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Sackstark! Lebensmittel retten und Hunger stillen

Somalias Jugend: Piraterie als letzte Option

Schickimicki-Shops statt Stripclubs – Umbruch im Zürcher Langstrassenquartier

Nr. 201 | 22. Mai bis 4. Juni 2009 | CHF 6.– inkl. MwSt. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an die Verkaufenden. Bitte kaufen Sie nur bei Verkaufenden mit offiziellem Verkaufspass.


Party-People Ein schönes Fest war das! Würdig und fröhlich wurde das 200. Strassenmagazin vom Surprise-Team, den Verkaufenden, dem Trägerverein und vielen Gästen am 29. April in der Kaserne Basel gefeiert. Das Fest war öffentlich, und wer nicht dabei war, hat so einiges verpasst. BILDER: LUC-FRANÇOIS GEORGI

Anstossen auf die nächsten 200 Nummern: SurpriseKulturchefin Paloma Selma und Redaktionskoordinatorin Agnes Weidkuhn.

Weltpremiere: Der nigelnagelneue Surprise-Chor hatte seinen allerersten öffentlichen Auftritt.

Ausgefragt: Moderator Roger Thiriet mit SurpriseChorleiter Michael Pfeuti.

Qualitätscheck: Eritreische Chor-Sänger prüfen die druckfrische Nummer 200.

Gipfeltreffen: Geschäftsführer Fred Lauener, Trägervereins-Vize Peter Aebersold, Regierungsrat HansPeter Wessels, Alt-Landratspräsidentin Esther Maag und Trägervereinspräsident Carlo Knöpfel.

Fachsimpeln: Redaktorin Mena Kost und Fotograf Dominik Plüss präsentieren dem ehemaligen Chefredaktor Michael Gasser das Zweihundertste.

Gefragter Jungstar: Slampoet Laurin Buser nach seinem umjubelten Auftritt mit Festorganisatorin Paloma Selma.

Wiedersehen macht Freude: Die beiden ehemaligen Surpriseler Philippe Scheidiger (Marketing) und Melanie Imhof (Redaktion).

Sag mal, wie war das damals? Catherine Merz, Surprise-Frau der allerersten Stunde, und Fred Lauener ging der Gesprächsstoff nicht aus.

Umwerfend: Die stimmgewaltige Basler Soulformation The Kitchenettes und ihre Basement Brothers heizten dem Publikum tüchtig ein.

Raus aus der Sitzecke: Die Berner Polka-Punker Feet Peals kitzelten am späteren Abend auch die letzten Tanzmuffel aus der Reserve.

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10 Lebensmittelhilfe Eine Frage der Verteilung In der Schweiz hungert niemand. Trotzdem ist es für viele schwierig, täglich etwas zu essen auf den Tisch zu bekommen. Denn Lebensmittel haben ihren Preis, obwohl sie im Überfluss vorhanden sind. Die Organisation «Tischlein deck dich» zielt auf diesen Überschuss und bringt ihn unter die Leute.

14 Piraterie «Vielen bleibt nur der Kriegsdienst oder das Meer» Das somalische Elend schaffte es lange nur selten in die westlichen Schlagzeilen. Bis die Piraten kamen. SurpriseVerkäufer Ciise Ali erzählt von seiner Jugend im ostafrikanischen Staat; von den islamistischen Kämpfern, die ihn aus der Schule holten und zum Kriegsdienst zwangen, vom Geschäft mit den Piraten – und warum er hofft, in der Schweiz den Frieden zu lernen.

BILD: DOMINIK PLÜSS

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Inhalt Editorial Zurück im Alltag Leserbriefe Ins Schwarze getroffen Basteln für eine bessere Welt Pimpen Sie ihre Sonnenbrille, helfen Sie Zürich! Aufgelesen Studien vor dem Supermarkt Zugerichtet Im Wahn der Liebe Mit scharf Vetternwirtschaft im Gesundheitswesen Erwin Kostenfreie Sterbehilfe Porträt Lebensnahe Theaterfrau Le mot noir Liebenswerte Nachbarn Kultur Fussball in Buchform Kulturtipps Müde Helden Ausgehtipps Afrikanisches Pfingstfest Verkäuferporträt Mit Kampfgeist aus Teufels Küche Projekt Surplus Chance für alle! Starverkäufer In eigener Sache Impressum INSP

BILD: DOMINIK PLÜSS

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BILD: LUC-FRANÇOIS GEORGI

17 Stadtentwicklung Vom Sündenpfuhl zum Trendquartier Die Langstrasse in Zürich steht für Drogen und Sex. Doch nun verschwindet ein Nachtklub nach dem anderen. Städtische Stiftungen und private Investoren kaufen Milieuliegenschaften und ersetzen sie durch schicke Bars und Wohnhäuser. Den Preis zahlt die Quartierbevölkerung: Die Mieten steigen, und statt diskreter Freier fallen nun lautstarke Festbrüder ins Viertel ein. Eine Reportage aus dem «Chreis Cheib».

Titelbild: WOMM SURPRISE 201/09

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BILD: DOMINIK PLÜSS

Leserbriefe «Die Wörter von Pörtner treffen ins Schwarze.»

FRED LAUENER, GESCHÄFTSFÜHRER

Editorial Zurück im Alltag Ende April feierte Surprise das 200. Heft in der Kaserne Basel. Es war ein schönes Fest mit vielen Leuten aus allen möglichen Zusammenhängen: Junges Volk zuhauf, aber auch viele ältere Semester, die zur Musik der Bands auf der Bühne tanzten. Surprise-Unterstützer und -Partner gaben sich die Ehre, genauso wie Vertreter aus Politik, Kultur und Wirtschaft. Besonders gefreut hat mich, dass auch viele Surprise-Verkäuferinnen und -Verkäufer den Weg in die Kaserne gefunden hatten und sich inmitten der grossen, fröhlichen Schar ebenfalls bestens amüsierten. Ein paar Eindrücke vom Fest sind auf Seite 2 dieser ersten Ausgabe festgehalten. Inzwischen ist bei Surprise wieder der Alltag eingekehrt. Wir konzentrieren uns wieder auf unseren eigentlichen Auftrag und jene Themen, die für unsere Verkäuferinnen und Verkäufer vital sind: der Alltag auf der Strasse, Geldprobleme, Beziehungskrisen, Gesundheitsfragen, Behördenknatsch. Das Strassenmagazin mit den damit verbundenen Beschäftigungs- und Arbeitsmöglichkeiten, unser Sportprogramm und neu auch der Surprise-Chor werden als Beiträge gegen Armut und Ausgrenzung in der Schweiz auch die nächsten 200 Ausgaben lang wichtig bleiben und – mit Blick auf die Konjunktur – eher noch nötiger werden. Apropos Armut: Wussten Sie, dass in der Schweiz über 850 000 Menschen arm sind? Viele von ihnen sind auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Allein die Hilfsorganisation «Tischlein deck dich», die dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, unterstützt jede Woche 9000 Bedürftige mit Lebensmitteln. Seite 10. Als sündige Meile ebenfalls am gesellschaftlichen Rand, und doch mitten in der sauberen Stadt, liegt seit Jahrzehnten die Zürcher Langstrasse. In letzter Zeit ist dort nun aber eine bemerkenswerte Entwicklung zu beobachten. Immer mehr Nachtclubs verschwinden und machen trendigen Bars und modernen Wohnhäusern Platz. Seite 18. Schliesslich möchte ich Ihnen die Geschichte von Surprise-Verkäufer Ciise Ali aus Mogadischu ans Herz legen, die stellvertretend für die Geschichte einer ganzen Generation von jungen Menschen in Somalia steht, die nur wenige Perspektiven hat: Soldat, Pirat oder das Ausland. Seite 14. F.LAUENER@STRASSENMAGAZIN.CH

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Gutes Heft, guter Zweck Ich möchte Ihnen mein Lob für die interessanten Beiträge aussprechen, die Sie in Surprise abdrucken. So macht der Kauf der Hefte doppelt Freude: Zum einen wegen den spannenden und informativen Beiträgen und zum anderen, weil er einem guten Zweck dient. Christina Enz, per E-Mail Volltreffer Immer warte ich gespannt auf die Wörter von Pörtner. Sie treffen ins Schwarze – super! Hoffentlich versiegt diese krea(k)tive, wache Quelle noch lange nicht. Brigit Latif, Bern Erfolgreich originell Ich bin an und für sich keine Zeitungsleserin. Ich lese Bücher. Doch die Artikel, die ich jeweils im Suprise lese, finde ich jedes Mal sehr speziell, gut recherchiert, originell und zum Zeitgeschehen passend. Ich finde teilweise auch die Zeitungsverkäuferinnen und -verkäufer originell. Gerade am Berner Bahnhof gibt es verschiedene, die durch ihre Originalität auffallen und dadurch Erfolg haben. Bravo! Brigitte Zbinden, Schwarzenburg

Nr. 200: «Wir feiern!» Fatimas gefüllte Peperoni – ein Genuss Mit Freuden habe ich Fatimas gefüllte Peperoni, ein bosnisches Gericht, gekocht, und mit dem grössten Genuss wurde es von mir und meinen Freunden gegessen. Ich würde mich sehr freuen, öfters Rezeptvorschläge aus den Heimatländern der Surprise-Verkäuferinnen und -Verkäufern zu lesen. Franziska Wernli, per E-Mail Nr. 199: «Mit Liebe und Argumenten» Rabbis, Papst und Lenin Brauchen wir das wirklich: Religionen, die verbreitet werden wollen? Muss das Strassenmagazin da wirklich mitmachen? Verlangt die heutige Zeit, wo Unsicherheit und Verwirrung gross sind, nicht nach seriösen Analysen statt nach Aberglaube? Müssen wir nicht vielmehr gerade jetzt selbstbewusst das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen versuchen? Weg von der kindlichen Unterordnung unter einen väterlichen (sicher nie mütterlichen!) Führer, heisse er nun Papst, Imam, Rabbi oder sonst wie. «Religion ist Opium fürs Volk.» Dieser Satz ist nicht falsch, nur weil er von Marx stammt. Ich als religionsfreier, erwachsener Bürger habe langsam genug von dieser religiösen Indoktrinierung! Und weil ich Surprise für eine sehr gute und interessante Lektüre halte, die ich mir normalerweise nie entgehen lasse, erwarte ich einmal ein Interview mit einem religionsfreien Menschen. Paul Jud, Zürich

Surprise ist auf Spenden angewiesen. Auch auf Ihre! Herzlichen Dank. PC-Konto 12-551455-3 Ihre Meinung! Bitte schicken Sie uns Ihre Anregungen oder Kritik: Strassenmagazin Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, T +41 61 564 90 70, redaktion@strassenmagazin.ch. Es werden nur Leserbriefe abgedruckt, die mit vollem Namen unterzeichnet sind. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen. SURPRISE 201/09


BILD: WOMM

✏ 1. Brillengläser herausbrechen

3. Ein wenig Klebstoff auf die Ränder der Folie tupfen

2. Brille auf Folie legen und nachzeichnen, anschliessend auschneiden

4. Folie auf der Hinterseite des Gestells befestigen

Basteln für eine bessere Welt Eine Umfrage im Internet hat den Zürchern einen herben Schlag versetzt: Ihre Stadt soll nach Brüssel die zweitlangweiligste in Europa sein! Als Restschweizer lachen wir uns ins Fäustchen und schaffen Abhilfe. Ersetzen Sie die Gläser Ihrer alten Sonnenbrille durch rosa Folie. Setzen sie die rosarote Brille bei Ihrer Ankunft in Zürich auf. Diese Sehhilfe macht auch die ödeste Stadt bunt und fröhlich. SURPRISE 201/09

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Aufgelesen News aus den 90 Strassenmagazinen, die zum internationalen Netzwerk der Strassenzeitungen INSP gehören.

Gut betucht und sozial schwach Berlin. Ein Verkäufer des Berliner Strassenmagazins berichtet: «Wer täglich vor einem Supermarkt steht, kann viele Menschen beobachten. Dabei habe ich gelernt, deren finanzielle Situation anhand von Kleidung, Auto sowie Häufigkeit und Grösse der Einkäufe einzuschätzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die nach wenig Geld aussehen, mich meist beachten und ein Magazin kaufen. Die meisten derjenigen, denen 1 Euro 20 wohl am wenigsten weh täten, schauen hingegen demonstrativ weg.»

Muslimische Mädchen fördern Manchester. «Muslimische Mädchen werden in Grossbritannien nicht als potenzielle Arbeitskräfte angesehen», kritisiert Haleh Afshar, eine der wenigen Musliminnen im englischen Oberhaus und Dozentin an der Universität von York. «Viele Schulen scheinen anzunehmen, dass muslimische Mädchen ohnehin mit 16 verheiratet werden und daher keine Karrierestruktur benötigen.» Bereits ein muslimischer Name reiche aus, um bei der Lehrstellensuche benachteiligt zu werden, so die gebürtige Iranerin.

Gewalt im Alter Wien. Ältere Menschen werden immer wieder Opfer von Gewalt in der Familie. Zwar wurden bisher keine Zahlen erhoben. Die Frauenabteilung der Stadt Wien vermutet aber, dass der Anteil der älteren Bevölkerung, der von Gewalt betroffen ist, bei über zehn Prozent liegt. Was es besonders erschwere, Gewaltdelikte ans Licht zu befördern, sei die Abhängigkeit in Pflegebeziehungen. «Bitte sagen Sie nichts», hören Helferinnen oft, wenn die Patientinnen und Patienten sich mit ihren Nöten vertrauensvoll an sie wenden.

