style in progress 1/2022 – Deutsche Ausgabe

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#1/2022

„Menschen sollten tun, was sie am besten können“ Elizabeth Spaulding

Wir wollen doch nur spielen! Wie Gamification den Konsum verändert. Welcome to the Metaverse! Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Post-Consumerism. Vom Point of Sale zum Point of Participation. Mehr als ein Symbol. Diversity als Schlüssel zu einer neuen Unternehmenskultur.

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PRE FALL 2022

A Kiss from Kitz‘



EDITORIAL

Coverfoto: Stitch Fix

Spielend leicht (ver-)führen Liebe Leserinnen und Leser, don’t forget to play! Der Pandemie-bedingten Schwere kann die Mode Kontra geben: mit Mut und Farbe, mit Sinn und Sinnlichkeit, mit der Einladung zum Spiel. Wenn Elizabeth Spaulding von Stitch Fix (The Longview, ab Seite 98) über Gaming in der Mode spricht, dann tut sie das nicht, weil sie es für einen Trend hält, sondern weil aktive Kunden der US-Shoppingseite bereits neun Milliarden Kleidungsstücke in deren In-App-Spiel „Style Shuffle“ mit einem Tinder-ähnlichen Prinzip bewertet haben. Mit dem Swipe geben Kunden von Stitch Fix zu verstehen, was sie mögen und was nicht – und nähren damit einen riesigen Datensatz, der KI-basiert ausgewertet wird und dem Unternehmen zum Beispiel hilft, bei Eigenmarken die richtigen Entscheidungen zu treffen. „Letztendlich wollen die Menschen Teil einer breiteren Konversation sein, und ich denke, es wird faszinierend zu sehen sein, wie die Modeindustrie mehr Möglichkeiten dafür schafft“, sagt die amerikanische Managerin. Auch Sallyann Houghton von Epic Games (ab Seite 132) schlägt in dieselbe Kerbe: „Das tiefe Verständnis von Daten wird es der Mode ermöglichen, viel mehr über ihr Produkt zu wissen – noch bevor sie es überhaupt produziert haben.“ Und nein, das ist nicht der Weltuntergang, gegen den man sich mit aller Datenschutzmacht stemmen muss. Klügere Entscheidungen, bevor etwas produziert wird, sind ein wichtiger Teil der Roadmap der Mode in eine bessere Zukunft. Nicht nur, weil wir alle dringend grüner und nachhaltiger werden müssen, sondern insbesondere, weil der Kampf an der Ressourcenfront längst tobt. Wenn wir vermeiden wollen, dass dort nur der Stärkere gewinnt, sind Daten unsere Chance: Wer beweisen kann, dass seine Produkte lange glücklich machen, sollte das Rennen machen. Wir von style in progress sind glücklich, dass wir so viele von diesen glücklich machenden Marken und Produkten im Magazin vereinen dürfen. Das ist übrigens so umfangreich wie nie zuvor in der Geschichte von style in progress. Freuen Sie sich auf ein Heft voll Spiel, Spaß und Intelligenz! Einen guten und gesunden Start in Ihre Ordersaison wünscht Ihr Team von style in progress

Wir sind umgezogen

NEUE FIRMENADRESSE B2B Media GmbH style in progress Paracelsusstraße 4/1/7, 5020 Salzburg, Österreich

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INHALT

098

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010 EDITORIAL

113 Fashion Cashmere Notshy bringt Stil, Lässigkeit und Eleganz in den Cashmere-Strick. Tres francais!

Spielend leicht (ver-)führen!

022 JETZT 116 FINDEN WIR GUT THE LONGVIEW 098 „Menschen sollten tun, was sie am besten können“ Warum Stitch Fix CEO Elizabeth Spaulding den Human Touch für unverzichtbar hält.

MODE

115 Satorial Street(-wear) Manuel Ritz hält die feine Balance zwischen Tailored und Streetwear.

SO LÄUFT’S

034 Take a Look Trends + Tendencies

128 THE NEW GAME

106 „Wir denken die Hose in die Zukunft“ Bequem und angezogen zugleich – diesen Spagat schafft Hosenspezialist Raffaello Rossi.

130 Der Rock ’n’ Roll der Gen F(ortnite) Ein Kommentar von Stephan Huber.

107 Next Level Die Stilevolution von Barb’one. 108 „Wir wollen Lieblingsjeans kreieren“ The Nim überzeugt mit seiner blauen Seele – feinste Premiumjeans made in Italy. 109 Neue Shapes, neue Nuancen Outerwear-Spezialist Canadian Classics beweist, wie kreativ Jacken und Mäntel sein können. 110 „Zukunft gründet auf Wurzeln“ Comeback auf dem Pitti Uomo und viel Innovation im Gepäck: Tombolini. 111 Kult Boots Ethno-Einflüsse, das ikonische Lammfell und die unverwechselbare Naht: Mou. 112 Al Italoamericano Italienische Hersteller, deutsches Know-how, globaler Gedanke: Tom Ripley. 012

114 „Weltweit die Accessoire-Szene erobern“ Hat den Modegrad wieder ordentlich nach oben gedreht: Vic Matié.

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Muss Mode noch real sein?

132 „Digital Fashion ist die Fast Fashion der Zukunft“ Glaubt Sallyann Houghton von der Fortnite-Mutter Epic Games. 136 „Zum ersten Mal haben NFTs einen Nutzwert“ André Johnson, VP of Business Development bei Mythical Games bezaubert die Modewelt. 142 Finale im Dreisprung Wie Alpha Tauri und die Telekom Fashion Fusion Mode real und virtuell vernetzen wollen. 146 Data for Good Wie Hakan Temür mit LSTNR den Retail von morgen erfindet. 150 Das Prinzip von Spiel, Spaß und Spannung Wo Gaming und Retail schon Schnittmengen haben. 160 Next Level: Made to Measure Das französische Unternehmen Lectra hat sich als Experte für die Industrie 4.0 etabliert.


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INHALT

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162 So funktioniert ein kollektives Hirn Wenn die Schwergewichte der Branche zusammen­arbeiten: The Aura Blockchain Consortium.

186 LEADING IN A NEW FUTURE

164 „Wir wollen ja auch 101 und 102 werden“ Ein Grund zu feiern: Albertos Hosenkompetenz feiert 100. Geburtstag. 166 „Eine Marke muss sich heute positionieren“ Selbstbewusste Maskulinität ist der Kern der Marke Baldessarini. 168 Pioniergeist Nach Liebeskind der nächste Coup: Semih Simsek ist zurück im Leder- und Taschenbusiness. 170 Immer ehrlich Meindl Authentic Luxurys Zielgruppe? Gebirgsstädter! 171 „Wir investieren in Marke“ Wolfgang Lohe baut Better Rich zur lifestyligen Sportswearkollektion aus. 172 Voll Charakter Traditionell und doch so modern: die italienische Schuhmarke Doucal’s. 174 „Das ist 1-A“ Wie Funky Staff seine Händlerinnen und Händler begeistert. 175 „Wir treffen den Nerv der Zeit“ Uli Ehrlich ist mit Sportalm auf Erfolgskurs. 176 „Wir wollen der Zeit voraus sein“ Esemplare setzt auf Innovation und hauseigenen Technologievorsprung. 178 Off to new Horizons Mit Capsules und Collaborations auf Internationalisierungskurs: Bogner. 182 Sexiness für die Gen Z Die legendäre Marke Jet Set feiert ein Comeback. 184 „Das ist Couture“ Toni Sailer debütiert mit einer Urban Kollektion. 014

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Es braucht Hopemaker und Visionäre – Führung neu gedacht. 188 Wie führt man am besten? Die neue Leadership-Kultur. 191 Der Kreativität ihre Freiheit Maximilian Böck hat bei Marc O’Polo die Führung übernommen. 192 „Wir müssen Talente fördern“ Stephanie Phair ist in Führungsrollen beim British Fashion Council, bei Farfetch und Moncler. 194 „Es ist Zeit für eine neue Führungskultur“ Strellson hat an vielen Stellschrauben gedreht. 196 Leidenschaft vermitteln Wie Roberto Ricci vom Profisurfer zum Unternehmer wurde. 197 „Aufgeschlossenheit und Flexibilität“ Das Leadership-Rezept von Chris Wang, dem Gründer von Duno. 198 Zeit, die gläserne Decke zu durchbrechen? Zooming in: Die Genderdiskussion mit italienischen Führungskräften. 204 „Umsturz von Normen und Klassik“ Avant Toi ist das Original. Warum, erklären Fiorella und Mirko Ghignone. 206 That’s the Spirit! Kai Wilhelm setzt zum Hattrick an: Soho New York ist sein neuestes Projekt. 207 „Die Zeit ist reif für unser Produkt“ Als Premiumhosenspezialist verbindet MMX Mode mit Nachhaltigkeit. 208 „Wir bleiben unseren Werten treu“ American Vintage schafft es, stringent zu bleiben und sich gleichzeitig zu erneuern.



INHALT

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209 Aufbruch in eine neue Ära Wie Gwand & the City den alpinen Lifestyle zelebrieren will.

236 Leidenschaftlich analog Wie das geliebte Businessmodell Multibrandstore zukunftsfähig wird.

210 Der Heritage verbunden Des Binders neue Kleider: Was der CEO von Schneiders plant. 211 Kleidung ist Ausdruck von Gefühlen und Stimmungen Ein chinesischer Cashmere-Spezialist mit viel Fingerspitzengefühl für Europa. 212 Ein neues Zuhause für die Tracht Salzburg als Messeort für Tracht neu beleben: die Mission der Brandboxx. 213 Schneiderkunst mit modernem Twist Cruna ist auf dem Weg zur Total-Look-Kollektion – und zwar erfolgreich!

214 POST CONSUMERISM Was kommt nach der Retail-Ära? Die Retail-Ära. 216 Disruption im Storedesign Wenn Verkaufen die schönste Nebensache wird. 227 Wie kommt die Freude zurück in den Konsum? Führende Köpfe aus der Modebranche wissen darauf Antwort. 230 „Unsere Kundinnen suchen ein Gesamterlebnis“ Nicola Gerber-Maramotti im Interview über Post-CovidRetail. 233 „Wie grün sind wir?“ Ein Gastkommentar von Mariella Milani. 234 „Reduce to the Max“ Warum Christoph Bründl nichts von digital überladenen Verkaufsflächen hält. 016

style in progress

239 „Der stationäre Händler ist unser Marken­botschafter“ Handstich setzt im Handel auf Enthusiasten.

242 VOR ORT 243 Kunst, Design und Maßschneiderei Atelier di Gala/Montecatini Alto 244 Zwei Läden wie im Bilderbuch Angelo’s/Hamburg 246 Perfect Match Bettina Ritter No 13/Esslingen 248 Verantwortungsvolle Innovation Kauri/Bozen und Brixen 250 Das nehme ich so mit! The Loft by Room Nine/Bonn 251 Marktplatz mit Glücksgarantie A happy Place/München 252 It’s good to be kids Bubbles and Troubles/Montecatini Terme 253 Alles ist Energie Room with a view/Salzburg 254 Out of Rosenheim Ingla/Rosenheim

256 EDITOR’S LETTER Vom Ich und vom Wir

256 IMPRESSUM


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UPCYCLED SCRUNCHIES

Scrunchies aus Seiden­ carrés von Designermarken: Die Produkte von James sind zum VK von 130 Euro bei Häusern wie KaDeWe oder Apropos erhälltich.

Die exklusiven Haarbänder von Clare Langhammer und James Castle werden aus alten Seidentüchern z. B. von Hermès, Chanel und Yves Saint Laurent in Berlin handgefertigt. Jedes Scrunchie ist einzigartig in seinem Design, da aus einem Tuch nur eine sehr limitierte Auflage hergestellt werden kann. www.jamescastle.de

Lotta Leben

Tunika + Tracht = Trachtika

Man nehme den derzeit wohl beliebtesten Schnitt bei Damenkleidern und würze ihn mit trachtigen Elementen – heraus kommt die Trachtika, eine Kreation der Designerin Marie-Alice Seidl, die als gebürtige Süddeutsche in Graz lebt und arbeitet. www.lotta-leben.com

Marion Buhrs sieht noch viel Potenzial in der Kollektion Diega, die sie seit zwei Jahren in Deutschland und Österreich vertreibt.

KOMBI-WUNDER

„Die Kollektion DIEGA spricht die Herzen an“, schwärmt Marion Buhrs, die das Pariser Label in Deutschland und Österreich vertreibt. „Die Muster lassen sich dank harmonischer Farben toll miteinander kombinieren, wie der karierte Wollrock zur Millefleurs-Bluse. Darüber passt ein lässiger Pullunder oder ein oversized geschnittener Mantel.“ Zum Einsatz kommen Naturmaterialien. On top geben die Preise den Ausschlag: Eine Baumwollbluse kostet beispielsweise 139 Euro/VK. Diega wird in Marokko produziert.

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Zum VK von 399 Euro sind die Trachtiken von Lotta Leben bei Key-Accounts wie Lodenfrey oder Runggaldier platziert.


JETZT Fa s h i o n

Jeder, der sie anprobiert, ist begeistert, wie angenehm die Jeans von Goldgarn Denim zu tragen sind. Kleinigkeiten wie besondere Knöpfe zeigen außerdem, wie liebevoll das Produkt gemacht ist. Produziert wird in Europa, verkauft wird zu fairen Preisen bis 159 Euro. Je ein Euro fließt in ein wohltätiges Projekt – umso lieber kaufen unsere Kunden die Jeans.“

Niemals gleich: Iris von Arnims Editionen aus Restgarnen sind in den Farben, im Material, im Schnitt immer individuell und außerdem nur in begrenzter Stückzahl verfügbar.

Kirsten Asbeck hat LA Boutique in Landshut vor gut einem Jahr eröffnet. Goldgarn Denim ist für sie Marke der ersten Stunde und von Anfang an ein Renner.

Iris von Arnim

Zero-Waste-Kollektion

„Unsere Restgarne werden immer aufbewahrt und wiederverwertet. Die Wertschätzung des Cashmere ist die Kernessenz unserer Produktion. Das heißt, dass unsere neuen limitierten ‚Re Edition‘-Kollektionen immer sehr vielfältig sein werden“, sagt Valentin von Arnim, Geschäftsführer von Iris von Arnim. www.irisvonarnim.com

WOW-PRODUKT Herrenschuh oder Sneaker? Henderson Baracco setzt auf Hybride, die klassischen Style mit Komfort verbinden, dank leichter Kautschuksohle und edler Sacchetto-Fertigung. „Das Made-in-Italy-Produkt begeistert auf Anhieb, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und außerdem gibt es keine Mindestorder“, sagt Paul Schulz, der die Marke seit einer Saison vertreibt. Henderson Baracco stammt aus einer der ältesten Schuhmanufakturen Italiens und überzeugt neben wichtigen Playern im Modehandel auch große Schuhspezialisten. www.hendersonshoes.com Leichte Kautschuksohle und Sacchetto-Fertigung sind die Key-Values von Henderson Baracco. style in progress

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JETZT Fa s h i o n

Reduce, Recycle, Reuse

STETSON SUSTAINABLE ist eine neue Linie, die vom Hangtag über das Nähgarn bis zum Hutband konsequent fortsetzt, was mit der Verwendung von Biobaumwolle bei Basecaps und Hüten begonnen hat. Bei den Schirmmützen kommen ausschließlich biozertifizierte oder recycelte Materialien zum Einsatz, wie z. B. in Italien natürlich gefärbte GOTS-Baumwolle oder ungefärbtes Leinen aus Frankreich. Alles aus Plastik wie z. B. der modische Mittelknopf beim Hatteras-Modell wird kurzerhand weggelassen, um dem Ansatz von Nachhaltigkeit durch Simplifizierung zu entsprechen.

Was die Mode von Wahts ausmacht? Die kompromisslos klare Linienführung der sehr maskulinen Styles, die bei aller Cleanness spannend bleiben. Das sind selbsterklärende Essentials, die jeder Mann im Schrank haben sollte, weil damit auch jeder gut angezogen ist. Was gibt es Besseres als einen coolen Sweater, der super bequem ist, ohne zu comfy zu wirken? Das kriegt die Marke einfach phantastisch hin, noch dazu zu einem fairen Preis.“ Alysia Ludwig hat als Junior Buyer bei Lodenfrey München gepflegte Menswear im Visier, die die Männer auch überzeugt. www.wahts.com

Der Fashionstore Identità Italiana führt in Düsseldorf die Riege an, wenn es um Innovation geht. Welche Kollektion Inhaberin Isabel Brodt besonders interessant findet und warum, verrät sie hier.

SO EASY TO WEAR

„Ich bin so begeistert von LU LI LINA“, sagt Isabel Brodt. „Alle Kundinnen, die die Kleider anprobieren, kaufen sie auch. Die Drucke sind modern und farblich harmonisch, der Schnitt steht jeder Frau jeden Alters. Das ist ein Label, das mir wie meinen Kundinnen richtig viel Spaß macht.“ Kleider sind der Hauptpart der zwei Jahre jungen Kollektion, ergänzt von Röcken, Hosen, Blusen und Jacken. Ein Baumwollkleid kostet 93 Euro/EK, ein Seidenkleid 166 bis 178 Euro/EK, bei einer überzeugenden Dreierkalkulation. www.lulilina.com

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Fancy

for future

www.mey.com


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Sassenbach

Die neue Konfektion

Top Performance bei Agenturen wie The Wearhouse und Modeist: Sassenbach.

Lieblingsteile aus einer fließenden Ware in vielen businesstauglichen Farben und in Deutschland von Hand hergestellt. Michaela Sassenbach trifft das Lebensgefühl einer Generation Frauen auf den Punkt. Ideal auch auf Reisen! www.sassenbach-style.de

Wald Berlin

FAIR TRADE MADE IN GERMANY

Jetzt im Vertrieb von Modeist: Wald Berlin. Der Schmuck ist schon in Häusern wie Breuninger erhältlich.

PERFECTLY IMPERFECT „Bitte das Preisetikett abschneiden, ich behalte es gleich an!“ Die Kundinnen verlieben sich schnell in die Teile von THE GREAT – ein Herzensprojekt der Current-Elliott-Gründerinnen Emily Current und Meritt Elliott aus Los Angeles. Die Kleider, Blusen und Strickteile haben einen cool-femininen Boho-Westernstyle; dazu kommen Sweatpants in allen Varianten zum EK von 60 bis 70 Euro und Sweatshirts in uni oder mit Print, die superlässig gewaschen sind. www.thisisthegreat.com

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Das Model Joyce Binneboese und die Stylistin Dana Rosk stehen hinter Wald Berlin, einem Frauen­kollektiv, das charakter­vollen Schmuck herstellt. Im selbstbestimmten Rhythmus zu arbeiten, ist besonders für junge Mütter eine gerne gewählte Chance. www.wald-berlin.de



JETZT Fa s h i o n

Phil Petter

„WIR SIND GETRIEBEN VON PERFEKTION“ Eine der großen Stärken von Phil Petter ist Innovation. Welche Spezialitäten stehen für die kommende Saison neu auf der Karte? Anja Grabherr-Petter, Creative Director Phil Petter: Erstmalig bringen wir ein kleines, feines Paket an gut durchdachten, modernen Cashmere-Styles. Wir verwenden italienisches Garn höchster Güteklasse, stricken in Phil-PetterManier fest genug, um stabil und langlebig zu sein, aber trotzdem super flauschig. Der Wunsch nach Phil Petter Cashmere eines meiner wichtigsten Kunden hat mich bestärkt, und ich denke, jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt. Ist es Teil der Entwicklung, dass die Werte, für die ihr steht, heute stärker gefragt sind? Auf jeden Fall. Unsere Hingabe zum Produkt, unsere Kompromisslosigkeit in der Qualität sind spürbar. Wir schätzen die hochwertigen Rohstoffe, die wir einsetzen, umso mehr, da sie nicht mehr so leicht und schnell verfügbar sind. Das zahlt als Wert auf unsere Marke ein, ebenso wie die Tatsache, dass wir die Preissteigerungen der Rohstoffe nicht 1:1 an unsere Kunden weitergeben. Heute müssen wir umso genauer planen und uns noch früher mit unseren Zulieferern austauschen, denn obwohl wir regional sourcen, sind auch wir von Lieferproblemen extrem gefordert. Fehlt ein Zipper oder ein Garn, müssen wir schnell ein anderes Modell vorziehen. Auch das ist eine Stärke von uns, weil wir mit unserer eigenen Produktion in Dornbirn flexibel und rasch reagieren können. Umso mehr muss die Vorarbeit stimmen, so prüfen wir jedes Produkt auf Tragekomfort, Pflegeeigenschaften, Farben und Größen. Bei Strick ist das ein besonders langer Prozess, zumal wir jede Saison neue Styles in neuen Qualitäten produzieren, immer mit einer neu entfachten Leidenschaft. Cashmere in Phil-Petter-Manier: ein Luxusprodukt, ehrlich kalkuliert. n und von ichte n Die leederjackenufakt nL Ma feine z Bauer n durch d Hein erzeuge alität un üb nte Qu . lle rm exze Passfo

Terra Luna

COTTON LUXURY

Biobaumwolle, handgesponnen, handgewebt: Jetzt werden die

Hemden von Terra Luna mit lässigen T-Shirts, Polos und RugbyShirts plus Shorts ergänzt, die auch in hochwertigem Bioleinen erhältlich sind. Erstmalig sind alle Styles mit Naturfarben stückgefärbt und umso verdienter GOTS-zertifiziert – zu VK-Preisen von 59,95 bis 99,95 Euro, kalkuliert mit 2,8. www.terralunafashion.com

Terra Luna ist Synonym für nachhaltigen Luxus.

Heinz Bauer Manufakt

CASHMERE-HYBRID

Neu für Damen sind eine Steppweste mit Kapuze und Loro Piana Cashmere-Futter, während bei den Herren der neue Blouson Hockenheim mit Sella-Schulter und die Daunenstepp-Hybridjacke mit Cashmere-Ärmeln in softem Lammnappa erstmals im Farbton Bronze aufgelegt wird. www.heubel.info

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JETZT Fa s h i o n

Sold Out

DAILY LIFE BRAND

Starke Identität

Warum lieben es die Kundinnen und Kunden, White Sand zu kaufen? Weil die lässigen Hosen Innovation erlebbar machen. In den Details offenbart sich die italienische Produktverliebtheit. www.white-sand.it

In Material, Waschung oder den subtilen Fashiondetails besonders: White Sand.

Marion, wie bringt man die Markenaussage von Sold Out auf den Punkt? Marion Hoferer, Inhaberin der Vertriebsagentur Modeist: Sold Out ist die perfekte Daily Life Brand. Nach Hause kommen und das Gefühl haben: Jetzt muss ich aber raus aus diesen Klamotten gibt’s bei Sold Out nicht. Denn wir vereinen dieses cozy Feeling mit viel Klasse und Lässigkeit, aber schicker als die typischen Loungewearlabels. Was ist der Ausgangspunkt im Design? Immer die Ware, kuschelig weich und seasonless. Typisch für Sold Out ist Modal, dazu gibt es neue Themen wie Cashmere-Touch, diesmal gemustert und ein Nicky-Stoff in zwei Farben. Wenn wir den perfekten Stoff gefunden haben, überlegen wir: Was sieht daraus gut aus? Wie wichtig ist der Preispunkt und wie gut werden diese angesichts der gestiegenen Rohstoff-, Produktions- und Transportkosten zu halten sein? Unsere VKs bewegen sich zwischen 89 und 159 Euro und wir arbeiten intensiv daran, dass wir sie halten können. Die Hersteller haben schon in der abgelaufenen Saison viele Preiserhöhungen geschluckt, ich finde es wichtig, dass man sich jetzt gegenseitig unterstützt: Dass Händlerinnen und Händler wissen, dass sie mit früh definierten Budgets ihren Beitrag leisten, dass die Hersteller pünktlich liefern können.

Sold Out ist casual und doch dressy.

Voll und ganz in Italien hergestellt: Destin.

Unisex

Schals, Beanies und Overshirts e basta: Das italienische Label DESTIN setzt auf Konzentration. Federleichte, schmeichelnde Materialien sind das Rückgrat der Kollektion, die nach zehn Jahren wieder in den Vertrieb von Marion Hoferer zurückkehrt. www.destinsurl.com

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e Preis Faire ter Regu en und vice hab r e S m i r Orde hs auch arke Myt inter st . hert en W letzt uts besc o Sell

Produkt­ vielfalt

Längst überzeugt Parajumpers mit Innovationen über das KeyPiece Daunenjacke hinaus. Die jüngsten Entwicklungen? Hybride Styles, die Strick, Sweat und Daune zu etwas wunderbar Neuem verbinden. www.parajumpers.it

KOMFORT IN COOL

Über den Status bequeme Hose hat sich Myths weit hinaus entwickelt. Geblieben ist das Stilgefühl und der spürbare Wille, aus hochwertigen Materialien mit besonderen Treatments etwas Einzigartiges zu kreieren. www.myths.it

Sie funktionieren richtig gut im Handel: die hybriden Styles von Parajumpers.

Funky Staff

EINS AUF DIE MÜTZE Mützen in perfekter Passform und vielen Farben – mit oder ohne Logo-Patch. So einfach kann Erfolg sein. Mit einer hundertprozentigen Made-inItaly-Strategie ist eine lückenlose Versorgungskette garantiert, ein eigener PoS-Aufsteller sorgt für die richtige Präsentation. www.funkystaff.de 032

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Ein Meer an Farben, schnelle Logistik und unkomplizierter Umsatz mit einem 100 Prozent Made-inItaly-Produkt: Funky Caps von Funky Staff.


THE JEANS CHINO

NO COTTON DENIM

FLANELL LOOK PANTS


MODE

TAKE A LOOK

TRENDS + TENDENCIES

Redaktion: Isabel Faiss. Fotos: Marken

DOPAMINE DRESSING adidas x IVY Park

DRESS... LIKE EVERYBODY’S WATCHING Funky Stuff

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LEAVE’EM ON Loci

AFTER EIGHT Circolo 1901

UNDYED

Pride to be

NO NEED FOR SNOW Aspesi

VINTAGE MILITARY Parajumpers

STAY PUFT

Rag & Bone


MODE

Avant Toi Kashette GCDS

Alberto

DOPAMINE DRESSING Arys

Die Mode gönnt sich den Trip: ekstatische Farbkombinationen, breite Print- und Logodrucke, Batikmuster und Neon-Knallfarben. Im Gleichschritt zum Comeback der Noughties wird es laut, expressiv und endlich wieder fröhlich.

Pin 1876

The.Nim

Sportalm

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MODE

LEAVE’EM ON! Copenhagen Studios

Brutale Sohlen mit robusten XXLProfilen und Plateaus an Loafern, Boots und Sneaker – auch klassische Schuhmodelle hat die Epoche des Athleisures für sich eingenommen.

Mou

Helen Kirkum

You have to have a pretty thick skin when you do something different, people are going to take shots at you, they’re going to criticize what they don’t understand. […] I just wanted to shake people up a little bit more. I wanted to push it as far as I could possibly push it without being fired.“ Tinker Hatfield, Air Jordan Designer bei Nike

Mason Garments

UGG x Feng Chen Wang

Doucal’s

Axel Arigato

K-Swiss

Ecoalf

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MODE

Edelle

Tombolini

U N DYED Better Rich

MMX

Luxuriöse Slowfashion, die auf natürlichen Materialen in möglichst naturbelassenem Zustand beruhen. Der Minimalistische Naturlook propagiert das aktuelle Credo: Weniger ist mehr.

American Vintage

Mey Sophie Schneiders

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Stetson


PLANET FIRST SINCE 2009 BECAUSE THERE IS NO PLANET B®

COME VISIT US AT PITTI UOMO, PADIGLIONE DELLA GHIAIA, FLORENCE Deluxe Distribution, Germany

Room with a View, Austria

Eins Zwei Zwei Eins, Switzerland


Portofiori Not So Ape

Sportalm

VINTAGE MILI TARY Silk Sisters

Ecoalf

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Les Visionaires

Mit Elementen aus der Utility- und Workwear kombiniert, ist es eine Hommage an Originalteile aus den Archiven. Neu aufgegriffen, übernommen, interpretiert – Military erfordert Fingerspitzengefühl.



MODE

DRESS … LIKE EVERYBODY’S WATCHING Winterkleider in dramatischen Längen und romantischen Dessins bedienen den aktuellen Wunsch in der DOB, endlich wieder gesehen zu werden.

Munthe

Second Female

Gestuz

Silk Sisters Des Petits Hauts Drykorn Joop

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By Malene Birger



MODE

A F T E R EIGHT Coster Copenhagen

Luis Trenker

Shipsheip

Blazer haben sich aus den Konfektionsabteilungen hinausetabliert zum eigenständigen Stilmittel – vor allem für Frauen. Als lockerer Zweireiher, Blazer im OversizeSchnitt oder in der Taille geschnürt oder gegürtet ersetzen die Jacke.

Seductive

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„Anzüge und Blazer sind heutzutage eher ein FashionItem. Wir verkaufen gerade viele Blazer, die einen modischen Twist haben, derzeit sind Blazer mit ausdrucksstarken Schultern, einer geschnürten Taille oder leuchtenden Farben am beliebtesten.“ Tiffany Hsu, Fashion Buying Director Mytheresa

Maison Margiela

Helene Galwas

Cruna Birgitte Herskind



MODE

NO NEED FOR SNOW

Strellson

Bogner

People of Shibuya

Bob

Duno

Die technische Funktionsjacke räumt zusehends den Platz für Allrounder mit urbaner Leichtigkeit. Sie stehen über dem Marktmechanismus Saison. Die Funktion bleibt, tritt aber gegenüber dem modischen Anspruch in den Hintergrund.

Heinz Bauer

Bomboogie

Esemplare Sealup

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Distretto 12



MODE

STAY PUFT! Handstich

Adhoc

Duno Schneiders

Jacken sind wieder das, was sie sein sollen: der Inbegriff von Komfort, Wärme und Schutz. Legere Schnitte, große Volumina und Wollqualitäten im OversizedStil. Funktionale Details sind kein Alleinstellungsmerkmal, sie definieren den Standard.

Save the Duck

People of Shibuya

Canadian Classics

Peuterey

Replumè

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Superdry x Beabadoobee

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JETZT AGENTUREN

Ben and

MARKENPOWER Ben, ihr habt große Neuigkeiten zu erzählen. Welche sind das? Ben Botas, Inhaber Ben and: Ja, wir freuen uns natürlich, dass wir Peuterey als Brand für Deutschland übernehmen dürfen. Jetzt möchten wir vor allem die Ausrichtung von Peuterey als Premiumbrand stärken, was auch die Platzierung in den Departmentstores betrifft. Hier gehen wir weg von den Stammabteilungen in Richtung Premium Department. Die Peuterey-Kollektion ist in mehrere Linien unterteilt, die wir jetzt im Handel noch differenzierter präsentieren. So werden wir zum Beispiel die designorientierten Linie Plurals von der Main Line lösen und hier nur noch mit fünf Premiumhäusern in Deutschland arbeiten, um eine klare Differenzierung zu schaffen. Als Agentur habt ihr euch jetzt auch noch mal vergrößert. In München geben wir jetzt unseren jungen Marken Na-kd, Gina Trikot und Minimum einen eigenen Showroom, den wir in der Kurfürstenstraße angemietet haben, fünf Gehminuten von unserem Main Showroom entfernt. Somit schaffen wir nach Düsseldorf nun auch in München, unseren drei Departments ein eigenes Forum zu geben. In München präsentieren wir jetzt auf insgesamt 1.200 Quadratmetern und in Düsseldorf auf 1.300 Quadratmetern. Letzte Saison seid ihr mit Les Visionnaires gestartet. Das war ein Erfolg vom ersten Moment an, wir konnten bereits 150 Kunden gewinnen. Darunter Namen wie Breuninger, Engelhorn und Classico. Die trendigen Ledertaschen in hochwertiger Qualität zum VK-Preis zwischen 150 und 250 Euro sind einzigartig und genau das, was viele Kunden gesucht haben: eine Taschenbrand, die komplett aus Leder gefertigt ist, zu kommerziellen Preislagen und mit einer Frische im Design. Noch dazu fair produziert.

Unbedingt Premium: Ben and vertreibt jetzt die Marke Peuterey für ganz Deutschland.

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Marken: Axel Arigato, Beck Söndergaard, Chimi, Elias Rumelis, Filippa K., Free People, GCDS, Gina Trikot, Hvisk, La Martina, Les Visionnaires, Limitato, Loci, Masons’s, Minimum, Moose Knuckles, Na-kd, Nu-In, Peuterey, Rag & Bone, Second Female, Stefan Brandt, Wood Wood Ben and, München und Düsseldorf/ Deutschland, agency@ben-and.com, www.ben-and.com


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Agentur Evelyn Muth

Niklas Rill Agency

FARBENSPIEL

Neueinstieg bei der Agentur Evelyn Muth sind die luxuriösen Taschen von Le Tanneur aus Frankreich, die traditionelles Handwerk mit Innovation verbindet. „Le Tanneur ist toll für den deutschen Markt; die Kunden suchen das Neue“, sagt Christiane Peek, die die Agentur ihrer Mutter Evelyn Muth erfolgreich weiterführt. „Auch die Wertschätzung für Qualität kommt zurück, weshalb sich langlebige Produkte umso mehr auszahlen.“ Typisch für Le Tanneur ist das Spiel mit den Farben, wie auch in der Capsule Love is Love mit Taschen in Regenbogenfarben. Die Preise liegen zwischen 250 und 550 Euro/VK. Die Espadrilles aus dem Hause Castaner überzeugen durch handwerkliches Know-how wie mit spannenden Designkooperationen wie jüngst mit Altuzarra. „Außerdem setze ich stark auf DKNY, weil sich die Kollektion spürbar weiterentwickelt und dazu das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt“, sagt Christiane Peek. Das Material der Stunde ist Denim, kombiniert mit gestepptem Lammnappa. Colorblocking ist ein weiteres großes Thema, ebenso wie Retroelemente bei den Verschlüssen oder bei Knotendetails der Riemen. Der Best Performer der letzten Saison? „Clergerie“, antwortet Peek. „Wir konnten namhafte Neukunden wie Unger und Frauenschuh gewinnen und die Abverkäufe zeigen uns, dass die kreative Kollektion genau richtig liegt.“ Marken: Arche, Avril Gau, Castaner, Clergerie, DKNY, L’Autre Chose, Le Tanneur, Maison Mollerus Agentur Evelyn Muth, Düsseldorf/ Deutschland, info@evelynmuth.de, www.evelynmuth.de

Clergerie punktet mit eigener Handschrift und mit Produktion in Frankreich.

AUF DEM PUNKT

Scaglione begeistert mit ideenreichem Strick.

Room Nine Agency

ÜBERM DURCHSCHNITT Torsten, worauf fokussiert ihr euch nach den generell schwierigen Saisons? Torsten Müller, Geschäftsführer Room Nine Agency: Ganz klar auf unsere Wurzeln: Premiumsportswear für Männer. Brandneu bei uns ist Just Cavalli, eine absolute Couture-Kollektion mit Augenzwinkern. Sie ist sehr durchdacht, hochwertig und überzeugt noch dazu mit perfekter Auslieferung. Vor allem die T-Shirts und Sweats sind der Hype, weshalb die Marke bei den Männern gerade so richtig durchstartet. Wir glauben da total dran! Woran noch? An die neue, coole Sportswear von Soho New York, mit viel Farbe, Prints und einer positiven Attitude. Außerdem setzen wir auf die authentische Outer­ wear von Holubar, die deutlich kreativer und farbstärker wird, mit innovativen, funktionalen Materialien. Was sind eure Dauerbrenner? Moschino Underwear, die Abverkäufe sind vor allem bei der Herren-Underwear überdurchschnittlich. Betont modisch ist die Underwear von Michael Kors mit vielen Dessins und Logo am Bund.

Nik, als Agent verkaufst du gern auch mal auf der Fläche. Niklas Rill, Inhaber Niklas Rill Agency: Ja, wie zuletzt bei Stulz, Daniels und Mientus, was mir großen Spaß gemacht hat. Ich lerne viel, was von meinen Marken gut ankommt. Gerade ab der Auslieferung wird mein Job nochmal intensiv: Kommt die Ware pünktlich, wo können wir helfen, gegebenenfalls auch tauschen? Gerade kleinen Händlern hilft das sehr. Bei deinen Marken wird die Womenswear nochmal gepusht. Ja, im Sommer haben die Damen bei The Nim erstmals die Herren überholt, was in dem Markenumfeld nicht so typisch ist. Die Kollektion war auf dem Punkt! Die Händler brauchen Neues mit Boy­ friendstyles und Balloonfits, die von Nondenims und Cargos ergänzt werden. Cool dazu sind Overshirts und Denimblazer. Die Knitwear von Scaglione hat den Umsatz sogar verdreifacht, weil ich viele Neukunden begeistern konnte, dank innovativer Garne in tollen Farben. Ein besonderes Special bringt Bowery als Kapsel heraus, mit Sweatshirts, Hoodie und Crewneck für Damen. Marken: Bowery, Scaglione, The Nim Standard Niklas Rill Fashion Agency, Düsseldorf/Deutschland, mail@maend.de, www.niklasrill.de

Die französischschwedische Sportswear von Ron Dorff punktet in Schnitt, Farbe und Qualität.

Marken: Holubar, Just Cavalli, Michael Kors Underwear, Moschino Underwear, Ron Dorff, Soho New York Room Nine Fashion Agency, Düsseldorf/Deutschland, torsten. mueller@roomnineagency.de, www.roomnineagency.de

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Michaelis Fashion Agency

ERFOLGSSTORY

Wieder da im Markt und neu bei Daniela und René Michaelis ist Paul x Claire. „Pandemiebedingt musste vor einem Jahr die Erfolgsgeschichte auf Eis gelegt werden. Nun ist Paul x Claire Donna mit neuer, frischer und doch bekannter Kreativität zurück“, so René Michaelis, der die Marke für Bayern, BadenWürttemberg und Hessen betreut. Neu im Portfolio ist auch Goldgarn Denim für Bayern. Neben leicht verständlichen Modellen wird die Premiumfashion weiter ausgebaut, ohne die DNA zu vernachlässigen. „Hinzu kommt der Charity-Aspekt, da von jeder verkauften Jeans ein Euro für wohltätige Zwecke gespendet wird.“ Genesis ergänzt im Herbst die außergewöhnlichen Kleider im südfranzösischen Stil mit Strick. „Geradezu explodiert ist der Umsatz von Absolut Cashmere, dank 30 brillianter Farben und einem Style, der verständlich wie individuell ist“, so Michaelis. „Dazu bildet hochmodischer Cashmere von Crush die perfekte Ergänzung.“ Marken: Absolut Cashmere, Crush, Genesis, Goldgarn, Paul x Claire, Yippie Hippie Michaelis Fashion Agency, München/ Deutschland, mail@michaelis-fashion-agency.com, www.michaelis-fashion-agency.com

Alltagstauglich und besonders zugleich: Absolut Cashmere.

Adventure Fashion Agency

Komet und Helden

NEUE IMPULSE

STRONG DIVISIONS Flo, welche Brands sind bei euch neu am Start? Florian Ranft, Inhaber Komet und Helden: Filson und Spiewak, womit wir unsere Urban Division mit Brands wie Dickies, Baracuta und Deus ex Machina vervollständigen. Wir trennen diesen Part auch räumlich und mit eigenem Verkaufsteam, zumal die Klientel noch mal eine eigene ist. Für Dickies haben wir einen separaten Showroom für Dickies Life- und Dickies Workwear, womit wir neben unseren Lifestylekunden zusätzlich den Premium- und Workwearhandel ansprechen. Ein spannender Balanceakt, der bei der Kultmarke Dickies funktioniert! Weiterhin stark in unserer Agentur ist die Contemporary Division mit Barena, Halfboy und Aspesi. Letztere Kollektion wird jetzt deutlich modischer und positioniert zusätzlich eine Archive Collection neu, mit den Outerwear-Icons der letzten 20 Jahre, die zeitgemäß interpretiert werden. Auch Blauer USA entwickelt sich weiter, mit der neuen Linie B.Tactical für Herren, die die Blauer-Jacke hervorragend ergänzen. So funktionieren hier bereits Sweat- und Strickteile außerordentlich gut. B.Tactical trifft den Nerv der Zeit, weil die Linie einen urbanen Style mit den Themen Travelling und Protection vereint. Außerdem seid ihr stark in Outerwear. ottod’Ame steht für Total Look, aber verzeichnet hohe Zuwächse bei Mänteln und Jacken, weshalb wir eine eigene OuterwearKollektion für die modisch informierte Kundin starten. Auch die Innovation von Save the Duck ist der Hammer, mit Hybridstyles mit Sweat und Strick. Dazu ist die Marke auch in der Kommunikation ihrer Sustainability stark. Ich glaube ohnehin, dass es heute nicht mehr reicht, nur ein richtig gutes Produkt zu machen. Marken: 7 for all mankind, AG, Aniven, Aspesi, Baracuta, Barena Venezia, Blauer USA, C.T. Plage, Deus ex Machina, Dickies, Filson, Halfboy, Hartford, Le Bonnet, ottod’Ame, Purple Brand, Save the Duck, Seldom, Spiewak, Universal Works, White Sand Komet und Helden, München, Düsseldorf/Deutschland, info@kometundhelden.de, www.kometundhelden.de

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Zeigt jetzt seine ganze Breite: Kashette, ein vollstufiger chinesischer CashmereAnbieter.

Feste Größe bei Komet und Helden: die Kollektion Aspesi.

Marc Kofler und seine Adventure Fashion Agency sind immer auf der Suche nach neuen Impulsen: „Uns ist es wichtig, neue Looks zu zeigen, um unsere Kunden jede Saison zu überraschen. Letzte Saison war sehr gut. Unsere etablierten Marken wie auch die Newcomer haben tolle Abverkäufe erzielt, wir kamen den Anfragen kaum hinterher – insbesondere im Outerwear-Segment.“ Für die kommende Saison freut sich Adventure, das ausgebaute Angebot von Kashette zu präsentieren. Das 2020 gegründete Cashmere-Label kann eine eigene Ziegenfarm sowie Spinnerei vorweisen und ist in puncto Qualität und Zuverlässigkeit unschlagbar: „Letzte Saison hat der Inhaber selbst die Ware den ersten deutschen Kunden ausgeliefert – das finde ich Klasse!“, so Kofler. Eine weitere Neuheit ist die italienische Sneaker-Kollektion W6YZ (just say WIZZ): ein Mix aus perfekter Passform und typisch italienischem Design – die farbige Alternative zum weißen Turnschuh. Marken: 120% Lino, 810s by Moonstar, Cosy love pure, DL1961 Denim, Duno, Iheart, Janthee Berlin, Kashette, Odd molly, Orciani, Rosa & Me, RR’s, Sebago, Tonno & Panna, Trvl Drss, Trusted Handwork, Urbancode, W6YZ Adventure Fashion Agency, Düsseldorf/Deutschland, info@adventure-gmbh.de, www.adventure-gmbh.de


Zwanzig Jahre Room with a View Zwanzig Jahre Begeisterung für Mode Zwanzig Jahre Leidenschaft für Menschen Zwanzig Jahre Heimat für frische Gedanken Zwanzig Jahre Arbeit bis zum ersten eigenen Store Zwanzig Jahre Herzblut für Veränderung Zwanzig Jahre Mut für Neues Zwanzig Jahre Entwicklung Richtung Ökologie Danke an unsere Wegbegleiter für zwanzig Jahre Treue.

www.roomwithaview.at


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Elvis Fashion Agency

Agentur Matthias Schwarte

„KLARE TENDENZ ZUR WERTIGKEIT“

BEST PERFORMANCE Matthias, du hast big News für uns. Matthias Schwarte, Inhaber Agentur Matthias Schwarte: Ja, wir haben den Vertrieb für Parajumpers auch in Österreich übernommen. Unsere Performance in Deutschland hat überzeugt. Die Marke wächst, wobei wir im Vertrieb selektiv bleiben und sich die innovative Produktvielfalt auszahlt. Jetzt freuen wir uns darauf, sie in unserem Münchner Showroom den deutschen wie den österreichischen Kunden zu zeigen. Außerdem baut ihr auf euer bestehendes Portfolio. Weber + Weber entwickelt sich sehr erfreulich, wobei die Damenkollektion stärker wird. Bei Kunden wie Sagmeister, Lodenfrey und Jelmoli ist Weber + Weber mit gemeinsam gemanagten Flächen erfolgreich, dort bekommt die Marke auch über Schaufenster und verstärkte Onlinepräsenz immer mehr Gewicht. Das Feedback ist durchweg positiv! Daniele Fiesoli gibt ebenfalls mit der neuen Damenkollektion Gas. Es ist wieder klar von Vorteil, dass die Marke in Italien produziert wird, was sowohl der Qualität wie auch der Lieferzuverlässigkeit zugute kommt. Marken: Armani Exchange, Balr, Collezione 01, Daniele Fiesoli, Fil Noir, Mason Garments, Parajumpers, People of Shibuya, Replumè, Rubirosa, Sundek, Weber + Weber Agentur Schwarte, München/Deutschland, office@agentur-schwarte.de, www.agentur-schwarte.de

Hochwertige Produkte, überwiegend in Italien gefertigt, sind die Kernkompetenz der Elvis Fashion Agency.

Sassenbach zählt zu den Marken, die Patrick Ebnöther von der Agentur Daily Business übernommen hat.

The Wearhouse „Wir freuen uns, das Portfolio der Agentur Daily Business von Annette Bailleux übernehmen zu dürfen, nachdem sie sich in den Ruhestand verabschiedet hat“, sagt Patrick Ebnöther.

Replumè zeigt eine umfangreiche Kollektion mit Styles aus recycelter Daune und liefert damit ein zusätzliches Verkaufsargument.

