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Winterspiele Schneedreikampf statt Fernsehmarathon Die Nebel vom Napfgebiet – zu Besuch in der Sagenwelt

Von UFOs, Aliens und Dorftrotteln: Weltraumexperte Peter Creola im Gespräch

Nr. 218 | 5. bis 18. Februar 2010 | CHF 6.– inkl. MwSt. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an die Verkaufenden. Bitte kaufen Sie nur bei Verkaufenden mit offiziellem Verkaufspass.


Schöne Shirts! Und erst noch limitiert! Olivier Mossets (64) letzte Ausstellung nannte sich «Ten Monochromes» und zeigte – wie der Name verspricht – zehn unifarbene Werke des Schweizer Künstlers. Auf 3 à 3 Meter. Die hat Mosset zum Anlass genommen, um für Surprise zehn T-Shirts in denselben Farben zu entwerfen. Mit Surprise-Aufschrift. Und vom Künstler signiert.

Surprise-T-Shirt Preis CHF 40.–

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Ist gut. Kaufen! Wer etwas verkauft, braucht Geld. Schlichte Wahrheit – gute Sache. Denn 50 Prozent des Verkaufspreises kommt Surprise zugute. Alle Preise exkl. Versandkosten.

Surprise Zeitungs-Taschen (34 x 36 cm); CHF 37.50 neon-orange schwarz

Surprise City-Taschen (24,5 x 35,5 cm); CHF 40.– rot blau schwarz

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Datum, Unterschrift

Surprise Rucksäcke (32 x 40 cm); CHF 89.– schwarz rot

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*gemäss Basic 2008-2. Seite bitteMACH heraustrennen und schicken oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch

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An den Olympischen Spielen ringen die Athleten um Zentimeter, Hundertstelsekunden und Stilnoten, während die Fans daheim vor dem Bildschirm mitbibbern. Dabei bringen eigene Aktivitäten an der frischen Luft viel mehr Lebensfreude. Das Team Surprise machts vor: Als Ausgleich zum Fernsehmarathon gibts nichts Besseres als einen zünftigen Gruppenwettkampf im Schnee.

13 Brauchtum Wo Sagenwesen über die Hügel ziehen Ganz hinten im Napf, vergessen von der modernen Welt, leben die Menschen verstreut zwischen stotzigen Hängen und schattigen Klüften. Hier heissen Höfe und Weiler Himmel und Höll, und wenn es dunkel wird, begegnen den Napfbewohnern manchmal Wesen aus einer anderen Zeit. Zu Besuch in einer Geisterwelt.

BILD: ANNETTE BOUTELLIER

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10 Winterspiele Der grosse Schneeball-Dreikampf

BILD: YVONNE KUNZ

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Inhalt Editorial Realitätsfluchten Leserbriefe Qualmende Köpfe Basteln für eine bessere Welt Rasseln für die närrische Zeit Aufgelesen Chic im Rollstuhl Zugerichtet Unsicherheitsfaktor Security Mit scharf Kampfzone Aschenbecher Erwin … und die Ausserirdischen Porträt Mit Wachskreide im Gericht Soundesign Wie die Welt zum Klingen gebracht wird Le mot noir Stellvertreter im Schnee Geschichte Schweizer Trinkgeschichten Kulturtipps Genossenschaftskost für daheim Ausgehtipps Der Dichtersänger Verkäuferporträt «Ich träume von einem Album» Projekt Surplus Chance für alle! Starverkäufer Nachruf Beat Egli Impressum INSP

BILD: CHRISTIAN FLIERL

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16 UFO-Forschung «Unsere Technik ist fürchterlich primitiv» Kleine grüne Männchen in fliegenden Untertassen? Papperlapapp! Weltraumexperte Peter Creola (69) erklärt im Gespräch, warum er für eine gross angelegte Erforschung des UFO-Phänomens plädiert, was das der Menschheit bringen könnte – und warum die Annahme einer ausserirdischen Intelligenz wissenschaftlich gesehen durchaus konservativ ist.

Titelbild: Christian Flierl SURPRISE 218/10

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BILD: DOMINIK PLÜSS

RETO ASCHWANDEN

Leserbriefe «Solche erfrischend klaren Gedanken zum unseligen Rauchverbot habe ich lange entbehren müssen.»

REDAKTOR

Editorial Raus aus dem Grau

Nr. 216: «Die letzte Zigarette – Schriftsteller Pedro Lenz über das Rauchverbot»

Wirtschaftskrise, UBS-Streit, Naturkatastrophen – es ist zum Davonlaufen. Klar: Wir möchten wissen, was um uns herum geschieht. Aber vielleicht geht es Ihnen ja wie uns: Die anhaltenden schlechten Nachrichten lösen nur noch Kopfschütteln aus, und der scheinbar endlose Winter treibt einen ins innere Exil. Deshalb haben wir beschlossen, es sei Zeit für ein wenig Realitätsflucht. In der vorliegenden Surprise-Ausgabe werden Sie keinen Artikel über soziale Benachteiligung finden. Keine Reportage aus dem Drogenmilieu. Und auch keinen Hintergrundbericht zur Situation von IVBezügern oder Asylsuchenden. Diese Themen werden uns im Lauf des Jahres noch oft beschäftigen. Doch diesmal nicht. Stattdessen wollen wir Sie mitnehmen an Orte jenseits des tristen Alltags. Redaktorin Mena Kost traf den Schweizer Weltraum-Experten Peter Creola zu einem Gespräch über UFOs und Ausserirdische. Wieso die Vorstellung von Leben auf anderen Planeten mehr mit nüchterner Wissenschaft zu tun hat als mit Science Fiction, lesen Sie ab Seite 16. Auch unsere Mitarbeiterin Yvonne Kunz machte sich auf, Welten jenseits der aufgeklärten Moderne zu erkunden. Wenn im Napf der Nebel in die Täler kriecht, geistern Gestalten aus längst vergangenen Zeiten über Wiesen und Felder. So jedenfalls berichtet es Maria Kunz, die in ihrem Heimet zwischen Himmel und Höll seit vielen Jahren Sagen aus der Gegend sammelt, ab Seite 13. Realitätsflucht einer etwas anderen Art betrieb ein Grüppchen von Surprise-Angestellten. Als die Basler Stadtpärke im Schnee versanken, packten wir Mützen und Handschuhe und veranstalteten unsere eigenen Winterspiele. Medaillen gab es dabei keine zu gewinnen. Wir wagen trotzdem die Behauptung, dass wir mindestens soviel Spass hatten, wie die Profisportler an den Olympischen Spielen. Zurück im Büro waren die Wangen gerötet, die Finger klamm – und die Mienen ausgesprochen fröhlich. Wie auch Sie mit wenig Aufwand vergnügliche Stunden an der frischen Luft verbringen können, erfahren Sie ab Seite 10.

Übel Ob Polemik oder nicht – so ein Artikel gehört nicht ins Surprise, und ich habe mich geärgert. Sehr sogar. Man denke an die Tausenden von Mitmenschen, die vor allem auf Grund des Rauchens beziehungsweise Passivrauchens an Lungenkrebs leiden. Wenn man vor diesem Hintergrund den Artikel liest, kann einem übel werden. Hans Koch, Aesch Hirnverbrannt Ich selber bin seit jeher Nichtraucherin (über 60 Jahre), aber was da seit mehreren Jahren mit dem Rauchverbot abläuft, ärgert mich schon lange. Auf die Frage, die ich seit dem Aufkommen dieses Verbotes in mir trug und anderen immer wieder stellte, konnte ich nie eine Antwort finden, die Frage nämlich: «Wem bringt das totale Rauchverbot auch im öffentlichen Raum (hirnverbrannt!!!) Vorteile oder Nutzen?» Der Artikel bringt mir endlich einen Ansatz von Antwort: Ablenkung von grösseren Problemen, Untergrabung der Demokratie mit dem Verdrängen der Minderheiten, parteiliches Vorpreschen etc. Aber ich meine, den Politikern sollte doch bewusst sein, dass die Raucher unserer AHV/IV Geld in die Kasse bringen, warum also so hart gegen das Rauchen ankämpfen? Wie dem auch sei, ich werde mich weiterhin über dieses Verbot ärgern müssen. Maria von Däniken, Birsfelden Vom Besten Der Beitrag zum Rauchverbot in Restaurants ist etwas vom Besten, das ich zu dieser Thematik je gelesen habe. Herzlichen Dank! Katrin Hostettler, Biel

Krankhaft Für den Autor ist das Rauchverbot in öffentlichen Räumen ein Krebsgeschwür, für mich ist es eine Wohltat! Für ihn ist das Rauchen eine «Kulturtätigkeit», für mich ein Laster, eine Sucht (nach Duden ein krankhaftes Verlangen). Von allen Rauchern wird man kaum fünf Prozent als «Genussraucher» bezeichnen können – und darum bin ich froh, dass sich dieses «Geschwür» verbreitet und mithilft, Jugendliche und Therapiewillige zu stützen und uns Nichtrauchern zusätzliche Lebensqualität zu bringen. Heinz von Allmen, Spiez Unverfroren Danke für den Beitrag zum Rauchverbot. Solche erfrischend klaren Gedanken zum unseligen Raucherverfolgungswahn habe ich lange entbehren müssen. Endlich entlarvt ein Vertreter der schreibenden Zunft den unverfrorenen Zynismus der selbsternannten politischen Heilsbringer. Massenwahn und Gruppenzwang nötigen selbst die unfähigsten Volksvertreter, aus ihrer Hinterbänklerlethargie zu erwachen und sich einen Leistungsnachweis in Bürgerbevormundung zu erwerben. Martin Häusermann, per E-Mail Eigennützig Falls es stimmen würde, dass viele Nichtraucher überzeugte Nichtwirtshausgänger sind, würden rund zwei Drittel der Schweizer nie ein Wirtshaus besuchen. Es ist aber wohl eher so, dass die meisten überzeugten Nichtwirtshausgänger Nichtraucher sind. Und warum? Weil dort geraucht wird! Natürlich kann man versuchen, den Befürwortern des Rauchverbots eigennützige Interessen zu unterstellen. Aber auch nur ein gutes Argument zu liefern, warum das Rauchen in Wirtshäusern erlaubt bleiben soll, ist nicht gelungen. Kevin Suter, Lyss

Surprise ist auf Spenden angewiesen. Auch auf Ihre! Herzlichen Dank. PC-Konto 12-551455-3 Ihre Meinung!

Brechen Sie aus aus dem Alltag. Es lohnt sich.

Bitte schicken Sie uns Ihre Anregungen oder Kritik: Strassenmagazin Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, T +41 61 564 90 70, redaktion@strassenmagazin.ch. Es werden nur Leserbriefe abgedruckt, die mit vollem Namen unterzeichnet sind. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen.

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ILLUSTRATION: WOMM

1 Sie brauchen: Ein Röhrli, Korken, Holzstäbchen, Papier, Messer, Basteldraht.

2 Schneiden Sie aus dem Röhrli Streifen, die etwa 0,5 cm breit und 3 cm lang sind.

4 Biegen Sie an beiden Enden eines ca. 21 cm langen Stücks Basteldraht einen Ring. Stecken Sie den Draht gebogen auf das Stäbchen.

3 Halbieren Sie den Korken und setzen Sie mit dem Messer 5 Einschnitte. Stecken Sie Röhrli-Streifen in diese Schlitze. Bohren Sie auf der unteren Seite des Korkens ein Loch, in welches das dickere Stäbchen eingesetzt wird. Stecken Sie ein kleines Holzstäbchen an das obere Ende des Korkens.

5 Kleben Sie eine Zunge aus Papier an den Drahtbogen. Sie muss so gross sein, dass sie die Röhrli-Streifen berührt. Drehen Sie den Stab nun heftig. Der Drahtbogen mit der Papierzunge dreht sich um die Röhrli-Streifen – was dabei herauskommt, ist Musik in Fasnächtlers Ohren!

Basteln für eine bessere Welt In Basel ist sie unter Nicht-Aktiven sehr umstritten, in Luzern machen sowieso alle mit, und auch Bern kommt immer mehr auf den Geschmack: Fasnacht bewegt die Gemüter. Unsere Rätsche bietet Einstiegshilfe für Anfänger, schlägt allzu aufdringliche Fasnächtler in die Flucht und sorgt das ganze Jahr hindurch für eine «aufgeweckte» Stimmung. SURPRISE 218/10

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Aufgelesen News aus den 90 Strassenmagazinen, die zum internationalen Netzwerk der Strassenzeitungen INSP gehören.

Problemfall Familie Salzburg. Eine österreichische Umfrage zeigt: Trotz hohen Scheidungsraten und zahlreichen Alleinerziehenden dominiert in den Köpfen der Jugendlichen nach wie vor der Wunsch nach einer unbegrenzten Ehe mit Kindern. Weicht die Familie vom Idealfall (Mutter, Vater, Kind) ab, wird die Familie als «Problemfall» abgetan. Und dies, obwohl es in Fachkreisen längst als erwiesen gilt, dass nicht ein traditionelles Familiengefüge, sondern das Mass an Liebe und Geborgenheit die ausschlaggebenden Parameter des «Familienglücks» sind.

Chic im Rollstuhl Graz. Erika Wilfings Tochter ist geistig und körperlich behindert, sitzt im Rollstuhl, ist noch nicht trocken – und würde sich trotzdem gerne modisch kleiden. «Mode für Sechsjährige ist nicht für Windeln oder Rollstuhlbesonderheiten gefertigt. Meine Tochter muss immer im Jogginganzug herumfahren», sagt die Mutter. Also hat sie kurzerhand selbst zu Nadel und Faden gegriffen. Im Frühling kommt ihre Kollektion für Kinder mit Behinderung auf den Markt. So kann sich in Zukunft nicht nur ihre Tochter anziehen, wie es sich junge Menschen nun mal wünschen: cool und schick.

