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Nr. 381 | 12. bis 25. August 2016 | CHF 6.– inkl. MwSt. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an die Verkaufenden. Bitte kaufen Sie nur bei Verkaufenden mit offiziellem Verkaufspass.

surprise@manifesta Unsere Verkaufenden lassen sich von Kunst inspirieren


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*gemäss Basic 2008-2. Seite bitte MACH heraustrennen und schicken oder faxen an: Verein Surprise, Administration, Spalentorweg 20, 4051 Basel, F +41 61 564 90 99, info@vereinsurprise.ch

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Eine Tasse Solidarität! Machen Sie mit: Zwei bezahlen, eine spendieren. Café Surprise gibt es hier: In Basel BackwarenOutlet, Güterstr. 120 Café Bohemia, Dornacherstr. 255 Café-Bar Elisabethen, Elisabethenstr. 10 Café Flore, Klybeckstr. 5 Café Restaurant Haltestelle, Gempenstr. 5 Kiosk Amann, Claragraben 101 Oetlinger Buvette, Unterer Rheinweg Quartiertreffpunkt Lola, Lothringerstr. 63 Rest. Les Gareçons, Schwarzwaldallee 200 Rest. Manger et boire, Gerbergasse 81 Trattoria Bar da Sonny, Vogesenstr. 96 In Biel Treffpunkt Perron bleu, Bahnhofplatz 2d In Schaffhausen Kammgarn Beiz, Baumgartenstr. 19

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In Bern Café Kairo, Dammweg 43 Café Tscharni, Waldmannstr. 17a Café-Bar das Lehrerzimmer, Waisenhausplatz 30 Luna Llena Gelateria Rest. Bar, Scheibenstr. 39 Rest. Genossenschaft Bras. Lorraine, Quartiergasse 17 Rest. Löscher, Gotthelfstr. 29 Rest. Sous le Pont – Reitschule, Neubrückstr. 8 Rösterei Kaffee und Bar, Güterstr. 6 Treffpunkt Azzurro, Lindenrain 5 In Zürich Café Zähringer, Zähringerplatz 11 Sphères, Hardturmstrasse 66

www.vereinsurprise.ch/cafesurprise Ein Projekt des Vereins Surprise. SURPRISE 381/16


Titelbild: Philipp Baer

BILD: ZVG

«Die Reise des Samens» heisst das Kunstwerk an der Manifesta 11 in Zürich, das sich der Surprise-Verkäufer Peter Conrath ausgesucht hatte, um sich über einige Wochen hinweg damit zu beschäftigen. Die Manifesta ist eine durch Europa wandernde Kunstbiennale mit alternativem Ansatz und gilt als das Jahresereignis 2016 der Stadt Zürich. Wir waren mit dem Projekt surprise@manifesta mit dabei, und es wurde für Peter Conrath wie für alle anderen Beteiligten zu einer ganz persönlichen Reise zur Kunst. Acht unserer Verkaufenden sahen sich mit uns zusam- JÜRGEN KRUSCHE DIANA FREI REDAKTORIN men viel Kunst an, beschäftigten sich individuell mit den ZÜRCHER HOCHSCHULE Werken und schrieben Texte darüber. Damit wurden DER KÜNSTE ZHDK sie zu alternativen Kunstkritikern aus der normalen Arbeitswelt, die für den Manifesta-Kurator Christian Jankowski seinerseits zentrales Thema der Ausstellungen war. Der Zugang war für die Surprise-Verkaufenden wie auch für uns selbst nicht von Anfang an leicht, aber während der Reise wurde das Interesse aller Beteiligten grösser, und es offenbarten sich einige schlummernde Potenziale. Jetzt halten Sie das Resultat, ein Sonderheft, in den Händen. Es wird diesmal nicht nur an den üblichen, sondern auch an weniger üblichen Standorten verkauft. An den Ausstellungsorten der Manifesta nämlich: als kleiner Kommentar direkt vor Ort – inklusive Kritik, inklusive der Feststellung aber auch, dass Kunst in Menschen enorm viel auslösen kann. Während sich innerhalb der Manifesta Künstler mit Menschen aus den verschiedensten Berufen trafen und gemeinsam an Projekten arbeiteten, wurden manche Surprise-Verkaufende gleich selbst zu Künstlern: sei es mit einer Performance im Cabaret Voltaire (mehr dazu auf Seite 27) oder mit einem Reenactment einer künstlerischen Arbeit im Löwenbräu-Areal (Seite 22). Die Sicht der Verkaufenden sowohl auf die Kunst wie auch auf ihre eigene tägliche Arbeit hat sich während der Beschäftigung mit den Manifesta-Werken verändert, was der Satz von Ruedi in aller Kürze und Präzision sehr schön zum Ausdruck bringt: «Kunst ist – Surprise verkaufen.» Surprise ist hiermit nicht nur Berichterstatter über die Manifesta, sondern zu einem Teil der Manifesta selbst geworden. Die Verkaufenden führen ihre Performances wie gewohnt, aber dennoch mit einem anderen Bewusstsein auf der Strasse aus. Und wenn Surprise verkaufen Kunst ist, kann auch Surprise kaufen Kunst sein – wer weiss. Diana Frei Redaktorin Strassenmagazin Verantwortliche für diese Ausgabe

Jürgen Krusche Zürcher Hochschule der Künste ZHdK Projektleiter surprise@manifesta

Surprise ist auf Spenden angewiesen. Auch auf Ihre! Herzlichen Dank. PC-Konto 12-551455-3 oder vereinsurprise.ch/spenden-surprise Ihre Meinung! Wir sind gespannt auf Ihre Kritik, Ihr Lob oder Ihre Anmerkungen. Schreiben Sie uns! Auf leserbriefe@strassenmagazin.ch oder an Verein Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, 4051 Basel. Es werden nur Leserbriefe abgedruckt, die mit vollem Namen unterzeichnet sind. Die Redaktion trifft eine Auswahl und behält sich vor, Briefe zu kürzen. Oder diskutieren Sie mit uns auf www.facebook.com/vereinsurprise SURPRISE 381/16

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BILD: WOMM

Editorial Reise zur Kunst


Randnotiz Spiel unseres Lebens Schon das Spielen von Monopoly fand ich bedrückend. Es geht um Geld, und alle wollen gewinnen. Der Spieler kann investieren, den Rest bestimmt das Glück. Das reale Leben ist vielfältiger, doch auch da kann man verlieren: Bringe ich die richtigen Voraussetzungen mit? Habe ich die richtigen Entscheidungen getroffen und genug in eine Ausbildung investiert? Habe ich Glück und genügend Kraft, um die vielen Jahre eines Arbeitslebens einwandfrei zu funktionieren? Ich muss, denn sonst wird aus dem Spiel ein Kampf. Ich hatte stets fleissig gearbeitet, wie es mir beigebracht worden war, als über mir ein Gewitter aufzog, das ich erst bemerkte, als mich der Blitz traf. Ich hatte Zusammenbrüche und arbeitete schliesslich in der Wohnung – bis ich zu jeglicher Tätigkeit unfähig war und in eine Klinik kam. Über meinem Dasein stand plötzlich «Arbeitsunfähigkeit» geschrieben. In der Klinik lernte ich, mich wieder aus dem Haus zu trauen. Doch der Schritt zurück zum produktiven Mitglied unserer Gesellschaft war mir nicht gegönnt, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünschte. Arbeitsversuche endeten wie ein Marathon für einen Gelähmten: wenig erfolgreich. Mein Leben wurde zu einer Odyssee, die mich über die Arbeitlosenkasse via Sozialamt zu einem Dasein als Teilrentner führte. Ich bin finanziell total abhängig von der Unterstützung des Staates und meiner Familie. Ohne dieses Geld stünde ich ohne Schutz verloren im Sturm, der noch immer über mir wütet. Ich kenne viele, die auch von Umständen dazu gezwungen sind, im Regen zu stehen. Ihre Geschichten sind vielfältig: die einen haben einen Masterabschluss, anderen war die Möglichkeit einer besseren Ausbildung missgönnt, wieder andere werden wie ich von psychischen Problemen gequält. Was kann man alles für Geld tun, wenn man stark eingeschränkt ist und einem die Umstände schlechte Karten gegeben haben? Manche sind gezwungen, ihren Körper zu verkaufen. Andere arbeiten in Lagerhallen und schleppen Kisten, obwohl sie studiert haben. Glücklich macht sie das nicht, aber sie haben wenig Chancen. Denn wie beim Monopoly geht es nicht um Erfüllung und Integrität. Letztlich bestimmen auch die Karten und das Glück, wer gewinnt und wer verliert.

Florian Burkhardt war erfolgreicher Sportler, Model und Internetpionier. Sein Leben wurde im Film «Electroboy» dokumentiert.

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Vor Gericht Mini-Trumps aus der Agglo Das Motiv für schätzungsweise 99,999 Prozent aller Kriminalfälle ist entweder die Liebe oder das Geld. Oft vermischen sich die beiden Elemente zu einer diffusen Motivlage, dann ist es Liebe zum Geld oder Geld für Liebe. So dramatisch und glamourös ist der vorliegende Fall, der sich in der Zürcher Agglomeration abspielte, aber nicht. Die beiden Angeklagten waren beste Freunde. Der eine ist Architekt, konnte zeitlebens nicht mit Geld umgehen und hatte Schulden in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken. Der andere ist Bürolist, eine treue Seele, wenn auch nicht so helle. Die Flucht nach vorne antreten, so lautete wohl der Grundgedanke des Architekten, als er den Bürolisten dazu überredete, eine kleine Immobilienfirma zu gründen. Der offizielle Firmenzweck sah vor, dass man als Generalunternehmung kleinere Bauvorhaben betreute. Das Geschäft lief leidlich, bald leitete man mehrere kleine Projekte, meist Umbauarbeiten von Privathäusern und -wohnungen. Nach gut einem Jahr war die Firma im Konkurs. Was von deren Geschäftstätigkeit bleibt, ist eine beeindruckende Sammlung fauler Beschisse und krummer Dinger, vom Pfändungsbetrug über Scheindarlehen bis hin zu fiktiven Vertragsabschlüssen mit sich selbst. Und unbezahlte Rechnungen von einer halben Million Franken, die den von der Firma beauftragten Handwerkern zustehen. Man könnte durchaus sagen, die beiden seien provinzielle Miniaturversionen von Donald Trump. Bei der Abwicklung der Pleite kam der wahre Firmenzweck zum Vorschein: Einerseits

war es ein Vehikel, um mit abenteuerlichen buchhalterischen Kniffen die Privatschulden des Architekten wegzuzaubern. Andererseits liessen es sich die beiden ziemlich gut gehen. Sie zahlten sich fürstliche Honorare, bauten auf Kosten der geprellten Handwerker ihre eigenen Häuser um und bezahlten die Hypothekarzinsen ihrer Geschwister. Das Vorgehen war von Beginn weg dumm-dreist. Wegen der Betreibungen des Architekten wählten sie als Firmensitz das Appenzeller Hinterland, wo man nicht so genau hinschaute. Sie zahlten nur die Hälfte des für eine Aktiengesellschaft nötigen Gründungskapitals von 100 000 Franken ein, aber auch das nicht wirklich: die 50 000 gingen als Darlehen gleich wieder an den Architekten raus. Die Firma war vom ersten Tag an komplett überschuldet, die Sache konnte unmöglich gut gehen. Die Sanktion, die das Gericht verhängte, ist nur der Anfang des Elends, in dem die beiden jetzt stecken. Die bedingten Haftstrafen sind zu verkraften. Die Freundschaft hingegen ist futsch: Die beiden haben seit Jahren kein Wort gewechselt. Der Bürolist arbeitet jetzt ausgerechnet bei einer Inkassofirma, lebt mit seiner Familie am Existenzminimum und stottert die aufgelaufenen Schulden ab. Viel schlimmer erging es dem Architekten, der wieder in seinem Beruf arbeitet und auch am Abzahlen ist. Seine Frau hat ihn verlassen und er ist an Krebs erkrankt. Wenn man an Karma glaubt, dann hat es brutal zugeschlagen.