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Zugerichtet Diagnose: Liebeswahn «Wollen Sie nicht ablegen?», fragt der Richter. «Vielleicht dauert es ja länger.» Dieter B.* hat sich bis zum Kinn in seine Lammfelljacke verkrochen. «Ich fühle mich völlig unschuldig», sagt der mollige Mann zum Richter. Die Liebe brachte den 42-jährigen ITSupporter auf die Anklagebank, denn die Gefühle basierten nicht auf Gegenseitigkeit. Seit sechs Jahren stellt Dieter B. der Frau seiner Träume nach. Er wartet vor ihrer Haustür, fängt sie an der Bushaltestelle ab, schreibt ihr Liebesbriefe, ruft an, zehn, 15 Mal am Tag, taucht an ihrem Arbeitsplatz auf, überhäuft sie mit Geschenken, schickt ein SMS nach dem anderen. Zu 307 Kontaktversuchen allein innert der letzten zwei Monate sei es gekommen, steht in der Anklageschrift. Clérambault-Syndrom heisst das Krankheitsbild gemäss psychiatrischem Gutachten, auch Paranoia erotica, affektvolle Paraphrenie oder einfach Liebeswahn genannt. Er hatte sich bereits während der dritten Englisch-Lektion in seine Klassenkameradin verliebt. Er sagte es ihr. Sie sagte ihm, dass sie seine Gefühle nicht erwidere. Er war nicht bereit, das zu akzeptieren. Sie beendete den Sprachkurs. Seitdem ist der Mann aus dem Leben der Frau nicht mehr wegzudenken. Nicht aus dem ihres Ehemannes, der Familie, ihrer Arbeitskollegen. Obschon, es gab auch Zeiten himmlischer Ruhe, da trat er nur ein Mal pro Monat in Erscheinung. Doch dann kam es vor, dass er sie auf der Strasse traf – und es ging von vorne los. Sie schaltete einen Anwalt ein. Zweimal erging auf zivilrechtlichem Weg eine einstweilige Verfügung – es hat nichts genützt.

«Ich hatte mich verliebt, ja», sagt er zum Richter. «Aber ich hatte auch Anhaltspunkte, dass sie meine Gefühle erwidert.» «Welche denn?», will der Richter wissen. «Wenn ihre Familie nicht dagegen wäre, wären wir schon längst ein Paar», gibt er zur Antwort. «Kann es sein, dass Ihr Gefühl Sie betrogen hat?», fragt der Richter. Nein, es habe zwar keine direkte, gelebte Liebesbeziehung gegeben, aber ein Angebot und ein Versprechen, ein sehr verbindliches. «Das hat definitiv so stattgefunden», sagt er. Der Richter blickt ratlos in den Saal. «War Ihnen klar, wie sehr das Leben von Frau W. und ihrer Familie von Ihren Nachstellungen beeinträchtigt wird?» Das Gegenteil sei der Fall, sagt Dieter B., sein Leben wurde massiv beeinträchtigt, schliesslich sitze er ja vor Gericht. Und er hoffe, dass die Wahrheit hier endlich ans Licht komme. Der Verteidiger sagt in seinem Plädoyer, dass man bei der Vorgeschichte anfangen müsse und fragt, ob die Frau seinen Mandanten vielleicht einmal zu viel angelacht habe? Er schliesst sich zwar der Argumentation des Staatsanwalts an, will aber das Strafmass reduzieren. Dieter B. habe sich der Nötigung, des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage und des Hausfriedensbruchs strafbar gemacht, auch wenn er es nicht einsehe. Doch sei die Einbildung ein unkorrigierbarer Teil der Wahnvorstellung, zitiert er das Gutachten. Eine hoffnungslose Diagnose. Dagegen kann eine Geldstrafe von 2200 Franken vermutlich auch nichts ausrichten. * alle Namen geändert ISABELLA SEEMANN (ISEE@GMX.CH) ILLUSTRATION: PRISKA WENGER (PRISKAWENGER@GMX.CH) SURPRISE 201/09


Mit scharf Couchepin schlagen und den Esel meinen Bundesrat Couchepin muss derzeit viel einstecken. Von den Medien, aber auch von Parlamentarierinnen und Parlamentariern, welche die Prügel eigentlich selber verdient hätten. VON FRED LAUENER

Die Abstimmung über die Komplementärmedizin ist vorbei, die Diskussionen über Kosten und Massnahmen im Gesundheitswesen gehen weiter. Neue Abstimmungen, die keine Probleme lösen, werden kommen. Die Unfähigkeit hat einen Namen: Pascal Couchepin. Der Gesundheitsminister kann derzeit den Mund öffnen, und es hagelt Kritik und Entrüstung, bevor er nur Pieps gemacht hat. Der Mann hat einen schweren Beruf, das anerkennen sogar seine Gegner, aber zu Hilfe eilt ihm dann doch niemand. Nicht einmal seine Freunde von der Partei. Wie denn auch? Nicht nur Bundesrat Pascal Couchepin hat nämlich kein Rezept gegen die Kostenexplosion, die gesamte Politik ist unfähig, das Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Oder nicht willens, was auf das Gleiche hinausläuft. Kein anderes Politikfeld – ausser vielleicht die Landwirtschaft – ist durch Vetternwirtschaft so verdorben wie die Gesundheitspolitik. Es geht um viel Geld. Und wo es um viel Geld geht, gibt es auch viele Begehrlichkeiten. Von Aebi Andreas (SVP, Emmental Versicherung und Swissgenetics) bis Zemp Markus (CVP, GEN-Suisse) sind laut Santésuisse 112 Nationalund Ständeräte quer durch alle Partien direkt mit mindestens einem Akteur im Milliardenspiel Gesundheitswesen verbandelt. Das ist fast die Hälfte des gesamten Parlaments. Vergleichsweise klein ist die Pharmalobby. «Nur» gerade sechs Mitglieder haben Interessenbindungen, darunter Hans-Rudolf Gysin (FdP BL – Mepha, Intergenerika) oder Rolf Schweiger (FdP ZG – Roche Diagostics, Symtex). Mit der Spitallobby verbunden sind neun Ratsherren und -damen, Viola Amherd (CVP, VS – Kreisspital Brig) beispielsweise, oder Gerhard Pfister (CVP, ZG – Klinik Adelheid Unterägeri).

ERWIN

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Den Krankenkassen stehen sieben Mitglieder der Räte nahe, Lucrezia Meier-Schatz (CVP, SG – CSS), Jürg Stahl (SVP, ZH – Groupe Mutuel) oder Bruno Frick (CVP, SZ – Swica). Die personell stärkste Lobby stellt die vereinigte Ärzteschaft. Fünfzig National- und Ständeräte praktizieren entweder selber oder pflegen mit der Gattung auf andere Weise enge Beziehungen. Zum Beispiel die Mediziner Gutzwiller (FdP, ZH), Carobbio (SP, TI) oder Gilli (Grüne, SG). Ohne Billigung der Krankenkassen- und Ärztelobby geht in Bern gar nichts. Denn mehr als 50 Prozent der Mitglieder der SGK (Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit) sind entweder Ärzte oder stehen den Kassen nahe. Das kleine Grüpplein, sechs Nasen, das gemäss Santésuisse einer Organisation nahe steht, die sich für die Interessen der Patienten respektive Konsumenten einsetzt, stimmt angesichts der Armada der Gesundheitsindustrie und mit Blick auf das eigene Portemonnaie nicht froher. Den Preis der miserablen Politik zahlen wir alle. Die Rechnung wird uns im Herbst präsentiert, wenn die neuen Krankenkassenprämien kommuniziert werden. Bundesrat Pascal Couchepin wird wieder Prügel einstecken müssen. Auch Prügel, die andere verdient hätten! ■

wechselt die Krankenkasse

VON THEISS

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Porträt Nah am Leben Im Alltag pendelt die Regisseurin und Autorin Mirjam Neidhart zwischen Kindern, Proben und Laptop. In ihren Theaterstücken beweist sie ein Gespür für brandaktuelle Themen. VON CHRISTOPHER ZIMMER (TEXT) UND ROLAND SOLDI (BILD)

Dann bekommt sie zum ersten Mal den Auftrag, ein Stück zu schreiben, weitere Anfragen folgen, alle mit vorgegebenen Themen. Doch es drängt Neidhart, den Stoff selber zu bestimmen. Gelegenheit dazu gibt ihr ein dreimonatiger Atelieraufenthalt des Kantons Zürich in Berlin. Da sind die Kinder schon auf der Welt, Lona gerade mal ein Jahr alt. Dennoch stürzt sie sich in das Abenteuer. Ihr Mann ist anfangs noch dabei, dann nur noch am Wochenende, da er in Zürich arbeitet. Die Kinder kann sie in einem ehemaligen DDR-Kindergarten unterbringen. Der Stoff, an dem Mirjam Neidhart in dieser Zeit schreibt, trifft mitten in die heisse Diskussion über den Rückgang der Geburtenrate. Reproduktionskrise ist das Schlagwort, unter welchem Politiker über den «Gebär- und Zeugungsstreik» spekulieren. Neidhart spricht mit Männern und Frauen und sammelt intime Einsichten, sie erhält Einblick in ihre Wünsche, Sorgen, Nöte und Erfahrungen. Auf diese Arbeit folgt «Illegal, Berichte aus dem Untergrund», ein Stück über die Hoffnungen und Träume von Sans-Papiers, die in der Schweiz ein Schattendasein führen. Das Thema Migration beschäftigt Mirjam Neidhart schon lange: bei ihrer Theaterarbeit in Deutschland, als sie in London einen Film über einen jüdischen Flüchtling drehte, oder bei einem Aufenthalt in Brasilien. «Ich habe dort viel über den täglichen Überlebenskampf der Menschen erfahren», sagt sie. Während der Arbeit an «Illegal» lernt Neidhart Meggiy Pombolo kennen, eine Jura-Studentin aus dem Kongo, die in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hat, das abgewiesen wurde. Nach zwölf zermürbenden Jahren kehrt Meggiy in Kürze «freiwillig» in ihr Herkunftsland zurück und entgeht so der Ausschaffung. Mirjam Neidhart beschäftigten die Erlebnisse der jungen Frau sehr. So sehr, dass sie ein Stück darüber schrieb. Dabei blieb sie so nah an der Realität, dass sie Meggiy, unterstützt von einer Schauspielerin, ihre Geschichte auf der Bühne selber erzählen lässt. Das Resultat ihrer Arbeit lässt sich Mirjam Neidhart wenn möglich nicht entgehen. Und so sitzt sie während der Aufführung des Stückes im Café Alte Post in Bern inmitten des Geschehens und verfolgt ge-

Lang gestreckte Wohnblocks mit viel Glas stehen auf dem ehemaligen Hürlimann-Areal in Zürich. Die Wohnung von Mirjam Neidhart ist hell, an den Wänden hängt eine Galerie von Fotos: Familie, Freunde, Reisen. An einer Tür das Plakat des Theaterstücks «Torschusspanik, intime Einsichten in die Reproduktionskrise». Von so einer Krise ist hier nichts zu spüren. Die Stimmen von Damian (6) und Lona (4) lassen keinen Zweifel daran aufkommen. Letzte Absprachen mit der Babysitterin, schon geht es über das vormittagsleere Areal, vorbei an einem Altersheim, im Hintergrund das Ziegelsteingemäuer der Hürlimann-Brauerei. «Es lässt sich hier gut leben», sagt Neidhart. «Vor allem mit Kindern.» Sie schiebt ihr Velo neben sich her, auf dem Kindersitz den CD-Player für die Nachmittagsprobe in der Maxim-Bar, auf dem Rücken ein prall gefüllter Rucksack; ein langer Tag liegt vor ihr. Über eine S-Bahn-Brücke geht es in den Stadtteil Wiedikon. Der Kontrast zwischen stillem Wohnquartier und tosendem Geschäftsviertel könnte nicht grösser sein. In Wiedikon hat Neidhart einen Schreibraum in einer Bürogemeinschaft. «Ohne das würde ich als Autorin vereinsamen», erklärt sie. «Ich brauche den Kontakt mit Menschen, die lebendige Umgebung, die Anregungen. Und als Mutter einen Rückzugsort.» Der Raum ist klein und spartanisch eingerichtet: ein schmaler Tisch vor dem Fenster mit Blick auf den Hinterhof, zwei Hocker, ein Regal, ein Futonsofa. Neidhart schiebt den Tisch in den Raum. So steht er auch, wenn sie mit den Menschen spricht, aus deren Leben sie den Stoff für ihre Arbeit nimmt. Für ihr Stück «Illegal» waren es Sans-Papiers. «Gespräche mit Sans-Papiers zeichne ich nicht auf», sagt sie, «die Gefahr, dass sie in falsche Hände geraten, ist zu gross.» Im Glaskrug dampft Tee; gesund, aber gut. Das Gespräch kommt in Fluss, Mirjam Neidharts Hände sind viel in Bewegung. Die braunen Augen hinter der feingerahmten Brille schweifen manchmal ab, dann fassen sie ihr Gegenüber wieder – klug, hellwach, aber unaufdringlich. «Als Kind wollte ich unbedingt zum Zirkus», erzählt Neidhart. «Aber die Begeisterung für «Natürlich hiess es zuhause, dass ich etwas Vernünftiges lernen das Theater setzte sich früh durch. Ich habe soll. Aber meine Begeisterung fürs Theater setzte sich durch.» Aufführungen mit Nachbarskindern organisiert, auch in der Schule viel Theater gespielt. Natürlich hiess es zuhause, dass ich etwas Vernünftiges lernen soll. spannt das Spiel und die Reaktionen des Publikums. Gerade ist NeidAlso habe ich das Lehrersemi gemacht und auch unterrichtet.» Dann hart aus Berlin zurückgekehrt, von Proben zu ihrem nächsten Projekt. aber zieht es sie ins Tessin an die Scuola Teatro Dimitri und anschliesNach der Aufführung beteiligt sie sich angeregt an der Diskussion, die send an die Schauspiel-Akademie Zürich. «Damals riet man den Schaudas Gastspiel in Bern abschliesst, liefert Hintergrundinformationen, spielerinnen, die Haare lang zu tragen», meint sie. So altbacken waren kommt mit Zuschauerinnen und Zuschauern ins Gespräch. «Ich will die Ansichten – und das Ende der Achtzigerjahre! mit diesem Stück nicht nur zeigen, wie es diesen Menschen geht, sonDoch Mirjam Neidhart will raus aus der Enge der Schweiz. Für zehn dern auch die Kraft, die sie haben», sagt sie entschieden. Es scheint Jahre geht sie nach Deutschland. Sie arbeitet als Regieassistentin, beganz so, dass auch Mirjam Neidhart ihrerseits einiges an Kraft aus ginnt bald darauf mit dem Inszenieren und Entwickeln eigener Stücke. ihren Stücken und ihrer Arbeit bezieht. ■ SURPRISE 201/09

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Die Ruhe vor dem Sturm: Helferinnen und Helfer der Ausgabestelle Matthäuskirche.

