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Hier geblieben Einwanderer im Seniorenheim Im Tierspital: Spitzenmedizin für Fido und Schnurrli

Yoga statt Drogen – Marianne Faithfull im Interview

Nr. 243 | 4. bis 17. Februar 2011 | CHF 6.– inkl. MwSt. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an die Verkaufenden. Bitte kaufen Sie nur bei Verkaufenden mit offiziellem Verkaufspass.


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TITELBILD: DOMINIK PLÜSS/MODEL: ANDREINA PLOZZA

Editorial Bezugsperson Tier BILD: DOMINIK PLÜSS

Liebe Leserin, lieber Leser Haben Sie ein Haustier? Vielleicht einen Vierbeiner, der Sie beim Heimkommen schwanzwedelnd begrüsst? Falls ja, wissen Sie, wie sehr einem so ein Wesen ans Herz wachsen kann. Und wie viel so ein Tier kostet, wenn es krank wird. Unser Mitarbeiter Amir Ali besuchte die Kleintierklinik in Zürich, wo Hunde und Katzen Hüftprothesen und Chemotherapien erhalten. 330 Millionen Franken lassen sich Schweizer Haustierhalter diese Behandlungen jährlich kosten. Zum Vergleich: Würde dieses Geld für Patenschaften ausgegeben, wären rund eine halbe Million Kinder in Entwicklungsländern ein Jahr lang mit Nahrung, Bildung und Medizin versorgt. RETO ASCHWANDEN

Es geht nicht darum, Tier- gegen Menschenliebe auszuspielen. Die nackten Zahlen REDAKTOR zeigen lediglich, wie wichtig vielen Leuten ihr Haustier ist. In unserer Zeit der Individualisierung und Anonymität fühlen sich immer mehr Menschen allein. Und so bleibt manchmal ein vierbeiniger Freund die engste Bezugsperson. Wir alle brauchen jemanden, bei dem wir uns verstanden und aufgehoben fühlen. Um dieses Bedürfnis dreht sich auch unsere Titelgeschichte. Redaktorin Mena Kost besuchte die «mediterrane Abteilung» des Basler Alterszentrums Falkenstein. Dort verbringen Rentnerinnen und Rentner, die vor Jahrzehnten aus Italien und Spanien in die Schweiz einwanderten, ihren Lebensabend. Mangelnde Deutschkenntnisse und kulturelle Unterschiede führen dazu, dass pensionierte Migranten oft Hemmungen haben, in rein schweizerische Einrichtungen zu ziehen. Sind sie aber unter sich, geht es im Aufenthaltsraum zu und her wie auf einer Piazza im Süden. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe sind Popstars. Normalerweise nimmt dieses Thema in Surprise Magazinen wenig Platz ein. Das Interview mit der Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithfull von Hanspeter Künzler – Radiohörern als «Düsi aus London» bekannt – wollten wir Ihnen aber nicht vorenthalten. Und Michael Gasser hat sich ein Wochenende lang durch die Biografien von Jungstars gequält und kam zum Schluss, dass man sich solche Lektüre nicht wirklich antun muss. Ich hoffe, Sie finden Gefallen an der Lektüre unseres Hefts. Herzlich Reto Aschwanden

Surprise ist auf Spenden angewiesen. Auch auf Ihre! Herzlichen Dank. PC-Konto 12-551455-3 Ihre Meinung! Bitte schicken Sie uns Ihre Anregungen oder Kritik: Strassenmagazin Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, T +41 61 564 90 70, redaktion@strassenmagazin.ch. Es werden nur Leserbriefe abgedruckt, die mit vollem Namen unterzeichnet sind. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen. SURPRISE 243/11

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10 Marianne Faithfull «Jeder hat seine eigene Wahrheit» Auch im Rentenalter bleibt Marianne Faithfull aktiv. Soeben hat sie ihr neues Album «Horses And High Heels» veröffentlicht. Im Interview spricht die Grande Dame der britischen Popmusik über ihre Liebe zu Songs aus den 70ern, erzählt, wie sie dank der Gestalttherapie den Tod ihrer Mutter verarbeitete, und erklärt, wie ihr das englische Klassenbewusstsein das Leben zur Hölle machte.

13 Alter Ein Hauch von Mittelmeer Andreina Plozza wanderte in den 30er-Jahren aus der Lombardei in die Schweiz ein. Nun ist sie wie Tausende andere Immigranten in einem Alter, wo sie Pflege braucht. Immer mehr Altersheime richten für diese Senioren eigenen Wohngruppen ein. Ein Besuch auf der mediterranen Abteilung des Alterszentrums Falkenstein in Basel.

BILD: DOMINIK PLÜSS

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Inhalt Editorial Tier- und Menschenliebe Basteln für eine bessere Welt Ross statt Knarre Aufgelesen Nutzlose Ein-Euro-Jobs Zugerichtet Mit Gewalt Surprise Strassenchor Neustart mit Schwung Starverkäufer Rene Metzger Porträt Die Frau mit dem Medizinhund Jungstar-Biografien Arm an Jahren, reich an Worten Le mot noir Platzprobleme auf dem Friedhof Fotografie Haptik im Digitalzeitalter Kulturtipps Fantasie gegen Fremdheit Ausgehtipps Auftritt einer Debütantin Verkäuferporträt Ein Liedchen beim Warten Projekt Surplus Eine Chance für alle! In eigener Sache Impressum INSP

BILD: ZVG

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BILD: MIRIAM KÜNZLI

16 Veterinärmedizin Chemotherapie für Schnurrli

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Unverbindliche Beziehungen, Kinderlosigkeit, Einsamkeit. In einer individualisierten Welt befriedigen Vierbeiner die Sehnsucht nach bedingungsloser Hingabe. Und in die wird investiert, koste es, was es wolle. Zu Besuch im Tierspital Zürich, wo das Leben von Haustieren mit den Mitteln der Spitzenmedizin verlängert wird.

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ILLUSTRATION: SIMON DREYFUS

Stecken Sie einen Stock, zum Beispiel einen Besenstiel, tief in die ausgestopfte Socke. Binden Sie das Sockenende mit Wolle fest um den Stock.

Stopfen Sie eine alte Socke, vorzugsweise gestrickt, prall mit Watte aus.

Malen Sie die Ohren mit der Farbe Ihrer Wahl an. Kleben Sie die Ohren an der Sockenferse an.

Nehmen Sie für die Ohren des Rösslis eine WC-Papierrolle und halbieren Sie sie.

Schneiden Sie aus Filz drei etwa 1,5 Zen-

Malen Sie auf die eine Rollenhälfte ein

timeter breite Streifen aus. Kleben Sie

Ohr auf. Legen Sie beide Hälften aufein-

dem Rössli den ersten Streifen um die

ander und schneiden Sie die aufgemalte

Ohren und zwei weitere um den Kopf –

Ohrenform aus.

das ist sein Geschirr.

Kleben Sie dem Rössli Augen aus Filz

Verwenden Sie eine Schnur als Zügel. Sie

aus. Sie können auch zwei Knöpfe als

können das etwa ein Meter lange Stück

Augen annähen. Die Mähne aus Woll-

am Halfter ankleben oder an der Socke

fäden kleben Sie dem Rössli zwischen

festnähen. Kleben Sie zwei Filzringe über

die Ohren.

die Schnurenden.

Basteln für eine bessere Welt Für uns ist klar: Waffen zu Hause sind gefährlich und unnötig. Ab damit ins Zeughaus. Falls ihr, liebe Männer, auf euer Steckenpferd nicht verzichten wollt, dann wählt doch eins, das seinen Namen auch verdient. Unser Rössli kann man ohne Bedenken in die Ecke stellen und die Kinder haben erst noch was davon. Und wer von den grossen Buben immer noch nicht auf das Kriegerlis-Spielen verzichten mag, kann halt umsatteln auf Kavallerist. SURPRISE 243/11

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Aufgelesen News aus den 90 Strassenmagazinen, die zum internationalen Netzwerk der Strassenzeitungen INSP gehören.

Obdachlosen-Siedlung Wien. Der Schriftsteller Leopold Federmair, der in Hiroschima lebt, schreibt im Wiener Strassenmagazin über Obdachlose in Japan: «Hier organisieren sich die Obdachlosen in einer Art Siedlungen in Parks: Man sieht Besen oder Fahrräder vor blauen Zelten stehen. Und wenn man zu Besuch kommt, muss man die Schuhe ausziehen. Die Obdachlosen sind alle sehr ordentlich und darauf bedacht, eine gewisse Selbstachtung zu bewahren. Trotzdem sind die meisten von ihnen von der Leistungsgesellschaft zerstört.»

Ein-Euro-Jobs Kiel. In der Mehrzahl der Fälle erhöhen EinEuro-Jobs die Chancen von Arbeitslosen nicht. Das hält der deutsche Bundesrechnungshof, die externe Finanzkontrollstelle des Bundes, fest. Bei mehr als der Hälfte der geprüften Fälle würden die Voraussetzungen für eine Förderung fehlen. Jobcenter wiesen meist wahllos Arbeitsgelegenheiten zu, ohne zu beraten. 2009 waren in Deutschland rund 280 000 Menschen in Ein-Euro-Jobs beschäftigt. Inzwischen hat die Regierung auf 2012 eine Neuordnung angekündigt.

Fett und billig Nürnberg. In den Augen der Weltgesundheitsorganisation ist es eine «weltweite Epidemie»: Die Zunahme der Fettleibigkeit, auch Adipositas genannt. Immer mehr Menschen haben eine Body Mass Index über 30 und wiegen damit deutlich zu viel; in Bayern inzwischen jeder achte Erwachsene. Menschen aus den unteren Gesellschaftsschichten sind häufiger Betroffen als andere. Der Nürnberger Chefarzt Herbert Muschweck zum Thema: «Mittlerweile ist fettarme Nahrung leider viel teurer als fettreiche, etwa Pizza oder Pommes.»

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Zugerichtet Problematische Paarung Wie ein Hase hoppelt der Mann die Treppe hoch, die Hände und Füsse in Ketten gelegt. Tippelt in winzigen Schritten zum Gerichtssaal. Sein Antlitz trägt einen gedemütigten Stolz, der dem eines afrikanischen Filmprinzen würdig wäre. «Ich bin Kapverdianer, und als solcher vergewaltigt man prinzipiell keine Frauen», ist sein erster Satz. Der Prinz kommt von der Insel des Salzes, wo er vor 28 Jahren geboren wurde. Etwas Rechtes hat er nie gelernt, betreibt aber mit Erfolg «Bezness»: Das Geschäft mit Beziehungen zu europäischen Frauen; über die grosse Liebe fabulieren, um sich eine Aufenthaltsbewilligung inklusive Kost und Logis zu beschaffen. Bereits drei Mal hat Luís* eine Schweizerin geheiratet – drei Mal hinter Gefängnismauern. Dabei ist Luís durchaus kein schwarzer Adonis, der weisse Frauen reihenweise um den Verstand bringt. Seine HarryPotter-Brille, die blaue Strickjacke und die Manchester-Jeans lassen ihn eher wie einen bibellesenden Studenten wirken, der seine Netze in Freikirchen auswirft. Doris Meier*, die in einer Zeitung ein Zimmer ausgeschrieben hatte, war jedenfalls angetan von seiner Erscheinung und nahm ihn bei sich auf. Er sollte ihr zudem da und dort assistieren. Doris Meier ist 53 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Sie hat Glasknochen, Osteogenesis imperfecta, bereits winzigste Belastungen können ihre Knochen brechen. Bald wurden Doris und Luís ein Liebespaar, bald setzte sie ihn wieder vor die Tür. Doch ein paar Tage später stand er wieder auf der Matte.

Der Vorwurf lautet auf Vergewaltigung. Er habe den Geschlechtsverkehr vollzogen, obschon seine Ex-Freundin ausdrücklich nicht bereit dazu war und sich nicht wehren konnte, da beim kleinsten Gegendruck ihr Skelett zersplittert. Er sei psychisch krank und gefährlich, hatte Frau Meier bei der Polizei ausgesagt, sie habe Angst vor ihm. Aber noch während seiner Untersuchungshaft heiratete sie ihn. «Frau Meier war einsam, sie sehnte sich nach einer Partnerschaft, sie glaubte, aus Luís einen guten Menschen machen zu können», analysiert die Staatsanwältin, die trotz der eingereichten Desinteresseerklärung von Frau Meier den Fall zur Anklage führen musste, denn Vergewaltigung ist ein Offizialdelikt. «Aber mir ist klar, dass dieser Fall schwierig zu beurteilen ist», stöhnt die Staatsanwältin auf und übergibt das Wort dem Verteidiger. Auch der hat keine leichte Aufgabe, zumal sein Mandant erneut in U-Haft sitzt. Er soll seine Ehefrau Doris mit dem Tode bedroht haben. Man dürfe sich jetzt aber kein falsches Bild machen, setzt der Verteidiger zu seinem Plädoyer an. Frau Meier trinke gerne mal eins über den Durst, bei ihren 24 Kilo reiche bereits eine Büchse Bier, um sich zu betrinken, dann werde sie streitsüchtig. «Der Vergewaltigungsvorwurf passierte im Zorn», erklärt er. Sein Mandant, ein treusorgender Vater eines kleinen Buben, sei freizusprechen. Doch Luís wird wieder in Ketten gelegt und zurück ins Gefängnis transportiert. Das Bezirksgericht spricht ihn schuldig und verurteilt ihn zu 30 Monaten Freiheitsentzug. *Persönliche Angaben geändert. ISABELLA SEEMANN (ISEE@GMX.CH) ILLUSTRATION: PRISKA WENGER (PRISKAWENGER@GMX.CH) SURPRISE 243/11


Surprise Strassenchor «Nach der Probe habe ich ein gutes Gefühl im Bauch.» Alok Fechner, Surprise-Verkäufer und Chormitglied

BILD: GUIDO SCHÄR

Seit 2009 können Menschen in sozialer Not unter professioneller Leitung in einem Chor singen. Selbstständiges Üben, regelmässige Proben sowie öffentliche Konzerte fördern soziale Kontakte, stärken das Selbstvertrauen und eine zuversichtliche Lebenseinstellung. Seit Anfang Februar ist das Kulturprojekt von Surprise wieder aktiv. Neu heisst es Surprise Strassenchor und steht unter der musikalischen Leitung von Ariane Rufino dos Santos. Die Basler Multi-Instrumentalistin verbindet Einflüsse von europäischer Folklore bis zu afrikanischer Perkussion in einer ansteckenden Musikalität. Musik betrachtet sie als Quelle der Lebensfreude für alle Menschen. Neu ist auch der Proberaum an zentraler Lage in Basel.