Gefährlicher Rap Dublin. Immer wieder wird behauptet, dass «Gangsta Rap» eine stark unterschätzte Gefahr für die emotionale und psychologische Gesundheit von Teenagern sei. Negativen Einfluss hätten vor allem die Proklamierung von Gewalt, Homophobie, Rassismus, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch und die Gangsterkultur. Nun hat eine aktuelle US-Studie gezeigt, dass 25 Prozent der befragten 13- bis 17-jährigen Mädchen nach dem Angriff auf Sängerin Rihanna durch ihren Freund, den Rapper Chris Brown, von ihren Freunden geschlagen worden waren.

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Zugerichtet Die Türen der Stadt Die Anklagebank bleibt leer. Doch sticht Timo T.* gerade durch seine Abwesenheit hervor. 29-jährig, von Beruf Sicherheitsbeauftragter, Hobby-Kampfsportler, überdies konkursiter Unternehmer, arbeitslos und heimatmüde. Er zog es vor bei dem garstig-kalten Wetter – wer will ihm das verdenken –, im sonnenverwöhnten Florida zu bleiben. Zehn Jahre lang bestimmte Timo T. als Türsteher, wer rein kam und wer draussen bleiben musste. Türsteher verlangen uneingeschränkten Gehorsam. Und sie bekommen ihn. Wenn sie sagen: Du bist raus, gibt es keinen Widerstand. Dann ist das Höchste an zulässiger Auflehnung die Frage: Warum? So sind die Regeln. Securitys sind die Seismographen des Nachtlebens, ihr Alarmsystem schlägt an, bevor es brennt. Sie bereinigen die Gefahr im Voraus, durch Entfernen des Störfaktors, der in ihrem Jargon Stressmacher heisst. Der Stressmacher im Fall Numero 1 hört auf den Namen Wesley, er war sichtlich angetrunken im Club Z. Timo kam zu ihm, hakte sich in dessen Arm ein und sagte: Du gehst runter, du gehst raus, für dich ist Schluss. Wesley fragte: Warum? Und fand sich kurz darauf vor der Tür wieder, am Boden, mit blutendem Kopf und gebrochenem Finger. Wo Gott hockt, erfuhr auch Melanie, Stressperson Numero 2. Sie begehrte Einlass im Pub C., der ebenfalls die Sicherheitsdienste von Timo T. beanspruchte, doch war sie dort mit einem Hausverbot belegt. Melanie kratzte, trat und schlug den Türsteher, worauf er sie in Handschellen legte, bis die Polizei sie abholte.

Punkt 1 der Anklage lautet auf Körperverletzung und Punkt 2 auf Nötigung. Dazu kommen Irreführung der Rechtspflege, Sachentziehung und Unterlassung der Buchführung. «Herr T. ist in allen Punkten freizusprechen», sagt sein Strafverteidiger, der ihn vor Gericht vertritt. Sein Mandant habe in Bars im Niederdorf gearbeitet, wo bekannterweise viel Kriminalität und Gewalt herrsche. So sei es nicht schwierig, häufig in solche Situationen zu geraten. Gemäss Zürcher Strafprozessordnung sei jeder Private berechtigt, eine Person zu ergreifen, die in seiner Gegenwart ein Verbrechen verübt hat. Melanie habe den Tatbestand des Hausfriedensbruchs begangen und sei zu Recht festgehalten worden. Was die Körperverletzung betreffe, gingen die Sichtweisen von Herrn Wesley und Herrn Timo auseinander. Zu Punkt 3 der Anklageschrift meint der Verteidiger, dass Timo die Buchführung seiner GmbH für «Private Polizeidienste» nicht vorsätzlich, sondern aus Unwissenheit vernachlässigt habe. «Herr T. hat in geschäftlichen Dingen schlichtweg keinen Schimmer von gar nichts.» Der in Miami weilende Möchtegern-Polizist ist kein unbeschriebenes Blatt: Für Diebstahl, Entführung, gewerbsmässigen Betrug und mehrfaches Widerhandeln gegen das Waffengesetz hat er bereits eine zweijährige Freiheitsstrafe erhalten. Dennoch träumt Timo T. von einer Green Card und einer Zukunft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Richter wird ihm das noch ausstehende Urteil in einigen Wochen nach Florida schicken. * persönliche Angaben geändert

ISABELLA SEEMANN (ISEE@GMX.CH) ILLUSTRATION: PRISKA WENGER (PRISKAWENGER@GMX.CH) SURPRISE 218/10


Rauchverbot Hilflose Stellvertreterdebatte Die Rauchverbote im öffentlichen Raum werden mit einem Eifer diskutiert, der die Bedeutung des Themas völlig überhöht. Die Tabakdiskussion verkommt zunehmend zu einer Stellvertreterdebatte in Zeiten politischer Überforderung und Ohnmacht. VON FRED LAUENER, NICHTRAUCHER

Nach der Elegie von Pedro Lenz über die zunehmende Erschwernis, im öffentlichen Raum dem Tabakgenuss frönen zu können (Surprise Nr. 216, 8. Januar 2010), hat es in unserer Redaktion Leserbriefe gehagelt, wie sonst kaum. Wie emotional aufgeladen die Diskussion um den blauen Dunst ist, zeigt nicht nur die Anzahl der Reaktionen, sondern vor allem auch der Inhalt der Briefe. Entweder gab es vorbehaltlosen Beifall für Lenz’ Text, oder aber, und dies überwiegend, vernichtende Kritik. Ein paar besonders engagierte Rauchgegner werden dieses Magazin in Zukunft nicht mehr kaufen, wie sie uns haben wissen lassen. Sie strafen Surprise ab, weil sie eine andere Meinung als die ihre einzig richtige nicht lesen möchten. Sie goutieren nicht, dass Surprise sich erlaubte, das todernste Thema Tubak mit Humor anzugehen, es wagte, den Sinn von Rauchverboten kritisch zu hinterfragen. Nirgendwo scheinen die Fronten so klar zu sein, sind Freund und Feind besser erkennbar, als in der Tabakwelt. Hier gibt es nur zwei Sorten Menschen: Raucher und Nichtraucher. Und die bekämpfen sich bis aufs Hemd; in einem Stellvertreterkrieg, den niemand je wird gewinnen können. Die Millionen-Boni für Crash-Banker, die Bestrafung der von den selben Bankern produzierten Arbeitslosen, der Impfstoff- und Propaganda-Bschiss bei der Schweinegrippe, die ständig steigenden Krankenkassenprämien, die Misere bei den Pensionskassen – ein stattliches Empörungspotenzial kommt da zusammen. Was aber passiert damit? Wie der Chüngel vor der Schlange lassen wir diese Dinge geschehen. Unser Einfluss auf die grossen Debatten und Ungerechtigkeiten ist gering. Sie passieren uns, sie ärgern uns, sie schmerzen uns, sie fressen uns auf.

ERWIN

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Machtlos gegen oben, geben wir den Druck nach unten weiter. Den noch Schwächeren, den Minderheiten; Ausländer eignen sich gut, oder eben: Raucher. Eine echte Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Anliegen und Bedürfnissen von Rauchern und Nichtrauchern findet kaum statt, zu sehr ist die Angelegenheit zum Ventil für angestaute Frustrationen geworden. Auf der Strecke bleiben dabei die Vernunft, der gesunde Menschenverstand und die demokratische Toleranz. Als Mehrheit verlangen wir Nichtraucher immer aggressiver die quasi bedingungslose Unterwerfung der rauchenden Minderheit. Wie paradox und doppelbödig das übrigens ist, vergessen wir gerne und leicht: Das Rauchen verbieten wir zwar möglichst überall, die rund 350 Tabakbauern, die in der Schweiz für die verteufelte Zigarettenindustrie produzieren, sollen aber bitteschön auch weiterhin mit jährlich 18 Millionen Franken subventioniert werden. ■

… und die Ausserirdischen

VON THEISS

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Porträt Mörder stehen ihr Modell Wer von ihr porträtiert wird, steht schon mit einem Bein im Gefängnis: Linda Graedel-Sherman ist Gerichtszeichnerin und hat nahezu alle grossen Prozesse der letzten 25 Jahre live miterlebt. VON ISABELLA SEEMANN (TEXT) UND SELWYN HOFFMAN (BILD)

Er spitzte die Patrone ins Magazin, lud das Sturmgewehr durch und legte sich im Tarnanzug hinter der grossen Hinweistafel der ETH am Hönggerberg auf die Lauer. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite wartete ein 16 Jahre altes Mädchen auf den Bus. Er nahm sie ins Visier, zielte und drückte ab. «Warum?», fragt der Richter. Der junge Mann grinst verlegen, knetet seine Hände, murmelt: «Das weiss ich bis heute nicht.» Diese Schlüsselszene im Prozess gegen den «Sniper von Höngg» hat Linda GraedelSherman auf Papier gebannt. Sie war als akkreditierte Gerichtszeichnerin im Saal des Obergerichts Zürich und dokumentierte die Verhandlung für die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens, den «Tages-Anzeiger» und die Nachrichtenagentur Keystone. Während die Gerichte Bild- und Tonaufnahmen aus Persönlichkeitsschutz aller Beteiligten kategorisch ausschliessen, haben sie gegen das Mitschreiben und Mitzeichnen nichts einzuwenden, da letztlich nur wenige den Grad an Ähnlichkeit beurteilen können und es vor allem auf den Typ Mensch, auf das skizzierte Psychogramm ankommt. Zwei Dutzend Wachsmalkreiden und ein Block im A3-Format sind die einzigen Hilfsmittel, mit denen Linda Graedel das Geschehen im Gerichtssaal nach aussen trägt. «Die ersten Minuten beobachte ich nur und speichere die Eindrücke ab.» Der um zwei Nummern zu grosse Anzug, eine teure Armbanduhr oder die verspannten Kiefermuskeln. Sie versuche, die Menschen zu begreifen, ihre Mimik, Gestik und Dynamik. Was drücken sie aus? Den Blick richtet die Zeichnerin auf Kleinigkeiten, die einen Fall aussergewöhnlich machen. Im Prozess gegen den Höngger Todesschützen war es die Leere in seinen Augen. «Seine Miene war ausdruckslos, sein Blick starr auf die Tischplatte vor ihm gerichtet», sagt Linda Graedel. «Nur manchmal zuckte ein Muskel am Kiefer.» Dann muss es schnell gehen, denn in der Verhandlungspause wartet das Fernsehteam draussen im Übertragungswagen oft schon auf die ersten Bilder. Fünf bis acht Bilder zeichnet sie an einer eintägigen Verhandlung; es sind Szenen, die nicht wieder kommen. Diese Unwiederholbarkeit schlägt sich in ihrem Stil nieder. Üppige Linien, Striche, Punkte. Der Zeichnungsvorgang wird nicht kaschiert, Radiergummi benutzt sie nie. «Ich bin sehr selbstsicher, wenn ich zeichne», sagt die 68-jährige Künstlerin, «weil ich viel Erfahrung mitbringe.» Diese gewann sie als Zeichnerin am Schauspielhaus Zürich und am Opernhaus, in der Tonhalle und bei Jazz-Festivals. Ihre künstlerische Ausbildung begann in ihrem Heimatland, den Vereinigten Staaten von Amerika, an der Art Center School in Los Angeles, ging weiter in Wien, bis sie sich in Paris anno 1961 in einen Berner Medizinstudenten verliebte. Sie folgte ihm in die Schweiz, gab ihre künstlerische Karriere auf, wurde Mutter zweier Töchter und liess sich in Schaffhausen nieder, wo ihr Mann stellvertretender Chefarzt am Kantonsspital wurde.

Doch nach 15 Jahren fidelen Hausfrauen-Daseins packte sie ihre Staffelei und stellte sie in den Operationssaal ihres Mannes, wo sie Zeichnung um Zeichnung seine Operationen festhielt. Danach wechselte sie in Musiklokale, denn Jazz, den sie auf ihrem Piano auch selber spielt, ist ihre grosse Leidenschaft. Von Irène Schweizer über Herbie Hancock bis Miles Davies standen ihr die grössten Musiker des Jazz Modell. Anfang der Achtzigerjahre wurde Nachrichtensprecher Heiri Müller auf die Künstlerin aufmerksam und meinte, das Schweizer Fernsehen könnte sie als Zeichnerin an Prozessen brauchen. Seither zeichnet Linda Graedel-Sherman in den Gerichtssälen des Landes. Für Auftraggeber wie die «Weltwoche», den «Bund», die «Neue Zürcher Zeitung» sowie «Tele Züri» hat sie nahezu alle «causes célèbres» dokumentiert: Die Hallenbadkatastrophe von Uster, als beim Einsturz der Betondecke zwölf Menschen ums Leben kamen, war ihr erster Fall. Es folgten Günther Tschanun, ehemaliger Chef der Zürcher Baupolizei, der vier seiner Mitarbeiter erschossen hatte, Babyquäler René Osterwalder, Vitali Kalojew, der den Skyguide-Lotsen erstochen hatte. Dann der Swissair-Prozess und die acht Jungs vom «Jahrhundertpostraub», die im Bezirksgericht Zürich mit ihr schäkerten. «Sie beugten sich huldvoll zu mir hinüber und wollten wissen, ob ich sie auch schön genug gezeichnet hätte», sagt Linda Graedel und schmunzelt über die eitlen Fraumünster-Posträuber. Im Gerichtssaal hat die Zeichnerin einen festen Platz, ganz aussen in der ersten Reihe. «Von dort aus kann ich gut überblicken, was im Gerichtssaal passiert.» Sie sieht die ratlosen Gesichter der Richter frontal und die Angeklagten im Halbprofil, ihr Mienenspiel beim Sich-nicht-Erinnern-Wollen, beim Mauern und Abstreiten. «Manchmal läuft einem schon ein Schauer über den Rücken.» Bei der Parkhausmörderin Caroline H., die zwei Frauen bestialisch umgebracht hatte, sei sie jedenfalls froh gewesen, dass diese an Händen und Füssen zusammengekettet und von fünf stämmigen Sicherheitsbeamten bewacht wurde. Die Illustrationen zum Prozess zeigen eine kleine, fragile Frau mit raspelkurzen Haaren in Handschellen und Fussfesseln.

«Die Posträuber wollten wissen, ob ich sie auch schön genug gezeichnet hätte.»

