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Donnerstag, 12. Juli, 20 Uhr Stefaniensaal

Beethoven pur Ludwig van Beethoven (1770–1827)

Sonate in F für Klavier und Violine, op. 24, „Frühlingssonate“ Allegro Adagio molto espressivo Scherzo: Allegro molto Rondo: Allegro ma non troppo

Sonate in A für Klavier und Violoncello, op. 69 Allegro, ma non tanto Scherzo: Allegro molto Adagio cantabile. Allegro vivace

Duo in Es für Viola und Violoncello, WoO 32, „Duett mit zwei obligaten Augengläsern“ Allegro Minuetto: Allegretto

Trio in B für Klavier, Violine und Violoncello, op. 11, „Gassenhauertrio“ Allegro con brio Adagio Tema (Pria ch’io l’impegno): Allegretto con Variazioni

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Yevgeny Chepovetsky, Violine & Viola Julia Hagen, Violoncello Markus Schirmer, Klavier

Einführungsgespräch vor dem Konzert um 19.15 Uhr im Saal

Patronanz:

Konzertdauer: Erster Teil: ca. 55 Minuten Pause: ca. 25 Minuten Zweiter Teil: ca. 35 Minuten

Hörfunkübertragung: Freitag, 20. Juli 2018, 19.30 Uhr, Ö1

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Beethoven pur

In der „Beethoven-Woche“ der Austriastyriarte dürfen vier der lieblichsten Kammermusikwerke des Meisters nicht fehlen. Drei von ihnen wurden unter Beinamen weltberühmt: die „Frühlingssonate“, das „Duo mit obligaten Augengläsern“ und das „Gassenhauertrio“. Wie die Titel schon vermuten lassen, hat man es mit dem heiteren, jovialen, weltmännischen Beethoven zu tun, nicht mit dem mürrischen „Titanen“. Umso üppiger sprießen die Anekdoten um jene drei Werke. Auch zur „namenlosen“ A-Dur-Cellosonate kann man eine besonders schöne, für Beethoven typische Geschichte erzählen.

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AD NOTAM „Frühlingssonate“ „Man hat die F-Dur-Sonate die Frühlingssonate genannt, und sie ist eine der beliebtesten wegen ihres freudigen melodischen Schwungs und ihres reichen melodischen Lebens.“ So urteilte Alexander Wheelock Thayer in seiner berühmten Beethoven-Biographie über die Violinsonate in F-Dur, op. 24. Nicht nur Thayer, sondern auch viele Zeitgenossen empfanden die F-Dur-Sonate geradezu als Erlösung von dem mürrischen, kleinteiligen Wesen, das ihr Schwesterwerk in a-Moll, Opus 23, auszeichnet. „Gleich der erste Hauptgedanke bringt die Erlösung von dem Banne, in dem die A-Moll schmachtet“ (Thayer). Ursprünglich hatte Beethoven geplant, diesen starken Kontrast der beiden Werke durch eine einheitliche Opuszahl zu unterstreichen. Die beiden im Jahr 1800 komponierten Sonaten erschienen im Oktober 1801 beim Verlag Mollo & Co. als Opus 23 Nr. 1 und 2. Doch der Notenstecher hatte einen fatalen Fehler gemacht: Er hatte die Violinstimme der a-Moll-Sonate im Hochformat, die der F-Dur-Sonate dagegen im Querformat gestochen. Beim Einlegen der Violinstimmen in die querformatige Klavierstimme ergaben sich also Probleme. Deshalb trennte der Verleger in der zweiten Auflage die beiden Opera und gab die F-Dur-Sonate als Opus 24 neu heraus.

