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FEBRUARHEFT 2017


02/2017

INHALT

Hintergrund BANG BANG: Das Neue ist meist nur das vergessene Alte von Markus Pajtler . . .................................... 4  Hintergrund Hoffmann: Raum für Klang................................. 7 Bang Bang – eine Dreidollaroper.. ................................................ 12 Hoffmann.. ................................................................................................ 14 Wiederaufnahme Rigoletto ............................................................. 18 Wiederaufnahme I’m Your Man .. ................................................. 19 Zum letzen Mal: Hexenjagd und Hänsel und Gretel ........ 22 Familienkonzert Januar, Februar, März, April ... ................. 24 Cocktail # 1: Wolfgang Hainke .................................................... 25 Wintergäste .............................................................................................. 28 Kaputtalismus #5: Niko Paech ..................................................... 29 Tarantino im Theater und im Kino ............................................ 31 Autorenküche #2: Jan Eichberg ................................................... 32 Europäische Gespräche: Rolf-Dieter Krause ......................... 33 Und außerdem ........................................................................................ 36 Theaterpädagogik und Junge Akteure ..................................... 39 Pfeil des Monats .................................................................................... 40 Ermäßigte Kartenpreise .................................................................... 43 Kontakt ...................................................................................................... 46


02/2017

LIEBES PUBLIKUM, LIEBE LESERINNEN UND LESER! „Die Volksbühnen-Idee des Theaters besagt, dass das ästhetische Experiment, wenn es konsequent durchgeführt wird, die Kraft hat, für den Moment seines Vollzugs die Welt zu verändern. Am Grund dieser Theateridee steht ein höchst unwahrscheinliches, gänzlich unzeitgemäßes Vertrauen in die Kraft der Kunst: dass das Ästhetische, wenn es ernst genommen wird, aus sich selbst heraus weltverändernd ist.“ Christoph Menke lehrt Praktische Philosophie in Frankfurt am Main und er hat sich mit diesen Sätzen öffentlich in die Berliner Diskussion um die Volksbühne eingeschaltet. In der ästhetischen Praxis stelle sich immer die Frage der Form. Es gehe dabei nicht um Formzerstörung, es gehe um Formwerdung, dem plötzlichen Effekt einer neuen Form aus dem Spiel heraus, dem sinnlosen und intentionsfreien Spiel. Ich musste an diese Sätze denken, als ich Leonie Böhms Inszenierung von Houellebecqs Unterwerfung bei uns im Kleinen Haus sah. Und sie kamen mir wieder in den Sinn in den Proben zu Golden Heart von Alize Zandwijk. Wie da etwas neu zur Form wird, für die es vielleicht noch keinen Begriff gibt, und etwas aufscheint, was mich meint und glaubt, das Leben verändern zu können. Menke begründet es so: „Denn das Theater ist im ästhetischen Vorspielen des Werdens der Form immer zugleich eine Nachahmung, eine Wiederholung des Lebens. Das Theater ist nicht rein ästhetisch; es zieht das Leben in das ästhetische Experiment hinein.“ Michael Börgerding 3


HINTERGRUND BANG BANG

DAS NEUE IST MEIST NUR DAS VERGESSENE ALTE Der Autor Markus Pajtler über die Dreidollaroper Während große Teile der Filmbranche stets nach dem Neuen, Innovativen, nie Dagewesenen suchen und sich damit regelmäßig selbst betrügen, macht der Regisseur Quentin Tarantino etwas völlig anderes. Er entleiht, kopiert und dramatisiert bewusst Elemente aus vergessenen und unvergessenen alten Filmen. Er collagiert seine Lieblingsmotive zu neuen, eigenen Kreationen. Mit diesem Stil gilt er als das Beispiel des postmodernen Filmemachers. Tarantino bedient sich nicht selten des europäischen, amerikanischen und japanischen Genrekinos der sechziger und siebziger Jahre und arrangiert und stilisiert es neu. Wie gut dies funktioniert, merkt der Filmkenner daran, dass Django oder der Filmtitel Inglourious Basterds beim Mainstream-Publikum oftmals als Machwerke Tarantinos identifiziert werden, obwohl die Originalfilme von Sergio Corbucci und Enzo G. Castellari zu ihrer Zeit ebenfalls weltbekannt waren. Wer Tarantino-Filme kennt, weiß, dass die Musik bei ihm eine entscheidende Rolle spielt. Sergio Leone bezifferte den Anteil der Musik am Erfolg eines Films auf 60 Prozent. Auch wenn diese Zahl natürlich schwer verifizierbar ist, so lässt sich in Tarantinos Werk doch eine erhebliche Musikalität feststellen und sein Erfolg nicht leugnen. Nur selten jedoch lässt Tarantino neue Stücke komponieren. Er verwendet viel lieber bekannte Lieder aus Filmen der Vergangenheit.

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Bekannte Themen von Filmkomponist und Oscarpreisträger Ennio Morricone finden dabei am häufigsten Wiederverwendung in seinem Schaffen. Den Ursprung einer Musik wie L’arena oder eines Songs wie Across 110th Street kennen heute nur noch ausgesprochen cinephile Menschen. Und so geschieht, was mit anderen unausgewiesenen Zitaten außerhalb ihres Kontextes passiert: Sie werden zum Werk eines anderen. Auch das Theater kennt solche Phänomene. Bekannte aber gut vergessene Texte werden von namhaften Autoren aufgegriffen und wiederbelebt, neu interpretiert, neu erzählt. Faust gilt heute gemeinhin als alleinige Schöpfung Goethes. Nur wenige wissen, dass die Geschichte um Doktor Faustus bereits von anderen Autoren vor ihm beschrieben wurde. Ein ähnliches Schicksal trifft John Gay, der im Jahr 1728 The Beggar’s Opera verfasste. Denn während hierzulande Brechts Dreigroschenoper in vielen Schulen zum Unterrichtsstoff gehört, kennt man das Original nur durch Zufall oder überdurchschnittliches Kulturinteresse. Als eine Oper für den kleinen Mann gedacht erhielt sie ihren Namen, der durch die Übersetzung in Die Bettleroper und das Auftreten von als Bettler verkleideten Kleinganoven häufig missverstanden wird. Gay hat eine Oper geschrieben, die nicht für die Elite, den Geldadel gedacht war, sondern inhaltlich, politisch, kritisch gegenüber diesem war. The Beggar’s Opera war für ein breites Publikum verständlich und finanziell erschwinglich. „Des Bettlers Oper“ oder „Die Oper für den Bettler“ wären passendere Übersetzungen und auch Brechts Titel Dreigroschenoper ist da vermutlich treffender gewählt. Torsten Kindermann, Komponist und Ideengeber des Stücks

