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Juni/Juli 2019

STOPPELBEARBEITUNG Flach, aber nicht «oberflächlich» Strohstriegel – verteilen, ausreissen, zerstören Agrartechnik aus dem Drucker Wann lohnt sich ein Maschinenkauf?


www.agrartechnik.ch Occasionen

L1973654 Iseki TH 4330, 2009, Preis: SFR 25.500,(Normalsatz (7,7 %)) Studer AG Lyssach, 3421 Lyssach, Tel.: +41 34 4474444, www.studer-landtechnik.ch

L1958048 New Holland T 7.225, 2016, 180/133 PS/kW, A, DLB, EHR, FH, FZW, gVA, K, KL, LS, Preis: SFR 159.800,- (Normalsatz (7,7 %)) Studer AG Lyssach, 3421 Lyssach, Tel.: +41 34 4474444, www.studer-landtechnik.ch

L2171763 New Holland T 5.115, 2016, 115/85 PS/kW, A, EHR, FL, K, KL, LS, PSH, Preis: SFR 65.000,- (Normalsatz (7,7 %)) Studer AG Lyssach, 3421 Lyssach, Tel.: +41 34 4474444, www.studer-landtechnik.ch

L2104933 Grimme SE 75-55, 2019, Preis: auf Anfrage. Studer AG Lyssach, 3421 Lyssach, Tel.: +41 34 4474444, www.studer-landtechnik.ch

L536653 Krokodilzange 1.4m, 130cm, Preis: SFR 3.130,- (Normalsatz (7,7 %)) Kronenberg Hans, 6130 Willisau, Tel.: +41 41 9702133, www.h-kronenberg.ch

L2048555 Bobcat Teleskoplader TL 30.60 Agri, 2018, 100/74 PS/kW, 80h, Preis: SFR 85.000,(Normalsatz (7,7 %)) Kuoni Landtechnik AG, 5062 Oberhof, Tel.: +41 62 8676060, www.kuoni-landtechnik.ch

Aebi TC 07, Preis: SFR 26.800,(Normalsatz (7,7 %)) Kronenberg Hans, 6130 Willisau, Tel.: +41 41 9702133, www.h-kronenberg.ch

L2104916 Multicar Tremo X56, 2007, Preis: SFR 19.500,- (Normalsatz (7,7 %)) Studer AG Lyssach, 3421 Lyssach, Tel.: +41 34 4474444, www.studer-landtechnik.ch

L1475429

L1980828 Strautmann STK 1302, 2018, Preis: SFR 17.400,- (Normalsatz (7,7 %)) Kuoni Landtechnik AG, 5062 Oberhof, Alois Kuoni, Tel.: +41 62 8676060, www.kuoni-landtechnik.ch

L1494017 New Holland 6090 Combi, 2008, Preis: SFR 28.500,- (Normalsatz (7,7 %)) Guthauser GmbH, Land- und Erntetechnik, 5024 Küttigen, Niklaus Guthauser, Tel.: +41 62 827 14 14, www.guthauser-gmbh.ch

L1436872 New Holland 5060, 2013, 120/89 PS/kW, 350h, KL, K, Preis: SFR 79.000,(Normalsatz (7,7 %)) Guthauser GmbH, Land- und Erntetechnik, 5024 Küttigen, Niklaus Guthauser, Tel.: +41 62 827 14 14, www.guthauser-gmbh.ch

L1373250 Fordson Super Major, 1961, 49/37 PS/kW, Preis: SFR 10.000,- (Normalsatz (7,7 %)) Guthauser GmbH, Land- und Erntetechnik, 5024 Küttigen, Niklaus Guthauser, Tel.: +41 62 827 14 14, www.guthauser-gmbh.ch

L1113281 Hemek Steber BGS, 1997, 120/89 PS/kW, 6500h, Preis: SFR 75.000,- (exkl. Normalsatz (7,7 %)) KELLER Forstmaschinen AG, 4537 Wiedlisbach, Stefan Keller, Tel.: +41 32 636 04 44, www.keller-forstmaschinen.ch

L1243336 Palax Active TR/OHD, 2013, Preis: SFR 5.881,- (exkl. Normalsatz (7,7 %)) KELLER Forstmaschinen AG, 4537 Wiedlisbach, Tel.: +41 32 6360444, www.keller-forstmaschinen.ch

L1243425 Palax 55T TR, 2011, Preis: SFR 1.889,(exkl. Normalsatz (7,7 %)) KELLER Forstmaschinen AG, 4537 Wiedlisbach, Tel.: +41 32 6360444, www.keller-forstmaschinen.ch

L1939432 Fuchs VK 7, 2017, 7000l, BV, SL, Preis: SFR 39.000,- (Normalsatz (7,7 %)) Schär Landtechnik AG, 3368 Bleienbach, Hansruedi Schär, Tel.: +41 62 922 35 65, www.schaer-landtechnik.ch

L2181330 John Deere 6420 S Premium Plus, 2003, 100/74 PS/kW, 6700h, A, EHR, FH, FL, FZW, gVA, K, KL, PSH, Preis: SFR 66.000,(Normalsatz (7,7 %)) Schär Landtechnik AG, 3368 Bleienbach, Hansruedi Schär, Tel.: +41 62 922 35 65, www.schaer-landtechnik.ch OL 2500, Preis: SFR 4.286,VÖLLMIN LANDTECHNIK AG, 4466 Ormalingen, Tel.: +41 61 9858666, www.voellmin-landtec hnik.ch

L2149345 Krone Combi Pack 1500, 2004, TDA, auto, NB, RNH, SW, Preis: SFR 24.000,(Normalsatz (7,7 %)) Schär Landtechnik AG, 3368 Bleienbach, Hansruedi Schär, Tel.: +41 62 922 35 65, www.schaer-landtechnik.ch

L2081704 Farmtech Superfex 700, 2018, 7m³, Preis: SFR 20.500,- (Normalsatz (7,7 %)) Schär Landtechnik AG, 3368 Bleienbach, Hansruedi Schär, Tel.: +41 62 922 35 65, www.schaer-landtechnik.ch

L2144710 Same Dorado 100.4, 2019, 100/74 PS/kW, 25h, A, FH, FZW, K, KRG, LS, PSH, Preis: SFR 59.900,- (Normalsatz (7,7 %)) Erni Landmaschinen AG, 6122 Menznau, Patrik Erni, Tel.: +41 41 493 10 33, www.erni-landmaschinen.ch

L2107632 Agrar TL 189, 9999, 20m³, HK, KB, Preis: SFR 4.000,- (Normalsatz (7,7 %)) Erni Landmaschinen AG, 6122 Menznau, Tel.: +41 41 4931033, www.erni-landmaschinen.ch

L2163516

OL 3600, Preis: SFR 39.800,- (Normalsatz (7,7 %)) VÖLLMIN LANDTECHNIK AG, 4466 Ormalingen, Tel.: +41 61 9858666, www.voellmin-landtec hnik.ch

L2162020

L2132491 170 cm, Preis: SFR 11.700,- (Normalsatz (7, 7 %)) Erni Landmaschinen AG, 6122 Menznau, Patrik Erni, Tel.: +41 41 493 10 33, www.erni-landmaschinen.ch


Juni / Juli 2019 | Editorial • Inhalt

Aktuelles

Editorial

4 Kurzmeldungen Markt 8 12 14 18 20

Der Verbrennungsmotor hat noch lange nicht ausgedient

Roman Engeler

Schwerpunkt: Stoppelbearbeitung Eine Scheibe Glyphosat abschneiden Mit Zinken in die «Nach-Glyphosat-Ära» Mit dem Strohstriegel im Acker Flach, aber nicht «oberflächlich»

Impression 24 26 28 30

JCB «536-95 AgriPro» im Fahrbericht Neue Generation «Multi-Twister» Mit der «Comprima CF 155 XC» im Einsatz Praxistest mit Elektro-Bobcat «e-S70»

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Wissen 33 34 36

Nutzen der Teilelektrifizierung Lohnen sich teure Scharen? «MPT»-Reifen − die Multitalente

Sicherheit 37

37

Mit Sichtzonen Unfälle verhindern

Management 38 40 42 44 48

Was gilt bei Käsereifahrzeugen? Vor- und Nachteile von Section Control Zu wenig Druck bei Hydraulikbremsen? Wann lohnt sich ein Maschinenkauf? Richtig versichern

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Plattform 51 54

Agrartechnik aus dem 3D-Drucker Michelin: Meilensteine des Reifenbaus

Passion 56

Steyr «975» von Bruno Lenzin, Oberhof AG

SVLT 58 Vorschau: Schweizermeisterschaft Traktorengeschicklichkeitsfahren in Môtiers NE 59 Sektionsnachrichten 62 Armin Göldi aus Amriswil TG im Porträt 63 Kurse und Impressum

Titelbild: Nach der Ernte stellt sich für manch einen Ackerbauern die Frage, wie und mit welcher Tech­ nik die Felder für die nächste Saat vorbereitet werden.

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Bald startet die Getreideernte. Danach stellt sich für manch einen Ackerbau­ ern die Frage, wie und mit welcher Technik die Felder für die nächste Saat vorbereitet werden. Mit einer geeigne­ ten Stoppelbearbeitung soll das Ausfallgetreide auflaufen können, eine Strohrotte angeregt und Wasser­ verluste vermieden werden – so gibt es die Theorie vor. Der Schwerpunkt dieser Ausgabe widmet sich diesem Thema und geht Fragen wie «Kann die Scheibenegge in die Fussstapfen der Totalherbizide treten?» oder «Kann der Grubber sich auch gegen das Unkraut behaupten?» nach. Redaktor Ruedi Hunger hält dazu die Antworten in seinen Artikeln bereit und beschreibt weiter den Strohstriegel, der mancherorts noch nicht zu den klassischen Ackerbau­ maschinen zählt, gerade aber bei nicht wendenden Anbauverfahren seine Berechtigung hat. Wie sich die Mobilität entwickeln wird, interessiert bekanntlich nicht nur die Verkehrsteilnehmer auf Strassen und Schienen. Auch in der Landwirtschaft wird dieses Thema eifrig diskutiert. So äussern sich im Interview auf Seite 8 Motorenbauer von MTU über die Zukunft der Dieselaggregate. Werden diese schon bald von Akku- oder Hybridsystemen abgelöst? Mit einem auf Elektroantrieb umgerüsteten Kompaktlader war Redaktor Ruedi Burkhalter unterwegs. Ob das Gerät hielt, was der Praktiker erwartete, erfährt man auf Seite 30. Die Maschinenkosten machen einen grossen Anteil an den Betriebskosten aus. Wann sich ein Maschinenkauf lohnt, beschreibt Agroscope-Forscher Christian Gazzarin in seinem Beitrag auf Seite 44, und Redaktor Heinz Röthlisberger erörtert mit Spezialisten, wie man den erworbenen Maschinen­ park richtig versichert (Seite 48). Ausgabe Nr. 8 erscheint am 16. Aug. 2019.

Bild: A. Böck, Fachmagazin «Landwirt»

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Aktuelles

In Kürze Bosch wird in den Markt für Brennstoff-Zellen bei Nutzfahrzeugen und Pkw einsteigen. Same Deutz-Fahr hat 2018 den Umsatz um 3,6 % auf 1,373 Mrd. Euro gesteigert und ein Konzernergebnis von 42 Mio. Euro (im Vorjahr 26 Mio. Euro) erzielt. Grimme hat mit dem indischen Landmaschinenhersteller Shaktiman ein 50:50 Joint Venture zur Entwicklung und Vermarktung von Maschinen für den Kartoffelanbau und anderer Wurzelfrüchte in Indien gegründet. Fenaco steigerte den Nettoerlös 2018 um 8,1 % auf CHF 6,77 Mrd. und erzielte ein Betriebsergebnis (EBIT) von CHF 131,1 Mio. Vredestein bestückt ab sofort die Teleskop­ lader der Baureihen «MLT» und «MLA» von Manitou mit Reifen der Serie «Endurion». Nach einer Umbauphase von 18 Monaten hat Same Deutz-Fahr die neuen Fertigungslinien im türkischen Werk Bandirma in Betrieb genommen, wo bis 105 PS für den Weltmarkt gefertigt werden. Pöttinger bietet bei seinen pneumatischen Sämaschinen vom Typ «Aerosem» nun auch eine Teilbreitenschaltung an. Horsch hat für seine Werbe- und Markenkampagne «FarmingHeroes» fünf bedeutende nationale und internationale Awards gewonnen. Motorenbauer Deutz hat einen Joint-Venture-Vertrag mit Chinas grösstem Baumaschinenkonzern Sany abgeschlossen. Falc bringt neue klappbare Mulcher auf den Markt, die auf dem bewährten Modell «Zenit» beruhen und in Arbeitsbreiten von 4, 5 und 6 m verfügbar sind. Ein Facelift beim Abschiebewagen «ASW» von Fliegl soll die Sicherheit steigern, die Verschmutzung verhindern und den Arbeitskomfort erhöhen. Die Firma Haas hat eine Traktionswinde für den Anbau an den Traktor entwickelt. Vorteil ist das schnelle Umsetzen von einem Einsatzort zum anderen. CSP Cut Systems hat auf Basis eines Feldhäckslers Claas «Jaguar» eine selbstfahrende Pelletiermaschine entwickelt, die direkt auf dem Feld aus Heu, Stroh oder Chinaschilf Pellets produzieren kann. Case IH darf offenbar aus rechtlichen Gründen den Namen «Versum» für die neue Traktoren-Baureihe mit stufenlosem Getriebe nicht mehr verwenden.

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Schweizer Landtechnik 6/7 2019

Es robotert auf dem Rasen Auch in der Sportplatz-Branche wird an autonomen Fahrzeugen geforscht. An einer Fachtagung in Luzern haben die Hochschule Luzern und die Firma Ronovatec aus Immensee SZ Mitte Mai ihr Projekt eines autonomen, elektrischen Spindelmähersystems präsentiert. Der Rasenmäher ist für den professionellen Einsatz auf grossen Grünflächen vorgesehen, soll täglich über 30 000 m2 mähen können und ist weltweit der erste autonome Spindelmäher, der ein vom Kunden gewünschtes Rasenmuster effizient mähen kann. Gesteuert wird er via Funkverbindungsnavigation, das heisst, mithilfe von vier Stationen, die in jeder Ecke des Sportplatzes aufgestellt werden. Das gebe mehr Verbindungssicherheit als mit GPS-Signalen und zudem liege die Genauigkeit dank dieser intelligenten «Sensor-Fusion» im einstelligen Promille-Bereich, so die Entwickler. Mit

einem 3-D-Sensor («Lidar-Sensor») kann der Mäher Kollisionen mit Gegenständen, anderen Fahrzeugen und Menschen verhindern. In der Saison 2019 wird der Prototyp auf verschiedenen Anlagen getestet. An der Tagung war auch der autonome Rasenmäher «8900A Precision Cut» präsent, den Robert Aebi Landtechnik in Zusammenarbeit mit Precision Makers aus Holland entwickelt hat und der bereits auf Sport- und Golfplätzen in Europa zum Einsatz kommt.

Projekte gesucht Noch bis am 30. Juni können sich innovative Köpfe mit einem Projekt beim «AgroPreis» der Emmental Versicherung bewerben. Mit diesem Preis werden neue Dienstleistungen, besondere Produkte oder moderne Verfahren ausgezeichnet, welche die Situation von Schweizer Landwirtschaftsbetrieben nachhaltig verbessern. Mut, Kraft und Ausdauer für die Umsetzung von innovativen Ideen sollen damit unterstützt und gefördert werden. Die Jury mit unabhängigen Landwirtschaftsund Innovationsexperten entscheidet aufgrund der Bewerbungen, welche Projekte nominiert werden. Die maxi-

mal fünf Nominierten erhalten eine Prämie von je CHF 5000.–. Zudem dürfen sie ihr Projekt an der Preis-Verleihung im Kursaal Bern einem breiten Publikum präsentieren. Das Gewinnerprojekt wird vor Ort ermittelt und ausgezeichnet. Wie in den letzten Jahren, so gibt es auch heuer wieder den mit ebenfalls CHF 5000.– dotierten Spezialpreis des Schweizerischen Landmaschinen-Verbandes zu gewinnen, der unter sämtlichen für den «AgroPreis» eingereichten Projekten auserkoren wird. Bei der Bewertung steht der neuartige Umgang mit Landmaschinen im Zentrum.


Aktuelles

Rauch investierte Düngerstreuer-Hersteller Rauch hat eine neue 3-D-Testhalle für die Verteilung von Granulaten eröffnet. Mit einer Investitionssumme von knapp 2,5 Mio. Euro sei dies die modernste Testhalle Europas für Düngerstreuer, heisst es bei Rauch. Allein der Streuraum der vollklimatisierten Halle umfasst eine Fläche von fast 1235 m2, die Arbeitsbreiten von bis zu 75 m ermöglicht. 88 Auffangschalen mit vollautomatischen Hochgeschwindigkeitswiegezellen sollen schnelle und absolut präzise Ergebnisse für alle verfügbaren Rauch-Düngerstreuer-Modelle sowie für zukünftige Neuentwicklungen garantieren. Pro Jahr sollen in der neuen Halle etwa 3000 Streuversuche durchgeführt werden.

«AgriTech Day» Neue Technologien wie die Digitalisierung haben das Potenzial, die landwirtschaftliche Produktion effizienter zu gestalten, züchterische Fortschritte zu beschleunigen, Emissionen zu reduzieren und natürliche Ressourcen zu schonen. Welche Möglichkeiten es gibt, mittels neuester Technologie die Landwirtschaft mit nachhaltigen Lösungen zu unterstützen, konnte man am «AgriTech Day» in Erfahrung bringen. Der von der ETH Zürich, dem World Food System Center, Strickhof und AgroVet-Strickhof organisierte Anlass ermöglichte interessante Einblicke in die Landwirtschaft der Zukunft – sei es mit der gezielten «Behandlung» von Unkraut-Einzelpflanzen mit «Spotflaming», elektrothermischen Verfahren oder der Pflanzen-Phänotypisierung, die in der modernen Pflanzenzüchtung immer wichtiger wird. Zu den weiteren Attraktionen zählte der Roboter als Landarbeiter der Zukunft und ein Blick in die Stoffwechselställe und Respirationskammern für Gasaustauschmessungen.

Neue Kennzeichnung «CerexBib 2» ist Michelins Reifen für grosse Erntemaschinen. Die flexible Karkasse, basierend auf der Ultraflex-Technik, ermöglicht das Arbeiten auf dem Feld mit geringem Luftdruck bis minimal 1,2 bar. Der niedrige Fülldruck schont bekanntlich dank grös­serer Aufstandsfläche den Untergrund und sorgt auch auf nassem Boden für eine zuverlässige Traktion. Aufgrund seiner Tragfähigkeit bei niedrigem Reifenluftdruck ist der Reifen nun in allen Dimensionen mit der neuen Markierung «CFO+» gekennzeichnet. Dies stellt eine Steigerung gegenüber der Norm «CFO» dar (Cyclic Field Operation) und erlaubt, das Ladelimit für sogenannte zyklische Lasten im Feldeinsatz auf einer maximalen Distanz von 1,5 Kilometern zu überschreiten. Das heisst konkret: Der Reifen kann im zyklischen Einsatz (leer aufs Feld fahren, Bunker befüllen, voll abfahren, abladen und wieder von vorne) bei reduzierter Geschwindigkeit vor­ übergehend eine höhere Last tragen, weil er sich auf der Leerfahrt ohne Last wieder abkühlt und erholt.

«MF 3700» geht in die Berge Massey Ferguson erweitert die Baureihe «MF 3700» um drei zusätzliche Modelle mit 75, 85 oder 95 PS, die vor allem in Hanglagen ihre Stärken ausspielen sollen. Die Traktoren sollen jene Kunden ansprechen, denen ein «MF 4700 Global Series» (75–95 PS) zu einfach ausgestattet, ein «MF 5700 S» (95–130 PS) jedoch zu gross ist. Alle «MF 3700 Alpine»-Modelle sind mit einer breiten Standard-Kabine (1,4 m) mit ebenen Kabinenboden oder mit einer besonders niedrigen Kabine erhältlich, welche die Gesamthöhe dann auf unter 2,44 m reduziert. Ein neues Fahrwerk mit Spurweiten von 115 bis 1908 mm bei einem 2156 mm langen Radstand ermöglicht die Montage von 30-Zoll-Reifen. Getriebemässig sind die Modelle mit einem 24x12 «PowerShuttle», und einer zweistufigen Lastschaltung ausgestattet. Als Motor kommt ein 3,4-Liter-Vierzylinder-Aggregat zum Einsatz.

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Aktuelles

Schnittstelle geschaffen In Zusammenarbeit mit Christian Herren, dem Entwickler des «eFeldkalender», hat Robert Aebi Landtechnik AG Pionierarbeit geleistet und eine Schnittstelle zwischen Traktor («MyJohnDeere») und eben dieser Applikation entwickelt. Damit wird es möglich, dass die im Traktor aufgezeichneten Daten mit wenigen Klicks in den «eFeldkalender» importiert werden können. Bei der Präsentation dieser neuen Verbindung wurde einmal mehr deutlich, dass neben dem rein fahrerischen Können ein moderner Traktorfahrer vermehrt auch digitales und elektronisches Wissen benötigt. Das Bild zeigt Urs Galliker (l.), Produktmanager für elektronische Lösungen bei Robert Aebi, und Christian Herren, Entwickler des «eFeldkalender».

Flexibles Verschlauchungsgestänge Vogelsang hat das Verschlauchungsgestänge «BackPac» weiterentwickelt und bringt mit dem «BackPac2» ein optimiertes Spezialgerät für Verschlauchungsanlagen in Arbeitsbreiten von bis zu 30 m auf den Markt. Das Gestänge ist als Schleppschlauch und Schleppschuh erhältlich und bietet eine hohe Stabilität und Flexibilität. Beim «BackPac2» werden dem Fahrer alle relevanten Daten wie Ausbringmenge und Druck in einer intelligenten Steuerung in der Kabine zur Verfügung gestellt, sodass die Gülle stets präzise und bodenschonend ausgebracht wird, unabhängig von der Güllebeschaffenheit und Bodenkontur. Vogelsang hat das «BackPac2» zudem für ein anwenderfreundlicheres Handling mit einer eigenen Elektrohydraulik ausgestattet. Diese kann der Fahrer über Isobus mit dem Schlepperterminal oder ohne Isobus mit einem separaten Terminal ansteuern. Für eine optimale Gülleaus-

bringung rüstet Vogelsang das Verschlauchungsgestänge auf Wunsch zudem mit einer Durchfluss- und Druckmessung in der Zuleitung aus. Weiter ist auch ein automatisiertes Vorgewendemanagement verfügbar.

«Conviso»-Rübenfelder Nachdem 2018 die ersten Versuche mit dem neuen «Conviso Smart»-Anbausystem (Zuckerrübensorte «Smart Belamia» von KWS und Bayer-Rüben-Herbizid «Conviso One») durchgeführt worden sind, konnten die Schweizer Rübenbauern heuer diese gegenüber Sulfonylharnstoff-Herbizid resistente Zuckerrübensorte erstmals ansäen. Um die Wirkung des zum System dazugehörenden neuen Herbizids «Conviso One» zu zeigen, lud Bayer in mehreren Regionen zu einer Besichtigung ein. Bewilligt ist «Conviso One» mit einer Aufwandmenge von 1 l/ha, entweder als Einzelapplikation oder in zwei Splits à 0,5 l/ha, je nach dem Additiv «Mero». Am Versuchsstandort Bätterkinden BE wurde deutlich, dass die Bauern infolge der kühlen Witterung eher auf die Split-Variante gesetzt haben. Die Wirkung von «Conviso One» gegen die meisten Unkräuter und Ungräser überzeugte. Wie die Resultate dieses Anbausystems in Zuckerrüben sein werden, wird sich nun in den nächsten Jahren zeigen. Wichtig ist eine gute Information vorab, auch, weil der Anbau dieser Rüben hohe Anforderungen an das Resistenzmanagement erfordert. Insbesondere bei den Nachfolgekulturen. Mit 80 g/ha ist die Einsatzmenge des Wirkstoffes im Vergleich zu den klassischen Herbiziden gering. Teurer hingegen ist das Saatgut. Pro Hektar wird mit Kosten (Herbizid und Saatgut) von rund CHF 700.– gerechnet. 6

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

BASF-Feldtag Pflanzenschutzmittel, korrekt und mit moderner Technik ausgebracht, standen im Zentrum eines Feldtags von BASF auf dem Betrieb von Claudia und Felix Ruh in Buch (SH). An Infoständen, auf dem Rundgang durch die Kulturen sowie im persönlichen Austausch mit den Fachberatern und dem BASF-Landesleiter Pflanzenschutz Schweiz, Uwe Kasten, konnten sich Landwirte einen umfassenden Eindruck von den verschiedenen Problemlösungen (darunter auch neue Produkte wie das Getreidefungizid «Revysol») der BASF verschaffen – schwergewichtig Fungizide, Wachstumsregler und Herbizide für die Kulturen Weizen, Raps und Sonnenblumen. Gezielt angelegte Spritzfenster zeigten eindrücklich Unterschiede zwischen den Applikationen auf und regten zu Diskussionen an.


Aktuelles

Pflanzenschutz-Optimierung «Optimierung der Pflanzenschutztechnik» thematisierten Ende Mai in Fraubrunnen BE Lemken Schweiz und Anliker Landtechnik AG, wobei den zahlreich erschienenen Besuchern gleich der neue, elektronische und hochpräzise IP-Feldspritzenprüfstand vorgestellt wurde. Dieser Prüfstand ist mobil, kann bei Bedarf bis auf 30 m ausgelegt werden und ermöglicht das digitale Protokollieren der Spritzentest-Daten. Lemken Schweiz mit Verkaufsleiter Andreas Rutsch und Hansueli Steinmann von Anliker zeigten aus dem Lemken-Programm unter anderem die Anbau-Feldspritze «Sirius 10» mit 900-l-Tank, 15-m-Alu-Balken und «QuickConnect»-Oberlenkerkoppelsystem. Mit einer Spritzbrühen-Ringleitung habe die «Sirius 10» eine optimale Querverteilung über den ganzen Balken. Die «Sirius 10» wird mit dem Lemken-«EcoSpray»Computer bedient, dessen Funktionen durch Zusatzmodule wie «Teejet Matrix» zur automatischen Teilbreitenschaltung oder «Eco-Control» zur Joysticksteuerung des Gestänges erweitert werden können. Zu sehen gab es zudem die «Sirius 12» (1300 l) mit Isobus-Bedienung sowie am Spritzenprüfstand die gezogene «Vega 12» mit 4000-l-Tank.

Deutz-Fahr mit «5D MY19» Deutz-Fahr kommt mit der Serie «5D MY19» auf den Markt, die es in vier Modellen mit 3- (2,9 l Hubraum) oder 4-Zylinder-Motoren (3,8 l) und Leistungen von 75 bis 102 PS gibt. Die hauseigenen «Farmotion»-Motoren erfüllen noch die Abgasstufe 3b, die Abgasreinigung erfolgt über einen Diesel-Oxydationskatalysator und eine externe gekühlte Abgasrückführung. Die Baureihe wird in zwei Ausstattungsvarianten angeboten. In der «LS»-Version verfügen die Traktoren über ein mechanisches Wendegetriebe mit wahlweise 30x15 oder 45x45 Gängen und drei Lastschaltstufen. In der «GS»-Version kommen Extras wie das fünfstufig einstellbare Powershuttle, Komfort-Kupplung und die «Stop&Go»-Funktion hinzu. Die Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h wird drehzahlreduziert bei 1870 U/min erreicht. An der Zapfwelle bietet die Serie drei Drehzahlen. Die Hydraulikanlage weist eine Förderleistung von 54 l/min und maximal drei Steuergeräte auf. Die Hubkraft im Heck beträgt 3600 kg.

SMSWettbewerb Jeden Monat verlost die Schweizer Landtechnik in Partnerschaft mit einem Landmaschinen-Händler ein attraktives Traktoren-Modell.

In dieser Ausgabe ist es ein Modell des Claas «Jaguar 960» von Siku im Massstab 1:32.

SMS – und gewinnen mit Kunz Landtechnik Zihlmattweg 2 6262 Langnau b. Reiden

Mini-Separator Seit vier Jahren vertreibt die österreichische Bauer-Gruppe Lösungen im Separator-Segment auch als kompakte Komplettsysteme. Unter dem Titel «Plug&Play» werden auf engstem Raum Separatoren mit Zuführpumpen, Abführ-Kreiselpumpen, der elektronischen Steuerung sowie der kompletten Verrohrung und Verkabelung vereint. Der Vorteil: Durch die im Rahmen integrierten Staplerschuhe kann die komplette Anlage einfach mittels Hoflader bewegt und schnell an jeden beliebigen Ort gebracht werden, um so beispielsweise mehrere Güllebehälter flexibel zu bewirtschaften. Einmal am Stromnetz angeschlossen, ist die Anlage bereit für den Einsatz. Das System ist vielseitig einsetzbar und eignet sich beispielsweise zur Substratgewinnung bei Biogasanlagen oder in der Lebensmittelindustrie zur Verwertung von Abfällen. Die drei bisher erhältlichen Ausführungen werden nun mit dem Separator «S300» um eine noch kleinere, rund 700 kg schwere Einheit ergänzt. Diese separiert bis zu 15 m³ pro Stunde; der Trockensubstanz-Anteil im erzeugten Feststoff liegt dabei wie bei den anderen Modellen bei bis zu 32 %.

Schreiben Sie ein SMS (1 Fr.) mit SVLT Name Adresse an die Nummer 880 und gewinnen Sie mit etwas Glück dieses Modell des Claas «Jaguar 960» von Siku. Der glückliche Gewinner des Fendt «724 Vario», der in der Mai-Ausgabe der «Schweizer Landtechnik» zur Verlosung ausgeschrieben wurde, heisst Marcel Burgherr und kommt aus 5732 Zetzwil AG.

