die Umwandlung alltäglicher Arbeitsprozesse erfordert viel Achtsamkeit und das Einbeziehen beteiligter MitarbeiterInnen. Bereits existierende Leitfäden bzw. Handbücher zu einem “grünen Wandel” werden gern für erste Ideen als Inspiration genutzt. Dennoch konnten wir feststellen, dass diese Art von Hilfsmitteln nur bis zu einem gewissen Grad angenommen werden, sie sind teilweise zu allgemein gehalten.

Der offene Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus der Branche wird eher als hilfreich empfunden. Dieser kann informell oder durch aktive Teilnahme in nationalen und internationalen Verbänden, bei Vereinen, Konferenzen und Workshops (z. B. Yourope – European Festival Association, GreenEvents Europe Konferenz – Bonn) geschehen. Das “grüne” Thema scheint dabei schnell eine Verbindung zwischen interessierten KollegInnen aus der Branche herzustellen. VeranstalterInnen wie auch VermittlerInnen der Branche stimmen darin überein, dass die Musik- und Live-Entertainment-Branche wie auch Künstlerinnen und Künstler selbst in puncto Nachhaltigkeit als Vorbilder für ihr Publikum stehen können, wenngleich die Branche nicht eine der tonangebenden Wirtschaftzweige im Bereich Nachhaltigkeit ist. Widerum kann das ökologische Engagement eines VeranstalterInn einer Veranstalterin auch Vorbildfunktion für Musikschaffende haben. Genau dieses Potenzial, diese Strahlkraft sollte man nutzen. Besonders auf Festivals habe man die Möglichkeit, auf spielerische und experimentelle Art, Impulse für alternative Lebensweisen zu geben. Schafft man es, durch Aktionen abstrakte Prozesse bezüglich des Klimawandels spielerisch zu verbildlichen, und gelingt es dadurch, das Publikum und die Fans emotional zu berühren, kann es zum “Aha-Effekt” kommen. Die Rezipienten können Anregungen für eine


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Hintergrundgespräche

nachhaltige Lebensweise mit nachhause nehmen. Dennoch, so sind sich die meisten Akteure einig, sollte man die Erwartungen an ein Konzert- oder Festivalpublikum nicht zu hoch schrauben, denn dieses kommt in erster Linie mit dem Grund, an einem Musikevent teilzunehmen.

Umsetzung kurz-, mittel- oder langfristig geschehen? Wird man sich bewusst, welche Ergebnisse zu welchem Zeitpunkt präsentiert werden können, kann die eigene Öffentlichkeitsarbeit im wörtlichen Sinne nachhaltig gestaltet werden und ein transparentes Auftreten garantieren.

Kommunikation und Presseresonanz In der aktuellen Medienlandschaft erfährt das Thema Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft, sowie die Debatte um den Klimawandel allgemein eine hohe Resonanz. Allein deshalb bietet es sich an, entsprechende Aktionen und Maßnahmen öffentlich zu kommunizieren, wenn ein Unternehmen bzw. ein Team geschlossen dahintersteht. Das sollte gut und mit Vorlauf geplant sein. Sollen Absichten und Ratschläge vermittelt werden oder kann man Taten und konkrete Veränderungen vorstellen? Auf welche Aktionen, auf welche Veranstaltungen soll der Fokus gelegt werden? Dies gilt es zu beachten. Eine offene Marketing- und Kommunikationspolitik im Bereich Nachhaltigkeit kann allerdings auch schnell in die Kategorie “Green-Washing” eingeordnet werden. Den kritischen Blick von Fans und Publikum dürfe man nicht unterschätzen. Möchte man seine Umweltstrategie authentisch widerspiegeln, muss man im Blick behalten, wie und wann die Umsetzung verschiedener Pläne erfolgen kann: Wird diese

Von A nach B und wieder zurück International agierende Künstler müssen weltweit mobil sein, um ihren Job auszuführen, also um touren zu können. Aus Zeit- und Kostenfaktoren gibt es keine realistische Alternative zu regelmäßigen Flügen. Ebenso wäre es undenkbar, auf Welttourneen zu verzichten, und mit anderen Mitteln, wie beispielsweise einer Live-Video-Übertragung von einem Konzert, das gewünschte Live-Gefühl in die Wohnzimmer der Fans zu übertragen. Hier kann eine Branchenumwandlung also nicht ansetzen. Nachhaltiges und klimaverträgliches Handeln kann dem gesellschaftlichen Nutzen von Kultur und Entertainment nur bedingt gegenübergestellt werden - z. B. mit der Kompensation vom CO2-Verbrauch der eigenen Reisen.


