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InnovationsTage 2009

Marktplatz zukunftsweisender Technologien

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Wertschöpfung von morgen

InnovationsTage – ein Volltreffer

Podiumsdiskussion beschäftigt sich mit dem Schlüssel zum Erfolg: Innovative Ideen. Das Interesse am Thema ist groß gewesen: Trotz des sehr warmen Wetters fanden über 100 Interessenten den Weg in die Spitalkapelle des Crailsheimer Stadtmuseums. Die Krise macht vielen Branchen Probleme, am stärksten leiden die Maschinenbauer und ihre Zulieferer darunter. Die Frage des Abends war, „Wie können Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich sein?“. Professor Dr. Klaus Wucherer, ehemaliges Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG, brachte es auf den Punkt: Um ihre herausragende Stellung zu erhalten, müssten deutsche Fir-

dukten die Zukunft liegt: men innovativ sein und ihre Produkte weiterentwi- Totally Integrated Automation (TIA) lautet das Stichckeln. Dafür sollten sie ihre Kunden und Märkte ken- wort. Die Konstruktion von Maschinen und Anlanen, aber auch die hier gen, die Fertigung und entwickelte Technik selbst Montage sowie der Vereinsetzen – wie könnten trieb und der Service wersonst andere Länder von den in den nächsten Jahder Technologie überzeugt ren noch stärker als bisher werden, stellte er in den zusammenwachsen. ProRaum. „Trendsetter zu sein dukte werden gemeinsam, ist Basis des Erfolgs.“ unabhängig vom Standort, Die Länder der Zukunft entwickelt. seien vor allem Asien, die Wie eine moderne, Gesellschaften haben seit „schlanke“ SondermaschiJahren ein hohes Wirtschaftswachstum und wer- nenfertigung organisiert den in Zukunft auch wei- ist, zeigte Ulrich Tomaschewski, Technischer terhin eine gewichtige Werksleiter Crailsheim der Rolle auf dem Weltmarkt spielen. Für Professor Dr. Robert Bosch GmbH, GeVerpaKlaus Wucherer ist klar, schäftsbereich ckungstechnik, Produktbedass in der elektronischen reich Pharma Liquid. Verzahnung von Planung und Herstellung von Pro- Fortsetzung auf Seite 2

Würfel in Bewegung – das Symbol der HEITEC InnovationsTage 2009.

HEITEC hat sich auf etwas Neues eingelassen: Wir wollten unseren Kunden eine Möglichkeit bieten, sich aus erster Hand über aktuelle Produkte und Dienstleistungen zu informieren. Andere Unternehmen organisieren eine Hausmesse, wir die InnovationsTage mit Vorträgen aus der Praxis und Informationsständen unserer Partner. Entsprechend unseren Tätigkeitsfeldern waren auch die Themen aus den Bereichen Automation/Engineering und Dokumentation breit gestreut: Es ging um die organisierte Ideenfindung, Chancen aber auch Herausforderungen des neuen GAMP 5-Leitfadens, das Prozessdenken, die automatische Erstellung von Betriebsanleitungen, eine neue Produktionssteuerung sowie um Optimierungspotenzial im Service. Den Abschluss der informativen Veranstaltung bildete eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion mit zwei interessanten Impulsvorträgen. Diese Zeitschrift fasst die InnovationsTage noch einmal kompakt zusammen – für alle, die leider nicht dabei sein konnten und für die Besucher, die manche Details noch einmal nachlesen wollen. Viel Spaß beim Lesen wünscht Melchior Gentner Leiter der Niederlassung Crailsheim


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INNOVATIONSTAGE 2009 Fortsetzung: „Wertschöpfung von morgen“ Ziele des Bosch Production Systems (BPS) seien null Fehler, 100 % Wertschöpfung und 100 % Liefertreue. „Das bedeutet nicht, dass unsere Mitarbeiter schneller, sondern effizienter arbeiten sollen und Verschwendung vermieden wird“, fasst Tomaschewski das BPS zusammen. Dazu müssten Probleme transparent gemacht und dann beseitigt werden. Im Zentrum aller Überlegungen stehe jedoch der Kunde: Er müsse durch die Einhaltung des Kostenrahmens, durch eine gute Qualität sowie durch Liefertreue zufrieden gestellt werden. Außerdem müssten die Kollegen die Prozesse beherrschen und kontinuierlich verbessern, so Ulrich Tomaschewski. Dafür analysieren die Mitarbeiter aller Führungsebenen die eigenen Prozesse und verbessern sie – so werden beispielsweise Durchlaufzeiten verringert. Um die Vorhaben umzusetzen hat Bosch ein Fünf-Phasen-Programm bis 2014 aufgelegt: Bis dahin soll es