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„Es integriert sich perfekt in unseres, sodass wir alles unter einem Dach zeigen. Dank optimaler Flächennutzung und gestaffelter Verkaufszeiten gelingt uns diese anspruchsvolle Aufgabe.“ Dabei unterstützt ihn Julia Winkler, langjährige Mitarbeiterin von Annette Bailleux. Zu den Marken zählen Crush, Dea Kudibal, FFC Cashmere, Sassenbach, Punto 12, Tantä, Via Masini, Velvet und Wunderfell. www.wearhouse.ch, www.dailybusiness.ch

Elvis Giglione kann im Rückblick auf die vergangene Saison sicher behaupten: „Es ist eine klare Tendenz zur Wertigkeit zu erkennen. Die Menschen suchen jetzt hochwertige Produkte und das kann ich mit meinem Portfolio sehr gut bedienen.“ Er setzt auch kommende Saison stark auf das derzeit sehr gefragte Produkt: waschbare Jogg-Anzüge von Tombolini, die Running-Serie und die Zero-Gravity-Kollektion. Diese Linien der Marke vereinen genau, was der Mann heute braucht: einen Mix aus hochwertigen Materialien, Comfort, Sportlichkeit und Business-Look. Bei The Gigi ist der Fokus weiterhin auf Sakkos in angenehmen Schnitten und tinto in capo. Mit seinen Strickzippern begeistert der Cashmere-Stricker Fioroni: nachhaltig und unübertroffen weich zugleich. Newcomer bei Elvis Fashion Agency ist die Männerkollektion von Alpha Studio, für die Giglione den Vertrieb für die D-A-CH-Region übernimmt. Marken: Alpha Studio, Bagutta, Brooksfield, Capobianco, Cruna, Fioroni Cashmere, Francesco Pieri, Manto, The Gigi, Tombolini Elvis Fashion Agency, München/Deutschland , elvis.giglione@elvis-fashion.com, www.elvisfashion.com


FRANKFURT FASHION WEEK JANUARY 17–21, 2022

VISIT FRANKFURT.FASHION AND LEARN MORE.


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Hinterhofagentur

AUFBRUCHSTIMMUNG

Agentur Ventrella

ES BLEIBT SPANNEND „Es bleibt sehr spannend, die Branche lebt jetzt richtig auf“, ist sich Michele Ventrella sicher. „Unsere Kollektionen bieten tolle Neuigkeiten, an denen Gaby eng mit den unterschiedlichen Herstellern zusammengearbeitet und maßgeblich mitgestaltet hat. Das hat zur Folge, dass die Kunden aus dem Universum der Ventrella-Marken einen stimmigen Mix kreieren können. Wir können es immer kaum erwarten, diese Arbeit dann in unseren Showrooms in München und Düsseldorf zum Leben zu erwecken.“ Auch Frankfurt steht für die Agentur Ventrella auf dem Programm. Worauf sich die Kunden freuen können: Von Bazar Deluxe gibt es erstmalig eine Männerkollektion: Bazar Deluxe Crew. Die Teile sind vom modernen Abenteurer inspiriert und bestehen aus Strickelementen gepaart mit Wolle oder Daune. Alles im typischen BazarLook, ein bisschen Navajo, ein bisschen Ethno, jedoch maskulin und kernig umgesetzt. Bei Avant Toi bleibt es wie immer bunt mit sehr leuchtenden und intensiven Farben, gepaart mit ultraweichen Strickoptiken wie z. B. dem Cashmere Garzato. Zudem gibt es für die Herbst-/Winter-Saison 2022/23 das erste Mal eine genderless Capsule. Auch Tagliatore wagt sich auf neues Terrain mit einer kleinen Capsule aus Strickteilen für Damen und Herren: Zehn Teile pro Kollektion aus feinsten Materialien wie Cashmere und Merinowolle. Alle Modelle entsprechen perfekt dem Look und der DNA von Tagliatore. Sie werden von einem italienischen Strickspezialisten gefertigt. Des Weiteren wird es neben Caliban Donna und Le Sarte Pettegole eine neue Linie aus dem Hause Giemme Brands Corporate geben: Tintoria Mattei Donna. Stilistisch an die Männerlinie angelehnt, mit einer coolen, zeitgemäßen und modernen Aussage. Marken: 813, Avant Toi, Backsideclub, Bazar Deluxe, BDL Crew, Bush, Caliban, College, Ennequadro, Giovi, Le Sarte Pettegole, Ndv Project, Nine in the Morning, Nove, Pao, Tagliatore, Tintoria Mattei Donna & Uomo Agentur Ventrella GmbH, München/ Deutschland, mode@agentur-ventrella.de, www.agentur-ventrella.de

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„Es gibt bei uns kein Label, das nicht in Aufbruchstimmung ist“, freut sich Dominik Meuer, Inhaber der Hinterhofagentur. „Die Corona-Krise hat sich bei vielen wie ein Weckruf ausgewirkt. Manuel Ritz zum Beispiel bekommt einen neuen Kreativchef und wird damit nochmal innovativer, und RRD startet mit einer neuen, erfahrenen Exportleiterin, die auf Restrukturierung setzt. Bob hat bei den Herren im zweiten Covid-Winter hervorragende Abverkäufe erzielt, ebenso wie Des Petits Hauts für Damen. Senkrechtstarter in der nun kommenden dritten Saison ist das Herrenhosenlabel Fourten aus Neapel, mit zeitgemäßen Hosen mit einem unglaublich guten Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Re-Entry bei der Agentur ist das italienische Blusenlabel Sophie, das Dominik Meuer bereits vor einigen Saisons für Bayern betreut hatte und jetzt für ganz Deutschland übernimmt. „Trotz der momentan schwierigen Rahmenverhältnisse für den Handel spüren wir die positive Stimmung und die große Lust auf Veränderung. Das gibt uns viel Kraft.“ Marken: Ad Hoc, Atelier Alpiniste, Bob, Bread & Boxers, Des Petits Hauts, Fabulous Island, Fourten, Hamlet, Koike, Manuel Ritz, Original Vintage Style, RRD, Portofiori, Prime Shoes, Sophie, Taylor Tweed, Wool & Co Die Hinterhofagentur, München/Deutschland, info@diehinterhofagentur.de, www.diehinterhofagentur.de

Model Tara Schwed in Loungewear von Onedaybaby, die Meta Pesch gemeinsam mit Meike Schilcher in Bayern vertreibt.

Meta Pesch „Unser Youngster Mützenmafia ist grandios durchgestartet“, sagt Meta Pesch. „Zusammen mit Daddy’s Daughters, Amuse, Onedaybaby und Derbe haben wir fünf sehr gute Pferde im Stall, die uns viel Freude machen.“ Jetzt kommt es Meta Pesch vor allem darauf an, weitere Neukunden für ihre neuen Labels zu gewinnen, und darauf, bei ihren Kunden in den Skigebieten wieder mehr Stabilität reinzubringen. „Für uns ist wirklich jede Marke wichtig. Da fließt überall sehr viel Herzblut.“ IG: meta.pesch_fashion.agent

In besten Händen: Handstich ist neu in der Agentur Wagner.

Agentur Wagner „Wir haben jetzt Handstich für Deutschland Mitte und Nord neu übernommen“, freut sich Marcus Heck,

Des Petits Hauts ist ein Erfolgsgarant, besonders bei Strick.

Partner der Agentur Wagner. „Mich begeistert vor allem, dass die Marke eine unverwechselbare Handschrift hat, mit der ich mich hundertprozentig identifizieren kann. Die Qualität der Outerwear, die sorgfältig produziert wird, stimmt bis ins Detail. Handstich passt außerdem super in unser Markenumfeld mit DU4, Phil Petter und MMX, für das wir ebenso den gehobenen Facheinzelhandel im Visier haben.“



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Agentur Klaus „Wir spielen Innovation über unsere bestehenden Produkte“, sagt

Christian Klaus und meint damit lässig-bequeme Kollektionen mit Identität. „Die ersten Moods lassen bei Brands wie Penn & Ink N.Y., Humility und Oakwood bereits viel Innovation erwarten.“ Neu dabei ist Henriette Steffensen aus Dänemark. „Look, Qualitäten und der nachhaltige Ansatz gefallen uns. Überhaupt ist es uns wichtig, dass unsere Brands nicht überall erhältlich sind, denn damit geht eine allgemein saubere Preispolitik einher.“ www.modeagentur-klaus.at

Heubel Modeagentur

INDIVIDUALISIERUNG IM FOKUS „Individuell nach Kundenwunsch in Europa gefertigte Produkte gewinnen bei unseren Handelspartnern zunehmend an Bedeutung“, erklärt Mark Heubel. Neben Premiumlederjacken und -westen von Heinz Bauer Manufakt, die in Deutschland auch nach Maß handgefertigt werden können, bietet die Agentur mittlerweile im dritten Jahr die Kollektion von Handmacher Schuhe aus Österreich an. Die Besonderheit ist, dass Kunden aus einer Reihe von gängi-

gen Modellen nicht nur drei verschiedene Leisten wählen können, sondern zudem die Schuhe in Bezug auf Ledersorte, Farbe und Laufsohle völlig individuell gestalten können. Besonders gefragt sind aktuell die quasi in Made-to-Measure-Weise bestellbaren Sneaker in Anlehnung an klassische Bowlingschuhe. Marken: Deserious, Desoto Luxury, Di Poldo, Geox, Gloverall, Handmacher, Heinz Bauer Manufakt, Lodenfrey 1842, Outdoor Survival Canada, Wallmann Heubel Modeagentur, Düsseldorf/Deutschland, mark@heubel.info, www.heubel.info

Die Marke Henriette Steffensen ist neu in der Agentur Klaus.

Prins-Juric

Paul’s Selection „GTA revolutioniert die Hosen durch ein Waist-Comfort-Band im Bündchen, das für höchsten Tragekomfort sorgt“, sagt Paul Schulz, Inhaber

der Agentur Paul’s Selection. „Jetzt gibt es keine Hose mehr, die nicht perfekt passt, für Damen wie für Herren.“ Die Outerwear Kired bringt jüngere Styles heraus, die auch preislich günstiger liegen. „Henderson Baracco setzt auf modische Schuhe mit superkomfortablen Sohlen von Vibram“, so Schulz. „Alle Brands bieten einen sensationellen Customerservice.“ www.paulsselection.com

Die Hosen von GTA sind dank Waist-ComfortBand noch bequemer.

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NUR NICHT SCHÜCHTERN SEIN! Der Spaßfaktor kommt bei ihnen nie zu kurz: Damir Prins-Juric ist dafür bekannt, dass die Order in der von ihm und seinem Mann Henk Prins geleiteten Agentur Spaß macht. „Ich habe große Liebe für unsere Kundinnen und Kunden und gönne ihnen von Herzen, wenn es richtig gut läuft. Besonders schön zu sehen ist, wie viele die schwere Zeit als Chance genutzt haben, vor den Vorhang gekommen sind und mit Social Media und Co die Reichweite ihrer Läden richtig vergrößert haben. Davor ziehe ich wirklich den Hut“, so der Agenturinhaber. „Wer einen solchen Draht zu seiner Zielgruppe hat, der kann auch neue Brands einführen. Mit Marken wie Wushu oder Josh V haben wir trotz Pandemie einen tollen Start hingelegt, jetzt freuen wir uns darauf, diese Marken hier auszurollen.“ Marken: + People, 1 One, Afterlabel, Ana Alcazar, Barb‘one, Bobi, Brand Unique, Cacatoes Sandals, Camouflage Couture, Coreterno, Devotion Twins, DSCVR, Emma & Gaia, Emily Lovelock, Floor, Ganesh, GN_ madeunique, Herzensangelegenheit, Icon, Ivko, Johnny Was, Josh V, Koon, Les Tricots d’O, Lotus Eaters, Love Joy Victory, MDK, NIMO, Notshy Cashmere, Penn & Ink N.Y., Potzy, Smaak Amsterdam, Smashed Lemon, TOF, Voluspa, Wushu Agentur Prins-Juric, info@prins-juric.com, www.prins-juric.com

Erfolgreiche Entwicklung: Notshy aus Paris trifft den Zeitgeist perfekt.


CANADIANCLASSICS.IT


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Modeist

Meier-Rybinski

COMEBACKS, BESTSELLER UND START-UPS

DESIGNKOMPETENZ Gleich drei neue Marken hat die Düsseldorfer Agentur im Gepäck. My name is Jeans steht für perfekte Passformen aus Denimstretch, der die Form nicht verliert und ein starkes Lagerprogramm verfügbar hält. „Die Preise zwischen 60 und 70 Euro/ EK sind grandios, außerdem werden die Preise der Kernkollektion nicht reduziert“, sagt Anna-Zoi Rybinski. Ebenfalls neu dabei ist die handwerkliche Cashmere-Kollektion Panicale, eines Familienunternehmens in Perugia, das zu den ältesten Strickereien Umbriens zählt. Unter eigenem Namen bringt jetzt der bekannte Designer Alessandro de Benedetti eine Total-Look-Kollektion heraus, der auch den kreativen Part von Romeo Gigli verantwortet. „Kerry Grima setzt nach einem starken Sommer mit Tunikakleidern jetzt auf Strick und Leder mit geflochtenen Details und viel Handarbeit“, so Anna-Zoi Rybinski. „Ein Garant für gute Abverkäufe sind die Tücher von Pin 1876. Wir verzeichnen täglich Nachbestellungen, weil die Qualität und die Farben einfach unschlagbar sind.“ Marken: Alessandro de Benedetti, Boutique Moschino, Kerry Grima, Max & Moi, My name is Jeans, Panicale, Philosophy di Lorenzo Serafini, Pin 1876 by Botto Guiseppe Agentur Meier-Rybinski, Düsseldorf/ Deutschland, info@meier-rybinski.de, www.meier-rybinski.de

Marion und Timothy Hoferer setzen auf die richtige Dosis aus Beständigkeit und Verlass. Sie mixen ihre Marken wie Sold Out, Pride to Be oder Dolores mit einem spannenden internationalen Portfolio. Die Neuzugänge der Saison sind das Schmucklabel Wald Berlin, die Jacken und Mäntel von Lost in Me sowie der Agenturrückkehrer Destin, der mit Schals und Overshirts in Unisex begeistert. Ein Portfolio, das für die individuelle Boutique genauso interessant ist wie für Concept- oder Departementstores. „Angesichts der aktuellen Beschaffungskrise gilt es noch viel enger zusammenzurücken“, ist Marion Hoferer überzeugt. Marken: Alpaca Loca, Controfigura, Destin, Dolores…, Gudrun & Gudrun, Kooreloo, La Milanesa, Lost in Me, Pride to Be, Sassenbach, Seamless Basic, Sold Out, T-Coat, Wald Berlin Modeist, München und Düsseldorf/ Deutschland, info@b-kleidung.de, www.modeist.com

Circolo 1901 ergänzt die Klassik mit sportiven Looks, die auch farblich gut aufeinander abgestimmt sind.

Heritage Showroom

DURCHDACHT

Moderne italienische Eleganz: Die Mäntel von Lost in Me sind neu bei Modeist.

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Neu in der Agentur ist Wahts Amsterdam. „Die Kollektion ist casual und clean zugleich, mit einem breiteren Angebot, das mit ScubaHoodies und Overshirts ergänzt wird“, sagt Michael Brockmann. „Wir sind mit Wahts schon lange verbunden und freuen uns, das Label gemeinsam weiterzuentwickeln.“ Circolo 1901 hat mit einer Prekollektion mit Fokus Womenswear auf die Marktbedürfnisse reagiert. „Die Klassik bleibt Fixpunkt und wird mit sportiven Styles ergänzt“, so Brockmann. Insgesamt ist die Kollektion durchdacht und spielt farblich harmonisch zusammen. „Myths ist auf vielversprechendem Weg, was wir an den Abverkaufsquoten merken. Hosen mit gepflegtem Joggcharakter stehen im Mittelpunkt, dazu kommen gut gemachte technische Hosen und eine Vielfalt in gekochter Wolle.“ Überhaupt mache ihm das Business wieder enorm viel Spaß, sagt Michael Brockmann. „Die Händler haben ihre Läger im Griff, dank guter Abverkäufe. Das ist die schönste Rückmeldung, die wir bekommen können.“ Marken: Candy Candle Hamburg, Circolo 1901, Ko Samui Tailors, Matéma, Myths, Wahts Amsterdam Heritage Showroom, München/Deutschland, info@heritage-showroom.de, www.heritage-showroom.de

Von klassisch bis modisch reicht die Bandbreite von Boutique Moschino.


RESEARCH ATTITUDE myths.it

@myths_official


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20 Jahre Room with a view, das sind zahllose Meilensteine, Erfolge, Rückschläge, ein Vor und ein Zurück. Aber vor allem sind es die Menschen, die diesen Raum mit Leben gefüllt haben und ihn jeden Tag auf neue Art und Weise wachsen lassen.

Room with a view

EIN FENSTER ZUR WELT Christian, ihr feiert 20 Jahre Room with a view, was macht dich am meisten stolz? Christian Obojes, Gründer Room with a view: Ich kann kein singuläres Ereignis herausstellen. Es gibt so vieles – und vor allem so viele Menschen – auf diesem Weg, das mich und uns bis heute glücklich macht. Ich glaube wir können behaupten, dass wir immer vollen Einsatz gespielt haben. Retrofame, der erste Schauraum mit der legendären Küche, die LA-Denim-Phase, die Markteinführung von Marken wie HTC, Ed Hardy, Giorgio Brato, Niederlassung in der Schweiz, die Gründung und der spätere Verkauf von Free Mountain, die Lancierung von Warm-Me, der Schauraum in Deutschland, das eigene Gebäude in der Stelzhamerstraße, der frühe Deep Dive ins Nachhaltigkeitsthema und jetzt der eigene Store – nennt man das Serial Entrepreneurship? Christian Obojes: Wir sind Macher. Wir lieben es, in Bewegung zu sein, wir probieren gerne aus. Diese 20 Jahre sehe ich im Rückblick als eine durchgehende Herausforderung, nicht immer ein Spaziergang, aber immer mit Highlights und Erfolgen, die ermutigt haben, weiterzumachen und uns permanent zu fragen, wie es noch besser und schöner wäre. Nun, das scheint ja ein bisschen in meinen Genen, Sternen oder weiß Gott was zu liegen, dass das Leben keine gemütliche Skitour, sondern ein Super G ist. Aber darüber will ich mich nicht beklagen, denn mein Umfeld und all die Kollegen und Mitarbeiter, die Partner und die Menschen hinter den Marken machen all das so besonders. Iris Obojes, Gründerin Room with a view: Das Zurückblicken ist eine wunderbare Möglichkeit, wahrzunehmen, wie viel sich in den letzten 20 Jahren getan hat. Room with a view ist geprägt von Christians Spürsinn für Trends und seinem Willen, Vorreiter zu sein. Suchen, finden, aufbauen, daran glauben, einfach furchtlos machen. Dazu kommt mein Gespür für die vermeintlich unkommerzielleren Aspekte unseres Geschäfts: Die Ästhetik, die Energie unserer Schauräume, die Frage, was es braucht, damit sich unser Team bestmöglich entfalten kann.

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Was macht euch einzigartig? Iris Obojes: Unsere Offenheit und Spontanität, dass wir immer den ehrlichen Austausch suchen. Der Sinn für Neues, für Trends, für zukünftig relevante Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Wir schaffen einen Raum, der dieses Zusammenspiel aufzeigt, der Begegnung ermöglicht, ein Raum, in dem sich alle wohlfühlen, unsere Kunden, Lieferanten und wir gleichermaßen. Steckt diese Vision nicht schon im Namen? Iris Obojes: Den Anstoß zur Namensgebung gab uns unser erster Schauraum in der Faberstraße, die vielen Räume gepaart mit unserer Sicht von einem Schauraum. Immer mit dem Blick hinaus, ein Fenster zur Welt.



JETZT Fortela

JETZT DIE DAMEN Fortela, die Marke von Agent und Stilikone Alessandro Squarzi, wendet sich jetzt auch an Damen: „Die Idee zu Fortela Store Woman & Vintage Selection und Fortela Donna entstand, weil die Nachfrage der weiblichen Kundschaft, die in meinen anderen Stores nach kultigen Unisex-Teilen wie Denim, Militärhosen und T-Shirts suchten, immer größer wurde. Diese Vintage-Must-Haves treffen hier jetzt auf die Vision von Alessia Giacobino, mit der ich zusammen diese neue Kollektion entworfen habe.“ Alessandro Squarzi kombiniert für seine Marke italienischen Stil und seine Expertise für Vintage-Stücke. Diese findet er in der ganzen Welt, in Mailands Via Melzo 19 gibt es zum Beispiel eine große Auswahl von Vintage-Denim von historischen Marken wie Levi’s, Lee und Walls. www.fortela.it Mit ihrem vierten Store wendet sich die Marke Fortela von Alessandro Squarzi jetzt an Damen.

Stetson

DER DUFT DER FREIHEIT Das Streben nach Freiheit, Unabhängigkeit und Entfaltung symbolisiert das authentische Erbe und den Geist des amerikanischen Westens. Die markanten Westernhüte von Stetson werden seit 1865 in den USA hergestellt und verkörpern diesen American Spirit. Passend dazu gibt es jetzt auch hierzulande mit Stetsons Original einen Duft, der durch eine erlesene Mischung aus reichhaltigen, holzigen und zitrusartigen Gewürzen überzeugt. Anfangs ist die orientalische Duftnote kräftig, doch seine natürlichen Zitrus- und Salbeinuancen gehen allmählich in einen leichten, holzigen Akzent über. Das dazugehörige Aftershave Splash zeichnet sich durch markante Kopfnoten von Lavendel, Salbei und Zitrusfrüchten aus. In der Herznote finden sich Patschuli, Vetiver, Zedernholz und Geranie, in der Basisnote Honig, Tonkabohne, Amber, Moschus und Vanille. Dieser reine, maskuline Duft ist ideal für den täglichen Gebrauch, denn das Pflegeprodukt sorgt außerdem für ein angenehm kühlendes Hautgefühl und hilft, Hautirritationen nach der Rasur zu reduzieren. www.stetson-europe.com

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Markant und männlich: Stetson lanciert nun auch am europäischen Markt sein Eau de Cologne und sein Aftershave.

Sie führt seit mehr als 50 Jahren einen renommierten Produktionsbetrieb: Silvia Stein Bocchese von Maglificio Miles.

Maglificio Miles

„ICH HABE MEINE ROLLE NIE HINTERFRAGT“ Frau Stein Bocchese, Sie sind seit über 50 Jahren Vorsitzende ihrer Firma Maglificio Miles. Wie sehr hat sich die Rolle der Frau in der italienischen Modewelt entwickelt? Silvia Stein Bocchese, Vorsitzende Maglificio Miles: Sehr. 1962 habe ich mein Unternehmen zusammen mit meinem Mann in Vicenza gegründet. Meine Erziehung (ich bin Schweizerin), die etwas andere Mentalität und die Kultur haben es mir ermöglicht schon in den 1970erJahren allein mit dem Zug durch Europa zu reisen, um meine Kreationen zum Beispiel bei Yves Saint Laurent in Paris zu präsentieren. Das war damals etwas ganz besonderes. Nach dem frühen Tod meines Mannes trat dann meine Mutter in das Unternehmen ein, um mir zu helfen. Noch eine Frau. Ich habe ehrlich gesagt meine Rolle nie hinterfragt – ich musste funktionieren und der Job musste gemacht werden. Ich erkenne aber, dass man heute als Frau sich seiner Rolle viel bewusster ist und dass Frauen sich heute größere Ziele stecken und damit viele Erfolge feiern. Drei der wichtigsten Eigenschaften weiblicher Führung? Kreativität, Leidenschaft und eine besondere Achtung für den anderen. Was sind die entscheidenden Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Leadership? Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass Selbstständigkeit und Entschlossenheit ebenfalls weibliche Eigenschaften sein können. Und wir Frauen haben diese „harmonisierende“ Rolle, die für die Gründung, Entwicklung und den Erfolg eines Unternehmens absolut erforderlich sind.


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Dynamik und Modernität – das sind die Eckpfeiler der Menswear von Distretto 12.

Distretto 12

ZUVERLÄSSIGKEIT IST DER SCHLÜSSEL Alessandro, wie war 2021? Alessandro Hong, CEO Distretto 12: Distretto 12 hat 2021 das geerntet, was es 2020 gesät hatte. Das letzte Jahr war wirklich das der großen Reprise. Wir haben alle unsere Kräfte in den Aufbau einer noch besseren internen Organisation gesteckt sowie in ein stärkeres Händlernetz und in zielgerichtete Kommunikation investiert. Das hat sich positiv auf die Verkaufszahlen ausgewirkt. Wir sind jetzt schon bei den Pre-Covid-Umsätzen angelangt, Tendenz steigend. Was ist das Geheimnis für eine erfolgreiche Reprise? Zuverlässigkeit – so haben wir auch in härteren Zeiten immer pünktlich geliefert. Zudem haben wir auf Kommunikation und Zusammenspiel gesetzt. Wir alle, von Produktion über Marketing bis hin zu den Agenten, wir sind immer ein Team geblieben und haben unseren Kunden gezeigt, dass wir für

sie da sind. Die hohe Qualität unserer Produkte ist natürlich auch ein wichtiger Faktor. Wie wird die Herbst-/Winter-Kollektion 2022/23? Die Distretto-12-Kollektionen sind die des dynamischen Mannes par excellence. Er reist viel, ist immer in Bewegung und braucht komfortable und zugleich stilvolle Kleidung. Er möchte mit seinem Look von der Arbeit direkt zum Aperitivo gehen können. Wir werden wieder Sportswear-Materialien einfließen lassen sowie unseren typischen Smart-Casual-Mood zeigen. Was sind die Ziele für die nächste Zeit, im speziellen in der D-A-CH-Region? Der deutschsprachige Raum hat für mich oberste Priorität. Ich komme gerade von einer dreiwöchigen Tour aus eurer Region zurück. Der Markt hat uns wunderbar aufgenommen und wir wollen genau so weitermachen. Unser Fünfjahresziel ist es, die 30-Millionen-Umsatz-Marke zu erreichen.

Alessandro Hong ist CEO von Distretto 12.

Circolo 1901

HERZ UND KOPF ERREICHEN

Gennario Dargenio, CEO von Circolo 1901, auf der Baustelle des neuen Firmengebäudes in Barletta, Apulien.

Gennaro, wie fällt dein Rückblick auf 2021 aus? Wie hat Circolo 1901 in Deutschland performt? Gennaro Dargenio, CEO Circolo 1901: 2021 war ein besonderes Jahr, geprägt von viel Ungewissheit und der Angst eines erneuten Lockdowns. Wir sind aber immer optimistisch geblieben und haben das gemacht, was wir gut können: An unseren Kollektionen gearbeitet und sie noch zeitgemäßer gemacht, um den Marktanforderungen noch besser gerecht zu werden. Zudem haben wir in Kommunikation investiert – uns war es wichtig, dass die Geschichte, die Seele und die DNA von Circolo 1901 den Endverbraucher erreicht. Diese Maßnahmen haben sich positiv ausgewirkt und wir blicken sehr zufrieden auf die Abverkäufe. Auch in Deutschland waren die Zahlen zufriedenstellend. Was dürfen wir von der neuen Herbst-/Winter-Kollektion 2022 erwarten? Wir werden weiterhin Kollektionen zeigen, die den Anspruch haben, den Zeitgeist zu treffen, die Trends der Märkte zu erkennen und zu bedienen. Uns ist die Mischung aus Erneuerung und Tradition wichtig. Wir setzen auf Teile, die innovativ hergestellt werden, aber die Geschichte unserer Region (Apulien), unserer Menschen und unserer DNA erzählen. Was sind die nächsten großen Schritte? Wir haben so viele Projekte. Die, die wir jetzt schon vorweg nehmen dürfen, sind die Realisierung des neuen Headquarters und die Intensivierung der Kommunikation. Mit den neuen Büroräumen, die wir auf über 3.000 Quadratmeter erweitern, wollte ich auch ein Geschenk der großen Circolo-1901-Familie machen. Was die Kommunikation angeht, ist es uns heute noch wichtiger, das Herz und den Kopf der Endverbraucher zu erreichen.

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Silk Sisters zeigt ein weibliches Verständnis von Mode.

Silk Sisters

VON FRAUEN FÜR FRAUEN Melanie, deine lässig-selbstverständliche Kollektion zeigt, dass du nicht mit Männerblick an sie herangehst. Melanie Nienaber, Mitinhaberin Silk Sisters: Ich bin zur Mode gekommen, weil mir Dinge gefehlt haben. Meine Garderobe muss miteinander kombinierbar sein, in den Mustern wie in den Farben. So gehe ich an Silk Sisters heran: Die Seidenbluse passt zur Joggingpants, ein Kleid sieht über die Hose getragen cool aus. Dieses neue Modeverständnis der Frauen hat sich von männlicher Sichtweise emanzipiert, was die Influencerinnen auf Instagram mitgesteuert haben. Die Frauen tragen heute Looks, zu denen sie früher nicht den Mut gehabt hätten. Was brauchen Frauen, um sich in Silk Sisters wohlzufühlen? Zuerst einmal Seide, die gut waschbar ist und wunderbar fließt. Mehr Stand hat Biobaumwolle, ergänzt von nachhaltig produzierten Stoffen wie Viskose, Tencel und ganz neu Cupro, weich wie eine Pfirsichhaut. Weiter und länger geschnittene Teile steigern den Wohlfühlcharakter, wobei ein tiefer Ausschnitt einen Akzent setzt oder eine Schleife. Bei diesen Details versuche ich, immer nur ein I-Tüpfelchen zu setzen. Auch die Fertigungsprozesse sind bei Silk Sisters stark von Frauen geprägt. Wir sind ein kleines Label von Frauen für Frauen. Sowohl unsere Partnerunternehmen in Tschechien wie in Portugal zeigen, wie sehr die Supply Chain in Frauenhand ist. Das prägt auch die Zusammenarbeit. Haben Frauen Vertrauen zueinander aufgebaut, sind sie absolut loyal und stehen für ihre Verantwortung ein. Eine tolle Basis für Silk Sisters! www.silk-sisters.de

Peuterey

BEN AND IST NEUER VERTRIEBSPARTNER FÜR DEUTSCHLAND Peuterey, die italienische Marke, die weltweit für Luxus-Outerwear bekannt ist, möchte ab dieser Saison ihre Expansion im deutschen Markt vorantreiben und beschleunigen. Dafür hat sich das Unternehmen die Agentur Ben and GmbH (B&) ins Boot geholt. In den letzten drei Jahren ist Peuterey in der D-ACH-Region kontinuierlich im zweistelligen Bereich gewachsen und möchte bis 2025 den Umsatz von derzeit 6,7 Millionen Euro auf über zehn Millionen Euro erhöhen. Die neue Partneragentur Ben and, die 2010 gegründet wurde, ist eine der führenden Agenturen in Deutschland und den deutschsprachigen Märkten. Mit den zwei Standorten in München (1.200 Quadratmeter

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Showroom) und in Düsseldorf (1.300 Quadratmeter Showroom) kann das Unternehmen eine flächendeckende Präsenz in ganz Deutschland gewährleisten. Das soll den Ausbau des Vertriebs ermöglichen, konkret die Anzahl der Multibrand-Stores verdreifachen und bis 2025 die Markenpräsenz in den besten Kaufhäusern des Landes stärken. Auch die Positionierung und das Image des Jackenlabels soll durch Visual Merchandising gestärkt werden und Powerselling-Aktivitäten sollen den Abverkauf der Kollektionen in den Geschäften vorantreiben. Die Zusammenarbeit mit Ben and sieht außerdem vor, dass sich ab der Herbst-/WinterSales-Kampagne ein sechsköpfiges Team ausschließlich Peuterey widmen wird, um die Werte und das Storytelling der Marke bestmöglich zu vermitteln und den Einzelhändlern einen zuverlässigen und fristgerechten Service zu garantieren.

Mit Ben and hat die italienische Jackenmarke Peuterey ehrgeizige Ziele vereinbart, ein sechsköpfiges Team, das ausschließlich Peuterey betreut, soll diese umsetzen.



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Pride to Be

DER NEUE MANTEL „Für mich ist ja die Weste mit Daune oder Strick darunter ja fast der neue Mantel“, sagt Marion Hoferer, die mit der Kollektion Pride to Be ein besonderes Gespür für sophisticated Bestseller hat. Es ist diese feine Balance aus Überraschung und Tragbarkeit, die Pride to Be bei allen Handelspartnern zu einem Hidden Champion macht.

Wayout nennt sich die neue Outerwear-Kollektion, die Otto D’Ame im Herbst debütieren lässt

Otto D’Ame

WAYOUT Otto D’Ame wagt den Schritt nach draußen. Das nachhaltige Label aus Florenz präsentiert für die kommende Saison eine eigenständige Outer­wearLinie: Wayout. „Nach dem großen Erfolg der Daunenjacken der letzten Winterkollektionen haben wir entschieden, diesen Schritt zu gehen, und zeigen eine Kapsel aus 30 Modellen und fünf Accessoires“, so Silvia Mazzoli, Designerin der Marke. Das Unternehmen steht seit seiner Gründung für ethische Mode und ist großer Verfechter von Tierschutz sowie einer nachhaltigen Produktion im Allgemeinen. So wird die Outerwear aus 70 Prozent recycelten Materialien hergestellt, gefüttert wird ausschließlich mit Paddings nicht-tierischen Ursprungs. Die Farbpalette ist von Unifarben wie Military-Grün, Schwarz, Gold und Lila dominiert, aber es sind auch Modelle mit Tupfen und Tweed-Effekt zu finden. Um dem Projekt ein eigenes Standing zu ermöglichen, hat Otto D’Ame ein spezielles Labeling entworfen: HangTags, Innen- und Außenetiketten sowie Anstecknadeln mit dem neuen Logo werden auf allen Kleidungsstücken angebracht. www.ottodame.com

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In die neue Saison geht Pride to Be mit Wollmänteln in Karo, Doubleface und Unis. Eyecatcher wie knöchellange Overshirts oder Trenchs in kurzen Teddyqualitäten haben Lieblingsstückpotenzial.



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Luis Trenker

SLOW FASHION Luis Trenker hat seine eigene DNA wie kaum eine andere Marke. Jetzt spitzt ihr das noch weiter zu. Michi Klemera, Inhaber Luis Trenker: Die tolle Resonanz, die wir in unseren neuen Stores in Salzburg, München und Bozen erfahren dürfen, bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Der Begriff Slow Fashion ist seit unserer Gründung vor 25 Jahren fester Bestandteil unserer Firmenphilosophie. Inwiefern belegt das die Kollektion? Unsere Nähe zur Natur drückt sich in der Verarbeitung hochwertiger, natürlicher Materialien aus, mit Fokus auf in Italien hergestellte Textilien. Zum Herbst/Winter 2022 lassen wir den traditionellen Salzburger Walkjanker neu aufleben und sind überzeugt, mit einer Kollektion wie dieser den Premiummarkt anvisieren zu können. Sie wurde um 30 Prozent komprimiert und in drei Themen unterteilt: Essential Easywear steht für alltagstaugliche Lässigkeit, während die Hauptkollektion Academy den College-Look neu interpretiert. Dort finden sich auch unsere Heritage Outfits als Hommage an unsere Wurzeln, die sich in naturbelassenen, ungefärbten Materialien manifestieren. Urban Sophisticate ist der elegantere Part für besondere Anlässe. Ein Highlight ist die Capsule technischer Outdoor-Parkas für Damen und Herren, die mit bedrucktem Innenfutter unverwechselbar sind. Auch im Vertrieb habt ihr Neuigkeiten. Genau, ab dieser Saison liegt die Verantwortung für den Vertrieb in Deutschland bei Kai Jördens, mit dem Ziel, die Marke zu einer festen Größe im Premium-Lifestylesegment zu etablieren. Für die Schweiz konnten wir Andreas Allenbach als neuen Seilkamerad gewinnen, während uns Meike Schilcher weiterhin eine engagierte Partnerin für Österreich bleibt. www.luistrenker.com

Michi Klemera lebt seine Marke Luis Trenker.

Steiner 1888

START MIT TASCHEN UND ACCESSOIRES

Taschen und Accessoires ergänzen das Bild bei Steiner 1888. Für den Vertrieb ist die Agentur Stolz zuständig.

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Ab der Herbst-/Winter-Kollektion 2022/23 ergänzt eine kleine, feine Taschenlinie die Outerwear von Steiner 1888. Vom Weekender bis zum Kulturbeutel sind die aus Loden gefertigten Stücke ein klarer Schritt in Richtung Ganzjahreskollektion. In Colorblocking und vielen Farbvarianten erhältlich, schlagen die Accessoires perfekt die Brücke zur Home-Kollektion von Steiner 1888. www.steiner1888.com

Fly3

DAS KANN STRICK KÖNNEN Gente di Mare heißt die Gesellschaft, die hinter mehreren herausragenden Strickprodukten aus Italien steht – in der Nähe von Ancona entsteht zum Beispiel die Marke Fly3, die Strick funktional aufwertet. www.fly3.it

Wasserabweisender Strick? Fly3 macht’s möglich.


www.cruna.com Showroom Elvis Fashion Agency: München (Germany) www.elvisfashion.com Showroom Cruna: Via Pier Lombardo 23, Milano (Italy)


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Längst kein Blusenlabel mehr: Die Womenswear Edelle zeigt auch Cashmere-Pieces und Kleider.

Bei Freedomday wird das Outdoor-Erleben großgeschrieben. Für die Herbst-/Winter-Kollektion 2022/23 vereint die italienische Marke Stil und Funktionalität. Im Fokus stehen technische Materialien wie Softshell, elastisches Nylon und Neopren mit technischen Eigenschaften, cleane Silhouetten und monochrome Styles. Während die Linie Woman und Junior Girl eine modische Note tragen, wird Man und Junior Boy von Sportswear geprägt. Ziel ist es, dass sich Verbraucher in jedem Moment wohlfühlen. Dafür werden die Kollektionen bis ins kleinste Detail so konzipiert, dass sie eine breite Palette von Outdoorstilen und funktionalen Anforderungen erfüllen. www.freedomday.it

Edward Copper

„WIR MACHEN SHIRTS!“ Zehn Jahre Edward Copper. Worauf blickst du zurück und wie geht die Marke jetzt in die Zukunft? Hilke Blömeke, Inhaberin Edward Copper: Mit Smart Casual Shirts sind wir gestartet, die unseren Weg bis heute vorzeichnen, mit zeitgemäß lässigen Shirts für Herren, die einen nachhaltigen Ansatz verfolgen. Die Hemden sind enzymgewaschen, womit auf Chemikalien verzichtet wird. Außerdem achten wir auf umweltverträgliche Zutaten wie unverklebte Einlagen im Kragen und Perlmuttknöpfe. Wir sourcen und fertigen in Europa für kurze Lieferwege. All das tun wir von Anfang an, nur waren wir mit dieser Message bisher eher leise. Nun wollen wir lauter werden. Wie genau? Mit der aktuellen Saison haben wir die Agentur von Ralf Klüver verpflichtet, um gemeinsam den D-A-CH-Markt zu stärken. In Düsseldorf wird er Edward Copper im Showroom von Paul’s Selection zeigen und in München im Prisco-Haus. Auch intern verstärken wir jetzt Marketing und Vertrieb, um unsere Botschaft sowohl B2B als auch B2C zu kommunizieren.

Freedomday

OUTDOOR PROFESSIONALS

Was steht modisch auf dem Programm? Ein Kernthema ist unser erfolgreicher Schurwolljersey aus mulesingfreier Merinowolle. Weil sich der weiche Jersey wie ein Pullover trägt, kann das Teil nach dem Durchlüften öfter getragen werden, bevor es gewaschen werden muss. Außerdem ist es knitterarm und damit perfekt fürs Reisen. Jetzt erweitern wir die Farbpalette und ergänzen mit einer sportiven Schlupfform mit verdeckter Knopfleiste. Als Ergänzung kommen Overshirts aus gewebter Wolle hinzu, die mehr Stand haben als die Jersey-Pieces – sowie Edward Copper Cruise mit modernen Styles aus Baumwollflanell, die auch Jüngere ansprechen.

Die Shirts von Edward Copper revolutionieren das Thema Hemd.

In gelungener Balance aus Mode und Funktionalität: Freedomday.

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handstich.de


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DMI

RESPONSIBLE HEDONISM Welche Trends die Sommersaison 2023 bestimmen, zeigt das Trendbüro DMI in seinem mehrstündigen Fashion Day online, der seit Dezember zum Streamen zur Verfügung steht. Die Prognosen werden anschaulich bebildert von den Experten des DMI Trendboards präsentiert, mit Vorträgen zum Zeitgeist und Impulsen, aus denen sich die Looks ableiten: in Farben, Materialien und Styles der Womens- und Menswear. „Nie war unsere Welt so gespalten wie jetzt“, so Trendanalyst Carl Tillessen. „Wir sind hin- und hergerissen zwischen Verantwortung und Hedonismus. Besonders beim Modekauf ist diese kognitive Dissonanz so stark, dass der Mode nichts übrigbleibt, als sie sichtbar zu machen und in einen verantwortungsbewussten Hedonismus zu verwandeln.“ www.deutschesmodeinstitut.de

Was für Surfer gut ist, hält auch im Winter warm. RRD setzt auf Hightech und Performance.

RRD

LASER, ULTRASCHALL UND HITZE „Schon seit längerem arbeiten wir an und investieren in innovative Materialien und haben für nächste Saison das Angebot an nahtlosen Modellen erweitert. Fast 80 Prozent der Kollektionen werden mittlerweile mit diesen Nähten hergestellt. Es sind lasergeschnittene, ultraschall- und hitzeverschweißte Nähte, die ideal für jedes Wetter sind und auch nach jahrelangem Gebrauch immer die maximale Flexibilität behalten. All dies kombiniert mit überarbeiteten klassischen Schnitten und Styles. Nahtlos bringt ähnlich wie beim Neopren-Anzug einen tollen Vorteil: keine Nässe, keine Kälte“, so Roberto Ricci von RRD über die Key-Pieces der neuen Kollektion.

Der Fashion Day online macht Lust auf die Trends der Sommersaison 2023. Foto: VanMoof in Kooperation mit Pigalle

Renoon

EIN UNIVERSUM NACHHALTIGER MODE Hometownglory

INITIATIVE

Mit gleich zwei temporären Conceptflächen punktet die Initiative Hometownglory in Mannheim. So wird aus dem Netzwerk von Next Mannheim und dem Gründerzentrum Textilerei Ausgewähltes junger Kreative im Handel gezeigt – einmal im Erdgeschoss von Engelhorn sowie auf einer zweistöckigen Pop-up-Fläche im Innenstadtquartier Q6Q7. „Hier präsentieren junge Marken das enorme Innovationspotenzial der lokalen Mode- und Kreativszene“, sagt Initiator Nico Hoffeld. Zu nachhaltigen Marken wie Klaudia Karamandi, Belle Ikat bis hin zu Streetwear von The Dizin oder Phyne kommen Accessoires und Parfüms, Food, Artprints und Interieurdesign. www.next-mannheim.de, www.textilerei.de, IG: hometownglory_mannheim

Frische Marken junger Kreativer beleben die Fläche.

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Wer sich sicher sein möchte, auch wirklich nachhaltig zu shoppen, kann das ganz einfach per Knopfdruck machen, ohne große Recherche betreiben zu müssen. Die App des Start-ups Renoon kombiniert, dank firmeneigenem Algorithmus, das Angebot mehrerer Onlineshops und bewertet alle Produkte auf Nachhaltigkeit. Wenn es zur Anfrage des Endverbrauchers kein ethisch korrektes oder nachhaltiges Produkt gibt, verweist Renoon auf Pre-loved-Teile oder auf Kleiderverleih. Die Idee zur App kam Iris Skrami, einer der vier Gründer des Unternehmens, als sie verzweifelt nach dem passenden, nachhaltigen „kleinen Schwarzen“ suchte. Heute zählt Renoon 400 Partner, darunter Pangaia, Stella McCartney, Vestiaire Collective, Luisaviaroma Sustainable, Net-Sustain sowie Yooxigen, und verlinkt auf mehr als eine Million Modeprodukte. Zudem kann der User über die App entsprechend seiner eigenen Nachhaltigkeitskriterien Looks personalisieren sowie Einblicke in Modemarken und deren Produkte gewinnen. Es können Listen mit Lieblingsmarken und Produkten von verschiedenen Websites sowie ein eigener Feed erstellt werden. Zu guter Letzt kann sich der User auch in der Community über Nachhaltigkeit in der Modewelt austauschen. www.renoon.com

Der Filter heißt Nachhaltigkeit: Die App Renoon bündelt das Angebot aus einer Million nachhaltiger Produkte.



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AYMS

REFLEKTIERT

North Sails zeigt in seiner Kampagne die Schönheit der Natur und gleichzeitig die Fragilität der Ökosysteme auf unserem Planeten.

