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INFOGRAFIK: BODARA ; QUELLE: BUNDESAMT FÜR STATISTIK (2025): SCHWEIZERISCHE ARBEITSKRÄFTEERHEBUNG SAKE (2024). NEUCHÂTEL

Die Sozialzahl

Teilzeit als Risiko? Im 2. Quartal 2024 arbeiteten in der Schweiz 1,9 Millionen Personen Teilzeit. Dies entspricht einen Anteil von 40 Prozent an allen Erwerbstätigen. Im europäischen Vergleich gehört die Schweiz damit zu jenen Ländern mit den höchsten Teilzeitquoten. Knapp zwei Drittel arbeiten in einem Pensum zwischen 50 und weniger als 90 Prozent (Teilzeit I), ein Drittel mit ei­nem Beschäftigungsgrad von weniger als 50 Prozent (Teilzeit II). In den 1990er-Jahren betrug die Teilzeitquote noch 25 Prozent, die Teilzeitarbeit hat also um rund die Hälfte zugenommen. Die Wirtschaft reagiert nervös auf diese Entwicklung. Angesichts der demografischen Entwicklung fürchtet sie, dass sich der Fachkräftemangel weiter akzentuieren wird. Dies könnte die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland verstärken. Längerfristig könnte die Zunahme der Teilzeitarbeit auch zu einer ungenügenden Altersvorsorge führen und der Bezug von Ergänzungsleistungen zunehmen. Bürgerliche Kreise fordern, dass die Vollzeitarbeit wieder attraktiver werden solle, etwa mit einem steuerlichen Bonus in der Grössenordnung des Abzugs für Einzahlungen in die Säule 3a der Altersvorsorge (Stand 2025: 7258 Franken). Andere möchten höhere Abzüge für die Betreuung von Kindern in Kitas. Hinter diesen Befürchtungen kann ein weiteres Motiv vermutet werden. Es geht die Angst um, dass das typisch schweize­ rische Arbeitsethos darunter leiden könnte und das Primat der Erwerbsarbeit als Ausdruck der Eigenverantwortung an Gehalt und Bedeutung verliert. Sind diese Ängste berechtigt?

Referenzalter hinaus. Dagegen ist kaum etwas einzuwenden. Frauen arbeiten sehr viel mehr in Teilzeitstellen als Männer. Dabei hat aber ihr Beschäftigungsgrad deutlich zugenommen. Immer häufiger arbeiten sie zu mehr als 50 Prozent, während die geringen Teilzeitpensen abgenommen haben, eine sehr erwünschte Entwicklung. Der grösste Anteil an Teilzeitstellen findet sich im Dienstleistungssektor und in der Land- und Forstwirtschaft. Im in­ dustriellen und gewerblichen Sektor inklusive Bauwirtschaft sind vergleichsweise wenige Personen in Teilzeit angestellt. Im Dienstleistungssektor wiederum sind vor allem staatliche und staatsnahe Branchen von Teilzeitarbeit geprägt. Die Teilzeitquote im Bildungsbereich beträgt fast 62 Prozent, im Gesundheits- und Sozialwesen 57 Prozent, in der öffentlichen Verwaltung 39 Prozent. Demgegenüber weisen wirtschaft­liche Dienstleistungsbranchen wie Information und Kommunikation (gut 28 Prozent) und die Finanz- und Versicherungswirtschaft (23 Prozent) deutlich tiefere Teilzeitquoten aus. Wenn sich also jemand über die Zunahme der Teilzeitarbeit Sorgen machen müsste, sind dies weniger die Wirtschafts­ agenturen (wie der Arbeitgeberverband) als die Akteure in den Dienstleistungsbranchen des öffentlichen Sektors. Nur wäre es hier mit höheren Steuerabzügen kaum getan. Vielmehr braucht es im Bildungs-, Sozial- und insbesondere im Gesundheitswesen generell bessere Arbeitsbedingungen.

PROF. DR. CARLO KNÖPFEL ist Dozent am Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Männer arbeiten besonders häufig in der Ausbildungsphase und im Übergang in die Rente Teilzeit. Damit finanzieren die einen ihr Studium, die anderen arbeiten immer mehr über das

Teilzeiterwerbstätige nach ausgewählten Wirtschaftssektoren 2024 (in % aller Erwerbstätigen der Branche)

61,6% 40,1%

37,0% 18,4% Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

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Verarbeitendes Gewerbe, Bergbau und sonstige Industrie

28,4%

15,8% Baugewerbe

Gastgewerbe und Hotellerie

Information und Kommunikation

57,0%

38,6% 23,1%

Finanz- und Versicherungswesen

Öffentliche Verwaltung

Bildungswesen

Gesundheitsund Sozialwesen

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