Zur Musik Erster Satz, Allegro: „Gleich der ers- hinaus (10 Takte). Beglückt wechseln te Hauptgedanke flutet in einheitli- die Violine und das Klavier im Vorchem Zuge über die Achttaktigkeit trage der Hauptgedanken; hier ist

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alles großzügig, alles natürlich weiterwachsend, selbstverständlich, so dass auch nicht ein einziges Mal eine Stockung entsteht. Die Arpeggios des Klaviers jubeln, die Triolen der Violine, ihre Triller und Tonrepetitionen sind ein freudiges Beben, und selbst der p-Triller des Klaviers auf groß A (am Ende der Durchführung) ist auf denselben Gefühlston eingestimmt.“ Zweiter Satz, Adagio molto espressivo (Sehr ausdrucksstarkes Adagio): „Das nicht lange Adagio 3/4, in dem satteren B-Dur stehend, atmet Glück und Zufriedenheit. Die leichte Abdunkelung des B-Dur zum b-Moll in der Mitte des Satzes schwindet schnell vor dem tröstlichen Ges-Dur, und die Enharmonik führt sogar in das strahlende D-Dur.“

Dritter Satz, Scherzo: Allegro molto (Sehr rasch): „Ein neckisches, kleines Scherzo (F-Dur, ¾) frischt den Sinn für die breitere Linienführung des an Melodiosität mit dem ersten Satz konkurrierenden Schlussrondo auf.“ Vierter Satz, Rondo: Allegro ma non troppo (Rasch, aber nicht zu sehr): „Man achte besonders auf die jubelnd empordringenden Doppelschläge Takt 4ff. des Hauptgedankens. Die Parität der beiden Instrumente ist peinlich gewahrt; dieselben überbieten einander mit immer neuen Mitteln, dem Glücksgefühl Ausdruck zu geben. Eine kleine Coda macht dem allgemeinen Jubel ein Ende durch eine beschwichtigende Kadenz in schlichten Akkorden“ (Thayer, Beethoven).

Duett mit obligaten Augengläsern Welche Wiener Freunde Beethovens Brillenträger waren und welche nicht, könnte der Forschung gleichgültig sein, hätte der Meister nicht eines seiner kuriosesten Werke mit einer ebenso kuriosen Überschrift versehen: „Duett mit zwei obligaten Augengläsern“. Dieser Titel steht über dem Fragment eines Duos in der kuriosen Besetzung Viola und Violoncello. Da unser Violinsolist auch ein virtuoser Bratschist ist, gibt ihm das Duett eine willkommene Gelegenheit zum galanten Dialog mit der Cellistin. Für eine ähnliche „Konversation“ war das Duett ursprünglich wohl auch gedacht, wobei man im Wien der Jahre um 1800 eine junge Frau

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am Cello vergeblich gesucht hätte: Das Cello war Männerdomäne, ebenso wie die Bratsche. Schon der ganze Tonfall des Duos verrät, dass es Beethoven nicht ganz ernst gemeint haben kann, sondern einen seiner Freunde damit aufs Korn nehmen wollte, vielleicht sogar deren zwei, die beide „Augengläser“ trugen. Zu einem der beiden Brillenträger ist die Beethoven-Forschung fündig geworden. Es war wohl der Hofkonzipist und spätere Hofrat Nikolaus Zmeskall von Domanovecz (1759–1833). Sein Dienst in der ungarischen Hofkanzlei ließ ihm genügend Muße, um eifrig auf dem Cello zu üben, aber auch zu komponieren. Seine vierzehn Streichquartette harren noch der Wiederentdeckung. Er zählte zu Beethovens engsten Wiener Freunden, was unweigerlich mit sich brachte, dass er grobe Scherze über sich ergehen lassen musste. Dafür hat sich Beethoven 1810 mit der Widmung des grandiosen f-Moll-Quartetts Opus 95, des „Quartetto serioso“, spät genug entschuldigt. Schon zehn Jahre zuvor begann er für Zmeskall jenes Duett, das aber leider Fragment blieb: Nahezu 200 Takte umfasst das erste Allegro, dem ein Adagio in C-Dur folgen sollte. Beethoven hat es aber nur bis Takt 21 in der Viola und Takt 3 im Cello ausgeführt. Das Menuett ist mit 85 Takten vollendet und kann gut als Finale in der Grundtonart Es-Dur fungieren. Wie man mit dem Mittelsatz verfährt, ob man ihn auslässt oder in einer Komplettierung einfügt, bleibt den Interpreten überlassen. Meistens wird die zweisätzige Fassung gespielt.