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Markt | Interview

«Hybridsysteme werden auch in der Landtechnik Eingang finden», meinen Holger Bottlang (l.) und Peter Riegger, allerdings dauere die Entwicklung noch etwas an, weil der Landtechnik-Markt wesentlich kostenintensiver ist als andere Segmente. Bilder: zvg

Verbrennungsmotor hat noch lange nicht ausgedient Antriebsspezialist Rolls-Royce Power Systems mit seiner Marke «MTU» in Friedrichshafen baut Motoren, die auch in Landmaschinen eingesetzt werden. Die «Schweizer Landtechnik» sprach mit Holger Bottlang, Leiter Anwendungstechnik Agriculture, und mit Peter Riegger, Leiter Vorentwicklung und neue Technologien, über künftige Antriebssysteme. Roman Engeler Schweizer Landtechnik: Rolls-Royce Power Systems bestückt als MotorenHersteller auch landwirtschaftlich genutzte Fahrzeuge. Welche Hersteller beliefern Sie in welchen Leistungsklassen? Holger Bottlang: Wir liefern für landwirtschaftliche Fahrzeuge Motoren im Leistungsbereich von 115 bis 480 kW (156 bis 653 PS). Zu unseren Kunden gehören unter anderem bekannte Hersteller wie Claas (Grosstraktoren, Mähdrescher und Feldhäcksler), Krone (Feldhäcksler), Fendt (Feldhäcksler), Holmer (Aufbaufahrzeug und Rübenvollernter), Ropa (Verlademaus), Same Deutz-Fahr (Mähdrescher) oder Grimme (Kartoffel- und Rübenvoll­ ernter). 8

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

Sind die Anforderungen an diese Moto­ren die gleichen wie an übrige dieselbetriebene Fahrzeuge? Es gelten grundsätzlich die gleichen Abgasanforderungen wie für alle anderen Off-Highway-Motoren. Unsere Kunden verlangen zuverlässige Motoren mit niedrigen Kraftstoffverbräuchen und geringen Wartungskosten. Gibt es aber auch Unterschiede? Wir verwenden die Basismotoren aus der LKW-Grossserie von Daimler, die entsprechend erprobt und zuverlässig sind. Die Motoren wurden von Rolls-Royce Power Systems in Zusammenarbeit mit Daimler auf die speziellen Anforderungen hin weiterentwickelt. Es wurden beispielweise spezi-

elle Komponenten wie Schwungräder, Leitungen, Ölwannen appliziert. Darüber hinaus werden drehzahlbasierte elektronische Motorregler für optimierten Kraftstoffverbrauch eingesetzt. Das Lastanforderungsprofil ist im Dauerbetrieb in der Landwirtschaft höher als im On-Highway-Bereich. Wo liegen für Sie als Motorenbauer die speziellen Herausforderungen bei landwirtschaftlich genutzten Fahrzeugen? Die Landwirtschaft benötigt speziell zuverlässige Motoren, denn die Fahrzeuge sind rohen Umweltbedingungen ausgesetzt. Ich erwähne da Staub und Schmutz. Dann ist die Einbausituation sehr individuell und beengt. Da landwirtschaftliche Fahrzeuge


Interview | Markt

oft in einem engen Zeitfenster genutzt werden (Ernteperiode), ist höchste Verfüg­ barkeit existenziell für den Kunden. Sollte dennoch ein Ausfall am Fahrzeug auftre­ ten, ist ein schlagkräftiges Servicenetz­ werk wichtig, um die Maschine schnell wieder in den Betrieb zu bringen. Mit der Umsetzung der Abgasstufe 5 ist eine weitere Etappe erreicht. Wann ist mit einer «Stufe 6» zu rechnen? Aktuell ist eine Umsetzung im Jahr 2026 im Gespräch. Die Regularien der Behörden für diese Stufe 6 werden 2023 erwartet. Wo kann man überhaupt noch einen Hebel in Sachen Emissionsreduktion ansetzen? Haupttreiber werden die «real drive emis­ sions» (Einhaltung der Emissionsgrenz­ werte nicht nur im Zertifizierungszyklus, sondern im täglichen Betrieb) sein, ana­ log zur Norm «6D» bei LKW, sowie eine weitere Absenkung der NOx-Werte sein. Emissionsfrei wäre dann der wohl letzte Schritt. E-Motoren sind die Zukunft – hört man von allen Seiten. Wann verlässt bei MTU der letzte Verbrennungsmotor das Produktionswerk? Peter Riegger: Das wird noch lange dau­ ern. Ich bin überzeugt, dass der Verbren­ nungsmotor noch eine lange Zukunft hat. Allerdings nicht unbedingt als alleinige Antriebsquelle, sondern in Verbindung mit Systemtechnik. Unsere Motoren wer­ den wir immer häufiger in Kombination mit elektrischen Komponenten anbieten – da haben wir in unserer Green- und Hightech-Initiative bereits einige Produk­ te wie Hybridantriebe oder Microgrids entwickelt oder sind dabei. Ohne den Verbrenner wird es aber in den allermeis­ ten Fällen noch lange nicht gehen, denn mit einer Oberleitung können vielleicht Züge fahren, Mähdrescher oder Traktoren nicht. Und die Energiedichte einer Batte­ rie ist – heute und auch absehbar zukünf­ tig – viel zu gering, um in allen Anwen­ dungen kurzfristig auf den Verbren­ nungsmotor ganz verzichten zu können. Fachleute prognostizieren, dass dem Verbrennungsmotor mit der Elektrifizierung die beste Zeit noch bevorstehe. Können Sie das unterstreichen? Auf jeden Fall. Die Elektrifizierung eröffnet uns auch in der Entwicklung viele Möglich­ keiten, die wir bisher nicht hatten. Schauen wir uns zum Beispiel unsere Aggregate zur

Notstromversorgung an. Diese müssen ext­ rem schnell starten, was für uns einen enor­ men Entwicklungsaufwand bedeutet. Man könnte auch einen kleinen Elektromotor und eine Batterie zwischenschalten und den Verbrennungsmotor einfacher ausle­ gen. Dank der Elektrifizierung müssen wir unsere Motoren nicht mehr auf die gesam­ te Bandbreite aller Anforderungen ausle­ gen, sondern haben mehr Freiheitsgrade, den Verbrenner robuster, effizienter, saube­ rer und kostengünstiger zu machen. Für welche Antriebe eignen sich Hybridsysteme? Ein hybrider Antrieb ist vor allem dort ge­ eignet, wo wir es mit einem stark intermit­ tierenden Lastprofil zu tun haben, das heisst, Niedrig- und Spitzenlast wechseln häufig. Das klassische Beispiel ist der hybri­ de Bahnantrieb: Der Zug fährt elektrisch in den Bahnhof ein und wieder heraus, nutzt zum Beschleunigen sowohl den Diesel- als auch den Elektromotor, fährt auf ebener Strecke kraftstoffarm mit dem Dieselmo­ tor und speichert die Bremsenergie. Hier kann der Elektromotor die Spitzenlast ab­ fangen. Doch auch Yachten sind aus mei­ ner Sicht prädestiniert für ein hybrides An­ triebssystem. Hier geht es allerdings nicht um die Wirtschaftlichkeit, sondern um den Komfort. Wenn der Kapitän in einer schö­ nen Bucht den Dieselmotor abstellen kann und nur noch der Elektromotor läuft, ist das einfach leiser. Auch der hohe Strombe­ darf auf einer Yacht kann dann durch die Batterie gedeckt werden. Wie sieht es in der Landtechnik aus? Mit Zeitverzug wird die erwähnte Technik auch dort Eingang finden. In der Landtech­ nik kann die elektrische Energie vergleichs­ weise einfach auf verschiedene Verbrau­ cher verteilt werden. Ich denke da zum Bei­ spiel an grosse Mähdrescher. Die haben viele hydraulische Systeme, die nach und nach elektrifiziert werden. Der Markt ist je­ doch noch wesentlich kostenintensiver als der Bahn- oder Marinemarkt, daher wird die Entwicklung noch eine Weile brauchen. Wird MTU ein komplettes Hybridsystem liefern? Wir fokussieren uns derzeit bei der Ent­ wicklung von Hybridsystemen auf Marineund Bahnantriebe und Energiesysteme. Ab 2020 sind erste Züge mit dem serien­ reifen MTU-Hybrid-PowerPack sowie eine Yacht mit erstem Serienhybridantriebssys­ tem unterwegs. Die dabei gewonnenen Erfahrungen nutzen wir dann auch für

den Agrarbereich. Wir arbeiten derzeit an Vorstudien und sehen mögliche Anwen­ dungen, beispielsweise bei Mähdre­ schern, Maschinen und Fahrzeugen für Hafenanlagen und den Untertagebau. Die Automobilbranche kennt seit geraumer Zeit Hybridfahrzeuge. Warum sind im Off-Highway-Bereich Hybridantriebe noch Exoten? Ja, Autos und Stadtbusse fahren schon lan­ ge mit Hybridantrieben. Auch wir haben bereits 2006 erste Untersuchungen ange­ stellt und im Jahr 2012 den ersten Pilot-Hy­ bridzug auf die Schiene gebracht. Erste Schiffe fahren auch schon mit Hybridsyste­ men von MTU. Allerdings sind Ökonomie und Ökologie da nicht Hand in Hand ge­ gangen. Wir kommen jetzt langsam an den Punkt, an dem sich ein hybrides Sys­ tem tatsächlich auszahlt. Batteriespeicher­ kapazität ist für immer weniger Geld zu bekommen. Aber auch in der Entwicklung haben wir in den vergangenen Jahren viel gelernt, sodass wir unseren Kunden jetzt ein attraktives Angebot machen können. Wo liegt die grösste Herausforderung auf dem Weg zu serienreifen Hybridsystemen? Interessanterweise ist die Technologie nicht unsere grösste Herausforderung – die Entwicklung eines Dieselmotors ist wesentlich komplexer als die eines Hyb­ ridsystems. In der letzten Zeit haben wir uns vor allem darum bemüht, zu verste­ hen, wie unsere Kunden unsere Systeme einsetzen möchten, damit wir diese best­ möglich mit entsprechenden Eigenschaf­

Holger Bottlang: «Die Marktnachfrage nach elektrischen Antrieben ist in der Landtechnik noch sehr zurückhaltend.»

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Markt | Interview

ten und Funktionen ausstatten und integ­ rieren können. Jetzt sind wir so weit, ih­ nen zuverlässig funktionierende und smarte Gesamtlösungen zur Verfügung stellen zu können. Nun geht es darum, mit Referenzen im Markt sichtbar zu wer­ den und die Kunden vom Nutzen dieser Lösungen zu überzeugen. Welche Rolle spielt bei diesem Sys­ temansatz noch der Dieselmotor? Ein gutes System baut auf guten Kompo­ nenten auf. Und der Dieselmotor wird auf­ grund der hohen Energiedichte des Kraft­ stoffs noch lange eine wichtige Rolle in un­ seren Systemen spielen. Wir werden ihn weiterentwickeln und auf dem aktuellen Stand der Technik halten. Einer der Schwer­ punkte in der Entwicklungsarbeit liegt darin, dass sich der Motor gut in das Gesamtsys­ tem integrieren lässt – daran arbeiten wir. Ist der Hybrid eine Brückentechnolo­ gie hin zur vollelektrischen OffHighway-Mobilität oder eine dauer­ hafte Technologie? Das Wort «Brückentechnologie» wird manchmal missverständlich eingesetzt. Tatsächlich verbindet eine Brücke ja zwei Seiten. Hier die konventionelle mit der elektrischen. Ich gehe davon aus, dass Hy­ bridsysteme nur für einzelne, wenige An­ wendungen eine Brücke sind, über die man nur einmal in eine Richtung geht, nämlich zum rein elektrischen Fahren – beispielsweise für Fähren. Erste rein elek­ trische Fähren fahren zum Beispiel in Nor­ wegen. Sie haben einen grossen Batterie­ speicher und einen vergleichsweise geringen Energiebedarf, weil die Strecken kurz sind. Der Fahrplan ist so eingerichtet, dass genügend Zeit zum Laden oder Aus­ tauschen der Batterie ist. Das ist schon heute kein technisches Problem mehr, eher ein kommerzielles. Bei praktisch allen anderen Anwendungen ergibt das wenig Sinn. Zwar können auch Züge kurze Stre­ cken ohne Oberleitung vielleicht irgend­ wann rein elektrisch überbrücken, aber ein genereller Ersatz für verbrennungs­ motorische Triebwagen ist das nicht. Wir werden allerdings weiterhin sehr genau darauf schauen, ob sich die Randbedin­ gungen so entwickeln, wie wir das heute einschätzen – und auch, ob sich vielleicht eine ganz andere Technologie auftut, die das beeinflusst. MTU entwickelt seit über 100 Jahren Verbrennungsmotoren. Doch können Sie plötzlich auch elektrisch? 10

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So plötzlich kommt das Thema «Elektro» ja nicht. Bei Stromaggregaten machen wir zum Beispiel schon lange Netzauf­ schaltberechnungen, dazu braucht man elektrotechnisches Know-how. Und die­ selelektrische Antriebe bieten wir auch schon lange an. Wir liefern «Power­ Packs», das sind Motoren inklusive der Generatoren und der Leistungseinbin­ dung in die Triebwagen. Und auch Yach­ ten haben wir schon mit Hybridsystemen ausgestattet. Da gibt es aber sicher noch Luft nach oben? Natürlich. Die Kunst wird sein, die bisheri­ gen Hybridsysteme zu modularisieren und damit die Integrationsleistung zu vereinfa­ chen. Wir wollen mit möglichst geringem Aufwand eine grosse Vielfalt von Varian­ ten, Lastprofilen und Betriebsbedingun­ gen abdecken. Das soll nicht heissen, dass wir nur noch ein Standardprodukt haben. Vielmehr ist es unser Ziel, einen ganzen Baukasten von Möglichkeiten zu entwi­ ckeln, mit dem wir auch Sonderwünsche von Kunden einfach und kostengünstig re­ alisieren können. Idealerweise klickt der Vertriebsingenieur an seinem Konfigurator – oder später vielleicht sogar der Kunde selbst in einer App – ein Antriebssystem zusammen und aus dem System heraus kommt der Auftrag an unsere Produktion. Das ist unser Ziel, das wir nicht aus den Augen verlieren werden. Welche Rolle spielt die Digitalisie­ rung? Die Elektrifizierung bietet uns einen gan­ zen Strauss an neuen Möglichkeiten. Doch um diese Möglichkeiten zu beherr­ schen, müssen wir verstehen, wie unsere Kunden unsere neuen Systeme nutzen. Das können wir nicht alles simulieren. Wir müssen Daten sammeln, mit unserem Ex­ pertenwissen sauber analysieren und so die Systeme noch effizienter machen. Können Sie das mit einem Beispiel verdeutlichen? Nehmen wir die Lebensdaueranalyse einer Batterie. Wir können Systeme mit einer grossen Batterie ausstatten, diese wenig belasten, sodass sie lange hält. Das ist aber sehr teuer. Günstiger wäre es, eine kleine­ re Batterie zu nehmen, diese stärker zu be­ lasten, was sich aber negativ auf ihre Le­ bensdauer auswirkt. Welche Lösung ge­ nau die bessere ist, können wir zwar simulieren, aber detaillierte Betriebserfah­ rungen helfen uns dabei trotzdem im­

Peter Riegger: «Der Dieselmotor wird aufgrund seiner hohen Energiedichte noch lange eine wichtige Rolle in unseren Systemen spielen.»

mens. Mit den Daten aus der Vergangen­ heit und dem Wissen von heute die Zu­ kunft zu prognostizieren – das ist für mich ein grosser Nutzen der Digitalisierung. Wir haben jetzt viel über elektrifi­ zierte Antriebe gesprochen. Was se­ hen Sie noch, wenn Sie in die Zukunft der Antriebstechnik schauen? Da gibt es noch grosse Themen, die wir im Blick haben. Beispielsweise alternative Kraftstoffe, die den fossilen Dieselkraft­ stoff nach und nach ersetzen können. Gas ist nur einer davon, auch synthetische Kraftstoffe haben wir im Blick. Welcher sich da durchsetzen wird – sei es Methanol oder sogenannte OME-Kraftstoffe oder etwas anderes, das ist noch nicht klar. Auch die Erzeugung solcher Kraftstoffe – Stichwort «Power-to-X» – ist ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen. Für die Landwirtschaft von Interesse sind Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien, die man womöglich aus ei­ genem Anbau gewinnen könnte. Welche Chancen sehen Sie darin? Wir machen dazu Studien. Seit 2018 sind wir führend am staatlich geförderten Pro­ jekt «MethQuest» beteiligt, in dessen Rahmen wir die Erzeugung von Gas, in­ klusive Wasserstoff aus erneuerbaren Energien sowie dessen Einsatz in unseren Motoren, weiter beleuchten.


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Stoppelbearbeitung

Die fein gezackten Scheiben erleichtern den Einzug und ermöglichen ein flaches Arbeiten. Bilder: R. Hunger

Eine Scheibe Glyphosat abschneiden Es ist ungewohnt, wenn Bodenbearbeitungsgeräte mit Herbizid um die Vorherrschaft beim Unkraut buhlen. Ganz freiwillig geschieht dies ja nicht, doch die Vorzeichen, dass dieser Weg beschritten werden muss, mehren sich. Jetzt heisst es Wirkung abschätzen, Erfahrungen sammeln und Entscheidungen treffen. Ruedi Hunger

Ob die Scheibenegge in die grossen Fuss­ stapfen von Glyphosat treten kann, hängt von vielen Faktoren ab. In Sachen Flä­ chenleistung kann die Kurzscheibenegge nicht mit der Feldspritze konkurrieren, muss sie aber auch nicht. Die Frage stellt sich eigentlich nur bei der Wirkung auf gekeimte und aufgelaufene Ungräser und Unkräuter. Und da kommt es auf den Blickwinkel an, doch es wäre wohl ver­ messen zu behaupten, dass ein mit Schei­ ben bestücktes Gerät die gleiche Wirkung erzielt wie der Stoppeleinsatz von Gly­ phosat. Allerdings ist die Unkrautkontrol­ le nur ein Ziel und es wäre zu kurz gegrif­ fen, die Stoppelbearbeitung darauf zu re­ duzieren. 12

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Arbeitstiefe und Arbeitsresultat Für eine rein flache Stoppelbearbeitung bewähren sich glatte oder fein gezackte Scheiben mit nicht zu grossem Durch­ messer. Wenn einstellbar, ist der Anstell­ winkel so zu wählen, dass die ganze Arbeitsb­reite bearbeitet wird. Bei einer Arbeitstiefe von rund 5 cm soll der Boden auf einem nahezu ebenen Horizont ab­ geschnitten werden. Im Bereich von 2 bis 3 cm ist dies nicht der Fall. Stark gezackte Scheiben mit grossem Durchmesser haben ein gutes Eindring­ vermögen, insbesondere in einem zähen oder trockenen Boden. Daher wird mit ih­ nen auch tendenziell tiefer (10 cm bis 15 cm) gearbeitet. Für die geforderte Ar­

beitstiefe von 5 cm muss sorgfältig einge­ stellt und konsequent überwacht werden. Eine weitere Eigenschaft der Kurzschei­ benegge ist, dass sich das Gerätegewicht bei zunehmender Arbeitstiefe über die Scheiben abstützt. Mit anderen Worten, das Gewicht fehlt auf der Walze für die Rückverfestigung.

Wie steht es um die Unkraut­ wirkung? Die Vorgabe ist klar: flache Stoppelbear­ beitung, damit Ausfallgetreide und Un­ krautsamen genügend Bodenkontakt er­ halten und auskeimen können. Die Wir­ kung auf Samenunkräuter hängt folglich sehr stark davon ab, was man unter «Bo­


Stoppelbearbeitung

denkontakt zum Auskeimen» versteht. Wird wirklich nur flach gearbeitet, steht die Chance gut, dass das Ziel erreicht wird. Andernfalls gelangen Ausfallgetrei­ de und Samen in tiefe Bodenschichten. Bleiben sie ohne Lichtreiz dort, keimen sie erst nach der nächsten tieferen Boden­ bearbeitung, welche sie zur Oberfläche bringt. Klassisches Beispiel dafür ist der Ausfallraps, welcher nach Jahren noch auflaufen kann. Weniger beeindruckt sind Wurzelunkräuter von der Scheiben­ egge. Es besteht sogar die Gefahr, dass Disteln(wurzeln) und Quecken durch das Zerschneiden noch vermehrt werden.

Bodenschutz beachten Nach der Getreideernte besteht die Ge­ fahr, dass durch eine Bodenbearbeitung der ausreichende Bodenschutz verloren geht. Unabhängig davon, ob mit Grub­ ber, Scheibenegge oder einem zapfwel­

Die Scheibe kann’s nicht besser, aber anders. lenbetriebenen Gerät gearbeitet wird, muss mit Bodenbedeckungsgraden von unter 30 % gerechnet werden. Im Gegen­ satz zum Grubber belässt die Kurzschei­ benegge weniger organisches Material (Stroh) an der Oberfläche und bringt es in tiefere Schichten. Eine Ausnahme unter den Zapfwellengeräten ist der Geohobel. Dank seiner Arbeitsweise und der kon­ trollierten Arbeitstiefe von 3 bis 5 cm bleibt selbst bei guter Durchmischung ein hoher Bodenbedeckungsgrad erhalten.

Gratwanderung Arbeitstiefe Damit ein Bodenbedeckungsgrad in der geforderten Höhe von 30  % erhalten

bleibt, muss sich die Arbeitstiefe bei der Stoppelbearbeitung auf 5 cm (4 bis 6 cm) begrenzen. Je nach Bodenart ist diese Vorgabe nicht problemlos einzuhalten. Je nach Scheibe und Anstellwinkel kann fla­ ches Arbeiten zu einem unruhigen Ver­ halten der Kurzscheibenegge führen. Und im Bereich von Fahrspuren besteht die Gefahr, dass der Boden nicht flächen­ deckend erfasst wird.

Markttendenzen Kurzscheibeneggen haben sich vom «Überflieger» früherer Jahre zum zuver­ lässigen Programmpunkt im Angebot der Hersteller etabliert. Verschiedene Herstel­ ler spekulieren offen über höhere Ver­ kaufszahlen aufgrund eines drohenden Glyphosatverbots. Die Hersteller sehen sich konfrontiert mit dem Spagat von fla­ cher Bearbeitung einerseits und mehr Ar­ beitstiefe anderseits. Das äussert sich da­ rin, dass mehr grosse Scheibendurchmes­ ser für tiefes Arbeiten nachgefragt werden. Gleichzeitig liegen fein gezackte Scheiben im Trend. Das erlaubt dann als Kompromiss für die flache Stoppelbear­ beitung den grösseren Scheibendurch­ messer. Sogar gross im Trend liegen Vor­ bauelemente wie Cross- oder Frontboard, Messerwalzen und Strohstriegel. Diese Zusatzelemente erweitern das Einsatz­ spektrum der Kurzscheibenegge doch er­ heblich. Bei den aufgesattelten Geräten wird erwartet, dass die X-Form aufgrund ihrer höheren Stabilität wieder grössere Bedeutung erhält. Nicht zuletzt stossen Kombinationen aus Scheibenegge und Grubber auf mehr Interesse. Vorbeugend auf Verschleiss wirken entsprechende Stahl-Güte, geringe Anstellwinkel und konische Scheibenform. Zudem werden oft wartungsfreie Axialschrägkugellager und mehrfache Kassettenabdichtungen bei der Scheibenlagerung verwendet.

Ein Strohstriegel als Vorbau verteilt organisches Material gleichmässig vor den Scheiben. Bild: Lemken

Keine Stoppelbearbeitung ohne Rückverfestigung. Ausfallgetreide und andere Samen müssen Bodenkontakt erhalten.

Fazit Ob und wie weit Scheiben das Glyphosat ersetzen können, wird die Zukunft zei­ gen. Ganz abwegig ist es nicht, denn es wurde schon erfolgreich Ackerbau betrie­ ben, bevor Glyphosat auf dem Markt war. Wie erfolgreich die Unkrautregulierung bereits bei der Stoppelbearbeitung ist, hängt sehr stark vom richtigen Einsatz ab. Kurzscheibeneggen können viel, aber nicht alles.  Zum Thema Stoppelbearbeitung finden Sie im Internet eine zusätzliche Marktübersicht zu Walzen für die Rückverfestigung. www.agrartechnik.ch «Schweizer Landtechnik» «Downloads».

Eigenschaften der unterschiedlichen Scheiben

Glatte Scheiben

Flache, fein gezackte Scheiben

Stark gezackte Scheiben

Starker Untergriff und Anstellwinkel

CrossCutter-Scheibe (ultraflache Arbeit)

Mässiger Einzug, gleichmässig, flache Arbeit gut möglich

Guter Einzug, flache Geräteführung und gute Durchmischung

Gutes Eindringvermögen, intensive Durchmischung

Sehr gutes Eindringvermögen und intensive Mischung

Fünffach abgekante­ te Stoppelbearbei­ tungsscheibe

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Stoppelbearbeitung

Präzise Tiefenführung wird durch Fahrwerk und Walze sichergestellt. Bilder: R. Hunger und zvg

Mit Zinken in die «Nach-Glyphosat-Ära» Kann der Grubber, der sich bei der Grundbodenbearbeitung mit dem Pflug duelliert und bei der Stoppelbearbeitung gegen die Kurzscheibenegge antreten muss, künftig noch an einer dritten Front gegen den erbitterten Konkurrenten «Unkraut» erfolgreich sein? Ruedi Hunger

Grubber müssen damit leben, dass sie bezüglich Stoppelbearbeitung immer wieder mit der Kurzscheibenegge verglichen werden. Denn seit Kurzscheibeneggen auf dem Markt sind, ist der Grubber nicht mehr automatisch die erste Wahl. Im Vergleich zum Grubber benötigen Kurz­ scheibeneggen, aufgrund der drehenden Werkzeuge, tendenziell etwas geringere Zugkräfte. Anderseits belasten die Ver­ tikalkräfte der Grubberwerkzeuge die nachfolgende Walze zusätzlich und beeinflussen damit die Rückverfestigung positiv. Der Erosionsschutz durch Oberflächenbedeckung ist beim Grubber leicht höher. In den ersten 5 cm ist der Stroh­ 14

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eintrag der Kurzscheibenegge besser, weil der Grubber das Stroh tendenziell in tiefere Schichten verfrachtet (Untersuchungen 2010).

Durchgang, Strichabstand, Zinken Viele Zinken mischen gut. Oder je mehr Zinken ein Grubber hat, desto besser durchmischt er den Boden. Wie verstopfungsanfällig er ist, hängt von der Zinken-Anordnung ab. Das heisst davon, wie viele Zinken aufgereiht auf einem Balken verteilt sind und wie gross der Balken­ abstand ist. Der Strichabstand ist die Arbeitsbreite geteilt durch die Gesamtzahl der Zinken. Der Durchgang wird durch

die Balkenzahl, den Balkenabstand und die Zinkenanzahl bestimmt. Zusammen mit der Rahmenhöhe ergibt sich daraus die Verstopfungsanfälligkeit. Der Balkenabstand lässt sich bei 3-Punkt-­ Geräten nicht beliebig vergrössern, weil damit der Hubkraftbedarf steigt. Alternativ gibt es die gezogenen Grubber, wo die Länge eine untergeordnete Rolle spielt.

Eignung der Scharen • Gänsefüsse Für eine 4 cm bis maximal 8 cm flache Bearbeitung eignen sich Gänsefussscharen gut. Je flacher die Scharen stehen, desto besser schneiden sie den Boden, aber


Stoppelbearbeitung

Einfluss der Scharform auf die Arbeitstiefe Scharform

Meisselschar

Doppelherzschar

Scharbreite

10–12 cm

10–15 cm

20–30 cm

30–45 cm

bis 85 cm

Bearbeitungstiefe

15–25 cm

12–20 cm

5–10 cm

5–15 cm

3–8 cm

desto weniger mischen sie den Boden. Und die Verstopfungsgefahr steigt. Gänsefüsse sind relativ verschleissanfällig. • Flügelschare Bei Flügelscharen ist die Scharspitze für den Einzug verantwortlich. Damit Flügelschare bei der Stoppelbearbeitung vernünftig arbeiten, laufen die Scharspitzen, bedingt durch den starken Untergriff, mindestens 10 bis 12 cm tief. Bei der Arbeitstiefe muss folglich der Unterschied zwischen Scharspitze und Flügel berücksichtigt werden. Die Flügel übernehmen das ganzflächige Bearbeiten des Arbeitshorizontes. Der insgesamt optimale Arbeitsbereich für Flügelschare liegt also zwischen 10 cm und 15 cm. Mit zunehmender Tiefe steigt der Zugkraftbedarf. Ab rund 15 cm (Flügeltiefe) werden die Flügel entfernt, da sonst der Treibstoffverbrauch überproportional ansteigt. Flügelschare können unter ungünstigen Bedingungen eine Schmierschicht bilden. • Schmal- und Meisselschare Je tiefer die Arbeit, desto schmaler die Schar! Damit kommt den Scharen eine ausgesprochen lockernde Funktion zu. Um die Mischfunktion zu unterstützen, werden Schmalschare mit gedrehten (oder anders geformten) Leitblechen versehen. Die günstigen Doppelherzschare sind weitgehend verschwunden. Ihr Arbeits- und Mischeffekt erfüllt die heutigen Erwartungen nicht mehr.

Gänsefussschar

Flügelschar Breitschar

Schmal­herzscharen kann im flachen Bereich aufgrund der üblichen Strichabstände keine ganzflächige Stoppelbearbeitung realisiert werden. Gänsefuss- und Flügelscharen sind mit ihrer Schnittbreite von 30 bis 45 cm besser geeignet. Üblicherweise decken sie den Bearbeitungs­ horizont ganz ab. Wenn der Zugkraft­ bedarf stark ansteigt, sinkt die Versuchung, tief zu arbeiten. Die Forderung nach einem gleichmässig flachen Arbeiten, um damit eine kontrollierte Unkrautregulierung zu ermöglichen, ist neben der Scharform auch von der aktiven Tiefenführung abhängig. Erfolgt diese ohne ein Fahrwerk, nur über die Hydraulikregelung, muss aufgrund wechselnder Boden­ eigenschaften und des sich ändernden Bodenwiederstandes mit abweichenden Arbeitstiefen gerechnet werden. Grubber, die sich auf ein vor- und ein nachlaufendes Fahrwerk abstützen, erfüllen die Vorgabe einer gleichmässig flachen Arbeit bestens. Die gezogenen Grubber entsprechen zwar nicht der durchschnittlichen Grösse eines schweizerischen Ackerbaubetriebes, sie sind

aber für flaches Arbeiten bestens ge­ eignet.

Stoppelbearbeitung: 2. Durchgang Beim zweiten Durchgang zur Stoppel­ bearbeitung geht es darum, das aufgelaufene Ausfallgetreide und die erste Unkrautwelle frühzeitig abzufangen und zu vernichten. Zudem soll jenen Samen, die bisher nicht genügend Bodenkontakt hatten, mit «einer zweiten Chance» das Auskeimen erleichtert werden. Dazu müssen die Vorgaben nicht mehr so konsequent flach sein wie beim ersten Durchgang. Die einmischende Wirkung bekommt grös­sere Bedeutung. Gekeimte Samen dürfen in tiefere Schichten gelangen, da sie nicht ein zweites Mal auflaufen. Natürlich werden auch einige ungekeimte Samen mit eingearbeitet, aber das lässt sich mit keinem Gerät verhindern. Der klassische Grubber, wie er für die Bodenbearbeitung eingesetzt wird, bietet sich folglich bis in mittlere Arbeitstiefen (8 bis 15 cm) auch für ein Ernterest- und Unkrautmanagement im zweiten Arbeitsgang an.

«Ultraflach» … Unter dem Begriff «Flach- oder Ultraflachgrubber» versteht man speziell für die flache Stoppelbearbeitung geeignete Grubber mit breit schneidenden Scharen (30 bis 50 cm), die einen flachen Anstellwinkel von rund 20° aufweisen. Die Scharbreite wird auch durch den Strichabstand bzw. die An-

Die beste Schar … … für alle Schichten gibt es nicht. Wer seinen Grubber optimal einsetzen will, flach für die Stoppelbearbeitung, intensiv mischend bei mittlerer Arbeitstiefe und lockernd in tiefen Schichten, kommt nicht um einen Scharwechsel herum. Das ist je nachdem mit viel Schraubarbeit verbunden. Diese Zeit ist aber gut investiert. Schar-Schnellwechsel-Systeme vereinfachen das Wechseln – gegen Aufpreis!

Stoppelbearbeitung: 1. Durchgang Die Forderung für eine flache Bodendurchmischung kann nicht mit allen Scharen erfüllt werden. Mit Meissel- bzw.

Nach der Stoppelbearbeitung wird eine Bodenbedeckung von mindestens 30 % angestrebt.

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Stoppelbearbeitung

zahl Grubberzinken bestimmt. Ob flach oder ultraflach, der Grubber muss ein mini­ males Gewicht und ein Fahrwerk aufwei­ sen, damit er gut geführt werden kann. Speziell zur Unkrautbekämpfung und zum Durchschneiden von flachem Bewuchs mit Breitscharen (ca. 80/85 cm) werden nur wenige Grubber angeboten (z. B. Lagrot). Nach Herstellerangaben ermöglicht er ein flaches Arbeiten im Bereich ab drei Zenti­ meter. Damit das Einzugverhalten und die exakte Tiefenführung garantiert sind, wird der Boden vor jeder Schar durch Stütz­

Nicht die maximal erreich­ bare Arbeitstiefe ist bei der Stoppelbearbeitung ge­ fragt, sondern die minimal mögliche.

Gezogener 4-Balken-Präzisionsgrubber mit vorlaufendem Pendelfahrwerk.

walzen in Form von Sech-Scheiben drei­ fach vorgeschnitten. Dieser Grubber eig­ net sich schlecht in steinigen Böden.

… oder freilegen? Mit den herkömmlichen Schmal-, Meissel- oder Doppelherzscharen werden Wurzelunkräuter nicht abgeschnitten (und dadurch womöglich noch vermehrt), sondern freigelegt. Dazu sind aber zwei Durchgänge, diagonal oder kreuzweise, nicht zu tief und in kurzen Abständen, angezeigt. Auch bei Quecken bestehen Chancen, dass sie an der Oberfläche ver­ trocknen. Für dieses Arbeitsziel ist die passende Arbeitstiefe zu suchen.

Grenzerfahrungen Getreidestoppeln und Spreu sind für einen Grubber üblicherweise kein Problem. Wird

Geschwindigkeit und Arbeitstiefe bestimmen den Arbeitseffekt.

das Stroh nicht abgeführt und verbleibt es gehäckselt auf dem Feld, muss es flach ein­ gearbeitet werden. Damit wachsen aber die Probleme. Durchlass und Rahmenhöhe ent­ scheiden über die Verstopfungsanfälligkeit. Bei vier- und mehrbalkigen Grubbern ver­

weilt das Boden-Strohgemenge verhältnis­ mässig lange im Gerät. Das kann zu einem ausgeprägten Rolleffekt führen, dies insbe­ sondere bei schlecht verteilten Ernterück­ ständen. Am schwierigsten zu beherrschen sind grosse Mengen an Stoppeln und viel

Kostenberechnung verschiedener Geräte zur Stoppelbearbeitung Berechnung Einzel­ maschinen Anschaffungspreis

Grubber mit Nachläufer, 3 m CHF 15 500.–

Kurzscheibenegge mit Nachläufer, 3 m

Zapfwellengerät mit Nachläufer, 3 m

CHF 23 000.–

CHF 20 500.–

CHF 20 000.–

Arbeitsleistung Aren/Std. 140 Aren

142 Aren

307 Aren

109 Aren

Nutzungsdauer Jahre

12 Jahre

15 Jahre

15 Jahre

10 Jahre

Auslastung pro Jahr

50 ha

35 ha

50 ha

30 ha

Fixkosten Jahr/AE

CHF 1439.–/28.78

CHF 1710.–/48.86

CHF 1587.–/31.74

CHF 1946.–/64.87

Variable Kosten/AE

CHF 6.69

CHF 12.65

CHF 10.68

CHF 21.00

CHF 46.66 CHF 143.24

CHF 94.45 CHF 102.95

Entschädigungsansatz CHF 39.02 AE (Fläche) CHF 54.62 CHF 67.66 Stunde CHF 96.07 Basis und Grundauslastung «TractoScope» Agroscope, Tänikon

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Federzinkenegge mit Krümler, 6 m

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Stoppelbearbeitung

(noch grünes) Pflanzenmaterial. Beispielsweise Rapsstroh-Häcksel, der bereits von Auflaufraps durchwachsen ist. Höchste Anforderungen stellt Körnermaisstroh, das womöglich noch feucht ist. Unter diesen Bedingungen kann nicht mehr flach gearbeitet werden, es braucht eine bestimmte Menge Erde, die beim Einmischen behilflich ist.