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Im Atelier ihres Hauses in Schaffhausen hat Linda Graedel die Originale ihrer Zeichnungen der vergangenen Jahrzehnte aufbewahrt. Manchmal verkauft sie die Zeichnungen an Richter und Anwälte, die sich ihre spektakulärsten Prozesse an die Wand hängen wollen. Ansichten von schmierigen Kinderporno-Händlern, eiskalten Gattenmörderinnen, ÖkoTerroristen und Rotlicht-Milieu-Königen. Typen, deren Vorstrafenregister man an ihren Narben im Gesicht und der Anzahl ihrer Tätowierungen ablesen kann, faszinieren die gebürtige Kalifornierin mit dem sonnigen Gemüt genauso wie Mörder mit Unschuldsmiene: «Als Künstlerin interessieren mich die seelischen Abgründe der Menschen.» ■

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Winterspiele Dreikampf im Schnee Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür. Während die Athleten über Pisten brettern, auf dem Eis kurven und von Schanzen springen, sitzt unsereiner vor dem Fernseher, bis die Bandscheiben schmerzen. Da hilft nur eins: Raus aus der Stube und rein in den Schnee. Dafür brauchts weder teure Ausrüstungen noch lange Anfahrtswege – ein verschneiter Park in der Nähe und ein wenig Fantasie genügen vollauf. Wir präsentieren den Surprise-SchneeballDreikampf für Gross und Klein. VON RETO ASCHWANDEN (TEXT) UND CHRISTIAN FLIERL (BILDER)

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Schnee-Hornussen

Die Schlacht um die zwei Schneetürme

Die Wintervariante unseres Nationalsports. Im Sommerhalbjahr wird Hornussen auf der grünen Wiese, dem «Ries», mit «Träf» und «Nouss» betrieben. Im Winter geht das einfacher. Statt einer Hartgummischeibe nehmen wir Schneebälle, geworfen wird mit der Hand und anstelle der Schindeln werfen wir mit Taschen. Die verteidigenden Spieler halten mit Vorteil etwas Abstand zueinander. Erstens lässt sich dadurch das Feld optimal abdecken. Zweitens birgt eine kompakte Aufstellung die Gefahr, dass die herunterfallenden Taschen Mitspieler treffen. Wie das Team Surprise feststellen musste, kann das die Gruppendynamik zumindest temporär negativ beeinflussen.

Eine wunderbare Allegorie auf die menschliche Natur: Die Schlacht um zwei Schneetürme versinnbildlicht die erschaffende, konstruktive Seite unserer Gattung ebenso wie ihre zerstörerischen Neigungen. Während die einen Teammitglieder mit dem Erbauen des eigenen Schneeturms beschäftigt sind, versuchen die anderen, das Werk der anderen Gruppe vor der Vollendung kaputt zu schiessen. Wie das Team Surprise feststellte, erzeugt ein Volltreffer, der den halbfertigen Turm zerbombt, die intensivsten Glücksgefühle – Schadenfreude ist halt die schönste Freude. Deshalb macht es auch nichts, wenn man den Turm verfehlt – solange man dafür die Erbauer erwischt. Denn Körpertreffer sind in dieser Disziplin keineswegs untersagt, sondern werden billigend in Kauf genommen.

Regeln Markieren Sie ein Feld von etwa 15 Metern Breite und 30 Metern Länge. Platzieren Sie alle fünf Meter ein Fähnchen, damit Sie abschätzen können, wie weit die Schneebälle fliegen. Team A verteilt sich mit Taschen im Feld. Die Spieler von Team B werfen nacheinander Schneebälle möglichst weit ins Feld. Team A wirft die Taschen hoch, um die Schneebälle abzufangen. Ist der Schneeball auf dem Boden, messen Sie die Distanz. Nachdem alle Teammitglieder geworfen haben, addieren Sie die Weiten, danach ist die andere Gruppe an der Reihe. Vorsicht: Da hochgeworfene Taschen unweigerlich wieder runterfallen, empfiehlt es sich, Taschen aus weichem Material und möglichst ohne Metallteile einzusetzen (hervorragend eignen sich Surprise-Taschen) und keine harten oder schweren Gegenstände als Füllung zu verwenden. Ideal sind hingegen Kleider und Zeitungen.

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Regeln Jede Mannschaft markiert einen Kreis von etwa acht Metern Durchmesser. Halten Sie zwischen den Kreisen ein paar Meter Abstand. Auf los gehts los: Einige Teammitglieder formen Schneebälle von rund 15 Zentimetern Durchmesser und schichten diese in der Kreismitte aufeinander. Diejenigen Teamangehörigen, die nicht mit dem Turm beschäftigt sind, versuchen, die Bauarbeiten des anderen Teams zu sabotieren, indem sie Turm und Erbauer von ausserhalb des Kreises mit Schneebällen bewerfen. Sieger ist jene Gruppe, die zuerst acht Schneebälle zu einem Turm errichtet hat.

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Schneeballschlacht Die dritte Disziplin dient bei Gleichstand als Entscheidungsrunde und bei feststehendem Sieger dem Ausleben von Revanchegelüsten. Erinnern Sie sich noch, wer Ihren wunderbaren Bogenwurf mit seiner Tasche abrupt stoppte? Welcher Tunichtgut Ihren Turm just vor der Vollendung pulverisierte? Jetzt haben Sie Gelegenheit abzurechnen. An sich sollten bei der Schneeballschlacht die beiden Teams gegeneinander werfen, da diese Disziplin aber eine gewisse Disziplinlosigkeit fördert, kann es sein, dass aus Wir-gegen-die-Anderen ein Alle-gegen-Alle wird. Wie das Team Surprise feststellte, treffen Fehlschüsse schon mal den eigenen Mitspieler, was langwierige Privatfehden nach sich ziehen kann. Ein eindeutiger Sieger ist im Tohuwabohu manchmal nur mühsam zu bestimmen. Gewinner sind deshalb am ehesten Spieler, die es durch taugliche Kleidung vermeiden können, den Schnee am Schluss direkt auf der Haut zu spüren. Regeln Achten Sie darauf, dass die Schneebälle nicht zu hart sind. Vermeiden sie es, Kieselsteine und andere harte Materialen in den Schnee zu packen. Und zielen Sie nicht auf den Kopf. ■

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Brauchtum Im Sagenreich Weitab von den St채dten versinkt das moderne Leben in d채mmrigen Schatten. Ganz hinten im Napf zwischen Luzern und Bern geistern sagenhafte Gestalten durch die Gegenwart. Zu Besuch in einer fremden, seltsamen Welt.

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VON YVONNE KUNZ (TEXT UND BILDER)

«E Herrscher, en unkampelete Tyrann hett sini Untertane ploget … Es isch himmutrurig gseh um dä gottlos Chnuuppesager. Es hett en Uufstand gäh, ond er hett gmerkt, dass sie em a Chrage wei. Und wiene Hambeckisgeischt ischer umegschosse, hett sis Gold ond alle Pronk ranschima zämto ond isch alewanti gflüchtet gägem Napf zue. Er hett ned ganz ue möge, seinem sini Verfolger noche gseh. Sie heine mit Achs ond Schuufle z’Tod gschlage. D Bergmännli hei ned lang zuegluegt, sei hei all das vele Gold churzerhand toif i Napf iegschleipft ond det bliebts bes höt verborge.» Gruslige Sagen und blutige Legenden durchziehen die Napfregion wie ihr fein geädertes Gewässernetz. Über die Zeit frassen die grossen Bäche tiefe Furchen in das Gestein der steilen Hänge, die kleinen verästelten sich in ungezählte Rinnsale. Die Grosse und die Kleine Emme umfliessen das Napfbergland, das auf die Kantone Luzern und Bern aufgeteilt ist, in einem fast perfekten Rund. Die Ströme der Zeit, die Wasser der Fontannen, der Luthern und der Wigger haben vieles mit sich gerissen: Geschichten von Gold und Gier, von Glauben und Glück, von Geistern und Gerüchten. Dass es in der Abgeschiedenheit des Napfs nicht immer mit rechten Dingen zugeht, bleibt trotz dem reissenden Strom der Zeit eine zuverlässig überlieferte Tatsache. Es mag wohl sein, dass die verschlossenen Hinterländer den durchreisenden Unterländern, die so viel zu erzählen wussten aus den Welten jenseits der Emme, ihre Berichte ausschmückten, um interessanter zu wirken. Doch wo Rauch ist, ist auch Feuer. Ausserhalb der grösseren Ortschaften wie Willisau ist das Napfgebiet bis heute nur dünn besiedelt. Einzelhöfe sind weit verstreut, thronen hoch oben auf den sanft gerundeten Eggen, Weiler ducken sich in den dämmrigen Schatten der Talsohlen. In Opferbühl und Kreuzberg. In Ausserhickeren und Hintersagen. Und in der Höll. Dort fand man beim Umbau des Ronmühlenhofes anno 1930 in einem der Balken einen Zapfen. Der Bauherr entschied, ihn rauszureissen, obwohl ihn alle warnten, das um Himmelgottswillen sein zu lassen – sonst entweiche der Geist, der dort vor Jahrhunderten eingeschlossen worden sei. So kam es, wie es kommen musste: Der Bauherr zog den Zapfen, wurde nächsten Tages von einem Fieber befallen und war drei Wochen später tot.

Wonneproppen an diesem düsteren 13. Januar noch immer selig in seiner Krippe. Nur der Esel scheint zu ahnen, dass eine beschwerliche Reise nach Ägypten bevorsteht. Denn die Flucht der heiligen Familie, die werden sie noch nachspielen – Maria und ihre Grosskinder. Die Hebamme gab Maria auch im Freilufttheater «D Goldsuecher am Napf», das die Feuerwehr Opfersei anlässlich ihres 50-Jahr-Jubiläums 1993 auf die Beine stellte – die Überschwemmung, so Augenzeugen aus der ersten Reihe, sei schon fast beängstigend echt gewesen. Die Umsetzung der auf Tatsachen basierenden Mundarterzählung von Dr. Josef Zihlmann (aka «Seppi vo de Wiggere») am sagenumwobenen Originalschauplatz, dem Enziloch beim Fluhhüttli, brachte den Napf national in die Schlagzeilen. Das Feuilleton von «Weltwoche» bis «NZZ» feierte das Laientheater frenetisch. Von da an wusste man weit herum, dass Maria Kunz eine gute Stimme hat. Als die ehrenamtliche Tourismusgruppe von

Der Bauherr zog den Zapfen aus dem Balken – drei Wochen später war er tot.

Frauen, die nicht folgen Sie würde einen solchen Zapfen niemals entfernen, sagt Maria Kunz, vor solchen Sachen habe sie Respekt. Unmittelbar vor der Höll, rechter Hand, zog Maria Kunz ihre fünf Kinder alleine auf. Ihr Mann hatte sich das Leben genommen, als ihr Jüngstes 13 Monate alt war. Hier holt sie mich ab, um zu ihrer heutigen Heimat, höher und näher beim Himmel, einem Hof ganz oben am Grat, zu fahren. «Es ist viel ringer in die Höll zu kommen», weiss Maria. «Bis vor Kurzem gab es überhaupt keine Zufahrt zum Himmel.» Heute führt eine lotterige Strasse hoch, mit Vierradantrieb kommt man gar hinauf zum Himmel. Der Glauben lehrte Maria Kunz, das Schicksal anzunehmen, half ihr, nicht zu verzweifeln. Sie betet täglich, ist aktiv in der Lithurgiegruppe. «Aber mit Rom, tut mir leid, habe ich gar nichts am Hut.» Bei ihr läuft die Weihnachtsgeschichte anatomisch korrekt ab, ihre Maria hat bis Heilig Abend einen prallen Bauch. Zwei ihrer Grosskinder halfen ihr vergangene Weihnachten, die Krippe aufzustellen. Am 24. rief Marias hochschwangere Tochter enerviert an, die Mädchen gäben keine Ruhe – weshalb die Geburt Jesu vorzeitig eingeleitet wurde. Kurz darauf erblickte auch das Brüderchen von Marias Enkelinnen das Licht der Welt, und klein Jesus geriet ins Hintertreffen. Deshalb liegt der messianische

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Hergiswil vor sechs Jahren die Idee hatte, einen Sagenabend zu veranstalten, war der Fall klar. Ihren Nachkommen erzählte Maria die alten Napfsagen am liebsten an deren Schauplätzen. Eines ihrer Gottikinder konnte nachher nicht mehr schlafen, habe fast eine Therapie gebraucht, erzählt sie schelmisch grinsend. Die Geistergeschichten kennt sie von ihrer Mutter und Grossmutter sowie den alten Menschen im Altersheim, die sie zehn Jahre lang pflegte. Das Personal ist so gruslig wie ihre Geschichten schaurig: D Sträggele, ein verhuddeltes Weib, das keine Ruhe findet, nachdem ihr Kind verschwindet. Dr Dürscht, der mit seinem grossen schwarzen Hund untot über die smaragdgrünen Wälder fegt, rumpelt und chaibet, weil er an einem heiligen Quartembertag jagte. Auf Wunsch eines holden Burgfräuleins, das sich zu ihrem Namenstag einen Wildschweinbraten wünschte – auch sie sah man nach jenem Tag nimmer mehr. «Jehrejoh!» rufen die Alten, wenn Maria die Sagen jeweils im Heim liest. «Ob ihrs glaubt oder nicht, die hab ich gehört!» Des Nachts sitzt die Sagenerzählerin am Schreibtisch und schmiedet auf der Grundlage der Überlieferungen ihre Verse. Und macht sich so allerlei Reime. «Im Kern vieler Geschichten sind Frauen, die nicht folgten», sagt Maria Kunz. «Manne und Buebe? Nein, die machten nie etwas falsch.» In der Rohrmatt steht ein Kreuz, eingeprägt der Name einer verschollenen Kindbettnerin. Manche Sage berichtet von Frauen, die kurz nach der Niederkunft verschwanden. Nach der Geburt galten Frauen als unrein, durften das Haus nicht über die Dachstreife hinaus verlassen – denn der Teufel hatte Macht über sie, bis der Pfarrer sie ausgesegnet hatte. «Wenn dann eine trotzdem ging, da kam es vor, dass sie einfach verschwand.» Einige kehrten des Nachts zurück, um ihre Neugeborenen zu stillen. Andere sah man wandeln, bis man ihnen ein Helgenstöckli baute, dass ihre Seelen endlich Frieden fanden. Wenn Bergmannli Birnen sammeln «Als ich 1965 mein erstes Kind gebar», erzählt Maria fast vergnügt, «musste ich auch noch zum Aussegnen, ja, ja!» Sie habe dem Pfarrer aber zünftig Bescheid gemacht, was sie davon hält: Gar nichts. Die Kindbettnerinnen in den Sagen, nimmt Maria an, litten wohl an Wochenbettdepressionen und hätten sich umgebracht. «Und DAS hätte man damals sowieso niemals nach aussen getragen». Selbstmörder wurden nicht auf dem Friedhof beerdigt, sondern irgendwo verscharrt. Hinter den Sagen, glaubt Maria, versteckt sich so manch Unsagbares. Greisinnen berichten heute noch von Abtreibungen mit Eibentee und Peterlisamen. Viele der Frauen kamen nicht mehr zwäg, serbelten während Jahren. «Solches ist viel passiert. Viel mehr, als wir wissen.» GrossSURPRISE 218/10