North Sails Apparel

BEWUSSTSEIN SCHAFFEN Unternehmertum verpflichtet. Heute gibt es in 65 Ländern über 4.000 zertifizierte B Corporations, die sich in ihren Statuten zu gesellschaftlichem Mehrwert bekennen. Die in Mailand ansässige Marke North Sails Apparel ist seit dem vergangenen Sommer als B Corp zertifiziert. „Eine B Corp zu werden, bedeutet, finanziellen Zielen das gleiche Gewicht beizumessen wie den sozialen und ökologischen. Wir sind sehr stolz, diese globale Zertifizierung erhalten zu haben, und hoffen, dass unser Engagement eine Inspiration für andere Unternehmen ist und kommende Generationen beeinflusst. Wir alle sind dafür verantwortlich, dass das Unternehmen sich sowohl auf den Gewinn als auch auf den Planeten und die Menschen konzentriert“, erklärt Marisa Selfa, CEO von North Sails Apparel. Darüber hinaus engagiert sich North Sails als Unterstützer von Umweltaktivisten und Projekten zum Schutz der Ozeane. In der aktuellen Kampagne „Go Beyond“ macht die Meeresbiologin und Fotografin Cristina Mittermeier im Eismeer die Auswirkungen des Klimawandels sichtbar. www.northsails.com

Was die neue Activewear von AYMS ausmacht? Dass sie nichts dem Zufall überlässt, sondern bis ins kleinste Detail ausgearbeitet ist. Das zeigt sich in den bewusst platzierten, oft funktionalen Details. So ist ein reflektierendes Signet auch im Dunkeln sichtbar, was übrigens auch als Mindset-Message zu verstehen ist, sich selbst zu reflektieren. Das Signature-Logo findet sich auch an den Enden der Kordelzüge eingraviert. Gerippte Details wie etwa am Crewneck geben dem Design Struktur, ebenso wie ein Mock-Kragen beim Hoodie oder T-Shirt für Herren. Schweißbänder und Socken mit Signet vervollständigen die Kollektion ebenso wie eine Clutch und ein Shopper mit praktischem Reißverschluss. Zum Einsatz kommen Supima-Baumwolle und GOTS-zertifizierte Biobaumwolle, die von eigens entwickelten Hightech-PerformanceMaterialien ergänzt werden. Die Farbwelt bleibt mit Tönen wie Oil Green, Grey Melange, White und Black natürlich. Zeitloses Design und langlebige Qualität sind unabdingbar für die limitierte Kollektion, die damit ein Statement für bewussten Konsum setzt und die Martina Schmidl konsequent ohne Saisonrhythmen und ohne Sale konzipiert hat. Sie startet ab der ersten Auslieferung im Januar und Februar im ausgesuchten Fachhandel. www.join-ayms.com

Marisa Selfa ist CEO von North Sails Apparel.

Schuhe, Accessoires und Ready-to-wear von Axel Arigato ab sofort auch im eigenen Store der schwedischen Premiummarke.

Axel Arigato

STORE IN MÜNCHEN Es ist der fünfte eigene Store für die Sneakermarke aus Schweden, die im Eiltempo ganz Europa begeistert. In der Brienner Straße in Zentrumslage in München hat Axel Arigato eine 143 Quadratmeter große Shopfläche eröffnet. Minimalistisch und modern, fast wie eine Kunstgalerie – der perfekte Ort für die Premiumsneaker und die Ready-to-wear, um durch PoSPower noch mehr zur Marke zu werden. www.axelarigato.com

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AYMS steht für zeitgemäßen Konsum mit Verantwortung.


kashette.com Adventure Fashion Agency GmbH. Kaiserswerther Straße 214, 40474 Düsseldorf, T 0049 211 431049, A.Stalherm@adventure-gmbh.de


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Mey

SMARTER STOFF Die Serie Zzzleepwear von Mey wartet jetzt mit einer neuen, atmungsaktiven Celliant-Technologie auf, um die Qualität des Schlafs zu verbessern. So wird die Körperwärme in Infrarotenergie umgewandelt, reflektiert und anschließend wieder an den Körper zurückgegeben. Die Materialmischung von 75 Prozent Baumwolle mit 25 Prozent Celliant-Viskose sorgt für eine gute Klimaregulierung und für ein gutes Gefühl auf der Haut, ebenso wie die bequemen Schnitte der Nachtwäscheserie, die die Cosyness noch unterstützen. Von jeher steht das Familienunternehmen Mey auf der Schwäbischen Alb für die stetige Weiterentwicklung der eigenen Standards – und für besonders hochwertige und langlebige Produkte. www.mey.com

Spieltrieb geweckt: Journalisten und Meinungsmacher erleben den virtuellen Showroombesuch bei Think Inc. mit ihrem eigenen Avatar wie in einem Computerspiel.

Think Inc.

VIRTUELLE REALITÄT

Alle reden von Work-Life-Balance, aber dabei wird die Nacht vergessen: Die Serie Zzzleepwear von Mey bringt eine vielversprechende Produktinnovation heraus.

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Die Münchner Kommunikationsagentur Think Inc. von Holger Petermann und Maria Chiara Teza vertritt zahlreiche Marken aus dem Premiumsegment. Seit letztem April können Journalisten und Meinungsmacher den Showroom virtuell besuchen, allerdings ohne dabei auf persönliche Betreuung oder erlebnisorientierte Erfahrungen verzichten zu müssen. Die Oberfläche der Website ist im Stil eines 1990erJahre Computerspiels gestaltet. Nach dem Einloggen können die Besucher ihren eigenen Avatar gestalten und sich damit bewegen. Schon am Eingang wird man von den Mitarbeitern in Empfang genommen und mittels Video-Chat im Split-Screen-Modus individuell informiert. Aber damit nicht genug: Auch untereinander können sich die Besucher austauschen, wenn sich ihre Avatare auf dem Bildschirm zufällig über den Weg laufen – genau wie bei einer echten Begegnung. In den einzelnen Räumen können sich Journalisten, Stylisten und Influencer über Neuigkeiten der jeweiligen Kollektionen informieren, Bild- oder Textmaterial herunterladen und ihre Fotomuster-Bestellungen abgeben. Abgerundet wird das Infotainmentangebot u. a. durch Videos von Repräsentanten der Marken, die über die neuesten Highlights informieren, sowie wechselnden DJ-Live-Sets, die im Stream auf der Tanzfläche der virtuellen Agentur übertragen werden. „Alles, was erfolgreich ist, bearbeiten wir weiter. Nach der ersten Version unseres Think Inc. Virtual Spaces, der unsere Zielgruppe informiert, begeistert und auch vor allem zusammenbringt, haben wir die V2 des Virtual Spaces mit spannenden, neuen Funktionen und Features erweitert, die die Arbeitsprozesse beschleunigen und noch dazu Spaß machen. Das ist uns wichtig“, erklärt Holger Petermann. www.thinkinc.de



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Good News Agency

REISEN IN KREATIVE DIMENSIONEN

Blauer USA

DER ZUKUNFT ZUZWINKERN

Seit fünf Saisons vertritt die Münchner Agentur von Günter Passek das italienische Label Niu in Deutschland. Die Total-Look-Kollektionen erzählen in jeder Saison immer neue Geschichten von Frauen aus der ganzen Welt. Seit über 20 Jahren reist das Designteam in Länder wie zuletzt Kenia, Indien und Thailand, um sich für die Drucke, Schnitte, Farben und Texturen von den Menschen und Traditionen vor Ort inspirieren zu lassen. Ein besonderes Highlight sind die aufwändigen Brokatröcke, Modelle und It-Pieces aus Kanga-Stoffen, die mit viel Liebe zum Detail in Italien gefertigt werden. Die Kollektion wird nicht von großen Onlineanbietern, sondern ausschließlich über den Fachhandel verkauft. Marken: Anokhi, Bomboogie, European Culture, Flona, Niu, Skills & Genes, Viamailbag Good News Agency, München/ Deutschland, info@good-news-agency.de, @goodnewsagency

Viel Drive und eine höchst erfolgreiche Markenkonjunktur: Blauer USA ist auf Erfolgskurs. Selbstbewusstsein spiegelt auch die neue Kollektion wider. Sie zitiert die US-Police-History und zwinkert der Zukunft zu. Die beliebtesten Gewebe der US-Marke werden in einer noch größeren Farbpalette angeboten. Bei den Daunenjacken bewähren sich weiter Öko-, Sorona- und Repreve-Füllungen wie auch die Thermofix-Heißnähte für maximalen Schutz gegen Regen und Wind. An besonders kalten Tagen gibt Blauer USA für mit Daunen gefüllte Wendejacken, Nappaleder gefüttert, Schaffell oder Nylon mit Daunenfüllung die Bahn frei. Doch auch für die milden Wintertage ist Blauer USA gerüstet: Mit Westen, Fieldjackets, Overshirts oder Multitaschen- und Parkamodelle, die mit Sweats kombiniert werden. Generell hat der Komplettlook der Marke noch mal gewonnen. Mit Strick, Chinos, Shirts und Sweats komplettiert Blauer USA seinen Look. www.blauerusa.com

Stark in Jacken und immer erfolgreicher im Total Look: Blauer USA.

Ecoalf

PURISMUS UND PERFORMANCE

Abenteuerlust: Niu erzählt Geschichten von Reisen um die ganze Welt.

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Mit der Premiumlinie unter dem Titel 1.0 dringt das spanische Ökolabel nicht nur designtechnisch in neue Segmente vor. Auch die Leistungsmerkmale der Jacken erreichen neue Maßstäbe, die aus immer atmungsaktiveren, wind- und wasserabweisenden Stoffen gefertigt werden. Während das Design auf minimalistischer urbaner Outerwear und architektonischen Oversized-Konturen basiert, entsprechen die Materialeigenschaften der Jacken denen aus dem Bereich Sportperfomance. Inspiration für die Saison Herbst/ Winter 2022 sind der Nord- und der Südpol – die letzten unberührten und unverfälschten Gegenden auf diesem Planeten. Westen und Zipjacken werden aus Ecoalf’s Ocean Yarn gefertigt, das aus dem Meeresmüll Upcycling-Projekt stammt. Für Parkas und Jacken mit 5.000er Wassersäule kommen dreilagige sortenreine Stoffe aus 100 Prozent recyceltem Polyester in allen drei Schichten zum Einsatz, die sich später wieder vollständig recyceln lassen. Ecoalf baut seine Kreislauffähigkeit konsequent weiter aus und bleibt seiner Selbstverpflichtung treu, dabei stets transparent und integer zu handeln – for the Planet and the People. www.ecoalf.com

Reduziert auf das Wesentliche: Ecoalf setzt auf kräftige Farben und immer neue Materialentwicklungen.


mou-online.com


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Bomboogie

FASHION UND FUNKTION Bomboogie begeistert mit einer starken MarkenDNA. Die italienische Marke interpretiert nicht nur klassische Armeejacken immer aufs Neue, sondern bietet ein breites Angebot funktionaler Daunenjacken, Anoraks und Parkas. Die Obermaterialien unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung und verbinden Fashion- und Funktionsanspruch gleichermaßen. „Wir bieten mit Bomboogie eine sehr gute kommerzielle Einstiegspreislage für das Premiumsegment bei höchstem Qualitätsniveau. Mit Preislagen von 250 bis 450 Euro sind wir für den Kunden da, der bei Jacken für 1.000 Euro nicht mitmachen will. Die Produktqualität wird höchsten Ansprüchen gerecht und hält im Wettbewerb mit namhaften

Luxus- oder Sportmarken ganz locker mit. Die Silhouetten sind immer hochmodern, nicht ausgeflippt und haben gute Passformen“, sagt Denis Augustin von der Münchner Good News Agency, die in Deutschland den Vertrieb verantwortet. Zu den Highlights für Herbst/Winter 2022 zählen klassische Fieldjackets oder Mäntel mit ultraleichten Daunenjacken-Inlays, die als 2-in-1-Varianten, sowohl im Herbst als auch im Winter getragen werden können. Kunden können zwischen Modellen mit klassischer 90:10 echter Daunenfüllung oder synthetischer Primaloft-Füllung wählen. Außerdem werden eine Reihe von kurzen, mittleren und langen Damenmodellen aus extraweichem recyceltem Nylon gefertigt. www.bomboogie.com

Bomboogie übersetzt ArmyReferenzen in den modernen urbanen Kontext

Supreme Women & Men

FULL HOUSE

An den beiden Standorten werden im Rahmen der Supreme Women & Men mehr als 800 Kollektionen für Frauen und Männer gezeigt.

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Mit einer großen Portion Expertise und Optimismus startet die Supreme in Düsseldorf und München unter den gleichen Bedingungen wie im Sommer in die kommende Saison. „Wie sehr unsere Orderplattformen gewünscht sind, zeigt sich durch die hohe Nachfrage nach Flächen der Agenturen und Marken. Wir begrüßen neben vielen bekannten Gesichtern wie u. a. Max Mara, Peserico, Dawid Tomaszewski, Susanne Bommer, JNBY, Simone Bruns, Patricia Pepe und Hemisphere sowie die Agenturen Select Studio, Udo Toepfer, Schumacher & Kubanek und Diebra Textil, viele neue Labels wie z. B. austriandesign.at, Day Birger Mikkelsen, Mon Margin, Schella Kann sowie die Agenturen block2block und Claudia May“, freut sich Aline Müller-Schade, Geschäftsführerin der The Supreme Group und fügt hinzu: „Trotz der ständigen Unwegbarkeiten und anhaltenden Engpässe in den Lieferketten während der Pandemie haben viele Einzelhändler diese Zeit mit Bravour gemeistert und wir können sehr froh sein, auch zukünftig in der D-A-CH-Region eine Einzelhandelsstruktur vorzufinden, die in Europa einzigartig ist. Unsere Handelspartner, mit denen wir in sehr engem Kontakt stehen, sind motiviert, in der kommenden Saison bei uns die Kollektionen zu sichten und zu ordern. Wir als Dienstleister wünschen uns einen fortführenden Dialog mit den Anbietern und Händlern, um weiterhin gemeinsam so gut zu agieren.“ Düsseldorf: 28. bis 31. Januar 2022, München 12. bis 15. Februar 2022, www.munichfashioncompany.com


Pitti Uomo Florenz 11.01. - 13.01.22 DRAHTHAUS Düsseldorf 10.01. - 25.03.22 Supreme Women Men München 12.02. - 15.02.22

Showroom DRAHTHAUS | Kaiserswerther Straße 137 | D 40474 Düsseldorf fon.: +49 - 211 45 97 60 | www.heubel.info | office@heubel.info


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BOB Company

ARTIST AT WORK

Lemon Jellys sind vegan und PETA-zertifiziert.

Was haben Künstler und das italienische Herrenlabel BOB Company gemeinsam? Für angesehene Kunst und gute Mode braucht es Handwerk und Leidenschaft und dies ist auch das neue Konzept für die kommenden Kampagnen der Marke aus der Nähe von Florenz: Künstler aller Arten mit den Kollektionen ausstatten und die zwei Welten ineinander fließen lassen. Einer der ersten Testimonials ist Martin Foot, Bildhauer aus Liverpool, der jetzt in Pietrasanta lebt. „Wir wollten keine Celebritys als Testimonials, sondern echte Menschen, mit echten Geschichten, die Aufregendes zu erzählen haben und mit BOB Company Werte wie Kreativität, Handwerkskunst, Spontanität und natürlich die Liebe zur Toskana teilen“, so Tommasi Bellini, Gründer der Marke. In der Herbst-/Winter-Saison 2022/23 zeigt die Marke Looks, die sich an Work­ wear anlehnen, Overshirts im Holzfällerstil und Hosen im Military-Look in Farben wie Ocker, Grün und Tabak. Auch beim Strick bleibt es abwechslungsreich: Gehäkeltes, Gestricktes, Buntes und viele Muster. Und natürlich alles made in Italy. www.bobcompany.it

Lemon Jelly

VEGAN FASHION BOOTS Die unverwechselbaren Gummi-Chelsea-Boots für Frauen und Kinder von Lemon Jelly sind ein Dauerbrenner. Jetzt legen die Portugiesen mit neuen High-Fashion-Modellen nochmal einen Zahn zu. Für Herbst/Winter 2022 gibt es zahlreiche Varianten mit voluminösen, aber ultraleichten EVA-Sohlen – teilweise mit extra grobem Profil. So zum Beispiel den hohen Chunky Booty mit Stretcheinsatz außen und innenliegendem Reißverschluss oder als hohe Chelsea-Boot-Variation mit extradicker Sohle und aufwändigem Neopren-Inlay. Dazu kommen vier neue Modelle mit synthetischem Futter. Wie immer darf bei Lemon Jelly auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Deshalb entstand eine Kooperation mit der hauseigenen Medizinschuhmarke Wock mit antistatischen und antibakteriellen Cloques Slippern inklusive Kuschelfutter und Aufsteckbärchen zum Preis von 79 Euro. Die Fashionlinie mit Verkaufspreisen von 110 bis 179 Euro wird genau wie die Basics im eigenen Werk in Portugal gefertigt, das ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgt wird. Viele Komponenten stammen aus recyceltem Material. Kunden, die bereits die Fashionlinie von Lemon Jelly verkaufen sind u. a. Breuninger, Fashionette oder Kastner & Öhler. Für den Vertrieb in Deutschland und Österreich ist Roshan Paul mit seiner Agentur Rosh Studio aus München zuständig. www.lemonjelly.com

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Seine Geschichte erzählt BOB Company mit echten Menschen wie dem Künstler Martin Foot, der in der Toskana lebt.



JETZT

Wunderfell

BREITGEFÄCHERT

Sie basiert auf dem wohl ältesten Outdoor­ stoff der Welt: Lodenwear ist eine ikonische Produktserie aus dem Hause Steiner 1888, die einen extrem leichten und wasserfesten Loden urban interpretiert.

Zur Herbst-/Winter-Saison 2022/23 bringt Wunderfell sowohl cosy Boho-Styles aus langem, kuscheligen TigradoFell, sportliche Biker-Jackets und Hoodies als auch klassisch zeitlose Merino-Mäntel und -Jacken heraus. „Die Nachfrage einer jüngeren Zielgruppe steigt“, so Dirk Nienaber, Designer Wunderfell. „Entsprechend haben wir unser Angebot ausgeweitet.“ Besonders innovativ sind ein butterweicher Lacon Agneau und Islandfelle, die in Spanien gegerbt werden. „Die Gerberei nutzt innovative Gerb-, Färbe- und Bearbeitungsprozesse, um die Qualitätsstandards umweltverträglich zu machen. Der Herstellungsprozess sorgt dafür, den Wasser-, Chemie- und Energieverbrauch drastisch zu reduzieren; das Wasser wird zu 100 Prozent gefiltert. Die Herstellung erfolgt komplett in Europa.“ www.wunderfell.com

Luxuriös und so nachhaltig wie möglich: die Jacken und Mäntel von Wunderfell, zu VK-Preisen zwischen 1.200 bis 2.500 Euro.

Lodenwear

„UNSERE WURZELN SIND SO MODERN“ Johannes, mit Lodenwear präsentiert ihr ein modernes One-Piece-Konzept, das den Loden noch einmal auf eine ganz neue Ebene hebt. Johannes Steiner, Inhaber von Steiner 1888: Lodenwear ist ein modernes, urbanes Produkt, das wir bewusst aus unserer Steiner 1888 Kollektion herauslösten. Es wird einen eigenen Vertrieb für dieses Produkt geben und wir arbeiten statt mit einer ganzen Kollektion mit einzelnen Ikonen, die für immer Bestand haben sollen. Christian, kannst du die Magie der Lodenwear erklären? Christian Weber, Designer Lodenwear: Wir haben es geschafft, einen hauchdünnen, ultraleichten Loden zu entwickeln. Er basiert auf dem sogenannten Greifenberg-Loden von Steiner, ein typischer Regenschirmloden mit einem Strich, der Wasser abperlen lässt. Unser erstes Produkt, den Raincoat, kann man so klein falten, dass er in einem A4-Kuvert Platz findet. Mit seiner modernen Unisex-Silhouette ist er perfekt für den urbanen Einsatz. Leicht, knitterfrei, wind- und wasserdicht und das alles bei einer natürlichen Wollbasis. Eine kleine Nylonbeimischung allerdings sorgt dafür, dass der Stoff offenkantig verarbeitet werden kann, was Gewicht und Volumen spart. Wo wird produziert? Christian Weber: Der Stoff in Steiners Manufaktur in der Steiermark, verarbeitet wird er in einem Familienbetrieb in Norditalien. Alle Details sind extrem hochwertig. www.lodenwear.com

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Sebastian Klinder freut sich über den Rückhalt aus der Branche.

Auf Tuchfühlung: In München erwarten die Besucher wieder mehr als 1.100 Kollektionen auf der Munich Fabric Start und Bluezone.

Munich Fabric Start

KOMPLETT AUSGEBUCHT Die Besucher der kommenden Munich Fabric Start im MOC und der Bluezone in der benachbarten Zenith Halle können sich auf eine rundum sichere und inspirierende Fachmesse mit voll ausgebuchten Hallen auf Vor-Pandemie-Niveau freuen. Sebastian Klinder, Managing Director Munich Fabric Start: „Wir sind überwältigt! Mehr als 600 Anbieter aus 33 Ländern haben sich zur

Munich Fabric Start registriert, darunter mehr als 90 internationale Denim-Supplier zur Bluezone. Dieser beeindruckende aktuelle Stand und der enorme Rückhalt aus der Industrie ist in dieser Ausnahmesituation ein Meilenstein und alles andere als selbstverständlich. Momentan planen wir hinsichtlich der Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen mit einer 2G+ Regelung.“ Ein umfängliches Eventprogramm mit Vorträgen und Panel-Talks von Industrieexperten wird den Besuchern an den drei Messetagen Einblicke in die neuesten Trends und Themen rund um nachhaltige Alternativen, digitale Lösungen und zukunftsweisende Innovationen bieten. Munich Fabric Start, 25. bis 27. Januar 2021, Bluezone, 25. bis 26. Januar 2021, www.munichfabricstart.com


ROSHAN@ROSH.STUDIO WhatsApp +49 151 54753686 www.rosh.studio PREMIUM FAIR - 18.01 - 20.01 - HALLE 3.1 - STANDNR. 3.1 H05 SUPREME MÜNCHEN - 12.02 - 15.02 - HALLE 5 - STANDNR. A510 SHOES DÜSSELDORF - 06.03 - 08.03 - KALTSTAHLHALLE - STANDNR. B03


JETZT

Neonyt

„WAS BEDEUTET NACHHALTIGKEIT IN ZUKUNFT?“ Bettina Bär, Sie treten an, eine Messe weiterzuentwickeln, die First Mover im Nachhaltigkeitsbereich ist. Was ist Ihre Vision? Bettina Bär, Show Director Neonyt und Value: Ja, wir waren und sind First Mover und treten mit diesem Anspruch auch in Frankfurt an. Neonyt und Fashionsustain sind erfolgreiche Formate, die physischen Ausgaben haben den Leuten gefehlt und wir freuen uns, dass es jetzt eine erste Chance gibt, wieder von Angesicht zu Angesicht zusammenzukommen. In der Vision der Neonyt wollen wir stets einen Schritt weiterdenken: Was ist unser Narrativ, wenn das, was wir mit dieser Messe anschieben und fördern wollen, Realität wird? Also, wenn Nachhaltigkeit in dieser Industrie Standard geworden ist? Das ist ein sehr spannender Diskurs und ich bin mir sicher, dass wir darauf gemeinsam mit der Neonyt Community eine gute Antwort finden. Stichwort Community: Vergrößert die Neonyt bei dieser Ausgabe ihre Strahlkraft, werden auch internationale Buyer nach Frankfurt geholt, für die dieses Segment interessant ist? Das ist auf jeden Fall das Ziel und darin ist das Messe Frankfurt Team ja auch erfahren. Mit unserem starken Netzwerk, internationalen Tochtergesellschaften und Sales-Partner-Offices tragen wir den Fashion-Spirit nicht nur in die Nachbarländer Deutschlands, sondern in alle Ecken dieser Welt – angesichts der pandemischen Lage werden wir bei der Januar-Ausgabe noch längst nicht unser ganzes Potenzial zeigen können, weil das internationale Reisen immer noch kompliziert bleibt. Zum Sommer sind wir uns aber sicher, dass die Frankfurt Fashion Week für alle Top-Buyer aus Europa auf der Agenda steht. Content und Marken erleben – erzählen Sie über diese Kombination … Von 18. bis 20. Januar bietet die Fashionsustain ein abwechslungsreiches Programm, das Marken wie Ecoalf, Deuter oder Pinqpong genauso in den Fokus rückt wie NGOs oder Organisationen wie die Fairwear Foundation, Grüner Knopf oder das UN Global Compact Netzwerk Germany. Auf der Neonyt, die komplett als 2G-Plus-Veranstaltung läuft, zeigen Marken wie Dawn, Dedicated, Deuter, Flamingo’s Life, Givn, Got Bag, Kuyichi, Mela, Mud Jeans, SKFK und viele weitere international relevante Marken aus dem nachhaltigen Clothing- und Accessoirebereich. Neonyt, 18. bis 20. Januar, Frankfurt am Main, www.neonyt.com

Bettina Bär leitet als Show Director die Messe Neonyt.

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Familiäre Strukturen, durchgängige Transparenz, volle Nachhaltigkeit: Woolish.

Deha

MOVE IT! Wer könnte Leisure- und Activewear besser als ein echter Spezialist? Aus dem Firmenverband der Meeting Group in Treviso stammt die Ballettmarke Deha, die längst nicht mehr nur Ballerinen kleidet. Highlights sind recycelte und kompostierbare Materialien, eine Seltenheit im AthleisureSegment. www.deha.com

Woolish

SUSTAINABILITYGEHEIMTIPP Strick aus Estland? Aber ja, die Region hat ein reiches Erbe und eine neue Generation international orientierter Marken wie Woolish tritt an, das mit modernen Nachhaltigkeitswerten zu vereinen. Mit der Haven Agentur feiert Woolish in dieser Saison Premiere im deutschen Markt. www.woolish.ee

Kein Start-up, sondern eine Marke mit soliden Wurzeln: Deha begeistert mit modischer Activewear.

Shoebizz

NEU­POSITIONIERUNG Die Vertriebsagentur Shoebizz der Familie Pfyffer ist seit jeher auf Schuhkollektionen aus Italien spezialisiert. Eines der wichtigsten Projekte der letzten Saisons ist die Neupositionierung von D.A.T.E, einem italienischen SneakerLabel. D.A.T.E steht dabei als Akronym der vier Gründer Damiano, Alessandro, Tommaso und Emiliano. 2005 hatten sie die Marke in Florenz mit der Idee gegründet, einen Turnschuh auf den Markt zu bringen, der sportlich und cool ist, gleichzeitig aber auch hochqualitative Materialien und das typisch italienische Design vorweisen kann. „Unsere Reise mit D.A.T.E hat kurz vor der Pandemie angefangen und war mit großer Unsicherheit verbunden. Wir haben aber die Chancen dieser Zeit genutzt und an der Neupositionierung der Marke gearbeitet und konnten tolle Neukunden wie Sigrun Woehr, Burresi oder Marandino für uns gewinnen. Das beweist, wie D.A.T.E zu einem raffinierten und anspruchsvollen Produkt geworden ist“, so Paco Pfyffer. Marken: D.A.T.E, Ernesto Dolani, Vic Matié Shoebizz GmbH, Hünenberg/Schweiz, info@shoebizz.ch, www.shoebizz.ch

Mit der Agentur Shoebizz auf Erfolgskurz: die Sneakermarke D.A.T.E aus Florenz.



JETZT

Nubikk

URBAN OUTDOOR Die holländische Marke Nubikk wurde 2012 gegründet und kombiniert Fashion und Komfort mit ihrem unverwechselbarem Design auf der Grundlage, dass man weder auf das eine noch das andere verzichten kann. Kunden haben zukünftig die Möglichkeit verkaufsstarke Highlights nachzuordern. „Zwei der wichtigsten Neuerungen sind der B2B Onlinezugang für Einzelbestellungen und der 72 Stunden Lieferservice von Bestsellern aus dem Lager in Holland. Ganz neu für die kommende Saison sind wasserabweisende und atmungs-

aktive Urban Outdoor Boots mit Vibramsohle, die Trekkingund Trail-Running-Features mit Fashion-Silhouetten kombinieren“, erklärt Roshan Paul von der Agentur Rosh Studio aus München, zuständig für den Vertrieb in der D-A-CHRegion. Fashion-Sneaker wie das Lightweight-Modell Ross Trek Edge, die hohen Ton-inTon Lederschnürstiefel Fae Aubine für Damen, die weißen Nubuk-Stiefel Jonah Dune für Herren oder die klassischen Stiefel Logan Harbor mit griffigen, klobigen, aber leichten Sohlen waren die Renner der letzten Saison. Unterstützung beim Abverkauf kommt von einer Berliner Influencer-Marketing-Agentur. Die VK-Preislagen für die Herbst-/WinterSaison reichen von 189 bis 249 Euro. Bestehende Kunden sind u. a. Kastner & Öhler, Bailly Diehl, Garhammer, Lochner Top Fashion, Palm in Heilbronn, Ingla Petera oder Mia Shoes. www.nubikk.com

Komfortable Crossover-Styles von Nubikk verbinden Fashion und Funktion.

Josh V

RUNDUM-LIFESTYLE Wie passt das Thema der Premium-Messe „Reform the Future“ in die Philosophie von Josh V? Josh Veldhuizen, CEO und Gründer von Josh V: Derzeit ebnen wir den Weg in eine nachhaltigere Zukunft. Wir tun dies, indem wir auf allen Ebenen bewusste Entscheidungen treffen. Wir arbeiten mit drei Fokusstoffen, um bis 2026 vollständig nachhaltig zu sein. Deshalb haben wir unsere Conscious Selection auf den Markt gebracht, eine Kollektion von Kleidungsstücken, für die wir nachhaltigere Materialien wie Biobaumwolle, recyceltes Polyester und Ecovero™ verwenden. Auch in allen anderen Bereichen beschäftigen wir uns damit, Produkte zu optimieren und nachhaltiger zu gestalten, zum Beispiel durch den Einsatz von weniger Verpackungen und nachhaltigeren Verpackungsmaterialien. Wir finden es auch wichtig, dass unsere Produkte unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Deshalb haben wir uns BSCI angeschlossen. Welche Stimmung vermittelt die neue Kollektion? Josh V ist für alle Frauen, die bei jedem Anlass stilvoll aussehen und sich stilvoll fühlen möchten – ein Tag im Büro, ein Abendessen mit Freunden oder der Familie oder ein besonderer Abendanlass. Der Stil der Kollektionen von Josh V zeichnet sich durch die Verwendung hochwertiger Materialien und

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selbst designter, luxuriöser Prints und speziell entworfener Knöpfe aus. Die Marke und ihre Kollektionen sind für die schmeichelhafte und bequeme Passform und ihre charakteristische Verwendung von Farbe in neutralen Tönen und monochromen Looks zugleich bekannt. Josh V liefert exklusiven Luxus und Qualität zu einem kommerziellen Preis. Für Herbst/Winter 2022/23 ließen sich unsere Designer von den 1970er- und 1980er-Jahren inspirieren. Bei Josh V bedeutet dies superraffinierte, aber auffällige Styles, darunter große Schulterpolster, Schlangenstiefel, Pied-de-Poule-Prints und ärmellose Blazer. In dieser Saison wird es darum gehen, wieder auf die Straße zu gehen und deine Weiblichkeit in deinen Looks zu zeigen! Als Unternehmerin konzentrieren Sie sich auf eine datengetriebene Strategie. Welche Auswirkungen haben diese Daten? Daten sind unglaublich nützlich. Wir sind vollständig datengesteuert; das gesamte Unternehmen arbeitet auf der Grundlage von Zahlen und analysiert diese. Wir wissen im Voraus, was sich sehr gut verkaufen wird und warum. Wir zeichnen uns durch vorausschauende Planung aus, und alle unsere Marketing- und Social-Media-Bemühungen sind Teil einer großen Matrix, die Daten verbindet und analysiert. Daran passen wir unsere Strategie an. Auch deshalb können wir den Händlern den höchsten Service bieten. Wir basieren nicht auf Gefühlen; wir basieren auf Fakten.

„Ich will andere Frauen inspirieren, ihnen helfen und sie stärken“, sagt Josh Veldhuizen, Gründerin und CEO der niederländischen Marke Josh V.





THE LONGVIEW

Elizabeth Spaulding

„Wir sind die Schnittmenge aus Technologie und Mensch“ Platztausch an der Spitze. Den Namen Elizabeth Spaulding verbindet man in den USA schon länger mit der Fusion aus Technologie, Innovation und klassischen Marktmechanismen – und seit Sommer 2021 mit dem gigantischen Entwicklungssprung des amerikanischen Onlineanbieters Stitch Fix, dessen Führung sie von Gründerin Katrina Lake übernahm – inmitten der Pandemie. Auf der Agenda der sympathischen Topmanagerin steht in erster Linie, die größte USP des Unternehmens unterstützt durch KI-Technologien und optimiertes Datenmanagement weiter auszubauen: den Perfect Fix. Gemeint sind fünf Produkte in einer Box, die an die Kunden verschickt werden. Dieser Fix ist das Geheimnis des Erfolgs, nämlich die Kombination aus datenoptimierten Grundinformationen gepaart mit dem persönlichen Beratungsservice durch einen Stylisten. Ein Alleinstellungsmerkmal im Markt, das es auszubauen gilt. Interview: Stephan Huber. Text: Isabel Faiss. Fotos: Stitch Fix

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ie übernahmen die CEO-Position bei Stitch Fix im August 2021 – keine ganz einfache Zeit. Wie war das? Elizabeth Spaulding: Das war spannend! Die Covid-Pandemie hat uns einmal mehr gezeigt, welch massiver Wandel sich in unserer Branche gerade vollzieht. Ich bin angetreten, die Vision zu formulieren, wie Stitch Fix seine Rolle im Einzelhandel der Zukunft spielen kann, vor allem angesichts seines wirklich einzigartigen Fokus auf Personalisierung, persönlichen Service und Algorithmen. Noch nie war das Anprobieren von Kleidung in den eigenen vier Wände so beliebt wie in den letzten zwei Jahren. Das Spannende für uns ist, dass wir jetzt die Führung für diese aufregende Vision, die wir vor uns haben, übernehmen. Hinsichtlich des Konsumverhaltens hat sich alles verändert. Das hat sich bei unseren Stammkunden, aber auch bei neuen Nutzern abgezeichnet. Daher erweitern wir jetzt unsere bestehende Plattform. Mein Ziel ist es, die weltweite Nummer eins für personalisiertes Shopping, Styling und modische Inspiration zu sein. Der pandemiebedingte Ausnahmezustand der letzten beiden Jahre hat nicht nur unsere Gesellschaft auf die Probe gestellt. Er hat das Konsumverhalten völlig neu definiert, Innovationen beschleunigt und endgültig belegt, dass die Zukunft von Daten bestimmt wird. Eigentlich gut für Sie und Stitch Fix, oder? Klar, es ist Teil meines Jobs, damit umzugehen, dass die Dinge nicht immer wie geplant laufen. Einer der Gründe, warum ich an Bord gekommen bin, war Katrina Lakes Entscheidung, die Zukunft von Stitch Fix aktiv zu gestalten. Mein Spezialgebiet war schon immer die Innovation, die Schnittstelle zwischen auf den Verbraucher ausgerichteten Technologien und traditionellen Geschäftsmodellen wie dem Einzelhandel und der Gastronomie – reale Touchpoints mit Bezug zum Kunden. Stitch Fix hat eine Schlüsselposition: Es arbeitet mit renommierten Marken, die genau diesen Hintergrund zu schätzen wissen. Was ich beobachte, ist, wie reine Tech-Plattformen momentan versuchen, sich am E-Commerce zu probieren, wahrscheinlich aber ohne den menschlichen Touch, ohne Persönlichkeit und Bezug. Der größte Vorteil, den ich aufgrund meiner Arbeit mit vielen verschiedenen Unternehmen erkannt habe, ist, dass Stitch Fix ein Alleinstellungsmerkmal hat: die Macht der engen Kundenbeziehung und des direkten persönlichen Kontakts kombiniert mit der Kern-DNA aus Datenmanagement und künstlicher Intelligenz. Mein Ausgangspunkt war: Wie könnten die nächsten zehn Jahre aussehen? Und das hat tatsächlich eine Art Schalter umgelegt und den Anstoß für diese sechs bis sieben Themenschwerpunkte gegeben, an denen wir jetzt ganz massiv arbeiten.

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Der massive Volumenshift ins Onlineshopping muss für Stitch Fix ein wahrer Segen gewesen sein. In erster Linie war es unglaublich hart, weil er inmitten einer Krise kam. Wenn Menschen durch schwere Zeiten gehen, sind sie adaptiver und agiler. Sie sind offen wie nie, nach vorne zu blicken, um Lösungen zu finden. Wir begannen uns zu fragen: Wie können wir unser großartiges Markenerlebnis neu erfinden? Wie expandieren wir in neue Gebiete und erneuern uns? Wie können wir heutige Lagermodelle auf den Kopf stellen? Welche Möglichkeiten gibt es, um mehr Kunden zu erreichen, sowohl in den USA als auch weltweit, um wirklich global aufzutreten? Die Zahlen aus dem Juni 2021 belegten, dass der Shift zu Onlinekonsum im Bereich Mode in den USA stetig stieg und sich im Vergleich zu vor der Pandemie um 25 Prozentpunkte mehr ins Internet verlagert hatte. Unser Markt hat diese neue Bestmarke erreicht, die sicherlich eine dauerhafte Verlagerung ist und sich bei langfristig 40 Prozent Anteil des E-Commerce am Gesamtumsatz etablieren wird. Dadurch konnten wir bei der Planung unserer Zukunft wirklich in die Offensive gehen. Wir haben tagesaktuelle Daten darüber, was unsere Kunden wollen. Zeitgleich mit der Verzehnfachung des Geschäfts haben wir viele Schwachpunkte des traditionellen Onlineshoppings aus dem Weg geräumt. Wir haben reagiert und neue Tools wie Fixed Preview entwickelt, wo der Kunde eine Vorschau seiner, wie wir es nennen, Fixes ansehen und zehn Artikel auswählen kann, bevor er sich entscheidet, was ihm davon zugeschickt wird. Diese Entwicklung ist mit dem Sprung von der DVD zum Streaming vergleichbar. Begonnen haben wir mit fünf Kleidungsstücken, die wir verschickt haben – das ist immer noch ein sehr überzeugendes Basismodell. Doch jetzt kann man seine ganz persönliche Garderobe in seinem eigenen Onlinestore mit Hilfe unserer Stylisten selbst zusammenstellen – momentan ist das nur in unserem amerikanischen Store möglich. All das kam durch diese neue Dynamik, die Covid beschleunigt hat und die es uns ermöglicht, uns noch schneller als ursprünglich geplant zu entwickeln. Mit dieser Strategie baut Stitch Fix aus, was es als einer der Ersten im Markt erkannt hat, wie viel Potenzial in der Personalisierung steckt. Welche Ideen sind bei Ihnen noch in der Pipeline, um den persönlichen Service weiter voranzutreiben? Wir haben Anfang letzten Jahres in den USA eingeführt, unseren Kunden die Möglichkeit zu geben, ihren eigenen personalisierten Store zu erschaffen –

Alles dreht sich um das kuratierte Erlebnis auf Basis der eigenen Vorlieben mit der Beratung, wie man alles als Outfit kombiniert.



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ein neues Tool namens Freestyle. Der Kunde gibt uns Informationen zu seinem Stil und Geschmack und wir erstellen anhand dieser seinen eigenen personalisierten Shop, in dem wir ihm trendige Outfits präsentieren, die auf diesen Angaben basieren. Wir sammeln auch Daten über unser In-App-Spiel Style Shuffle, ein „Daumen hoch, Daumen runter“ System für Artikel, die man per Wischbewegung bewertet. Rund eine Million Kunden spielt das im Monat. So haben wir über neun Milliarden Style-Shuffle-Bewertungen generiert – Tendenz steigend. Dieses wertvolle Tool verfeinert unser Verständnis für die Bedürfnisse unserer Kunden. Wie die Parameter sozialer Netzwerke haben wir hier Styleparameter, die uns helfen, die Präferenzen der Kunden in Bezug auf Design und Stil zu ermitteln. Das erst ermöglicht uns die personalisierten Stores für unsere Kunden, die auf den von ihnen bevorzugten Labels basieren. Alles dreht sich um das kuratierte Erlebnis auf Basis der eigenen Vorlieben mit der Beratung, wie man alles als Outfit kombiniert. Die Kunden können sich auch jederzeit auf einen Fix einlassen und die menschliche Note als Überraschungsmoment genießen, indem sie eine Box mit Fix-Artikeln erhalten, die von ihrem Stylisten für sie ausgewählt wurden. In Zukunft soll es noch mehr dieser Echtzeitinteraktion mit unseren Stylisten geben, die seit mehr als zehn Jahren das Herzstück unseres Geschäftsmodells sind. Das sind alles Themen, an denen wir arbeiten. Wir wollen der Store sein, mit dem man sich verbunden fühlt, hoffentlich mehrmals am Tag – entweder zum Shoppen oder für die Inspiration. In der Mode und auch beim Einkaufen geht es immer auch um Entdeckung und Überraschung. Kann ein auf Technologie basierendes System das so überhaupt abbilden? Wir sagen immer: Lasst Menschen tun, was sie am besten können. Und lasst die Algorithmen tun, was die am besten können. Davon testen wir ständig die Grenzen. Genau wie das Cockpit-Style-Tool, das unsere Stylisten verwenden, ständig hinterfragt, wie wir deren Arbeit noch effizienter machen können. Unsere Tools im Hintergrund nutzen alle Informationen, die wir über einen bestimmten Kunden haben, parallel aber auch aus unserem breiteren Kundenstamm. So helfen die Daten von über vier Millionen Kunden, ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, welche Produkte für einen Einzelnen passen könnten. Was das Einkaufserlebnis angeht, so experimentieren wir immer wieder mit Neuzugängen, die auf der Registerkarte eines Händlers angezeigt werden. Und letzten Oktober haben wir kuratierte Shops eingeführt, in denen Influencer Produkte aus unserem Sortiment vorstellen. Das ist komplett menschengemacht. Aber wenn man diese Produkte anklickt, generieren unsere Algorithmen sofort Outfits, die zu diesem Artikel passen würden, basierend auf dem persönlichen Geschmack des Users und dem, was wir von den Features wissen, die zu diesen Looks passen. Das Risiko künstlicher Intelligenz besteht darin, die Grenzen zu verschieben. Wenn es gut gemacht ist, dient es der Optimierung. Wir müssen hart arbeiten, um diese Überraschung und das Erleb102

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Wir wissen, wie hoch die Erfolgsquote eines Produktes ist, bevor wir es überhaupt verschicken.

nis zu bieten und um kreative Wege für den Ausbau unseres Modells zu finden. Das ist es, was Stitch Fix seit dem ersten Tag am besten kann, und ich denke, das unterscheidet uns von reinen Tech-Unternehmen. Wir sind die Schnittmenge aus Technologie und Mensch. Der menschliche Kontakt wird also auch in Zukunft das Zünglein an der Waage sein? Wir haben verschiedene Experimente durchgeführt wie Live-Chats mit unseren Stylisten, um herauszufinden, welche Interaktion wir am besten skalieren können. Daraus lernen wir im Moment. Das ist eine komplexe Frage der Customer Journey. Für unsere Kunden könnte so ein Tool vielleicht ein- oder zweimal pro Jahr eine tolle Erfahrung sein, weil sie wirklich artikulieren können, wonach sie suchen. Wir können so auch Daten erheben, die wir noch nicht kennen, und unsere Kunden können mit einer realen Person interagieren, brainstormen und sich persönliche Beratung holen. Ich meine, stellen Sie sich vor, unsere Stylisten hätten ihren eigenen Content Feed, der dabei berät, wie man Looks kombiniert. Live-Videos sind zwar noch nicht Teil unserer Media Roadmap, aber sie spielen zukünftig sicher eine noch größere Rolle. Diese Form der Stilberatung eröffnet der Mode ganz neue Möglichkeiten und es sind Dinge, die in absehbarer Zeit nicht durch Algorithmen ersetzt werden können. Aber sie tragen wesentlich zur Philosophie unseres Geschäftsmodells bei. Also ist Stitch Fix gelungen, auf ausgerechnet DAS Alleinstellungsmerkmal des stationären Modehandels – nämlich die persönliche Beratung von Mensch zu Mensch – im Onlinebusiness eine Lösung zu finden, die wirklich kompetitiv ist? Genau so ist es. Dieses Gefühl von menschlicher Verbundenheit, mit guten Tipps und einer Art Bestätigung, immer gepaart mit Entdeckungen. Für mich ist es nach wie vor entscheidend, wie wir dieses Momentum aufgreifen und für jeden User mit einem Klick zum Leben erwecken. Und das auf eine Art und Weise, die unglaublich relevant und persönlich ist. Der Service und die Beratung sind unser Alleinstellungsmerkmal. Onlineshopping funktioniert noch überwiegend such- und filterbasiert. Das ist weder persönlich, noch beinhaltet es Überraschung oder Emotion. Für Stitch Fix haben wir die maßgeblichen Parameter identifiziert, die unserer Meinung nach für erfolgreiches Onlineshopping wichtig sind – und das ist die Blaupause für unsere Zukunft.