Ein Beethoven-Freund aus Freiburg Dass Beethoven erst die letzten beiden seiner fünf Cellosonaten für einen Wiener Cellisten komponiert hat, ist bezeichnend. Auch Mozart fand bis 1791 in der kaiserlichen Hauptstadt keinen Cellisten, für den es sich gelohnt hätte, eine Sonate oder gar ein Konzert zu schreiben. Von Virtuosen alla Duport oder Romberg fehlte in Wien jede Spur. Deshalb komponierte Beethoven seine ersten

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beiden Sonaten für das Instrument bei einem Besuch in Berlin 1796 für Jean-Louis Duport. Erst zwölf Jahre später wandte er sich wieder der Gattung zu, in diesem Fall für seinen Cello-spielenden Juristenfreund Ignaz von Gleichenstein. Als dieser im Sommer 1808 von Wien aus seine badische Heimat in der Nähe von Freiburg besuchte, gab ihm Beethoven ein Empfehlungsschreiben an den Münchner Hofkapellmeister Peter Winter mit: „Hier, mein Lieber, Dein Brief an Winter. – Erstens steht darin, daß Du mein Freund bist – zweitens, was Du bist, nämlich K. K. Hofkonzipist – drittens, daß Du kein Kenner von Musik, aber doch ein Freund alles Schönen und Guten.“ So vertraut schrieb Beethoven nicht an viele Freunde. Als Gleichenstein Anfang 1809 aus Freiburg zurückkehrte, brachte er sicher den wunderbaren Weißwein mit, der noch heute von seinen Nachfahren auf dem eigenen Weingut produziert wird. In Wien aber erwarteten ihn drei erstaunliche Neuigkeiten: Beethoven hatte aus Kassel das Angebot erhalten, Hofkapellmeister von Napoleons Bruder, dem „König von Westfalen“, zu werden. Dem stand ein gegenteiliges Angebot der Fürsten Kinsky und Lobkowitz sowie des Erzherzogs Rudolph gegenüber, ihn durch eine Leibrente an Wien zu binden. Es brauchte Gleichensteins gesamten juristischen Sachverstand, um das zweite Projekt unter Dach und Fach zu bringen, sodass dem ersten Projekt ein Riegel vorgeschoben wurde. Geschickt hatte Beethoven dafür gesorgt, dass Gleichenstein gar nicht anders konnte, als diese anstrengende Aufgabe zu übernehmen: Während der Abwesenheit des Freundes hatte er eine Cellosonate für ihn komponiert, das wundervolle Opus 69. Als Gleichenstein im Januar in Wien eintraf, war sie schon vollendet und bereits beim Verlag. Der Widmungsträger konnte gerade noch verhindern, dass der für ihn unangenehme Titel „K. K. Hofkonzipist“ in der Widmung der Ausgabe erschien. Ansonsten dürfte er sich über das Werk rückhaltlos gefreut haben: Es war die bislang schönste, gesanglichste und reifste Sonate, die ein großer Komponist für Cello und Klavier geschrieben hatte.

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Zur Musik Erster Satz, Allegro, ma non tanto (Rasch, aber nicht zu sehr): Das Cello beginnt alleine, mit einem wunderschönen, lyrischen Hauptgedanken, der „dolce“, süß, vorgetragen werden soll. Der Pianist greift den Faden auf, spinnt ihn bis zu einer Fermate weiter, übergibt wieder an die Cellistin, die ihrerseits auf einer Fermate mit kleiner Kadenz endet. Es ist ein Geben und Nehmen, beinahe ein „Flirt“ in Tönen. Erst danach kommt der Satz richtig in Gang, getragen von ruhig schwingenden Triolen und dem durchwegs singenden Duktus der Themen. Lediglich in der Durchführung unterbricht eine kämpferische e-Moll-Episode den strömenden Wohllaut des Gesangs. Zweiter Satz, Scherzo: Allegro molto (Sehr rasch): Das Scherzo steht im Zentrum der Sonate, da Beethoven statt eines langen Adagios nur eine langsame Einleitung zum Finale geschrieben hat. Entsprechend bedeutend hat er das a-Moll-Scherzo angelegt – in fünfteiliger Form mit zweimaligem Durchlauf des Trios und doppelter Reprise des Hauptteils.