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HINTERGRUND BANG BANG

BANG BANG – eine Dreidollaroper, stellte den Bezug zwischen dem Tarantino Titel Pulp Fiction (engl., Groschenliteratur, Schundliteratur) und dem von Brecht erdachten Namen her. Denn vor allem die bei Gay auftretenden Figuren waren es, die ihn an den Regisseur und seine Filme erinnerten. Figuren, die boshaft und fies, aber zugleich fesselnd unterhaltsam sind. In der Inszenierung von Regisseurin Selen Kara könnte ein Stück entstehen, das es ermöglicht, die beliebte und eingängige Musik des Tarantino Universums ins Theater zu übersetzen. Ganz nach dem postmodernen filmischen Vorbild wurde auf den Original-Text von John Gay zurückgegriffen, dieser neu arrangiert, formuliert und neu gedacht. Entstanden ist ein Stück, das sich wie ein Tarantino-Film völlig ohne Kenntnis verwendeter Referenzen und Erwähnungen betrachten lässt, in dem jedoch findige Theatergängerinnen und aufmerksame Cineasten noch eine Spur mehr entdecken können. Die Musikaffinität des Originals wurde beibehalten und die Titel wurden durch Lieder aus dem Tarantino-Kosmos ersetzt. Bühnenbild und Kostüm haben ebenso den Anspruch, die Tarantino-Inspiration merklich werden zu lassen – ohne dabei jedoch gänzlich John Gay zu vernachlässigen. Die Dreidollaroper wird also nicht den Versuch einer medialen Übersetzung unternehmen und einen Film auf die Bühne bringen. Es geht darum, einer Musik, die für eine ganz bestimmte Art von Film steht, ein Bühnendebüt zu verschaffen. Es soll etwas Neues entstehen – aus dem gut vergessenen Alten.

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PREMIERE HOFFMANN

RAUM FÜR KLANG

Der Multimedia-Komponist Riccardo Castagnola im Gespräch mit der Dramaturgin Isabelle Becker Isabelle Becker: Du hast Elektronische Musik und Komposition in Bologna und Bremen studiert. Woher kam dein Interesse? Die Welt und was in ihr akustisch passiert, das hat mein Interesse an der elektronischen Musik geweckt. Als ich vier Jahre alt war, hat mein Vater mich oft mit Kopfhörern und Aufnahmegerät in den Wald mitgenommen. Ich hatte die Kopfhörer auf und er versuchte, mit dem Mikrofon Bienen oder andere Geräusche aufzunehmen und zu verstärken. Es gibt Videoaufnahmen davon, wie ich dastehe und breit lächle. Das mag kitschig klingen, aber es hat in jedem Fall Einfluss auf mich gehabt. Mein erstes Instrument war dann ein elektroakustisches: eine E-Gitarre, die zwar auch unverstärkt klingen kann, aber mit Verstärkung eine ganz andere Welt eröffnet. Es war für mich wie die Entdeckung, dass die Erde nicht flach ist, sondern es ein nahezu unbegrenztes Universum gibt. Deine Arbeiten umfassen Multimedia-Performances, LiveElektronik mit Instrumenten, audio- oder audiovisuelle Werke, Sound-Design, Filmmusik etc.. Was macht deine Kompositionen aus? Ich will Geschichten erzählen und das kann ich persönlich besser mit Geräuschen als beispielsweise über Tonhöhen. Während Musik häufig auf Konventionen beruht, kann man

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PREMIERE HOFFMANN

Geräusche unmittelbar verstehen. Es gibt keine richtige Interpretation, es gibt nur das, was jeder fühlt. Was mich in erster Linie interessiert, ist die Verbindung von Klang und Bildern. Nicht nur das, was man vor sich sieht, sondern auch die Bilder, die im Kopf entstehen. Wenn ich Wasser-Geräusche benutze – erkennbar oder verfremdet –, hat jeder sofort eine Vorstellung. Die durch Geräusche und Atmosphären erzeugten Bilder müssen aber nicht bei jedem gleich sein. Was sind deine Inspirationsquellen – von den Geräuschen, die uns alle umgeben, abgesehen? Ich lasse mich für ein Stück meistens von Literatur, Bildern oder anderem außermusikalischem Material inspirieren. Der Text verschwindet häufig im Prozess, aber er ist ein wichtiger Referenzpunkt beim Arbeiten. Die Dramaturgie übernehme ich nicht eins zu eins, ignoriere sie aber auch nicht. Es spielt vielmehr eine Rolle: Wo bin ich, wie teilt der Schriftsteller den Raum ein, wie entwickelt sich die Geschichte weiter. Übrig bleiben vielleicht nur einzelne Worte. Die Zuhörer müssen den Text nicht kennen, weil er auf einer anderen Ebene stattfindet. Mir fällt auf, dass du in Arbeitsgesprächen sofort Raumskizzen anfertigst und prinzipiell den Raum als Klangraum und die Klänge als Variablen im Raum betrachtest. Raum ist immer da, in jedem Moment des Lebens und auch in der Fiktion des Theaters oder der Musik – bewusst oder nicht bewusst. Wir nehmen die Realität über den Raum wahr. Philosophisch betrachtet, sprach schon Platon über die Diskrepanz von Wahrnehmung und Phänomen. Er ging