Lebensmittelhilfe Im sozialen Supermarkt Seit zehn Jahren rettet die Hilfsorganisation «Tischlein deck dich» überzählige Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilt sie an finanziell benachteiligte Menschen in der ganzen Schweiz. Ein Besuch bei zwei Abgabestellen und im Hauptquartier in Winterthur.

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VON PHILIPPE AMREIN (TEXT) UND DOMINIK PLÜSS (BILDER)

Ein wunderschöner Frühlingsmorgen Ende April. Es ist kurz nach halb zehn, und auf dem Kiesplatz vor der Matthäuskirche im Kleinbasel hält ein Lieferwagen. Zügig räumen die Helferinnen und Helfer den Laderaum leer, schieben Rollwagen ins Kirchenschiff. Auf den Wagen stapeln sich Orangensaftflaschen, Energy-Drinks und Kisten gefüllt mit Ananas, Bananen, Broccoli, Kopfsalat, Eiern, Guetzli und Kräuterbonbons. Im Innern des Gotteshauses werden die Waren auf diversen Tischen aufgebaut, die sich zu einer veritablen Ladenstrasse zusammenfügen, über der ein Plakat aus Pfarreibeständen hängt. Ein Slogan der Aktionen «Fastenopfer» und «Brot für alle» aus dem Jahr 1969 verkündet darauf: «Niemand hungert, weil wir zu viel essen, sondern weil wir zuwenig denken.» Die Mitarbeiterinnen von «Tischlein deck dich» kennen den Sinnspruch auswendig, denn sie sind jeden Freitagvormittag hier. Unbeirrt arrangieren sie weitere Güter auf den Tischen: mehlig kochende Kartoffeln, Bouillon-Würfel, verschiedene Sorten Joghurt, diverse Brote und Oster-Schokolädchen. «Wir verteilen oft sogar noch am Samichlaus-Tag Osterhasen», erklärt eine der Helferinnen. «Das ist gute Schokolade – egal, in welcher Form sie daherkommt.» Der Nebenraum füllt sich allmählich mit wartenden Bezügerinnen und Bezügern, die aus der Ferne schon mal einen prüfenden Blick auf das heutige Angebot werfen («Mmh, Ananas!»). Eine gewisse Anspannung macht sich bemerkbar, und sie vermag sich auch nicht wirklich zu lösen, als um zehn Uhr die Nummern verteilt werden: kleine hölzerne Wäscheklammern, die mit einer Zahl beschrieben sind und sich in einer Wühltüte befinden. In der Reihenfolge der gezogenen Nummern werden die einzelnen Kunden dann aufgerufen und in den Ausgaberaum gebeten. «Natürlich gibt es immer wieder solche, die gleich mehrere Klammern ziehen und dann die mit der tiefsten Nummer behalten wollen», berichtet eine Helferin. Doch man weiss sich zu helfen, auch an diesem turbulenten Vormittag. Eine andere Mitarbeiterin kehrt aus dem Vorraum zurück und seufzt: «Houston, we have a problem …» Grund: Die nummerierten Wäscheklammern sind aufgebraucht. Es herrsche eine «krasse Stimmung» da draussen, sagt sie, und wirft einen Blick auf die rund 80 Leute im Vorraum. Mit ein wenig Improvisationsgeschick lässt sich das Malheur dann allerdings beheben, und die Frau fragt in die Runde: «Hat jetzt jeder eine Nummer?» Noch nicht, also wird ein letztes Mal improvisiert. Noch einmal gehen die Freiwilligen die Lieferscheine durch – alles da. Die leeren Transportkartons werden weggeräumt, das Team besammelt sich vor dem Tisch mit den Südfrüchten. Und dann – um 10 Uhr 32 – geht es los. Einzeln werden die Bezügerinnen und Bezügern durch die improvisierte Marktgasse geführt und erhalten dort ihre Lebensmittel. Es geht zügig voran, diszipliniert wird «eingekauft». Die Kundschaft setzt sich zusammen aus alleinerziehenden Müttern, IV-Bezügern, Grossfamilien mit kleinem Budget, Rentnerinnen, Asylbewerbern und Ausgesteuerten. Nach Abschluss des Durchgangs gibt es ein «Dankeschön!» und einen Händedruck. Das ist nicht immer so: «Bei Leuten, die schon länger zu uns kommen, gibt es mitunter gewisse Begehrlichkeiten», hat «Tischlein deck dich»-Geschäftsführer Samuel Sägesser

festgestellt. «Sie verlieren dann etwas den Respekt und melden Sonderwünsche an.» An diesem Morgen verläuft abgesehen von der Aufregung um die fehlenden Klämmerchen alles in geordneten Bahnen. Ein paar Frauen setzen sich mit ihren gefüllten Taschen noch schnell ins Seitenschiff für einen kurzen Schwatz, tauschen untereinander den einen oder anderen Artikel aus und treten dann in die Vormittagssonne hinaus. Zu Besuch im Hauptquartier Wer die Zentrale von «Tischlein deck dich» besuchen will, landet erst einmal in einer unwirtlichen Gegend. Das Hauptquartier befindet sich in einem Gewerbegebiet in Winterthur-Grüze, umgeben von Läden für Grosseinkäufer und Selbstabholer. Von hier aus transportieren die Fahrzeuge der «Tischlein deck dich»-Flotte die Waren in die ganze Deutschschweiz hinaus. Und bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass die Last- und Lieferwagen eigene Vornamen wie Anna, Berta oder Carlo tragen. «Mittlerweile sind wir bei Gerda angelangt», bemerkt Samuel Sägesser beim Rundgang durch die Lagerräume. In der Halle türmen sich die Artikel auf wuchtigen Regalen, weiter hinten befindet sich der Kühlraum, wo die verderblichen Milchprodukte gelagert werden. Frische hat hier oberste Priorität, wie der Geschäftsführer betont: «Wir sind dem Lebensmittelgesetz unterstellt. Das letzte Datum auf der Verpackung – also das unter ‹zu konsumieren bis› – ist für uns relevant. Es gibt in unserem Sortiment allerdings auch Ware mit abgelaufenem Datum. Für diese Artikel haben wir jedoch vom Produzenten eine sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigung.» Das erklärte Ziel von «Tischlein deck dich» besteht darin, «Lebensmittel zu retten und denen zu geben, die sie benötigen», so Sägesser. An der Umsetzung dieses Ziels sind neben vier Festangestellten auch Zivildienstleistende sowie Einsatzkräfte aus Beschäftigungsprogrammen im Einsatz. Und eine Helferschaft von knapp 1000 Freiwilligen. Diese stammen aus den unterschiedlichsten Bereichen, das Spektrum

«Wir verteilen oft sogar noch am SamichlausTag Osterhasen.»

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reicht von der Hausfrau mit erwachsenen Kindern über den pensionierten LKW-Chauffeur bis hin zu einem Team der Crédit Suisse, das in Zürich-Oerlikon regelmässig mit anpackt. «Wir müssen uns nicht schämen!» Ein paar Tage später, Abgabestelle Gundeli im Zwinglihaus Basel. Einkaufswagen stehen an der Wand, die Leute haben Kühltaschen mitgebracht und warten im Vorraum darauf, dass es endlich losgeht. Ihre Wäscheklammern haben sie bereits gezogen, nun blicken sie zur Frau von «Tischlein deck dich», welche die gerade aktuellen Nummern ausruft. Wenn ihre Nummer an der Reihe ist, gehen sie nach vorne, zeigen ihre Karte und bezahlen einen symbolischen Franken (siehe Interview S. 13, Anm. d. Red.). Danach werden sie durch den Verkaufsraum geführt, wo heute neben etlichen Frischwaren auch Knäckebrot, Fertigrisotto, Weight-Watchers-Backmischungen und Getreideriegel mit Grapefruit-Füllung im Angebot sind.

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Für einen symbolischen Franken gibt es Grundnahrungsmittel – und manchmal auch mehr.

Etliche der Anwesenden kennen sich. Eine Rentnerin schiebt ihre Gehhilfe mit integriertem Warenkorb vor sich her und begrüsst eine Bekannte: «Sali, heute haben sie wieder einen Haufen!» Kurz kommt Unruhe auf, als eine Frau mit Kopftuch einen vollen Einkaufswagen parkiert – und dann für einen zweiten Durchgang in den Ausgaberaum geht. «He! Die geht jetzt zum zweiten Mal!», ruft einer aus der anderen Ecke empört. Die Leiterin entgegnet: «Sie darf das – sie hat zwei Karten.» «Ja, dann bestell ich aber auch zwei Karten.» «Nein, ich meinte: Sie kauft für zwei Familien ein.» Ruth Michel kennt diese Situation. Seit letztem Sommer wohnt die pensionierte Krankenschwester aus Biel in Basel, und seither kauft sie auch bei «Tischlein deck dich» ein. «Meine Tochter sagte damals: Das kannst Du doch nicht machen!», erzählt die siebenfache Grossmutter, die früher alleinerziehende Mutter von vier Kindern war. Sie hat sich bei Pro Senectute eine Bezugskarte geholt. Nun schüttelt sie Hände und plaudert mit einem Bekannten: «Und, zufrieden?» «Doch, doch. Ich komme ja eigentlich vor allem wegen des Brotes», antwortet der ältere Herr und lächelt. «Es ist immer wieder eine Überraschung», sagt Michel. «Letzthin gab es Joghurt-Drinks, ein anderes Mal weissen Spargel.» Solche Produkte bringen eine willkommene Abwechslung in den Speiseplan, worüber sich auch ihr Enkel freut, der einmal pro Woche zum Mittagessen vorbeikommt. Doch nicht alle Bedürftigen mögen das Angebot von «Tischlein deck dich» in Anspruch nehmen. «Eine Freundin von mir, die IV-Bezügerin ist, weigert sich, hierher zu kommen. Sie würde sich schämen», berichtet Ruth Michel. «Aber wir müssen uns nicht schämen – wir bekommen doch bloss Armenhilfe. Andere bekommen dicke Boni. Die müssten sich schämen.»

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«Tischlein deck Dich» Die Nonprofit-Organisation wurde 1999 von Anja Hübner ins Leben gerufen, der Ehefrau des damaligen Direktors der Grosshandelsfirma Prodega. In dieser ersten Phase wurden an zwei Standorten in Zürich Lebensmittel an Bedürftige abgegeben, derweil in Bern ein ähnliches Projekt lief. Ende 2001 gab Bon-appétit-Group-Besitzer Beat Curti, der «Tischlein deck dich» bis heute als Präsident vorsteht, den Startschuss zu einer Professionalisierung. Innert Jahresfrist konnte die Abgabemenge von 18 auf 175 Tonnen nahezu verzehnfacht werden. Im Jahr 2008 betrug die verteilte Warenmenge 1270 Tonnen. Rund 400 Firmen aus der Lebensmittelbranche beliefern «Tischlein deck dich» mit Produkten, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen, aus Überproduktion stammen oder deren Verpackung beschädigt ist. Die Ware wird von knapp 1000 Freiwilligen an über 60 Abgabestellen (u.a. in Kirchen und Gemeindezentren) an Bedürftige verteilt. Zum Bezug der Lebensmittel berechtigt eine entsprechende Karte, die von sozialen Fachstellen ausgestellt wird. Beim Einkauf in der Abgabestelle ist jeweils der symbolische Betrag von einem Franken zu entrichten. (amp)

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BILD: ZVG

Interview 7,5 Millionen Mahlzeiten für die Schweiz Seit Mitte 2002 ist Samuel Sägesser (63) Geschäftsführer von «Tischlein deck dich». Unter seiner Leitung wurde aus dem Gründerprojekt eine professionell strukturierte Nonprofit-Organisation. INTERVIEW: PHILIPPE AMREIN

Im vergangenen Jahr hat «Tischlein deck dich» an 60 Abgabestellen insgesamt 1270 Tonnen Lebensmittel verteilt. Wie sehen die Ziele für 2009 aus? Samuel Sägesser: Wir haben uns vorgenommen, die Zahl der Abgabestellen auf 72 zu erhöhen und dort 1500 Tonnen Lebensmittel zu verteilen. Damit kann man rund 7,5 Millionen Teller füllen – rein statistisch gesehen wird bis Ende Jahr also jeder Schweizer einmal einen «Tischlein»-Teller gegessen haben. Sie gehen von einer Steigerung von fast 20 Prozent aus. Eine Folge der Wirtschaftskrise? Wir werden immer gefragt, ob wir die Krise spüren. Dazu muss ich sagen: nicht unmittelbar. Wenn wir sie zu spüren bekommen, dann von einer anderen Seite: In einer Krise verlieren viele Leute ihre Arbeitsstelle und landen in Beschäftigungsprogrammen. Dort rekrutieren wir unter anderem unser Personal. Die letzten Jahre waren diesbezüglich sehr trocken, da viele gute Leute eben reguläre Arbeit hatten.