Heftige Synkopen und ein wildes Spiel mit Akzenten bestimmen das Thema des Hauptteils, ein feierlicher Gesang des Cellos das A-Dur-Trio – fast eine Vorahnung des gleichen Abschnitts aus der Siebten Sinfonie. Dritter Satz, Adagio cantabile. Allegro vivace (Ruhig singend. Rasch, lebhaft): Wie in der „Waldsteinsonate“ hat Beethoven das Adagio auf eine langsame Einleitung zum Finale reduziert, 18 Takte eines selig singenden Adagios in E-Dur, die den Boden für ein wahrhaft mitreißendes Finale bereiten. Dessen hämmernde Akkorde erinnern wiederum an die „Waldsteinsonate“. Diese tragen ein herrliches Cellothema, das im Lauf des Sonatensatzes auf bedeutende Weise gesteigert wird und mit einem knappen Seitenthema abwechselt. Am Ende sinkt das Thema aus dem triumphalen Fortissimo der satt singenden hohen Lage des Cellos allmählich in leise geheimnisvolle Tiefen hinab. In purem Klang, fast romantisch, schließt die Sonate, so, wie sie mit purer Melodie begonnen hat.

Gassenhauer anno 1797 Am 15. Oktober 1797 feierte im Hofburgtheater zu Wien eine neue „Commedia per musica“ ihre Premiere: „L’amor marinaro“ von Joseph Weigl. Der langjährige Assistent von Antonio Salieri lan-

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dete mit dieser Opernkomödie einen Volltreffer, vor allem dank des brillanten Librettos von Giovanni da Gamerra, den man heute meistens als Librettisten von Mozarts Mailänder Opera seria „Lucio Silla“ kennt. Der Offizier und Wiener Hofdichter stellte hier sein komisches Talent unter Beweis: Eine eitle Sängerin, ein stotternder Graf, ein geldgieriger Kapellmeister, der sich in Solmisation übt, und ein singender Diener bilden das kuriose Personal im Hause des Kapitäns Libeccio, der auf einer Schiffsreise gerade eine unliebsame Begegnung mit Freibeutern hatte (daher der deutsche Titel „Der Korsar aus Liebe“). Zu Beginn des zweiten Aktes beauftragt der Kapitän den Kapellmeister, seinen Diener im Gesang zu unterrichten. Maestro Cisolfautte stellt seine Bedingungen (man lese: „Ci sol fa ut te“, eine Verballhornung von Solmisationssilben, Italienisch und Lateinisch im Sinne von „Wie du mir, so ich dir“): Zuerst verspottet der Musiker die Eitelkeiten der Primadonnen, dann beschließt er, den Auftrag anzunehmen, möchte aber zuvor eine Jause serviert bekommen, eine „merenda“. Notgedrungen stimmen der Kapitän und sein Diener in diesen Wunsch ein: Pria ch’io l’impegno / Magistral prenda / Far vuò merenda / far vuò merenda. (Bevor ich diese Aufgabe magistral übernehme, möchte ich Jause halten!) Man singe diese vier Verse zu dem Thema, das Beethoven dem Finale seines Trios Opus 11 zugrunde legte, und man hat den penetrantesten Gassenhauer im Ohr, der jemals die Straßen Wiens heimsuchte – unweigerlich.

