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Ausgabe 02 / 2013

Das Magazin für den modernen Arbeitgeber

www.tempo-team.com

Crowdsourcing:

Eine Entwicklungschance für Unternehmen Recruiting 2.0

Training für mehr Integration

National

Was Nachwuchskräfte von der Arbeitswelt erwarten

Tempo-Team unterstützt die Sportorganisation Special Olympics

Anerkennungsgesetz für mehr Fachkräfte


Das Magazin für den modernen Arbeitgeber

Auf bewährte Regeln vertrauen In welchem Zustand wäre die deutsche Wirtschaft ohne die Zeitarbeit? Im Wahljahr 2013 darf diese Frage erlaubt sein. Denn die politischen Lager bringen sich in Position und denken öffentlich über neue Regelwerke für die Personaldienstleistungsbranche nach. Fest steht aber: Die bestehenden Regularien für die Zeitarbeit haben sich bewährt. Unsere Branche leistet seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zur stabilen Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland. Für die Unternehmen ist die Option, jederzeit kurzfristig und zeitlich begrenzt Fachpersonal beschäftigen zu können, ein wesentlicher und unverzichtbarer Flexibilitätsfaktor. Er erlaubt es ihnen, passgenau auf die Anforderungen ihrer Märkte zu reagieren. Durch Zeitarbeit sind sie in der Lage, auch kurzfristig ein hohes Auftragsvolumen abzuarbeiten und gleichzeitig Perioden mit weniger Nachfrageaufkommen zu überwinden. Zugleich stellt Zeitarbeit für viele Menschen eine Brücke in den regulären Arbeitsmarkt dar. Die vereinbarten Regeln für die Zeitarbeit haben sich für Unternehmen als verlässlich und kalkulierbar erwiesen. Würde die Politik den Status quo maßgeblich verändern, hätte dies eine

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Erfolgsrezept: Eine stetig wachsende Partnerschaft

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Nahaufnahme: Als Zeitarbeitnehmer den Meister gemacht

nachhaltige Verunsicherung der Wirtschaft zur Folge. Das wäre weder im Sinne der Gesamtwirtschaft noch des Arbeitsmarktes. Unsere Hoffnung ist, dass die Politik weniger auf neue Regeln setzt und stattdessen auf das freie Spiel der Kräfte vertraut. Wie gut das funktioniert, zeigt der Abschluss der Branchentarifzuschläge, von denen Zeitarbeitnehmer zahlreicher Branchen bereits profitieren. Auch hier haben die Tarifparteien ohne das Mitwirken der Politik zu einer einvernehmlichen Lösung gefunden. Uwe Beyer Vorsitzender der Geschäftsführung

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Wissenswert: Nachwuchskräfte durch Netzwerke gewinnen

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Einblick: Sprungbrett Bewerbungstraining

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Fokus: Crowdsourcing: Ein wertvoller Ideenpool

Einblick: Kicker mit Handicap trainieren mit den Profis

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Standpunkt: Crowdsourcing strategisch nutzen

Wissenswert: Mehr Fachkräfte für Deutschland


Erfolgsrezept

Eine stetig wachsende Partnerschaft Geschäftsbeziehungen sind keine Einbahnstraße. Wenn zwei Unternehmen erfolgreich zusammenarbeiten und nach einiger Zeit eine Vertrauensbasis aufbauen, kann aus einem Kunden ein Auftraggeber werden und umgekehrt. So war es bei Tempo-Team Leipzig und der Plättner Communications-Systeme GmbH. Die Mitarbeiter der Leipziger Niederlassung von Tempo-Team schätzen den Kunden Plättner Communications-Systeme aufgrund seiner Zuverlässigkeit und Fairness in den Geschäftsbeziehungen. So war es für Regionalleiterin Martina Beuckert selbstverständlich, das Unternehmen zu empfehlen, als TempoTeam 2013 für den neuen Standort der Niederlassung in Halle einen IT-Dienstleister suchte. Doch zunächst war die Leipziger IT-Sicherheitsfirma Kunde von Tempo-Team. „Wir brauchen regelmäßig Mitarbeiter, die Spezialisten in der Nachrichtentechnik sind“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Joachim Plättner. Er fügt hinzu, dass es in diesem stark spezialisierten Bereich nicht allzu viele Experten auf dem Leipziger Arbeitsmarkt gibt. „Gleichzeitig bearbeiten wir viele große Projekte im Anlagenbau, für die der Auftrag auch mal relativ kurzfristig erteilt wird.“ Deswegen schwört Joachim Plättner auf seinen