Die Proben finden jeweils dienstags von 17 bis 19 Uhr in der Musikschule archemusia, Aeschenplatz 2, in Basel statt. Interessierte sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist jederzeit möglich.

Anmeldungen und weitere Informationen: Die neue Leiterin des Surprise Strassenchors: Ariane Rufino dos Santos.

Nominieren Sie Ihren Starverkäufer!

Starverkäufer Rene Metzger

Schreiben Sie uns mit einer kurzen Begründung, welche/n Verkäufer/in Sie an dieser Stelle sehen möchten: Strassenmagazin Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 (0)61 564 90 99, redaktion@strassenmagazin.ch

Josy Rutishauser aus Stäfa nominiert Rene Metzger als Starverkäufer: «Schon öfter bin ich beim ‹Lädele› im Zürcher Niederdorf an Surprise-Verkäufer Rene Metzger vorbeigekommen. Jetzt im Winter habe ich Verbarmen mit ihm, wenn er bei diesen Temperaturen in den zugigen Gassen steht. Gleichzeitig freue ich mich auch immer, ihn zu sehen, weil er mit seiner ruhigen Art einen ausgesprochen angenehmen Gegenpol setzt zum geschäftigen Treiben rundherum. Alles Gute, Rene!»

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BILD: ZVG

Paloma Selma, 061 564 90 40, p.selma@strassenmagazin.ch

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Porträt Isas Geheimnis Die ehrenamtlichen Einsätze von Pia Gerber Meyer und ihrer Schäferhündin Isa bewirken oft mehr als Medikamente und Therapien. Wenn das Gespann bei Betagten oder Behinderten auftaucht, öffnen sich auch Menschen, die sonst kaum Kontakte zulassen. VON ELISABETH WIEDERKEHR (TEXT) UND LUCIAN HUNZIKER (BILD)

«Landei, Bodenhaltung» – so bezeichnet Pia Gerber Meyer sich selbst und fügt in ihrer direkt-charmanten Art hinzu: «Ich bin nicht kompliziert gestrickt.» Kommt sie beim Erzählen in Fahrt, wird klar: Ein Landei von ihrer Sorte führt ein äusserst vielfältiges Leben. Pia Gerber ist 45 Jahre alt, hat fast alle Kontinente dieser Welt intensiv bereist und sich dabei gute Englischkenntnisse zugelegt. Sie war Mitinhaberin eines Restaurants und arbeitet heute als «Bürogummi». Im Grunde eine treue Seele, zieht sie aber doch von Zeit zu Zeit gerne weiter, angelockt durch neue Herausforderungen. Familie, Freunde und die Natur sind ihr das Wichtigste. «Ich liebe das Einfache und setze mich gerne für andere ein», sagt sie. Dabei huscht ein Lachen über ihr Gesicht, das selbstkritisch und selbstsicher zugleich wirkt. Kinder hat Pia Gerber Meyer keine eigenen, die Töchter ihres Mannes sind in ihrem Haushalt aber völlig selbstverständlich ein- und ausgegangen. Ihre PatchworkFamilie war erfolgreich. Heute lebt sie in einer rudelartigen Formation. Die Schäferhündin Isa und ihr ebenfalls reinrassiger Gefährte Ray haben bei den Gerber Meyers die entsprechenden Hierarchien eingeführt – nicht immer zur Freude von Pia Gerber Meyer, denn aus der Perspektive der Hunde ist ihr Mann das unangefochtene Alphatier. Hergeben würde sie die beiden Tiere, gegen die sie sich lange gewehrt hatte, trotzdem um keinen Preis mehr. Besonders Isa und sie harmonieren perfekt. Wenn die beiden zusammen in Altersheimen oder Behinderteninstitutionen auftauchen, geht bei vielen Menschen die Sonne auf. «Isa ist bei diesen Besuchen klar die Hauptakteurin, ich nur ihre Begleiterin», erklärt Pia Gerber Meyer, die immer wieder neu staunt, welche Wunder ihre Hündin durch ihre pure Anwesenheit zu bewirken vermag. «Das ist schon sehr geheimnisvoll», meint sie und erzählt, wie einer von Isas besten Freunden, ein Mann, der seine Bewegungen kaum kontrollieren kann, ruhig wird, sobald sie mit dem Hund in seiner Nähe ist. «Einem Menschen kann er kaum seine Hand zur Begrüssung reichen, Isa hält er sie flach hin.» Auch bei einem heute 100-jährigen, sehr schweigsamen Menschen war Isa der Auslöser für lange Erzählungen aus seinem Leben, denen Pia Gerber Meyer gerne gelauscht hat. Die Hündin befreit die Menschen, lässt sie zumindest für Momente ihre Beschwerden vergessen und ihre Hemmungen ablegen. Dass sie dies möglich macht, verschafft auch ihrer menschlichen Begleiterin grosse Befriedigung. Ihre Ideale – besonders dasjenige, für andere da zu sein – hat Pia Gerber Meyer von ihren Eltern geerbt, die viel zu älteren, alleinstehende Leuten geschaut haben. Als Jüngste von vier Schwestern ist sie ohne Extras wie etwa Schwimmbadbesuche aufgewachsen. «Das ist mir aber alles erst später klar geworden», sagt sie, «als Kind habe ich überhaupt nichts vermisst.» Auch heute braucht sie nicht viel, kommt pri-

ma ohne Handy aus, lebt in Itingen/BL auf dem Land und organisiert gerne «Sister Acts», wie sie die Treffen mit ihren Schwestern nennt. Holzen und Nägel einschlagen gehören für sie nach wie vor zum täglichen Leben und auch Hunde spielten schon in ihrer Kindheit eine Rolle. Lange verspürte sie aber kein Bedürfnis, selbst einen zu haben. Doch dann wurden sie gemeinsam mit ihrem Mann in die Hundezucht eines Freundes eingeladen, wo sie auf die kleine Isa trafen, in die sich Gerber Meyers Mann sofort verguckte. Der kleine Hund bewirkte auch bei ihr den Einsturz sämtlicher, zuvor sorgfältig errichteter innerer Schutzdämme. Isa kam mit. In der Folge durchlief Pia Gerber Meyer mit ihr alle wichtigen Prüfungen der Hundeschule. Anschliessend absolvierten die beiden – als Isa für Hundeverhältnisse schon eine Dame war – die Medizinhundeausbildung. Diese brachte für die Hündin strenge Eignungsprüfungen und besondere Gesundheitschecks, für Pia Gerber Meyer medizinisches Wissen und die Aneignung verschiedener Spiele mit sich, die Isa jeweils vor Ort unter ihrer Aufsicht mit den betreuten Menschen machen kann. Regelmässig stattfindende Überprüfungen des jeweiligen tierisch-menschlichen Gespanns sichern die Qualität der Einsätze. Was aber befähigt Isa für diese besondere Aufgabe? Pia Gerber Meyers Antwort mag manchen erstaunen: «Sie ist selbstbewusst und kann die Menschen gut einschätzen – sie weiss genau, von wem sie sich was gefallen lassen will.» Ihrem anderen Hund traut Pia Gerber Meyer in dieser Beziehung nicht über den Weg, er sei zu ängstlich, meint sie. Ray fehlt die Ruhe und Sensibilität. Im Gegensatz zu Isa darf er auch nicht in den neu errichteten Hühnerstall im heimischen Garten. Nachdem sie verschiedentlich entlaufene Hühner in ihrer Schnauze ins Gehege zurückgebracht hatte – immer wohlbehalten, versteht sich –, erhält Isa dort problemlos Zutritt. Allen, die ähnliche Geschichten von ihren Hunden erzählen können oder diese als sehr vertrauenswürdig und liebevoll einschätzen, empfiehlt Pia Gerber Meyer dringend, sich ein Herz zu fassen und mit ih-

«Isa ist selbstbewusst und kann die Menschen gut einschätzen.»

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nen die Medizinhundeausbildung zu absolvieren, die nicht so lange dauert wie diejenige zum Therapiehund und deshalb auch für Vielarbeiter wie Pia Gerber Meyer eine gute Möglichkeit bietet, die wunderbaren Fähigkeiten eines Tieres sinnvoll für andere zugänglich zu machen. «Es gibt unterdessen so viele Hunde und auf der anderen Seite so viele Menschen – seien es nun kranke, pensionierte oder sogar sterbende –, für die ein Hundebesuch ein wirklicher Lichtblick wäre – ein Wunder fast.» ■ www.medizinhunde.ch

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Marianne Faithfull «Ich vergebe nicht» Marianne Faithfull hat Herzschmerz, Drogensucht und Brustkrebs überlebt. Anlässlich ihres neuen Albums «Horses And High Heels» spricht die englische Sängerin über die Aufnahmen in New Orleans, Klassenbewusstsein in der Popmusik und die Heilkräfte der Gestalttherapie.

INTERVIEW: HANSPETER KÜNZLER

Sie sind für die Aufnahmen Ihres neuen Albums nach New Orleans gefahren. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Wir wollten Spass haben. Ich freute mich wahnsinnig darauf, in einer Stadt zu arbeiten, die besessen ist von Musik. Es leben dort viele erstklassige Musiker, wir hatten die Wahl. Und so konnten wir eine grossartige Band im Studio versammeln. Wir haben hart gearbeitet, von elf Uhr morgens bis sieben Uhr abends. Und ehrlich gesagt gab es noch einen anderen Grund für New Orleans: Es ist dort günstiger als in New York oder London. Für eine Künstlerin wie mich, die nicht zum Mainstream gehört, wird der finanzielle Aspekt der Arbeit immer schwieriger. Sie sind früher schon in New Orleans gewesen. Wie ist die Atmosphäre in der Stadt verglichen mit der Zeit vor der Flutkatastrophe 2005? Sehr anders. Viele Musiker sind immer noch da, denn für sie gibt es Arbeit in der Stadt, sie hatten einen Grund, zum Bleiben. Doch Tausende von Schwarzen, die nichts hatten, sind gegangen und das ist für New Orleans sehr traurig. Es ist ein schrecklicher Anblick: Die vielen leeren Häuser, die vor sich hin rotten und zerfallen. Jetzt werden endlich neue Häuser gebaut. Das hätte vor Jahren schon geschehen müssen.

Dass Sie keine einfache Zeit hinter sich haben, zeigt ein weiteres Lied von Ihnen, «Why Did We Have To Part». Es handelt von der Trennung von Ihrem langjährigen Partner und Manager. Die Trennung geschah vor meinem letzten Album, «Easy Come, Easy Go», aber damals waren die Wunden noch viel zu frisch, als dass ich darüber hätte singen können. Es war eine üble Zeit, ein harter Schlag für die gute alte Psyche. Ich habe mir dann etwas gegönnt, nämlich eine längere Klausur in der Nähe von San Francisco. Ich unternahm Wanderungen, machte Yoga-Übungen und meditierte. So hat sich mein Herz wieder geöffnet und ich begann wieder, Lieder zu schreiben. Warum gerade diese Klausur? Die Einrichtung dort, das Institut von Esalen, ist sehr berühmt, allerhand Therapien sind dort erforscht worden. Für mich war vorab die Gestalttherapie interessant. Sie vermittelt einem die Möglichkeit, gewisse

«Ich war immer freundlich zu den Menschen, auch wenn sie nicht freundlich waren zu mir.»

Eine Handvoll Lieder auf dem Album haben Sie selber geschrieben, der Rest sind Cover-Versionen. Nach welchen Kriterien haben Sie diese ausgewählt? Hal Wilner, mein langjähriger Produzent und guter Freund, hat einige von ihnen mitgebracht. Er hat ein ausgezeichnetes Gespür für Lieder, an die sich kaum jemand erinnert und die perfekt zu mir passen. «The Stations» zum Beispiel, geschrieben von den Indierockern Gregg Dulli und Mark Lanegan, oder «That’s How Every Empire Falls» – einfach tolle Songs. Wir haben bewusst auch mehrere Songs aus den frühen 70er-Jahren gewählt. Viele Stücke aus dieser Zeit sind ungerechterweise in Vergessenheit geraten. Eines meiner Lieblingsstücke auf «Horses and High Heels» ist der Titelsong. Eine kuriose Kombination von Objekten, von der auch das bizarre Cover abgeleitet ist. Was steckt dahinter? Bilder aus meiner Welt halt. Und das Umschlagbild – toll, oder? Ziemlich absurd natürlich. Ich wollte ein Bild, das zeigt, dass ich keineswegs an Depressionen leide und meinen Sinn für Humor nicht verloren habe. SURPRISE 243/11

Ereignisse und Erlebnisse in der Vergangenheit, deren Ausgang man bereut, nochmals zu durchleben, um sie zu einem anderen Ausgang zu führen. Das Unterbewusstsein kann nicht unterscheiden zwischen dem wirklichen Ereignis und dem im Geist nachgedachten. Zum Beispiel hat es mir immer sehr leidgetan, dass ich meiner Mutter nicht die Hand halten konnte, als sie gestorben ist, so, wie sie die Hand ihrer Mutter gehalten hat. In der Therapie habe ich es nun getan, mein Unterbewusstsein hat es als wahr empfunden, und so hatte der Vorgang eine starke Heilwirkung auf mich. Vor einigen Jahren wurde bei Ihnen Brustkrebs diagnostiziert. Sie wurden geheilt. Wie hat es Ihre Haltung und Ihre Lebensweise beeinflusst? Ich lebe gesünder und passe besser auf mich auf. Und die Therapie war jetzt noch ein Schritt weiter in die Richtung? Ich lebe sowieso gesund. Ich nehme keine Drogen, ich trinke nicht, oder jedenfalls ganz wenig. Ich bin wach. Ich bin ganz und gar hier. Das hilft bei allem: bei der Arbeit, im Leben, bei diesem Interview. Ich bin offen für Menschen. Eigentlich war ich schon immer freundlich zu den Menschen, auch wenn sie nicht freundlich waren zu mir. Ich bin einfach ein bisschen mehr mich selber geworden.