Gassenhauer alla Beethoven Warum selbst Beethoven dem Fluch dieser Melodie nicht entkommen konnte, haben die Zeitgenossen unterschiedlich erklärt: Der Wiener Verleger Artaria behauptete, er habe das Thema Beethoven gegeben, „mit der Bitte, es mit Variationen in ein Trio zu

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bringen; der Komponist habe zufällig nicht gewusst, dass das Thema von Weigl war, bis das Trio fertig war, und es sei ihm sehr unangenehm gewesen, als er es erfahren habe“. Diesem Bericht ist schon allein deshalb nicht zu trauen, weil Beethoven selbst die Anfangszeile des Terzetts von Weigl in seine Noten geschrieben hat: „Pria ch’io l’impegno“. Glaubwürdiger klingt Carl Czernys Anmerkung, ursprünglich auf Englisch verfasst: „Es war der Wunsch des Klarinettisten, für den Beethoven dieses Trio geschrieben hat, er möge doch für das Finale das erwähnte Thema von Weigl benutzen, das damals sehr populär war. In einer späteren Zeit hat Beethoven oft darüber nachgedacht, einen anderen Schluss-Satz für das Trio zu schreiben, und die Variationen separat herauszugeben.“ Die „Weigl-Variationen“ waren dem Komponisten also keineswegs peinlich, im Gegenteil: Als eigenständiges Opus hätten sie ihm mehr Geld eingebracht als nur im Finale eines Trios. Das Letztere hätte er dagegen wohl gerne von dem allzu plakativen Ohrwurm „gereinigt“, war er doch keineswegs der Einzige, der Variationen über „Pria ch’io l’impegno“ komponierte. In der Dutzendware der Bravourvariationen über Weigls Thema sind und bleiben Beethovens Trio-Variationen der Edelstein.

Die Steibelt-Episode Umso verwegener war es, was sich der Pariser Klaviervirtuose Daniel Steibelt (1765–1823) bei einem Besuch in Wien leistete: In Gegenwart Beethovens spielte er eigene Variationen über den Gassenhauer von Weigl. Wie es dazu kam und welch grausame Strafe Steibelt über sich ergehen lassen musste, hat der Beethoven-Schüler Ferdinand Ries in den Erinnerungen an seinen Lehrer erzählt. Obwohl er behauptete, bei der beschriebenen Aufführung des Opus 11 habe es sich um die Uraufführung gehandelt, ist dies wenig wahrscheinlich: Beethoven komponierte das Trio in der ersten Jahreshälfte 1798, und schon im Oktober desselben Jahres erschien es im Druck, wohl nach der Uraufführung. Steibelt kam aber erst im Mai 1800 nach Wien. Es muss sich also

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um eine spätere Aufführung des Trios gehandelt haben. Sie fand im Hause des Grafen Fries statt, des berühmten Wiener Bankiers, und Steibelt war zugegen: „Der Spieler kann sich hierin nicht besonders zeigen. Steibelt hört es mit einer Art Herablassung an, machte Beethoven einige Complimente und glaubte sich seines Sieges gewiß. – Er spielte ein Quintett von eig’ner Composition, phantasirte und machte mit seinen Tremulandos, welche damals etwas ganz Neues waren, viel Effect. Beethoven war nicht mehr zum Spielen zu bringen. Acht Tage später war wieder Concert beim Grafen Fries. Steibelt spielte abermals ein Quintett mit vielem Erfolge, hatte überdies (was man fühlen konnte) sich eine brillante Phantasie einstudirt und sich das nämliche Thema gewählt, worüber die Variationen in Beethovens Trio geschrieben sind; dieses empörte die Verehrer Beethovens und diesen selbst; er musste nun ans Clavier, um zu phantasiren; er ging auf seine gewöhnliche, ich möchte sagen, ungezogene Art ans Instrument, wie halb hingestoßen, nahm im Vorbeigehen die Violoncell-Stimme von Steibelts Quintett mit, legte sie (absichtlich?) verkehrt herum aufs Pult und trommelte sich mit einem Finger von den ersten Tacten ein Thema heraus. – Allein nun einmal beleidigt und gereizt, phantasirte er so, dass Steibelt den Saal verließ, ehe Beethoven aufgehört hatte, nie mehr mit ihm zusammenkommen wollte, ja es sogar zur Bedingung machte, dass Beethoven nicht eingeladen werde, wenn man ihn haben wollte.“ (Ferdinand Ries, Biographische Notizen über Ludwig van Beethoven, Koblenz 1838)