Yvonne Kunz ist seit 2008 Gerichtsberichterstatterin im Kanton Zürich.

Priska Wenger ist Illustratorin in Biel und New York. SURPRISE 381/16


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Die Sozialzahl What women do for no money Wer hilft älteren und kranken Men schen, betreut und pflegt sie? Sind es die Lebenspartne rinnen und Lebenspartner, die Kinder und Enkelkinder, die sich um ihre Angehörigen kümmern – oder übernimmt die Spitex diese sogenannte Care-Arbeit? Haben wir also in der Schweiz ein familien- oder ein dienstleistungszentriertes Syst em der Hilfe, Betreuung und Pflege daheim? Die Zahlen bringen es an den Tag: Im Jahr 2013 wurden rund 64 Millionen Stunden Care-Arb eit durch Familienangehörige geleistet. Im gleichen Jahr erbrachte die Spitex etwas mehr als 17 Millionen Stunden Pfleg e- und hauswirtschaftliche Leistungen. Der Aufwand von Familien zugunsten ihrer hilfsbedürftigen Angehörigen ist also fast vier Mal grösser als jener der bezahlten Pflegedienste. Man kann den ökonomischen Wer t dieser Care-Arbeit berechnen. Die durchschnittlichen Arbe itskosten pro Stunde im Pflegebereich beliefen sich 2013 auf 57 Franken. Die monetäre Bewertung der Hilfe, Betreuung und Pflege der Familienangehörigen erreicht damit einen Wert von 3,63 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Die Spit ex kostete im selben Jahr 1,93 Milliarden Franken. Aus diesen Zahlen lässt sich dreierlei ableiten. Erstens zeigen sie, wie wichtig die unbezahlte Care-Arbeit der Familienangehörigen ist. Dabei sollte aber dieses Engagement nicht gegen die Spitex ausgespielt werd en. Die optimale Versorgung der hilfsbedürftigen Angehör igen ergibt sich aus einer gut aufeinander abgestimmten Unte rstützung durch die Fa-

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eren Menschen so können die ält r Nu x. ite Sp e di milie und b ist. lange es ihnen lie daheim bleiben, so age auf, ob die rechnungen die Fr Be e es di n rfe we Zweitens tlohnt werden ren Aufwand en ih r fü en rig hö reits der Fall. Familienange s ist das heute be as sm Au m ge rin teuer sollten. In ge digung käme sehr fängliche Entschä übers da en Doch eine vollum rig nden Angehö lfe he e di en rd wü diese zu stehen. Und überhaupt noch , würden sie dann Ja n? ihlle es wo ss t da up n, ha ngen zeige n wollen? Befragu he ac m he lic eit aft rb ch -A re lls Ca um die gese res geht, nämlich de an ch No um t ts. of en n ne eses Engagem d Würdigung di un n g ue un fra nn en ke ili er An em von Fam istung, die vor all Le e m . or en en m e m di no wird ndliches ange etwas Selbstverstä n iherbracht wird, als die Familienfraue en Frage. Werden itt dr r zu t ass hr sm fü s Au Da gleichem chsten Jahren in nä n de in reit da rb t -A gu re Care rum tun wir d angebracht. Da sin el eif iZw m Fa n? re fortfüh rbeit durch gen für die Care-A un ng di be en aft hm ch an, die Ra eine wirts sern. Dazu gehört es rb ve zu e ige ein ör lienangeh sfall deckt, wenn , die den Lohnau liche Absicherung von Care-Arbeit tigkeit zugunsten stä rb we Er re ih u bezahlter PfleFamilienfra gehören auch ein zu da d Un rt. zie ng dieser Leidaheim redu rbare Wertschätzu hö er üb un e ein d geurlaub un stung.

lplanung, am Institut Sozia hule öpfel ist Dozent lung der Hochsc Prof. Dr. Carlo Kn ick ntw dte Sta d r Wandel un tschweiz. es rdw Organisationale No le hu sc it der Fachhoch für Soziale Arbe

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Inhalt Kunst ist …

Seite 14 Cristina Choudhary schreibt über Thornton Dials «Ground Level: Back Yard» «Ich bin sehr oft einfach von Schönheit ergriffen. Von Details. Von Dingen, die alltäglich sind und die man so oft übersieht: ein silberner Löffel, eine Gurkenscheibe, eine Blüte … Da besteht beim Malen die Kunst darin, den Glanz, die Wärme, die Weichheit des Silbers, die Leichtigkeit und das Licht hinzukriegen.»

Seite 12 Peter Conrath schreibt über «Die Reise des Samens» von Una Szeemann «Kunst ist etwas, dessen Bedeutung nur die Künstlerin ganz verstehen kann. Nur sie weiss, was wirklich in ihrem Werk steckt.»

Seite 16 Daniel Stutz schreibt über Marco Schmitts «Beyond the Badges» «Ich nehme es gleich vorweg: ich habe von Kunst so gut wie keine Ahnung. Und doch habe ich mich dazu entschieden, ein Kunstwerk der Manifesta zu besprechen. Es wurde für mich eine Reise in meine Vergangenheit.»

Seite 18 Hans Rhyner schreibt über Andrea Éva Gyo˝ris «VibrationHighWay» «Wenn ich Hefte verkaufe, ist das auch Kunst im öffentlichen Raum. Ich verändere den Blick der Passanten auf die Welt, wenn ich da stehe. Und manchmal irritiere ich sie auch.»

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Seite 20 Hans Peter Meier schreibt über Olga Chernyshevas «On Duty 1–11» «Früher fotografierte ich selbst und nahm ab und zu an einer Fotokunstausstellung teil. Da musste ich manchmal schmunzeln, was die Kunstkritiker alles in meinen Bildern sahen: Ich war überrascht, was für ein intellektueller Mensch ich offenbar bin …» Seite 22 Ruedi Kälin putzt wie Mierle Laderman Ukeles in «Washing/Tracks/Maintenace: Inside» «Kunst ist – Surprise verkaufen.»

Seite 24 Marcel Lauper schreibt über «The Here and the Now (Zurich Groups 1:1)» von Leigh Ledare «Kunst ist – wenn mich der Künstler zum Denken anregt.»

Seite 26 Michael Hofer schreibt über «Symbolic Threats» von Wermke/Leinkaufs «An meinem Verkaufsplatz in Oerlikon gibt es viele Gestalten, die herumhängen. Ich beobachte sie den ganzen Tag und mache dann zuhause Zeichnungen von ihnen.»

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Die Fotografien in dieser Ausgabe stammen von Philipp Baer. Er lebt und arbeitet in Zürich und Berlin und fotografiert für diverse Verlage und Agenturen. Für Surprise arbeitet er regelmässig seit mehreren Jahren.

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Kunst und Leben «Das hat manchmal etwas von einer Performance» Jürgen Krusche beschäftigt sich an der Zürcher Hochschule der Künste mit Fragen zum öffentlichen Raum. Die Surprise-Verkäufer und -Stadtführer Marcel Lauper und Hans Peter Meier sind im Laufe der Jahre zu Experten der Strasse geworden. Gemeinsam haben sie am vorliegenden Heft mitgearbeitet. Ein Gespräch über Kunst, öffentlichen Raum – und die Frage, wie sich beides auf das Leben auswirkt.

INTERVIEW VON DIANA FREI

Surprise-Verkaufen als Performance: Hans Peter, siehst du dich als Künstler? Hans Peter: Ich habe früher selbst Kunst gemacht, im fotografischen Bereich. Später hatte ich eine eigene Kunstgiesserei und arbeitete viel mit Künstlern zusammen. Aber ich glaube nicht, dass sich meine Selbstwahrnehmung verändert hat, als ich künstlerisch zu arbeiten begann. Es kann aber sein, dass meine Surprise-Kunden ein anderes Bild von mir bekommen, wenn sie wissen, dass ich früher an Fotoausstellungen teilgenommen habe. Ich glaube, beim Durchschnittsbürger hat ein Künstler

Jürgen, du hast das vorliegende Sonderheft bei der Manifesta 11 als sogenannten Parallel Event eingegeben: als Projekt, mit dem die lokale Kulturszene in Dialog mit der Hauptausstellung treten kann. Wieso wolltest du dieses Heft mit Surprise zusammen machen? Jürgen Krusche: Ich arbeite am Institut für Gegenwartskunst an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK und beschäftige mich seit Langem mit dem öffentlichen Raum: etwa mit der Frage, wie öffentlicher Raum organisiert ist und wer ihn benutzt. Innerhalb dieser Thematik bin ich auf das Thema Exklu«Ich glaube, ein Künstler hat einen bestimmten Status. Und wenn du sion gestossen – auf die Frage nach dem Ausschluss von bestimmten Menschen. Ich erforSurprise-Verkäufer bist, hast du auch einen bestimmten Status.» sche die Exklusionsstrategien und -prozesse, die in neoliberalen Städten zunehmend stattfinden. Ich wollte deshalb mit Menschen arbeiten, die von der Geselleinen bestimmten Status. Und wenn du Surprise-Verkäufer bist, hast du schaft auf irgendeine Art und Weise ausgeschlossen werden, und mit auch einen bestimmten Status. Die beiden stimmen nicht überein. ihnen Kunst anschauen, die solche Fragen thematisiert. Ich wollte mit Ausser man sagt sich, da entzieht sich einer dem bürgerlichen Leben derihnen über Themen reden, die sie persönlich kennen, die aber an der art, dass seine Lebensweise schon wieder eine Art provokativer Kunst ist. Manifesta sehr intellektuell bearbeitet werden. Marcel, ist es Kunst, wenn du Surprise verkaufst? Wieso kamst du mit deiner Idee ausgerechnet auf Surprise zu? Marcel: Die langen Stehzeiten durchzuhalten, ist eine Kunst. Aber ArJürgen: Die Verkaufenden sind Menschen, die aus dem normalen Arbeit im Sinn eines Brotjobs ist in der Regel kaum Kunst. Früher habe ich beitsleben herausgefallen sind, die mit dem Heftverkauf aber wieder eiauch zu fotografieren versucht, und am Weihnachtsmarkt möchte ich ner regulären Arbeit nachgehen. Das ist ein direkter Bezug zum Maniseit einigen Jahren einen Stand mit eigenem Kunsthandwerk machen. festa-Titel «What People Do For Money» – was Menschen für Geld tun. Aber das ist schwierig, es braucht Ressourcen, es braucht Platz. Ich finDas Sonderheft ist für mich eine künstlerische Arbeit. Surprise-Verkaude es schwierig, Kunst zu machen. Ob sie einen verändern würde? Mich fende vermitteln uns ihre Sicht auf die Kunst. In den Vorgesprächen zu würde sie glücklich machen. Manchmal lande ich per Zufall in einer diesem Heft thematisierten die Teilnehmer immer wieder, dass der VerVernissage. Ich mag Kunst sehr. Bilder, Musik, Skulpturen. Gestern war kauf eines Strassenmagazins in gewissem Sinn auch Kunst sei. Wenn ich in einer Galerie, um mir ein bestimmtes Bild ein zweites Mal anzuman mit einem Heft in der Hand auf dem Trottoir steht, hat das manchschauen. Wenn man sich Zeit nimmt, kann ein Bild eine ganze Gemal tatsächlich etwas von einer Performance. schichte erzählen. SURPRISE 381/16