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Sie haben auch schon erklärt, Sie hätten sich besonders von den britischen Medien schlecht behandelt gefühlt. Sind Sie … Ob ich vergebe? Nein. (lacht) Nein, das ist für mich immer noch schwierig. Die Engländer sind heute zwar viel freundlicher zu mir, aber es ist schwierig, zu vergessen. Wenn ich in London Interviews gebe, ist es mir nie so wohl wie etwa hier in Paris oder in Deutschland. Man hat Ihnen früher vorgeworfen, sie kämen aus reicher Familie, alles sei Ihnen ganz leicht zugeflogen. Das galt irgendwie nicht als fair, zumal Sie sich nicht nach den Normen benahmen, die gemeinhin für Frauen dieser Klasse als gültig erachtet wurden. Richtig – dabei war ich gar nicht «posh». Ich hatte vor allem eine gute Bildung genossen und sprach ein entsprechendes Englisch. Meine Eltern waren beide überzeugte Sozialisten. Zur heutigen Nationalpsyche habe ich keinerlei Bezug mehr, ich lebe ja seit langer Zeit nicht mehr dort. Für mich hat das englische Klassensystem überhaupt nicht funktioniert. Hatten englische Musiker in den Sixties nicht per Definition links gerichtete politische Überzeugungen? Das stimmt. Denn fast alle kamen sie aus der Arbeiterklasse. Irgendwie wurde das in der Musikszene als ehrenhafter und ehrlicher erachtet. Und wer aus anderen Schichten kam und in der Musik landete, wurde scheel angeschaut. Aber bei mir haben sie einen grossen Fehler gemacht. Ich kam nicht aus einer reichen Familie. Ich gehörte nicht zu den reichen Kindern, die sich eine Art touristischen Spass daraus machen, sich mit den unteren Klassen zu vergnügen. «Slumming» nennt man das in England, Jarvis Cocker von Pulp hat darüber das Lied «Common People» geschrieben. War es die Presse, die Sie aus England vertrieben hat? Die hatte ganz bestimmt ihren Anteil daran. Ich hatte nach den 60erJahren das Gefühl, das niemand dort mich mochte. Darum haben die Engländer auch mir nicht gepasst.

Trotz Krebs und Trennung: «Ich habe meinen Humor nicht verloren.»

Voll Wärme und Seele Mit dem grandiosen Album «Broken English», das 1979, mitten in Ihrer schweren Drogenzeit, das Comeback markierte, änderte sich die Wahrnehmung. Ja, von dem Moment an hätte ich in England bleiben können, aber jetzt wollte ich nicht mehr. In der Minute, in der ich gehen konnte, ging ich. Fuck you, I’m outta here! (lacht) Kürzlich sind die Memoiren Ihres alten Kumpels, dem StonesGitarristen Keith Richards, erschienen. Haben Sie die gelesen? Aber klar! Ich liebe das Buch! Gibt es Passagen, wo Sie nicht mit ihm einig sind? Nein, nein, nein. Gut, wir sehen die Dinge schon nicht immer gleich. Aber jeder hat seine eigene Wahrheit. ■ Live: 17. Mai, 20 Uhr, Kaufleuten, Zürich.

Fürs 23. Album von Marianne Faithfull versammelte Hal Wilner, der hier – wie schon bei vielen früheren Werken – als Produzent wirkte, die Creme de la Musiker-Creme von New Orleans im Studio: Dr. John, Wayne Kramer und ein aussergewöhnlich diskreter Lou Reed geben kurze Gastspiele. Die Songauswahl steckt voller Überraschungen und ist gerade darum umso besser. Das gewichtige, schimmernde «The Stations» gleich zum Anfang hätte auf dem Faithfull-Klassiker «Broken English» nicht fehl am Platz gewirkt. Ähnlich schön ist die Country&Western-Nummer «That’s How Every Empire Falls». Die stilistische Palette ist breit. Sie reicht vom pfundigen Blues-Rock von «No Reason» über den sanften und subtilen «Love Song» hin zum saftigen New Orleans-Groove von «Gee Baby». Das atmosphärische, folkig-orchestrale Titelstück – eine Eigenkomposition der Sängerin – steckt sehr charmant die Thematik eines Albums voller Wärme und Seele ab, das zu Faithfulls besten gehört. (hpk)

Zur Person Marianne Faithfull (*1946) hatte ihren ersten Hit 1964 mit der Jagger/Richards-Komposition «As Tears Go By». Als Geliebte des StonesSängers Mick Jagger wurde sie zur Zielscheibe der britischen Boulevardpresse. Als Sängerin ernst genommen wurde sie erst nach ihrem Album «Broken English». Seit der Überwindung ihrer langjährigen Drogensucht veröffentlicht sie regelmässig Alben, auf denen sie mit Leuten wie Nick Cave, PJ Harvey oder Angelo Badalamenti zusammenarbeitet. Erfolge feiert sie auch als Schauspielerin, zuletzt im Drama «Irina Palm». Seit 2004 lebt die Engländerin in Paris.

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Marianne Faithfull: «Horses And High Heels» (Naïve/MV). SURPRISE 243/11


Alter Piazza Falkenstein Die erste Einwanderergeneration kommt ins Seniorenalter – und somit immer öfter auch ins Heim. Das stellt Pflegeeinrichtungen vor besondere Herausforderungen: Surprise hat die mediterrane Abteilung des Basler Alterszentrums Falkenstein besucht. VON MENA KOST (TEXT) UND DOMINIK PLÜSS (BILDER)

«Capisci??», ruft die alte Frau, führt die Finger ihrer rechten Hand zusammen, bis sie sich an den Kuppen berühren – und wedelt ihrer Nachbarin zur Linken mit energischer «Cosa fai»-Geste vor der Nase herum. Es geht ums Essen. Man ist sich nicht einig, wie der «Toast con Salmone» vom Mittag hätte zubereitet werden müssen – wenn er denn delikat hätte schmecken sollen. Was er, darin ist man sich einig, nicht getan hat. Die gut frisierte Grauhaarige, der die Geste gilt, verdreht die Augen, packt die wedelnde Hand, knufft der dazugehörigen Frau gehörig in die Seite. Dann lacht sie mit rauer Stimme. Die anderen Frauen auf den rot-beige gestreiften Polstermöbeln und im Rollstuhl stimmen ein. Seit einigen Jahren kommt die erste Einwanderergeneration aus dem europäischen Süden ins Seniorenalter: Rund 134 000 Migrantinnen und Migranten über 65 Jahre zählte das Bundesamt für Statistik im August letzten Jahres, die Tendenz ist steigend. Die meisten von ihnen stammen aus Italien – eini-

ge aus Spanien – und sind ab Mitte der Vierzigerjahre in die Schweiz immigriert, um hier zu arbeiten. Auch wenn viele es anders geplant hatten: Nur ein Drittel kehrt im AHV-Alter wieder ins Herkunftsland zurück, die meisten bleiben – für immer. Das stellt auch Pflegeeinrichtungen vor neue Herausforderungen. Einzelne Institutionen eröffnen deshalb speziell für Migrantinnen und Migranten konzipierte Wohngruppen. Im Basler Alterszentrum Falkenstein erkennt man die «mediterrane Abteilung» nicht nur am Temperament der Bewohnerinnen. Auch die Einrichtung zeigts: Die Möbel im Aufenthaltsraum sind schwer, weisse Spitzendecken heben sich scherenschnittartig vom dunklen Eichenholz

«Die Verwandten wollen mehr wissen, mitreden und in Entscheidungen involviert sein.»

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ab. Die Glasplatte des Esstischs wird von griechischen Säulen getragen und auf der Kommode steht eine kleine, aber delikate Sammlung von Engelsbüsten. Vor dem Fernseher sitzt der einzige Mann im Aufenthalts-

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raum: Er schaut eine Diskussionssendung auf Rai Uno, die beige Schiebermütze so tief wie möglich ins Gesicht gezogen. Migrantinnen und Migranten stehen Alters- und Pflegeheimen oft skeptisch gegenüber: Die Einrichtungen geniessen in ihren Herkunftsländern einen schlechten Ruf und sind sehr teuer. Sie gelten als allerletzte Station – nur wer von seinen Kindern abgeschoben wird, landet im Heim. Das macht einen Eintritt der Mutter oder des Vaters in die Pflegeeinrichtung auch für die Kinder schwierig. Trotzdem ist das Leben der Angehörigen meist «schweizerisch» organisiert – man arbeitet zumindest Teilzeit – und für die Vollzeitbetreuung pflegebedürftiger Eltern fehlt die Zeit. Ein weiteres Hindernis ist die Sprache. Das hat eine Berner Umfrage unter Italienerinnen und Italienern im AHV-Alter gezeigt: Zwar wünschen sich die Befragten kein eigenes Altersheim – dafür fühlen sie sich zu gut integriert. Aber sie möchten innerhalb einer konventionellen Einrichtung auf einer speziellen Abteilung leben, damit sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten können. Viele Migrantinnen und Migranten sprechen nämlich auch nach 40 Jahren in der Schweiz noch nicht richtig Deutsch. Das hat Gründe: «So etwas wie Integrationspolitik hat es zur Zeit der ersten Einwanderungsgeneration nicht gegeben», erklärt Hildegard Hungerbühler, Vizepräsidentin des Nationalen Forums Alter und Migration: «Die Leute sind zum Arbeiten ins Land geholt worden, und ihre Arbeitszeiten waren enorm. Zeit für einen Sprachkurs blieb da nicht. Abgesehen davon, dass diesen auch niemand bezahlt hätte.» Aber auch wenn jemand mit den Jahren Deutsch gelernt hat: Die Zweitsprache gehe im Alter oft wieder verloren, ganz besonders bei Demenz, so Hungerbühler. Zur Damenrunde im Aufenthaltsraum haben sich eine Tochter und eine Enkelin gesellt. Die Enkelin sitzt auf der Lehne des Sessels ihrer Nonna und spielt mit Hand, Arm und Armband der Grossmutter. Der

Acuncion Rey, geb. 1933 in Galicia, Spanien. Seit 48 Jahren in der Schweiz.

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Surprise-Fotograf macht Bilder, Einzelporträts. Wer an der Reihe ist, stellt sich vor die gelb getünchte Tapete und wird von den anderen beim Posieren angefeuert. Dem jungen Fotografen wird die Brust getätschelt: So ein Hübscher sei er! «Aber wehe dir, Ragazzo, wenn ich auf dem Foto nicht gut aussehe …» Zwischenwelten Auf der mediterranen Abteilung spielt sich das Leben im Aufenthaltsraum ab. Nicht in den Zimmern, wie es bei Wohngruppen mit Schweizerinnen und Schweizern oft der Fall ist. Einer der elf Bewohner – sechs Frauen und fünf Männer – hat immer Besuch: Man sitzt zusammen, schwatzt. Die Angehörigen kennen sich untereinander und freuen sich, wenn sie sich antreffen. «Es läuft einfach mehr, alles ist emotionaler. Und lauter», beschreibt Marianne Quensel. Sie ist Leiterin Betreuung und Pflege im Falkenstein und erklärt zusammen mit Zentrumsleiter Michel Schmassmann, wie die in Basel einzigartige Abteilung funktioniert und worin sie sich von einer konventionellen unterscheidet: Das Personal spricht mehrheitlich italienisch oder spanisch, die Küche ist mediterran, das Essen hat einen viel höheren Stellenwert und die Angehörigenarbeit ist intensiver. «Die Verwandten wollen mehr wissen, mitreden und in Entscheidungen involviert sein. Sie übernehmen auch gerne einfache Pflegeaufgaben», sagt Zentrumsleiter Schmassmann. Das Abschiednehmen, also wenn jemand sterbe, laufe ebenfalls anders. Die Begleitung der Angehörigen in dieser Phase ist emotionaler und intensiver. Schmassmann: «Man könnte sagen, die Angehörigenarbeit hat einen anderen Stellenwert.» Auch wenn es hier lebhafter zu- und her geht: Den Bewohnerinnen und Bewohnern der mediterranen Abteilung geht es gesundheitlich schlechter als Schweizerinnen oder Schweizer im gleichen Alter. «Viele haben in körperlich belastenden Berufen gearbeitet. Vor allem die Män-

Antonia Eichenberger, geb. 1927 in Sevilla, Spanien. Seit 67 Jahren in der Schweiz.