definiert sich über die Mitarbeiim Unternehmen keine Ver- Preis. Wichtig seien dabei so scheinbare Selbstverständlich- ter.“ Die Tätigkeiten werden sich schwendung mehr geben. Alle in Zukunft ändern, es werden Bereiche werden in das BPS ein- keiten wie Liefertreue und sehr gut ausgebildete Mitarbeiter. weniger Handarbeit und mehr gebunden, auch der Vertrieb Kontrollaufgaben gefragt sein. „Sie müssen von Betroffenen zu und die Entwicklung. Dazu müssen die Anlagen effiziIn der anschließenden Podiums- Beteiligten werden, dann leisten ent funktionieren. sie eine gute Arbeit.“ diskussion unter der Leitung von Nach Auffassung von Harald Heribert Lohr, Redaktionsleiter Preiml, Vorstand der HEITEC AG von RegioBusiness, vertieften und Vorstandsvorsitzender des die Gäste die Aussagen der beiFachverbands Software im den Referenten. Georgios LoukVDMA, sichere das Wissen der midis, Leiter Prozessoptimierung Mitarbeiter den WettbewerbsWerk Crailsheim der Voith Turbo vorsprung deutscher UnternehGmbH & Co. KG, betonte die men. Daher müsse der Begriff Ausrichtung auf die Kunden: Sie „Wertschöpfung“ nicht auf ein sei die Basis, um die eigenen Teil oder eine Maschine bezogen Produkte weiter- oder neu zu werden, sondern auf das Wissen. entwickeln. Dazu gehöre, dass Um das Niveau auch in Zukunft Deutschland die Technologiehoch zu halten, müsse weiterhin führerschaft behalte und die Weiß, was eine „schlanke“ in Bildung und dadurch in InnoMitarbeiter konsequent in den Produktion bedeutet: Ulrich vationen investiert werden. Fortschritt des Unternehmens Tomaschewski, Robert Wichtig sei aber zunächst nicht, einbezogen würden. Bosch GmbH, Geschäftsbeneues Wissen zu generieren, Mathias Hartmann, Kaufmänni- reich Verpackungtechnik, sondern schon vorhandenes Wisscher Leiter Crailsheim, Robert Produktbereich Pharma sen für die eigenen Produkte Bosch GmbH, Geschäftsbereich, Liquid, Technischer Werksund Dienstleistungen nutzbar zu Verpackungstechnik, Produktbe- leiter Crailsheim. machen. Nur durch gemeinsame reich Pharma Liquid, setzt auf eine Standardisierung der Pro- Ähnlich sieht es Ingo Schimmel- Anstrengungen könne Deutschpfennig, Crailsheimer Werkslei- land, so Preiml, den bisher hodukte. Nur so bekomme der Kunde die Maschine, die er be- ter, Procter & Gamble Manufac- hen Standard halten und weiter ausbauen. turing GmbH: „Ein Unternehmen nötige zu einem akzeptablen

Auf dem Podium diskutierten (v. li.): Heribert Lohr (Redaktionsleiter RegioBusiness), Prof. Dr. Klaus Wucherer (Zentralvorstand a.D. Siemens AG), Ingo Schimmelpfennig (Crailsheimer Werksleiter, Procter & Gamble Manufacturing GmbH), Mathias Hartmann (Kaufmännischer Leiter Crailsheim, Robert Bosch GmbH, Geschäftsbereich Verpackungstechnik, Produktbereich Pharma Liquid), Harald Preiml (HEITEC AG, Vorstand, Vorstandsvorsitzender Fachverband Software im VDMA) und Georgios Loukmidis (Leiter Prozessoptimierung Crailsheim, Voith Turbo GmbH & Co. KG, Marktbereich Industrie/Industrial Division).


