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Zur Entstehung Der Sudkreis Fronhausen wurde im Jahre 2003 gegründet. Ausschlaggebend war ein Abonnement von www.bierclub.de, bei dem man jeden Monat einige Flaschen einer kleinen ausgewählten Spezialitäten-Brauerei zugeschickt bekommt. Daraus entstand anfangs eine unregelmäßige Bierprobe im hessischen Fronhausen nahe Marburg. Kurz danach trat der Wunsch auf eigenes Bier zu brauen. Das erste Vollmondbier aus der Quelle des Brackeborn entsprach leider nicht unseren Vorstellungen von gutem Bier, zu unbedarft gingen wir damals die Sache an. Durch Gespräche mit anderen Hobbybrauern, den Besuchen der Hobbybrauervereinigung, durch Ausprobieren oder durch Lesen von Fachliteratur haben wir unser Wissen und unser Equipment stetig weiterentwickelt. Mittlerweile ist das Bierbrauen schon mehrfach in verschiedenen Variationen wie Pils, Weizen oder Bockbier sehr gut gelungen. Der Sudkreis Fronhausen zählt ca. 25 aktive und passive Braufreunde. Das Brauen findet mehrfach im Jahr abwechselnd bei verschiedenen Braufreunden statt. Der Brauvorgang selbst dauert mehrere Stunden, Hauptgetränk während des Brauens ist Kaffee. Weitere Infos zu unserer Tätigkeiten finden Sie hier auf der Webseite des Sudkreis Fronhausen (http://www.sudkreis.de). Die Brauvorgänge können Interessierte gerne als Gastbrauer besuchen. Neben dem Bierbrauen und den Bierproben werden regelmäßig andere Aktivitäten vorgenommen. So gibt es z.B. unser traditionelles Dreikönigsgrillen mit Selbstgebrautem, den verschiedenen Schaubrauen oder die Teilnahme bei Turnieren im Fussball, Tischfussball oder Beer Pong. Im Jahr 2008 wurde der Sudkreis Fronhausen Sieger bei dem Fussballturnier der Eintracht Fanclubs Fronhausen. Im Jahr 2011 wurden wir zu einem Schaubrauen anlässlich der 1225jahr Feier in Schwabhausen (Thüringen) eingeladen.


Wer wir sind: Leute, die gerne gutes Bier trinken und etwas dafür tun wollen, dass es dieses in Zukunft auch noch gibt. Begeisterte Menschen, die zu Hause und anderswo, nicht immer, aber immer öfter, selbst ihr Bier brauen.

Was wir wollen: Immer mehr Menschen konsumieren industriell erzeugtes Dosenbier, ein Gräuel für jeden Hausund Hobbybrauer. Wir versuchen ein überliefertes Kulturgut zu bewahren: ein nach handwerklichen Methoden gebrautes, naturbelassenes Bier, ohne Konservierung und Chemie, einfach unverwechselbar und vollmundig im Geschmack. Bierbrauen ist keine Geheimwissenschaft, sondern eine spannende Freizeitbeschäftigung, die jede(r) erlernen kann.

Sudkreis Fronhausen ist eingetragenes Mitglied der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer Deutschland e.V.

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Vorwort des „Vorsitzenden“ Als sich der Bierclub „Sudkreis Fronhausen“ im Jahr 2003 im Wohnzimmer eines Mitgliedes als Interessengemeinschaft gründete, hätte niemand gedacht, dass daraus eine Gruppe entsteht, die ihre Mitglieder weit über Fronhausens Grenzen hinaus rekrutiert und die keine Anfahrtswege scheuen, um sich an Stammtischen, Brauterminen, Fussball- und Beer Pong Meisterschaften oder sonstige Aktivitäten zu beteiligen. Zunächst schloss man sich dem „ProBier-Club Deutschland“ an, der die Intension hat, kleinere Brauereien, die noch konzernfrei arbeiten, zu unterstützen. Monatlich bekommt der Sudkreis Fronhausen ein ProBier-Päckchen mit Proben der kleineren Brauereien per Post. Dieses wird dann gemeinsam verkostet und bewertet, wobei einmal im Jahr dann das Bier des Jahres von allen Mitgliedern Deutschlands gewählt wird. So kam die Idee auf, ein eigenes Bier zu brauen. Nach ersten Versuchen (mit „heiligem Wasser“ vom Brackeborn) gelangen dann die ersten trinkbaren Biersorten. Nun sollte die Ausstoßmenge erhöht und der Geschmack optimiert werden. So schloss man sich den Haus- und Hobbybrauern „Nassauer Land“ - einer lokalen Braugruppe unterschiedlichster Hobbybrauer entlang der Lahn - an, um in einen regen Erfahrungsaustausch zu treten. Allerdings unter der Prämisse, dass der Brauvorgang handwerklich bleibt und während des Brauvorgangs sowie beim Abfüllen keine automatisierte Technik angewendet wird. So wird z.B. das Malz noch per Hand geschrotet. Unsere Erfolge sprachen sich schnell herum, so dass die Oberhessische Presse den Haus- und Hobbybrauern des Sudkreises eine ganze Seite widmete. Ein weiteres Highlight war das Schaubrauen auf dem mittelalterlichen Markt in Schwabhausen (Thüringen). Dort konnten wir das Brauhandwerk präsentieren und das vorher eigens gebraute Festbier ausschenken. Beim Bierbrauen geht es uns nicht nur darum, ein Handwerk auszuüben. Wir wollen auch eine alte Kultur erhalten und fördern, da in Deutschland Bier niemals nur ein Getränk war. Viele Dichter, Denker und gekrönte Häupter liebten und tranken Bier. Kein anderer als der „Alte Fritz“ (Friedrich der Große) erlernte den Beruf des Brauers, da es in der Familie der Hohenzollern üblich war, einen bürgerlichen Beruf zu haben (aus: Bier-Lexikon und Wikipedia) Selbst Williams Shakespeare (man könnte meinen er hieße Shakesbier) schrieb: „denn eine Kanne Bier - das ist ein Königstrunk“ (aus: Bier-Lexikon: „Durch Bier wird Durst erst schön“). Schon im Mittelalter galt Bier, auch aufgrund seines relativ geringen Alkoholgehaltes, als eines der gesündesten Nahrungsmittel, da durch das Kochen des Hopfens das Wasser weitgehend keimfrei war. In Besinnung auf die zeitintensive Herstellung und der Liebe zur Kultur, dem göttlichen Trank, gewidmet der römischen Göttin der Feldfrüchte „Cervisia“, hat sich der Bierclub „Sudkreis Fronhausen“ zum Ziel gesetzt, ein natürliches, von Zusatzstoffen freies Lebensmittel herzustellen. Hopfen und Malz – Gott erhalt´s und allzeit Gut Sud Matthias Heun

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Grußwort „10 Jahre Sudkreis Fronhausen“ Wenn der Oberbürgermeister der Universitätsstadt Marburg um ein Grußwort für die Festschrift des Sudkreises Fronhausen gebeten wird, dann hat das Gründe. Einer reicht bis ins Mittelalter zurück. Damals wurde den Dörfern um Marburg herum das Bierbrauen untersagt. Auch die Marburger durften laut der von Landgraf Philipp 1524 erlassenen Feuerordnung in Privatwohnungen kein Bier mehr brauen. Das war die Geburtsstunde der städtischen Brauhäuser. Für die Stadt Marburg tat sich damit eine gute Einnahmequelle auf, die umliegenden Dörfer fühlten sich benachteiligt und riefen nach „Brau-Gerechtigkeit“. Und jetzt kommt Fronhausen ins Spiel. Diese Dorfgemeinde muckte immer wieder auf, wollte sich weder vom Landgrafen noch den Marburger Ratsherren vorschreiben lassen, was sie zu tun und zu lassen haben. Der Widerstand der Fronhäuser war beachtlich, das spricht für die Dorfgemeinschaft. Und so können wir als Universitätsstadt Marburg froh sein, dass wir Gemeinden wie Fronhausen im Umland haben. Hier lebten und leben aktive, engagierte Menschen, die für ihre Interessen eintreten und gute Traditionen wie das Bierbrauen hoch halten. Als Oberbürgermeister der Universitätsstadt Marburg gratuliere ich dem Sudkreis Fronhausen herzlich zum 10-jährigen Bestehen. Der Zwist zwischen Stadt und Land ist längst Geschichte, heute pflegen wir das Miteinander und zwar aus voller Überzeugung. Und so kann ich als Marburger den Fronhäusern nur zurufen: Alles Gute und Prost! Ihr Egon Vaupel Oberbürgermeister

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Grußwort von Bü rgermeister Reinhold Weber zum 10-jä hrigen Jubilä um des Sudkreises Fronhausen Glauben wir der Brauwirtschaft, dann haben wir in unserem Bierglas fast ein Allheilmittel: Bier, so verkündet sie in Broschüren und in der Werbezeitung „Unser Bier„, ist gut für Haut und Haare, regt den Appetit an, ist leicht verdaulich, wirkt harntreibend, enthält viele Vitamine, beugt Schlaganfällen vor und vermindert die Gefahr eines Herzinfarkts. Alles wissenschaftlich belegt. Wer ab und zu ein Bier trinkt, dürfte also keine Gesundheitsprobleme haben. Das haben die Fronhäuser früh erkannt und so wurde schon 1554 ein gutes Bier hier vor Ort gebraut und die durch den 30 jährigen Krieg stark beschädigte obere Burg in der heutigen Rathausstraße aufgrund des Bedarfs zu einem Brauhaus umgebaut. Da das Bierbrauen auf den Dörfern abträglich für die städtische Brauerei war, forderte die Stadt Marburg beim Landgraf, das Bierbrauen auf den umliegenden Dörfern zu untersagen. Gegen dieses Ansinnen wehrten sich die Fronhäuser mit Haut und Haar. Letztlich mit dem Erfolg , dass Fronhausen von dem von Landgraf Philipp ausgesprochenen Brauverbot im Jahr 1706 ausgenommen blieb. Diese Streitereien sind Gott sei dank heute bei Seite gelegt und so schmeckt Marburgern auch das Fronhäuser Bier und umgekehrt. Als Bürgermeister der Gemeinde Fronhausen freut es mich ganz besonders, dass der Sudkreis Fronhausen nunmehr seit 10 Jahren die Tradition des Bierbrauens in unserer Gemeinde erfolgreich pflegt. Zu diesem Jubiläum gratuliere ich als Bürgermeister im Namen der ganzen Bürgerschaft von Fronhausen ganz herzlich. Bier – Kultur – gut! So lautet heute die Devise. In diesem Sinne Ihr Reinhold Weber Bürgermeister

