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SÜDWESTTEXT Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie HERAUSGEGEBEN VON SÜDWESTTEXTIL

WWW.SUEDWESTTEXTIL.DE

JUNI 2014 | NR. 81

Themen Verband + Industrie

Besondere Kennzeichen: Viele! Seite 5 Bildung + Soziales

Gut gemanagt

Der nächste Schritt

www.suedwesttextil.de

Recht + Steuern

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Textiltarifrunde droht hart zu werden IG Metall stimmt Mitglieder auf forsche Forderungen ein

Foto: © Sashkin – Fotolia.com

Keinen Grund für Lohnzurückhaltung sieht die IG Metall BadenWürttemberg in den bevorstehen-

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den Tarifrunden der Textil- sowie der Metall- und Elektroindustrie. „Aus heutiger Sicht besteht kein Grund für besondere Zurückhaltung“, sagte der neue Bezirksleiter Roman Zitzelsberger auf der Bezirkskonferenz seiner Gewerkschaft Anfang Juni in Leinfelden. Sämtliche für die Lohnfindung wichtigen Kennzahlen wie Produktivität, Umsatz oder Auftragseingänge zeigten einen Aufwärtstrend an. „Wenn das alles so positiv bleibt, werden wir im Herbst den uns zu-

stehenden Anteil einfordern“, so der Gewerkschafter. Neben der Entgeltfrage will die IG Metall in den Tarifrunden auch einige qualitative Themen voranbringen. So soll die Altersteilzeit attraktiver und – in der Textilbranche – für den Arbeitgeber verpflichtend gemacht werden. Zumal sich durch die abschlagsfreie Rente mit 63 auch die gesetzlichen Konditionen änderten, bestehe Handlungsbedarf. Diesen sieht die Gewerkschaft Fortsetzung Seite 2

Ein Franzose führt Euratex Am 4. Juni hat die Mitgliederversammlung des euro- Prioritäten wird es nach eigenen Worten gehören, die päischen Textil- und Bekleidungsdachverbandes Eu- Qualität von Textilien aus Europa aktiver zu kommuratex den Franzosen Serge Piolat zum Präsidenten für nizieren, „vor allem mit Blick auf Umweltstandards, 2015/16 gewählt. Der 63-Jährige ist Inhaber der Unter- Arbeitnehmerrechte und die Verbrauchersicherheit“. nehmensgruppe Schappe, Da mag mancher Prodie auf technische Garne »Ich will Euratex als die eine Stim- tektionismus wittern. Doch Piolat spricht für verschiedene industrielle Anwendungen spe- me der Branche in Europa stärken.« vielen aus dem Herzen, zialisiert ist. Piolat sitzt die überzeugt sind, dass Serge Piolat, EURATEX-Präsident ab 2015 bereits seit fünf Jahren im der Wirtschaftsstandort Euratex-Präsidium, seit 2011 als Vize-Präsident. Er folgt Europa ohne industrielle Basis keine Zukunft hat. Wenn dem Italiener Alberto Pacanelli nach. Einsetzen will er er auszieht, um wirtschafts- wie verbraucherferne Resich insbesondere „für eine echte europäische Indus- gulierer auf den Brüsseler Teppich zurückzuholen, hat triepolitik“ und für die verbesserte Wettbewerbsfähig- er volle Unterstützung verdient. keit der Produktion in Europa. Zu seinen strategischen Silvia Jungbauer

Das Güterichterverfahren

Zahl des Monats Gibt es ein Leben jenseits der Arbeit? Diese Frage hätten selbst Arbeitgeber vor 30 Jahren womöglich schon mit Ja beantwortet, hätten die Gewerkschaften daraus kein Glaubensbekenntnis gemacht. Denn welcher Unternehmer würde nicht selbst gerne „mehr Zeit zum Leben, Lieben und Lachen“ haben, und welches seiner Kinder hätte sich nicht gewünscht: „Samstags gehört Vati mir“? Mit diesen Forderungen aber wurde der erbitterte Kampf um die 35-Stunden-Woche begründet. Denn „die Kolleginnen und Kollegen haben damals noch schwitzen müssen, um die Familie zu ernähren“, wie sich ein gealterter Frontkämpfer drei Jahrzehnte später in einem Arbeitskampf-Revival-Video immer noch einigermaßen empört erinnert. Besteht im Grundsatz also Einigkeit, bliebe die Frage, wann genau das Leben jenseits der Arbeit denn nun beginnt. Vermutlich nach zwölf. Denn die Forderung der Frontkämpfer-Nachfahren lautet heute: „Nachmittags gehören Mutti und Vati mir.“

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Aktuell Save the Date: Am 10. September veranstaltet der Gesamtverband textil+mode einen „Energie-Informationstag Textil“ in Frankfurt am Main. Die Einladung wird in Kürze versandt.


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Verband + Industrie

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Fortsetzung von Seite 1

Textiltarifrunde droht hart zu werden auf dem Gebiet der Weiterbildung. Im Rahmen einer eigenen Beschäftigtenbefragung habe gut jeder Zweite angegeben, keine ausreichenden Möglichkeiten dazu zu haben. „Damit verschenken die Betriebe ein wichtiges Potenzial an Fachkräften“, kritisierte Zitzelsberger und forderte die Landesregierung auf, ihr Bildungsurlaubs-

gesetz wie geplant auf den Weg zu bringen. Besonderes Augenmerk richtet die IG Metall Baden-Württemberg ferner auf die Gewinnung neuer Mitglieder unter den Auszubildenden. Die Verwaltungsstellen sind hierbei weit hinter den gesteckten Zielen zurückgeblieben, so dass mit einem Aktionsplan nachge-

holfen werden soll. Für die Textilund Bekleidungsindustrie bedeutet das vermutlich, dass die IG Metall wieder mit der Forderung nach einer unbefristeten Übernahme von Ausgebildeten in die Tarifrunde ziehen wird. Die Tarifverträge laufen noch bis zum 31. Oktober dieses Jahres. Markus H. Ostrop

Berufung in den Landesausschuss für Berufsbildung (LAB)

Christine Schneider

Für die 12. Amtsperiode – Juni 2014 bis Juni 2018 – wurde Südwesttextil-Bildungsreferentin Christine Schneider als stellvertretendes Mitglied für die Beauftragten der Arbeitgeber in den Landesausschuss für Berufsbildung (LAB) bei der Landesregierung von Baden-Württemberg berufen. Der Landesausschuss für Berufsbildung hat die gesetzliche Aufgabe, die Landesregierung in Fragen der Berufsbildung (z. B. Qualität, Anpassung von schulischer und betrieblicher Ausbildung, internationale Entwicklungen) zu beraten und auf eine stetige Entwicklung der Qualität der beruflichen Bildung hinzuwirken. Er setzt sich zusammen aus Beauftragten der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der obersten Landesbehörden. Die Sitzungen des Ausschusses sind in der Regel nicht öffentlich. Der Landesausschuss kann die Öffentlichkeit einer Sitzung jedoch beschließen. Die Tätigkeit im Landesausschuss ist für die Diplom-Ökonomin ehrenamtlich.

Mündliche Ausfuhrzolllanmeldung bleibt

Grenzübergang gesperrt

Zumindest in einer Sache kann der textile Mittelstand aufatmen: Die mündliche Ausfuhrzollanmeldung für Sendungen mit einem Warenwert von bis zu 1 000 Euro bleibt erhalten. Im Rahmen der Zollkodex-Modernisierung wollte die EU-Kommission die in Deutschland weithin praktizierte Vereinfachung abschaffen, vor allem aufgrund von Sicherheitsaspekten im Güterverkehr. Nach massiver Foto: © LaCatrina – Fotolia.com Kritik der Verbände wurde die Streichung nun fallengelassen. Im Entwurf zu den Delegierten Rechtsakten zum neuen Unionszollkodex ist die Vereinfachung wieder uneingeschränkt enthalten. Rat und Parlament müssen die Rechtsakte allerdings noch billigen.