Personaldienstleister. „Der Name passt wirklich, Tempo-Team hat immer eine schnelle Lösung, wenn sich bei uns mal eine Situation kurzfristig verändert.“ Deswegen ist es für ihn zum Beispiel keine Frage, dass die Zeitarbeitnehmer auch mal eine Woche länger an einem Projekt bleiben, als unbedingt erforderlich wäre. „Damit brauchen die Kollegen nicht öfter den Einsatzort wechseln als nötig.“ Besonders die gute Beziehung zur Regionalleiterin Martina Beuckert hebt der Geschäftsführer hervor. Sie stehe für kurze Kommunikationswege und ein partnerschaftliches Verhältnis, berichtet er. Die Personalexpertin gibt das Kompliment zurück: „Weil wir Joachim Plättner und seine Kollegen so gut kennen, war uns klar, dass sie die Richtigen für den Job in Halle waren. “ Weil außerdem die IT-Sicherheitstechniker ihrerseits kurzfristig bereitstanden, kam man zusammen. Plättner baute die IT-Datentechnik und die Netzwerkstrukturen in der Hallenser Niederlassung auf. „Jetzt sind wir der Kunde unseres Kunden“, sagt Martina Beuckert. „Und sehr zufrieden damit.“

Plättner Communications-Systeme beschäftigt sich neben der IT-Netzwerksicherheit mit der Planung und Installation von Alarmsystemen gegen Einbruch und Brände sowie von Videosystemen und Zutrittskontrollen. Das Leipziger Unternehmen wurde 1990 gegründet und 1994 in eine GmbH überführt. Plättner Communications-Systeme hat 22 Mitarbeiter.

Erfolgsrezept

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Wissenswert

Nachwuchskräfte durch Netzwerke Was erwarten junge Menschen von ihrem Arbeitgeber, was ist ihnen am Arbeitsplatz wichtig? Der Jugendforscher Simon Schnetzer stieß bei der Untersuchung dieser Fragen auf entscheidende Antworten: Unternehmen müssen sich in der Art und Weise ihrer Kommunikation an die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen anpassen. Und: Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern sollte deren Erwartungshaltung im Mittelpunkt stehen. „Die Nutzung digitaler Medien ist für junge Leute heute selbstverständlich“, sagt Simon Schnetzer. „Vor allem über die sozialen Netzwerke und die unzähligen Möglichkeiten der virtuellen Kommunikation geschieht ein Austausch mit anderen heute sehr zeitnah und es herrscht eine ausgeprägte Kultur des Teilens von Inhalten und Emotionen.“ Daher sollten sich Unternehmen zum Beispiel aktiv darum bemühen, ein eigenes Bild von sich im Internet anzubieten. 4

Wissenswert

„Ist das nicht der Fall, kann als Konsequenz das öffentliche Bild von anderen gezeichnet werden, zum Beispiel über Bewertungsportale.“ Für den Jugendforscher und diplomierten Volkswirt steht außer Frage, dass sich Unternehmen auf der Suche nach jungen Arbeitskräften dieses Kommunikationsverhalten und die dahinterstehende Mentalität aneignen müssen, wollen sie bei ihrer Suche erfolgreich sein. Erst dadurch könnten sie sich im Wettbewerbsdschungel durchsetzen. Arbeitgeber sollten sich dabei nicht nur auf das reine Aussenden von Botschaften beschränken, beispielsweise das Schalten eines Stellenangebots in einer Zeitung oder auf einem Bewerberportal, sondern den Prozess um das Empfangen von Mitteilungen erweitern. Blogs oder Karriereseiten auf der eigenen Homepage mit Kommentarfunktionen und Bewertungsmöglichkeiten seien ein guter Ansatz, um mit Bewerbern in Dialog zu treten. „Eine wichtige Rolle spielen das sogenannte Storytelling und damit hervorgerufene Emotionen“, stellt Simon Schnetzer fest. Zu vermittelnde


Die Geisteshaltung muss stimmen.