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Tagesprogramm 13.00 Uhr Eröffnung und Begrüßung im Falltorweg 14 in 35112Fronhausen 14.00 Uhr Fachkundige Führung in der Giessener Brauerei 18.00 Uhr Essen anschließend Verkostung der selbstgebrauten Biere mit Erfahrungsaustausch der Hobbybrauer 19.00 Uhr Spielmannszug Fronhausen anschließend ggf. Beerpong Turnier

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Stadt-Land-Konflikte: der Streit ums Bierbrauen Wer aufmerksam durch die Gemarkungen Fronhausens und der umliegenden Dörfer geht, wird an manchen Feldrainen und in Hecken am Wegrand eine auffallende, mit langen Ranken ins Geäst der Büsche und Bäume ausgreifende Pflanze entdecken, deren Blütenund Fruchtstände im Sommer und Frühherbst an Werbebilder auf Bierdeckeln und etiketten erinnern. Und richtig: es ist wilder Hopfen (Humulus lupulus L.); wir finden ihn etwa in der Hecke links des geteerten Feldweges, der zum Galgenberg hinaufführt (über den neuen Stallungen), oder am Weg vom Heidefeld hinunter nach Stedebach (rechterhand vor dem Bahnviadukt). Wie der entfernt verwandte Hanf ist der Hopfen zweihäusig (es gibt männliche und weibliche Pflanzen). Die zapfenähnlich geschuppten Fruchtstände der weiblichen Pflanzen enthalten die Bittersäuren Humulon und Lupulon1. Aus ihnen entstehen während der Reife durch Oxydation Harze, die als Aromastoffe dem Bier zugesetzt werden. Sie fördern, der Maische aus gemahlenem Gerstenmalz und Wasser beigegeben, nach dem Sieden und Gären durch Ausfällen des Eiweißes eine Klärung des Bieres. Außerdem tragen sie zu seiner Konservierung bei. Obwohl solche Bestände des wilden Hopfens in den Mittelgebirgslandschaften häufiger vorkommen, sind die Pflanzen in der Fronhäuser Gemarkung vielleicht noch Reste früherer intensiver Hopfenkulturen. Tatsächlich hat das Bierbrauen in Fronhausen eine lange Tradition, die nicht nur in der alten Bezeichnung für die zeitweise als Brauhaus genutzte obere Burg erinnert wird, sondern sich auch in manchen Einträgen in den Kirchenbüchern findet: am 25. Januar 1739 wurde Hans Schweitzer begraben, Braumeister allhier, und nur acht Jahre später, am 29. November 1747, wurde auch sein Nachfolger bestattet - Johann Conrad Happel, der braumeister allhier; er war nur einundfünfzig Jahre alt geworden. Auch im 18. Jahrhundert wurde also in Fronhausen fleißig gebraut. Dies zeigt, dass die Gemeinde erfolgreich einen Konflikt ausgetragen (oder geduldig ignoriert) hatte, der zweihundert Jahre zuvor eskaliert war. In den Marburger Stadtrechnungen2 findet sich anlässlich der Heerfolge im August 1518 nach Langenlinden im Hüttenberg3 noch der Vermerk einer Einnahme von 2 p. [Pfund] 3 s. [solidi, Schilling] 4 d. [denarii, Pfennige]. fur zwo ome biers im her gein Fronhusen verkauft im irsten uszoge4. Auf dem Rückweg bürgte die Stadt für die Bierlieferung: Dasselbige mol, al[s] man widerumbe von den Giessen rufgezogen, etlich bier verburgt, wie fulgend geschreben. Zwo ome bier zu Fronhusen 1

Daher rührt die Unterscheidung von zam und wild Hopffen im Kräuterbuch des Hieronymus Bock 1551: nur die weiblichen Pflanzen, von denen die fürs Bierbrauen begehrten Fruchtstände geerntet werden konnten, wurden als "zahmer Hopfen" in Kultur genommen; vgl. Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Bd. 2, Leipzig 1972, Nachdruck Köln 2000, Sp. 902-907, hier Sp. 904; dort auch die Etymologie zu humulus, lupulus und Hopfen. 2 Küch, Friedrich: Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Marburg. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 13) 2 Bde., 2. Aufl. Marburg 1991 3 Diese Heerfolge wird in der Auflistung der Ausgaben auch erläutert: Uf dinstag post Assumptionis Marie [nach Mariä Himmelfahrt, 17. August 1518] seint die von Marpurg unserm gnedigen hern mit drittehalbhundert mannen uf seiner furstlichen gnaden begern gein Langenlinden im Hittenberg nochgefulgen (Küch, Quellen zur Rechtsgeschichte, Bd. 2, S. 483). 4 Küch, Quellen zur Rechtsgeschichte, Bd. 2, S. 480.

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verburgt, die ome 14 tor. [Tournose, Silbermünzen], tut 2 p. 3 s. 4 d., 4 ome zu Loller verburgt5. Das Bierbrauen gehörte im Mittelalter noch zur Selbstversorgung der Marburger Haushalte, und das Recht zu brauen stand noch jedem Bürger der Stadt zu6. Doch schon im ausgehenden 15. Jahrhundert setzte eine Konzentration des Brauwesens in Marburg ein, und spätestens mit dem Verbot des Brauens in Privatwohnungen durch die Feuerordnung Landgraf Philipps 1524 ist wohl auch in Marburg das Bierbrauen auf einzelne Brauhäuser beschränkt worden; 1527 sind nur noch drei private Brauhäuser erwähnt7, und 1527/28 erhielt die Stadt das Brauhaus des Barfüßerklosters zugewiesen, das mit der Reformation säkularisiert wurde. Aus den um 1540 durch die Stadt angekauften privaten Brauhäusern hervorgegangen, wurden schließlich drei städtische Brauhäuser in Marburg unterhalten8. Damit war das Bierbrauen zu einem erheblichen Wirtschaftsfaktor im Haushalt der Stadt geworden, der sich auch in den Beschlüssen des Rates spiegelt. Er stellte nicht nur 1541 mehrfach fest, das were zu Marpurg bier bruwen wil, der sal sein harnisch und eigen weher haben9, sondern regelte auch Bierschank und Bierausfuhr. Damit wurden die landesherrlichen Verordnungen ergänzt, waren doch mit der Reformation gerade Bier-, Wein- und Branntweinkonsum ins Visier von weltlicher Obrigkeit und protestantischer Geistlichkeit geraten und rigiden Reglementierungen unterworfen worden. „Es mus aber ein iglich land seinen eigen Teufel haben [...] Vnser Deudscher Teufel wird ein guter Weinschlauch sein vnd mus Sauff heissen / das er so durstig vnd hellig ist / der mit so grossem sauffen weins vnd biers nicht kan gekulet werden. Vnd wird ein solcher ewiger durst vnd Deudschlands plage bleiben (hab ich sorge) / bis an den Jungsten tag.“ Dieses bekannte Verdikt Luthers10 über das unmäßige Trinken von 1534 und zahlreiche ähnliche Äußerungen seiner Zeitgenossen sind in den Darstellungen zur Geschichte der Trinkkultur und der Gaststätten immer wieder herangezogen worden, um das ausgiebige Wein- und Biersaufen der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaft in den drastischsten Farben zu malen. Doch reichen diese Quellen aus, um ein exzessives instrumentales Trinken der ländlichen und städtischen Bevölkerung zu belegen? Die Landesordnungen, die Landgraf Philipp gegen Völlerei und Vollsaufen erließ, zeigen vielmehr Perspektive und Absicht solcher Wahrnehmungen und verdeutlichen ihren 5

Ebd., Bd. 2, S. 485. Hardach, Gerd: Das Marburger Brauwesen. In: Berns, Jörg Jochen (Hrsg.): Marburg-Bilder. Eine Ansichtssache. Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten. (Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur 52) Marburg 1995, Bd. 1, S. 313-334. 7 Fuhrmann, Bernd: Der Haushalt der Stadt Marburg in Spätmittelalter und Früher Neuzeit (1451/52-1622). St. Katharinen 1996, S. 101; Ernestus, Christopher: Tagelöhner, Zunftmeister, Stadtschreiber. Städtisches Leben im 16. und 17. Jahrhundert im Spiegel einer Marburger Bürgerfamilie. (Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur 81) Marburg 2005, S. 58-62. 8 Dazu Ernestus, Tagelöhner, Zunftmeister, Stadtschreiber, S. 559ff. 9 Küch, Quellen zur Rechtsgeschichte, Bd. 1, S. 333. Diese Bindung des Braurechts ans Bürgerrecht wurde 1543 noch deutlicher formuliert: Des bruwens halben sein burgermeister und rait eintrechtlich uberkommen und beschlossen, das keiner zu bruwen zugelassen werden sol, er hab dan ein jar in der staidt gewonet, sein burgerpflicht geben und frondinste getan; vgl. ebd., S. 335. 1547 wurde die Zulassung zum Brauen für Neubürger sogar auf drei Jahre nach dem Zuzug verzögert: Ein ieder nuwer burger, so hereinkumpt, sol drei jar lang hie sitzen und wonen und die statpflicht tragen helfen, ehir er zu brauwen zugelassen wirt, wie dan burgermeister, rat, zunft und gemein beslossen haben. 10 Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe, hrsg. von Karl Drescher, Weimar 1914, Bd. 51, S. 257. 6