Kosten Wie Tabelle 2 zeigt, braucht der Grubber den Vergleich mit der Konkurrenz betreffend Kosten nicht zu scheuen. Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass im Anschaffungspreis kein Schar-Wechsel-Satz enthalten ist, welcher nötig ist, wenn dieses Universalgerät auch optimal eingesetzt werden soll. Die Arbeitsleistung je Flächeneinheit ist bei Grubber und Kurz­scheiben­ egge (3 m Arbeitsbreite) vergleichbar.

Fazit Der Grubber ist ein Universalgerät und er soll es auch bleiben, damit er genügend ausgelastet werden kann. Das Ziel, mit dem Grubber in der «Nach-Glyphosat-Ära» einen aktiven Beitrag zur Unkrautregulierung zu leisten, ist nicht utopisch, aber herausfordernd. Grubber haben durchaus das Potenzial, die Unkrautregulierung zu unterstützen. Voraussetzung ist allerdings, dass das richtige Gerät mit einer optimalen Ausrüstung auch entsprechend richtig eingesetzt wird. In einem einzigen Durchgang können die Ziele der Stoppelbearbeitung aber kaum erreicht werden.  Zum Thema «Stoppelbearbeitung» finden Sie im Internet eine zusätzliche Marktübersicht zu Walzen für die Rückverfestigung. www. agrartechnik.ch «Schweizer Landtechnik» «Downloads».

Mit der Gänsefuss-Schar kann flach gearbeitet werden, sie mischt aber nur mässig.

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Stoppelbearbeitung

Strohstriegel verteilen Ernteresten und zerstören frisch aufgelaufene Unkrautkeimlinge. Bilder: R. Hunger

Strohstriegel – verteilen, ausreissen, zerstören Wer den Strohstriegel einsetzt, muss überlegt arbeiten und zu Beginn Erfahrungen sammeln. Doch wer ihn einmal beherrscht, möchte ihn nicht mehr missen. Ruedi Hunger

«Strohstriegel – was ist das? Das Stroh pressen wir und verwenden es zum Ein­ streuen.» Die Frage und der Kommentar eines Ackerbauern in der Ostschweiz überraschen wenig. Der Strohstriegel zählt (noch) nicht zu den klassischen Ackerbaumaschinen, dennoch wird er von verschiedenen Lohnunternehmern erfolgreich eingesetzt. Insbesondere in nicht wendenden Anbauverfahren sollen die Reststoffe der Vorfrucht an der Oberfläche verbleiben. Allerdings be­ einträchtigen konzentrierte Strohresten oder schlecht verteilte Spreu die nachfol­ gende Sätechnik. Zudem ist es für einen Keimling schwierig, eine mit Stroh und Spreu überdeckte Oberfläche zu durch­ stossen. Kommt dazu, dass es im Bereich ehemaliger Spreu- und Strohschwaden beim Abbau der Rückstände zu chemi­ schen Wechselwirkungen kommen kann, welche das Keim- und Wurzelwachstum 18

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der jungen Pflanzen hemmen. Im Gegen­ satz dazu behindern gut verteilte Rest­ stoffe die nachfolgende Aussaat kaum. Doch was kann der Strohstriegel noch und was kann er nicht?

Bewegung ausführen. Zusätzlich be­ stimmt der Strich- bzw. Zinkenabstand die bestrichene Ackeroberfläche. Der Strohstriegel ist aber kein Bodenbearbei­ tungsgerät im engeren Sinn.

Kein Bodenbearbeitungsgerät

Immer diagonal fahren

Der klassische Strohstriegel ist pro Meter Arbeitsbreite mit 7 bis 17 meistens gera­ den Federzinken ausgerüstet, die einen Durchmesser von 14 oder 16 Millimeter aufweisen. Je nach Hersteller sind die Zinken-­ Balken starr oder (hydraulisch) verstellbar. Entsprechend unterschiedlich verhalten sich die Zinken im Arbeitsein­ satz. Werden festmontierte Zinken durch ein insgesamt schweres Gerät belastet, haben sie neben der strohverteilenden auch eine betont «linear-kratzende» Wir­ kung auf der Bodenoberfläche. Feder­ zinken mit einem begrenzten Pendel­ bereich können eine «kreisend-rührende»

Haben die Zinken einen verstellbaren An­ stellwinkel, wird beim ersten Durchgang mit einem flacheren Anstellwinkel gefah­ ren. Beim zweiten Durchgang aber mit voller Aggressivität (90°). Zudem sollte man nicht den Fehler machen und mit dem Strohstriegel auch noch in der Bear­ beitungs-, Saat- und Ernterichtung fah­ ren. Durch das diagonale Fahren werden wirklich alle Stroh- und Spreuresten er­ fasst und verteilt. Erfahrene Stroh­striegelBesitzer empfehlen: Wenn Stroh im Strie­ gel hängen bleibt, das Gerät nie aushe­ ben, ansonsten bleiben Haufen zurück, die mit grossem Aufwand von Hand ent­


Stoppelbearbeitung

fernt werden müssen. Bereits im ersten Durchgang und noch ausgeprägter beim kurz darauf folgenden zweiten Durchgang werden gekeimte Unkräuter entfernt. Schneckeneier und Mäusenester unter Stroh und Spreu werden erfasst, freigelegt oder zerstört. Wer den Strohstriegel einsetzt, darf nicht den kleinsten Traktor vorspannen. Die Devise lautet: «Je schneller, desto besser.» Und das braucht Leistung. Wie das nachfolgende Berechnungsbeispiel zeigt, ist die Flächenleistung auch entsprechend hoch.

Diagonales Fahren ist notwendig für ein gutes Resultat.

Fazit

und Spreuresten zu verteilen und gute Keimbedingungen für Unkrautsamen zu schaffen. In einem zweiten Durchgang werden die gekeimten Unkräuter ausgerissen und Schneckeneier sowie unter Spreu

Strohstriegel sind kein Bodenbearbeitungsgerät, folglich lockern sie auch keine oberflächliche Bodenverdichtung. Sie sind prädestiniert dafür, zurückgebliebene Stroh-

angelegte Mäusenester zerstört. Mit der gleichmässigen Verteilung der Ernterückstände schafft der Strohstriegel gute Bedingungen für die folgende pfluglose Boden­bearbeitung oder die Direktsaat. 

Gegenüberstellung der Verfahrenskosten Striegel/Glyphosat* Kostenberechnung verschiedener Verfahren (Grundlage TractoScope 2018) Maschinenkombination

Verfahren Strohstriegel Richtwert CHF/ha Verfahrensleistung

1x 8.66

17.32

718 a/h

24.36

48.72

6.69

13.38

15.00

15.00

30.00

Traktor, 90−104 kW mit Doppelbereifung (+13 %) Strohstriegel 12 m (Hackstriegel + 4,4 %) Bedienung (LU-Ansatz 48.−/h) Anfahrtspauschale Lohnunternehmer

2x

Traktor, 90−104 kW Anbaupflanzenschutzspritze 15 m/800 l

15.37 358 a/h

26.11

2,5 l

46.60

Bedienung (LW-Ansatz 28.−/h) Spritzmittel Roundup (Stähler, Fr. 23.30/l)

7.82

Total Verfahrenskosten

ll 9 Krista

Verfahren Glyphosat Richtwert CHF/ha

54.70

NEU Rubin

109.42

107.55

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6/7 2019 Schweizer Landtechnik

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Stoppelbearbeitung

Kurzscheibenegge und Packerwalze sind ein beliebtes «Gespann» für die Stoppelbearbeitung. Bilder: R. Hunger, Konrad Merk und zvg

Flach, aber nicht «oberflächlich» Stoppelbearbeitung ist grundsätzlich eine flach lockernde und mischende Bearbeitung. Mit ihr soll nach der Ernte das Auflaufen von Ausfallgetreide und Unkrautsamen gefördert werden. Ruedi Hunger

Insbesondere wenn davon gesprochen wird, die Bodenbearbeitung und den Herbizideinsatz zu reduzieren, bekommt die richtige Stoppelbearbeitung grosse Bedeutung. Denn Fehler, die hier gemacht werden, beeinflussen die nachfolgende Kultur und ihre Ertragsbildung über die gesamte Vegetationsdauer.

Zur Erinnerung – die Ziele In Zeiten, wo die Anwendung von Glyphosat/Roundup zunehmend in Frage gestellt wird, bekommt die flache Stoppelbearbeitung wachsende Bedeutung. 20

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

Das ist nachvollziehbar, wenn man sich die eigentlichen Ziele der Stoppelbearbeitung in Erinnerung ruft: • Schaffung optimaler Keimbedingungen für Ausfallgetreide und Unkrautsamen. • Vermeidung einer «grünen Brücke» und Verhinderung der Übertragung von Pflanzenkrankheiten. • Gute Rotte-Bedingungen schaffen für Spreu, Stroh- und andere Ernteresten. • Möglichst ausgiebige Unkrautbekämpfung, insbesondere Wurzelunkräuter. • Immer wichtiger – die Vermeidung einer unproduktiven Wasserverdunstung.

Optimale Keimbedingungen schaffen Ausfallgetreide, Unkräuter und Ungräser können vor der nächsten Kultur nur wirkungsvoll beseitigt werden (chemisch oder mechanisch), wenn sie möglichst gleichmässig auflaufen. Es ist daher eine der wichtigsten Aufgaben einer Stop­ pelbearbeitung, gute Keimbedingungen durch flache Bearbeitung und nachfolgende Rückverfestigung zu schaffen. Die Bearbeitung sollte möglichst über die ganze Arbeitsbreite erfolgen. Damit ist klar, dass Geräte für die Stoppelbearbei-


Stoppelbearbeitung

Gegenüberstellung verschiedener Maschinen für die Stoppelbearbeitung Strohstriegel

Flach-Grubber

Kurzscheibenegge

Arbeitsweise

Flach mischend

Mischend und lockernd

Mischend und lockernd

Arbeitswerkzeug

Federzinken mit 14/16 mm Ø Strichabstand 5/6 cm Verstellbarer Zinken-Winkel

Doppelherz-, Gänsefussschare (oder Flügelschare) und Nachläufer/Walze

Glatte oder gezackte Scheiben mit unterschiedlichem Anstellwinkel und Nachläufer/Walze

Arbeitstiefe

2 cm

5 bis 25 cm

5 bis 15 cm

Arbeitsgeschwindigkeit

10 bis 25 km/h

8 bis 15 km/h

8 bis 15 km/h

Arbeitsqualität wird beeinflusst durch …

• Zinkenform • Zinkenstellung • Zinkenabstand • Arbeitstiefe • Fahrgeschwindigkeit

• Anzahl Balken • Zinken- und Scharform • Zinken- und Scharstellung • Strichabstand • Arbeitstiefe • Fahrgeschwindigkeit • Bodenzustand

• Form und Durchmesser der Scheiben • Scheibenstellung • Gewichtsbelastung • Arbeitstiefe • Fahrgeschwindigkeit • Bodenzustand • Anteil organische Masse

Auswirkungen positiv

+ Sehr gute Strohverteilung + Geringer Leistungsbedarf (? = Geschwindigkeit)

+ Gute Stroheinarbeitung + Verbesserung der Durchmischung mit zunehmender Arbeitstiefe + Vielseitigkeit

+ Gute Stroheinarbeitung + Gute Durchmischung bei flacher Bearbeitung + Gutes Einzugsverhalten + Vielseitigkeit

Auswirkungen negativ

− Flache Arbeitsweise − Keine tiefe Durchmischung − Keine Lockerung

− Schlechte Durchmischung bei flacher Bearbeitung

− Mässige Wirkung auf Wurzel­ unkräuter − Durchmischung nimmt mit zunehmender (relativ) Arbeitsgeschwindigkeit ab.

Eignung als/für …

Stoppelbearbeitung im Direktsaat-Verfahren und als erste Stoppelbearbeitung vor Grubber oder Scheibenegge im Mulchsaatverfahren

abhängig von der verwendeten Schar, für die erste und die zweite Stoppelbearbeitung im Pflug- oder Mulchsaatverfahren

erste und zweite Stoppelbearbeitung mit unterschiedlicher Arbeitstiefe im Pflug- und Mulchsaatverfahren

tung wenn immer möglich auch einen «Nachläufer» in Form einer Walze/ Packer­walze aufweisen müssen. Ausfallraps sollte auf der Oberfläche liegen blei-

Je intensiver der Ackerbau, desto mehr Aufmerksamkeit muss der Stoppelbearbeitung geschenkt werden.

ben, da er bereits mit wenig Feuchtigkeit (Tau usw.) in Keimstimmung versetzt wird. Ausgefallene Rapskörner, die auf Stoppeln oder Stroh zurückbleiben, werden mit einem Strohstriegel oder einer Messer­walze (solo) abgeschüttelt und erhalten den notwendigen Bodenkontakt.

Schadpflanzen reduzieren Wenn davon gesprochen wird, Herbizide zu reduzieren oder auf sie ganz zu ver-

zichten, muss die Stoppelbearbeitung natürlich gezielt darauf ausgerichtet werden. Oft ist es ein «unerfüllter» Wunsch, dass Zeitpunkt und Bodenfeuchtigkeit wirklich optimal sind. Ein primäres Ziel ist auch die Entfernung bereits gekeimter oder vorhandener Unkräuter. Bei trockenen Bedingungen, die optimal noch drei, vier Tage anhalten, vertrocknen die ausgerissenen Pflanzen. Disteln zählen zu den Problempflanzen. Durch genaue Tiefenführung und Bearbeitung über die ganze Arbeitsbreite können sie flach unter der Bodenoberfläche abgeschnitten werden. Die Wurzeln verbleiben im Boden. Quecken können mit einer flachen Stoppelbearbeitung nicht entfernt werden.

Ackerhygiene fördern Maisstoppeln sind das Paradebeispiel dafür, was passieren kann, wenn sie unverrottet auf der Ackeroberfläche liegen bleiben (Fusarien, Maiszünsler). Im Prinzip sind nicht nur sie, sondern alle

zurück­ bleibenden Stoppeln (Getreide, Raps, Leguminosen) mit irgendwelchen Krankheitserregern und Pilzen befallen. Es gilt daher, optimale Bedingungen für eine rasche Rotte zu schaffen.

Rotte unterstützen Die zur Hauptsache aus Ernteresten bestehende organische Substanz verrottet gut, wenn sie mit Bodenmaterial vermischt in den obersten drei bis fünf Zentimetern verbleibt. In dieser Schicht hat es Sauerstoff, der eine Mineralisation begünstigt und es den Bakterien ermöglicht, bereits nach kurzer Zeit Kohlenstoff abzubauen. Walzen ist wichtig, doch sollte die Oberfläche nicht versiegelt werden, sonst kommt es zu einer starken Aus­ gasung. Unter optimalen Bedingungen leiten die Feuchtigkeit und der notwendige Restsauerstoff sofort einen Rotteprozess ein. Gleichzeitig wird der innert kürzester Zeit mineralisierte Stickstoff die Rotte unter­stützen (C/N-Verhältnis). Und weil bei reduzierter Mineralisierung das 6/7 2019 Schweizer Landtechnik

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Stoppelbearbeitung

Geräteübersicht für flache Stoppelbearbeitung

Messerwalze Arbeitsweise: passiv

Die Messerwalze hat eine quetschende, schneidende und mischende Wirkung. Das Gerät reduziert die Oberflächenbedeckung mit organischem Restmaterial abhängig von der Anzahl Walzen um 5 bis 10 %. Messerwalzen, solo oder als Vorwerkzeug, eignen sich gut für den Frontanbau oder in Kombination mit einem Heck­ anbaugerät.

Ringschneider Arbeitsweise: passiv/gezogen

Das Gerät mit diagonal angeordneten, sich drehenden Schneidringen hat eine lockernde und mischende Wirkung. Der Ringschneider reduziert die Oberflächenbedeckung mit organischen Reststoffen um bis zu 10 %.

Messerwalze/ Scheibenegge/ Packer Arbeitsweise: passiv/gezogen

Gezogene/aufgesattelte Kombinationen aus verschiedenen Einzel­ elementen eignen sich bestens für die schlagkräftige Stoppelbearbeitung auf grossen Ackerflächen und für Lohnunternehmer. Im Bild: Messerwalze als Vorläufer, Scheibenegge, Packerwalze als Nachläufer.

Flachgrubber Arbeitsweise: passiv/gezogen

Der Feingrubber erzielt mit breit schneidenden Scharen eine lockernde und mischende Wirkung. Der Flachgrubber reduziert die Oberflächenbedeckung mit organischem Material, abhängig von den verwendeten Scharen und der Arbeitstiefe, um 25 % bis 50 %. Dank Fahrwerk ist eine sehr exakte Tiefenführung möglich.

Ist der Ausfallraps aufgelaufen, darf auch die Scheibenegge flach eingesetzt werden.

eingearbeitete Mulchmaterial nicht verdorrt, sondern in Rotte übergeht, keimen einjährige Samenunkräuter deutlich schwächer (Geohobel).

Wasserverluste verhindern Mit der Stoppelbearbeitung ergibt sich die erste Möglichkeit, nach der Ernte die wasserführenden Kapillaren zu unterbrechen. Dazu reichen wenige Zentimeter

Steht die Unkrautbekämpfung im Vordergrund, müssen die Pflanzenwurzeln möglichst flächendeckend durchschnitten werden.

Arbeitstiefe. Wird zu tief in den Boden eingegriffen, trocknet der bearbeitete Horizont aus. Um möglichst viel Bodenwasser im Boden zurückzuhalten, ist es wichtig, diesen Arbeitsgang nicht nur flach, sondern so zeitnah wie möglich nach der Ernte durchzuführen.

Fazit Hält man sich alle Ziele der Stoppelbearbeitung vor Augen wird klar, dass dieser Arbeitsgang nicht einfach schnell und «oberflächlich» erledigt werden soll. Arbeits­ qualität steht im Vordergrund, weil Unkrautregulierung, Ackerhygiene, phytosanitäre Wirkung, Rotte und Wasserverluste in enger Wechselbeziehung zueinander stehen. Daher ist in den letzten Jahren die Erkenntnis gewachsen, welch grosse Bedeutung die richtige Stoppelbearbeitung hat. Stoppelbearbeitung ist nicht in erster Linie «für das Auge» und sie ist keine Grundbodenbearbeitung. Soll sie nachhaltig sein, müssen bodenspezifische Eigenheiten berücksichtigt werden. Das braucht Zeit.  22

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

Arbeitstiefe zunehmend von 0 bis 15 Zentimeter

Strohstriegel Arbeitsweise: passiv/gezogen

Der Strohstriegel arbeitet sehr flach. Seine Wirkung ist gleichmässig mischend. Durch diagonales Fahren wird die Stroh- und Spreuauflage auf der ganzen Fläche gleichmässig verteilt. Der Strohstriegel reduziert die Oberflächenbedeckung mit organischen Reststoffen nur unwesentlich (ca. 5 %).

Die Arbeitsweise der Kurzscheiben­ egge ist (lockernd) mischend, ohne Kurzscheibenegge dass das Arbeitsprinzip der wendenArbeitsweise: passiv/ den Bodenbearbeitung zugeordnet gezogen werden kann. Die Kurzscheiben­ (Vergleichbar: Spa- egge reduziert die Oberflächen­ tenrollegge) bedeckung mit organischem Restmaterial je nach Einstellung und Fahrweise um 40 % bis 60 %.

Geohobel Arbeitsweise: aktiv/ Zapfwelle

Der Geohobel ist das einzige aktiv angetriebene Gerät für die Stoppelbearbeitung. Dank den seitlich zur Rotorwelle angebauten verstellbaren Tragrädern kann der Geohobel sehr exakt geführt werden. Bei einer Arbeitstiefe von 3 cm bis 5 cm hat er eine ausgesprochen mischende Arbeitsweise. Voraussetzung: Oberfläche ohne tiefe Fahrspuren.


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Impression | Fahrbericht

Der «536-95 AgriPro» aus der neuen «Serie III» hat 3600 kg Hubkraft und eine Hubhöhe von 9,5 m. Bilder: H. Röthlisberger

Äusserst leise Kabine JCB Agri Schweiz hat an den Fahrtagen im Mai in Burgäschi SO erstmals die Teleskoplader der «Serie III» vorgestellt. Für eine Fahrprobe stand unter anderem der neue «536-95 AgriPro» mit 9,5 m Hubhöhe bereit. Heinz Röthlisberger

Mehr Hubkraft und eine völlig neu entwickelte Kabine. Das sind die wesentlichen Neuerungen der neuen Teleskoplader der «Serie III» von JCB. Die Serie umfasst vier Lader mit 109 bis 145 PS (81 kW bis 108 kW), 6,2 bis 9,5 m Hubhöhe und 3,2 bis 6,0 t Hubkraft. Das sind für jedes Modell 200 kg mehr Hubkraft als im Vergleich zu den Vorgängern. Unverändert bleibt die Motorisierung mit dem hauseigenen «EcoMax»-Motor mit 4,4 Liter bzw. 4,8 Liter Hubraum. An den Fahrtagen Anfang Mai auf dem Burghof in Burgäschi SO konnte sich die «Schweizer Landtechnik» ein Bild des neuen «536-95 AgriPro» mit 145 PS Leistung machen. Er tritt die Nachfolge des «535-95» an (siehe auch «Schweizer Landtechnik, Nr. 2/2019).

AgriPro mit «DualTech»-Getriebe Zur Auswahl stehen auch bei der neuen «Serie III» unterschiedliche Getriebe- und Ausstattungsvarianten. Das Hauptmerkmal 24

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

der «AgriPro»-Modelle ist das «DualTech VT»-Getriebe mit kombiniertem hydrostatischem Antrieb und Dreigang-Direktgetriebe, das JCB seit gut drei Jahren verbaut. Die Schaltung dafür ist in den Joystick integriert und hat je einen hydrostatischen Vorwärtsund Rückwärtsgang sowie drei Power­shiftVorwärtsgänge. Neu sind die mit der Fingerkuppe zu bedienenden Wippschalter für Motordrehzahl und Fahrgeschwindigkeit am Ende der Armlehne angebracht.

Niveauregulierung «Sway» Der in Burgäschi vorgestellte «536-95 AgriPro» ist etwas über 8,8 t schwer, hat eine Hubkraft von 3600 kg und eine Hub-

höhe von 9,5 m. Damit ist der Lader das Fahrzeug aus der Serie mit der höchsten Hubhöhe. Die Absetzhöhe gibt JCB mit 8,78 m an, die Reichweite bei 1000 kg Last mit 5 Meter. Optional gibt es die hydraulische Niveauregulierung «Sway» an der Vorderachse zum präzisen Absetzen der Ladung. Hingegen in Serie gibt es die Druckentlastung für den Anbaugerätewechsel, die sowohl in der Kabine wie auch aussen an der Maschine bedienbar ist. Die Hydraulik schöpft 140 Liter Öl pro Minute. Sehr gut zeigte sich damit jedenfalls die Reaktionsfreudigkeit beim Einund Ausfahren des Auslegers sowie bei der Bedienung der Silozange.

JCB «Serie III» Modell

«532-70»

«536-95»

«538-60»

«542-70»

Hubkraft

3,2 t

3,6 t

3,8 t

4,2 t

Hubhöhe

7,0 m

9,5 m

6,2 m

7,0 m


Fahrbericht | Impression

Man hört fast nichts

Gewölbte Verglasung nach oben

Auffälligstes Merkmal der neuen «Serie III» ist, wie schon eingangs erwähnt, die Kabine: Schon der erste Blick in die Kabine zeigt: Hier muss es einfach bequem sein. Und so ist es auch. Die «Command Plus»-Kabine, die JCB für die neuen Tele­ skoplader der «Serie III» vollständig neu entwickelt hat, bietet sehr viel Fahrerkomfort. Eindrücklich ist der tiefe Lärmpegel in der Kabine, die gegenüber den Vorgängermodellen um 12 Prozent grös­ ser geworden ist und damit auch mehr Glasfläche bietet. JCB spricht beim Lärm von gerade mal 69 Dezibel. Ein Wert, der in dieser Klasse einmalig sei und der sofort feststellbar ist. Als Fahrer hört man Motor nur stark gedämpft. Erreicht wird dies etwa mit einem vollverkleideten Innenraum und Türdichtungen aus Gummi. Wer gerne mehr Motorengeräusch hört, der kann den oberen Teil der zweiteiligen Türe öffnen.

Mehr Sicht gibt es auch nach oben. Dafür sorgen einerseits die einteilige, gewölbte Verglasung der Frontscheibe über das Dach und andererseits die angewinkelten Querträger des innenliegenden «Fops»Schutzrahmens. Eine gute Sicht gibt es auch nach rechts dank tief angesetztem Ausleger und der kompakt gebauten Motor­ haube. Unverändert ist der elek­ trohydraulische Joy­ stick, der entweder rechts vom Fahrersitz oder am luftgefederten Sitz selbst zur Auswahl steht. Das frühere Kippschalterfenster aber ist robusten Schaltergruppen mit Gummimembranen gewichen.

Neues Display Neu ist auch das Tablet-ähnliche 7-Zoll-Display, das sozusagen «schwebend» bei der rechten Kabinensäule angebracht ist. Was bei nasskaltem Wetter und im Winter nicht unwesentlich ist: Mit dem «AutoDefros-

Die vollständig neu entwickelte Kabine ist äusserst leise, bietet viel Fahrerkomfort und ist im Vergleich zu den Vorgängermodellen auch grösser geworden.

ter»-Schalter kann die im Vergleich zu den Vorgängermodellen leistungsfähigere Klimaautomatik automatisch auf über 60 Prozent schnelleres Entfeuchten und Ent­ eisen eingestellt werden. Vier Scheiben­ wischer mit Waschdüsen halten die ganze Glasfläche frei. Eine fünfte Wischeinheit reinigt das Heckfenster. Die Türe ist zweiteilig gebaut. Wer gerne den Motor in voller Lautstärke hören will, kann die obere Hälfte der Türe öffnen.

Fazit Mit der neuen «Serie III» und der damit eingeführten vollständig neuen Leise-Kabine hat Hersteller JCB den Fahrerkomfort bei Teleskopladern auf ein sehr hohes Niveau gesetzt. Wer auf seinem Betrieb lange Arbeitstage für den Güterumschlag absolvieren muss und einen Teleskoplader der 8-Tonnen-Gewichtsklasse mit hoher Leistung ins Auge fasst, für den lohnt es sich, die neuen Lader der «Serie III» einmal genauer anzuschauen. Zumal die Auswahl an Ausstattungsoptionen und Motorisierung etliche Möglichkeiten zur Verfügung stellt. 

Dank tief gehaltenem Ausleger und Motor ist eine gute Sicht nach rechts möglich.

Steckbrief JCB «536-95 AgriPro» Motor: JCB «EcoMax» «Stufe IV», 4,8 l Hubraum, 4 Zylinder Leistung bei 2200 U/min: 145 PS/108 kW Getriebe: «DualTech VT» Hydraulik: 140 l/min Hubkraft: 3600 kg Hubhöhe: 9,5 m (Absetzhöhe: 8,78 m) Reichweite bei 1 t Last: 5,08 m Lenkung: Zweirad-, Vierrad- und Hundeganglenkung Gewicht: 8820 kg Masse: H: 2,49 m, B: 2,34 m, L: 4,99 m Preis: CHF 157 229.– inkl. MwSt. (Herstellerangaben) Das Cockpit mit dem neuen 7-Zoll-Display und dem elektrohydraulischen Joystick.

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Impression | Fahrbericht

Der Rapid «Multi-Twister 220» im Testeinsatz. Das vom Pick-up aufgenommene Futter wird vom Förderband aktiv zur Seite transportiert.

Multitalent für Berg und Tal Die neueste Generation «Multi-Twister» überzeugt im Test mit drei Optionen. Er ist noch vielseitiger und leistungsfähiger als seine Vorgänger. Ein wenig Verbesserungspotenzial kam trotzdem zum Vorschein. Johannes Paar* Der «Multi-Twister» stellt die dritte Generation in der «Twister»-Entwicklung von Rapid dar. Ein zusätzliches Querförderband sowie die Optionen Aufbaugitter, flexible Seitenteile und Rollen-Niederhalter erweitern das Einsatzspektrum deutlich. So hat sich der ursprüngliche «Twister» vom reinen Steilhang-Abräumgerät für Heu zum Multitalent entwickelt: Mit ihm lässt sich verschiedenartiges Futter von Heu bis Silage abräumen, bergauf und bergab schwaden und bei Bedarf auch transportieren. Und das nicht nur am Steilhang, sondern auch in der Ebene. Das Herzstück aller heutigen Twister ist die ungesteuerte Pick-up mit flexiblen Kunststoffzinken.

An «Monta S 161» Für diesen Test stellte uns Rapid den «Multi-Twister 220» mit dem Einachsgeräteträger «Monta S 161» zur Verfügung. Der Anund Abbau erfolgt werkzeuglos mit der *Der Autor ist Chefredaktor beim österreichischen Fachmagazin «Landwirt».

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Schweizer Landtechnik 6/7 2019

bekannten «Rapid-Schnittstelle», bestehend aus dem Anbaustutzen und dem Verriegelungsbolzen. Er lässt sich auch an alle 16 PS starken Motormäher der Serie «Varea» sowie an den «Orbito» und an den «Euro» anbauen. Ab sofort gibt es auch den «Multi-Twister 190». Dieser ist bereits ab den 14-PS-Modellen kompatibel.

Top-Rechqualität Die Pick-up nimmt das Futter sauber und restlos auf. Die Rechhöhe lässt sich mit zwei Hebeln und einer Lochleiste in acht Stufen an der linken und rechten Geräterückseite verstellen. In der obersten Stellung ist der Abstand zwischen Boden und Pick-up-Zinken ausreichend gross, sodass beim Verladen des Gerätes auf einen Anhänger oder bei Überstellungsfahrten auf unebenen Wegen keine Schäden entstehen. In der untersten Position werden die Räder vom Gerät selbst «blockiert». Diese Stellung dient daher als Parkstellung. «Die roten Kunststoffzinken passen sich im Gelände gut an und verletzen die Grasnarbe

nicht. Sie reissen keine Erde und Wurzeln heraus. Auch die Abstreifer zwischen den Zinken und die Welle sind aus Kunststoff. Auch die Sicht auf die Pick-up wurde beim «Multi-Twister» verbessert. Das Räumschild ist nicht wie bisher aus Blech, sondern aus Plexiglas. Eine oft gestellt Frage lautet: Wie lange halten die Kunststoff­ zinken? Im Test hielten die Zinken stand: Nichts verbogen, nichts gebrochen und nichts verbeult. Das gilt auch für die Abstreifer. Der Kunststoff ist unserer Erfahrung nach nicht nur elastisch, sondern auch extrem widerstandsfähig.

Aktiver Abtransport Der bisherige «Twister» funktionierte nur bei geneigten Flächen. Das Futter rutschte nur durch die Schwerkraft nach unten. Zudem musste man in den meisten Fällen mit einem Handrechen einen kleinen «StartSchwad» formen, um Haufenbildung zu vermeiden. Der «Multi-Twister» transportiert das von der Pick-up aufgenommene Futter mit einem Querförderband aktiv zur


Fahrbericht | Impression

Seite. Das Förderband besitzt Querstege, damit das Gut sicher erfasst und abtransportiert wird. Daher kann er ohne vorgeformten Schwad starten, und das auch in der Ebene. Es kann sowohl nach links als auch rechts laufen oder stillstehen. Der Richtungswechsel erfolgt mit einem lastschaltbaren Getriebe, das mit einem Seilzughebel betätigt wird. Auf holprigen Böden hat der Umschalthebel manchmal «nachgegeben» und selbstständig die Richtung gewechselt – ein Wermutstropfen dieser sonst einfachen Umschaltmöglichkeit.

Eine wichtige Neuerung ist auch der optionale Rollen-Niederhalter. Er verbessert vor allem bei wenig Masse den Futterfluss. Kurzes Gras kann damit nicht nach oben ausweichen und wird nicht vor dem Gerät

hergeschoben. Die Höhe lässt sich mit zwei Spannschlössern verstellen. Bei grossen Futtermengen kann die Walze mit der gesamten Aufhängung nach oben ausweichen. Bei der Heuernte und grossen Futtermengen ist sie störend und wäre am Steilhang zudem unnötiges Gewicht. Man kann sie daher auch mit wenigen Hand­ griffen werkzeuglos abbauen. Eine zweite Person sollte mithelfen. Bei häufig wechselnden Einsatzbedingungen wäre es von Vorteil, wenn man die Walze nicht gleich abmontieren müsste, sondern einfach hochhängen könnte. Weitere Zusatzfunktionen und Optionen machen den Twister zum «Multi». So verhindern z. B. die auf Wunsch erhältlichen Zinkenabweiser an beiden Seiten, dass Futter auf das Trägerfahrzeug fällt oder sich um die Räder wickeln kann.