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Live 20/20 Hintergrundgespräche

Finanziell und ideell Vor allem im Kleinen agierende Akteure der Branche, VeranstalterInnen von Clubkonzerten, stehen immer wieder unter einem finanziellen Druck. Daher werden zusätzliche klima- und umweltverträgliche Auflagen und Maßnamen, welche man sich neben dem laufenden Tagesgeschäft setzen könnte, oft als nicht angehbar empfunden. Darüber hinaus konnten wir feststellen, dass das Verständnis des Begriffs Nachhaltigkeit bei dieser Gruppe nicht nur auf Umweltbelange, sondern deutlich auf den Bereich des sozialen Umfelds bezogen wird, in dem die jeweiligen Akteure wirken. Lokale und regionale Vernetzung sind Aspekte, die neben klimaverträglichem Handeln ebenso einen hohen Stellenwert haben. Green Awards vs. Zertifizierung Eine überraschende Feststellung ist, dass die Mehrheit der befragten Akteure verhalten mit der Anwendung offizieller Zertifizierungssysteme im Umweltbereich umgeht. Offizielle Zertifizierungen sind in der Branche gegenwärtig nicht ausreichend etabliert, teilweise komplett unbekannt. Kritisch wird daran auch gesehen, dass viele Standards die Tagesarbeit von Veranstaltungsagenturen im Blick haben, nicht aber die eigentlichen Veranstaltungen, deren Umwelteinfluss erheblich höher ist als die Büroarbeit des Organisationsteams. Daher lassen solche Regularien wenig Spielraum für notwendige Experimentierprozesse innerhalb des Querschnittthemas Umweltverträglichkeit und Live-Entertainment. Im Gegensatz zu ISO- oder EMAS-Zertifizierungen sind Awards ein beliebtes und weitgehend anerkanntes Mittel zum Nachweis eines engagierten Einsatzes für mehr Umweltverträglichkeit der eigenen Arbeit. Besonders im Festivalbereich ist der Verleihung nationaler, sowie internationaler Auszeichnungen und Labels, sowie der Teilnahme an Wettbewerben im Umweltbereich (zum Beispiel „Sounds for Nature-Gütezeichen”, „A Greener Festival Award”, „Green’n’Clean Award”, etc.) ein höherer Stellenwert zuzuschreiben.


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Im Gespräch mit ...

Paul van Dyk DJ und Musikproduzent Als weltweit bekannter DJ und Musikproduzent betrachtet Paul van Dyk das Thema Klima- und Umweltverträglichkeit aus verschiedenen Perspektiven. Gehe es um die Produktion von Tonträgern, erkenne man schon einen Trend weg vom vielen „Wegwerfmaterial“ hin zu recyclebaren Materialien. Beim Touring hingegen sähe es schon etwas problematischer mit der CO2-Bilanz aus: Gehe eine Band auf Welttournee, gäbe es keine realistische Alternative zum Fliegen. Es sei nicht einfach, so van Dyk, den gesellschaftlichen Nutzen von Entertainment und Kultur einem nachhaltigem Handeln entgegenzusetzen. Selber kompensiert van Dyk die Emissionen seiner zahlereichen Flüge, indem er pro Flug den er tätigt, Umweltvouchers erwirbt, für die jeweils ein Stück brasilianischer Regenwald aufgeforstet wird.