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politischen Hintergrund. Feste, Tanzvergnügungen und Trinkgelage als Anlässe exzessiver Entfaltung von Emotionen, der Ausgelassenheit und Sorglosigkeit, ja auch der Verschwendung (von Zeit, körperlicher Konstitution und materiellen Mitteln) waren Dorn im Auge der Obrigkeit, aber auch Stachel der Untertanen wider Politik und Verwaltung: es ging mithin um einen Machtdiskurs, um die Durchsetzung von Herrschaft und Staatsgewalt – nicht nur um die Kontrolle des Alkoholkonsums, sondern um eine möglichst umfassende Kontrolle des Bewusstseins, des sozialen Verhaltens, der psychischen wie physischen Bedürfnisse11. Früh hat Philipp das Instrument der »Policeyordnungen« aufgenommen, das dann im Verlauf des 16. Jahrhunderts in der Rechts- und Verfassungsgeschichte der Territorialstaaten wie auch des Reiches eine zentrale Rolle spielte. Das fürstliche Ausschreiben vom 18. Juli 1524 gegen das Zutrincken, die Fuellerey, das Fluchen, Schwoeren und Gotteslaestern, die frembden Bettler und Stationirer, sodann wie es in Ansehung der Kirchweyhen, Gastungen, Jahrmaerckte, Kindtauffen, Hochzeiten, Messen, des Brandteweinschenckens, der Zigeuner und Juden solle gehalten werden ging im breiten Spektrum der erfassten Anlässe und Zielgruppen über ältere Ordnungen hinaus und vereinnahmte zudem die bisherigen Kompetenzen einer städtischen Autonomie in der Herstellung öffentlicher Ruhe und Ordnung (der guten policey)12. Sie hatten schon im Jahr zuvor mit der von Philipp erlassenen Marburger Stadtordnung an Bedeutung verloren. Wesentliche Aufgaben der Sozialdisziplinierung kamen nun den Pfarrern zu, die in den Dienst des zum konfessionellen Obrigkeitsstaat ausgestalteten Territorialstaates gestellt wurden. Wichtiges Anliegen der Verordnungen war zudem die Aufsicht und Regelung des Armenwesens, die Einschränkung des Bettelns: Humanismus und Arbeitsethos der reformatorischen Lehren verstärkten die älteren Bemühungen um eine Reform der Fürsorge, die in den zwanziger Jahren in allen deutschen (auch den katholischen) Gebieten zur Umsetzung des Bettelverbots führten. Mit der Übernahme und Verschärfung städtischer Fürsorgepraxen, die schon im Spätmittelalter zur Stabilisierung einer »Marktvergesellschaftung« (Max Weber) beigetragen hatten13, eignete sich der Landesherr Rechtsmittel zur Durchsetzung neuer Mechanismen der Disziplin und Zeitökonomie im frühneuzeitlichen Territorialstaat an. Kurzfristige Bedürfnisse galt es zugunsten längerfristiger Ziele zurückzudrängen, normative Wertstrukturen sollten im Sinne einer Rationalisierung der Lebensführung verändert und vom Individuum verinnerlicht werden. Arbeitsdisziplin und Selbstbeherrschung aber ließen sich gerade am Beispiel der 11

Dazu Austin, Gregory: Die europäische Drogenkrise des 16. und 17. Jahrhunderts. In: Völger, Gisela, und Karin v. Welck (Hrsg.): Rausch und Realität. Drogen im Kulturvergleich. Hamburg 1982, Bd. 1, S. 115-132; Legnaro, Aldo: Alkohol und Verhaltenskontrolle. Bedeutungswandel zwischen Mittelalter und Neuzeit in Europa. In: ebd., Bd. 1, S. 153-175; Stolleis, Michael: „Von dem grewlichen Laster der Trunckenheit“ – Trinkverbote im 16. und 17. Jahrhundert. In: ebd., Bd. 1, S. 177-191. 12 Härter, Karl (Hrsg.): Policey und frühneuzeitliche Gesellschaft. (= ebd., 129) Frankfurt a. M. 2000; Simon, Thomas: „Gute Policey“. Ordnungsleitbilder und Zielvorstellungen politischen Handelns in der Frühen Neuzeit. (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, 170) Frankfurt a.M. 2004. 13 Breuer, Stefan: Die Evolution der Disziplin. Zum Verhältnis von Rationalität und Herrschaft in Max Webers Theorie der vorrationalen Welt. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 1978, S. 409-437.

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Trunkenheit veranschaulichen: die Trinkverbote waren daher exponierteste Fassungen jener Luxusverbote, die mit Kleiderordnungen die ständische Hierarchie veräußerlichten und mit Maßhaltegeboten die Feste und Feiern regulierten, also die Verschwendung von Zeit, Arbeitskraft und Vermögen einzudämmen suchten. Und sie ließen sich zugleich an unterschiedliche Anlässe, Bedürfnisse und Adressaten richten: an die Pfarrer mit den reformatorischen Idealen der Askese wie auch ans Kirchenvolk mit den Normen sittlichen Verhaltens und rechter Lebensführung im Sinne einer durch Melanchton initiierten Anwendung aristotelischer Ethik auf Meidung der Extreme und maßvollen Genuss. Dass freilich bereits der frühneuzeitliche Territorialstaat ein durchaus ambivalentes Verhältnis zum Alkoholkonsum ausbildete und ihn einerseits verteufelte, andererseits als einträgliche Einnahmequelle betrachtete, zeigt die Tranksteuer auf Bier, Wein und Branntwein, die Landgraf Philipp 1553 als erste Konsumsteuer in Hessen einführte. Diese Ambivalenz in der Einstellung zum Alkoholkonsum zwischen gefördertem Wirtschaftsfaktor und verteufeltem Laster spiegelt sich auch in der Bedeutung, die dem Brauwesen als Politikum in den innerstädtischen Konflikten und in den Auseinandersetzungen der Stadt mit dem Umland in den Jahrzehnten nach der Reformation zukam. Hatten sich mit der Stadtordnung Philipps von 1523 tiefgreifende Eingriffe in die städtische Autonomie und eine Einflussnahme auf die politischen Organe Marburgs abgezeichnet, die den Stadtrat in den folgenden Jahrzehnten immer stärker zum quasi-landesherrlichen Verwaltungsorgan werden ließen und die Bedeutung der Zünfte für städtische Entscheidungsprozesse beschnitten14, so suchten in der Zeit der Gefangenschaft Landgraf Philipps die Zünfte gegen diese Marginalisierung aufzubegehren. Gegen Ende des Jahres 1547 entzündete sich der Streit bezeichnenderweise an der (von Verscharen als eher unbedeutend erachteten) Frage der zünftigen Braugerechtigkeit, wuchs sich aber im weiteren Verlauf zu einem Kampf um den politischen und sozialen Einfluss der Zünfte in der Stadt aus und endete mit dem Auszug der Vierer aus dem Stadtrat, womit ihre Mitwirkungsmöglichkeiten dauerhaft eingeschränkt bleiben sollten15. In diesem Streit um die Braugerechtigkeit 1547 forderte der Marburger Rat, die brauhause umbligender dorfer, als zu Holzhusen, Caldern, Ebstorf oder sonst, sollen abgeschafft

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Dazu Verscharen, Franz-Josef: Gesellschaft und Verfassung der Stadt Marburg beim Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 9) Marburg 1985, S. 171ff. 15 Ebd., S. 177f. In Marburg hatten die Zünft mit der Wahl der Vierer Einfluss auf die Besetzung der Ratsposten. Mit dem Begriff "Vierer" oder "Viermänner" wurde ein Kollektivorgan der städtischen (und dörflichen) Verwaltung in Spätmittelalter und früher Neuzeit bezeichnet, das neben den Vorstehern (Greben, Bauermeistern, Bürgermeistern) zur Unterstützung der Heimbürgen bestand und ohne herrschaftliche Bindungen die Interessen der Gemeinde vertrat; vgl. Reyer, Herbert: Die Dorfgemeinde im nördlichen Hessen. Untersuchungen zur hessischen Dorfverfassung im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. (Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 38) Marburg 1983, S. 82f.; Hans-Peter Lachmann: Untersuchungen zur Verfassungsgeschichte des Burgwaldes im Mittelalter. (ebd. 3) Marburg 1967, S. 134. Noch im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert scheint dafür der Begriff "Viermann" allgemein verbreitet gewesen zu sein; in den Dörfern der Marburger Landschaft findet er sich etwa in der Bauinschrift des alten Rathauses in Lohra und mehrfach in Kirchenbuch-Einträgen, so 1716 im Sterbeeintrag des Rupertus Damm von Allna, anno 1688 als Kirchen-Senior bestellet, auch einige jahre Viermann und Bau-Herr [wohl der Renovierungsarbeiten an der alten Kirche zu Oberweimar] gewesen (KB Oberweimar 1660-1763, Sterberegister 1716-1-12) oder 1720 bei Johannes Grebe von Niederweimar, 13 Jahr Kastenmeister und [...] das 2temal Viermann gewesen (ebd., 1720-11-26).

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werden16. Im darauf folgenden Jahr geriet aber vor allem Fronhausen ins Visier der Marburger Ratsherren; sie berieten das brauen zu Fronhusen in ihrer Sitzung donnerstags nach Cantate (am 3. Mai 1548) und beschlossen, das der schultheis herzu erpeten und beneben ime an die hern canzler und rete, weil sie itzo hie seint, solche geprechen gelangt und abzuschaffen unterstanden werden solen. Dieses Ersuchen an die fürstlichen Räte ist nicht nur gestellt worden, sondern hatte auch Erfolg, denn offenbar infolge dieses Schreibens beschwerte sich die Gemeinde Fronhausen beim Landgrafen: Wiewol wir ie und ie bei allen fursten von Hessen ubir menschen gedechtnus [seit Menschen Gedenken] on alle verhinderung haben bier gebrauen, angesehen die lantstrassen und ganerbschaft, so bei uns am tag ist; weiter sein wir nie mit dem hamelschnidt bei den fursten von Hessen beleidigt wurden; jedoch ist uns itzo das bierbrauen verpoten und auch die hemel geschnitten, uns nit zu wenigem schaden kommend. So pitten e[uer]. f[ürstliche]. g[naden]. wir mit aller undirenigkeit [Untertänigkeit], e. f. g. wollen uns das bierbrauen gnediglich gstatten und den hamelschnidt bei uns hinfurter keinen furgang lossen haben in ansehung alt, loblich herprochte gewonheit [nach alter, löblich hergebrachter Gewohnheit] und das auch der flecke Fronhausen ungeverlich [ungefährlich = nicht konkurrierend] anderthalb meile wegs von Marpurg gelegen ist17. Doch der Marburger Stadtrat gab nicht Ruhe. Am 15. November drang er auf die Durchsetzung der Landesordnung von 1526 - das brauen umbligender dorfer sol inhalt furstlichs recess verhindert, abgeschafft und die ordnung volnstreckt werden, und am 22. November wurde angeregt, zu Fronhusen erkundung zu haben, ob der baurn einer daselbst, wie gesagt wirt, in kurzem gebrauwen hett, worauf binnen Wochenfrist abermals des bierbrauwens halben umbligender dorfer beschlossen wurde, an herrn stathalter zu supplicieren, dieselb beschwerung abzuschaffen. Wo nit, wurde die stat verursacht, zu volnstreckung furstlicher ordnung und receß nach dasjenig furzunemen, was sich geburt18. Die Fronhäuser haben sich davon scheinbar nicht beeindrucken lassen, denn der Streit ging weiter. Auch noch nach Rückkehr des Landgrafen aus der Gefangenschaft, als längst die eigentliche Ursache für den Streit ums Bier (nämlich das Interesse der Zünfte an einer Aufrechterhaltung ihres Braurechts) abgewiesen war und der Landgraf seinen Einfluss auf die Stadt geltend gemacht hatte, wurde die Strategie des Rates, das Brauen in den Dörfern unter Berufung auf die Landesordnung zu unterbinden, energisch weiterverfolgt. Und wieder geriet Fronhausen in den Fokus der Beschwerden. Am 2. Januar 1554 wendete sich der Marburger Stadtrat mit einem Schreiben an Landgraf Philipp, in dem er darum bat, das Bierbrauen in Fronhausen zu verbieten und den Vorkauf von Vieh und Frucht zu verhindern: Wir kommen in gewisse erfarunge, wie das denen zu Fronhusen, das sie bier brauwen mogen, vergonnet und erlaupt sei. Wo nu solchs vorgang haben solte, hetten e[uer]. f[ürstliche]. g[naden]. genediglich zu erachten, das solchs dieser e. f. g. stadt zum hohisten 16