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davon aus, dass Ideen an sich existieren. So ist das auch mit dem Klang: Wenn im Amazonas ein Baum umfällt und ein riesiges Geräusch macht, existiert es nur, wenn ich da bin oder existiert es auch nur für sich? Für mich ist beim Komponieren der Raum eine wichtige Komponente, weil dieser über die Wahrnehmung entscheidet. Das heißt, es ist wichtig, wo die Klänge herkommen und wie sie sich wo bewegen. Das klingt doch sehr theatral … Der Raum für Klang ist tatsächlich für mich wie im Theater die Bühne oder die Szene: Es gibt Schichten und Parameter, die ihn bezeichnen. Es gibt Grenzen und Dinge, die darüber hinausgehen. Wenn man mit Elementen wie Nachhall oder anderen Bearbeitungen von Klang arbeitet, dann überlappen sich verschiedene Ebenen und wir nehmen nicht nur den realen Raum wahr, sondern es entsteht über die Lautsprecher ein abstrakterer, fiktiver Raum, der sich damit verknüpft. Kommen wir zu der Oper Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach: Wie war deine erste Begegnung und schließlich deine Herangehensweise an das Stück? Bevor ich die Musik gehört habe, war für mich wichtig – wie sonst auch –, den Text zu verstehen. Erst dann habe ich versucht, dem kompositorischen Prozess näher zu kommen. Was ist ihm wichtig und wie fügt sich das in unsere Narration? Ich mag die Collage als Arbeitsweise. In dem Fall verstehe ich die Musik Offenbachs als ein Material oder ein Objet trouvé. Es lässt sich manchmal verändern, manchmal nicht. In der elektroakustischen Tradition gibt es den Gedanken, dass jeder Klang ein Leben hat. Man muss spüren,

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PREMIERE HOFFMANN

wie lang ein Klang ausgehalten werden kann und wann er erlischt. Es gibt Klänge, die vielleicht stundenlang andauern können, andere haben ein viel kürzeres Leben. Meine Rolle ist es, das bei Offenbach zu erkennen. Welche Klänge kann ich übernehmen und zeitlich ausdehnen, welche kann man manipulieren, ohne sie zu stark zu verändern. Es geht um die Balance zwischen Zitat und Bearbeitung. Was interessiert dich in erster Linie an dem „Material“ von Offenbach? Der erste Eindruck beim Hören ist entscheidend: An Offenbachs Komposition waren es vor allem seine Songs – seine Arien und Couplets –, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Olympias Arie hat so eine monumentale Kraft, oder auch das Couplet von Nicklausse oder die Barkarole. Auch die instrumentalen Zwischenspiele fand ich manchmal interessanter als die Nummern selbst. Das liegt an der Beziehung zwischen Begleitung und Melodie als auch an ihrem Bezug zum Text. Wie ging Offenbach mit den Parametern Raum und Klang um? Zu Offenbachs Zeit wurde die Musik für einen Graben komponiert: Sie war immer versteckt und trotzdem da, wie eine Art von göttlicher Präsenz. Der Komponist Luciano Berio hat den letzten Teil seines Lebens dem Musiktheater und der Frage gewidmet: Wie funktioniert ein Orchester im Raum? Wie ist die Beziehung zwischen dem Sänger auf der Bühne und dem Orchester im Graben? Wie bewegt sich der Klang? Er wollte durch die Idee von Vertikalität den Klang des Or-

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chesters wieder präsent und funktional für die Dramaturgie machen. Man sollte hören, woher der Klang kommt, damit er körperlich wird. Das heißt auch, dass alle Parameter mit einem bestimmten Raum verbunden sind und sie sich nicht einfach auf einen anderen übertragen lassen. Ich wurde sehr von Berios Konzeption von Raum inspiriert. Ein weiterer Parameter in Offenbachs Musik ist auch der Rhythmus oder die (Im)pulse, die er setzt. Ich glaube, der Beat steht immer für einen Charakter der Figuren. Jeder bewegt sich in seinem eigenen Rhythmus. Das lässt sich übertragen auf unsere Gesellschaft, in der jeder seinen Puls hat, den wir nur selten spüren können. Bei Offenbach treffen manchmal innerhalb einer Nummer mehrere Charaktere in ihrer ganz eigenen Artikulation aufeinander. Mein Wunsch war es, die unterschiedlichen Charaktere und ihren Puls simultan zu hören und nicht wie bei Offenbach geschrieben. Was passiert beim Zuschauer, wenn die Pulse nicht nur mit- und nebeneinander, sondern ineinander verschränkt erklingen? Wir leben täglich in einer Art Gleichzeitigkeit. Das hat Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Entwicklung der Zeitzonen und später mit der Erfindung des Internets zu tun. Wir leben in dem Bewusstsein, zur gleichen Zeit hier und woanders zu sein. Es ist für mich ein Bedürfnis, das aus unserer Zeit heraus zu denken und auf Hoffmann zu übertragen.

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PREMIERE SCHAUSPIEL

BANG BANG – EINE DREIDOLLAROPER Aufrechte Liebe und krummes Geschäft

Bang bang – I shot you down / Bang bang – you hit the ground / Bang bang – that awful sound / Bang bang – I used to shoot you down / Music played and people sang / Just for me the church bells rang / Now he’s gone I don’t know why / Until this day sometimes I cry / He didn’t even say good bye / He didn’t take the time to lie / Bang bang – he shot me down / Bang bang – I hit the ground / Bang bang – that awful sound / Bang bang – my baby shot me down (Nancy Sinatra) DAS STÜCK

BANG BANG – eine Dreidollaroper von Selen Kara, Torsten Kindermann und Markus Pajtler Der Song zum Prolog des zweiten Teils von Kill Bill kann auch als Beschreibung Pollys aus der legendären Bettler­oper gelesen werden. Kein Wunder, dass die Regisseurin Selen Kara und den Musikalischen Leiter Torsten Kindermann bei ihrer Suche nach einem Stoff für die große Bühne die Kombination aus den Kultsongs der Tarantino-Filme mit John Gays Beggar’s Opera aus dem Jahr 1728 faszinierte. Überarbeitungen der Geschichte um die Peachums, Polly, Macheath und all die anderen Gangster-HeldInnen gab es viele. Am berühmtesten ist sicherlich Brechts Dreigroschenoper. Die Faszination für abseitige Figuren und das Gangstermilieu ziehen sich durch die Jahrhunderte. Denn hier trifft alles aufeinander, was das Genre und die Menschheit im Allgemeinen zu

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bieten haben: Eifersucht, Täuschung, Neid, Verrat, Gewalt, Tod aber natürlich auch – und die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt – die Liebe und die Komik des menschlichen Daseins! Obwohl fast 300 Jahre zwischen ihnen liegen, passen Tarantinos Songs perfekt zu Gays Geschichte, die der Drehbuchautor Markus Pajtler gemeinsam mit Selen Kara für das Theater Bremen aktualisierte. Das stimmstarke Ensemble der Istanbul-Produktion wird erweitert um Simon Zigah, Lisa Guth und Franziska Schubert. Und dank des Bühnenbildes von Thomas Rupert und Nanako Oizumi geht es nun in den weit entfernten Wilden Westen. Mm-hmm … This is a tasty opera! DIE REGISSEURIN