Nadja Clarus Referentin für Musikwirtschaft bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Berlin Als Referentin für Musikwirtschaft ist Nadja Clarus das erste Mal vor zwei Jahren auf dem Melt! Festival auf das Thema Klimaverträglichkeit in der Musikwirtschaft aufmerksam geworden. Auf Vorschlag der Green Music Initiative Berlin und zusammen mit der Kulturprojekte GmbH sei zeitgleich ein Leitbild für eine umweltverträglichere Berlin Music Week entstanden, welches seit dem sukzessive in die Tat umgesetzt wird. Die Vermittlerin innerhalb der Musikwirtschaft Berlins hat schon oft festgestellt, dass gerade Akteure der Musikszene eine gewisse Affinität und Offenheit gegenüber Ideen für nachhaltiges Handeln aufbringen. Außerdem stellt Clarus eine gegenseitige Motivation innerhalb der Branche fest, die, wenn es zum “Aha-Effekt” komme, auch auf Fans und Clubgänger überspringe und den ein oder anderen zum Nachahmen anregen könne.


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Bereich den Ton angeben. Dennoch sei es natürlich so, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung eines Themas und damit auch der tatsächlich zählbare Effekt stärker würde, wenn viele kleine Teile der Gesellschaft sich darum kümmerten. „Da kann dann eine Motivation entstehen“, so Schwarte, „die sich eventuell tausend- und millionenfach multipliziert.“ Detlef Schwarte Mitorganisator des Reeperbahn Festivals & Campus, Gesellschafter und Geschäftsführer bei Inferno Events, Hamburg Das Thema klimaverträgliches Handeln und Wirtschaften sieht Detlef Schwarte, Mitbegründer des Hamburger Reeperbahn Festivals als eine Entwicklung der letzten Jahre, die größtenteils von einzelnen Personen, die einer persönlichen Motivation folgen, getragen wird. „Festivalveranstalter haben in erster Linie natürlich das Ziel, Bands so gut es geht zu präsentieren, um Leuten Spaß zu bereiten, eine gewisse Szene abzubilden. Wenn hier zusätzlich ein gewisses Lebensgefühl mitschwingt, dass es halt nicht nur um Sex, Drugs & Rock ‚n‘ Roll geht, sondern auch noch um irgendeine Form von Nachhaltigkeit und vernünftigem Verhalten und Sein in der Welt, dann ist das gut und macht natürlich auch noch mehr Spaß!“ Die Akteure innerhalb der Kulturoder Musikbranche sieht Schwarte gewiss nicht als diejenigen, die in diesem

Nina Sauer Geschäftsführerin und Mitinitiatorin des Elbjazzfestivals in Hamburg Für Nina Sauer, Geschäftsführerin und Mitinitiatorin des Elbjazzfestivals in Hamburg, spielt die Umwelt- und Klimaverträglichkeit in ihrer Arbeit eine wichtige Rolle. „Als Festivalmacher erreichen wir viele Leute und haben die Chance – und die Pflicht – eine Vorbildfunktion wahrzunehmen. Wir möchten die Besucher des ELBJAZZ Festivals für einen rücksichts-


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Im Gespräch mit ...

vollen Umgang mit den Ressourcen sensibilisieren und ihr Bewusstsein in Hinblick auf umweltschonendes und klimaverträgliches Handeln schärfen. Konkret bemühen wir uns durch eine ganze Reihe von Maßnahmen, unsere Besucher nachhaltig zu ökologisch bewusstem Verhalten zu animieren. Dabei stoßen wir zunehmend auf fruchtbaren Boden – der Stellenwert, den das Thema Umwelt in unserer Gesellschaft hat, ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen“, so Nina Sauer. Wichtig dafür ist ihrer Meinung eine umfassende Planung, die möglichst alle Bereiche eines Festivals abdeckt. Für die Zukunft wünscht sich Nina, dass Nachhaltigkeit in allen Bereichen der Gesellschaft kontinuierlich an Bedeutung gewinnt – ebenso wie die Erkenntnis, dass es sich für alle lohnt, dafür etwas zu tun. Relevante Umweltzusammenhänge sollten für eine breite Öffentlichkeit verständlicher und interessanter gestaltet werden. Mit Hilfe verstärkter Aufklärung und klaren Guidelines könnten zusätzliche Anregungen und Hilfestellungen für jeden Einzelnen gegeben werden, seinen Beitrag für die Umwelt zu leisten.