ner sind sehr verbraucht. Auch haben sie öfter psychische Störungen als Die Fotos sind geschossen. Die Damen sitzen wieder sicher in ihren Schweizer – Depressionen», weiss Quensel. Die Gründe dafür lägen in Sesseln, der Mann mit der Schiebermütze noch immer vor dem Fernseden Biografien dieser Menschen, der eine Zerrissenheit eigen sei: Geld her. Nicht einmal umgedreht hat er sich während des Shootings. «Wo verdienen und wieder heimkehren, so habe ihr Plan ursprünglich gesind denn die Männer? Wir haben nämlich nicht nur den Signore vor heissen. Doch dann wurde die Zeit in der Schweiz immer länger – und dem Fernseher!», ruft eine der Frauen, und eine andere, Andreina Ploztrotzdem wurde das Land nicht zur Heimat. Jenes Italien, das sie einst za im blauen Pulli, antwortet: «Also mein Mann ist nicht mehr hier. Aber verlassen hatten, gab es irgendwann ebenfalls nicht mehr – und so er ist mich oft besuchen gekommen. Kennengelernt habe ich ihn in der wurde auch die Heimat fremd. Zentrumsleiter Schmassmann: «SchliessSchweiz, damals, vor vielen Jahren …» Geboren sei sie aber in Italien: im lich sind viele von ihnen geblieben, oft wegen der Enkelkinder. Aber Jahr 1920 im Dorf Castione in der Provinz Sondrio in der Lombardei. innerlich sind sie irgendwo zwischen Italien und der Schweiz hängenSchön sei es dort gewesen, sehr schön! Dann habe ihre ältere Schwester geblieben.» Um den Bedürfnissen von Migrantinnen «Viele sind geblieben. Aber innerlich sind sie irgendwo und Migranten im Pflegealter gerecht zu werzwischen Italien und der Schweiz hängengeblieben.» den, braucht es mehr, als italienisch oder spanisch zu sprechen. «Es braucht Weiterbildungen für das Personal und das Thema gehört dringend in die Ausbilins Tessin geheiratet und sie selbst – gerade 14 Jahre alt – sei ihr nachdungsgänge in der Alterspflege», fordert Migrationsspezialistin Hildegard gereist. «Danach habe ich bei ihr gewohnt. Bis ich eben meinen Mann Hungerbühler. Das Thema werde nämlich noch lange aktuell bleiben; kennen lernte und wir gemeinsam nach Basel zogen. Aber heute kann er bereits heute habe ein Fünftel der Bevölkerung einen Migrationshintermich nicht mehr besuchen kommen.» Die andern Frauen schütteln den grund. Kopf: «Nein», sagen sie, «heute kann er nicht mehr kommen. Dein Mann Die Zukunft liegt trotzdem nicht in italienischen, türkischen oder ist gestorben.» albanischen Pflegeabteilungen. «Ethnozentrierte Angebote entsprechen Andreina Plozza nickt und murmelt ungeduldig «Si, si!». Dann sagt heute noch einem Bedürfnis. Aber in Zukunft müssen sich die Einrichsie laut: «Wo unsere Männer sind? Na, die hocken wohl ihn ihren Zimtungen ganz grundsätzlich Gedanken darüber machen, wie sie mit einer mern. Die trauen sich nämlich nicht zu uns Frauen in den Aufenthaltsimmer heterogeneren Altersbevölkerung umgehen», sagt Hungerbühler. raum.» Was kein Wunder sei, ergänzt die Dame im Rollstuhl: «Die haben Nicht nur andere Einwanderergruppen machen diese Vielfalt aus. Auch doch panische Angst, dass sie sich auf dem Rückweg in der Tür irren und die wachsende Zahl demenzkranker oder drogensüchtiger Senioren wird im falschen Bett landen könnten. Kein Wunder, bei dem Temperament, den Pflegeeinrichtungen neue Konzepte abverlangen. Hungerbühler: «In das wir Frauen hier haben!» ■ Zukunft brauchen wir Institutionen, für die Offenheit, Individualität und ein kompetenter Umgang mit Diversität Programm sind.»

Andreina Plozza, geb. 1920 in der Lombardei, Italien. Seit 77 Jahren in der Schweiz.

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Teresa Marcoli, geb. 1925 in Emilia Romagna, Italien. Seit 51 Jahren in der Schweiz.

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Veterinärmedizin Tierlieb und teuer Akupunktur, Hüftprothesen, Chemotherapie: Was für Herrchen und Frauchen gut ist, kann Fido und Schnurrli nicht schaden. Wertschätzung des Tieres, Eigennutz der Halter oder Ausdruck einer verdrehten Realität? Ein Besuch am Zürcher Tierspital. VON AMIR ALI (TEXT) UND MIRIAM KÜNZLI (BILDER)

den. Denn ein Tier, so Tierärztin Simona Dietiker, könne man ja nicht nach Schmerzen fragen. «Das ist eine Frage der Ethik», sagt sie. Emma und Daisy werden nicht erbrechen müssen, und Haare fallen den pelzigen Patienten in der Regel auch keine aus. «Dafür werden wir den Krebs nicht endgültig besiegen. Wir können nur hinauszögern», erklärt Dietiker. Emmas Besitzerin ist eine Frau in den Fünfzigern. Ihr blondes Haar fällt auf den Kragen einer dunkelgrünen Steppjacke, das Gesicht wirkt müde. Die Diagnose Krebs sei ein Schock gewesen, sagt sie. Sofort stand fest: «Ich tue alles, um Emma am Leben zu erhalten.» Auch wenn es nur ein Spiel auf Zeit ist. «Das bin ich Emma schuldig», sagt die Frau. Ihr Umfeld hat dafür nicht nur Verständnis. «Viele finden, das sei purer Egoismus», erzählt Emmas Besitzerin. Doch Emma gehe es seit der Behandlung eindeutig besser. «Hätte ich sie denn einfach abtun sollen?», fragt ihre Halterin rhetorisch. Der Entscheid für oder gegen eine Behandlung hängt davon ab, wie die Chancen auf Heilung und Schmerzfreiheit stehen. «Wenn wir zum Schluss kommen, dass sich das Leiden des Tieres nur verlängert, dann behandeln wir nicht», sagt Claudia Fraune.

Wenn Emma heute fertig ist, wird sie ihrem Geschenk einen Schritt näher sein. Sie wusste wohl schon vorne bei der gläsernen Schiebetür des Haupteingangs, was an diesem regnerischen Morgen wieder ansteht. Zum siebten Mal innerhalb der letzten sechs Wochen kommt die schwarze Scottisch-Terrier-Dame mit ihrem Frauchen und ihrem Artgenossen Pan Tau in die neu eröffnete Kleintierklinik in der Nähe des Zürcher Irchelparks. Zum siebten Mal wird man ihr hochgiftige Substanzen in die Venen spritzen. Das Geschenk muss sie sich mit Tapferkeit verdienen. Aber was tut man nicht alles, um das Ende hinauszuzögern. Wenn Emma ein durchschnittlicher Hund ist, dann bekommt sie ein Jahr. Das ist die Dauer, um die eine Chemotherapie das Leben von Hunden mit Lymphdrüsenkrebs im Schnitt verlängert. Das Prozedere ist immer dasselbe. Am längsten dauert jeweils das Warten auf den Bluttest. Weisen die Hunde oder Katzen vor der Chemotherapie zu wenig weisse Blutkörperchen auf, können die Ärztinnen ihnen die Krebs-Killer nicht verabreichen. Emma hat sich still, aber sichtlich angespannt in eine Ecke des Behandlungsraumes zurückgezogen. «Ja, du bist eine Tapfere», fährt ihr Assistenzärztin Barbara Willi «Spende Blut – Rette Hundeleben» durch das graumelierte Fell. «Du machst doch immer so schön mit.» Die In der Kleintierklinik der veterinärmedizinischen Fakultät der UniÄrzte und Pflegerinnen der kleinen Onkologie-Abteilung kennen ihre versität Zürich riecht es noch nach Neubau. Ein bernsteinfarbener Patienten. Derzeit sind es etwa 15 Hunde und Katzen, die sich an der Kunststoffboden strahlt die Wände aus Sichtbeton an. 28 Millionen Kleintierklinik der Universität Zürich einer Chemotherapie unterziehen. Franken hat der im vergangenen Herbst eingeweihte Bau gekostet, und Die nächste Onkologie-Patientin an diesem Vormittag ist Daisy. Die er spiegelt die Entwicklung der Tiermedizin. Die alte Klinik war 1963 Geschichte ihres Kampfes gegen den Krebs ist beinahe schon ein Heldenepos. Es ist die 22. Behandlung der zwölfjährigen Tigerkatze. Nach einer guten ViertelBei Tieren kommen dieselben Krebsmedikamente zur Anstunde kommt das Okay aus dem Labor im wendung wie bei Menschen – bloss viel niedriger dosiert. ersten Stock. Eine Pflegerin zieht unter einer Sicherheitsglocke mit Luftabzug die hochgiftinoch für 90 Studierende gebaut worden. Heute studieren rund 400 jungen Chemotherapeutika auf. Dazu trägt sie Spezialhandschuhe und ge Leute an der Fakultät. Und die Lehre ist denn auch die Hauptaufgaverwendet ein Sicherheits-Spritzen-System. Beim Setzen des Venenkabe des Tierspitals. Jean-Michel Hatt, Leiter des Departements für Kleintheters ist Oberärztin Claudia Fraune hoch konzentriert. «Ich muss die tiere, sagt: «Die Klinik ist in erster Linie da, damit die Studierenden und Vene ganz genau treffen, damit nichts daneben geht», erklärt sie. Ein die Spezialisten Fälle haben.» kleines Kunststück bei Adern, die kaum dicker sind als die Nadel selbst. Auf dem Irchel findet sich alles, was es auch in einem Menschenspital gibt: Krebstherapie, Gynäkologie, Innere Medizin, Kardiologie Purer Egoismus? und Dermatologie. Physiotherapie, Ophtalmologie und Chirurgie. Sogar Was einst zum Wohle des Menschen am Tier ausprobiert wurde, eine Blutbank für Hunde führt die Abteilung für Anästhesiologie. nützt nun wieder Daisy und Emma. Bei Tieren kommen dieselben «Spende Blut – Rette Hundeleben», wirbt ein Flugblatt. Rund 200 TransKrebsmedikamente zur Anwendung wie in der Humanmedizin – bloss fusionen, heisst es dort, würden jährlich durchgeführt – Tendenz niedriger dosiert. Nicht nur, weil die Körper von Hunden und Katzen steigend. Departementsleiter Hatt: «Das Wohl der Tiere bedeutet den kleiner sind. Auch die klassischen Nebenwirkungen will man vermeiSURPRISE 243/11

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Haltern sehr viel. Die meisten sind bereit, dafür auch zu bezahlen.» Die Möglichkeiten in der Tiergesundheit haben in den vergangenen Jahre grosse Fortschritte gemacht. Entsprechend sind auch die Kosten gestiegen. Heute leben in der Schweiz rund 1,3 Millionen Katzen und eine halbe Million Hunde. Etwa 17 000 Patienten behandelt die Zürcher Kleintierklinik jedes Jahr. Weitere Zahlen sind Hatt nicht zu entlocken. Laut «SonntagsBlick» hat das Tierspital 2008 Behandlungen für rund elf Millionen Franken in Rechnung gestellt, wovon rund 6,5 Millionen auf die Behandlung von Kleintieren entfielen. Laut einer groben Schätzung der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte geben Herr und Frau Schweizer jährlich rund 330 Millionen Franken für die Behandlungen und die Medikamente ihrer Haustiere aus. Medizin für Tiere auf hohem Niveau scheint in der Bevölkerung grossen Rückhalt zu haben. Nachdem der Zürcher Kantonsrat den Kredit für den Klinikneubau von 36 auf 28 Millionen Franken gekürzt hatte, kam das Tierspital schnell zu rund 2,6 Millionen Spendengeldern von Privaten.

Industrienationen des Westens hat sich das Gewicht allerdings in den letzten Jahren in Richtung «Hobbytiere» verschoben. In Deutschland etwa liegt deren Umsatzanteil heute bei 50 Prozent. Weltweit ist die Tiergesundheit zwar eine Nische im Pharmamarkt – aber eine mit Potenzial. Während Medikamente für Menschen wegen ablaufender Patente und fehlender neuer Produkte in Zukunft immer weniger lukrativ sein dürften, legt der Markt für Tiergesundheit rund

Derzeit sind die grossen Pharmaunternehmen in der Sparte Tiergesundheit auf Expansionskurs.

Die Sehnsucht nach mehr Menschlichkeit Auch für die Wirtschaft ist die Tiermedizin von immer grösserer Bedeutung. Neben den Türen zu den Behandlungsräumen in der Kleintierklinik zeigen Schilder die Sponsoren der Einrichtung an. Darunter der Pharmariese Novartis, die Handelsgruppe Henry Schein oder der Veterinärmedizin-Vertrieb Veterinaria AG. In jedem grossen Pharmakonzern gibt es eine Division «Animal Health». Die Tiergesundheit generiert weltweit Umsätze von rund 20 Milliarden Dollar, rund 60 Prozent davon in der Landwirtschaft. In den

viermal so hohe Wachstumsraten an den Tag. Zudem sind die Entwicklungskosten und die Zulassungshürden deutlich niedriger als bei humanmedizinischen Produkten. Derzeit sind die grossen Pharmaunternehmen der Welt in der Sparte Tiergesundheit auf Expansionskurs. «Wer sich ein Tier anschafft, übernimmt die Verantwortung für dessen Gesundheit», sagt Tierärztin Simona Dietiker klipp und klar. Das Portemonnaie des Besitzers kann dennoch die Grenze der Tierliebe sein. Eine Hüftprothese für den Hund kostet rund 5000 Franken, eine Chemotherapie etwa 2000 Franken. Bei komplizierten Behandlungen chronischer Krankheiten steigen die Ausgaben schnell gegen 10 000 Franken. Jenseits des Angebots an Heilmethoden und der Nachfrage nach Tiergesundheit drängt sich die Frage auf, wie es dazu kommt, dass wir Tiere fast um jeden Preis am Leben erhalten. Und dies, während in anderen Teilen der Welt nach wie vor Kinder verhungern. Es kann nicht nur «die veränderte Einstellung zum Tier» sein, wie sich Jean-Michel Hatt ausdrückt. Natürlich hat der Tierschutz an Gewicht gewonnen. Natürlich ist die «Würde des Tieres» in unsere Gesetze eingegangen.