Nach dem Abitur besuchte Selen Kara die Medyapim-Akademie in Istanbul mit dem Schwerpunkt Schauspiel/Regie und studierte Theater- und Medienwissenschaft an der Ruhr Universität Bochum. Von 2012 bis 2014 war sie Regieassistentin am Schauspielhaus Bochum, wo sie Blaubart – Hoffnung der Frauen von Dea Loher inszenierte und als Assistentin unter anderem mit Roger Vontobel, Anselm Weber, Jan Neumann, Christina Paulhofer und David Bösch arbeitete. Ihre erste Arbeit am Theater Bremen war der Sezen AksuLiederabend Istanbul. Premiere 11. Februar, 19:30 Uhr im Theater am Goetheplatz Regie: Selen Kara Musikalische Leitung: Torsten Kindermann Fassung: Selen Kara, Markus Pajtler Bühne: Thomas Rupert, Nanako Oizumi Kostüme: Emir Medić Dramaturgie: Natalie Driemeyer Mit: Martin

Baum, Peter Fasching, Lisa Guth, Gabriele Möller-Lukasz, Susanne Schrader, Franziska Schubert, Simon Zigah und der Band: Andy Einhorn, Torsten Kindermann, Erik Konertz, Gabriela Radzek, Oliver Siegel, Stefan Ulrich, Jan-Sebastian Weichsel

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PREMIERE MUSIKTHEATER

HOFFMANN

Ein Offenbach-Projekt von Levin Handschuh und Riccardo Castagnola „Die Insel ist ein theatraler Raum: Alles, was hier geschieht, verdichtet sich beinahe zwangsläufig zu Geschichten, zu Kammerspielen im Nirgendwo, zum literarischen Stoff. Diesen Erzählungen ist eigen, dass Wahrheit und Dichtung nicht mehr auseinanderzuhalten sind, Realität fiktionalisiert und Fiktion realisiert wird“, schreibt Judith Schalansky in ihrem Atlas der abgelegenen Inseln. Das Leben auf einer Insel muss aber nicht zwangsläufig abgelegen sein. Der Protagonist aus Hoffmanns Erzählungen beispielsweise ist sich selbst eine Insel, umgeben von Menschen. Bei Jacques Offenbach erzählt er sich in seinen Erzählungen selbst und wird somit zu seiner eigenen Fiktion. In dem musiktheatralen Projekt Hoffmann wird diese Situation noch zugespitzt: Durch die Reduktion auf vier Hauptcharaktere, die sich in den einzelnen Geschichten immer wiederholen, sowie die Konfrontation von Offenbachs Fragment mit zeitgenössischen elek­tronischen Klängen von Riccardo Castagnola, wird die Insel Hoffmann mit der Welt zusammentreffen. DAS STÜCK

Hoffmann. Ein Offenbach-Projekt von Levin Handschuh und Riccardo Castagnola. Uraufführung Dreimal erzählt Hoffmann von seinem Scheitern. Und dreimal erzählt er die gleiche Geschichte: der Versuch der Annäherung an das „Objekt der Begierde“ wird von einem immer

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dämonischer werdenden Widersacher zunichte gemacht. Begleitet und kommentiert wird Hoffmann von seinem Freund Nicklausse, der gewissermaßen zwischen den Welten wechseln kann. Doch das, was Hoffmann misslingt, ist nicht nur die Annäherung an den Roboter Olympia, die todkranke Sängerin Antonia oder die dämonische Kurtisane Giulietta, sondern immer mehr auch das Scheitern an der Realität. In ihrer gemeinsamen Fassung geht es Levin Handschuh und Riccardo Castagnola in Offenbachs Opernfragment um die Romantik als Spiel mit verschiedenen Wirklichkeits-Ebenen und psychologischen Abspaltungen. DER REGISSEUR

Levin Handschuh (*1986) studierte Theater- und Medienwissenschaft, Literatur und Philosophie an der Universität Erlangen und Schauspiel- und Musiktheater-Regie an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München bei Prof. Cornel Franz und Prof. Sebastian Baumgarten. Seit 2014 arbeitet Levin Handschuh als Regieassistent am Theater Bremen und kreierte hier gemeinsam mit Dany Handschuh die Reihe Temporäre Musikalische Zone. In der Spielzeit 2015/16 erarbeitete er am Theater Bremen eine neue Fassung von Massenets Don Quichotte, seine erste größere Zusammenarbeit mit Riccardo Castagnola. Premiere 9. Februar, 20 Uhr im Kleinen Haus Musikalische Leitung: Tommaso Lepore Regie: Levin Handschuh Musikalische Bearbeitung: Riccardo Castagnola Bühne: Nanako Oizumi Kostüme: Sofia Korcinskaja Dramaturgie: Isabelle Becker, Ingo Gerlach Mit: Christian-Andreas Engelhardt, Iryna Dziashko, Christoph Heinrich,

Pauline Jacob Gefördert durch die BREMER THEATERFREUNDE 15


Hyojong Kim und Nathalie Mittelbach in Rigoletto: Wiederaufnahme am Fr 16. Februar


WIEDERAUFNAHME MUSIKTHEATER

VERDI: RIGOLETTO

Ein musikalischer Horrorfilm

1831 schrieb Ludwig Börne nach Deutschland: „Die Pariser Melodramendichter sind wahre Kannibalen, Menschenfresser. Sie reißen einem das Herz aus dem Leibe. Das Ohr kann nicht gerührt werden von solchem dummen Zeug; aber die Augen müssen doch weinen, wenn sie offen sind.“ Neben den Melodramen profitierte auch die Oper des 19. Jahrhunderts in großem Stil von den Stoffen der Kolportage, ihren nicht unbedingt subtilen Konstellationen, grellen Kontrasten und großen Schauwerten: Die Verführung der reinsten Unschuld und der Triumph des abgrundtief Bösen finden sich auch in Rigoletto. Verdi schrieb für die Geschichte um die misslingende Rache des buckligen Hofnarren eine fast voyeuristische Musik des brutalen Hinschauens. Dass die Figuren dennoch psychologisch vielschichtig werden und mehr sind, als eindimensionale Abziehbilder, lässt einem Rigoletto immer noch und immer wieder unter die Haut gehen. Michael Talke setzte in seiner gefeierten Inszenierung auf die kontrastreichen Konstellationen und erzählt Rigoletto als ein Jahrmarkt-Schauermärchen, in dem alles schief läuft, was schief laufen kann. Wiederaufnahme Do 16. Februar, 19:30 Uhr im Theater am Goetheplatz