Nach Informationen der Bundesfinanzverwaltung wird der Grenzübergang Waldshut (Deutschland – Schweiz) wegen Brückensanierungsarbeiten ab dem 30. Juni für voraussichtlich zwölf Wochen vollständig gesperrt. Die Sperrung gilt für beide Fahrtrichtungen. Das Zollamt Waldshut verliert für diesen Zeitraum die Funktion als Ausgangszollstelle. Es wird empfohlen, das Zollamt Waldshut weiträumig zu umfahren und geeignete Ausweichzollstellen zu benutzen. Im internationalen Verkehr können als Ausweichzollämter alle zugelassenen Warenverkehrszollämter genutzt werden, z. B. Bietingen/ Thayngen, Neuhaus/Bargen, Basel/ Weil am Rhein-Autobahn oder Rheinfelden-Autobahn. Im regionalen Verkehr sind Abfertigungen mit Einschränkungen möglich. Ein Info-Flyer der deutschen und schweizerischen Zollverwaltung kann bei Südwesttextil angefordert werden (klaeger@suedwesttextil.de).

Die mündliche Ausfuhrzollanmeldung ist eine von vier Formen der Zollanmeldung. Für kommerzielle Kleinsendungen ist sie eine von der Textil- und Bekleidungsbranche häufig genutzte Variante. Ihre Abschaffung hätte einen erheblichen Anstieg der Zollbürokratie verursacht: Auf Basis einer Unternehmensbefragung hat die IHK Stuttgart mehrere Millionen zusätzliche Ausfuhranmeldungen errechnet, die bundesweit notwendig geworden wären – mit administrativen Kosten von rund 110 Mio. Euro. Überdurchschnittlich getroffen hätte die Maßnahme kleinere Unternehmen und solche mit Online-Shops, die z. B. auch in die Schweiz liefern.

In Kürze Zum 1. Juni hat die Ettlin AG mit Sitz in Ettlingen die insolvente Spinnweberei Uhingen übernommen. Der Textilhersteller führt sowohl die Betriebe in Uhingen als auch in Waldkirch fort und hat zu diesem Zweck zwei rechtlich selbstständige Auffanggesellschaften gegründet. Die Weberei in Uhingen, die Gewebe für technische Anwendungen herstellt, firmiert fortan als SWU Technical Fabrics GmbH & Co. KG, die Spinnerei in Waldkirch als SWU Special Yarns GmbH & Co. KG. Persönlich haftende Gesellschafterin beider Kommanditgesellschaften ist die SWU Verwaltungs-GmbH mit Sitz in Ettlingen. Geschäftsführer sind Oliver Maetschke, einer der Vorstände der Ettlin AG, und der bisherige Werksleiter der Spinnweberei Uhingen, Georg Mayer. Von den insgesamt zuletzt beschäftigten rund 100 Mitarbeitern an beiden Standorten werden rund 70 von den Auffanggesellschaften übernommen. Die Industrievereinigung Chemiefaser e.V. berichtet, dass zum ersten Mal in der Geschichte die weltweite Fasernachfrage im Jahr 2013 auf über 90 Millionen Tonnen angewachsen ist. Dies entspricht einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 4,4 Prozent auf 90,1 Millionen Tonnen und einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 12,7 kg textiler Materialien für Bekleidung, Heimtextilien, Teppiche und technische Textilien. Chemiefasern setzten ihren Wachstumstrend weiter fort, Synthesefasern verzeichneten einen Anstieg von 5,7 Prozent auf 54,4 Millionen Tonnen, maßgeblich getragen von Zuwächsen bei Polyester und Polyamid, während sich das Mengenwachstum bei Zellulosefasern erneut mit 10,4 Prozent Zuwachs auf nunmehr annähernd sechs Millionen Tonnen dynamischer gestaltete. Neu erschienen ist die 14. Auflage des textilen Jahrbuchs „The Fiber Year 2014“. Die rund 200-seitige Studie umfasst aktuelle Entwicklungen zu allen wichtigen Natur- und Chemiefasern sowie Roh- und Vliesstoffen mit einer Vorhersage bis 2017. Nähere Infos unter www.thefiberyear.com.


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Verband + Industrie 3

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Der nächste Schritt Relaunch www.suedwestextil.de

Die Zeit war reif, nach vier Jahren den Internetauftritt von Südwesttextil zu überarbeiten und damit wieder neue Maßstäbe zu setzen. Responsive Design, große Bilder, gut lesbare Texte, Themenseiten und eine optimierte Suchfunktion sind nur fünf der zahlreichen Neuerungen. Ideen, Leidenschaft und Leistungen – eine starke Seite: www.suedwesttextil.de Christine Schneider

Typografie Frutiger

ABC abc Responsive Design Die Aufgabe lautete, das Design kompatibel für zahlreiche Displaygrößen zu machen. Mission erfüllt. Egal ob 23‘‘ Zoll Bildschirm oder Smartphone immer passt sich das Design der Seite perfekt an das Endgerät an. Die Lesbarkeit der Nachrichten bleibt auch in der kleinsten Darstellung erhalten und wirkt nicht ermüdend.

Times New Roman

ABC abc Gut lesbarer Text Ein Design-Trend jüngster Zeit ist die Verwendung von größeren Schriften. Webfonts beleben moderne Internetseiten mit spannenden typografischen Mischungen. Südwesttextil setzt dieses Stilmittel gekonnt ein, um zusätzlich zur besseren Lesbarkeit einen individuellen wiedererkennbaren Look der Seite zu schaffen.

Farbgestaltung Große Bilder Die Zeiten, in denen Suchmaschinen mit Bildern nichts anfangen konnten und Texte im Fokus stehen mussten, sind lange vorbei. Auch diese Entwicklung macht ein solches, bilddominantes Design möglich. Ganz abgesehen davon, dass ein Bild mehr sagt als 1 000 Worte.

Neue Suche Volltextsuche heißt das Zauberwort. Damit die Suchergebnisse aber weiterhin beherrschbar bleiben, gibt es eine Priorisierung der erzielten Treffer.

Primärfarben

Sekundärfarben


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Zukunftsfabrik Arena 2036 Start des Forschungscampus auf dem Universitätsgelände Vaihingen Unter Anwesenheit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und über 150 hochrangigen Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik ging am 3. Juni auf dem Universitätscampus Vaihingen die Forschungsfabrik Arena 2036 an den Start. In dem geplanten 8 000 Quadratmeter großen Forschungsgebäude mit Büro-, Labor- und Produktionsflächen werden Ende 2016 Wissenschaftler der Universität Stuttgart, des Fraunhofer-Instituts IPA, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des DITF Denkendorf Hand in Hand mit Mitarbeitern von Partnerunternehmen wie Bosch, Daimler, BASF, Bär Automotion, Faro und Festo an der Entwicklung eines umweltschonenden Automobils der Zukunft arbeiten. Mit einem Investitionsvolumen von 30 Mio. Euro, getragen je zur Hälfte vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium und der Uni Stuttgart, entstehen in der Pilotfabrik 160 Arbeitsplätze für Spitzenforscher, die sich mit wandlungsfähiger Produktion und funktionsintegriertem Faserverbund-Leichtbau in der Serienferti-

gung von Fahrzeugen beschäftigen. Die Zielsetzung: bis zum Jahr 2036 – dem 150-jährigen Jubiläum des Automobils – die Basis für einen

Forschungscampus für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Finanziell und politisch unterstützt wird das Projekt, das 2012 den Innova-

Winfried Kretschmann überzeugte sich selbst von der Funktion des neuen „begreifbaren“ Roboters – eine revolutionäre Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, die derzeit noch getrennt voneinander stattfindet.

grundlegenden Wandel in der Automobilproduktion zu schaffen. „Innovationen sind heute in den seltensten Fällen das Ergebnis einsamer Tüftler. Sie entstehen vielmehr an den Schnittstellen von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft“, erklärte der Ministerpräsident in seiner Rede und unterstrich die Bedeutung des

tionswettbewerb des Bundesforschungsministeriums gewonnen hat, durch den Bund und das Land Baden-Württemberg. In einem Zeitraum von maximal 15 Jahren stellt das BMBF Fördermittel von jährlich bis zu zwei Millionen Euro zur Verfügung. Seit Juli 2013 arbeiten die Arena 2036-Partner bereits in einem