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Man geht schnell davon aus, dass sozial Benachteiligte keinen Zugang zur Kunst haben und nie in Museen gehen. Bedienen wir dieses Klischee, wenn wir zusammen mit Surprise-Verkaufenden Ausstellungen besuchen? Jürgen: Nein, einige der Surprise-Verkaufenden gehen sich ja durchaus auch sonst Kunst ansehen. Das Wichtige ist, dass sie jetzt auch darüber schreiben. Dass sie Kommentare abgeben und beurteilen, ob verständlich ist, was gezeigt wird. Marcel: Vieles in der Kunstwelt geht aber wirklich an mir vorbei, weil ich nicht weiss, wo was läuft. Aber das hat auch viel mit mir zu tun. Trotzdem: Ich denke, es stimmt schon, dass ich einen begrenzten Zugang zur Kunst habe. Manchmal ist es ein Eintrittsbillett von 25 Franken, und wenn einmal etwas günstig oder eine Vernissage gratis wäre – wie erfährt man das schon? Auch ist es manchmal ein grosser Schritt, alleine an eine Veranstaltung zu gehen. Hans Peter: Man muss auch unterscheiden, ob man von der Kunst ausgeschlossen wird oder ob man selbst kein Interesse daran hat. Trotzdem hat beides miteinander zu tun: Es kann auch sein, dass man kein Interesse hat, weil einem die psychischen Ressourcen dazu fehlen. Weil man allzu sehr damit beschäftigt ist, sich am Leben zu erhalten. Es sind innere Ressourcen nötig, um sich frei und offen für etwas zu fühlen, das über das Allernotwendigste hinausgeht.

Marcel, was geht dir beim Verkauf durch den Kopf? Marcel: Ich denke oft nach. Nur bin ich dann weniger konzentriert und verkaufe weniger Hefte. Aber man kann gut nachdenken und Pläne für den restlichen Tag machen. Und natürlich auch die Leute beobachten. Den Gang einer Person, wenn sie an einem vorbeigeht. Haltung, Mimik, die Kleider. Hans Peter: Ich beobachte die Leute auch. Wenn sie beim Einkaufen sind, scheinen viele gar nicht recht zu wissen, was sie wollen. Dann laufen sie an mir vorbei, bleiben stehen, gehen doch wieder zurück, hin und her. Und dann gibt es diejenigen, die sich ganz geschäftig geben und schnurstracks an mir vorbeilaufen. Wenn ich merke, dass Leute eine solche Mauer um sich herum aufbauen, versuche ich sie zu durchbrechen, indem ich die Menschen anspreche. Jürgen: Du hast einmal erzählt, dass Leute regelmässig zu dir kommen und dir von ihren Sorgen berichten. Du übernimmst manchmal fast eine therapeutische Funktion. Hans Peter: Ich stehe in der Nähe von Arztpraxen, und einer meiner Kunden sagt, wenn er mich vor seinem Termin kurz sieht, bekomme er vom Arzt immer guten Bericht. Ich weiss natürlich nicht, ob das wirklich an mir liegt. Aber es ist schön, wenn Leute so denken. Wenn du jahrelang am gleichen Ort stehst, bauen die Menschen einen Bezug zu dir auf. Letztes Jahr im Winter lud mich jemand zum Kaffeetrinken ein. Er erzählte mir, er habe nun seinen letzten Arbeitstag, und die letzten vier Jahre hätte ich ihm jeden Tag «Guten Morgen» gesagt, obwohl er mir nie ein Heft abgekauft habe. Das habe ihn beeindruckt.

Jürgen, du bist in der künstlerischen Forschung tätig. Ist das, was wir mit dem Projekt surprise@manifesta machen, auch Forschung? Jürgen, du zitierst in einem deiner wissenschaftlichen Texte die «unJürgen: Für mich ist das hier kein Forschungsprojekt. Künstlerische scheinbaren Momente flüchtiger Begegnungen». Sie werden von Forschung heisst grundsätzlich, künstlerische Methoden anzuwenden, Soziologen wie Richard Sennett als Qualität des öffentlichen Raums um etwas zu erforschen, ich arbeite daher viel mit Fotografie oder Film. bezeichnet. Mir kommen dabei die Begegnungen zwischen SurpriseIch habe zum Beispiel ein Projekt über die Funktion und Nutzung öfVerkaufenden und Passanten in den Sinn. Ist das, was Hans Peter fentlicher Räume in Shanghai, Tokio, Berlin und Zürich gemacht, darund Marcel beschreiben, auch eine solche Qualität des öffentlichen aus entstand ein Buch mit 400 Fotografien. Anhand der Bilder kann Lebens? man sich fragen: Warum werden öffentliche Räume unterschiedlich geJürgen: Richard Sennett spricht schon allein von der Tatsache, dass sich nutzt? Was ist Öffentlichkeit überhaupt? Die Idee von Öffentlichkeit ist in öffentlichen Räumen Menschen aus allen sozialen Schichten und in unseren westlichen Grossstädten immer stärker durch die zunehGruppen aufhalten. Das macht es möglich, dass sich Menschen spontan mende Privatisierung des Raums bedroht, durch die Gentrifizierung. In begegnen. Er meint nicht einmal, dass man zwingend miteinander reder Schweiz ganz speziell durch den Wegweisungsartikel. Bestimmte soziale Gruppen oder Menschen, die in öffentlichen Räumen stören, dürfen weggewiesen werden. Durch all diese Massnahmen und «Es stimmt schon, dass ich einen begrenzten Zugang zur Kunst habe. Ob Prozesse werden diese Räume in der Schweiz sie einen verändern würde? Mich würde sie glücklich machen.» und auch in Deutschland oder China immer weniger öffentlich. In der Zeit vor der neoliden oder sich verstehen muss. Sondern einfach, dass die Begegnung beralen Politik bedeutete Öffentlichkeit noch etwas anderes. Heute bestattfindet. Und das ist genau das, was am Bellevue nicht passiert. Ich stimmt eine Form von Idealisierung, wie die Innenstadt aussehen kann am Bellevue keinem Obdachlosen und keinem Punk mit seinen muss. Einen Obdachlosen mit Bierflasche in der Hand will man da Hunden mehr begegnen. In dem Sinn ist das Bellevue nach der Definiplötzlich nicht mehr. Weil er nicht ins Bild passt. Es sind solche Idealtion von Sennett bereits nicht mehr öffentlicher Raum. Oder auch der bilder, die die Städte immer stärker prägen. Das entspricht aber nicht Sechseläuten-Platz: Man will dort bestimmte Gruppen von Menschen der Idee von Öffentlichkeit. haben, und andere will man nicht. Das heisst, dass dort die Begegnungen nicht mehr stattfinden, die einen Ort zum öffentlichen Raum maIst das, was die Verkaufenden auf der Strasse machen, auch künstchen. lerische Forschung? Sie beobachten den öffentlichen Raum jeden Tag stundenlang. Was wäre nach Sennett öffentlicher Raum in Zürich? Jürgen: Ja, es wäre ein Anfang. Der 1936 geborene französische SchriftJürgen: In Zürich ist alles reglementiert bis hin zur Begrünung. Bis zu steller Georges Perec setzte sich an einen öffentlichen Platz und schrieb einem gewissen Grad ist das sinnvoll. Es wird weltweit geschätzt, die einen Tag lang alles auf, was er sah: wie der Bus vorbeifuhr, welche Touristen sind glücklich. Aber wenn man anfängt, diese Gestaltungsidee Nummer der Bus hatte, welche Leute da waren, was die trugen. Alles auf Menschen und soziale Gruppen zu übertragen, wird es problemaradikal, inventarisiert, ohne zu bewerten. Das ist eine Möglichkeit der tisch. Wenn ich meine Vorstellung von einem schönen öffentlichen Beobachtung: ein Inventar anlegen. Hans Peter und Marcel machen das Raum auf Menschen anwende und sage: Die Punker mit ihren Hunden bis zu einem gewissen Grad, wenn sie stundenlang am Bellevue oder entsprechen nicht unserem ästhetischen Bild, die müssen hier weg, am Bahnhof stehen. Sie beobachten. Das ist der erste Schritt zur Fordann wird es ethisch schwierig. Aber genau das passiert leider. Auch schung. Um die Beobachtungen fruchtbar zu machen, müsste man sie wird es unterdessen den Gastwirten in verschiedenen Schweizer Städallerdings in einer Form festhalten.

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ten verboten, einen bestimmten Plastikstuhl auf die Strasse zu stellen, weil er ästhetisch nicht ansprechend ist. Hier stellt sich die Frage: Ist ein Ort noch öffentlicher Raum, wenn ganz klar definiert wird, wie er gestaltet werden darf?

Hattest du im Arbeitsleben je Probleme, weil du nicht geschwiegen hast? Marcel: Ja, sicher.

Aber nicht so, dass du den Job verloren hättest? Marcel: Kann schon sein, wer weiss. Hans Peter, du warst IT-Spezialist, jetzt verkaufst du Surprise. FinHans Peter: Es wird ja nicht kommuniziert, weshalb man seinen Job dest du, die Stadt ist eine andere, je nachdem, wer man ist und was wirklich verliert, das weiss ich auch. Den Manifesta-Titel finde ich sehr man tut? interessant, weil nicht einfach danach gefragt wird, was Leute machen, Hans Peter: Die Stadt bleibt die gleiche. Aber die Wahrnehmung veränum sich ihr Leben zu finanzieren. Sondern danach, was sie für Geld tun. dert sich. Wenn du jeden Tag zehn bis 16 Stunden arbeiten, 24 Stunden Das ist eine spannende Nuance. telefonisch erreichbar sein musst und praktisch keine Freizeit mehr hast, entwickelst du das Gefühl, du müsstest wahnsinnig viel erleben, wenn du endlich mal «Einen Obdachlosen mit Bierflasche in der Hand will man an bestimmten Ferien hast. Aber wenn du den ganzen Tag dastehst, hast du den ganzen Tag Zeit, etwas zu Orten nicht mehr. Weil er nicht ins Bild passt. Das entspricht aber nicht der erleben. Es macht einen Unterschied, ob ich Idee von Öffentlichkeit.» schnell vom Tram ins Büro hetze oder ob ich den ganzen Tag an einem Ort stehe und ihn auf Dadurch, dass die Frage so eng an das Geld geknüpft ist, wird sie momich wirken lasse. Wer Zeit hat, erlebt alles viel differenzierter. ralischer. Jürgen: Unsere Arbeitswelt geht ja genau in diese Richtung. Der flexible Hans Peter: Und sie entspricht dem Zeitgeist. Geld ist heute fast der Mensch, der immer abrufbar und auch immer wieder bereit sein muss, wichtigste Faktor. In jedem Zeitungsartikel über eine Katastrophe folgt sich an neue Verhältnisse anzupassen. spätestens im zweiten Abschnitt die Information, wie viel sie die WeltHans Peter: Früher musste der oberste Kader an 365 Tagen 24 Stunden wirtschaft gekostet hat. Das Geld ist unterdessen fast zentraler als die erreichbar sein. Acht, neun Jahre später wurde es vom mittleren Kader Frage, wie viele Leute umgekommen sind. erwartet, und heute wird es bald von jedem Mitarbeiter erwartet. Auch Jürgen: Was denkt ihr, was bedeutet Kunst für eine Gesellschaft? Ist sie Leute, die einen total durchschnittlich bezahlten Job haben, müssen in wichtig? Notwendig? ihren Ferien noch E-Mails checken. Marcel: Für mich ist Kunst etwas sehr Schönes, weil sie neue Blickwinkel auf das Leben ermöglicht. Es sind Farbe und Form, die ein Gefühl Damit sind wir zurück bei «What People Do For Money». Fühlt ihr auslösen können. Es ist die Sinnlichkeit. Ich finde, Kunst braucht einen euch angesprochen vom Manifesta-Titel? Platz in der Gesellschaft. Marcel: Was machen Menschen für Geld? Ich finde die Frage «Was Jürgen: Es wird ja oft kritisiert, die Stadt gebe für die Kultur zu viel Geld macht der Mensch für Geld nicht?» fast interessanter. Manchmal muss aus. man für Geld halt einfach eine ganze Menge tun, das man eigentlich Hans Peter: In der Kultur versucht man immer zu knausern. Aber für nicht will. Auch eigene Erwartungen herunterschrauben. Kunst sollte es immer Platz haben. Vor allem finde ich es wichtig, dass auch Kinder in einem Umfeld von Kunst und Kultur im öffentlichen Was würdest du für Geld nie tun? Raum aufwachsen können. Das prägt den Geist in eine offene und posiMarcel: Ich bin einer, der viel reklamiert und auf Missstände in der Artive Richtung. Ich glaube nicht, dass die Ausgaben dafür zu hoch sein beitswelt hinweist. Die Klappe halten würde ich nicht für Geld. können. Was wirklich Kunst ist, kann man dann wieder diskutieren. ■