gewinnen Botschaften und die Darstellung des Unternehmens müssten über reine Fakten hinausgehen. Sie sollten vielmehr „sozial gemacht“ werden, eine Geschichte erzählen und im besten Fall eine emotionale Bindung aufbauen. „Unterhalten statt informieren lautet die Devise.“ Unternehmen könnten sich darüber hinaus das Netzwerkdenken der Jugendlichen zunutze machen: „Beziehen Sie junge Mitarbeiter, die bereits im Unternehmen tätig sind, in eine Stellensuche ein“, rät der Forscher. „Lassen Sie sie die Stellenausschreibung mitgestalten und profitieren Sie über Empfehlungen von deren Kontakten in sozialen Netzen.“ In der Folge sei es wichtig, schnell auf Kontaktaufnahmen zu reagieren. „Junge Leute sind es heute gewohnt, dass sofort etwas passiert. Eine verzögerte Reaktion verunsichert oder lässt das Interesse schnell versiegen.“ Gerade in hierarchisch organisierten Betrieben ist diese schnelle Form der Kommunikation nicht immer einfach, aber der Jugendforscher betont die Bedeutung dieses Aspektes.

Ein weiterer Ansatzpunkt, um junge Mitarbeiter zu gewinnen und auch zu halten: Unternehmen sollten ihr „Mindset“, also ihre Geisteshaltung, auf die Erwartungen der jungen Leute einstellen. Eine Studie, bei der Simon Schnetzer hauptsächlich Jugendliche befragt hat, die eine Lehre anstreben, absolvieren oder abgeschlossen haben, gibt Auskunft über diese Erwartungen: Als besonders wichtige Aspekte für ihre Arbeit nennen die jungen Leute an erster Stelle Arbeitsplatzsicherheit, gefolgt von Arbeitsatmosphäre und Weiterbildungsmöglichkeiten. Wichtiger noch als die Höhe des Gehaltes ist für sie auch die Nähe zu Familie und Freunden. Ähnlich sind die Antworten auf die Frage nach gewünschten Verbesserungen am Arbeitsplatz. Vor allem für die 22- bis 25-Jährigen ist ein unbefristeter Vertrag wünschenswert. Die ebenfalls von Simon Schnetzer veröffentlichte Studie „Junge Deutsche“ berücksichtigt auch Abiturienten und Hochschulabsolventen. Hier zeigt sich, dass „Spaß an der Arbeit“ der mit Abstand wichtigste Aspekt einer späteren beruflichen Tätigkeit ist. Unternehmen auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern tun gut daran, sich dieser Erwartungshaltungen bewusst zu sein und sie in ihrer Suche zu bedienen.

Wissenswert

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Fokus

Crowdsourcing:

Ein wertvoller Ideenpool Glossar Crowdsourcing: fasst

die

Der

Wörter

Begriff „Crowd“

(Menschenmenge) und „Outsourcing“ (Auslagerung) zusammen und beschreibt

das

Auslagern

von

Projekten oder auch Kreativprozessen an große Personenkreise. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass die Masse der Nutzer wegen ihrer verschiedensten Kompetenzen und Ideen innovativere Lösungen hervorbringt als Einzelne (Stichwort: Schwarmintelligenz). Typische Anwendungsbereiche: Markenaufbau, Kundenpflege, Marktforschung, Suche nach Innovationen.

Social Intranet: Als unternehmensweite Plattform dient es der strukturierten internen

und

produktiven

Kommunikation

und

bietet gegenüber einem herkömmlichen Intranet mehr Interaktionsvarianten. Unternehmen nutzen das Social Intranet zur Mitarbeitermotivation, für die Suche nach Innovationen und neuen Ideen sowie für das interne Wissensmanagement, indem es Experten verknüpft, die über Standorte, Abteilungen und Disziplinen hinweg verteilt sind.

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Fokus

v.l.n.r: Verena Karrasch-vom Steeg, Julia Kern


Für die Mitarbeiter des Internetunternehmens

zum mobilen Recruiting oder zum Social Media Recruiting.“ Dazu

„allesklar.com AG“ ist das sogenannte Crowd-

verfolgen sie und ihr Team die hausinternen Diskussionen zum

sourcing mehr als ein modisches Schlagwort. Seit

meinestadt.de-Stellenmarkt. Dabei profitieren sie nicht nur

Anfang des Jahres gibt es in dem Unternehmen

vom Know-how der Mitarbeiter, die für den Stellenmarkt zu-

– das vor allem als Betreiber des Regionalportals

ständig sind, sondern auch vom Input aus anderen Abteilungen.