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Innovationsmanagement bei Bosch Packaging Systematische Suche nach Innovationen (Quelle: Präsentation). Innovationen sind wichtig für den Erfolg des Standorts Deutschland. Bei der Robert Bosch GmbH GB Packaging Technology wird systematisch nach Innovationen gesucht. Was versteht man eigentlich unter Innovation? Sucht man nach einer Definition des Begriffes, spricht man von der Einführung neuer Produkte, welche sich signifikant von bestehenden Produkten unterscheiden, einen klaren Kundenvorteil darstellen und technologie- oder marktgetrieben sind. Selbst die EU hat 2005 eine Definition des Begriffes Innovation herausgegeben. Wie sieht der Innovationsmanagementprozess bei Bosch Packaging aus? Seit drei Jahren arbeitet Bosch Packaging gemäß eines Stage-Gate-Innovationsprozesses. Innovationen werden in 3 Gruppen unterteilt. Es gibt zum einen die Business Unit spezifi-

schen Innovationen, die meist auf Optimierungen bestehender Maschinen beruhen. Die Gruppe 2 bilden Innovationen, die man als disruptiv bezeichnen kann und einen zeitlichen Horizont von zwei bis fünf Jahren haben. Diese Innovationen könnten bestehende Produkte oder Dienstleistungen vom Markt verdrängen. Die Gruppe 3 konzentriert sich auf neue Geschäftsfelder. Man redet hier von einem zeitlichen Horizont von drei bis zehn Jahren. Innovationen der Gruppe 2 und 3 sind meist Business Unit übergreifende Projekte mit Synergieeffekten. Anfangs werden die Ideen in einem Ideenpool gesammelt. Das Bosch Innovation Management Team (IMT), welches sich aus Vertretern von Markt und Technik zusammensetzt, ist Herr über diesen Ideenpool. Dieses Team bewertet die einzelnen Ideen, führt Vor- und Konzeptstudien durch und entscheidet, ob eine Idee weiterverfolgt wird oder vorerst im Ideenpool

Erfolgreiche Innovationen (Quelle: Präsentation).

verbleibt. Ideen in dem Ideenpool entstehen meist in Workshops. Die Workshop-Themen werden aus globalen Trends, Bosch Packaging relevanten Themen und daraus abgeleiteten markt- und technikgetriebenen Suchfeldern

reich passiert hat, wird das Projekt an die Business Units übergeben. Mit Hilfe der Software Hype IMT werden Ideen gesichert und archiviert. Der Prozess und die Projekte werden transparent darge-

Suchfelder werden definiert (Quelle: Präsentation). definiert. Innovationsgates (IGs) helfen bei der Überprüfung und Bewertung einzelner Ideen. Erst nachdem die Idee das IG 3 erfolg-

Anja Böhm, Manager of New Technologies, Robert Bosch GmbH Verpackungstechnik

stellt und der Status abgebildet. Diese Software dient außerdem dem Ideenaustausch zwischen den einzelnen Business Units.

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GAMP 5 – Chancen und Herausforderung Der neue Leitfaden GAMP 5 verunsichert Hersteller von Maschinen und Anlagen genauso wie deren Auftraggeber und Kunden. Dabei bietet die Richtlinie eine Reihe von interessanten Ansätzen. GAMP 5 (Good Automated Manufacturing Practice) wurde vom UK Pharmaceutical Industry Computer Validation Forum herausgebracht. Ziel des Leitfadens – nun liegt die 5. Version vor – ist es, einen risikobasierten Ansatz für die Validierung computergestützter Systeme aufzuzeigen, die in der pharmazeutischen Industrie und der Medizintechnik eingesetzt werden. Das Regelwerk hat jedoch keine gesetzliche Bindung, es ist lediglich eine anerkannte Vorgehensweise bei der Validierung von Maschinen und Anlagen. Bei dem neuen Ansatz, der seit 2008 verfügbar ist, wird vor allem auf die effiziente Erfüllung regulatorischer Anforderungen größten Wert gelegt. Es werden nicht nur die Begriffe der Branche definiert (damit alle die gleiche Sprache sprechen), sondern

auch die Verantwortungsbereiche von Betreibern und Lieferanten benannt. Unter Einbeziehung der Produktund Prozesskenntnisse des Herstellers medizinischer Produkte sowie der Beteiligung von Lieferanten computergestützter Systeme, soll ein gemeinsamer Lebenszyklusansatz innerhalb eines Qualitätsmanagementsystems entstehen, wobei die einzelnen Lebenszyklusaktivitäten auf einem wissensorientierten Qualitätsrisiko-Management beruhen. In den einzelnen Projektphasen wird festgelegt, was eine Maschine leisten soll, welches Risiko dabei entstehen könnte und ob sie die einmal festgelegten Eigenschaften später auch erfüllen kann. Die gleichen Punkte müssen während des Betriebs bzw. bei Änderungen an der Anlage beachtet und überprüft werden. Erstmals bezieht GAMP neben dem pharmazeutischen Umfeld auch das Umfeld der Medizintechnik mit ein. Somit ist dieser Ansatz auch insbesondere für Kombinationen beider Bereiche geeignet. Gerresheimer Wilden ist ein Her-