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Una Szeemann: «Die Reise des Samens», 2016 Meine Reise zur Kunst: ein Logbuch Wie ein Büschel Haare Neugier und Hartnäckigkeit in der Recherche anstacheln kann. VON PETER CONRATH

13. Juni: Una Szeemanns Werk besteht aus blonden Haaren ohne Kopf, einer Kokosnussschale und einem flatternden Tuch.

6. Juni Wir sind an eine Pressekonferenz im Zürcher Kaufleuten eingeladen, wo wir alle auch einen Presseausweis bekommen. Die Pressekonferenz ist für mich jedoch mühsam, da fast alles auf Englisch ist.

uns an die Ausstellungen gehen möchte und wir uns dort ein Kunstwerk aussuchen sollen, worüber wir dann einen Text schreiben sollten. Wir starten im Löwenbräu-Areal, wo ein Teil der Ausstellung ist. Dort angekommen, sagt Jürgen Krusche ein paar einführende Worte, dann gehen wir in die Ausstellung. Ich suche mir ein Kunstwerk von Una Szeemann aus. Das Werk ist in mehrere Teile aufgeteilt: zu sehen sind blonde Haare ohne Kopf, eine Kokosnussschale und ein flatterndes Tuch. Alle drei Objekte hat Una Szeemann während einer Trancearbeit als innere Bilder erlebt.

13. Juni Wir treffen uns mit Jürgen Krusche von der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK im Surprise-Vertriebsbüro. Er erläutert uns, dass er mit

17. Juni Besuch an der Schulstrasse 64, der psychologischen Praxis von Dr. phil. Peter Hain, der Una Szeemann eine Trancereise angeboten hat. Hier

Anfang Mai 2016 Einige Surprise-Verkaufende werden angefragt, ob sie Interesse hätten an einem Sonderheft, das im August erscheint, mitzuarbeiten. Es handle sich um die Kunstausstellung Manifesta 11.

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Bild oben links: 17. Juni: Ich werde auf einen weiteren Film zu Una Szeemanns Werk hingewiesen, den ich vorab an der Zürcher Hochschule der Künste anschauen könne. Bild oben rechts: 17. Juni: In der psychologischen Praxis von Dr. phil. Peter Hain läuft ein Video über Kunst und Psychologie. Ich kann mit dem Video jedoch nichts anfangen. Bild unten links: 22. Juni: Treffen mit dem Filmemacher Miloš Savić an der ZhdK. Bild unten rechts: 9. Juli: Es kommt doch noch ein Gespräch mit Dr. Hain zustande.

läuft ein Video, ein Gespräch über Kunst und Psychologie. Ich kann mit dem Video jedoch nichts anfangen (verstehe es nicht). Jürgen, der mit mir mitkam, macht den Vorschlag, ich solle doch versuchen, mich selbst hypnotisieren zu lassen. Auf meine Anfrage bei Dr. Hain für Hypnose werde ich dafür auf einen weiteren Film zu Una Szeemanns Werk hingewiesen, den ich vorab an der Zürcher Hochschule der Künste anschauen könne, bevor er im Pavillon of Reflections, einem weiteren Manifesta-Standort auf dem Zürichsee, öffentlich gezeigt werde. 22. Juni Treffen mit dem Filmemacher Miloš Savic´. Erfahre dabei, dass alle drei Kunstwerke aus einem erinnerten Bild mit einem Samenkorn entstanden sind. Und dass das Bild von den Haaren wahrscheinlich aus Una SURPRISE 381/16

Szeemanns Kindheit stammt. Szeemann erinnert sich, dass in ihrem Kinderzimmer ein Kunstobjekt stand, das ein Geflecht aus blonden Haaren war, und dass sie sich davor fürchtete. 9. Juli Es kommt doch noch ein Gespräch mit Dr. Hain zustande. Ich erfahre, dass Una Szeemann ihn schon vor drei Jahren für eine Trancereise mit ihrer damaligen Kunstschulklasse anfragt hatte. Kam dann jedoch nicht zustande. Weiter erfahre ich, dass Personen unter Hypnose mehr in Bildern erleben und weniger in Worten denken. Ebenfalls erfahre ich, dass Künstler bei der Arbeit oft in einer Art kreativer Trance sind und somit selbst auch eine Art Hypnose praktizieren. ■

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Thornton Dial: «Ground Level: Back Yard», 2012 Die Wärme verrosteter Büchsen Woran man sieht, dass der Künstler die verborgene Schönheit der Welt erkannt haben muss. VON CRISTINA CHOUDHARY

Ich bin mit einer kleinen Gruppe ins Zürcher Löwenbräu mitgegangen und wir hatten das Privileg, mit Jürgen Krusche von der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK von einem Kunstexperten geführt zu werden. Ich muss leider sagen, dass ich persönlich mit keinem der ausgestellten Werke etwas anfangen konnte, mit Ausnahme einer einzigen Assemblage. Bei einigen Kunstwerken habe ich die bildnerische oder malerische Leistung geschätzt und auch bewundert, ohne jedoch von irgendeinem Inhalt, sofern überhaupt erkennbar, berührt oder beeindruckt zu werden. Ich habe allerdings sehr schöne Fotos gesehen, Spinnennetze und Porträts und alte Gebrauchsgegenstände. Für mich selbst wäre das aber der Ausgangspunkt, um das Gefühl, welches bei mir wach wird, in einer eigenen Kreation zu äussern. Ansonsten war mein Gesamteindruck eine grosse Leere, Lieblosigkeit, Seelenlosigkeit, alles auf Effekte hin und auf Originalität ausgerichtet. Die zum Teil recht spitzfindigen psychologischen Erklärungen zu den einzelnen Kunstwerken haben für mich das Ganze auch nicht verbessert, ich bin mir dadurch erst recht verarscht vorgekommen. Als ich enttäuscht und frustriert im obersten Stock und im letzten Ausstellungsraum den Blick hoffnungslos umherschweifen liess, entdeckte ich eine Assemblage. Ich dachte: «Wow, die gefällt mir aber.» Und fühlte mich gleich angezogen, um zu sehen, wie sie gemacht ist, und da entdeckte ich auch schon die aufgenagelten und eingedrückten verrosteten Büchsen, die verrostete Spirale, vermutlich eine alte Bettoder Sofafeder, das moosbedeckte Holz, die aufgenagelten Bierdeckel, die emporragende, verrostete Büchsenseite, die durch den Rost schon so zersetzt ist, dass sie wie eine filigrane Häkelspitze aussieht. Der Hintergrund ist eine massiv aussehende Holzplatte (schätzungsweise 1,30 bis 1,20 Quadratmeter), von einem ebenfalls massiven Holzrahmen gerahmt, deren Leisten nach hinten abstehen, sodass die Holzplatte von hinten ca. 6 cm im Rahmen versenkt liegt. Der Rahmen sowie die vordere Seite der Holzplatte sind mit einer dünnen Schicht Leim und Sand bestrichen, der Sand hat eine warme bräunliche Farbe mit gelblichem Einschlag. Da und dort liegen über dem Sand noch feine Gitterstückchen aus Baumwollfäden, die einst das Gerüst eines ebenfalls eingeflochtenen Teppichs bildeten. In der Mitte der Assemblage ragt eine künstliche, alt aussehende Hortensienblüte mit einem dunklen goldenen Schimmer heraus, und die ganze Komposition ist mit kleinen bunten Glasscherben bespickt, mit Steinchen, zum Teil anSURPRISE 381/16

gesengten Holzstückchen und liegenden rostigen Nägeln und Schrauben. Mir gefällt diese Assemblage sehr gut, weil sie auf mich sehr ausgeglichen und warm wirkt. Die Wärme ist erst mal rein farblich gegeben, durch die vielfältigen Brauntöne, die vom verkohlten Holz bis zu den vergilbten Netzen reichen, durch die verschiedenen Kupfertöne des Rosts, durch hellgrünes Moos und hellgrüne Glasscherben, blaubraune Hortensien und dunkelblaue Glasscheiben. Ich glaube zwar, den Goldschimmer auf den Hortensien habe ich mir nur gewünscht, den gab’s gar nicht. Warm ist jedenfalls auch die gesamte Ausstrahlung, denn ich glaube, dass diesem Mann jeder Einzelne dieser wertlosen Gegenstände, die er verwendet hat, seiner Schönheit wegen aufgefallen ist, vielleicht sind der eine oder andere Bierdeckel und die angesengten Hölzchen auch Erinnerungsstücke an einen schönen Grillabend im Hinterhof, wer weiss. Harmonie und Ausgewogenheit sind durch die gelungene Platzierung gegeben, es gibt keine schweren und leichten Stellen in der Gesamtheit der Assemblage. Ich denke, Thornton Dial hat die Glasscherben zuletzt angeordnet, einem Bauchgefühl folgend. Etwa so, wie wenn man in einem Nachthimmel die Sterne zuletzt noch einsetzt, sind um eine Blüte herum ein paar Tupfen Blütenstaub aufgepinselt; das verleiht der ganzen Komposition Schwung und Leichtigkeit und wirkt sich ausserdem sehr dekorativ aus. Ich bedaure, dass Dial genau dieses Jahr mit 88 Jahren gestorben ist – wenige Monate bevor er erfahren hätte, dass seine Assemblage bei mir so gut angekommen ist. Ich denke, er hätte sich darüber gefreut. Ich stelle mir einen aufgestellten alten Opa vor, der noch Freude hatte am Leben, schöne Sachen sah und bis zuletzt in Zufriedenheit und Erfüllung lebte. Und ich denke auch, dass seine Assemblage sich von allen anderen Kunstwerken, die ich im Löwenbräu gesehen habe, abhebt – und sogar, dass sie eigentlich gar nicht dorthin passt, weil es aus einer anderen Haltung heraus gemacht wurde und diese andere Haltung auch ausstrahlt. Jedenfalls für mich, aus meiner Sichtweise heraus empfunden. Es ist die Haltung der Wertschätzung, das Aufzeigenwollen von verborgener Schönheit, vielleicht das Festhalten von persönlichen Erinnerungen oder Wünschen. Für mich ist diese Assemblage eine Liebeserklärung an das verwendete Material. Holzplatte und Rahmen inbegriffen! ■