„meinestadt.de“ bekannt ist – drei Projekte, die

Besonders deutlich zeigen sich die vielen neuen Verstrebungen

den internen Wissenstransfer auf eine breitere

im Wissensnetzwerk bei den internen Events, die alle vier bis

Basis stellen und dem Unternehmen echten

sechs Wochen im Rahmen des sogenannten meinestadt.de-

Benefit bringen. Zwei Mitarbeiterinnen berichten

Campus stattfinden. Dabei handelt es sich nicht um virtuelle

über erste Erfahrungen.

Meetings, sondern um ganz reale Treffen. Bei Bier und Chips informieren Mitarbeiter oder externe Experten in kurzen

„Inzwischen bekommen wir einen viel weiteren Blick über das,

Vorträgen und in lockerer Atmosphäre über ein aktuelles

was im Unternehmen passiert“, stellt Verena Karrasch-vom

Projekt, ein interessantes Startup-Unternehmen oder einen

Steeg fest. Für die Pressesprecherin von meinestadt.de ist es

aktuellen Trend im digitalen Business. So bekommen die

in ihrem Arbeitsalltag wichtig, über alle Themen und Projekte

Mitarbeiter nicht nur mit, woran die Kollegen in anderen

innerhalb des Unternehmens auf dem Laufenden zu sein. Kein

Abteilungen gerade arbeiten, sondern auch wie sie arbeiten

Wunder also, dass sie vom Social Intranet bei meinestadt.de

und was für sie aktuell relevant ist. Der Lohn für die

begeistert ist. Es sorgt dafür, dass die Mitarbeiter ihr

Vortragenden ist das Feedback. „Beim meinestadt.de-Campus

Wissen mit möglichst vielen Kollegen teilen können.

erhalten die Teilnehmer Rückmeldungen, die bei normalen

Verena Karrasch-vom Steeg: „So entstehen Vernetzungen

Arbeitsmeetings gar nicht zustande kommen können“, erklärt

auch abseits der üblichen Kommunikationspfade, mit denen

Personalexpertin Julia Kern. Häufig betrachteten Kollegen

alle aktuellen Entwicklungen des Unternehmens zu jeder Zeit

aus anderen Arbeitsbereichen die Projekte aus ganz anderen

und von allen Mitarbeitern nachverfolgt werden können.“

Blickwinkeln. So entstünden vielfach weitere innovative Ideen.

Und wie funktioniert das genau? Beim Social Intranet, das mit

Oftmals blieben ein Mitarbeiter, der ein Projekt im

der Software „tibbr“ gesteuert wird, kann jeder Mitarbeiter

Campus-Meeting vorgestellt hat, und ein anderer, der ihm

selbst entscheiden, aus welchen Bereichen, von welchen

dazu Anregungen gegeben hat, längerfristig in Kontakt – zum

seiner 300 Kollegen und zu welchen Projekten er auf dem

Beispiel im Social Intranet. Julia Kern: „Da entwickeln sich ganz

Laufenden bleiben will. Er oder sie kann Themen abonnieren

andere Vernetzungen, als sie im üblichen Arbeitsalltag entstehen.“

oder bestimmten Kollegen folgen, die im persönlichen Nachrichten-Stream erscheinen. „Mit dieser Konfiguration kann jeder Mitarbeiter sich genau dort einbringen, wo es für ihn besonders wichtig und interessant ist“, berichtet Julia Kern, Teamleiterin

der

Personalabteilung

bei

meinestadt.de.

„Die Internetbranche ist so schnelllebig wie das Internet selbst“, erklärt Verena Karrasch-vom Steeg. Da sei es unerlässlich, Expertenwissen mit anderen zu teilen, um immer schnell reagieren zu können. Damit man über aktuelle Projekte in gebündelter Form informieren kann, setzt man bei meinestadt.de zusätzlich auf ein weiteres Medium: eine kollaborative Cloud-Software, in der – ähnlich wie in einem Projekt-Wiki – alle Arbeitsschritte dokumentiert werden. So kann sich jeder Mitarbeiter beispielsweise detailliert

allesklar.com AG

über den aktuellen Stand zum Relaunch von meinestadt.

