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APRILHEFT 2019


04/2019

INHALT

Lied vom Kindsein von Peter Handke............................. 4  Einblick in die Produktion Mütter ................................. 6 Chorkonzert: Vom Himmel kommt es /  Zur Erde muss es ........................................................ 16 Knausgård VI: Kämpfen ............................................ 18 Wiederaufnahme die unverheiratete ............................. 21 One more time – zum letzten Mal! ............................... 22 jazzahead! Festival 2019 .............................................. 24 jazzahead! Clubnight .................................................. 26 Drei Tage Tanz ........................................................... 27 Ostern im Theater Bremen.......................................... 30 Knausgård Halbmarathon .......................................... 31 Polt/Well: Im Abgang nachtragend ............................... 32 PBTanz #4: Antonio Stella .......................................... 33 Und außerdem ............................................................ 36 Junges.Theaterbremen ................................................ 38 Pfeil des Monats ......................................................... 40 Ermäßigte Kartenpreise .............................................. 43 Kontakt ...................................................................... 46


04/2019

LIEBES PUBLIKUM, LIEBE LESERINNEN UND LESER! 1964, vor über 50 Jahren, kam er nach Bremen, er spielte Moritz Stiefel bei Peter Zadek und Hamlet bei Kurt Hübner, ein Jahr später Franz Moor in den legendären Räubern, wieder bei Zadek, 1967 den Herzog in Maß für Maß bei Zadek, den Wurm in Kabale und Liebe bei dem jungen und wilden Peter Stein, mit dem er anschließend in München an den Kammerspielen gastierte, und schließlich 1969 als Höhepunkt und Abschluss seiner Bremer Jahre Torquato Tasso – wieder bei Peter Stein. Jetzt ist der große Schauspieler Bruno Ganz mit 77 Jahren gestorben. Mir steht es nicht zu, denke ich, einen Nachruf auf Bruno Ganz zu schreiben, aber ich würde gerne aus einer Mail zitieren, die mir eine Zuschauerin geschrieben hat: „Während der letzten zwei Tage habe ich mich ständig informiert über die Nachrufe und sehr vermisst, dass vom Theater Bremen bisher noch nichts gekommen ist. Das ist für mich enttäuschend, da ich zu der Generation (geb. 1947) gehöre, die diesen einzigartigen Schauspieler schon in seiner Anfangszeit in Bremen erleben konnte. Diese Zeit war für Bruno Ganz und auch für viele Besucher prägend. Seitdem hat mich das Theater, besonders in Bremen, nicht mehr losgelassen und immer inspiriert. “ Danke, liebe Frau W., ich bin mir sicher, dass der Engel Damiel im Himmel über Berlin über Ihre Zeilen – er kennt die ganze Mail – sehr glücklich ist. Michael Börgerding

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Bruno Ganz in Maß für Maß in der Regie von Peter Zadek (1969). Foto aus Spielräume – Arbeitsergebnisse, Theater Bremen 1962 – 73


LIED VOM KINDSEIN

von Peter Handke Als das Kind Kind war, ging es mit hängenden Armen, wollte der Bach sei ein Fluß, der Fluß sei ein Strom, und diese Pfütze das Meer. Als das Kind Kind war, wußte es nicht, daß es Kind war, alles war ihm beseelt, und alle Seelen waren eins. Als das Kind Kind war, hatte es von nichts eine Meinung, hatte keine Gewohnheit, saß oft im Schneidersitz, lief aus dem Stand, hatte einen Wirbel im Haar und machte kein Gesicht beim fotografieren. Als das Kind Kind war, war es die Zeit der folgenden Fragen: Warum bin ich ich und warum nicht du? Warum bin ich hier und warum nicht dort? Wann begann die Zeit und wo endet der Raum? Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum? Ist was ich sehe und höre und rieche nicht bloß der Schein einer Welt vor der Welt? Gibt es tatsächlich das Böse und Leute, die wirklich die Bösen sind? Wie kann es sein, daß ich, der ich bin, bevor ich wurde, nicht war, und daß einmal ich, der ich bin, nicht mehr der ich bin, sein werde?


EINBLICK IN DIE PRODUKTION

MÜTTER

Echte Weggefährtinnen

Eine ganze Spielzeit lang sammelt die Regisseurin Alize Zandwijk – gemeinsam mit ihrem Team – Geschichten von Frauen aus aller Welt, allesamt Mütter, und lässt diese Bremerinnen zu Wort kommen. Viele der Beteiligten stehen das erste Mal auf einer Theaterbühne, die für diesen besonderen Abend zur Küche, dem uns allen vertrauten Ort der Begegnungen schlechthin, wird. Es wird gekocht, erzählt und selbstverständlich auch gegessen. Gerichte, die mehr sind als nur ein Essen: ein Teller voll Heimat. Die Premiere ist zwar erst im Mai, da sich die Frauen aber über einen längeren Zeitraum kennenlernen und sich dem Team öffnen, werden sie jetzt schon anhand kurzer Fragen der Produktionsleiterin, Franziska Benack, vorab vorgestellt. Diese ersten Einblicke lassen erahnen, welches Potential in dem Zusammentreffen so verschiedener Mütter und Biografien steckt. KIKI ANANI

Kiki woher kommst du? Ursprünglich komme ich aus Togo, das liegt in Westafrika. Meistens, wenn ich über Togo spreche, sagen die Leute: „Kenn ich nicht.“ Also: Es liegt direkt neben Ghana und Benin. Wie viele Kinder hast du? Zwei Mädchen, sie sind 19 und 11. Erzähle mir etwas über das Gericht „Kom“.