Josef Dill, Director Corporate Automation Engineering, Gerresheimer Wilden Werkzeug- und Automatisierungstechnik GmbH

Chancen von GAMP 5 (Quelle: Präsentation). steller von Spezialprodukten aus Glas und Kunststoff sowie ein Anbieter für kundenspezifische Systemlösungen aus Kunststoff für die Bereiche Pharma, Diagnostik und Medizintechnik. Das Unternehmen kann die komplette Wertschöpfungskette unmittelbar beeinflussen. Die einzelnen Fachbereiche stimmen sich während der Entwicklung oder der Produktion ständig ab. Bei dem Unternehmen werden derzeit die Prozesse auf GAMP 5 umgestellt. Bisher gab es ein Problem bei Kundenanfragen: Entweder schrieben die Auftraggeber keine Norm vor, nach der produziert werden soll, oder sie überhäuften den Hersteller mit anzuwendenden Richtlinien.

Bernd Stäudle, Leiter Qualifizierung, HEITEC AG

So war eine Kostentransparenz bei Angeboten nicht mehr möglich. Die Herausforderung ist es, mithilfe der Richtlinie einen Leitfaden zu entwickeln, an dem sich Kunde und Lieferant orientieren können: Das Risiko wird in allen Phasen abgeschätzt und bewertet. Die Chancen einer Richtlinie auf Basis von GAMP 5 sind, dass sie auf Maschinen und Anlagen der unterschiedlichsten Größen anwendbar sowie flexibel ist und Änderungen möglich sind. Der Leitfaden soll durchgängig in den unterschiedlichsten Bereichen nutzbar sein und schließlich bei allen Beteiligten für die nötige Transparenz der Kosten sorgen.


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Denken und Handeln in funktionalen Prozessen Die Konstruktion einer Maschine oder Anlage soll immer schneller und mit besserer Qualität erfolgen – die Kosten müssen parallel dazu geringer werden. Diese Vorgaben können nur mit einem Baukastensystem erfüllt werden. Das Engineering läuft derzeit noch in den meisten Fällen sequenziell ab: Zunächst werden die mechanischen Komponenten konstruiert, danach die elektrischen und zum Schluss wird die passende Software für die Anlage geschrieben. Bestimmte Teile der neuen Maschine werden aus einer schon früher entwickelten Anlage durch einfaches Kopieren übernommen – die vorhanden Daten werden an die neuen Gegebenheiten angepasst. Diese Vorgehensweise führt zu einer großen Variantenvielfalt und hohem logistischen Aufwand. Laut Aussagen von Unternehmen unterscheiden sich auch im Sondermaschinenbau die einzelnen Anlagen oft nur in 20 % der Komponenten. Ziel einer effizienten Entwick-

lungsabteilung muss es sein, dass eine Maschine modular aufgebaut wird – die einzelnen Module können ohne grundlegende Änderungen in neuen Anlagen eingesetzt werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Auch beim Sondermaschinenbau können einzelne Komponenten in Varianten wiederverwendet werden und trotzdem erhält der Auftraggeber die Maschine, die er benötigt. Die Schnittstellen zwischen den einzelnen Modulen sind klar definiert, die Montage einer bestellten Anlage ist einfach möglich. Beim Projektieren wird aus der vorhandenen Liste mit Modulen im Mind8 Engineering Center das benötigte Teil entnommen und mögliche Parameter gesetzt. So entsteht trotz des Baukastensystems eine individuelle Anlage. Um den Engineeringprozess zu systematisieren, wird die „Konstruktionsaufgabe“ in die Tätigkeiten Entwicklung und Projektierung getrennt. Dadurch ist es möglich, die Projekte schneller abzuarbeiten und die anfallenden Entwicklungen für Standards und Baukästen projekt-

Volker Scheub, Leiter Steuerungstechnik, Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH

Baukasten orientierte Prozesse (Quelle: Präsentation). neutral zu gestalten. Dabei entsteht als Basis eine Sammlung von definierten, bewährten und getesteten Funktionen. Jede Komponente ist mit den notwendigen Informationen verbunden (Stücklistendaten für die Mechanik, Stromlaufplanbestandteile für die E-Technik, Software für die SPS Programmierung, etc.). Nach einem abgeschlossenen Projekt werden alle benötigten Unterlagen (für Fertigung und Dokumentation) auftragsspezifisch generiert. Die Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH stellt folienverarbeitende Maschinen her. Durch das breite Spektrum an Aufgaben (Wickeln, Schneiden, Kleben, Stanzen, etc.) ist die Variantenvielfalt groß. Beim manu-

Dr.-Ing. Marco Litto, Geschäftsführer, Mind8 GmbH & Co. KG

ellen Kopieren einzelner Module aus schon existierenden Maschinen wurden Fehler übernommen. Bei jeder Maschine waren außerdem aufwendige Tests notwendig. Mit der Einführung des Mind8 Engineering Center werden wiederverwendbare Komponenten Disziplin übergreifend abgestimmt und im System modelliert. Bestimmte Mitarbeiter kümmern sich nur um die Modellpflege und die Qualitätssicherung. Durch die Standardisierung haben sich Synergien in der Projektierung, Programmerstellung, Inbetriebnahme und Dokumentenerstellung ergeben. Die flexible Software erlaubt den Einsatz auch für individuelle Prozesse und Systeme.

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Automatische Erstellung von Betriebsanleitungen Für die Dokumentation einer Maschine oder Anlage sind nicht nur gedruckte Betriebsanleitungen gefragt, die Inhalte sollen auch als Webseiten, Stücklisten oder als Datenbanken ausgegeben werden. Viele Bedienungsanleitungen einer Produktfamilie enthalten gleiche Passagen, die nicht immer neu eingegeben werden müssen, sie stehen – wie andere Informationen auch – in einer Datenbank zur Verfügung. Mit den Informationen können dann beispielsweise Beipackzettel oder für jeden Kunden individuelle Dokumente automatisch erzeugt werden (der Kunde bezeichnet beispielsweise eine Betriebsanleitung als Gebrauchsinformation). Ziel der Software SCHEMA ST4 ist es, „komplexe Dokumente einfach“ zu verwalten und zu erzeugen. So werden in der Software Daten aus verschiedenen Quellen (Konstruktion, Einkauf, Marketing,…) und in unterschiedlichen Datenformaten (Zeichnungen, SAP, Textverarbeitung,…) zusam-

mengetragen und organisiert. Mehrere Mitarbeiter können eine Dokumentation erstellen. Das System verwaltet verschiedene Versionen eines Dokuments (eine Maschine wird weiterentwickelt) in den unterschiedlichsten Sprachen für mehrere Anlagenvarianten. Die Software ist als offenes System konzipiert: Sämtliche Industriestandards werden unterstützt. Dabei ist SCHEMA ST4 besonders anwenderfreundlich, denn nur so können alle Vorteile wirklich ausgeschöpft werden. Das spart Zeit, die dann für die eigentliche Arbeit verwendet werden kann. Die XML-basierte Standardsoftware SCHEMA ST4 gibt es für verschiedene Anforderungsprofile in unterschiedlichen Ausführungen, alle verwenden die gleiche Technologie. Daten und Anpassungen können daher zwischen den verschiedenen Ausbaustufen problemlos ausgetauscht werden. Das Anwendungsmodul ST4 Basic Line ist für kleinere bis mittlere Redaktionen konzipiert, die eine fertige Lösung für die täglichen Anforderungen im Bereich

Softwaredokumentation und Technische Dokumentation suchen. Bei der IWK Verpackungstechnik GmbH werden sämtliche nach der Maschinenrichtlinie notwendigen technischen Dokumentationen erstellt. Dazu kommen eine Onlinehilfe auf Basis der Bedienungsanleitung sowie die Qualifizierungsdokumente nach GAMP. Die Bedienungsanleitungen werden auftragsspezifisch zusammengestellt – jeder Kunde erhält eine speziell für seine Maschine generierte Bedienungsanleitung mit der firmeneigenen Terminologie. Seit zehn Jahren wird ein

Stefan Freisler, Geschäftsführer, SCHEMA GmbH

Thomas Schweinfurth, Leiter Qualifizierung und Dokumentation, IWK Verpackungstechnik GmbH