Küch, Quellen zur Rechtsgeschichte, Bd. 1, S. 335. StAMR Best. 17e Landgräfliche Kanzlei, Ortsrepositur Fronhausen; vgl. Küch, Quellen zur Rechtsgeschichte, Bd. 1, S. 335. 18 Küch, Quellen zur Rechtsgeschichte, Bd. 1, S. 336f. 17

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nachteilig und beschwerlich und in grund verterplich were. Nu ist solchs e. f. g. ordnunge zuentgegen. So haben die von Fronhausen die beste pflege und an ackerbau ein solche unterhaltung, das sie des brauwens als einer burgerlichen partierunge gar nit bedurfen, dagegen aber haben wir sonst kein unterhaltung dan die partierunge des bierbruwens, welche dan gereits also verterpt ist, das die bier leigen pleiben, verterben und versauwern. Desgleichen haben die von Fronhusen und andere uns zu unser notturft geersten zu bruwen zugefuert, welche sie nu daheim behalten und zu irem selbstbrauwen geniessen, das also entlich der Fronhuser vorhaben diese stadt in grund verterpt, und der gering vorteil der dranksteuwer, so die von Fronhausen geben mochten, wurde e. f. g. bei uns doppeln abgang, nachteil und schaden geperen. Rufen hierumb e. f. g. zum undertenigsten an, allervleissigsts bittende, dieselb wollen, was beschwerlichs verterben dieser e. f. g. armen stadt am bruwen umbleigender dorf gelegen ist, gnediglich beherzigen und verfuegen, das disfals e. f. g. ordnunge gnediglich volnzogen und die von Fronhausen angehalten werden, sich bei dem, inmassen sie herpracht, begnugen ze lassen und des bruwens als burgerlicher hantierunge zu enthalten, damit die stedte erhalten und nit verterpt werden mogen.19 Das von burgermeister, rate, zunft und gemein zu Marpurg an den Landgrafen gerichtete Schreiben enthält im zweiten Teil die Klagen über den Vorkauf von Vieh und Frucht, doch schon hier wird deutlich, dass es zwar primär um wirtschaftliche Interessen und fiskalische Argumente ging, daneben aber auch mehrmals um die Hervorhebung des Brauens als einer burgerlichen partierunge (einer bürgerlichen Handelsdomäne), die also dem städtischen Bürgertum vorbehalten sein sollte und somit als ans Stadtrecht gebunden erachtet wurde. Schon die übersteigerte Aufmerksamkeit, die die Marburger Ratsherren dem Nachweis der Bürgerrechte als Voraussetzung zum Bierbrauen in den Mauern ihrer Stadt widmeten, und der Nachdruck, mit dem sie auf die Einhaltung des Verbots zum Brauen in den Dörfern pochten, zeigen, dass sich darin ein virulenter Stadt-Land-Konflikt spiegelt. Wie kaum eine der anderen hessischen Städte war Marburg keine Ackerbürgerstadt, sondern allein auf Handel und Gewerbe angewiesen – nicht nur die Zünfte, auch die Ratsherren waren daher peinlich bedacht auf die Wahrung der wirtschaftlichen Sonderstellung ihrer Stadt. Während in der Zeit des Bauernkrieges 1525 auch in einigen hessischen Städten (Treysa, Wetter, Gießen) die zünftige Bürgerschaft sich gegen die politische Führungsschicht, gegen Stadträte und landgräfliche Schultheißen erhoben hatte, zeichnete sich in Marburg keine Solidarisierung mit den aufständischen Bauern ab; Verscharen wertet dies als Ausdruck einer spezifisch städtischen Sozial- und Wirtschaftsstruktur Marburgs, das anders als die kleinen, mit dem Land wirtschaftlich eng verbundenen Städte den Handel und die Gewerbe in den Dörfern der Umgebung immer als lästige Konkurrenz gesehen hatte20.

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Ebd., S. 403f. Verscharen, Gesellschaft und Verfassung der Stadt Marburg, S. 159.

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Mag sein, dass gerade das große Dorf Fronhausen als Konkurrent um städtische Wirtschaftsmacht gesehen wurde. Es war verkehrsgünstig gelegen an der Kreuzung zweier Nebentrassen bedeutender Handelsstraßen (der Frankfurter Straße und der KölnLeipziger Straße), ausgestattet mit zwei befestigten Herrensitzen und einer großen, ertragsfähigen Gemarkung (über die Marburg nicht verfügte: So haben die von Fronhausen die beste pflege und an ackerbau ein solche unterhaltung, das sie des brauwens als einer burgerlichen partierunge gar nit bedurfen, dagegen aber haben wir sonst kein unterhaltung dan die partierunge des bierbruwens). Stadtrecht bedeutete am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit vor allem Zunft- und Marktrecht, und gerade Marburg bedurfte des Handels, des Handwerks und der Gewerbe: der Stadtrat musste daher die Entwicklung profitabler städtischer Gewerbezweige in den Dörfern nicht nur als wirtschaftliche Konkurrenz, sondern auch als Anmaßung eines städtischen Rechtsstatus verstehen. Ob etwas dran war an dieser argwöhnisch wahrgenommenen Anmaßung? Nun lässt sich ja noch heute im Siedlungsbild des alten Dorfes Fronhausen die Anmutung eines kleinen Marktfleckens oder Landstädtchens bemerken – hat es in der frühen Neuzeit vielleicht wirklich Bestrebungen der Vögte von Fronhausen gegeben, neben dem Patronat über die Kirche auch Markt- oder gar Stadtrecht für Fronhausen zu erlangen? Oder hatten die Schenken zu Schweinsberg, die 1518 in den Besitz eines Viertels von Dorf und Vogtei Fronhausen gekommen waren, solche Absichten? Mit ihrem Burgsitz Schweinsberg hatten sie dies ja schon im frühen 14. Jahrhundert angestrebt und 1332 erreicht - und damit Befestigungsrecht des Ortes erhalten. Dieser Frage sollte in der künftigen lokalgeschichtlichen Forschung einmal nachgegangen werden. Vielleicht ergeben sich ja mit der Erschließung und Verzeichnung des Schenkschen Samtarchivs Aufschlüsse darüber. Quelle: „Von Essen nach Hessen - der Streit ums Bierbrauen Text von Siegfried Becker

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Die Geschichte des Bierbrauens Bier ist für viele moderne Menschen der Inbegriff von Geselligkeit und Genuss. Die wenigsten wissen dabei, dass sie mit dem Bierglas auch ein Stück Kulturgeschichte in der Hand halten. Es spricht einiges dafür, daß Bier an vielen verschiedenen Orten "erfunden" wurde. Die unterschiedlichen Zutaten in den verschiedenen Kulturkreisen sprechen dafür. So gibt es in Südostasien seit jeher Reisbier, in Afrika Hirsebier und die Indianer Mittelamerikas brauten Bier aus Mais. Die Anfänge des Bieres lassen sich bis in die Zeit um 6000 vor Christus zurückverfolgen. Durch einen Zufall wohl entdeckten die Sumerer, oder sogar deren Vorfahren, ganz genau weiß das heute niemand mehr, den Gärungsprozess. Damals lebten die Sumerer in dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris, auch Zweistromland genannt. Ihre Bilder und Keilschriften haben sich bis heute erhalten und künden von der Sitte, aus gärendem Brotteig einen berauschenden Brei bzw. ein Getränk herzustellen, das wir mit hoher Wahrscheinlichkeit als Vorfahren unseres Bieres bezeichnen können. Dieses boten sie den Göttern als Opfer dar. Wie sich die Entdeckung zugetragen hat, ist ungewiß. Es könnte sein, daß man einem kranken Menschen das Schlucken erleichtern wollte und ein Stück Brot in einem Krug Wasser eingeweicht hat. Der Krug wurde ein paar Tage schlicht vergessen und nach kurzer Zeit begann das Brot zu gären. Es entstand ein "berauschender" Brei, den unser kranker Patient eingeflößt bekam. Da der arme Mann aufgrund mangelnder Erfahrung nicht besonders trinkfest war, dürfte die Wirkung ihn ziemlich umgehauen haben. Nach schneller Genesung, machte er sich ans Werk dieses "Gebräu" nachzuahmen - zu rein medizinischen Zwecken, versteht sich. Schnell machte das Rezept die Runde und somit brauten die Sumerer als vermutlich erstes Kulturvolk dieser Erde Bier. Sie hatten ein wirklich "göttliches Getränk" entdeckt. Aus dem 4. Jahrtausend vor Christus stammt ein bemaltes Tongefäß, dass zwei Frauen beim Genuß von Bier darstellt. Da damals lediglich die obergärige Brauweise bekannt war und weizenähnliche Getreidearten weit verbreitet waren, kann man daraus folgern, daß das erste Bier, welches gebraut wurde, ein zumindest dem Weißbier ähnliches Getränk war. In der Zeit um 3000 vor Christus gab es schon so etwas wie eine - sehr bescheidene - Sortenvielfalt: Immerhin vier verschiedene Biere wurden in diese Zeit angeboten. Außerhalb Kairo's wurde eine 4500 Jahre alte Bäckerei und Brauerei ausgegraben. Eine der entdeckten Steintafeln enthält eine Beschreibung des Brauprozesses und eine Lobeshymne an die sumerische Bier-Göttin ("Hymne für Ninkasi"). Um 2000 vor Christus entstand in Babylonien eines der ältesten Werke der Weltliteratur: das Epos um den sagenhaften König Gilgamesch wurde niedergeschrieben. Zur damaligen Zeit waren Brot und Bier von großer Bedeutung. Dieses Epos gilt als eines der ersten echten Großwerke der Literatur. Mündliche Überlieferungen aus den Anfängen der Menschheitsgeschichte wurden erstmals schriftlich niedergelegt. 15 | S e i t e