Ralph Zimme Leiter für Veranstaltungstechnik und Sicherheitsmanagement der ESPRIT Arena in Düsseldorf Die ESPRIT Arena ist in Düsseldorf die beste Adresse für Events im XXLFormat, wie Fußballspiele und Konzerte. Mit dem Thema Klimaverträglichkeit ist er aus Berufswegen in Berührung gekommen, da es Teil des Sicherheitsmanagements ist. Grundsätzlich sind für ihn Gebäude und die Umsetzung der Veranstaltung getrennt zu betrachten. Zum Gebäude gab es aktuell mit einem Ingenieursbüro eine Effizienzuntersuchung hinsichtlich der Technik& Beleuchtung, dabei wurde z. B. die Lichtanlage durch Bewegungsmelder optimiert. Bei der Größenordnung der Veranstaltungen spielt auch der Wasserverbrauch eine wichtige Rolle, berichtet Zimme, hier wurden Wassersparmaßnahmen in Form von wasserfreien Urinalen vorgenommen. Der Umweltaspekt während seiner Arbeit, so Zimme, spielt eher eine untergeordnete Rolle und kommt unter anderem in der Erfüllung von Umweltschutzauflagen zum tragen. Bislang werden Effizienz und Optimierung im Haus aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, der daraus gewonnene Effekt der Umweltverträglichkeit wird dabei gern mitgenommen.


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Evelyn Bork Teamassistenz der Initiative Musik GmbH Auf die Frage, ob die Initiative Musik darauf achte, nachhaltig agierende Künstler speziell zu fördern oder bei der Vergabe von Geldern mit umweltbezogenen Auflagen gearbeitet würde, verneinte Frau Bork. Für umweltbewusstes Handeln und touren sei der Künstler verantwortlich, kontrolliert werde lediglich die Verwendung der Mittel hinsichtlich der Kosten. Im Mittelpunkt der Förderung liegt neben dem Talent des Musikers bzw. der Musikgründe die Verwendung der Mittel hinsichtlich des günstigsten Preises.

Mankel Brinkmann Geschäftsführer und Mitbetreiber des Ehrenfelder Clubbahnhofs in Köln

Der Ehrenfelder Clubbahnhof ist ein noch relativ junges Kölner Veranstaltungszentrum mit kulturellem Anspruch. Durch das Pilot-Projekt, dem „Green Club Index“, so Clubmitbetreiber Mankel Brinkmann, habe man gleich zu Beginn die Chance bekommen, die Ausrichtung des eigenen Clubs auf eine ökologische Schiene zu lenken. „Dabei ging es zunächst darum, sich gemeinsam zu überlegen, wo man ansetzen könnte, um zum Beispiel den CO2Ausstoß des Clubs zu minimieren oder ganz konkret, ob es so einfach wäre, zu einem Öko-Stromanbieter zu wechseln. In weiteren Schritten versuchte man, gewisse Dinge zu implementieren und heute, ein Jahr später, möchte man natürlich wissen, was das Ganze überhaupt gebracht hat“, berichtet Brinkmann. Die Nachhaltigkeitsdebatte, nicht nur im Clubbereich, sieht der Clubbetreiber als Ausdruck eines Zeitgeists, der uns Menschen dazu bewege, Dinge zu hinterfragen und wohlmöglich auch abzulehnen, um alternative Wege einzuschlagen. Allerdings bedeutet nachhaltiges Wirtschaften für die Betreiber des Ehrenfelder Clubbahnhofs nicht nur Schadstoff-Emissionen einzusparen, sondern es heißt ebenso sich als aktives Mitglied des Stadtteils zu sehen, indem man ansässig ist und wirkt.