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Spitzenmedizin für Vierbeiner: Vor allem ältere Menschen lassen sich die Liebe zu ihrem Tier etwas kosten.

Bezeichnend ist jedoch eine Zahl, die sich dadurch nicht erklären lässt: Vor 30 Jahren noch wog eine durchschnittliche Katze 3,5 Kilo. Heute sind es rund 5,5 Kilo. Wir können uns die Tierliebe heute leisten. Wir brauchen sie aber auch. Es ist Liebe, die ankommt und erwidert wird. Ohne Wenn und Aber. Unsere Tiere helfen uns über die Ohnmacht hinweg, mit der wir in die Abgründe der Welt blicken. Sie erfüllen unsere Sehnsucht nach mehr Menschlichkeit.

Es sind kleine Dramen, die sich immer wieder abspielen in der Wartehalle der Kleintierklinik. Wie an diesem regnerischen Vormittag, als eine ältere Dame, gestützt von ihrer Tochter, schluchzend nach draussen stürmt. Gerade bei Tieren von Seniorinnen, sagt Claudia Fraune, könne die Verlängerung des Lebens Sinn machen. Denn ein neues Tier würde seinen betagten Menschen wohl meist überleben. Ist eine Therapie aussichtslos oder muss damit gerechnet werden, dass das Tier dabei unnötig leidet, sprechen die Veterinärinnen das Todesurteil. Die Möglichkeit der «Erlösung» sei ein Luxus, den sie im Gegensatz zur Humanmedizin hätten, sagt Fraune. Für Assistenzärztin Simona Dietiker sind das «die harten Momente in meinem Beruf». Aber letzten Endes ist der Tierarzt eben dem Tier verpflichtet und nicht dem Halter. Wenn es die schlechten Nachrichten zu überbringen gilt, wünscht sich Fraune,

Die Tierärztin als Psychologin Der Verhaltensforscher Dennis Turner ist ein Spezialist, wenn es um die Beziehung zwischen Mensch und Tier geht. Sein Befund ist so unspektakulär wie eindeutig: Hunde und Katzen, so Turner, würden zum einen noch immer ihre uralten Funktionen als Mäusefresserin auf dem Bauernhof oder Spürhund bei der Jagd wahrnehmen. «Vor allem aber sind sie zum geHaustiere sind der ruhende Pol auf dem Sofa, wenn wir schätzten und geliebten Familienmitglied und von der Selbstverwirklichung nach Hause kommen. Lebensbegleiter avanciert.» Wir hüpfen von Beziehung zu Beziehung. man hätte sie besser im Umgang mit den Hundeherrchen und KatzenEs ist wahrscheinlicher, dass wir uns scheiden lassen, als dass wir eine mamis geschult. «Als Tierärztin», sagt sie, «bin ich eben auch ein bissFamilie gründen. Auf Enkelkinder warten immer mehr Menschen imchen Humanmedizinerin.» mer länger. In einer solchen Zeit sind unsere Hunde und Katzen Kon■ stanten in unserem Leben. Sie sind der ruhende Pol, der auf dem Sofa auf uns wartet, wenn wir von der Selbstverwirklichung nach Hause kommen. Oder wenn wir verloren sind in einer Welt, in der Individualismus bis an die Grenze zum Autistischen zelebriert wird. In diesem Klima der Unverbindlichkeit befriedigen unsere pelzigen Gefährten eine Sehnsucht nach bedingungsloser Hingabe. In einer Zeit, in der niemand mehr für niemanden Zeit hat, kann diese tierische Liebe überlebenswichtig werden. SURPRISE 243/11

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BILD: WOMM

Biografien Schuften macht Promis Früher galten Biografien als Königsdisziplin. Wer mit einer solchen gewürdigt wurde, musste etwas erreicht haben in seinem Leben. Heute kommen bereits prominente Teenager wie Miley Cyrus oder Justin Bieber zu Buch-Ehren. Unser Autor vertiefte sich in die Niederungen des Starkults.

VON MICHAEL GASSER

Geld macht glücklich. Keins aber auch. Wenn das keine Erkenntnisse sind. Und das sind bloss deren zwei. Gewonnen aus fünf Büchern. Nicht irgendwelche Bücher notabene, sondern Biografien. Und nicht irgendwelche Biografien, sondern solche über Jungstars. Vor fünf Jahren waren diese noch «Nobodys», heute sind ihre Namen selbst mir vertraut. Obwohl ich weder Bravo noch «Gala» lese. Dennoch hatte ich bis vergangenes Wochenende nicht den geringsten Schimmer, wer und was genau hinter Namen wie Justin Bieber oder Miley Cyrus steckt. Als ich noch jung war, sagen wir vor 15 Jahren, hielt ich Biografien für ein überaus edles und vor allem ernsthaftes Genre. Eine Art Königsdisziplin. Seriöse Autoren, die sich mit jedem noch so kleinen Aspekt des Lebens von Persönlichkeiten wie Winston Churchill oder Napoleon

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beschäftigen. Eine hehre Sicht. Wikipedia meint: «Die Biografie behandelt meist Personen des öffentlichen Lebens wie Politiker, Wissenschaftler, Sportler, Schriftsteller oder Menschen, die durch ihr Wirken einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag geleistet haben.» Die Krux liegt beim Wörtchen «meist». Ein Verlag kann sich an diese schöne Vorgabe halten, er muss aber nicht. Schwere Kost an den Leser zu bringen, ist keine einfache Aufgabe. Weshalb die Häuser ihren Autoren schon mal nahelegen, sich doch bitte eines populäreren Themas zu befleissigen. Victoria Glendinning, Verfasserin von Werken über die englische Dichterin Edith Sitwell und den Schriftsteller Anthony Trollope, versuchte man etwa mit Nachdruck auszureden, eine Biografie über den Gründer Singapurs zu schreiben, Sir Stamford Raffles. Lieber solle sie sich doch den schreibenden Brontë-Schwestern widmen. «Ich fiel fast vom Stuhl. Das ist mehr als bloss auf Nummer sicher gehen, das ist läSURPRISE 243/11


cherlich. Über die Brontës wurde schon wunderbar geschrieben. Da braucht es kein weiteres Buch mehr», beklagte sich Glenidinning gegenüber der britischen Tageszeitung «The Guardian». Leider: Akne Wenden wir uns aber von den Brontës ab und Miley Cyrus zu. Die ist 18 und die Tochter von Country-Sänger Billy Ray Cyrus. Bekannt wurde sie mit der Disney-Channel-Serie «Hannah Montana», in der die Amerikanerin eine Doppelrolle spielt. Tagsüber ist sie das Mädchen von nebenan und nächtens ein singender Superstar. Was genügt hat, um die Schauspielerin selbst zum Star werden zu lassen. Selbstredend singt sie zwischenzeitlich auch, denn merke: Jungschauspieler sind verhinderte Musiker, Jungsänger sind verhinderte Schauspieler. Die Biografie «Miley Cyrus – Two Worlds» hat der deutsche Journalist Michael Fuchs-Gamböck geschrieben. Ein alter Hase auf dem Gebiet, zeichnet er sich doch seit Jahren durch Werke über Pop-Sternchen wie Amy Winehouse oder Tokio Hotel aus. Mit Cyrus, dem Objekt seiner Begierde, hat Fuchs-Gamböck keine Interviews geführt, auch nicht mit Menschen aus ihrem Umfeld. Er stützt sich lieber auf Quellen wie «Bravo», «Popcorn» oder Youtube. Und weiss dank ihnen, dass Cyrus bereits als Baby den ganzen Tag lang strahlte. Dementsprechend bezeichnet er ihre Eltern als «superglückliches Paar». Dass sich die beiden – offensichtlich nach Redaktionsschluss – getrennt haben, kann da nur eine Art Versehen sein. Item. Laut Schilderung ist Cyrus ein Wonneproppen par excellence, sie stand mit drei Jahren erstmals auf der Bühne, ging gerne zur Schule, war Cheerleader, ist Vegetarierin und geht dennoch am liebsten zu Burger King essen. Dafür reiche ihr Geld gerade. Eigentlich leidet das Millionärsmädchen bloss ein bisschen unter ihrer Akne und unter Hypoglykämie, sprich Unterzuckerung, was allerdings in ein paar Nebensätzen rasch unter den Tisch gewischt wird. Statt in die Tiefe zu gehen, konzentriert sich Fuchs-Gamböck lieber auf Schlagwörter, Lobhudeleien und jede Menge Datenhubereien. An Essenz bleibt nicht viel, letztlich lässt sich das Werk auf zwei Cyrus-Aussagen zusammenfassen:

Auch meine Geduld ist nach der Cyrus- und Bieber-Lektüre schon erheblich strapaziert. Weshalb ich gestehen muss, die Biografien über David Garrett, Robert Pattinson und Lady Gaga nur noch quergelesen zu haben. Gelernt habe ich dennoch einiges. Etwa, dass David Garrett (30) in der Biografie «Der Rebell mit der Violine» – wiederum von FuchsGamböck – als «versiertester Klassikinterpret seiner Generation» gehypt wird. Ein Überflieger mit «dem Aussehen eines Models». Und natürlich arbeitet der als «Visionär» bezeichnete Garrett für seinen Erfolg so hart wie kein zweiter. Da ist mir der Schönling Robert Pattinson schon lieber. Der Schauspieler aus «Twilight», der nun auch singt, natürlich, lümmelt nach eigenen Angaben viel rum, hinterfragt sich ständig und mag seinen Hund lieber als die Frauen. Steht zumindest in der Biografie «Robert Pattinson» von Paul Stenning geschrieben. Das dem 24-jährigen Engländer attestierte Rebellentum ist mit der gebotenen Vorsicht zu geniessen. Das Buch basiert, wie bei den Danksagungen nachzulesen ist, auf Video- und Youtube-Interviews. Die Einzige, die sich die Mühe genommen hat, ein bisschen länger zu schürfen, zu psychologisieren und wenigstens mit dem weiteren Umfeld der Biografierten zu sprechen, ist Maureen Callahan. Ihr Buch «Lady Gaga» verliert seine Glaubwürdigkeit

«Jungstar-Biografien sind wie eine auf 240 Seiten ausgewalzte ‹Bravo›-Ausgabe.»

1) «Privat bleibe ich ein ganz normales Mädchen.» 2) «Du wirst nur Schönes erleben, wenn du auch Schönes gibst.» Für die klassische Variante des amerikanischen Traums, von ganz unten nach weit oben, steht Justin Bieber, ein Kanadier. Seine Biografie, verfasst von Garrett Baldwin, beginnt ungelogen so: «Haselnussbraune Augen, eine süsse Stimme, ein Name, ein Lied: ‹One Time› von Justin Bieber prägt sich ein.» Darauf folgen Aussagen wie: «Das Unfassbare ist, dass Justin Bieber vor drei Jahren noch völlig unbekannt war.» Unfassbar, wirklich. So unfassbar, dass ich das Gefühl nicht loswerde, das Buch sei am Lektorat vorbeigeschmuggelt worden. Aber zur rührseligen Geschichte unseres Protagonisten: Oft soll die alleinerziehende Mutter Bieber nicht gewusst haben, wie die nächste Mahlzeit zu bezahlen sei, aber gemangelt habe es ihnen nie an etwas. Ergibt Sinn. Schon Zarah Leander wusste, dass irgendwann mal ein Wunder geschehen wird. Ein solches widerfuhr auch den Biebers. Justin, heute 16, stellte ein paar Coverlieder auf Youtube und peng, schon wurde er entdeckt. Natürlich hat der Jungspund die wichtigste aller Lektionen längst verinnerlicht: «Je mehr du dich anstrengst, desto erfolgreicher kannst du sein». Da ist er wieder, der amerikanische Traum. Justin Bieber sei der derzeitige Renner unter den Jungbiografien, wie mir Irina Jermann, Leiterin Marketing und Kommunikation bei der Buchhandelskette Thalia, erklärt. Das Genre sei insgesamt eher ein Nischenprodukt und vor allem dann relevant, wenn die Bücher neu erscheinen und die Stars in den Medien präsent sind. «Grundsätzlich ist es so, dass die Fans nicht lange auf die Biografien warten wollen.» SURPRISE 243/11

jedoch bereits auf Seite 19, wo geschrieben steht, dass es im britischen Manchester gerade mal ein einziges Vier-Sterne-Hotel gebe. Nach kurzer Recherche bin ich auf deren 39 gestossen. Lieber: Dostojewski Sonderlich glaubwürdig ist keines der fünf Werke, aber das ist auch nicht ihr höchstes Ziel. Die Dinger wollen unterhalten, rasch mal über die Oberfläche surfen. Und natürlich absahnen, bis der Rubel rollt. Die Schreibe setzt nicht auf journalistische Werte, sie ist pure PR. Wie eine auf 240 Seiten ausgewalzte «Bravo»-Ausgabe auf Hochglanz. Wem denn so etwas gefällt. Sicher ist: Ich bin mein ganzes Leben lang noch keinem so grossen Haufen wunderbar glücklicher Menschen mit puren Seelen begegnet, wie ich sie in diesen Büchern vorfinden durfte. Vielleicht halte ich mich bloss am falschen Ort auf. Vielleicht bin ich auch nur zynisch. Immerhin hatte die Lektüre ihr Gutes, sie hat meine Lust nach richtig schwerer Kost geweckt. Am besten so etwas wie das Gesamtwerk von Dostojewski. Alles, bloss keine weitere Biografie über einen Jungstar. Sonst muss ich schreien. ■ Garrett Baldwin: «Justin Bieber», 2010, ars edition Paul Stenning: «Robert Pattinson – die Biografie», 2009, ars edition Michael Fuchs-Gamböck und Thorsten Schatz: «Miley Cyrus – Two Worlds», 2009, vgs Michael Fuchs-Gamböck und Thorsten Schatz: «David Garrett – Der Rebell mit der Violine», 2010, Knaur Maureen Callahan: «Lady Gaga – die Biografie», 2010, Heyne