Der Gilgamesch-Epos beschreibt die Entwicklung eines in der Steppe lebenden und grasfressenden Urmenschen zum "kultivierten Menschen". Dieser Urmensch namens Enkidu will seine Kräfte mit dem gottähnlichen Herrscher Gilgamesch messen. Gilgamesch schickt Enkidu, um mehr über dessen Stärken und Schwächen zu erfahren, vorsichtshalber eine Frau, mit der sich Enkidu eine Woche lang vergnügt. Diese Frau lehrt Enkidu die Zivilisation: (...) nicht wusste Enkidu, was Brot war und wie man es zu Essen pflegt. Auch Bier hat er noch nicht gelernt trinken. Da öffnete die Frau Ihren Mund und sprach zu Enkidu: "Iss nun das Brot, o Enkidu, denn das gehört zum Leben, trink auch vom Bier, wie es ist des Landes Brauch."(...) Nach weiteren sieben Bechern, Waschungen und Salbungen war Endiku, so das Gilgamesch-Epos, "einem Menschenwesen gleich". Das älteste bekannte Braueremblem entstamm auch aus dieser Zeit und ist die Spitzhacke des babylonischen Brauergottes Marduk. Im 2. Jahrtausend vor Christus zerfällt das sumerische Reich und die Babylonier treten auf den Plan. Sie werden das herrschende Kulturvolk im Zweistromland. Ihre Kultur baute auf der sumerischen auf, also beherrschten auch sie auch das Bierbrauen. Es ist uns heute bekannt, daß die Babylonier es bereits verstanden 20 verschiedene Biersorten zu brauen. Davon sollen 8 aus reinem Emmer (antike Getreidesorte), weitere 8 aus reiner Gerste und 4 aus einem Getreidegemisch gebraut worden sein. Das Bier jener Zeit war trüb und ungefiltert. Man benutzte einen Vorläufer des Strohhalms, ein dünnes Röhrchen, um nicht die Rückstände der Bierzubereitung in den Mund zu bekommen, da diese recht bitter waren. Lagerbier wurde sogar bis in das 1000 km entfernte Ägypten exportiert. Zu dieser Zeit verfaßt König Hamurabi, ein bedeutender babylonischer König und Reichsgründer, die älteste uns bekannte Gesetzessammlung. In dieser wurde unter anderem ein Gesetz gefunden, daß der Bevölkerung Babyloniens eine tägliche Ration Bier zusicherte. Die Biermenge war abhängig vom sozialen Stand des Einzelnen. So erhielten zum Beispiel normale Arbeiter zwei Liter Bier, Beamte erhielten drei Liter und Verwalter und Oberpriester sogar 5 Liter Bier täglich. Zu jener Zeit wurde Bier nicht verkauft, sondern ausschließlich gegen Gerste getauscht. Da das Bierbrauen zu den häuslichen Tugenden gehörte, war es Frauensache. König Hammurabi ließ eine Schankwirtin ertränken, wenn Sie sich in barer Münze bezahlen ließ. Ebenso wurde verfahren, wenn minderwertiges Bier in den Ausschank gelangte. Man nahm es also damals schon ziemlich genau. Auf einer Tontafel aus dem alten Ägypten findet sich erstmals die Beschreibung einer Brauerei im Jahre 1600 vor Christus. Sie benutzten teilweise ungebackenen Brotteig zur Bierherstellung. Noch heute stellen Bauern am Nil, die Fellachen, ihr Bier auf diese Weise her. Die Ägypter gaben dem Sud Datteln, Anis, Safran oder Honig hinzu, damit das Bier schmackhafter wurde. Welche Bedeutung das Bierbrauen auch im antiken Ägypten hatte, läßt sich an der Tatsache erkennen, daß die ägyptischen Schriftgelehrten ein eigenes Schriftzeichen für Bier einführten. Ein Hinweis auf die Bedeutung des Bieres ist dabei, daß das Zeichen für Mahlzeit aus den Zeichen für Brot und Bier zusammengesetzt war. In bis zu 3500 Jahre alten keltischen und germanischen Gräbern wurden Gefäße gefunden, in welchen die Archäologen Reste von Bier nachweisen konnten. Während die griechische Kultur aufblühte und wieder versank, lebte man in Mitteleuropa noch recht "unzivilisiert", in der Bierkultur jedoch überlegen, den auch das Bier der Germanen war ein Trank der Götter, wie aus der Sage von Thor und Tyr erfahren ist, die einem Riesen einen gewaltigen Braukessel klauten, damit Götter und Helden für immer ihren Durst daraus löschen konnten. Leider hat die Sage nicht überliefert, wo der Braukessel geblieben ist.

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Kurz zur griechische Kultur und Hippokrates, der Bier in seinen Schriften als "Gerstensud" erwähnt und seine heilende Wirkung beschreibt, so bei Fieber und Schlaflosigkeit. Als Heilmittel war Bier bei den Griechen und auch den Römern beliebt, als Getränk wohl weniger. Auch noch Jahrhunderte vor Christi Geburt wurde bei den alten Ägyptern Bier gebraut. Das bezeugen Wandmalereien und Figuren, die in Königsgräbern gefunden wurden. Ägypten gibt das geheime Rezept des Bierbrauens an die Griechen um 900 vor Christus weiter. Bis sich auf der anderen Seite des Mittelmeeres, bei den Griechen und Römern, der Weinanbau durchsetzte, war Bier das bevorzugte Getränk der Antike. Bei den Germanen war dagegen war Bier das Lieblingsgetränk. Den ältesten Nachweis dafür, dass Bier auf deutschem Boden gebraut wurde, liefern Bieramphoren aus der frühen Hallstattzeit von 800 vor Christus, die in der Gegend von Kulmbach gefunden wurden. Das Brauen war dabei, genau wie das Brotbacken, eine Aufgabe der Frauen.

Schaubrauen 1225 Jahre Schwabhausen

Zur Zeitenwende ist die Herstellung von Bier bei fast allen germanischen Stämmen bekannt und beliebt. Für die Römer, die fast nur Wein tranken, war Bier ein abscheulicher Trank der Barbaren. Tacitus, der als erster einen ausführlichen Bericht über die Germanen verfaßte, schrieb: Als Getränk haben die Germanen ein schauerliches Gebräu, aus Gerste oder Weizen gegoren, ein Gebräu, welches mit Wein eine sehr entfernte Ähnlichkeit hat. Obwohl der römische Schriftsteller Plinius den Geschmack des damaligen Cervesias über alle Maßen lobt, löst der Wein um die Zeitenwende immer mehr das Bier ab. Bier bleibt nunmehr ein Getränk für die Barbaren. (Was allerdings kein großes Wunder ist: Das Germanische Bier war kaum haltbar, milchig trüb und schäumte so gut wie überhaupt nicht.) Ave Caesar! Morituri te salutant! Julius Caesar fand, daß Bier ein nahrhaftes und kräftiges Getränk sei, und so verwundert es nicht, daß er seine Truppen mit einer ausreichenden Menge an Bier versorgte. Als Caesar den Fluß Rubicon im nördlichen Italien überschritt, um seinen Siegeszug quer durch Europa anzutreten, war demnach eine ganze Menge Bier im Spiel. Es ist auch bekannt, daß Caesar seinen Gästen Bier in goldenen Pokalen servierte. Der Untergang des römischen Weltreichs bedeutete nicht den Untergang des Bieres - im Gegenteil - Bier war in ganz Europa etabliert. Zum Beispiel wurde während der 350-jährigen Besatzung von Britannien - in denen die schon legendären römischen Straßen angelegt worden sind - auch eine ausreichende Menge von tabernae (Tavernen), geschaffen, die am Rand dieser Straßen gelegen, Bier verkauften - sozusagen antike Autobahnraststätten. Bereits im Frühmittelalter, etwa 600 n. Chr., wird die Kunst des Bierbrauens am Fuße der Alpen ausgeübt. Ein irischer Missionar, der in die Gegend der bayerischen Seen kommt, berichtet von einem Bieropfer, das einem heidnischen Gott dargebracht wird. Einige Jahrhunderte nach Christi Geburt war Bier in Deutschland eine gängige Handelsware. Belegt wird dies durch den Fund in der Nähe von Trier. Bei den Germanen galt das Bier nicht nur als Götteropfer, sondern wurde, wie bereits bei den Ägyptern, auch zum eigenen Verzehr gebraut und spielte in ihrem Leben eine wichtige Rolle. So sind in der finnischen Volksdichtung dem Bier zum Beispiel 400 (!) Verse gewidmet - für die Erschaffung der Welt reichten hingegen 200 Verse. Nach der Edda, dem großen nordischen Epos, war der Wein den Göttern vorbehalten, das Bier gehörte 17 | S e i t e