Aufbau der Software SCHEMA ST4 (Quelle: Präsentation). Redaktionssystem verwendet: In der Zwischenzeit haben sich durch die starke Modularisierung rund 40 000 Framemaker-Dateien angesammelt, die in anderen Dokumenten wiederverwendet werden sollen. SCHEMA ST4 hilft aus den Dateien, je nach verwendeten Baugruppen laut SAP-Stückliste, die notwendigen Module automatisch zu einer Bedienungsanleitung zusammenzustellen. Dabei werden Filter gesetzt, Grafikgruppen definiert und Textknoten bzw. Textfragmente unterschieden. Ziel dabei ist es, so viele Module wie möglich immer wieder zu verwenden.


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Produzieren mit zenon Leittechnik Was passiert gerade in der Anlage? Prozessleitsysteme helfen die Produktion zu steuern. Parallel dazu visualisieren und dokumentieren sie die Parameter der laufenden Charge. Produktionsanlagen in der Pharma­branche verfügen über viele Behälter, Pumpen und Rohrleitungen, die für die Herstellung einer Substanz in ganz spezieller Weise angesteuert werden müssen. Dafür ist es zunächst einmal wichtig, alle verfügbaren Daten (Temperaturen, Drücke, Füllstände, etc.) aus den unterschiedlichsten Quellen zu sammeln und aufzubereiten. Das Prozessleitsystem zenon stellt sie grafisch dar. Die Informationen stehen durchgängig im ganzen Unternehmen (Einzelplatz, Leitstand, Controlling) zur Verfügung – unabhängig von den verwendeten Betriebs-, PC- oder Netzwerksystemen. Entscheidungen können schneller getroffen und die Produkte somit in einer höheren Qualität hergestellt werden. Die Softwarelösung arbeitet mit

Bildschirmen, Druckern, HMI-, SCADA- und Bussystemen, Schnittstellen, Reglern sowie Fühlern der unterschiedlichsten Hersteller effizient zusammen. Wenn das System einmal eingerichtet ist, kann es nach einer kurzen Schulung von den Mitarbeitern an der Maschine eingestellt werden – Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich. Gerade in der Pharmaindustrie ist eine lückenlose Dokumentation des Produktionsprozesses mit den Eingriffen des Bedienpersonals und allen Fehlermeldungen unerlässlich. zenon erfasst und archiviert FDA-konform die relevanten Daten lückenlos und manipulationssicher. Holopack Verpackungstechnik GmbH füllt im Lohn sterile und aseptische pharmazeutische Produkte mithilfe der bottelpack Blow-Fill-Seal-Technik ab. Dabei wird zunächst der Kunststoffbehälter geblasen, gefüllt und schließlich verschlossen. Mit einer neuen Ansatzanlage soll die Produktionskapazität erweitert werden. Die Anlage wird durch ein zenon-Prozessleitsystem visualisiert und ge-

Daniel Engel, Pharmatechniker, HOLOPACK Verpackungstechnik GmbH

Übersichtliche Darstellung (Quelle: Präsentation). steuert. Ein Mischbehälter (10 000 l) und zwei Haltetanks (15 000 l), ein Homogenisator bzw. eine Temperiereinheit, Filter, drei Abfüllanlagen mit 250 Ventilen, drei Touch-Bedienpanels und 206 Funktionen werden von dem System verwaltet. Die Anlage lässt sich automatisch reinigen (CIP) und sterilisieren (SIP). Die Abfüllzeiten können durch das neue Prozessleitsystem verlängert und mehrere Rezepturen parallel verarbeitet werden. Darüber hinaus sollen Aufträge

Frank Hägele, Sales Manager, Ing. Punzenberger COPA-DATA GmbH

verwaltet, eine kundenspezifische Dokumentation erstellt und GMP- und FDA-Richtlinien eingehalten werden (Audittrail). Die ganze Anlage muss GAMP 5-konform sein. Die Mitarbeiter der Holopack Verpackungstechnik GmbH haben ein stabiles, schnelles und flexibles Prozessleitsystem mit einer einfachen, intuitiven Bedienung erhalten. Mit der Software ist, wie gewünscht, die Herstellung, Lagerung und Abfüllung der unterschiedlichsten Produkte mühelos möglich.