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mit ihren Nachhaltigkeitskampagnen werben, solange sie auch wirklich etwas tun”, so Fritz.“ Gerade als Festivalveranstalter hat man ein Gehör in unserer Gesellschaft. Daher sollten die Festivalveranstalter ihr Sprachrohr sinnvoll nutzen für soziale Themen.

Michael Fritz NGO Viva con Agua Michael Fritz ist bereits von Anfang an bei Viva con Agua aktiv. Derzeit ist er vollzeitbeschäftigt und kümmert sich um die Aktionen, auf denen Viva con Agua vertreten ist. Von vorderster Festivalfront berichtet er davon, dass die Leute sehr positiv auf die Projekte von Viva con Agua reagieren. Besonders die Aktion: „Gib Viva con Agua deinen Pfand zurück“ (erstmalig beim Lunatic 2007) stößt auf regen Anklang. Trotzdem, so sagt er, solle man die Erwartungen an einen Festival-Besucher nicht allzu hoch schrauben, die Leute kommen in erster Linie um Spaß zu haben, nicht um auf die Umwelt zu achten. Umso wichtiger ist es nach seiner Auffassung, die Grundstrukturen zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen, die Verantwortung bezüglich der Nachhaltigkeitsthemen liegt seiner Meinung nach klar auf der Seite des Veranstalters. „Festivals dürfen offensiv

Ina Kahle Festival Projektmanagement bei FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH „Oft handelt man im Arbeitsalltag in gewisser Weise schon klima- oder umweltverträglich ohne es explizit vorab benannt zu haben”, so Ina Kahle, Festival- und Projektmanagerin bei den Konzertproduktionen FKP Scorpio aus Hamburg. Ina Kahle ist unter anderem für die Koordination „grüner” Aktionen wie zum Beispiel dem Grüner Wohnen auf verschiedenen Festivals zuständig. Um ein passendes Nachhaltigkeitskonzept für ein Event zu erarbeiten, müsse man sich im Team zusammensetzen


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und diskutieren, ob eine Idee für ein Event oder einen Anlass überhaupt Sinn macht. Dabei, so Kahle, ist es unabdingbar ein offenes Ohr gegenüber seinen Besuchern zu haben. Die oft positive Resonanz der Presse auf das Nachhaltigkeitsthema sei zusätzlich als ein Nebeneffekt zu nennen, der es mit sich bringe, stets über die Thematik des eigenen klimaverträglichen Wirtschaften und Handeln up-to-date zu sein.

Stephanie Weigel Leiterin der Umweltprojekte des Tollwood Festivals Seit 2006 leitet Stephanie Weigel die Umweltprojekte des Tollwood Festivals. Mit ihrem Einstieg in den Festivalbetrieb wurde der Umweltbereich mit einer eigenen Personalressource ausgestattet. Auf Tollwood sei die Welt zuhause und dieser Welt fühle sich das Festival seit über 25 Jahren verpflichtet, berichtet Stephanie Weigel. Die Umweltaus-

wirkungen so gering wie möglich zu halten, sei deshalb zentrales Anliegen. Bio-Essen, Grüner Strom, Mülltrennung, klimafreundliche Anreise – all das sei möglich und erfolgreich, wenn Anreize geschaffen würden und Veranstalter wie öffentliche Stellen Hand in Hand arbeiteten. Stephanie Weigel kennt die Bedenken, vor allem die der Musikfestivals, sich als Ökofestival zu etablieren. Zum einen sei Umweltengagement aber schon längst Trend, zum anderen gäbe es keine Zielgruppe, der man das Thema Nachhaltigkeit nicht zumuten könne. Für sie ist es eine Frage der Verantwortung, bei der kein Raum für Bedenken bleibe. Großveranstalter sollten mit gutem Beispiel vorangehen, hier wünscht sie sich mehr Mut. Vor allem die Musikbranche habe eine große Strahlkraft. Hier treten Künstler vor Tausenden Menschen auf, dieses Potenzial sollte man nutzen.