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Marco Schmitt: «Beyond the Badges», 2016 Ein Jaguar zwischen Freiheit und Sicherheit Was eine Raubkatze und ein Hund über Drogenkriege und besetzte Häuser erzählen. VON DANIEL STUTZ

Um es gleich vorwegzunehmen, ich habe von Kunst so gut wie keine Ahnung. Und doch habe ich mich dazu entschieden, für das Projekt surprise@manifesta ein Kunstwerk auszuwählen. Es handelt sich dabei um eine Installation des Künstlers Marco Schmitt, entstanden als Auftragsarbeit. Die Kunstbiennale lud unter dem Titel «What People Do For Money» Künstler ein, sich aus einer Liste von 1000 Berufsgattungen einen auszusuchen und zusammen mit den Berufsleuten Kunst zu schaffen. Nebenbei bemerkt: An der Wand im Zürcher Löwenbräu deutet ein Comic des mexikanischen Zeichners Pablo Helguera einen Bezug zwischen der Kunstausstellung und den ersten Höhlenmalereien im französischen Lascaux an: Die Manifesta 11 als Rückbesinnung auf die gewissermassen erste Kunstbiennale in Europa vor 35 000 Jahren. Nur dass es damals weniger Berufe gab und sich so alle Höhlenmaler für das Berufsbild Jäger entschieden. Marco Schmitt hingegen wählte den Beruf des Polizisten und damit die Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei Zürich. Aus den Begegnungen entstanden neben einer Installation, die ich mir genauer angesehen habe, ein Film und mehrere kleine Objekte, die die Stadtpolizisten selbst modellierten. Sie hatten den Auftrag, ihre Lieblingswaffe in ein Objekt einzubauen. So entstand zum Beispiel ein Werk, das eine Computermaus der Polizeistation mit einer Handschelle verbindet, zusammengehalten durch eine Verlängerung der Handschellenkette. Oder ein Schlagstock, der sich in eine Schlange verwandelt. Dann die Installation «Beyond the Badges»: Ein Jaguar, auf einem Betonblock lauernd, steht einem Polizeihund entgegen. Unter seiner Klaue ein einzelner Knochen. Der Schwanz der Raubkatze ist zu einer Schlange verlängert, die den Betonblock unter ihr durchschlägt. In seinem Innern: ihre Beute, ein weiterer Polizeihund – als bereits zerschlagene Hundeskulptur ohne Kopf präsentiert – und weitere Trophäen, die erst

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auf den zweiten Blick als abgewandelte Schlagstöcke erkennbar werden. Der Hund, der dem Jaguar gegenübersteht, hält Handschellen in der Schnauze und führt einen Schlagstock mit sich. Auch er hat einen Teil der Beute, einen einzelnen Knochen. Was mich an diesem Werk fasziniert, ist der Konflikt zwischen Freiheit und Sicherheit, der Kampf zwischen Gut und Böse. Auf der einen Seite der Jaguar, eigensinnig, sich leise anschleichend, listig, zuweilen auch brutal. Auf der anderen Seite der Hund, treu, folgsam, loyal und tapfer, aufopfernd, aber auch nicht allzu zimperlich. Es wird nachvollziehbar, dass der Künstler in New York, Mexiko und Berlin lebt und arbeitet: Es sind alles Grossstädte, die mit seinen zentralen Themen zu tun haben. New York hat seine immer wieder auftauchende Kriminalität rigoros bekämpft, Mexiko steckt in einem ständigen, brutalen Drogenkrieg, und Berlin hat eine lange Geschichte mit alternativer und Hausbesetzer-Szene, vor allem in Kreuzberg. Marco Schmitt scheint seinen Themen gegenüber somit nicht unbedarft eingestellt zu sein, sondern kennt vermutlich beide Seiten: übertriebene Polizeigewalt genauso wie fehlende Sicherheit. Er hat somit einen besonderen Bezug zu Kriminalität und Polizei und hat sich sicher auch schon vorher mit diesem Themenbereich auseinandergesetzt. Für mich ist dies nicht zuletzt auch eine Reise in meine Vergangenheit. Weil ich mehrere Jahre in besetzten Häusern lebte und später auch Drogen konsumierte, kam ich mit diesen Themen immer wieder in Kontakt. Sowohl im negativen als auch im positiven Sinn – denn ich habe mit der Polizei nicht nur negative Erfahrungen gemacht. Das ist der Grund, warum mich dieses Werk interessiert. Aber auch abgesehen von meinem persönlichen Bezug zur behandelten Thematik und meiner ganz eigenen Interpretation zeigt «Beyond the Badges» für mich einfach auch in einem universellen Sinn die Schönheit der Natur. ■ SURPRISE 381/16


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Andrea Éva Gyo˝ri: «VibrationHighWay», 2016 Die Glückseligkeit der wirklichen Liebe Wie die Darstellung von Sexualität dabei hilft, Verunsicherungen aus der Kindheit zu verarbeiten. VON HANS RHYNER

Wenn ich vor der riesigen Wand mit den Zeichnungen von Andrea Éva Gyo˝ri stehe, die die weibliche Sexualität sehr explizit zeigt, wirkt das für mich befreiend. Die Offenheit fasziniert mich, dass man solche Zeichnungen überhaupt machen und ausstellen darf. Vor 50 Jahren wäre das nicht gegangen: dass man offen zeigt, was Liebe bedeuten kann. Das hat mich stark interessiert, ich habe mir dieses Werk über Wochen hinweg mehrere Male angeschaut. Für mich allein. Ich habe meiner Freundin davon erzählt, sie sagte, sie wolle auch einmal mitkommen. Mir gefällt die Stimmung im Löwenbräu sehr. Ich habe dort niemanden schwatzen hören, die anderen Besucher wirken sehr vertieft. Jeder lässt die Werke auf sich wirken. Fast wie in einer Kirche. Ich bin 1954 geboren und kenne die Offenheit von Andrea Éva Gyo˝ris Werk aus meiner Kindheit nicht. Zum ersten Mal war ich verliebt, als ich in der vierten Klasse war, und zwar in meine Lehrerin. Ich habe es meinem Vater erzählt. Der schickte mich daraufhin auf einen landwirtschaftlichen Betrieb, um beim Heuen zu helfen, damit mir solche Gedanken vergehen würden. Das waren seine Worte, das weiss ich noch. Als meine jüngste Schwester zur Welt kam, hat sich meine Mutter zum Stillen jeweils hinter einen Vorhang in einem Zimmer zurückgezogen und schloss die Tür. Ich denke, meine Mutter hätte sich nicht daran gestört, dass wir zuschauten, aber mein Vater wollte es nicht. Wir Kinder haben manchmal heimlich hineingeguckt – im Wissen darum, dass wir das nicht tun dürften. Jahre später fragte ich meine Mutter einmal, ob sie ihre Sexualität in ihrem Leben ausgelebt habe. Sie wurde rot und sagte: «Über solche Dinge möchte ich nicht reden.» Ich kann mir vorstellen, dass das nicht ihre ehrliche Meinung war, sondern von der Gesellschaft jener Zeit so vorgegeben wurde. SURPRISE 381/16

Ich kenne heute noch einige Frauen, die ihren eigenen Körper nicht kennen oder in ihrem ganzen Leben nie richtig kennenlernen durften – aus einem Schamgefühl heraus. Ich finde, wir Menschen sollten Streicheleinheiten geniessen dürfen. Aber sicher nicht auf einseitigen Willen hin, sondern nur, wenn es für beide stimmt, und mit Gefühl und Zärtlichkeit. Es darf dabei nicht nur um den Liebesakt an sich gehen, es ist vielmehr ein Spiel. So entsteht Lust aus den Gefühlen, die ich für meine Partnerin empfinde. Ein Ideal, ein Fantasiegebilde im Kopf, kann nie die Glückseligkeit der wirklichen Liebe erreichen. Deshalb ist die elementare Voraussetzung für die Liebesfähigkeit im Leben die Sensitivität im Augenblick. Sensitivität ist der Schlüssel zum Glück. Wenn ich merke, dass ich nur an die Körperlichkeit denke, heisst das, dass meine Gefühle nicht stimmen. Die Sensitivität löst sich in diesem Moment regelrecht auf und ich stehe mit leeren Händen da. Meiner Partnerin gegenüber, mir selbst gegenüber. Deshalb finde ich es befremdend, wenn Experten Ratschläge geben, wie man einen Orgasmus erlangt. Denn das Klammern an Ratschläge zerstört das Gefühl, das Spüren und Empfinden im Augenblick einer Begegnung. Ich glaube, es ist falsch, mit dem Denken absichtsvoll die Liebe zu suchen. Sie muss einfach passieren. Mir wurde in meiner Kindheit nie erlaubt, einen tiefen Bezug zu Menschen zuzulassen. Wenn ich heute Surprise verkaufe, ist mir deshalb sehr wichtig, die Leute wahrnehmen zu dürfen. Ich geniesse es, dabei herauszuspüren, wem ich wie begegnen kann und darf. ■

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Olga Chernysheva: «On Duty 1–11», 2007 Eine Gesellschaft in Wartestellung Was Metallrahmen, Glasscheiben und Gesichter über ein ganzes Land erzählen können. VON HANS PETER MEIER

Als ich Olga Chernyshevas Bildserie «On Duty 1–11» sah, dachte ich auf den ersten Blick: Das sieht aus wie in Russland, auch wegen der Uniformen der Porträtierten. Als ich las, dass es sich um Aufnahmen aus einer Moskauer U-Bahn-Station handelt, spürte ich einen tiefen Bezug zu den Bildern. Sie sprechen mich als künstlerische Arbeit an. Es sind Schwarz-Weiss-Porträts von Angestellten in der Moskauer U-Bahn. Sie wirken einerseits zeitlos, und doch dachte ich zuerst, sie könnten aus den Sechziger-, Siebziger- oder auch Achtzigerjahren stammen. In Wahrheit sind sie 2007 entstanden, am Korn sieht man aber, dass sie analog aufgenommen worden sind. Als ich jung war, habe ich sehr viel fotografiert, auch viel schwarz-weiss. Ich habe die Bilder auch selbst entwickelt und vergrössert. Daher ist eine solche Fotoserie für mich sehr interessant. Dann ist da noch mein persönlicher Bezug zu Russland: 1995 reiste ich drei Monate lang durch Russland, von Moskau per Flugzeug nach Wladiwostok, nachher weiter mit dem Zug durch den sibirischen Winter. Ich übernachtete immer privat; ich hatte über meinen damaligen Job in der IT-Branche persönliche Kontakte. Russland interessierte mich immer stark. Interessant ist, dass Olga Chernysheva in der Moskauer U-Bahn diese vermeintlich unscheinbaren Motive ausgewählt hat. Es gibt etliche Obdachlose, die auf den Lüftungsschächten vor der Moskauer U-Bahn übernachten, es wären also viele andere Motive vorhanden, für die man sich an einem solchen Ort entscheiden könnte. Die Bilder sind Szenen aus dem Arbeitsalltag der Angestellten; Frauen hinter Bedienungsschaltern etwa oder Männer, die vermutlich Monitore beobachten. Ich empfinde es als symptomatisch für diese Gesellschaft, dass nur eine ganz kleine Elite Macht hat, und allen anderen bleibt die beobachtende Haltung oder der Versuch, einfach nicht allzu sehr aufzufallen. Mir scheint, man könne anhand dieser Bilder etwas von der Eigenheit der russischen Gesellschaftsform erahnen. Als ich in den Neunzigerjahren dort war, erlebte ich die Stimmung so, als ob die ganze Gesellschaft in einer beobachtenden Haltung wäre. Die Menschen auf Olga Chernyshevas Fotografien haben keinen direkten Kontakt zum Betrachter, sie blicken an ihm vorbei. Sie warten alle auf etwas. Worauf, bleibt unklar. Darauf, dass eine Sirene losgeht? Darauf, dass ihre Schicht vorbei ist? Man sieht keinen, der aktiv irgendetwas macht. Alle sitzen in einer Art Kabine, die meisten hinter Glas. Nur auf einem Bild sieht man im Hintergrund einige Leute. Eine Arbeit, die etwas Melancholisches bis Tragisches hat. Die Bilder sind von einem massiven, kantigen Metallrahmen eingefasst, der diesen Eindruck verstärkt. Die Bilder selbst sind hinter Glasscheiben gesetzt, die zum Teil von weiteren Glasscheiben in den Fotografien selbst eine Doppelung erfahren. Es