Mittlerin zwischen den Welten: Grossmutter und Sagenerzählerin Maria Kunz in ihrem Haus zwischen Himmel und Höll.

bauern vergingen sich an den Mägden und nicht selten an ihren eigenen Kindern, «Ja, ja, Inzucht, ganz sicher!» Deshalb gab es Kleinwüchsige, Deformierte, Gestörte, und die hat man verstossen oder sicher niemandem gezeigt. Sie lebten im Versteckten, man bekam sie nie zu Gesicht. Maria erinnert sich selbst an solche Fälle. Weil sie auch etwas Anerkennung wollten, taten sie im Geheimen Gutes. Und die Bergmännli in den Sagen sind bekannt dafür, dass sie Dinge erledigen. Am Morgen sind vielleicht die Birnen aufgelesen. Der Hof gewischt. Die Sagen leben weiter. Am Sträggeletag, dem 21. Dezember, lassen viele Mütter ihre kleinen Töchter noch immer ungern aus dem Haus. Einige Zimmer im Napfgebiet werden nie betreten, rund um die Uhr brennt das Licht – die Geister von zwielichten Vorfahren sollen nicht entkommen. Oder auch die grossen schwarzen Strassenhunde, von denen Marias Vater schon erzählte: «Ich habe ihm das nie geglaubt.» Aber bei ihren Nachforschungen in den Archiven und in den Berichten der Alten entdeckte sie, dass viele Leute an den genau gleichen Stellen im hintersten Teil des Hübeli denselben Hund gesehen haben. «Heute würd’ ichs ihm glauben.» Die Geschichten ziehen Zuhörer unverändert ihren den Bann, Maria spricht von einem wahren Boom. Rund 50 Personen pro Abend hängen im Halbdunkel des Tearoom Thalmann in Hergiswil an den Lippen dieser kleinen, runden Frau, die so packend, im für Auswärtige streckenweise unverständlichen Dialekt des Luzerner Hinterlands gar strube Geschichten aufleben lässt. Wochen im Voraus sind ihre Dezember-Lesungen bis auf den letzten Platz ausgebucht, Monate gar jene in der Chrotthütte oben, wo ein begeistertes Publikum eng an eng den schauerlichen Reimen lauscht.

Von den höchsten Kämmen des Napfs reicht die Rundsicht über das Luzerner Hinterland und übers Emmental. Nachts kann man die Lichter des Jungfraujochs, des Stockhorns und jene des Weissensteins auf der vordersten Jurakette funkeln sehen. Maria ist glücklich hier, ein Kraftort sei der Napf, sagt sie mit Bestimmtheit auf der Talfahrt. «Ich habs den Engeln aufgetragen», meint sie in aller Ruhe, die Augen auf die

Hinter den Sagen verbirgt sich Unsagbares: Depressionen, Inzucht und Abtreibungen.

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von Schneegestöber verhüllte, mäandernde Bergstrasse geheftet. Sie meint den fehlenden Gegenverkehr und gluckst leise zufrieden. «Und für patente Parkplätze haben sie gleich mitgesorgt.» Die zwölffache Grossmutter hat den Fahrausweis erst seit wenigen Jahren und schätzt Gegenverkehr und enge Parkplätze nicht besonders. Auch für diese weltlichen Sorgen haben die Gestalten aus Maria Kunz’ Sagenwelt eine Lösung. ■

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UFO-Forschung «Ausserirdisches Leben ist die wahrscheinlichste Hypothese» Als unglücklich verliebter 16-Jähriger träumte sich Peter Creola von der Erde weg. Später doktorierte er über Weltraumrecht und vertrat die Schweiz bei der European Space Agency. Der richtige Mann für ein Gespräch über ein Stiefkind der Wissenschaft – die UFOs. MENA KOST (INTERVIEW) UND ANNETTE BOUTELLIER (BILDER)

Herr Creola, wir haben vor, uns ernsthaft über UFOs zu unterhalten. Geht das überhaupt? Ja, das geht schon. Haben wir uns damit in den Augen einer Mehrheit nicht bereits als unseriös erwiesen? Kommen Sie mir nicht mit der Mehrheit. Die Mehrheit der Menschen ist sehr denkfaul und ausserdem konservativ. Unkonventionelle Themen lehnt sie schnell ab. Gleichzeitig glauben die Leute an Gott oder sogar an ein Leben nach dem Tod. Das ist um einiges unwahrscheinlicher als die Existenz von UFOs. Trotzdem: Was würden Sie tun, wenn Sie morgen früh vor Ihrem Schlafzimmerfenster ein UFO sehen würden? Würden Sie damit an die Öffentlichkeit gehen und die Blickschlagzeile riskieren: «UFOPeter: Aliens schauten in mein Schlafzimmer»? Wenn die Sichtung konkret genug wäre, würde ich es sogar als meine Pflicht empfinden, das zu melden. Denn einerseits sind UFO-Sichtungen, die wissenschaftlich nicht erklärbar sind, sehr zahlreich. Andererseits gibt es noch immer zu wenig offizielle Wissenschaftler, die das UFO-Phänomen im grossen Stil erforschen. Wenn die Wissenschaft die Scheu vor diesem Thema nicht verliert, überlässt sie dieses Feld kampflos irgendwelchen Scharlatanen. Und gerade auf diesem Gebiet gibt es sehr viele Spinner.

wurde mein Hobby. 1967 habe ich dann meine Dissertation über Weltraumrecht geschrieben. Und ein Jahr später kam ich nach Bern und war ab dann, in verschiedensten Funktionen, der Weltraumspezialist der Schweizer Regierung. Das mit den UFOs ist irgendwann ganz von alleine dazugekommen. Sie waren bis 2002 Leiter des Büros für Weltraumangelegenheiten, sind ehemaliger Delegierter der Schweiz bei der europäischen Weltraumorganisation ESA – und immer wieder plädierten Sie auch öffentlich für eine wissenschaftliche Untersuchung des UFO-Phänomens. Was für Reaktionen lösten Sie damit aus? Ich wurde nicht verfemt, falls Sie das meinen. Ich bin im Gegenteil durchaus auf Wohlwollen gestossen. Wissenschaftler, die in den klassischen Naturwissenschaften oder der Weltraumforschung zu Hause sind, haben zum Glück weniger Berührungsängste mit dem Thema als noch vor ein paar Jahrzehnten. Allerdings hat die wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens in letzter Zeit nicht gerade für Schlagzeilen gesorgt … Weil für die Erforschung dieses Gebiets kein Geld gesprochen wird. Natürlich kann jede Forscherin oder jeder Forscher sagen: «So, jetzt mache ich einen Forschungsantrag an den Nationalfonds zur Aufarbeitung der Schweizer UFO-Dossiers.» Aber ob er genehmigt wird, ist eine andere Frage. In den Entscheidungsgremien sitzen Leute, die finden, wir hätten jetzt wirklich Dringenderes zu tun. Zum Beispiel die Klärung der Frage, wieso der Borkenkäfer schon wieder von Graubünden ins Veltlin abgewandert ist.

Können wir uns darauf einigen, dass ein UFO ein Objekt ist, das Wie könnte seriöse UFO-Forschung denn aussehen? fliegt und ausserdem nicht identifizierbar ist? So, wie sie etwa GEIPAN, eine Untergruppe der französischen RaumJa. Ein UFO zu sehen, bedeutet nicht automatisch, etwas Ausserirdifahrtsbehörde CNES, betreibt. Man baut ein Informationsnetz auf, samsches zu sehen. Sondern etwas, von dem wir nicht wissen, was es ist und woher es kommt. Bedeutet: Das Gesehene kann weder mit meteorologischen noch mit «Die Ariane 5 funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie irgendwelchen anderen irdischen Phänomedie chinesischen Feuerwerksraketen vor 2000 Jahren.» nen – Höhenmessungsballonen, Zeppelinen, Sternschnuppen, abstürzenden Satelliten und melt und überprüft Sichtungsberichte, Radaraufzeichnungen und Lanso weiter – erklärt werden. despuren und wertet diese aus. So finden sich Gemeinsamkeiten wie zum Beispiel klassische Aspekte einer UFO-Sichtung: Ein UFO macht Wann haben Sie begonnen, sich für UFOs zu interessieren? keinen oder wenig Lärm, es kann von irgendwo aus starten, Manöver Mit 16 war ich sehr unglücklich verliebt und alles, was eine Flucht von fliegen, die wir mit unseren physikalischen Gesetzen nicht erklären könder Erde war, hat mich interessiert. Damals ging gerade die Raumfahrt nen und in kürzester Zeit unglaubliche Geschwindigkeiten erreichen, los, mit Sputnik 1 und so, und die Beschäftigung mit der Raumfahrt SURPRISE 218/10

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die es ermÜglichen wßrden, interstellare Distanzen – also zumindest ein paar Lichtjahre – zu ßberwinden. Was erhoffen Sie sich von einer offiziellen wissenschaftlichen Erforschung des UFO-Phänomens? Ein Antrieb, wie ihn UFOs zu haben scheinen, ist der Traum von jedem, der mit Luft- oder Raumfahrt zu tun hat. Eine solche Technologie bräuchten wir dringend. Wenn davon die Rede ist, dass technologischer Fortschritt die Luftfahrt Ükologischer werden lässt, ist das nur Geschwätz. Es dreht sich dabei um Einsparungen von wenigen Prozent im Treibstoffverbrauch oder im Stickstoffausstoss. Der Luftfahrtbetrieb als Ganzes wird trotzdem weiter wachsen, ist enorm Energie fressend und legt Lärmteppiche ßber ganze Gebiete. Die Raumfahrt ihrerseits funktioniert immer noch mit Raketen. Die Ariane 5, eine europäische Trägerrakete und eine der modernsten der Welt, funktioniert immer noch nach dem gleichen Prinzip wie die chinesischen Feuerwerksraketen vor 2000 Jahren. Unsere Technik ist fßrchterlich primitiv ‌

falls eine 1999 vom franzÜsischen Militär verÜffentlichte Studie namens Cometa Report. Diese untersuchte die erstaunlichsten und bestdokumentierten UFO-Sichtungen und kam zu dem Schluss, dass die ausserirdische Hypothese die wahrscheinlichste Erklärung darstellt. In der Wissenschaft ist das quasi eine konservative Annahme. Sie gehen davon aus, dass das Vorhandensein von Leben anderswo im Universum wahrscheinlich ist? In den letzten Jahren hat sich die Chance auf extraterrestrisches Leben laufend vergrÜssert. Man weiss, dass es im Weltraum ßberall komplexe

ÂŤVielleicht sind wir fĂźr Ausserirdische die Dorftrottel des Universums.Âť

Sie haben einmal gesagt, dass etwa 95 Prozent der UFO-Sichtungen mit konventionellen Himmelserscheinungen erklärt werden kÜnnten. Wie geht die Wissenschaft mit den unerklärlichen fßnf Prozent um? Am Ende eines Berichts ßber eine unerklärliche Sichtung stehen natßrlich nicht Dinge wie: Es handelte sich offensichtlich um ein UFO des Planeten Aldebaran 15 c. Trotzdem, wenn alle Ursachen terrestrischen Ursprungs ausgeschlossen werden kÜnnen, dann kann man schon zum Schluss kommen, dass es sich am ehesten um ein extraterrestrisches Phänomen gehandelt haben muss. Zu diesem Ergebnis kommt jedenAnzeige:

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organische Molekßle gibt. Und Wasser – sogar in unserem Sonnensystem. Auf der Erde selber hat sich das Leben ja in extremsten Umgebungen entwickelt und gehalten: In der Tiefsee neben 100 Grad warmen Vulkanquellen, in der Antarktis oder der Stratosphäre. Es wäre also geradezu merkwßrdig, wenn das anderswo nicht auch passieren wßrde. Bisher hat man aber keine zweite Erde gefunden. Der Schritt von Leben an sich, also beispielsweise einzelligem Leben, bis zum Menschen ist gigantisch. Es kÜnnen im Lauf einer solchen Entwicklung auf einem Planeten sehr viele Sachen passieren, die zu einem Ende dieser Entwicklung fßhren. Die Wahrscheinlichkeit, rein zufällig ßber eine Zivilisation zu stolpern, die Technologie anwendet, ist demnach nicht besonders gross. Bis zum Beweis des Gegenteils ist die Erde im bekannten Universum der einzige Ort, wo das Universum ßber sich selber nachdenkt. Es ist doch eine verrßckte Sache, dass man mit dem Menschenhirn gedanklich bis zum Ursprung des uns bekannten Universums kommt, bis zum Urknall. Und dass man die grossen Fragen anpackt: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wie entstand das Leben? Wie wird es sich weiter entwickeln? All das. Es wäre doch eine ungeheure Beruhigung und Freude, wenn man nur einen einzigen Ort kennen wßrde, wo man sich ähnliche Fragen stellt. Ist es nicht vielleicht dieser starke Wunsch, der der Beschäftigung mit UFOs ihren zweifelhaften Ruf beschert? Die UFO-Forschung basiert ja schlussendlich auf Augenzeugenberichten. Ja, aber nicht nur. Auch Bodenproben, Film- und Radaraufnahmen und so weiter fliessen ein. Was das Wunschdenken betrifft: Viele Augenzeugen stammen aus dem recht illusionsarmen Militär-, Raumfahrt-, Flieger- oder Regierungsumfeld. An einer Pressekonferenz im November 2007 im National Press Club in Washington etwa forderten ehemalige hochrangige Militärs und Regierungsleute aus der ganzen Welt die USA dazu auf, die offiziell in den 60er-Jahren eingestellten UFO-Untersuchungen wieder aufzunehmen. Sie alle haben eine unerklärliche UFOSichtung gemacht und beschreiben sie im Detail. Ich mÜchte wissen, was fßr Gefährte sie gesehen haben, oder dann, wieso sich derart viele seriÜse Leute in eine solche Geschichte hineinsteigern. Auch die Apollo-Astronauten Ed Mitchell und Buzz Aldrin sagen ßbrigens beide offen, dass sie auf ihren Flßgen seltsame Dinge gesehen hätten und angehalten worden seien, auf keinen Fall darßber zu sprechen.