Der Richtungswechsel erfolgt mit einem lastschaltbaren Umkehrgetriebe.

Die Zinkenabweiser und der Rollen-Niederhalter sind als Option erhältlich.

Rollen-Niederhalter

Aufbaugitter bei viel Heu Bei grossen Heumengen besteht die Gefahr, dass auch oben über die PlexiglasRückwand Futter auf den Motormäher fällt. Um das zu verhindern, gibt es optional ein Aufbaugitter aus Stahl. Bei viel Heu ist das ein Muss. Die Multifunktionalität dieses Twisters mit den vielen prak­ tischen Optionen gibt es nicht zum Schnäppchenpreis: Der gut ausgestattete Testkandidat kostet über CHF 15 360.− inkl. MwSt. Der «Multi-Twister» 220 passt auch zu den Reform-Mähern «RM16», «RM18», «RM20» und zum «RM25».

Steckbrief Rapid «Multi-Twister 220» Test-Trägerfahrzeug: Rapid «Monta S 161» Arbeitsbreite: 220 cm Pick-up: flexible Kunststoffzinken, Kunststoffabstreifer, Mittenantrieb Zinkenabstand: 35 mm Tiefenführung: höhenverstellbare Zwilling-Tasträder, 8 Stufen + Parkstellung Seitenteile: Option mit Transport- und Abweisefunktion Rollen-Niederhalter: Option, werkzeuglos abnehmbar Aufsatzgitter: Option Gewicht (mit Optionen): 205 kg (270 kg) Preis: CHF 12 710.– inkl. MwSt. (Serienausstattung) Preis: CHF 15 360.– inkl. MwSt. (Test­ ausstattung (Herstellerangaben)

Bewertung

Die Zwilling-Tasträder für die Tiefenführung lassen sich beidseitig mit einem Handhebel und einer Lochleiste in der Höhe verstellen.

Beim Abräumen grosser Futtermengen von Steilhängen ist das optionale Aufbaugitter ein Muss.

+ kompakte und leichte Bauweise + Multifunktionalität: abräumen, schwaden, transportieren + für Heu und Silage geeignet + Querförderband mit lastschaltbarer Wendeschaltung + lockere Schwadbildung + hohe Schlagkraft + Kunststoff-Pick-up + gute Bodenanpassung + unempfindlich gegen Steine + saubere, schonende Futteraufnahme + Rollen-Niederhalter für kurzes Gras + Aufsatzgitter für grosse Heumengen – Wendeschalthebel schaltet auf holprigem Untergrund selbsttätig um – Hebel für Tiefeneinstellung bleibt nicht immer in der Raste – bei bestimmtem Welkegrad kann im Aussenbereich der Pick-up Gras hängen bleiben

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Impression | Einsatzbericht

Die «Comprima CF 155 XC» kommt in modernem Design mit abgerundeten Formen daher. Bilder: R. Burkhalter

Fest und doch variabel Die Rundballenpresse «Comprima CF 155 XC» ist dank «NovoGrip»-Gurtstabförderer und semivariabler Kammer eine der vielseitigsten Presswickelkombinationen auf dem Markt. Die Version 2019 hat einige Neuerungen im Gepäck. Ruedi Burkhalter «Wir waren bereits mit dem Vorgänger sehr zufrieden», sagt Yann Rossé. Der Landwirt aus Court im Berner Jura hat im Mai eine neue Presswickelkombination vom Typ Krone «Comprima CF 155 XC» in Betrieb genommen. Der Wechsel zur Version 2019 erfolgte insbesondere, weil diese mehrere technische Neuerungen bietet, so etwa die inzwischen auf dem Markt etablierte Mantelfolienbindung sowie neue Möglichkeiten bei der Überwachung und Steuerung der Maschine.

«NovoGrip» sorgt für Laufruhe Als Krone 2007 die erste Generation der Baureihe «Comprima» vorstellte, sorgte dies für viel Aufsehen. Einerseits wurde mit dem Stabgurtförderer «NovoGrip» ein neuartiges Pressorgan vorgestellt, anderseits sind die Modelle «F 155 XC» und «CF 155 XC» die bis heute einzigen Rundballenpressen mit semivariabler Presskammer auf dem Markt. «NovoGrip» ist eine Weiterentwicklung der von Krone verwendeten Stabkette. Anstelle einer Kette wird jedoch mit höchst belastbaren Gummigewebegurten 28

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gearbeitet. Im Kern der Gurten sorgen drei reissfeste Kunststoffgewebeeinlagen für die erforderliche Stabilität. Darauf sind beidseitig stark profilierte Gummilagen vulkanisiert, die einerseits für einen sehr ruhigen Lauf, anderseits für eine zuverlässige Übertragung der Antriebsleistung sorgen. Die Querstäbe aus Stahlprofil sind über Stabhalter mit den Gurten verschraubt. Die Stabhalter liegen geschützt in der Profilierung der Gurten, so dass ein Kontakt Metall auf Metall ganz vermieden wird. Dadurch ist «NovoGrip» völlig wartungsfrei und arbeitet mit geringem Verschleiss. Dass der Hersteller volles Vertrauen in dieses System setzt, zeigt die Garantie von drei Jahren oder maximal 30 000 Ballen. Tests haben gezeigt, dass «NovoGrip» mit allen Arten von Erntegut zurechtkommt, weil die Verzahnung des Ernteguts mit den Querstäben auch bei schwierigem Material einen zuverlässigen Start der Ballendrehung gewährleistet. Aufgrund der geschlossenen Ballenkammer punktet die «Comprima» in Bezug auf Bröckelverluste.

Festkammer mit Spielraum Die «Comprima CF 155 XC» arbeitet grundsätzlich nach dem Festkammerprinzip und verdichtet das Erntegut von aussen nach innen. Zu Beginn des Pressvorgangs wird der umlaufende Stabgurtförderer über Stahlrollen geführt, so dass die Kammer zuerst eine eckige Form hat. Sobald das Erntegut im Verlauf des Pressvorgangs einen gewissen Druck auf den Stabgurtförderer ausübt, drückt dieser gegen einen Spannmechanismus mit grossen Stahlfedern, die Gurten heben sich von den Führungsrollen ab und die Ballenkammer wird zu einer runden Form ausgedehnt. Dabei bewegt sich die Spannschwinge gegen die Presskammer zu und kompensiert so die zunehmend im Innern der Presskammer benötigte Gurtlänge. Die Endposition der Spannschwinge lässt sich nun durch Umstecken von zwei Bolzen in kurzer Zeit in sechs Positionen verstellen. Somit sind in 5-cm-Schritten sechs Ballendurchmesser von 125 bis 150 cm einstellbar. Dieses Konzept der semivariablen Kammer vereint den Vorteil der einfachen Bauweise


Einsatzbericht | Impression

In der semivariablen Kammer wird der Ballen durch den «NovoGrip»-Stabgurtförderer geformt, ist zuerst eckig, dann rund.

der Festkammerpresse mit dem variablen Ballendurchmesser.

Pickupzinken verteilen Erntegut Krone setzte bei der «Comprima» von Beginn weg auf das ungesteuerte «EasyFlow»-Pickup, das sich durch wenig bewegliche Teile und somit geringen Wartungsaufwand und einen ruhigen Lauf auszeichnet. Neu bei dieser Variante ist, dass die 6-mm-Doppelzinken in einem Abstand von 55 mm w-förmig auf dem Pick­up angeordnet sind. Dies hat den Vorteil, dass die Zinken nicht gleichzeitig eingreifen, was Belastungsspitzen vermeidet. Vor allem aber wird der Futterfluss ver­ bessert. Das Erntegut gelangt gleichmässig statt stossweise in den Schneidrotor. Zusätzlich wird das Futter durch die gewendelte Form auf die gesamte Breite des dreireihigen Schneidrotors mit 530 mm Durchmesser verteilt. Die mechanische Verstellung der Messeranzahl über zwei Schaltwellen ist serienmässig. Optional gibt es eine Messergruppenschaltung. Für die Beseitigung von Verstopfungen lässt sich der Schneidboden absenken, wobei die Messer automatisch auch ausgeschwenkt werden. Der Ein- und Ausbau der Schneidmesser erfolgt bei nach unten geschwenktem Schneidboden. Zum Entrie-

Die Zinken der fünfreihigen Pickup sind neu w-förmig angeordnet.

geln werden alle Federn der Einzelmessersicherung gleichzeitig über eine zentrale Welle entlastet. Landwirt Rossé hat sich für die optional verfügbare Mantelfolienbindung entschieden. Diese schiesst die Mantelfolie zu Beginn des Bindevorgangs auf der ganzen Breite ein, was im Unterschied zu Modellen mit Zopfbildung einen geringeren Folienverbrauch bedeutet. Der Wechsel von Folien- zu Netzbindung und umgekehrt ist jederzeit einfach durchführbar. Die Rollen befinden sich dazu auf praktischer Brusthöhe. Durch aktiv geführte Messer wird ein exakter Folienschnitt auf der ganzen Breite erzielt. Die Folienbindung funktionierte bereits beim ersten Praxiseinsatz störungsfrei, ohne dass dazu die Werkseinstellungen angepasst werden mussten.

Sensor ersetzt Mechanik Bisher ermittelte das Steuerungssystem der Maschine über mechanische Klappen, wann sich ein Ballen auf dem Wickeltisch befindet. «In den stärksten Hanglagen kam es mit diesem System gelegentlich zu Problemen», berichtet der Landwirt. Neu übernimmt diese Aufgabe ein über dem Wickeltisch angebrachter Ultraschall-Sensor. Zu erwähnen ist auch die Ballenübergabe von der Presskammer auf den Wickeltisch. Dieser muss dank kompakter Bauweise nicht mit einem störungsanfälligen Verschiebemechanismus versehen werden. Vor der Ballenübergabe wird der Tisch nach vorne gekippt, so dass der Ballen mit der Unterstützung eines hydraulischen Ballenhebers sicher in die tiefe Mulde rollt. Dank der guten Seitenführung hat Rossé auch in Hanglagen nun keine Probleme bei der Ballenübergabe.

Lückenlose Überwachung Die Überwachung des Binde- und Wickelvorgangs hat für Rossé in Hanglagen eine besonders grosse Bedeutung. Er hat sich

Der Wickeltisch wird für die Ballenübergabe nach vorne geneigt.

deshalb bei der Bedienung für die höchste Ausstattungsstufe entschieden. Seit 2010 sind alle «Comprima»-Modelle Isobus-kompatibel und können grundsätzlich auch über ein Traktor-Terminal bedient werden. Weiter stehen mit «Beta II» und «Delta» zwei einfachere Terminals mit Folientastatur zur Auswahl. Rossé hat sich jedoch für das «CCI 1200» entschieden, das mit einem grossen 12-Zoll-Farbdisplay mit Touchfunktion keine Wünsche offen lässt. Rossé teilt diesen Bildschirm in zwei Ansichten. In der rechten Hälfte wird jeweils der Status des Pressvorgangs angezeigt, in der linken Hälfte eine Ansicht der beiden installierten Kameras. Praktisch ist dabei, dass die Steuerung automatisch zwischen den beiden Kameraansichten wechselt: Vor der Ballenübergabe wird auf die zweite Ansicht gewechselt, welche die Ballenübergabe und den Wickelvorgang anzeigt. 

Das «CCI 1200» zeigt dem Fahrer neben dem Pressenstatus auch eine Kameraansicht an.

Steckbrief Krone «Comprima CF 155 XC» Ballendurchmesser: 125 bis 150 cm in 5-cm-Schritten Pickup: 5 Reihen ungesteuert, w-förmige Anordnung, Arbeitsbreite 2,15 m Schneidrotor: Durchmesser 530 mm, zwei Schneidwerksoptionen 17 und 26 Messer (jeweils in 2 Gruppen schaltbar) Antrieb: Verteilergetriebe, links Presskammer, rechts Schneidrotor und Pickup, Leistungsbedarf: ab 81 kW / 110 PS Hydraulik: Bordhydraulik plus 1 EWSteuerventil vom Traktor Abmessungen: Länge: 6,57 m; Breite: 2,61 m. Gewicht: 6000 kg Preis: ab CHF 88 500.– (inkl. MwSt.) (Herstellerangaben)

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Impression | Testbericht

Von aussen ist der Elektro-Bobcat kaum von der Originalversion mit Dieselmotor zu unterscheiden. Bilder: R. Burkhalter / zvg

Vollgas ohne Abgas Die Elektromobilität macht vor den Stalltüren nicht halt. Gerade im Innenbereich, wo man Maschinen wie diesen getesteten Bobcat «e-S70» einsetzen kann, ist das Arbeiten ohne Abgase sinnvoll. Ruedi Burkhalter Der von A. Leiser AG (Reiden LU) umgebaute «e-S70» ist der erste Kompaktlader von Bobcat mit rein elektrischem Antrieb. Die «Schweizer Landtechnik» hatte Gelegenheit, den Frischling im landwirtschaftlichen Einsatz ausgiebig zu testen. Die Maschine hat das Werk noch als herkömmlicher «S70» mit Dieselmotor verlassen. Hinter dem «Leiser Electric Power System» liegt mehr als einfach nur die Idee, auf Hof und Baustelle mit Akku arbeiten zu können: Im Rahmen einer Partnerschaft mit der Firma «Ecocoach Switzerland» können bereits heute auf Wunsch Lösungen für die elektrische Zukunft angeboten werden.

Identisches Äusseres Der «e-S70» in klassischer Panzerlenkerbauweise passt bei einer Breite von 91 cm durch fast jede Türe, kann deshalb im Innenbereich eingesetzt werden, wo ein abgasfreies Arbeiten Sinn macht. Äusser30

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lich unterscheidet sich der «e-S70» praktisch nur durch das grüne «e» in der Typenbezeichnung von der Diesel-Variante – abgesehen von zwei vor den Fusspedalen angebrachten Frontgewichten. Mit diesen Gewichten wird das schwerer gewordene Heck ausgeglichen. Im Heckraum ist eine ganze Menge Technik kompakt untergebracht. Einzig der Fahrantrieb mit Tandem-Kolbenverstellpumpen und zwei Hydromotoren sowie die Systemhydraulik sind vom Original erhalten geblieben. Verbaut sind zwei Lithium-Ionen-Akkupakete, ein 35-kW-Elek­ tromotor, ein elektronisch gesteuertes Batteriemanagementsystem mit Inverter und das Ladegerät. Der originale Ölkühler ist durch einen intelligenten, temperaturabhängig gesteuerten Kühler ersetzt. Der eingebaute 35-kW-Elektromotor mit elektronischer Leistungsregelung kann bei Leistungsspitzen maximal 340 A aufnehmen und erzeugt ein maximales

Drehmoment, das höher liegt als beim originalen 22,5-PS-Motor. Das ist beim Einsatz gut zu spüren: Entgegen anfänglichen Bedenken der Testfahrer lässt sich der «e-S70» auch auf trockenem, rauem Untergrund mühelos auf der Stelle wenden. Allgemein konnte die Maschine beim Ausmisten mit Krokodilzange überzeugen. Nur die maximale Fahrgeschwindigkeit von 8 km/h und die Hydraulikleistung von 30 l/min fallen aufgrund der etwas tieferen Maximaldrehzahl des Elektromotors etwas tiefer aus, was aber im Einsatz nicht gestört hat.

Akkutechnik mit Sicherheitsinnovation Als Stromquelle nutzt der Lader zwei Lithi­ um-Ionen-NMC-Akkus mit 48 Volt Spannung und einer Speicherkapazität von je 200 Ah oder 10 kWh. Der Zusatz «NMC» steht für Nickel-Mangan-Cobalt, Metalle, die den Akkus «beigemischt»


Testbericht | Impression

Ladevarianten Ladegerät

Spannung

Absicherung

Klein

230 V

16 A

Ladeleistung 3,5 kW

Ladezeit

Klein

380 V

32 A

7 kW

ca. 2.5

Gross

380 V

32 A

20 kW

ca. 1.25

ca. 7

werden. Diese Akku-Art zählt heute zu den am häufigsten genutzten Stromspeichern für Elektroautos und zeichnet sich durch eine hohe Energiedichte sowie eine niedrige Selbsterhitzung beim Laden und Entladen aus. Leiser verspricht eine AkkuLaufzeit von 3 Stunden bei konstant hoher Belastung und bis 4,5 Stunden bei leichtem Stapler- oder Schüttgutbetrieb. Im Praxiseinsatz konnten diese Zahlen bestätigt werden: Nach dem ersten dreistündigen Dauereinsatz beim Ausmisten stand die Akkuanzeige noch bei 34 %.

beiden Varianten nicht abwechslungsweise genutzt werden können. Laut Leiser ist dies technisch nicht machbar. Zwar ist ein Wechsel möglich, jedoch muss dazu erst die Software der Ladesteuerung angepasst werden. Anwender, denen 2,5 Stunden Ladezeit zu langsam sind, können ein grösseres Ladegerät mit bis zu 20 kW Leistung auswählen. Allerdings findet dieses dann nicht mehr im Motorraum Platz, sondern muss entweder hinter der Heckklappe oder auf dem Dach angebracht werden.

Drei Ladegeräte

Bewährtes bleibt erhalten

Zum Aufladen der Akkus kann man zwischen drei Varianten wählen, wobei immer ein fest im Fahrzeug verbautes Ladegerät zum Einsatz kommt. Das Testfahrzeug war mit dem kleineren Ladegerät ausgerüstet, das im Motorraum Platz findet. Mit diesem Gerät kann man entweder über einen 230-V-Anschluss mit 16-A-Absicherung oder mit 380 V laden. Die im Test eingesetzte 230-V-Variante ist nur dann zu empfehlen, wenn nicht an allen Einsatzorten ein 380-V-Anschluss zur Verfügung steht. Denn mit 7 Stunden Ladezeit wird es mit dem «Aufladen in der Mittagspause» definitiv nichts. Im Test wurde die Ladezeit von 7 Stunden deutlich überschritten, was aber laut Leiser mit der Feineinstellung der Ladesoftware an der Maschine inzwischen behoben wurde. Mit der 380-V-Variante ist in der Mittagspause schon eine grössere Teilladung möglich. Bedauerlich ist, dass diese

Was die allgemeinen Eigenschaften des «e-S70» anbelangt, gilt im Wesentlichen, was die «Schweizer Landtechnik» bereits im September 2017 in einem Vergleichstest ermittelt hat: Durch den ganz hinten am Fahrzeug angebrachten Schwingendrehpunkt bietet der Bobcat eine Kombination von hoher Leistung, Kompaktheit und einer Hubhöhe von 240 cm, was in der Kategorie der Minilader einzigartig ist. Das für einen Minilader hohe Gewicht von über 1300 kg bei nur 269 cm Gesamtlänge mit Krokodilzange zeigt, dass es sich hier um eine robuste Baumaschine handelt, die für den schweren Dauereinsatz gebaut wurde. Für den Fahrer ist die Bedienung der Elektroversion bei wenigen Ausnahmen identisch mit der Dieselvariante. Die Steuerung des Fahrantriebs erfolgt über zwei lange Fahrhebel mit einem präzisen Zen­ triermechanismus. Der Rückhaltebügel, der für die Aktivierung der Fahr- und Arbeitshydraulik fest eingerastet sein muss, dient zugleich als praktische und komfortable Abstützung für die Unterarme. Das Bedienungskonzept umfasst weiter Fuss­ pedale für die Hub- und Kippfunktion. Für weniger gelenkige Personen kann das Betreten der Kabine eine recht anstrengende Angelegenheit sein.

Systemstart «step by step»

Bei geöffneter Heckklappe sind die zwei Akkus und rechts davon das Ladegerät sichtbar, nicht aber der Elektromotor.

Der ursprüngliche Handgashebel ist zwar noch vorhanden, jedoch ohne Funktion. Dafür kann man die Drehzahl des Elektromotors stufenlos an einem Potenziometer verstellen. Etwas anders läuft das Starten

Im Führerstand erinnern nur das Potenziometer zur Drehzahlregelung und die Akkuanzeige daran, dass man im E-Bobcat sitzt.

ab. Zunächst wird der Zündschlüssel um eine Position nach rechts gedreht. Dann muss der Fahrer etwa 5 Sekunden warten, bis die Elektroniksysteme aufgestartet sind. Erst dann wird mit einer weiteren Zündschlüsselbewegung nach rechts der Elektromotor gestartet. Übrigens benötigt der «e-S70» noch eine zusätzliche kleine Starterbatterie, denn der AkkuStrom steht erst nach dem Systemstart zur Verfügung. Was den Fahrerschutz und allgemein die Arbeitssicherheit anbelangt, ist der Bobcat unter den Miniladern der unbestrittene Leader. Im robusten «Käfig» mit Haltebügel ist der Fahrer gegen alle erdenklichen Gefahren optimal geschützt.

Steckbrief Bobcat «e-S70» Systemleistung: 20 kW Akku: 2 × Lithium-Ionen-NMC à 48 V DC / 200 Ah / 10 kWh. Lebenserwartung bis 3000 Ladezyklen. Laufzeit: 3 bis 4,5 h Motor: Drehzahl 500 bis 2200 U/min, stufenlos über Potenziometer regelbar, maximales Drehmoment: 55 Nm. 96 V Gesamtspannung / 35-kW-Motor mit Leistungsregelung maximale Stromaufnahme 350 A Förderleistung Hydraulik: Bis 30 l/min für den Betrieb von 20 verschiedenen Anbaugeräten Systemdruck: 200 bar Fahrgeschwindigkeit: 0 bis 8 km/h (stufenlos über Hydrostat) Betriebsgewicht: 1310 kg (inkl. Fahrer und Schaufel) Transportgewicht: 1150 kg Länge/Höhe: 1925 mm ohne Werkzeug / 1814 mm Breite: 725 mm ohne Räder, ab 901 mm mit Bereifung Kipplast: 700 kg Preis Testmaschine: CHF 53 740.– (inkl. MwSt.) (Herstellerangaben)

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Impression | Testbericht

«‹Leiser Electric Power System› ist ein modular aufgebautes System» Schweizer Landtechnik: Wie ist das Projekt «Leiser Electric Power System» entstanden? Matthias Anliker: Das Projekt entspricht unserer Unternehmensstrategie mit dem Ziel, unseren Kunden mit eigenen Innovationen und Produktentwicklungen Wettbewerbsvorteile und Mehrwerte zu verschaffen. Das «Leiser Electric Power System» ist ein modular aufgebautes System, bei dem Maschinen aus unserem Bobcat-Programm, aber bald auch Manitou und Giant, mit alternativer Antriebstechnologie ausgestattet werden. Dem Kunden wird nicht nur eine elektrisch betriebene Maschine, sondern eine Gesamtenergielösung angeboten, mit dem Ziel, dass die Kunden ihren selbst produzierten Strom bestmöglich einsetzen können. Wie ist die Partnerschaft mit dem Akku-Lieferanten Ecocoach definiert? Ecocoach und Leiser AG sind eine Partnerschaft eingegangen. Leiser AG ist Importeur der Fahrzeuge und ist für den Umbau von A bis Z, die Vermarktung, den Vertrieb und die Betreuung der Fahrzeuge verantwortlich. Ecocoach ist über deren Division Ecovolta Engineering-Partner und auch Batterielieferant sowie weiterer Komponenten. Was braucht es, damit man eigenen Solarstrom nutzen kann? Eine möglichst vollständige Nutzung von selbst produziertem Strom erfordert ein komplexes Energiemanagementsystem mit Batteriespeicher und Verbrauchsoptimierung, das folgende Funktionen bietet: • Verbrauchsoptimierung: Über den Tag Energie speichern (bis 65 kWh in integrierten Akkupaketen), dann diesen in der Nacht oder an Regentagen abgeben. • Energiemanagement: Gezielte Ansteuerung von verschiedenen (zusätzlichen) Verbraucher-Einheiten bei vollen Akkus und weiterer Stromproduktion. • Not-Strom-Funktion: Aufbau eines eigenen Netzes bei Wegfall externer Stromanschlüsse. Mit vollen Akkus im Schaltschrank mit der Gesamtleistung von 65 kWh könnte in einem solchen Fall problemlos auch die Melkmaschine betrieben werden. • Lastspitzenmanagement: Brechen von Stromspitzen über Akku-Strombezug für einen gleichmässigeren Gesamtenergiefluss. • Schnittstelle «Smart Home / Smart Company» mit kompletter Verwaltung und Steuerung der elektrischen Verbraucher über eine App auf dem Smartphone.

Fazit Der Bobcat «e-S70» hat im Praxistest vor allem dank seiner Leistungsfähigkeit positiv überrascht. Kurz zusammengefasst kann man mit der Elektro-Variante mindestens so gut arbeiten wie mit der Dieselvariante. Die hohe Motorleistung geht aber zu Lasten der Laufzeit. 3 bis 4 Stunden reichen für die tägliche Stallarbeit problemlos aus, jedoch muss bei längeren Einsätzen wie dem Ausmisten grösserer Ställe oder bei Abbruch- und Bauarbeiten aufgrund des Nachladens anders geplant werden. Das wird man aber in vielen Fällen als Preis für das völlige Wegfallen von Abgasen gerne in Kauf nehmen. Im Vergleich 32

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Wirkt sich das Laden mit der schnellsten Ladevariante negativ auf die Lebenserwartung der Akkus aus? Nein, man ist damit immer noch unter 1C. Das heisst, auch mit dem grossen Ladegerät mit der Ladeleistung ist man nicht über der Gesamtleistung der Batterie. Somit ist die Lebensdauer der Batterie auch mit dem grossen Ladegerät nicht negativ beeinträchtigt. Wie wirken sich Entladungsrate und Teilladungen auf die Lebenserwartung der Akkus aus? Das Batteriemanagement-System schützt die Batterie vor Tiefenentladung oder Überladung und steuert entsprechend auch den Ladevorgang in Abhängigkeit der Temperatur der Batterie. Teilladungen sind kein Problem für die Batterie und führen nicht zu einer Verringerung der Lebensdauer. Bei längeren Standzeiten sollte die Batterie­ladung möglichst um 50 % liegen. Wie sieht es bei Temperaturen unter –10 °C aus? Der Einsatzbereich der Maschine liegt zwischen –10 und +40 °C. Dies bezieht sich vor allem auf die Temperatur der Batterie. Kurzfristige Einsätze auch unter –10 °C sind kein Problem, sofern die Temperatur der Batterie in diesem Grenzbereich liegt. Klassisches Beispiel dazu wäre, dass die Maschine über Nacht im Stall steht und dann am Morgen bei –15 °C für einen Einsatz im Aussenbereich verwendet wird. Solche Einsätze sind kein Problem. Mit welchen Kosten ist beim Akku-Ersatz zu rechnen? Für ein komplettes Akku-Paket ist mit rund CHF 16 000.− (exkl. MwSt.) zu rechnen. Mit einer Lebensdauer von bis zu 3000 kompletten Ladezyklen, dem optimalen Schutz der Batterie durch das integrierte BatteriemanagementSystem sowie den eher defensiven Einstellungen mit entsprechenden Sicherheitsreserven ergeben sich aber ohne Akku-Ersatz bereits viele Nutzungsjahre.

Matthias Anliker ist verantwortlich für Verkauf und Unternehmensentwicklung bei A. Leiser AG in Reiden LU und Mitglied der Geschäftsleitung.

zur bereits angenehm leisen Dieselvariante dürfte das Summen des Elektromotors doch eher eine Frage des Geschmacks als der Lautstärke sein. Die Wirtschaftlichkeit muss von jedem Betrieb individuell beurteilt werden. Der Aufpreis von über CHF 20 000.− mag auf den ersten Blick nach viel aussehen. Geht man aber davon aus, dass tatsächlich 3000 Ladezyklen möglich sind, entspricht das vielen tausend Betriebsstunden. Rechnet man den Dieselverbrauch von 5 l/h gegenüber 5 kW/h Strom ergibt sich hier ein Einsparpotential von rund CHF 7.−/h. Zusammen mit den wegfallenden Motorenservices ergibt das ein erhebliches Sparpotenzial.

Das «EcoBatterySystem» für die autarke Energieversorgung wird in Form eines Schaltschranks angeboten.


Technik | Wissen

menge gemacht werden. Nicht zu unterschätzen ist auch die Möglichkeit, unausgeglichene Futterbestände so aufzubereiten, dass diese sich zum Erntezeitpunkt so angeglichen haben, dass ein im TS-­ Gehalt ausgeglichenes Futter geerntet werden kann. Auch die Nutzung der Maschine ohne aktive Aufbereitung ist möglich. Dies wird durch den Einbau eines elektrifizierten Reversierbetriebes der Aufbereiterwelle realisiert. Durch Drehzahlregelung wird damit sichergestellt, dass die Relativgeschwindigkeit der Aufbereiterwelle zum Boden null ist.

Antriebskonzept Mit einer Teilelektrifizierung eröffnen sich an einem Mähwerk neue Möglichkeiten. Bild: Krone

Neue Möglichkeiten dank Teilelektrifizierung In einem Projekt von IAV und Krone wurde abgeklärt, welche Chance und Vorteile eine Teilelektrifizierung an einem Anbaugerät haben kann. Ruedi Hunger

Zur Umsetzung von Precision Farming in der Praxis, kommt der Elektrifizierung eine wachsende Bedeutung zu. Der Hauptgrund ist die einfachere und schnellere Steuerung elektrischer Antriebe. Allerdings, was landwirtschaftlich eingesetzte Geräte und Maschinen betrifft, ist noch wenig Erfahrung vorhanden. Wiederholt wurden zwar Elektrifizierungsprojekte vorgestellt, die aber nach aktuellem Wissenstand weiterhin im Versuchs- bzw. Entwicklungsstadium sind.

Projekt: Mähwerk Ein weiterer Versuch elektrische Antriebe in einer landwirtschaftlichen Maschine zu installieren, betrifft dieses Mal ein Mähwerk. Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes zwischen der Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) und der Maschinenfabrik Bernhard Krone wurde ein gezogenes «EasyCut 3201 CV»-Mähwerk mit elektrischen Komponenten ausgerüstet. Das Ziel des Projekts bestand neben einer generellen Effizienzsteigerung auch in der genaueren Erfassung des flächenspezifischen Pflanzen­

bestands und damit des Ertrags. Dazu eignen sich elektrische Antriebe speziell gut, da sie gute Daten über Drehzahl und Drehmoment liefern. Daraus können Funktionserweiterungen abgeleitet werden, welche schliesslich Arbeitsprozesse optimieren und Effizienzsteigerungen ermöglichen.

Getrennte Antriebe Wie erwähnt wurden nur Teile des Mäh­ werks elektrifiziert und die elektrische Energie musste auf dem Mähwerk «produziert» werden. Mit einem E-­ Antrieb ausgestattet wurden der Aufbereiter und das Querförderband. Effizienzsteigerung am Aufbereiter heisst, Reduktion von Ausatmungs- und Bröckelverlusten durch Aufbereiter-Drehzahlen die automatisch der aktuellen Futtermenge angepasst werden, ohne dass sich dabei die Drehzahl an den Mähscheiben verändert. Funktionserweiterung beim Querförderband heisst: Durch eine Strom- und Drehmomentüberwachung kann über die Transportfunktion des Querförderbandes eine Aussage zur gewonnenen Mähgut-

Die Stromversorgung wird durch einen 48-V-Generator, der über die Zapfwelle angetrieben wird, sichergestellt. Warum gerade 48 Volt? Infrage gekommen wäre auch eine 60-V-Spanungslage. Allerdings ist dann ein wesentlich höherer und teurerer Absicherungsaufwand notwendig. Für den Aufbereiter mit Drehzahlen von 600 oder 900 U/min und im Reversier­ betrieb –200 bis 0 U/min, wurde ein 4.2-kW-Motor ausgewählt. Um das höher geschätzte Drehmoment (52 Nm) am Querförderband bei einer Maximaldrehzahl von 1300 U/min abzudecken, kam ein 6.0-kW-Motor zum Einsatz. Zur Steuerung wurde ein Universalsteuergerät (IAV), mit einer Vielzahl an Kommunikationsschnittstellen und 12-V-Versorgung vom Traktor, eingebaut. Damit kurzfristige Spannungsschwankungen abgefangen werden können, wurde zusätzlich eine Pufferbatterie installiert.

Fazit Das tönt alles recht gut, doch ergibt sich daraus tatsächlich ein Nutzen für den Landwirt? Vorerst sind solche Projekte wohl eher der Grundlagenforschung im Bereich der Elektrifizierung von Landtechnik zuzuordnen. Was auch notwendig ist, wenn eines Tages die Teilelektrifizierung tatsächlich Einzug halten soll. Schliesslich wurden die heute üblichen hydraulischen Antriebssysteme auch erst nach längeren Entwicklungszeiten auf breiter Front eingeführt. Die geschätzten Kosten liegen nach Angaben der Projektbetreiber noch deutlich über dem bisherigen hydraulischen Antrieb. Hauptverantwortlich dafür sind Einzelkomponenten, die noch nicht in grossen Stückzahlen für die Landtechnik ­hergestellt werden. Zudem haben die Funktionserweiterungen auch ihren Preis. 6/7 2019 Schweizer Landtechnik

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Lohnen sich teure Scharen? Der Verschleiss an Grubberscharen variiert je nach Schartyp und Ausführung sehr stark. Mit zunehmendem Verschleiss verändert sich die Scharform. Durch den daraus entstehenden steileren Anstellwinkel verändert sich die Arbeitsqualität des Grubbers. Ruedi Hunger

eingestellt. Bei den beschichteten Scharen werden die unterschiedlichen Eigenschaften von zwei verschiedenen Werkstoffen zur Verbesserung von Festigkeit und Verschleiss übernommen. Dabei übernimmt ein zäher Grundwerkstoff die Festigkeit und an den verschleissgefährdeten Stellen wird ein (relativ teurer) harter Verschleissschutzwerkstoff aufgetragen. Die karbidreichen Legierungen werden mittels PTA-Verfahren (Kasten) aufgeschweisst. Der Karbidanteil bestimmt die Verschleissfestigkeit und den Preis. In der höchsten Qualitäts- und Preisklasse sind Werkstoffe mit hohem Wolframkarbid-Anteil.