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Das ist mein Lieblingsgericht. Es ist ein typisches westafrikanisches Essen, das vor allem im südlichen Teil der Länder Togo und Ghana gegessen wird. Das Gericht besteht aus Mais, der fermentiert wird. Dieser wird erst vorgekocht, in Maisblätter verpackt und dann in Dampf gegart. Dazu kommen Tomatensoße, frittierter Fisch, frische Zwiebeln, frisch geschnittene Tomaten und scharfe Soße. Ich muss nur darüber sprechen und bekomme schon Hunger. (lacht) Und sag mir doch noch etwas zum Thema Tanz. Ich habe immer gerne getanzt. In der Grundschule durfte ich nur einmal während des Abschlussballs tanzen. Das ist aber schon lange her. Hier am Theater Bremen kann ich es wieder verwirklichen. Und vor kurzem habe ich auch in der Tanzschule meiner Tochter angefangen, gemeinsam mit anderen Müttern einmal in der Woche zu tanzen. Wir haben immer unsere Kinder zum Tanzen gebracht und zu deutschen Meisterschaften begleitet, bis der Tanzlehrer irgendwann dachte, man sollte auch den Müttern die Möglichkeit geben. ALEV ZENGIN

Alev, woher kommst du? Aus der Türkei. Wie viele Kinder hast du? Zwei. Eine Tochter und einen Sohn. Was bedeutet deine Großmutter für dich? Meine Oma bedeutet für mich alles. Heimat, Gefühle, Liebe, Wärme, Herzlichkeit, alles, alles. Was möchtest du deiner Tochter mitgeben? Meine volle, herzliche Liebe.

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EINBLICK IN DIE PRODUKTION

MARIA MAZOLLI

Maria, woher kommst du? Ich komme aus Italien. Wie viele Kinder hast du? Zwei Töchter. Was bedeutet deine Mutter für dich? Meine Mutter war immer wie ein Schutz für mich, eine Beschützerin. Das habe ich erst verstanden, als ich älter wurde. Sie war eine Frau, die andere und mich nicht verurteilt hat. Sie war fair. Sie ist eine echte Weggefährtin. NOMAZULU THATA

Nomazulu, woher kommst du? Ich komme aus Simbabwe. Wie viele Kinder hast du? Ich habe einen Sohn. Kochst du gerne? Ich koche nicht gerne! Aber ich esse gerne. (lacht) Kannst du mir etwas über das EU-Parlament erzählen? Ja, ich möchte gerne dort dabei sein. Wenn ich das Mandat bekomme, für das ich mich mit meiner feministischen Partei Die Frauen aufgestellt habe, ist meine Botschaft folgende: Wir sollten versuchen, den afrikanischen Marschallplan zu realisieren. Daran habe ich mitgearbeitet. Das Rätselhafte ist ja, dass die ganze Diskussion im EU-Parlament stattfindet, es aber um Afrika geht. Ich würde mich dafür einsetzen, dass das Geld oder die Hilfe für die Frauen in ländlichen Gebieten eingesetzt wird und nicht in falsche Hände gerät. So wie es bisher war. Ich würde mich sehr freuen, als Parlamentarierin nach Brüssel zu gehen. Das ist meine Hoffnung.

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VALENTINA ROJAS LOA

Valentina, woher kommst du? Aus Mexiko. Wie viele Kinder hast du? Zwei. Sie sind 5 und 3 Jahre alt. Wie schmeckt Zuhause für dich? Ich weiß nicht … Du hast mir schon mal eine sehr schöne Antwort gegeben, du hast gesagt, dass Zuhause nach schwarzen Bohnen und Avocado schmeckt. Oh, okay. (lacht) Ja, das stimmt! DOROTHEA LICHTE

Doro, wo kommst du her? Ich bin keine gebürtige Bremerin, ich komme aus Niedersachsen, dem Wendland, einem verwunschenen dunklen Loch. Wie viele Kinder hast du? Ich habe zwei. Warum hatte deine Familie immer Eier im Kühlschrank? Es gab nicht so viele Gelegenheiten zu feiern. Aber wenn gefeiert wurde, dann stark und lange bis zum Morgen. Als dann alle betrunken waren, mussten wir irgendwo einkehren, um gemeinsam zu essen. Meistens gingen wir zu einem Bauern mit einer großen Küche, in die alle Leute reinpassten. Das Einfachste war bei jemandem Eier zu holen und diese zu braten, um damit die betrunkenen Leute satt zu machen, bevor sie schlafen gingen.

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EINBLICK IN DIE PRODUKTION

MICHAELA OKWOSHA

Michaela, wo kommst du her? Ich komme aus Bremen. Wie viele Kinder hast du? F端nf. Was ist dein Lieblingsessen? Das ist schwierig. Eines meiner Lieblingsessen ist Thunfischsalat. Was essen deine Kinder am liebsten? (lacht) Pizza und Spaghetti. DANNY LEIGH

Danny, woher kommst du? Ich komme aus Mannheim, wohne aber in Bremen. Wie viele Kinder hast du? Ich habe vier leibliche und drei Pflegekinder. Also sieben Kinder. Und drei Enkelkinder. Was hast du im K端hlschrank? Lauter gr端nes Zeug! Manchmal nichts, aber in der Regel ist es gr端n wie im Park. Kochst du gerne nach Rezept? Nein, niemals. Ich koche nur nach der Seele. Soulfood.

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Ich vermisse deine Gerichte Die köstlich schmecken Ich vermisse es, gemeinsam am Tisch zu sitzen Und schon das nächste Menü zu planen Ich vermisse es, gemeinsam zu kochen Und dabei viele Geschichten zu erzählen Gemeinsam lachen, weinen und dabei das Essen zu probieren Ich vermisse den Duft im Haus am Wochenende Da warst du immer zu Hause Und ich war überglücklich Ich vermisse deine Hände Dein Lächeln Deine Stimme Ich vermisse: „Bring mal Salz! Es schmeckt ein bisschen fad.“ Ich komme bald wieder nach Hause Dort erwartest du mich immer Dann kochen wir wieder gemeinsam Gemeinsam So wie früher Natalie Shtefunyk aus der Ukraine, eine Tochter

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EINBLICK IN DIE PRODUKTION

SAMIRA KAWAF

Samira, woher kommst du? Ich komme aus Syrien. Wie viele Kinder hast du? Ich habe ein Kind. Was bedeutet deine Mutter für dich? Meine Mutter ist mein Leben. Sie ist Stärke, Geduld und Liebe. ZEINAB MOHAMEDOSMAN

Zeinab, woher kommst du? Ich komme aus dem Sudan. Hast du Kinder? Nein, noch nicht. Was bedeutet deine Mutter für dich? Sie ist für mich der beste Mensch der Welt, sie bedeutet für mich Liebe. KHOLOUD JAWISH

aus Syrien, 3 Kinder Es gibt ein spezielles Rezept meiner Mutter: 300 Gramm Geduld 300 Gramm Liebe 500 Gramm Interesse 250 Gramm Unterstützung Alles miteinander verrühren, bis ein Knödel entsteht, und im großen Herzen backen.