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Manfred Tari Musikjournalist Mittlerweile sei einer der größten Risikofaktoren für Freiluftveranstaltungen schlechtes Wetter und dies bringe eine ganze Reihe von zusätzlichen Kostenfaktoren für Festivalveranstalter mit sich, so Manfred Tari, Freischaffender Journalist im Musikbereich. „Angefangen bei höheren Versicherungspolicen hin zu Infrastrukturmaßnahmen, damit so ein Festival überhaupt weiterlaufen kann, kommen hier einige Kleinigkeiten zusammen, die in der Summe letztendlich den Nachweis erbringen, dass die Veranstaltungsbranche zunehmend darauf reagiere”. Dies sei ein Indikat dafür, dass die Branche mittelbar oder auch unmittelbar den Folgen des Klimawandels ausgesetzt sei. Ein kurzer Draht zum meteorologischen Dienst von Seiten des Veranstalters sei da heutzutage auch keine Besonderheit mehr, so Tari. Das Umrüsten auf ein nachhaltigeres Wirtschaften für den in Deutschland meist nichtgeförderten und unter finanziellem Druck stehenden Musikund Clubbereich sieht Tari als einen schweren finanziellen Kraftakt, der oft nicht gestemmt werden könne, da einfach andere Investitionen getätigt werden müssten.

Thies Schröder Geschäftsführer Ferropolis GmbH Thies Schröder ist als Geschäftsführer der Ferropolis GmbH ein wichtiger Partner für das Melt! Festival und die Green Music Initiative bei der Planung und Umsetzung der Aktion M!Eco, deren Ziel es ist, das Festival zu einem Vorbild für umweltverträgliche Kulturveranstaltungen zu machen. Es ist Thies Schröder ein Hauptanliegen, die Entwicklung des Standorts Ferropolis so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Dabei beinhaltet der Begriff Nachhaltigkeit für ihn auch eine regionale Vernetzung. So konnte beispielsweise die Ausstattung von Ferropolis mit Solarpanels in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Umgebung gelingen.


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Julia Gudzent Melt! Festival Julia Gudzent ist der Kopf hinter M!Eco, der Initiative gegen Umweltverschmutzung und Ressorcenverschwendung des Melt! Festivals. Neue Impulse für ihre Arbeit erhält Julia Gudzent durch den Austausch mit FestivalmacherInnen aus der ganzen Welt. Daher findet sie Netzwerke wie „Yourope” oder die „GO Group” unverzichtbar für den Weg zu einer grüneren Entertainmentbranche. Man sollte allerdings Obacht geben, so Gudzent, dass bei den vielen Konferenzen und Panels zum Thema Umweltverträglichkeit nicht die Umsetzung der Ideen auf der Strecke bleibt. Eine Sammlung von Handlungsempfehlungen, erarbeitet von bekannten Vorreitern auf dem Gebiet, könnte den richtigen Anstoß geben.

Holger Jan Schmidt Leitung Rheinkultur-Festival Holger Jan Schmidt hat als Veranstalter des Rheinkultur-Festivals beeindruckend gezeigt, wie eine Großveranstaltung umweltfreundlich umgesetzt werden kann. Das begann mit dem Modell des Becherpfands, vor 15 Jahren noch ein Novum, und setzte sich fort mit „Green Rocks” – das Label, das seit 2008 alle „grünen” Aktivitäten des Festivals bündelt. Dazu zählen sowohl Aktionen und Hinweise für BesucherInnen als auch die Projekte, die das Festival selbst anstieß. Was hinter den Kulissen an Aktionen für mehr Umweltverträglichkeit geschieht, muss an das Publikum weitergegeben werden, so Holger Jan Schmidt. Nur so kann ein Bewusstsein für den eigenen Einfluss auf die Umwelt bewirkt und folglich ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem Wissen geschaffen werden. Denn ein Festivalpublikum ist eine überaus große Masse von Menschen, die ein Umdenken und einen Wandel anstoßen können.