Investiert in Infrastruktur: Geschäftsführer Samuel Sägesser.

Menschen in Not», Anm. d. Red.) und wir zusammen «nur» rund 6000 Tonnen an Bedürftige verteilen, dann gibt es tatsächlich noch Potenzial.

Früher konnten die Ausgabestellen an alle Bedürftigen «Tischlein»Bezugskarten abgeben. Heute gilt eine Beschränkung auf zehn Bezugskarten pro Karten-Ausgabestelle. Warum? Die Beschränkung hat verschiedene Gründe. Einer davon ist die Kapazität unserer Lebensmittel-Abgabestellen. Diese Räumlichkeiten stehen uns nur zu gewissen Zeiten zur Verfügung. Zu Beginn mussten wir noch darum kämpfen, dass Sozialfachstellen unsere Karten ausgeben. Ende 2003 sahen wir dann: Jetzt werden wir überfahren. Also habe ich mit Professor Ueli Mäder von der Uni Basel Kontakt aufgenommen. In seiner Studie kam Mäder zum Schluss, dass es am sinnvollsten ist, die Bezugskarten zu kontingentieren. Zudem haben wir ein Ampelsystem bei den Lebensmittelausgaben eingeführt: Für jene Stellen, deren Kapazität erschöpft ist, gilt die Phase Rot – mit der Folge, dass neue Bezüger auf andere Stellen ausweichen. So sind schliesslich auch neue Abgabestellen entstanden, beispielsweise das Zwinglihaus im Basler Gundeldingerquartier. Wir könnten allein in Basel noch sieben oder acht weitere Stellen eröffnen.

Ganz umsonst kommen die Bezüger bei «Tischlein deck dich» nicht an Lebensmittel – pro Einkauf bezahlen sie einen Franken. Was ist der Hintergrund dieser Politik? Bis zur 16. Abgabestelle haben wir die Lebensmittel gratis abgegeben. Wir haben dann aber festgestellt, dass die Bezüger dadurch irgendwie gehemmt sind. Es fällt ihnen nicht leicht, etwas kostenlos in Anspruch zu nehmen. Den symbolischen Franken haben wir dann in Zürich-Wiedikon testweise eingeführt und gemerkt: Das bricht die Schwellenangst, denn man bekommt etwas, gibt gleichzeitig aber auch etwas. Den Leu-

Gemäss einer McKinsey-Studie werden in der Schweiz jährlich 250 000 Tonnen noch intakte Lebensmittel entsorgt … In dieser Rechnung sind teilweise auch Roh- und Halbfabrikate enthalten. Wenn man es genau anschaut, könnten wir von der genannten Menge ungefähr einen Zehntel, also 25 000 Tonnen für unsere Zwecke nutzen. Aber natürlich: Wenn wir heute davon ausgehen, dass Caritas, die «Schweizer Tafeln» (Lebensmitteldienst der Stiftung «Hoffnung für

Die Ziele für das Jahr 2009 sind hochgesteckt. Sind Sie auf Kurs? Wir müssen fast ein wenig auf die Bremse treten, denn es liegen unzählige Anfragen für neue Abgabestellen vor. Das mögliche Wachstum ist aber begrenzt, vor allem bezüglich der Logistik. Aber bis jetzt läuft alles nach Plan. ■

«Der symbolische Franken soll es den Bezügern erleichtern, unser Angebot anzunehmen.»

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ten ist wohler dabei. Ein Franken ist für viele unserer Kunden ziemlich viel Geld, aber der Einkauf bei uns entlastet ihr Budget trotzdem spürbar. Auf der anderen Seite kommt dabei ein jährlicher Betrag von 90 000 Franken zusammen, den wir dann wieder in Infrastruktur investieren können.

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Mit 16 wurde Ciise Ali zum Kriegsdienst eingezogen. Heute verkauft der 19-J채hrige Surprise.

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Jugend in Somalia Entweder Soldat oder Pirat Heute ist Ciise Ali 19 Jahre alt und verkauft Surprise. Daheim in Somalia wurde er als Schüler zum Kriegsdienst eingezogen. Er hätte auch Pirat werden können. Wollte aber nicht. Stattdessen floh Ciise aus dem Land. In der Schweiz hat er Antrag auf Asyl gestellt, weil er hier den Frieden lernen und damit später nach Somalia zurückkehren will. AUFGEZEICHNET VON FRED LAUENER, BILDER: DOMINIK PLÜSS

«Ciise Ali ist nicht mein richtiger Name. Ich habe das Pseudonym gewählt, weil ich mich damit sicherer fühle und es ein schöner Name ist. Ich komme aus Mogadischu. Meine Familie ist arm. Sie zählte dreizehn Mitglieder. Ich hatte sechs Brüder, vier Schwestern, meine Mutter und meinen Vater. Ich bin das vierte Kind meiner Eltern. 2006 war ich 16 Jahre alt, als islamistische Kämpfer in meine Schule kamen und die männlichen Schüler aufforderten, mit ihnen zu gehen um gegen die Äthiopier zu kämpfen. Ich wollte aber nicht in den Krieg ziehen. Ich wollte in die Schule gehen, lernen und Fussball spielen. Aber ich konnte nicht wählen.» Das unabhängige Somalia gibt es seit 1960. Zuvor war es Kolonialgebiet. Italien und Grossbritannien teilten sich das Land am Horn von Afrika. Ab 1977 bestimmten Krieg und Bürgerkrieg den Alltag. Bis heute. Seit dem Sturz der Regierung unter Siad Barre im Jahr 1991 gibt es in Somalia keine funktionierenden staatlichen Strukturen mehr. Zwar besteht seit 2000 eine international anerkannte Übergangsregierung. Doch sie schaffte es nicht, das Land zu kontrollieren. Im Januar 2006 eröffneten die zur Union Islamischer Gerichte (UIG) vereinigten Milizen der Scharia-Gerichte den Krieg gegen die Armeen der mächtigen Warlords und eroberten die Hauptstadt Mogadischu. Das benachbarte Äthiopien fühlte sich durch den wachsenden Einfluss der Islamisten zunehmend bedroht und marschierte an Heiligabend 2006 in Somalia ein.

ihm, was geschehen war, dass Masud und Muadh im Kampf getötet worden waren. Sie waren erst 14 und 15 Jahre alt. Daran zerbrach meine Mutter.» In Somalia schiessen Kinder auf Kinder. 70 000 Kindersoldaten werden gemäss der unabhängigen Menschenrechtsorganisation «Gesellschaft für bedrohte Völker» von den somalischen Kriegsparteien unter Zwang und Waffen gehalten. «Mein Vater war auch Soldat. Er wurde im Februar 2008 getötet. Es starben so viele Menschen. Ich habe in meinem ganzen Leben nicht erlebt, was Frieden ist.» Nach Verhandlungen zwischen der Übergangsregierung und den mit äthiopischer Hilfe zurückgedrängten radikalen Islamisten zog sich Äthiopien aus Somalia zurück. Ende Januar dieses Jahres wurde der

«Ich wollte nicht in den Krieg ziehen, ich wollte in die Schule. Aber ich konnte nicht wählen.»

«Mit zwei meiner jüngeren Brüder wurde ich mit dem Schiff in den Iran geschickt, um den Umgang mit Waffen zu lernen. Als wir zurück in Somalia waren, mussten wir an die Front. Meine Brüder fielen. Ich floh und kehrte zu meiner Familie zurück. Mein Vater fragte mich: Warum kommst du alleine nach Hause, wo sind deine Brüder? Ich erzählte SURPRISE 201/09

gemässigte Islamist Sharif Sheikh Ahmed vom Übergangsparlament zum neuen Präsidenten gewählt. Somalia ist damit weder sicherer noch friedlicher geworden. Militante islamistische Gruppen und andere Akteure kontrollieren weiterhin grosse Teile des Landes und bekämpfen die offizielle Regierung mit allen Mitteln. «Nach dem Tod meines Vaters verkaufte meine Mutter das Haus unserer Familie. Die Flucht nach Europa kostet zehntausend Dollar. Das ist für meine Familie sehr viel Geld. Aber es reicht dennoch nur für eine Reise. Ich bin alleine hier. Alle anderen Mitglieder meiner Familie, die noch leben, sind noch immer in Mogadischu. Ich vermisse meine Familie sehr.»

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ÂŤMein Vater fragte mich: Warum kommst du alleine nach Hause, wo sind deine BrĂźder?Âť

Die kriegerischen Auseinandersetzungen trieben Hunderttausende in die Flucht. Allein im vergangenen Jahr suchten 2014 Menschen aus Somalia Asyl in der Schweiz, im ersten Quartal dieses Jahres kamen weitere 400 Gesuche dazu. Die Schweiz tut sich schwer mit den somalischen Flßchtlingen. Viele von ihnen befinden sich seit ßber zehn Jahren ungeregelt im Land. Ihr Aufenthaltsstatus als Vorläufig Aufgenommene (Status F) erschwert sowohl die Integration als auch die Arbeits- und Wohnungssuche.

ÂŤWir Jungen haben in Somalia kaum MĂśglichkeiten. Ich konnte zur Schule gehen, viele meiner Freunde nicht. Es gibt fast keine Jobs. Vielen bleibt nur der Krieg. Die Islamisten versprechen jedem Ehre, Ruhm und Geld, der mit ihnen in die Schlacht zieht. Viele Jugendliche haben nur diese MĂśglichkeit. Oder das Meer.Âť Das somalische Elend war weit entfernt und schaffte es lange nur selten in die westlichen Schlagzeilen. Bis die somalischen Piraten kamen: Ăœber tausend Seeräuber auf kleinen, schnellen Booten mit moderner Waffentechnik bedrohen derzeit im Indischen Ozean und dem Roten Meer den internationalen Schiffsverkehr. Die somalischen Piraten sind jung, viele davon sogar sehr jung, einige haben gerade erst den Stimmbruch Ăźberstanden. ÂŤIn den letzten Jahren gingen immer mehr von uns aufs Meer, um fremde Schiffe zu jagen. Das Geschäft mit den Schiffen ist gut organisiert. Die Gangs nehmen aber nicht jeden. Wer auf ein Boot will, braucht Geld. Man muss die Waffen selber mitbringen. Mindestens eine Pistole. Die kostet in Mogadischu etwa 200 Dollar. Man kann als Mann auf dem Boot zwar gut verdienen, aber man muss zuerst investieren. Und das Risiko ist gross.Âť

ÂŤIch wollte nie auf ein Boot. Ich will nichts mit Waffen zu tun haben. Ich wurde gezwungen, die Schule zu verlassen und Soldat zu werden. Ich habe zwei BrĂźder und meinen Vater durch Waffen verloren. Ich will etwas anderes vom Leben.Âť Schätzungen zufolge besuchen in Somalia etwas mehr als zehn Prozent der Buben und rund sieben Prozent der Mädchen eine Schule. Dabei handelt es sich in der Mehrheit um Koranschulen. Ein funktionierendes Bildungswesen existiert mit Ausnahme des faktisch autonomen Gebietes ÂŤSomalilandÂť im Norden Somalias nicht. Somalia hat keine Chancen fĂźr seine Jugend. Andererseits ist die Jugend Somalias einzige Zukunftschance. Ohne Umweg Ăźber das Ausland wird aber auch sie es kaum richten kĂśnnen. ÂŤMeine Familie hat mir viel Geld gegeben, damit ich als Deserteur nicht verhaftet oder umgebracht oder an die Front zurĂźckgeschickt werde. Oder auf ein Boot muss. Damit ich in Europa eine Zukunft finden kann. Ich hoffe, dass mein Asylgesuch angenommen wird, dass ich bald eine richtige Arbeit suchen kann. Ich mĂśchte meiner Familie das Geld zurĂźckgeben. Sie braucht meine UnterstĂźtzung. Ich mĂśchte von der Schweiz lernen und später in mein Land zurĂźckkehren und dabei mithelfen, dass Somalia endlich ein Land wird, wo man normal leben kann. Das ist mein Traum.Âť â–

Mit dem zunehmenden Chaos in Somalia wurden auch die Hoheitsgewässer des Landes praktisch preisgegeben. Ganze Flotten ausländischer Fischereikonzerne nutzten die Gunst der somalischen Not und räuberten fortan unkontrolliert in den somalischen Fischgrßnden. Sie ßberfischten die unbewachten Gewässer derart, dass den somalischen Fischerfamilien die Lebensgrundlage entzogen wurde. Der Schutz der eigenen Fischgrßnde mag ein Grund fßr den Beginn der organisierten Piraterie vor Somalia gewesen sein. Spätestens als klar wurde, dass sich mit dem Kapern gut beladener fremder Schiffe sehr viel Geld verdienen lässt, begann der Zweck die Mittel zu heiligen. Und mit dem Einstieg der Warlords in das lukrative Geschäft ist die Piraterie zu einer Front im Krieg um Somalia geworden. Ich kenne vielleicht solche, die auf ein Boot gingen, das ist gut mÜglich. Vielleicht sind ehemalige Schulkameraden von mir dabei, Freunde meiner Brßder aus dem Viertel in Mogadischu, in dem wir zusammen aufwuchsen. Sie versuchen auf diese Weise zu ßberleben und ihre Familien durchzubringen. Das ist keine gute Idee, ich weiss das, aber Kriminelle sind diese jungen Männer auf den kleinen Booten sicher nicht. Sie machen – wie die Soldaten – nur die schmutzige Arbeit. Jetzt werden sie von allen grossen Armeen und Antiterrorkommandos der Welt gejagt und gefangengenommen oder sogar getÜtet. Dabei sind das doch fast noch Kinder! Die Schweiz diskutiert gegenwärtig eine Beteiligung an der bewaffneten Bekämpfung der Piraten vor Somalia. Der einjährige Armee-Einsatz am Horn von Afrika ist mit 9,8 Millionen Franken veranschlagt. Das ist etwa gleich viel, wie fßr die gesamte Üffentliche bilaterale Entwicklungshilfe der Schweiz fßr Somalia in vier Jahren ausgegeben wurde (gemäss aktuell verfßgbarer Zahlen waren dies 9,5 Millionen Franken zwischen 2004 und 2007).

