Porträt
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Orange die Kleidung, schwarzweiss die Strasse Silvia Cantieni // Für rund 200 km Strassen ist das Tiefbauamt
Graubünden in der Berichtsregion zuständig, hier also der Bezirk 4 in Scuol. Ein Porträt über Mitarbeitende und deren Aufgaben. Herr Fröhlich aus Deutschland bucht einen Helikopterrundflug im Engadin. Begeistert nimmt er aus der Vogelperspektive die Natur wahr. «Prächtig, dieser orangerote Mohn überall im Tal», schwärmt er. «Nein, nein, Herr Fröhlich», erwidert der Pilot, «das ist nicht der Mohn, das sind unsere Leute vom Kanton.» Ehre, wem Ehre gebührt, kann man mit diesem Bonmot sagen und sich vergewissern, dass die «Leute vom Kanton» im Winter alle Hände voll zu tun haben. An der Südflanke entlang der Strasse von Ftan nach Scuol bröselt es. Steinchen um Steine fallen auf den Asphalt, der Hang ist halbgefroren, schneefrei und in Bewegung. Die Sonne scheint. Die beiden Strassenwarte Cla Demonti und Curdin Egler wischen zuerst und schaufeln danach. Wenn nicht Schnee, dann eben Steine. Immer in ihrer Nähe: das orange Dienstfahrzeug, ein Pickup. «Viel Schnee, wenig Lawinen» Später, am Stützpunkt des Bezirks 4 des Tiefbauamts Graubünden in Scuol, sitzen Curdin Egler und Peder
Caviezel am Sitzungstisch. Beide sind sie für den Winter gerüstet. Beide sind sie schliesslich Lawinenexperten. Peder Caviezel aus Ramosch ist Leiter Betrieb des Bezirks 4 und Chef Lawinendienst. Curdin Egler aus Scuol ist Stradin und im Winter zusätzlich stellvertretender Chef Lawinendienst. Nicht, dass Caviezel und Egler besondere Freude an Lawinen hätten, aber deren Management stellt einen wesentlichen Punkt bei der Sicherheit der Strassenverbindungen dar. Die fünfköpfige Lawinenkommission und Experte Jörg Kindschi aus Ftan widmen sich den winterlichen Naturgefahren. Als besondere Aufgaben gelten die Wetter- und Schneebeobachtung sowie die Schneeprofilaufnahmen, dies immer im Hinblick auf mögliche Schneerutsche auf die Strassenverbindungen. «Viel Schnee, wenig Lawinen», fasst Caviezel seine Wunschvorstellung für den laufenden Winter zusammen. Die Strassenbenützer hätten zwar Verständnis für mögliche Einschränkungen des Durchgangsverkehrs wegen Lawinen. Grundsätzlich
Lawinenspezialisten: Peder Caviezel (rechts) und sein Stellvertreter Curdin Egler haben den Überblick über 200 Gefahrenherde in der Region. (Bild Silvia Cantieni)
gebe es indes keinen Schneefall ohne mögliche Gefahr. Manchmal brauche es Geduld, von allen Seiten. Und wenn dann mal eine Barriere wegen Lawinengefahr runtergehe, könne es schon mal Reklamationen vor Ort geben, so der diplomierte Landwirt und Vorarbeiter/Polier im Strassenunterhalt Caviezel, der die Jagd sowie Theaterspielen, als Präsident der Theatergruppe Ramosch, zu seinen Hobbys zählt. Ruhig bleiben, laute die Devise der Mitarbeitenden. Lawinenfachmann Egler, ausgebildeter Forst-