Interimsgebäude an vier Startprojekten: „Intelligenter Leichtbau und Funktionsintegration“, „Digitale Produktion – neue Materialien und Prozesse“, „Forschungsfabrik – Produktion der Zukunft“ sowie am Schnittstellenprojekt „Kreativität, Kooperation, Kompetenztransfer“. „Für die DITF Denkendorf bietet der Forschungscampus Arena 2036 die große Chance, ihre jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung von Fasern und Faserverbundwerkstoffen für den funktionsintegrierten Leichtbau einzubringen. Wir besitzen alle notwendigen Technologien und Kompetenzen, um in diesem kollaborativen Großprojekt die Ideen für das Automobil der Zukunft zu entwerfen und umzusetzen“, meinte Prof. Götz T. Gresser, Vorstandssprecher der DITF Denkendorf. Simone Diebold

ARENA2036 Active Research Environment for the Next Generation of Automobiles

Die Welt der Zahlen Im Datenportal, dem statistischen Gemeinschaftsprojekt der Verbände Gesamtmasche und Südwesttextil, werden sämtliche Zahlen der Branche in digitaler Form aufbereitet und zur Verfügung gestellt. Zur besseren Übersicht wurde jetzt der Downloadbereich neu geordnet: bloße Auflistungen von pdf-Dateien sind passé − der Anfang zu einer „Wissensdatenbank“ aus Zahlen ist gemacht. Die Benutzerführung zum schnellen Finden der richtigen Unterlagen wird unterstützt durch eine grafische Darstellung und einer Einteilung in vier Datenbereiche. Darüber hinaus wurde die Suchfunktion nochmals deutlich optimiert – die erzielten Treffer werden jetzt nach ihrer Suchgenauigkeit gewichtet.


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Besondere Kennzeichen: Viele! Fragen rund ums Etikett sind ein Dauerbrenner So simpel sehen sie aus – die Angaben auf Etiketten von Textilien. Doch Fehler mit unangenehmen Folgen schleichen sich schneller ein als man denkt. Weil die Europäer und allen voran die Deutschen bei der Textilkennzeichnung buchstäblich Haare spalten, ist es ratsam, gut informiert zu sein. Entsprechend gut besucht war am 4. Juni der Workshop Textilkennzeichnung in Metzingen, zu dem Südwesttextil und Gesamtmasche mit freundlicher Unterstützung der Hugo Boss AG eingeladen hatten. Im Fokus stand die textile Rohstoffangabe gemäß der neuen EUTextilkennzeichnungsverordnung. Daneben erläuterte Referentin Silvia Jungbauer, Kennzeichnungsexpertin der Stuttgarter Textilverbände, auch weitere Angaben wie die Herstellerkennzeichnung nach dem Produktsicherheitsgesetz oder die viel diskutierte Ursprungskennzeichnung „Made in…“. Praktische Beispiele veranschaulichten die oftmals komplexen Anforderungen. In einem Exkurs zu Kennzeichnungsanforderungen weltweit gab Karin de Beyer, als diplomierte Bekleidungstechnikerin bei Hugo Boss zuständig für Prozessoptimie-

rung, wertvolle Praxis-Tipps für die Kennzeichnung in den USA, in China und der Schweiz. Stefan Thumm, der Verbandsexperte für

Umwelt und Technik, ging auf die bislang seit Herbst 2013 gültige, aber noch wenig bekannte Pflichtkennzeichnung für Biozidprodukte

(v.l.n.r.) Im Gespräch: Karin de Beyer und Simone Hennefarth von Hohenstein Institute. Die Teilnehmer konnten wieder wertvolle Tipps von Referentin Silvia Jungbauer mitnehmen (oben).

ein. Ihr unterliegen Textilwaren, die mit bioziden Wirkstoffen behandelt sind – heutzutage also eine ganze Menge Produkte von der antibakteriellen Socke bis zur pilzgeschützten Markise (siehe Südwesttext Juli 2013). Bereits seit 2012 dürfen Hersteller nur noch Textilwaren an den Handel abgeben, die nach der neuen EU-Verordnung gekennzeichnet sind. Durch den Ausbau des Online-Geschäfts wird das Internet dabei zunehmend zur Abmahnfalle. Nach altem Recht gekennzeichnete Waren dürfen noch bis zum

14. November 2014 über den Ladentisch gehen – sofern sie vor dem 8. Mai 2012 auf dem Markt bereitgestellt wurden. Weil das Bereitstellungsdatum sich nicht ohne weiteres erkennen lässt, herrschte im stationären Handel, anders als in Online-Shops, in Sachen Verordnung bislang noch ein gewisses Laissez-faire. Ab November aber könnten leicht überprüfbare Merkmale zu Fallstricken werden – wie etwa ein fehlender Hinweis auf Teile tierischen Ursprungs oder eine nur scheinbar lässliche Abweichung von den vorgeschriebenen Faserbezeichnungen. „Bis zum Stichtag sollten Hersteller und Händler offenkundige Formfehler unbedingt ausräumen“, empfiehlt Jungbauer. Denn wie beim Workshop zu hören war: Laut Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb gilt ein Verstoß gegen EG-Recht – also auch gegen die EU-Textilkennzeichnungsverordnung – stets als „spürbare Beeinträchtigung“, ist also immer mehr als eine Bagatelle und somit abmahnbar.

Silvia Jungbauer

Karrieretipps in entspannter Vor-WM-Stimmung Mehr als 200 künftige Schulabgänger kamen am 5. Juni zwischen 17 und 22 Uhr zur Konrad Hornschuch AG: Der Weißbacher Oberflächenspezialist hatte zusammen mit Kriwan Industrie-Elektronik sowie Kriwan Testzentrum aus Forchtenberg, PVS aus Niedernhall und der Sparkasse Hohenlohekreis zur „Nacht der Ausbildung“ eingeladen. Mit einer Lounge-Atmosphäre inklusive Vor-WM-Stimmung schafften die fünf Firmen einen entspannten wie außergewöhnlichen Rahmen, um über Ausbildungsberufe zu informieren und Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen. Loungemöbel, die mit hochwertigen skai-Polsterbezugsstoffen überzogen waren, exotische Palmen, leckere Snacks vom Grillwagen, lockere Musik vom DJ und eine Bar mit alkoholfreien Cocktails kamen bei den jungen Besu-

chern bestens an. Zur Einstimmung auf die Fußballweltmeisterschaft gab es mehrere Tischkicker, aufblasbare Fußbälle und kreative Fanartikelpräsente.

mieren, denn die Vorstellung der Unternehmen und Berufe übernahmen die derzeitigen Azubis selbst. Sie konnten die Fragen der Schüler aus ihrem eigenen Erfah-

ternehmen im mittleren Kochertal aufmerksam machen. Das Fazit war durchweg positiv. Eine Teilnehmerin lobte zum Abschluss die kompetente und freundliche

Die Hornschuch Azubis konnten den Interessierten aus ihrem eigenen Lehralltag im Betrieb berichten. Ausbildungsstart ist der September 2015. Foto: © Hornschuch

Anders als im Trubel einer Ausbildungsmesse konnten sich die angehenden Schulabsolventen mit reichlich Zeit und aus erster Hand über den Azubi-Alltag infor-

rungsschatz heraus beantworten. Mit ihrer „Nacht der Ausbildung“ konnten die Partner auf das breite Spektrum der Ausbildungsmöglichkeiten international tätiger Un-

Beratung der Azubis und meinte: „So eine lockere Stimmung gibt es sonst auf keiner Ausbildungsveranstaltung.“ Simone Diebold


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Bildung + Soziales

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Gut gemanagt Azubis der Firma Digel sind Landessieger beim Fernplanspiel Am letzten Maiwochenende haben die Auszubildenden des Herrenbekleidungsherstellers Digel aus Nagold den Landessieg beim Fernplanspiel playbizz errungen und vertreten nun das Bundesland Baden-Württemberg Ende Juni bei der Nahe Freiburg stattfindenden Bundesendrunde. Playbizz ist eine Wirtschaftssimulation, die betriebliche Planungs- und Entscheidungsprozesse vereinfacht und modellhaft darstellt. Bei dem simulierten Unternehmen handelt es sich um einen mittelständischen Produktionsbetrieb, der ein Konsumgut herstellt und vermarktet – und sich dabei im Wettbewerb mit anderen Anbietern sowohl auf dem heimischen Markt wie auch beim Export behaupten muss. In der Fernplanspielrunde 2013/2014 besteht die Herausforderung darin, einen innovativen OLED-Flachbildfernseher kostengünstig zu produzieren und gewinnbringend zu vermarkten. Auf der Basis einer gegebenen Ausgangssituation sowie Prognosen zur künftigen Marktentwicklung sind Mengen (Absatz, Pro-

duktion, Einkauf) und Kapazitäten (Vertrieb, Produktion) möglichst optimal zu planen und in konkrete

Sicherung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens – zu erwirtschaften.

sonal- und Finanzwesen Planungen vorzunehmen und Entscheidungen zu treffen.