Zur Musik Erster Satz, Allegro con brio (Rasch, mit Feuer): Der bedeutendste Satz des sogenannten „Gassenhauertrios“ ist der erste „mit seinem kühnen,

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stolz gerichteten Grundzuge, stellenweise mit einer gewissen Feierlichkeit" (A. W. Thayer). Die klassische Sonatenform ist großzügig

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ausgeprägt – mit stolzem Hauptthema, weichem Seitensatz und Überleitungen, die dem Pianisten Beethoven reichen Raum zu „gewaltigem“ Passagenwerk ließen. Übrigens ist die Klarinettenstimme nicht so idiomatisch auf das Instrument bezogen wie etwa in Mozarts Klarinettenwerken. Es ist sinnvoll – und wurde in der Geschichte dieses Trios vom Erstdruck bis heute auch immer wieder vorgesehen –, das Trio mit Violine statt Klarinette zu spielen.

Dritter Satz, Tema: Allegretto con Variazioni (Thema: Ein wenig rasch, mit Variationen): Dem penetranten Charme des Gassenhauers im Finale kann man sich schwerlich entziehen, noch weniger freilich der Kunst, mit der Beethoven diesen Schlager durch seine Variationen veredelt hat. Schon die Zeitgenossen vermerkten wohlwollend, dass der Meister hier „die faden Leyersachen von öfters berühmtern Männern weit hinter sich zurück ließ“, ohne allzu künstlich zu werden. Das Trio sei „doch Zweiter Satz, Adagio (Ruhig): Das fließender als manche anderen Sakurze Adagio, obwohl nur eine Art chen vom Verfasser“ und „mehr Überleitung zum Finale, kann durch natürlich als gesucht“ geschrieben. seine ausdrucksstarke Melodik zu den schönsten Einfällen des frühen Josef Beheimb Beethoven gerechnet werden.

Die Interpreten

Yevgeny Chepovetsky, Violine & Viola Yevgeny Chepovetsky wurde 1995 in Riga, Lettland geboren und erhielt im Alter von vier Jahren seinen ersten Violinunterricht. Seit 2008 studierte er an der Konservatorium Wien Privatuniversität und seit 2010 an der Kunstuniversität Graz bei Boris Kuschnir. Er ist vielfacher Preisträger verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe (u. a. „David Oistrach“, „Louis Spohr“, „Jan Kocian“, „Balys Dvarionas“, „Saulius Sondeckis“, „August Dombrovsky“ sowie der nationalen lettischen Musikwettbewerbe in

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den Jahren 2004, 2008 und 2014). Yevgeny Chepovetsky hat Meisterkurse bei Julian Rachlin und dem Michelangelo Quartett besucht und ist als Solist im Baltikum, in Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, Großbritannien und Russland aufgetreten. Bei Peteris Vasks nahm er mehrere Jahre Kompositionsunterricht und gewann 2006 den 1. Preis beim lettischen Wettbewerb für junge Komponisten. 2015 hat Yevgeny sein eigenes Ensemble gegründet – das Oberton String Octet, mit dem er regelmäßig auftritt. Der Schwerpunkt des Ensembles ist die Aufführung bekannter Oktett-Werke, aber vor allem auch die Wiederentdeckung von Raritäten dieser Gattung. In Österreich konzertiert er regelmäßig mit renommierten Solisten, u. a. mit Benjamin Schmid, Markus Schirmer, Danjulo Ishizaka, Thomas Selditz oder Clemens Hagen.

Julia Hagen, Violoncello Die 1995 in Salzburg geborene Cellistin Julia Hagen begann im Alter von fünf Jahren ihren ersten Unterricht bei Detlef Mielke am Musikum Salzburg. Von 2007–2011 studierte sie an der Universität Mozarteum Salzburg bei Enrico Bronzi, anschließend an der Universität Wien bei Reinhard Latzko und setzte von 2013 bis 2015 dort ihr Studium in der Klasse von Heinrich Schiff fort. Seit Herbst 2015 ist sie Studierende bei Jens Peter Maintz an der Universität der Künste in Berlin.