Gute Kenntnisse sind wichtig

Die Bodenart, die Einsatzbedingungen und die Fahrgeschwindigkeit sind verschleissbestimmende Faktoren. Bilder: R. Hunger

So viel im Voraus: PTA-beschichtete Scharen sind sehr formstabil, Hartmetallscharen haben die grösste Hektarleistung und Standardscharen schafften es auf einer Versuchsfläche von 1000 ha auf sage und schreibe 7,5 Scharwechsel. Nun aber der Reihe nach. Erstens können diese Fakten nicht eins zu eins übernommen werden, sie liefern bestenfalls Anhaltspunkte für den gewählten Standort. Zweitens ist dies eine Momentaufnahme, die durch den Gerätehersteller Köckerling (Füller) an einem Standort sorgfältig untersucht wurde. Zweifel sind also nicht angebracht, aber die Resultate können nicht ohne Weiteres auf andere Böden/Standorte übertragen werden, da die Wechselwirkungen im Boden sehr unterschiedlich sein können. Daraus lassen sich bestenfalls Tendenzen ablesen. 34

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Aufgelötete Hartmetallteile bieten den besten Schutz, vorausgesetzt, der Grundkörper und die Lötverbindungen sind so ausgeführt, dass das Hartmetall bei Belastungsspritzen durch Steine nicht wegbricht. Für Flügelschargrubber werden neben den Standardflügeln auch mit Fülldrahtschweissung beschichtete Alternativen angeboten. Für das Hartmetall-Auftragsschweissen sind genaue Kenntnisse über den optimalen Prozess von entscheidender Bedeutung. Erfolgt beim Schweissprozess ein zu hoher Energieeintrag in das Schweissgut, wird das enthaltene Karbid aufgelöst und verliert seine Härte. Wird zu kalt geschweisst, besteht die Gefahr, dass die Schutzschicht sich schlecht mit dem Grundwerkstoff verbindet und bei Spitzenbelastungen abplatzt. Auftragsschweissungen von teuren Werkstoffen sollten daher nur von sehr versierten und erfahrenen Schweissern in Eigenregie durchgeführt werden.

Qualität hat ihren Preis … Der Zugkraftbedarf eines Bodenbearbeitungsgerätes wird im Wesentlichen durch die Reibungsvorgänge zwischen Boden und Bearbeitungswerkzeug bestimmt. Bei diesen Reibungsvorgängen entstehen Materialverluste, die als Verschleiss bezeichnet werden. Der Verschleiss seinerseits ist wiederum vom verwendeten Material abhängig. In der Grundausrüstung wird ein Grubber üblicherweise mit «Standardscharen» ausgestattet. Solche (Flügel-)Scharen weisen mit zunehmender Härte auch eine höhere Verschleissfestigkeit auf. Die mögliche Härte ist aber begrenzt, da die Scharen sonst zu spröde werden und brechen können. Daher werden Standardschare nach dem Härteprozess durch sogenanntes «Anlassen» auf ein optimales Härte-Zähigkeits-Verhältnis

… und Ausdauer auch Zu den variablen Kosten eines Grubbers zählt unter anderem der Scharverschleiss. Die Kosten für eine Standard-Ersatzschar belaufen sich ungefähr auf CHF 17.−; Hartmetallscharen können bis CHF 90.− kosten. Zusätzlich müssen auch alle Schrauben miteinberechnet werden und der Arbeitsaufwand von ein bis zwei Stunden (je nach Anzahl Zinken/Scharen) ist nicht zu unterschätzen. Bei einem um den Faktor 5,3 höheren Preis für HD-Scharen muss die Standzeit auch um diese Grössenordnung höher sein. Den rechnerischen Tatsachen stehen verschiedene Wechselwirkungen von Bodenart, Steinbesatz, Scharform und Fahrgeschwindigkeit im Weg. Ebenfalls schwierig in Franken zu beziffern ist der Umstand, dass


Technik | Wissen

Möglichkeiten der Wärmebehandlung von Eisenwerkstoffen Wärmebehandlung

Wärmebehandlung von Eisenwerkstoffen ist ein Ändern der Stoffeigenschaften, um die Härte, die Festigkeit und die Bearbeitbarkeit zu verbessern.

Glühen

Glühen ist eine Wärmebehandlung, bei der das Werkstück auf Glühtemperatur erwärmt, zum Durchwärmen auf dieser Temperatur gehalten und danach langsam abgekühlt wird (Weichglühen 680–750° C, Normalglühen 750–950° C, Spannungsglühen 550–650° C).

Härten

Härten ist eine Wärmebehandlung, bei der das Werkstück auf Härtetemperatur erwärmt, zum Durchwärmen der zu härtenden Zone auf dieser Temperatur gehalten und anschliessend abgeschreckt wird. Nach dem Abschrecken wird angelassen.

Anlassen

Nach dem Abschrecken sind die Werkzeuge glashart und spröde geworden. Durch Anlassen bei Temperaturen zwischen 180° C und 400° C wird die Zähigkeit verbessert und die Sprödigkeit vermindert.

Randschichthärten

Randschichthärten ist eine Wärmebehandlung, bei der die Randschicht des Werkstücks aus härtbarem Stahl schnell auf Härtetemperatur erwärmt und anschliessend sofort abgeschreckt wird.

Einsatzhärten

Beim Einsatzhärten wird die Randzone des Werkstücks aus kohlestoffarmem Stahl mit Kohlenstoff angereichert und anschliessend gehärtet.

Nitrieren

Nitrieren ist eine Wärmebehandlung, bei der die Randzone des Werkstücks mit Stickstoff angereichert wird. Nitrierstahl erhält dadurch eine dünne, sehr harte, verschleissfeste Randzone.

Vergüten

Das Vergüten ist eine Wärmebehandlung, bei der das Werkstück nach Härten und Abschrecken auf so hohe Temperaturen angelassen wird, dass es an Stelle der Härte grosse Zugfestigkeit bei guter Dehnung und Zähigkeit erhält.

Quelle: Lehrmittel: Fachkunde Land- und Baumaschinenkunde

sich die Scharform durch Verschleiss verändert. Der Anstellwinkel erhöht sich und die Arbeitsqualität nimmt ab. Führt das letztendlich dazu, dass ein weiterer Arbeitsdurchgang notwendig wird, führt dies eindeutig zu höheren Kosten.

… und der Treibstoffverbrauch? Die Untersuchungen von Füller/Köckerling zeigen (bei Arbeitsgeschwindigkeit 12 km/h) doch einige Überraschungen. Ausgehend vom PTA-Schar (100 %) war der Dieselverbrauch im Sandboden bei der Standardschar mit 107 % am höchsten (HD-Schar 105 %). Im Tonboden ist das Resultat komplett anders: Der Dieselverbrauch war beim Standardschar bei

100 %, während HD- und PTA-Scharen je 109 % benötigten (Quelle: HBLFA Wieselburg; Füller/Köckerling).

mit Ausnahme der PTA-Schar, eine untergeordnete Rolle, welche Schar verwendet wird. «Billige» Scharen müssen einfach öfters gewechselt werden. 

Fazit Es gibt keine allgemein gültigen Aussagen betreffend Wirtschaftlichkeit von speziellen Scharen für den Grubber. Die verschiedenen Wechselwirkungen sind schlussendlich entscheidend für die Standzeiten der Scharen und den Treibstoffverbrauch. Wer sehr abrasive Sandböden bewirtschaftet und über längere Zeit ein gleichmässiges Arbeitsresultat will, setzt auf teure Scharen und hat bezüglich Standzeit und Dieselverbrauch eine gute Lösung. Rein auf die Schar-Standzeiten bezogen spielt es,

PTA-Verfahren Das Plasma-Pulver-Auftragsschweissen (PTA, engl. «Plasma-Transferred-Arc») ist ein thermisches Beschichtungsverfahren zur Oberflächenbehandlung. Unter Beschichten wird in der Fertigungstechnik das Verfahren (DIN 8580) verstanden, mit welchem das Aufbringen einer festhaftenden Schicht aus formlosem Stoff auf die Oberfläche eines Werkstückes genutzt wird. Wikipedia

Übersicht Hartmetalle (HM) HM-Sorte mit … Ultra-Feinstkorn-HM Feinstkorn-Hartmetalle Feinkorn-Hartmetalle Mittelkorn-Hartmetalle Erodier-Hartmetall Grobkorn-Hartmetalle HM-Sorte mit … Nickel-Hartmetalle

Hartmetall mit Eisen-/Nickel-/Kobalt-Legierungen

Kobaltgehalt

Eigenschaften

3,0−12,0 % 3,3−15,0 % 6,5−27,0 % 6,5−25,0 % 8,5−15,0 % 7,0−25,0 %

Härteste und verschleissfesteste Hartmetalle mit geringer Bruch- und Rissfestigkeit, die empfindlich auf thermische Spannungen sind. Die Eigenschaften sind abhängig vom Kobaltgehalt. Je höher der Kobaltgehalt, desto zäher wird das Material. Dafür nimmt die Materialhärte ab. Der Verwendungszweck wird bestimmt durch die Korngrössenklasse und den Kobaltgehalt. Grobkornsorten weisen im Vergleich zu den feineren Sorten bei gleichem Kobaltgehalt eine erhöhte Risszähigkeit und Temperaturwechsel-Beständigkeit auf (Berg- und Strassenbau).

Nickelgehalt 6,0−12,0 % 8,0−15,0 %

Hartmetallsorten mit Nickel-Binder und Chromzusätzen sind extrem korrosionsbeständig und werden weder von Säuren, Laugen, Schmutzwasser noch von organischen Lösungen angegriffen.

− 10,0 % 20,0 %

Diese HM zeigen in ihrer Struktur eine besonders hohe Risszähigkeit bei Anwendungen bis maximal 500° C. HM mit Eisen-Nickel-Kobalt-Legierungen kombinieren hohe Härte und Verschleissfestigkeit mit einer ausgezeichneten Risszähigkeit.

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Wissen | Landtechnik-Begriffe

Eigenschaften «MPT»-Reifen • Grosse Profilblöcke • Grosse Aufstandsfläche • Robustes Laufflächenprofil • Flexible Karkasse • Trägt schwere Lasten • Kompatibel mit Reifendruck­ regelanlage

Traktion mit einer guten Haftung auf nahezu jedem Untergrund zu liefern. Aus­ serdem tragen diese Reifen schwere Lasten; auch bei hohen Geschwindigkeiten. Dies ermöglichen die Hersteller durch die besondere Konstruktion mit dem Stahlkern, den starken Seitenwänden und einer flexiblen Karkasse. Meist haben die Reifen keine groben Stollen wie herkömmliche Ackerreifen, sondern grosse Profil-Blöcke.

Auch in der Landwirtschaft

«MPT»-Reifen (Multi-Purpose Tyres) sind sowohl auf der Strasse mit höheren Geschwindigkeiten wie auch im Gelände einsetzbar. Bilder: H. Röthlisberger

Das Multitalent So genannte «MPT»-Reifen sind Allrounder für gemischte Einsätze auf harten Belägen und im Gelände. Heinz Röthlisberger

Beim Kauf von neuen Reifen oder an einer Messe am Stand eines Reifen-Herstellers sind Sie dem Begriff «MPT» vielleicht auch schon einmal begegnet. Die Bezeichnung «MPT» bedeutet «Multi-Purpose Tyres», was auf Deutsch so viel heisst wie Vielzweck- oder Multifunktionsreifen. In den Reifenhandbüchern oder in der Fachsprache

«Landtechnik-Begriffe» In der Serie «Landtechnik-Begriffe» sind bereits erschienen: «AdBlue», «Common Rail», «Drehmomentwandler», «Ejektor», «Feuerverzinkt», «Metalldampflampe», «LoadSensing», «DOC», «LED-Lampe», «NIR-Sensor», «Wastegate», «Touchscreen», «Telematik», «Droplegs», «ALB-Regler», «Plasmaschneider» und «Schutzgas-Schweissen».

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Schweizer Landtechnik 6/7 2019

«MPT»-Reifen werden wegen ihrer Eignung bei unvorhersehbaren Betriebs­ bedingungen oft bei Militärfahrzeugen, Rettungs- und Geländewagen eingesetzt. Auch im Kommunalbereich sind die Reifen gefragt. Sie sorgen für einen einwandfreien Einsatz auch im Winter auf Schnee und Eis. «MPT»-Reifen gehören aber auch zu den Spezialisten und Allroundern in der Landwirtschaft. Zum Einsatz kommt diese «Bauweise» auch bei Traktorenreifen. Vielfach werden sie zudem beim Unimog oder bei Agro-Trucks eingesetzt, also bei Fahrzeugen, mit denen auch ins Feld gefahren wird.

sind Reifen in der Regel mit folgenden Abkürzungen umschrieben: «AS» = Profil für Ackerschlepperreifen, «AW» = Profil für Acker­wagenreifen, «IMP» = Profil für Implementreifen (niedriger Reifendruck) und die hier näher umschriebenen Mehrzweck­ reifen mit «MPT-­Profil».

Allrounder für Strasse und Gelände «MPTs» sind speziell dafür entwickelt, sowohl im Gelände unter härtesten Bedingungen wie auch auf schnellen Fahrten auf der Strasse optimale Leistung zu liefern. Hergestellt werden solche Reifen mit dem Ziel, eine hohe

Die Eigenschaften von «MPT»-Reifen sind unter anderem eine flexible Karkasse sowie grosse Profilblöcke. Bild: zvg


Strassenverkehr | Sicherheit

tet werden. «Dort, wo diese Probleme häufig auftauchen, könnte eine dauerhafte Lösung vielleicht auch mit dem Anlegen von Grünstreifen geschaffen werden», rät etwa das landwirtschaftliche Bildungszentrum Liebegg AG auf seiner Homepage. Dasselbe gelte auch für Streifen längs von Strassen (Tiefe mindestens 3 bis 4 m), um an den Feldenden sicher mit den Maschinen wenden zu können, ohne die Stras­sen befahren zu müssen.

Dauerhafte Grünstreifen Im Bereich von Sichtzonen generell auf den Anbau hochwachsender Kulturen zu verzichten, ist aus Sicht der Bera­ tungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) die beste Lösung. Wer Lohnsaat anbiete, sollte dem Be­ wirtschafter diesen Vorschlag machen. «Heran­nahende Fahrzeuge müssen nämlich rechtzeitig erkannt werden können, in den Normen werden dazu Sichtweiten von 100 m und mehr aufgeführt», betont BUL-Experte Hans Stadelmann.

Es kann auch Bussen geben Dauerhafte Grünstreifen könnten hier Abhilfe schaffen, damit Strassenkreuzungen oder Einmündungen während der gesamten Vegetationsperiode übersichtlich gehalten werden können. Bild. R. Hunger

Sichtzonen schaffen Klarheit Mit dem Heranwachsen der Kulturen geraten speziell Kreuzungen von Land- und Flurstrassen wieder in den Fokus der Verkehrssicherheit. Sehen und gesehen werden funktioniert nur dann, wenn an unübersichtlichen Stellen spezielle Sichtzonen geschaffen werden. Roman Engeler

2017 erhielt ein Landwirt im Kanton Zürich wegen seines zu hoch gewachsenen Maises einen Strafbefehl mit einer Busse von CHF 200.–. Der Mais sei auf eine Höhe von über 2 m herangewachsen und die Sichtweite von einer Strassenkreuzung neben dem Feld habe auf die leicht gekrümmte Strasse nur noch 70 m betragen, so der Vorwurf. Der betroffene Landwirt hat in der Folge die Busse erst vor Bezirksgericht und nach dessen Bestätigung auch vor Obergericht angefochten. Der Schuldspruch wurde aber bestätigt und der Bauer wegen Übertretung der Strassenabstandsverordnung verurteilt. Zusätzlich zur Busse kamen Gerichts- und Verfahrenskosten dazu, sodass ihm am Schluss CHF 3000.– aufgebrummt wurden.

Fazit Man mag sich nur ungern an das dramatische Ereignis vor rund einem Jahr erinnern, als ein junger Mofa-Fahrer im Kanton Aargau ums Leben kam. An einer durch hoch stehenden Mais unübersichtlich gewordenen Flurstrassenkreuzung fuhr der Mofa-Lenker direkt in das Hinterrad eines Traktors. Obwohl noch nicht alle Details dieses Unglücks restlos geklärt sind, wird doch dieser hoch stehende Mais als wesentliche Ursache für diesen Unfall betrachtet. Da und dort dürfte es auch heuer wieder der

Fall sein, dass heranwachsender Mais oder andere Kulturen an sonst harmlosen und übersichtlichen Kreuzungen, Verzweigungen, Kuppen oder in engen Kurven plötzlich für (unnötige) Gefahren sorgen.

Gefahr ab 80 cm Generell gilt, dass bei Kulturen ab einer Wuchshöhe von 80 cm sogenannte Sichtzonen geschaffen werden sollen. Dabei sollten Dreiecke von 15 bis 20 m Länge mit 2 bis 3 m Tiefe vorzeitig geern-

Viele Einmündungen und Kreuzungen, insbesondere bei Strassen von untergeordneter Bedeutung, werden durch heranwachsende Kulturen unübersichtlich und benötigen deshalb Sichtzonen. Am besten sind diese Sichtzonen gewährleistet, wenn in Bereichen von Strassenkreuzungen gar keine hochwachsenden Kulturen angebaut werden. Herannahende Fahrzeuge müssen rechtzeitig erkannt werden können. Die gängigen Normen führen dazu Sichtweiten von 100 m und mehr auf. 6/7 2019 Schweizer Landtechnik

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Management | Praxisfragen

Käsereifahrzeuge – was gilt? Für viele Bauern zählt der Weg zur Käserei oder Milchsammelstelle immer noch zur täglichen Arbeit. Was gilt es zu beachten, damit mit dem Milchgeld keine Bussen bezahlt werden müssen? Urs Rentsch

Nicht feste Ladeflächen am Auto sollten vermieden werden, da die Anbringung nicht zulässig ist. Beim Fahrzeug links im Hintergrund muss die Abreissleine am Zugfahrzeug eingehakt werden, das lassomässige Überwerfen ist verboten (vergleiche «Schweizer Landtechnik» Ausgabe 12/2017). Bilder: U. Rentsch

Die Milchviehbetriebe sind in den vergange­ nen Jahrzehnten grösser geworden. Die kleinen Dorfkäsereien sind verschwunden und durch grössere, regionale Käsereien oder Sammelstellen ersetzt. Die «Milch­ bränte», das Pferd am Einspänner oder der Hund am «Leiterwägeli» sind fast gänzlich von ihren Diensten entbunden worden. Der Weg zur Käserei oder Sammelstelle gehört für viele Landwirte jedoch immer noch zum täglichen Ritual. Die Milch wird heute wie damals in der klassischen Milchkanne oder einem Milchtank transportiert. Hierzu sind einige Punkte zu beachten, damit das Milch­ geld auf das eigene Konto und nicht in Form einer Ordnungsbusse an den Kanton fliesst.

Vorübergehend angebrachte Ladefläche Wird die Milchkanne mit dem Traktor transportiert, geschieht dies in der Regel mit einer Kombischaufel, Heckschaufel 38

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

oder dem klassischen «Brüggli». Sie gelten als vorübergehend angebrachte Ladeflä­ che. Der Kippmechanismus muss bei Stras­ senfahrten mechanisch verriegelt und ge­ sichert werden. Nach hinten sind rote, nach vorne weisse Rückstrahler erforder­ lich. Wird in angehobenem Zustand die Beleuchtungsvorrichtung des Traktors ver­ deckt, ist Ersatz erforderlich. Besonders zu beachten ist die «Schürf­ leiste» bei der Kombischaufel. Sie wird durch Verschleiss abgenutzt. Beträgt der Rundungsradius weniger als 5 mm, muss sie durch eine neue ersetzt oder abge­ deckt werden. Zudem muss die Ladung mit geeigneten Mitteln wie «Spannsets» gegen das Her­ unterfallen oder Verrutschen gesichert werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass die Seitenstabilisatoren an den Unterlen­ kern des Traktors fixiert sind und das seitli­ che Pendeln verhindern.

Für den Transport der Milchkannen über weitere Strecken wird öfters das Auto eingesetzt. Werden die Milchkannen in den Kofferraum geladen, sind sie gegen das Verrutschen und Umkippen zu si­ chern. Werden mehrere Milchkannen transportiert, muss die Zuladung des Au­ tos beachtet werden.

Nicht feste Ladefläche Das Anbringen einer Ladefläche hinten am Auto, um die Milchkannen ausserhalb des Autos mitzuführen, ist in einigen Ge­ genden weit verbreitet. Bei der Anbrin­ gung einer solchen nicht festen Lade­ fläche ist Vorsicht geboten. Thermische Veränderungen am Chassis zum Anbrin­ gen einer Ladefläche sind verboten, und bei der Montage über die Anhängevor­ richtung begrenzt die Stützlast der An­ hängevorrichtung die Ladekapazität. Der Transport von Milchkannen mit dem


Praxisfragen | Management

Auto­anhänger ist sicher die beste Variante. Auch bei dieser Transportart sind die Milchkannen mit Sicherungsmitteln gegen das Verrutschen zu sichern. Werden die Milchkannen beim Transport an die Stirnseite des Anhängers geladen, ist darauf zu achten, dass die Deichsellast nicht überschritten wird. Anhänger bis 750 kg Gesamtgewicht benötigen keine Betriebsbremse und sind von den periodischen Kontrollen befreit. Anhänger mit einem Gesamtgewicht von 750 bis 3500 kg müssen mit einer Betriebs- und Feststellbremse ausgerüstet sein und unterliegen den periodischen Kontrollen.

Milchtanks Grössere Betriebe setzen auf Milchtanks. Diese werden ganz normal als Sachentransportanhänger immatrikuliert. Werden sie an Autos mit Geschwindigkeiten über 30 km/h angekuppelt, benötigen

die Tanks weisse Kontrollschilder. Gerade für kürzere Distanzen werden die Milchtanks häufig an den Traktor angekuppelt. Dabei wird auf eine Immatrikulation zumeist verzichtet, weshalb die Tanks nur mit 30 km/h verkehren dürfen. Dabei ist auf eine korrekte Signalisation mit Höchstgeschwindigkeitszeichen und Heckmarkierungstafel zu achten. Der Traktor muss mit einer korrekten Zugkugelkupplung nach «ISO 50» ausgestattet sein. Als korrekte Zugvorrichtung gilt eine Zugkugelkupplung «ISO 50», die auf einer geprüften Adapterplatte im Anhängebock des Traktors oder auf dem Zugpendel montiert ist. «ISO 50»-Kugeln, die auf eine Ackerschiene montiert oder an ein Dreieck an Unter- und Oberlenker gekoppelt werden, sind auf öffentlichen Strassen verboten, weil die 3-Punkt-Vorrichtung nicht als Zugvorrichtung zugelassen ist.

«ISO 50»-Kugeln, die auf eine Ackerschiene montiert oder an ein Dreieck an Unter- und Oberlenker gekoppelt werden, sind auf öffentlichen Strassen verboten.

Das ist weiter zu beachten Werden nicht immatrikulierte Anhänger mit einem Auto betrieben, so ist dies nur möglich, wenn dieses mit Allradantrieb ausgestattet ist. Beträgt das Garantiegewicht des Milchtanks mehr als 1500 kg, so ist auch beim Betrieb mit 30 km/h mindestens ein grünes Kontrollschild erforderlich. Wird direkt ein weisses Kontrollschild beantragt, kann die normale Geschwindigkeit gefahren werden und man benötigt weder Höchstgeschwindigkeitszeichen noch Heckmarkierungstafel. Generell gilt: Wird der Milchtank an unterschiedliche Zugfahrzeugen gekoppelt, so muss die jeweilige Signalisationsbestimmung beachtet werden.

Kein Fahrzeugausweis, kein Kontrollschild VZV Art. 72/1 lit c Ziffer 1+2: Weder Fahrzeugausweis noch Kontrollschilder benötigen folgende Anhänger, unter Ausschluss der Ausnahmeanhänger: 1. landwirtschaftliche Anhänger mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h an Traktoren sowie an Motorfahrzeugen mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. 2. landwirtschaftliche Anhänger mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h und einem Garantiegewicht von höchstens 1500 kg an Motorfahrzeugen mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 30 km/h und Allradantrieb.

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Management | Investment

Die Spritzgemeinschaft: (v. l.) Adrian Bleuler (32) aus Niederweningen (ZH), Andreas Rohner (31) aus Wislikofen (AG) und Manuel Roman (26) aus Oberweningen (ZH). Stephan Berger

Ressourcenschonende Technik angeschafft Drei Landwirte haben zusammen eine Spritze angeschafft. Nun können sie die Maschine besser auslasten und mittels modernster Technik Pflanzenschutzmittel präziser und ohne Überlappung ausbringen. Stephan Berger Adrian Bleuler aus Niederweningen, Manuel Roman aus Oberweningen und Andreas Rohner aus Wislikofen betreiben zusammen die Spritzgemeinschaft Niederweningen. Sie spritzen im Jahr knapp 350 Hektaren, die eigenen Flächen eingerechnet. Als auf allen drei Betrieben der Kauf einer neuen Spritze bevorstand, haben sie *Der Autor ist Fachlehrer Landtechnik am Strickhof in Lindau ZH und Geschäftsführer der SVLT-Sektion Zürich.

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Schweizer Landtechnik 6/7 2019

das Geld zusammengelegt und haben eine 21-Meter-Isobus-Spritze (1300 Liter) mit automatischer Gestänge-Höhenführung und GPS-gesteuerter Einzeldüsenschaltung Section Control für knapp CHF 75 000.− angeschafft. Davon kostete die Einzeldüsenschaltung pro Meter Arbeitsbreite CHF 500.−. «Da die Spritze überbetrieblich eingesetzt wird, war eine automatische Reinigung nötig, damit die Reinigung immer gleich gehandhabt wird», erklärt Adrian Bleuler. Damit die Einzeldüsen auch auf

rund 2 cm genau schalten können, ist der Traktor mit einem RTK-Lenksystem ausgestattet. Die Kosten für das RTK-Lenksystem belaufen sich auf knapp CHF 20 000.−.

Saat mit RTK-Genauigkeit Auf den eigenen Flächen werden die Saaten mittels Lenksystem mit einer RTK-Korrektur (+/– 2 cm) angelegt und die Pflegefahrgassen exakt im Abstand der Arbeitsbreite des Pflanzenschutzgeräts. So werden Pflanzenschutzmassnahmen viel


Investment | Management

präziser, da die Arbeitsbreite der Spritze optimal ausgenutzt wird und es zu keiner Überlappung kommt. Beim Vorgewende und bei Abkehrungen können dank Section Control Überlappungen ebenfalls ausgeschlossen werden. Werden Fahrgassen angelegt, setzen sie das Lenksystem nur für das Schalten der Düsen ein, der Traktor wird manuell in den Fahrgassen gelenkt. Bei Parzellen mit Fahrgassen ohne RTK-Genauigkeit können durch Einzeldüsenschaltung und Section Control Überlappungen nicht nur im Vorgewende und bei Abkehrungen, sondern auch in der Längsrichtung vermieden werden.

Feldgrenze muss bekannt sein «Die praktische Anwendung von Section Control erfordert eine klare Vorgehensweise, da die Feldgrenze bekannt sein muss», sagt Andreas Rohner. Ist die Grenze nicht vorhanden, muss sie zuerst festgelegt werden, indem das Feld umfahren wird (man spritzt einmal ringsum). Solange das Feld nicht eingegrenzt ist, müssen die Einzeldüsen selber ab- oder zugeschaltet werden. Bei Parzellen, die oft gespritzt werden, hat Rohner die Feldgrenze vor dem Spritzen aufgenommen und sobald er mit der Automatikfunktion ins Feld fährt, spritzt es nur dann, wenn er innerhalb der Feldgrenze ist und nur jene Stellen, welche noch nicht gespritzt sind. «Wir könnten eigentlich kreuz und quer fahren», ergänzt Adrian Bleuler.

Auch in Kurven Ist die Feldgrenze und somit die Fläche bekannt, ist eine positionsgenaue Applikation möglich. Überlappungen und Abkehrungen müssen bei der Zubereitung nicht mehr berücksichtigt werden. Sogar beim Spritzen von Kurven stellen die Düsen automatisch ab, sobald der Balken in den bereits gespritzten Bereich zurückdreht. 

Bei Parzellen mit Fahrgassen ohne RTK-Genauigkeit können durch Einzeldüsenschaltung und Section Control Überlappungen nicht nur im Vorgewende und bei Abkehrungen, sondern auch in der Längsrichtung vermieden werden.

Investition in Section Control nur bedingt nützlich Mit einer Spritze mit GPS-gesteuerter Sektor- oder Einzeldüsenschaltung werden Überlappungen im Vorgewende und im Randbereich minimiert. Allerdings ist bei Spritzen mit Sektoren eine Aufrüstung zu Section Control gut zu hinterfragen. Gerade unförmige Parzellen erschweren dem Fahrer das genaue Ein- und Ausschalten der Sektoren oder der Einzeldüsen. Werden bei Abkehrungen bei einer Arbeitsgeschwindigkeit von 6 km/h die Düsen eine Sekunde zu spät geschaltet, so bewirkt das 1,7 m unnötige Überlappung. Bei Sektorschaltung schaltet ein 3-m-Sektor erst aus, wenn 2,9 m überspritzt sind. Folglich ist die Mitteleinsparung gering. Für Section-Control-Anwendung bei Spritze mit Sektorschaltung empfiehlt sich daher höchstens eine einfache Lenkhilfe (Parallelfahrsystem). Mit RTK-Lenksystem Für Einzeldüsenschaltung sind RTK-Lenksysteme zu empfehlen. Durch Section Control ist die prozentuale Mitteleinsparung umso grösser, je kleiner und unförmiger die Parzelle sowie je kleiner die Sektoren am Spritzbalken und je höher die Genauigkeit des Lenksys-

tems ist. Nur Einzeldüsenschaltungen in Kombination mit RTK-Lenksystemen können Mitteleinsparungen bis 10 Prozent bewirken. Vor dem Kauf abklären Wichtig ist, dass das Anbaugeräte-Terminal Section-Control-fähig ist und auch, dass das Lenksystem vom Traktor Section Control ansteuern kann. Dies erfordert teilweise eine Freischaltung. Diese Voraussetzungen und deren Kosten müssen vor dem Kauf einer Maschine abgeklärt werden. Einfache Lenkhilfe bringt schon viel Lenkhilfen auch ohne Section Control bringen bei Parzellen ohne Fahrgassen oder beim Vorauflauf-Spritzen erhebliche Vorteile. Wird doch das mühsame «Abstecken» der Arbeitsbreite hinfällig. Werden die Teilbreiten auf dem Terminal angezeigt, kann gerade in unförmigen Parzellen präziser gearbeitet werden. Auch im Bestand mit Pflegefahrgassen ist es hilfreich, aufgrund einer visuellen Anzeige die Sektoren zu schalten, da die bearbeitete Fläche im Display farblich hinterlegt wird. Einfache Lenkhilfen kosten zwischen 1500 bis 3500 Franken. Stephan Berger

«Es hat uns einige Schweissperlen gekostet» «Schweizer Landtechnik»: Sie setzen eine Spritze mit Section Control ein. Hat alles von Anfang an funktioniert? Adrian Bleuler: Das Spritzterminal und dasjenige vom Lenksystem haben zu Beginn schlecht zusammengearbeitet. Es hat uns einige Schweissperlen gekostet, bis die Technik aufeinander abgestimmt war. Eine Affinität für Technik muss bei solchen Investitionen vorhanden sein, denn man muss sich eingehend damit auseinandersetzen. Aber es hat sich gelohnt, die Fahrerentlastung ist dank der SC-Anwendung, aber auch dank der automatischen Balkenführung sehr hoch. Können Sie die höheren Kosten in Rechnung stellen? Manuel Roman: Wir spritzen für rund 85 Franken pro Hektare. Die zusätzlichen Kosten von SC und dem Lenksystem können wir nicht weiterverrechnen, obschon der Kunde eine präzise Arbeit erhält und tendenziell weniger Pflanzenschutzmittel

benötigt. Doch wir haben eine höhere Flächenleistung und sind am Abend weniger müde. Und dank der Zusammenarbeit können wir eine ressourcenschonende Technik trotzdem wirtschaftlich einsetzen. Da wir nun gemeinsam Pflanzenschutzmittel einkaufen, können wir gegenüber dem Verkäufer anders auftreten. Welche Rechtsform haben Sie für Ihre Spritzgemeinschaft gewählt? Andreas Rohner: Wir haben uns für die einfache Gesellschaft entschieden, mit zusätzlichem Gemeinschaftsvertrag. Darin wird unter anderem auch Austritt und Kündigung, die Auflösung und Neukauf, aber auch die Beschlussfindung und Abrechnung geregelt. Die Gemeinschaft stellt allen Kunden, aber auch uns Beteiligten eine Rechnung fürs Spritzen. Im Gegenzug stellen wir der Gemeinschaft eine Rechnung für unsere Aufwendungen wie z. B. das Zurverfügungstellen eines Traktors. Interview: Stephan Berger

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Management | Ausrüstung

Wer in ein Zweileiter-Bremssystem investiert, sollte auf die pneumatische Variante setzen. Bild: R. Engeler

Problemzone Hydraulikbremse Die Vorschrift, dass neue Traktoren ab 2018 mit ZweileiterBremssystemen ausgestattet sein müssen, hat die Frage aufgeworfen, ob man künftig auf pneumatische oder hydraulische Systeme setzen sollte. Aufgetauchte Probleme könnten diese Frage nun vereinfachen. Roman Engeler Es dürfte in der Praxis mittlerweile bekannt sein, dass die seit dem 1. Januar 2018 neu gebauten Traktoren im EURaum – und dies gilt auch für die Schweiz – mit einem Zweileiter-Bremssystem ausgestattet sein müssen. Dieses Bremssystem kann grundsätzlich entweder auf hydraulischer oder pneumatischer Basis funktionieren. Der Vorstand des Schweizerischen Verbands für Landtechnik (SVLT) hat bereits 2016 die Empfehlung herausgegeben, bei künftigen Investitionen in Transporttechnik auf die Druckluftbremse zu setzen. Wer noch alte Anhänge-Geräte mit einer hydraulischen Einleiter-Bremse im Betrieb hat, kann diese mit einer zusätzlich aufgebauten hydraulischen Einleiter-Bremse weiter an neuen Traktoren benutzen. Dieser Aufbau ab Herstellerwerk ist gemäss den EU-Vorschriften aber nur noch bis Ende 2024 möglich, nachher kann ein solcher Aufbau zwar noch vom Importeur oder Händler in der Schweiz erfolgen (da bei uns nach neuer VTS weiterhin möglich), offen bleiben dabei jedoch Fragen der Garantie und vor allem der Produkthaftung. 42

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

Glaubenskrieg Seit dem Bekanntwerden der neuen Vorschriften hat sich da und dort eine Art Glaubens­ krieg zwischen (bekannten und bewährten) Druckluft- und (neuen) Hy­ draulik-Bremsen entwickelt. In diesem Zusammenhang wurde auch der SVLT für seine angeblich voreilige Stellungnahme («Schweizer Landtechnik» 06/2016) zugunsten der Druckluft-Bremse von einigen (wenigen) Leuten kritisiert. Anfragen der «Schweizer Landtechnik» bei den bekannten Traktorherstellern haben ergeben, dass diese mehrheitlich sowohl pneumatische wie auch hydraulische Zweileiter-Bremsen anbieten. Favorisiert ist aber eindeutig die pneumatische Lösung. Für einige Hersteller ist die hydraulische Zweileiter-Bremse zudem gar keine Option mehr («Schweizer Landtechnik» 09/2017).