Fotos: Digel

Entscheidungen zu überführen. Auch qualitative Aspekte der Unternehmensführung, wie zum Beispiel die Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter, sollen im Entscheidungsprozess Berücksichtigung finden. Ziel des Planspiels ist es, im Verlauf von vier simulierten Geschäftsjahren einen möglichst hohen Gewinn – bei gleichzeitiger

Die Auszubildenden haben die Möglichkeit, als „Manager“ ein (Planspiel-) Unternehmen zu führen und dabei die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre spielerisch zu erleben. Wie in einem „richtigen“ Unternehmen sind in den betrieblichen Funktionsbereichen Beschaffung, Produktion und Vertrieb sowie Per-

Schlüsselqualifikationen wie Selbstorganisation, analytisches Denken, strukturiertes Arbeiten, Team, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit werden durch die gemeinsame Entscheidungsfindung in der Gruppe trainiert. Herzlichen Glückwunsch an die drei erfolgreichen Unternehmensführer und viel Glück für die nächste Herausforderung. Christine Schneider

Hochschul-Bildungs-Report

HOCHSCHUL-

BILDUNGSREPORT 2020

SCHWERPUNKT: LEHRER-BILDUNG

2010 – 2014 – 2020 IN KOOPERATION MIT

Den Hochschul-Bildungs-Report gibt es kostenlos zum Download unter http://www.stifterverband.info/bildungsinitiative/ hochschul-bildungs-report/index.html

Bei Themen wie Ausbildung von Lehrern, Chancengerechtigkeit oder Internationalisierung sind die deutschen Hochschulen noch weit von den Zielen entfernt, die sie nach Ansicht von Bildungsexperten erreichen sollten. Zu dieser Einschätzung kommt der aktuelle Hochschul-Bildungs-Report 2020, dessen jüngste Ausgabe Stifterverband und McKinsey & Company Mitte des Monats veröffentlicht haben. Insgesamt analysiert der Report die Fortschritte an deutschen Hochschulen in sechs Handlungsfeldern: Neben Lehrer-Bildung zählen dazu Internationalität der Bildung, Chancengerechtigkeit für Studierende, beruflich-akademische Bildung sowie berufliche Weiterbildung und MINT-Bildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Fazit über alle Handlungsfelder hinweg: „Die Hochschulbildung in Deutschland macht Fortschritte, ist aber immer noch weit von den Zielen entfernt, die sie erreichen sollte“, sagte McKinseyDirektor Jürgen Schröder. Die Lage bei der Lehrer-Bildung hat sich gegenüber dem Vorjahr noch einmal deutlich verschlechtert. Eine für den Report durchgeführte repräsentative Befragung von Abiturienten zeigt: Der Lehrerberuf gehört zwar zu den Top 5 der angesehensten Berufe in Deutschland. Dennoch können sich 83 Prozent der befragten Schüler mit sehr gutem oder gutem Notendurchschnitt nicht vorstellen, Lehrer zu werden. Gute Schüler vermissen vor allem attraktive Aufstiegsmöglichkeiten und vielfältige Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ein weiteres Ergebnis des Hochschul-Bildungs-Reports: Die Chancengerechtigkeit in der Hochschulbildung hat sich merklich verbessert. Trotz der gestiegenen Zahl ausländischer Technikstudierender und Absolventen in den Ingenieurwissenschaften sind im Handlungsfeld MINT-Bildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) nach der Lehrer-Bildung die bisher geringsten Fortschritte erzielt worden. Geplante und existierende MINT-Förderprogramme sollten deshalb zielgerichteter für einzelne Fächer entwickelt werden Der Hochschul-Bildungs-Report erscheint seit 2013 jährlich. Er formuliert messbare Ziele für das Jahr 2020 und gibt Empfehlungen, wie diese Ziele zu erreichen sind.


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Bildung + Soziales 7

Projekt „Wirtschaft inklusiv“ Gemeinsames Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten in der Berufsausbildung

Den Flyer gibt es zum Download unter www.suedwesttextil.de

Anfang April hat sich das Bildungswerk der Frage gestellt, wie man das gemeinsame Lernen von

Behinderten und Nichtbehinderten in der Berufsausbildung am besten hinbekomm.Daraus ist das Projekt „Wirtschaft inklusiv“ entstanden. Ziel ist es, Unternehmen verstärkt für die Ausbildung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu gewinnen und das Engagement der Wirtschaft für Inklusion zu verstärken und zu dokumentieren. Zu diesem Zweck wurden 2,5 Projektleiterstellen, sogenannte Inklusionsberater, in Baden-Württemberg eingerichtet. Sie werden in den jeweiligen Regionen aktiv auf Unternehmen zugehen, um die vorhandenen Fachdienste, Einrichtungen, Organisationen und Institutionen der beruflichen Teilhabe und Rehabilitation behinderter Menschen bei den Unternehmen vorzustellen und entsprechende Ansprechpartner zu vermitteln. Dabei werden keine neuen Einrichtungen und Strukturen geschaffen, sondern die Inklusionsberater sollen aus der Wirtschaft heraus die Betriebe unterstützen und spezi-

fisches Knowhow vermitteln, damit vorhandene Strukturen, Unterstützungssysteme und Förderleistungen besser genutzt werden. Das Projekt ist Teil eines Bundesprojektes, welches durch die Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation (BAG abR) durchgeführt und über Mittel des Ausgleichsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finanziert wird. Ebenfalls zum Thema Inklusion sind von der BDA zwei neue Broschüren erschienen: „Bildung inklusiv – Potenziale entfalten durch Inklusion“ beschäftigt sich mit Inklusion an Kindertagesstätten, Schulen, der Beruflichen Bildung sowie an Hochschulen. Mit dem Leitfaden „Inklusion Unternehmen – Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung“ hat die BDA eine Publikation veröffentlicht, die gute praktische Beispiele zur Umsetzung enthält.

Die beiden Broschüren der BDA zum Thema Inklusion können unter www.suedwesttextil.de kostenlos heruntergeladen werden.

Christine Schneider

„Nimsch scho auf, oder?“ AUFGEPASST

BILDUNG INKLUSIV Potenziale entfalten durch Inklusion

GoTextile!-Episode sieben: Kadir, das ist der Name des Protagonisten im neuen Go Textile!-Ausbildungsvideo. Der Aalener absolviert derzeit in seinem Heimatort das 2. Lehrjahr seiner Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer Textilveredlung bei der Lindenfarb Textilveredlung Julius Probst GmbH & Co. KG. In einem rund zweieinhalb Minuten langen Video stellt er natürlich und ungezwungen seinen Arbeitsalltag vor – zu sehen unter www.youtube. Maschinen- und Anlagenführer Textilveredlung com/gotextile und unter www.go-textile.de/ausbildung. Gerade bei jungen Leuten sind die kurzen Videoclips im Internet besonders beliebt. Deshalb werden seit Ende 2012 bei Go W W W. G O - T E X T I L E . D E Textile! die textilen Berufe verfilmt. Azubis aus unterschiedlichen Mitgliedsunternehmen berichten darin frei und authentisch über ihre Ausbildung und persönlichen Erfahrungen im Berufsleben.