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WIEDERAUFNAHME SCHAUSPIEL

I'M YOUR MAN

Leonard Cohen still alive

„Er hat es natürlich gewusst. Und er hat es auch gesagt. Weil große Dichter große Wahrheiten aussprechen müssen, wenn sie sie spüren. Lord, I’m ready, singt, nein: spricht Leonard Cohen auf seinem letzten Album, das schon als Vermächtnis angelegt ist. Noch im hohen Alter war Cohen ganz der Alte im Anzug, Auge in Auge mit den letzten Dingen und in der Lage, davon mit einer Nonchalance zu erzählen, wie nur Erleuchtete sie aufbringen. Und dann, bei einer Pressekonferenz zur Veröffentlichung von You Want It Darker, hat er alles wieder zurückgenommen. Da sagte er, auf seinen Stock gestützt und leise in die Runde lächelnd wie ein gütiger Großvater, der die berechtigten Sorgen seiner Kinder und Enkelkinder mit gewohntem Witz zerstreut: Da habe ich wohl übertrieben. Ich neigte schon immer zur Selbstinszenierung. Meine Absicht ist es, ewig zu leben.“ (Arno Frank, Spiegel Online) Das wird er. Zumindest in seinen Liedern und auch in dem musikalischen Abend, den der Regisseur Felix Rothenhäusler und der Musiker Matthias Krieg mit dem Schauspielensemble bereits 2013 als Hommage an Leo­ nard Cohen ins Kleine Haus gebracht haben. Nun kommt er wieder zurück, Hallelujah! Wiederaufnahme So 19. Februar, 18:30 Uhr im Kleinen Haus

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I’m Your Man – Ein Leonard Cohen-Liederabend, Wiederaufnahme am So 19. Februar


ONE MORE TIME

ZUM LETZTEN MAL

HEXENJAGD

Jetzt müsste man einmal hexen können und so eine letzte Vorstellung mit allem Drum und Dran einschrumpfen können, in die Tasche stecken und nach Jahren wieder auf die Bühne zaubern. Meine besten Bremer Freunde sind bildende Künstler. Bei denen verschwindet nie, was sie gemacht haben. Nicht immer ein Vorteil. Und die armen müssen’s immer alleine machen. Wir machen’s immer zusammen mit den anderen. So einen tollen Hexenchor hat man nicht alle Tage. Schön war’s! Benno Iffland, Schauspieler Do 2. Februar, 19:30 Uhr im Theater am Goetheplatz HÄNSEL UND GRETEL

„Vorsicht, hinter euch!“ – Zwar gibt es gerade in einem Märchen zahlreiche Momente, die einen staunen machen, aber der schönste Augenblick war diese Warnung, die eine sehr junge Zuschauerin Hänsel und Gretel auf der Bühne zurief. Keine einstürzende Wand, kein Loch im Boden, vor der sie hätte warnen wollen, sondern vor der Knusperhexe, die gerade im Begriff war, ihre gierigen Finger nach den (noch) ahnungslosen Bühnengeschwistern auszustrecken. Und in diesem Moment gab es nicht mehr nur den Hexenzauber auf der Bühne, viel mehr war die ganze Magie des Theaters zu spüren. Levin Handschuh, Regieassistent Sa 25. Februar, 18 Uhr im Theater am Goetheplatz

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Ulrike Mayer und Marysol Schalit in Hänsel und Gretel


FAMILIENKONZERT

JANUAR, FEBRUAR, MÄRZ, APRIL ...  – DIE MUSIK STEHT NIEMALS STILL Phil für dich – mit den Bremer Philharmonikern Wer kennt es nicht: Bis der langersehnte Geburtstag kommt, vergeht die Zeit wie im Schneckentempo und ist er endlich da, geht er vorbei wie im Flug. Dann dauert es wieder 365 Tage, 8.760 Stunden oder 525.600 Minuten bis zum nächsten Geburtstag. Auch Moni, Wolle und die Bremer Philharmoniker feiern inzwischen ihr 10. gemeinsames Familienkonzert – den 10. Geburtstag ihrer musikalischen Freundschaft. Gemeinsam werden sie bei diesem Konzert zeigen, dass das Jahr mit seinen unterschiedlichen Jahreszeiten voll ungeahnter Möglichkeiten steckt, die man auskosten sollte: Der Frühling schmeckt nach Himbeereis, im Sommer kommen die großen Ferien, im Herbst kann man mit Gummistiefeln durch die Pfützen springen und der Winter duftet nach frischgebackenen Plätzchen. Auch viele Komponisten haben in ihren Musikstücken die schönsten Momente des Jahres eingefangen. Dabei gibt es weit mehr als Vivaldi und seine Vier Jahreszeiten. Kommt und hört selbst! Premiere So 19. Februar, 11 Uhr im Theater am Goetheplatz Musikalische Leitung: Jinie Ka Mit: Wolfgang von Borries, Alexander Swoboda Szenische Einrichtung: Caroline Blanck Bühne und Kostüme: Christina Hoenicke Dramaturgie: Isabelle Becker. Es spielen die Bremer Philharmoniker