den Sterblichen und Met den Bewohnern des Totenreiches. Das Brotbacken und das Bierbrauen gehörte in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung eindeutig zu den Aufgaben der Frau. Herzog Lantfrit bestimmt in dem Gesetzestext "Lex Alemannorum" von 719 n. Chr., dass alle unfreien Bauern Bier als Abgabe an ihre Herrschaft zu leisten haben. Bier gleich Frauensache. Das änderte sich erst kurz vor der Jahrtausendwende, als man begann sich in Klöstern, welche seit der Verbreitung des Biers in Europa zahlreich entstanden, mit der Braukunst zu beschäftigen. Als Karl der Große im Jahre 800 n. Chr. Deutscher Kaiser wurde, gab es alleine in Bayern 300 Klöster, von denen einige schon seit 150 Jahren Bier brauten. Für das Jahr 815 gibt es den ersten Nachweis darüber, dass in München Bier gebraut wurde. Aber das Bier von früher muss pappig und süßlich geschmeckt haben, denn Hopfen wurde damals noch nicht verwendet. Nach den Quellen begannen die Brauer im 8. Jahrhundert, dem Sud Hopfen beizugeben. Er verlieh dem Bier nicht nur den fein-herben Geschmack, den wir heute kennen, sondern machte es als natürliches Konservierungsmittel auch besser haltbar. Blühendes Handwerk im Mittelalter Ab dem frühen Mittelalter nahmen sich besonders die Klöster der Kunst des Bierbrauens an. Das erste Kloster, in dem Bier gebraut wurde, war nach einer Chronik aus dem Jahr 820 n. Chr. das von St. Gallen in der heutigen Schweiz. Die Mönche erlernten früh die Kunst, ein nahrhaftes, wohlschmeckendes Getränk zu brauen, da man ein nahrhaftes und wohlschmeckendes Getränk zu den Mahlzeiten suchte. Besonders wichtig war dies in der Fastenzeit, wenn der Gürtel noch enger geschnallt werden musste. Dann war ein starkes Bier der willkommene Ausgleich, denn es galt "Liquida non frangunt ieunum" - "was flüssig ist, bricht kein Fasten". Den Mönchen wurde in den Fastenzeiten eine tägliche Ration Bier, sozusagen als "flüssiges Brot", zugesprochen. Der Bierverbrauch in den Klöstern nahm, wohl aufgrund der körperlichen Beanspruchung durch die Klosterarbeit und die umfangreichen Exerzitien recht erstaunliche Ausmaße an: Immerhin berichten die Chronisten, daß es jedem Mönch erlaubt war 5 Liter Bier am Tag zu sich zu nehmen. Die Tradition der Starkbiere, deren Saison am Anfang des Frühjahrs beginnt, hat sich bis heute vor allem in Bayern erhalten. Die Mönche jener Zeit waren also dem Bier sehr zugetan, doch schon nach kurzer Zeit fingen sie an, das Bier nicht nur für den eigenen Bedarf zu brauen. Gegen eine Gebühr erhielten die Mönche das Recht, Bier gewerblich zu vertreiben und somit entwickelten sich viele Klöster zu gut geführten Wirtschaftsbetrieben. In sogenannten Klosterschenken wurde das Bier ausgeschenkt. Da die Klöster die Bierbrauerei sehr vorantrieben, waren die Biere entsprechend gut und beliebt. Dabei entwickelten sich einige Mönche zu anerkannten Spezialisten auf dem Gebiet des Brauens. Die Klöster machten den weltlichen Braustätten in früheren Jahrhunderten durch den Verkauf ihrer Biere heftige Konkurrenz. Schon Anfang des 15. Jahrhunderts wurde deshalb ein Verbot zum öffentlichen Verkauf von Klosterbier erlassen. Viel genützt hat es nicht. Erst als im Zuge der Französischen Revolution auch in Deutschland die Klöster säkularisiert wurden, war Anfang des 19. Jahrhunderts das Schicksal der meisten Klosterbrauereien besiegelt. Doch noch heute gibt es elf Klöster, in denen Bier gebraut wird. Zu den bekanntesten zählen Andechs und Ettal in Bayern. Im Jahre 1040 wurde dem bayrischen Kloster Weihenstephan vom Freisinger Bischof das Brauund Schankrecht verliehen. Weihenstephan ist heute die älteste heute noch bestehende Brauerei. Nicht nur Mönche beschäftigten sich mit Bier, auch eine berühmte Nonne - Hildegard von Bingen (1098-1179) schrieb mehrfach in Ihrem Werk causa et cura (Ursache und Heilung (von 18 | S e i t e


Krankheiten)): Cervisiam bibat - Man trinke Bier. Sie empfahl Bier vor allem schwermütigen Menschen, weil Bier den Mut hebt und die Regeneration der Seelenkräfte fördert. Zwischen 1100 und 1400 n. Chr. führte auf Grund der wachsenden Konkurrenz unter den Brauereien das bayerische Fürstenhaus die Biersteuer ein, die erste Verbrauchssteuer der Welt. In den aufblühenden Städten des Mittelalters wollte man nicht auf Bier verzichten, mit der Folge, daß sich auch dort die Braukunst durchsetzte und zu einem Handwerkszweig entwickelte. Die Landesfürsten führten Biersteuern ein, die für eine schnelle Füllung ihrer Kassen sorgten. Die Klosterschenken, die keine Steuern zu zahlen brauchten, beeinträchtigten diese Einnahmequelle und viele von ihnen wurden von den jeweiligen Landesfürsten kurzerhand zugemacht. Auch wenn viele Klosterbrauereien per landesfürstlichem Beschluß dicht gemacht wurden, ist es ein wesentlicher Verdienst der Mönche, sich als erste wissenschaftlich mit dem Bier auseinandergesetzt zu haben. So soll zum Beispiel in Brabanter Klöstern erstmalig Hopfen, das dem Bier seine Würze und natürliche Haltbarkeit gibt, benutzt worden sein. Entsprechend läßt sich sich auch die Legende erklären, die dem Brabanter König Gambrinus fälschlicherweise die Erfindung des Bieres zuschreibt - "Im Leben ward ich Gambrinus genannt, König zu Flandern und Brabant. Ich hab aus Gersten Malz gemacht und das Bierbrauen zuerst erdacht. Drum können die Brauer sagen, daß sie einen König zum Meister haben." - Er wird noch heute als Schutzpatron der Brauer verehrt. Beer Pong Turnier in Eschhofen

Die Verwendung von Hopfen für die Herstellung von Bier löste heftigen Streit aus, um das sogenannte Grutrecht. Die Grut war ein Gemisch aus allerlei Kräutern, die zum Würzen des Bieres verwendet wurden. Das sogenannte Grutrecht, welches einer Brauerei die Herstellung von Grut erlaubte, war die rechtliche Basis jeder Brauerei und sicherte den Braumeistern eine "Monopol"Stellung. Durch die Verwendung von Hopfen wäre kein Grut mehr notwendig gewesen. Aus diesem Grund wurde die Verwendung von Hopfen für die Herstellung von Bier erst einmal schlicht und ergreifend verboten. Alles Neue braucht eben seine Zeit. In die Grut wanderten unter anderem: Wacholder, Gagel, Schlehe, Eichenrinde, Wermut, Kümmel, Anis, Lorbeer, Schafgarbe, Stechapfel, Enzian, Rosmarin, Rainfarn, Johanniskraut, Fichtenspäne, Kiefernwurzel - vor allem aber auch Bilsenkraut. Manche Kräuter waren ausgesprochen giftig, andere erzeugten Halluzinationen beim späteren Biertrinker. Aus dem Bilsenkraut bespielsweise entwickeln sich, wie wir heute wissen, halluzinogene Alkaloide während des Brauprozeßes. Dies dürfte ein Grund dafür gewesen sein, daß der Aberglaube eine große Rolle rund um den Braukessel spielte. Opfer dieses Aberglaubens waren vor allem die sogenannten Bierhexen. Krug des Anstoßes Das "Anstoßen" wurde, einem Gerücht zu Folge, als Vertrauensbeweis im Mittelalter zur gängigen Tischsitte. In dieser Zeit war es durchaus üblich den ein oder anderen Zeitgenossen mittels einer Prise Gift vom Diesseits ins Jenseits zu befördern. Um nun in gemütlicher Runde sicher sein zu können, daß keiner der Anwesenden ein derart heimtückisches Attentat geplant hatte, stieß man mit den massiven Krügen so heftig an, daß das Bier überschwappte - in den Krug des Gegenübers wohlgemerkt. Wollte ein Attentäter oder Auftrageber also die Gefahr meiden selbst ein Portiönchen des verabreichten Mittelchens zu schlucken, durfte er nicht anstoßen. Wer nicht anstieß, war also verdächtig! Im Umkehrschluß heißt das: Traue nur denen, mit denen Du zum Biere gesessen und angestoßen hast. 19 | S e i t e


Heute sollte man die zünftig mittelalterliche Art des Anstossens nur mit massiven Zinnbechern oder Holzkrügen praktizieren, wenn man Bruch vermeiden will. Da beim Bierbrauen häufig etwas daneben ging, was man sich aufgrund des damaligen Wissensstandes nicht immer erklären konnte, suchte man in vielen Fällen den Schuldigen im Bereich des Mystischen. Viele wundersame Kräutlein und kultische Gegenstände wurden auch noch im späteren Mittelalter um den Sudkessel herumgelegt, um böse Geister fernzuhalten. Dieser Aberglaube ging soweit, fehlgeschlagene Brauversuche sogenannten "Brauhexen" oder "Bierhexen" zuzuschreiben. Die letzte Verbrennung einer "Brauhexe" erfolgte im Jahre 1591. Dies kann man wohl als den "dunkelsten" Aspekt der Bierherstellung ansehen. Das Ende des Aberglaubens kam mit der Durchsetzung des Hopfens. Auch wenn die Verwendung des Hopfens erst einmal verboten wurde, setzte sich dessen Verwendung auf Dauer durch. Zum einen wurde das Bier dadurch haltbarer und der Brauprozess stabiler. Es ging weniger schief und es mußten weniger "Schuldige" gesucht werden. Mit der Verwendung des Hopfens erhielt das Bier seinen "klaren Charakter". Das damalige Bier glich somit fast den uns heute bekannten Biersorten, sowohl geschmacklich als auch auf das Aussehen bezogen. In Einbeck bei Hannover wurde schon 1351 ein kräftiges Bier gebraut, das wegen seiner hervorragenden Qualität bis nach Bayern exportiert wurde. Dort kamen auch die Herzöge und Fürsten auf den Geschmack. Statt sich das beliebte, aber teure Bier weiterhin aus dem Norden kommen zu lassen, nahmen sie einen Einbecker Braumeister in ihre Dienste. Das Bier "nach einpöckscher Brauart" wurde in München heimisch, und da die Münchner praktische Leute sind, blieb es nicht bei dem sperrigen Namen. Es wurde zum "Bock". Die "Bräustatt bey den Franziskanern" in der Residenzstraße wird erstmals 1363 urkundlich erwähnt und kann folglich als älteste bürgerliche Brauerei Münchens angesehen werden. Mit dem Aufblühen der deutschen Städte entwickelte sich auch auf weltlicher Ebene das Braugewerbe zu einem angesehenen Wirtschaftszweig. Erster und ältester Brauhandelsplatz großen Stils war Bremen, das bereits um 1300 große Mengen Exportbier nach Holland, Flandern, England und Skandinavien lieferte. Durch den weltweiten Export von Bier durch die Hanse entwickelte sich auch in Hamburg eines dieser Brauzentren. Hamburg galt als das "Brauhaus der Hanse". Immerhin zählte die Stadt im 16. Jahrhundert 600 Brauereien, in denen die Hälfte aller Gewerbetreiben den tätig war. Brauereien waren zur damaligen Zeit oft die wichtigste Finanzquelle der städtischen Wirtschaft. Die Hanse exportierte deutsches Bier sogar bis in das entfernte Indien. Bisher war hauptsächlich obergäriges Bier gebraut worden. Der Vorteil war, dass während des ganzen Jahres und sehr kurzfristig Bier hergestellt werden konnte. Leider war das Bier bei unsachgemäßem Umgang mit den "wilden Hefen", die sich in der Luft befinden, nicht lange haltbar. Aus Böhmen dringt 1380 die untergärige Brauweise nach Deutschland vor. Das Bier kann zwar wegen der einzuhaltenden niedrigen Brautemperaturen nur im Winterhalbjahr hergestellt werden, ist aber deutlich länger haltbar. Um nun eine gewisse Beständigkeit zu erzielen, und die Qualität der Brauereiergebnisse konstant zu halten, erließ 1516 der damalige bayrische Herzog Wilhelm IV. das sogenannte Reinheitsgebot. Durch diesen Erlaß wurde erstmalig festgelegt, daß zur Herstellung von Bier nur Gerste (bzw. 20 | S e i t e