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Stadtentwicklung Szenenwechsel im Rotlichtviertel Dirnen und Drogensüchtige prägen das Image der Langstrasse im Zürcher «Chreis Cheib». Doch nun verdrängen Szenebars die Nachtclubs, und Stundenhotels werden zu Wohnhäusern für Gutverdienende. Die Stadt nennt das Aufwertung. Die Quartierbevölkerung aber befürchtet, aus dem Problemviertel mit Charme könnte ein Disneyland für Erwachsene werden. SURPRISE 201/09

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VON RETO ASCHWANDEN (TEXT) UND LUC-FRANÇOIS GEORGI (BILDER)

niemand etwas. Angenehmer wird das Leben an der Langstrasse dadurch aber nicht unbedingt. Freier schleichen in der Regel einzeln und möglichst unauffällig durch die Gassen. Das Partyvolk hingegen, das seit einiger Zeit Wochenende für Wochenende aus der halben Schweiz hierher pilgert, zieht in Gruppen, grölend und Flaschen schmeissend um die Häuser. Eine Einwohnerbefragung des Geographischen Instituts der Universität Zürich ergab im Herbst 2007, dass viele befürchten, ihr

Stephan Pörtner nippt vor dem «Cafe Casablanca» im Zürcher Kreis 4 am Espresso. Vor dem Krimiautor, den Surprise-Leserinnen und- Leser als Kolumnisten kennen, liegt die Langstrasse in der Nachmittagssonne und bietet das gewohnte Bild: Dunkelhäutige Frauen flanieren übers Trottoir, blasse Junkies hetzen um die nächste Ecke, ein Polizeiauto jagt mit Blaulicht und Sirene über die Busspur zur nächsten Kreuzung, wo eine kurdische Gruppe «Freier schleichen unauffällig durch die Gassen. Das Partyvolk demonstriert. Typisch Langstrasse: Drogen, zieht grölend und Flaschen schmeissend um die Häuser.» Prostitution, Ausländer. Doch das ist nur ein Teil der Wirklichkeit an der berühmtesten Quartier könnte zu einer Art Disneyland für Erwachsene werden. «Nie«Sündenmeile» der Schweiz. «Hier laufen in den letzten Jahren Sachen, mand will, dass Yuppies die Gegend übernehmen», sagt Stephan Pörtdie den Leuten, die hier leben, mehr Mühe bereiten als die Nachbarner. Denn im Gegensatz zu ihm denken die meisten hier nicht im Traum schaft zum Milieu», sagt Pörtner, der über zwei Jahrzehnte hier gewohnt daran, wegzuziehen. In der Studie erklärten über 90 Prozent, dass sie hat. Vor einem Jahr ist er in einen ruhigeren Stadtteil gezogen, doch trotz des Lärms, käuflichem Sex und der Drogen gerne an der Langheute kehrt er zurück, um bei einem Rundgang durch sein altes Quarstrasse wohnen. Noch sind die Mietpreise für Wohn- wie auch für Getier über die Veränderungen der letzten Jahre zu sprechen. werberäume im Vergleich zu anderen Quartieren günstig. Jeder Vierte, der hier wohnt, arbeitet auch im Quartier. Die Frage ist, wie lange das Zuzüger vom Zürichberg Kleingewerbe die steigenden Mieten verkraften kann. «Bei den meisten Eine Viertelstunde später biegt Pörtner in die Hohlstrasse ein. Hier ist Geschäften, die bereits seit einiger Zeit existieren, ist der Inhaber gleichder Umbruch augenfällig. Zwar schlendern noch immer Kokaindealer zeitig auch der Hausbesitzer», erklärt Pörtner. durch die Gasse, neu ist aber die Bar «Bonneville», eines von unzähliBang blickt mancher über die Geleise in den benachbarten Kreis 5, gen Lokalen, die in den letzten Jahren in dieser Gegend neu eröffnet wo die Zukunft, die dem «Chreis Cheib» droht, bereits gegenwärtig ist. wurden und seither trendiges Jungvolk ins Quartier locken. Ein paar Wo einst Arbeiterfamilien neben WGs lebten, wohnen nun Banker und Schritte weiter liegt die Bäckeranlage, einer der schönsten Parks der Versicherungsangestellte in teuren Neubauten. Werkstätten sowie BioStadt. Nach der Räumung der offenen Drogenszene am Letten hatte sich und Plattenläden wurden verdrängt von Feinkostanbietern, Edelboutihier in den späten Neunzigern die Drogen- und Alkoholikerszene einquen und Schickimicki-Shops, die von Zürichberg-Hausfrauen mit dem genistet. Seit einigen Jahren aber unterbinden Polizei und die Eingreifnötigen Kleingeld als Hobby betrieben werden. truppe SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention) jede offene Szene. Ganz so weit ist es rund um die Langstrasse noch nicht. Doch die EntHeute tummeln sich Leute aus der halben Stadt auf dem Rasen und an wicklung schreitet voran, angetrieben von den städtischen Behörden. So den Tischen vor dem Quartierzentrum. Wurde der Ort früher gemieden, wurde der Neubau gegenüber der Bäcki, wo noch vor wenigen Jahren weil man nicht in gebrauchte Spritzen treten wollte, meiden ihn heute die stadtbekannte Alkikneipe «Schönau» stand, von der Stiftung zur Ermanche Anwohner, weil er ihnen zu szenig geworden ist. «Bäcki-Mami haltung von preisgünstigem Wohn- und Gewerberaum (PWG) auf ausist ja schon fast ein stehender Begriff», grinst Pörtner bei einer Gazosa drücklichen Wunsch der Stadt erstellt. Einige der neuen Mieter – darauf am Stehtisch neben dem Sandkasten, dem einzigen freien Platz an dieist die PWG stolz – zogen aus den gehobenen Wohngegenden am Züsem Donnerstag um vier Uhr nachmittags. Tatsächlich könnten viele der richberg und aus dem Seefeld hierher, denn die nicht gerade günstigen Jungmütter hier samt Nachwuchs eines der In-Lokale in der Umgebung Mietpreise liegen noch immer einen Viertel unter dem, was eine Wohbetreten, ohne sich vorher umziehen zu müssen. nung mit diesem Standard auf dem freien Markt kosten würde. Rund um Viele Quartierbewohner beäugen den neuen Stil skeptisch. Gegen die die Langstrasse hat die PWG in den letzten Jahren gezielt Haus um Haus Verdrängung des Milieus hat – abgesehen von den Beteiligten selbst – Anzeige:

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Vor wenigen Jahren noch ein Treffpunkt der Drogenszene, heute ein Park für die ganze Familie: Die Bäckeranlage mit dem PWG-Neubau links im Hintergrund.

erstanden. Steht eine Milieuliegenschaft zum Verkauf, erwirbt sie oft die PWG und wandelt Cabarets und Absteigen in normale Gaststätten und Wohnhäuser um.

Komplett umkrempeln will Vieli das Quartier aber nicht: «Die gewachsene soziale Struktur soll aus unserer Sicht so weit wie nur möglich erhalten bleiben.» An der Bushaltestelle Militär-/Langstrasse zeigt Stephan Pörtner auf zwei Häuser auf der anderen Strassenseite. «Die gehören beide der VeraGloor-Gang», erzählt er. Die Architektin hat mit Geldgebern im Hintergrund über die letzten Jahre mehrere Langstrassen-Liegenschaften aufgekauft. Was mit diesen geschieht, ist offen. Kritiker sehen in ihr eine Spekulantin, Rolf Vieli hingegen findet: «Sie interessiert sich, im Gegensatz zu anderen Investoren, wirklich fürs Quartier.» Sie selber sagt auf Anfrage, im Vordergrund der Projektentwicklung stünden die Bedürf-

Das Milieu zahlt jeden Preis Diese Übernahmen sind Teil der städtischen Strategie «Langstrasse Plus», mit der das Sexgewerbe zurückgedrängt und die Lebensqualität erhöht werden soll. Diesem Zweck dient auch der sogenannte Langstrassenkredit. Anfang Mai wurden zum dritten Mal Gelder verteilt. Ein Schuhladen erhielt einen Beitrag an «die Ausbildung einer Lehrtochter mit Migrationshintergrund». Ebenfalls bedacht wurde ein Geschäft für Satellitenanlagen: «Als deutlicher Kontrapunkt gegen Prostitution an der Brauerstrasse wird «Plattenläden wurden verdrängt von Feinkostanbietern, eine weitere Mietzinsunterstützung von insgeEdelboutiquen und Schickimicki-Shops.» samt 11 400 Franken als A-fonds-perdu-Beitrag gesprochen.» nisse der Bewohner und Gewerbetreibenden: «Wir sind aber auch dem Rolf Vieli ist der Leiter von Langstrasse Plus. Er sagt: «Es gilt, mit dem Marktspiel ausgeliefert und haben keine Subventionen zur Verfügung. Kredit langfristige Chancen für das Gewerbe auch im Kreis 4 zu geDas heisst, wir müssen Ideen entwickeln, wie wir qualitätsvoll, kostenwährleisten. Ebenso ist eine kurzfristige Intervention notwendig zur günstig und innovativ bauen können.» Ihre Wunschmieter wären Verbesserung des Umfelds.» Vieli, den sie im Quartier «Mr. Langstrasse» «Menschen, die den speziellen Charakter des Quartiers schätzen und nennen, versteht die Angst vor steigenden Mieten. Er weist aber darauf unterstützen». Sie würde gerne Wohnungen bauen, «die junge Leute anhin, dass vielerorts Sanierungsbedarf besteht. «Die Bausubstanz ist versprechen und bezahlbar sind, damit neue Ideen ins Stadtzentrum komaltet, denn Investitionen in die Renovationen wurden lange nicht getämen.» Bis klar ist, was mit Gloors Häusern geschieht, finden darin tigt.» Einige Hausbesitzer seien nach dem Motto verfahren: «Warum resogenannte Zwischennutzungen statt: In der «Alten Metzg» schütteln novieren, wenn das Milieu jeden Preis zahlt?» Deshalb werde nun verHeavy-Metaller die Mähnen, im «St. Pauli», das vor wenigen Monaten mehrt saniert, was an manchen Orten Mieterhöhungen nach sich zieht. noch ein Nachtklub war, finden heute Rockkonzerte statt. Die InnenLangstrasse Plus strebt eine bessere Durchmischung der Bevölkerung einrichtung wurde samt Stripstange beibehalten. an. Dazu soll insbesondere auch Raum für Familien geschaffen werden. SURPRISE 201/09

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Die alte und die neue Langstrasse: Das «St. Pauli» bietet heute Rockkonzerte statt Striptease, im «Lambada» verkehrt nach wie vor das Milieu.