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DRINKS UND DISKURS

COCKTAIL # 1: WOLFGANG HAINKE Pio Rahner trifft die Bremer Kunstszene

Für die Bremer Räuber-Inszenierung von Peter Zadek entwarf der Bühnenbildner Wilfried Minks 1966 einen Raum im Stil des amerikanischen Pop-Künstlers Roy Lichtenstein. Er sorgte damit nicht nur für einen ästhetischen Skandal, sondern vor allem für die Öffnung geschlossener Bühnenräume mit Mitteln der Bildenden Kunst. Mittlerweile ist die Theaterwelt enger denn je mit der modernen Kunstszene verbunden und die gegenseitige Inspiration unabdingbar. Die neue Diskursreihe Cocktail möchte entsprechend den Gedankenaustausch Bildender KünstlerInnen in Bremen fördern und neue Begegnungen mit Theaterschaffenden und -interessierten initiieren. Jeden Monat lädt deshalb der Fotograf Pio Rahner, der dem Theater Bremen seit 2012 über verschiedene Projekte verbunden ist, herausragende Persönlichkeiten der hiesigen Kunstszene zu einem Drink und einem Gespräch ins noon ein. Die Reihe wird mit dem Künstler und Kurator Wolfgang Hainke eröffnet, der u. a. bereits 1987 an der documenta 8 teilnahm. Er stellt sein Kunstprojekt W(H)/ALE on View vor, an dem er mehr als 20 Jahre mit zahlreichen KünstlerInnen gearbeitet hat. Anlässlich seiner Ausstellung, 1992 in der Städtischen Galerie, wurde das Wal-Bild von Franz Wulfhagen, das bis zu diesem Zeitpunkt im Depot des Übersee-Museums gelagert hatte, erstmals wieder der Öffentlichkeit vorgestellt. Di 14. Februar, 20 Uhr im noon / Foyer Kleines Haus

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Annemaaike Bakker und Vincent Basse in Unterwerfung


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WINTERGÄSTE

mit Barbara Kostolnik und Wladimir Kaminer – live und im Radio Die „Wintergäste“ sind wieder in der Stadt: Gespräche in Kaffeehaus-Atmosphäre, mal luftig-heiter, mal nachdenklich und intensiv. Die Nordwestradio-Moderatoren Katrin Krämer und Otmar Willi Weber präsentieren Prominente von ihrer unbekannten Seite. So wie im Sommer 2016 begrüßt das Nordwestradio auch im Winter 2017 seine Gäste im Rangfoyer des Theater am Goetheplatz. Nach dem Auftakt am 28. Januar gibt es im Februar drei weitere Termine: Am 4. Februar berichtet die ARD-Hörfunkkorrespondentin in Paris, Barbara Kostolnik, vom Leben in Frankreich, den Folgen der Terroranschläge für die französische Psyche und dem laufenden Präsidentschaftswahlkampf. Zwei Wochen später, am 18. Februar, ist der Bestsellerautor Wladimir Kaminer unser Wintergast: Seit Russendisko ist der 49-jährige bekannt für seinen höchst amüsanten Blick auf das deutschrussische Verhältnis. Im Februar erscheint – pünktlich zum 100. Geburtstag der Oktoberrevolution – sein neues Buch: Goodbye, Moskau: Betrachtungen über Russland. Die BesucherInnen können vorab ein Frühstück für die Wintergäste-Veranstaltung reservieren. (Telefon: 0421 32 60 48) Live-Veranstaltungen: 28. Januar, 4., 11. und 18. Februar

jeweils von 11 – 12 Uhr im Theater am Goetheplatz (Foyer). Eintritt frei! Und ab 13:05 Uhr im Nordwestradio von Radio Bremen Moderation: Katrin Krämer und Otmar Willi Weber

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REIHE

KAPUTTALISMUS #5: NIKO PAECH Befreiung vom Wohlstandsschrott

Welche Auswirkungen hat der globale arbeitsteilige Wertschöpfungsprozess auf den einzelnen Menschen? Einige der Stücke dieser Spielzeit berühren diese Fragen und legen ein dringendes Nachdenken nahe über Umverteilung, Wohlstandskonzentration und über die Grenzen unseres Wirtschaftssystems. In der neuen Reihe Kaputtalismus lädt das Theater Bremen Menschen ein, die in mehr oder weniger radikalen Alternativen zum Bestehenden denken. Nach Robert Misik, Rudolf Hickel, Ulrike Hermann und Sven Beckert ist im Februar Niko Paech zu Gast, außerplanmäßiger Professor für Produktion und Umwelt an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Während Hickel und Hermann noch an Systemimmanente Veränderungen und eine vernünftige, soziale Marktwirtschaft glauben, gibt Paech dem Wachstum als stabilisierendem Faktor keinerlei Chance mehr. Seine „Postwachstumsökonomie“ basiert auf der Überzeugung, dass es kein ökologisch vertretbares Wachstum gibt. Auch eine „grüne Effizienz“ ist „unwahrscheinlicher als die Quadratur des Kreises“, sagt er und predigt die radikale Minderung unserer Ansprüche, Entrümpelung, Entschleunigung und die Befreiung vom Überfluss. Nur so haben wir eine Chance. Mo 27. Februar, 19:30 Uhr im Theater am Goetheplatz (Foyer). Eintritt frei! In Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Bremen

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Moodboard zu BANG BANG von Kostümbildner Emir Medić


BEGLEITPROGRAMM

TARANTINO IM THEATER UND IM KINO Tarantino-Filme zur Dreidollaroper im CITY 46

Begleitend zur Premiere von BANG BANG – eine Dreidollaroper zeigt das CITY 46 von Ende Januar bis März drei Tarantino-Filme, deren legendäre Soundtracks auch in der Inszenierung gespielt werden. Inglourious Basterds (2009, OmU): Tarantino verfilmt nicht den historischen Faschismus, sondern unsere Gefühle, wenn wir uns diesem Thema zuwenden. Eine cineastische Rachefantasie. Di 24. (mit Einführung), Mi 25. und Do 26. Januar The Hateful 8 (2015, OmU): Ein wortreicher Schneewestern im 70-Millimeter-Breitwandformat, für den Tarantino den inzwischen fast 90-jährigen Altmeister Ennio Morricone (Spiel mir das Lied vom Tod) gewinnen konnte. Sa 25, Mo 27. Februar; Mi 1. März

Death Proof (2007, OmU): Ein Highway-Killer hat es auf eine ziemlich attraktive Mädchenclique abgesehen. Die sind aber schlagfertiger als angenommen – und zwar nicht nur in Sachen Girl Talk. 16., 17. und 21. März – Und am Mi. 1. Februar im Rahmen der Ein-Sichten im Theater Bremen. Alle Filme im CITY 46 (Reservierung, Zeiten und Infos unter: ticket@city46.de / 0421-957 992 90 / www.city46.de) Bei Vorlage der Theaterkarte ermäßigter Eintritt bei der Kinovorstellung

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AUTORENKÜCHE #2: JAN EICHBERG Kochen, essen, reden