Seminare Bildungswerk Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in Kooperation mit Südwesttextil.

Selbst- und Zeitmanagement 3. bis 4. Juli 2014, Haus Steinheim Argumentieren lernen – Intensivtraining 4. Juli 2014, Haus Bleibach Aufbauseminar Entgeltabrechnung 7. bis 9. Juli 2014, Haus Bleibach www.biwe-akademie.de


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Recht + Steuern

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JUNI 2014 I NR. 81

Das Güterichterverfahren im Arbeitsrecht Die außergerichtliche Konfliktbeilegung nach Klage Weitgehend unbekannt ist, dass mit dem „Gesetz zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung“ seit Juli 2012 auch für den Arbeitsgerichtsprozess ein neuer Weg der konsensualen Beilegung von Rechtsstreitigkeiten eröffnet wurde: Die gerichtsinterne Mediation. Oft genug schon haben Firmenvertreter darauf hingewiesen, dass in der von den Arbeitsrichtern knapp terminierten Zeit eines Gütetermins von üblicherweise 20 Minuten die Probleme des Rechtsstreits nicht ausreichend angesprochen und diskutiert werden können. Ein gerichtlicher Vergleichsvorschlag findet aber meist nur dann Akzeptanz, wenn beide Parteien sich mit ihren Ansichten ausreichend gewürdigt sehen. Auch die Möglichkeit jedes Bürgers, bei einem arbeitsgerichtlichen Verfahren auf der Zuschauerbank teilzunehmen, weil diese Verfahren „öffentlich“ sind, ist schon

ser Stelle gerne mal ausführt, was er von „dem Laden“ und „dem Umgang“ mit ihm eigentlich hält. Auch der Arbeitgeber ist bei Kündigungen

Eine Frage der Firmenkultur

aus betriebsbedingten Gründen gezwungen, die Gründe offenzulegen, so dass meist Kundenbeziehungen und auch andere interessante Kennzahlen offenbart werden. Für immer mehr Unternehmen ist es zudem eine Frage der Unternehmenskultur, wie man mit seinen Mitarbeitern um- bzw. auseinandergeht. Selbst wenn man zunächst vom Mitarbei-

manchem Geschäftsführer bitter aufgestoßen. Schließlich werden häufig bei diesen Verfahren Firmeninterna enthüllt und diskutiert. Nicht nur, dass der Arbeitnehmer an die-

Verhandlungsgespräche führen. Darüber hinaus hat er die Möglichkeit, beispielsweise in Mobbingfällen andere, am Rechtsstreit selber nicht beteiligte Arbeitnehmer, in die Verhandlungen miteinzubeziehen. Die Verhandlung selber ist nicht öffentlich und die Parteien können zur absoluten Vertraulichkeit verpflichtet werden.

Güterichter sind geschulte Mediatoren

Der Güterichter kann die Methoden der Mediation anwenden und mit den Parteien getrennt Verhandlungsgespräche führen. Foto: © Trueffelpix - Fotolia.com

Recht kompakt Arbeitsrecht – Elternzeit Frage: Darf eine beantragte Elternzeit vorzeitig abgebrochen werden, um die Mutterschutzfristen für ein weiteres Kind in Anspruch zu nehmen? Antwort: Im Rahmen einer Gesetzesänderung vom 10. September 2012 hat der Gesetzgeber klargestellt, dass nunmehr eine vorzeitige Beendigung der Elternzeit allein um eine bezahlte Freistellung während der Mutterschutzfristen vor und nach der Geburt zu erlangen, zulässig ist. Die Arbeitnehmerin soll die Beendigung der Elternzeit dem Arbeitgeber lediglich rechtzeitig mitteilen. Die hierdurch freiwerdende Elternzeit ist nicht verbraucht und kann insbesondere im Umfang von bis zu 12 Monaten auch mit Zustimmung des Arbeitgebers auf eine Zeit zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes verschoben werden. www.sudwesttextil.de

ter verklagt wird. Letzteres kann man zunächst nicht vermeiden und wird dies als bestehendes Recht des Arbeitnehmers akzeptieren müssen.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, im Rahmen eines Rechtsstreites auf Augenhöhe und unter Berücksichtigung aller Argumente und unter Zuhilfenahme eines unparteiischen Dritten, eine Lösung zu finden. Idealerweise sollte der unparteiische Dritte über arbeitsrechtliche Kenntnisse verfügen und in der Schlichtung und Mediation erfahren sein. Das alles kann das Güterichterverfahren leisten, doch bis jetzt führt es noch ein Schattendasein. Bei sämtlichen Arbeitsgerichten besteht mittlerweile die Möglichkeit mit Zustimmung der Parteien eine Verweisung von Rechtsstreitigkeiten an einen Güterichter vorzunehmen. Der Güterichter ist Vorsitzender einer anderen Kammer des Gerichts, der von der Entscheidung über den Rechtsstreit selbst ausgenommen bleibt und gegenüber dem befugten Arbeitsrichter zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Gespräche und Verhandlungen vor dem Güterichter werden prozessual anders geführt: Der Güterichter kann die Methoden der Mediation, für die er geschult wurde, anwenden und beispielsweise mit den Parteien getrennt

Soweit Rechtsstreitigkeiten ergebnisoffen geführt werden können, bietet sich die Verweisung an einen Güterichter an, der ohne den üblichen Zeitdruck offen und ohne Rücksicht auf die üblichen strengen Regularien des Prozessrechts die Lösungsfindung begleitet. Ob das Gesetz dazu beiträgt, dass sich die Rechtskultur in Deutschland völlig verändert, in dem es mündige Bürger und zufriedene Menschen fördert anstatt Sieger und Verlierer zu schaffen, wie Chefredakteur Heribert Prantl bei Einführung des Gesetzes in der Süddeutschen Zeitung meinte, bleibt weiter abzuwarten. Der Firmenkultur würde es jedenfalls in einigen Fällen sicherlich gut anstehen, wenn sich der Arbeitgeber noch im Stadium des Klagverfahrens für die Suche nach einer gütlichen Lösungen offen erklärt. Gerade bei schwierigen Mitarbeitern oder umfangreichen Ansprüchen bzw. Gegenansprüchen, kann das Güterichterverfahren noch eine Möglichkeit darstellen, eine einheitliche konsensfähige Lösung auf Augenhöhe zu erarbeiten. Einen zusammenfassenden Überblick gibt das „Infoblatt Güterichterverfahren“ der Arbeitsgerichte. Dieses kann unter www. suedwesttextil.de heruntergeladen werden. Die Anregung ein gerichtliches Verfahren an den Güterichter zu verweisen, kann in jeder Verfahrenslage erfolgen. Die Verbandsjuristen beraten hierzu jederzeit und begleiten selbstverständlich die Verfahren vor dem Güterichter. Kai-Uwe Götz