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MANUELA FISCHER

Woher kommst du? Das ist eine sehr gute Frage ... Ich komme aus dem Elsass, bin aber im Senegal geboren. Wie viele Kinder hast du? Ich habe vier Kinder. Was bedeutet Pizza für dich? Pizza bedeutet für mich Liebe, Leidenschaft und Familienfrieden. Voilà. Mütter Geschichten von Bremer Frauen aus aller Welt Regie: Alize Zandwijk Premiere 8. Mai, 19:30 Uhr im Theater am Goetheplatz Mit: Kiki Anani, Nomazulu Thata, Alev Zengin, Natalie Shtefunyk, Danny Leigh, Kholoud Jawish, Ursel Balke, Zeinab Mohamedosman, Samira Kawaf, Manuela Fischer, Valentina Rojas Loa, Dorothea Lichte, Michaela Okwosha, Ivy Anani, Maria Mazolli

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Illustration von Jan Hamstra zu Knausgürd V: Träumen


PREMIERE MUSIKTHEATER

VOM HIMMEL KOMMT ES /  ZUR ERDE MUSS ES Ein szenisches Chorkonzert Die Kurt-Hübner-Preisträger*innen des Jahres 2018 – der Chor des Theater Bremen und seine Chordirektorin Alice Meregaglia – laden in diesem Jahr wieder ins Theater am Goetheplatz ein, waren sie doch im letzten Jahr mit ihren Chorkonzerten in Bremer Kirchen „unterwegs“. Das Programm des diesjährigen Konzerts folgt – so wie das Leben, das Wasser, die Natur – dem Kreislauf des Wiederkehrenden: „Vom Himmel kommt es / Zum Himmel steigt es / Und wieder nieder / Zur Erde muss es / Ewig wechselnd.“ (Johann Wolfgang von Goethe) ZUM STÜCK

Szenisches Chorkonzert mit Werken von Gabriel Fauré: Messe de Requiem op. 48 (1893); Johannes Brahms: Vier Gesänge für Frauenchor mit Begleitung von zwei Hörnern und Harfe, op. 17 (1861); Franz Schubert: Gesang der Geister über den Wassern, D. 714 (1817) Alles beginnt mit zwei Hörnern und einer Harfe: In Brahms’ frühem Chorwerk Vier Gesänge für Frauenchor treten diese drei Instrumente in einen Dialog mit den weiblichen Stimmen des Chores. Dabei ertönt nicht nur ein voller Harfenklang, wie es in einem der Stücke heißt, sondern auch Shakespeares Lied des Narren. Darin zeichnet sich bereits die Atmosphäre des gesamten Abends ab: Sanfte Melancholie trifft auf Ironie, Volkstümliches auf mythologische

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Überhöhung und hochromantische Musik auf episch-zarte Klänge. Mit Schuberts nach Goethe entstandenem Gesang der Geister über den Wassern, komponiert für Männerchor und tiefe Streicher, spinnt sich der Kreislauf des Wassers als Spiegel der menschlichen Seele fort, bevor sich am Ende sowohl die Instrumente als auch die Stimmen zu einem Chor vereinen und gemeinsam die Messe de Requiem von Gabriel Fauré anstimmen. Konzipiert aus dem Geist des Kammermusikalischen, erklingt seine frühe Fassung wie eine verheißende Versöhnung. Faurés Requiem ist, wie er selbst behauptet, „so sanftmütig“ wie er. Und so schließt sich in diesem besonderen, sanft-tönenden Konzert des Chores am Ende der Kreis – konzipiert und geleitet von Alice Meregaglia und in szenischer Gestalt von Vendula Nováková. MUSIKALISCHE LEITUNG

Alice Meregaglia studierte in Venedig Korrepetition und Musikwissenschaft. Aufbaustudium im Fach Orchesterleitung in Straßburg. Erste eigene Dirigate im Rahmen der Ticino Musica sowie bei Nei Stëmmen in Luxemburg. 2012 – 2015 war sie Solorepetitorin an der Opéra national du Rhin in Straßburg. Seit der Spielzeit 2015/16 ist sie am Theater Bremen tätig, seit 2016/17 als Chordirektorin. Premiere 14. April, 18 Uhr im Theater am Goetheplatz Musikalische Leitung und Chor: Alice Meregaglia Szenische Einrichtung: Vendula Nováková Bühne und Kostüme: Nanako Oizumi, Elena Melissa Stranghöner Dramaturgie: Isabelle Becker Mit: Maria Martín Gonzales / KaEun Kim (Sopran-Solo), Daniel Ratchev / Alberto Gallo (Bariton-Solo). Chor des Theater Bremen. Es spielen die Bremer Philharmoniker

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PREMIERE SCHAUSPIEL

KNAUSGÅRD VI: KÄMPFEN Das große Finale

Was denkbar unspektakulär erscheint – die Schilderung einer ganz normalen Lebensgeschichte – wird bei Karl Ove Knausgård zur literarischen Sensation. Wie aber sehen es die Menschen, die unfreiwillig zu Romanfiguren geworden sind? Man schrieb über ihn: „Er geht dahin, wo es wehtut, wo es peinlich ist.“ Oder: „Er versucht zum Kern des Lebens vorzudringen.“ Aber auch: „Karl Ove Knausgård schont niemanden.“ In Skandinavien begleiteten Skandale die Veröffentlichung der Bücher. Wie weit kann man in der Zurschaustellung seines persönlichen Umfelds gehen? DAS STÜCK

Nach den Romanen von Karl Ove Knausgård von Abt / Knotková / Schuboth / Sondermann Deutsch von Ulrich Sonnenberg und Paul Berf Im letzten Teil der Theaterserie kommen Menschen zur Sprache, über die Knausgård schrieb. Sein Freund und unermüdlicher Gesprächspartner Geir, seine Mutter und Schwiegermutter, Ehefrau Linda, Ex-Frau Tonje, Bruder Yngve, ein Journalist, ein Schriftstellerkollege, Kinder und Alter Egos, Adolf Hitler und Knausgårds Onkel Gunnar, der ihn verklagte. „Wie um alles in der Welt hatte ich mich in eine solche Situation manövrieren können? Wozu sollte das gut sein? Konnte ich nicht das Schlechte für mich behalten, so wie andere Menschen auch? Nein, ich musste