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ergibt sich das Gefühl, die Menschen sässen in einem Glaskäfig mit Metallrahmen. «What People Do For Money», was Leute für Geld machen: Die Serie heisst «On Duty» – die Leute erfüllen also ihre Pflicht. Das heisst, es steht nicht die Freude an der Arbeit im Zentrum. Bei uns wird der Job ja stark hochstilisiert. Für viele Menschen bei uns ist der Job der Lebensinhalt. Bei diesen Menschen auf den Bildern ist der Job vermutlich eher dazu da, das Leben zu erhalten. Man erfüllt seine Pflicht. In unserer Gesellschaft suchen die Leute im Job dagegen oft die Erfüllung. Obwohl vielleicht einer, der hierzulande bei der Stadtreinigung arbeitet, seinen Job auch nur macht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich habe das auch eine Zeit lang gemacht. Wenn man aber eine Stelle hat, wie ich sie früher im IT-Bereich hatte, hat man einen persönlichen Bezug zum Inhalt der Arbeit. Der Unterschied ist riesig. Dass mich mit dieser Serie an der Manifesta eine Arbeit speziell angesprochen hat, die nicht eigens für die Ausstellung entstanden ist, sondern als bereits bestehende ältere Arbeit ausgestellt wird, finde ich symptomatisch für die Ausrichtung der Manifesta 11. Vermutlich konnte sich die Künstlerin für ihr Werk die Zeit nehmen, die sie brauchte, und die Idee reifen lassen. Bei manch anderen ausgestellten Werken hatte ich dagegen den Verdacht, die Künstler hätten unter Zeitdruck gestanden. Auf die Art entsteht nicht unbedingt etwas, bei dem der Funke tatsächlich auf den Betrachter überspringt. Das ist ein Punkt, den ich an unserer Zeit im Allgemeinen schade finde: dass meistens zu wenig Zeit da ist, damit etwas Gutes entstehen kann. Ich nehme nicht an, dass Picasso oder Dalí sich sagen mussten: Bis dann und dann müssen zehn Werke fertig sein. Solche Künstler konnten die Dinge wohl in der Zeit entstehen lassen, die dafür notwendig war. Aber heute ist mein Eindruck, dass man – egal in welchem Arbeitsbereich – alle paar Monate etwas Neues auf den Tisch legen muss. Darunter leidet die Qualität. Was mich am Konzept der Manifesta 11 zudem verwundert, ist die Tatsache, dass man kritischen Themen unserer Stadt oder unseres Landes grösstenteils ausgewichen ist. Niemand hinterfragt den Finanzplatz Zürich. Auch hat Zürich den Ruf, es sei eine sehr saubere Stadt, aber es hinterfragt auch niemand, wieso sie denn so sauber ist. Sind die Leute so sauber? Oder ist die Arbeit der Stadtreinigung so immens, dass sie nach aussen hin sauber wirkt? Das wäre nun zum einen ein sehr anspruchsvolles Thema, zum anderen ein ganz einfaches. Oder die ganze Flüchtlingsthematik, die zurzeit sehr dominant ist, wird aus der Schweizer Warte heraus gar nicht angesehen. Vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen, mehr Schweizer Künstler einzubinden, die die Problematiken vor Ort besser erkannt hätten. ■ SURPRISE 381/16


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Mierle Laderman Ukeles: «Washing/Tracks/Maintenance: Inside», 1973/1998 Oben und unten aufräumen Wie es sich anfühlt, im Löwenbräu wie ein Künstler zu putzen. PERFORMANCE VON RUEDI KÄLIN

Die Amerikanerin Mierle Laderman Ukeles hielt den Finger Ende der Sechzigerjahre auf Arbeitshierarchien, indem sie Haus- und Niedriglohnarbeit im Museum zeigte. Das heisst: Sie machte gleich selbst sauber. Ruedi Kälin findet: Surprise verkaufen ist auch Kunst. Und erprobt jetzt, ob das fürs Putzen tatsächlich auch gilt.

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Leigh Ledare: «The Here and the Now (Zurich Groups 1:1)», 2016 Geprägt durch unser Gegenüber Wie eine Gruppendiskussion vermuten lässt, dass es lebensbestimmend ist, ob man zu den Sprechenden oder Schweigenden gehört. VON MARCEL LAUPER

Als ich den Raum im Helmhaus mit den vielen Monitoren betrete und auf dem Schild erhasche, dass es in der Videoinstallation «The Here and the Now (Zurich Groups 1:1)» um Psychologie geht, weiss ich sofort: Darüber will ich schreiben. Rechts vom Eingang auf dem grossen Monitor sieht man eine Gruppe von Menschen diskutieren. Ich kann aus einer ruhigen Position heraus beobachten und denke, es ist typisch, dass hier die einen immer das Wort ergreifen, während andere schweigen. Mich erstaunt, wie hoch die Konzentration, die Präsenz der Teilnehmer im Plenum ist. Der Foto- und Videokünstler Leigh Ledare arbeitete hier mit Methoden, die Psychologen für die Untersuchung von Gruppendynamiken entwickelt haben. 21 Personen aus allen Schichten der Schweiz diskutierten in Kleingruppen drei Tage lang ohne vorgegebenes Thema, begleitet von sechs Psychologen und Therapeuten. Als Therapeut mag man sich gefragt haben, wo die Kunst zu suchen sei – etwa, wenn man intervenieren muss, um Verletzlichkeit aufzuzeigen. Etwas, das in dem Moment der Konfrontation, des Streits, alle betrifft. Die vielen Monitore, die drei Kleingruppen zu acht Personen zeigen und mit Kopfhörern bestückt sind, stellen es dem Betrachter frei, wohin er seine Gedanken lenken will. Echt spannende Themen werden aufgegriffen, Meinungen ausgetauscht, Geschichten erzählt, sodass ich es geniesse, auch die Gesichter der Zuhörenden zu studieren. Man spricht über Sexualität früher und heute, Migration, Integration, kulturelle Unterschiede, Verzeihen und Verzeihen lernen und darüber, wie man

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Ängste erkennt. Was wissen wir schon voneinander? Was reflektieren wir? Wo sind Gemeinsamkeiten, und wie fest sind wir geprägt vom Gegenüber? Man erkennt die unterschiedliche natürliche Präsenz der Teilnehmer und fragt sich, in welchem Ausmass eine solche Eigenschaft lebensbestimmend ist. Es ist lehrreich, den Menschen in diesen Gesprächszirkeln zuzuhören. Ich kann für mich ableiten, was die einzelnen Teilnehmer beschäftigt. Was die Gesellschaft in der Schweiz ein Stück weit ausmacht, sehe ich in diesen Gesichtern. Ich sehe die Menschen miteinander reden, Interesse zeigen füreinander. Die jungen Männer, zeitweise doch recht abweisend wirkend, äussern sich überaus ehrlich und offen zu den ihnen gestellten Fragen und erstaunen mich oft mit den Antworten, die präzise und nachvollziehbar ausfallen. Sie bemühen sich ernsthaft, nicht nur selbstbezogen zu antworten, sondern mit Blick auf die Gemeinschaft. Skizzen, Bilder und Texte auf Englisch vervollständigen die Installation und geben mir eine Ahnung, in welche Richtung der Künstler die Diskussion steuern kann und will – auch ohne Englischkenntnisse meinerseits. Dieses zeitgenössische Kunstwerk hält mich mit Sicherheit dazu an, mir weiterhin Konzeptkunst anzusehen, und motiviert mich, den Begriff Kunst auch für mich, in meinen möglichen Rahmen, weiter zu entdecken. Und vielleicht sogar selber mehr kreieren zu können. ■ Siehe auch den Text von Surprise-Verkäufer Markus Christen über seine Teilnahme an Leigh Ledares Projekt, Seite 27. SURPRISE 381/16


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Wermke/Leinkauf: «Symbolic Threats», 2014 Das Friedenssymbol als Bedrohung Wieso es unverständlich ist, dass sich die Politik von Kunst angegriffen fühlen kann. VON MICHAEL HOFER

Am besten gefiel mir an der Manifesta das Video der Brooklyn Bridge in New York mit den weissen Flaggen. Es war ein Ereignis, von dem die TV-Kanäle weltweit berichtet haben: Zwei deutsche Künstler haben auf der Brooklyn Bridge die beiden US-Flaggen gegen zwei weisse Flaggen ausgetauscht – niemand bemerkte die Aktion, auch der Geheimdienst, die Polizei oder das Militär nicht. Ich sah damals Berichte darüber am Fernsehen, und jetzt begegnet mir die Geschichte in der Ausstellung im Helmhaus wieder. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie die Künstler auf diese Türme kamen. Für die USA waren es Täter, keine Künstler. Weisse Flaggen sind doch ein Friedenssymbol, aber es wurde unter anderem spekuliert: «Angriff von Ausserirdischen». Leider blieben die weissen Flaggen nicht lange dort. Kurze Zeit später wurden sie durch US-Flaggen ersetzt, allerdings mit grossem Aufwand durch Helikoptereinsätze.

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Es gibt andere Beispiele von ausgetauschten Flaggen. In der Schweiz haben am 1. August 2000 auf dem Rütli Unbekannte die Schweizer Fahne durch die EU-Flagge mit den gelben Sternen ersetzt. Die Fahnenstange haben sie mit Butter eingeschmiert, damit man abrutscht und sie dadurch nicht so leicht entfernen kann. Sie wurde dann einfach abgesägt. In Deutschland passierte 2010 etwas Ähnliches, als Angela Merkel die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke ankündigte. Vor dem Bundestag steht eine ganze Reihe Deutschland-Flaggen, und eine davon wurde von einem Atomkraftgegner gegen eine «Atomkraft Nein danke!»-Flagge ausgetauscht. Das war in Zusammenhang mit einer Demonstration, die stattfand. Der Jubel der Anwesenden war riesig. Ich finde bei der Aktion von der Brooklyn Bridge die panische Reaktion der USA lächerlich. Für mich ist klar, dass es sich um Kunst handelt, und ich finde solche Aktionen extrem gut. ■ SURPRISE 381/16


Performance Im Cabaret der Künstler

markus@leighledare Auf Berg-und-Tal-Fahrt

Surprise verkaufen auf der Bühne zeigt: Warten ist eine Kunst.