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Juni 2014 I Nr. 81

Altersteilzeitverhältnisse können enden Auswirkung der Rente mit 63 Zum 1. Juli 2014 tritt die neue Regelung zur „Rente mit 63“ in Kraft. Mitarbeiter mit 45 Beitragsjahren können dann ab dem 63. Lebensjahr eine abschlagsfreie Rente beziehen. Diese Neuregelung könnte Auswirkungen auf bestehende Altersteilzeitarbeitsverhältnisse haben, die noch aufgrund des Tarifvertrags zur Förderung der Altersteilzeit abgeschlossen wurden und sich nunmehr in der Freistellungsphase befinden. Nach der tarifvertraglichen und meist auch in den Altersteilzeit-Arbeitsvertrag übernommenen Regelung endet die Altersteilzeit mit dem Ablauf des Kalendermonats, in dem der Beschäftigte eine Altersrente – in diesem Fall die Rente mit 63 – ohne Abschlag beanspruchen kann. Das könnte mit der Neuregelung bereits im Juli eintreten. Die Beendigung des Altersteilzeitverhältnisses bei möglicher Inanspruchnahme einer Altersrente ohne Abschlag geht auf das Altersteilzeitgesetz (ATZG) zurück: Der Anspruch des Arbeitgebers auf Erstattung der Aufstockungsbeträge

gegenüber der Bundesagentur setzt voraus, dass Altersteilzeit nicht über den Zeitpunkt einer möglichen Inanspruchnahme einer ungeminderten Altersrente vereinbart wird. Das Gesetz zur Rente mit 63 sieht vor, dass der Erstattungsanspruch gegenüber der Bundesagentur entgegen der bisherigen Regelung nicht entfällt. Eine solche Ausnahme findet sich in den Altersteilzeitverträgen aber nicht, so dass diese nach dem Wortlaut bei Vorliegen der Voraussetzungen einer Rente mit 63 enden würden. Ob dies tatsächlich so ist, werden wohl erst Arbeitsrichter im Rahmen entsprechender Klagen entscheiden. Für Altersteilzeitverhältnisse im Blockmodell würde dies bedeuten, dass ein Differenzausgleich erfolgen müsste, die sogenannte Störfallberechnung: Die ausgezahlten Leistungen – das Altersteilzeitentgelt einschließlich des Aufstockungsbetrages – und das Entgelt für den Zeitraum der tatsächlichen Beschäftigung in der Arbeitsphase – das erarbeitete Guthaben – müssten gegenüber gestellt werden. Übersteigt

Urlaubsabgeltung bei Tod Erst im Jahre 2013 hatte das Bundesarbeitsgericht (BAG) noch klargestellt, dass nach deutschem Recht der Urlaubsanspruch untergeht, wenn der Tod des Arbeitnehmers das Arbeitsverhältnis beendet. Insofern stand nach absolut herrschender Meinung auch den Hinterbliebenen kein Anspruch auf Urlaubsabgeltung zu. Diese Rechtslage verstößt nach Ansicht des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) gegen Unionsrecht. Der EuGH betont, dass der Anspruch auf bezahlten Urlaub ein besonders bedeutsamer Grundsatz des Sozialrechts sei. Wie bereits entschieden, habe deshalb auch ein Arbeitnehmer weiterhin Anspruch auf Urlaub, wenn er diesen wegen Krankheit nicht nehmen konnte. Am Ende des Arbeitsverhältnisses stehe ihm deshalb ein finanzieller Ausgleich für nicht genommenen Urlaub zu. Von diesem Grundsatz wird auch dann keine Ausnahme zugelassen, wenn das Arbeitsverhältnis

durch den Tod des Arbeitnehmers beendet wird, da nur durch diesen finanziellen Ausgleich die praktische Wirksamkeit des Urlaubsanspruchs sichergestellt sei. Der unwägbare Eintritt des Todes des Arbeitnehmers dürfe dabei nicht rückwirkend zum vollständigen Verlust des Anspruchs auf bezahlten Jahresurlaub führen. Während bislang Hinterbliebene nur dann einen Urlaubsabgeltungsanspruch erben konnten, wenn der Arbeitnehmer erst nach Vertragsende verstarb, steht den Hinterbliebenen nunmehr auch dann ein solcher Anspruch zu, wenn der Tod bereits während des Laufs des Arbeitsverhältnisses eintritt. Dies gilt laut EuGH unter anderem auch deshalb, weil die Umwandlung des Urlaubsanspruches in einen finanziellen Abgeltungsanspruch nicht von einem Antrag des Arbeitnehmers abhängt, sondern automatisch eintritt. Boris Behringer

das erarbeitete Guthaben das bereits gezahlte Entgelt, erhält der Arbeitnehmer die Differenz ausbezahlt. Befindet sich der Arbeitnehmer in der Freistellungsphase kann es vorkommen, dass der Arbeitgeber gar keine Auszahlung mehr leisten muss, die vorzeitige Beendigung für den Arbeitgeber somit finanziell vorteilhaft wäre. Tatsächlich wird der Arbeitgeber in den meisten Fällen gar nicht wissen, ob die Mitarbeiter in Altersteilzeit die Voraussetzung für eine Rente mit 63 erfüllen und das Altersteilzeitarbeitsverhältnis deshalb endet. Es ist zu empfehlen, bei den laufenden Altersteilzeitverhältnissen schnellstmöglich zu prüfen, ob die Voraussetzungen der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren noch innerhalb der Altersteilzeit erfüllt werden. Dabei dürfte der Mitarbeiter sogar verpflichtet sein, dem Arbeitgeber die erforderlichen Informationen zur Verfügung zu stellen. Soweit das Altersteilzeitverhältnis weitergeführt werden soll, empfiehlt es sich vor dem Zeitpunkt der Rentenbezugsmöglichkeit nach

Rücksprache mit dem Verband mit dem betroffenen Arbeitnehmer schriftlich zu vereinbaren, dass die Rente mit 63 die getroffene Altersteilzeitregelung nicht beendet. Wird der anteilige Lohn inklusive Aufstockungsbetrag einfach weiterbezahlt, tritt nach Einschätzung des Verbands kein unbefristetes Arbeitsverhältnis ein. Die Nichtbeachtung der Beendigung würde nur zu einer falschen Berechnung führen und könnte i.S. der obigen Differenzberechnung nachträglich noch korrigiert werden. Soweit sich der Arbeitgeber auf eine Beendigung berufen will, ist das Altersteilzeitverhältnis auf den Zeitpunkt einer möglichen Inanspruchnahme der Rente mit 63 – wie ausgeführt – als Störfall abzuwickeln. Ob die Arbeitsgerichtsbarkeit entgegen des ausdrücklichen Wortlauts der Altersteilzeitverträge die Verträge für den Fall „Rente mit 63“ durch Auslegung als doch nicht beendet ansieht, kann erst im Klagverfahren festgestellt werden.

VerbandsMaterial

Nathan Binkowski

zur Fußball-WM 2014

Fußball-WM 2014 Eine Übersicht informiert über arbeitsrechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Zu finden im Mitgliederbereich unter https://intern.suedwesttextil.de/downloads.

Aktuelle Steuer-Nachrichten Ermittelt sich der geldwerte Vorteil aus der Fahrzeugüberlassung an einen Arbeitnehmer für dessen Privatfahrten sowie für seine Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätten nach der sog. Fahrtenbuchmethode, vermindern die vom Arbeitnehmer vereinbarungsgemäß gezahlten Nutzungsvergütungen nicht die beim Arbeitgeber angefallenen Aufwendungen für das Fahrzeug, sondern sind von dem nach dem Einkommensteuergesetz ermittelten privaten Nutzungswert in Abzug zu bringen. Das gilt für die 1 Prozent-Regelung ebenso wie für die Fahrtenbuchmethode. Diese und weitere Auslegungen zum Steuerrecht finden sich in den aktuellen Steuernachrichten. Im Mitgliederbereich von Südwesttextil kann die Juni-Ausgabe als pdf-Datei heruntergeladen werden.


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Technik + Umwelt

Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindustrie beklagen die derzeit herrschende extreme Verknappung von Textilfarbstoffen, die mit Lieferengpässen und einem massiven Preisanstieg einhergeht (siehe Südwesttext Ausgabe Mai). Aufgrund der sich weiter zuspitzenden Situation haben sich die Verbände Südwesttextil, Gesamtmasche und VTB entschlossen, das „Kompetenznetzwerk Farbstoffe“ ins Leben zu rufen. Ziel dieses Netzwerktreffens ist es, einen möglichst umfangreichen Informationsaustausch anzustoßen und weitere Schritte abzustimmen. Alle Mitgliedsunternehmen – auch aus anderen Regionen Deutschlands – sind herzlich eingeladen.

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Termine

Anmeldung

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Kompetenznetzwerk Farbstoffe

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bis 11. Juli 2014 www.suedwesttextil.de/ veranstaltungen/ farbstoffe-201407

Termin: 23. Juli 2014 von 13.30 Uhr bis ca. 16.30 Uhr Ort: Landgasthof-Hotel Bergwirt Schernberg 1, 91567 Herrieden Die Teilnahme ist kostenlos.