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es unbedingt allen direkt ins Gesicht sagen und andere im Fallen mitreißen. Mein Freund Geir meinte, ich sollte mich mit der Situation anfreunden. Moral hätte noch nie etwas Eigenes geschaffen, nur Dinge abgelehnt, die geschaffen werden. Das Geschaffene sei das Leben. Und warum Nein zum Leben sagen?“ Zwischen einer gespenstischen Geburtstagsfeier und einem Familientribunal bewegt sich Kämpfen, der letzte Teil der Roman- und Theaterserie, welche nach drei Jahren und fünf Premieren in einem großen Finale ihren Höhepunkt findet. DAS PROJEKT

Das Team um den Regisseur Frank Abt folgt – seit drei Spielzeiten in einem auf insgesamt sechs Abende angelegten Theaterprojekt – Schilderungen des modernen Alltags von Knausgård. Für jeden Teil des autobiografischen Romanzyklus’ wurde nach einer besonderen Form gesucht. Einzelne erzählerische und ästhetische Motive kehren aber wieder – ebenso wie einzelne Figuren – sodass alle Teile aufeinander aufbauen und sich verschränken. Premiere 4. April, 20 Uhr im Kleinen Haus Regie: Frank Abt Fassung: Frank Abt, Viktorie Knotková, Robin Sondermann Bühne und Kostüme: Susanne Schuboth Zeichnungen: Jan Hamstra, Megan de Vos, Kalle Wolters Musik: Torsten Kindermann, Jan Grosfeld Dramaturgie: Viktorie Knotková Mit: Robin Sondermann und

Alexander Angeletta, Nils Bischoff, Coco Buchwald, Guido Gallmann, Hannah Gerken, Nadine Geyersbach, Jan Grosfeld, Frieda Hüchting, Nicolas Hüchting, Torsten Kindermann, Irene Kleinschmidt, Emil Lill, Siegfried W. Maschek, Gabriele Möller-Lukasz, Tom Plückebaum, Petja Viktor Siebelt, Akın Emanuel Şipal, Susanne Schrader, Fania Sorel, Gustaf Steinweg, Matthieu Svetchine, Matti Weber, Paul Wiesmann 19


Gabriele Mรถller-Lukasz in die unverheiratete


WIEDERAUFNAHME SCHAUSPIEL

DIE UNVERHEIRATETE Schuld um Schuld

Kurz vor Ende der Naziherrschaft belauscht eine Frau das Telefonat eines Soldaten, der mit dem Gedanken liebäugelt, zu desertieren. Wenig später wird er vom Militärgericht verurteilt und getötet. Nach Kriegsende wird die Denunziantin verurteilt: zwölf Jahre Kerkerhaft. Doch die Schuld bleibt. Und sie wird weitergegeben, prägt Generation um Generation. Nina Mattenklotz ist eine vielschichtige Regisseurin, die – ob in Kinderstücken, Klassikern oder zeitgenössischer Dramatik – immer den Menschen und seine Geschichte in Anbetracht seiner politischen und gesellschaftlichen Umwelt ins Zentrum stellt. Die Verbindung aus ihrer Arbeitsweise und dem durchrhythmisierten, in kunstvoll wuchtige Wortkaskaden gekleideten Stück von Ewald Palmetshofer mündet in eine „intensive Versuchsanordnung“: „Das Theater Bremen zeigt ‚Die Unverheiratete‘ mit drei glänzend aufgelegten Protagonistinnen und einem wendigen Chor. […] Gewissermaßen als in Schwesterntracht gewandete E ­ rinnyen der Erinnerung, die das komplexe Schuldund-Sühne-Stück in abwechslungsreicher Formation durch fragmentarische wie insistente Rekonstruktionsarbeiten dynamisieren. […] Ein sehr starkes Frauenensemble meistert Mattenklotz’ intensive Versuchsanordnung – und erntet entsprechend starken Beifall.“ (Hendrik Werner, Weser-Kurier) Wiederaufnahme 6. April, 20 Uhr im Kleinen Haus

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ONE MORE TIME Zum letzten Mal!

LULU

Als Bühnenmeister an der Semperoper Dresden war mein erstes Stück Lulu, damals große Aufregung und jetzt große Freude auf Alban Berg im Theater Bremen mit einer guten Bühnenbildidee: ein Spiegelkabinett auf einer Drehscheibe. Das Tolle ist, wir haben eine maschinentechnische Abteilung, die total souverän eine Drehscheibe baut. Was früher eine millionenschwere Investition in einem Theater gewesen ist, das machen wir so nebenbei. Und: Wir können uns mit unseren selbstgebauten Scheiben genau den Bedürfnissen anpassen, kleiner werden und vor allem viel weiter nach vorne in Richtung Zuschauerraum rücken. Faszinierend, wie die Personen aus diesem Spiegelkabinett aus dem Nichts auftauchen. Man braucht keine verschiedenen Räume, keine Türen, keine anderen Auftrittsmöglichkeiten: Schwups erscheinen die Menschen und verschwinden ebenso magisch wieder. Frank Sonnemann, Technischer Direktor DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

Der fliegende Holländer war meine erste Arbeit als Regieassistent am Theater Bremen. Mitten während einer Vorstellung im zweiten Akt kommt der Holländer Carsten Wittmoser kurz von der Bühne und gibt mir pantomimisch zu verstehen „Keine Stimme mehr!“ und geht auf die Bühne

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zurück, um die Szene weiterzuspielen. Noch etwa sechs Minuten bis zu seinem nächsten Gesangseinsatz. Wir wussten: Im vierten Stock probt Carmen. Da ist Loren Lang drin. Der hat die Partie des Holländers einstudiert – also schnell hoch. Und wir hatten Glück: Loren wollte gerade das Haus verlassen, wir passten ihn ab und besorgten zügig Klavierauszug, Notenständer. Loren ging sofort in privater Jeans, T-Shirt und einem dem Chordirektor abgeschwatzten Sakko auf die Bühne. Keine Möglichkeit den anderen Darsteller*innen auf der Bühne oder dem Dirigenten im Graben Bescheid zu geben. Zweiter Akt, Duett Senta-Holländer. Einsatz des Dirigenten Clemens Heil zur Bühne, aber stattdessen kommt Lorens Stimme von rechts. Überraschung – Clemens Heils wie Patricia Andress’ Blicke waren unbezahlbar. Nun, fünf Jahre später, habe ich als Gast die Wiederaufnahme geleitet – und hoffe, dass jetzt die Emotionen auf der Bühne toben, aber nicht hinter den Kulissen. Lennart Hantke, damals Regieassistent, jetzt Regisseur u. a. von der italienischen Operngala Evviva!