Warum berichten viele ehemalige Militärs, Regierungsleute oder Piloten erst nach der Pensionierung ßber ihre Erlebnisse mit unidentifizierten Flugobjekten? Wenn ein Pilot beim Briefing fßr einen Einsatz zur Tßr hereinkommt und erzählt, er habe gestern ein UFO gesehen, es sei orange gewesen WWWHAUSVEREINCH und im Garten der Grossmutter gelandet, dann kommt das nicht gut an. Der Stolz des Heimbesitzers: Sven Unold vor seinem Wohnwagen mit selbst gebautem Vorbau.

*ETZTBEITRETEN

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Peter Creola: «Bis zum Beweis das Gegenteils, ist die Erde der einzige Ort, wo das Universum über sich selber nachdenkt.»

Es ist die Angst, für nicht zurechnungsfähig angesehen zu werden. Kein Pilot kann sich das leisten. Eine Ausnahme ereignete sich allerdings während der UFO-Welle über Belgien. In den Jahren 1989 und 1990 wurden dort derart viele dreiecksförmige Flugobjekte von Tausenden von Zeugen gesehen und mit Radar erfasst, dass die Luftstreitkräfte zum Schluss in Pressekonferenzen bekannt gaben, dass sie keine Erklärung für diese Sichtungen finden können. Trotzdem, eine besonders spektakuläre Zusammenkunft zwischen UFO und Mensch fehlt bisher. Wer weiss, vielleicht haben die Ausserirdischen ja den Eindruck, wir seien eine zu gefährliche Art, als dass man sich mit uns abgeben sollte. Oder wir sind die Dorftrottel des Universums … In den USA will die Obama-Administration nun bei einigen UFO-Akten die Geheimhaltung aufheben. Hat man die Dossiers ausgewertet und für uninteressant befunden? Uninteressant sind diese Akten auf keinen Fall. Aber aus vielen geht tatsächlich hervor, dass das Militär einen Vorfall mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln untersuchte, zu keiner Erklärung kam und die Untersuchung irgendwann einstellte. Fazit: Keine Gefahr für die nationale Sicherheit. Was wissen Sie über UFO-Berichte und -Erforschung in der Schweiz? Unter dem Chef des Nachrichtendiensts Flieger- und Fliegerabwehr Rolf Lécher wurde von 1971 an ein UFO-Dossier geführt. 1988 wurde es mit der Begründung geschlossen, dass von diesem Phänomen keine Bedrohung für die nationale Sicherheit ausgehe. Ich habe dafür auch Verständnis, es ist nicht die Aufgabe der Luftwaffe. So richtig bösartig war bisher nun mal kein UFO. Heute ist das Dossier deklassifiziert und meiStatt im Vorzeltgibt kochtesPeli Fischer diesen Winter im Bauwagen. nes Wissens hierzulande keine offizielle UFO-Forschung mehr. SURPRISE 218/10

Für das Militär scheint das Thema vor allem eine sicherheitspolitische Dimension zu haben. Was würde der Beweis von UFOs – oder gar extraterrestrischer Intelligenz – für Politik und Gesellschaft bedeuten? Noch haben wir keinen Beweis dafür, dass es anderswo gelungen ist, eine Zivilisation auf unserem Niveau zu erreichen. Es wäre sehr ermutigend, auf eine zu stossen, die bereits längere Zeit zu überleben vermochte. Und demnach nicht zu dumm war, Probleme zu lösen, die sie zu schaffen gescheit genug gewesen war. Das würde bedeuten, dass uns das ebenfalls gelingen könnte. Wenn wir keinen Beweis für eine extraterrestrische Intelligenz finden, liegt der Schluss nahe, dass eine technisch hoch entwickelte Zivilisation und gleichzeitig längerfristiges Überleben unvereinbar sind. ■

Zur Person: Peter Creola, geboren 1940, absolvierte sein Studium an der Juristischen Fakultät in Zürich und schrieb seine Doktorarbeit über Weltraumrecht. Ab 1968 war er in verschiedensten Funktionen Weltraumspezialist der Schweizer Regierung und ab 1971 Chef-Delegierter der Schweiz bei der European Space Agency (ESA). Von 1998 bis zu seiner Pensionierung 2002 leitete er das Eidgenössische Büro für Weltraumangelegenheiten. Peter Creola lebt mit seiner Frau in Bern.

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BILD: ISTOCKPHOTO

Sounddesign Schöne neue Klangwelt Vom Handy bis zum Automotor, vom Computer bis zur Ansage im Zug: Die Geräuschkulisse unseres Alltags wird zunehmend bewusst und absichtsvoll kreiert. Die gezielt eingesetzten Sounds sollen Wohlbefinden und Konsumfreude fördern – und zwar möglichst unbemerkt. VON TARA HILL

Es ist noch nicht lange her, da kündete ein nervtötendes Piepsen den Empfang einer SMS an. Tempi passati: Heute flötet das Handy sanft, wenn eine Nachricht eintrifft. Kein Zufall: Denn hinter den ganz normalen Alltagsgeräuschen steckt immer öfter eine aufwändige Marketingstrategie. Vom Betriebssystem des PCs über die hintergrundberieselung im Supermarkt, von der Warteschlaufe der Telefon-Hotline bis hin zur automatischen Begrüssung im Zug: Der Ton-Teppich, der uns täglich begleitet, wird zunehmend von Agenturen entworfen, die per Sounddesign direkt auf die Emotionen des Publikums zielen.

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Sounddesign oder Audio Branding nennt sich dieser rasch wachsende Markt, der Tonfolgen in «Brands» verwandelt. Einige dieser Klangmarken erkennt man sofort wieder: So etwa das allgegenwärtige NokiaMotiv, dem jeder Schweizer in Büro, Tram oder Restaurant mehrmals täglich begegnet. Die meisten Designer-Töne arbeiten aber auf einer subtileren unterbewussten Ebene. Ziel des kommerziellen Sounddesigns ist es, beim Hörer angenehme Gefühle auszulösen – und ihn damit im Idealfall als Kunden an sich zu binden. «Ein guter Sound trifft uns ins Herz. Er erzeugt Gänsehaut, ruft spezifische Stimmungen und Bilder hervor», ist Rainer Hirt überzeugt. Mit seiner Agentur für Audio Branding beackert er ein weites Feld: «Wir sind zuständig für alle akuSURPRISE 218/10


stischen Elemente eines Unternehmens und für alle Kanäle, über die Klänge verbreitet werden.» Mit nur 30 Jahren gilt der Quereinsteiger, ein ehemaliger Schreinerlehrling aus Konstanz, als Koryphäe auf dem Gebiet des Corporate Sound, hat zwei Bücher und mehrere Studien zum Thema veröffentlicht und spricht an Kongressen auf der ganzen Welt. «Als ich angefangen habe, waren wir eine weitverstreute, kleine Gruppe von Spinnern», bilanziert Hirt schmunzelnd seine steile Karriere: «In den letzten fünf Jahren hat sich Sounddesign aber rasant zu einer eigenständigen Branche entwickelt. Ich bin selber erstaunt, auf welchem Level wir uns mittlerweile befinden.» Maschinenmusik für Fabrikarbeiter In der Schweiz gehört Lukas Bernays’ Zürcher Firma Audio Relation zu den Pionieren im Bereich Audio Branding. Der ehemalige Kulturmanager und PR-Experte war etwa für den Sound von Swisscom zuständig, einer der ersten Schweizer Konzerne, der das Potenzial der Klanggestaltung entdeckte. Dennoch stehe sein Business noch ganz am Anfang, meint Bernays: «Bisher verwende ich noch einen Grossteil meiner Zeit für Überzeugungsarbeit. Aber der Markt wächst. Ich glaube, in den nächsten Jahren wird die Klanggestaltung eine immer grössere Rolle spielen.» Ursprünglich stammt der Begriff Sounddesign aus der Filmmusik. Gemeint ist damit weniger der Soundtrack, sondern die Nachvertonung eines Films mit spezifischen Geräuschen. Wenn im Kino eine Tür zugeschlagen wird, ist dabei selten der Originalton zu hören – das eigentliche Geräusch wäre meistens zu unauffällig. Stattdessen bewirken Sounddesigner mit spezifischen Geräuschen, dass die Tür – passend zur erzählten Geschichte – beruhigend zuschnappt oder unheimlich ins Schloss fällt. Früher waren diese Effekte aufwendig und teuer, denn ein Grossteil wurde von Studioorchestern live eingespielt. Erst mit dem Siegeszug von Synthesizer und Computer erwies sich Sounddesign auch für Fernsehen und Werbung als erschwinglich. Mittlerweile sind die findigen Klangtüftler dank der Allgegenwart des Computers überall zu finden: «Im Unterschied zu Musikern und Künstlern steht bei uns die Funktion klar im Vordergrund», bringt der Basler Sounddesigner Knut Jensen seine Arbeit auf den Punkt. Jensen vertont nicht nur Filme, sondern kreiert auch Tonspuren für Museen, Ausstellungen – oder Unternehmen. Er berät die SBB und Novartis, für die er in ihren Produktionsstätten neue Warntöne entwarf: Statt die Arbeiter mit Störgeräuschen zu drangsalieren, entwarf er ein Konzept, dass die Maschinen Musik spielen liess. Im Zuge der digitalen Revolution wächst der Bedarf an künstlich hergestellten Klängen rasant. Wenig überraschend, übernehmen dabei ITKonzerne und Telekommunikationsunternehmen eine Pionierrolle: Denn die Schreibmaschinen von früher ratterten noch mechanisch, heutzutage werden alle Klänge der modernen Kommunikationsmittel digital kreiert. «Firmen wie Microsoft, Intel oder Nokia erkannten als erste, dass man durch gezielte Klänge eine Identifikation des Kunden mit dem Produkt und dem Unternehmen bewirken kann», erklärt Sounddesigner Lukas Bernays von Audio Relation.

werden zuerst intuitiv wahrgenommen und wirken deshalb viel stärker aufs Unbewusste», fasst Bernays das Potenzial seines Arbeitsgebiets, der sogenannten «Psychoakustik», zusammen. Diese will für das Unternehmen einen «psychologischen Mehrwert» auf allen Ebenen schaffen: Der Corporate Sound transportiert dabei Identität, Werte und Unternehmensziele, Audiologos sorgen mit kurzen Tonabfolgen für einen hohen Wiedererkennungseffekt der Marke, und für die spezifischen Geräusche einzelner Produkte wird ein sogenannter Product Sound entworfen. Wie aber findet man heraus, wie ein Unternehmen klingen soll? Dafür arbeiten Bernays und sein deutscher Berufskollege Hirt mit Produktdesignern und Psychologen, bedienen sich sowohl der Erkenntnisse der Musikwissenschaft als auch der Marktforschung. Dementsprechend aufwendig ist die Erarbeitung des Corporate Sound für ein Unternehmen: Bis ein umfassender akustischer Auftritt fertig ist, kann es bis zu

Laute, aggressive Tonfolgen wirken auf die Kundschaft kontraproduktiv.