Die allesklar.com AG ist ein deutsches Internet-Medien-

de informieren, der noch für dieses Jahr geplant ist.

unternehmen, das regional ausgerichtete Internetportale wie

Auch Julia Kern schwärmt von den Möglichkeiten, welche

meinestadt.de betreibt und vermarktet. Das 1996 gegründete

die neuen Crowdsourcing-Projekte für die unternehmens-

Unternehmen mit Stammsitz in Siegburg beschäftigt rund 300

interne Kommunikation bieten: „Wir von der Personalabteilung

Mitarbeiter und gehört seit 2012 als hundertprozentige Tochter-

erhalten zum Beispiel aus dem Unternehmen viele Anregungen

gesellschaft zu Axel Springer Digital Classifieds.

Fokus

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Standpunkt

Crowdsourcing strategisch nutzen Der Innovationsforscher Prof. Dr. Bernd Kriegesmann über Strategien und Grenzen beim firmeninternen Wissensaustausch durch Crowdsourcing. Was raten Sie Unternehmen, die Crowdsourcing für sich nutzen wollen? Innovation erfordert immer Orientierung. Wer also Crowdsourcing auf die eigenen Mitarbeiter bezieht, muss sich fragen, was er erreichen will. Geht es ihm um Prozessverbesserung, um die Entwicklung produktbegleitender Dienstleistungen, oder sollen bestehende technologische Potenziale in neue Anwendungsfelder übertragen werden? Ohne Orientierung entstehen vielleicht Ideen, die aber nicht ins strategische Firmenkalkül passen oder sogar andere Leistungen kannibalisieren würden. Und selbst wenn interessante Ideen entwickelt werden, bleibt die Umsetzung die entscheidende Herausforderung. Wie lässt sich Crowdsourcing sinnvoll ergänzen? Es gilt, Anknüpfungspunkte an das reale Innovationsmanagement zu schaffen. Dazu gehören Bewertungssysteme für die entwickelten Ideen, denn die Selektion der richtigen Idee wird nicht durch den teilnehmenden Mitarbeiter gesichert. Dazu gehören aber auch alle Umsetzungsaufgaben wie etwa Feldtests mit realen Kunden oder auch Parallelentwicklungen zur Erarbeitung einer neuen Fertigungstechnologie für Produktinnovationen.   Welche Möglichkeiten gibt es für kleinere Firmen neben dem Social Intranet noch? Crowdsourcing ist nicht der einzige Weg, Mitarbeiter für kollaborative Innovationsprozesse zu gewinnen. Kleinere Unternehmen können sich auf reale Interaktion konzentrieren. Dabei geht es darum, die Mitarbeiter zu befähigen und zu ermutigen, das Neue zu denken und umzusetzen. Dafür sind entsprechende Formate zu realisieren, die Mitarbeiter für eine unternehmerische Arbeit an konkreten Innovationsaufgaben zusammenbringen.

Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, Vorstandsvorsitzender des Instituts für angewandte Innovationsforschung

Sind Mitarbeiter überhaupt bereit, sich am internen Wissensaustausch ihrer Firmen zu beteiligen? Ihre Beteiligung ist kein Selbstläufer. Das zeigen Erfahrungen mit millionenschweren Wissensmanagement-Projekten in Großunternehmen. Nicht jeder Mitarbeiter ist bereit, exklusives Wissen zu artikulieren. Denn es sichert ihm womöglich die eigenen Karriereoptionen. Der Artikulationsfähigkeit sind aber auch Grenzen gesetzt. So ist beispielsweise Wissen, das durch eigene Erfahrungen aufgebaut und an Personen gebunden ist, nur begrenzt zugänglich zu machen. Doch genau das ist besonders wertvoll für Innovationsprozesse. Wie können Angestellte zur Teilnahme motiviert werden? Die Erfahrungen des klassischen betrieblichen Vorschlagswesens zeigen, dass die Möglichkeit, Sachprämien zu verteilen oder an Tombolas teilzunehmen, begrenzt wirksam ist. Vielmehr geht es darum, Ideen ernst zu nehmen, wertzuschätzen, Rückkopplungen zu geben und die Protagonisten in die mögliche Umsetzung einzubinden.