Zeitgenössische Dramatik und ihre Autoren vorzustellen, Begegnung zwischen AutorInnen, ihren Texten und dem Publikum zu stiften, hat sich das Theater Bremen mit der neuen Reihe Autorenküche in dieser Spielzeit vorgenommen. Und ausgehend von der Tatsache, dass so manch nachhaltiges Kennenlernen am Küchentisch stattfindet, laden Schauspieldramaturgin Simone Sterr und ihr Gast das Publikum an den großen Tisch ins noon. Zuvor wird gekocht, aus bisher unveröffentlichten Manuskripten gelesen, über Leben und Werk gesprochen. Im Februar zu Gast: der Bremer Autor und Filmemacher Jan Eichberg. Seit seinem Abschluss an der Filmhochschule Hamburg mit Der fremde Fotograf und Die Einsamkeit (2012) hat er mit Jule (2015) und Valeska (2016) zwei abendfüllende Spielfilme gedreht. Jan Eichberg ist aber auch Dramatiker. Für das Theater Bremen schrieb er das Stück Grüne Vögel. An was arbeitet er gerade? Wie lebt es sich als Autor in dieser Stadt? Was sind seine nächsten Projekte? Wie unterschiedlich ist das Schreiben für Theater und Film und wie schafft man den Rollenwechsel vom Filmemacher zum Dramatiker? Di 7. Februar, 20 Uhr im noon / Foyer Kleines Haus. Eintritt 8 €

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EUROPÄISCHE GESPRÄCHE: ROLF-DIETER KRAUSE Wenn in diesem Jahr der 60. Jahrestag der Römischen Verträge gefeiert wird, so ist festzustellen, dass die letzte Dekade (2007 – 2017) gewiss zur schwierigsten Phase der Europäischen Union seit ihrer Gründung gehörte und gehört. Angefangen mit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise über die Griechenland-Rettung, Ukraine-Konflikt, Umgang mit Geflüchteten, Eskalation der Lage in der Türkei bis zum Brexit und der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten: Die An- und Herausforderungen an Europa steigen immens, auch was die Verteidigung der liberalen Demokratie angeht. Denn gleichzeitig versuchen populistische Parteien und Bewegungen mit allen Kräften eine weitere Schwächung des europäischen Projekts von innen voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund fragt die Veranstaltung, wie es um den Zusammenhalt Europas bestellt ist und welche Zukunftsszenarien möglich erscheinen. In seiner Funktion als Journalist und langjähriger Leiter des ARD-Studios Brüssel wird Rolf-Dieter Krause über seine Perspektive auf die gegenwärtigen Entwicklungen inner- und außerhalb Europas sprechen. So 5. Februar, 11:30 Uhr im Theater am Goetheplatz (Foyer). Eintritt frei! Eine Zusammenarbeit von Helga Trüpel (MdEP) und dem Theater Bremen

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Lisa Guth und Martin Baum in Ă„nnie


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UND AUSSERDEM

HOME SWEET HOME

eine Community-Dance-Produktion von DE LooPERS-dance2gether Die neue Produktion von Wilfried van Poppel und Amaya Lubeigt beschäftigt sich mit dem Thema Heimat/Zuhause. Rund 80 Bremer Kinder und junge Menschen setzen sich tänzerisch, poetisch und ausdrucksstark mit den Situationen auseinander, in denen Menschen notgedrungen oder freiwillig ihre Heimat/ihr Zuhause, verlassen und auf die Suche nach einem Zufluchtsort, bestenfalls einem neuen Zuhause gehen. Einen Ort wo man sich sicher und wohl fühlen kann, Home sweet Home. So 12. Februar, 16 Uhr im Theater am Goetheplatz. Eintritt 15 € / 10 € Diese Aufführung ist auch Teil des EU-Kooperationsprojektes „Let’s Dance!Europe“

BLICKWECHSEL: GOLDEN HEART

Auch wenn die Suche nach Antworten unterschiedlich ausfällt: Theaterleute und TheologInnen stellen häufig dieselben Fragen. In der Reihe Blickwechsel kommen Kunst und Kirche in fruchtbaren Dialog. Im Fastenmonat Februar geht es ausgehend von Alize Zandwijks Theater- und Tanzprojekt Golden Heart um Aufopferung, Selbstaufgabe, Altruismus und Hingabe. Pastor Rolf Sänger-Diestel-

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meier und Dramaturgin Viktorie Knotková kommen dazu ins Gespräch. So 12. Februar, 18 Uhr in der Kulturkirche St. Stephani. Eintritt frei! THEATERTREFFEN: MICHAEL BÖRGERDING

Einmal im Jahr widmen die Bremer Theaterfreunde ihre Veranstaltung TheaterTreffen dem Dialog mit der Theaterleitung und stellen so die Verbindung zwischen dem Direktorium des Vier-Spartenhauses und seinen ZuschauerInnen her. Die Innensicht der Theaterleitung kehrt sich nach außen und die konzeptionellen Vorgänge werden transparent. Für Theaterfreunde und solche, die es werden wollen. Wie steht es um das Haus am Goetheplatz und wohin steuert es inhaltlich, ästhetisch, ökonomisch, und wie ist sein Verhältnis zum Publikum? Michael Börgerding, Der Kapitän des kulturellen Flagschiffes der Stadt, steht Rede und Antwort. Seit fünf Jahren bestimmt er den Kurs. was hat er geschafft, wo will er mit seiner Mannschaft noch hin, welche neuen Ufer gilt es zu entdecken? Als Moderator und Gesprächspartner konnte der ehemalige Leiter des Instituts für Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen, Rudolf Hickel gewonnen werden, ein Ökonom und Theaterfreund, der die Fragen der Kunst und die der Ökonomie in Einklang zu bringen versteht. Mo 20. Februar, 20 Uhr im noon / Foyer Kleines Haus. 5 € / für Mitglieder der Theaterfreunde ist der Eintritt frei! Die BREMER THEATERFREUNDE laden ein

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UND AUSSERDEM

TANZ UND TEILHABE #2

Seit 2014 ist Tomas Bünger auf Einladung des Goethe-Institut Bangladesh Gastdozent für Zeitgenössischen Tanz in Dhaka und initiierte 2016 im dortigen Nationaltheater den ersten Abend für Junge ChoreografInnen. Über seine Arbeit spricht er mit der Dramaturgin Natalie Driemeyer. Sa 25. Februar, 17 Uhr im noon / Foyer Kleines Haus. Eintritt frei!