Der Klang «meiner» Firma Es ist dieser ganzheitliche Anspruch, der den Quantensprung im Sounddesign auslöste und den Boom der noch jungen Branche ermöglichte: Jeder Klang, so die Erkenntnis, trägt zur Kundenbindung bei. So etwa bei Apple. Der Konzern, der puncto Design weltweit als führend gilt, legt höchsten Wert auf audiovisuelle Ästhetik: Vom Knacken des iPod-Scrollers bis zur Begleitmusik des Webauftritts sind sämtliche Komponenten aufeinander abgestimmt. «Bis vor Kurzem war die Corporate Identity eines Unternehmens rein visuell ausgerichtet: Man feilte an Logos und Schriftzügen, auf den Produkt- und Markensound wurde aber kaum geachtet. Dabei fliesst hier alles zusammen: Denn Klänge SURPRISE 218/10

zwei Jahre dauern. Frei nach dem Motto «Lass mich hören, wie du klingst, und ich sage dir, wer Du bist» muss die Chefetage zunächst die strategischen Ziele sowie Werte und Inhalte definieren. «Typischerweise wollen Unternehmen für Innovation und Qualität stehen», erklärt Bernays. In Workshops mit Soundparcours werden anschliessend verschiedene Tonfolgen getestet, Klangfarben und Rhythmen zur Auswahl gestellt, die fröhlich oder wagemutig, entspannt oder dynamisch klingen sollen. Im Klanglabor entwirft Audio Relation daraufhin eine Palette passender Töne, woraus die «Sound-DNA» einer Firma destilliert wird. Bevor man den neuen Corporate Sound auf Kunden loslässt, testen Marktforscher die Wirkung: Intuitiv verständlich soll der resultierende Markenklang sein, einen Wohlfühleffekt schaffen, der seine Hörer an die Firma bindet. Eine Art Psychohygiene Dass diese schöne neue Klangwelt, eine Art Photoshop für die Ohren, vor allem auf eine Manipulation des menschlichen Gehirns zielt, weisen sowohl Bernays wie Hirt von sich. «Natürlich versuchen wir, die Kunden positiv zu beeinflussen», gibt Branchenpionier Rainer Hirt zu: «Aber das versuchen Werbung und Produktdesign seit jeher. Wir gestalten bloss den akustischen Auftritt. Es ist ähnlich wie bei Schmuck oder Kosmetik. Wir verschönern ein Produkt oder ein Unternehmen akustisch. Doch schlussendlich muss es als Ganzes überzeugen.» Dass Sounddesign Unbehagen weckt, kann Hirt aber verstehen: «Wir haben eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung. Geräusche können negative Gefühle auslösen, wie das Beispiel Klingeltöne beweist.» Auch Bernays kritisiert selbst den wachsenden Dschungel an digitalen Geräuschen: «Dieser Soundterror aus schrillen und penetranten Tönen ist tatsächlich ein Problem.» Zurzeit wachse alledings die Erkenntnis, dass laute, aggressive Tonfolgen auf die Kunden oft kontraproduktiv wirken. Sounddesign ist für Bernays daher nicht das Problem, sondern die Lösung: «Gutes Design wirkt wie eine Art Psychohygiene», ist er überzeugt. Wo das nervtötende Piepsen in Handys oder Liften durch ein sanftes «Pling» ersetzt werde, wo ausgewählte Klangteppiche bei Telefon-Hotlines an die Stelle kitschiger Panflöten träten, also überall wo Firmen in die Qualität ihres Sounds investierten, nehme die Lärmverschmutzung ab – die Kakophonie verwandelt sich in Wohlklang. «Und wenn die Welt besser tönt, haben wir alle etwas davon», so Bernays’ Fazit. Denn optimales Sounddesign, da sind sich Bernays und Hirt, Neecke und Jensen einig, könne schliesslich auch die Abwesenheit von Tönen bedeuten, also: Stille. ■

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BILD: ANDREA GANZ

Le mot noir Eingeschneit Kürzlich in den Bergen. Seit Stunden fällt draussen Schnee. Maggie zündet in der Hütte ein Kaminfeuer an. «Ist doch romantisch!», grinst mich Roger an. «Mhm», versuche ich ein Lächeln und rühre mit klammen Fingern in einem Kessel Punsch. Maggie und ich sind hier, um unseren Kumpel von seinem Liebeskummer abzulenken. «Ich vermisse sie», starrt Roger später ins Feuer und meint damit seine Freundin, die ihn verlassen hat, weil er sie nie heiraten wollte. «Ich habe sie mein ganzes Leben lang geliebt.» Maggie und ich sehen uns schweigend an. Der Hund liegt vor dem Feuer und starrt ungerührt in die züngelnden Scheite. «Ich kann einfach nie glücklich werden. Wahrscheinlich bin ich wie dieser Mister Rochester, der vor Kummer geplagt durch Thornfield wankt.» «Übertreibst du da nicht ein bisschen», versuche ich ein

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Grinsen. «Aber der kriegt am Schluss doch seine Jane Eyre und alles ist in Butter!», wirft Maggie ein. «Ja, und sonst gibt es andere Frauen.» Roger sieht mich schweigend an und schüttelt den Kopf. «Du bist so was von unromantisch», rügt er mich. «Stimmt gar nicht! Ich finde diese Liebesromane nur übertrieben. Für mich wäre weniger mehr.» «Weniger Liebe?» «Weniger Drama. Ich mein, da stolpert ständig einer durch meterhohen Schnee und ruft nach seiner Geliebten. Können die sich nicht einfach verabreden? Und was soll das, dass die nie voneinander los kommen? Das ist doch ungesund. Warum nicht loslassen und sehen, was passiert? Vielleicht sterben die dann gar nicht mehr an gebrochenem Herzen?» «Okay, du bist unromantisch», gibt Maggie Roger recht. «Welche Frau will denn keinen Mann, der sie auf Händen trägt?» «Welche Frau hat denn keine Füsse?», kontere ich und muss lachen. Aber Rogers Laune verschlechtert sich: «Ich ruf mal den Wetterdienst an.» Draussen liegt mittlerweile ziemlich viel Schnee. Maggie liegt in eine Decke gewickelt auf der Pritsche. Ich schöpfe mir aus dem Kessel ein Glas Punsch. «Meinst du, er hängt wirklich an dieser Frau?», fragt sie langsam. «Deswegen sind wir doch hier», überlege ich. «Ich weiss nicht. Irgendwas stimmt da nicht. Warum wollte er sie eigentlich nie heiraten?», überlegt Maggie weiter. «Keine Ahnung, viel-

leicht ist er einfach nicht der Typ?», sinniere ich. «Er ist aber der Superromantiker!» «Das Leben ist eben kompliziert», weiche ich aus. Roger kommt grimmig zurück. «Die Strasse ist dicht. Sieht aus, als müsstet ihr bleiben.» «Okay…», linse ich zu Maggie, die mit ihren Gedanken irgendwo anders ist. Die Hitze des Feuers hat sich mittlerweile bleiern im Raum ausgebreitet. Ich gehe ans Fenster. Mit der Hand wische ich ein Guckloch frei. Draussen ist es stockdunkel. «Wir brauchen noch Holz», murmelt Roger und ist weg. «Dieser Rochester …», starrt Maggie lange ins Feuer, während der Hund friedlich pennt, «… der gibt doch erst vor, eine andere zu wollen als Jane?» «Ähm, schon möglich?», sage ich mulmig. «Du bist hier die Romantikerin.» In der Stille des Schnees hören wir Roger Holz hacken. «Lies den verdammten Schmöker», knurrt Maggie nach einer langen Weile den Hund an. «Dann weißt du, wer diese Jane Eyre wirklich ist.»

DELIA LENOIR (LENOIR@HAPPYSHRIMP.CH) ILLUSTRATION: IRENE MEIER (IRENEMEI@GMX.CH) SURPRISE 218/10


Geschichte Ein einig Volk von Milchtrinkern Die alten Eidgenossen konsumierten wesentlich mehr Wein als Milch. Wann und wieso sich das änderte, zeigt die Ausstellung «Durstlöscher» in Schwyz. Hinter Flaschen und Fässern eröffnen sich faszinierende Einblicke in die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Schweiz.

Die Schweizer sind ein Volk von Milchtrinkern – in praktisch jedem Haushalt findet sich das weisse Nass. Doch das war nicht immer so. Bis ins 19. Jahrhundert hinein betrachteten Mediziner Milch als schwerverdaulich und empfahlen sie nur für Kinder und Kranke. Als Alltagsgetränk kannte man sie nur dort, wo Viehzucht betrieben wurde, denn in der Epoche vor der Eisenbahn verdarb das Naturprodukt schon während des Transports zum Endverbraucher. Doch nicht nur mit der Verteilung haperte es – auch reichte die produzierte Menge bei weitem nicht aus, um jedem seine tägliche Milchration zu ermöglichen. Das änderte sich, als der Getreideanbau in der Schweiz nicht mehr rentierte, weil ab 1850 zunehmend billigeres ausländisches Getreide importiert wurde. Die Anbaufläche ging bis zum Ersten Weltkrieg um zwei Drittel zurück, im Gegenzug erlebte die Milchwirtschaft einen Aufschwung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag der Pro-Kopf-Konsum bei einem halben Liter täglich. Zwischen Weinfässern, Wirtshausschildern und Werbeplakaten taucht man ein in technik- und wirtschaftshistorische Zusammenhänge sowie in die Design- und Werbegeschichte der Schweiz. Mitten im Ausstellungsraum steht eine Säule, die einzig und allein der Ovomaltine gewidmet ist. Originaldosen aus über hundert Jahren reihen sich aneinander, während auf einem Bildschirm Ovomaltine-Werbungen laufen. Hier wird die Beschäftigung mit einem Nahrungsmittel auch zur Kulturgeschichte: Die erste Reklame, die im Schweizer Fernsehen 1965 zu sehen war, warb für – Ovo. Die teilweise etwas frivole Fernsehwerbung bildet einen interessanten Kontrast zur betont sachlichen Gestaltung der Dosen. Als «Kraft-Nährmittel» wurde die Ovomaltine auf den Markt gebracht. Heute lautet die Produktinformation schlicht: «Hochwertiges Aufbaugetränk». Nun wurde und wird in der Schweiz beileibe nicht nur Milch und Ovo konsumiert. Ein grosser Teil der Ausstellung widmet sich alkoholischen Getränken, insbesondere dem Wein. Unter dem Ancien Régime lag der Verbrauch pro Tag und Person bei gut einem halben Liter. Allerdings muss man dazu wissen, dass Wein in vorindustrieller Zeit gegenüber dem damals nicht immer sauberen Wasser den Vorteil hatte, dass er haltbarer und nahrhafter war. Und so gehörte er lange auch zur Soldatenverpflegung, wie das Lehrbuch für die Sanitätsmannschaft der Schweizerischen Armee von 1883 überliefert: «Wein und Bier von guter Qualität und in kleiner Menge genossen, beleben und stärken die Nerven; diese Getränke sind nützlich und wohltuend, besonders während ermüdenden und anhaltenden Arbeiten.» Passenderweise lautet die Überschrift dieses Kapitels «Das Jahrhundert des Alkohols». Wie der Alkohol im Zuge der fortschreitenden Arbeitsteilung mehr und mehr aus dem Berufsleben zurückgedrängt wurde und schliesslich auch im Privaten zurückhaltender konsumiert wurde, ist in der Ausstellung ebenfalls dargestellt. In zwei kompakten Sälen versammelt «DurstSURPRISE 218/10

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VON RETO ASCHWANDEN

Ein «Kraft-Nährmittel» als nationale Ikone: die Ovo.

löscher» eine Vielzahl von Informationen und Artefakten: Originalbilder mit Trinkszenen, Brunnensäulen, Glaspokale und Feldflaschen. Schade ist der Verzicht auf interaktive Elemente – gerade bei zeitgenössischen Getränken wie Isostar, Pepita und Alcopops wären Bild- und Tondokumente zum Selbststudium bestimmt aufschlussreich. Zu Interaktion nach althergebrachter Art lädt zum Schluss der Ausstellung eine nachgebaute Beiz, in der angemeldete Gruppen einen Kirsch oder einen Absinth aus der Region kosten können. Das Inventar stammt aus der 2006 geschlossenen Zürcher Quartierkneipe «Seebahn». Und auf einmal wechselt die Perspektive von der Vergangenheit in die Zukunft. Noch sieht es in vielen Quartierspunten genauso aus, schon bald aber werden nikotinverfärbte Fotos und rauchgeschwärzte Bilderrahmen nur noch in Museen anzutreffen sein. ■ «Durstlöscher», Forum Schweizer Geschichte Schwyz, bis 7. März, Di bis So, 10 bis 17 Uhr. www.forumschwyz.ch

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Kulturtipps

Maskottchen-Geburtstag: Mecki wird 60.

Kinderbuch Aussen Stacheln, innen Herz In den 50er-Jahren eroberte ein pfiffiger Igel die Herzen von Gross und Klein: Mecki, das Maskottchen der deutschen Fernsehzeitschrift «Hörzu». Jetzt, kurz nach ihrem 60. Geburtstag, feiert die stachlige Kultfigur ein fröhliches Comeback.

Erhebend oder erdrückend: das Goetheanum.

Kino Steinerschüler im Swingerklub Boxen, Melken, Eurythmie: Ein Dokfilm liefert Einblick in Denken und Handeln von Anthroposophen.

VON CHRISTOPHER ZIMMER

VON MICHÈLE FALLER

1949 hatte Mecki seinen ersten Auftritt auf der Titelseite der TV-Zeitschrift «Hörzu». Bereits 1951 erschien das erste ganzseitige Abenteuer, ab 1953 wöchentlich und in spannenden Fortsetzungsgeschichten. Die prägenden Zeichner der 50er und 60er waren Reinhold Escher und Professor Wilhelm Petersen. Diese gestalteten auch die Bilderbücher, die zwischen 1952 und 1964 dazukamen und inzwischen Kinderbuch-Klassiker sind. Escher und Petersen waren es auch, die dem Titelhelden und seiner treusorgenden Micki zahlreiche Figuren zur Seite stellten: den cholerischen Charly Pinguin, den Schrat, die ewige Schlafmütze, die drolligen Goldhamsterchen und viele mehr. Mecki avancierte rasch zu einer der beliebtesten deutschen Comicserien. Die gute Laune und der unerschütterliche Optimismus des hemdsärmeligen Igels passten bestens in das deutsche Wirtschaftswunder. Fantasie, Witz und der Märchencharakter trugen dazu bei, dass Mecki mehr war als nur ein Füller zwischen den TV-Programmen. Auch das Merchandising blühte: Artikel wie die Mecki-Fernseh-Lampe oder die Steiff-Puppe liessen die Kasse klingeln. Zum 60. Geburtstag von Mecki & Co. erschien der Jahrgang 1959 – das Jahr, in dem die Bilder durchgängig farbig wurde – als Reprint. Der Band enthält ein aufschlussreiches Vorwort, das in die Mecki-Welt und ihre Entstehungsgeschichte einführt – mit dem Hinweis, dass es sich um ein zeithistorisches und zeitbedingtes Produkt handelt. Wie bei Hergés Tintin ist auch bei Mecki manches mit kritischen Augen zu sehen. Das aber schmälert nicht das Lesevergnügen. Und so kann man sich getrost darauf einlassen, mit Mecki und seinen Gefährten etwa auf die Südseeinsel Luki-Luki zu fahren und dort spannende und kunterbunte Abenteuer zu bestehen. Weitere Jahrgänge sollen folgen, und auch die Bilderbücher werden seit 2008 wieder aufgelegt. Ein Glück – nicht nur für ergraute Mecki-Fans!