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Erfahrungen

Die Resonanz von 86 abgeschlossenen Umfragen scheint auf den ersten Blick sehr spärlich. Berücksichtigt man jedoch, dass die OnlineUmfrage die schwierigste Form der Befragung ist, da der Angeschriebene selbst aktiv werden und sich bewusst dafür entscheiden muss, an der Umfrage teilzunehmen, bewegen wir uns mit den Rückläufen in den gängigen Quoten. Ein weiterer Grund für das geringe Interesse an der aktiven Beantwortung des Fragebogens könnte aber auch eine gefühlte Sättigung seitens der Teilnehmer bezüglich des Themas sein. Trotzdem waren die Aussagen, die von den Studien-Teilnehmern getätigt wurden, sehr aufschlussreich. So konnten wir folgende Erkenntnisse gewinnen: 1. Das Thema Nachhaltigkeit ist viel kommuniziert. Wichtig dabei ist jedoch zu erwähnen, dass die Einflussfaktoren innerhalb der Musik- und Live-Entertainment-Branche ganz unterschiedlich sind. Für Festival-Betreiber beispielsweise beeinflusst der Klimawandel schon jetzt einen Großteil des Arbeitsalltags . Spontane Wetterumbrüche und orkan-artige Winde können für ein monatelang geplantes Festival den Ruin bedeuten. Hier ist das Thema also schon akut greifbar und muss aktiv angegangen werden, wohingegen andere Teilbereiche der Branche der Thematik noch mit einer gewissen Gelassenheit entgegentreten können. Fest steht jedoch, dass Nachhaltigkeit und Klimawandel auch im Musik- und Live-Entertainment zu Themen geworden sind, derer man sich nicht entziehen kann.

2. Bei den Befragten bildet sich kein konkreter Konsens, was die Wichtigkeit des Themas angeht, da gerade einmal 53 % der Befragten der Meinung sind, dass Klimawandel einen direkten Einfluss auf ihr wirtschaftliches Handeln besitze. Trotzdem sehen 87% der Befragten die damit einhergehenden Veränderungen in Struktur und Gegebenheiten des täglichen Arbeitsverlaufs als eine Chance für das Wachstum des eigenen Unternehmens. Über 70% der Befragten sind der Meinung, dass dem Thema Nachhaltigkeit künftig noch mehr Beachtung geschenkt werden muss. Vielen ist es aber noch wichtiger, konkrete Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt zu bekommen, die ein nachhaltigeres Wirtschaften ermöglichen. Hier entsteht Potenzial für neue Berufsgruppen bzw. einem neuem Typus von Facharbeiter in genau diesem Live-Entertainment-Segment. So sind zukünftig Energieberater mit der Schwerpunktausrichtung Musikveranstaltungen ebenso denkbar wie Nachhaltigkeitsbeauftragte in größeren Entertainment-Unternehmen.


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3. Wenn auch noch nicht in jedem Teilbereich der großen Branche angekommen, so gibt es bereits jetzt viele Akteure und Projekte, die aufzeigen, wie nachhaltiges Arbeiten im Live-Entertainment aussehen kann. Vorreiter wie Ina Kahle von FKP-Scorpio (siehe Hintergrundgespräche) verdeutlichen, wie man nachhaltig und wirtschaftlich gleichermaßen agieren kann, ohne Einnahmen oder ein „Image” zu verlieren. Fakt ist aber auch, dass das Thema Nachhaltigkeit derzeit noch von Idealismus lebt und noch nicht selbstverständlich in die allgemeinen Arbeitsprozesse überführt worden ist. Knapp 25 % der Befragten haben in ihrem Unternehmen ein Ansprechpartner für Nachhaltigkeit. Von diesen 25 % nimmt für den Großteil dieser Teilbereich nur eine Nebenrolle ein. Bedenkt man allerdings, dass es sich bei vielen Unternehmen im Live-Entertainment um Klein- und Kleinstunternehmen handelt, ist dieses Viertel bereits eine beachtliche Zahl!