Sicherheitstechnische Bedenken Etwas anders sieht die Situation bei den Anhänge-Fahrzeugen aus. Im Verkehr sind bis anhin vor allem Anhänger mit hydraulischen Einleiter-Bremsen oder aber pneumatischen Zweileiter-Bremsen. Es gibt mittlerweile Zulieferfirmen, die nun Sys-

teme für hydraulische Zweileiter-Bremsanlagen entwickelt haben und diese Herstellern von Anhängern anbieten («Schweizer Landtechnik» 08/2018). Wie Recherchen der «Schweizer Landtechnik» ergeben haben, sind im praktischen Betrieb mit diesen hydraulischen Zweileiter-Bremssystemen (namentlich mit jenem eines Schweizer Herstellers) aber Probleme aufgetaucht, beispielsweise, dass man trotz ungenügendem Druck im Notbremsventil-Speicher (NBV) einfach losfahren kann (Problem wird nur mit einer gelben Warnlampe im Traktor angezeigt). So hat unter anderem die Firma Fliegl bei Praxisversuchen festgestellt, dass der Druck im NBV-Speicher aufgrund von internen Leckagen der Schieberventile fortlaufend absinkt – auch bei Nicht-Betätigung der Betriebsbremse – und sogar nach kurzer Zeit ein hydraulisches Druckniveau im Bremssystem erreicht wird, mit dem die Anforderungen an die Not- und Hilfsbremsfunktionen nicht mehr erfüllt werden können. Erst eine wiederholte Vollbremsung – wohlgemerkt im Stillstand der Fahrzeugkombination – soll dann den NBV-Druckspeicher wieder ganz füllen. Für Gerald Kopold, als Diplom-Ingenieur bei Fliegl Agrartechnik zuständig für Technik und Homologation, ist deshalb dieses Bremssystem mit diesen Bedienvorschriften aus Gründen der Sicherheit im Praxiseinsatz nicht zu verantworten und rechtlich bedenklich. Er fordert auch, dass die Anforderungen in den entsprechenden Richtlinien (EU/2015/68) angepasst werden. Eine gleiche Forderung hört man auch von Krone. Pöttinger wiederum fordert anhand dieser Feststellungen eine unabhängige Überprüfung des Bremssystems, um die Sicherheit der eigenen Produkte im Betrieb gewährleisten zu können.

Fazit Die Empfehlung des SVLT, wonach man bei Investitionen in neue Transporttechnik hinsichtlich der Bremsen auf die Druckluftbremse setzen sollte, ist nach wie vor aktuell. Ob und wie sich hydraulische Systeme im Markt behaupten können, bleibt offen, zumal man bei diesen Systemen mit einem deutlichen Aufpreis rechnen muss. Kommt hinzu, dass auch der Wiederverkauf von entsprechend ausgestatteten Maschinen schwieriger wird. Die hydraulische Zweileiter-Bremse ist weiter Gegenstand von Diskussionen in verschiedenen Gremien – auch auf europäischer Ebene. Die «Schweizer Landtechnik» bleibt bei diesem Thema dran und wird bei Bedarf weiter informieren.


Ausrüstung | Management

Stellungnahme Paul Forrer AG Paul Forrer AG entwickelte auf der Basis der europaweit gültigen Verordnung (EU/2015/68) eine hydraulische Zweileiter-Bremslösung für Anhänger. Deren Konformität sowie die Homologationsfähigkeit des Systems wurden von offizieller Seite von verschiedenen akkreditierten Stellen vollauf bestätigt (z. B. TÜV Nord). Nach eingehenden Praxistests wurden Optimierungen vorgenommen, um den erwähnten Bedenken entgegenzutreten. Konkret sind dies: Losfahren trotz ungenügendem Speicherdruck: Dies ist nachweislich mit allen Anhängerbremsanlagen ohne Federspeicherzylinder möglich. Eine aktive Wegfahrsperre bei fehlendem Speicherdruck ist unabhängig ob Druckluft (DL) oder hydraulisch (H2L) nur bei Bremsanlagen mit Federspeicher-Feststellbremse gegeben, die aber in der Praxis nur selten verwendet werden. Deshalb wird in allen Betriebsvorschriften und aus der Fahrpraxis vorgeschrieben, dass vor dem Losfahren mit dem Anhänger immer eine Betriebsbremsprüfung / Funktionskontrolle der Anhängerbremse zu machen ist. Dadurch wird bei DL-Anlagen mit noch ungenügendem Speicherdruck eine Fehlfunktion an der Anhängerbetriebsbremse für den Fahrer spürbar. Bei H2L-Bremsanlagen wird der Hydrospeicher zeitgleich geladen, sowie die gelbe Warnlampe der Speicherdruck-Überwachung verlöscht (= betriebsbereit). In diesem Sinn liegt hier kein Sicherheitsrisiko oder eine Unzulänglichkeit vor. Speicherdruck senkt sich zu schnell (= Warnlampe): Die genannten Probleme sind im zweiten Quartal 2018 anlässlich von Praxistests mit zwei Test-Anhängern mit den erwähnten Herstellern aufgetreten. Die Probleme sind unmittelbar danach behoben worden, denn die damals verwendeten Komponenten stammen aus einer Vorserienproduktion und sind heute nicht mehr im Betrieb. Konkret betraf die Fehlfunktion den Druckschalter, der für die Überwachung des Speicherdruckniveaus verantwortlich ist. Dieser war damals auf 100 bar eingestellt und meldete deshalb für die Praxis ein zu frühes Warnsignal. Seit dieser Zeit verlassen die Ventile unsere Qualitätskontrolle mit 60 bar. Der Druckabfall ist damit gebannt, die vorgeschriebene Hilfsbremswirkung garantiert und ein Aufleuchten der Speicherüberwachung allerfrühestens nach eineinhalb Stunden nach der letzten Betätigung der Betriebsbremse möglich. Die Funktionssicherheit der Notbremswirkung ist somit gegeben und die vorgegebene Bremswirkung immer sicher zu erreichen. Sowohl hydraulische als auch pneumatische haben ihren Marktanteil. Jeder Fahrzeug-Hersteller wählt je nach Strategie und Marktbedarf das passende Bremssystem. Letztlich entscheidet der Endkunde und berücksichtigt dabei den bestehenden Wagenpark seines Betriebes. Er hat heute die Wahl zwischen zwei technischen Systemen, die funktionstüchtig, sicher und gesetzeskonform sind. 

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Management | Betriebswirtschaft

Soll die gesamte Futterproduktion an den Lohnunternehmer ausgelagert werden oder lohnt es sich, die schlagkräftigen Maschinen selber anzuschaffen? Bilder: Ch. Gazzarin

Wann lohnt sich ein Maschinenkauf? Ob sich ein Maschinenkauf wirtschaftlich lohnt, ist meist eine Frage der Auslastung. Mit dem Agroscope-Kaufschwellenrechner (TractoScope) lässt sich dies ganz konkret für die individuelle Situation selbst berechnen. Christian Gazzarin* Wenn Betriebe in eine Maschine investie­ ren, stehen verschiedene Motive dahinter. Die einen haben die Fläche vergrössert und streben nach schlagkräftigen Maschi­ nen, mit denen das grössere Volumen in der gleichen Zeit erledigt werden kann. Für andere wiederum steht die Arbeits­ erleichterung im Zentrum. Denn digitale Technik macht vieles einfacher – aber nicht unbedingt günstiger. Ob sich der Kauf auch wirtschaftlich lohnt, ist nicht selten zweitrangig. So ist allgemein bekannt, dass die Auslastung der Maschinen in der Schweiz durchaus höher sein könnte. Pro *Der Autor arbeitet an der Agroscope, Tänikon, Forschungsgruppe Betriebswirtschaft.

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Schweizer Landtechnik 6/7 2019

Hektare landwirtschaftliche Nutzfläche sind die Maschineninvestitionen im Ver­ gleich zum Ausland deutlich grösser. Dies zeigt sich auch in internationalen Verglei­ chen des IFCN (International Farm Compa­ rison Network), bei denen die Schweiz beim Kapitalinput pro Kuh je nach Be­ triebstyp mit CHF 15 000.– bis 20 000.– ei­ nen unangefochtenen Spitzenplatz ein­ nimmt – in Österreich sind sie etwa halb so hoch. Nach den Gebäuden ist es der Ma­ schinenpark, der für diese hohe Zahl ver­ antwortlich ist. Im Unterschied zu den Ge­ bäudeinvestitionen, die als sogenannte «versunkene Kosten» gelten und nur lang­ fristig beeinflusst werden können, gehö­ ren die Maschinenkosten zu den mittel-

bis kurzfristig beeinflussbaren Kosten. Denn ein Maschinenpark kann jederzeit deutlich reduziert oder aufgestockt wer­ den – mit entsprechenden Folgen für den Einkauf von Dienstleistungen bzw. für das «Outsourcing».

Auslastung als Schlüsselgrösse Was tut ein Landwirt, wenn sein Herz an der Agrama schneller schlägt, weil er eine neue Maschine für seinen Betrieb gese­

Kaufschwelle berechnen Kaufschwelle =

Jahres-Fixkosten Mietpreis (je AE) minus variable Kosten je AE


Betriebswirtschaft | Management

Kaufschwelle selber berechnen Heutzutage gibt es bequemere Methoden als Papier und Bleistift. Unter maschinenkosten.ch lässt sich die sogenannte Kaufschwelle mit dem Berechnungsprogramm «TractoScope» berechnen. Die Kaufschwelle entspricht der minimal nötigen Auslastung, mit der sich ein Maschinenkauf wirtschaftlich rechtfertigen lässt. Die Berechnung ist keine Hexerei, denn die oben erwähnten Zusammenhänge können mit einer einfachen Formel ausgedrückt werden (AE = Arbeitseinheit; Formel siehe unten links).

Wesentlich ist die Auslastung der eigenen Maschine und deren Auswirkung auf die Fixkosten je Arbeitseinheit. Werden diese mit den Miet- oder Lohnunternehmertarifen ins Verhältnis gesetzt, schlägt die Stunde der Wahrheit.

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Kosten pro Betriebsstunde (CHF)

hen hat? Nicht alle nehmen Papier und Bleistift hervor und rechnen, ob sich diese Maschine für den Betrieb lohnt. Wäre es allenfalls besser, die Maschine zu mieten oder gar die ganze Arbeit an Lohnunternehmer auszulagern? Klar gibt es auch Gründe jenseits der Buchhaltung, die eine eigene Maschine rechtfertigen: Freude und Prestige zählen dazu, aber auch die sofortige Bereitschaft bei den witterungsbedingt immer noch wenigen verfügbaren Feldarbeitstagen oder schlichtweg die Verfügbarkeit eines Lohnunternehmers in der Nähe. Doch in vielen Regionen gibt es ein reichhaltiges Angebot an Dienstleistungen, die eingekauft werden könnten. Wesentlich ist darum die mutmassliche Auslastung der eigenen Maschine und deren Auswirkung auf die Fixkosten je Arbeitseinheit (Hektare, Stunde, Rundballen etc.). Werden diese eigenen Fixkosten dann mit den Miet- oder Lohnunternehmertarifen ins Verhältnis gesetzt, schlägt die Stunde der Wahrheit. Doch auch die variablen Kosten von Maschine und Traktor sowie die eigene Entlöhnung konkurrieren mit der Miet- oder Lohnunternehmer-Offerte.

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Kosten je Betriebsstunde eines Traktors (70 kW, 95 PS) bei zunehmender Jahresauslastung.

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Die zwei Grafiken zeigen anhand eines Traktors mit 70 kW (95 PS) exemplarisch den Einfluss der Auslastung auf die Maschinenkosten. Der Mietpreis beträgt Fr. 45.– pro Stunde und entspricht in diesem Beispiel dem Preis für das Einmieten des Traktors bei Eigen- oder Fremdbedienung (Lohnunternehmen). Dieser Entschädigungsansatz ist mit einer Auslastung von jährlich 450 Stunden gerechnet. Bei der absoluten Jahreskostenbetrachtung (untere Grafik) steigen insbesondere die variablen Kosten mit steigender Auslastung. Die Fixkosten bleiben weit­ gehend konstant. Die rote Linie zeigt schliesslich den Anstieg der Mietkosten

kaufen

einmieten

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Anzahl Betriebsstunden pro Jahr

Jahreskosten des Traktors (70 kW, 95 PS) bei zunehmender Jahresauslastung.

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Management | Betriebswirtschaft

bei zunehmender Auslastung. Der Punkt bzw. der Auslastungswert, an dem sich diese Linie mit den Gesamtkosten (variab­ le und fixe Kosten) schneidet, entspricht der Kostengleichheit von Miete und Kauf und wird als Kaufschwelle bezeichnet. Im entsprechenden Beispiel ergeben sich bei einem Restwert von 10 % Jahres-Fixkos­ ten von CHF 8092.– und variable Kosten von CHF 18.73. Die Kaufschwelle liegt so bei 308 Stunden, gerechnet CHF 8092.–/ (CHF 45. – 18.73/h). Der Mietpreis muss keineswegs dem Entschädigungs­ansatz entsprechen, den Agroscope jährlich im Maschinenkosten­ bericht veröffentlicht. Letzterer dient viel­ mehr als Richtwert, der dann je nach Re­ gion (Wegzeiten), betrieblicher Situation (Rüst- und Störzeiten) sowie Marktbedin­ gungen (Angebot und Nachfrage) ange­ passt werden kann bzw. muss. Die Kaufschwelle ist somit massgeblich ab­ hängig vom Mietpreis. Unterbietet ein Ver­ mieter die CHF 45.–/h, weil der Traktor ins­ gesamt besser ausgelastet ist, liegt die Kaufschwelle entsprechend höher. Umge­ kehrt kann sich der Kauf auch bei tieferer eigener Auslastung lohnen (tiefere Kauf­ schwelle), wenn der Mietpreis höher liegt.

Für die Berechnung der Kaufschwelle ist auch der eigene Lohnansatz massgebend. Wer eine Occasionsmaschine kauft, darf zudem die höheren Reparaturkosten nicht vernachlässigen.

Pressen oder pressen lassen? Mähen oder Mähen lassen? Eine Milchviehherde ist gewachsen und der Betrieb überlegt sich, die gesamte Futter­ produktion an den Lohnunternehmer aus­ zulagern und den eigenen Maschinenpark abzubauen. Oder lohnt es sich eher, die schlagkräftigen Maschinen selber anzu­ schaffen? Ein Lohnunternehmer offeriert CHF 200.− je Stunde für das Mähen mit ei­ ner Mähkombination (5,4 m mit Aufberei­ ter). Zuerst muss die Arbeitseinheit, auf die sich die Auslastung bezieht, geklärt werden. Im Falle der Mähmaschinen sind das Hekta­ ren. Bei einer Arbeitsleistung von 5 Hektar je Stunde entspricht der Tarif somit CHF 40.− je Hektare (200 dividiert durch 5). Die Fixkosten betragen für die Mähmaschi­ ne CHF 5000.− je Jahr. Dazu kommen varia­ ble Kosten je Stunde für Mann (CHF 28.−) und Traktor (140 PS, CHF 25.50), die auf­ grund der Arbeitsleistung (5 Hektar je Stun­ de oder 0,2 Stunden je Hektare) auf die Hektare umgerechnet werden. Das ergibt rund CHF 20.− je Hektare. Unter An­ wendung der Kaufschwellenrechner-Formel (5000/(40-20)) ergeben sich somit 250 Hek­ tar Mähfläche als Kaufschwelle. Wenn diese Auslastung nicht erreicht wird, lohnt es sich, die Arbeit an den Lohnunternehmer auszu­ lagern und ein allfällig noch vorhandenes Mähwerk abzustossen. 46

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Im Zuge der ständigen Beliebtheit von Silo­ballen liebäugeln nicht wenige mit ei­ ner eignen Siloballenpresse. Dabei geht es oft auch um eine Occasionspresse. Auch hier kann die Kaufschwelle berechnet wer­ den, und dies bei unterschiedlichen Occa­ sionspreisen. Die Berechnung ist etwas komplizierter, da ja auch noch das Wickel­ gerät einberechnet werden muss. Einfach­ heitshalber wird ein Kombigerät gerech­ net, wobei der Ankaufspreis jeweils der Summe von Presse und Wickelgerät ent­ spricht, das Ergebnis aber durchaus für zwei getrennte Maschinen verwendet werden kann, da die Auslastung identisch ist. Gerechnet wird mit einer Arbeitsleis­ tung von 18 Ballen je Stunde. Die Offerte des Lohnunternehmers liegt bei CHF 34.− je gewickelten Rundballen. Bei einem An­ schaffungspreis von CHF 60 000 für Presse und Wickler und der Anpassung der Repa­ ratur- und Wartungskosten ergeben sich jährliche Fixkosten von CHF 7084.– bzw. variable Kosten von CHF 8.16 je Rund­ ballen. Zusammen mit den Kosten für Mann (CHF 28.−/h) und Traktor (140 PS, CHF 25.50) ergibt sich so eine Kaufschwel­ le von rund 340 Rundballen. Je günstiger die Occasionsmaschinen sind, desto tiefer ist auch die Kaufschwelle. Nicht zu ver­ nachlässigen sind die höheren Reparatur­

kosten, die sich in höheren variablen Kos­ ten niederschlagen.

Wie bewerte ich meine Arbeit? Für die Kaufschwelle ist auch der eigene Lohnansatz massgebend. Kann ich näm­ lich die eigene Arbeitsstunde gewinnbrin­ gender einsetzen als auf der Maschine, muss ich entsprechend einen höheren Stundenlohn einsetzen, was die Kauf­ schwelle erhöht. Umgekehrt habe ich vielleicht keine bessere Verwendung für meine Arbeitskraft, sodass ich den Lohn tiefer ansetzen kann und damit die Kauf­ schwelle wieder heruntersetzen kann. Internet: www.maschinenkosten.ch

Agroscope bietet Hilfe Alle diese Drehschrauben zum Berech­ nen der Kaufschwelle lassen sich je nach betriebsspezifischer Situation im Pro­ gramm anpassen, sodass sich mit der Berechnung eine zuverlässige Entschei­ dungsgrundlage ergibt. Betriebe, die mit der Berechnung unsicher sind, können ihre erste Berechnung gerne an Agro­ scope zur Kontrolle und Korrektur an untenstehende E-Mail-Adresse zustellen. christian.gazzarin@agroscope.admin.ch


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Andreas Stucki (45) ist bei der Emmental Versicherung Leiter Versicherung und Mitglied der Geschäftsleitung. Bilder: H. Röthlisberger

«Vieles hängt von der Risikobereitschaft ab» Welche Versicherungen obligatorisch sind, warum das Risikomanagement eine grosse Rolle spielt und was beim Versichern sonst noch alles beachtet werden muss, erklärt Andreas Stucki, Leiter Versicherung bei der Emmental Versicherung, im Interview. Heinz Röthlisberger Schweizer Landtechnik. Welche Versicherungen braucht ein Landwirt, damit seine Landmaschinen richtig versichert sind? Andreas Stucki: Das hängt sehr stark vom Wert der Maschinen und der Risikobereitschaft des Landwirts ab. Ein Obligatorium gibt es nur für wenige Bereiche. Etwa für die Haftpflichtversicherung bei der Zulassung von Traktoren und anderen Fahrzeugen mit Kontrollschildern. Wenn es um den Schutz von Anbaumaschinen oder anderen maschinellen Einrichtungen auf dem Hof geht, gibt es kein Obligatorium. Diese Maschinen können natürlich auch versichert werden. Zum Beispiel gegen Feuer und Diebstahl. Das ist auf vielen Höfen Standard. Eine Kasko-Versicherung oder eine Maschinenbruchversicherung wird je nachdem individuell gewählt. Ins48

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gesamt bieten die Versicherer eine grosse Bandbreite an Versicherungen an. Bis hin zum Rundum-sorglos-Paket ist alles zu haben. Der Landwirt kann selber entscheiden, was ihm und seinem Betrieb dient und welches Risiko er selber tragen will. Die meisten haben für ihren Betrieb eine Sachversicherung? Ja, in der Regel wird für den Landwirtschaftsbetrieb eine Sachversicherung abgeschlossen. Diese ist ähnlich der Hausratversicherung im Privatbereich. Sie gewährt Deckung für Tiere, Stalleinrichtung und vieles mehr. Da sind auch all die Hofmaschinen wie Ladewagen, Förderband und Melkmaschine gegen Feuer, Elementarschäden und Diebstahl versichert. Bei der Sachversicherung wird eine Summe festgelegt, die das gesamte Inventar um-

fasst, am besten mit etwas Reserve. Weil die Sachversicherung keine Objektversicherung ist, muss man bei einer Klein­ anschaffung nicht der Versicherung anrufen. Das Inventar wird dann bei der Erneuerung des Vertrags überprüft und die Summe bei Bedarf angepasst. Bei grösseren Anschaffungen nimmt man in der Regel mit dem Berater Kontakt auf und passt die Versicherungssumme den neuen Gegebenheiten an. Sie haben vorhin das Risiko angesprochen. Wie soll das Risiko beurteilt werden? Durch Risikomanagement. Dazu gehören die Fragen «Welche Risiken kann ich vermeiden?» Da kann zum Beispiel der Landwirt einen Lohnunternehmer beauftragen und so das Risiko «auslagern». Man kann


Investment | Management

das Risiko auch vermindern. Etwa mit ei­ nem Fahrsicherheitstraining, damit der Fahrer seine Maschine besser kennen lernt und beherrschen kann. Das Risiko vermindern kann man auch, wenn man im Hang mit Doppelbereifung am Traktor unterwegs ist. Weiter kann das Risiko überwälzt werden. Zum Beispiel übergibt man der Versicherung das Risiko eines hohen Schadenfalls. Schlussendlich kann man das Risiko selber tragen. Hier ist der­ jenige in der besseren Position, der über finanzielle Reserven oder Rückstellungen verfügt und allfällige Schäden selber be­ zahlen kann. Wer knapp bei Kasse ist, der sollte nicht zu viel Risiko selber tragen. Können Sie das genauer erklären? Oft sparen Leute mit einem engen finanzi­ ellen Spielraum bei den Versicherungen. Das ist eigentlich verkehrt. Gerade Betrie­ be mit wenig Reserve sollten sich umfas­ send Gedanken zur Versicherung machen. Denn diese ermöglicht zu einer kalkulier­ baren Prämie die Abwälzung des Risikos an eine Gefahrengemeinschaft. Natürlich gibt es kein Richtig oder Falsch. Es gilt aber: Wie man sich bettet, so liegt man. Es gibt auch spezielle Versicherungen. Können Sie ein Bespiel nennen? Für Lohnunternehmer oder Bauern, die Arbei­ten für Dritte ausführen, gibt es die Möglichkeit, ihre Maschinen gegen Er­ tragsausfall zu versichern. Das heisst, wenn zum Beispiel die Ballenpresse in der Ernte­ zeit durch einen Brand oder einen Kollisi­ onsschaden vollständig zerstört wird und keine Ersatzmaschine verfügbar ist, geht der Kunde wahrscheinlich zum Mitbewer­ ber und lässt die Arbeit von einem anderen machen. Dadurch gehen Aufträge verlo­ ren. Solche Versicherungen haben ihren Preis und sind nicht jedermanns Sache. Eine solche Versicherung nimmt auch etwas Stress weg? Vor allem wird der Ertragsausfall kalku­ lierbar. Der Lohnunternehmer zahlt eine fixe Prämie. Für den Rest ist er geschützt. Ein anderer sagt sich, nein ich will und kann mir so etwas nicht leisten. Was sind die grössten Fehler, die ein Landwirt beim Versichern von Maschinen machen kann? Fehler kann man beim Versichern von Maschinen eigentlich keine machen. Die Erfahrung zeigt, dass die Landwirte ihre Maschinen recht gut im Überblick haben und diese gut versichert sind. Probleme

Beim Austausch von Maschinen über Online-Plattformen empfiehlt Andreas Stucki abzuklären, ob für die Maschine eine Vollkasko besteht.

kann es etwa geben, wenn der Traktor unerwartet defekt geht und der Landwirt holt sich den Traktor vom Nachbarn. Das geht dann wegen Zeitdrucks oft sehr kurzfristig und niemand denkt an den Versicherungsschutz. Da wird dann nicht abgeklärt, wie der Traktor des Eigentü­ mers versichert ist oder ob die Betriebs­ haftversicherung des Bauern, der den

Beim Mieten und Vermieten von Maschinen wäre empfehlenswert, wenn ein Übernahmeprotokoll mit der Auflistung von vorhandenen Schäden und Mängeln erstellt würde.

Traktor ausleiht, genügend Schutz bietet. Von Vorteil kann es deshalb sein, wenn man solche Fälle schon beim Abschluss der Versicherung miteinbezieht. Wichtig ist ja auch, dass die Angestellten und Familienmitglieder mitversichert sind. Bei Sachversicherungen wie zum Beispiel der Kasko des Traktors ist es unerheblich, wer am Steuer sitzt. Die Versicherung ist

auf dem Fahrzeug. Natürlich muss der Fahrer über die notwendigen Ausweise verfügen. In der Privathaftpflichtversiche­ rung sind Familienangehörige mitversi­

Ab einem Gewicht von 500 Gramm müssen Besitzer von Drohnen haftpflichtversichert sein. chert, so lange sie in Wohngemeinschaft leben. In der Betriebshaftversicherung sind standardmässig alle mitversichert, die für den Betrieb tätig sind. Das heisst auch der Nachbarsjunge, der am Mitt­ wochnachmittag hilft, die Äpfel zusam­ menzulesen. Vergibt der Landwirt Arbei­ ten an Lohnunternehmer, sind diese nicht mitversichert. Lohnunternehmer oder Bauern, die Arbeiten für Dritte ausführen, müssen sich selber versichern. Wann soll der Landwirt eine Vollkasko-Versicherung abschliessen? Und wann empfehlen Sie den Wechsel auf eine Teilkaskoversicherung? Bei einer Vollkasko erfolgt bis ins siebte Jahr die Entschädigung im Totalschaden­ fall nach einer Skala. Im siebten Jahr bei­ spielsweise sind das immer noch 50 bis 6/7 2019 Schweizer Landtechnik

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Management | Investment

Für wen lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung? Für alle. Denn jeder kann unverschuldet in einen Rechtsstreit geraten. Eine solche Versicherung ist ganz sicher ein Thema für einen Landwirtschaftsbetrieb. Entscheiden muss der Kunde aber auch hier selber.

41 Prozent des Katalogpreises. Danach wird nach dem Zeitwert der Maschine vergütet. Liegt dieser auch in den ersten sieben Jahren über der Skala, kommt dieser Wert zum Zug. Reparaturen sind bis zur Totalschadengrenze gedeckt. Grundsätzlich kann man jederzeit von einer Voll- auf eine Teilkasko wechseln. Auch bei einem 12-jährigen Traktor kann sich aber eine Vollkasko immer noch lohnen. Wie sieht es bei den Anbaugeräten aus? Da kann ich jetzt nur für uns sprechen. Für Zusatzgeräte zu Traktoren und Transportern bieten wir eine Kaskoversicherung an, bei der die Höhe der Versicherungssumme frei wählbar ist. Wir unterscheiden drei Kategorien: Aufbaugeräte zu Transportern, Geräte mit Dreipunkt-Befestigung vorne und hinten sowie angehängte beziehungsweise gezogene Maschinen. Alle Geräte auf dem Hof, die in eine dieser drei Kategorien fallen, sind damit kaskoversichert. Da muss der Versicherungsnehmer nicht immer daran denken, Anpassungen vor­ zunehmen, wenn er ein Gerät verkauft oder neu kauft. Auf was soll der Landwirt beim Versichern einer geleasten Landmaschine achten? Beim Leasing ist eine Vollkasko Pflicht. Die Leasinggesellschaft stellt die Spiel­ regeln auf, da hat man keinen grossen Spielraum. Falsch machen können Landwirte da nicht viel. Da muss man einfach das umsetzten, was einem vorgegeben wird. Der Bauer kann aber die Versiche-

Sobald das Kind das Haus verlässt und in eine eigene Wohnung zieht, ist das Kind nicht mehr durch die Elternpolice geschützt.

rungsgesellschaft selber auswählen. In der Regel nimmt er diejenige, mit der er sonst auch zusammenarbeitet. Wie ist es beim Mieten und Vermieten von Landmaschinen? Auf was muss der Landwirt hier achten? Das Mieten und Vermieten von Maschinen betrifft oft den Haftpflichtbereich. Im Grundsatz sind Schäden infolge Abnüt50

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

Ist eine persönliche Haftpflichtversicherung obligatorisch? Eine Privathaftpflichtversicherung ist nicht obligatorisch, auch eine Betriebshaftpflicht nicht. Eine Haftpflicht ist für Halter von Fahrzeugen mit Kontrollschildern obligatorisch. Zudem müssen Jäger eine Haftpflichtversicherung haben. Teilweise auch Besitzer von Hunden und Drohnen.

Andreas Stucki: «Gerade Betriebe mit wenig Reserve sollten sich umfassend Gedanken zur Versicherung machen.»

zung durch den Vermieter zu tragen. Aus­ serordentliche Schäden muss der Mieter tragen. Empfehlenswert wäre, wenn ein Übernahmeprotokoll mit der Auflistung von vorhandenen Schäden und Mängeln erstellt würde. Meist nimmt sich diese Zeit aber niemand. Ein Grund dafür ist, dass sich Vermieter und Mieter oft kennen. Von Vorteil ist es, wenn derjenige, der die Maschine herausgibt, eine Sachversicherung hat, bei der die Maschine auch mitversichert ist. Wenn er eine solche hat, kann er vielleicht auch etwas mehr für die Maschinenmiete verlangen. Es gibt neuerdings auch Online-Plattformen, über die Maschinen ausgetauscht werden können. Zum Beispiel farmx.ch. Gibt es hierzu Spezielles zu beachten? Das geht in die gleiche Richtung wie beim Mieten und Vermieten, nur dass man sich hier eventuell nicht so gut kennt. Zu empfehlen ist auf jeden Fall abzuklären, ob für die Maschine eine Vollkasko besteht. Wenn nein, sollte eine Lösung über die Betriebshaftpflichtversicherung des Mieters gesucht werden. Wenn Maschinen über solche Plattformen professionell vermittelt werden, habe ich als Versicherer die Erwartung an die Plattform, dass die angebotenen Geräte versichert sind. Damit kann man nachfolgenden Diskussionen vorbeugen. Denn wenn es im Schadenfall um 35 000 Franken geht, denkt manch einer ganz anders als bei kleineren Beträgen. Selbst versichert zu sein, entbindet nicht davon, immer wieder wachsam zu sein.