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FESTIVAL

JAZZAHEAD! FESTIVAL 2019 Partnerland Norwegen

Einmal im Jahr wird Bremen zum Mekka der internationalen Jazzszene. Doch die jazzahead! ist weit mehr als eines der größten Musikbranchentreffen der Welt. Im Vorfeld des Messewochenendes verwandelt das jazzahead! Festival die gesamte Stadt zwei Wochen lang in ein kulturelles Schaufenster des jeweiligen Partnerlandes. 2019 wird dies Norwegen sein, und mit einer Reihe von Programmpunkten ist das Theater Bremen auch in diesem Jahr einer der Hauptspielorte. Zur Eröffnung am 13. April sind im Theater am Goetheplatz zwei herausragende Trios zu erleben, die auf ihre jeweils ganz eigene Art für die musikalische Innovationskraft Norwegens stehen. Der Saxofonist und Tenor Håkon Kornstad hat als junger Jazz-Rebell seine Leidenschaft für die Musik des klassischen Kanons entdeckt und stilistische Grenzen dabei nicht nur ausgedehnt, sondern gekonnt zum Verschmelzen gebracht und damit ein stetig wachsendes Publikum auf der ganzen Welt nachhaltig berührt und überrascht. Musikalische Grenzen überschreitet auch Mari Boine, die das Erbe aus samischer Kultur und norwegischer Volksmusik meisterhaft mit modernen Elementen aus Jazz, Rock und Pop vereint. Dabei hat die Sängerin mit der außergewöhnlichen Stimme über die Jahre ein einzigartiges Profil erlangt.

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Mit einer Lesung von Tore Renberg setzt sich das Programm am 14. April nahtlos fort. Seit seinem 1995 erschienenen Debüt hat der Schriftsteller und Musiker mehrere preisgekrönte Romane geschrieben. Dem deutschen Publikum ist er als Figur aus Karl Ove Knausgårds autobiografischer Romanreihe bekannt. Gemeinsam mit Schauspieler Robin Sondermann liest Tore Renberg aus seinem Werk, über das er im Anschluss sprechen wird. Der Star-Schriftsteller Knausgård und sein monumentales autobiografisches Romanprojekt beschäftigen das Team um Regisseur Frank Abt bereits seit drei Spielzeiten. Ein Theatermarathon gibt am 19. April Gelegenheit, tief in die Inszenierungen der Bände IV – VI der Romanreihe – Leben, Träumen und Kämpfen – einzutauchen. In Zusammenarbeit mit dem Festival TANZ Bremen sind am 20. April außerdem zwei Deutsche Erstaufführungen von Norwegens führender Choreografin Ingun Bjørnsgaard zu sehen. In Notes on Frailty und All the things he said widmet sich Bjørnsgaard den Konstruktionen von Weiblichkeit und Männlichkeit. Zur virtuos live gespielten Musik des Pianisten Christian Wallumrød (ECM Records) und mit einem herausragenden Ensemble entwirft sie dabei so komplexe wie fesselnde Bildwelten. Eröffnung jazzahead! Festival 2019: Sa 13. April, 19:30 Uhr im Theater am Goetheplatz Tore Renberg: Wir sehen uns schon morgen: So 14. April, 11:30 Uhr im Theater am Goetheplatz (Foyer) Tanz-Gastspiel von Ingun Bjørnsgaard Prosjekt: Sa 20. April, 19 Uhr im Kleinen Haus

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CLUB / FESTIVAL

JAZZAHEAD! CLUBNIGHT

mit Aron Ottignon, Bobby Rausch und DJ Daniel W. Best Zum zweiten Mal präsentiert der Theater Bremen CLUB gemeinsam mit dem Berliner XJAZZ Festival den Sound einer neuen Jazz-Generation, die für mitreißende Soundentwürfe jenseits von Genrekonventionen steht. Mit technischer Brillanz und ungezügeltem Ideenreichtum hat der beim legendären Label Blue Note beheimatete Pianist Aron Ottignon weit über die Grenzen des Jazz hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt. Für Stromae schrieb er dessen Hit Papaoutai, war mit Woodkid auf Welttournee und arbeitete währenddessen stetig an seinem eigenen Sound. Zwischen Einflüssen aus Marokko, Westafrika und der Karibik entwickelt sein elektronisch angehauchter Fusion-Entwurf einen hypnotischen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. In der Musik von Bobby Rausch verschmelzen Schlagzeug, Saxofon, Bassklarinette und Effekte mit Einflüssen von Afrobeat bis Low Rock. Inspiriert von den Schnittstellen zwischen Jazz und Hip-Hop, Kontrolle und Improvisation zelebriert die Band die faszinierende Energie der Nacht in einem schweißtreibenden Live-Erlebnis: Brodelnd, kompromisslos, ekstatisch. Im Anschluss spielt XJAZZ-Mitbegründer Daniel W. Best eines seiner weltweit gefragten DJ-Sets. Sa 27. April, 22 Uhr im Kleinen Haus. Einlass ab 21 Uhr 25 € / 20 € erm. (CLUBNIGHT-Ticket erhältlich an der Theaterkasse, bei Nordwest Ticket und auf www.jazzahead.de) Im Rahmen der jazzahead! CLUBNIGHT. In Kooperation mit XJAZZ 26