Fazit Das Thema Nachhaltigkeit und die Notwendigkeit umweltbewussten Wirtschaftens ist bei vielen VertreterInnen der Branche angekommen. Allerdings besteht eine Diskrepanz zwischen der allgemeinen Annahme des Themas und den individuellen Handlungen im eigenen Arbeitsumfeld, die daran anknüpfen. Es besteht die Möglichkeit, dass diese Ungleichheit bestehen bleibt. Um dem entgegenzuwirken müssen Branchenakteure aktiv werden, gemeinsam mit existierenden Initiativen und Organisationen, die die richtige Plattform bieten, um konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln und zu veröffentlichen. Das Thema Nachhaltigkeit hat in der eigenen Trendkurve einen „Peak” erreicht, an den angeknüpft werden muss. Gefragt und gesucht sind Vorreiter, die bereits heute einen alternativen Weg einschlagen. Darüber hinaus wäre es sinnvoll neue Erkenntnisse nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch in individuellen Netzwerken zu teilen, im alltäglichen Austausch mit GeschäftspartnerInnen, aber auch in Verbänden, Vereinen und Dachorganisationen. Die bereits zahlreich vorhandenen Awards für Teilbereiche der Branche sind ein erster Schritt in diese Richtung. Eine weitere Chance, nachhaltiges Agieren dauerhaft in das Tagesgeschäft einzubinden, kann die Planung von Reduktionszielen für einen mittelfristigen Zeitraum sein. Vorteile einer solchen Arbeit sind die zahlreichen Möglichkeiten die sich auftun, um sich dem Thema zu nähern.


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Fazit

Kurzfristig Nachhaltigkeit im Live-Entertainment darf kein Spartenthema werden, genauso wenig wie es noch lange ein kontroverses Thema bleiben darf. Ziel sollte es vielmehr sein, die damit verbundenen Veränderungen als dauerhafte Herausforderung anzuerkennen, an der man stetig arbeiten kann und muss.

Mittelfristig Fest steht jedoch auch, dass gewisse Belastungen, gerade im Bereich der Mobilität aus heutiger Sicht unvermeidbar sind. Hier ist das produzierende Gewerbe gefragt, beispielweise mit neuen Technologlien im Transportwesen.

Mittel- bis Langfristig Zukunftsfähigkeit und Innovation sind wesentliche Elemente der Musik- und Live-Entertainmentbranche. Doch kann dieser Anspruch, innovativ zu sein, auch auf das Handeln der Beteiligten in Bezug auf Klima- und Umweltverträglichkeit ihres Aktions- und Arbeitsumfeldes angewandt werden? Nach intensiver Auseinandersetzung mit dieser Frage können wir allenfalls mit „teilweise” beantworten. Es gibt aber durchaus höchstinteressanten Ansätze, die es Wert sind, verfolgt zu werden. Einige von ihnen konnte unsere Broschüre präsentieren. Und auch wenn wir in manchen Bereichen noch lange nicht am Ende der Möglichkeit stehen, so verdeutlichen uns die Vorreiter der Musik- und Live-Entertainment-Branche, dass die nächsten Jahre in puncto Nachhaltigkeit, Zukunftfähigkeit und Klimaverträglichkeit sehr spannend werden. Man kann sich der Thematik nicht entziehen, schon gar nicht, wenn man auch 2020 noch „live” dabei sein will.


Impressum

Text Luise Vörkel, Nora Kasparick, Falk-Arne Goßler, Ulrike Trenz

Mit freundlicher Unterstützung Prof. Dr. Hermann Voesgen und Jacob Bilabel

Gestaltung und Coverfoto Daniel Schenk

Druck v. Stern‘sche Druckerei GmbH & Co KG, Lüneburg

Möglich gemacht durch Gesellschaft der Freunde und Förderer der FH Potsdam

Dank Berlin Music Week, Club Consult, Elbjazz Festival, Tollwood Festival


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Herausgegeben von dem Studiengang Kulturarbeit der Fachhochschule Potsdam gemeinsam mit der Green Music Initiative

Unterst端tzt von:


Live 20 20 Eine Studie zum Thema Umweltvertr채glichkeit in der Musikwirtschaft

FH Potsdam Pappelallee 8-9 14469 Potsdam


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