Zur Person: Prof. Dr. Bernd Kriegesmann ist Autor zahlreicher Fachpublikationen und Herausgeber der „Berichte aus der angewandten Innovationsforschung“ sowie der Reihe „Innovation: Forschung und Management“. Seit 2002 ist er Vorstandsvorsitzender des Instituts für angewandte Innovationsforschung (IAI) e. V. Bochum und seit August 2008 Präsident der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen.

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Standpunkt


Nahaufnahme

Als Zeitarbeitnehmer den Meister gemacht Nikolai Plostin hat seinen Weg gemacht – vom entlassenen Fachlageristen zum fest angestellten Logistikmeister. Bei seinem Aufstieg konnte sich der 29-Jährige immer auf seinen Arbeitgeber Tempo-Team verlassen, selbst als er die Zeitarbeitsfirma in Richtung Festanstellung verließ. Wieso und wann haben Sie sich für eine Zeitarbeitsfirma entschieden? Ehrlich gesagt: aus der Not heraus. Ich bin 2008 während der Wirtschaftskrise entlassen worden und habe nicht gleich eine Festanstellung gefunden. Bei Tempo-Team hatte ich dann immer genug zu tun, ab 2009 war ich im Zentrallager von GKN Service International, einem Zulieferer von Fahrzeug- und Antriebstechnik.

v.l.n.r.: Nikolai Plostin, Frank Linnartz

Dort sind sie jetzt als Logistikmeister fest angestellt. Wie haben Sie das gemacht? Der Meister hier hat schnell gemerkt, dass ich zuverlässig bin und meine Arbeit ordentlich und selbstständig erledige. Gleichzeitig überzeugte mich meine Frau davon, auf die Meisterschule zu gehen. Anfangs war ich skeptisch, und es war auch eine sehr anstrengende Zeit. Aber als ich mich dann letztes Jahr direkt bei GKN beworben habe, kam das sehr gut an. Wofür haben Sie sich denn beworben? Erst als Fachlagerist, dann sogar als Logistikmeister – beide Male wurde ich zum Gespräch eingeladen. Mit dem Ergebnis, dass ich zu GKN Service International gewechselt bin und ich nach dem Abschluss der Meisterschule seit Februar hier als Meister arbeite. Jetzt plane ich zum Beispiel, wie die Mitarbeiter eingesetzt werden. Dabei stimme ich mich auch regelmäßig mit Frank Linnartz – meinem ehemaligen Vorgesetzten von Tempo-Team – darüber ab, wie viele Zeitarbeitnehmer wir brauchen. Auf welche Unterstützung konnten Sie auf Ihrem Weg bauen? Zuallererst: Die wichtigste Stütze war meine Frau. Ohne sie hätte ich das nicht geschafft. Aber Tempo-Team war in jeder Hinsicht ein fairer Arbeitgeber. Dass ich samstags nicht arbeiten konnte, weil ich Meisterschule hatte, war nie ein Problem. Frank Linnartz hat mich immer unterstützt. Und: Tempo-Team hat mich vorzeitig aus dem Vertrag entlassen, damit der Wechsel reibungslos verlief. Außerdem bezahlen sie besser als andere Zeitarbeitsfirmen, die ich kenne. Ich bin wirklich froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe, GKN ist ein toller Arbeitgeber, und der Job macht mir großen Spaß.