OSTERN / FESTIVAL

DREI TAGE TANZ

Ein langes Wochenende mit Unusual Symptoms und Freund*innen Über Ostern laden die Tanzsparte und Unusual Symptoms das Publikum erneut dazu ein, der Feiertagsmüdigkeit an drei Tagen Tanz zu entkommen und einen intensiven Blick auf das Repertoire der Kompanie und ein internationales Gastspiel-Highlight zu werfen. Im Rahmen des jazzahead! Festivals und in Zusammenarbeit mit TANZ Bremen sind mit Notes on Frailty & All the things he said (Sa 20. April) an einem Abend gleich zwei Deutsche Erstaufführungen von Norwegens führender Choreografin Ingun Bjørnsgaard zu sehen. Mit subtilem Humor widmet sie sich darin den Konstruktionen von Weiblichkeit und Männlichkeit und entwirft zur virtuos live gespielten Musik des Pianisten Christian Wallumrød und mit einem herausragenden Ensemble komplexe und fesselnde Bildwelten. Mit Will happiness find me? (So 21. April), polaroids:remix (Mo 22. April) und Pink Unicorns (Sa 20. und So 21. April) stehen außerdem gleich drei aktuelle Arbeiten von Hauschoreograf Samir Akika auf dem Programm, das mit Physical Prologues, Publikumsgesprächen, Konzert und Party zu ausgedehnten Abenden einlädt. Und das Beste: beim Kauf einer Karte für eines der beiden Gastspiele (Norwegen & Pink Unicorns) schenken wir Ihnen eine Karte für eine der beiden Repertoire-Vorstellungen. Let’s dance! Im Rahmen des jazzahead! Festivals 2019 und in Zusammenarbeit mit TANZ Bremen. Mit freundlicher Unterstützung durch die Norwegische Botschaft und das Performing Arts Hub Norway.

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Marysol Schalit, Birger Radde und Ensemble in Lulu


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NICHT LANGE SUCHEN: FINDEN Ostern im Theater Bremen

Ein Sterbender, der nicht sterben kann, in Lazarus. Ein Kapitän, der bis zum jüngsten Gericht verdammt ist – ohne Aussicht auf Erlösung –, die Meere zu besegeln, in Der fliegende Holländer. Ein König, dem sich die Angst vor der Prophezeiung der Sternendeuter in den Nacken setzt in Das Horoskop des Königs – L’Étoile. Mystisches, Transzendentales und Zauberhaftes steht über die Osterfeiertage auf dem Programm im Theater am Goetheplatz. Dabei ist vom David Bowie-Musical mit Darsteller*innen aus allen Sparten über die große Wagner-Oper in der spektakulären Inszenierung von Sebastian Baumgarten bis hin zur parodistischen Opéra bouffe von Emmanuel Chabrier ein vielseitiger und aufregender Ritt durch unterschiedliche Genres zu erleben. Es sollte also für jede*n etwas dabei sein, der oder die das Theater am Goetheplatz über die Ostertage aufsucht. Und wer nach noch mehr Abwechslung möchte, ist im Kleinen Haus bei dem großen Knausgård-Halbmarathon gut aufgehoben. Selten gibt es die Gelegenheit, drei der Teile hintereinander zu sehen und sich so dem Sog des Norwegers und seinen mitreißenden Alltagsbeschreibungen hinzugeben. Am Karfreitag ist das möglich. Und für Fans des Tanztheaters geraten die Ostertage auch im Theater zum Fest: Will happiness find me?, polaroids:remix, Pink Unicorns und das Gastspiel Notes on Frailty & A list of things he said. Es sollte also nicht schwer sein, etwas Passendes zu finden. 30


SCHAUSPIEL

KNAUSGÅRD HALBMARATHON Skandinavische Buße am Karfreitag Im Rahmen von jazzahead! 2019

Das besondere Theaterprojekt zeigt drei Teile der autobiografischen Romanserie des norwegischen Star-Schriftstellers. Knausgård IV – VI, das sind fast 3.000 Seiten radikaler Offenheit in knappen 6 Stunden. Knausgård IV: Leben, 11:30 – 13:15 Uhr Leben erzählt von einem Jahr, in dem Knausgård als Aushilfslehrer an einer Dorfschule in Nord-Norwegen arbeitet. Der angehende Autor hat mit Schreibblockaden und Selbstzweifeln zu kämpfen, gegen die er exzessiv antrinkt, was regelmäßig in Totalausfällen und Blackouts mündet. Knausgård V: Träumen, 15:30 – 17:15 Uhr In Träumen wird erzählt, wie Knausgård in einem psychiatrischen Krankenhaus arbeitet und als Schriftsteller scheitert. Es schildert aber auch seinen späteren literarischen Durchbruch und die psychische Erkrankung seiner Frau. Knausgård VI: Kämpfen, 19:30 Uhr Zwischen einer gespenstischen Geburtstagsfeier und einem Familientribunal bewegt sich der letzte Teil der Roman- und Theaterserie, welche nach drei Jahren und fünf Premieren in einem großen Finale ihren Höhepunkt findet. Fr 19. April, 11:30 – 21:30 Uhr im Kleinen Haus Alle drei Teile sind als Marathon oder einzelne Vorstellungen zu erleben

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GASTSPIEL

POLT/WELL: IM ABGANG NACHTRAGEND Gerhard Polt und die Well-Brüder aus’m Biermoos

Der Menschenkenner Polt bespiegelt die Abgründe des „Bayern an sich“ – ohne ihn dem unreflektierten Gelächter des „homo googleensis“ preiszugeben – und die Well-Brüder liefern den Soundtrack zum Panoptikum Bavaricum. Christoph und Michael Well (Biermösl Blosn) haben mit ihrem Bruder Karl Well (Guglhupfa) die neue Formation „Well-Brüder aus’m Biermoos“ gegründet. Die drei Sprosse der Großfamilie Well nehmen in bewährter Biermösl-Tradition das politische Geschehen Bayerns und der restlichen Welt aufs Korn. Unter Zuhilfenahme unzähliger Instrumente wird der Darm des bayerischen Ministerpräsidenten gespiegelt, die Situation der Milchbauern ausgemolken, geschuhplattelt, gejodelt und gestanzelt. Sie decken Heimatverbrechen aller Art auf und blasen denen „da oben“ gehörig den Marsch, ohne dabei die „da unten“ zu verschonen. Im Zusammenspiel von Gerhard Polt und den Well-Brüdern entsteht ein unterhaltsamer „Bairischer Abend“ der besonderen Art, fernab von weiß-blauer Weißwurstidylle und Bierseligkeit. Und eh man schaut, ist die Mass ausgetrunken, der Radi gegessen, der Schuhplattler getanzt, die Geschichte erzählt und der Jodler vorbei! Do 4. April, 19:30 Uhr im Theater am Goetheplatz