Wie sieht das bei Drohnen genau aus? Ab einem Gewicht von 500 Gramm müssen Besitzer von Drohnen haftpflichtversichert sein. Das heisst, der Drohnen-Besitzer muss einen Versicherungsnachweis mit sich tragen, damit er den Versicherungsschutz jederzeit und an jedem Ort nachweisen kann. Wir bei uns stellen dafür eine Badgekarte aus, die man gut im Portemonnaie mitnehmen kann. Ab einem Drohnen-Gewicht von 30 kg braucht es dann sogar noch eine separate Versicherung. Federleichte Spielzeugdrohnen benötigen keine Haftpflichtversicherung. Welche Tipps geben Sie den Bauern zum Schluss noch mit? Ein gutes Risikomanagement ist aus meiner Sicht das Wichtigste. Welche Risiken lassen sich vermeiden, welche lassen sich vermindern, was will ich versichern und welche Risiken trage ich bewusst selber? Wenn man sich diese Punkte gut überlegt, erwarten einen auch keine bösen Überraschungen.

Emmental Versicherung Die Emmental Versicherung mit Sitz in Konolfingen BE ist eine Kunden-Genossenschaft und seit ihrer Gründung vor 145 Jahren (1874) in den ländlichen Gebieten stark verankert. Rund 50 Prozent ihrer Prämien erwirtschaftet die Versicherung in der Landwirtschaft. Die 230 Agenturen in der Schweiz werden vielfach selber von Landwirten betrieben. Bekannt ist die Emmental Versicherung auch durch den Wettbewerb «agroPreis», bei dem jedes Jahr innovative Projekte der Schweizer Landwirtschaft ausgezeichnet werden. www.agropreis.ch


Forschung | Plattform

Mittels «Rapid Prototyping», hier Modelle von Scharen und Saatrohr, gelang es dem Industriehof Scherenbostel, die Entwicklungszeit zu verkürzen. Bild: Industriehof Scherenbostel

Agrartechnik aus dem 3D-Drucker Additive Fertigung beflügelt die Phantasie der Entwickler in der Landtechnikbranche. Ein Traktor-Joystick nach Kundenwunsch ist damit ebenso machbar wie bionisch geformte Leichtbaukonstruktionen im Mähdrescher. Wolfgang Rudolph*

Wer für seinen Mercedes-Agro-Truck älteren Baujahrs einen Luftkanal benötigt, erhält das Teil neuerdings nicht vom Lager, sondern frisch aus dem 3D-Drucker. Der Fahrzeugbauer sichert so die Versorgung mit insgesamt 30 verschiedenen OriginalErsatzteilen aus Kunststoff für die Vorgängerbaureihen des «Actros». Fachleute sprechen von additiven oder generativen Verfahren, weil sie das bisher gängigste Herstellungsprinzip, die subtraktive Fertigung, umkehren. Gegenstände entstehen also nicht durch das Bearbeiten eines Rohlings mittels Fräser, Schleifscheibe oder Bohrer, sondern indem Material nach einem digitalen Bauplan Schicht für Schicht aufgetragen und verfestigt wird. Somit fallen keine Späne an und der Materialeinsatz reduziert sich auf die Menge, die im Endprodukt steckt. *Wolfgang Rudolph ist freier Journalisten und spezialisiert auf Landwirtschaft, Umwelt sowie erneuerbare Energien und stammt aus D-Bad Lausick.

Ein weiterer Vorteil dieser Fertigung ist eine Freiheit beim Produktdesign, von der Maschinenbauer bisher nur träumen konnten. So sind leichte und trotzdem stabile Tragelemente möglich, die sich mit Hohlräumen und fliessenden Übergängen am Vorbild der Natur orientieren. Produktion wird individueller Die Möglichkeiten, Computerentwürfe als dreidimensionale Objekte aus unterschiedlichsten Materialien zu drucken, haben sich rasant erweitert. Das betrifft zunehmend auch die Entwicklung und die Herstellung von Landmaschinen. «Deren Produktion wird dadurch individueller werden», prognostiziert Ben Graepel von der Berliner Unternehmensberatung TriAhead, die auf Agrartechnik spezialisiert ist. Er hat 85 Hersteller, Zulieferer und Forschungseinrichtungen aus dem Agrarbereich zu den Risiken und Chancen des 3D-Drucks befragt. Als Beispiel für Individualisierung nennt Graepel die Gestaltung von Joysticks und Kontrollanzeigen

im Cockpit von Forstmaschinen nach den Wünschen der Nutzer. Hier biete sich mit der additiven Fertigung eine Alternative. Denn wegen der geringen Losgrössen sei die Herstellung solcher Komponenten mit konventionellen Verfahren, etwa Spritzguss, kaum wirtschaftlich. Landtechnikhersteller prüfen zudem die Option, den 3D-Druck für die Ersatzteilproduktion einzusetzen. Nicht zuletzt, weil der Ausfall eines modernen Mähdreschers oder Häckslers zu hohen Einbussen beim Landwirt führen kann. Eine schnelle Ersatzteillieferung ist ein Wettbewerbsfaktor, der aber mit hohen Kosten verbunden ist. «Durch das Drucken der Komponenten auf Bestellung könnten Lagerhäuser und weite Transporte wegfallen», sagt Fritz Eckert, IT-Koordinator für Digital Product Engineering beim Hersteller Claas. Individualisierung und Ersatzteilfertigung auf Abruf – diese Trends beobachtet auch Fabian Krauss, Business Development Manager bei EOS. Das Münchener Unternehmen liefert 3D-Drucker inklusive der für die additive Fertigung benötigten Werkstoffe sowie die Software und arbeitet nach eigener Aussage bereits mit Unternehmen in der Agrarbranche zusammen. Verschiedene Verfahren Der Begriff 3D-Druck steht mittlerweile für eine ganze Palette von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren. Grob lassen sich dabei zwei Grundverfahren unterscheiden: – Das schichtweise Verfestigen von Material in einem Behälter mit pulverisierten oder flüssigen Ausgangsstoffen. – Das schichtweise Auftragen von Materialien über einen in allen drei Ebenen frei beweglichen Mechanismus. Beim Sinter- oder Pulverbettverfahren entsteht das Bauteil, weil das pulverisierte Baumaterial entlang der vorgegebenen Kontur durch das Injizieren eines Bindemittels verfestigt oder durch gezielte Hitzeeinwirkung mittels Laser oder Elektronenstrahl verschmolzen wird. Dies erfolgt wie bei allen 3D-Druckverfahren Schicht für Schicht. Ist die Kontur in einer Schicht fertiggestellt, fährt der mit Pulver gefüllte Behälter ein Stück nach unten. Nach dem Auftragen einer dünnen neuen Pulverschicht beginnt der Verfestigungsprozess von vorn. Das wiederholt sich so lange, bis das Teil fertig ist und aus dem Pulverbett entnommen werden kann. Die Palette einsetzbarer Pulver reicht von Kunststoffen über Keramik, Naturmaterialien wie Miscanthus bis zu Metallen. Bei der 6/7 2019 Schweizer Landtechnik

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Plattform | Forschung

Stereolithographie formt sich das Werkstück in einem Becken mit flüssigem Fotopolymer durch punktuelle Bestrahlung mit UV-Licht. Dadurch verknüpfen sich die Moleküle an diesen Stellen und härten aus. Für jede weitere Schicht wird der Füllstand im Becken minimal erhöht. Solche Drucker erzeugen besonders glatte Oberflächen. Pulverbettverfahren und Stereolithographie bieten eine hohe Geometriefreiheit und ermöglichen das Drucken komplexer Strukturen. Allerdings limitieren die Abmasse der mit Pulver oder Flüssigkeit gefüllten Arbeitsräume die Bauteilgrösse. Grössere Abmasse sind möglich, wenn der Werkstoff über einen frei beweglichen Mechanismus, etwa einen Roboterarm, zu dreidimensionalen Strukturen zusammengefügt wird. Für den Schichtaufbau läuft entweder drahtförmiger Kunststoff (Filament) durch eine heisse Düse und verflüssigt sich dabei (Prinzip Heissklebepistole) oder der Druckkopf setzt winzige Tropfen eines flüssigen Fotopolymers, das, wie bei der Stereolithographie, sofort mit UV-Licht bestrahlt wird (PolyJet-3D-Druck). Überhänge stabilisiert der Drucker selbständig durch Stützstrukturen, die bei der Nachbearbeitung entfernt werden. Bei metallischen Objekten erfolgt die Materialzuführung für den Druck in Form von Schweissdraht oder exakt eingedüstem Metallpulver. Das punktgenaue Verschmelzen entlang der vorgegebenen Kontur übernimmt in diesem Fall ein Laser oder Elektronenstrahl.

Kompletter Elektromotor Alternativ forschen Wissenschaftler an einer additiven Fertigungstechnologie, bei der die Druckköpfe spezielle Pasten aus Metall- oder Keramikpulver und Bindemitteln an den vorgegebenen Stellen herausdrücken. So wächst im Drucker ein durch Aushärtung bereits verfestigtes, aber noch nicht belastbares Werkstück – der sogenannte Grünling. Durch eine Wärmebehandlung versintert er dann zu einem stabilen Körper. Im Sinterofen lassen sich die Eigenschaften der jeweiligen Materialien optimieren. 2018 wurde ein Elektromotor vorgestellt, der nach diesem Verfahren komplett in einem Druckvorgang hergestellt wurde. Die Innovation erleichtert künftig die Produktion individuell angepasster, robuster Stelleinrichtungen, wie sie beispielsweise für Aktoren an Landmaschinen benötigt werden. Die gängigsten 3D-Drucker, die mittlerweile schon für wenig Geld zu haben sind, arbeiten nach dem Prinzip der Heissklebepistole mit Filamenten (Schmelzschichtung). Der Verfahrensentwickler, die USamerikanische Firma Stratasys, prägte dafür den Begriff «Fused Deposition Modeling». Solch ein Drucker steht auch in der Werkstatt von Nebenerwerbslandwirt Horst Brehm in Bischberg (Bayern). «Ich stelle damit für mich oder Bekannte Kleinteile wie Griffstücke von Hydrauliksteckern, Handyhalterungen oder Kantenschoner für das Rücklicht her», berichtet der Ingenieur. Zum Entwerfen der Teile nutzt er ein kostenloses CAD-Programm. Seiner Ansicht nach habe sich die An­

Die Bauteile für diese Abwurfvorrichtung von Trichogramma-Kapseln an Agrardrohnen von der Firma Rucon entstehen Schicht für Schicht in einem 3D-Drucker. Bild: Carmen Rudolph

schaffung des Druckers bereits bezahlt gemacht. Self-made-Teile? Wird sich also bald jeder, was er benötigt, in der Werkstatt oder zu Hause ausdrucken können? 3D-Druck-Experten halten das für unwahrscheinlich und auch nicht in jedem Fall für sinnvoll. Dennoch ist die additive Fertigung eine Schlüsseltechnologie für die Weiterentwicklung der Produktion. Allerdings sind noch einige Herausforderungen zu meistern. Das beginnt schon mit der Vorbereitung: Damit zum Beispiel ein Zahnrad gedruckt werden kann, muss es nicht nur als dreidimensionale CAD-Datei vorliegen, sondern die Daten müssen druckergerecht aufbereitet sein. Dazu wird das digitale Objekt beim sogenannten «Slicing» mit einer speziellen Software in zweidimensionale horizontale Scheiben (Layer) geschnitten. Erst mit Hilfe dieser Layer kann der 3D-Drucker das Objekt aufbauen. Angesichts der Vielzahl an Komponenten, die in einem Traktor oder Mähdrescher stecken, gibt es da für Hersteller und Zulieferer bei der Datenaufbereitung

Leichtere Motoren

An der Fachhochschule Schmalkalden geht es bei mehreren Forschungsprojekten um den 3D-Druck, unter anderem zur Herstellung von Bauteilen für Landmaschinen. Bild: Carmen Rudolph

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Schweizer Landtechnik 6/7 2019

Entwickler bei Renault Trucks konzipierten einen Prototyp-Motor, bei dem die Kurbelschwingen und die Kurbelschwingträger von einem 3D-Metalldrucker gefertigt werden. Durch die Einsparung von Komponenten und eine optimale Formgebung reduziert sich so das Gewicht des 4-Zylinder-Motors um 120 kg. Er ist damit 25 % leichter als das konventionell hergestellte Aggregat. Nach Aussage von Renault Trucks konnte die Beständigkeit der additiv hergestellten Motorenteile in einem 600-Stunden-Test nachgewiesen werden.


Forschung | Plattform

das Werkstück selbst gestützt würden. Stützstrukturen würden so weitgehend unnötig. In Tests habe die Methode eine Zeitersparnis von bis zu 80 % erzielt.

Schicht für Schicht entsteht dieses Modell der Kettenradhälfte für einen Düngerstreuer im 3D-Drucker. Bild: Industriehof Scherenbostel

noch einiges zu tun, auch wenn bei vielen Unternehmen der Landtechnikbranche mittlerweile fast alle Teile zumindest in CAD-3D digitalisiert vorliegen. Was ist mit Schwarzkopien? Wie alle Daten kann auch die Druckdatei für ein hochkomplexes Bauteil kopiert und dieses an jedem dafür geeigneten Drucker «schwarz» gefertigt werden. «Wir arbeiten daher an einem DigitalRights-Management-System für unsere 3D-Drucker, bei dem die Daten entweder nur scheibchenweise nach dem Löschen des jeweils vorherigen Datenpakets übermittelt werden oder sich nur eine vorgegebene Stückzahl herstellen lässt», informiert EOS-Manager Krauss. Aber auch die Konstrukteure in den Entwicklungsabteilungen müssen sich künftig ab den ersten Entwürfen auf die neuen Möglichkeiten der additiven Fertigung einstellen. Aussparungen sind ja oft nur deshalb rund, weil der dafür eingesetzte Bohrer rund ist. Bei der additiven Fertigung könnten sie ohne zusätzlichen Aufwand jede andere, vielleicht günstigere Form haben. «Viele Landtechnikhersteller sehen

Fritz Eckert, Experte für additive Fertigung beim Hersteller Claas, vor einem der 3D-Drucker im Bereich «Digital Product Engineering». Bild: Claas

hier Potenziale für die nächsten Produktgenerationen und fördern in ihren Entwicklungsabteilungen ein Design-für3D-Druck-Denken», weiss Unternehmensberater Graepel. Bei den langen Entwicklungszyklen der komplexen Landmaschinentechnologie halte er das für sinnvoll. Statt Druckkopf wird Werkstück geführt Forschungsbedarf zur Technologie der additiven Fertigung selbst besteht unter anderem bei der Erhöhung der Druck­ geschwindigkeit, bei der Gewährleistung einer homogenen, porenfreien Materialqualität und bei der Beseitigung der verfahrens­bedingten Oberflächenrauheit. Weltweit und auch in der Hightech-Strategie des Bundesforschungsministeriums gehört dies zu den Forschungsschwerpunkten. So entwickeln Wissenschaftler an der TH Köln gegenwärtig eine dreiachsige Methode zum schichtweisen Aufschmelzen von Kunststoff. In dem neuen 3D-Druckverfahren wird das Werkstück von einem Gelenkarmroboter geführt. Der Druckkopf kann seine Position zudem auf einer weiteren Achse verändern. «Weil sich das zu fertigende Objekt frei um den Druckkopf bewegt, minimieren wir die Beschränkungen, denen 3D-Druck bislang unterliegt», so Ulf Müller, Leiter des Labors für Fertigungssysteme der TH Köln. Dadurch müsse man sich nicht mehr darauf beschränken, einen Körper ausschliesslich von unten nach oben aufzubauen. Stattdessen werde das Material immer dort hinzugefügt, wo es entsprechend der Fertigungsstrategie am sinnvollsten ist. Ein Bauteil könne etwa so gefertigt werden, dass überhängende Strukturen immer durch

Verkürzte Entwicklungszeit Das Modell aus dem Drucker ist bislang die häufigste Anwendung für additive Fertigung im Bereich der Landtechnik. Auch beim Industriehof Scherenbostel in Wedemark nutzt man das sogenannte Rapid Prototyping bei der Entwicklung von Ersatz- und Verschleissteilen für die Landwirtschaft. «Wir erhalten so in wenigen Stunden eine erste dreidimensionale Version von neuen Bauteilen, etwa einer Schar oder einer Halterung», sagt Produktmanager Thomas Anderla. Das helfe vor allem bei der Zusammenarbeit mit den Erstausrüstern und verkürze die Entwicklungszeit enorm. Eingesetzt wird das Kunststoffmodell im Packaging. Der Fachbegriff meint die bestmögliche Anordnung der Komponenten in dem Agrargerät. Was wo am besten Platz findet, lässt sich mit den ausgedruckten Bauteilen in Originalgrösse probieren. Früher, so Anderla, wurden dafür über 1000 Euro teure Gussformen angefertigt und die neuen Teile gegossen. Wenn dann eine Veränderung am Bauteil notwendig wurde, musste man neue Formen herstellen. Seit einiger Zeit arbeiten auch im neu geschaffenen Bereich «Digital Product Engineering» beim Hersteller Claas in Harsewinkel zwei 3D-Drucker. Eingesetzt werden sie ebenfalls vorwiegend für die Erstellung von Prototypen. Obwohl sie noch in den Kinderschuhen steckt, ist die additive Fertigung in einigen Bereichen, aber auch bei der Einzelund Serienproduktion bereits wirtschaftlich tragfähig. Ein Beispiel dafür sind die Fluggeräte der Rucon GmbH. Das Unternehmen im thüringischen Grossschwabhausen entwickelt und fertigt Spezialdrohnen für die Land- und Forstwirtschaft und setzt dabei 3D-Drucker ein. «Wir fertigen damit in Serie verschiedene Bauteile für die Sonderausstattungen der Drohnen wie die Abwurfvorrichtung für Trichogramma-Kapseln zur Maiszünslerbekämpfung», berichtet Geschäftsführer Jörg Ruppe. Nach Ansicht von Fachleuten wird der 3D-Druck die Herstellungsmöglichkeiten zwar enorm erweitern, die klassischen Verfahren jedoch nicht vollständig substituieren. «Auch gegossen, geschmiedet und gewalzt wird noch in hundert Jahren», so verschiedene Experten.  6/7 2019 Schweizer Landtechnik

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Plattform | Report

Komplettlösungen für alle Mobilitätsbedürfnisse Reifenhersteller Michelin steht für innovative Komplettlösungen für die Mobilitätsbedürfnisse; sprich: neue Industriestandards, auch in der Sparte «Landwirtschaft». Das gelingt durch interne, spartenübergreifende Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Produkte. Dominik Senn

Der «EvoBib»-Reifenabdruck bei 1,8 (links) und bei 0,6 bar: Patrick Vervaet misst die Aufstandsfläche, die sich beim niedrigeren Druck um rund 20 % verbreitert. Bilder: D. Senn

Reifenhersteller Michelin lud kürzlich zu einem exklusiven Fachmeeting an den Hauptsitz in Clermont-Ferrand (F) und ins neue Technologiecampus Ladoux ein. Der globale Marketingleiter für die Sparte «Landwirtschaft», Jean François Forissier, informierte dabei über das Unternehmen, seine Innovationen und Perspektiven. Bahnbrechend sei der im Jahre 2004 auf dem Markt erschienene Reifen in «Ultraflex-Technologie» gewesen, betonte Forissier. Die Möglichkeit, bei landwirtschaftlichen Maschinen mit Niederdruckreifen zu fahren und zu arbeiten, reduziere die Bodenverdichtung und begünstige damit das Pflanzenwachstum. Bei Weizenpflanzen habe sich der Ertrag durchschnittlich um 4 % erhöht, erklärte 54

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

Forissier. Würden in den Weizen produzierenden Regionen ausschliesslich «Ultraflex»-Technologie»-Reifen eingesetzt, liesse sich die globale Weizenernte um etwa 23 Mio. t steigern. Dies würde ausreichen, die rund 320 Mio. Menschen in den USA ein Jahr lang zu ernähren, so Forissiers etwas mutige Extrapolation. Das spartenübergreifende Denken und Entwickeln bei Michelin skizzierte Estelle Perrier, Projektleiterin Forschung und Entwicklung für Landwirtschaft und Motorsport: «Der sportliche Wettbewerb ist ein Technologielabor», sagte sie, «darin entwickelte Technologien werden auf alle Bereiche übertragen: Tourismus, Lastwagen, Landwirtschaft oder Bau.» Aus dem

Motorsport ergäben sich Problemstellungen und -lösungen bezüglich E-Mobilität, Material- und Treibstoffeinsparung, Sicherheit, Robustheit, Dauerhaftigkeit und Design-Methoden.

Meilensteine des Reifenbaus Die erste Reifenrevolution von Michelin sei jedoch im Jahre 1970 der «AS-Radialreifen» gewesen, die zweite 2004 dann der erwähnte «Ultraflex»-Reifen, gefolgt 2017 von der dritten, dem «EvoBib» mit der «Zwei-in-eins»-Technologie, fuhr Patrick Vervaet von der Forschungsabteilung weiter. Das Konzept: Der Reifen hat eine geteilte Stollenstruktur. Mit Reifeninnendruck von über 2 bar rollt er (auf der


Report | Plattform

Stras­ se) ausschliesslich über die mittige Lauffläche ab. Die Treibstoffeinsparung (die Entwickler sprechen von 8,5 %) ist gross. Mit dem Absenken des Reifeninnendrucks bei der Feldarbeit senken sich die Profilstollen an den Reifenschultern ab und verzahnen sich mit dem weichen Ackerboden. Die Reifenaufstandsfläche vergrössert sich so um rund 20 %. Die Traktion steigt, die Bodenverdichtung sinkt, der Feldertrag steigt (gemäss Michelin rund 4 %). Michelin hat zudem eine bodenschonende Komplettlösung im Programm. Einerseits übernahm der Reifenhersteller im 2017 zwei Hersteller von Reifendruckregelanlagen, PTG und Téléflow, und schuf das erste «End-to-end»-Reifendruckmanagementsystem für Landmaschinen, das den Namen «Zen@Terra» erhielt. Das neue System besteht aus dem neuen Reifen «EvoBib», der PTG-Reifendruckregelanlage, dem Schweizer Simulationsmodell für die Berechnung des Boden­ verdichtungsrisikos beim Einsatz von landwirtschaftlichen Fahrzeugen «Terranimo», den Maschinendaten und dem Service-Center von Michelin. Ziel und Zweck sind die Verringerung des Bodendrucks, die Erhöhung der Ernte, die Erhöhung der Traktion sowie das einfache Arbeiten mit unterschiedlichen Arbeitsgeräten bei unterschiedlichem Reifendruck. Die Hauptkomponenten des Systems sind so genannte Drehdurchführungen und Regelventile, die eine verlässliche Anpassung des Reifendrucks während der Fahrt mithilfe von Luft aus dem Kompressor der Druckluftbremsanlage oder aus einem zu-

sätzlichen Druckluftkompressor ermöglichen. Pneumatische und elektronische Steuergeräte sorgen für die richtige Dosierung des Drucks. Sämtliche Systemkomponenten werden über Isobus gesteuert.

Tests und Demos Das Forschungs- und Entwicklungscenter Ladoux mit 3500 Mitarbeitenden auf 450 ha (inklusive 350 ha Testgelände) und dem neuen Entwicklungscampus auf 67 000 m2 Fläche erlaubt vielerlei Tests und Demonstrationen, um die Eigenschaften neuer Produkte gegenüber früheren zu belegen. Im Test eins zweier identischer Traktoren mit gleich grossen Reifen mit demselben Innendruck von 1,2  bar legte der mit dem Michelin-«Road­ Bib»-Reifen bestückte Traktor im Leerlauf ab 40 km/h bis zum Stillstand 188 m zurück, der andere mit dem traditionellen AS-Profil bloss 139 m, was ein zweiter Durchlauf in etwa bestätigte. Grund: Der «RoadBib» verfügt anstelle des AS-Profils über 52 Profilblöcke. In Verbindung mit dem umlaufenden Steg in der Laufflächenmitte stehen 40 % des Laufflächengummis der Bodenaufstandsfläche in direktem Kontakt mit der Strasse. Das sind 60 % mehr als bei Reifen mit klassischem AS-Profil. Der «Road­Bib»Reifen ist in der Dimension «600/70 R 30» für die Vorderachse und «710/70 R 42» für die Hinterachse im Handel erhältlich; weitere seien in Vorbereitung, so Vervaet. Die zweite Vorführung zeigte die positiven Eigenschaften des Michelin-«CerexBib 2»-Reifens für grosse Erntemaschinen, der dank hochflexibler Karkasse mit «Ultraflex-Technologie» bodenschonen-

Der vordere Traktor mit den Profilblöcken des «RoadBib» rollt 49 m weiter aus als jener mit AS-Profil.

de Feldarbeiten mit geringem Luftdruck bis minimal 1,2 bar erlaubt. Die neue Flankenmarkierung «Air Systems ready» signalisiert die Möglichkeit der Installation einer Reifendruckregelanlage, um den Fülldruck automatisch an die jeweilige Gegebenheit anpassen zu können. Gegenüber dem «MegaXBib» in derselben Dimension «VF 900/60» ist die Bodenaufstandsfläche des «CerexBib 2» bei Feldarbeiten bis 41 % grösser, die Bodenverdichtung entsprechend geringer; dies hauptsächlich dank längerer Profil­ blöcke. Den Abschluss des Meetings bildete – nebst der Mitfahrgelegenheit auf einer schnellen Autoteststrecke – der Besuch des Museums «L’aventure Michelin», in dem auch auf neuste Entwicklungen wie den «X-Tweel»-Reifen hingewiesen wurde. Dieser kommt nicht nur ohne Luftdruck aus, sondern kombiniert Rad und Reifen in einem Bauteil – aus dem 3D-Drucker. Dabei übernehmen hochflexible Speichen aus Polyurethan die Federund Dämpfungswirkung der Luft; wahrlich Zukunftsmusik.

Camso einverleibt

Der Kommunikationsverantwortliche Grégoire Perreira erläutert im Michelin-Museum das futuristische Konzept des «X Tweel»-Reifens für die Bau- und Landwirtschaft.

Ende 2018 hat Michelin die kanadische Firma Camso übernommen. Camso ist einer der Marktführer für Raupenlaufwerke aus Gummi für landwirtschaft­ liche Maschinen und Schneemobile. Bei Raupenlaufwerk- und Reifenlösungen für kleine Baumaschinen rangiert Camso zudem unter den Top-drei-Playern der Branche. Gemeinsam mit Camso wolle Michelin Nummer eins auf dem welt­ weiten OTR-Markt werden («off the road» oder «abseits der Strasse»), sagte Forissier. Die geschäftlichen Aktivitäten würden sowohl vom Know-how von Camso als auch von der jahrzehnte­ langen Michelin-Präsenz im kanadischen Laval (Québec) und Nova Scotia profi­ tieren.

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Passion | Youngtimer

«Idealer Grünlandtraktor»: Landwirt und Brunnenmeister Bruno Lenzin aus Oberhof AG mit seinem Steyr «975». Bilder: D. Senn und zvg

Steyr «975» – «der ideale Grünlandtraktor» Ein Steyr «975» ist der einzige Traktor auf dem Mutterkuhhaltungsbetrieb von Bruno Lenzin in Oberhof AG und mit rund 450 Stunden im Jahr entsprechend gut ausgelastet. Für den Landwirt ist der Traktor «der ideale Gründlandtraktor». Dominik Senn

«Ghögerig» sind die Jura-Ländereien rund um die Pilgerhöfe in Oberhof, 700 Meter über Meer gelegen. Davon kann Landwirt Bruno Lenzin ein Lied singen: Von seinen 22 Hektar Grünland in der Bergzone 1 ist praktisch nichts eben. 650 Aren weisen Steigungen zwischen 18 und 35 Prozent auf, weitere 160 Aren gar solche zwischen 35 und 50 Prozent. Im Jahre 2001 stellte der heute 61-Jährige von Milchwirtschaft mit Kälbermast auf Mutterkuhhaltung um. 22 Grossvieheinheiten bevölkern jetzt die Stallungen, welche er im Vorjahr um Liege- und Abkalbeboxen erweitert hat. Ackerbau rech56

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net sich bei diesen topografischen Verhältnissen kaum. Produziert wird Gras, Gras und nochmals Gras: 4,5 Hektar sind Dauerweiden, 4 Hektar Kunstwiesen, 240 Aren extensive Wiesen, 150 Aren extensi­ ve Weiden, 23 Aren Feldgehölz, der Rest übrige Dauerwiesen.

Ladewagen mit Untenanhängung Auf dem Betrieb steht ein einziger Traktor, ein Steyr «975» mit Jahrgang 2001 und 75 PS. Bruno Lenzin erwarb ihn 2003 mit 800 Stunden auf dem Zähler, um einen Hürlimann mit 60 PS abzulösen. «Der Hürlimann war zu leicht und zu

wenig stark für den im Vorjahr angeschafften Ladewagen. Diesen kaufte ich, weil ich bei einer Probefahrt mit einem Gespann die Vorzüge der Untenanhängung mit hydraulischer Deichsel kennenlernte.» Das Fahren mit Untenanhängung sei bedeutend einfacher und sicherer, weil der Traktor kaum aufbäume und das Bremsverhalten besser sei; auch das Anfah­ ren bei hohen Lasten werde erleichtert. Kein Problem böte auch die Mahdgrösse: «Was unter dem Traktor durchgeht, geht auch unter der Deichsel durch», so Bruno Lenzin. Der zweite Grund für den Eintausch war die Tat­


Youngtimer | Passion

sache, dass mit Alois Kuoni im kleinen Bauerndorf eine Steyr-Vertretung mit Werkstatt und Servicestelle existiert.

Traktor gut ausgelastet Mechanisiert ist der Betrieb von Bruno Lenzin mit der ganzen Futterbau- und -ernte­ kette, vom Frontmähwerk über Kreisel­heuer und Schwader bis zum Lade­ wagen; das Silieren mittels Feldhäcksler und das Ballenpressen überlässt er einem Lohn­unternehmer in der Umgebung, auch das Heranschaffen der Zukäufe von Maisballen. Die Gülleausbringung erfolgt per Schleppschlauch, eine gemeinsame Anschaffung mit zwei benachbarten Landwirten, und für Wiesen-Übersaaten teilt er sich eine Sämaschine zu zweit. Dazu besitzt er einen älteren Aebi-Hangmäher, den er jedoch nunmehr für das Hagen usw. einsetzt. Versteht sich, dass der Steyr «975» das Jahr durch gut ausgelastet ist. Über 6900 Stunden hat er auf dem Zähler; das sind mehr als 450 Stunden pro Jahr.

Beachtliche Durchzugsstärke Trotz dieser beinahe täglichen Beanspruchung sind seit 2003 nur wenige Reparaturen fällig gewesen, sagt Bruno Lenzin. Einmal sei die Kupplung gewechselt und die Schaltgabel ausgetauscht worden. An Elektronik weise der Steyr bloss die Steuerung der Fronthydraulik auf; hier sei ein Modul ersetzt worden. Im Übrigen sei der Traktor «angenehm zu fahren». Er laufe problemlos an, auch bei Minustemperaturen. Die 16 Vorwärts- und 8 Retourgänge müssten natürlich geschaltet werden; die richtige Gangwahl werde aber mit beachtlicher Durchzugsstärke belohnt.

Das Abladen mit dem Steyr «975» aus der Vogelperspektive.

Einst drittgrösstes Industrieunternehmen Österreichs Steyr ist eine Marke des Weltkonzerns CNH Industrial, zu dem unter anderem auch Case IH und New Holland gehören. Standort ist St. Valentin in Österreich zwischen Steyr und Linz. In St. Valentin ist heute auch der Sitz der CNH Österreich GmbH. In den bis 1926 als «Österreichische Waffenfabrikgesellschaft» firmierenden Steyr-Werken wurden anfangs Waffen und ab 1947 die ersten Traktoren hergestellt. Steyr und die Austro-­ Daimler-Puchwerke AG verschmolzen 1934 zur Steyr-Daimler-Puch AG. Das Produktionssortiment umfasste zur Mitte der 1960er-Jahre den Kleinwagen «Puch 500», Lastwagen, Geländewagen, Traktoren, Landmaschinen, Wälzlager, Jagdwaffen, Töffs, Fahrräder und Werkzeuge. Etwa ein Drittel der Produktion ging in den Export. Bekannte Fahrzeuge waren der Haflinger und der Pinzgauer, die vor allem beim österreichischen Bundesheer, aber auch in der Schweizer Armee und zahlreichen ausländischen Armeen jahrelang eingesetzt wurden.