SUSTAINABLE PREMIUM KNITWEAR SINCE 1973 A/W 2022-23 WWW.PHILPETTER.COM


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Die meisten E-Commerce-Plattformen suchen immer noch verzweifelt nach Wegen, die menschliche Note hinzuzufügen. Denn die fehlt, wenn man nur auf die Technik setzt. Richtig. Ein wichtiger Indikator für das Vertrauensverhältnis und den persönlichen Charakter von Stitch Fix ist die Menge der Daten, die unsere Kunden proaktiv mit uns teilen. Für 85 Prozent der Produkte, die wir verschicken, erhalten wir direktes Feedback. Für mich ist die Tatsache, dass sich die Leute so intensiv mit Style Shuffle beschäftigen und dass ein großer Prozentsatz unserer Kunden Kommentare an ihre Stylisten schreibt, die uns mit Trendinformationen versorgt, ein Zeichen von großem Vertrauen. Aber es ist auch ein unglaublicher Datenschatz für uns, den wir verstehen müssen, um bessere Angebote und Erlebnisse zu kreieren. Wir wissen, wie hoch die Erfolgsquote eines Produktes ist, bevor wir es überhaupt verschicken. Unsere Stylisten verschicken beispielsweise Teile mit einer 15-prozentigen Erfolgswahrscheinlichkeit und dazu einige, die zu 80 Prozent gut angenommen werden. Vielleicht wird der Versuch mit den 15 Prozent ein Riesenerfolg, vielleicht nicht. Aber es zeigt, dass wir auch bereit sind, unsere eigenen Grenzen zu überschreiten. Es wird immer intensiver darüber diskutiert, ob oder wie unser Konsumverhalten hinsichtlich Klimaschutz noch zu rechtfertigen ist. Auf der anderen Seite ist Konsum die Grundlage für Innovation und Entwicklung. Ist ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Positionen ihrer Meinung nach möglich? Kann das Dilemma durch Technik gelöst werden? Mich an unserem Geschäftsmodell wirklich begeistert, dass es für Konsumenten gedacht und gemacht wurde. Und es hat das Potenzial, in unserer Branche ein Umdenken zu bewirken. Wir nutzen Kundendaten, um bessere Produkte zu schaffen. Grundsätzlich sollten alle Produkte anbieten, die Kunden wirklich wollen und das in entsprechender Menge. Wir haben viele Eigenmarken, die in jedem Ranking führen, denn sie basieren darauf, dass wir gezielt produzieren, was wir anhand der Daten über Schnitte, Materialien und Qualität wissen. Mit dem Tool Design the Line können wir einzelne Produkte unseren Kunden zeigen, bevor wir produzieren, was uns eine große Sicherheit garantiert. Schon jetzt teilen wir den Großteil unserer Daten mit unseren Partnern, um zu erreichen, dass sie deutlich weniger und weitaus passendere Produkte produzieren. Allen Designermarken, mit denen wir zusammenarbeiten, haben wir das Ziel gesetzt, bis 2025 so nachhaltig wie möglich zu sein. Und wir haben unsere eigene Produktion in

Wir nutzen Kundendaten, um bessere Produkte zu schaffen.

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Das Businessmodell mag auf neuester Technologie und cleverem Datenmanagement basieren, doch die modische Stilkompetenz ist und bleibt der Sweet Spot bei Stitch Fix – und in den medienwirksamen Imagekampagnen (s. o.). Persönliche Beratung und Service sind die Essenz, die Elizabeth Spaulding als neue CEO noch weiter ausbauen will.

Pennsylvania. Erst letzte Woche haben wir zudem eine neuen Linie gelauncht, in der alle Produkte nachhaltig produziert werden. Unser Geschäftsmodell hat wirklich einige Aspekte, die eine Win-win-Situation für unsere Kunden und Partner darstellt – vom Klimaschutz ganz zu schweigen. Parallel zur Personalisierung erleben wir derzeit, wie die Gamification – und die dahinterstehende Technologie der Gaming-Plattformen – enorm an Einfluss gewinnt. Entstehen hier gerade neue, superstarke und einflussreiche Akteure in der Modebranche? Das ist eine sehr gute Frage! Denken sie nur an Fortnite oder Roblox. Die Entwickler dieser Plattformen erschaffen gerade ein extrem spannendes Umfeld. Wir haben definitiv die Vision, die Sichtweise, das Feedback und die Vorlieben unserer Kunden auf ansprechendere Weise zu erfassen, und Gamification ist eine tolle Möglichkeit, dies zu tun. Momentan übernimmt diese Aufgabe unser Style Shuffle. In Zukunft könnte Gamification aber auch dazu führen, dass Verbraucher bei der Gestaltung von Marken mitwirken oder live Feedback zu Produkten geben. Letztendlich wollen die Menschen Teil einer breiteren Konversation sein, und ich denke, es wird faszinierend zu sehen sein, wie die Modeindustrie mehr Möglichkeiten dafür schafft.



MODE

„WIR DENKEN DIE HOSE IN DIE ZUKUNFT“ RAFFAELLO ROSSI

Nach entbehrungsreichen Zeiten haben die Konsumentinnen wieder richtig Lust, sich gut anzuziehen. Was hält Raffaello Rossi für sie bereit? Brigitte Schellenberger, Head of Product Management und Gründerin Raffaello Rossi: Vor allem tolle neue Materialien, in denen die Kundin sich gern zeigen möchte. Das sind glänzende Oberflächen wie zum Beispiel gecoatete Lederoberflächen und veganes Leder mit einer shiny Optik. Ebenso kommt Dekoration wieder mehr ins Spiel, wobei die Farbe Gold eine wichtige Rolle spielt. Unser Key-Piece in der Kollektion: eine weite gerade Hose in einem wunderbar fließenden Lurex-Jersey. Auch bei den Silhouetten gibt es neben der körpernahen Skinny sehr weite, fließende, gerade Hosen; die Bandbreite ist groß. Zugleich ist das Bedürfnis nach Cosiness geblieben. Ja, die Kundin hat nach wie vor das Bedürfnis, sich gemütlich und bequem zu kleiden. Dafür bieten wir ihr supersofte, kuschelige Flanelle an, die leicht und schön elastisch sind. Die Farben sind natürlich und edel, mit Wollweiß und hellen Grautönen. Das Warenbild ähnelt einer Strickoptik und die Silhouetten sind auch weit und lang oder leicht verkürzt. Ultrabequem und angezogen zugleich lautet das Credo. Was noch ist modisch unverzichtbar? Unser Thema Retrotransformation, das von den 1970er-Jahren inspiriert ist. Mit Cord und JerseyJacquards in grafischen Mustern wird es in die Zukunft gedacht, in Silhouetten wie Bootcut oder Flared. Die Farben sind ausdrucksstark wie zum Beispiel ein warmes Orange, Grün und Lila. Unsere Denims runden die Kollektion ab, wobei die neuen Silhouetten ein weiteres Highlight sind: Neben der Skinny kommen ganz stark gerade lange Formen sowie eine weite Flared und eine O-Shape Denim. Die Vielfalt zu kreieren, macht uns gerade enorm viel Spaß!

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Ultrabequem und angezogen zugleich: Diesen Spagat schafft Raffaello Rossi.


MODE

„Dieser Style ist nicht kopierbar. Mit Barb’one spielen wir hinsichtlich Nachhaltigkeit, dem Qualitätsversprechen made in Italy und dem Designanspruch in der Championsleague der Premiumsportswear.“ Valentino de Luca, Barb’one

Die volle Power der Nische erkannt: Barb’one steht für ikonische Upper Casual Looks mit Einzigartigkeitsfaktor.

Vintage at it’s best: Gewaschene Denims und authentische Military-Looks aus Originalstoffen sind das Herzstück der neuen Kollektion.

• Alle Produkte sind GOTS-zertifiziert und lokal gesourct. Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil der Philosophie von Barb’one. • Produziert wird an prominenter Adresse: Auf das Know-how der Familie Moretti in Urbania vertrauen auch Marken wie Louis Vuitton, Balenciaga, YSL oder Loewe.

NEXT LEVEL! Es begann mit einem kontrastierenden Streifen entlang des Hosenbeins. Absolut authentisch, komplett entspannt, einfach so. Barb’one hat sich vom Spezialisten für Hosen zur Marke entwickelt, die ihre ganze Power gerade in der Nische entfaltet: Das ikonische Designelement des Streifens gepaart mit der legeren Easyness und der unwiderstehlichen Lässigkeit eines italienischen Sportswear-Looks bestehend aus Hosen, Jacken und Westen für Männer und Frauen. Produziert wird ausschließlich in Italien mit Exzellenzpartnern wie dem Familienunternehmen Moretti in Urbania. „Das hat natürlich seinen Preis“, sagt Valentino de Luca, der sich mit Barb’one gezielt dem Joch von Preisdruck, Trends und saisonalem Wechsel widersetzt und außerhalb des Mainstreams Zeitloses designt. Aktuell liegt sein Fokus auf Jacken aus alten Militärjackenstoffen, gefüttert mit wattierten Nylon-Stepp-Futtern. Dazu kommen grob gewaschene und gepatchte Denims in lässigen Schnitten.

BARB’ONE

Die neue Herbst-/ Winter-Kollektion 2022 wird über die Showrooms der Agentur Prins-Juric vertrieben. style in progress

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„WIR WOLLEN LIEBLINGSJEANS KREIEREN” The Nim Damen hat in der letzten Saison die Herren überflügelt. Wie hat die Womenswear das geschafft? Claudio Parolini, Inhaber The Nim Standard: Beide Kollektionen waren super stark, aber die Damen vielleicht noch etwas mehr auf dem Punkt. Wir konnten das Feedback der Kunden aus den vorherigen Saisons gut umsetzen, so ist uns auch das Zusammenspiel unterschiedlicher Styles in authentischen Waschungen gelungen; ein American Denim Look made in Italy! Es war aber auch so, dass die Händler der Damengeschäfte mutiger waren. Sie wollten neue Styles, einfach schöne Teile für ihre Kundinnen. Da wurde unsere Experimentierfreude belohnt. Wie spielt ihr das für die neue Herbst-/Winter-Saison weiter? Indem wir darauf aufbauen, mit innovativen neuen Styles und Fabrics. Denim bleibt im Fokus, denn wir sind Jeanser und bleiben es auch. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, unseren eigens gesetzten Standard zu verbessern und für jeden Endverbraucher die Lieblingsjeans zu kreieren. Das kann eine Bootcut, Flared oder ein Balloonstyle sein, für Herbst-Winter in Midblue und Darkblue. Die Jeans werden mit Shirtjackets aus Denim und aus Cord ergänzt, ohnehin war das Shacket im Sommer ein Bestseller. Cord ist eine super Ergänzung der Kollektion, weshalb wir auch am PoS spannende Looks präsentieren können, denn wir wollen definitiv weiter an der Gesamtaussage arbeiten. Was magst du speziell am kreativen Prozess, was treibt dich an? Ich liebe es besonders, kleine Capsules gemeinsam mit unseren Partnern zu erarbeiten. Das kann ein Produzent sein, mit dem ich spannende Fabrics und Styles entwickle, die so umweltfreundlich wie möglich sind. Das kann aber auch ein Händler sein. Diese Partnerschaften mit tollen Menschen, die genauso viel Spaß an der Marke haben wie wir, machen The Nim Standard mit aus.

THE NIM STANDARD

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MODE

„Wir gehen den Weg der Nachhaltigkeit weiter.“

Der Winter wird mit Canadian Classics bestimmt nicht grau. Die Modelle der kommenden Kollektion sind bunt, jung und zeigen alle Arten innovativer Shapes und Styles. „Das Designerteam hat das nächste Level erreicht und Teile kreiert, die wirklich einzigartig sind. Man denke z. B. an die gewobenen Modelle, die Intrecciati: lange und kurze Westen sowie Jacken und Mäntel aus handgeflochtenen Daunentubes, die von der Optik wirklich neu sind und cool rüberkommen“, so Simone Ponziani, CEO von Artcafts International S.p.a., dem Mutterunternehmen der Jackenmarke aus Florenz. Ausgebaut wurde die Serie Eugenie: Hier findet man cropped und puffy Styles in Anlehnung an die 1990er-Jahre, aber auch Egg-Shape-Jacken. Wie immer alles in vielen unterschiedlichen Farben und Mustern, wie z. B. im exzentrischen Animalprint und teilweise auch mit recycelten Materialien. „Wir gehen den Weg der Nachhaltigkeit weiter und sind sehr stolz, dass wir immer mehr Teile aus regenerierten Stoffen und Füllungen anbieten können. Mittlerweile haben wir auch viele der Modelle in veganem Leder im Programm“, erzählt Ponziani weiter. Ein Hingucker bleiben die Nuvolati (abgeleitet vom italienischen Wort Nuvola – Wolke): ein Hauch an Jacken in unterschiedlichen Modellen und wolkenhaften Farben.

CANADIAN CLASSICS

EIN EYECATCHER SIND DIE INTRECCIATI-MODELLE AUS HANDGEFLOCHTENEN DAUNENTUBES.

D Preis as gute Verh -Leistung ält snet C nis zeich a n a d Clas sics ian aus.

NEUE SHAPES, NEUE NUANCEN

• Innovative Shapes & Styles • Serie Eugenie wird ausgebaut: cropped, puffy und egg-shaped • Immer mehr recycelte Materialien

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MODE

„ZUKUNFT GRÜNDET AUF WURZELN“ Ein italienischer Familienbetrieb, der mit Innovation und Service punktet. Tombolini setzt auf moderne und funktionale Konfektion, die trotzdem ihren Wurzeln Tribut zollt.

Silvio, was unterscheidet Tombolini von anderen Herrenmarken? Silvio Calvigioni Tombolini, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb Tombolini: Mein Großvater sagte immer: „Zukunft gründet auf Wurzeln.“ Unumstößlich ist für uns das Made in Italy und so stellen wir komplett in den Marken her und können Werte wie Schneiderkunst, Technologie, Innovation und Nachhaltigkeit sicherstellen. Unsere Familie ist traditionell und kreativ zugleich, wir bringen eine reiche Erfahrung bei Herrenkollektionen ein. Die Summe aus all dem vermag dann auch den anspruchsvollsten Kunden zu überzeugen. Denn sich zu kleiden, ist nicht nur eine simple Handlung, es ist Kunst. Erzählen Sie uns mehr über die beiden Kollektionen Zero Gravity und Running. Durch den Einsatz neuer und hochmoderner Maschinen und Verarbeitungstechniken produzieren wir Kleidungs-

TOMBOLINI

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stücke, die nur noch 300 Gramm wiegen – das ist Zero Gravity: Eine luxuriöse Kollektion zu erstaunlich guten Preisen, die es aber auch als „Su Misura“ gibt. Bei der TMB Running-Kollektion hingegen schaffen wir einen Hybrid aus Sport und Konfektion. Ein Anzug aus Stretchmaterial, in dem man tatsächlich auch Laufen gehen könnte. Das begeistert selbst die Spieler der AS Roma, die diesen Anzug in Blau bei allen offiziellen Anlässen tragen. Die Highlights der nächsten Kollektion im Word-Rap. Wir sind Pitti-Uomo-Rückkehrer, zeigen dort Tombolini und Zero Gravity. Unser Highlight ist die Linie Zero Impact: Ein Anzug aus innovativen Stoffen, der in der Waschmaschine gewaschen werden kann. Außerdem ein 100 Prozent biologisch abbaubares Sakko, nachhaltig in all seinen Teilen, Bügel und Etiketten mit eingeschlossen. Und nicht zu vergessen, der Anzug aus RYC, aus recycelten und wieder recycelbaren Materialien. Was erwarten Sie vom D-A-CH-Markt? Wir wollen unsere Position in all unseren Märkten festigen, die D-A-CHArea spielt dabei eine wichtige Rolle. Nach nur drei Saisons ist er unser absatzstärkster Markt in Europa geworden. Die Zusammenarbeit mit der Elvis Giglione Fashion Agency ist ein voller Erfolg, unser sehr strukturierter Service mit NOS-System für einige Produkte stößt auf hervorragendes Echo bei den Kunden.


MODE

KULTBOOTS Wilde Natur trifft auf luxuriöse Handwerklichkeit: Die ethnisch inspirierte Kollektion Mou aus London wird im Herbst-Winter 2022 konsequent weiterentwickelt. Der wärmende Tragekomfort ist immer Ausgangspunkt. Hinzu kommen ideenreiche und ausdrucksstarke Designs, denen der Spaß an extrovertiertem Styling anzumerken ist und die die Marke unverwechselbar machen. Die Styles sind noch vielfältiger, so werden die Klassiker von Mou mit klobigen Clogs mit oder ohne Riemen, kuscheligen Pantoffeln aus gelocktem Schafsfell und zünftigen Schneestiefel auf zwei Höhen ergänzt. Die wichtigsten Farben der hochwertigen Schafsleder? Neben sanften Naturtönen und Pastellen, Schwarz und Weiß, sind sie in dieser Saison satt und kräftig, wie elektrisierendes Gelb, Königsblau oder Orange. Besondere Hingucker sind Metallic-Colours wie Silber, Bronze, ein gebranntes Rot oder ein kräftiges Grün. Für weitere Spezialeffekte sorgen Leder, deren Optiken an Kelimteppiche erinnern, oder kuschelige Teddymaterialien. Überhaupt lohnt jedes Detail einen zweiten Blick, zum Beispiel neue Nahtführungen in Regenbogenfarben oder in kontrastfarbiger Wolle, die die typische Crochet-Naht von Mou variieren. Wohl zu Recht wird die 2002 von Shelley Tichborne gegründete Marke weltweit für ihre Einzigartigkeit geliebt. Jeder Entwurf offenbart handwerkliche Hingabe, die Liebe zur Natur, nachhaltiges Sourcing und eine ansteckende Begeisterung für Fashion.

MOU

WILDE NATUR TRIFFT AUF EKLEKTISCHEN CITYSTYLE: MOU VEREINT STILSICHER DAS SCHEINBAR UNVEREINBARE.

ist Mou m für y n dSynolität, Han se riö na Origi und luxu lien. a i k wer urmater Nat

• Fashionable, bequem und warm zugleich: Modeliebhaberinnen bauen ihr Outfit rund um das Schuhwerk von Mou. • Wiedererkennungsmerkmal der trendigen Boots: die handgenähte Crochet-Naht.

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MODE

• Ausgebaut: Das Angebot an Sweats und Shirts – zum Beispiel mit einem Langarm-Shirt zum Drunterziehen. • Natürlich funktional: Alle Materialien sind natürlichen Ursprungs und können unterschiedliche Funktionen vorweisen; High-Tech kann auch durchaus ohne Kunstfasern stattfinden.

und mere Cash ualitäten ck noq Meri s Herzstü a d n. sind Kollektio r de

So viel Kreativität steckt in Strick: Chevron-Perlmuster, Ottoman-Wellen, Patentstrick oder urbane Zopfmuster zeigen, was Tom Ripley handwerklich kann.

AL ITALOAMERICANO

Stilvolle Klasse, sportliche Eleganz und volle Konzentration auf die Kernkompetenz: Mit seiner 31-teiligen Kollektion formuliert Tom Ripley sein Angebot auf den Punkt. Ressourcenschonend in italienischen Betrieben hergestellt, ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt – so kommen alle Styles ohne Kunstfaser aus. Strick ist das Herzstück. Die Silhouetten sind körpernah, aber bequem. Cardigans zeigen Smartness, Stricksakkos Eleganz. Mock Turtleneck, ein Langarm-Strickpolo mit Button-down-Kragen oder Knit Hoodies spiegeln Tom Ripleys Retrocharme wider. Neben den bewährten 100 Prozent Merino- und Cashmere-Qualitäten gesellt sich eine weitere natürliche Funktionsfaser, die Seide. Ein stilsicherer V-Neck-Pullover in feinster Teilung zeichnet sich durch temperatur- und feuchtigkeitsausgleichende Eigenschaften aus. Trendalert: flauschiges Bouclé, daraus fertigt Tom Ripley einen Crew-Neck-Pulli. Im Strick fährt die Marke ihr volles Know-how auf. Tonige Chevron-Perlmuster und Ottoman-Wellen, mehrfarbige dreidimensionale Stricktechniken oder der neu entdeckte Klassiker Patentstrick. Merino Vintage und Rauten-Jacquard sowie ein kleines Wirkprogramm runden die Kollektion ab.

TOM RIPLEY

„Wir fertigen nicht irgendwo, sondern in mittelständischen italienischen Familienunternehmen. Diese engen Partnerschaften gewährleisten nicht nur eine ausgezeichnete Qualität, sondern auch die soziale Verantwortung sowie fairen Umgang und gerechte Bezahlung der Mitarbeiter.“ Wolfgang Müller, Inhaber Tom Ripley 112

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FASHION CASHMERE Modisch versiert, unabhängig und stark – so ist die Frau, für die die französische Marke Notshy designt. Mit riesigem Erfolg: In 31 Exportmärkten und bei 2.000 Händlern weltweit, darunter so klingenden Namen wie Galerie Lafayettes, Printemps oder Tsoum. Mit vier Kollektionen im Jahr und Kapselkollektionen führt das Kreativduo Natacha Basic und Mercedeh Vafai die Marke, die eine enge Verbundenheit zu ihren Kundinnen aufbaut. Magazinartig in Szene gesetzt, mit Blog und Styling-Masterclasses zelebriert Notshy eine Haltung: „Wir wollen Frauen mit Eleganz und Lässigkeit inspirieren.“ Herzstück jeder Kollektion ist der Poncho-Pullover Faustine, der jede Saison in 30 verschiedenen Farben und Varianten verfügbar ist. Die Herbst-/Winter-Kollektion 2022/23 zelebriert eine freie, kühne Frau, die in vollen Zügen genießt, dass man sich wieder chic anziehen kann. Retroanklänge treffen auf Casual-Elemente, Gegensätze und eine große Portion Spaß. Umgesetzt in extrem soften Qualitäten, feinen Teilungen und kunstvollen Details, die förmlich zum Layering einladen.

NOTSHY

Das Kreativduo Mercedeh Vafai und Natacha Basic.

Eine verantwortungsvolle Marke, die ihr Cashmere zu 100 Prozent aus nachhaltigen und transparenten Quellen bezieht: Notshy.

Der Pullo Ponchoist di ver Faus tine e Pro von N duktikon e otsh y.

• Gegründet 1998 von Olivier Criq und Jean-Pascal Candau • Volle Transparenz und Traceability, Eco-Conscious Cashmere • Musen wie Pernille Teisbaeck, Malgosia Bela oder Ines de la Fressange repräsentieren den Spirit der Kollektion style in progress

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MODE

„WELTWEIT DIE ACCESSOIRESZENE EROBERN“

Vic Matié gehört seit Ende der 1980er-Jahre zu den renommiertesten Schuh­ herstellern Italiens. Jetzt steht die Intensivierung der Internationalisierung an. Ein Gespräch mit Silvia Curzi, Creative Director der Marke.

VIC MATIÉ

Mit sehr prägnanten Modellen macht Vic Matié modisch seinen Führungsanspruch deutlich.

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Silvia Curzi, Creative Director Vic Matié.

Wie ist der Mood der kommenden Kollektion? Silvia Curzi, Creative Director Vic Matié: Bei Vic Matié sind immer zwei Hauptmoods zu finden: ein sehr femininer mit starkem Design und ein jüngerer, sehr urbaner Mood. Beim letzteren geht es um Modelle, bei denen wir mit Gummisohlen oder ähnlichen Materialien experimentieren. Die Gear-Linie besteht aus Flatform-Sohlen mit Einkerbungen, die, wie der Name schon andeutet, an Zahnräder erinnern: ein superleichter Schuh mit Sneaker-Komfort, aber einem deutlich urbaneren Look. In dieser Serie sind auch Modelle mit Heels zu finden – es ist das erste Mal, dass ein Schuh mit Gummisohle und Absatz entworfen wird, der so leicht und flexibel ist. Besonders stolz sind wir auf unsere Waders: Regenschuhe mit umlaufender Gummischale, Obermaterial aus Stretch-Neopren, gepolstertem Nylon und Leder mit Gummibeschichtung. Und dann hätten wir noch die KnightLinie: klassische Kavalierstiefel auf voluminösen Gummisohlen – ein Mix & Match aus ästhetischer Form und technologischer Modernität. Neben dieser Gummi-Kollektion zeigen wir natürlich auch unsere femininen und anspruchsvollen Designs. Modelle mit außergewöhnlichen Absätzen wie dem Duplex: Ein Schuh mit einem Absatz, der wie ein einziger aussieht, aber in Wirklichkeit geteilt ist und einen Lichtspalt zwischen den beiden Teilen lässt, oder eben Plateaus, wieder mit Entenschnabel und zylindrischem Absatz, der vollständig mit Leder überzogen ist. Zudem haben wir die Winterkollektion auf Dezember vorgezogen und eine Serie an ActiveModellen lanciert: Vic Matié Made2Move. 2022 präsentiert Vic Matié seinen Global Shop. Was bedeutet dieser große Schritt für die Marke? Unser Global Shop steht für drei Dinge: Erstens ist es ein globaler Hub, wo wir mit unseren italienischen und europäischen Vertriebspartnern zusammenarbeiten, sodass der Endverbraucher die gesamte Kollektion über die offizielle Website von Vic Matié kaufen und dann direkt in seinem Geschäft des Vertrauens die Teile abholen kann; zweitens ist es die Entscheidung, auf der Seite der Einzelhändler zu stehen und keinen Onlinewettbewerb zwischen unseren Partnern und dem E-Commerce der Marke zu schaffen; drittens steht der Global Shop für Nachhaltigkeit. Der globale Shop vicmatie.com lokalisiert den Käufer, sodass das Geschäft, das dem Verbraucher am nächsten liegt, die Lieferung vornehmen kann. Der Einzelhändler kann so sein Einzugsgebiet weiterhin bedienen und wir alle sparen unnötige Emissionen durch den Versand. Was erwarten Sie von den internationalen Märkten? Von den internationalen Märkten erwarten wir das, was wir in Italien, in den meisten europäischen Ländern sowie in einigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion erleben: Dass Vic Matié seinen Platz in den besten Shops, Departmentstores und Market-Places im unteren Luxussegment findet und weltweit die Accessoire-Szene erobert.


MODE

IT-PIECE:

Der Raglan-Mantel im Multicolor-Karo.

SARTORIAL STREET(-WEAR) Formal Wear on the Edge – das war schon immer die Erfolgsformel von Manuel Ritz. Die feine Balance zwischen Tailored und Streetwear erreicht mit der aktuellen Saison, austariert von Leo Colacicco, jedoch einen neuen Höhepunkt. Das Fundament für diesen Look bilden die ausgesuchten Fabrics, die schon alleine mit ihren differenzierten Texturen ein Spannungsfeld erzeugen. Darauf baut dann ein souveränes Spiel von Formen, Strukturen und Volumina auf. Karos, Overchecks oder Nadelstreifen brechen aus den gewohnten Formalismen aus und bewirken bei ein- oder zweireihigen Jacken, Overshirts oder Hoodie-Jackets eine völlig selbstverständliche Modernität. Vieles ist oversized, wie beispielsweise eines der absoluten Highlights, der lange RaglanMantel im erdigen Patchwork-Look oder Multicolor. Apropos Farben: Auch hier zeigt sich der durchgängige Einfluss der Straße. Die Farbe ist Element, nie aber Selbstzweck. So auch bei den Hosen, die eine neue Weite und Entspanntheit umsetzen, ohne aber ins Nachlässige abzugleiten. Sehr lässig! Die sophisticated Functionality der Linie Tech-Core geht in die zweite Saison, mit Pufferjackets, Trenchcoats oder Bomber-Parkas und einem ganz besonderen Nylon-Stretch. www.manuelritz.com

MANUEL RITZ.

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FINDEN WIR GUT

EVERYDAY LIEBLINGE Seamless Basic.

Mit einem Zweck: Purpose Brands sind der heimliche Liebling der Einkäufer. Marken, die einen klaren Sinn vermitteln, die ein Problem lösen oder die schlicht so schön sind, dass man nicht daran vorbeilaufen kann.

Leggings, Shirts, Tops und Slips in zurückhaltenden Farben, klassisch-zeitlosen Fits und aus hochwertigen Materialien: Mit diesem Konzept erobert Seamless Basics den deutschsprachigen Markt. Die dänische Marke hat die Agentur Modeist verpflichtet, um hierzulande Fans für das NOS-Prinzip der saison­ unabhängigen Wäsche aufzubauen. Merinowolle, recycelte Seide, Maulbeerseide und Baumwolle kommen zum Einsatz, der Nachhaltigkeitsgedanke wird bis zur Verpackung gesponnen. Wenig Nähte und voller Komfort sind die Prämissen, mit denen gearbeitet wird. Modeist, München/Deutschland modeist@vahoferer.de, www.seamlessbasics.com

SIGNA­ TURE PRINTS Von&Zu.

PERLEN AUS FLORENZ Maman et Sophie.

Elisabetta Carletti war bis 2008 erfolgreiche Anwältin in Florenz. Als ihre Tochter Elena Sofia geboren wurde, setzte das ihre Kreativität und Fantasie frei. Sie stellt kurzerhand ihr Leben auf den Kopf und macht das, was ihr Spaß macht: Schmuck. Anfänglich nur für Freundinnen, dann die ersten Shopanfragen. 2012 steigt sogar Ehemann Federico Lastrucci ins Business ein. Heute hat die Marke über 20 Mitarbeiter und zählt mehr als 250 Verkaufsstellen in ganz Italien. Die Besonderheit: Alles wird ausschließlich in Florenz per Hand von ausgebildeten „Orafi“, den an renommierten florentinischen Schulen ausgebildeten Goldschmieden, hergestellt. Für die D-A-CH-Region sucht Maman et Sophie noch einen Partner. Mamam et Sophie, Florenz/Italien, www.mamametsophie.it 116

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Besondere Prints, wie gezeichnet oder aquarelliert, bilden die Signatur der Womenswear Von&Zu aus Gemünden. „Die Prints sind urban und modisch, haben aber immer einen Hauch Sehnsucht und Nostalgie“, beschreibt Magdalena Cromme, Head of Design, die das 2014 gegründete Label mit ihrer Schwester Eva-Maria Czerny im 80-jährigen Familienunternehmen betreibt. Mittlerweile hat sich Von&Zu zu einer Komplettkollektion in den Größen 34 bis 46 entwickelt, mit Cropped Jackets, femininen Kleidern, oversized geschnittenem Strick oder auch mal flauschigen Karohemden. Die Formen bleiben klar und schlicht, die Farben frisch und natürlich. Preisbeispiel: Kleider kosten zwischen 85 und 150 Euro/EK bei einer Kalkulation von 2,7. Gefertigt wird in Europa. Czerny Manufaktur GmbH, Gemünden/Deutschland, czerny@von-zu.de, www.von-zu.de


www.barboneitaly.com


FINDEN WIR GUT

BERLIN IM HERZEN Be Edgy Berlin.

Das Label steht für rebellische wie zeitlose Contemporary Wear rund um die Lederjacke. „Mit einer ungebremsten Leidenschaft für ungewöhnliche Kontraste und Designs zählt für uns besonders der perfekte Schnitt“, sagt Gründer Robin Juchems. „Mit ständigem Experimentieren wird jedes Teil einzigartig.“ Stilprägend ist der Materialmix, so wird vegan gegerbtes Leder mit Denim oder Nylon kombiniert. Daunenpuffer aus Leder, Trenchcoats sowie FauxShearling-Jacken vervollständigen neben Jerseys und Accessoires die in Pakistan produzierte Kollektion, die Breuninger, Engelhorn und Greta & Luis zu den Kunden zählt. Lederjacken kosten im EK 110 bis 260 Euro, kalkuliert mit 2,7. Be Edgy Berlin, Berlin/ Deutschland, robin@be-edgy.com, www.be-edgy.com

ASIA MEETS ITALY LuceLove.

NATÜR­ LICH NACH­ HALTIG Aemium.

Das französische Unisex-Premium-Parfüm Aemium wird ausschließlich aus natürlichen Zutaten hergestellt. Nur vier verschiedene Komponenten kommen zum Einsatz. Sieben Düfte stehen zur Auswahl. Gründer Emmanuel Roche sagt: „Wir haben einen hochwertigen Duft kreiert, der ohne synthetische Stoffe auskommt und dessen Verpackung leicht zu recyceln ist. Für mich ist das wahrer Luxus. Wir verzichten auf Hochglanzverpackungen und konzentrieren uns auf die Qualität der Inhaltsstoffe.“ Eine Flasche mit 100 Milliliter kostet 137 Euro, eine Wiederbefüllung 97 Euro und eine Discovery Box ist für 27 Euro erhältlich. Die Kalkulation liegt bei 2,4. Kunden sind bereits u. a. Selfridges, The Wearness, Cardamomo Milano und Jovoy in Paris. Aemium, Paris/Frankreich, eroche@aemium.com, www.aemium.com

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Francesco Gozzini, Gründer und Inhaber der toskanischen Modemarke LuceLove, reist geschäftlich viel nach Asien und wollte schon lange ein Label ins Leben rufen, das chinesische Qipao für Mädchen und Frauen anbietet. Seine Kleider sind der perfekte Mix aus den schlichten und eleganten chinesischen Schnitten und westlichen Stoffen und Mustern. Die Teile werden ausschließlich in Italien handgefertigt, die Stoffe bezieht Gozzini aus Lagerbeständen. „Insbesondere nach der Pandemie sind die Läger voller wunderbarer Materialien. Wenn ich diese für meine Qipaos verwende, verhindere ich, dass sie auf dem Müll landen.“ Ein Cross-over-Produkt made in Italy mit Fair-FashionPhilosophie, das Zeitgeist und Kundengeschmack perfekt auf einen Nenner bringt. Jenseits der italienischen Landesgrenzen sucht LuceLove noch Vertriebspartner. LuceLove, Montecatini Terme/ Italia, www.lucelove.com


soldout_de

Vertrieb DACH: Agentur MODEist · modeist@vahoferer.de · www.modeist.com | D-Nord-West: Agentur Gresch · agentur@norbertgresch.de


FINDEN WIR GUT

FARBEN­ KRÄFTIG Blush Indigo.

NEXT LEVEL

Maurizio Miri. Die gestochen scharfen

Anzüge huldigen italienisch-traditionellem Schneiderhandwerk nach allen Regeln der Kunst. Die Kreativität im Design, erkennbar an Schnitt, Pikierstichen, offenen Schnittkanten oder einem langen Faden am Reversknopfloch, verleihen den Kleidungsstücken ihre spezielle Coolness und moderne Rockstar-Attitüde. Maurizio Miri, siebter von sieben Brüdern, hat es sich seit 2009 zum Ziel gesetzt, die Herren- und Damenschneiderei auf die nächste Ebene zu heben. Seine exklusiven Liebhaberstücke liegen im Handel beispielsweise bei Different auf Sylt, Black in Ravenna, Gente in Rom und Bernardelli in Mantua. Die VK-Preise der Herrenkollektion liegen zwischen 600 und 1.200 Euro und die der Damenkollektion zwischen 320 und 530 Euro, kalkuliert mit 2,7 bis 3,0. Maurizio Miri, Agentur Klauser, München/Deutschland, info@kirstenklauser.de, www.mauriziomiri.com

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2018 entdeckte Katarina Ziesecke in Bali die farbenfrohen Bändchen und brachte sie mit nach Europa. Schon wenige Monate später gründete sie ihre eigene Firma mit Namen Blush Indigo, eine Kombination ihrer Lieblings­ farben. „Bei der Farbe fängt alles an“, sagt Katarina. Produziert wird in Bali. Katarina entwirft eine Kollektion und schickt sie gemeinsam mit den Anhängern und Verschlüssen, die in Deutschland und Italien hergestellt werden, zu zwei Produzenten nach Bali, die die Aufträge dann verteilen. Geknüpft wird zu Hause in Handarbeit. In Zukunft möchte Katarina ihre Materialien erweitern und auch mehr für Silberträgerinnen anbieten können. Außerdem möchte sie wieder mehr in Bali sein, um dort Projekte zum Schutz des Meeres zu unterstützen. Die Armbänder kosten im EK 2,50 bis 4 Euro, kalkuliert mit 3,6. Blush Indigo Jewellery Berlin, katarina@blush-indigo.com, www.blush-indigo.com

MULTITASKING À LA ITALIANA Thea Montegrappa.

Wer und was ist Thea Montegrappa? Ein Label? Ein Blog? Eine Influencerin? Eine Handwerkerin? „Von allem ein bisschen“, würde Chiara Gentili, der kreative Kopf hinter der Marke, antworten. Als Designerin und Produktentwicklerin für eine der bedeutendsten italienischen Modemarken der letzten 20 Jahre sammelte sie viel Expertise, nach einem Burnout überdachte sie alles. Statt Glanz und Glamour sollte ihr neues Business geerdet und klein sein. Thea Montegrappa begann mit Schmuck, selbstgestrickten Pullis und gehäkelten Accessoires. Bald wurde Chiara klar, dass sie mit ihrem Handwerk viel mehr bewegen kann: So bietet sie ihr Know-how in Form von Upcycling- und Recycling-Programmen für Einzelhändler an. Heute verkauft sie ihre Unikate und berät Shops zum Thema Fair Fashion sowie Upcycling und hilft dabei, Restposten neu zu gestalten, um diese dem End­verbraucher auf innovative Art und Weise zu präsentieren. Thea Montegrappa, Massa e Cozzile/Italien, www.theamontegrappa.com


Trachten Order Tage 25.-27. Februar 2022

HOT

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Tracht & Mode Order Start 25.-26. Jänner 2022

Ordertermine

1. Halbjahr 2022

18. - 20.01.2022

109. ÖSFA

25. - 26.01.2022

HOT 1 - Tracht & Mode Order Start

06. - 08.02.2022

Fashion Premiere

06. - 08.02.2022

Dessous & Bademoden Salon

15. - 17.02.2022

Schuh Austria

25. - 27.02.2022

Trachten Order Tage

Veranstalter Brandboxx Salzburg GmbH | Moosfeldstraße 1 | A-5101 Bergheim | salzburg@brandboxx.at | +43(0)662/4687-0 | brandboxx.at


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REVERSIBLE

AliciaAudrey. Es begann mit einer

Freundschaft – zwischen den beiden modeaffinen Belgierinnen Audrey Joris und Alicia Meus. Das Konzept ihrer Marke begeistert, weil es eine starke, klare Handschrift mit einem spielerischen Element kombiniert. Geboren als Monopropdukt-Kollektion, widmet sich AliciaAudrey vor allem Mänteln. Reverskragen, Blazerschnitte und Oversized-Trenchformen bestimmen das Bild. Das Besondere: Alle Mäntel sind aus DoublefaceWare gearbeitet und können auf beiden Seiten getragen werden. Von elegant-dezent bis auffällig gemustert. Ein Blazer, ein Gilet und eine lange, mantelartige Weste ergänzen das Bild. AliciaAudrey, Brüssel/Belgien, info@aliciaaudreycollection.com, www.aliciaaudreycollection.com

SO MUSS STRICK Matéma.

Rundhals, V-Neck, Rolli? Pustekuchen! Die italienische Marke Matéma beweist, dass man dem Thema Strick auch viel mehr Modernität geben kann. In genderübergreifenden, modern designten Kollektionen kreiert Matéma einen Total Look. Der renommierte italienische Stricker Gente di Mare Srl steckt hinter der Marke, die bei ihrer Premiere am Pitti Uomo im vergangenen Juni für viele die Neuentdeckung schlechthin war. Den Vertrieb in Deutschland hat sich der Heritage Showroom gesichert, auch im Rest von Europa sind renommierte Agenten sofort auf die Marke angesprungen. 40 Jahre Strick-Knowhow gepaart mit einem modernen Verständnis von Look, Größe und Passform sowie das Versprechen, gleichzeitig sowohl natürlich, nachhaltig als auch maschinenwaschbar zu sein – das ist eine Punktlandung. Heritage Showroom, München/Deutschland, info@heritage-showroom.de, www.matema.eco

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GOOD KARMA Studio N.

Ein Lockdown-Projekt mit Mission: Die Freundinnen Ninja Heidmann und Katrin Goldberg-Tekinarslan gründeten 2021 das Label Studio N in Berlin. Ihr Ziel ist es, Wohlfühlstücke zu schaffen, die die Botschaft der Toleranz, Selbstliebe und des guten Karmas in die Welt tragen sollen. Genderless Sweater, Jogger, Hoodies und Shirts im Oversized-Cut mit breiten Rippbündchen sind das Herzstück der Kollektion, alles ist unter der Prämisse von Nachhaltigkeit und Less Waste hergestellt. Die Styles werden in Europa aus Biobaumwolle und recyceltem Polyester produziert und in Deutschland bedruckt. Der Größenspiegel läuft von XS bis XL, die Produkte sind ab 30 Euro VK erhältlich. Studio N, Berlin/Deutschland, contact@studio-n.shop, www.studio-n.shop


Agentur Mirja Gümbel. Haus 4, Raum 416/417, Taunusstraße 45, 80807 München, T +49 (0) 89 359 88 22, baerstecher@hguembel.de Room Nine Agency. Kaiserswerther Straße 137 / Drahthaus, 40474 Düsseldorf, T +49 (0)211 / 22 98 79 78, M +49 (0) 172 246 98 06, torsten.mueller@roomnineagency.de


FINDEN WIR GUT

REIS GEGEN PLASTIK

Pssbl. Bei den Taschen von Pssbl steht die Balance aus

PATEN­ TIERT Sturlini.

GENDER­ LESS T-Coat.

Eine renommierte Produktionsstätte in Italien. Ein Look, der mit internationaler Vision begeistert. T-Coat nennt sich die Outerwearmarke, die Timothy und Marion Hoferer für ihre Agentur entdeckt haben. Die Marke startete 2019 ausschließlich mit Over­shirts und hat sich seither stilistisch enorm entwickelt. „Mit klasse Preisen zwischen 109 und 189 Euro im EK und neuen Qualitäten hat die Marke schnell in unseren Vertriebsgebieten Deutschland und Österreich erste Fans gefunden. Jetzt freuen wir uns auf die Wintersaison, in der T-Coat seine volle Kompetenz ausspielen kann“, sagt Marion Hoferer. Eine konzentrierte, kleine Kollektion, die Spaß macht, eingekauft zu werden. Modeist, München/Deutschland, info@b-kleidung.com, www.t-coat.it

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Traumhaft softe Sommerschuhe sind das eine, doch der italienische Schuhhersteller Sturlini schafft diese Flexibilität auch in seinen Winterkollektionen. In der Nähe von Florenz ansässig, hat Sturlini das sogenannte VersiliaPatent geschaffen. Dank diesem wird ein besonders leichter und flexibler Schuh möglich, der trotzdem lange hält und auch zu einem formellen Outfit passt. Perfekt, wenn jetzt die Lust an der Konfektion zurückkehrt, denn zum Easy-Suit will man auch entsprechend lässige und bequeme Schuhe tragen. Sowohl die Damen- als auch die Herrenkollektion von Sturlini hat auch außerhalb der italienischen Landesgrenzen schon namhafte Fans im Handel gefunden – zum Beispiel Galeries Lafayette oder Breuninger. Agentur Klauser, München/Deutschland, n.klauser@kirstenklauser.de, www.sturlini.com

Langlebigkeit, Qualität, sozialverträglichen Produktionsbedingungen und Umweltschutz im Vordergrund. Die Stoffe sind vollständig aus recyceltem Material und die Produktion in Vietnam wird ausschließlich von zertifizierten Spezialisten vorgenommen. Mit jedem verkauften Pssbl-Produkt werden eigene Umwelt- und Sozialprojekte in Kambodscha unterstützt, einem der ärmsten und von der Plastikverschmutzung am stärksten betroffenen Länder. Bei der Initiative Rice for Plastic tauschen die Macher gesammelten Plastikmüll in die entsprechenden Menge Reis um. Sieben Modelle von Kuriertasche, Tote Bag, Umhängetasche und Rucksack bis hin zur Bauchtasche sind erhältlich. Kunden sind u. a. VooStore, Glore, Zebraclub, HHV und Afrew. Pssbl GmbH, Berlin/Deutschland, talk@pssbl.life, www.pssbl.life


25.– 26.01.2022 25.– 27.02.2022 ORDERTAGE SALZBURG GUSSWERK

GW ND & THE CITY

INFO • ANMELDUNG

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Petra Kogler, petra.kogler@gusswerk.net, T +43 662 230898, M +43 664 88621144 Gusswerk Salzburg, Söllheimerstraße 16, 5020 Salzburg


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SO LÄUFT’S

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Muss die Mode noch real sein? Keinesfalls.

N E THE W GA E Im Metaverse erobert sie ihr spielerisches Element zurück: Ob als Skin beim Gaming oder als NFT, sie schlüpft in eine völ­ lig neue Rolle. Dass manche das noch surreal finden, stört diese neue Wirklichkeit kein bisschen. Drin ist, wer mitspielt.