Markus Christen, Surprise-Stadtführer und -Verkäufer in Basel, war einer der 21 Teilnehmer im Videoprojekt «The Here and the Now (Zurich Groups 1:1)» des amerikanischen Foto- und Videokünstlers Leigh Ledare.

Die Surprise-Verkäufer Peter Conrath und Hans Rhyner zeigten im Cabaret Voltaire am 13. Juli eine Performance. Peter Conrath tat auf der Bühne, was er immer tut: Surprise verkaufen. Den Strassenlärm nahm er am Nachmittag an seinem Verkaufsstandort auf und brachte ihn für seinen Auftritt selbst mit. Hans Rhyner spielte die Rolle des interessierten Käufers. Beide zeigten so unter anderem, dass Surprise verkaufen viel mit Warten zu tun hat. Am Ende wurden Conrath und Rhyner offiziell in die (zeitlich allerdings bis Ende Manifesta begrenzte) Zunft der Künstler aufgenommen. Im Rahmen der Manifesta 11 wurde die 27. Zürcher Zunft gegründet, die Zunft der Künstler. Das Cabaret Voltaire, Geburtsort des Dada, ist noch bis zum 18. September ein Zunfthaus und trägt den Namen Cabaret der Künstler – Zunfthaus Voltaire. «Ein experimenteller Performance-Space, der traditionelle Rahmenstrukturen von Kunst-Plattformen übersteigt», nennt es Zunftmeister Manuel Scheiwiller. Spontane Performances können jeweils mittwochs gezeigt werden, Bedingung dafür ist eine Handskizze der Idee (A4/Hochformat) und deren Absegnung durch den Zunftmeister vor Ort. (dif) ■ BILDER: DIF

VON MARKUS CHRISTEN

Ich war überzeugt, dass ich diese Veranstaltung – wie schon vieles anderes zuvor – locker durchstehen würde. Ich fühlte mich gestählt für extreme Belastungen. Aber ich erfuhr an diesem Wochenende vom 22. bis 24. April 2016 im Toni-Areal in Zürich, wie meine Grenzen psychischer Belastbarkeit erreicht, phasenweise auch überschritten wurden. Am Ende des Projekts machte sich bei mir psychisches Chaos breit. Nichts ging mehr. In meinem Kopf tanzten die Dämonen. Das Ganze war angelegt auf drei Tage. Die Struktur war streng gegliedert. Es gab zwei Diskussionsformen: eine Grossgruppe und drei Kleingruppen. Daraus wurde ein Wechselspiel kreiert. Die 21 Eingeladenen wurden am Freitag in drei Kleingruppen eingeteilt. Hinzu kamen sieben sogenannte Consultants, eine Art Gesprächsleitende. Wechselweise fanden jeweils vier Kleingruppen- und vier Grossgruppensitzungen statt. Die Gesprächsblöcke dauerten jeweils 70 Minuten. Dazwischen gab es Verpflegungs- und Kurzpausen. 21 Personen – 13 Frauen und acht Männer – bildeten die Gesprächsgruppen. Einige der Gruppenmitglieder stachen aus den verschiedensten Gründen besonders hervor. Dies äusserte sich in deren markanten Verhaltensweisen innerhalb des Experiments. Eine ganz besondere Rolle nahm der Künstler Leigh Ledare ein. Er wirkte in den Pausen, wenn er sich unter uns mischte, freundlich, kontaktfreudig und auch oft fröhlich. Ja, er setzte sich auch schon mal auf den Tisch und kalauerte mit denjenigen, die sich gerade um ihn herum aufhielten. Demgegenüber war Leighs Auftreten während der Sitzungen ein völlig abstraktes. Er war getrieben von seinem künstlerischen Projekt. Meist trat er gar nicht in Erscheinung. Und wenn, dann immer wie ein Phantom. Sein Gang wirkte schwebend, seine Körpersprache drückte Angst aus. Unnahbar war er innerhalb der Sitzungen. Das äusserten auch viele der Teilnehmenden. So vertraut er in den Pausen wirkte, so realitätsfern erschien er in den Sitzungen. Was sich in dieser Beschreibung des Ablaufs einigermassen nüchtern darstellt, war für mich in Tat und Wahrheit eine enorme psychische Berg-und-Tal-Fahrt. Auch – aber nicht nur – ich stiess an meine Grenzen. Die ganze Gesprächsanlage war gespickt mit kleinen oder grossen Provokationen und bewusst herbeigeführten Brüchen. Das Ganze nicht erlebt haben zu können, wäre für mich – im Nachhinein betrachtet – trotzdem sehr schade gewesen. Ich habe daraus, denke ich, viel gelernt. ■ Siehe auch Marcel Laupers Besprechung des Werks auf Seite 24.

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BILD: GUIDO SÜESS

Wörter von Pörtner Schellackplatten in der Dunkelkammer Dass ich von der Manifesta in Zürich nicht allzu viel mitbekommen habe, lag vor allem daran, dass ich die meiste Zeit gar nicht in der Stadt war. Doch genau an einem der zwei Tage, an denen ich da war, fand ein Manifesta Parallel Event bei Foto Ernst statt. Das Fachgeschäft Foto Ernst war eine jener Zürcher Institutionen, von denen es fast keine mehr gibt. Ein bis unter die Decke vollgestopfter Laden mit unübersichtlicher, kaum wechselnder Auslage im verstaubten Schaufenster und willkürlichen Öffnungszeiten. Eines jener Geschäfte, an denen man jahrzehntelang vorbeigeht und sich immer freut, dass es sie noch gibt, auch wenn einem nie in den Sinn käme, sie zu betreten. Bis sie eines Tages verschwunden sind. Auch Foto Ernst verschwindet, erhält aber noch einen letzten grossen Auftritt. Die Foto-

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grafin Nicole Gerber hat sich des Relikts angenommen und bespielt es übergangsweise als «Haus der analogen Kunst». An besagtem Abend fand dort eine Disco mit Schellackplatten statt, was bestens in die Räumlichkeiten passte. Der preisgekrönte Fotograf Luca Zonier stellte zwei seiner Arbeiten vor, Fotos von Energie-Anlagen und Räumen, in denen wichtige Entscheidungen gefällt werden. Die beeindruckenden Bilder sind in zwei Büchern erschienen und im Grossformat an Ausstellungen gezeigt worden. Selbst für einen wie mich, der mehr als einen Knopf am Fotoapparat für überflüssigen Firlefanz hält und darum von der Instant- über die Wegwerf- bei der Handykamera gelandet ist, war es lehrreich. Ich gebe zu, dass ich mir nie überlegt habe, wie solche Bilder entstehen. Reingehen, abdrücken, fertig, so ungefähr. Ohne in die Einzelheiten gehen zu wollen: Es ist weitaus komplizierter und aufwendiger, wahre Kunst eben. Den hochspezifischen Fachfragen der anwesenden Foto-Nerds konnte ich nicht einmal ansatzweise folgen. Das Einzige, was ich verstand, war, dass sowohl bei der analogen wie bei der digitalen Bildbearbeitung zwischendurch Zeit für eine Zigarette bleibt. Danach ging es los mit der Disco. Die Platten drehten sich mit 78 Touren, was eine Spielzeit von drei bis vier Minuten erlaubt. Da die Schellackplatte vom allgemeinen Retrotrend nicht erfasst wurde und selbst die coolste

Hipsterband keine Schellack-Spezial-Editionen herausgibt, stammten die gespielten Stücke aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Das Durchschnittsalter und die Zerbrechlichkeit des Publikums waren nicht ganz so hoch wie das der abgespielten Platten, allzu wild getanzt wurde aber doch nicht. Die knisternde Musik, das zusammengewürfelte Publikum in einem umgenutzten Raum mit improvisierter Bar: Es liess sich nicht vermeiden, dass Nostalgie aufkam. Nach den Zeiten, in denen es in Zürich eine Menge solcher Nischen gab, in denen gänzlich uncoole und unprofitable Veranstaltungen durchgeführt wurden. Wie zum Beispiel die letzte Schellack-Disco mit demselben DJ, die vor 25 Jahren stattfand, nur ein paar Strassen weiter, aber in einer ganz anderen Stadt. Einer Stadt, in der keine Biennale für zeitgenössische Kunst stattfinden konnte. Mehr dazu: http://foto-ernst.ch, http://www.zanier.ch

Stephan Pörtner ist Autor und Übersetzer in Zürich und haut gerne Neuwortschöpfungen in die Pfanne.

Sarah Weishaupt ist freie Illustratorin aus Basel. SURPRISE 381/16


Computer fahren Auto, schreiben Texte und spielen Schach. Wieso soll man da noch Mensch sein?

Buch Arbeit – ein Auslaufmodell? «The Second Machine Age» zeigt die Mechanismen und die dramatischen Folgen des digitalen Zeitalters auf. VON CHRISTOPHER ZIMMER

Die Aussichten für die Zukunft der Arbeit sind besorgniserregend. Studien zeichnen ein düsteres Bild. Jeder zweite Job könnte schon bald durch Roboter und Computer ersetzt werden. Und wie es scheint, stehen wir erst am Anfang einer rasanten Entwicklung, die uns über den Kopf zu wachsen droht. Um so wichtiger ist es, diese zu verstehen und ihr mit geeigneten Massnahmen zu begegnen. Den Autoren Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee gelingt es mit «The Second Machine Age» auf packende Weise, Verständnis für diese Vorgänge zu schaffen, die zwar komplex sind, aber dennoch nachvollziehbar. Beginnend mit einem kurzen Überblick zur Menschheits- und Wissensgeschichte stellen sie zwei Maschinenzeitalter einander gegenüber: das der industriellen Revolution, die mit der Dampfmaschine begann, und das der digitalen Revolution, die wir den Computern und der Vernetzung verdanken. Beide haben sie einen ungeahnten Fortschritt gebracht, doch unterscheiden sie sich in wesentlichen Punkten: Während die Maschinen Muskelkraft ersetzten, machen uns Computer und Roboter unsere geistigen Fähigkeiten streitig. Und vor allem: Während die industrielle Revolution genügend neue Jobs schuf, droht die digitale die Menschen als Arbeitskräfte abzuschaffen. Zugleich entsteht ein Gefälle zwischen immer weniger Superreichen und immer mehr Verlierern dieses Prozesses. Wobei dies, dem Mooreschen Gesetz der stetigen Verdoppelung der Rechnerleistung folgend, exponentiell, in einer atemberaubend steilen Aufwärtskurve geschieht. Es ist dem Autorenduo hoch anzurechnen, dass sie trotzdem nicht schwarzmalen, sondern sowohl die Chancen als auch mögliche politische (!) Gegenmassnahmen wie etwa das bedingungslose Grundeinkommen oder eine negative Einkommenssteuer aufzeigen. Vor allem aber setzen sie auf Bildung und die Förderung von Individualität und Kreativität. Denn darin sind wir Menschen den Maschinen (noch) überlegen – oder zumindest ebenbürtige Partner.