Ein weisshaariger Mann, der mit flatternden Gewändern zu Beethovens «Adagio Cantabile» tanzt, ein Glatzkopf, der auf einen Boxsack eindrischt, eine Lehrerin an der Steinerschule, die mit sanfter Stimme von der ersten Begegnung mit ihren Schützlingen erzählt, und ein Opernsänger, der sich mit Kopfschütteln und leisem Schaudern daran erinnert, wie er jahrelang täglich den Morgenspruch «Ich schaue in die Welt» runterbetete. Sieben Menschen, eine Gemeinsamkeit: die Anthroposophie. Christian Labharts Dokumentarfilm «Zwischen Himmel und Erde» beginnt vielversprechend. Der Regisseur spart sich in seinem klar aufgebauten Film jeden expliziten Kommentar und zeichnet sehr persönliche, aber nie voyeuristische Porträts seiner Protagonisten. Dass Anthroposoph nicht gleich Anthroposoph ist, zeigt sich etwa im Gegensatz zwischen dem zuweilen etwas fanatisch wirkenden Hobby-Boxer, Swingerklub-Gänger und selbsternannten Missionar Sebastian Gronbach und dem völlig gelassenen Biobauer Martin Ott, der das morgendliche Melken als Tempeldienst betrachtet. Der Film bietet Einblicke in den anthroposophischen Wirtschaftsbetrieb Sekem in Ägypten sowie in die Gedankenwelt des Goetheanum-Vorstehers Bodo von Plato, der sich kritisch über die Gefahr des Sektiererischen äussert, das allem Anthroposophischen anhafte. Und man erfährt, dass niemand Rudolf Steiner als Guru gelten lassen will, ihn jedoch ausnahmslos alle zitieren und nicht wenige ein Foto von ihm besitzen. Stimmungsvolle Bilder kommentieren das Gesagte: Dunkle Wolken ziehen über dem mächtigen Goetheanum – die Zentrale der anthroposophischen Wissenschaft in Dornach – auf, wenn der Sänger Christoph Homberger vom Druck auf seiner Brust berichtet, der sich jedes Mal einstellt, wenn er sich dem Bau nähert. Trotzdem wird «Zwischen Himmel und Erde» seinem Versprechen nach Objektivität nicht ganz gerecht: Zu spärlich sind die unterschiedlichen und vor allem selbstreflektierenden Meinungen, ist doch den sechs überzeugten Anthroposophen bloss ein einziger Abtrünniger gegenübergestellt. Dennoch ist der Film dank seiner charismatischen Figuren sehenswert. Und er regt nicht zuletzt zur eigenen Steinerlektüre an.

«Mecki. Gesammelte Abenteuer Jahrgang 1959», mit Bildern von Reinhold Escher und Wolfgang Petersen. Esslinger 2009. CHF 26.50.

«Zwischen Himmel und Erde», Regie: Christian Labhart, 82 Min., Schweiz/Deuschland/Ägypten 2009, derzeit in den Deutschschweizer Kinos.

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ILLUSTRATION: ANDRINA KOST

Die 25 positiven Firmen Diese Rubrik ruft Firmen und Institutionen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Einige haben dies schon getan, indem sie dem Strassenmagazin Surprise mindestens 500 Franken gespendet haben. Damit helfen sie, Menschen in prekären Lebensumständen eine Arbeitsmöglichkeit zu geben und sie auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten. Gehört Ihr Betrieb auch dazu? Die Spielregeln sind einfach: 25 Firmen werden jeweils aufgelistet, sind es mehr, fällt jener Betrieb heraus, der am längsten dabei ist.

Zum Hirschi-Jubiläum gibts Genossenschaftsrezepte für daheim.

Kochen Anrühren und auftischen CD rein, Lautstärke rauf, ein Glas Wein zur Stärkung, Töpfe auf den Herd – zu Hause kochen macht Freude. Das Kochbuch «Zu Hause essen» auch. VON MENA KOST

Wo gibt es den besten Sonntagsbrunch in Basel? Genau. Wo bekommt man zum Essen auf Wunsch karaffenweise Hahnenwasser serviert, ohne böse Blicke zu kassieren? Genau. Wo riskiert der besoffene MachoArsch nach dem ersten blöden Spruch von der jungen Frau im Service vor die Tür gebrüllt zu werden? Genau. Wo sind Angebote auf der Speisekarte manchmal so exotisch, dass man sich für Spaghetti Napoli entscheidet? Genau. Und wo wird der Gaumen dennoch immer belohnt, wenn man sich mutig fürs ungewöhnlichste Menü entscheidet? Jawohl, richtig, im Basler Restaurant Hirscheneck, für Kenner: im Hirschi. Zum 30-jährigen Jubiläum hat das selbstverwaltete Beizenkollektiv die besten Rezepte aus seiner turbulenten Geschichte aufgeschrieben und ein Kochbuch herausgebracht. «Zu Hause essen» heisst das schöne gebundene Buch, das Rezepte für Vorspeisen, Hauptspeisen (vegan, vegetarisch, mit Fleisch) und Desserts enthält, alle mit Zeitangabe, Schwierigkeitsgrad und Saisonangaben versehen. Die Sauerkraut-Steinpilz-Suppe etwa ist in einer knappen Stunde parat, Schwierigkeitsgrad: Nur ein Totenkopf, also einfach. Die Kürbisravioli mit Räuchertofu auf Lauchgemüse werden vegan zubereitet, sollen im Herbst oder Winter gekocht werden, und drei Totenköpfe zeigen: Man kann die Ravioli nicht einfach aus dem Handgelenk schütteln. Das Hagenbuttenmousse auf Quittensauce seinerseits ist wieder einfacher zu bewerkstelligen. Allerdings, das Hirschi-Kochbuch ist mehr als eine gelungene Rezeptsammlung: Jedes Gericht ist mit einer Illustration versehen, zwischen den Rezepten finden sich Kurzgeschichten und Anekdoten – verfasst von Gästen, ehemaligen Mitarbeitern, Schriftstellern und Künstlern. Und weil die Hirschi-Crew weiss, wie es sich am besten kocht, ist dem Buch eine Mix-CD beigelegt. So kann man sich während des Geköches einige Bands, die in den letzten 20 Jahren im Hirschi-Keller aufgetreten sind, zu Gemüte führen. Eine wilde Kombination aus Koch-, Bilder- und Lesebuch plus Tonträger haben wir dem Hirschi also zu verdanken. Das Kollektiv am Lindenberg hat damit einmal mehr bewiesen, dass viele Köche den Brei nicht verderben müssen, im Gegenteil: Sie machen ihn erst richtig schmackhaft.

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fast4meter, storytelling, Bern

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Brother (Schweiz) AG, Baden

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Druckerei Hürzeler AG, Regensdorf

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IBZ Industrie AG, Adliswil

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Zeix AG, Zürich

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Zürcher Kantonalbank, Zürich

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Axpo Holding AG, Zürich

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Experfina AG, Basel

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AnyWeb AG, Zürich

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muttutgut.ch, Lenzburg

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Mobilesalad AG, Bern

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Proitera GmbH, Basel

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Coop Genossenschaft, Basel

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Alfacel AG, Cham

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Kaiser Software GmbH, Bern

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chefs on fire GmbH, Basel

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Statistik Georg Ferber GmbH, Riehen

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Locher Schwittay Gebäudetechnik GmbH, Basel

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Schützen Rheinfelden AG, Rheinfelden

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Responsability Social Investments AG, Zürich

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SV Group AG, Dübendorf

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Baumberger Hochfrequenzelektronik, Aarau

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Scherrer & Partner GmbH, Basel

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VXL AG, Binningen

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Thommen ASIC-Design, Zürich

Möchten Sie bei den positiven Firmen aufgelistet werden? Mit einer Spende von mindestens 500 Franken sind Sie dabei! PC-Konto: 12-551455-3, Verein Strassenmagazin Surprise, 4051 Basel Zahlungszweck: Positive Firma + Ihr gewünschter Eintrag! Wir schicken Ihnen eine Bestätigung.

«Hirscheneck – Zu Hause kochen», 255 Seiten, CHF 38.–, Friedrich Reinhardt Verlag, Basel. Im Buchhandel oder direkt unter www.reinhardt.ch/hirscheneck erhältlich. SURPRISE 218/10

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BILD: ZVG BILD: ZVG

Ausgehtipps

Ins Dunkel der Psyche mit David Lynch.

Bern Abtauchen in Abgründe Meist fängt es ganz harmlos an. Die Vögel zwitschern im gepflegten Garten, doch dann liegt ein Ohr im Gras. In den Filmen von David Lynch entpuppt sich die heile Welt als Kulisse für Albträume aus Gewalt und Perversionen. Seit seinem Debüt «Eraserhead» taucht der Regisseur immer tiefer in die Abgründe der menschlichen Psyche ein. Zwar schuf er mit «Wild At Heart» und «The Straight Story» auch hollywoodtaugliche Streifen. Doch bilden diese Ausnahmen in einem Werk, das immer weiter vordringt in ein Labyrinth aus Urängsten, Mysterien und blankem Horror, in dem sich beim letzten Film «Inland Empire» selbst Lynch-Kenner hoffnungslos verirrten. Die Cinématte in Bern zeigt die Entwicklung des Filmemachers in einer grossen Retrospektive. Einblicke in die Gedankenwelt des Ausnahme-Cineasten liefert der selten gezeigte Dokfilm «Lynch». (ash) «Lust auf Lynch», Cinematte Bern, bis Ende Februar. Programm: www.cinematte.ch

Überraschung im Büro: Szene aus «Schattenwelt».

Bern Schöne graue Bürowelt Der öde Büroalltag wird für drei bizarre Figuren im Stück «Schattenspiel» zur Kulisse humorvoller und skurriler Szenen. Das Tanzkollektiv T 4 2 - DANCE PROJECTS, das sich aus Félix Duméril und Inoue Misato zusammensetzt, hat diese Produktion erarbeitet, die am Heimspiel-Festival aufgeführt wird. Während das erste Stück die Kampfzonen des Alltags zum Thema hat, setzt sich Cynthia Gonzalez in ihrer Kurzperformance mit dem Schicksal von zentral- und südamerikanischen Frauen auseinander, die mit dem Krieg in ihrer Heimat leben müssen. «Woman of War» vermischt Realität mit Fiktion – dabei entsteht eine neue, getanzte Wirklichkeit. (juk) Festival: Heimspiel 2010, T 4 2 - DANCE PROJECTS (Félix Duméril und Misato Inoue): «Schattenspiel»/Cynthia Gonzalez: «Woman of War», 12. und 13. Februar, 20 Uhr, Dampfzentrale, Bern.

Anzeige:

— www.theater-basel.ch, Tel. +41/(0)61-295 11 33 — 26

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BILD: NIC FRECHER

Auf Tour Der Dichtersänger Jochen Distelmeyer ist ein Meister des Rollenwechsels. In den 90ern gehörte seine Band Blumfeld zu den Begründern der so genannten Hamburger Schule, deren Diskurspop mit anspielungsreichen Texten dem alternativen Studentenmilieu Stoff für endlose Diskussionen lieferte. Irgendwann sang Distelmeyer lieber von Äpfeln und Schmetterlingen als von Descartes und Foucault, bis verprellte Fans verächtlich von «Schlager» sprachen. Mittlerweile ist die Band Geschichte. Nun steigt der Dichter unter den deutschen Sängern solo auf die Bühnen – etwas rockiger als zuletzt mit Blumfeld, aber gewohnt gut gelaunt. Die bisherigen Solo-Singles bringen das Programm auf den Punkt: «Wohin mit dem Hass?» hiess die erste, «Lass uns Liebe sein» die zweite. Ob Gesellschaftskritik oder Poesie der Zärtlichkeit – Distelmeyer bleibt ein Meister des Rollenwechsels. (ash) 8. Februar, 19.30, Mascotte, Zürich; 9. Februar, 21.30, Bad Bonn, Düdingen/FR 10. Februar, 21.30, Palace, St. Gallen.

BILD: DOMINIC BÜTTNER

Rollenspiel: Distelmeyer als freundlicher Spiesser.

Zürich Auf den Geschmack kommen Eine Ausstellung bei der es nichts zu sehen gibt – das ist auch was für Museumsmuffel! Um Geschmack und Geruch geht es in der Ausstellung «Geschmack». Ausgerüstet mit Augenmasken, tasten sich die Besucher durch die Räume, um sich ungestört auf das Geschmackserlebnis zu konzentrieren. Die Ausstellung soll aber nicht nur die Sinne anregen, sondern auch das Denken: Ethische und gesellschaftliche Fragen werden via iPod vermittelt. Da Sehende die Ausstellung «blind» erleben, soll auch eine Sensibilisierung für die Themen Blindheit und Sehbehinderungen erfolgen. Dafür wurden die Ausstellungsmacher von der Zürcher Sehhilfe fachlich unterstützt. (juk) Geschmack – eine Ausstellung für Mund, Nase, Ohr und Hand, bis zum 31. Oktober, Mühlerama, Zürich. Begleitveranstaltungen an ausgewählten Sonntagen: Ob dieser Fisch mit geschlossenen Augen besser schmeckt?

BILD: ISTOCKPHOTO

www.muehlerama.ch

Basel Hallenflohmarkt Nach dem sonntäglichen Promenieren am Kleinbasler Rheinufer überkommt einen erfahrungsgemäss die Lust auf einen Snack. Deshalb empfehlen wir, oberhalb der Wettsteinbrücke scharf links abzubiegen. Nach wenigen hundert Metern erreicht man das Sudhaus, wo man sich nach einer kleinen Stärkung an der Bar einer weiteren wunderbaren Sonntagsattraktion widmen kann: Dem Hallenflohmarkt. Ob Bücher, Vasen, Hüte, Schallplatten, Uhren, Schmuck oder Kleidung – zwischen zwei Kaffees und einem Sandwich am Tresen kann ausgiebig gestöbert, gefeilscht und eingekauft werden. (mek) Hallenflohmarkt mit Barbetrieb, Sonntag, 14. Februar, 10 bis 16 Uhr,

Stöbern und Feilschen – Hallenflohmarkt im Sudhaus.