SO LÄUFT’S

DER ROCK ’N’ ROLL DER GEN F(ORTNITE) Ein Kommentar von Stephan Huber

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wooosh – auf einmal war das Thema auch außerhalb der Special Interest Bubble allgegenwärtig. Gaming und Fashion, der neue große Stern im gerade entstehenden Meta(uni)verse. Fortnite mit Balenciaga oder mit Moncler, zuvor schon Animal Crossing mit Marni, Gucci sowieso. Und auf Linkedin geht sowieso die Post ab. Das alles hat ebenso großen Unterhaltungs- wie Hypefaktor, ist aber nur die aufmerksamkeitsökonomisch saftige und schillernde Oberfläche. Das sollte nicht den Blick dafür verstellen, dass es von wirklich überragender Bedeutung ist, sich mit Gaming, E-Sports und übergeordnet Gamification intensiv und offen zu befassen. Denn der direkte und indirekte Einfluss auf Konsumverhalten, Kommunikation und letztlich eben wirtschaftlichen Erfolg kann eigentlich gar nicht überschätzt werden. Die gute Nachricht (und wie alle Leserinnen und Leser von style in progress wissen, ist die gute Nachricht diejenige, die uns voranbringt): Niemand ist ausgeschlossen, alle können partizipieren. Auf die Art und Weise, die zu ihnen bzw. ihren Unternehmen passt. Wie facettenreich und damit auch reich an Chancen das ist, das lesen, sehen und spüren Sie in den folgenden Seiten. Vorweg aber noch ein Gedanke, der mir für den Zugang essenziell erscheint: In der Gen Z spielen über 80 Prozent regelmäßig online. In der nachfolgenden Gen Alpha werden es, innerhalb eines technologisch noch einmal völlig anderen, interaktiven und immer stärker personalisierten hybriden Environment, wahrscheinlich an die 100 Prozent sein. Ich habe das entsetzte Aufstöhnen vieler Leserinnen und Leser lebhaft im Ohr. O tempora, o mores! Diese Jugend von heute! Und unter anderem genau das ist der Punkt. Gaming ist der Rock ’n’ Roll der Gen (F)ortnite. Endlich mal wieder etwas, was die Eltern nicht verstehen und/oder richtig scheiße finden. Eigene Codes, eigene Sprache und – coming upstrong – eigener Style. „Wie kannst du nur ständig diesen schrecklichen Blödsinn spielen???“ ist das „Wie kannst du nur diese grauenhafte Musik hören???“ von heute. Gaming übernimmt also den Lead in der Pop(ulär)kultur und wird damit von einer Nische mit großer wirtschaftlicher Bedeutung zu einer Industrie mit überragender wirtschaftlicher Bedeutung. Symbolisches Beispiel gefällig? Beim Dota-2-Turnier „The International 2021“ in Bukarest wurde ein Gesamtpreisgeld von knapp 40 Millionen Euro ausgespielt. Also in etwa so viel wie beim berühmtesten Tennisturnier der Welt in Wimbledon. Es geht also mal wieder nur ums Geld? Nein, oder ja … oder eigentlich ist das die falsche Frage. Die richtige Frage lautet, wie wir die KonsumentInnen von morgen erreichen. Diese Frage ist so alt wie die Marktwirtschaft. Also wirklich SEHR alt. Aber die Antwort ist eben immer wieder neu zu suchen …

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„DIGITAL FASHION IST DIE FAST FASHION DER ZUKUNFT“

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Sallyann Houghton verfolgt die Zusammenarbeit von Gaming-Plattformen mit der Modeindustrie live und aus der ersten Reihe. Als Ansprechpartnerin für Entertainment, Medien und Mode bei Epic Games erlebte sie, wie das Thema während der Pandemie zum Megahype avancierte. Mit Fortnite setzte Epic Games neue Standards. Es ist vor allem das Technik-Know-how, das Epic Games als digitales Asset in Händen hält und von dem viele Industrien profitieren können. Interview: Stephan Huber. Text: Isabel Faiss. Fotos: Epic Games

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eginnen wir mit einem Kickstart: Wie würden Sie Epic Games in wenigen Sätzen erklären? Das Stichwort Game ist im Firmennamen enthalten, doch eigentlich gibt es zwei Seiten bei Epic. Die eine dreht sich um Spiele, die andere nicht – und alle Grenzen verschwimmen gerade. Unreal Engine ist unsere Softwear, die alles ermöglicht, was wir bei Epic tun. Fortnite hat unsere Bekanntheit in- und außerhalb der traditionellen Gaming-Community enorm gesteigert. Für zahlreiche Industriezweige, mit denen wir inzwischen zusammenarbeiten, sind unsere Technologien die Basis. Wir investieren massiv in Unreal Tools und neue Inhalte, um Entwickler in den Bereichen Architektur, Medien, Unterhaltung, Automotive, Marketing und Simulation zu unterstützen. Wir wollen fantastische Beispiele präsentieren, wie Entwickler in diesen Branchen die Echtzeittechnologie nutzen können, und helfen ihnen dabei, zu verstehen, wie unsere GamingTechnologie in virtuellen Ökosystemen eingesetzt werden kann und wo man am besten startet. Die Pandemie zwang die Modeindustrie, ihr digitales Angebot auf eine neue Stufe der Technologie- und Marktreife zu bringen. Was hat sich dadurch geändert? Die Branche nimmt neue Technologien wie nie zuvor an. In den letzten 24 Monaten ist mehr Umbruch passiert als in den letzten 100 Jahren. Das ist wie ein gigantisches Erwachen. Meiner Meinung nach zieht es die Mode jetzt zunehmend

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in virtuelle Räume, weil endlich die entsprechenden Angebote da sind, auf dem entsprechenden ästhetischen Level. Überall sieht man, wie die Mode gerade die Gaming-Industrie für sich entdeckt. Aber ist es nicht auch andersherum? Wer profitiert hier mehr von wem? Mode ist nur der Ausdruck der eigenen Identität und Kreativität. Gamer haben das schon immer für sich genutzt, auch ohne den Einfluss der Modeindustrie. Seit vielen Jahren ist es extrem en vogue, seine eigenen Charaktere und Erscheinungsbilder zu kreieren. Es ist ein sehr mächtiges Tool für Spieler, sich ihre eigene Identität zu schaffen und sie in ihrer Community auszuspielen. Die Modeindustrie eröffnet uns allen hier ein breiteres Feld an Möglichkeiten. Die Zeit ist reif, dass Gaming und Mode endlich zusammenkommen, weil Gaming-Plattformen viel breiter geworden sind und eine riesige Zahl von Menschen ansprechen. Gamer sind heute keine Teenager mehr, die in ihren Schlafzimmern zocken. Jeder ist doch ein Gamer. Das Durchschnittsalter liegt bei 33 bis 38 Jahren und es gibt Milliarden von ihnen da draußen. Kürzlich sah ich eine Jeansjacke mit zwei Namen darauf: Fortnite und Balenciaga. Fortnite war deutlich prominenter aufgedruckt. Ein Sinnbild für das aktuelle Machtverhältnis? Gaming war traditionell unbekanntes Terrain für die Mode. Keiner erkannte den strategischen Nutzen. Das hat sich inzwischen geändert. Gaming ist heute mehr als nur Spielen – es geht um das gemeinsame Erlebnis mit Freunden. Der Modeindustrie ist der Stellenwert virtueller Plattformen inzwischen sehr wohl bewusst und diese sind ihrerseits deutlich erwachsener geworden. Das tiefe Verständnis von Daten wird es der Mode ermöglichen, viel mehr über ihr Produkt zu wissen – noch bevor sie es überhaupt produziert haben. In den letzten Jahren befand sich die Mode in einer Sinnkrise. Es ging nur noch um Zahlen und Effizienz – nicht mehr um Spaß. Kann die Liaison mit der Gaming-Industrie den Spaß zurückbringen? Seien wir ehrlich: Die meisten von uns hassen Einkaufen. Wir lieben es, Dinge zu finden und zu ergattern. Das Shoppen ist nur der nervige Weg zum Ziel – und das sind die Schätze, die man am Ende haben will. An dieser Stelle verliert der Handel meiner Meinung nach am meisten Kunden. Wenn man alle Hindernisse wie Gedränge, Anfahrt, Kälte und Unlust beiseite räumt und das Einkaufen als Erlebnis in einem Umfeld anbietet, das alle begeistert und in dem man völlig frei verschiedene Outfits anprobieren und sich kreativ austoben kann, dann kommt der Spaß zurück. Im echten Leben agieren wir viel kontrollierter. Wir entscheiden strategisch, was wir kaufen. In virtuellen Welten und vor allem im Metaverse haben wir grenzenlose Möglichkeiten. Zu jeder Zeit kann man seinen Stil komplett verändern und jedes Element seiner Persönlichkeit frei transformieren. Digital Fashion ist die Fast Fashion der Zukunft. style in progress

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„Es ist mit der Erfindung der Nähmaschine vergleichbar. Eine ebenso mächtige Veränderung steht der Modebranche gerade bevor.“ Sallyann Houghton, Epic Games­

„Im Metaverse verkauft man keine Produkte, man verkauft ein Erlebnis.“ Für Sallyann Houghton ist das nur einer der vielen Gründe, warum es einfach Sinn macht, wenn Gaming-Plattformen und Marken zusammenarbeiten. Hier die aktuellste Kooperation von Fortnite und Balenciaga.

Im Virtuellen bestehen ja auch keine physischen Grenzen mehr – Stichwort Diversität. Können wir uns hier endgültig von Klischees lösen? Das Metaverse ermöglicht die bedingungslose Selbstdarstellung. Jederzeit kann man alles oder jeder sein. Es erlaubt uns, physische Kategorien beiseitezuschieben. Die aktuelle Diskussion dreht sich vor allem darum, wie die Modeindustrie heute die digitalen Möglichkeiten nutzen kann. Das Spannende an der Situation ist aber doch, dass wir im Metaverse das System von Mode revolutionieren können, um beispielsweise Labels zu kreieren, die es in der realen Welt nie geben wird. Sie können völlig neu agieren – man kann Gesetzmäßigkeiten zu Materialien, Formen und Schnitten verwerfen. Metaverse ist ein Gamechanger für die Mode. Aber auch virtuelle Mode ist eben Mode – nur auf einer anderen Ebene. Denn am Ende des Tages bleibt eines Fakt: Die Kunden müssen dein Produkt lieben. Wie begeistert man Gen Z im Metaverse? Grundsätzlich hat Gen Z viel weniger Bedenken über den Switch in die digitale Welt als wir. Für sie hat es diese Dualität von real und virtuell schon immer gegeben. Es ist die Technologie, die mit diesem Mindset mithalten und in der Akzeptanz aufschließen muss, denn für diese Generationen ist das Metaverse ein No-Brainer. Wenn man beobachtet, wie selbstverständlich sie sich die digitale Welt zu eigen machen, ist es klar, dass sie die zukünftigen Treiber des Metaverse sind. Um sie anzusprechen, macht es Sinn, sich auf spezielle Communitys zu fokussieren, auf Produkte oder Erlebnisse, mit denen sie sich identifizieren wollen. Es geht darum, unsere tiefsten menschlichen Bedürfnisse in den virtuellen Raum zu übersetzen. Für uns alle ist das Metaverse noch eine lange Reise durch diese virtuelle Parallelwelt, die wir nach Belieben jederzeit betreten und verlassen können. So, wie es immersive digitale Welten gibt, wird es aber auch zunehmend Bereiche geben, in denen das Metaverse und die reale Welt nahtlos ineinander übergehen, Räume, in denen man alle Vorteile des Metaverse, seine Kreativität, die Verbindung, den Zugang zu Informationen und Menschen hat. Momentan ist das Internet noch wie eine Anordnung unterschiedlicher Infostände, die nicht miteinander kommunizieren. Die Reise ins Metaverse wird viele Vorteile für die reale Welt mit sich bringen und eine Ausgewogenheit und Interoperabilität schaffen, die wir heute auf unseren Bildschirmen einfach nicht haben. Kurz gesagt, das Metaverse ist für mich die Überwindung dieser Barrieren. Die nächste Generation Internet wird eine Plattform mit robusten Wirtschaftsstrukturen, vielen Unterhaltungsmöglichkeiten und echter Interoperabilität sein. Das klingt so, als wäre das Metaverse auch eine gute Lösung, um Stärken zu bündeln und Dinge besser zu machen – Stichwort Sharing Economy. Wie viel Kraft liegt in der Open-Source134

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Philo­sophie und ist das im Metaverse eigentlich realistisch? Fortnite ist das beste Beispiel dafür. Seit Jahren arbeiten wir mit Partnern zusammen, um Barrieren zu beseitigen, die bisher das plattformübergreifende Spielen und die Cross-Progression verhindert haben. Es war ein Meilenstein in unserer Branche, dass sich Fortnite-Spieler, unabhängig von Konsole oder Plattform in diesem Spiel gemeinsam treffen können. Daran müssen wir stetig weiterarbeiten, um auch die verbleibenden Hürden zu beseitigen. In einer perfekten Welt bietet das Metaverse grenzenlose Erlebnisse und Interaktionen. Und genau deshalb darf auch kein einzelnes Unternehmen das Metaverse dominieren. Es muss von einem gigantisch großen, vielfältigen Querschnitt an Menschen aufgebaut werden. Unsere Lösung dafür ist der Kreativmodus in Fortnite, der so wichtig ist, weil er ein autonomer, vom Spieler selbst gestalteter Raum ist. Wir stellen Spielern und Entwicklern dafür eigens Tools zur Verfügung, mit denen sie ihre eigenen Erfahrungen machen sollen. Das Ziel ist es, solche Tools zu entwickeln und zu veröffentlichen, damit die Community maßgeschneiderte Ideen entwickeln, austauschen und erleben kann. Dies sind die Arten von offenen und kollaborativen Bedingungen, die es dem Metaverse ermöglichen, sich organisch weiterzuentwickeln. Offen und kollaborativ könnte für die Modebranche eine Herausforderung darstellen … Momentan feiert die Branche doch die Power von Kooperationen. In den letzten 24 Monaten haben wir davon so viele gesehen wie nie zuvor. Es entstehen auch völlig neue Konstellationen. Noch vor zwei Jahren hätte das keiner von uns für möglich gehalten. Dank Fortnite trafen erstmals DC- und Marvel-Charaktere in einem Spiel aufeinander. Diese beiden IPs (Intellectual Properties) hatte man zuvor noch nie zusammen gesehen. Wenn wir weiterhin diese interaktiven Räume öffnen, können alle zusammentreffen – wie auf einer gigantischen Flaniermeile. Denn wir merken, dass sich die einzelnen IPs mit diesem Schritt immer wohler fühlen, und plötzlich ist das Bewusstsein da, wie viel Macht darin steckt, firmenübergreifend zusammenzuarbeiten und auch als Marke der eigenen Community dadurch eine neue Perspektive zu eröffnen. Digitale Plattformen sind kein Ort, um Produkte zu verkaufen, sondern um eine Marke mit anderen über ein gemeinsames Erlebnis zu teilen. Das Ziel des Balenciaga-Projektes beispielsweise war es, eine gewisse Attitude, Persönlichkeit und Ästhetik zu teilen, als Versinnbildlichung der Marke. Im virtuellen Raum ist das Markenerlebnis wichtiger als das Produkt. Ein weißes T-Shirt hat im Metaverse nun mal keinen Nutzen – es kann einem schließlich nicht kalt werden.


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ANDRÉ JOHNSON, MYTHICAL GAMES

„ZUM ERSTEN MAL HABEN NFTS EINEN NUTZWERT“ Marken wie Gucci haben mit ihren eigenen Games experimentiert, Balenciaga hat eine Kollektion auf „Fortnite“ vorgestellt, und jetzt geht Burberry noch einen Schritt weiter: Für „Blankos Block Party“ von Mythical Games hat die Marke eine Figur in limitierter Auflage gestaltet, sie heißt Sharky B und ist ein NFT. Könnte sich die Modebranche hier eine neue Einkommensquelle auftun? Das verrät André Johnson, VP of Business Development bei Mythical Games. Interview: Petrina Engelke. Fotos: Mythical Games/André Johnson

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André Johnson, VP of Business Development bei Mythical Games, arbeitet seit sieben Jahren in der GamingBranche. Zuvor war der Sohn von Basketballlegende Earvin „Magic“ Johnson im Bereich Unterhaltung und Sport. Und wenn man sieht, wie er seine Sneaker behandelt, ist klar: Sein Herz schlägt auch für Mode.

lankos Block Party“ wirkt wie eine Welt für Actionfiguren. Wie funktioniert das als Spiel? „Blankos Block Party“ ist eine Welt, in der Actionfiguren lebendig werden. Beim Einloggen kommst du zuerst in einen geselligen Raum namens The Junction, wo du mit anderen Spielern chatten kannst. Du kannst auch im Store vorbeischauen und du kannst zu vielen Abenteuern und Spielen losziehen. Ich finde es aufregend, Mode, Sport, Unterhaltung und IP [geistiges Eigentum, engl. intellectual property] zusammenzubringen, um unsere Kultur mit Hilfe eines Spiels voranzutreiben. Das ist etwas für Spieler und für Sammler, die dort ihre Lieblingsdesigns kaufen. Umsatz innerhalb eines Spiels macht in der Gaming-Branche bereits einen Gutteil der Einnahmen aus, die für 2021 auf 180 Milliarden Dollar geschätzt werden. Was ist an Ihrer Herangehensweise so speziell? Der Clou bei uns ist, dass jede Figur, jedes Accessoire im Spiel ein NFT ist. Das bedeutet, sie gehören den Spielern nach dem Kauf wirklich. Sie können sie auch im Spiel benutzen. Zum ersten Mal haben NFTs also einen Nutzwert. Sammler können sich aussuchen, ob sie ihre Investition behalten oder sie weiterverkaufen. Dafür bieten wir innerhalb unseres Mythical Marketplace einen gesonderten Handelsplatz. Und bei jedem Weiterverkauf verdienen die Designer, Marken oder Künstler hinter diesen Artikeln mit, sie bescheren den Urhebern jedes Mal Einnahmen, bis zum Sankt

Nimmerleinstag. Das gab es noch nie. Auf Ebay, Stock X oder Goat werden Designer am Weiterverkauf ja nicht beteiligt. Wie hat sich die Verheißung solcher Weiterverkaufsanteile denn für Burberry gerechnet? Wir waren begeistert, wie schnell der Wert dieser Aktivposten in die Höhe ging. Burberrys Figur Sharky B war in weniger als 30 Sekunden ausverkauft. Minuten später gingen diese 300-Dollar-Figuren am Sekundärmarkt für mehr als 1.500 Dollar weg. Wer hat den Preis von 300 Dollar denn festgelegt und was bekommen Burberry oder andere Modemarken? Wir arbeiten gemeinsam am Verkaufspreis. Bei Burberry haben wir Empfehlungen abgegeben. Als Luxusmodemarke verkaufen sie im höheren Preissegment, wir haben aber auch darauf geschaut, was unser Spielerstamm sonst für Top-Level-Accessoires und -Figuren zahlt. Burberry oder andere Kooperationspartner bekommen Einnahmen aus dem Erstverkauf und bei jedem weiteren Verkauf auch. Das Design von Sharky B und seinen Accessoires beruht auf Burberrys Sommerkollektion. Einen Jetpack haben die aber nicht, soweit ich weiß. Wer hat sich das ausgedacht? Also, wenn es irgendwo einen Burberry-Jetpack gibt, ist der bestimmt längst ausverkauft. Diese Designs haben deren Team und unser internes Designteam gemeinsam entwickelt. Grundlage war das neue Monogramm-Design, das Burberry in der Sommerkollektion nutzt. Das haben wir auf die Figur und den Jetpack gepackt und in Schwimmflügel und Hai-Schuhe übersetzt. Ihr Job ist es nun nicht, Designs zu gestalten, sondern die perfekte Marke für eine Zusammenarbeit zu finden. Wie ging das: Ist Burberry auf Sie zugekommen oder haben Sie speziell nach Luxusmode gesucht? Im Fall Burberry kamen die auf uns zu. Aber Sie haben Recht, als VP of Business Development ist es meine Aufgabe, mich nach Marken und Urhebern umzuschauen, die gut ins Game passen. Unsere nächste Modekooperation machen wir mit The Marathon Clothing, gegründet vom verstorbenen Nipsey Hussle. Was macht denn eine Modemarke perfekt für Blankos Block Party? style in progress

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750 Sharky-B-Figuren hat Burberry in „Blankos Block Party“ angeboten. Sie kosteteten 300 US-Dollar pro Stück und waren laut Mythical Games in 30 Sekunden ausverkauft. Weil die Figur ein NFT ist, verdient Burberry an Wiederverkäufen mit.

„Wir suchen Marken, die Kultur vorantreiben, die Technologieaffin sind und die sich für NFTs begeistern.“

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Wir suchen Marken, die Kultur vorantreiben, die Technologie-affin sind und die sich für NFTs begeistern. Als der Marathon-Clothing-Laden öffnete, war Nipsey bereits ein Zukunftsdenker, er befasste sich mit Kryptowährungen und rief Leute dazu auf, in sie zu investieren. Außerdem gründete er den meiner Ansicht nach ersten Smart Store, der Augmented-Reality-Technologie nutzte. Mit der App kann man im Marathon Clothing Store ein Etikett scannen und dann wird zusätzlicher Content oder ein Musikvideo auf dem Handy oder auf einem Bildschirm im Laden gezeigt. Nach solchen Marken suchen wir, die bereits in Technologie und Kultur fortschrittlich sind. Vielleicht haben sie eine Strategie, vielleicht nicht, vielleicht können wir ihnen damit helfen. Aber wir versuchen, zu orten, welche Marken an der Schnittstelle von Sport, Unterhaltung, Musik und Mode stehen und damit die Dinge vorantreiben. Ihr Beispiel vom Kundenerlebnis im stationären Handel berührt auch etwas, das Mode und Games gemein haben: den Jagd-Kick. Man will seine Trophäe, man tritt gegen andere Leute oder gegen die Uhr an. „Blankos Block Party“

sieht mir aber gar nicht so nach Wettstreit aus. Was passiert denn mit dem Jagdeifer? Von außen betrachtet wirkt es vielleicht nicht wettbewerbsbetont. Aber tiefer drin sind manche Spiele ein Rennen gegen die Uhr: Wie viele gute Vibes kannst du in vorgegebener Zeit einsammeln? Es ist so eine Art familienfreundlicher, Comicbuch-artiger Wettbewerb. Zudem dreht sich bei den Spielern alles darum, die Figuren passend zu ihren eigenen Persönlichkeiten zu stylen und dann mit ihren Sammlungen zu protzen. Da kriegt dann Sharky B ein Paar Deadmou5-Schuhe angezogen. Und selbst hier in der Firma haben nicht alle einen Sharky B abbekommen. Ich bin einer dieser Unglücksraben. Ich hab mich extra früh eingeloggt, aber das ging so schnell. Moment mal: Liegt Schnelligkeit bei Ihnen nicht in der Familie? Ihr Vater ist immerhin die Basketballlegende Earvin „Magic“ Johnson. (lacht) Na ja, beim Sport: ja. Aber Onlineshopping? Keine Ahnung, ob sich das übertragen lässt. Glauben Sie, dass das, was die Leute gerne spielen, etwas über das Marketing der Zukunft aussagt?



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Ich denke, es gibt Marken die Gelegenheit, Designs, Kooperationen oder ihre Ideen in Zukunft anzutesten. Wenn sie wissen wollen, wie das Publikum reagieren würde, können wir es in „Blankos“ verwandeln und die Leute kaufen und kommentieren lassen und auch ermitteln, welchen Marktwert es hat. Ich möchte noch mal auf etwas zurückkommen, das Sie vorhin erwähnt haben: Sammler. Manche Sammler lassen zum Beispiel Sneaker in der Originalverpackung. Kein Staubflöckchen soll drankommen, weil das den Wert ruiniert. Gibt es so etwas auch bei den NFTs in Ihrem Spiel? Erst einmal muss ich sagen: Ich bin auch so ein Sneaker-Fan, dieser Gedanke ist mir also nicht fremd. Mich zieht es nur zur anderen Seite des Spektrums: Schuhe kaufen, um sie zu tragen – aber danach kommen sie bitte wieder in den Karton. Und ich halte meine Sneaker blitzsauber. Ich bin der Turnschuhputzer für die ganze Familie. Also: Sammlerverhalten und NFTs. Ich glaube, jetzt haben Sammler zum ersten Mal einen Grund dafür, in einem Videospiel mehr als eine Figur zu kaufen. Wir erleben, dass manche denselben Blankos vier oder sechs Mal kaufen. Manche spielen nur mit einem, die anderen lassen sie im Lager und beobachten, welche Preise sie beim Weiterverkauf erzielen. Und wenn dir irgendwann die Zeit zum Spielen zu schade ist, kannst du diese Investitionen durch die NFTs wieder reinholen, die du im Spiel erworben hast und am Sekundärmarkt verkaufst. Ist das neu oder gibt es das beim Gaming schon? Das gibt es schon, aber wir haben uns die Mühe gemacht, den Handel auf der Blockchain legal zu machen. Vorher fand so etwas auf grauen Märkten statt, und das ist nicht legal. Deshalb dachten wir: Wir sammeln und spielen gerne, aber dafür will keiner ins Gefängnis. In der Kunstwelt haben wir schon erlebt, dass NFTs viele solcher Fragen aufwerfen, auch in Bezug auf Speicherung und dauerhafte Zugänglichkeit. Gehört diese Unsicherheit quasi zum Spiel? Wenn jemand ganz neu im Bereich Blockchain ist: ja. Aber alle unsere NFTs sind auf der Blockchain hinterlegt, haben eine Seriennummer und sind im Ledger verifizierbar. Es gibt keinen Zweifel, dass dir dein NFT gehört. Es ist toll, Künstlern und Marken die Sorge zu nehmen, dass Betrüger Dinge weiterverkaufen könnten, die gar nicht die echten SharkyB- oder Deadmou5-Figuren sind. Planen Sie auch Verbindungen ins wirkliche Leben, zum Beispiel mit Kleidung aus dem Spiel, die auch für Menschen angeboten wird? Ja, wir schauen definitiv nach Möglichkeiten, die materielle und digitale Welt zu vereinen, wenn man so will. Nächstes Jahr können wir hoffentlich einige solcher Experimente testen. Unterdessen wirken Laufsteg und Schaufensterbummel wie Klamotten aus der Mottenkiste. 140

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Was wird Ihrer Meinung nach in Zukunft die Nachfrage antreiben, woher wissen die Leute, was angesagt ist? Durch Innovation, denke ich, und durch ein dauerndes Hin und Her zwischen einer digitalen und einer materiellen Sicht. Marken gehen in den digitalen Raum, um das Gaming-Publikum zu erreichen, und das wiederum bekommt mehr von diesen Marken und ihren Ideen mit. Ich glaube, Marken werden dabei alles herausholen und limitierte Auflagen sowohl digitaler als auch materieller Art anbieten und dann vielleicht eine materielle Version einer digitalen Videospielfigur oder von deren Kleidung machen. Eine Ausweitung der Blankos-Figuren auf Kleidung kann ich mir gut vorstellen, sogar eine Zeichentrickserie mit ihnen. Was kann die Modeindustrie von der Unterhaltungsbranche, in der Sie einen Gutteil Ihrer Karriere verbracht haben, lernen? Aus Modesicht verstärkt es die Verbundenheit der Menschen mit den entsprechenden Marken, wenn sie die Innovationswelle durch NFTs mitmachen. Deshalb glaube ich, wir werden weiter zusammen etwas Neues auf die Beine stellen, so wie die Unterhaltungsbranche die ganzen Streaming-Dienste einbezogen hat. Netflix, Hulu, Peacock, Amazon Prime Video: Darauf stehen die Leute. Und wir hoffen, dass die Modeindustrie uns als einen weiteren Kanal für Kreative betrachtet.

„Aus Modesicht verstärkt es die Verbundenheit der Menschen mit den ent­ sprechenden Marken, wenn sie die Innovationswelle durch NFTs mitmachen.“

„Ich glaube, jetzt haben Sammler zum ersten Mal einen Grund dafür, in einem Videospiel mehr als eine Figur zu kaufen.“


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ALPHA TAURI X TELEKOM FASHION FUSION

FINALE IM DREISPRUNG

„Expect the unexpected ist das Motto. Der Kunde ist über die Funktionalität eines Produktes positiv überrascht, weil er sie primär nicht erwartet hätte“, beschreibt Ahmet Mercan, CEO AlphaTauri, das Potenzial, das er in der Fusion aus Technologie, Funktionalität und Lifestyle sieht.

Ein ungewöhnliches Trio mit einer gemeinsamen Vision: Im Januar 2020 launchten AlphaTauri, die Deutschen Telekom AG und Schoeller Textil AG gemeinsam den ersten Drop ihrer Heatable Capsule Collection. Zu Zukunft von Intelligent Wearables, der Rolle von Gamification und mit Blick auf einen rasanten Technologiesprung entwickeln Antje Hundhausen von der Telekom, Gründerin Telekom Fashion Fusion und Ahmet Mercan von AlphaTauri spannende Visionen. Interview: Stephan Huber. Text: Isabel Faiss. Fotos: Telekom Fashion Fusion.

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as war der zündende Funke, der AlphaTauri, die Telekom und Schoeller Textil an einen Tisch gebracht hat? Ahmet Mercan, CEO AlphaTauri: Was uns verbindet, ist die Lust auf Zukunft und gemeinsam Neuartiges zu entwickeln. Es ist ein komplett neues Spielfeld, auf dem wir uns hier bewegen. Der Endkonsument hat für das Thema Smart Tech in der Mode bisher noch kein großes Bewusstsein entwickelt. Das bauen wir jetzt gemeinsam auf, mit Innovation und Information. Antje Hundhausen, VP Brand Experience Deutsche Telekom: Wir beschäftigen uns seit 20 Jahren mit Wearables, Gadgets und Accessoires. Bei diesem Kollektiv war es uns wichtig, dass wir mit Schoeller Textiles und AlphaTauri Partner gefunden haben, die ebenso hart wie wir daran arbeiten, Themen ganzheitlich zu verstehen. Es ging uns nicht nur um Funktionalität und Know-how, sondern um den modischen Grad und die Trendaffinität. AlphaTauri steht für Experimentierfreudigkeit und Pionierwesen, gepaart mit fokussierter Marktorientierung. Das halte ich für eine sehr starke Partnerschaft. Dieser erste Drop war der Kick-off für eine umfassendere Vision. Was sind die Next Steps im Produkt und in der Strategie? Ahmet Mercan: Wir stehen immer vor der Herausforderung, Funktionalität mit Style zu verbinden. Das begleitet uns bei AlphaTauri seit Beginn an. In Pionierarbeit übersetzen wir technologische Innovationen in Mode. Uns hat von Anfang an die Idee

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„Eine gute Netzabdeckung und ein schnelles Netz sind der primäre Bedarf einer Zielgruppe, die ihren Avatar so ausstatten will, dass er eine einzigartige Identität bekommt“, benennt Antje Hundhausen von der Deutschen Telekom, VP Brand Experience, die Herausforderung, die sie in Zukunft auf die Telekom und die Modebranche zukommen sieht.

getrieben, nach der Heatable Capsule Collection 1.0 direkt die zweite Stufe zu zünden, mit zusätzlichen Features und neuen Silhouetten. Heatable ist nur ein mögliches Feature, was sind andere Smart-Technology-Ideen, die sich umsetzen ließen? Ahmet Mercan: Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es wird langfristig darauf hinauslaufen, verstärkt über Sensorik, Feeds und Geo-Tracking unterschiedliche Services für den Träger zu bieten. Es gibt in vielen Industrien gute Beispiele dafür, wie Technologie die Einflugschneise für den Konsumenten ist, um ihm einen wahren Mehrwert anbieten zu können. Das ist genau der Punkt, an dem wir als Team arbeiten. Wie weit kann Intelligent Wear eurer Meinung nach gehen? Antje Hundhausen: Wir haben im ersten Schritt mit der App gestartet, die die Wärmeleistung der Jacke regelt. In Zusammenarbeit mit dem DFKI,


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dem Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz, und mit anderen Experten wollen wir aber viel weiter gehen, beispielsweise eine Jacke entwickeln, die ganz genau weiß, was du brauchst, auch in gesundheitlicher Hinsicht – integriert wie bei einer Smart Watch. Eine App, die sich über deine Jacke mit deinem Körper verbindet und wie ein Personal Assistant agiert. Einen technischen Entertainmentfaktor in einem Produkt zu platzieren, ist durchaus Teil einer zugegeben weit gefassten Form der Gamification. Ist das der nächste große Hype, vor dem wir stehen? Die Verbindung von Gamification mit Personalisierung, die ganz neue Produktideen, Zugänge zum Konsumenten und ein völlig anderes Storytelling ermöglicht? Antje Hundhausen: Damit beschäftigen wir uns intensiv auf ganz unterschiedlichen Ebenen, primär um den Zugang zu der jungen Zielgruppe zu haben. Die Reise beginnt gerade erst und es gibt unendlich viele Produkte und Services, die ergänzend Sinn machen und wo wir noch stärker vernetzen können. Aus dem Gaming- und E-Sports-Bereich kann man sehr viel lernen. Es entsteht eine ganz neue Sprache, und die müssen wir als Marke einfach verstehen. Die Hälfte aller Deutschen sind heute Gamer oder E-Sportler, ein gigantischer und in vieler Hinsicht noch unbekannter Markt. Was Gaming in unsere Branche bringt, ist ja vor allem auch eine überlegene Technologie, und die Idee, wie man diese für einen veränderten Markt und Konsumenten adaptieren kann. Ahmet Mercan: Das größte Potenzial sehe ich hier in der cross-funktionalen Vernetzung von Industrien. Denn, was definitiv auf uns zukommt, ist ein komplett neues Verständnis von Lifestyle und 144

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Im Januar 2020 launchten AlphaTauri, Telekom Fashion Fusion und Schoeller Textiles erstmals eine Capsule mit zwei Jacken und einer Weste, deren Heizfunktion sich per App steuern lässt. Nur der Anfang einer gemeinsamen Vision.

Komfort. Unsere heranwachsenden Konsumenten werden die Agenda definieren, wie wir Mode, Konsum oder Technologie zunehmend miteinander vernetzen müssen. Wenn wir uns die asiatischen Märkte ansehen, haben wir in Westeuropa global gesehen noch viel Nachholbedarf. Niemand kann momentan vorhersagen, was in Zukunft das richtige Produkt ist, wir müssen beobachten, ausprobieren und bereit sein, uns immer in Rekordzeit anzupassen. Bestes Beispiel: Digital Fashion. Für Brands ist das unheimlich attraktiv, weil die Wertschöpfungskette hier eine ganz andere ist und viele völlig neue Aspekte einfließen. Doch zumindest momentan ist es noch so, dass man in der virtuellen Welt nur eine Rolle spielen kann, wenn man auch in der physischen Welt ein Faktor ist.



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Professionelle Datenerhebung, Auswertung und Transparenz sind die Grundsätze, die Hakan Temür mit LSTNR seinen Partnern als Leistung anbietet. Data for Good und Digital Community Technologien sollen den Einzelhandel bei der dringend nötigen Transformation zum Connected Retail as a Service begleiten.

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DATA FOR GOOD Hakan Temür von LSTNR skizziert die Absurdität des Ist-Zustands daran, dass man als Kunde heute die eigenen Daten von Plattformen zurückkaufen muss, um seine Community zu erreichen. Der Ansatz, die eigenen Daten allen zugänglich zu machen und zu teilen, um Transparenz zu schaffen und effizienter und nachhaltiger zu werden, war die grundlegende Motivation für seinen Retailinnovation Hub LSTNR. Text: Isabel Faiss. Fotos: LSTNR

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as waren und sind die tiefen Treiber für dich, die Gesetzmäßigkeiten des Retails radikal zu hinterfragen, und was setzt ihr mit LSTNR um? Nach 25 Jahren Erfahrung im B2B Brandmanagement für Fashion- und Lifestylemarken und zehn Jahren im B2C Retailbereich, habe ich 2019 entschieden, beide Know-hows zu verzahnen und als Commerce- und Experience-Space neu auszurichten. Anfang 2020 wollten wir dafür ein digitales Framework an den Markt bringen, das uns erlaubt, alles messbar zu machen, was heute technologisch und datenschutzkonform möglich ist, gekoppelt an innovative Dienstleistungen. Grunddisziplin dieser Dienstleistungen ist Retail as a Service. Dann kam die Pandemie und wir konnten nicht wie geplant öffnen. Daher haben wir das Framework im Plug-and-Play-Prinzip in unserem existierenden Conceptstore The Listener in Frankfurt umgesetzt, um einen konzeptionellen Beweis zu schaffen. Dafür haben wir verschiedene Bereiche definiert, um diese Technologien zu testen, damit unsere Partner ihre Ware und ihre Abverkaufsleistung in Echtzeit managen und mit uns interagieren können. Welche Rolle spielt ihr dabei? Wir stellen als Dienstleister die Fläche, unsere Community, unsere professionellen Berater als Storyteller und unsere Zusatzleistungen zur Verfügung. Zusätzlich dazu testen und entwickeln wir permanent verschiedene Expe-

rience-Themen vom Live Broadcasting, über Content-Erstellung, bis hin zu möglichen Gamification-Ansätzen mit VR- und AR-Experiences. Dafür beobachten wir immer auch, was es an bestehenden digitalen Lösungen bereits im Markt gibt, die für den Handel prädestiniert wären, um digital interagieren zu können. Wir entwickeln nicht alles intern, sondern aktivieren die entsprechenden spezialisierten Partner, bringen sie zusammen und präsentieren sie bei uns. Unser Ziel ist es, unseren eigenen Store auf die nächste Stufe zu heben und auch andere Marken einzuladen, in diesem Space ihre Prototypen zu testen und Dinge einfach mal auszuprobieren – immer hocheffizient messbar. Deine These ist, dass in Zukunft kein Händler mehr Inventory besitzen wird. Wie funktioniert Handel dann? Die Zukunft des Retails liegt nicht mehr darin, Ware einzukaufen. Davon sind wir überzeugt. Es ist heute schon teilweise Realität, dass Onlinestores nur noch Konzessionsware anbieten. Das bedeutet, dass die Plattform zwar für die Verkäufe weniger Marge bekommt, ihre Community zur Verfügung stellt und die Ware Eigentum der Marken bleibt, aber somit das Stockrisiko minimiert wird. Das wird sich durchsetzen, denn die Marken wollen den direkten Zugang zum Konsumenten. Und die Technologie ermöglicht ihnen das. Daher ist es entscheidend, welche Community ein Händler um sich herum style in progress

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aufbaut, denn diese Community ist das Asset für die Marken, welches sie über den Partner erreichen möchten. Am liebsten würden Marken die Kunden auf ihre eigene Plattform ziehen, also das Direct-to-Consumer-Modell. Händler wie wir sind also eine Art Aktivator, um Marken diesen Zugang zu schaffen und unsere Community zu teilen. Dann ist aber die Frage, welche Relevanz Partner noch haben, wenn Communitys ausgeschöpft sind. Was passiert danach? Müssen wir dann immer neue Marken akquirieren, um mit ihnen unsere Communitys zu teilen? Das Thema ist extrem komplex und es gibt noch keine Blaupause. Listener ist das Labor, in dem wir unterschiedliche Themen dieses neuen Ökosystems prüfen, um unsere Erkenntnisse im Markt weiterzugeben. Wie kann man sich das konkret vorstellen? Wir wollen den beschriebenen Framework größer und erlebbarer machen, indem wir die Themen Hospitality, Mental Health, Future Foods und alles zu urbanen Trends wie Urban Living und Mobility in Zusammenhang mit einem Studio für Content Creation, Broadcasting und einer Bühne präsentieren. Auf dieser Bühne werden verschiedene Marken neu aufgesetzt und wir bringen sie entsprechend in Echtzeit messbar mit unseren Kunden zusammen. Neue Flächen müssen Experience-Flächen sein, denn die Monetisierungsoptionen für den Händler werden nicht mehr wie bisher das Provisions- und Margengeschäft sein. In der Zukunft wird daraus ein Servicepaket, bestehend aus Dienstleistungen wie Flächenvermietung, Abonnements, Zusatzleistungen, Software oder die Bereitstellung von Personal. Es gibt bereits gute Konzepte wie Showfields in New York, Blaenk in Köln, Vaund in Hannover oder The Latest in Berlin. Das sind unterschiedliche Player in vereinzelten Fokusfeldern und alle vereint das Modell Retail as a Service. Aber ohne Technologie, die richtige Software und das entsprechende Mindset ist es unmöglich all die Zukunftsthemen des Handels spielen zu können. Das Ziel ist immer, am Ende einen belastbaren Proof of Concept zu haben und aus dem Raum des Listeners heraus einen Ansatz multiplizieren zu können. Unser digitales Framework ermöglicht alles, egal ob man ein Display ansteckt, eine Sensorikbox oder ein Gaming-Tool. Unser Konzept lässt sich überall aufsetzen, egal ob auf einer Messe, in einem Pop-upStore oder einem Zelt. Mit Listener sind wir sozusagen an die Front gegangen, haben die ersten Voraussetzungen

geschaffen, gemeinsam neue Lösungen zu generieren, indem wir Musterprojekte ausarbeiten, die wir transparent unserer Community zur Verfügung stellen. Stichwort Gamification. Wohin entwickelt sich diese Thematik deiner Meinung nach? Für mich geht der Weg in die Richtung, ein ganzes Paket bestehend aus Digital Design, Virtual Showroom, Smart Supply on Demand, die digitale Nachverfolgbarkeit und maximale Transparenz aller Protagonisten als digitales Qualitätssiegel für Marken, Händler und Produkte zu schnüren. Die Zukunft misst sich in einer digitalen Währung, alles wird digital, denn alles hat heute einen digitalen Fußabdruck. Dafür müssen wir die gesamte Wertschöpfungskette von Produkten und Dienstleistungen so transparent machen, dass diese Transparenz auch in der dazugehörigen Community zu einer Art Scoring führen kann.

„Wir wollen die Plattform sein, auf der man sich im Plug and Play sowohl physisch als auch in der Cloud Expertise, Daten und transparentes Experten-Know-how holen und seine Prototypen testen kann.“ Hakan Temür, LSTNR

„Game over old retail, welcome new world”, titelte eine Schaufensteraktion bei The Listener als Querverweis auf die neue Ausrichtung.

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DAS PRINZIP VON SPIEL, SPASS UND SPANNUNG Schon 1974 hat Michele Ferrero mit seinem weltberühmten Überraschungsei vorgemacht, was sich gerade als gigantischer Markttrend etabliert: Gamification als Konsumbeschleuniger am PoS. Über hochentwickelte Technologien und KI-gesteuerte Systeme wird der natürliche Spieltrieb der Kunden nach Lust und Laune da platziert, wo er am meisten Sinn macht: im direkten Umfeld des Produkts und der Marke. Erste Leuchtturmprojekte im Handel lassen erahnen, dass der kreativen Spielwiese in der Kombination aus digitaler und physischer Welt kaum Grenzen gesetzt sind. So wird der Point of Sale zum Point of Emotion. Text: Isabel Faiss. Fotos: Stores 150

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„Media Machine“ nennen die Architekten von Clou Architects ihr Konstrukt mit interaktiven Fassaden für die UniFun Mall in Chengdu. Digital bespielbare Flächen kommunizieren und interagieren mit ihrer Umwelt.

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amification sammelt als Begriff alle Ideen, sich die Technik und Logik, Ästhetik und Funktionalität von Gaming-Plattformen zunutze zu machen und genreübergreifend einzusetzen. Die Herangehensweisen sind vielfältig, das Ziel aber immer das gleiche: Kunden sollen durch Spiele, den spielerischen Umgang mit Technologie und Waren oder direkt in ihren Lieblingsspielen angesprochen und zum Shoppen animiert werden. Das funktioniert über themenspezifische Capsule-Kollektionen, die exklusiv innerhalb eines Games angeboten werden, integrierte Gaming Tools am PoS oder App-gesteuerte Verknüpfungen von realer und virtueller Welt. Manche Marken legen im Metaverse buchstäblich eine Fährte und locken die User darüber in den realen Store. Der Spaß am Sammeln, Spielen, Entdecken und Gewinnen ist der menschliche Urtrieb, der daraus eine Erfolgsstory macht.

DAS PHYGITALE ERLEBNIS Als sich Digital Design-Masterminds wie Art Director Andrés Reisinger, Amber Jae Sloten von The Fabricant und Fredrik Hellberg von Space Popular für das exklusive Dezeen Club Symposium über den rasanten Aufstieg des Metaverse austauschten, saßen sie in einer virtuellen Rooftopbar auf Gather. Per Avatar nahmen über 200 Gäste an der Diskussion teil, genossen die fiktive Szenerie, bestellten Cocktails. Was auf Plattformen wie Gather, Fortnite, Altspace oder Second Life mithilfe des Avatars Realität ist, kommt jetzt als Erlebnis in den physischen Retail: die fließende Vermischung von realem und digitalem Erlebnis in Echtzeit. Gamification schlägt im Physischen die Brücke zu einer individualisierten virtuellen Parallelwelt, doch der Konsum bleibt real abbildbar und der direkte Effekt einer Maßnahme ist dank Datenerfassung messbarer denn je.

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Digitale Werbung, aktuelle Games, Feuerwerk zum chinesischen Neujahresfest – die interaktive Fassade des UniFun lässt sich individuell auch per Smartphone erleben.

Unifun/Chengdu

Multimedia-Fassade UniFun Chengdu ist eines der Projekte, die 2021 ein Zeichen gesetzt haben. Die Mall verbindet die physische und die virtuelle Welt, indem Kunden schon bevor sie den physischen Raum betreten über die interaktiven Flächen der Fassade virtuell buchstäblich hineingezogen werden – beispielsweise über das Scannen des angezeigten QRCodes. Die Mall interagiert über ihre Fassaden mit der Umgebung, die bewusst als kleiner Park angelegt ist – der perfekte Ort für den After-WorkTreff der aufstrebenden Generation von Technologen, die sich in dem Viertel Tianfu üblicherweise tummelt. Und Passanten werden über Spotlights, aktuelle Themen, kleine Games und Aktionen in Echtzeit themenspezifisch angesprochen.

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Inspiriert von der Anime-Game-Kultur in den sozialen Medien bietet das Cube-Konzept eine neue Plattform, Architektur und digitalen Kontext zu verbinden. Innovatives architektonisches Design und topaktuelle Inhalte – ob globalisiert oder lokalisiert – synchronisieren sich, um gemeinsam ihre jeweilige Reichweite über die Schnittstelle zwischen virtueller und physischer Welt zu erweitern.“ Clou Architects


18–20/01/2022 Frankfurt


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Spaß am laufenden Band: Im Skill Cube lässt Puma seine Kunden in virtuellen Trainingssessions mit Profisportlern seine Produkte testen.

Erlebnisse wie diese, die Online und Offline nahtlos verbinden, sind definitiv die Zukunft der Gamification im Handel. Aber der Schlüssel ist die Genialität. Stupide Technik-Tools auf seinen Flächen in der Hoffnung zu installieren, das mache einen besonders, wird nicht funktionieren. Man muss bei seinem Kunden anfangen, sich fragen, wie er tickt und daraus ein wirklich authentisches Erlebnis für ihn kreieren.“ Oliver Roddy, Greenroom Design

Mit elf themenbezogenen Erlebniszonen und 29 verschiedenen Produktinteraktionsstationen, die sich über die fünf Stockwerke verteilen, soll die Mall zum mehrdimensionalen Erlebniszentrum werden.