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In der Saison 2017/2018 folgten ihre Debüts mit dem Wiener Kammerorchester unter Paul McCreesh sowie in der Suntory Hall in Tokyo mit dem Metropolitan Symphony Orchestra und eine ausgedehnte Tournee durch Österreich mit der Pianistin Annika Treutler. Sie spielte beim Festival Sommets Musicaux in Gstaad und bestritt weitere kammermusikalische Projekte gemeinsam mit Stefan Vladar und Daniel Ottensamer. Im Mai 2019 wird sie mit dem Orchester recreation und unter der Leitung von Christian Muthspiel zwei Abonnementkonzerte des Großen Orchesters im Stefaniensaal spielen. Julia Hagen spielt ein Violoncello von Francesco Ruggieri (Cremona, 1684), welches ihr privat zur Verfügung gestellt wird.

Markus Schirmer, Klavier Gleichgültig, ob in Asien, nahezu allen Ländern Europas, Nord- oder Südamerika: Sein Publikum ist stets fasziniert von seinem Charisma und seiner Fähigkeit, auf dem Instrument lebendige Geschichten zu erzählen. Eine seiner Rezensionen bringt es auf den Punkt: „Ein Rattenfänger auf dem Klavier… Musik, die aus Herz, Hirn und Fingerspitzen kommt.“ Schon früh eroberte Markus Schirmer die wichtigsten Konzertserien und Festivals im Sturm: Wiener Musikverein, Suntory Hall/Tokio, Wigmore Hall/London, Gewandhaus/ Leipzig, Konzerthaus/Berlin, Bozar/Brüssel, Lucerne Festival, Rheingau Musik Festival, die internationalen Klavierfestivals „La Roque d’Antheron“ oder Ruhr, Kissinger Sommer, Schubertiade, styriarte, Bregenzer Festspiele, Stars of White Nights Festival St. Petersburg u. v. m.

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Er arbeitet mit bedeutenden Orchestern und Dirigenten: Wiener Philharmoniker, Royal Philharmonic Orchestra London, Tokyo Symphony Orchestra, Mariinsky Orchestra St. Petersburg, Chamber Orchestra of Europe, English Chamber Orchestra unter Valery Gergiev, Sir Neville Marriner, Vladimir Fedoseyev, Lord Yehudi Menuhin, Jukka Pekka Saraste, Sir Charles Mackerras, Michael Gielen, John Axelrod, Fabio Luisi oder Philippe Jordan. In diesem Musiker schlägt allerdings nicht nur ein Herz. Auch jenseits der „etablierten Klassik“ weiß er für aufsehenerregende Ereignisse zu sorgen: Egal ob mit „Scurdia“, einem Improvisationsprojekt, das außergewöhnliche Musiker aus allen Teilen der Welt auf einer Bühne vereint, oder mit eigenwilligen, von Publikum und Presse einhellig gefeierten Programmen mit Schauspielern wie Wolfram Berger oder der US-Sängerin Helen Schneider – Markus Schirmer besticht durch seine ungewöhnliche künstlerische Vielseitigkeit. Seine Einspielungen mit Werken von Schubert, Haydn, Beethoven, Ravel und Mussorgskij sowie seine jüngste CD „The Mozart Sessions“ gemeinsam mit A Far Cry, einem der spannendsten jungen Kammerorchester der USA, mit dem er auch bei der styriarte auftrat, sind international preisgekrönt worden, u. a. mit dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik“. Eine der angesehensten Auszeichnungen für einen österreichischen Künstler wurde ihm ebenfalls zuteil: der „Karl-Böhm-Interpretationspreis“. Auftritte bei zahlreichen Festivals und Konzertserien in Deutschland, der Schweiz, Russland, Spanien und Österreich standen und stehen in der laufenden Saison auf seinem Programm. Neben einer Professur für Klavier an der Musikuniversität seiner Heimatstadt Graz wirkt Markus Schirmer auch als gefragter Pädagoge bei internationalen Meisterklassen oder als Juror bei verschiedenen renommierten Klavierwettbewerben. Er ist außerdem künstlerischer Leiter des internationalen Musikfestes ARSONORE, das jährlich im September die Elite der Kammermusik auf die Bühne des Planetensaales im Grazer Schloss Eggenberg bittet.