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Sudhaus Warteck pp, Burgweg 7 – 15, Basel. www.sudhaus.ch

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Verkäuferporträt «Singen ist meine grosse Leidenschaft» BILD: ZVG

Samatar Hassan, 20, aus Somalia ist nach dem Tod seiner Mutter in die Schweiz geflohen. In Basel will er sich sein eigenes Leben aufbauen und eine Karriere als Sänger starten. AUFGEZEICHNET VON ELISABETH WIEDERKEHR

«Eigentlich bin ich ein Einzelkind. Ich hatte zwar einen Bruder, doch er starb, als er kaum zwei Jahre alt war. Ich kann mich nicht an ihn erinnern. Mein Vater starb auch sehr früh. Ich war damals noch ein kleines Kind. So bin ich mit meiner Mutter aufgewachsen. Vor zwei Jahren verlor ich auch sie. Das war sehr hart. Danach lebte ich eine Weile bei der Familie meiner Tante. Doch leider verschlimmerte sich die Lage in Somalia immer mehr. Ich geriet in Schwierigkeiten und irgendwann wurde es für mich zu gefährlich. Ich verkaufte das Haus meiner Mutter und ging. In Somalia besuchte ich zwar noch die Schule, lernte auch ganz gut mit dem Computer umzugehen, doch ich hatte kaum Aussicht auf eine gute Ausbildung. Eine Weile arbeitete ich noch – bewachte das Büro einer Firma und kündigte meinem Chef Besucher an. Ich weiss nicht, wie man diese Arbeit hier nennt. Wahrscheinlich gibt es nichts wirklich Vergleichbares. Deutsch kann ich leider noch nicht gut sprechen, es ist eine sehr schwere Sprache. Manchmal läuft die Verständigung besser auf Französisch. Auch Englisch kann ich ein bisschen, was ab und zu ebenfalls hilfreich ist. Deutsch lernen ist mir deshalb momentan das Wichtigste. Einen ersten Kurs habe ich bereits absolviert, demnächst fängt ein neuer an. Dreimal in der Woche gehe ich zum Unterricht, lerne aber auch zu Hause für mich weiter. Die Sprache ist Grundlage für alles – auch auf meine Aufenthaltsbewilligung hat das einen Einfluss. Ich warte nun schon lange auf einen Bescheid von den Behörden. Ich hoffe so sehr, dass ich in der Schweiz bleiben darf. Das Land gefällt mir und ich kann mir gut vorstellen, hier ein neues, eigenes Leben aufzubauen. Mein grosser Traum ist eine Karriere als Sänger. Aber mal sehen. Wenn ich bleiben darf, stellt sich natürlich auch noch die Frage nach der Form der Bewilligung. Davon hängt alles ab. Doch ich wollte ja erzählen, wie ich hierher gekommen bin. Ich flog nach Frankreich und kam von da in die Schweiz. Das war vor elf Monaten. Gekannt habe ich damals noch niemanden. Unterdessen habe ich aber schon viele Freunde. Auch dank Surprise. Gleich nach meiner Ankunft habe ich mich im Vertriebsbüro gemeldet. Ich verkaufe das Heft sehr gerne – jeweils am Freitag und Samstag trifft man mich vor dem Coop an der Hardstrasse in Basel. Über Surprise habe ich Landsleute aus Somalia getroffen, auch Menschen aus Eritrea und der Türkei gehören mittlerweile zu meinem Freundeskreis. Mit meinen Mitbewohnern habe ich ebenfalls ein sehr gutes Verhältnis. Wir wohnen zu viert in einer Wohnung. Das klappt wunderbar. Wenn ich ein bisschen reden will, komme ich gerne zu Surprise. Ich spiele auch im Fussballteam – da ist momentan aber grad Winterpause. Im Frühling geht das Training wieder los. Darauf freue ich mich sehr, denn ich bin ein ziemlich guter Spieler. Zudem singe ich im SurpriseChor. Immer am Dienstagabend haben wir Probe, das macht richtig

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Spass. Zu Hause habe ich früher zwar schon gesungen, doch nie öffentlich. Jetzt krame ich die Lieder gerne wieder aus meinem Gedächtnis hervor und präsentiere das eine oder andere vor der Gruppe. Wirklich schön ist, wenn ich Post aus Somalia bekomme. Ein älterer Mann schickt mir öfter eine E-Mail mit einem Songtext. Ich lerne die Worte dann auswendig und mache eine Melodie dazu. Ein Kollege arrangiert das Ganze und unterlegt es mit Beats, so mixen wir viel zusammen. Oft einfach übers Handy. Das ist zwar qualitativ nicht immer einwandfrei. Für den Anfang reicht es aber. Mein grosses Ziel ist ein eigenes Album. Elf Lieder habe ich dafür schon einstudiert. Zwei davon finden sich auf der Internetplattform «youtube». Vielleicht wird mein Traum, in einem richtigen Tonstudio Aufnahmen zu machen, ja irgendwann wahr. Das wäre genial.» ■ SURPRISE 218/10


Eine Chance für alle! Werden Sie Surprise-Götti oder -Gotte ber. Das verdient Respekt und Unterstützung. Regelmässige Verkaufende werden von Surprise-Sozialarbeiterinnen betreut, individuell begleitet und gezielt gefördert. Dazu gehört auch, dass sie von Surprise nach bestandener Probezeit einen ordentlichen Arbeitsvertrag erhalten. Mit der festen Anstellung übernehmen die Surprise-Verkaufenden mehr Verantwortung; eine wesentliche Voraussetzung dafür, wieder fit für die Welt und den Arbeitsmarkt zu werden.

Starverkäufer BILD: ZVG

Surprise kümmert sich um Menschen, die weniger Glück im Leben hatten als andere. Menschen, die sich aber wieder aufgerappelt haben und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen wollen. Mit dem Verkauf des Strassenmagazins Surprise überwinden sie ihre soziale Isolation. Ihr Alltag bekommt Struktur und wieder einen Sinn. Sie gewinnen neue Selbstachtung und erarbeiten sich aus eigener Kraft einen kleinen Verdienst. Die Surprise-Strassenverkäuferinnen und -verkäufer helfen sich sel-

Als Götti oder Gotte ermöglichen Sie einer Strassenverkäuferin oder einem -verkäufer eine betreute Anstellung bei Surprise und damit die Chance zur Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben.

Kurt Brügger Baselland

Jela Veraguth Zürich

Tatjana Georgievska Basel

René Senn Zürich

Anna Streckeisen und Merit Meier aus Basel nominieren Bob Ekoevi Koulekpato als Starverkäufer: «Kürzlich kamen wir am Marktplatz an einem total netten Surprise-Verkäufer vorbei. Er hat uns angelacht und Anna gesagt, sie hätte eine schöne Kappe. Das fanden wir total sympathisch, also haben wir ein Heft gekauft. Er hatte eine riesige Freude. Dieses Erlebnis hat uns glücklich gemacht, und wir finden, so ein Mensch hat es verdient, Starverkäufer zu werden!»

Ausserdem im Förderprogramm SurPlus: Kumar Shantirakumar, Bern Peter Gamma, Basel Andreas Ammann, Bern Wolfgang Kreibich, Basel Peter Hässig, Basel Jovanka Rogger, Zürich

Bob Ekoevi Koulekpato, Basel Marika Jonuzi, Basel Marlise Haas, Basel Fatima Keranovic, Baselland Anja Uehlinger, Baden

Nominieren Sie Ihren Starverkäufer! Schreiben Sie uns mit einer kurzen Begründung, welchen Verkäufer Sie an dieser Stelle sehen möchten: Strassenmagazin Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41+61 564 90 99, redaktion@strassenmagazin.ch

Ja, ich werde Götti/Gotte von: 1 Jahr: 8000 Franken

1/2 Jahr: 4000 Franken

1/4 Jahr: 2000 Franken

Vorname, Name

Telefon

Strasse

E-Mail

PLZ, Ort

Datum, Unterschrift

1 Monat: 700 Franken

218/10 Talon bitte senden oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch, PC-Konto 12-551455-3 SURPRISE 218/10

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Beat Egli 1948-2010

Surprise ist: Hilfe zur Selbsthilfe Surprise fördert seit 1997 die Selbsthilfe von Menschen in sozialen Schwierigkeiten. Mit begleiteten Angeboten in den Bereichen Arbeit, Sport und Kultur fördert Surprise die soziale Selbständigkeit und berufliche Eingliederung, das Verantwortungsbewusstsein, die Gesundheit und eine positive Lebenseinstellung. Surprise gibt es in der deutschsprachigen Schweiz. Eine Stimme für Benachteiligte Surprise verleiht von Armut und sozialer Benachteiligung betroffenen Menschen eine Stimme und sensibilisiert die Öffentlichkeit für ihre Anliegen. Surprise beteiligt sich am Wandel der Gesellschaft und bezieht Stellung für soziale Gerechtigkeit.

Am Rennweg in Zürich brannte letzte Woche eine Kerze. Dahinter stand der Verkäuferausweis von Beat Egli, der an diesem Platz das Strassenmagazin Surprise unter die Leute gebracht hatte. Über die Jahre schuf sich der gebürtige Luzerner eine grosse Stammkundschaft, die seine unaufdringliche, freundliche Art schätzte. Wer sich mit Beat Egli unterhielt, merkte schnell, dass sich hinter seiner Zurückhaltung ein feiner Humor und ein grosses Verlangen nach Selbständigkeit verbarg. Er ging seinen eigenen Weg, auch wenn er schon früh um seinen Platz in der Gesellschaft kämpfen musste. Nach der Schule in Sursee begann Beat Egli eine Lehre als Bäcker/Konditor, doch als Asthmatiker vertrug er den Mehlstaub nicht. Mitte der 70er-Jahre zog er von Luzern nach Zürich, wo er als Magaziner, Kurier und Zeitungsverträger arbeitete. Zu Surprise kam er 2007. «Ich fand schnell Freude daran, denn es ist ein abwechslungsreicher Job», erzählte er, als er vor zwei Jahren in diesem Magazin porträtiert wurde. Für die Abwechslung sorgte er selber, denn Beat Egli verkaufte nicht nur in Zürich, sondern gehörte auch zu den Ersten, die Surprise in Zug und Chur anboten. Besonders ins Bündnerland fuhr er gerne: «Von Chur ist es nicht weit nach Davos, wo mein Lieblingsteam, der HCD, spielt.» Eishockey und Fussball (besonders der FCZ) waren Beat Eglis grosses Hobby. Wann immer er konnte, verfolgte er die Wettkämpfe im Stadion oder am Fernsehen. An seinem 60. Geburtstag im Herbst vor einem Jahr besuchte er das Suprise-Büro in Basel. «In Pension gehe ich nicht so schnell», versprach er uns lächelnd. «Ich habe vor, noch ein paar Jahre Surprise zu verkaufen.» Es sollte anders kommen. Am 19. Januar 2010 verlor Beat Egli den Kampf gegen den Krebs. Wir werden ihn vermissen.

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Strassenmagazin und Strassenverkauf Surprise gibt das vierzehntäglich erscheinende unabhängige Strassenmagazin Surprise heraus. Neben einer professionellen Redaktion verfügt das Strassenmagazin über ein breites Netz von freien Berufsjournalistinnen, Fotografen und Illustratorinnen. Der überwiegende Teil der Auflage wird von Menschen ohne oder mit beschränktem Zugang zum regulären Arbeitsmarkt auf Strassen, Plätzen und in Bahnhöfen angeboten. Die regelmässige Arbeit gibt ihnen eine Tagesstruktur, neues Selbstvertrauen und einen bescheidenden aber eigenständig erwirtschafteten Verdienst. Für viele Surprise-Verkaufende ist das Strassenmagazin der erste Schritt zurück in ein eigenständiges Leben. Strassensport Der zweite Schwerpunkt von Surprise ist die Integration von sozial benachteiligten Menschen in der Schweiz über den Sport. Mit einer eigenen Strassenfussball-Liga, regelmässigem Trainings- und Turnierbetrieb, der Schweizermeisterschaft sowie der Teilnahme des offiziellen Schweizer Nationalteams am jährlichen «Homeless Worldcup» vernetzt Surprise soziale Institutionen mit Sportangeboten in der ganzen Schweiz. Organisation und Internationale Vernetzung Surprise ist eine nicht gewinnorientierte soziale Institution. Die Geschäfte werden von der Strassenmagazin Surprise GmbH geführt, die von dem gemeinnützigen Verein Strassenmagazin Surprise kontrolliert wird. Surprise ist führendes Mitglied des Internationalen Netzwerks der Strassenzeitungen (INSP) mit Sitz in Glasgow, Schottland. Derzeit gehören dem Verband gegen 100 Strassenzeitungen in über 40 Ländern an. Impressum Herausgeber Strassenmagazin Surprise GmbH, Postfach, 4003 Basel www.strassenmagazin.ch Geschäftsführung Fred Lauener Öffnungszeiten Sekretariat Mo–Do 9–12/14–16.30 Uhr, Fr 9–12 Uhr T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99 info@strassenmagazin.ch Redaktion Fred Lauener (Leitung), Reto Aschwanden, Julia Konstantinidis, Mena Kost, Agnes Weidkuhn (Koordination), T +41 61 564 90 70, redaktion@strassenmagazin.ch Freie Mitarbeit Annette Boutellier, Michèle Faller, Christian Flierl, Tara Hill, Selwyn Hoffman, Yvonne Kunz, Delia Lenoir, Irene Meier, Isabella Seemann, Udo Theiss, Priska Wenger, Elisabeth Wiederkehr, Christopher Zimmer Korrektorat: Alexander Jungo Gestaltung WOMM Werbeagentur AG, Basel Druck AVD Goldach Auflage 29 400, Abonnemente CHF 189.–, 24 Ex./Jahr Anzeigenverkauf Therese Kramarz, T +41 61 564 90 90 anzeigen@strassenmagazin.ch

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