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Puma/New York

Der Skill Cube – Markenbotschafter am PoS Auf der Fifth Avenue in New York eröffnete Puma 2019 seinen ersten Flagshipstore in den USA. Mit technisch ausgestatteten Engagement Zones setzt das Konzept vor allem auf die Gaming- und Technikaffinität der jungen Zielgruppe. Das Designbüro Greenroom kreierte dafür als Herzstück den Skill Cube als Attraktion und Touchpoint zwischen Kunde und Marke: „Wir haben ein Testszenario für Produkte entwickelt, das es dem Kunden ermöglicht, gecoacht von Sportikonen wie Romelu Lukaku, Antoine Griezmann und Lewis Hamilton einige Übungseinheiten zu absolvieren“, sagt Oliver Roddy von Greenroom Design. Jeder Kunde kann sich für den Skill Cube im Store Produkte aussuchen und sie direkt testen.

JD Mall/Xi’an

Erlebnistempel der Superlative Omnichannel ist hier als nahtlose Verschmelzung von Serviceleistungen, Vertrieb, Logistik und Warensteuerung zu verstehen, denn JD.com profitierte für die Eröffnung seiner physischen Omnichannel-Mall in Xi’an von seiner Expertise im E-Commerce. Über das Scannen von QR-Codes in der App WeChat können sich Kunden Produkte direkt nach Hause schicken

lassen, ihren Kauf auf WeChat mit ihrer Community teilen und Bonuspunkte sichern. Das Erlebnis steht überall im Vordergrund. Mit technischen Innovationen und Gadgets wie holografischen Projektionen, VR-Tools, KI in Form von Robotern, einem virtuellen Livestreamraum und einem öffentlichen Gamingbereich spricht die Mall ihre technikaffinen Kunden an.


white-sand.it @whitesandofficial


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Hipanda Store/Tokio

Das Ghost House Die dazugehörige App macht aus diesem Store im Herzen Tokios über AR und AE-Tools ein mehrdimensionales Erlebnis. Das Ghost House besteht aus einer Reihe von Sequenzen, in denen der Besucher auf der Suche nach dem Hausherrn, dem grimmigen Hipanda ist. Auf den ersten Blick ist er unsichtbar und taucht dann plötzlich bei verschiedenen Interaktionen auf. Einige davon digital, einige analog. Mit dem Hipanda Store in Tokio schuf die japanische Designagentur Curiosity bewusst einen Erlebnisraum, der die Erwartungen der Kunden an das Einkaufserlebnis neu definierte.

Breakout with Karl ist ein klassisches Arcade-Game, das auf allen Devices mühelos gespielt werden kann – auch in den Karl Lagerfeld Stores.

Breakout with Karl/Smack Agency

„Es zeigt, dass man sich Gedanken gemacht hat und etwas zurückgeben will“ Mit Breakout with Karl kreierte die britische Designagentur Smack Agency gerade das dritte Webgame für Karl Lagerfeld zum Launch der Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2022. Kreativdirektorin Lubna Keawpanna erklärt, warum in diesem Thema viel mehr Wertschöpfung steckt, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Für Agenturgründerin und Kreativdirektorin Lubna Keawpanna von Smack Agency ist Gaming als Marketingtool bereits gesetzt.

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Die Zusammenarbeit mit Karl Lagerfeld war der perfekte Kick-off. Wie viele weitere Projekte stecken gerade in der Pipeline? Seitdem haben wir Games für Tory Burch für den Markt im Nahen Osten erarbeitet und bringen nächsten Monat ein Spiel zum 50. Jubiläum von Molton Brown heraus. Und wir hatten das Glück, in den letzten zehn Jahren Spiele für großartige Einzelhändler wie Ted Baker, Crabtree & Evenlyn, St. Tropez, Olivia Burton und viele mehr zu entwickeln. Worin steckt das große Potenzial für den Einzelhandel? Gamification ist eine großartige Möglichkeit, Kunden zu bewegen und ihnen das Gefühl zu geben, etwas für sie getan zu haben. Dass man an sie gedacht hat und ihnen etwas zurückgeben möchte. Es zeigt diese großen Marken in neuem Licht, macht sie spielerischer, sympathischer und zugänglicher. Die Nutzer lieben es, mit digitalen Aktionen zu interagieren, die gut gemacht sind und ihren Lifestyle repräsentieren, abgerundet durch ein tolles Werbegeschenk. Das ist die Win-win-Situation für beide, für Marke und Konsument.

Wieviel Kraft hat das Thema in Zukunft? Wenn Marken auf völlig neue Art wahrgenommen werden, bleiben sie im Gedächtnis, wodurch sich der Umsatz steigert. Es ist eine großartige Möglichkeit, bestehende und neue Kunden zu binden, das Kundenerlebnis zu verbessern, eine Marke einzigartig zu machen und die Erwartungen technisch versierter Kunden zu erfüllen. Das wird bald ein No-Brainer sämtlicher Marketing-Mixes in der Modeindustrie.



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Nike/Paris

Europas House of Innovation Nach New York und Schanghai öffnete in Paris das erste Nike House of Innovation in Europa. Der Name ist Programm, wie es die Liste an technischen und App-basierten End-to-end-Digitallösungen erkennen lässt, die Online und Offline nahtlos miteinander verknüpfen. So kann man sich beispielsweise online eine Auswahl erstellen und beim nächsten Besuch direkt in die Umkleide liefern lassen oder per Swoosh Text mit den Mitarbeitern chatten.

An der interaktiven Gaming Station Kids Pod können Kunden die Produkte aus der Kinder- und Jugendabteilung bei kurzen Bewegungsspielen über den Monitor direkt ausprobieren.

Showcase der geballten Data-Kompetenz. An der Mission-ControlWand veröffentlicht Nike alles an Daten, was den Kunden interessiert: Sportergebnisse, Aktionen im Store und weltweit, App-Innovationen, Produktinfos aus dem Research Lab und auch das Wetter.

Philipp Reinartz/Pfeffermind

„Das Meiste geschieht im Kopf“ Die Berliner Agentur Pfeffermind ist eine der wenigen, die sich ausschließlich auf die Entwicklung von Games und gamebasierten Lösungen für Unternehmen spezialisiert hat. Mit Kampagnen für unter anderem Ikea, Samsung und das Goethe Institut kennt Agenturinhaber Philipp Reinartz die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten für den Einzelhandel. Stecken hinter dem Erfolg von Gamification eigentlich hochkomplexe Marktmechanismen oder pure, menschliche Logik? Die Erfolgsgeschichte von Gamification beruht meiner Erfahrung nach auf der Konzentration auf das Individuum. Es wird eben nicht primär nach Marktmechanismen geschaut. Wir überlegen heutzutage viel mehr als früher: Was macht Menschen wirklich Spaß? Wie können wir sie motivieren? Wie können wir ihnen lästige To-Dos angenehmer gestalten? 158

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Gibt es Sweet-Spots, an denen man idealerweise in das Thema einsteigt? Gamification kann auch im Einzelhandel in ganz verschiedenen Bereichen eingesetzt werden. Geht es um die Mitarbeiter, geht es um die Kunden? Was sind meine Ziele? Spiele sind Motivationskunstwerke. Gamification überträgt deren Pinselstriche auf andere Leinwände. Wie viel Potenzial sehen Sie lang- und mittelfristig? Der Gamification-Markt wächst seit einigen Jahren rasant. Mittlerweile haben die meisten großen Firmen das Thema auf dem Schirm, mit einem Drittel der DAX-Konzerne habe ich bereits Projekte gemacht. Vor zehn Jahren mussten wir Klinken putzen, um Gehör für unsere Ideen zu finden.

Als Gamification-Experte arbeitet Philipp Reinartz mit seiner Agentur Pfeffermind mit Kunden wie Ikea, Sky oder Samsung zusammen.



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LECTRA

NEXT LEVEL: MADE TO MEASURE

On Demand – darin steckt ein Versprechen an den Kunden und seine direkte Mitsprache im Produktentstehungsprozess und an die Industrie, dadurch mehr Effizienz statt Überproduktion und Retouren zu erzielen. Digitale Transformation, Industrie 4.0 und technologische Serviceleistungen – die Lösung komplexer Produktionsabläufe sind das Terrain, auf dem sich das französische Unternehmen Lectra als Experte etabliert hat. Jetzt hebt es On Demand auf das nächste Level. Text: Isabel Faiss. Fotos: Lectra

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lötzlich ist man kein Buchstabe mehr, auch keine Nummer, kein genormtes L oder Größe 38 steht im Kragen, sondern das, was deine Maße wirklich sind: Du. Wenn die entsprechende Technik und das richtige Verständnis der Logik von On Demand zusammentreffen, entwickelt sich daraus etwas, das in der Modebranche viele Probleme löst. Soweit die Theorie. Für die Machbarkeit und Umsetzung macht das französische Unternehmen Lectra ein sehr konkretes Angebot. Es kommt aus der Vorstufe und hat sich mit Zuschnittmaschinen, CAD- und Legesoftware in der Branche etabliert. Inzwischen richtet sich der Fokus bei Lectra immer mehr auf den Konsumenten, ein Umdenken, das Jacqueline Claudia Kellner in der gesamten Branche als Megatrend ausmacht: „Früher hat die Industrie dem Konsumenten ein Angebot gemacht, heute bestimmt der Konsument selbst, wie dieses auszusehen hat. Die Industrie lauscht jetzt dem Kunden, nicht anders herum, die Individualisierbarkeit des Produkts steht im Fokus.“ Darauf hat man im Headquarter in Bordeaux-Cestas reagiert und bietet der Modeindustrie ganzheitliche Konzepte für die praktische Umsetzung von Produkten On Demand an, die Customization skalierbar machen. Für Steffen Meiler von Lectra baut sich der Spannungsbogen darin auf, das in der Maßkonfektion schon gelernte Modell jetzt über

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neue Technologien auf alle Produktgruppen anzuwenden. Mit einigen internationalen Kunden ist Lectra diesen Weg bereits gegangen. AGILITÄT IST DER SCHLÜSSEL

„Man kann On Demand als nützliches Tool für kurzfristige Flashprogramme und kleinere Serien verstehen, um kurzfristig Themen im Markt nachzujustieren, man kann aber eben auch Maßfertigung (Made-to-Measure) und/oder Customization (nur die Änderung des Modells, ohne Maßänderung) betreiben“, sagt Steffen Meiler. Für ihn gibt es zwei Stellschrauben, die alles entscheiden. Zum einen, wie gut man seinen Kunden kennt, denn es geht nicht mehr um Zielgruppen, sondern um Einzelpersonen. Zum anderen, wie schnell man dessen spezifische Wünsche über alle Level der Vorstufe hinweg produzieren kann. Weil das Timing entscheidet, ist maximale Agilität die Voraussetzung, womit er konkret „kleine bis mittelgroße Produktionen vor Ort“ meint. Als Experte für digital gesteuerte Zuschnitttechnik hat Lectra drei Module entwickelt, um für seine Kunden aus der Modeindustrie On Demand so simpel wie möglich umsetzen zu können: Made to Order für Kleinserien und Flashprogramme mit standardisierten Produkten, Made to Customize harmonisiert mit Konfigurations-


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programmen und klar definierten Gestaltungsoptionen. Und schließlich Made to Measure, als höchste Stufe der Individualisierung, die Lectra als 360-Grad-Supplier anbieten kann. CUSTOMIZATION FÜR DIE MASSE

„Wir haben bereits einige Kunden, die an verschiedenen europäischen Produktionsstandorten von uns über die Cloud synchronisierte Zuschnittmaschinen installiert haben, um in ihren Fabriken zweigleisig produzieren zu können. Das Mindset, dass man neben einer physischen Produktion auch eine virtuelle in der Cloud managt, setzt sich immer mehr durch. Momentan arbeiten wir sehr fokussiert mit kleineren Marken zusammen, die viel stärker direct to consumer ausgerichtet sind. Customization und Maßfertigung ist bereits auch ein wachsendes Thema für Global Brands und Retailer“, sagt Steffen Meiler. Dass Lectra mit diesem System attraktive Anknüpfungspunkte für Sharing-Economy-Modelle anbietet, erfährt Jacqueline Claudia Kellner tagtäglich durch zahlreiche Anfragen aus der Start-up-Szene, die sie über ihre Zusammenarbeit mit dem German Fashion Council erreichen. Aktuell ist das allerdings noch nicht ganz die Realität. Die Herausforderung für solche Kleinstfabriken im CopyShop-Prinzip liegen für Steffen Meiler bisher noch bei

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den Zugriffsrechten, doch es könnte der Schritt in die richtige Richtung sein: „Wie krisenanfällig eine Produktions- und Sourcing-Strategie ist, die auf die Vergabe von Produktionsslots in Fabriken am anderen Ende der Welt basiert, erfährt die Modebranche gerade schmerzhaft.“ In der On-Demand-Produktion sieht er nicht nur für den Endkonsumenten einen enormen Service-Boost, sondern auch für seine Kunden hinsichtlich der Nachhaltigkeit, dem Firmenwachstum und dem effizienteren Umgang mit Ressourcen. „Auch der Handel profitiert von der schnellen Nachlieferfähigkeit und dem bedarfsgerechten Auffüllen von besonders gefragten Artikeln anstelle von gigantischen NOS-Programmen.“ Im Grunde dreht das Angebot, das Lectra seinen Kunden hinsichtlich Customization und On Demand macht, die gelernten Logiken der Mode seit Beginn der Massenproduktion um – konkrete Nachfrage muss die Branche nur erst wieder lernen.

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THE AURA BLOCKCHAIN CONSORTIUM

SO FUNKTIONIERT EIN KOLLEKTIVES HIRN

Mit der Non-Profit-Organisation Aura haben sich die Unternehmen Cartier, die Gruppe von Richemont, LVMH und die Prada Group ihr eigenes Kompetenzzentrum erschaffen. Entstanden auf neutralem Boden, dient der gemeinsame Dienstleister nicht nur der Entwicklung neuer Softwarelösungen für die digitale Zertifizierung. Aura ist auch Thinktank und Innovationsplattform für komplexe Technologien und Fragestellungen. Ein Leuchtturmprojekt unter der Leitung von Daniela Ott, das nach drei Jahren Entwicklung 2021 live ging. Text: Isabel Faiss. Fotos: The Aura Blockchain Consortium

Unter dem Motto „Competitors collaborate for the greater good“ hat sich das Team von Aura unter der Leitung von Daniela Ott aufgemacht, Blockchain-Technologie einfacher und vielen zugänglich zu machen.


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lockchain ist einer der Begriffe, der nur Insidern ein klares Bild liefert. Was genau macht also Aura? Aura ist ein Blockchain-Konsortium, das auf Non-Profit-Basis als gemeinnütziger Verein mit Hauptsitz in Genf von Cartier, die Gruppe von Richemont, LVMH und der Prada Group gegründet wurde. Wir agieren wie eine Softwarecompany, die Blockchain-basierte Lösungen in Form von digitalen Zertifikaten und digitalen Zwillingen für analoge Produkte liefert. Darüber hinaus bieten wir auch verschiedene Applikationen für unsere Marken, um leichter Informationen aus der Blockchain zu gewinnen oder sie in die eigene Markenwebsite zu integrieren. Wie macht Aura mit dieser Technologie die Modeindustrie und die Welt besser? Ganz konkret gibt es drei Punkte, in denen Aura die Welt tatsächlich besser macht. Der wichtigste ist sicherlich die Nachhaltigkeit, die wir über die Transparenz und Nachverfolgbarkeit vom Rohstoff bis hin zum fertigen Produkt bieten. Damit geben wir dem Verbraucher ein sehr wertvolles Tool in die Hand und rücken ihn ins Zentrum. Denn die Informationen über die gesamte Lieferkette sind auf der Blockchain gespeichert und Marken können auch nach dem Kauf über sie Services anbieten. Dafür muss Blockchain extrem easy sein, woran wir jeden Tag arbeiten. Alle Informationen, die wir über RFID-Codes, Chips, invisible Inc oder AI Imaging als Tag an einem Produkt anbringen, liefern eine wertvolle Basis für Bereiche wie Recycling, Schutz vor Plagiaten und Reparatur oder Instandhaltung. Der Secondhandmarkt spielt im Luxusgüterbereich eine große Rolle und Blockchain liefert die Sicherheit für diesen Markt. Auch die Kreislaufwirtschaft wird enorm davon profitieren, wenn die Echtheit eines Produktes mitsamt seiner Vergangenheit abrufbar ist. Es wird den gesamten Resale-Markt revolutionieren, wenn man das digitale Zertifikat eines Produktes auf seinem Handy hat, man die Funktion „verkaufen“ wählt und direkt mit den entsprechenden Marketplaces verbunden wird, die dann alle Informationen des Produktes automatisch übernehmen. Das macht die gesamte Abwicklung so viel sicherer und einfacher. Für all diese Themen erarbeiten wir in Komitees gemeinsam mit unseren Kunden zielgerichtete Lösungen. Als Technologie-Hub ist ihnen etwas gelungen, was an anderer Stelle unmöglich erscheint: die Zusammenarbeit von Konkurrenten zum Wohle aller. Im Luxussegment! Welche Argumente haben das möglich gemacht? Als Luxusmarken haben alle die gleichen Herausforderungen zu meistern. Neu entwickelte digitale Lösungen werden durch unsere Schnittstelle im Konsortium nicht nur für alle günstiger, viel wichtiger ist auch, dass die Marken untereinander voneinander lernen. Das ist der größte Vorteil der Non-Profit-Struktur, weil wir nicht den maximalen Gewinn, sondern das gemeinsame Ziel haben, neue Technologien für alle maximal einfach

zugänglich zu machen. Würde beim Thema Blockchain jeder selbst loslaufen und eigene Lösungen entwickeln, wäre es ineffizient und würde keine Standards setzen. Unser Slogan lautet „Competitors collaborate for the greater good“ – was in unserem Fall der Planet und der Konsument ist. Im Frühjahr 2022 stellen sie eine NFT Marketplace Solution vor? Anders als öffentliche Blockchains wie Bitcoin sind wir privat geführt und haben volle Transparenz und Entscheidung darüber, wer Zugang zu Informationen auf unserer selbst gebauten Blockchain bekommt. Das ist nachhaltiger und sicherer. Schon jetzt haben wir jedes Jahr Millionen NFTs als digitale Zertifikate generiert, die in unserem Fall immer zu einem physischen Produkt verlinkt sind. Damit sind es keine NFTs, wie man sie von Crypto Punk und dem spekulativ getriebenen Kunstmarkt kennt. Uns geht es vielmehr darum, unsere Marken von Anfang an mit der entsprechenden Technologie darin zu unterstützen, NFTs langfristig auch als rein digitales Produkt oder Verlinkung von physikalischem und digitalem Produkt in ihre Produktstrategie zu integrieren. Für manche wird das in zehn, 15 oder 20 Jahren sein, für andere nächstes Jahr. Wie viel Power steckt tatsächlich im Thema NFT? Die Idee dahinter macht einfach Sinn. Man kauft sich das NFT in einem Onlineshop, kann es am Alterego im Metaverse sofort „tragen“, es in seinen digitalen Kleiderschrank hängen und bekommt auf Bestellung das physische Produkt, das eigens produziert wurde. Ich merke an meinen Kindern, wie fließend die Grenzen zwischen real und digital geworden sind. Digitale Assets sprechen nicht nur Digital Natives an, das ist nicht nur ein Thema für Gamer und Sammler. NFTs als Tool für digitale Nachverfolgbarkeit und Zertifizierung wird das physische Produkt im ersten Schritt nicht ersetzten, bringt aber einen enormen Grad an Professionalisierung und Sicherheit in das Luxussegment. NFTs als rein virtuelle Assets sind der Next Step, wo der Kreativität und dem Spaßfaktor keine Grenzen mehr gesetzt sind.

Hochkarätige Zusammenarbeit: Cartier, die Gruppe von Richemont, LVMH und die Prada Group gründeten Aura als gemeinsames Non-Profit-Kompetenzzentrum.

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In Sachen Neugier steht Hündin Miss Lou ihrem Besitzer Marco Lanowy um nichts nach: Die erste von vielen Jubiläumskooperationen im Jahr 2022, eine Hundeleine, zollt Tribut an die HUNDert Jahre der Marke.

ALBERTO

„WIR WOLLEN JA AUCH 101 UND 102 WERDEN“ Mit vielen kleinen Überraschungen feiert Alberto 2022 sein 100-jähriges Bestehen. Aus der Vergangenheit nehmen Marco Lanowy und sein Team mit, was sie zukunftsfähig macht. Text: Martina Müllner-Seybold. Foto: Alberto

„Manchmal finde ich, dass die Klappe zu halten und zuzuhören der bessere Weg ist“, schmunzelt Alberto-Chef Marco Lanowy. Mit dieser Attitüde erobert der Hosenspezialist aus Mönchengladbach jüngst eine Nische um die andere. Die Triebfeder für diese Diversifizierung ist jedoch nicht reines Kalkül. „Es ist schlicht Neugier. Wir überraschen, weil wir neugierig sind und Produkte entwickeln, die neugierig machen.“ Dem urbanen Fahrradfahrer, dem Golfer, dem Weitwanderer, dem Barista – all diesen Mikro-Zielgruppen präsentiert sich Alberto als Problemlöser. „Wir sind Dienstleister – und 164

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zwar nicht nur unserer Großhandelskunden, sondern vor allem für die Menschen, die uns tagtäglich tragen.“ Einen Zweck zu erfüllen, ja, überzuerfüllen, ist Marco Lanowy überzeugt, lässt erst echte Nachhaltigkeit entstehen. Diese definiert Alberto profund, statt sich nur mit Buzz-Words zu schmücken. „Statt um Parolen geht es um neue Normprozesse, Circular Economy und den Willen, an jedem noch so kleinen Detail zu schrauben. Zu tüfteln, wie man den Mix aus langstapeliger Baumwolle und kurzstapeligen Recyclingfasern gestalten muss, um Denim weiterhin reißfest und langlebig zu machen. Denn mit einer Recycling-Jeans, die schnell verschleißt, ist doch der Nachhaltigkeit nicht gedient.“ ES GEHT NICHT UMS ETIKETT, SONDERN UM DEN INHALT

Die Sache selbst, nicht deren bestmögliche Vermarktung, steht bei Alberto also immer am Beginn einer Überlegung. Kein Wunder also, dass das 100-Jährige kein Anlass ist, sich selbst zu feiern. „Sicherlich werden wir die Gelegenheit wahrnehmen, uns bei den

Menschen, die Alberto sind, zu bedanken. Unsere Jubiläumsaktionen allerdings sind feine Filetstücke, die wir das ganze Jahr 2022 über kommunizieren. Viele dieser Kooperationen werden überraschen und das ist bewusst so gewählt – denn wir sind ja 100 geworden, weil wir auch 101, 102 und am liebsten noch einmal hundert Jahre mehr werden wollen“, so Marco Lanowy. Keine Rückschau, keine Nabelschau, sondern den Blick fest nach vorne. Augenhöhe sei heute wichtig, so Marco Lanowy. Besonders in einer Handelslandschaft, die immer größere Verantwortung an die Hersteller auslagert. „Wir mögen Händler, die ein- und verkaufen“, bemerkt Marco Lanowy. Doch dass sich in der Gewaltenteilung zwischen Handel und Hersteller aktuell viel bewegt, will er nicht leugnen. „Händler sind von funktionierenden Strömen abhängig, sowohl tatsächlich als auch im übertragenen Sinne im E-Commerce. Mit unserer Aufteilung von 60 Prozent klassischer Vororder und 40 Prozent saisonalem Bestsellermanagement, für das wir das Risiko tragen, sind wir überzeugt, ein faires Angebot zu machen.“



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Managing Director Florian Wortmann sieht Baldessarini als Marke mit Standing.

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„EINE MARKE MUSS SICH HEUTE POSITIONIEREN“ Die Heritage der von Werner Baldessarini gegründeten Kollektion ist selbstbewusste Maskulinität. Die Zukunft sieht vielschichtiger aus, sagt Managing Director Florian Wortmann, der Baldessarini mit neuer Spannung auflädt – und mit Haltung. Interview: Nicoletta Schaper. Fotos: Baldessarini.

Baldessarini ist stark mit der eigenen Historie verbunden. Wie führt man das in die Zukunft? Als ich im vergangenen Januar gestartet bin, habe ich den Kontakt zu Werner Baldessarini gesucht, um die Marke zu verstehen. Ich bin überzeugt, dass man zu den Wurzeln zurückgehen muss, um sie glaubwürdig erneuern zu können. Ein Mann, der Baldessarini trägt, braucht eine hohe Selbstkenntnis – dieser Claim gilt bis heute. Doch so betont maskulin wie ursprünglich angelegt passt das nicht mehr zum modernen Männerbild. Männliche Looks sind absolut okay, aber sie sollten immer auch spielerisch und mit einem Hauch Ironie versehen sein. Spannend, bitte erklär das mal genauer. Unser modisches Leitbild heißt New Hollywood, mit der Aufbruchstimmung und dem Lebensgefühl von 1969, das wir ins Jetzt 166

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Starke Wurzeln, frische Modernität: Baldessarini geht einen stringent zeitgemäßen Weg.

transformieren. Es geht um die Lust am Experimentellen und darum, auch mal Grenzen zu überschreiten. Wer sagt, dass unsere Menswear nicht auch von Frauen getragen werden kann? Unsere Hemden aus fließender Viskose oder Seide zeigen, dass die Grenzen von DOB und HAKA mehr verschwimmen. Deshalb könnten wir uns auch vorstellen, in Zukunft eine kleine Kapsel mit unisex tragbaren Essentials herauszubringen – why not? Du beschäftigst dich viel mit der Generation Y und Z. Was bedeutet das für Baldessarini, zumal Konfektion zum Markenkern gehört? Ich glaube sogar stark an die Rückkehr der Konfektion, die aber anders interpretiert wird: Mit weiteren Silhouetten als Ausdruck der Sehnsucht nach Freiräumen, die auch mehr Komfort generieren. Das ist für mich genauso unverzichtbar wie die Auseinandersetzung einer Premiumbrand mit Nachhaltigkeit. Dafür steht unser Claim „Tribute to Nature“, beispielsweise ist unser Denim seit September BCI-zertifiziert und wir setzen zunehmend natürliche und naturbasierte

Stoffe mit wenig Wasserverbrauch ein. Wir informieren die Kunden darüber auch über den QR-Code, denn wir wollen für Verständnis sorgen. Überhaupt ist die Mode heute konsumentengetriebener. Ja, wobei die neue Generation die Trends vorgibt. In dem Zusammenhang wandelt sich auch das Produktmarketing zum Beziehungsmarketing, denn die Marke lebt vom Zusammenspiel mit der Community, die sich ein Lebensgefühl teilt. Wir wollen sie an den digitalen Touchpoints abholen, weshalb wir Content, Mode und Videos nicht nur in den Kinos zeigen, sondern auch über Social Media wie Instagram. Ebenso macht unser E-Shop Baldessarini erlebbar, wobei wir klar Fachhandelsmarke bleiben. Vor allem muss sich eine moderne Marke klar positionieren: zu Diversity, gegen Rassismus. Sich aus allem herauszuhalten, funktioniert nicht mehr. Nur wenn die Marke Haltung zeigt, kann ihre Mode zum Ausdrucksmittel werden. Das gibt ihr auch wieder ihre Bedeutung und Wertschätzung zurück.



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Gute Farben, Modernität und Raffinement in den Details zeichnen die Taschen von Les Visionnaires aus.

LES VISIONNAIRES

PIONIERGEIST Die Taschen und Accessoires von Les Visionnaires sind noch ganz neu am Markt. Die treibende Kraft hinter der Marke ist der Liebeskind-Mitgründer Semih Simsek. Nach dem Online-B2CSoftlaunch im letzten Frühjahr, geht es jetzt mit Hilfe von Vertriebsagenturen verstärkt in den klassischen Einzel­ handel. Text: Kay Alexander Plonka. Bilder: Les Visionnaires

Die Lust, mit Leder kreativ zu arbeiten, hat ihn wieder gepackt: Semih Simsek, der als Liebeskind-Mitgründer schon einmal Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Für Les Visionnaires hat er in Paris ein Designatelier eingerichtet, während das Produktionsteam die Fertigung von der chinesischen Metropolregion Guangzhou aus steuert. Das Leder stammt aus Südamerika, Neuseeland und Europa. „Wir legen viel Wert auf Transparenz und agieren von Anfang an CO2-neutral. Auf unserer Webeite informieren wir im Bereich ‚We take care‘ ausführlich über unser soziales Engagement und unsere Produktionsstandards, weil wir Mode und Lifestyle mit den wichtigen Themen unserer Zeit verbinden 168

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wollen. Das ist uns eine Herzensangelegenheit und wir haben all diese Aspekte von Beginn an konsequent manifestiert und wollen sie weiter ausbauen“, erklärt Simsek. DAS REZEPT

Die Preise von Les Visionnaires bewegen sich im Accessible-Luxury-Segment – Qualitätsprodukte zu nachvollziehbaren Preisen. VK-Kernpreislagen von 200 Euro mit Einstiegspreislagen von 150 bis zu Top­ preisen von 250 Euro, dazu Portemonnaies und Gürtel zwischen 50 und 60 Euro. Der Umfang der Kollektion ist mit 30 Styles sehr kompakt. „Wir möchten unsere Kundin mit Les Visionnaires den ganzen Tag begleiten, bei der Arbeit, beim Sport und am Abend – immer mit dem richtigen Look and Feel und immer mit der richtigen Interpretation aus Basic und Fashion für den entsprechenden Moment“, sagt Semih Simsek. Die Bandbreite der Silhouetten beinhaltet sowohl modische Trends, wie gepleatete Pillowbags aus softem Lammnappa-Leder, als auch zeit-

lose Basics wie beispielsweise große Shopper, klassische Shoulder- und Kamera-Bags oder elegante Clutches, die mit unkonventionellen Details wie Kontrastnähten oder farblich abgesetzten Innenfuttern akzentuiert werden. Zur Auswahl stehen meist sechs oder sieben Farben pro Modell, wodurch sich mit unterschiedlichen Lederausführungen bis zu zwölf Varianten ergeben. Durch den Ausbau der Distribution und verstärktes Marketing soll nun Schritt für Schritt die Markenbekanntheit gesteigert werden. Via Instagram und über die eigene Website wurde ein Softlaunch vorgenommen, der vornehmlich dem Aufbau von Social Media und der Kontaktfindung mit den Konsumentinnen diente. Jetzt, in der zweiten Saison, steht der Ausbau des B2B-Bereichs im Fokus. In Deutschland und der Schweiz verantwortet die Agentur Ben and den Vertrieb von Les Visionnaires. In Österreich ist Hans-Peter Großbötzl von Scorpio Fashion zuständig. Ist dieser Schritt gemacht, steht kommende Saison der europäische Export an.



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Der Horizont eines Gebirgsstädters ist ein internationaler: Markus Meindl liebt es, seine Welt und Werte in einen neuen Kontext zu stellen.

MEINDL

IMMER EHRLICH In seiner Nische ist Meindl Authentic Luxury unumstritten. Die zeitlosen Kollektionen für Gebirgsstädter faszinieren weit über den Alpenraum hinaus, weil sie die Sehnsucht nach einem echten Produkt übererfüllen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Meindl Authentic Luxury

Weitsicht ist eine von Markus Meindls Stärken. Die Beschaffungskrise, die andere umtreibt, hat Meindl mutig umschifft: „Wir haben auch während der Corona-Zeit nie aufgehört, Rohstoffe einzukaufen und zu produzieren. Das wappnet uns, wenn der Aufschwung kommt und die Rohstoffe noch knapper werden“, so Markus Meindl. Diese Vorausschau gibt dem Inhaber des 16.-ältesten Familienbetrieb Deutschlands die Freiheit, auch Herzensprojekte zu verwirklichen. So hat der Unternehmer zum Beispiel gemeinsam mit seinem Jagdfreund Max Mayr-Melnhof das Projekt Save the Wildlife ins Leben gerufen. „Wir pachten Grün- und Blühstreifen, die für eine gesunde Flora und Fauna extrem wichtig sind. Hier 170

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finden Jungtiere Schutz und Nahrung“, erzählt Markus Meindl voll Passion. Machen statt lange herumdiskutieren, da ist es wieder, das Meindl’sche Motto. Der Bezug zur Natur des Lebensraums Alpen sei ihm wichtig, schließlich trage ein gesundes Ökosystem entscheidend zur Qualität der Produkte von Meindl Authentic Luxury bei. „Da, wo die Mode noch ganz am Anfang ihrer Transparenz steht, können wir beim Leder heute schon exakt sagen, auf welcher malerischen bayerischen Alm das Rind stand. Auch ein Wildtier hat ein wunderschönes Leben in seinem natürlichen Lebensraum“, so Markus Meindl. TRANSPARENT SEIT 1683

„Wir setzen traditionell auf volle Transparenz, uns konnte man immer schon fragen, wie wir was wo herstellen“, sagt der Unternehmer. Ein lebensechter Blick hinter die

Kulissen ist demnach auch in der Kommunikation der Marke fester Bestandteil. Die Einblicke, die Markus Meindl und seine Familie geben, sind keine Inszenierung. Dass für die Süddeutsche Zeitung etwa die Türen des Privathauses geöffnet werden, fühlt sich für Markus Meindl ganz selbstverständlich an: „Wir zeigen damit den Meindl Lifestyle.“ Dieser verdeutlicht prototypisch, wie sich moderne Designelemente wie Sichtbeton und klare Linienführung mit der sinnlichen Ursprünglichkeit der Meindl-Möbelkollektion vereinen lassen. Am Barschrank steht der 4 x 50 Rum, den Markus Meindl gemeinsam mit Wegbegleitern initiiert und in beeindruckender Exklusivität vertreibt. Leidenschaften, die sich der Unternehmer erlaubt, weil er weiß: Meindl Authentic Luxury steht auf soliden Beinen, ist perfekt positioniert und dank seiner Werte und Herkunft zukunftsfit aufgestellt.


SO LÄUFT’S

Better Rich tritt als Sportswearmarke mit lifestyliger Bildsprache auf. Immer im Fokus ist die besondere Haptik. Zu 98 Prozent fertigt die Marke in Europa.

BETTER RICH

„WIR INVESTIEREN IN MARKE“ Mehr Commitment geht nicht: Wolfgang Lohe baut als mittlerweile alleiniger Inhaber Better Rich zur life­ styligen Sportswearkollektion mit Total Look aus. Damit ist er auf dem besten Weg, sein erklärtes Ziel zu erreichen: Better Rich als Marke sichtbarer zu machen. Interview: Nicoletta Schaper. Fotos: Better Rich

Nur Loungewear war gestern. Jetzt wird Better Rich vom Produkt zur Lifestyle­ marke aufgebaut. Was hat sich getan? Wolfgang Lohe, Inhaber Better Rich: Wir haben unser Angebot rund um Strick- und Wirkware mit Blusen, Kleidern, Röcken und jetzt auch mit Fleece- und Teddyjacken und Mänteln ergänzt. Zusätzlich gibt es Denim und die Nachhaltigkeitskapsel Better together. Die Umsatzsteigerung bei der Womenswear wird durch den starken Ausbau im Menswearbereich flankiert, weshalb letzterer statt fünf Prozent Umsatzanteil wie 2019 jetzt 30 Prozent erwirtschaftet hat. Ein vielversprechendes Signal für die Zukunft! Wie erreicht ihr das in dieser herausfordernden Zeit? Indem wir nicht nur ins Produkt investieren, sondern auch nachhaltig verkaufen. Wir

kümmern uns zwischen den Saisons um die Abverkäufe der Händler und steuern die Ware so aus, dass die relevanten Artikel pünktlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Dies wird durch ein vertriebsbasiertes Warenmanagement gesteuert. Überhaupt sind wir dabei, Better Rich als Speerspitze im Premiumsegment zu etablieren, sowohl was die Modernität als auch die Qualität betrifft. Wie stemmt man das? Wir haben unser Team von 30 auf 60 Mitarbeiter verdoppelt. Ein neues Produktmanagementteam unterstützt Head of Design Markus Funder und in der Kommunikation setzen wir auf 360 Grad Marketing inklusive Social-Media-Strategie. Inhouse haben wir die Stelle Head of E-Commerce neu positioniert, der sich allein um die Sichtbarkeit im Netz kümmert. Was auch dem Fachhandel zugutekommt? Absolut. Den Vertrieb für Deutschland und Holland verantworten wir im eigenen Haus und konnten die Durchschnittsorders um mehr als 50 Prozent erhöhen. In Benelux wie auch in der Schweiz sind wir mit neuen Agenturen für die Menswear gestartet und sind auch in Irland mit einer Agentur präsent. Jetzt sind wir zudem in unsere Geburtsstätte New York gekommen und betreiben dort unsere eigene Firma Better Rich USA Corporation. Insgesamt werden wir in diesem Jahr 50 Shop-in-Shops installieren. Ohnehin sind wir deutschlandweit bei den

Wolfgang Lohe ist stolzer Alleininhaber von Better Rich. Dass er Brandbuilding kann, hat er bereits früher bei Gant unter Beweis gestellt.

großen Platzhirschen ebenso erfolgreich wie in kleineren Boutiquen. So haben wir den Umsatz von 2019 auf 2020 um 50 Prozent steigern können und werden ihn von 2020 auf 2021 fast verdoppeln. Die herausfordernden letzten zwei Jahre konnten wir nutzen, Better Rich in Ruhe und in allen Abteilungen zu entwickeln. Unser großer Vorteil ist, dass der Händler mit uns als unverbrauchter neuer Marke vom ersten Moment an Geld verdient, und dass wir als frische Marke in keiner Schublade stecken. Zugleich sind wir als Fachhandelspartner absolut verlässlich. style in progress

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SO LÄUFT’S

Die Wurzeln in der italienischen Region Marken zelebriert Doucal’s auch in seiner Kommunikation.

DOUCAL’S

VOLL CHARAKTER Traditionell und doch so modern: Die italienische Schumarke Doucal’s liefert die Schuhe zu moderner italienischer Eleganz. Im Interview erzählt CEO und Creative Director Gianni Giannini wie es gelang, den Familienbetrieb international erfolgreich zu machen – und was Digitalisierung damit zu tun hat. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Doucal’s

In ihrer Region, den Marken, gibt es zahllose Schuhhersteller – aber nur wenige, die es wie Doucal’s geschafft haben, eine Marke zu werden. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis? Gianni Giannini, CEO und Creative Director, Doucal’s: Indem wir wahnsinnig stolz auf unsere italienischen Wurzeln, aber in einer Sache unitalienisch sind: Wir haben einen konsistenten, wiedererkennbaren Stil und vergessen unsere Wurzeln nicht, nur um einem Trend hinterherzulaufen. Das hat schon unser Vater begründet, indem er sich beim Aufbau der Marke an englischen Vorbildern orientiert hat. 172

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Wobei ich sagen würde, dass es gerade eine der Stärken von Doucal’s ist, dass die Schuhe so perfekt zum Zeitgeist passen und den Look aufnehmen, den Marken wie Circolo 1901, Lardini, Stile Latino, Tagliatore oder Paolini propagieren. Zu dieser neuen Konfektion passt ein so lässig-eleganter Schuh wie ein Doucal’s einfach perfekt. Erstaunlich, dass Sie gerade diese Marken nennen, denn einige der genannten sind echte Freunde und wir tauschen uns intensiv aus, sie schicken mir ihre Farbkarten, damit wir die Schuhe darauf abstimmen können. Doch das ist nicht das einzige Geheimnis: Unsere Schuhe haben nicht nur außen den Look, sondern auch innen den Komfort, der ja heute auch unumgänglich ist. Dazu braucht es viel Innovationsbereitschaft – wir haben zum Beispiel eine Lage Memory Foam in unseren Schuhen versteckt. Sie bewirkt, dass man bei jedem Hineinschlüpfen sofort das Gefühl von Komfort verspürt und selbst in unseren superleichten Mokassins den ganzen Tag herumlaufen kann.


SO LÄUFT’S

Nachwuchs für das Schuhmacherhandwerk zu finden, ist eine große Herausforderung. Wie meistern Sie diese? Wir haben uns zum Glück schon früh um dieses Thema gekümmert. Ich habe immer gesagt, wir brauchen eine ganze Mannschaft junger Leute. Denn ein einzelner junger Mensch wird umgeben von lauter Alten nicht glücklich und kann auch keine neuen Themen durchsetzen. Also haben wir uns viel junges Blut geholt. Ein Projekt mit der Universität von Ancona hat uns besondere Aufmerksamkeit beschert. Wir haben eine Brille entwickelt, die jeden Handgriff eines erfahrenen Schuhmachers mitfilmt. Mit einem Touch kann man diese Filme direkt in der Brille wieder abspielen und so lernen, wie es perfekt geht. Dieses Projekt ist einzigartig und hat gezeigt, wie gut wir es schaffen, das traditionelle Handwerk mit modernen Technologien zu verbinden. Und es ist längst nicht das einzige Feld, das wir konsequent digitalisiert haben. Diese Modernität spricht sich herum. Nicht alle Doucal’s Kunden wissen, dass es auch eine Damenlinie gibt. Wen hat diese im Fokus? Ich bin überzeugt, dass längst nicht mehr alle Kundinnen einen geschmückten Highheel oder Sneaker suchen, sondern dass es da draußen viele moderne erfolgreiche Frauen gibt, die letztlich genau das Gleiche wollen, was unsere männlichen Kunden auch schätzen: unverwechselbare Qualität, Komfort, Wertigkeit und dadurch Modernität. Das Feedback von Endkonsumentinnen bestätigt das. Wir glauben also, dass wir in diesem Segment noch viel Wachstum verzeichnen können.

Die Brüder Gianni und Jerry Giannini führten Doucal’s aus Montegranaro in die Welt.

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SO LÄUFT’S

Funky Staffs Local-Online-Partner machen den Deal: Die eigens programmierte OnlinestoreSoftware Swipe & Find sucht den stationären Händler, der am nächsten zum Kunden liegt.

Trends auf dem Punkt, schnell, ohne kopflos zu sein, und mit einem Servicepaket, das Händler und ihr lokales Business stärkt: Funky Staff hat viele Fans im Handel.

FUNKY STAFF

„DAS IST 1-A“ Funky Staff macht vieles anders: Das Local-Online-Partnerprogramm der Marke ist pures Händler-Empowerment. Mit einer funktionierenden Logistik im Rücken, modernen Kollektionsrhythmen und der Marketingpower, die gelieferte Ware schnell zu drehen, ist Funky Staff zum Darling seiner Händlerinnen und Händler geworden. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Funky Staff

„Uwes Tag hat definitiv mehr als 24 Stunden“, lacht Peggy Reepschläger von Sixdays. „Diese Power, die er in die Marke und in die Unterstützung von uns Händlern legt, ist einzigartig. Wer stellt sonst seinen Partnern einen kostenlosen Onlinestore zur Verfügung, den wir frei nutzen können?“ Gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Wolf führt sie in Schweinfurt ihren Laden, der sich auch digital eine treue Stammkundschaft aufgebaut hat. „Der Service von Funky Staff ist rucki-zucki, bei jedem Problem wird sofort geholfen, jede Lieferung ist pünktlich“, 174

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schwärmt die passionierte Einzelhändlerin. „Aber das Wichtigste ist: Die Ware kommt super an, die Mode ist auf dem Punkt und gefällt unseren Kundinnen.“

neue Bilder gepostet werden oder neue Liefertermine beworben werden“, so der Inhaber des Modehauses Wörmann, das bereits in der vierten Generation geführt wird.

MADE IN ITALY

ÜBER SICH HINAUSWACHSEN

„Funky Staff ist auf einem unglaublich guten Weg“, sagt Axel Keisinger vom Modehaus Wörmann in Bielefeld und Gütersloh. „Alles ist zu hundert Prozent made in Italy, die kurzen Lieferwege und dass nur produziert wird, was auch bestellt wurde, finde ich sehr nachhaltig. Das ist heute für die Kundinnen immer wichtiger.“ Er selbst wisse den Fachhandel-only-Gedanken von Funky Staff besonders zu schätzen: „Dass die Marke nicht mit großen Plattformen zusammenarbeitet, sondern im Gegenteil uns kleinen, inhabergeführten Geschäften den Umsatz in den Onlinestore oder Laden bringt, ist ein gewichtiges Argument. Man spürt tatsächlich einen Effekt in Frequenz und Umsatz, wenn

„Auf einer Nordseeinsel hat uns der Lockdown noch mal ganz anders betroffen“, sagt Silke Ennen vom Moderaum Norderney. Abgeschnitten von den Touristenströmen – aber dank Swipe & Find eben nicht von allen Umsätzen. „Das Päckchen packen ist mittlerweile Alltag, oft verkaufen wir etwas von Funky Staff online, noch ehe es im Laden ist“, so die passionierte Modehändlerin. „Es wäre ein Leichtes für Funky Staff gewesen, den Onlineumsatz selbst abzugreifen. Aber das tut die Marke eben nicht, sondern wie Uwe immer sagt: Wenn es meinen Händlern gut geht, geht es mir auch gut. Von dieser Denke könnten sich andere etwas abschneiden.“


SO LÄUFT’S

Sportalm beweist modisches Gefühl und Know-how in jedem Produkt.

