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Mein Praktikum bei Multilingua International von Moric Girard In den letzten vier Monaten habe ich im Rahmen meines Studiums der Mehrsprachigen Kommunikation an der TH Köln ein Praktikum bei der Bonner Übersetzungsagentur Multilingua International absolviert. Da ich parallel zum Studium bereits seit einigen Jahren Erfahrung als selbstständiger Übersetzer sammle und dabei auch Agenturen zu meinen Auftraggebern gehören, hatte ich ein besonderes Interesse daran, nun auch einmal den Arbeitsalltag der „anderen Seite“ kennenzulernen. Mir war daher zum einen sehr daran gelegen, möglichst stark in die normalen Abläufe integriert zu werden, zum anderen wollte ich gerne weitere Übersetzungserfahrung sammeln. Bereits am ersten Arbeitstag wurde deutlich, dass ich mit diesen Wünschen hier am richtigen Platz war: Nach einer kurzen Einführung in die wichtigsten Funktionen des Plunet BusinessManagers und SDL Trados Studio wurde mir auch schon die erste Übersetzungsaufgabe übertragen, sodass ich die nächsten Arbeitstage vor allem mit dem Übersetzen von englischsprachigen Lebensläufen verbringen konnte. Schon bald kamen Aufgaben des Projektmanagements hinzu, darunter die Bearbeitung von Kundenanfragen, die Kommunikation mit externen Übersetzern, die Angebots- und Projekterstellung sowie verwaltung in der Übersetzungsmanagementsoftware Plunet BusinessManager. Auch die Prüfung von gelieferten Übersetzungen externer Kollegen sowie die Konvertierung nicht bearbeitbarer Dokumente in bearbeitbare Formate waren Teil meines Aufgabenbereichs. Zudem habe ich nach den besonders lernintensiven ersten Wochen einen umfassenden Leitfaden für künftige Praktikanten erstellt, der mir selbst in der Folge noch einige Male als „Spickzettel“ diente. Ein Schwerpunkt von Multilingua International besteht in der Anfertigung von beglaubigten Übersetzungen von offiziellen Dokumenten wie z.B. Heiratsurkunden, Scheidungsurteile, Zeugnissen und Erbscheinen. Mit diesem Bereich des Übersetzerberufs war ich bis zu meinem Praktikum noch gar nicht in Berührung gekommen – umso mehr gab es hier für mich zu lernen. Die Anforderungen an eine beglaubigte Urkundenübersetzung unterscheiden sich in einigen Details von dem, was bei nicht beglaubigten Fachübersetzungen gefordert ist. Dies hat auch damit zu tun, dass Urkundenübersetzungen in der Regel zur Vorlage bei Behörden oder anderen offiziellen Stellen vorgesehen sind. Die Übersetzung einer Urkunde muss mit dem Original in allen Details übereinstimmen, ein „freies“ Übersetzen ist daher keine Option. Stempel, Siegel, Unterschriften, QR-Codes, Wappen, Logos und sogar verlags- und drucktechnische Angaben – all das muss in der Übersetzung nachvollziehbar aufgeführt und falls nötig in einer Anmerkung erläutert werden, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht gar keine Relevanz für das inhaltliche Verständnis der Urkunde hat. Soweit es möglich ist, wird daher auch das Layout der Urkunde für die Übersetzung rekonstruiert, weshalb ich meine Formatierungskünste in meiner Praktikumszeit deutlich ausbauen konnte. Die sorgfältige und mühevolle Detailarbeit zahlt sich jedoch aus, weil man so als Übersetzer in der Lage ist, sich Formatvorlagen für Dokumente mit wiederkehrenden Layouts anzulegen. Im Studium wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass gute Übersetzer über ein großes Weltwissen verfügen sollten. Aus diesem Grund ist ein interessanter Aspekt der Urkundenübersetzung für mich auch die Vielfältigkeit der Dokumente aus der ganzen Welt, die man zu Gesicht bekommt. Zwei etwas ungewöhnlichere Exemplare sind mir besonders in Erinnerung geblieben: eine handschriftliche religiöse Bescheinigung eines hinduistischen Priesters inklusive Horoskop sowie eine Heiratsurkunde von der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar, die von der „Revolutionsregierung von Sansibar“ ausgestellt wurde.


Die beiden Geschäftsführerinnen, Frau Fischer und Frau Vargas-Schlüter, sowie Herr Alten als Projektmanager hatten immer ein offenes Ohr für meine Fragen und blieben stets geduldig und hilfsbereit, wenn ich einmal etwas nicht gleich richtig verstanden hatte – was gerade am Anfang öfter der Fall war. Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit dem Verlauf meines Praktikums bei Multilingua International und würde es allen angehenden Übersetzerinnen und Übersetzern empfehlen, die in freundlicher und kollegialer Atmosphäre den Arbeitsalltag einer kleinen, aber feinen Übersetzungsagentur kennenlernen möchten.

Profile for Tanja Fischer

Erfahrungsbericht Moric Girard  

Unser Praktikant Moric Girard hat seine Eindrücke zu seinem Fachpraktikm in unserem Unternehmen geschildert.

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