Foto: © norman blue – Fotolia.com

Termin vormerken

Verband der Bayerischen Textil- und BekleidungsinWorkshop Biozid dustrie 18. September 2014, Filharmonie Filderstadt Verband der Südwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie Am 1. September 2013 ist die neue EU-Biozidverordnung VO-Nr-528/2012 in Kraft getreten und sie hat es in sich. Ohne Detailwissen ist es für Entscheider, Techniker, Einkäufer und Marketingfachleute Gesamtverband der deutder Textilbranche sehr schwer,schen diese Verordnung richtig Maschenindustrieund möglichst rechtskonform umzusetzen. Ganz neu ist u. a. die Kennzeichnungs- und Informationspflicht für die Inverkehrbringer von biozid ausgerüsteten Textilien, die mit ihren bioziden Eigenschaften, wie z. B. Hygiene-, Geruchsvermeidungs-, Schimmelschutz- oder Insektenabwehrfunktion, beworben werden. Bei Zuwiderhandlungen gelten die Sanktionsmaßnahmen des Chemikalienrechts (ChemG): Je nach Ordnungswidrigkeit können Bußgelder in Höhe von bis zu 200 000 Euro und bei Straftaten sogar mehrjährige Freiheitsstrafen verhängt werden. Von Kosten für etwaige Produktrückrufaktionen und Imageschäden etc. ganz zu schweigen. Weiterhin können „primäre“, biozide Werbeaussagen zur Folge haben, dass das ausgerüstete Textil selbst als Biozidprodukt zulassungspflichtig wird. Die reinen Zulassungskosten für ein Produkt betragen mind. 80 000 Euro.

Fasern in der Medizin Am 4. November lädt das ITV Denkendorf zur Tagung „Fasern in der Medizin – Implantate und Regenerationsmedizin“ ein. Die Veranstaltung gibt einen Überblick über das Anwendungspotenzial Faserbasierter Werkstoffe für den Ersatz oder die Regeneration von Organen und Geweben. Wissenschaft und Wirtschaft haben die Möglichkeit, sich über neueste Technologien und Trends in diesem Bereich zu informieren und auszutauschen. Einblick in die anwendungsorientierte Forschung bietet ein Rundgang durch die Technika und Laboratorien des ITV. Weitere Infos unter www. itv-denkendorf.de. 29. Hofer Vliesstofftage Gemeinsam mit der Hochschule Hof Fakultät Ingenieurwissenschaften, dem Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Textil und Bekleidung Münchberg-Naila sowie dem Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) Hof, unterstützt durch das Stefan Sächsische Thumm Textilforschungsinstitut e. V. Referent fürChemnitz, Technik,veranstaltet Umwelt &der Verband der Bayerischen TextilInnovation und Bekleidungsindustrie e. V. am 5. und 6. November die 29. Hofer Vliesstofftage. In der neuMobil: en +49 151 28109045 Freiheitshalle in Hof werden in Referaten aus den Bereichen s.thumm@vtb-bayern.de Industrie, betriebliche Praxis und umwelt@suedwesttextil.de Forschung innovative Entwicklungen umwelt@gesamtmasche.de der Vliesstoffbranche vorgestellt. Begleitet wird die Veranstaltung durch eine Fachausstellung. Programm und Anmeldung unter www.hofer-vliesstofftage.de.

Forum Bionik Am 19. und 20. November veranstaltet die Bayern Innovativ GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bionicum Nürnberg und dem Internationalen Bionik Zentrum – Stiftung für Bionik München/ Saarbrücken das „Forum Bionik“ im DB Museum in Nürnberg. Die Tagung DerWirkung Workshop richtet „Inverkehrbringer“, wie z. B. Importeure, Händler und MarkenherMit zumsich 1.primär Junian2014 setzt Norwegen mit einem Mikrogramm/m² Textil einen strengen steht unter dem Motto „Lösungen steller aber auch Ausrüster von Textilien mit bioziden Funktionen und gibt einen Überblick über die technischer Fragestellungen nach PFOA-Grenzwert. Damit reagiert Norwegen mitWerbeaussagen einem Grenzwert für PFOA (PerFluoroOctaneue Biozidverordnung. Anhand praktischer Beispiele werden biozide überprüft und dem Vorbild der Natur“ und will Tipps gegeben, wie sie rechtsicher umzusetzen sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der richtigen noicAcid) in Textilien auf die Listung von PFOA in der SVHC (SubstancesUnternehmen of Veryaller High ConBranchen das Kennzeichnung für die B2B-und B2C-Bereiche. Die Veranstaltung soll helfen, Mitgliedesunternehmen Innovationspotenzial der Bionik cern) Kandidatenliste der ECHA (European Chemicals Agency). Es ist damit zu rechnen, dass vor unangenehmen Überraschungen und hohen Kosten zu bewahren. näher bringen. Mehr unter www. bayern-innovativ.de/bionik2014. diesem Beispiel andere Länder zeitnah nachfolgen. Diese aktuelle Entwicklung aufgreifend, Jetzt anmelden unter www.suedwesttextil.de/veranstaltungen, dick@suedwesttextil.de oder +49 711 21050 - 11

PFOA-haltige C8- Fluorcarbonchemie für wasser-, öl- und schmutzabweisend ausgerüstete Textilien steht vor dem Aus

möchten wir die Verbandsmitglieder bezüglich aller wesentlichen Aspekte und Konsequenzen um PFOA in Bezug auf die wasser-, öl- und schmutzabweisende Ausrüstung informieren, da noch immer C8-Fluorcarbonprodukte in Verwendung sind oder mit diesen Produkten ausgerüstete Textilien lagern oder aktuell weiterverarbeitet werden. Nach Berechnungen der


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Technik + Umwelt

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Neue Garne für Berufskleidung: Robust und kostengünstig ITV Denkendorf entwickelt gezwirnte Vortexgarne für Berufskleidung Kostengünstig produzieren und hohe Qualität sichern ist ein Ziel bei der Herstellung von Berufsbekleidung. Wissenschaftler am ITV Denkendorf überprüften, ob dies mit gezwirnten Vortexgarnen zu erreichen ist. Das Forschungsvorhaben wurde von der AiF-Forschungsvereinigung gefördert. Die Produktion sollte gesteigert werden, indem beim Zwirnprozess geringere Drehungen eingebracht werden als beim Ringgarnzwirn und gleichzeitig die Feinheitsfestigkeit im Zwirn erhöht wird. Bereits bei den Grundsatzversuchen erkannten die Forscher, dass ein in Garndrehrichtung hergestellter Zwirn schon bei sehr geringen Drehungskoeffizienten von am40 eine hohe Festigkeit erreicht. Die gleiche Festigkeit wird bei einem gegen die Garndrehrichtung hergestellten Zwirn erst im Bereich am140 erzielt. Die Ursache für die hohe Festigkeit der in Garndrehrichtung hergestellten Vortexzwirne bei geringer Drehung liegt in der Struktur der luftgesponnenen

Garne. Da sich die Mantelfasern schon bei geringer Zwirndrehung enger um die parallel liegenden Kernfasern legen, werden diese

steigern. Untersuchungen zeigen, dass dieses Ergebnis auch auf andere Fasern und Fasermischungen übertragen werden kann.

(v.o.n.u.) Z-gedrehte Garne im S-gedrehten Zwirn. und im Z-gedrehten Zwirn Fotos: ITV Denkendorf

fester zusammengedrückt und die Reibung zwischen den Kernfasern wird erhöht. Durch die geringen Drehungen lässt sich die Produktivität des Zwirnprozesses wesentlich

Im Anschluss an die Zwirnuntersuchungen wurden aus verschiedenen Vortexzwirnen sowie aus Ringgarnzwirn, Rotorgarn und Vortexgarn Gewebe hergestellt.