BILD: ZVG

Kultur

Die 25 positiven Firmen Diese Rubrik ruft Firmen und Institutionen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Einige haben dies schon getan, indem sie dem Strassenmagazin Surprise mindestens 500 Franken gespendet haben. Damit helfen sie, Menschen in prekären Lebensumständen eine Arbeitsmöglichkeit zu geben und sie auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten. Gehört Ihr Betrieb auch dazu? Die Spielregeln sind einfach: 25 Firmen werden jeweils aufgelistet, sind es mehr, fällt jener Betrieb heraus, der am längsten dabei ist.

01

Ingenieurbüro BEVBE, Bonstetten

02

Coop Genossenschaft, Basel

03

Treuhand U. Müller GmbH, Bern

04

Lions Club Zürich-Seefeld, Zürich

05

Supercomputing Systems AG, Zürich

06

Fraumünster Versicherungstreuhand AG, Zürich

07

VXL Gestaltung und Werbung AG, Binningen

08

AnyWeb AG, Zürich

09

A. Reusser Bau GmbH, Recherswil

10

Kreislauf 4+5, Zürich

11

Thommen ASIC-Design, Zürich

12

Proitera Betriebliche Sozialberatung, Basel

13

Kaiser Software GmbH, Bern

14

Hervorragend AG, Bern

15

Gemeinnütziger Frauenverein Nidau

16

Klinik Sonnenhalde AG, Riehen

17

Frank Türen AG, Buchs

18

Schweizerisches Tropen- und Public HealthInstitut, Basel

19

Familie Iten-Carr Holding AG, Zug

20

Brother (Schweiz) AG, Dättwil

21

Maya-Recordings, Oberstammheim

22

Velo-Oase, Erwin Bestgen, Baar

23

Imbach Reisen AG, Wanderreisen, Luzern

24

Institut und Praxis Colibri, Murten

25

Scherrer & Partner GmbH, Basel

Möchten Sie bei den positiven Firmen aufgelistet werden? Mit einer Spende von mindestens 500 Franken sind Sie dabei! PC-Konto: 12-551455-3, Verein Surprise, 4051 Basel Zahlungszweck: Positive Firma + Ihr gewünschter Eintrag. Wir schicken Ihnen eine Bestätigung.

Erik Brynjolfsson, Andrew McAfee: «The Second Machine Age. Wie die nächste digitale Revolution unser aller Leben verändern wird». Plassen Verlag 2014. 31.90 CHF

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Surprise – mehr als ein Magazin

Ich möchte Surprise abonnieren! 24 Ausgaben zum Preis von CHF 189.– (Europa: CHF 229.– ) (Verpackung und Versand bieten StrassenverkäuferInnen ein zusätzliches Einkommen.) Gönner-Abo für CHF 260.–

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Hilfe zur Selbsthilfe Surprise unterstützt armutsbetroffene Menschen – beim Strassenverkauf, Strassenchor oder Strassensport, dem Sozialen Stadtrundgang oder Café Surprise: Der Verein fördert die soziale Integration der Betroffenen. Surprise gibt das vierzehntägig erscheinende Strassenmagazin heraus. Eine professionelle Redaktion produziert das Heft zusammen mit freien Journalisten, Fotografen und Illustratoren. Das Magazin wird auf der Strasse verkauft. Über 350 armutsbetroffene Menschen, denen der Arbeitsmarkt verschlossen bleibt, erhalten über den Strassenverkauf eine Erwerbsmöglichkeit und eine Tagesstruktur. Die Hälfte des Magazinerlöses behalten die Verkaufenden.

Stärken. Bewegen. Integrieren. Surprise fördert die Integration mit Sport. In der Surprise-Strassenfussball-Liga spielen Teams aus der Deutschschweiz um den Titel des Schweizermeisters. Einige Spieler nehmen am Homeless World Cup teil. Seit 2009 hat Surprise einen eigenen Strassenchor. Gemeinsames Singen und Auftritte ermöglichen Glücksmomente für Menschen, für die der gesellschaftliche Anschluss erschwert ist. Café Surprise schenkt Menschen mit wenig Geld einen Kaffee in einer Bar oder einem Café. So können sie am sozialen Leben teilnehmen. Für Gäste ist es eine charmante Gelegenheit, sich sozial zu engagieren: Sie bezahlen ihren Kaffee und spendieren einen weiteren.

Eine Stimme für Benachteiligte Surprise verleiht sozial ausgegrenzten Menschen eine Stimme und sensibilisiert die Öffentlichkeit z.B. mit dem Sozialen Stadtrundgang in Basel und Zürich. Die Surprise-Stadtführer sind Armutsbetroffene, Ausgesteuerte und Obdachlose. Sie erzählen aus ihrem Alltag in ihrer Stadt und zeigen Orte, an denen man sonst vorübergeht. Gemeinsam wollen sie Vorurteile abbauen.

Über Surprise Der Verein Surprise unterstützt Armutsbetroffene ohne staatliche Gelder. Das Strassenmagazin wird mit dem Erlös aus dem Heftverkauf und mit Inseraten finanziert. Für alle Angebote ist Surprise auf Spenden, Sponsoren und Stiftungen angewiesen. Surprise ist Mitglied des internationalen Netzwerkes der Strassenzeitungen (INSP), dem über 120 Magazine in über 40 Ländern angehören.

Impressum Herausgeber Verein Surprise, Spalentorweg 20, 4051 Basel www.vereinsurprise.ch Öffnungszeiten Sekretariat 9 – 12 Uhr, Mo – Fr T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99 Nicole Mathys, Thomas Oehler, info@vereinsurprise.ch Geschäftsleitung Paola Gallo (Geschäftsleiterin), Sybille Roter (Mitglied der Geschäftsleitung), Jannice Vierkötter (Mitglied der Geschäftsleitung) Anzeigenverkauf T +41 61 564 90 90, M +41 76 325 10 60 anzeigen@vereinsurprise.ch Redaktion T +41 61 564 90 70, F +41 61 564 90 99 Amir Ali (ami), Beat Camenzind (bc), Diana Frei (dif, Heftverantwortliche), Thomas Oehler (toe), Sara Winter Sayilir (win), redaktion@vereinsurprise.ch, leserbriefe@vereinsurprise.ch Ständige Mitarbeit Rosmarie Anzenberger (Korrektorat), Florian Burkhardt, Rahel Nicole Eisenring, Shpresa Jashari, Carlo Knöpfel, Melanie Kobler (Grafik), Yvonne Kunz, Stephan Pörtner, Isabella Seemann, Sarah Weishaupt, Priska Wenger, Tom Wiederkehr, Christopher Zimmer Mitarbeitende dieser Ausgabe Philipp Baer, Cristina Choudhary, Peter Conrath, Peter Hain, Michael Hofer, Sara Huber, Ruedi Kälin, Jürgen Krusche, Marcel Lauper, Hans Peter Meier, Hans Rhyner, Miloš Savic´, Christian Sieber, Daniel Stutz Gestaltung WOMM Werbeagentur AG, Basel Druck AVD Goldach Auflage 20 400, Abonnemente CHF 189, 25 Ex./Jahr Marketing, Fundraising T +41 61 564 90 50 Svenja von Gierke (Leitung), Zaira Esposito

Vertriebsbüro Basel T +41 61 564 90 83/85 Thomas Ebinger, Anette Metzner, Spalentorweg 20, 4051 Basel, basel@vereinsurprise.ch Vertriebsbüro Zürich T +41 44 242 72 11, M +41 79 636 46 12 Sara Huber, Christian Sieber, Kanzleistr. 107, 8004 Zürich, zuerich@vereinsurprise.ch Vertriebsbüro Bern T +41 31 332 53 93, M +41 79 389 78 02 Barbara Kläsi, Alfred Maurer, Fabian Steinbrink Scheibenstrasse 41, 3014 Bern, bern@vereinsurprise.ch Café Surprise T +41 61 564 90 50 Zaira Esposito (Leitung), z.esposito@vereinsurprise.ch Strassenchor T +41 61 564 90 40 Paloma Selma (Leitung), p.selma@vereinsurprise.ch Strassenfussball T +41 61 564 90 10 Lavinia Besuchet (Leitung), l.besuchet@vereinsurprise.ch, David Möller (Sportcoach), d.moeller@vereinsurprise.ch Sozialer Stadtrundgang Basel T +41 61 564 90 40 Sybille Roter (Leitung), s.roter@vereinsurprise.ch, Paloma Selma (Koordination), rundgang@vereinsurprise.ch Sozialer Stadtrundgang Zürich T +41 44 242 72 14 Sybille Roter (Leitung), s.roter@vereinsurprise.ch, Carmen Berchtold (Koordination), rundgangzh@vereinsurprise.ch Vereinspräsident Beat Jans

Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise nur mit Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird jede Haftung abgelehnt.

Surprise behält sich vor, an Verkaufende gerichtete Postsendungen zu öffnen. Barspenden an namentlich bezeichnete Verkaufende können nur bis zu einem Betrag von CHF 100.– weitergeleitet werden. Darüber hinausgehende Beträge sollen – im Einverständnis mit der Spenderin oder dem Spender – allen Verkaufenden zugute kommen. Helfen macht Freude, spenden Sie jetzt: Spendenkonto PC 12-551455-3 SURPRISE 381/16


Surprise – mehr als ein Magazin

Surprise-Ausflug Ohne Angst auf dem Vierwaldstättersee

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Das Rütli: Eine bunte Schar Basler Verkäuferinnen und Verkäufer und Surprise Chorspatzen unternahm eine Reise in das Herz der Schweiz. Nach Dauerregen öffnete sich wie durch ein Wunder am Nachmittag der Himmel, was ein wunderschönes Picknick mit Blick auf den See möglich machte. Besonders berührend: Zeru und Sara, die vor zehn Jahren auf einem übervollen Gummiboot übers Meer nach Europa geflohen sind, meinten: «Zum ersten Mal seit unserer Flucht sind wir jetzt wieder ohne Angst auf einem Schiff!»

Schwören auf das Rütli: Die Surprise-Truppe am Schiffsteg.

Dampfer statt Gummiboot: Zeru und Sara mit Kindern.

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Andreas Hossmann verkauft das Strassenmagazin seit gut 3 Jahren in Basel. Trotz seiner fast 35 Jahre Berufserfahrung als Bankkaufmann und Tätigkeiten in verschiedenen renommierten Bankhäusern fand er nach dem Verlust seiner letzten Anstellung keine neue Stelle in der Branche. Heute hält er sich mit diversen Jobs wie Produktevertreter, Pizzakurier, Zeitungsausträger und Surprise-Verkäufer über Wasser. Mit dem Surplus-Programm helfen wir ihm bis zur Pensionierung weiter ohne Sozialhilfe auszukommen.

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Markus Thaler verkauft das Strassenmagazin seit 2008. Vorher hatte er verschiedene Jobs und war sportlich sehr aktiv (als Jugendlicher sogar Nachwuchstalent im Boxen). Starke Rückenprobleme zwangen ihn jedoch zu Veränderungen. Zu Surprise kam er über Freunde, welche bereits Heftverkäufer waren. An seiner Arbeit schätzt Markus, dass es eine faire Sache ist: Jede/r hat die Chance, sich etwas aufzubauen, Lücken im Lebenslauf spielen dabei keine Rolle. In seiner Freizeit spielt er Fussball in der Mannschaft von Surprise Zürich und nimmt regelmässig an Turnieren teil. 2013 durfte er als Mitglied der Nationalmannschaft die Schweiz am Homeless Worldcup in Rio de Janeiro vertreten.

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SurPlus – eine Chance für alle! Zwei neue Gesichter


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