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FAUST GEBALLT Goethes Meisterdrama „Faust“ wurde nach vielen Jahren wieder an der Burg inszeniert. Der neue Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann präsentierte am 4. September beide Teile des großen Werkes mit Tobias Moretti und Gert Voss in den Hauptrollen. Anlässlich dieses außergewöhnlichen Theaterereignisses setzte der ORF einen Paukenschlag zum Beginn der neuen Ära und gestaltet zum erstem Mal ein Live-Programm zu einer Burgtheater-Premiere – einen „geballten Faust-Abend“, der einerseits die wichtigsten Themen des Stücks und damit die großen Fragen der Menschheit behandelt, andererseits ein spannendes Live-Erlebnis mit Ausschnitten und Interviews von der Premiere bietet. Der Faust-Stoff hat alles, was ein Erfolgsstück braucht – einen Helden, der zwischen Gut und Böse wählen muss, den ultimativen, verführerischen Bösewicht, Mephisto, und eine tragische, unmögliche Liebesgeschichte. Doch wirft Goethe in seinem Meisterwerk auch die wichtigsten Fragen zur menschlichen Existenz auf, wie unser Streben nach Erkenntnis, den Konflikt zwischen dem hohen Geist und dem niederen Trieb, die Sehnsucht nach der ewigen Jugend und schließlich die Frage nach dem Preis unserer Seele. Diese Themenkreise werden in Beiträgen und durch Statements von Wissenschaftlern, Künstlern und Intellektuellen wie Markus Hengstschläger, Konrad Paul Liessmann, Daniel Kehlmann, Rotraud Perner, Reinhardt Haller und vielen anderen beleuchtet. Dadurch entsteht eine Annäherung an das große Werk der Weltliteratur, die weit über das Theater hinausragt.


Für diese Produktion stand der große Übertragungswagen vor dem Burgtheater, und ohne richtig geprobt zu haben arbeiteten zwei Regisseure und technische Teams geleichzeitig: Ein Team war für die Aufzeichnung und Direktübertragung der Szenen verantwortlich, das andere Team für die Abwicklung der Interviews, Moderationen und Publikumsbefragungen zuständig. Knapp 70 Menschen arbeiteten daran, diesen Abend mit all seiner Spannung zum Gelingen zu bringen. Der Abend „faust.geballt“ war ein innovativer Versuch, eine völlig neuartige Verschränkung von TV und Theater zu gestalten, um zu zeigen, wie viel die holde Kunst mit unserem Leben zu tun hat.


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