Nahaufnahme

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Einblick

Sprungbrett Bewerbungstraining Im Herbst steigt Merve Güner ins Berufsleben ein. Die 16-jährige Schülerin beginnt dann eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Auf ihrem Weg in die Arbeitswelt bekam die Frankfurterin maßgebliche Unterstützung von der Initiative „Rock your Life!“. Auch die Frankfurter Tempo-Team-Niederlassung Finance & Office half der jungen Frau und coachte sie während der Bewerbungsphase. Kein Wunder also, dass es für Merve Güner schon bald klappte mit dem Ausbildungsplatz. Die Abteilung für Kinderkleidung und Spielwaren bei Galeria Kaufhof ist es geworden. Im September beginnt die junge Frankfurterin dort ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. „Ich freue mich schon sehr darauf“, erzählt sie. „Rock your Life!“ ist ein Patenprogramm für Schüler aus sozial, wirtschaftlich oder familiär benachteiligten Verhältnissen. Tempo-Team gehört zu den Unterstützern der bundesweiten Initiative, die den teilnehmenden Schülern während ihrer letzten beiden Schuljahre einen studentischen Coach zur Seite stellt. Merve Güners Coach flog allerdings kurz vor Beginn der Bewerbungsphase für einige Monate zum Austausch in die USA. Tempo-Team-Niederlassungsleiterin Joanna Kutscher und ihre Kollegen boten sich an, als Paten einzuspringen und der Realschülerin bei den Bewerbungen zu helfen. „Alle waren supernett bei Tempo-Team, und Joanna Kutscher hat mir unheimlich geholfen“, schwärmt Merve Güner. „Wir haben zum Beispiel einen ganz neuen Lebenslauf verfasst, ich wusste vorher gar nicht, dass die Adresse und ein Foto nach vorne gehören.“ Und Joanna Kutscher sagt: „Nachdem ich Merve kennengelernt habe, wusste ich gleich, dass sie mit ihrer offenen Art eine Ausbildungsstelle findet, wenn sie erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird.“ Die Niederlassungsleiterin findet es großartig, dass die junge Frau durch „Rock Your Life!“ ihre Potenziale entdeckt und entwickelt hat. „Dass wir einen kleinen Beitrag für ihre Zukunft leisten konnten, macht mich richtig stolz.“

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Einblick


Einblick

Special Olympics-Athleten trainieren mit Profis Ein ganz besonderes Fußballtraining fand bundesweit im Mai statt: Im Rahmen der Europäischen Fußballwoche hatten Sportler mit geistiger und mehrfacher Behinderung aus ganz Deutschland unter anderem Gelegenheit, mit Fußballprofis des VfB Stuttgart und der Eintracht-Frankfurt-Fußballschule zu trainieren. Tempo-Team war als Sponsor dabei. Torwart Sven Ulreich war chancenlos. Das schreiben Stuttgarter Zeitungen über das Torschusstraining von Fußballprofis des VfB Stuttgart zusammen mit Sportlerinnen und Sportlern der Organisation „Special Olympics“ aus dem Großraum Stuttgart. Den Torschussduellen mit dem Bundesliga-Keeper folgten Dribblingübungen und Vier-gegen-vier-Spiele auf kleine Tore. Den Rahmen zu der ungewöhnlichen Trainingseinheit bildete die Europäische Fußballwoche, ausgerichtet von der UEFA und „Special Olympics“, der weltweit größten Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung, die unter der Schirmherrschaft von Daniela Schadt, Lebensgefährtin des amtierenden Bundespräsidenten, steht. Ziel der Europäischen Fußballwoche ist es, Sportler mit und ohne Behinderung zusammenzubringen und Fußballern mit Handicap die Tuchfühlung mit Profis zu ermöglichen. Eine Absicht, die von Tempo-Team volle Unterstützung bekommt. So besuchten Mitarbeiter der Frankfurter Niederlassung das Training der hessischen Special-Olympics-Athleten bei Eintracht Frankfurt und überreichten den über 40 teilnehmenden Sportlern von Tempo-Team gesponserte Trainingsjacken.

Gewinner des iPad mini Herzlichen Glückwunsch dem Gewinner unserer Leserbefragung in der vergangenen Ausgabe von TEAMwork! Jörg Theiß von Grünewald Feinmaschinenbau GmbH & Co. KG in Grävenwiesbach freut sich über das nagelneue iPad mini, das ihm die Bad Homburger Tempo-Team-Niederlassungsleiterin Svetlana Ruseva überreicht.