AFBW Mitglied bei go-cluster

Vergleicht man diese Gewebe, erzielen die Stoffe aus Zwirnen mit geringem Drehungskoeffizienten (in diesem Fall am40) in allen Tests gleiche oder bessere Ergebnisse als Stoffe, die bisher für Berufsbekleidung verwendet werden. Ein Qualitätskriterium ist der „Griff“. Dabei testen Personen, ob sich das Garn weich und angenehm anfühlt. Die Testerinnen stellten keinen Unterschied zu den üblicherweise verwendeten Garnen für Berufskleidung fest. Weiter wurde getestet, wie schnell sich der Stoff abnutzt. Dazu wurde er einem „Scheuertest“ unterzogen, der deutliche Vorteile dieser neuen Zwirne gegenüber dem Stand der Technik bestätigt. Uwe Heitmann, Leiter der Stapelfasertechnologie am ITV, ist mit den Ergebnissen zufrieden: „Die hochproduktiv hergestellten Luftgarne können durch Zwirnen mit geringer Drehung zu Berufskleidung verarbeitet werden, die hohen Qualitätsansprüchen genügt.“ ITV Denkendorf

Veranstaltungstipp Die AFBW ist ab sofort offizielles Mitglied im Programm „go-cluster“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ist. In go-cluster sind die besten Innovationscluster aus allen Regionen Deutschlands vereint. Sie sind Vorreiter für Innovationen und spiegeln die hohe Kompetenz Deutschlands in zahlreichen Branchen und Technologiefeldern wider. Wenn Unternehmen und Forschungseinrichtungen kooperieren, können sie von den Stärken und Kompetenzen der jeweils anderen nur profitieren. Gemeinsam ist es einfacher, Ideen zu entwickeln. Die vielfältigen Erfahrungen aller Mitglieder in einem Cluster helfen, gute Ideen zielgerichtet umzusetzen – dank gebündelter Kompetenzen und Synergien. Ein solides Clustermanagement ist dabei die Basis für den Erfolg. Schwerpunkte des Programms „go-cluster“ sind: • Unterstützung der leistungsfähigsten nationalen Innovationscluster bei ihrer Entwicklung zu international exzellenten Clustern • Förderung neuartiger Clusterservices, um so den Clustermanagern Impulse für neue Dienstleistungen zu geben • Erhöhung der internationalen Sichtbarkeit der beteiligten Innovationscluster • Analyse von Trends der internationalen Clusterpolitik, um Empfehlungen für die Ausgestaltung der deutschen Perspektive zu erhalten • Angebot verschiedener Serviceleistungen, die Clustermanagements bei ihrer Weiterentwicklung unterstützen

Am 17. Juli veranstaltet Bayern Innovativ in Nürnberg in Kooperation mit dem Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. und dem Dialog Textil-Bekleidung das erste Kooperationsforum „Textil und Nachhaltigkeit“. In zahlreichen Vorträgen werden Nachhaltigkeitsstrategien und Best-Practice-Beispiele führender Unternehmen sowie neue technologische Ansätze präsentiert. Die begleitende Fachausstellung bietet einen optimalen Rahmen, um Kontakte zu potenziellen Kooperationspartnern aufzubauen. Weitere Infos unter www.bayerninnovativ.de/nachhaltigkeit2014.


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Zu guter Letzt

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Gil Bret Outdoor Design Award vergeben Die stolze Preisträgerin des zweiten Gil Bret Design Wettbewerbs 2014 steht fest: Mareike Schön hat am 28. Mai die Auszeichnung des Outdoor-Spezialisten für ihren Entwurf im Bereich „Daunen-Jacke/Mantel“ erhalten. Neben einem Preisgeld in Höhe von 2 000 Euro darf sich die Studentin, der Modeschule Brigitte Kehrer Mannheim, über ein 6-monatiges Praktikum im Gil Bret Design-Team mit anschließender Übernahmeoption als Nachwuchsdesignerin freuen. Den zweiten Platz belegte Theresa Nippert, Modedesignschule Manuel Fritz Mannheim, und erhält ein Preisgeld von 1 000 Euro. Den mit 500 Euro dotierten dritten Platz sicherte sich Phalaphol Tatone von der Fashion Design Factory Stuttgart. Die Finalisten werden zudem eingeladen gemeinsam mit den Gil Bret Designern die Stoffmesse in München zu besuchen. Die Gewinner konnten sich bei der hausinternen Jury um Geschäftsführer Erik Stolte unter 30 Entwürfen durchsetzen. Zur Teilnahme am Design Wettbewerb wurden erstmals bundesweit rund 36 Modedesignschulen und Hochschulen eingeladen. Für die Teilnehmer galt es ein Entwurfs-Portfolio der Themen Red Carpet, Freestyle und Jacke/Mantel als Bestandteil der Gil Bret Herbst/ Winterkollektion 2015 einzureichen.

(v.l.n.r.): Christina Bender (Personalwesen), Mareike Schön (1.Platz), Elke Pfeffer (Designerin Gil Bret), Erik Stolte (Geschäftsführer Gil Bret), Theresa Nippert (2. Platz), Phalaphol Tatone (3. Platz).

Aufgrund der sehr guten Resonanz im vergangenen Jahr, setzte das Unternehmen den Wettbewerb fort. Der Bekleidungsspezialist möchte mit diesem Preis bereits beim Nachwuchs Interesse für das Segment Outdoor wecken und anhand qualitativ hoch stehender Arbeiten dessen Innovationskraft aufzeigen. Darüber hinaus wird den Nachwuchsdesignern mit attraktiven Geld- und Sachpreisen eine Starthilfe für ihre Karriere in der Modebranche geboten. So konnte bereits die Vorjahressiegerin

Katrin Hübel im Anschluss an ihr Praktikum als Nachwuchsdesigne-

rin übernommen werden. Simone Diebold

Betty Barclay Die Unternehmensgruppe Betty Barclay aus Nußloch ist mit den Marken Betty Barclay, Gil Bret, Vera Mont und Cartoon einer der führenden Produzenten für Damenoberbekleidung. Zeitgemäße Kollektionen für die moderne Frau transportieren Lifestylewelten mit einem hohen Identifikationspotenzial. Neueste Nachrichten: Gemeinsam mit dem international agierenden Unternehmen aus der Augenoptik-Branche Visibilia aus Heubach baut die Gruppe im Bereich der Korrektions- und Sonnenbrillen das Lizenzportfolio weiter aus.

Fußballfieber im tim

Zitat

Begleitend zur Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien präsentiert das Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) vom 13. Juni bis 13. Juli ausgewählte textile Exponate von deutschen Nationalspielern von 1950 bis 2006. In Kooperation mit der FC Bayern Erlebniswelt zeigt das tim Fußballoutfits von Jakob Streitle, der zuletzt 1952 für die Nationalelf aufgelaufen war, bis hin zu Philipp Lahm, dem aktuellen Kapitän der Fußballnationalmannschaft. Nahezu alle gezeigten Exponate stammen von Nationalspielern, die bei FC Bayern München spielten oder noch spielen. Insbesondere Klaus Augenthaler hat viele seiner in Länderspielen eingetauschten Trikots aufbewahrt – so auch das ausgestellte Trikot des argentinischen Nationalspielers Oscar Ruggeri, der es im WM-Endspiel von 1990 in Rom trug, als Deutschland Argentinien mit 1:0 bezwang. Der kleine Streifzug durch die Fußball-Kleidung von 1950 bis 2006 zeigt, dass nicht nur die High-Fashion, sondern auch die Fußball-Outfits der jeweiligen Mode ihrer Zeit folgten. Immer galt es, den sportlichen Körper der Spieler in Szene zu setzen. Heute sind sie längst zu begehrten Artikeln einer gewinnbringenden Merchandise-Industrie geworden.

»4:0 Sieg! geiler Start !! Und hier das versprochene Selfie mit der Kanzlerin! Poldi.«

Der Eintritt zur Foyerausstellung ist frei: www.timbayern.de.

Das postete der Nationalspieler Lukas Podolski nach der WM-Partie am 16. Juni Deutschland gegen Portugal bei Facebook.

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Präsident Georg Saint-Denis

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Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop

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Verantwortlich für Inhalt und Layout Simone Diebold

Auflage 1 600 Exemplare

Der Bezug der Südwesttext ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.


Südwesttext Juni 2014