Gerstenmalz), Hopfen und reines Wasser benutzt werden durfte. Die Verwendung von Hefe war zur damaligen Zeit noch nicht bekannt und das Gelingen des Gärungsprozesses blieb dem Zufall überlassen, da man ohne es zu wissen, auf Hefepartikel in der Luft angewiesen war. Kein geringerer als Theophrastus Bambastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493-1541) entdeckt das Bier erneut für die Medizin. Bier ist eine göttliche Medizin gegen Krankheit, können wir von ihm erfahren. Seine Ansichten setzen sich durch, den in vielen medizinischen Büchern jener Zeit erfahren wir etwas über cerevisiae medicatae - sogenannten Heilbieren. Erneut aus Böhmen gelangt 1520 die Kenntnis des Brauens von obergärig vergorenem WeizenBier nach Deutschland. Dieses Weissbier ("weiß Behaimisch Pier") kann während des ganzen Jahres hergestellt werden, verstößt aber wegen des Zusatzes von Hefe gegen das Reinheitsgebot. In diesem Jahr verlieh Ludwig X. seinem Landhofmeister Hans Sigismund von Degenberg das Privileg Weißbier für das gesamte Gebiet des Bayerischen Waldes herzustellen. Wegen der leichten Verderblichkeit wird das Weissbier als ungesund diffamiert und schließlich 1567 von Herzog Albrecht IV. von Bayern ganz verboten. Die Begründung war fadenscheinig: Es sei "ein unnützes Getränk, das weder führe noch nähre, noch Kraft und Macht gäbe, sondern nur zum Trinken reize". In Wahrheit sollte der kostbare Weizen nicht weiter zum Bierbrauen verwendet werden. Obwohl das Brauen von Weißem Bier verboten wurde, behielten die Degenberger dieses Recht auch Einige Aktive des Sudkreis Fronhausen 2007 weiterhin. Als das Geschlecht der Degenberger im Jahre 1602 schließlich ausstarb, nahm Herzog Maximilian das Recht Weißbier zu brauen wieder an sich. Er erkannte, dass Weissbier ein ideales Erfrischungsgetränk für die Bevölkerung und nicht gesundheitsgefährdend ist. Er bringt nach und nach alle Brauereien Bayerns, die obergäriges Weissbier herstellen, in Staatsbesitz und errichtet so ein Staatsmonopol auf das Brauen von Weissbier. Damit soll der Staatshaushalt saniert werden. Denn seit 1572 liegt auf Weissbier die vierfache Steuer von Braunbier. Als Ausgleich für den Verstoß gegen das Reinheitsgebot leistet Maximilian eine Bußabgabe an die Landschaft. Das Weißbiermonopol war eine sichere und wichtige Einnahmequelle der Wittelsbacher, zumal das Weißbier immer mehr an Popularität gewann. War das Hoheitsrecht zur Herstellung von Weizenbier zunächst nur auf München beschränkt, entstanden nach und nach überall im Land kurfürstliche Brauhäuser, in denen gegen Abgaben Weißbier gebraut werden durfte. Weißbier zu brauen war allerdings weiterhin ausschließlich den jeweiligen Landesherren vorbehalten. Zudem durfte Weißbier das ganze Jahr über, Braunbier dagegen nur in den kühleren Monaten, von September bis April gebraut werden. Unter der Regentschaft von Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) wurde Bier "hoffähig". Sein legendäres "Tabakskollegium" war im Prinzip nichts anderes als der erste Stammtisch. Sein Sohn, später bekannt als Friedrich der Große (1712-1786), erlernte das Brauhandwerk schon in jungen Jahren. Die industrielle Entwicklung ging auch an den Bierbrauern nicht einfach vorüber und nahm zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihren Anfang. Zwei grundlegende Erfindungen revolutionierten das Bierbrauen. 21 | S e i t e


Im 17. Jahrhundert erfand der niederländische Naturalist Anton van Leeuwenhoek das Mikroskop, eine bahnbrechende Erfindung, die den Forschern eine völlig neue Welt vor Augen führte. Bakterien und Einzeller wurden entdeckt und nichts war mehr sicher vor dem Forschungsdrang der damaligen Naturwissenschaftler. Erst als es Mitte des 18. Jahrhunderts gelang aufgrund neuer Brautechniken die Qualität der Braunbiere zu verbessern, wurde das Weißbier "bürgerlich". Denn während des 18. Jahrhunderts verliert das Weissbier immer mehr an Bedeutung. Die Biertrinker wenden sich verstärkt dem Braunbier zu. Als Konsequenz daraus hebt Kurfürst Karl Theodor von Bayern das Weissbiermonopol 1798 auf. Neben den Adligen durften fortan alle Brauberechtigten im Land Weißbier brauen. Im Jahre 1810 fand das erstes Münchner Oktoberfest anläßlich der Hochzeit von König Ludwig I. mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen statt. 1815 wurden die ersten Bierhütten auf der Wies’n errichtet. Der Weg zur modernen Brauwirtschaft Im 19. Jahrhundert fielen die Schranken der Zünfte und Gilden, die Gewerbefreiheit wurde propagiert. Es war eine Epoche des Aufbruchs. Als sich 1835 die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth auf den Weg macht, hatte sie als Fracht Bier geladen. Am Martinstag des Jahres 1842 war es, als in Pilsen zum ersten Mal ein Pils ausgeschenkt wurde. Gebraut vom bayrischen Braumeister Josef Groll. Die Bedeutung des Bieres und seines Preises stand zu allen Zeiten bei seinen de utschen Abnehmern im Mittelpunkt des Interesses. Welche Auswirkungen eine verhältnismäßig geringe Anhebung des Bierpreises von zur Folge haben kann, zeigte sich im Jahre 1844 und 1848. Es ereignete sich die erste Münchner Bierrevolution und Krawalle. Über 2000 aufgebrachte Münchner Bürger rebellieren gegen die Bierpreiserhöhung von 6 auf 6 1/2 Kreuzer pro Maß. Sie schufen im wahrsten Sinne des Wortes Kleinholz schufen, indem Schaubrauen zur 1225jahr Feier in Schwabhausen sie in Wirtshäusern keinen Stuhl, Tisch oder Fenster heil ließen. Der überall einsetzende technische Fortschritt nutzte auch den Brauern. Drei Namen sind mit dem technischen Entwicklung der Brauwirtschaft besonders eng verbunden: Louis Pasteur entdeckte die Mikroorganismen in der Hefe und ihre Rolle beim Braupozess. Loius Pasteur war es, der als erstes auf die Idee kam Flüssigkeiten zu kochen, um somit die in ihr enthaltenen Bakterien abzutöten. Aber die von van Leeu-wenhoek gemachte Erfindung bildete nicht nur die Grundlage für die von Pasteur gemachten Entdeckungen, sondern half auch Bierwissenschaftlern eine einzelne Hefezelle zu isolieren. Sie lieferten somit die Grundlage für die moderne Brautechnik und bahnten den obergärigen Bieren den Weg. Pasteur, nach dem die Pasteurisation benannt worden ist, war ein großartiger französischer Wissenschaftler, der vor allem dadurch bekannt wurde, daß es heute sicherer ist Milch zu konsumieren (es steht auf fast jeder Packung: homogenisiert und pasteurisiert). Was heute jedoch keiner mehr weiß ist, daß die Entdeckungen von Pasteur zunächst nur von Interesse für die Brauereien waren. Erst später wurden die gemachten Entdeckungen auch auf die Milch-Industrie übertragen. Pasteur war es auch, der als erstes auf die Rolle von Hefen im Brauprozeß aufmerksam machte und somit feststellte, warum der Gärprozeß eigentlich einsetzt. Er lernte, daß durch ein 22 | S e i t e