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TANZ

PBTANZ #4: PIAZZA POLITEAMA Ein Abend mit Antonio Stella

In Antonio Stellas Jugendzeit trafen sich die Teenager seiner Heimatstadt Palermo stets auf der Piazza Politeama, einem zentralen Platz der sizilianischen Hafenmetropole. Unzählige Freundschaften sind hier entstanden, unzählige Geschichten erzählt worden: Von der ersten Liebe und den Träumen und Sehnsüchten einer Zeit, in der alles möglich schien. Auf der Piazza Politeama begann die Suche nach sich selbst. Antonio Stella hat damals Briefe geschrieben, die er unter den Anwesenden mit der Bitte verteilte, sie weiterzuschreiben. Viele Jahre später fragt er sich nun: Wo sind all diese Briefe und die Menschen mit ihren Träumen und Geschichten geblieben? Zwischen Songs von Bob Dylan und neapolitanischen Liebesliedern, Oper und Italo-Disco, dem Garten seiner Kindheit und der Fensterbank seiner Bremer Wohnung wirft der Tänzer Antonio Stella in PBTanz #4 einen poetischen Blick auf eine Zeit, in der die Zukunft noch nicht geschrieben war. Mi 24. April, 20 Uhr auf der Probebühne. Treffpunkt ist das noon / Foyer Kleines Haus. Eintritt 5 €

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Nadine Geyersbach, Irene Kleinschmidt und Martin Baum in Aus dem Nichts


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UND AUSSERDEM

KANTINE 22: ROLLENWECHSEL – SONGS THAT WE LOVE

Im zweiten Kantine 22-Abend dieser Spielzeit erwartet Sie eine sehr ungewöhnliche Konstellation. Menschen, die sonst etwas ganz anders machen, offenbaren ihre geheimen Seiten. Unser Videoabteilungs-Chef Nicky Fischer wird singen, unser Generalmusikdirektor Yoel Gamzou spielt E-Gitarre, unser Tonmeister Charel Bourkel spielt Bass. Die Band, geleitet von dem legendären Bremer Gitarristen Andy Einhorn, spielt eine breite Auswahl von Songs, die ihren Mitgliedern besonders nah am Herzen liegen. Do 4. April, 22 Uhr in der Kantine. Treffpunkt ist die Bühnenpforte. Eintritt 5 € BLICKWECHSEL: AUFERSTEHUNG

Ein Mensch erkennt, dass er am Unglück eines anderen Menschen die Schuld trägt und geht den Weg der bedingungslosen Reue. Ist Wiedergutmachung unter allen Umständen möglich? Kann sich ein Mensch neu erfinden, auferstehen als moralisch besseres Wesen, und ist die Schuld damit gesühnt? Die Frage von Schuld und Sühne stellt sich in Leo Tolstois letztem Roman Auferstehung mit besonderer Radikalität. Simone Sterr im Gespräch mit Rolf Sänger-Diestelmeier. So 7. April, 18 Uhr in der Kulturkirche St. Stephani

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THEATERTREFFEN: TEAM KNAUSGÅRD

Karl Ove Knausgård hat mit seinem sechsteiligen autobiografischen Romanzyklus für Aufsehen gesorgt und eine riesige Leserschaft an sich gebunden, die süchtig ist nach seinen radikal persönlichen Alltagsbeschreibungen und Innenschauen. Seit knapp drei Jahren beschäftigen sich der Regisseur Frank Abt, der Schauspieler Robin Sondermann, die Dramaturgin Viktorie Knotková und die Bühnenbildnerin Susanne Schuboth mit dem „Phänomen Knausgård“ und bringen jede Spielzeit zwei der Romane auf die Bühne. Nun erarbeitet das Team den sechsten und letzten Teil Kämpfen. Grund genug, die Langstreckenläufer*innen im flüchtigen Theaterbetrieb zum TheaterTreffen einzuladen. Moderation: Hendrik Werner Mo 8. April, 20 Uhr im noon / Foyer Kleines Haus 5 € / Eintritt frei für Bremer Theaterfreunde RESONANZ DER KULTUREN – INTEGRATION IN BREMEN

Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidat*innen vor der Bürgerschaftswahl 2019 Unsere Gesellschaft ist im Umbruch, eine gelungene Integration ist unabdingbar für ein funktionierendes Miteinander. Sie schafft den Grund, auf dem sich die politischen, sozialen und gesellschaftlichen Kräfte entfalten können. Was heißt Integration heute? Welche Konzepte entwickelten die einzelnen Parteien? Es diskutieren: Dr. Carsten Sieling (SPD), Maike Schaefer (Bündnis 90 / Die Grünen), Kristina Vogt (Die Linke), Dr. Magnus Buhlert (FDP) und Vertreter*in der CDU. ​ Di 23. April, 18 Uhr im Theater am Goetheplatz (Foyer) Eintritt frei! 37


04/2019

JUNGES.THEATERBREMEN

Theaterpädagogik JOUR FIXE

Fortbildung für Theaterlehrer*innen und Interessierte zum Thema „Stückbezogene Workshops“ Theater zu sehen, inspiriert die eigene Theaterarbeit. Wie bereite ich Jugendliche auf einen Theaterbesuch vor? Welche sinnlichen Vorerfahrungen können die Rezeption intensivieren? Im Workshop erproben wir verschiedene übertragbare Methoden, um den inhaltlichen Kontext einer Inszenierung mit Gruppen zu erarbeiten sowie ästhetische und dramaturgische Prinzipien nachzuvollziehen. Do 4. April 2019, 17 – 20 Uhr, Treffpunkt Kleines Haus Anmeldung unter theaterpaedagogik@theaterbremen.de

Junge Akteure FREIRAUM: JASON UND MEDEA

Wallende Meere. Ein Schiff voller Helden. Ein goldenes Widderfell. Eine kräuterkundige Halbgöttin und ein junger Mann mit dem unbändigen Wunsch, König zu werden. Die Geschichte von Jason und Medea ist mehrere tausend Jahre alt. Sie endet in Zerstörung und Grausamkeit. Doch sie beginnt mit einer großen Liebe. Von ihr wollen wir erzählen. Auf den Spuren ihrer Begegnung setzen wir uns mit Sehnsüchten, Identität und Geschlechterbildern auseinander. Jason und Medea suchen nach einer eigenen Sprache