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THEATERPÄDAGOGIK UND JUNGE AKTEURE JOUR FIXE XXL: VOM TEXT ZUR SZENE

Theaterpädagogische Fortbildung für LehrerInnen Welche Impulse kann ein Text für eine Szene auf der Bühne geben? Welche Mittel motiviert er? In unserer Fortbildung Vom Text zur Szene werden wir ausloten, welche Rolle Texte bei der Entwicklung von Szenen spielen können. Dabei werden wir mit Text und Körper experimentieren, gemeinsam nach szenischen Lösungen suchen und schließlich kurze Sequenzen entwickeln und präsentieren. Fr 3. Februar, 16 – 21 Uhr. Treffpunkt ist das Kleine Haus Anmeldung unter theaterpaedagogik@theaterbremen.de Teilnahme kostenlos

QUICK & DIRTY

Für jeweils einen Monat laden wir TheatermacherInnen ein, die für innovative Strömungen in der Theaterszene stehen, um mit euch Quick & Dirty, inspiriert von unserem Spielzeitthema All you beautiful strangers, zu arbeiten. Jetzt anmelden und mitmachen: Ich, Selfie, Welt, Leitung Gesine Hohmann (vorschlag.hammer kollektiv), Proben ab 28. Januar an jedem Wochenende, Präsentation am 19. Februar im Moks. Don’t speak, Leitung Martin Grünheit (Regisseur), Proben ab 4. März an jedem Wochenende, Präsentation am 26. März im Brauhauskeller Teilnahmegebühr: 50 €. Weitere Infos und Anmeldung unter jungeakteure@theaterbremen.de oder 0421 . 3653-449 39


Da steht er nun, der Schwan. Sechs Meter unter Weserniveau im hallenden, kühlen Kulissenkeller – wartend auf seinen nächsten Einsatz. Doch im Februar wird das Warten vergebens bleiben, denn erst im März hebt ihn der große Fahrstuhl zurück auf die noch größere Bühne. Und in der Zwischenzeit? Vielleicht ein kleiner Ausflug – weist der Pfeil ihm doch einen verlockenden Weg. Ein Hinweis oder


nur ein Trick? Schließlich hat ihm schon der letzte Pfeil, ausgelöst von Parsifal, ein Leben gekostet. Ein Entkommen scheint im Februar demnach nicht möglich, dafür bekommt er jedoch Besuch von einem roten NSU Prinz … Danke F.H.! Ihre Lieblingspfeile bitte weiterhin an dramaturgie@theaterbremen.de.


ERMÄSSIGTE KARTENPREISE SCHÜLER/INNEN, AUSZUBILDENDE UND STUDIERENDE Für die Vorstellungen im Theater am Goetheplatz und im Kleinen Haus sind Karten zum Preis von 9 € erhältlich (exkl. Konzerte und Sonderveranstaltungen). ARBEITSLOSE, FREIWILLIGENDIENSTLEISTENDE UND SCHWERBEHINDERTE (AB 50 % GDB) Sowohl im Vorverkauf als auch an der Abendkasse bieten wir Ihnen gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises einen Preisnachlass von rund 50 % auf den regulären Kartenpreis für alle unsere Vorstellungen (exkl. Konzerte und Sonderveranstaltungen) an. Diese Konditionen gelten auch für Begleitpersonen von Schwerbehinderten. KULTURTICKETS BürgerInnen mit geringem Einkommen erhalten gegen Vorlage der „Grünen Karte“ ein Kulturticket zum Preis von 3 € ab 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung an der Abendkasse, sofern noch Karten verfügbar sind. In den Bremer Bürgerhäusern und den Zweigstellen der Stadt­bibliothek können die Kulturtickets für ausgewählte Vorstellungen auch vorab reserviert werden. Informationen unter www.kulturticket.bremen.de. GRUPPENTARIFE Besuchergruppen ab 10 Personen erhalten einen Rabatt von rund 20%. THEATERCARD 50 / THEATERCARD 25 Unsere TheaterCard 50 ermöglicht einen Preisvorteil von rund 50 % und die neue TheaterCard 25 von rund 25 %. Sie sind gültig für jeden Termin, jede Spielstätte und jede Preiskategorie (exkl. Gastspiele, Konzerte und Sonderveranstaltungen) und ab dem Kaufdatum 1 Jahr gültig. BLAUER THEATERTAG Musiktheater 20 € / Schauspiel 15 € auf allen Plätzen!

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taz.die solidarische Methode Der taz-Solidarpakt garantiert das Abo für alle. Ein Drittel unserer AbonnentInnen zahlt freiwillig einen höheren „politischen Preis“, damit andere sich die taz leisten können. Jetzt abonnieren: (030) 2590 2590 oder www.taz.de/abo


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FÖRDERER BREMER THEATERFREUNDE

FÖRDERKREIS JUNGES.THEATERBREMEN

Karin und Uwe Hollweg

Stiftung

PARTNER

MEDIENPARTNER

taz.bremen

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KONTAKT Theaterkasse

Mo – Fr: 11 – 18 Uhr, Sa: 11 – 14 Uhr Tel 0421 . 3653 - 333 oder kasse@theaterbremen.de Abonnementbüro Tel 0421 . 3653 - 344 (Di – Fr: 14 – 18 Uhr, Sa 11 – 14 Uhr) oder abo@theaterbremen.de Dramaturgie: dramaturgie@theaterbremen.de Presse: presse@theaterbremen.de Marketing: marketing@theaterbremen.de Geschäftsführung: gf@theaterbremen.de Theater Bremen

Postfach: 10 10 46, 28010 Bremen Goetheplatz 1 – 3, 28203 Bremen Tel 0421 . 3653 - 0 Informationen zur Barrierefreiheit und Zugänglichkeit unter www.theaterbremen.de/barrierefreiheit Impressum Herausgeber: Theater Bremen GmbH Geschäftsführung: Prof. Michael

Börgerding (Generalintendant), Michael Helmbold (Kaufmännischer ­Geschäftsführer) Redaktion: Marianne Seidler, Viktorie Knotková Szenenfotos: Jörg Landsberg Gestaltung: ErlerSkibbeTönsmann, Tim Feßner Druck: Druck & Verlag Kettler GmbH. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. 46


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