plötzliches Erhitzen die Hefen und Bakterien abstarben, und das Bier nicht so schnell schlecht wurde. Im Jahre 1895 schrieb der britische Brau-Wissenschaftler Walter Sykes folgendes: "Ihm [Pasteur] verdanken wir mehr als jedem anderen lebenden oder toten Mann unser gegenwärtiges Wissen über den schwierigen, und oftmals geheimnisvollen Prozeß, der von lebenden Organismen getragen wird - der Gärung." Im 18. Jahrhundert fand die sogenannte industrielle Revolution statt. Dieser Boom in der Industrie brachte viele technologische Fortschritte mit sich, die man sich in den Brauereien zunutze machte. Auch wenn die Herstellung von Maschinen eine große Rolle spielte, so war die Erfindung der künstlichen Kältemaschine von Carl von Linde 1875 ein Quantensprung für die moderne Brauerei. Untergäriges Bier braucht mit Temperaturen zwischen 4 und 9 Celsius beim Brauprozess eine entsprechende Kühlung, die nur im Winter vorhanden war, und konnte oft nur in kalten Kellern gelagert werden. Oftmals wurde es mit Eisblöcken aus nahegelegenen Seen gekühlt. Es ist wohl klar, daß man zugefrorene Seen nur im Winter fand, und somit erleichterte die Kühlmaschine das Lagern von Bier und machte eine ganzjährige Produktion möglich, die früher nur durch Einlagerung von großen Eismengen möglich war. Deshalb wurden bis dahin überwiegend obergärige Biere gebraut. Carl von Lindes verbesserte Eismaschine von 1881 ist noch heute zu besichtigen. Angespornt durch die Möglichkeiten der Kältemaschine machten sich die besten europäischen Brauer auf die Suche nach einer neuen Hefeart, die auch bei geringeren Temperaturen gärt. Anton Dreher aus Österreich, Gabriel Sedlmayer aus Deutschland und Emil Hansen aus Dänemark teilten sich diesen Erfolg. Sedlmayr und Dreher wurden bei ihren gemeinsamen Forschungen mit der Isolation der sogenannten untergärigen Hefe, auch Saccaromyces Sudkreis Fronhausen Beer Pong Logo uvarum - wie der Fachman sagt - belohnt. Pasteur's Arbeit legte den Grundstein für Emil Christian Hansen dem es als ersten gelang, eine einzelne Bierhefezelle zu isolieren. Sedlmayer kam aus einer Brauerfamilie, die den königlichen bayrischen Hof belieferte. Er war eine hoch angesehen Persönlichkeit in der Bierwelt und war Mitte des 19. Jahrhunderts für die Herstellung des Münchner Spaten-Bieres verantwortlich. Er wurde jedoch bekannt als einer der ersten Brauchemiker, die die Wissenschaft erstmals in die Brauhäuser brachten. Dreher, ein Wiener Brauer, traf Sedlmayer während seines Studiums der Brautechnik in München. Hansen hingegen machte wohl eine der wichtigsten Entdeckungen in der Braugeschichte in einem Laboratorium der dänischen Carlsberg-Brauerei. Er isolierte als erster eine einzelne Hefezelle. Nachdem der Trick erst einmal bekannt war, erlaubte es den Braueren, nur die Hefekulturen zu verwenden die für ein gutes Bier sorgen würden. Der Erfolg traf im Jahre 1883 ein, und ermöglichte es, daß die verschiedenen Biermarken einen fast gleichbleibenden Geschmack vorweisen, indem die Brauer reine Hefekulturen verwenden, und vor allem bei jedem Brauprozeß die gleichen Kulturen verwenden. Auf die Idee für diese Forschungen kamen die Herrschaften bei einem internationalen Braukongress im Jahre 1873, bei dem Carl von Linde seine Ideen für eine Kältemaschine vorstellte. Louis Pasteur war bei diesem Kongress natürlich auch anwesend. Diese Erfindung der durch verdichtetem Gas betriebenen Kälte-Maschine stellte einen so tiefen Einschnitt in den Brauvorgang dar, daß die Aufregung der anwesenden Herrn nur allzu verständlich war. Beflügelt durch die neuen Möglichkeiten starteten sie ihre Forschungen. 23 | S e i t e


Heute wissen wir, daß Linde's Erfindung nicht nur einen tiefen Einschnitt in die Brauindustrie darstellte, sondern daß sie aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Nichtsdestotrotz waren es Brauereien, die diese Maschine als erste einsetzten, da sie auch den größten Nutzen davon hatten - untergärige Biere konnte ganzjährig gebraut werden, und Bier konnte ohne Probleme über größere Strecken transportiert werden. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts gibt es weltweit die meisten gewerblichen Braustätten. Alleine in Deutschland sorgen 19.110 Hersteller dafür, dass der Bierdurst der Bevölkerung gestillt wird. Von diesem Zeitpunkt an nimmt aufgrund von Unternehmenskonzentrationen die Zahl der Brauereien ständig ab. Wir haben bereits von Weihenstephan gelesen, sicherlich dachte 1040 keiner der Mönche daran, daß einmal weltliche Gelehrte in ihrer Brauerei das Bier und das Brauen erforschen würden. 1930 wurde die Hochschule für Brauerei in Weihenstephan der Technischen Universitätin München angegliedert - Bierbrauen war nun Objekt der Wissenschaft geworden. Extraordinarius Professor Dr. Piendl, der in Weihenstephan Brauereitechnologie und Mikrobiologie lehrt, ist einer der führenden Bierforscher Deutschlands, der in zahlreichen Fachartikeln auf die positiven Wirkungen von Bier hingewiesen hat. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Bedürfnisse derjenigen, die Bier brauen, ausschenken und trinken. So lösten Kegs in der Gastronomie die Holzfässer ab. Die Bierkästen sind heute meistens aus leichtem Kunststoff und nicht mehr aus Holz. Der Wunsch der Verbraucher, ihr Bier gepflegt zu Hause zu trinken, führte zur vermehrten Abfüllung des Bieres in Flaschen und Dosen und damit zur Entwicklung immer schnellerer Flaschenwasch-, Füll- und Etikettieranlagen. Prozesssteuerung und Computer hielten Einzug in die Brauereien. Neue Spezialitäten - wie alkoholfreies Bier oder Biermischgetränke - kommen modernen Trinkgewohnheiten entgegen und erfüllen die Ansprüche der Konsumenten von heute. Die deutschen Brauer haben es stets verstanden, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. Die Fähigkeit, neuen Anforderungen gerecht zu werden und gl eichzeitig an Bewährtem festzuhalten, gewährleistet, dass die Brauwirtschaft nicht nur eine stolze Vergangenheit, sondern auch eine sichere Zukunft hat. Zu guter letzt bleibt noch der englische Bierpapst Michael Jackson zu erwähnen, der seine Karriere als Reporter für eine lokale englische Zeitung begann. Schnell fiel ihm jedoch auf, daß Bier und Whisky kaum Aufmerksamkeit und Respekt geschenkt wird (es ist da, und es wird getrunken), so das er seine ersten Bücher zu diesem Thema Mitte der 70er Jahre veröffentlichte. Diese Bücher sind noch heute erhältlich und sind wohl die definitive Quelle zum Thema Biertrinken. Stets auf der Suche nach neuem Wissen, hat Jackson wahrscheinlich mehr Brauereien auf allen Kontinenten besucht, als jede andere lebende Person. Jackson sieht sich jedoch nicht nur als Beobachter, sondern er half auch Brauereien bei der Wiederentdeckung längst vergessener Biersorten. Jackson ist auch heute noch aktiv und ständig auf der Suche nach neuen Brauereien und Biermarken. Dabei führt er Bierverkostungen auf allen Kontinenten der Erde durch, und schreckt dabei auch nicht vor dem Smithsonian Institut zurück, die schon ein Schauplatz eines solchen Events war. Quelle (unter anderem): Deutscher Brauer-Bund e.V.

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Pressespiegel: Brauclub Sudkreis Fronhausen braut in Thüringen „Festsud“ Anlässlich der 1225 Jahrfeier (19.-21. August 2011) von Schwabhausen in Thüringen wurde der Brauclub „Sudkreis Fronhausen“ zum Mittelaltermarkt eingeladen, um dort das Handwerk des Bierbrauens zu demonstrieren. Bereits am Freitag nahm der Sudkreis Fronhausen am stehenden Festzug teil und informierte Besucher und Anwohner an ihrem Stand über das Brauhandwerk. Am Samstag wurde ab 11.00 Uhr auf dem Festgelände mit dem Einmaischen begonnen. Inmitten von „historischen Handwerkern“ (Spinnerei, Schmied, Fleischer, Steinmetz etc.) zeigten die Sudkreismitglieder Mark Weiershausen, Marco Koch, Michael Demmer und Matthias Heun Einblicke in die Braukunst. Ein im Juni speziell für das Fest gebraute Bier konnte am Infostand probiert werden. Hierbei wurden viele Fragen der Besucher beantwortet. Gegen 16 Uhr nahm dann Bürgermeister Olaf Jungklaus nach pompöser Ansprache des Festgauklers „Laut´n Hals“ , im Beisein von ca. 120 Gästen die „heilige Hopfengabe“ vor. Abends feierten die Hobbybrauer und knapp 2000 Besuchern bei guter Livemusik der Gruppe "Jam" und bewunderten gegen Mitternacht den „Dreinschlag“ - eine Simulation des Blitzschlages von 1231, der nach einer Sage gleichzeitig drei Burgen in Brand steckte. Nach diesem Ereignis trat Bauer Heinrich (bekannt aus der RTL-Sendung „Bauer sucht Frau“) auf, mit dem am nächsten Morgen bei einem gemeinsamen Frühstück noch Fragen zu Braukunst erörtert wurden.

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Und zum Schluss… Ein Philosophieprofessor stand vor seinen Studenten und hatte ein paar Dinge vor sich liegen. Als der Unterricht begann nahm er ein großes leeres Mayonnaiseglas und füllte es bis zum Rand mit großen Steinen. Anschließend fragte er seine Studenten ob das Glas voll sei? Sie stimmten ihm zu. Der Professor nahm eine Schachtel mit Kieselsteinen und schüttete sie in das Glas und schüttelte es leicht. Die Kieselsteine rollten natürlich in die Zwischenräume der größeren Steine. Dann fragte er seine Studenten erneut ob das Glas jetzt voll sei? Sie stimmten wieder zu und lachten. Der Professor seinerseits nahm eine Schachtel mit Sand und schüttete ihn in das Glas. Natürlich füllte der Sand die letzten Zwischenräume im Glas aus. "Nun", sagte der Professor zu seinen Studenten, "Ich möchte, dass sie erkennen, dass dieses Glas wie ihr Leben ist! Die Steine sind die wichtigen Dinge im Leben, ihre Familie, ihr Partner, ihre Gesundheit, ihre Kinder, Dinge, die - wenn alles andere wegfiele und nur sie übrig blieben - ihr Leben immer noch erfüllen würden. Die Kieselsteine sind andere, weniger wichtige Dinge wie z.B. ihre Arbeit, ihre Wohnung, ihr Haus oder ihr Auto. Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge im Leben. Wenn sie den Sand zuerst in das Glas füllen, bleibt kein Raum für die Kieselsteine oder die großen Steine. So ist es auch in ihrem Leben: wenn sie all ihre Energie für die kleinen Dinge in ihrem Leben aufwenden, haben sie für die großen keine mehr. Achten sie auf die wichtigen Dinge, nehmen sie sich Zeit für ihre Kinder oder ihren Partner, achten sie auf ihre Gesundheit. Es wird noch genug Zeit für Arbeit, Haushalt, Partys usw. Achten sie zuerst auf die großen Steine, sie sind es, die wirklich zählen. Der Rest ist nur Sand. ...... Nach dem Unterricht nahm einer der Studenten das Glas mit den großen Steinen, den Kieseln und dem Sand - bei dem mittlerweile sogar der Professor zustimmte, dass es voll war - und schüttete ein Glas Bier hinein. Das Bier füllte den noch verbliebenen Raum im Glas aus. Dann war es wirklich voll. Die Moral von der Geschichte ........ egal wie erfüllt ihr Leben ist, es ist immer noch Platz für ein Bier.

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Profile for Sudkreis Fronhausen

Festschrift 10 Jahre Sudkreis  

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