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und kreieren sich einen Raum, in dem alles möglich ist und sie ein übermenschliches Dreamteam sein können. Sie tricksen die Schlange aus, erbeuten das Vlies und begeben sich auf eine Forschungsreise der Menschlichkeit. Das Format Freiraum überlässt jungen Akteur*innen für acht Wochen den Brauhauskeller, um einen Experimentierraum für eine eigene Arbeit zu öffnen. Konzeption, Regie, Spiel und Ausstattung liegen eigenverantwortlich in den Händen der jungen Theatermacher*innen. Fr 5., Sa 6. und So 7. April, jeweils 19 Uhr im Brauhauskeller Von und mit: Kilian Chauniere, Elisa Freyberg, Merve Kaplan, Konrad

Leinhos, Luca Punke, Hale Richter, Yeşim Nela Keim Schaub, Sinja Schilling, Linde Schröder, Lili Sofia Süper

Theaterpädagogik WAS HEISST DENN HIER: WIR?

Ferienprojekt / 8 – 12 Jahre Was bedeutet Gruppe? Worin bestehen Widerstände und Glücksmomente? In drei Workshops (Tanz / Kunst / Theater) werden wir uns begegnen, experimentieren und uns austauschen, bis wir irgendwann wissen: Was heißt denn hier: WIR? Am Ende der Woche verwandeln wir unsere Erfahrungen in eine gemeinsame Präsentation. Die Teilnahme ist kostenlos. Mo 8. bis Sa 13. April, 10 – 14 Uhr im Brauhaus Infos und Anmeldung unter: theaterpaedagogik@theaterbremen.de

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„Kreis|lauf:[…] zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehrende Bewegung, in der etwas abläuft, sich vollzieht.“ (Duden) Zirkulierend, bewegend, schöpferisch ist die Arbeit des Chores: Sie hat ihren Anfang im Chorsaal, nimmt ihren Lauf auf den Probebühnen und mündet in einer von zahlreichen Premiere auf der Bühne. Das


Chorkonzert nimmt nicht nur faktisch diesen Weg, sondern vollzieht auch inhaltlich den Kreislauf von Leben und Tod, Himmel und Erde nach. Die Richtung ist dabei – wie man sieht – stets fokussiert und zielsicher. Danke J. L. und I. B.! Ihre Lieblingspfeile bitte weiterhin an dramaturgie@theaterbremen.de


DAS OSTERABO

Suchen Sie noch nach einer Geschenkidee zu Ostern? Verschenken Sie besondere Theatererlebnisse! Für 100 € erhalten Sie zwei frei wählbare Vorstellungen für das Theater am Goetheplatz (zweite Preiskategorie) und zwei für das Kleine Haus. Das Osterabo kann vom 1. März bis zum 18. April an der Theaterkasse erworben werden und ist bis zum Ende der Spielzeit einlösbar! Theaterkasse Mo – Fr: 11 – 18 Uhr, Sa: 11 – 14 Uhr Tel 0421 . 3653 - 333 oder kasse@theaterbremen.de Abonnementberatung Di – Fr: 14 – 18 Uhr, Sa: 11 – 14 Uhr Tel 0421 . 3653 - 344 (Di – Fr: 14 – 18 Uhr) abo@theaterbremen.de


ERMÄSSIGTE KARTENPREISE

SCHÜLER*INNEN, AUSZUBILDENDE UND STUDIERENDE Für die Vorstellungen im Theater am Goetheplatz und im Kleinen Haus sind Karten zum Preis von 9 € erhältlich (exkl. Konzerte und Sonderveranstaltungen). ARBEITSLOSE, FREIWILLIGENDIENSTLEISTENDE UND SCHWERBEHINDERTE (AB 50 % GDB) Sowohl im Vorverkauf als auch an der Abendkasse bieten wir Ihnen gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises einen Preisnachlass von rund 50 % auf den regulären Kartenpreis für alle unsere Vorstellungen (exkl. Konzerte und Sonderveranstaltungen) an. Diese Konditionen gelten auch für Begleitpersonen von Schwerbehinderten. KULTURTICKETS Bürger*innen mit geringem Einkommen erhalten gegen Vorlage der „Grünen Karte“ ein Kulturticket zum Preis von 3 €. In den Bremer Bürgerhäusern und den Zweigstellen der Stadtbibliothek können die Karten für ausgewählte Vorstellungen reserviert werden. Ansonsten erhalten Sie diese immer ab Montag für Vorstellungen der laufenden Woche an der Theater­kasse, sofern noch Karten verfügbar sind – www.kulturticket.bremen.de. GRUPPENTARIFE Besuchergruppen ab 10 Personen erhalten einen Rabatt von rund 20%. THEATERCARD 50 / THEATERCARD 25 Unsere TheaterCard 50 ermöglicht einen Preisvorteil von rund 50 % und die neue TheaterCard 25 von rund 25 %. Sie sind gültig für jeden Termin, jede Spielstätte und jede Preiskategorie (exkl. Gastspiele, Konzerte und Sonderveranstaltungen) und ab dem Kaufdatum 1 Jahr gültig. BLAUER THEATERTAG Musiktheater 20 € / Schauspiel 15 € auf allen Plätzen!

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Print-à-porter Die neue taz. Getragen von Vielen. 10 Wochen täglich taz für 10 Euro. Sind Sie dabei? taz.de/new-paper

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04/2019

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Theaterkasse

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Postfach: 10 10 46, 28010 Bremen Goetheplatz 1 – 3, 28203 Bremen Informationen zur Barrierefreiheit und Zugänglichkeit unter www.theaterbremen.de/barrierefreiheit Impressum Herausgeber: Theater Bremen GmbH Geschäftsführung: Prof. Michael

Börgerding (Generalintendant), Michael Helmbold (Kaufmännischer ­Geschäftsführer) Redaktion: Isabelle Becker Szenenfotos: Jörg Landsberg Gestaltung: ErlerSkibbeTönsmann, Tim Feßner Druck: Druck & Verlag Kettler GmbH. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. 46


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