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Neues entsteht mit Kommunikation.

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Aviso Freitag, 13. Juli – Helmut List Halle, 19 Uhr Samstag, 14. Juli – Helmut List Halle, 19 Uhr

Fidelio Ludwig van Beethoven: Fidelio, op. 92 in einer aktuellen Textfassung und Dramaturgie von Thomas Höft

Johanna Winkel, Johannes Chum, Adrian Eröd, Jochen Kupfer, Tetiana Miyus, Jan Petryka, Fidelio-Chor (Franz Herzog) styriarte Festspiel-Orchester Andrés Orozco-Estrada Kostüme: Lilli Hartmann Was für eine Geschichte! Ein Bürgerrechtler, der um die Korruption eines Amtsträgers weiß, verschwindet im Gefängnis. Und nur weil sich die Frau des Eingekerkerten unter falscher Identität ins System einschmuggelt, kann sie ihren Mann in letzter Sekunde vor einem Mordkomplott retten. Kein Wunder, dass Ludwig van Beethovens einzige Oper „Fidelio“ schon vor der Uraufführung 1805 im Theater an der Wien zunächst verboten wurde. Bis heute reißt sie durch ihre ungeheure Kraft zum Protest gegen Unrecht hin. Denn Beethoven verdichtet in ihr den menschlichen Wunsch nach Freiheit zur Hymne … Und Andrés Orozco-Estrada hat sich für diesen besonderen „Fidelio“ ein wahres Traumensemble zusammengestellt!

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Die Sklavinnen der Tugend

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Aviso Mittwoch, 18. Juli - Helmut List Halle, 20 Uhr

Haydn Imperial Joseph Haydn: Sinfonie in D, Hob. I: 53, „L’Impériale“ Sinfonie in C, Hob. I: 48, „Maria Theresia“ Sinfonia concertante in B, Hob. I: 105

Erich Höbarth, Violine Christophe Coin, Violoncello Hans-Peter Westermann, Oboe Alberto Grazzi, Fagott Concentus Musicus Wien Dirigent: Stefan Gottfried Wenn Maria Theresia die Bürde des Hoflebens satthatte, fuhr sie nach Ungarn zum Fürsten Esterházy. Denn dort leitete Haydn das beste Orchester im weiten Reich. Stefan Gottfried und der Concentus Musicus lassen nun die Kaiserin in jenen HaydnSinfonien wieder auferstehen, die noch heute ihren Namen tragen. In der Sinfonia concertante frönen sie dagegen dem gewitzten Haydn der späten Jahre. Es darf gelacht werden – wie es auch die Kaiserin tat, wenn sie Haydn hörte.

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Aviso Freitag, 20. Juli – Helmut List Halle, 20 Uhr

Schönre Welten Mozart: Streichquartett in C, KV 465, „Dissonanzenquartett“ Webern: Fünf Sätze für Streichquartett Schubert: Streichquintett in C, D 956

Pacific Quartet Vienna Rudolf Leopold, Violoncello Beseelt von den himmlischen Dissonanzen in Mozarts C-Dur-Quartett schuf Franz Schubert 1828 sein Quintett in der gleichen Tonart. „Tiefer Sehnsucht heilges Bangen / Will in schönre Welten langen.“ Diese Verse aus seinem Gedicht „Mein Gebet“ hat er im Streichquintett in Töne von überirdischer Schönheit verwandelt. In Wien weiß man um das Geheimnis dieser Klänge, auch das junge Pacific Quartet Vienna, das 2015 den Wiener Haydn-Wettbewerb gewann. In ihrer Besetzung schlagen die vier jungen Musiker einen Bogen von Wien bis an den Pazifik, nach China und Japan. In ihrem Programm schlagen sie eine Brücke von Mozart über Webern bis zu Schubert, dessen Geheimnisse sie gemeinsam mit Rudolf Leopold ausloten.

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Haltungsübung Nr. 11

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Programmheft 12. Juli, Stefaniensaal styriarte 2018

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