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BILD: ANDREA GANZ

Le mot noir Das Grab ist voll Kürzlich auf einem Pariser Friedhof. «Suche nur einen Parkplatz!», rollt Cousin Richard mit seiner Aufschneiderkarre durch die Grabreihen. «Hier ist autofrei», zischt der kahle Bestatter meiner Tante Catherine zu. «Versuch die Nordseite!», murmelt Catherine Richard hinterher. Und zu mir: «Wenn Onkel Hervé noch leben würde, wäre Cousine Solange jetzt nicht so lange beim Shoppen! Das garantier ich dir!» «Sie besorgt die Blumen für den Sarg», flüstere ich ihr zu. «Die hatten wir vergessen!» «Keine Rosen für meinen Mann?! Sonst noch was, das ich wissen sollte?» «Alles okay», tätschle ich ihren Arm. «Stört es dich, wenn ich rauche?» «Kannst du das nicht in einer Bar tun?» «Eben nicht», raune ich und überlege, wie man Catherine aufheitern könnte: «Wer hätte gedacht, dass Onkel Hervés 140 Kilo so locker in den plüschweissen Sarg ge-

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hen!» «Eine Leiche im offenen Sarg zu sehen, ist doch normal!», ist Catherine nun gereizt. «Ich dachte, Mord war mal dein Fachgebiet!» «An Tatorten findet man eher Einzelteile! Und nicht einen ganzen Hervé mit einem Herzinfarkt. In einem Surfer-T-Shirt, das du vor 15 Jahren heimlich entsorgt hattest!», zische ich zurück, vom Anblick des Toten noch immer traumatisiert. «Wir haben ein kleines Problem …», zieht mich der Bestatter zur Seite. «Die Blumen sind schon unterwegs!», wirft Catherine ein und sieht mich an wie ein Reh die Scheinwerfer eines herannahenden Lastwagens. «Kommen von ähm Prada?» «Auf jeden Fall!», helfe ich ihr. «Prada. Haben tolle Blumen!», streckt der Bestatter seine Schultern. «Aber ihr Familiengrab ist voll! Monsieur hat keinen Platz mehr …» «Was meinen sie mit voll?», will ich wissen. «Ausgebucht.» «Ausgebucht? Aber einer geht doch immer rein!», zische ich ihm zu, damit Catherine nichts mitbekommt. «Himmel! Geben sie sich ein bisschen Mühe!» «Bedaure. Das haben wir versucht. Aber ihre Vorfahren sind gut beieinander. Liegt an den Zinkkisten.» «Sie meinen, sie können die Verblichenen nicht in kleinere Kartons oder so umschütten, damit es etwas Platz gibt?», versuche ich, mit den Katholiken mitzuhalten. «Ist erstklassiges Zink! Aus der Auvergne! Und ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis!» «Und wenn wir tiefer graben», sinkt Catherine

in Zeitlupe auf einen Stein. «Und dort nach Öl suchen?», hebe ich die Braue. «Wir schlagen vor, der Sarg kommt in einen kühlen Raum. Und wir sehen, was sich machen lässt. In einer Woche kriegen sie Bescheid, d’accord?» «D’accord? Nein, überhaut nicht d’accord!», zische ich. «Ich habe 50 Mäuse in die Bettelkasse ihrer Kirche gespendet. Sie rammen jetzt diesen Mann in ein grosses Loch oder ich grabe selber. Und das wird ihnen leidtun!» «Chérie, wir sind hier nicht bei den Protestanten», bremst mich Catherine kraftlos ab. «Nein, da wären wir jetzt am Buffet», säusle ich zurück. «Wir haben doch auch ein Buffet?», will Catherine wissen. «Klar», mache ich auf optimistisch. «Cédric hat alles organisiert.» «Und wer liefert für 60 Personen?» «Ähm Prada, glaube ich. Falls das mit den Blumen hinhaut!» Eine halbe Stunde später sehen wir zu, wie Onkel Hervé in eine Garage gekarrt wird. Cousin Richard schüttelt verständnislos den Kopf. «Versteht ihr jetzt, warum es in Paris so schwierig ist, ein Auto zu parkieren?!»

DELIA LENOIR LENOIR@HAPPYSHRIMP.CH ILLUSTRATION: IRENE MEIER (IRENEMEI@GMX.CH) SURPRISE 243/11


Fotografie Geknipstes in Buchform Seit digital fotografiert wird, ist jeder sein eigener Starfotograf. Für die Präsentation der privaten Sammlung hat das Fotoalbum längst ausgedient. Heute verleihen Fotobücher den Ferien-Bildli einen professionellen Touch.

Früher wurden Fotos akkurat ins Album eingeklebt und mit klassischer Schönschrift untertitelt, oder poppig quer über die Seiten angeordnet, mit knalligen Schriftzügen im Graffiti-Stil. Die ganz edle Variante sah so aus: Ein grosses Album in Schwarz, eine Seite, ein Bild, mit möglichst poetischer Anmerkung. Die Gestaltung von Fotoalben war schon immer eine Frage des Geschmacks. Aber früher bedeutete ein Fotoalbum zu machen auch, mit leimverschmierten Fingern stundenlang Bilder einzukleben. Schreibfehler, falsche Anordnung und vorschnell geschriebene, peinliche Kommentare inklusive. Die einfachste Variante der Bildersammlung war die Aufbewahrung in einer Schuhschachtel. Doch die Schuhschachtel-Fraktion wusste um die Unzulänglichkeit der Fotosammlung und zeigte sie deshalb selten vor. Mit der Digitalisierung der Fototechnik wurde die ganze Plackerei obsolet: Fotos verschwinden heute auf der Festplatte, wo sie ihr unbeachtetes Dasein fristen – das damit sinnlos wird, weil Fotos da sind, um angeschaut zu werden. Seit ein paar Jahren gibts jedoch Abhilfe: digitale Fotobücher. Die Software dafür ist meist kostenlos aus dem Internet herunterzuladen, die Gestaltung des Buches geschieht oft via Internet, die Daten werden direkt an den Anbieter übermittelt oder auf CD gebrannt und eingeschickt. Nach wenigen Tagen hält man die Fotos von den letzten Ferien in Buchform in den Händen. Da sieht manch einer schon den Durchbruch als Fotokünstler bevorstehen. Roberto Raineri-Seith, Präsident der Schweizer Berufsfotografen – ein Zusammenschluss von Studio- und Werbefotografen, deren Arbeitsanspruch ein künstlerischer ist –, relativiert allerdings: «Die Qualität des Endprodukts ist abhängig von den Fotos.» Was Raineri-Seith den «Workflow» nennt, muss stimmen: Bildqualität, Bildauswahl, Bildbearbeitung, Layout und Druck. Ob ein Fotobuch ansehnlich werde, hänge deshalb einerseits vom Fachwissen ab, andererseits vom Geschmack des Produzenten. Da habe er schon Schlimmes gesehen. Der Profi kommt trotzdem zum Schluss: «Das, was man da aus diesen Produkten herausholen kann, ist erstaunlich.» Die Möglichkeiten sind für Laien gestiegen, das merken laut Roberto Raineri-Seith auch die Profis: «Der Druck kommt von unten, die Berufsfotografen sind jetzt noch mehr dazu gezwungen, sich gut aus- und weiterzubilden.» Im Fotofachhandel, zum Beispiel bei Hochzeitsfotografen, wird bereits seit mehr als sieben Jahren mit Fotobüchern gearbeitet. Die Software für die digitalen Fotobücher hat sich laut Hansruedi Morgenegg, Präsident des Verbands Fotohandel Schweiz, rasant entwickelt, es wurde alles immer einfacher und deshalb auch für Nicht-Profis anwendbar. SURPRISE 243/11

BILD: ISTOCKPHOTO

VON JULIA KONSTANTINIDIS

Das waren noch Zeiten, als tagelang Fotos in Alben eingeklebt wurden.

Morgenegg sieht zwar eine gewisse Konkurrenz, die von den Laien ausgeht, auch er unterscheidet dennoch klar zwischen Profis und Hobbyfotografen. Während die Laien vor allem auf die Programme der Marktleader wie Ifolor, CEWE oder Fujifilm zurückgreifen, operiert er mit anderen Programmen. Welche das sind, verrät er – ganz Profi – nicht. Die Fachkompetenz ist es, was seiner Meinung nach den Unterschied macht: «Es gibt zu viele Möglichkeiten, welche dann von Laien falsch oder zu oft eingesetzt werden.» Tatsächlich gibt es vor allem bei älteren Anwendern Ängste, was die Bedienung der Programme betrifft. Entwarnung kommt von Erwin Widmer, Geschäftsführer des Schweizer Kompetenzzentrums für Medien und Druckereitechnologie: «Die Programme sind wahnsinnig benutzerfreundlich.» Zwischen den Anbietern gebe es keine gröberen Unterschiede in der Anwendung: Ob der Benutzer ein Programm als einfach zu bedienen empfindet, ist auch eine Frage der individuellen Vorlieben. Was sich laut Widmer für Gelegenheitsknipser aber meistens lohnt, ist, die Fotos vom integrierten Bildverbesserungsprogramm bearbeiten zu lassen. Der zunehmende Markt für Fotobücher zeigt das Bedürfnis, Fotos präsentabel aufzubewahren – laut Widmers Schätzung liegen die Bestellzahlen in der Schweiz jetzt schon in den Hunderttausenden pro Jahr. Künstlerische Ansprüche dürfen jedoch wohl in den meisten Fällen nicht erhoben werden. Und ob ein Buch gefällt, bleibt Geschmackssache. ■

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Kulturtipps

Hsiao-Yü erlebt Abenteuerliches auf dem Weg zum Einkaufen.

Buch Im Reich der Schattenkatze Ein zauberhaft verzauberndes Bilderbuch aus Taiwan macht erlebbar, wie verbindend Spiel und Fantasie über alles Andersartige und Fremde hinweg sein können. VON CHRISTOPHER ZIMMER

Schicksalhaft verbunden: Francis (vorne) und sein Lehrmeister.

DVD Vergebung vor Vergeltung «Ausschlaggebend für das Entstehen eines Filmes ist nicht das Suchen nach einer Thematik, sondern das Finden eines Protagonisten, von Situationen und passendem Zubehör.» Gebrüder Dardenne

Der Schatten der Katze auf dem Dachfirst huscht über die Strasse. Hsiao-Yü läuft ihr auf dem Dachschatten hinterher. Oben und unten werden eins im Reich der Schattenkatze. Und blau wie ein Katzenauge ist die Murmel, die Hsiao-Yü auf der Strasse findet. Wenn sie hindurchblickt, wird die Welt zum Ozean, in dem sie wie ein kleiner Fisch umherschwimmt. Das trifft sich gut, denn die chinesischen Schriftzeichen ihres Namens bedeuten auch «kleiner Fisch». Das Mädchen Hsiao-Yü lebt in Taiwan, so wie der 1975 geborene und schon mehrfach ausgezeichnete Autor und Illustrator Chen Chih-Yuan. Dieser erzählt mit auf das Wesentliche reduzierten Bildern und einfachen Worten von ihrem Einkaufsweg, der zu einem abenteuerlichen Spaziergang wird. In den sanften Brauntönen seiner Bilder wird jedes Detail und jeder Farbtupfer zu etwas Besonderem, an dem sich die Fantasie entzünden kann. Eine Fantasie, von der Hsiao-Yü mehr als genug hat. Nichts ist so unscheinbar, dass es ihre kleine, grosse Welt für sie und uns nicht in magischen Augenblicken verzaubern könnte. Wie eine Verzierung laufen die chinesischen Schriftzeichen über der deutschen Übersetzung. Doch so fremd und andersartig das Schriftbild ist, so vertraut und nah ist uns die von den Bildern erzählte Geschichte. Auch hierzulande begeistern sich die Kinder – und nicht nur diese – an den Geräuschen der Blätter, über die sie laufen. Oder sie verkleiden sich als Erwachsene, wie Hsiao-Yü, die hinter einer gefundenen Brille zur grossen Dame wird, die dem Ladenbesitzer ein Lächeln – und einen Kaugummi – abgewinnt. Die Erzählung von Hsiao-Yüs Spaziergang ist in der Reihe Baobab erschienen – so wie inzwischen über 50 andere Kinder- und Jugendbücher, die Stimmen, Bilder und Geschichten aus Asien, Afrika und Lateinamerika zu uns bringen. Seit 20 Jahren ist es das Ziel dieser Reihe, aus der seit diesem Jahr der eigenständige Verlag Baobab Books hervorgegangen ist, unseren Blick für eine «kulturelle Vielfalt jenseits von Stereotypen» zu öffnen.

VON CHRISTINE A. BLOCH

Chen Chih-Yuan: Kleiner Spaziergang. Ein Bilderbuch aus Taiwan.