Kutteln im Tessinerkeller Im verruchten Ambiente ehemaliger Milieulokale verspüren brave Studenten und anderes Jungvolk aus Aussenquartieren und der Agglomeration im Ausgang einen Hauch von Gefahr und Abenteuer. In Pörtners Krimis äussert sein Alter Ego, der Langstrassendetektiv Köbi Robert deutlich, was er von den neuen Bars und ihrer Klientel hält. Zwar ist Köbi kein Kind von Traurigkeit, doch die Exzesse der Spasstouristen stören ihn mehr als die alteingesessenen Abhängigen: «In einer Stadt macht es einen Unterschied, ob ein paar Hundert oder Zehntausende sich zielstrebig zuschütten und die unausweichlichen Stadien Geselligkeit, Übermut, Zerstörungswut und Kommandokotzen an öffentlichen Orten durchlaufen.» In den Fünfzigerjahren zeigte der Regisseur Kurt Früh die Langstrasse in Filmen wie «Bäckerei Zürrer» und «Hinter den sieben Gleisen» als wild-romantischen Schmelztiegel von einheimischen Gewerblern, italienischen Büezern, Tagedieben und leichten Mädchen. Ein Lokal aus diesen Filmen existiert heute noch: Die «Räuberhöhle» an der Neufrankengasse gleich bei der Bahnhofseinfahrt heisst heute «Tessinerkeller». «Damals schäkerten Alkis und Rekruten aus der nahe gelegenen Kaserne mit Animierdamen, heute essen hier Freiberufler und Fussballer aus der alternativen Liga Kutteln und Muscheln», kommentiert Pörtner. Hier treffen Gegensätze aufeinander: Sieht der Tessinerkeller von aussen noch immer fast so aus wie bei seiner Erbauung 1860, erhebt sich daneben ein Neubau, der ebenfalls von den Investoren hinter der Architektin Vera Gloor erstellt wurde. Geht es nach der Stadt, werden beide verschwinden. Denn genau hier soll in 15 Jahren eine neue Tramlinie gebaut werden. In Zukunft ist öffentlicher Verkehr an der Langstrasse wichtiger als Geschlechtsverkehr gegen Geld. ■ SURPRISE 201/09

Auch Basel und St. Gallen werten auf Neugestaltungen oder – je nach Standpunkt – Vertreibungen finden auch in St. Gallen und Basel statt. So entsteht derzeit direkt am Rhein der Novartis Campus, der mittelfristig Platz für 10 000 Angestellte bieten soll. Dafür wird das gesamte St. Johann-Quartier umgestaltet. Mit VoltaWest und VoltaMitte entstehen neue Überbauungen, die das Pharmapersonal mit Wohnungen und Geschäften versorgen sollen. «Die Novartis wird gehätschelt», kommentiert Beat Leuthardt vom Mieterinnen- und Mieterverband Basel und verweist auf die Hüningerstrasse, die künftig keine öffentliche Verbindung mehr sein wird, sondern Teil des Firmengeländes. Die Basler Regierung betreibe eine bewusste Bevölkerungsumschichtung mit dem Ziel, gute Steuerzahler in die Stadt zu locken, so Leuthardt weiter: «Die Behörden fördern Abrisse, Verdichtung und unterstützen die Schaffung neuer, kommerziell ausgerichteter Zentren. Diese Politik widerspricht allem, was aus Mietersicht stadtverträglich wäre.» In St. Gallen hatte das Goliathquartier vor wenigen Jahren noch den Ruf eines Klein-Amsterdams. Hier tummelten sich früher die Freaks; es gab einen Plattenladen, einen Comic-Shop, die alternative Buchhandlung Comedia sowie eine Vielzahl von Bars und Restaurants. Viele dieser Lokale wurden in den letzten Jahren von rentableren Betrieben verdrängt. Im Februar mussten nun auch die beiden Kultbeizen «Filou» und «Goliath» schliessen. Massgebend an der Aufwertung beteiligt ist die Privatbank Wegelin & Co., die im Viertel Haus um Haus aufkauft. Kollektiver Widerstand rege sich keiner, berichtete die «Wochenzeitung» im April: «Zu sehr haben sich die Interessen (der Quartierbewohner, Anm. d. Red.) auseinanderdividieren lassen.» (ash)

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BILD: ANDREA GANZ

Wörter von Pörtner

Le mot noir Liebenswerte Nachbarn Ein friedlicher Sonntagnachmittag. Meine Nachbarin Angela und ich stehen unter dem gemeinschaftlichen Apfelbaum. «Wäre eine Pinie nicht wirkungsvoller als dieses morsche Ding?», meint sie mit ihrem Bühnenbild geschulten Auge. «Che morto!» «Mais oui», nicke ich. «Aber wenn die Perpétue Rose erst da hochgeklettert ist und ihre Blüten versprüht – ist auch schön.» Neugierige Blicke treffen uns aus den umliegenden Fenstern. Ich mag meine Nachbarschaft. Es ist ein bunter Haufen von Italienern, Secondos und Albanern, der viel gestikuliert und sich wenig versteht, aber wenn über dem nahen Hafen ein Sturm aufzieht, hält er zusammen: Angela und ihr Mann hängen sich an meine Gartenwände, bevor die in fremde Fenster donnern. Die Albaner schnallen mit monströsen Seilen Blumentöpfe und Sonnenschirme an die Zäune. Einmal

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sogar den Hund. Die alte Filomena scheucht die quietschenden Kleinkinder wie Tauben in Sicherheit, und ihr Mann Mario dirigiert, eine Zigarette im Mund, das Szenario vom Balkon aus. Wenn es ein Notfall ist, meint sein Arzt, dürfe er rauchen. Während Angela und ich zwei Bodenplatten heben, um beim Apfelbaum ein Beet zu graben, klappen die Albaner Plastikstühle auf. Ein beruhigender Vorgang. Nie fällt ein böses Wort. Auch jetzt gucken sie uns mit wohlwollendem Expertenblick beim Pflanzen zu. «Mario! Dove che le Grill?», scheint Angela dieses Erlebnis verdrängt zu haben. «Ah! Si, si!», schiebt Filomena ihren Mario Richtung Geräteschuppen. «Pepita? Wozu eine Pepita!», schnaubt Mario. «Der Baum, morto! Guter Platz für Grill!» «Mario, che design!», klemmt ihn Filomena ab. Die Sonne geht inzwischen über dem Hafen unter. Mario und der Chef-Albaner karren zum fünften Mal den Grill unter den Apfelbaum. «Nicht zu nah», warnt Angela. «No, no, bene cosi!» Okay. Mario wird es wissen. Die Holzkohle glüht. Filomena und die Albaner packen Unmengen Material auf den Grill. Ich verteile Salat, Angelas Mann den Aktionswein. Nur die krätzige Nachbarin sucht noch nach ihrer Katze. «Die ist doch nicht etwa …», flüstere ich Filomena mit einem Blick auf das Grillmaterial zu. «No, no!», winkt sie ab und klatscht mir Bohnen auf den Teller. Sie mag es nicht, wenn ich mich aufrege. «Che Angelas Hamster.» Ich

fühle mich wie ein Eichhörnchen, das reglos aus Filomenas Schürzentasche starrt. Angela sieht es und lacht. «Er war schon tot, denk nicht drüber nach», zieht sie ihr Kind auf die Knie. «Dafür sitzt dein Hund unverletzt im Gemüsebeet.» «Und was an diesem Satz soll mich beruhigen?», zische ich zurück. Nach dem Essen wirft der Chef-Albaner über der Perpétue Rose Knochenmehl aus wie ein Priester das Weihwasser. Das mit dem Gärtnern hat er wirklich im Griff. Sogar Mario muss anerkennen, wie schön seine Pepita geworden ist: «Bellissima!» Jedenfalls scheint sich die Perpétue wohlzufühlen. «Buona notte», verabschiede ich mich und schwebe glücklich an meinen vom Hundehintern geplätteten Maiglöckchen vorbei ins Bett. Mein Klappohr bleibt im Salat liegen bis Mario die Grillnacht für beendet erklärt. «Finito!» «Grazie!» «Ciao!» Eine Stunde später hat der auffrischende Wind mit der Holzkohle den morschen Apfelbaum entfacht. Die Albaner und Filomena löschen effizient, aber Mario weint um seine Pepita. Ich stehe neben ihm auf dem Balkon und nehme ihm die Zigarette aus der Hand. Egal. Ich mag meine Nachbarn.

DELIA LENOIR (LENOIR@HAPPYSHRIMP.CH) ILLUSTRATION: IRENE MEIER (IRENEMEI@GMX.CH) SURPRISE 201/09


Kultur Notizen zur schönsten Nebensache der Welt Im Buch «Knapp daneben» hat der Fussballexperte Pascal Claude eine Auswahl seiner pointierten Kolumnen versammelt. Eine äusserst anregende Lektüre, die auch erklärte Tretsportmuffel zu begeistern vermag.

«Der klassische Fussballfan ist ein Anachronismus. Er trägt seit Jahren denselben Schal, statt sich jedes Jahr den neuen offiziellen zu kaufen. Er will lieber stehen für fünfzehn statt sitzen für fünfzig Franken. Er will nicht jede Saison 22 neue Spielernamen auswendig lernen. Er will am liebsten Stillstand, mindestens aber Kontinuität und Vertrautheit. Dafür ist er bereit, etwas zu geben: Geduld.» Mit diesen liebevollen Zeilen beschreibt der Autor sein Zielpublikum, lokalisiert damit aber auch jene Betonrampe, auf der er sich als Berichterstatter und Kommentator die Beine in den Bauch steht. Pascal Claude versteht sein Metier bestens. Seit geraumer Zeit schon kickt er beim Alternativ-Team Traktor Emilie, hat zwischenzeitlich die mittlerweile verschwundene Flachpass-Bar im alten Letzigrund-Stadion als Teilzeit-Wirt geführt und nebenbei das Fussball-Fanzine «Knapp daneben» herausgegeben. Das erste Heft erschien 1997 im kleinen A5-Format, in einer Auflage von 300 Exemplaren, und daran hat sich bis zur 14. und letzten Ausgabe im November 2004 auch nichts geändert. Die Gründung einer eigenen Familie legte die Herzensangelegenheit Fussballpublikation dann allerdings vorerst auf Eis, doch im Herbst 2006 – nach dem Ausklang der Sommermärchen-WM in Deutschland – meldete er sich bei der «Wochenzeitung» und schlug vor, auf deren Homepage fortan eine wöchentliche «Knapp daneben»-Kolumne zu schreiben. Der Deal war schnell eingefädelt, und wenige Monate später hatte sich bereits eine eingeschworene Fangemeinde zusammengefunden. Die wöchentlichen Fussballtexte erschienen fortan in der Zeitung, quasi als dezidiert differenzierte Begleitstimme im Vorfeld der Euro 2008. Zugegeben, die Zeiten waren schwierig und getrübt von dämlichem Patriotismus, übermächtigen Sponsoren, halbschlauen Veranstaltern und einer diffusen – tja – «Europhorie», wie die Marketingabteilung der Uefa das damals nannte. Fussballkolumnist Claude mochte sich von solch dumpfen Rahmenbedingungen allerdings nicht beeinflussen lassen und schaute stattdessen ganz genau hin. Was er dort zu sehen bekam, war mitunter ziemlich nervenaufreibend, doch der Autor ist zu keiner Zeit darauf hereingefallen, sondern hat die komplexe Situation durchdacht und in ruhigem Ton analysiert, ohne dabei in den abgenudelten Fachjargon der institutionalisierten Berichterstatter zu verfallen. Denn er wirft einen differenzierten Blick hinter den kommerzialisierten Betrieb, fahndet nach den Menschen, die mitunter auf der Strecke bleiben, nach den wahren Fans und den noch nicht korrumpierten Funktionären. Natürlich ist Pascal Claude von den grotesken Auswüchsen der organisierten Kickerei alles andere als begeistert, doch in seinen Texten setzt er dem Verwaltungswahn feinfühlig gezeichnete Einzelschicksale und die fantasievollen Fluchtstrategien seines eigenen Fantums entgegen. So berichtet er einerseits aus diversen europäischen Nebenmetropolen, aus tieferen Ligen und aus dem Innenleben von lokalen Fussballverrückten, die alles andere als randalierende Petardenschmuggler sind, sondern bloss Bewunderer der schönsten Nebensache der Welt. Andererseits begibt er sich mit seinen Texten aber auch auf das Spielfeld der Metaebene und denkt von dort aus über die Auswüchse des Tretsports nach. SURPRISE 201/09

BILD: NICOLA PITARO

VON PHILIPPE AMREIN

Aus der Tiefe des literarischen Raums: Fussball-Kolumnist Pascal Claude.

Mit ethnographischem Gespür wandelt der Autor durch die Stadien und «Arenen» (bei seinem Besuch im Herz von Bayern München) des Kontinents, kommentiert im Vorbeigehen auch noch den unbeliebten Beruf des Schiedsrichters («Pfeifenheini»), zwickt hiesige Spieler verbal in die Wade oder setzt zu deren Verteidigung an, wie beispielsweise in der wunderbaren Episode «Wegwerfzubi», in der er dem tollpatschigen Nationalgoalie Pascal Zuberbühler ein verdientes Denkmal setzt. Gerade in Passagen wie diesen manifestiert sich Claudes faire Herangehensweise an sein Thema, und dafür liessen sich aus dem Buch noch unzählige weitere Beispiele anfügen. Das ist ein Zeichen von Weitsicht, aber eben auch ein Ausdruck jener Tugenden, die den klassischen Fussballfan auszeichnen: Kontinuität, Vertrautheit und Geduld. ■ Pascal Claude: «Knapp daneben – Aus den Randgebieten des Fussballs», Kolumnen, Woz-Verlag, Zürich, 2009, 120 Seiten, CHF 25 .– Erhältlich im gut sortierten Fachhandel oder unter www.knappdaneben.net.

Lesung: Dienstag, 26. Mai, 20 Uhr, Halbzeit, Beundenfeldstrasse 13, Bern.

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Kulturtipps

Nicht eine grosse, viele gleich grosse Kellen richten das Grundeinkommen an.

DVD Geld ohne Gegenleistung

Blaumacher: Auch Vampirjäger müssen sich mal ausruhen.

Buch Monster und Helden In den Comics von Nicolas Mahler gibt es weder Grimassen noch Fratzen und auch keine «Splash-Bang-Crash»-Gewitter. Dafür aber feinsinnige Dialoggespinste und wortlose Kleinakter. VON CHRISTOPHER ZIMMER

Mit «Van Helsing macht blau», 16 Geschichten über Vampire und Vampirjäger, Wolfsmänner und -frauen, Mumien und andere Untote, wirft Nicolas Mahler einen liebevollen Blick auf die Sorgen von Monstern und Helden. Er erzählt vom allzu menschlichen Trott nach dem Filmabspann, dann, wenn auch für die Mythen des Trashkults der Alltag beginnt, und sie bisweilen sogar koexistieren müssen. Als würden die Karten immer neu gemischt, geraten die Mumie, Frankensteins Monster, Zorro und der Wolfsmann in wechselnden Kombinationen aneinander. Dann sind da noch die Frauen, die sich den Rettern an den Hals werfen, bis das Bett überfüllt ist. Und auch das Bier in der Kneipe fehlt nicht: Es entzweit den Mann mit den zwei Köpfen oder lässt den torkelnden Vampir das modrig-traute Heim im Einheitsgrabsteinfeld nicht mehr finden. Kein Wunder, wenn bei so viel rauer Wirklichkeit selbst ein Vampirjäger wie Van Helsing lieber ein Bild an den Holzpflock hängt, als diesen in einem Vampir zu versenken. Nicolas Mahler ist ein kreativer Allrounder: Er zeichnet für zahlreiche Printmedien, schafft Skulpturen, hat über 40 Publikationen, mehrere Trickfilme, Kinderbücher, Hörspiele und Bühnenadaptionen veröffentlicht und ist Gründungsmitglied des Kabinetts für Wort und Bild im Wiener Museumsquartier. Eigenwillige, ebenso skurrile wie lebensnahe Figuren bevölkern das Panoptikum des österreichischen Zeichners. Etwa «Flaschko, der Mann in der Heizdecke» und «Kratochvil» – oder die biedersinnig-krittelnde Finanzbeamtin im augenzwinkernd-biografischen Band «Kunsttheorie versus Frau Goldgruber».