„Die neue Denke in unserem Unternehmen und in allen Prozessen zahlt sich aus.“ Ulli Ehrlich, Inhaberin Sportalm

SPORTALM

„WIR TREFFEN DEN NERV DER ZEIT“ Warum die Marke aus Kitzbühel trotz schwieriger Zeiten gestärkt nach vorne geht? Weil sie mit der Mode und mit eigener Produktion in Bulgarien auf die eigenen Assets setzt, erklärt Inhaberin Ulli Ehrlich im Interview. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Sportalm

Trachten und Skimode gehören zum Markenkern; beide Segmente sind in der Pandemie besonders betroffen. Zugleich seid ihr erfolgreich mit der Mode von Sportalm. Ja, wir haben es heiß-kalt zu spüren bekommen. Glücklicherweise ist es uns mit Sportalm Fashion gelungen, in jeder der vergangenen von Corona geprägten Saison ein Plus zu schreiben. Jetzt gehen wir mit einem 20-prozentigen Zuwachs aus der Order der Prekollektion 2022 heraus, womit wir die Umsätze von 2019 und 2020 nochmal deutlich toppen konnten. Wie habt ihr das geschafft? Mit unserer sehr sportiv geprägten, modischen Aussage, die den Nerv der Zeit trifft.

Dass wir für gepflegte, aber auch bequeme Kleidung stehen, ist ein klarer Vorteil. Ein weiterer ist, dass es uns dank eigener Produktion im EU-Land Bulgarien gelingt, zuverlässig auszuliefern. Unser vor 13 Jahren neu gebauter Betrieb ist nach wie vor der modernste in Bulgarien, was auch die sozialen Arbeitsbedingungen betrifft. Wir stehen für eine europäisch gefertigte Kollektion mit kurzen Wegen und halten das Know-how in eigenen Händen. In unserem Atelier in Kitzbühel, wo wir 18 Näherinnen beschäftigen, bilden wir auch aus, um den Wissenstransfer in die Zukunft zu gewährleisten. Und meines Wissens sind wir der einzige Skimodenproduzent, der in Europa fertigt. Dieses Leistungsniveau in Europa zu halten, zahlt sich für uns aus, zumal die Grenzen zwischen Skimode und Outerwear zunehmend verschwimmen. Was tut sich im Produkt? Wir haben bereits vor einiger Zeit die Produktentwicklung transformiert, was uns jetzt zugutekommt. Wir designen die Produktgruppen aus einer Hand, weil wir

erkannt haben, dass der Markt nicht nur in der Kernkompetenz Expertise fordert. Das kann man nicht leisten, wenn sich alle mit allem beschäftigen. Umso konsequenter gestalten wir die Kollektion, die um ein Drittel gestrafft wurde. Jetzt hat jedes Teil seine absolute Berechtigung. Im Vertrieb arbeitet ihr ebenfalls ziel­ gerichteter. Vor vier Jahren haben wir bereits die digitale Order ermöglicht und bündeln weiterhin Kräfte; etwa indem wir die Orderrhythmen der Showrooms so timen, dass wir weniger Kollektionen verdoppeln müssen. Für Sportalm Fashion haben wir jetzt 329 Kunden im D-A-CH-Markt und für die deutlich modischere Kollektion Ulli Ehrlich 188 Kunden. Jetzt arbeiten wir daran, mit beiden Kollektionen getrennte Flächen zu bespielen, wie zum Beispiel bei Kastner & Öhler, Breuninger und P&C, was sich schon sehr gut entwickelt. Die Zusammenarbeit mit dem Handel macht gerade besonders viel Freude! style in progress

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SO LÄUFT’S

ESEMPLARE

„WIR WOLLEN DER ZEIT VORAUS SEIN“ Alessio Martorella ist Sohn von Franco Martorella, Gründer und Partner von Esemplare, dem Outerwear-Label aus Turin, und unterstützt das Unternehmen seit einigen Saisons in Sachen Marketing. Ein Gespräch über die kommende, sehr spannende Zeit. Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Esemplare

Alessio, Esemplare steht für Innovation, Technologie und Zukunft. Was können wir von der Herbst-/Winter-Kollektion 2022/23 erwarten? Alessio Martorella, Marketing Esemplare: Für Herbst/Winter 2022/23 haben wir viele unserer klassischen Modelle weiterentwickelt und neue hinzugefügt. Innovation ist nicht nur durch die Wahl bestimmter Materialien oder Verfahren gegeben, sondern in dieser Kollektion auch sehr stark vom Design geprägt. So wurden beispielsweise bei der Ultralight-Linie, die sich durch unser sehr leichtes, extrem komfortables und wasserdichtes Nylon auszeichnet, Formen und Volumen grundlegend überarbeitet. Die Seam-taped-Linie, die für ihre verschweißten Nähte bekannt ist, haben wir mit neuen Formen sowie Mustern entworfen, vor allem aber auch neue Stoffe verwendet. Zudem haben wir eine weitere Kollektion aus zwei neuen Stoffen ins Leben gerufen, die Dank besonderer Produktionsprozesse, Nachhaltigkeit und Performance die Speerspitze der Kollektion darstellt. Die Mobility-Modelle wurden ebenfalls erneuert, aber das soll eine Überraschung bleiben. Schließlich werden wir eine Damenkollektion vorstellen, die in Bezug 176

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Nachhaltige Aspekte sind dem OuterwearSpezialisten aus Turin besonders wichtig.


SO LÄUFT’S

Innovation, Technologie und Vorsprung: Esemplare setzt auf 3D-Design in der Kollektionserstellung.

auf Volumen, Formen und Design völlig neu ist, aber die gleichen technischen Merkmale aufweist wie die der Herrenkollektion. Natürlich wird es auch bei unseren 3D-Designentwicklungen große Neuigkeiten geben. Was unterscheidet euch von den anderen Outerwear-Spezialisten? Unser Ansatz, unser Know-how und unser 3D-Design. Esemplare ist Teil der Pattern Group, einem Marktführer für Design von Oberbekleidung, Strickwaren und Lederwaren für renommierte Luxusmarken. Es liegt also auf der Hand, dass unser Fachwissen bei der Gestaltung der Jacken von Esemplare auf einem erstklassigen, sich ständig weiterentwickelnden Know-how beruht und dass die technologische Innovation bei Produkten und Prozessen, die die Pattern Group einsetzt, die Marke ebenso beeinflusst. Auch unsere innovative und nachhaltige Herangehensweise ist dabei grundlegend, da sie uns erlaubt, jeden Schritt der Supply Chain nachzuverfolgen. Die Auswahl der Materialien erfolgt stets mit großer Sorgfalt, wir setzen auf italienische Lieferanten, die von unabhängigen Stellen zertifiziert sind. Und schließlich dem 3D-Design, das Nachhaltigkeit und Know-how vereint. Wir können Rohstoffe effizient nutzen, Stoffabfälle reduzieren und Prototypen digital anfertigen. All dies wird zudem durch Menschen mit einzigartigen Fähigkeiten aufgeladen. Wir sind anders, weil wir schon anders geboren wurden. Wir kreieren und entwickeln nicht, um mitzuhalten, sondern um der Zeit voraus zu sein. Was erwartet ihr in der kommenden Zeit von den internationalen Märkten und insbesondere von der D-A-CH-Region? Covid-19 hat die Modewelt sehr getroffen, insbesondere in Europa. Was wir von den Märk-

ten in der kommenden Zeit erwarten, ist eine grundlegende Veränderung des Endverbraucherverhaltens. Wir glauben, dass Menschen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit mehr Gewicht beimessen und sich stärker auf Qualität statt auf Quantität konzentrieren werden. Und die Technologie wird bei all dem eine grundlegende Rolle spielen. Man wird viel mehr 3D-Kleidungsstücke und Animationen sehen, Kooperationen zwischen Marken sowie mehr Kollektionen erleben, die nicht an eine Saison gebunden sind, wie z. B. Drops und Capsules. Das Szenario verändert und entwickelt sich auf chaotische und gleichsam konstante Weise. Wir erwarten viel von der D-A-CH-Region, mit der wir bereits sehr zufrieden sind, und wir gehen davon aus, dass sie dieselben Veränderungen erfahren wird, wie gerade geschildert. style in progress

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SO LÄUFT’S

BOGNER

OFF TO NEW HORIZONS 90 Jahre Bogner – der perfekte Anlass kurz zurück und dann sofort nach vorne zu schauen. Für Heinz Hackl, Barbara Holzer und Konstantinos Balogiannis steht das Produkt im Mittelpunkt. Interview: Stephan Huber. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Bogner

Bogner sieht zum 90. Geburtstag wieder sehr frisch aus. Was ist da in den letzten Jahren gelungen? Heinz Hackl, Co-CEO Bogner: Wir haben als Team parallel vieles angestoßen und für uns fünf strategische Kernthemen definiert. So sind beispielsweise die eigenständige Positionierung der beiden Marken, Bogner und Fire+Ice, aufbauend darauf die Modernisierung der Kollektion und die Internationalisierung, vor allem in den USA, APAC und Russland, wesentliche Treiber. Wir haben also jeweils ein ganz klares Markenbild entwickelt, das wir auf allen Ebenen konsequent durchziehen. Bogner vereint Ready-to-wear und Active Sports auf höchstem Niveau zu „Athluxury Sports Fashion“. Fire+Ice ist eigenständig positioniert und wird neben den Performance-Wear-Styles auch Functional Sportswear anbieten. Eigentlich also „Back to the Roots“? Heinz Hackl: Unsere Wurzeln sind stark und gesund. Innovation und Modernität waren immer prägende Markenwerte. Gleichzeitig geht es aber darum, diese Werte im Hier und Jetzt umzusetzen und damit in einem sich rasant verändernden globalen Markt den Konsumenten von heute abzuholen. Ein Weg, den wir dabei sehr spannend finden, sind Capsules und Collaborations mit Künstlerinnen und Künstlern, mit anderen Brands, interdisziplinär über den Tellerrand der Mode hinaus. Barbara Holzer, Director Design + Product bei Bogner: Diese Capsules und Collaborations sind ein Gewinn auf vielen Ebenen. Alle Beteiligten entwickeln sich weiter, es entsteht eine ganz eigene Dynamik. Ein Beispiel: Im Dezember 2021 haben wir speziell für den US-Markt eine Brand Collaboration von Fire+Ice mit der super angesagten US-Womenswear Lifestylebrand LoveShackFancy gelauncht. Auf den ersten Blick 178

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Überraschend und erfolgreich. Die gemeinsame Capsule von Fire+Ice und LoveShackFancy war sofort ausverkauft.

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SO LÄUFT’S

Bogner verschmilzt Readyto-wear und Active Sports zu „Athluxury Sports Fashion“.

eine ungewöhnliche Verbindung zwischen sportiver Funktionalität und verspielter, blumiger Femininität. Aber genau darum geht es doch. Wir wollen immer wieder überraschen, aber dabei gleichzeitig der Marke treu bleiben. Das macht nicht nur uns Spaß, sondern offensichtlich auch den Kundinnen und Kunden. Die Styles der Collaboration waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Offensichtlich also ein Königsweg, um neue, jüngere Konsumenten zu begeistern? Konstantinos Balogiannis, Director Global Wholesale bei Bogner: Und der Weg, Globalisierung und Regionalität intelligent zu vereinen. Unterschiedliche Kulturen und Codes sind so wichtig und lassen sich glücklicherweise auch nicht nivellieren. Gerade die Generation Z, die konstant von Marketingmaßnahmen auf allen Kanälen umgeben ist, pickt sich umso gezielter heraus, womit sie sich identifizieren kann. Es geht um Community und um Zugehörigkeit und um eine echte emotionale Verbindung zu einer Marke oder einem Produkt. In dieser Differenzierung stecken sehr viele Chancen. Barbara Holzer: Genau diese Chancen wollen wir nutzen. Denn alles, was wir machen, muss einerseits immer auf die Marke einzahlen, aber gleichzeitig die 180

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Kundinnen und Kunden überraschen. In dem Marktsegment, in dem wir mit Bogner mitspielen, ist Beliebigkeit das Letzte, was man sich erlauben sollte. Darum ist diese klare Idee von Bogner als Athluxury Sports Fashion Brand als Grundlage so wichtig. Konstantinos Balogiannis: Als Grundlage für unsere globale Vertriebsstrategie verfolgen wir parallel zwei wesentliche Ziele: internationales Wachstum und Brand Building. Die Eröffnung eines Showrooms in New York Anfang 2021 war ein klares Signal, dass wir in diesen für uns so wichtigen Markt investieren. Parallel haben wir mit unseren forcierten Pop-ups in Tripple-­ A-Locations in den Metropolen, beispielsweise bei Bergdorf Goodman, La Rinascente oder auch Browns London, das Signal gegeben, dass Bogner und Fire+Ice mehr sind als Active Brands, nämlich up and coming und erfolgreiche Marken im Segment Athluxury Sports Fashion und Performance Sportswear. Ganz wichtig für diese Strategie ist natürlich China, wo wir jetzt mit unserem neu gegründeten Joint Venture mit Bosideng allein in den nächsten fünf Jahren ca. 80 eigene Stores eröffnen, welche mit starken Marketingmaßnahmen flankiert werden. Dies wird sicherlich auch einen positiven Effekt für unsere bereits etablierten Märkte in Japan und Südkorea haben. Während der Name Bogner in internationalen Märkten unverändert ein hohes Ansehen genießt, ist das Image im D-A-CH-Markt, vorsichtig formuliert, etwas angestaubt. Wie kann man das drehen? Konstantinos Balogiannis: Obwohl Globalisierung für uns hohe Priorität hat und auch die Kollektion entsprechend international ausgerichtet wird, ist der D-A-CH-Markt natürlich eine absolute Herzensangelegenheit. Barbara hat völlig richtig festgestellt, dass alles, was wir gerade anschieben, letztlich mit der Marke im Einklang stehen muss, und somit sind wir davon überzeugt, dass sowohl die Globalierungs- als auch die Capsule-Strategie auf den D-A-CH-Markt eine positive Auswirkung hat. Aus diesem Grund bewerten wir ständig unsere Partnerschaften und das Markenumfeld, inwiefern diese in unsere Strategie einzahlen. Barbara Holzer: Diesen Weg, folgend unserem Claim „Off to New Horizons“ gehen wir konsequent weiter. Zum Jubiläum launchen wir für die Saison Herbst/Winter 2022 eine ganz spezielle Capsule unter dem Titel Frozen Riviera. In ihr vereinen wir organisch beide Welten für die Bogner steht – Ready-to-wear und Active Sports. Und brechen damit auf in die Zukunft der Marke, in der es zwischen diesen Welten eben keine Trennung mehr geben soll und wird.


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SO LÄUFT’S

Ein reiches Erbe ist nicht immer die Garantie für eine erfolgreiche Zukunft. Darum ruht sich Jet Set auch nicht auf dem eigenen Mythos aus, sondern entwickelt ihn für den hybriden Konsumenten von morgen weiter. CEO Thomas Jaeger und Sales Director Crispin Spindler erklären, wie das funktioniert. Interview: Stephan Huber. Fotos: Jet Set

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SEXINESS FÜR DIE GEN Z

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Warum das Comeback, Thomas? Thomas Jaeger, CEO Jet Set: Manchmal gibt es so etwas wie den perfekten Zeitpunkt. Genau diesen erlebt Jet Set gerade. Vieles, was diese Marke so outstanding und erfolgreich gemacht hat, bekommt aktuell wieder eine ganz entscheidende Bedeutung. Die Verknüpfung von Function und Fashion hat Jet Set 1969 ja zumindest mit erfunden. Wenn wir also heute selbstbewusst das Markenversprechen „From Slope to Downtown“ geben, dann ist das nichts anderes als unsere DNA umgesetzt für den Konsumenten von heute, und zwar nicht nur für den Schnee und die Berge. Wir bleiben also diese stylische Ski-Fashion-Brand, das ist unsere Core-Kompetenz. Aber darüber hinaus bieten wir in Zukunft Luxury-Sportswear für das ganze Jahr. Was macht Jet Set denn sexy für die Gen Z? Thomas Jaeger: Da wirken gleich mehrere Dinge für uns positiv zusammen. Zum Beispiel hat sich Ski als Lifestyle längst von der Piste emanzipiert. Es geht heute natürlich auch um Funktion und Performance, gleichzeitig aber auch um Multi-Purpose, also um den Anspruch, dass ein Look dich nicht einschränkt, sondern insgesamt zu deinem individuellen Stil und Lebensgefühl


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passt. Da können wir mit unserer einzigartigen Designsprache, der typischen, durchaus auch polarisierenden Sexiness, gleichwertig aber auch mit einem wirklich kompromisslosen Qualitätsdenken, junge, sehr internationale Consumer abholen. Crispin Spindler, Sales Director Jet Set: Genau dieses Feedback bekommen wir auch von Partnern wie Brown’s, Mytheresa, Lodenfrey oder Net-A-Porter. Die Einkäufer sind ja auf der Suche nach Brands, die Luxury-Sportswear glaubwürdig umsetzen und dabei ganz bestimmte Werte mitbringen. Das Schöne ist, dass die Marke eigentlich völlig unverbraucht ist. Darum ist die reiche Heritage, auf die wir ja stolz sind, für uns keine Last, sondern Inspiration. Letztlich gilt also auch für Jet Set, Product is Key? Thomas Jaeger: Das gilt sogar ganz besonders für Jet Set. Und zwar ganzheitlich. Wir müssen Themen wie Sustainability oder Responsibility aktiv angehen. Sie müssen ebenso selbstverständlich Teil unseres Selbstbildes sein wie unser Look. Das erwarten unsere Kunden, aber vor allem ist das unser eigener Anspruch. Darum ist Jet Set heute Cruelty Free, und beim Thema Nachhaltigkeit sind wir, beginnend beim Sourcing bis zur Produktion, die überwiegend in Italien passiert, auf sehr gutem Weg. Ihr habt einige Leuchtturmpartner aus dem Handel angesprochen. Was erzählt das über die Positionierung von Jet Set? Crispin Spindler: Wenn wir exklusiv sein wollen, dann müssen wir das natürlich auch in unserer Vertriebspolitik glaubwürdig abbilden. Wir wollen auf allen Kanälen und international nur mit den Tophäusern zusammenarbeiten. Tiefe ist dabei wichtiger als Breite. Aber uns ist bewusst, dass wir die ehrgeizigen Ziele, die wir uns mit Jet Set gesetzt haben, nur mit starken Partnern im Handel erreichen werden.

Die Marke ist ein Mythos: Jet Set.

Heritage als Inspiration: Ein It-Piece aus dem Jahr 1969, neu interpretiert als It-Piece für die Gen Z.

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SO LÄUFT’S

Hans Taubenberger führt die Marke Toni Sailer unaufgeregt, leise und dabei höchst erfolgreich. Die Kundenliste beeindruckt.

TONI SAILER

„DAS IST

COUTURE“ Toni Sailer macht alles richtig: Mit soliden, familiär geprägten Strukturen und einem vorausschauenden Management der Lieferketten beliefert die Luxusskimarke die Tophändler und E-Tailer weltweit. Jetzt kommt eine Urban-Kollektion. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Toni Sailer

Rund siebzehn Jahre ist es her, dass Hans Taubenberger nach reiflicher Überlegung nach Kitzbühel fuhr, um aus einer Legende seiner Jugend mit der Fashionpool GmbH eine HighEnd-Marke zu machen. Die Reise ist geglückt. Toni Sailer ist als Skikollektion heute in allen Tophäusern der Alpen gelistet; auch international in mehr als 25 Ländern präsent, liest sich die Kundenliste wie das Who-isWho des alpinen Lifestyles. Vertreten ist die Linie, wo man Spaß auf den Pisten in modisch funktionellen Outfits erleben möchte und Qualität im Fokus steht. RAUS AUS DEM SKIGEBIET

An den Premiumpartnern in den Skigebieten und in den Städten hat die Marke Toni Sailer viel Freude. Doch jetzt will sie mit einer Urban-Kollektion neues Terrain erobern. „Was wir in der Skibekleidung machen, ist Couture. In der Verarbeitung steckt viel Entwicklung und Fingerfertigkeit. Die Designs und Spezifikationen der Styles sind so hoch entwickelt, dass 184

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Minimalistisch, aufgeräumt, zeitgeistig: Mit einer Urban-Kollektion bringt Toni Sailer seine Kompetenz in die Städte.

man teilweise Musterateliers für die Serienproduktion beauftragte. „Denn dort sitzen die wirklichen Spezialisten, die Näher und Näherinnen, die mit diesen teuren und hochspeziellen Stoffen umgehen können“, erzählt der Markeninhaber. Die neue Urban-Kollektion greift auf diesen Wissenspool zu und übersetzt ihn in cleane, monochrome Modelle, die trotzdem die DNA der Marke transportieren. „Wir profitieren von zwei Trends: Zum einen ist der Outerwear-Look deutlich näher an den Sport gerückt, zum anderen lieben die Konsumenten echte Hybrid-Styles – also Jacken, die sie in der Stadt und Freizeit genauso wie auf der Skipiste tragen können. Mit der Urban-Kollektion soll für die Toni-Sailer-Fans die Produktpalette erweitert werden. Mit Styles, die jeden Tag getragen werden können, möchten wir unserem Anspruch, Zeitgeist einzufangen und Modetrends neu zu definieren, gerecht werden.“ Die Kollektion soll im Juli an den Handel ausgeliefert werden. Toni Sailer wird also in Zukunft ganzjährig im Handel zu finden sein. style in progress

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L E A DING IN A NEW FUTURE Hopemaker muss man sein: Wissen, dass Dreijahres­

pläne bestenfalls nur noch die Leitplanken sein können. Dazwischen gilt es, das Unvorherge­ sehene souverän zu ma­ nagen. Niemals alleine, sondern immer auf Au­ genhöhe mit den rar ge­ wordenen Fachfrauen und -männern, die nicht mehr gebunden, sondern gefesselt werden wollen.


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WIE FÜHRT MAN AM BESTEN? „Haben wir immer so gemacht“, war gestern. Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, dass es an der Zeit ist, starre Strukturen und althergebrachte Führungsstrategien von Grund auf zu hinterfragen. Welche Unter­ nehmensstruktur braucht es jetzt, um mit den aktuellen Herausforderungen und Unwägbarkeiten fertig zu werden? Und wie kann es gelingen, die Talente der Mitarbeiter optimal zu fördern? Text: Janaina Engelmann-Brothánek und Nicoletta Schaper. Fotos: Ansprechpartner, More Images – stock.adobe.com

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L e a d i ng i n a n e w f t u r e

SPIELRÄUME LASSEN Martina Schmidl, CEO Ayms

Wie führt man, damit die Mitarbeiter sich optimal entfalten können? Indem es nicht nur darum geht, einen Job zu erledigen, sondern darum, das Team so aufzustellen, dass jeder seinen Stärken entsprechend seine top Performance erreicht. Das ist der Spirit von Start-ups: Weil es keine starren Strukturen gibt, kann sich jeder neu einbringen und wir können gemeinsam neue Standards setzen. Mein Credo: Nicht fürs Geld zu arbeiten, sondern für die Leidenschaft. Wie kreiert man das perfekte Team? Als Leader muss ich zwei Schritte voraus und mir für nichts zu schade sein. Indem ich diese offene Kultur lebe, zeigt sich auch im Team, wer das geeignete Mindset hat. Ist es noch zeitgemäß, nach Fünfjahresplan zu arbeiten? Planung und Strategie bleibt das A und O. Aber ich spreche lieber von Visionen, für deren Umsetzung absolute Flexibilität unabdingbar ist. Es ist veraltet, nur in digitalen oder stationären Vertriebswegen zu denken. Das gilt auch für das Arbeiten: Spielräume und Flexibilität sind superwichtig. Dann kommen Motivation und Wertschätzung ganz von allein.

SCHLANKE STRUKTUR

Alexander Socher, Managing Director Moon GmbH „Allgemein gilt: Je kritischer die Zeiten, desto straffer sollte Führung sein, um flexibel und schnell entscheiden zu können. Wir als Newcomer setzen grundsätzlich auch weiterhin auf eine schlanke Struktur, mit einem Management, das positiv auf die Zukunft und Veränderung gestimmt ist. Ich meine damit keinen blinden Optimismus, sondern dass du an den Erfolg deines Produkts und an die Sinnhaftigkeit deines Tuns glauben musst. Nur dann kann sich der Erfolg auch einstellen.“

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SPASS-LEISTUNGS-KULTUR

Angelika Schindler-Obenhaus, Vorstand Gerry Weber „Ein Unternehmen muss heute eher Start-up als ein alter Tanker sein. Dafür brauchen wir flache Hierarchien, kurze Wege, schlanke Strukturen und Transparenz. Als Führungskraft muss ich das Mindset vorleben, das ich von meinen Mitarbeitenden erwarte, mit einem wertschätzenden Umgang und gelebter Fehlerkultur, um zu eigenverantwortlichen Entscheidungen zu ermutigen. In dieser Atmosphäre, in der sich jeder mit seinen Ideen einbringen kann, können alle ihr Potenzial zeigen. Unsere Mitarbeiter wissen aufgrund einer transparenten, engmaschigen Kommunikation immer, wo wir stehen, wohin wir wollen und was dafür von wem zu tun ist. Eine Werteumfrage, Workshops für Führungskräfte, ein Mobile-Working-Konzept und eine Duz-Kultur über alle Ebenen sind nur einige Beispiele dafür, wie Spaß und Leistung gut zusammenpassen können.“

AGILITÄT IST RESILIENZ UND INNOVATION

Alessandra Chiara Guffanti, Inhaberin von Showboom Guffanti, Präsidentin SMI Kids, Mentorin des Bildungsprogramms der CNMI (Camera Nazionale Moda Italiana) „Agilität ist für mich ein Balanceakt zwischen Resilienz und Innovation. Ein Unternehmer kann die heutige Komplexität der Märkte nur kompetent bewältigen, wenn er eine dynamische Beziehung zwischen seinen Grundprinzipien und Innovationen aufrechterhält. Jeder einzelne Unternehmensbereich sollte kontinuierlich im Dialog mit externen Fachleuten stehen, die immer auf dem neuesten Stand sind, das Unternehmen mit anderen vergleichen können und es von den Finanzen bis hin zu Marktstrategien konkurrenzfähig halten. Zudem sollte man an bereichsübergreifenden Ausbildungsplänen arbeiten. Schließlich bleibt ein Team frisch und up to date dank der Teilnahme von Auszubildenden aus Schulen und Universitäten, die auf konstruktive Weise über Arbeitsprozesse und Strukturen zum Nach- und Überdenken anregen.“

EIN GUTER TRAINER SEIN

Filippo Colnaghi, Gründer und CEO von Traiano Milano „Ein guter Leader ist wie ein guter Trainer. Er hat eine klare Vision und bringt sie zum Ausdruck, indem er die sowohl besten als auch die weniger guten Eigenschaften seiner Spieler erkennt, hervorhebt oder einfängt. Gute Führung basiert für mich nie auf Standardmanagementmethoden, die für alle gleich sind, sondern gibt jedem Mitarbeiter die Möglichkeit, sein individuelles Potenzial optimal auszuschöpfen. Sobald das Team steht und klare und konkrete Ziele vorgegeben sind, sollte man es dann loslassen – es übernimmt so Verantwortung und findet immer neue Impulse, um das Unternehmen zum Sieg zu bringen. Wenn ein Team in der Lage ist, seine Arbeit selbst zu managen, wird es einfacher, mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen und lösungsorientiert zu arbeiten.“ 190

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Überzeugend in der Rolle als CEO: Maximilian Böck.

Mut und Kreativität prägen die Kollektion, das spricht besonders unter Neukunden wieder eine jüngere Zielgruppe für Marc O’Polo an.

MARC O’POLO

DER KREATIVITÄT IHRE FREIHEIT Maximilian Böck hat bei Marc O’Polo in außergewöhnlichen Zeiten die Führung übernommen. Warum der Generationswechsel so gut gelungen ist und wie er die ehrgeizig gesteckten Ziele erreichen will, erklärt er im Gespräch mit style in progress. Interview: Stephan Huber. Fotos: Marc O’Polo

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u hast deine Führungsaufgabe bei Marc O’Polo inmitten einer historischen Zeitenwende übernommen. Hat das den Spaß erhöht oder doch den Druck? Maximilian Böck, CEO Marc O’Polo AG: Das Virus selbst macht natürlich überhaupt keinen Spaß, aber wie wir uns gemeinsam gerade angesichts dieser Herausforderung entwickelt haben und gewachsen sind, das ist einfach großartig. Marc O’Polo ist in einem wirklichen Flow, wir performen sehr gut im Handel. Und zwar auf allen Kanälen. Marke und Produkt sind eine Einheit und wir als Unternehmen ein echtes Team. Das zeigt, dass in den letzten Jahren sehr viel richtig gemacht worden ist. Dadurch waren wir für diese Ausnahmesituation bestmöglich gerüstet. Du stehst auch ganz persönlich für einen Generationswechsel. Was macht das mit dem Unternehmen? Wir waren schon immer ein junges Unternehmen, sowohl was unser Selbstverständnis betrifft, als auch ganz konkret

bezogen auf das Durchschnittsalter unserer MitarbeiterInnen. Ein 32-jähriger CEO ist also kein Kulturschock, sondern passt fast organisch zu unserer Entwicklung. Was ich mitbringe, ist vielleicht eine Start-up-Mentalität. Also die Offenheit, Dinge auszuprobieren, sie weiterzutreiben, bei Bedarf zu adaptieren oder auch zu verwerfen. Wir sind bei allen Themen sehr agil, schnell im Kopf und auch in der Umsetzung. Was ich besonders spannend finde, ist übrigens, dass unsere Kunden zuletzt jünger werden – insbesondere Neukunden. Das ist ein wichtiges Etappenziel. Und für mich ist das vor allem die Belohnung für den Mut und die Kreativität, die wir beim Produkt beweisen. So wichtig Daten an ganz vielen Stellen sind, Design muss die Freiheit und das Selbstbewusstsein haben, darüber hinauszugehen. Und die entsprechende Rückendeckung … Auch das, aber da denken und gehen wir in der Unternehmensführung absolut in eine gemeinsame Richtung. Apropos Selbstbewusstsein: Du hast für dich und Marc O’Polo ehrgeizige Ziele ausgegeben. Wir wollen mittelfristig die Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro knacken. Das ist ambitioniert, aber wir sind auf sehr gutem Weg, wobei vor allem die Internationalisierung, der Ausbau der Menswear und Marc O’Polo Denim dazu den wichtigsten Beitrag leisten. Auch der Fachhandel? Unbedingt! Die enge Partnerschaft mit dem Handel ist wesentlicher Teil unserer Vertriebs- und Wachstumsstrategie. Auch hier erleben wir, dass die Transformation bei Produkt und Positionierung eine messbare Wirkung entfaltet. Wir haben unseren Partnern viel zu bieten. style in progress

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Progressiv blickt Stephanie Phair in die Zukunft – und hat ambitionierte Ziele, diese in ihren unterschiedlichen Führungspositionen positiv zu beeinflussen.

„WIR MÜSSEN TALENTE FÖRDERN“

Stephanie Phair ist eine dieser unglaublich gut vernetzten Protagonistinnen unserer Branche, die zentrale Entwicklungen über mehrere Hebel gleichzeitig in Gang setzen können. Als Chairman des British Fashion Council, Chief Customer Officer bei Farfetch und Mitglied des Aufsichtsrats von Moncler prägt sie das Bild weiblicher Führungsrollen in der Modeindustrie nachhaltig – vor allem durch ihr Engagement für Vielseitigkeit. Text: Isabel Faiss. Fotos: Farfetch

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ir beobachten, dass die Zukunft unserer Branche maßgeblich von Frauen in Führungspositionen gestaltet wird – bestes Beispiel: Sie. Aber wie sieht es eigentlich aus mit der Chancengleichheit in unserer Branche? Ich denke, dass die Themen Chancengleichheit und insbesondere das Schaffen von Möglichkeiten, um es Frauen unterschiedlicher Herkunft zu ermöglichen, einen Mehrwert für unsere Branche zu kreieren, eine dringende Notwendigkeit sind. Das gibt Frauen auch die Chance, viele verschiedene Facetten der Modeindustrie kennen zu lernen, die sie vorher vielleicht nicht kannten, die sie aber positiv mitgestalten können.

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Der British Fashion Council fördert primär neue Talente und Designer. Was hat sich bei Ihren Auswahlkriterien und Anforderungen hinsichtlich Diversität, Gleichberechtigung und Integration verändert? Es ist wichtiger denn je, jetzt Talente zu fördern und junge Unternehmen zu unterstützen, vor allem, wenn sie eine Vorbildfunktion für den richtigen Umgang mit Nachhaltigkeit und Gemeinschaft darstellen und die Diversität unseres Talent Pools erhöhen. Es ist unser erklärtes Ziel, für alle Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Chancengleichheit herzustellen, um die Modeindustrie allen zugänglich zu machen. Aktuelle Anpassungen, die wir an unserem Programm für Talent- und Ausbildungsinitiativen gemacht haben, um das zu gewährleisten, umfassen unter anderem die enge Begleitung der Juroren, die Vielfalt der Bewerber und die Entwicklung einer Informationskampagne, um auch Studenten aus einem sozial schwächeren Umfeld unsere Stipendienmöglichkeiten aufzuzeigen. Wo sehen sie hier die größte Chance für diese Branche, die wir nicht vertun sollten? Die Mode sollte bei der Verringerung des CO2-Fußabdrucks eine Führungsrolle übernehmen. Das BFC hat sich dem Ziel Race to Zero angeschlossen und ermutigt andere, das auch zu tun. Natürlich fällt dem BFC dabei eine besondere Rolle zu, denn es hat die entsprechende Position, um die Politik und die Vorschriften in der Industrie zu gestalten, insbesondere durch den Dialog mit Regierungsstellen und den Unternehmen sowie allen anderen Interessengruppen im Ökosystem. Daher haben wir auch das Circular Fashion Ecosystem herausgegeben, ein Bericht, der zielführende Ansätze für die Kreislaufwirtschaft in der Modebranche in Großbritannien vorstellt. Auch Farfetch hat sich verpflichtet, in nachhaltige Lösungen zu investieren, die es unseren Kunden ermöglichen, Mode nachhaltiger zu konsumieren, und sich ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele bis 2030 gesetzt. Farfetch bietet seinen Kunden immer mehr recycelte und zweitverwertete Produkte an, einen Reparaturservice zur Verlängerung der Lebensdauer und eine Kleiderspende, wo sie Getragenes spenden und wir Geld für wohltätige Zwecke sammeln.


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WACHSENDES SYSTEM

Alberto Zia, Managing Director Pin 1876 „Führung kann heute nicht mehr an einer einzigen Person, dem Leader, identifiziert werden, der alleine die Leitlinien vorgibt und die Entscheidungen trifft. Wir sollten eher über ein organisiertes System sprechen, das ständig wächst und sich entwickelt. Es ist dann diese Art von Organisation, die die Mitarbeiter nach Kriterien wie Qualifizierung, Fähigkeiten, Erfahrung und Innovationsbereitschaft auswählt, auf Meritokratie basiert und auch mehr Verantwortung übernehmen kann. Hier werden die Hierarchien auf null reduziert und die Entscheidungsbefugnisse auf alle Arbeitnehmer verteilt, sodass das Unternehmen beweglicher wird und für die zukünftigen Herausforderungen gut gerüstet ist.“

MEHR FLEXIBILITÄT ZUHÖREN IST DAS GEHEIMNIS Silvia Mazzoli, Gründerin und Creative Director von Otto D’Ame

„Ich war schon immer davon überzeugt, dass das Geheimnis einer modernen und brillanten Unternehmensführung im Zuhören liegt. Als Leader habe ich den Wunsch, die Meinung aller Personen anzuhören, die ich für die Entwicklung eines bestimmten Projekts ausgewählt habe. Es ist wichtig, dass sich alle Mitarbeiter als Teil der Prozesse fühlen und dass sie sich voll einbringen. Unsere Arbeit ist Teamarbeit und gerade in unserem Bereich ist es wichtig, bei allen Aktivitäten transversal zu sein. Es geht nicht nur darum, eine einfache Aufgabe auszuführen, sondern mit den Teammitgliedern zu interagieren, um immer solidere menschliche Beziehungen aufzubauen. Das ist das große Geheimnis.“

Mattia d’Orlando, Exportmanager Myths und White Sand

Muss ein Unternehmer für seine Mitarbeiter ein Hopemaker sein? Noch mehr als ein Optimist muss er ein Realist sein. Die Pandemie hat gezeigt, dass wir zwar positiv denken, aber realistisch bleiben müssen. Das heißt, dass man auch mal unangenehme Wahrheiten aussprechen muss. Macht ein Fünfjahresplan noch Sinn, wo alles unberechenbarer geworden ist? Planung bleibt wichtig, aber vielleicht eher in Dreijahresschritten. Insgesamt ist viel mehr Flexibilität nötig, auch mal mit klaren Entscheidungen von oben, um schnell agieren zu können. Der beste Weg, um Talente zu entdecken und zu fördern? Schildere mir nicht nur das Problem, sondern biete mir auch deinen Lösungsvorschlag an, sage ich meinen Mitarbeitern. So kann ich am besten ihr Potenzial erkennen.

ZUSAMMENGEHÖRIGKEIT, LEIDENSCHAFT UND HERZBLUT VERMITTELN

Federica Fremder, Sales & Marketing Manager FPM Fabbrica Pelletterie Milano „FPM ist ein Familienunternehmen und unsere Struktur basiert auf Zusammengehörigkeit, Leidenschaft und Herzblut. Uns ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter weiß, dass er bzw. sie zum Erfolg der Firma beisteuert. Herausforderungen bewältigt man zusammen. Sicherlich ist die starke weibliche Komponente für ein entspanntes Klima ausschlaggebend, in dem unterschiedliche Bedürfnisse und Meinungen berücksichtigt werden, sie setzt positive Energien frei. Die letzten zwei Jahre haben insbesondere gezeigt, wie wichtig positives Denken für die Bewältigung schwerer Krisen ist.“

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STRELLSON

„ES IST ZEIT FÜR EINE NEUE FÜHRUNGSKULTUR“

Umbruch im Markt, Reset bei Strellson: Mit Marino Edelmann als Managing Brand Director hat sich auch das Team der Marke verjüngt. Was das bewirkt und was es im Leadership braucht, erklärt er im Interview. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Strellson

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Wieder modisch spitzer positioniert und vom Kunden aus gedacht: Strellson.

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ine neue Generation ist bei Strellson am Start, im Team sind viele Junge in entscheidende Positionen aufgerückt. Verändert das auch die Unternehmenskultur? Absolut. Wir arbeiten im sehr engen und offenen Austausch miteinander, in einer flacheren Struktur. Dabei entsteht ein neuer Zusammenhalt, eine neue Energie. Junge Menschen möchten anders motiviert und geführt werden, und auch ich möchte anders führen: So, dass sich alle im Team wohlfühlen und Spaß haben an dem, was sie tun. Dann entwickelt sich auch eine Motivation der Selbstbestimmtheit, die uns in die richtige Richtung führt. Was ist den jüngeren Mitarbeitern wichtig? Dass die Arbeit einen Purpose hat, über das wirtschaftliche Umsatzdenken hinaus. Damit geht das Thema Nachhaltigkeit einher, das oft die Jungen anschieben. Für Strellson als naturverbundene Marke haben wir beispielsweise das Nachhaltigkeitssiegel Wear to care gelauncht, das wir weiter ausbauen wollen. Wenn die Sinnhaftigkeit da ist, hat jeder Bock, sich dafür zu engagieren. So entsteht etwas, das die Marke neu anzünden kann. Was bedeutet das fürs Produkt? Wir denken vieles neu, verjüngt und mehr vom Kunden her. In der Kollektion heißt das mehr Mode und mehr Total Look, um unsere Säulen Outerwear und Konfektion miteinander zu verbinden. Wir haben außerdem für den Sommer eine 3D-Kapsel digital


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Flache Hierarchie, enger Austausch: Marino Edelmann setzt auf Motivation, die sein Team selbstbestimmt zum Ziel führt.

entwickelt, die auch digital vertrieben wird, oder wir entwickeln mit den Kunden neue Drops. Der Markt hat sich stark verändert und damit auch unser Geschäftsmodell, also müssen wir mehr ausprobieren mit der Bereitschaft, zu failen. Manches würde ich vielleicht anders angehen als meine Mitarbeiter, aber indem ich den Raum gebe, kann das entstehen, was die Marke weiter nach vorne bringt. Und im Vertrieb? Wir haben mit Julian Dangel für die D-A-CH-Region und mit Tobias Duck für den Export zwei junge Mitarbeiter aus den eigenen Reihen berufen. Sie haben Lust, die Dinge anzupacken und eine frische Sicht auf die Marke, sie sind nahe an unseren Kunden und am Verkauf. Was sie an Feedback zurückbringen, ist essenziell für uns. Was passiert am Markt und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen, um für die Marke den nächsten Schritt zu machen? Unsere Branche verändert sich alle paar Wochen grundlegend, darauf muss man hungrig sein. Zahlt sich das neue Denken bereits aus? 80 neue Verkaufspunkte in D-A-CH sprechen für sich, dazu haben wir bei größeren Kunden bereits Flächen belegen können und bekommen extrem positives Feedback, online sowie in den eigenen Stores. Auch Russland und Frankreich entwickeln sich positiv. Aber es ist noch ein Weg zu gehen, bis wir da sind, wo wir hinwollen. Vor allem in einer Zeit ohne Messen und Möglichkeiten, sich zu treffen, gibt es viel nachzuholen. Jetzt brennen wir darauf, face to face zeigen zu können, woran wir intensiv gearbeitet haben. Wir haben noch viele Ideen und viel vor. style in progress

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In Italien unumstritten stark, jetzt will RRD endlich im Export den Durchbruch schaffen.

Ein leidenschaftlicher Unternehmer: Roberto Ricci machte aus seiner One-Man-Show ein Unternehmen.

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LEIDENSCHAFT VERMITTELN Roberto Ricci ist der Gründer und Inhaber der erfolg­ reichen, italienischen Sport- und Modemarke RRD (Roberto Ricci Design). Für die Zukunft plant der ehemalige Profisurfer und Windsurfbrett-Shaper, die Modelinie weiter auszubauen und die Internationalisierung des Unternehmens fortzusetzen. Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: RRD

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oberto, RRD gibt es seit über 30 Jahren. Wie hat sich die Marke entwickelt? Roberto Ricci, Inhaber RDD: Ich habe RRD 1988 mit meinem ersten selbst hergestellten Windsurfbrett ins Leben gerufen. Neben den Sportartikeln wollte ich von Anfang an auch das passende Outfit dazu verkaufen: Shirts und Shorts. Mit den Jahren kam immer etwas Neues dazu. Es war früher eine Art One-Man-Show und mir war es wichtig, die Windsurf-Pros auf PBA/PWA-Tour zu begleiten und auszustatten. Heute zählen wir rund 50 Leute in-house, mit Externen sind es mehr als 100. Wir stehen heute für einen Total Look für Damen und Herren. Zudem werden wir bald einen neuen Firmensitz beziehen. Wir renovieren gerade eine alte Textilfabrik hier in Grosseto und werden dann rund 16.000 Quadratmeter für uns haben. Ich würde sagen, es hat sich gut entwickelt. Wann kam denn der Sprung von der One-Man-Show zum Unternehmen? Das weiß ich ganz genau: Das war im Dezember 1993. Ich habe die Surfbretter damals in einer kleinen Werkstatt unter dem Haus meiner Eltern hergestellt und einer der Öfen fing Feuer – alles ging innerhalb weniger Minu-

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ten in Flammen auf. Der Schock saß tief, aber schon in derselben Nacht hatte ich mich entschlossen, ernst zu machen. Ich bin am nächsten Tag zur Bank und habe mit der Bürgschaft meines Vaters einen Kredit über 200 Millionen Lire aufgenommen. 150 habe ich in das Sponsoring von Anders Bringdal (damals die Nummer zwei in der internationalen Rangliste im Windsurfing) investiert, 40 in die neue Werkstatt und 10 als Sicherheit auf der Bank gelassen. So wurde ich zum Unternehmer. Was bedeutet für dich Leadership? Ich selbst möchte nicht als Leader definiert werden. Ich bin ein leidenschaftlicher Unternehmer, das schon. Ich liebe, was ich tue und das versuche ich auch zu vermitteln. Ich möchte, dass die Mitarbeiter in die Prozesse einbezogen werden, dass wir Dinge zusammen erleben und kreieren. Wir produzieren nicht nur materielles, wir verkaufen einen Way of Life und das muss man leben. Deswegen versuche ich, insbesondere den jüngeren Generationen, wichtige Werte vorzuleben. Know-how sollte geteilt werden, Fehler sind wichtig, mutig sein, mit der Natur im Einklang sein und vieles mehr Es steht der Ausbau der internationalen Märkte auf der Agenda. Mit welcher Strategie? Es ist sehr interessant. Mit den Surfbrettern haben wir erst die internationalen Märkte erobert, mit den Roberto Ricci Designkollektionen erst den italienischen Markt. Wir möchten mit RRD den Export richtig ankurbeln und dafür habe ich ein komplett neues Team an Bord geholt. Internationalisierung geht nur durch Investitionen und dafür sind wir jetzt bereit und gut aufgestellt. Wir möchten mit den Kollektionen die Zahl des Exportumsatzes in den kommenden Jahren von 15 auf 50 Prozent des Gesamtumsatzes bringen. Frankreich reagiert nach einer Saison schon richtig gut. In Deutschland werden wir bestimmt auch noch besser performen.


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Chris Wang will es wissen. Mit seiner Jackenmarke Duno möchte er nach Asien und Europa auch die USA erobern.