Die Goldene Palme für den Film «Rosetta» verhalf 1999 den Brüdern Dardenne zum Welterfolg; sie legitimierte ihren realistisch-dokumentarischen Stil, welcher die Prinzipien von Dogma 95 und Züge des sozialkritischen englischen Kinos in sich vereint. Mit der begehrten Auszeichnung wuchsen auch die Erwartungen an die beiden Belgier, die für ihr nächstes Fiktionsprojekt seit Längerem schon Olivier Gourmet als Hauptdarsteller im Hinterkopf hatten. Drei Jahre später präsentierten die Dardennes in Cannes die Premiere von «Der Sohn», wofür ihr Protagonist den Preis für den besten Darsteller einheimste. Gourmet spielt in «Der Sohn» den verschlossenen, etwas verbissenen, aber fairen Schreinermeister Olivier, der in seinem Betrieb ehemals kriminelle Jugendliche ausbildet. Eines Tages bewirbt sich Francis, den der Patron zunächst unter etwas fadenscheinigen Gründen ablehnt. Warum er den Jungen dann doch einstellt, ihm nachschleicht und ihn ständig beobachtet, bleibt vorerst unklar. Erst nach einer halben Stunde erfährt der Zuschauer, was es mit Francis auf sich hat: Es geht nicht nur darum herauszufinden, warum Olivier den Mörder seines kleinen Sohnes bei sich aufnimmt, sondern auch um die Frage, was den Jungen damals dazu brachte, einem unschuldigen Kind das Leben zu nehmen. Die Spannung in «Der Sohn» ergibt sich aus eben dieser auf verschiedenen Ebenen auftauchenden Frage nach dem Warum. So treiben die Annäherung des Meisters an seinen Lehrling, die daraus entstehende Beziehung und die inneren Konflikte die Erzählung voran. Das authentische, sehr körperliche Spiel der wortkargen, in sich zerrissenen Darsteller wird von einer vollkommen mobilen Kamera eingefangen und in langen Sequenzen einer quasi-dokumentarischen Ästhetik auf die Leinwand gebracht. Die aussergewöhnliche Opfer-Täter-Geschichte wird in emotional dichten Bildern und einer erstaunlichen Ökonomie der filmischen Mittel erzählt.

Zweisprachig Deutsch – Chinesisch. Reihe Baobab. Nordsüd Verlag 2010. CHF 24.80.

«Der Sohn» (2002). Französisch mit deutschen Untertiteln; weitere Infos und Bestellung: revolver-film.de/dvd-edition/index.html

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Die 25 positiven Firmen Diese Rubrik ruft Firmen und Institutionen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Einige haben dies schon getan, indem sie dem Strassenmagazin Surprise mindestens 500 Franken gespendet haben. Damit helfen sie, Menschen in prekären Lebensumständen eine Arbeitsmöglichkeit zu geben und sie auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten. Gehört Ihr Betrieb auch dazu? Die Spielregeln sind einfach: 25 Firmen werden jeweils aufgelistet, sind es mehr, fällt jener Betrieb heraus, der am längsten dabei ist.

Kunstsoul mit souveränem Timbre: Joan Wasser.

Musik Souveräne Spätzünderin Auf ihrem neuen Album «The Deep Field» entdeckt Joan As Police Woman Funk und Soul. Und damit entwickelt die Indie-Ikone das Potenzial zum Popstar. VON RETO ASCHWANDEN

Eine Senkrechtstarterin ist Joan Wasser nicht gerade. Eher eine Spätzünderin: Lange Jahre musizierte sie im Schatten berühmter Auftraggeber: Rufus Wainwright, Antony Hegarty, Elton John und Lou Reed holten sie als Geigerin ins Studio und auf die Bühne. Und dann ist da noch der Status als inoffizielle Witwe des Songwriters Jeff Buckley, der 1997 bei einem Schwimmunfall ums Leben kam. 2006 veröffentlichte sie das erste Album unter dem Namen Joan As Police Woman. Und ähnlich wie bei Wainwright und Hegarty horchten zunächst nur ein paar Musiksachverständige auf. Songs und Stimme klangen zwar einnehmend und potenziell breitenwirksam, Ausstrahlung und Inszenierung wirkten aber noch zu schräg für Auftritte zur Hauptsendezeit. Das könnte sich nun ändern. Zwar gibt es auch auf dem neuen Album «The Deep Field» Ausflüge in eher periphere Gebiete der Popmusik. Noch immer führen einige Stücke zu Aus- und Abbrüchen und manchmal in die Irre. Doch diesmal bleibt oft bloss angedeutet, was ehedem zelebriert wurde. Im Zentrum finden sich stattdessen soulige Songs in stilsicheren 70er-Jahre-Arrangements. Stevie Wonder und Al Green stehen Pate, E-Piano und Hammondorgel sorgen für warme, federnde Sounds und gelegentliche Bläsereinsätze bringen Funk in die Bude. Nun liegt Retro-Soul ja gerade im Trend, das Vordergründige überlässt Joan Wasser aber anderen. Für gefällige Stilübungen ist sie zu sehr geprägt vom New Yorker Kunstpopbetrieb. Und so schmeisst sich der Gesang nie an den Hörer ran. Stets bleibt ein Rest Reserviertheit in der Stimme, statt Schmusekätzchen oder Kratzbürste hören wir ein souveränes Timbre, das seine Reize erst beim aufmerksamen Zuhören offenbart. So eingängig und schwungvoll manche Lieder sind, dazu tanzen möchte man nicht in der Disco, sondern daheim in der guten Stube, allein oder allenfalls zu zweit. Wer schon früher auf den Geschmack gekommen ist, freut sich über die gelungene Weiterentwicklung einer spannenden Musikerin. Und Songs wie die Formatradio-taugliche Single «The Magic» dürften weit über die bisherige Zielgruppe hinaus für Aufhorchen sorgen. Vielleicht wird die mittlerweile 40-jährige Spätzünderin ja doch noch ein richtiger Star.

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bewegstatt.ch, Janine Holenstein, Frauenfeld

02

VXL gestaltung und werbung ag, Binningen

03

Scherrer & Partner GmbH, Basel

04

D. Heer Geigenbau, Winterthur

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KIBAG Kies und Beton

06

Weblotion Webagentur, Zürich

07

OEKOLADEN Theaterpassage, Basel

08

commilfo Isabelle Wanner, Baden

09

atelier111.ch, Basel

10

Zürcher Kantonalbank, Zürich

11

Philip Maloney, Privatdetektiv

12

Brother (Schweiz) AG, Baden

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Druckerei Hürzeler AG, Regensdorf

14

IBZ Industrie AG, Adliswil

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Alfacel AG, Cham

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Thommen ASIC-Design, Zürich

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Coop Genossenschaft, Basel

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AnyWeb AG, Zürich

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Velo-Oase Bestgen, Baar

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Schweizerisches Tropen- und Public HealthInstitut, Basel

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Niederer, Kraft & Frey, Zürich

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Stoll Immobilientreuhand AG, Winterthur

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Kaiser Software GmbH, Bern

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Responsability Social Investments AG, Zürich

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chefs on fire GmbH, Basel

Möchten Sie bei den positiven Firmen aufgelistet werden? Mit einer Spende von mindestens 500 Franken sind Sie dabei! PC-Konto: 12-551455-3, Verein Strassenmagazin Surprise, 4051 Basel Zahlungszweck: Positive Firma + Ihr gewünschter Eintrag. Wir schicken Ihnen eine Bestätigung.

Joan As Police Woman: «The Deep Field» (PIAS/MV). Live: 2. März, Palace, St. Gallen. SURPRISE 243/11

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Ausgehtipps Auf Tour Miniaturdramen Wie schlau es ist, seine Band Murder zu nennen, wenn man akustischen Folk spielt, darüber kann man geteilter Meinung sein. Die Musik dieses dänischen Duos zu bekritteln, hiesse hingegen, eigene Geschmacksverstauchungen zu offenbaren. Murder spielen aus der Zeit gefallene Folksongs in schlanken Arrangements. Der Ton ist finster, aber nicht bedrückend, die Melodien schlicht und stimmig. Jacob Bellens singt mit natürlicher Autorität, eher tief, leicht brüchig und doch voll tönend. Auf dem aktuellen Album «Gospel Of Man» sind die dramatischen, jedoch gelassen gespielten Miniaturen nicht mehr ganz so sparsam arrangiert wie früher. Piano, Schlagzeug und Streicher ergänzen die akustischen Gitarren – allerdings dezent, denn Opulenz gehört weiterhin nicht zum Programm. (ash) 10. Februar, 20 Uhr, Treibhaus, Luzern; 11. Februar, 20 Uhr, One Of A Million Festival, Nordportal, Baden; 12. Februar, 20.20 Uhr, El Lokal, Zürich; 19. Februar, 20 Uhr, Nordklang Festival, Palace, St. Gallen.

BILD: MARK MORRISROE, SELF-PORTRAIT (TO BRENT), 1982

Aus der Zeit gefallene Folksongs, schlicht und stimmig: Murder.

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Exzentrisch: Mark Morrisroe im Selbstporträt.

Winterthur Intim Trotz seiner nur knapp zehnjährigen Schaffensphase hinterliess Mark Morrisroe ein fotografisches Werk, das in Umfang, Vitalität und Opulenz überrascht. Als grosse Figur der Bostoner Kunstwelt Anfang der 1980er Jahre versammelte Morrisroe eine exzentrische Bohème um sich, die ihre Ursprünge in der Punkbewegung hatte. Seine Arbeiten – Farb- und Schwarzweissfotografien, Gum-Prints und Polaroids – zeigen Momente von Intimität und Freundschaft. Die Fotos von Liebhabern, Freundinnen und Freunden oder Selbstporträts von seinem dahinschwindenden Körper zeigen, wie bildgewaltig Marrisroe sein Leben – bis zu seinem frühen Tod an den Folgen von Aids – festhielt. (mek) Mark Morrisroe, Fotoausstellung, noch bis zum 13. Februar zu sehen im Fotomuseum Winterthur. www.fotomuseum.ch

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Die Rose in der Dose In kleiner Manufaktur schonend verarbeitet entfaltet die Rose ihre natürliche Wirkung. Pflegend für Gesicht und Hals.

grundsätzlich ganzheitlich Beratung täglich (auch sonntags) von 8 – 20 Uhr St. Peter Apotheke, St. Peterstrasse 16, 8001 Zürich (nähe Paradeplatz) Bestellung online: www.stpeter-apotheke.com SURPRISE 243/11


BILD: ISTOCKPHOTO

Basel Geflügelte Worte Es sind grosse Worte und im normalen Leben finden wir sie oft zu spät, zu unpassenden Zeiten oder gar nie. Was ist schwieriger, als einem Menschen zu erklären, dass man ohne ihn nicht mehr sein kann? Dass die Ohren läuten und die Schmetterlinge den Bauch «zunderobsi» bringen? Manch einer hat bei seinen Versuchen ein fiktives, auf Film gebanntes Beispiel vor Augen – was natürlich die Latte für die eigene Liebeserklärung unheimlich in die Höhe treibt. Der Filmwissenschaftler Philipp Brunner hat die inszenierten «Sternmomente» studiert: Es gibt, zumindest im Film, dafür bevorzugte Orte und die Gestaltung der Szenen spricht Bände. Brunner weiss, welchen Vorstellungen sie verpflichtet sind und wie sie unser amouröses Wollen, Sollen und Dürfen prägen. (juk) «Liebe, Lust und Leiden» – Sternmomente. Liebeserklärungen im Spielfilm, 15. Februar, 19.30 Uhr, GGG Zunftsaal, Rümelinsplatz 4, Basel.

BILD: TABEA HÜBERLI

Sonnenuntergang am Meer – die perfekte Kulisse für eine Liebeserklärung.

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Singt lieber, als sie spricht: Lena Fennell.

Auf Tour Dunkelbunter Liederreigen «Schwarze Popsongs, ohne Milch und Zucker» spiele sie, lässt die Baslerin Lena Fennell verlauten. Am 11. Februar erscheint ihr Debüt «Nauticus», und auch wer des nicht abreissenden Stroms einheimischer Songwriterinnen überdrüssig ist, dürfte aufhorchen. Gerade weil die gitarrengrundierten Stücke eher traditionell instrumentiert sind, offenbaren sie ein Talent am Erblühen. Manches klingt recht intim und erinnert dabei an Emily Jane White, zuweilen werden aber auch die Verzerrer eingeschaltet und der Drummer langt ein wenig beherzter hin. So entsteht ein dunkelbunter Reigen unspektakulär schöner Lieder mit manch gelungener Wendung. Nun stehen gleich mehrere Plattentaufen an, die ohne langatmige Ansagen auskommen dürften. Denn sprechen, sagt Lena Fennell, tue sie auf der Bühne nicht so gern. Macht nichts, solange sie nur singt. (ash) 17. Februar, 20 Uhr, Papiersaal, Zürich; 19. Februar, 20.30 Uhr, Parterre, Basel; 4. März, 21.30 Uhr, Cafe Kairo, Bern.

— www.theater-basel.ch, Tel. +41/(0)61-295 11 33 — SURPRISE 243/11

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Verkäuferporträt «Ich singe, weil ich zufrieden bin» Seit November 2007 verkauft Isayas Habte (30) aus Eritrea Surprise in Köniz. In diesen drei Jahren hat sich für ihn vieles verändert: Er hat geheiratet, ist Vater geworden, lernte Deutsch und sammelte Erfahrungen als Schreiner und als Küchenhilfe.