Lange ging es den meisten zu gut, als dass sie der Idee Grundeinkommen eine Chance gegeben hätten. Doch nun ist es an der Zeit, sie als reale Alternative zu überprüfen. VON PRIMO MAZZONI

Da stecken wir also mitten in der Krise. Und die Politiker versuchen nichts anderes, als aufs alte Gleis zurückzufinden, und dabei so viel Geld zu vernichten, dass unsere Zukunft und die unserer Kinder und Kindeskinder ruiniert sein wird. Warum also nicht gänzlich neue Ansätze untersuchen? Ein Beispiel: Grundeinkommen. Schon seit Jahren geistert dieser Begriff herum. Aber es ging allen zu gut, als dass der Idee nur halbwegs eine Chance gegeben wurde. Jetzt sitzt manch einer in einem RAV-Kurs und hat plötzlich Zeit, darüber nachzudenken: «Was würden Sie arbeiten, wenn für ihr Einkommen gesorgt wäre?» Hm. Ja, was würde ich tun, wenn die Miete bezahlt und der Kühlschrank gefüllt wäre? Dolce far niente? Oder …Ich wollte doch immer schon … Aber, aber. Was für Gedanken, was für Träume. Geld ohne Gegenleistung? Wer soll das bezahlen? Und wer macht noch was, wenn keiner muss? Fragen über Fragen und beileibe keine simplen. Antworten liefert ein Film-Essay von Daniel Häni und Enno Schmidt. Während rund 100 Minuten wird das Grundeinkommen leicht verständlich erklärt und so ziemlich jedes Argument, das einem dafür und dagegen einfällt, aufgeworfen und erläuert. Der Film ist handwerklich wie künstlerisch nicht durchwegs gelungen. Aber das macht in diesem Fall gar nichts. Das Thema nimmt gefangen, und die in Episoden aufgeteilten Erläuterungen bleiben bis zuletzt spannend. Aussergewöhnlich ist die Form, in der der Film erhältlich ist. Im Internet kann er gratis als Stream angeschaut werden. Ausserdem stehen zwei Versionen – für den Hausgebrauch und für Vorführungen in grösseren Räumen – zum Herunterladen bereit, ebenfalls gratis. Wer will, kann ebendort auch eine DVD erwerben. Empfehlenswert ist es, den Film zusammen mit Freundinnen und Freunden anzuschauen oder zirkulieren zu lassen. Anregende Diskussionen sind garantiert. «GRUNDEINKOMMMEN» (2008). Deutsch, ohne Untertitel. Homepage mit zahlreichem Bonusmaterial: www.grundeinkommen.tv; Gratis-Download, -Stream und Verkauf: www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen

Nicolas Mahler: «Van Helsing macht blau», Reprodukt, 2008, CHF 18.90

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Die 25 positiven Firmen Diese Rubrik ruft Firmen und Institutionen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Einige haben dies schon getan, indem sie dem Strassenmagazin Surprise mindestens 500 Franken gespendet haben. Damit helfen sie, Menschen in prekären Lebensumständen eine Arbeitsmöglichkeit zu geben und sie auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten. Gehört Ihr Betrieb auch dazu? Die Spielregeln sind einfach: 25 Firmen werden jeweils aufgelistet, sind es mehr, fällt jener Betrieb heraus, der am längsten dabei ist.

Hochgestecktes Ziel: Jule (r.) sucht die wahre Liebe.

Theater Ins Unbekannte Das Theaterstück «blind date» hält nicht nur für seine Protagonisten Überraschungen bereit. Auch das Publikum begibt sich – wortwörtlich – auf eine Reise ins Ungewisse. VON MICHÈLE FALLER

Die junge Jule nimmt an der TV-Kuppelshow «Hot or Not» teil. Der Musiker und Lebemann Roger wird von seinem Manager betreut. Anita kommt in den Genuss eines Überraschungsfests, das ihr Ehemann für sie organisiert hat. Eines haben die drei Menschen gemeinsam: Alle sind auf der Suche nach der wahren Liebe. Und alle warten auf ein Blind Date, eine Verabredung mit einem Fremden. Auch die Zuschauerinnen und Zuschauer des Theaterabends «blind date», der die Geschichte der drei Suchenden erzählt, wagen sich ins Unbekannte vor: Die Basler TheaterFalle bittet sein Publikum per Schiff, Bus, Tram, Rheintaxi und zu Fuss auf eine Reise an ungewöhnliche Orte. In drei Gruppen aufgeteilt, begleiten die Zuschauer jeweils eine der Hauptfiguren und treffen immer mal wieder aufeinander. «Alle bekommen mit, was in den anderen Geschichten passiert. Aber aus einer anderen Perspektive», erklärt Carolin Keim von der TheaterFalle. Sie verfolgen das Geschehen nicht nur, sondern werden auch Teil davon, weiss sie: «Wenn sich jemand einmischt, gehen die Schauspieler auch darauf ein.» Die Entstehungsgeschichte von «blind date» war ebenfalls eine Reise ins Ungewisse, und zwar für die Autoren selbst. Sarah Gärtner, Lukas Holliger und Michèle Salmony di Stefano liessen sich von bestimmten Orten inspirieren und haben unabhängig voneinander drei Handlungsstränge geschrieben, die sie dann in einem Experiment aufeinanderprallen liessen. Wo die Reise hinführt, wird verständlicherweise nicht verraten, sonst wäre es schliesslich kein Blind Date mehr. Nur soviel: Wetterfeste Kleidung wird empfohlen, und die Expedition endet woanders als sie beginnt. Wen das noch nicht überzeugt hat, den kann vielleicht ein letzter Hinweis aus der TheaterFalle anlocken: «Das Stück endet an einem Ort, den bestimmt noch kein Mensch in Basel kennt.»

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Ernst Schweizer AG, Hedingen

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JL AEBY Informatik, Basel

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iuliano-gartenbau & allroundservice, Binningen

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Druckerei Hürzeler AG, Regensdorf

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KIBAG Kies und Beton

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Inova Management AG, Wollerau

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SVGW, Zürich

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Brother (Schweiz) AG, Baden

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Segantini Catering, Zürich

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Axpo Holding AG, Zürich

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AnyWeb AG, Zürich

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Kaiser Software GmbH, Bern

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fast4meter, Storytelling, Bern

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IBZ Industrie AG, Adliswil

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Velo-Oase Bestgen, Baar

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Niederer Kraft & Frey, Zürich

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Mundipharma Laboratories GmbH, Basel

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GUIDIMEDIACOM, Zollikon

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reinhardpartner Architekten und Planer, Bern

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Personalberatung Stellenwerk AG, Zürich

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Weleda AG, Arlesheim

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Markus Weber GmbH, Zürich

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Homegate AG, Adliswil

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Robert Stoller Heizungen, Oberweningen

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Kiwanis Club, Basel

Möchten Sie bei den positiven Firmen aufgelistet werden? Mit einer Spende von mindestens 500 Franken sind Sie dabei! PC-Konto: 12-551455-3, Verein Strassenmagazin Surprise, 4051 Basel Zahlungszweck: Positive Firma + Ihr gewünschter Eintrag! Wir schicken Ihnen eine Bestätigung.

«blind date», 4. bis 6., 17. bis 20., 24. bis 28. Juni, 1. bis 4. Juli, 19 Uhr, TheaterFalle, Basel. Reservierung empfohlen. www.blind-date.theaterfalle.ch

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Ausgehtipps Festival, Winterthur Pfingsten mit Exotenbonus Wer sich den Stau in den Süden ersparen will, holt sich den Süden nach Hause. So geschieht es in Winterthur. Über Pfingsten erfüllen afrikanische und südamerikanische Rhythmen die Stadt, wabern Gerüche von exotischen Gewürzen durch die Strassen und statt einheimisches Gemüse gibts Schmuck auf dem Markt zu kaufen. Wem das reine Konsumieren von Musik, Essen, Kino und Atmosphäre nicht reicht, der kann sich in einem der zahlreichen Workshops vertieft mit der afrikanischen Kultur auseinandersetzen und sie selber erleben. Das MitmachAngebot geht vom Djembe-Einführungskurs über den Unterricht im südafrikanischen Gummistiefel-Tanz bis zur afrikanischen Malerei und dem Kochkurs für äthiopisches Essen. Einen Anmeldeschluss für die Workshops gibt es nicht. Aus organisatorischen Gründen ist aber eine rasche Anmeldung erwünscht. (juk) Afro-Pfingsten, Mi, 27. Mai bis Mo, 1. Juni, Winterthur. Detailprogramm und Workshop-Anmeldung: www.afro-pfingsten.ch

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Das fährt ein: Workshop am Afro-Pfingsten Festival.

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Céline macht ihrer Mutter eine Freude.

Nicht erfunden: Von Karl Bodmer gezeichnete Indianerin mit Kind.

Nordamerika Native Museum, Zürich Detailgetreue Indianer

Céline ist cerebral bewegungsbehindert. Unterstützen Sie Kinder wie Céline mit einer Therapiestunde. Sie sind auf Hilfe angewiesen: auf jede Spende, auf alle, die mit einem Legat über ihr Leben hinaus Gutes tun wollen, und auf Unternehmen, welche einzelne Projekte finanzieren. Die Stiftung Cerebral unterstützt Betroffene und ihre Familien in der ganzen Schweiz.

Schweizerische Stiftung für das cerebral gelähmte Kind Erlachstrasse 14, Postfach 8262, 3001 Bern, Telefon 031 308 15 15, PC 80-48-4, www.cerebral.ch

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Was machte ein Prinz auf Entdeckungsreise zu einer Zeit, als es noch keine Fotoapparate gab? Er engagierte einen Maler, der seine Abenteuer bildlich festhielt. Im Falle des deutschen Prinzen Maximilian zu Wied, der 1832 eine Reise «in das innere Nord-America» plante, war das der Zürcher Maler Karl Bodmer. Er zeichnete und skizzierte während 28 Monaten Indianer verschiedener Stämme, ihr Leben und die Landschaft, in der sie zu Hause waren. So entstanden über 400 detailgetreue Bilder. In der Zürcher Sonderausstellung sind neben den Gemälden auch 81 Kupferstiche zu sehen, die im ursprünglichen Reisebericht enthalten waren. Angereichert wird die bildliche Dokumentation mit Originalobjekten, die Prinz Maximilian zu Wied von der Reise mitbrachte. Karl Bodmers Indianer-Zeichnungen gelten als wichtige Dokumente über die Indianerkultur. In Amerika gehören sie zum kulturellen Gedächtnis der Nation und sind auch in Schulbüchern zu finden. (juk) «Karl Bodmer – ein Schweizer Künstler in Amerika», bis 9. August 2009 im Nord-

Helfen verbindet

amerika Native Museum, Zürich. www.nonam.ch SURPRISE 201/09


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«LuftiBus», Zürich Pustende Verkäufer Wie stark sind die Lungen der Surprise-Verkäuferinnen und -Verkäufer? Das wollten die Betreiber des «LuftiBus» wissen. Das Gefährt ist die mobile Teststation der Lungenliga Zürich und bietet Lungenfunktionstests und Informationen rund um Luft und Lunge an. Die Organisation will vermehrt auch Menschen erreichen, die normalerweise wenig Zugang zu Massnahmen der Gesundheitsförderung haben. Ende April machte der «LuftiBus» deshalb vor dem Zürcher Surprise-Büro halt, und die Verkäuferinnen und Verkäufer konnten kostenlos ihre Lungenfunktionswerte testen lassen. Das Angebot wurde rege in Anspruch genommen und war offenbar bitter nötig: Laut Lungenliga wiesen im Durchschnitt aller «LuftiBus»-Einsätze der vergangenen Jahre rund sechs Prozent der Testpersonen pathologische Werte auf. Von den getesteten Surprise-Verkaufenden mussten hingegen 25 Prozent zur genaueren Abklärung an einen Arzt verwiesen werden. (pd)

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Tief Luft holen: Ein Surprise-Verkäufer beim Lungentest.

Monsters of Indie Rock: Sonic Youth.

Bad Bonn, Düdingen Festival? Bestival! Ölfarbe auf Nesseltuch auf Karton: Paul Klees «Palast im Vorübergehen».