Einblick

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Das Magazin für den modernen Arbeitgeber

Wissenswert

Mehr Fachkräfte für Deutschland Gut ausgebildete Fachkräfte mit Migrationshintergrund können in Deutschland den Beruf ausüben, den sie in ihren Heimatländern gelernt haben. Möglich macht dies das Anerkennungsgesetz, das seit April 2012 zum Abbau des Fachkräftemangels beiträgt. Tempo-Team unterstützt diese Idee und setzt seine Zeitarbeitnehmer über diese Option in Kenntnis. „Menschen mit ausländischen Wurzeln und einem ausländischen Abschluss bietet das Gesetz die Möglichkeit, den Beruf auszuüben, den sie erlernt haben“, erklärt Katrin Haake, Marketingmitarbeiterin bei Tempo-Team. Insbesondere für reglementierte Berufsgruppen, etwa im medizinischen oder erzieherischen Bereich, ist eine Anerkennung notwendig, um in Deutschland in diesem Beruf arbeiten zu können. Dadurch ergeben sich für die Fachkräfte möglicherweise ganz neue Perspektiven und berufliche Möglichkeiten. Auch Arbeitgeber profitieren von dem Anerkennungsgesetz. „Gerade im Zuge des stetig steigenden Fachkräftemangels ergibt sich für sie hier eine weitere Möglichkeit, geeignetes Fachpersonal zu finden“, sagt Katrin Haake. Das Bundesinstitut für Berufsbildung informiert über Details und weitere Schritte zur Anerkennung von im Ausland erzielten Abschlüssen auf www.anerkennung-in-deutschland.de

Eine Jobbörse für die Hosentasche Tempo-Team hat die Online-Verfügbarkeit seines Angebots für Mitarbeiter und Interessenten mit einer neuen Web-App spürbar gesteigert. Bis hin zur Kontaktaufnahme lässt sich alles mit wenigen Klicks von unterwegs erledigen. Die neue Web-App für Smartphones und Tablet-Computer hat die Aufgabe, alle relevanten Informationen der Tempo-Team-Website für den Besucher auch mobil verfügbar zu machen. Sie ist intuitiv bedienbar und fühlt sich an wie eine App – allerdings ganz ohne Download. Und doch ist alles da: Jobsuche im Umkreis (durch GPS-Ortung), Anfahrtsbeschreibung mit Informationen zur nächsten Niederlassung oder allgemeine Infos zu Tempo-Team. Der Clou der neuen Web-App: die einfache Verwaltung der Jobsuche von unterwegs. Angebote, an denen ein Bewerber Gefallen findet, können auf einer Merkliste gespeichert werden, zu jedem Jobangebot sind sofort ausführliche Infos abrufbar und wer einen Account hat, kann sogar von unterwegs direkt auf seine Daten zugreifen. „Wir haben die Web-App im ersten Schritt für Mitarbeiter und Interessenten entwickelt“, sagt Verena Oyen, Teamleiterin Marketing bei Tempo-Team. Mittelfristig soll sie jedoch um einen Kundenaccount erweitert werden, der es Unternehmen erlaubt, mobil Personalanfragen zu erstellen, einzusehen, zu bearbeiten und auszuwerten. 12

Wissenswert

www.tempo-team.com/mobile

Impressum Teamwork 02/2013 Das Magazin für den modernen Arbeitgeber Herausgeber: Tempo-Team Personaldienstleistungen GmbH Herrnrainweg 5, 63067 Offenbach am Main Tel.: 069 / 91 33 45-0, Fax: 069 / 91 33 45-50 Web: www.tempo-team.com Amtsgericht Offenbach: HRB 40153 USt.-IdNr.: DE 114218841 V.i.S.d.P.: Uwe Beyer Redaktion: Mainblick Frankfurt Projektbetreuung: Tanja Schrader tanja.schrader@de.tempo-team.com E-Mail: teamwork@de.tempo-team.com Layout/Grafik: Chris Cross Media, Hanau Fotos/Abbildungen: Tempo-Team, Chris Cross Media, Shutterstock Druck: H. Reuffurth GmbH, Mühlheim Feedback: teamwork@de.tempo-team.com Zur besseren Lesbarkeit wird auf die Unterscheidung männlich/weiblich im Text verzichtet. Haftung und Urheberrecht: Der Inhalt dieser Zeitschrift wurde sorgfältig erarbeitet. Herausgeber, Redaktion und Autoren über­­ nehmen dennoch keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit oder Vollständigkeit der Informationen und keine Haftung für mög­liche Druckfehler. Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt, Nachdruck oder Vervielfältigung auf Papier und elek­ tronischen Datenträgern sowie Einspeisung in Datennetze nur mit Genehmigung des Herausgebers.


TeamWork 02-2013