«Ich bin seit Mai 2007 in der Schweiz. Von der Empfangsstelle Basel kam ich in das Durchgangszentrum Gutshof in Enggistein, einem kleinen Dorf oberhalb von Worb. Ab und zu konnten ich und andere Asylbewerber bei Bauern in der Gegend helfen, zum Beispiel beim Zwiebeln- oder Karottenputzen. Nach ein paar Monaten erzählte mir ein Kollege, dass er das Strassenmagazin Surprise verkaufe. Das interessierte mich, und ich ging mit ihm nach Bern in das Vertriebsbüro von Surprise. Bald darauf habe ich angefangen, das Heft in Köniz zu verkaufen. Am Anfang stand ich vor allem vor der Migros, heute eigentlich nur noch vor dem Coop, weil dort mehr Leute den Haupteingang benutzen. Fast so lange wie ich, also seit gut drei Jahren, verkauft auch meine Frau Tibe Surprise. Sie stammt ebenfalls aus Eritrea, aber wir haben uns erst hier in der Schweiz kennengelernt, genauer gesagt auf dem Gutshof in Enggistein. Mittlerweile haben wir zwei Mädchen und wohnen in Bern-Bethlehem. Winta ist zwei Jahre und drei Monate alt, Dilet wird im Mai ein Jahr alt. Beide Namen bedeuten in unserer Sprache Tigrinya so etwas wie ‹ich möchte, ich wünsche›. Sie gehen in der Nähe von uns halbtags in die Kita und sind in der Gruppe Zaubervogel. Tibe besucht zurzeit einen Integrationskurs bei co-opera, den ich bereits gemacht habe. Dort gibt es Fächer wie Gesundheitsförderung, Staatskunde oder Deutsch, und die Leute von co-opera helfen einem auch bei der Praktikums- und Arbeitssuche. Während dieses Kurses habe ich an verschiedenen Orten Schnuppertage absolviert: im CaritasMarkt, als Schreiner und in der Pflege. Im Moment mache ich ein dreimonatiges Praktikum als Küchenhilfe im Pflegeheim Siloah in Gümligen. Meine Aufgaben sind Abwaschen, Küchenmaschinen putzen, den Abfall entsorgen, und manchmal helfe ich auch im Service, zum Beispiel beim Suppe schöpfen. Da frage ich die betagten Leute immer, wie viel Suppe sie möchten. Viele wollen nur eine halbe Portion. Diese Arbeit gefällt mir sehr gut. Im April fange ich einen Pflegekurs bei Fokus an, das ist ein Bildungs- und Integrationsprogramm des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks SAH. Je nachdem, wie mir das gefällt, wie ich mich eigne und wie sich meine Sprachkenntnisse entwickeln, kann ich weitermachen. Wenn nicht, würde ich gerne wieder als Küchenhilfe arbeiten. Arbeiten und der Kontakt zu den Leuten machen mich glücklich. Surprise verkaufe ich gerne, weil ich dort Menschen treffe, mit denen ich sprechen und gleichzeitig mein Deutsch verbessern kann. Meinen Verkaufsplatz teile ich mit meiner Frau, weil wir ja fast nie gleichzeitig verkaufen können. Wenn ich beim Heftverkauf auf Kunden warte, singe oder pfeife ich für mich, weil ich einfach zufrieden bin.

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BILD: FREDI MAURER

AUFGEZEICHNET VON ISABEL MOSIMANN

Neben der Arbeit im Pflegeheim und dem Verkauf von Surprise verbringe ich auch sehr gerne Zeit mit meiner Familie, spiele mit den Kindern oder gehe mit ihnen spazieren. Zu Hause helfen wir einander, ich wechsle auch Pampers, wasche und koche. Nur am Montagabend, da gehe ich in eine Turnhalle in der Stadt Fussball spielen. Ein eritreischer Kollege von mir fragte mich, ob ich mitspielen wolle. Nun sind wir jedes Mal eine Gruppe von 12 bis 14 Leuten, Schweizer, Italiener, drei Eritreer – von den anderen weiss ich gar nicht, woher sie kommen. Wichtig ist mir die Bewegung, der Sport, auch das macht mir Freude.» ■ SURPRISE 243/11


Eine Chance für alle! Werden Sie Surprise-Götti oder -Gotte Surprise kümmert sich um Menschen, die weniger Glück im Leben hatten als andere. Menschen, die sich aber wieder aufgerappelt haben und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen wollen. Mit dem Verkauf des Strassenmagazins Surprise überwinden sie ihre soziale Isolation. Ihr Alltag bekommt Struktur und wieder einen Sinn. Sie gewinnen neue Selbstachtung und erarbeiten sich aus eigener Kraft einen kleinen Verdienst. Die Surprise-Strassenverkäuferinnen und –verkäufer helfen sich

Fatima Keranovic Baselland

selber. Das verdient Respekt und Unterstützung. Regelmässige Verkaufende werden von Surprise gezielt unterstützt. Die Teilnehmer am Programm SurPlus sind sozial abgesichert (Ferien, Krankheit). Mit der Programmteilnahme übernehmen die Surprise-Verkaufenden mehr Verantwortung; eine wesentliche Voraussetzung dafür, wieder fit für die Welt und den Arbeitsmarkt zu werden.

Jela Veraguth Zürich

Andreas Ammann Bern

René Senn, Zürich Wolfgang Kreibich, Basel Marika Jonuzi, Basel Peter Gamma, Basel

Anja Uehlinger, Baden Jovanka Rogger, Zürich Kurt Brügger, Basel Marlise Haas, Basel

Ausserdem im Förderprogramm SurPlus: Bob Ekoevi Koulekpato, Basel Peter Hässig, Basel Marlies Dietiker, Olten Tatjana Georgievska, Basel

Ja, ich werde Götti/Gotte von: 1 Jahr: 6000 Franken

1/2 Jahr: 3000 Franken

1/4 Jahr: 1500 Franken

Vorname, Name

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1 Monat: 500 Franken

243/11 Talon bitte senden oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch, PC-Konto 12-551455-3 SURPRISE 243/11

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Surprise ist: Hilfe zur Selbsthilfe Surprise hilft seit 1997 Menschen in sozialen Schwierigkeiten. Mit Programmen in den Bereichen Beschäftigung, Sport und Kultur fördert Surprise die soziale Selbständigkeit. Surprise hilft bei der Integration in den Arbeitsmarkt, bei der Klärung der Wohnsituation, bei den ersten Schritten raus aus der Schuldenfalle und entlastet so die Schweizer Sozialwerke.

Ich möchte Surprise abonnieren! 24 Ausgaben zum Preis von CHF 189.– (Europa: CHF 229.– ) (Verpackung und Versand bieten StrassenverkäuferInnen ein zusätzliches Einkommen.) Gönner-Abo für CHF 260.–

Eine Stimme für Benachteiligte Surprise verleiht von Armut und sozialer Benachteiligung betroffenen Menschen eine Stimme und sensibilisiert die Öffentlichkeit für ihre Anliegen. Surprise beteiligt sich am Wandel der Gesellschaft und bezieht Stellung für soziale Gerechtigkeit. Strassenmagazin und Strassenverkauf Surprise gibt das vierzehntäglich erscheinende Strassenmagazin Surprise heraus. Dieses wird von einer professionellen Redaktion produziert, die auf ein Netz von qualifizierten Berufsjournalistinnen, Fotografen und Illustratorinnen zählen kann. Das Magazin wird fast ausschliesslich auf der Strasse verkauft. Rund dreihundert Menschen in der deutschen Schweiz, denen der Arbeitsmarkt verschlossen bleibt, erhalten damit eine Tagesstruktur, verdienen eigenes Geld und gewinnen neues Selbstvertrauen.

Geschenkabonnement für: Vorname, Name

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Datum, Unterschrift 243/11 Bitte heraustrennen und schicken oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch

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Herausgeber Strassenmagazin Surprise GmbH, Postfach, 4003 Basel www.strassenmagazin.ch Öffnungszeiten Sekretariat 9 – 12 Uhr, Mo – Do T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99 info@strassenmagazin.ch Geschäftsführung Paola Gallo, Agnes Weidkuhn (Assistenz GF) Anzeigenverkauf T +41 61 564 90 90, M +41 76 325 10 60 anzeigen@strassenmagazin.ch Redaktion T +41 61 564 90 70, F +41 61 564 90 99 Reto Aschwanden (verantwortlich), Julia Konstantinidis, Mena Kost, redaktion@strassenmagazin.ch Freie Mitarbeit Amir Ali, Christine A. Bloch, Michael Gasser, Lucian Hunziker, Hanspeter Künzler, Miriam Künzli, Delia Lenoir, Irene Meier, Isabel Mosimann, Dominik Plüss, Isabella Seemann, Priska Wenger, Elisabeth Wiederkehr, Christopher Zimmer Gestaltung WOMM Werbeagentur AG, Basel Druck AVD Goldach Auflage 29 400, Abonnemente CHF 189.–, 24 Ex./Jahr Marketing, Fundraising T +41 61 564 90 61 Therese Burgdorfer, t.burgdorfer@strassenmagazin.ch

Sport und Kultur Surprise fördert die Integration auch mit Sport. In der Surprise Strassenfussball-Liga trainieren und spielen Teams aus der ganzen deutschen Schweiz regelmässig Fussball und kämpfen um den Schweizermeister-Titel sowie um die Teilnahme an den Weltmeisterschaften für sozial benachteiligte Menschen. Seit 2009 hat Surprise einen eigenen Chor. Gemeinsames Singen und öffentliche Auftritte ermöglichen Kontakte, Glücksmomente und Erfolgserlebnisse für Menschen, denen der gesellschaftliche Anschluss sonst erschwert ist. Finanzierung, Organisation und internationale Vernetzung Surprise ist unabhängig und erhält keine staatlichen Gelder. Das Strassenmagazin wird mit dem Erlös aus dem Heftverkauf und mit Inseraten finanziert. Für alle anderen Angebote wie die Betreuung der Verkaufenden, die Sportund Kulturprogramme ist Surprise auf Spenden, auf Sponsoren und Zuwendungen von Stiftungen angewiesen. Surprise ist eine nicht gewinnorientierte soziale Institution. Die Geschäfte werden von der Strassenmagazin Surprise GmbH geführt, die vom gemeinnützigen Verein Strassenmagazin Surprise kontrolliert wird. Surprise ist führendes Mitglied des Internationalen Netzwerkes der Strassenzeitungen (INSP) mit Sitz in Glasgow, Schottland. Derzeit gehören dem Verband über 100 Strassenzeitungen in 40 Ländern an.

Vertriebsbüro Basel T +41 61 564 90 83, M +41 79 428 97 27 Markus Hurschler, Zoë Kamermans, Spalentorweg 20, 4051 Basel, basel@strassenmagazin.ch Vertriebsbüro Zürich T +41 44 242 72 11, M +41 79 636 46 12 Reto Bommer, Engelstrasse 64, 8004 Zürich, zuerich@strassenmagazin.ch Vertriebsbüro Bern T +41 31 332 53 93, M +41 79 389 78 02 Andrea Blaser, Alfred Maurer, Pappelweg 21, 3013 Bern, bern@strassenmagazin.ch Chor/Kultur T +41 61 564 90 40, F +41 61 564 90 99 Paloma Selma, p.selma@strassenmagazin.ch Strassensport T +41 61 564 90 10, F +41 61 564 90 99 Lavinia Biert (Leitung), Olivier Joliat, David Möller l.biert@strassenmagazin.ch, www.strassensport.ch Trägerverein Strassenmagazin Surprise Präsident: Peter Aebersold Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt. Surprise behält sich vor, an Verkaufende gerichtete Postsendungen zu öffnen. Barspenden an namentlich bezeichnete Verkaufende können nur bis zu einem Betrag von CHF 100.– weitergeleitet werden. Darüber hinausgehende Beträge sollen – im Einverständnis mit der Spenderin oder dem Spender – allen Verkaufenden zugute kommen.

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Gut betucht.

Dazu passend: Leichtes T-Shirt, 100%Baumwolle, für Gross und Klein.

Grosses Badetuch 100 x 180 cm aus sehr langlebigem Zwirngarn, 100% handgepflückte Baumwolle. Mit Surprise-Logo eingewebt und von A bis Z in der Schweiz hergestellt. Vorder- und Rückseite verschiedenfarbig: vorne kühles Aquablau, hinten heisses Rot.

Herren CHF 25.– S M

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Damen CHF 20.– XS S (auch für Kinder) Alle Preise exkl. Versandkosten.

Strandtuch (100 x 180 cm) CHF 65.–

50 Prozent des Verkaufspreises kommt Surprise zugute.

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*gemäss Basic 2008-2. Seite bitteMACH heraustrennen und schicken oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch

Ist gut. Kaufen! Wer etwas verkauft, braucht Geld. Schlichte Wahrheit – gute Sache. Denn 50 Prozent des Verkaufspreises kommt Surprise zugute. Alle Preise exkl. Versandkosten.

Surprise Zeitungs-Taschen (34 x 36 cm); CHF 37.50 neon-orange schwarz

Surprise City-Taschen (24,5 x 35,5 cm); CHF 40.– rot blau schwarz

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Surprise Rucksäcke (32 x 40 cm); CHF 89.– schwarz rot

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*gemäss Basic 2008-2. Seite bitteMACH heraustrennen und schicken oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch SURPRISE 243/11

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Von Aarberg bis Zuoz. Surprise gibt es beim Strassenhändler Ihres Vertrauens. Oder im Abo per Post.

24 Ausgaben für 189 Franken oder als Gönner-Abo für 260 Franken. Gutes lesen, Gutes tun und gleich bestellen! www.strassenmagazin.ch, www.strassensport.ch, Spendenkonto PC 12-551455-3 Strassenmagazin Surprise, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99


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