Ab 1980 war die Steyr-Daimler-Puch AG das drittgrösste Industrieunternehmen Österreichs mit etwa 17 000 Beschäftigten. Später wurden die einzelnen Produktionssparten verkauft bzw. ausgegliedert, 1987 die Waffenproduktion in eine eigenständige Gesellschaft (Steyr Mannlicher GmbH & Co KG) und die Fahrräder Puch an den italienischen Bianchi-Konzern, der später vom schwedischen Fahrradhersteller Cycleurope AB übernommen wurde. Das Wälzlager ging an Svenska Kullagerfabriken, die Lkws gingen an die deutsche MAN AG. Die Traktoren­ sparte wurde 1990 von Steyr-Daimler-Puch als Steyr Landmaschinen AG ausgegliedert und 1996 von der Case Corporation, einem der weltweit führenden Traktorenhersteller, übernommen und in Case-Steyr Land­ maschinen­technik umbenannt. Mit der Fusion von New Holland und der Case Corporation im Jahre 1999 zu CNH Global gehört Steyr heute zu einem der weltweit grössten Landmaschinenhersteller.

Auch Brunnenmeister Die Familie Lenzin mit Ehefrau Trix, Tochter Svenja (20-jährig) und Sohn Lars (16-jährig) lebt auf dem Pilgerhof rund drei Kilometer vom Dorf entfernt. Svenja ist Köchin und daran, die Zusatzausbildung zur Confiseurin zu absolvieren. Lars ist im ersten Lehrjahr als Schreiner. Mit dem Dorf Oberhof ist man trotz der Distanz eng verbunden. Trix war bis vor zwei Jahren im Gemeinderat – dies 16 Jahre lang – und ist im Dienst der katholischen Kirchgemeinde tätig. Bruno ist seit vielen Jahren Brunnenmeister von Oberhof und gleichzeitig Präsident des Wasserverbandes Oberhof-Wölflinswil. Sein Stellvertreter ist der Brunnenmeister von Wölflinswil. Mit ihm teilt er sich die anfallenden Arbeiten auf den weitläufigen Gebieten der beiden Nachbargemeinden.

Auf «ghögerigem» Terrain unterwegs: ein schönes Gespann.

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Intern | Vorschau

fahren der verschiedenen SVLT-Sektionen entschieden. Die haben bereits stattgefunden oder stehen noch auf dem Programm. Gestartet wird in Môtiers in der Kategorie «Junioren 14 bis 17 Jahre» und «Aktive ab 18». Auf dem Programm steht auch eine Teamwertung. Eine Kategorie «Damen» ist laut Simon Eschler nicht geplant.

Programm für Kinder Das OK von Môtiers wird auch für Kinder etwas bieten. Geplant ist ein Geschicklichkeitsfahren mit Rasenmähertraktoren für grössere Kinder und eines mit Tret­ traktoren für kleinere Kinder.

Verpflegung

Die Schweizermeisterschaft 2019 der Traktorengeschicklichkeitsfahrer findet am 11. August in Môtiers NE im Val-de-Travers statt. Bild: Archiv D. Senn

Schweizermeisterschaft 2019 in Môtiers NE Am Sonntag, 11. August 2019, findet in Môtiers NE die Schweizermeisterschaft im Traktorengeschicklichkeitsfahren statt. Einen Tag vorher ist die Neuenburger Kantonale Ausscheidung. Heinz Röthlisberger

Im August findet in Môtiers, Val-de-­ Travers, Kanton Neuenburg, die Schweizermeisterschaft im Traktorengeschicklichkeitsfahren statt. Organisiert wird der Anlass, der am Sonntag, 11. August, auf dem Gelände der Firma Etel SA (siehe Kasten) durchgeführt wird, von der SVLT-Sektion Neuenburg. Einen Tag vorher, am Samstag, 10. August, steht die Neuenburger Kantonale Ausscheidung auf dem Programm. «Wir sind der58

Schweizer Landtechnik 6/7 2019

zeit daran, die letzten Vorbereitungen zu treffen», sagt OK-Präsident Simon Eschler. Das OK hofft auf einen spannenden Wettkampf mit viel Geschick und Präzision bei den Posten und natürlich schönes Wetter.

Qualifikation und Kategorien Wer an der Schweizermeisterschaft in Môtiers an den Start gehen kann, das wird in den regionalen Geschicklichkeits-

Für die Zwischenverpflegung mit Sand­ wiches und Getränken ist auf dem Wettkampfgelände in Môtiers gesorgt. Für das Essen können die Teilnehmer und Besucher zum nahegelegenen Festgelände des gleichzeitig an diesem Wochenende stattfindenden Schwingfestes in Bove­ resse dislozieren. Am Samstag findet dort das Frauen- und Mädchenschwingfest und am Sonntag das regionale Schwingfest statt. Die beiden Festgelände sind rund 1 km voneinander entfernt. «Für den Transfer dorthin sorgen wir den ganzen Tag», sagt Simon Eschler. Das Schwingfest bietet neben dem Schwingen viele weitere verschiedene Attraktionen für die Besucher an.

Auf dem Gelände der Etel SA Die Schweizermeisterschaft im Traktorengeschicklichkeitsfahren und die Neuenburger Ausscheidung findet auf dem Gelände der Firma Etel SA statt. Die Firma mit Sitz in Môtiers NE produziert Direktantriebsmotoren für die Werk­ zeug­industrie mit High-End-Präzision. Dazu gehören Linearmotoren, Torquemotoren und Bewegungssysteme im Nanometerbereich bis hin zu industriellen Anwendungen, die hohe Drehmomente erfordern. Die Etel SA wurde 1974 als Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne gegründet und beschäftigt weltweit rund 400 Mitarbeiter.


Sektionen | SVLT

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Theoretische Führerprüfung Kat. F/G

Aktuelles Kursangebot

Der Verband für Landtechnik beider Basel und Umgebung organisiert für Jugendliche, welche im Jahre 2019 14 Jahre alt (Jahrgang 2005) oder älter werden, Vorkurse und Prüfungen für die theoretische Führerprüfung Kat. F/G. Vorkurs: Mittwoch, 30.10.2019, 13.30 Uhr. Prüfung: Samstag, 16.11.2019. Durchführung der Vorkurse: 13.30 Uhr, Landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain, Sissach, Kurslokal 1 Durchführung der Prüfungen: 9.00 Uhr, Motorfahrzeugprüfstation (MFP), Münchenstein Kurskosten: Mitglieder CHF 40.– plus Lern-CD CHF 40.–, Nichtmitglieder CHF 80.– plus Lern-CD CHF 40.–. Anmeldung bis spätestens 30 Tage vor Kursbeginn an: Marcel Itin, Hof Leim 261, 4466 Ormalingen, 076 416 27 13, marcelitin@gmx.ch; bitte unbedingt Kurs und Geburtsdatum angeben.

Mofa- und Traktorenprüfung: Die Vorbereitungskurse für die Mofaund Traktorenprüfung finden jeweils an Mittwochnachmittagen statt. Kurskosten inkl. Lernplattform im Internet (Theorie-24-Kärtli): für Mitglieder des Verbands CHF 70.–, für Nichtmitglieder CHF 90.–. Nächste Termine: Mittwoch, 3. Juli 2019, in Sursee, 13.15–17.30 Uhr Mittwoch, 28. August 2019, in Sursee, 13.15–17.30 Uhr Roller- und Autoprüfung: Theorieprüfung online lernen für CHF 29.– Grundkurse für Roller und Motorräder finden jeweils in Büron und Sursee statt. Die Kosten betragen für Mitglieder CHF 300.–, für Nichtmitglieder CHF 320.–. Nächste Termine: Kurs Nr. 605: jeweils Samstag, 15./22. Juni 2019, 7.30–11.30 Uhr Verkehrskundeunterricht in Sursee, Schüpfheim und Hochdorf: für Mitglieder CHF 220.–, für Nichtmitglieder CHF 240.– Nächste Termine: Kurs Nr. 405: 4 Abende: Montag/Dienstag, 26.08./27.08./02.09./03.09. 2019, 19.00–21.00 Uhr, in Sursee Die Kurse werden nur bei genügender Teilnehmerzahl durchgeführt. Kombipaket für Rollerfahrer nochmals günstiger als zum Einzelpreis. Theorie online lernen/Grundkurs 1 und 2 (8 Lektionen)/VKU (4 × 2 Lek­ tionen): für Mitglieder CHF 539.–, für Nichtmitglieder CHF 579.– Der Lastwagentheoriekurs dauert 32  Lektionen, während vier Wochen jeweils einen Tag pro Woche. Der Kurs ist modular aufgebaut und der Einstieg ist jederzeit möglich. Der nächste Kurs beginnt am 23. August 2019; Durchführung jeweils in Luzern. Infos und Anmeldung (Änderungen, z. B.  Kursort, -inhalt, -preis, -zeit, bleiben vorbehalten): LVLT-Fahrschule, Sennweidstrasse  35, 6276 Hohenrain, Tel. 041 467 39 02, Fax 041 460 49 01, info@lvlt.ch

 FR Bremsenkontrolle 2018 Der Freiburgische Verband für Landtechnik (FVLT) erhält die Bremstestkampagne aufrecht. Dieser Test ist gedacht für Karren und Anhänger aller Art, 30 oder 40 km/h, die während des ganzen Jahres im Einsatz stehen und deren Wartung leider oft vernachlässigt wird. Am Ende der Kontrolle werden die Eigentümer im Besitz einer genauen Diagnose ihrer Fahrzeuge sein, die von akkreditierten Fachbetrieben für Anhängerbremsen erstellt wird. Sie findet in der Nähe Ihres Wohnortes in dafür ausgerüsteten Ateliers statt. Die Liste der Werkstätten ist auf der Website unter www.­­agrotecsuisse.ch zu finden. Wichtig: Für die Prüfung müssen die Anhängerzüge mit pneumatischen oder hydraulischen Betriebsbremsen ausgerüstet sein. Für seine Mitglieder bietet der FVLT einen Rabatt von CHF 50.– pro Achse. Dazu genügt es, eine Kopie der Rechnung an folgende Adresse zu senden: AFETA/FVLT, Robert Zurkinden, Heitiwil 23, 3186 Düdingen. Dieses Angebot gilt nicht für den Kauf von neuen Geräten oder bei einem später folgenden Aufgebot zur Expertise.

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Kreisversammlungen mit Referaten Es können auch Kreisversammlungen anderer Kreise besucht werden.

 GR Plantahof-Feldtag «Bio-Ackerbau» Freitag, 28. Juni 2019, 10.00 bis 15.30 Uhr, Plantahof-Gutsbetrieb Waldhaus in Chur. Das Plantahof-Team und die Sektion Graubünden laden auf Freitag, 28. Juni 2019, zum Plantahof-Feldtag «Bio-Ackerbau» ein. Von 10.00 bis 15.30 Uhr steht auf dem Plantahof-Gutsbetrieb Waldhaus in Chur der biologische Ackerbau im Mittelpunkt. Am Vormittag werden verschiedene Kulturen wie Hanf, Quinoa, Linsen und Speisehirse sowie ein Posten zur Bewässerung präsentiert. Am Nachmittag sind Maschinen zur mechanischen Unkrautbekämpfung im Einsatz, dazu werden Alternativen zu Pflug und Totalherbizid gezeigt. Details zum Programm und die Ausstellerliste sind unter www.plantahof.ch abrufbar. Verpflegungsmöglichkeiten sind vor Ort vorhanden, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Traktoren-Theoriekurs mit Prüfung 2019 Kursleiter ist Hans Popp, Karrersholz 963, 9323 Steinach Kursort 1. Kurstag 2. Kurstag  + Prüfung NachmittagMittwochnachmittag Niederbüren, Schulh., Probelokal Sa, 22. Juni 19 SG-Winkeln, kath. Pfarreiheim, Winkeln/StVA

17. Juli 19

Wangs, Parkhotel Sa, 6. Juli 19 Wangs, Parkhotel/StVA Mels

14. Aug. 19

Kaltbrunn, Rest. Löwen Mi, 10. Juli 19 Kaltbrunn, Rest. Löwen/StVA Kaltbrunn

28. Aug. 19

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SVLT | Sektionen

Trogen, Rest. Krone Mi, 21. Aug. 19 Trogen, Rest. Krone/StVA Trogen

11. Sept. 19

Mosnang, Oberstufenzentrum Sa, 31. Aug. 19 SG-Winkeln, kath. Pfarreiheim, Winkeln/StVA 18. Sept. 19 Wittenbach, Oberstufenzentrum Mi, 4. Sept. 19 Rorschach, Aula Schulh. Burghalde/StVA 25. Sept. 19 Salez, Rheinhof Sa, 14. Sept. 19 Wangs, Parkhotel/StVA Mels

9. Okt. 19

St. Peterzell, Schulhaus Sa, 21. Sept. 19 SG-Winkeln, kath. Pfarreiheim, Winkeln/StVA

16. Okt. 19

Neu St. Johann, Klostergebäude Sa, 28. Sept. 19 Kaltbrunn, Rest. Löwen/StVA Kaltbrunn

23. Okt. 19

Widnau, Rest. Rosengarten Mi, 30. Okt. 19 Rorschach, Aula Schulh. Burghalde/StVA

27. Nov. 19

Niederbüren, Schulh., Probelokal Sa, 9. Nov. 19 SG-Winkeln, kath. Pfarreiheim, Winkeln/StVA

4. Dez. 19

An acht Posten auf dem Areal der GVS-Getreidesammelstelle gab es je 200 Punkte zu holen; 1400 von 1600 wurden bei den Männern erreicht. Fast so gross wie das Fahrer- war das Helferaufgebot: Rund 40 Experten und Standbetreuer waren im Einsatz, ohne die Helfer in der Festwirtschaft miteingerechnet. Die deutsche Trachtenkapelle Obermettingen sorgte für zusätzliche, musikalische Unterhaltung. Was OK-Präsident Bruno Gnädinger am meisten freute: «Als ich im Vorfeld des Anlasses Sektionsmitglieder telefonisch um Mithilfe bat, haben alle ohne Umschweife zugesagt, keiner hat gekniffen. Das hat mich schwer beeindruckt.» Ausser Konkurrenz gab es einen Gruppenwettkampf, bei dem jeweils drei Fahrer auf Traktor, Lader und Kipper innert einem Zeitlimit möglichst viel Wasser durch Rohre spritzen und abtransportieren mussten; die drei ersten Dreierteams traten schliesslich zum entscheidenden Final an, bei dem auf Rohren platzierte Bälle unterschiedlichster Art auf Paletten vorsichtig über einen Parcours zu befördern waren.

 VD Grosser Landtechnik-Tag Donnerstag, 29. August 2019, ab 14.00 Uhr in Aigle

Kaltbrunn, Rest. Löwen Mi, 20. Nov. 19 Kaltbrunn, Rest. Löwen/StVA Kaltbrunn

11. Dez. 19

Wangs, Parkhotel Sa, 23. Nov. 19 Wangs, Parkhotel/StVA Mels

18. Dez. 19

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 SH Traktorengeschicklichkeitsfahren – grosser Helferwille Hansruedi Schelling, Schleitheim, vor Reto Beerli aus Opfershofen und Beat Derrer aus Oberhasli belegten am Traktorengeschicklichkeitsfahren der SVLT-Sektion Schaffhausen die Podestplätze in der Kat. Männer. Bei der Kat. Junioren stiegen Cedric Lang aus Stetten vor Tobias Moser aus Ramsen und Vincent Prill aus Hallau aufs Treppchen, bei der Kat. Frauen Gabi Uehlinger aus Neunkirch vor Ronja Weilenmann aus Stein am Rhein und Karin Gysel aus Schleitheim. Die Ersten haben sich damit für die Schweizermeisterschaft 2019 qualifiziert. Bei den Herren beteiligten sich 47 Fahrer, bei den Junioren und bei den Frauen je 7.

Präsentation von Ladefahrzeugen und allgemeiner Fördertechnik Vorstellung von Maisversuchen von UFA-Samen Besichtigung des Mastbetriebs der Familie Angst Festwirtschaft auf Platz Information: www.asetavaud.ch

 ZG Traktorengeschicklichkeitsfahren am 18. August in Steinhausen Das sonntägliche Traktorengeschicklichkeitsfahren am 18. August 2019 bietet erneut Attraktionen für die ganze Familie. Es handelt sich um das 19. Zuger Traktorengeschicklichkeitsfahren, das alle zwei Jahre stattfindet. Im Jahr 2017 durften die Veranstalter rund 110 Teilnehmer zählen, wobei sich Interessierte aus diversen Kantonen einfanden. Im Einsatz stehen auch dieses Jahr wieder etwa 50 freiwillige Helfer und Helferinnen. Bereits seit Wochen laufen die Vorbereitungen durch ein separates OK der Zuger Landjugend.

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Sektionen | SVLT

Der Anlass findet auf dem Areal des Strassenverkehrsamtes in Steinhausen, vis-à-vis Einkaufszentrum Zugerland, statt. Wettkampfbeginn ist um 8.30 Uhr, Wettkampfschluss um 17.00 Uhr und die Rangverkündigung um 20.00 Uhr. Es gibt zwölf verschiedene spannende Posten (Torwandschiessen mit einem Terratrac, Giesskanne bedienen mit einem Traktor, mit Anhänger präzise rückwärtsfahren, Traktor auf einer Wippe im Gleichgewicht halten, Fragebogen, …). Die Wettkämpfe werden in den Kategorien A Junioren (14–17 Jahre), B Herren (ab 18 Jahren) und C Damen ausgetragen. Das Startgeld beträgt CHF 30.−. Die Teilnahme ist ab dem 14. Lebensjahr (und wer im Besitz eines gültigen Fahrausweises der Kat. G ist) möglich. Der anspruchsvolle und abwechslungsreiche Parcours verlangt einiges an Geschicklichkeit und Geduld im Umgang mit landwirtschaftlichen Geräten ab. Wie auch in den letzten Jahren werden ein paar Parcours durch neue knifflige Posten ausgetauscht. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall, sei es als Zuschauer oder als Geschicklichkeitsfahrer. Nervenkitzel ist garantiert. Weitere Attraktionen sind ein Kinderparcours, ein Riesen-Sändeliplatz, ganzer Tag Festwirtschaft mit Grill, ein reich gedeckter Gabentempel und ein Erinnerungsgeschenk. Für Fragen steht OK-Präsident Marco Matter (marco.matter@bluewin.ch, 076 504 53 59) zur Verfügung.

Darüber hinaus lohnt sich ein Besuch der Technikvorführungen sowie der verschiedenen Informations- und Ausstellungsstände. Der Unkostenbeitrag beträgt CHF 50.− für Mitglieder von «Lohnunternehmer Schweiz» und CHF 100.− für Nichtmitglieder (inkl. Verpflegung).

Theoriekurse Kategorie F/G Im Theoriekurs Kat. F/G werden die Grundlagen aufgezeigt und erklärt. Die bestandene Prüfung berechtigt zum Lenken von landwirtschaftlichen Motorfahrzeugen bis 30 km/h. Siehe auch www.fahrkurse.ch AG Kursort: Muri, 12./19. Sept. 2019, 18.30–20.30 Uhr; Riniken: 21./28. Nov. 2019, 18.30–20.30 Uhr; Liebegg: 27. Febr./5. März 2020, 18.30–20.30 Uhr; Frick: 7./14. Mai 2020, 18.30–20.30 Uhr Kontakt: Yvonne Vögeli, Strohegg 9, 5103 Wildegg, 062 893 20 41, sektion.ag@agrartechnik.ch (auch kurzfristige Anmeldungen möglich) BL, BS Vorkurs: Ebenrain, Sissach: Mi, 30.10.2019, 13.30 Uhr Prüfung: MFP Münchenstein: Sa, 16.11.2019 Kontakt: Marcel Itin, 076 416 27 13, marcelitin@gmx.ch BE Kontakt: Peter Gerber, 031 879 17 45, Hardhof 633, 3054 Schüpfen, www.bvlt.ch FR Kontakt: FVLT, Samuel Reinhard, route de Grangeneuve 31, 1725 Posieux, samuel.reinhard@fr.ch, 026 305 58 49 GR

 ZH Vorbereitungskurse zur Traktorenprüfung 21. Sept./16. Nov., je von 9.30 bis 15.30 Uhr Die Teilnahme ist vier bis sechs Monate vor dem 14. Geburtstag möglich (Nothelfer- und Verkehrskundeausweis sind in dieser Kategorie noch nicht vorgeschrieben). Die Kosten betragen CHF 110.–, für Mitglieder des SVLT Zürich CHF 80.–. Im Preis inbegriffen sind eine Lern-CD oder ein Lern-Stick sowie eine Mittagsverpflegung mit Getränk. Onlineanmeldung: www.fahrkurse.ch, www.svlt-zh.ch, SVLT Zürich, Auskünfte unter 058 105 99 52

 LOHNUNTERNEHMER Infotag Pflanzenschutz Dienstag, 25. Juni, 9.00 bis 16.00 Uhr in Lanzenneunforn TG «Lohnunternehmer Schweiz» und der Betrieb Kressibucher Agro AG laden zum grossen Infotag Pflanzenschutz auf deren Areal an der Hauptstrasse 24 in Lanzenneunforn TG ein. Das Programm besteht aus Fachreferaten zu den Themen: • Applikationstechnik • PSM-Formulierung • Anwendungsschutz • mechanische Unkrautbekämpfung • Öffentlichkeitsarbeit

Kursorte: Landquart, Ilanz, Thusis, Scuol, Samedan Kontakt: Luzia Föhn, 081 322 26 43, 7302 Landquart, foehn@ilnet.ch, www.svlt-gr.ch NE Kontakt: M. Bernard Tschanz, chemin du Biolet, 2042 Valangin, bernardtschanz@net2000.ch GL Kontakt: Hans Popp, 071 845 12 40, Karrersholz 963, 9323 Steinach, hanspopp@bluewin.ch SH Kontakt: VLT-SH, Geschäftsstelle, Martin Müller, Haldenhof 286, 8213 Neunkirch, 079 656 74 58, www.vlt-sh.ch SO Kontakt: Beat Ochsenbein, 032 614 44 57, ochsebeis@bluewin.ch SZ, UR Kontakt: Florian Kälin, Geschäftsstelle VLT Schwyz und Uri, 055 412 68 63, 079 689 81 87, info@glarnernbeef.ch TG Kursorte und -daten: Bürglen: Sa, 24.8./Sa, 7.9.2019; Müllheim: Sa, 26.10./Mi, 6.11.2019; Friltschen: Sa, 7.12./Mi, 18.12.2019 Kontakt: VTL/Landtechnik, Markus Koller, 071 966 22 43, Weierhofstrasse 9, 9542 Münchwilen VD Kursort: Oulens-sous-Echallens; Kursdaten: Juni und Oktober 2019 Kontakt: ASETA – Section vaudoise, Virginie Bugnon, chemin de Bon-Boccard, 1162 Saint-Prex, v.bugnon@bluewin.ch ZG Kontakt: Beat Betschart, 041 755 11 10, beatbet@bluewin.ch ZH Kursorte: Strickhof, Lindau. Kontakt: SVLT ZH, 058 105 98 22, Eschikon 21, Postfach, 8315 Lindau, www.svlt-zh.ch

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SVLT | Porträt

Landwirt aus Überzeugung Junglandwirt Armin Göldi, Jahrgang 1987, Amriswil TG, ist in allen Lebenslagen ein Mann der unkonventionellen, klugen Entscheide. Das begann schon bei der Berufswahl. Er lernte Landmaschinenmechaniker und war unter anderem Betriebsmechaniker und Magaziner in einer Baufirma. Auch heute noch darf er in seinem Lehrbetrieb nach Bedarf seine Maschinen und Geräte flicken. Irgendeinmal stellte sich die Frage nach der Nachfolge auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb. Göldi absolvierte in der Folge die landwirtschaftliche Lehre. Zum endgültigen Entscheid pro Landwirtschaft kam er auf eine ungewöhnliche Art und Weise: Im Jahre 2014 liess er sich in Kanada auf einer Milchwirtschaftsfarm mit Ackerbau anstellen und betreute die kranken und frisch gekalbten Kühe, notabene mit 1600 laktierenden Kühen inklusive Aufzucht. Zudem arbeitete er auch in der Werkstatt und auf dem Feld. «In Kanada hat der Farmerberuf noch einen hohen Stellenwert. Es werden Arbeitsplätze geschaffen», sagt Armin Göldi. Zurück kam er in der festen Überzeugung, Landwirtschaft zu betreiben und somit Vaters Nachfolge anzutreten. Im Jahre 2016 übernahm er den elterlichen Betrieb; seither ist sein Vater bei ihm angestellt. Was er von ihm übernahm, war die Freude an den Kühen. Denn Göldis betreiben eine eigene Zucht mit Holstein- und Red-Holstein-Kühen. Im Jahre 1989 baute Vater noch einen Laufstall für die heute 40-köpfige Kuhherde. Die Rohmilch geht an die Käserei Studer AG in Hatswil, welche damit den würzigen Scharfen Maxx produziert. Zum Entscheid zugunsten der Landwirtschaft trug auch der Umstand bei, dass fast 19 der 23 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche perfekt um den Hof herum arrondiert sind. Geweidet wird vom Hof aus, sommers gar auf Nachtweiden. Das Vieh erhält ganzjährig eine Teilmischration mit viel Heuanteil. Der Jungbauer ist auch der Überzeugung, dass sich in seinem Familienbetrieb ein Melkroboter rechnet. «Ein Nahziel ist die Anschaffung eines Melkroboters für 50 Kühe. Damit spare ich Arbeitskräfte und kann den Betrieb rationalisieren.» Arbeit gibt es nebst dem Futterbau (Heu, Mais, Gerste und Futterrüben) mehr als genug: Rund 90 Hochstamm-Mostobstbäume wollen gepflegt und abgeerntet werden. Armin Göldi betreibt zudem eine Feldrandkompostierung, wo er jährlich rund 500 t umsetzt. Er bringt das geschredderte Grüngut mit zwei Dosierwagen Strebel «HW 22» mit schwenkbarem Zusatzband zum Mietenaufsetzen auf Feldränder aus. Zum Wenden besitzt er in einer Maschinengemeinschaft nebst den Dosierwagen einen Gujer-Kompostwender. Lässt es das Arbeitspensum zu, ist Armin Göldi mit seiner Freundin in den Bergen anzutreffen, im Sommer mit Wanderschuhen, im Winter auf dem Snowboard.  Aufgezeichnet von Dominik Senn

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Schweizer Landtechnik 6/7 2019


Kurse | SVLT

Aus- und Weiterbildungskurse des SVLT Kursorte G40

Die G40-Fahrkurse 2019

1260 Nyon VD* 1302 Vufflens-la-Ville VD* (Neu) 1315 La Sarraz VD* 1510 Moudon VD* 1562 Corcelles-près-Payerne VD* 1630 Bulle FR** 1786 Sugiez FR** 1860 Aigle VD* (Neu) 1920 Martigny VS* 1964 Conthey VS* 2208 Les Hauts-Geneveys NE* 2720 Tramelan BE* 2852 Courtételle JU* 3150 Schwarzenburg BE 3186 Düdingen FR 3250 Lyss BE 3270 Aarberg BE 3421 Lyssach BE 3510 Konolfingen BE 3550 Langnau i. E. BE 3770 Zweisimmen BE 3800 Interlaken BE 3818 Grindelwald BE 3930 Visp VS 4222 Zwingen BL 4415 Lausen BL 4538 Oberbipp BE 4702 Oensingen SO 5040 Schöftland AG 5505 Brunegg AG 6056 Kägiswil OW

6130 Willisau LU 6170 Schüpfheim LU (Neu) 6210 Sursee LU 6276 Hohenrain LU 6430 Schwyz SZ 6472 Erstfeld UR 6702 Claro TI*** 7130 Ilanz GR 7302 Landquart GR 7430 Thusis GR 7524 Zuoz GR**** 7550 Scuol GR**** 7742 Poschiavo GR*** (Neu) 8180 Bülach ZH 8200 Schaffhausen SH 8315 Lindau ZH 8460 Marthalen ZH 8500 Frauenfeld TG 8625 Gossau ZH 8836 Biberbrugg SZ 8856 Tuggen SZ 8867 Niederurnen GL 8932 Mettmenstetten ZH 9133 Sitterdorf TG 9436 Balgach SG 9465 Salez SG 9602 Bazenheid SG * Sprache Französisch ** Sprache Deutsch u. Französisch *** Sprache Italienisch **** Sprache Italienisch u. Deutsch

Der Traktorkurs G40 des Schweizerischen Verbandes für Landtechnik ist vom Bundesamt für Strassen, ASTRA, anerkannt und wird im Führerausweis eingetragen. Mehr Informationen und Homepage: www.fahrkurse.ch

CZV – Weiterbildungskurse

Kursort: Riniken AG

Kursart Kursdatum Erste Hilfe im Strassenverkehr, Deutsch

auf Anfrage

ARV1 / Digitaler Fahrtenschreiber, Deutsch

22.07.2019

Ladungssicherung, Deutsch

auf Anfrage

Moderne Fahrzeugtechnik, Deutsch

05.08.2019

Hebegerätekurse SUVA-anerkannt: Gegengewichts- und Teleskopstaplerkurs; Instruktion Hoflader

Kursort und Sprache

Kurstag 1

Kurstag 2

Ardon VS, Französisch

auf Anfrage

auf Anfrage

Chavornay VD, Französisch

auf Anfrage

auf Anfrage

Goldach SG, Deutsch

29.10.2019

30.10.2019

Oberbipp BE, Deutsch

16.10.2019

17.10.2019

Oberbipp BE, Deutsch

18.10.2019

19.10.2019

Rümlang ZH, Deutsch

auf Anfrage

auf Anfrage

Schweisskurse

Direkt zu den «G40»-Fahrkursen Über diesen QR-Code gelangen Sie direkt zu den Terminen und Anmeldungen der diesjährigen «G40»-Fahrkurse des SVLT.

Kursort: Riniken AG

Kursart Kursdaten Metall-Schutzgasschweissen (MAG/MIG), Deutsch

04. und 05.11.2019

Lichtbogen-Handschweissen (E-Hand), Deutsch

11. und 12.11.2019

Wolfram-Schutzgasschweissen (TIG), Deutsch

20. und 21.11.2019

Informationen und Auskünfte: www.agrartechnik.ch oder www.fahrkurse.ch 056 462 32 00 oder zs@agrartechnik.ch

 Impressum 81. Jahrgang www.agrartechnik.ch Herausgeber Schweizerischer Verband für Landtechnik SVLT NR Werner Salzmann, Präsident Aldo Rui, Direktor Redaktion Tel. 056 462 32 00 Roman Engeler: roman.engeler@agrartechnik.ch Heinz Röthlisberger: heinz.roethlisberger@agrartechnik.ch Dominik Senn: dominik.senn@agrartechnik.ch Ruedi Hunger: hungerr@bluewin.ch Ruedi Burkhalter: r.burkhalter@agrartechnik.ch Mitglieder- und Abodienste, Mutationen Ausserdorfstrasse 31, 5223 Riniken Tel. 056 462 32 00, Fax 056 462 32 01 www.agrartechnik.ch

Verlagsleitung Dr. Roman Engeler, Postfach, 5223 Riniken Tel. 079 207 84 29 roman.engeler@agrartechnik.ch Inserate/Anzeigen Alex Reimann Anzeigen-Verkauf Tel. 062 877 18 50 / 079 607 46 59 inserate@agrartechnik.ch Anzeigentarif Es gilt der Tarif 2019. Kombinationsrabatt bei gleichzeitigem Erscheinen in «Technique Agricole» Herstellung und Spedition AVD GOLDACH AG, Sulzstrasse 10–12, 9403 Goldach Erscheinungsweise 11-mal jährlich

Abonnementspreise Inland: jährlich CHF 110.– (inkl. MwSt.) SVLT-Mitglieder gratis Ausland: CHF 135.– (exkl. MwSt.)

Nächste Ausgabe XXXX: XXXXXXXXX XXXXXX: XXXXXXXXXX XXXXXXX: XXXXXXXX XXXXXX: XXXXXXXXXXX

Nr. 8/2019 erscheint am 15. Aug. 2019 Anzeigenschluss: 5. August 2019

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Maximale Leistung, höchste technische Ansprüche, vielfältigste Anbaugeräte: Landwirtschaftsmaschinen verlangen Schmiermitteln alles ab. Diese Herausforderung nimmt MOTOREX seit 100 Jahren an. Und sorgt dafür, dass Sie die Technik nie im Stich lässt. Mit innovativen Produkten, einem umfassenden Sortiment und der besten technischen Beratung. Vertrauen auch Sie auf einen Partner, der vollen Einsatz leistet, damit Sie Ihr Bestes geben können. www.motorex.com

Profile for Schweizerischer Verband für Landtechnik

Schweizer Landtechnik 06-07/2019  

Stoppelbearbeitung: Flach, aber nicht "oberflächlich", Strohstriegel - verteilen, ausreissen, zerstören

Schweizer Landtechnik 06-07/2019  

Stoppelbearbeitung: Flach, aber nicht "oberflächlich", Strohstriegel - verteilen, ausreissen, zerstören