«Teppich der Erinnerung», 29. Mai bis 30. August, Zentrum Paul Klee, Monument im

«Where the hell is Bad Bonn?» Diese Frage ziert als Aufkleber etliche WC-Wände in einschlägigen Subkultur-Lokalen. Mit ihr werben die Betreiber für ihren kleinen, feinen Club, der sich vor den Toren des Dörfchens Düdingen befindet. Das erstklassige Konzertprogramm des Bad Bonn lockt wahre Musikfans denn auch immer wieder hinaus ins freiburgische Niemandsland. Einen absoluten Pflichttermin markiert diesbezüglich das Kilbi-Festival, das seit 19 Jahren jeweils im Spätfrühling auf der Wiese neben dem Club stattfindet. Und auch diesmal bewiesen die Macher ein exzellentes Händchen bei der Programmation. Neben den schottischen Postrock-Heroen von Mogwai und der helvetischen Hitparadenstürmerin Sophie Hunger wurde auch die New Yorker Band Sonic Youth engagiert, eine Institution – um nicht zu sagen: ein Monument innerhalb der Indie-Szene. Daneben sorgen aber auch unzählige weitere Bands und Acts dafür, dass die Kilbi ihrem Ruf als bestes Festival der Saison auch diesen Frühling wieder vollends gerecht wird. Oder wie die Veranstalter verkünden: «Das Programm 2009 liest sich wie ein geträumter Wunschzettel.» (amp)

Fruchtland 3, Bern. www.zpk.org

Bad Bonn Kilbi, 29. bis 31. Mai, Bad Bonn, Düdingen. www.badbonn.ch

Zentrum Paul Klee, Bern Ägyptisches Alphabet Mit «Teppich der Erinnerung» schliesst das Zentrum Paul Klee die Ausstellungs-Trilogie zum Schwerpunkt Orient ab. Dabei werden spezifische Aspekte der Auseinandersetzung Paul Klees mit der arabischen und muslimischen Kultur untersucht. Hintergrund dieser Schaffensphase bildete eine grössere Reise, die den Künstler 1928 durch Tunesien und Ägypten führte. Dort liess er sich von sumerischen Keilschriften und von altägyptischer Hieroglyphik zu einem eigenen Bildalphabet inspirieren. Neben Arbeiten wie Klees verwegenem Bewegungsbild «Palast im Vorübergehen» sind auch Werke des befreundeten Expressionisten August Macke zu sehen, der mit Paul Klee bereits 1914 in Nordafrika unterwegs war und wenige Monate später im Ersten Weltkrieg fiel. (amp)

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Verkäuferporträt «Für eine Partnerin würde ich fast alles tun» Seit der Scheidung vor acht Jahren kämpft Martin Jost (47) um seine Bedürfnisse – um Liebe, Geborgenheit und ein schuldenfreies Leben.

«Nach der Heirat 1990 führten wir ein ganz normales Leben; sie arbeitete bei den Städtischen Verkehrsbetrieben, ich war bei der Securitas angestellt. Ich hatte die Zeit und die Mittel, mich meinen Leidenschaften zu widmen: Als angefressener Töfflifahrer brachte ich jährlich mehrere Tausend Kilometer auf den Tacho. Am liebsten fuhr ich nach Luzern ins Verkehrshaus, um dort die Modelleisenbahnen zu bewundern. Als Jugendlicher besass ich eine eigene Anlage, aber die verkaufte ich einer Freundin zuliebe. Ich spielte auch gerne Pauke und durfte als langjähriges Mitglied der Metallharmony, der Feuerwehrmusik der Stadt Bern, unvergessliche Konzertreisen nach Spanien und Ungarn miterleben. Als unsere Tochter 1992 zur Welt kam, schien unser Glück perfekt. Doch auf einmal funktionierte einfach gar nichts mehr. Ich arbeitete, kochte und bügelte, doch meiner Frau war nichts mehr recht. Nach elf Jahren zerbrach die Beziehung endgültig – und damit auch mein Lebenstraum. Es fällt mir sehr schwer zu akzeptieren, dass ich es wie meine leiblichen Eltern nicht geschafft habe, meine Familie zusammenzuhalten, denn ich bin in einer Pflegefamilie aufgewachsen. Als unfreiwilliger Single suchte ich nach der Scheidung eine neue Partnerin. Den Frauen gefiel mein gepflegtes Aussehen, und damit begann der Scheiss: Um Frauenwünsche zu erfüllen, nahm ich Kredite auf und brachte mich damit in Teufels Küche: Als ich vor zwei Jahren aus der Wohnung meiner Exfreundin auszog, hatte ich einen Haufen Schulden. Nach monatelangem Notschlafen im Passantenheim erhielt ich schliesslich mit Unterstützung eines Bekannten meine jetzige Einzimmerwohnung in Münsingen. Ich bin angelernter Landwirt und arbeite seit zwei Jahren als temporärer Betriebsmitarbeiter in einer Eierfabrik. Was ich dabei über das Existenzminimum hinaus verdiene, kriegt das Betreibungsamt. Manchmal fehlt es mir an Motivation, und so kann es passieren, dass ich am Wochenende zur Flasche greife. Unterstützung erhalte ich von meiner Exfrau und ihrem Ehemann. Sie sind zu Vertrauenspersonen herangewachsen und stärken mir den Rücken: Sie macht meine Wäsche, und ihr Mann berät mich seit zwei Jahren in Budgetfragen. Seit ich mit ihm arbeite, klemme ich mich sowas von in den Hintern, dass ich inzwischen mehrere Tage gut ohne einen Schluck Alkohol lebe und trotz Geldknappheit immer einen Batzen im Hosensack trage. Ich habe noch drei oder vier harte Jahre vor mir, aber ich bin eine Kämpfernatur und will durchhalten, um mein Leben endlich wieder schuldenfrei und trocken geniessen zu können. Für ein Mofa würde ich sehr viel tun – und für eine Partnerin fast alles. Ich bin ordentlich und habe Freude am Kochen und Backen. Gestern etwa habe

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AUFGEZEICHNET VON GENEVIÈVE BAUEN

ich ein Brot gebacken, wovon ich eine Hälfte ins Tiefkühlfach legte, die andere mit zur Arbeit nahm. Doch die Suche nach einer Partnerin blieb bisher erfolglos. Liesse es mein Budget zu, ginge ich zum Tanzen aus. Aber ehrlich gesagt gibt es in Bern kein anständiges Dancing mehr. Ich verkaufe Surprise jeweils am Samstag, entweder bei der Christoffelunterführung am Bahnhof Bern oder vor der Markthalle. Damit verdiene ich mir ein Sackgeld, komme gleichzeitig unter Leute und bleibe aktiv, was mich vom Trinken abhält. Am Feierabend träume ich dann davon, wie es wäre, mich aufs Töffli zu setzen und mal eben auf einen Kaffee nach Thun zu fahren.» ■ SURPRISE 201/09


Eine Chance für alle! Werden Sie Surprise-Götti oder -Gotte ber. Das verdient Respekt und Unterstützung. Regelmässige Verkaufende werden von Surprise-Sozialarbeiterinnen betreut, individuell begleitet und gezielt gefördert. Dazu gehört auch, dass sie von Surprise nach bestandener Probezeit einen ordentlichen Arbeitsvertrag erhalten. Mit der festen Anstellung übernehmen die Surprise-Verkaufenden mehr Verantwortung; eine wesentliche Voraussetzung dafür, wieder fit für die Welt und den Arbeitsmarkt zu werden.

Starverkäufer BILD: ZVG

Surprise kümmert sich um Menschen, die weniger Glück im Leben hatten als andere. Menschen, die sich aber wieder aufgerappelt haben und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen wollen. Mit dem Verkauf des Strassenmagazins Surprise überwinden sie ihre soziale Isolation. Ihr Alltag bekommt Struktur und wieder einen Sinn. Sie gewinnen neue Selbstachtung und erarbeiten sich aus eigener Kraft einen kleinen Verdienst. Die Surprise-Strassenverkäuferinnen und -verkäufer helfen sich sel-

Als Götti oder Gotte ermöglichen Sie einer Strassenverkäuferin oder einem -verkäufer eine betreute Anstellung bei Surprise und damit die Chance zur Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben.

Nelly Rüdlinger nominiert Miklos Lakatos als Starverkäufer: «Mit seiner ruhigen und freundlichen Art ist Miklos ein wohltuender Ruhepol vor dem Migros in Riehen. Bei ihm mache ich nach dem Einkaufen gerne einen Stopp und halte einen kurzen Schwatz – denn mich interessiert, was die Jugend von heute so denkt.» René Senn Zürich

Jela Veraguth Zürich

Wolfgang Kreibich Basel

Marlise Haas Basel

Ausserdem im Förderprogramm SurPlus: Fatima Keranovic, Baselland Peter Gamma, Basel Peter Hässig, Basel Bob Ekoevi Koulekpato, Basel

Ihre Nominierung schicken Sie bitte an: Strassenmagazin Surprise, Redaktion,

Kurt Brügger, Baselland Anja Uehlinger, Baden Marika Jonuzi, Basel

Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41+61 564 90 99, redaktion@strassenmagazin.ch

Ja, ich werde Götti/Gotte von: 1 Jahr: 8000 Franken

1/2 Jahr: 4000 Franken

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1 Monat: 700 Franken

201/09 Talon bitte senden oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch, PC-Konto 12-551455-3 SURPRISE 201/09

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Surprise ist: Hilfe zur Selbsthilfe Surprise fördert seit 1997 die Selbsthilfe von Menschen in sozialen Schwierigkeiten. Mit begleiteten Angeboten in den Bereichen Arbeit, Sport und Kultur fördert Surprise die soziale Selbständigkeit und berufliche Eingliederung, das Verantwortungsbewusstsein, die Gesundheit und eine positive Lebenseinstellung. Surprise gibt es in der deutschsprachigen Schweiz. Eine Stimme für Benachteiligte Surprise verleiht von Armut und sozialer Benachteiligung betroffenen Menschen eine Stimme und sensibilisiert die Öffentlichkeit für ihre Anliegen. Surprise beteiligt sich am Wandel der Gesellschaft und bezieht Stellung für soziale Gerechtigkeit.

Ich möchte Surprise abonnieren! 24 Ausgaben zum Preis von CHF 189.– (Europa: CHF 229.– ) (Verpackung und Versand bieten StrassenverkäuferInnen ein zusätzliches Einkommen.)

Strassensport Der zweite Schwerpunkt von Surprise ist die Integration von sozial benachteiligten Menschen in der Schweiz über den Sport. Mit einer eigenen Strassenfussball-Liga, regelmässigem Trainings- und Turnierbetrieb, der Schweizermeisterschaft sowie der Teilnahme des offiziellen Schweizer Nationalteams am jährlichen «Homeless Worldcup» vernetzt Surprise soziale Institutionen mit Sportangeboten in der ganzen Schweiz. Organisation und Internationale Vernetzung Surprise ist eine nicht gewinnorientierte soziale Institution. Die Geschäfte werden von der Strassenmagazin Surprise GmbH geführt, die von dem gemeinnützigen Verein Strassenmagazin Surprise kontrolliert wird. Surprise ist führendes Mitglied des Internationalen Netzwerks der Strassenzeitungen (INSP) mit Sitz in Glasgow, Schottland. Derzeit gehören dem Verband gegen 100 Strassenzeitungen in über 40 Ländern an.

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Strassenmagazin und Strassenverkauf Surprise gibt das vierzehntäglich erscheinende unabhängige Strassenmagazin Surprise heraus. Neben einer professionellen Redaktion verfügt das Strassenmagazin über ein breites Netz von freien Berufsjournalistinnen, Fotografen und Illustratorinnen. Der überwiegende Teil der Auflage wird von Menschen ohne oder mit beschränktem Zugang zum regulären Arbeitsmarkt auf Strassen, Plätzen und in Bahnhöfen angeboten. Die regelmässige Arbeit gibt ihnen eine Tagesstruktur, neues Selbstvertrauen und einen bescheidenden aber eigenständig erwirtschafteten Verdienst. Für viele Surprise-Verkaufende ist das Strassenmagazin der erste Schritt zurück in ein eigenständiges Leben.

Herausgeber Strassenmagazin Surprise GmbH, Postfach, 4003 Basel, www.strassenmagazin.ch Geschäftsführung Fred Lauener, T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch Öffnungszeiten Sekretariat Mo–Fr 9–12/14–16.30 Uhr T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch Redaktion Fred Lauener (Leitung), Reto Aschwanden, Julia Konstantinidis, Mena Kost, Philippe Amrein, Agnes Weidkuhn (Koordinatorin), T +41 61 564 90 70, redaktion@strassenmagazin.ch Freie Mitarbeit Geneviève Bauen, Michèle Faller, Luc-François Georgi, Delia Lenoir, Primo Mazzoni, Irene Meier, Nicola Pitaro, Dominik Plüss, Isabella Seemann, Roland Soldi, Udo Theiss, Christopher Zimmer Korrektorat Alexander Jungo Gestaltung WOMM Werbeagentur AG, Basel Druck AVD Goldach Auflage 25 900, Abonnemente CHF 189.–, 24 Ex./Jahr, info@strassenmagazin.ch

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Wir sind die Pioniere Alois Alt Bereichsleiter Verkauf

die ökologisch- ethische Pensionskasse

«Die Prämie muss stimmen, die Leistung, das Angebot. Quer durch alle Branchen gibt es immer mehr Betriebe, die sich für unsere ökologisch-ethische Grundhaltung interessieren.» Darin sind wir Pioniere – seit 25 Jahren. SURPRISE 201/09

Im Frühtau zu Berta. Freiwilligeneinsätze bei Bergbauern für Frühaufsteherinnen und Frühaufsteher und solche, die es für eine Woche oder länger werden wollen. Menschen für Berge. Berge für Menschen.

www.nest-info.ch

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Surprise Strassenmagazin 201/2009  

Surprise Strassenmagazin 201/2009