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Optimierungspotenzial im globalen Service Der deutsche Maschinenbau liefert seine Anlagen in alle Welt. Bei der Inbetriebnahme, der Wartung und beim Fehlermanagement sind Fachleute vor Ort gefragt. Kunden bezahlen gerne etwas mehr für Maschinen „Made in Germany“. Sie wissen, dass sie qualitativ hochwertige Anlagen und eine hervorragende Service-Unterstützung erhalten. Das bedeutet im Umkehrschluss: Hersteller müssen für die Kundenbindung einen Service rund um die Uhr sicherstellen. Neben dem Personal ist vor allem Wissen bei den Einsätzen rund um die Welt gefragt. Doch die Fachleute eines Unternehmens können nicht gleichzeitig bei meh-

reren Kunden sein. Das vorhandene Wissen muss allen Service-Mitarbeitern eines Unternehmens weltweit zur Verfügung stehen. Zum einen bieten sich visuelle Dokumentationen und Handlungsanweisungen an (offline), zum anderen die Zusammenarbeit zwischen einem Servicetechniker vor Ort und einem Experten in der Firmenzentrale (online). Visuelle Dokumentationen sind mit kurzen Videosequenzen verlinkt, dadurch kommt der Servicetechniker vor Ort direkt an die benötigten Informationen. Handlungsabläufe lassen sich ohne Worte nachvollziehbar darstellen. Das Expertenwissen ist somit weltweit verfügbar – dank verschiedener Ausgabegeräte (Laptop, Industrie-PC, Ma-

schinensteuerung, PDA). Diese Dokumentationen lassen sich in vielen Bereichen einsetzen: als Reparatur- und Wartungsanleitung, zur schnellen Orientierung bei großen Anlagen sowie zur sachgerechten Demontage und Montage von Komponenten. Aber auch bei der Produktion und Fertigung sind diese verlinkten Videos hilfreich: beispielsweise im Schichtbetrieb, wenn nicht-spezialisierte Arbeitskräfte zum Einsatz kommen, beim Anfahren einer Anlage sowie als präzise Anleitung zur Fehlerund Unfallvermeidung. Bei mavus (Mobile AudioVisuelle Unterstützung im Service) ist ein Servicetechniker vor Ort online mit der Firmenzentrale verbunden. Die Fachleute unterstützen und führen den Kollegen mithilfe einer bidirektionalen Kommunikation. Technische Zeichnungen, Engineeringdaten oder DesktopBilder können über einen kleinen Monitor in Echtzeit übertragen werden. Eine integrierte Kopfkamera erlaubt dem Fachmann „live“ dabei zu sein. Von mavus können nicht nur Hersteller profitieren, auch das Servicepersonal eines Unterneh-

mens oder ein Betreiber können ihre Aufgaben effizienter erledigen: Experten sind für alle Bereiche jederzeit weltweit verfügbar, Reisezeiten (und damit Kosten) werden vermieden. Ein hochwertiger Rund-um-dieUhr-Service kann auch mit gering qualifiziertem Personal für die gesamte Produktpalette eines Unternehmens zur Verfügung gestellt werden. Fehler bzw. Missverständnisse werden wegen der direkten Rückkopplung minimiert. Durch mavus wird der Knowhow-Transfer – die Möglichkeit, dass Geschäftsgeheimnisse in die falschen Hände geraten – gering gehalten und der Service-Einsatz protokolliert („Videoprotokoll“). Sollte eine Maschine einmal ausfallen, ist Personal mit Know-how schnell vor Ort. Erstinspektionen und geplante Stillstände lassen sich besser planen und organisieren – die Maschinen sind für einen fehlerfreien Produktionsprozess optimal eingestellt. Für den Einsatz des Systems ist vor Ort nur ein Internetzugang mit einer Standard-Bandbreite notwendig.

Impressum

mavus als Verbindung zwischen dem Service-Techniker vor Ort und der Firmenzentrale.

HEITEC InnovationsTage 2009 Rückblick ist eine Publikation der HEITEC AG, Zweigniederlassung Crailsheim, Brunnenstraße 36, 74564 Crailsheim, Internet: www.heitec.de Auflage: 3000 Stück Ausgabe: September 2009

Redaktion: Thorsten Hiller (thak!) Fotos: Thorsten Hiller, HEITEC, Präsentationen Grafik & Layout: thak! Werbung & Kommunikation, Langsdorfstraße 6, 74582 Gerabronn, Internet: www.thak.de


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