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„AUFGESCHLOSSENHEIT UND FLEXIBILITÄT“ Chris Wang, CEO von Duno, ist erst 33 Jahre alt und seit 2014 am Steuer der Jackenmarke aus der Toskana. 2021 verbuchte Duno fünf Prozent mehr Umsatz als 2019. Wie führt man als junger Unternehmer ein Modelabel durch gute und schlechte Zeiten? Ein Gespräch über Disziplin, Familie und Teamwork. Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Duno

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hris, wie war es die letzten zwei Jahre, Geschäfts­führer zu sein? Es war hart, keine Frage. Es hat uns viel Geduld und Hartnäckigkeit abverlangt. Ich erinnere wie heute, als damals die Ansage zum ersten Totallockdown kam. Als die Unternehmen wieder zu arbeiten anfangen durften, haben wir uns sofort mit dem Team zusammengetan. Auf Abstand und mit Masken, aber wir waren alle bereit, da wieder anzufangen, wo wir zwei Monate zuvor aufgehört hatten. Wir wussten, dass Service am Kunden und die Qualität der Produkte in diesem Moment ausschlaggebend sein würden, und haben daran hart gearbeitet.

Ist das heutzutage das Geheimnis des Erfolges einer Marke: Produkt und Service? Ist das so einfach? Ja, das sind unsere Säulen. Unser Produkt ist eine Mischung aus italienischem Design, langjährigem Knowhow im Oberbekleidungssegment, höchster Qualität der Materialien und eine sehr gut funktionierende Produktion in meinem Heimatland China. Zudem haben wir unseren Service optimiert. Bei uns stehen Kunden an erster Stelle und wir haben auch in den schwersten Zeiten versucht, ihnen entgegenzukommen und die Partnerschaften zu stärken – das hat sich gelohnt. Auf welche Werte baust du als Next Generation Leader? Sind es Familienwerte, Herkunft oder ganz andere? Meine Familie steht voll und ganz hinter mir – eigentlich gleich neben mir. Sie war immer für mich da und als ich 2014 dann den Sprung vom Hersteller zur eigenen Marke gemacht habe, waren sie die größten Unterstützer. Meine Eltern haben sehr viel Wert auf Bildung und Disziplin gelegt und dafür gesorgt, dass ich eine westliche Ausbildung genießen durfte und trotzdem meine Kultur nicht vergesse. Ich habe meine ganze Schullaufbahn in Europa und Amerika absolviert, war aber schon in ganz jungen Jahren jeden Sommer mindestens drei Monate in China, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern und die Kultur zu erleben. Ist das vielleicht dein besonderer Mehrwert: diese interkulturelle Vielfalt? Darüber habe ich nie wirklich nachgedacht. Aber ja, ich denke schon, dass ein multikultureller Background Aufgeschlossenheit und Flexibilität mit sich bringt. Man ist gewohnt, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu beobachten, und hat vielleicht ein schnelleres Auge, ein besseres Gespür und immer ein offenes Ohr. Und natürlich hilft die Mehrsprachigkeit bei einer reibungslosen Kommunikation – auf allen Ebenen, mit den Mitarbeitern, wie mit den Kunden. Was ist der Traum eines jungen Leaders? Einen haben wir soeben verwirklicht: einen eigenen Duno-Store in Osaka. Ich denke der nächste Schritt sind die USA. Das ist dann doch der Traum von allen, oder? style in progress

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ZEIT, DIE GLÄSERNE DECKE ZU DURCHBRECHEN? ZOOMING IN

Welche Rolle spielen Italienerinnen heutzutage im nationalen und internationalen Fashionbusiness? Wie steht es um weibliche Leadership in Italien? Ist die Gender-Pay-Gap-Diskussion noch aktuell? Welchen Einfluss hat der Female Touch auf Design? Wir haben mit vier Frauen aus der italienischen Modewelt Antworten auf diese Fragen diskutiert. Ein Gespräch mit Ludovica Braglia (Sustainable Business Advisor und Autorin bei School of WRÅD), Valeria Caffagni (Head of Business Development EMEA Goldwin Japan), Daniela Holnsteiner (International Sales Director Save The Duck) und Cinzia Macchi (Gründerin und Designerin LaMilanesa). Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Illustration: Simona Gala Baronti

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n der letzten Dekade hat sich in Italien in unserer Branche gefühlt viel getan: mehr Frauen in CEO-Positionen, mehr Designerinnen. Digitales Entrepreneurship eröffnete für schlaue Frauen ganz neue Chancen – man denke nur an Chiara Ferragni. Kurzum: Die Frau ist nicht mehr nur Modekonsumentin, sondern aktive Akteurin, vor und hinter den Kulissen. Trotzdem bleibt Italien laut Global Gender Gap Report 2021 das Land mit dem höchsten Gender Pay Gap in Europa. Die Lockdowns haben für viele Frauen einen Rückschritt gebracht: Haus- und Pflegearbeit bleibt im Smart-working-Modus vielfach wieder an den Frauen hängen. Was ist nötig, damit italienische Frauen ihren Führungsanspruch endlich geltend machen können? Einerseits sagen Untersuchungen, dass Italien immer noch Europas Schlusslicht in Sachen Gleichstellung ist – andererseits habe ich den persönlichen Eindruck, dass sich viel getan hat und noch mehr in Bewegung ist. Wie ist eure Einschätzung? Daniela Holnsteiner, International Sales Director Save The Duck: Ich komme ursprünglich aus Deutschland und bin mit einer Mentalität aufgewachsen, die keine Unterschiede zwischen Mann und Frau macht. Meine Mutter war Unternehmerin und hat mir als Kind bereits gesagt: „Daniela, eins ist wichtig: Du darfst nie von einem Mann abhängig sein.“ Als ich vor 18 Jahren dann nach Italien kam und hier die ersten Jobs angetreten habe, war es so etwas wie ein Kulturschock. Ich gehörte zu den wenigen Frauen, denen auch wichtigere Positionen zugetraut wurden. Ich hatte immer ein bisschen den Eindruck, dass meine Herkunft eine Rolle gespielt haben könnte. Als Deutsche schien es, dass ich im Gegensatz zu meinen italienischen Kolleginnen mehr Gehör fand. Heute ist es definitiv anders. Es hat sich viel getan in der Modebranche. Wir als BCorp-Unternehmen legen viel Wert auf Gleichberechtigung, und das zeigen auch die Zahlen. Bei Save The Duck haben wir einen Frauenanteil von 80 Prozent, vor allem auch in den wichtigen Positionen wie unsere CMO, unsere Nachhaltigkeitsmanagerin oder ich selbst. Valeria Caffagni, Head of Business Development EMEA Goldwin Japan und Gründerin von Blue Hills Studio: Ohne Zweifel hat sich in den letzten Jahren viel getan. Schon das Gesetz Legge n. 120/2011 und dessen Ergänzungen besagen, dass 30 Prozent der Angestellten sowohl in börsennotierten als auch in staatlichen Unternehmen weiblich sein müssen. Auch durch den neuen Gesetzesentwurf Legge Gribaudo, der am 13. Oktober 2021 einstimmig im Parlament angenommen wurde, hat Italien große Schritte in Sachen Gleichstellung gemacht. Die Frage ist, ob diese Vorgaben in den Unternehmen wirklich ernst genommen werden oder einfach nur als Kosmetik dienen. Uns allen ist bewusst, dass eine Frau für ein Unternehmen immer das „Risiko“ einer potenziellen Mutterschaft mit sich bringt. Die Frage des Kinderkriegens taucht dann doch immer auf, auch in Vorstellungsgesprächen und das ist nicht nur rechtswidrig, sondern anachronistisch. Die Diskussion sollte sich doch eher

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um Qualität als Quantität drehen. Wenn eine Frau mit Familie weniger Zeit im Büro verbringen kann, aber trotzdem einen hochqualitativen Beitrag leistet, warum soll sie nicht die gleiche Bezahlung und Anerkennung erhalten wie ihre männlichen Kollegen? Es geht doch letzten Endes um die Leistung, nicht um die Stunden, die man vorm PC verbringt. Cinzia Macchi, Gründerin und Designerin LaMilanesa: Gut, dass Valeria dieses Thema der Mutterschaft aufbringt, denn obwohl es anachronistisch ist, ist es gleichzeitig immer noch sehr in unserer Mentalität verankert. Ich habe erlebt, dass junge Bewerberinnen von sich aus sagen, sie seien in festen Beziehungen und mit Kinderwunsch. Ich habe sie nie gefragt und würde es auch nie tun, aber sie fanden es wichtig, mich zu „warnen“. Wenn Mutterschaft das Problem wäre, hätte ich mein Unternehmen nicht auf Frauen aufbauen können – bei LaMilanesa sind wir alle Frauen und unser Sales Director, der einzige Mann, ist eigentlich auch eine „signorina“, so definiert er sich selbst (lacht). Aber Spaß bei Seite, meine Erfahrungen in der Arbeitswelt waren nicht einfach. Ich komme ja ursprünglich nicht aus der Modewelt und war vor der Gründung von LaMilanesa im Bereich der Fortbildung tätig, die eher ein Männerterrain ist. Ich wurde nicht immer wahrgenommen, das schmerzte. In der Mode bin ich eher zu Hause und sehe, dass Frauen eine andere Rolle spielen – das ganze Modesystem basiert ja eigentlich auf Frauen: von der Produktion bis hin zur Konsumentin. Absurd, dass wir eigentlich Mutterschaft und Gender Pay Gap überhaupt noch thematisieren – die Fashionwelt würde ja ohne uns gar nicht existieren. Und du Ludovica, wie erlebst du und deine (Z-) Generation diese Gender-Diskussion? Was ist deine Erfahrung? Ludovica Braglia, Sustainable Business Advisor und Autorin bei School of WRÅD: Ich stimme voll und ganz zu, insbesondere dass man sich heutzutage eher mit der Qualität der Arbeit, mit den Leistungen und Fähigkeiten der Person, auseinandersetzen sollte und nicht mit deren gegebenen Eigenschaften oder Herkunft. Das ist unserer Generation sehr wichtig und wir kämpfen dafür. Ich hatte anfangs trotzdem meine Schwierigkeiten, nicht nur als Frau, sondern vor allem als junge Frau. Ich bin in der Branche aufgewachsen und kenne dank meinem Vater und seinem Unternehmen Brama Group wirklich viele Menschen in dieser Welt. Nach der Entscheidung, mich selbstständig zu machen, habe ich die Erfahrung machen müssen, dass es nicht nur einen Gender Gap, sondern auch einen Generation Gap in Italien gibt. Solange ich unter den Fittichen meines Vaters agierte, als seine Tochter, war alles gut. Als ich mich dann aber als unabhängige, junge Frau selbstständig machte und mich dem Umweltschutz in der Modebranche widmete, war es nicht einfach, ernst genommen zu werden. Das Thema Sustainability ist zudem auch noch ein ziemlich schwieriges Gebiet, weil diese Art von Arbeit immer noch als Freiwilligenarbeit betrachtet wird. Wir retten ja netterweise Meere und sollten es deshalb umsonst tun. Sprich, ich kämpfe täglich, um von der älteren Generation als


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Frau und junger Mensch ernst genommen zu werden, aber auch, um für meine Arbeit bezahlt zu werden. Wir, die Z-Generation, haben die neuen heißen Themen verinnerlicht, müssen uns aber gegen die alte Leadership stemmen. Leadership, ein gutes Stichwort. Wie steht es um weibliche Leadership? Daniela Holnsteiner: Es gibt definitiv große Unterschiede zwischen weiblicher und männlicher Führung, ich würde aber nicht sagen, dass eine besser ist als die andere. Klar sind wir Frauen sensibler bei manchen Themen, wir investieren vielleicht auch mehr in Teambildung und in Harmonie, aber Frauen sind nicht alle gleich. Ich hatte großartige männliche Führungskräfte in meiner Laufbahn, auch jetzt mit Nicolas Bargi erlebe ich ein Beispiel von unglaublich guter Führung, die mich inspiriert. Gleichzeitig habe ich auch Frauen in hohen Positionen kennen gelernt, die nur Machtkämpfe geführt haben. Es kommt ganz auf die Persönlichkeit an. Cinzia Macchi: Ich habe Männer erlebt, die mir viel beigebracht haben, und Frauen, die mich überhaupt nicht unterstützt haben. Es ist keine Frage des Geschlechtes, sondern des Menschen. Wir müssen heute allen Menschen die gleichen Chancen geben. Valeria Caffagni: Es geht eher um Intelligenz und Sensibilität, als um weiblich oder männlich. Frauen sind vielleicht stärker beim Thema Empathie und verständnisvoller bei der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben, aber ich würde niemals pauschal sagen, dass weibliche Führung besser ist. Es geht ja heutzutage darum, Strukturen und Teams zu schaffen, die gut miteinander funktionieren, sich gegenseitig unterstützen und zusammen auf ein Ziel hinarbeiten. Trotzdem bleibt es eine Frage der Mentalität – ich arbeite momentan mit einer japanischen Firma zusammen und in Japan sieht man noch weniger Frauen in C-Level-Positionen als in Italien. Doch auch dort beginnt der Umbruch und es wird sichtbar besser und anders. Aber grundsätzlich denke ich, dass man für ein solch komplexes Thema auch Männer an den Tisch holen sollte. Es ist wunderbar, mit so tollen Frauen darüber zu reden, aber nur wenn auch der anderen Seite die Möglichkeit gegeben wird, sich einzubringen und ein Austausch passiert. Sonst drehen wir uns im Kreis. Es darf kein Kampf sein.

arbeiten. Sprich, die Gleichstellung müsste auch in Schulen und Institutionen Thema sein und verankert werden. Seid ihr da gleicher Meinung? Ludovica Braglia: Ich bin überzeugt, dass wir in Italien noch viel zu tun haben und ein neues Gleichgewicht brauchen, aber wir sollten Schritt für Schritt gehen und die Dinge nicht überstrapazieren, weil die Weiterentwicklung sonst keine nachhaltige ist. Natürlich darf es in den Schulen keine Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen geben. Kinder sollten in der Gewissheit aufwachsen, dass sie nicht gleich, aber gleichberechtigt sind. Cinzia Macchi: Genau, ich finde diesen Aspekt extrem wichtig. Man sollte von Kind auf lernen, dass wir alle gleichgestellt sind, es gibt nicht das stärkere Geschlecht. Deswegen engagiere ich mich hier in Mailand bei einer Hilfsorganisation, die in Brennpunktschulen geht und Aufklärungsarbeit leistet, dazu gehört auch Aufklärung zur Gleichberechtigung. Nicht alle Kinder wissen, dass die Frau nicht nur am Herd stehen muss und das tut, was der Mann sagt – um es jetzt so deutlich auszudrücken. Daniela Holnsteiner: In Schulen kann viel bewirkt werden, aber damit ist es nicht getan. Die neue Elterngeneration, also wir, müssen uns dafür einsetzen und Vorbilder für unsere Kinder sein. Ich ziehe sehr oft Vergleiche zwischen Deutschland und Italien und ich erlebe leider noch sehr große Unterschiede. Das konnte ich auch während des Lockdowns sehr klar sehen: In meinem italienischen Freundeskreis mussten viel mehr Mütter mit den Kindern zu Hause bleiben als in meinem deutschen Bekanntenkreis – dort wurde Arbeitszeit und Kinderbetreuung meistens fair unter den Eltern aufgeteilt. Valeria Caffagni: Ja, die Daten sprechen auch Bände. Im Jahr 2020 haben in Italien 42.000 Eltern (von Kindern zwischen null und drei Jahren) ihren Arbeitsplatz verloren, davon sind 77 Prozent Frauen (Quelle: La Stampa). Wir liegen weiterhin auf den untersten Plätzen des Global Gender Gap Reports des World Economic Forum, nämlich auf Platz 63 von 156 und gehören somit zu den europäischen Ländern, die am schlechtesten abgeschnitten haben.

Ludovica Braglia: Ich glaube, dass der Unterschied zwischen Frau und Mann als Mehrwert betrachtet werden sollte. Wie in der Natur kann die Andersartigkeit zu wunderbaren Ökosystemen führen – weiblich und männlich muss nicht entgegengesetzt sein. Meine Frage ist daher, ob Frauen tatsächlich dieselben Chancen bekommen wie Männer, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Und das gilt natürlich nicht nur für Frauen, sondern auch für Minderheiten, wie Cinzia vorhin meinte.

Ludovica Braglia: Genau das versuchen wir mit der School of WRÅD zu ändern. Wir möchten allen jungen Leuten dieselben Chancen geben, Neues zu lernen, alle gleichstellen und vom selben Ausgangspunkt starten zu lassen. Die School of WRÅD ist die erste digitale Plattform in Italien, die für alle zugänglich ist. Man kann sich zum Thema nachhaltige Mode Kurse in mehreren Sprachen, auch Sprachen wie Farsi und Hindi, herunterladen. Das ist unsere Idee, wie man Bildung demokratisieren kann und keinen Unterschied mehr macht, ob sie sich nun an Männer oder Frauen, arme oder reiche Menschen wendet.

Frauen und Männern die gleichen Chancen zu eröffnen, würde in meinen Augen in Italien bereits damit beginnen, von Grund auf an der kulturellen DNA zu

Nachhaltigkeit ist ein gutes Schlagwort – denn viele Gamechanger auf internationaler Ebene sind Frauen. Warum? style in progress

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L e a d i ng i n a n e w f t u r e

Ludovica Braglia: Nachhaltigkeit entsteht aus Empathie, aus dem Wunsch das Andere, und damit meine ich andere Menschen, die Natur usw., zu respektieren und zuzuhören. Das mag ein Thema sein, dass eher von Frauen verinnerlicht und vorangetrieben wird. Männer sind oftmals mit der Idee aufgewachsen, Business zu machen und Business ist Profit und Profit ist nicht nachhaltig. Hier liegt aber der Gedankenfehler: Nachhaltigkeit ist nicht mehr nur eine Ideologie – fairer Profit ist möglich. Cinzia Macchi: LaMilanesa ist das perfekte Beispiel, wie weibliche Nachhaltigkeit und Fairness funktionieren – alles, was wir tun, ist nachhaltig, hergestellt von Frauen für Frauen. Es steckt eine Menge Arbeit dahinter und wir sind so stolz darauf. Im letzten Jahr haben wir zusammen mit Banca Intesa, Caritas und dem Vatikan das Projekt Fabbricatrici di Sogni ins Leben gerufen. Wir bilden Frauen für Berufe in der Modebranche aus. Sie lernen nähen, schneidern und vieles mehr und legen damit die Basis für ein langfristiges, eigenes Einkommen. Das ist das Ziel des Programms: Frauen aus sozial schwachen Schichten auf dem Weg in ihre finanzielle Unabhängigkeit zu unterstützen. Daniela Holnsteiner: Wir bei Save The Duck haben in den Jahren analysiert, wie das Thema Nachhaltigkeit von Frauen und Männern akzeptiert, verinnerlicht und umgesetzt wird, und haben herausgefunden, dass es nicht nur ein Thema des Geschlechts, sondern auch des Alters ist. Ab ca. 35 Jahren ist Nachhaltigkeit eher ein Frauenthema. Frauen wollen wissen, wie, wo und von wem das Produkt hergestellt wird, Männer interessieren sich weniger dafür. Unter 35 sind Fairness und Ökologie hingegen ein allgemein wichtiges Thema und von beiden Geschlechtern als gleichermaßen relevant angesehen. Die jüngeren Generationen gehen mit Umweltschutz viel bewusster um. Entwerfen unabhängige Frauen auch andere Mode? Braucht es gerade in der italienischen Mode mehr Designer und Designerinnen, die für ein modernes Frauenbild entwerfen? Valeria Caffagni: Im Design sind Frauen schon immer in der Überzahl, heute immer mehr auch in den vordersten Reihen – wenngleich es immer noch eher die Ausnahme ist. Es gibt Kreativchefinnen, die wirklich viel bewegt und neue Ansätze gebracht haben – man denke nur an Maria Grazia Chiuri, die erste Frau als Kreativdirektorin des Hauses Dior und die erste Italienerin, die eine solche Position bei einem französischen Courturier erlangt hat. Sie hat eine neue Sportlichkeit in die Damenkollektion gebracht und eine klare feministische und politische Botschaft. Die Mode ist nämlich heute deutlich politischer als früher mit einer ganzen Generation an neuen Konsumentinnen und Konsumenten, die viel sensibler für diese Dinge sind. Oder denken wir nur an globale Umwälzungen wie etwa das Thema der Body Positivity. Das Frauenbild ist nicht mehr auf die Victoria’s Secrets Engel der 1990er- und 2000er-Jahre limitiert. Und selbst diese Marke hat sich in letzter Zeit stark gewandelt und – natürlich auch durch den Druck von Skandalen – einen längst überfälligen Paradigmen- und Imagewandel ein202

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geleitet, der heute auf ganz anderen Werten wie Inklusion und Diversität gründet. Mode ist allgemein frauenfreundlicher geworden, die Schnitte sind weiter und angenehmer zu tragen. Aber auch hier sollte man nicht verallgemeinern. Die Kollektionen entstehen ja weiterhin entsprechend dem Stil der Marken und Häuser, unabhängig vom Geschlecht des Designers. Man denke, wie sehr sich Gucci durch Alessandro Michele verändert hat. Cinzia Macchi: Ich beobachte viel mehr Leichtigkeit und Freiheit in den Kollektionen. Die heutige Frau ist frei von Normen, das auf jeden Fall. Das erklärt auch den Erfolg der Gender-fluid- oder Unisex-Kollektionen. Daniela Holnsteiner: Ja, auch noch mal zum Thema Leadership und Freiheit. Man nehme zum Beispiel die Mode in der Politik. Früher hat man als politische Frau sich so männlich wie möglich kleiden müssen, um ernst genommen zu werden, siehe Angela Merkel. Heute wollen Designer die nächste Kanzlerin oder First Lady so weiblich wie möglich kleiden, um Power zu zeigen. Ich stimme Valeria zu, dass es nicht um weiblichen oder männlichen Touch geht. Es geht um Sensibilität und die Fähigkeit, vorauszusehen, wie sich Frauen fühlen wollen, wie sie sich entwickeln – und das dann in Kollektionen umzusetzen. Allerletzte Frage: Was wünschen wir der kommenden weiblichen Generation, die in unserer Branche Fuß fassen will? Cinzia Macchi: Diese Generation junger Frauen soll frei und sie selbst sein und keine großen Kompro­misse eingehen müssen. Sie soll einfach machen und sich trauen. Ludovica Braglia: Was wir hier diskutieren, gilt ja nicht nur für die Mode. Im Gegenteil, die Mode ist eigentlich schon eine sehr frauenfreundliche Branche, einfach weil unser Sinn für Ästhetik nicht zu ersetzen ist. Trotzdem gilt es weiterhin, für unsere Wertschätzung einzustehen, keine Angst zu haben, unsere Meinung zu sagen und Dinge, die nicht passen, anzusprechen. Wir müssen uns Gehör verschaffen, egal in welcher Branche. Valeria Caffagni: Einer talentierten jungen Frau wie Ludovica, die diesen Drive hat, wünsche ich, dass sie uneingeschränkt die Chance bekommt, ihr Können unter Beweis zu stellen. Dabei sollte keine junge Frau erst Barrieren überwinden müssen. Es sollte in ihren Karrieren nur noch Herausforderungen geben, die genau das sind – Herausforderungen, an denen sie wachsen können, und nicht Hindernisse, die ihnen in den Weg gelegt werden, nur weil sie Frauen sind. Daniela Holnsteiner: Ganz einfach: Ich wünsche der kommenden weiblichen Generation, dass sie eine solche Diskussion nicht mehr führen muss.


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AVANT TOI

„UMSTURZ VON NORMEN UND KLASSIK“ Avant Toi steht seit den 1990er-Jahren für Avantgarde und überrascht jede Saison mit einer neuen Spielart seiner DNA – leuchtend buntem, innovativem Cashmere. Hinter der Marke steht das Familienunternehmen Liapull Cashmere aus Genua, das sich für 2022 viel vorgenommen hat. Ein Gespräch mit Fiorella und Mirko Ghignone. Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Avant Toi

Echte Kunstwerke: Die Farbrezepturen sind Avant Tois größtes Geheimnis, ebenso die Methode. Nur so viel sei verraten: Es ist ein künstlerisch-handwerklicher Prozess.

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Avant Toi gilt schon immer als Marke mit großer Innovationskraft und einer einzigartigen Zukunftsvision. Wie erleben Sie diesen Moment des großen Wandels in der Modewelt und was bedeutet er für Avant Toi? Fiorella Ghignone, Geschäftsführerin von Liapull Cashmere und Avant Toi: Unser Cashmere-Label Avant Toi gibt es seit 1994, aber unsere Geschichte fängt schon Ende der 1950er-Jahre an, als unsere Mutter, Lia Gambetta, Liapull in Genua gegründet hat. Mit einer geschenkten Strickmaschine hat sie ganz klein begonnen, ein paar Pullis zu produzieren. Sie war eine der wenigen Frauen, die alleine eine Firma führten und ihrer Zeit weit voraus waren. Wir haben ihr Unternehmertum und ihre Attitüde miterleben dürfen und das hat bestimmt abgefärbt. Noch heute stellen wir unsere Kollektionen hier her und bieten somit Made-in-Italy-Produkte an. Das Label Avant Toi ist mittlerweile aber für 80 Prozent unserer Umsätze verantwortlich und, ja, ich bin mir sicher, dass unser Erfolg bestimmt mit unserer sehr innovativen Herangehensweise zu tun hat. Aber hierzu kann Mirko, mein Bruder und Creative Director, mehr sagen. Mirko Ghignone, Creative Director Avant Toi: Wie Fiorella soeben schön erklärt hat, sind wir in diesem Business mit viel Kreativität und unternehmerischem Geist aufgewachsen und das prägt. Ich habe mit acht meinen ersten Schal an der Strickmaschine hergestellt. Unsere Mutter hat uns immer die Freiheit gelassen, Dinge auszutesten, unsere Ideen einzubringen. Und so kam es auch zur Entstehung von Avant Toi. Ich hatte angefangen, mit Action Painting auf Cashmere und Seide zu experimentieren. Das hat natürlich alle traditionellen ästhetischen und stilistischen Regeln gesprengt, die üblicherweise mit kostbaren Garnen wie Cashmere in Verbindung gebracht wurden (lacht). Auf dieses edle Garn mit dem Pinsel zu malen und mit richtig kräftigen Nuancen zu experimentieren! Aber so schafft man etwas Einzigartiges. Ich liebe diesen Umsturz von Norm und Klassik und ich freue mich, heute sagen zu können, dass mein Bauchgefühl richtig war. Die Endverbraucher suchen heute mehr denn je One-of-a-kind-Teile, sie wollen sich besonders fühlen. Dieser Wandel kommt unserer Denkweise entgegen und wir haben


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Mit einem Concept Store in Mailand erfüllte sich Avant Toi einen Traum.

von der Pandemie profitiert. Ich hatte endlich wieder Zeit, ganz entschleunigt zu malen, mich neuen Inspirationen hinzugeben. Die Kollektionen, die in dieser Zeit entstanden, haben unsere Wertschätzung im Markt noch einmal gesteigert. Wie hält man heute so lange den Status des Visionärs? Mirko: Wir hören nie auf, zu forschen und zu tüfteln, das ist unser Geheimnis. Entwicklung hat für mich nie ein Ende, sie ist unendlich. Wir akzeptieren keine Grenzen und wir hören nie zu experimentieren auf. Das ist mein Lebensmotto: Jedes Erlebnis in der Arbeit oder im Alltag kann Inspiration sein und ich habe diesen Drang, jeden Stoff und jedes Teil, das ich sehe, zu transformieren, mit Farbe oder neuen Behandlungen schöner zu machen. Unsere Farben und Techniken sind definitiv eine der großen Stärken von Avant Toi. Wir experimentieren viel in unseren eigenen Färberein, die sind wie ein Labor, aus dem jede Saison neue Schattierungen und innovative Farbpaletten entspringen. Wir strapazieren auch unsere Materialien und Garne mit eigenen Methoden und Prozessen, wie das Pilling Casentino, um nur eins zu nennen. Wir investieren eben viel in Research, nur so werden Visionen zu Realität. Und natürlich ist auch das Handgemachte, das Made in Italy, ein unglaublich wichtiger Faktor. Innovation funktioniert nur gekoppelt mit Handwerk und echtem Know-how und beides können wir seit 60 Jahren vorweisen.

Avant Toi ist mit Kunst eng verbunden. Wie wichtig ist Kunst für Mode? Mikro: Avant Toi gäbe es nicht ohne Kunst. Und Mode kreieren ist doch auch eine Form von Kunst, oder? Als ich angefangen habe, mich für Show Painting zu interessieren, hätte ich nie gedacht, dass Kunst das Familienunternehmen so prägen und unser Schlüssel zum internationalen Erfolg sein würde. Auch hier war meine Mutter großartig, weil sie mich einfach machen ließ und an das Konzept glaubte. Heute werden wir oft kopiert, aber die Einzigartigkeit unserer von Hand gemischten Farben und wie wir sie auf Stoffe applizieren bleibt unvergleichlich. Wir hören oft: Eure Stücke, sind die echten Kunststücke, das Original, alles andere sind Kopien. Das freut uns sehr! Wie bekommt man es jede Saison aufs Neue hin, sich zu übertreffen und das Publikum zu überraschen? Mirko: Es gibt natürlich einen Trick, aber den darf ich nicht verraten (lacht). Und nicht aller Anfang in einem Kreativprozess ist leicht. Aber wir haben Ausdauer und Leidenschaft und ja, vieles entsteht natürlich. Fiorella, Avant Toi wächst und wächst. Was sind die nächsten Projekte? Fiorella: Wie mein Bruder eben sagte, wir pausieren nie, erfinden uns immer neu. Wir arbeiten kontinuierlich an den Produktlinien, bauen sie aus bis zu Total Looks. Wir haben z. B. eine Sneaker-Kollektion auf den Markt gebracht und seit 2018 entwickeln wir auch eine Home-Kollektion. Zudem freuen wir uns sehr über die Eröffnung unseres neuen Ladens in Mailand, der neben der Damen- und Herrenkollektion eben auch die Sneaker, die Accessoires und auch die Home-Linie zeigt. Wir haben uns also den Traum eines Conceptstores erfüllt. Im Januar kehren wir nach langer Zeit zum Pitti Uomo zurück und freuen uns, unsere Kunden endlich wieder live zu treffen. Die News, die mich persönlich sehr freut: Meine Tochter Giulia Marini steigt bei uns ein. Sie hat nach ihrem Uni-Abschluss jetzt sechs Jahre bei einem Großkonzern gearbeitet und wir freuen uns auf den frischen Wind, den sie mitbringen wird. Das heißt, Liapull und Avant Toi begrüßen die dritte Generation.

Die Geschwister Fiorella und Mirko Ghignone haben aus der Strickmanufaktur ihrer Mutter ein international angesehenes Avantgardelabel gemacht: Avant Toi hält sich seit Jahren an der Spitze, was Innovation im Strick angeht.

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Wohlfühlen garantiert: Soho New York ist lässige Casualwear with a positive Attitude.

SOHO NEW YORK

THAT’S THE SPIRIT! Im März 2020 gegründet, hat Soho New York einen beachtenswerten Start hingelegt. Ein super Signal für Labelgründer Kai Wilhelm, um jetzt mit der Kollektion richtig Vollgas zu geben.

Seine Expertise ist Wirkware: Nach Arqueonautas und Kitaro ist Soho New York das nächste, erfolgversprechende Projekt von Kai Wilhelm.

Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Soho New York

Cooler Name, positive Vibes. Die Kollektion Soho New York mit Shirts und Sweatshirts für Männer und Frauen hat die richtigen Zutaten. „Unsere Mode ist frisch, farbig und lebensfroh, weshalb wir mit einem Megaresultat aus der letzten Sommersaison herausgegangen sind“, so Kai Wilhelm. 176 Kunden sind seine Bilanz nach drei generell schwierigen Saisons; allein die Womenswear hat ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr gleich vervierfacht. „Das beflügelt uns, jetzt durchzustarten und die nächsten Schritte zu gehen.“ Nächste Stufe ist der Ausbau der Kollektion. Für die Herbst-/Winter-Saison kommt Strick hinzu, ohnehin eine Stärke von Kai Wilhelm, der auf 25 Jahre Textilerfahrung blickt. Stilistisch sportiv, leicht und soft soll es sein, mit ansprechendem Detailing. Denn Kai Wilhelm sieht auch hier viel Potenzial für Soho New York im mittleren bis gehobenen Preissegment: Die T-Shirts kosten 19 bis 39 Euro im VK und Sweats 59 bis 99 Euro, während Strick zwischen 79 und 129 Euro angeboten wird. Zugleich wächst die Vertriebspower mit Partnern, um die Marke auch international voranzubringen. Aktuell sind es 176 Kunden, die sich im Wesentlichen auf den deutschsprachigen Markt verteilen, darunter Hirmer, Kleiderbauer, P&C und L&T. „Aber auch Märkte wie Benelux und Frankreich sind bereits stark, dazu setzen wir auf die ehemaligen GUS-Staaten, zumal wir dort bereits große Kunden wie Interbalt und Holding Center gewinnen konnten.“ Offline wie Online wird aufgebaut. „Wir kooperieren seit November gezielt mit Micro-In206

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fluencern, wollen Social Media pushen und werden ab Februar mit einem Webshop online gehen. Hinzu kommen top Einzelhändler, die auch online gut aufgestellt sind“, so Wilhelm. „Ganz klar bleibt für uns der stationäre Facheinzelhandel im Fokus, weshalb er auch die Preishoheit behält.“ Flexibilität heißt die Maxime, das hat Kai Wilhelm aus den letzten zwei Jahren gelernt. So bleibt das Kernteam um ihn und Mentor Edgar Walterscheid klein, um schnell agieren zu können. Für mehr Flexibilität wird jetzt auch ein Teil der Produktion von Indien nach Usbekistan verlegt. „Das Land hat eine super Infrastruktur und öffnet sich zunehmend dem Westen“, erklärt Wilhelm. „Außerdem sind die Lieferungen dann nicht mehr von Flügen und Flugfrachtbuchungen abhängig, sondern können mit dem LKW innerhalb von 14 Tagen vor Ort sein.“ Kai Wilhelm ist ein aufgeschlossener Mensch, Neugier ist seine Triebfeder. Das hilft ihm, etwas voranzubringen, und so macht es ihm auch am meisten Spaß. „Überhaupt muss die Mode wieder Spaß machen, das ist in letzter Zeit insgesamt zu kurz gekommen.“ Nicht umsonst ist das auch die USP von Soho New York.


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Sven Wandres bringt als Vorstand der Meyer Hosen AG auch MMX nach vorne.

Die Casualhosen von MMX sind modisch wie nachhaltig und werden semisartorial verarbeitet. Dazu überzeugt die Schwerpunktpreislage von 179 Euro mit einer Dreierkalkulation.

MMX

„DIE ZEIT IST REIF FÜR UNSER PRODUKT“ Das trifft selten zusammen: Als Premiumhosenspezialist verbindet MMX Mode mit Nachhaltigkeit und hat damit einen klaren Vorsprung im umkämpften Markt. Aber MMX hat noch mehr zu bieten, sagt Vorstand Sven Wandres. Interview: Nicoletta Schaper. Fotos: MMX

Bewusster Konsum ist viel wichtiger geworden. Ist MMX das richtige Produkt für unsere Zeit? Ja, dafür spricht vieles. Die Konsumenten sind anspruchsvoller geworden und erwarten in einem sorgfältig kuratierten Einzelhandel hochwertige Mode, sowohl was die Passform als auch den Wareneinsatz angeht. Hinzu kommt, dass ihnen Nachhaltigkeit wichtiger geworden ist und damit einhergehend Marken, die ehrlich agieren, statt Greenwashing zu betreiben. Das ist eine Entwicklung, die MMX als Marke sehr entgegenkommt. Was ist nachhaltig bei Ihrer Marke? Wir haben als einziger Anbieter in diesem Segment ausschließlich auf 100 Prozent Biobaumwolle umgestellt, was wir bereits vor drei Jahren auf den Weg gebracht haben. Biobaumwolle wird mit 40 Prozent weniger

Wasser hergestellt, ist gut für die Umwelt und die Kunden, da sie absolut ohne chemische Pestizide, künstlichen Dünger oder genetisch verändertes Saatgut angebaut wird, was für die immer häufiger anzutreffenden Allergiker sehr wichtig ist. Wir fertigen seit 30 Jahren im eigenen Unternehmen in Siebenbürgen, wobei wir außerdem auf soziale Standards Wert legen. Was prädestiniert MMX noch zum Handelspartner? Unsere Kalkulation von 3,0 sowie ein umfangreiches, modisches Lagerprogramm, was in unserem Segment eher selten ist. Nur Standard in Beige und Blau reicht heute nicht mehr; die Kunden wollen heute Spannenderes: zum Beispiel konsequent nachhaltige High-Performance-Jersey-Jogger und besondere Dessins vom Karo bis Pepita. Außerdem haben die Händler verstanden, wie wichtig ein Lieferant ist, der in Europa produziert. Als kleines, feines Team liefern wir zuverlässig und können auf Modetrends flexibel und kurzfristig reagieren. Stichwort Vertrieb ...

Mit 1.000 Verkaufspunkten sind wir über den deutschsprachigen Markt hinaus international aufgestellt. Nun wollen wir in den Märkten noch mehr in die Tiefe arbeiten. Dafür berücksichtigen wir die Trends in den jeweiligen Märkten, weshalb wir uns eng mit unseren Handelsagenturpartnern vor Ort abstimmen. In Frankreich und Italien, wo wir 200 Verkaufspunkte beliefern, schätzt der Kunde besonders die Innovation in den Dessins sowie die Details, während in Holland die Mode auch mal farbiger sein kann. Insgesamt hilft uns das deutlich gestiegene Interesse an nachhaltiger Mode. Die Händler wie ihre Kunden wollen verstehen, inwieweit MMX umweltbewusst ist und wie wir es erreichen, zu 100 Prozent klimaneutral zu fertigen. Weil unsere Hosen Fair-Tradeund Made-in-Green-zertifiziert sind, lässt sich die gesamte Lieferkette via QR Code nachvollziehen – ich war selbst sehr positiv überrascht, wie stark das abgerufen wird. Für mich ist das ein Signal, das für uns noch einiges möglich ist, indem wir unseren eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. style in progress

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Er arbeitet leidenschaftlich fürs Produkt: Michaël Azoulay.

American Vintage steht für zeitlose Essentials.

AMERICAN VINTAGE

„WIR BLEIBEN UNSEREN WERTEN TREU“ Das weiße T-Shirt und Denim sind Kernprodukte von American Vintage. Doch als Markeninhaber denkt Michaël Azoulay die Kollektion weiter, ohne dabei den Fokus zu verlieren. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: American Vintage und Antoni Ciufo

Wie habt ihr euer Key-Piece, das weiße T-Shirt, jetzt weiterentwickelt? Michaël Azoulay, Inhaber American Vintage: Ausgangspunkt ist immer 100 Prozent Baumwolle, mit der Idee, eine neue, zugleich authentische Version zu entwerfen. Wir haben uns außerdem der Vielfalt in Passform und Schnitt gewidmet, sodass eine vollständige, modische Kollektion rund um das weiße T-Shirt entstanden ist. Stilvolle Halsausschnitte, Details, Nähte... Sie machen das gewisse Etwas aus. Baumwolle bleibt immer das Grundmaterial, das wir mal als geflammten Jersey, mal als gedrilltes Garn einsetzen und außerdem von fein bis dick alle Garnarten 208

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verwenden, bis hin zu solchen, die eher selten und anspruchsvoll in der Verarbeitung sind. Zusätzlich steht Denim im Fokus. Auch hier gilt das Motto 100 Prozent Baumwolle. Wir sind immer auf der Suche nach dieser schönen Art glaubwürdiger Jeans, in rustikaleren Materialien und Twill für mehr Komfort, in den Farben Blau und Schwarz, Pfeffer- und Salzoptik, aber auch in der Originalfarbe Ecru. Es ist unsere Leidenschaft, alle möglichen Waschungen auszuprobieren, die einen immer anderen Effekt auf das Produkt haben. American Vintage ist eine ganze Stilwelt. Was baut ihr drum herum? Wir stehen für Vielfalt in den Materialien, den Schnitten und Farben und haben darüber hinaus Strick und Mäntel weiter ausgebaut. Ebenso wichtig ist unsere Loungewear und Lingerie in soften Ecru- und Beigetönen, die sich wunderbar dazu kombinieren lässt und so den Wohlfühllook von American Vintage vervollständigt.

Die herausfordernden Zeiten machen digitale Strategien unumgänglich. Wo habt ihr besonders angesetzt? Es ist so viel wichtiger geworden, in Echtzeit auf wichtige Informationen zugreifen zu können – für uns im Headquarter ebenso wie im Außendienst und am PoS. Um Fragen zum Bestandsmanagement, Filialplanung oder Produktivität schnell beantworten zu können, haben wir unsere digitalen Kommunikationsplattformen ausgebaut und unsere Verkaufsstellen noch stärker vernetzt. Umso serviceorientierter und effizienter können zum Beispiel unsere Mitarbeiter in den Stores über iPods und iPads auch die Kunden bedienen. Unser Ziel ist der Shop von morgen: Wir stellen uns ein Ladenlokal mit weniger Lagerbestand und mehr Lieferverkäufen vor, um Zeit und Raum für Kundenerlebnisse zu schaffen. Dabei denken wir an Kunst, Musik, Sound sowie Veranstaltungen und Events auch mit unseren Fachhandelskunden. Die Planung für experimentelle Aktionen steht!


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Inspiration und gute Geschäfte in persönlicher Atmosphäre – damit geht Gwand & The City im Gusswerk Salzburg an den Start. Das Markenportfolio beweist Aufbruchstimmung.

GWAND & THE CITY

AUFBRUCH IN EINE NEUE ÄRA Das Gusswerk Salzburg will von Handwerk, Qualität, Herkunft und Tradition geprägter Bekleidung einen Ort der Begegnung entwickeln. Text: Stephan Huber. Fotos: Gusswerk

Wie so vieles hat Corona insbesondere auch die Tracht intensiv getroffen. Der Ausfall der so wichtigen Feste und Events, beginnend bei der Münchner Wies’n bis zu Hochzeiten oder Dirndlflugtagen hat gezeigt, dass die Abhängigkeit von Anlässen oder Touristen eine äußerst wackelige Basis sein kann. Parallel ist mit der Tracht & Country der schon vorerkrankte langjährige saisonale Fixpunkt endgültig gekippt. Für Anpacker und Gestalter wie Petra Kogler vom Gusswerk und Hubert Stolzlechner, Modeagentur Stolz, also der perfekte Moment, etwas Neues zu wagen und für die Branche eine zeitgemäße, hochwertige Plattform zu schaffen. Gemeinsame Ordertage und ein kleines, feines, von allen Gästen von Herzen genossenes Sommerfest in und um die Showrooms auf dem Gelände des Gusswerks im August letzten Jahres, waren Anstoß, diese Saison einen wirklich

ausladenden Schritt weiterzugehen und mit Gwand & The City eine neue Ära für von Handwerk, Qualität, Herkunft und Tradition geprägten Lifestyle einzuleiten. Petra Kogler erklärt den Anspruch: „Drei Ziele haben wir uns gesteckt. Zum einen sollen auf der Gwand gute Geschäfte gemacht werden. Zum anderen wollen wir Inspiration auch über die Mode hinaus bieten. Und schließlich wollen wir Anlass sein, zu dem sich die Menschen persönlich treffen und austauschen können. Ein Ort der Begegnung. Das ist wichtiger denn je!“ VIEL MEHR ALS EIN KLISCHEE

Und dann gibt es da schon noch ein weiteres Ziel, das mittel- oder langfristig erreicht werden soll. Nämlich auch Händler und Marken anzusprechen, die aktuell bei Tracht noch ein klischeehaftes Bild im Kopf haben. Stolzlechner ist überzeugt: „Unsere Branche kann so vieles, was gerade in Zukunft von immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten gesucht wird. Und was die vielen großartigen Marken und Hersteller anbieten, passt in den täglichen Look von viel mehr Menschen,

als aktuell. Wir wollen einen Beitrag leisten, dieses Potenzial freizusetzen.“ POTENZIALE GEMEINSAM NÜTZEN

Gelingen kann das nur gemeinsam. Darum ist es für das Gusswerk als Veranstalter der Gwand & The City wichtig, weitere Player, beispielsweise auch starke Showrooms in der Stadt Salzburg, gezielt einzubinden, zu einem früheren, zunächst einmal um eine Woche auf Ende Februar vorgezogenen Termin. Auch die funktionierende Abstimmung mit den direkten Nachbarn Brandboxx ist für Kogler und Stolzlechner ein Anliegen: „Je besser wir zusammenarbeiten, umso besser ist das für unsere Kundinnen und Kunden, für den Standort Salzburg und letztlich natürlich für unsere gesamte Community. Gemeinsam wird es uns gelingen, der Tracht oder eben dem Gwand wieder eine wirklich starke Bühne zu geben, mit Strahlkraft weit über die Kernzielgruppe hinaus.“ Gwand & The City Ordertage Salzburg, Gusswerk 25. bis 26. Jänner, 25. bis 27. Februar 2022

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New Country Luxury: Schneiders hat VK-Preise im Schwerpunkt zwischen 400 und 800 Euro.

Wolfgang Binder, CEO Schneiders: „Wir beschäftigen uns intensiv mit unserem Produkt.“

SCHNEIDERS

DER HERITAGE VERBUNDEN Im Markenkern durch und durch bodenständig, in der Modernisierung höchst zukunftsfähig: CEO und Mitinhaber Wolfgang Binder dreht an den richtigen Stellschrauben, um die Marke Schneiders ins Jetzt zu transformieren. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Schneiders

Es ist ein familiär geführtes Haus mit Stolz auf die Tradition und gewachsenen Werte. 1946 gegründet, wird das Salzburger Unternehmen seit 2018 von Wolfgang Binder geführt. „Schneiders steht für naturverbundene Outerwear mit handwerklicher Prägung, die Salzburg und dem alpin geprägten Land spürbar verbunden ist“, sagt Wolfgang Binder und fügt hinzu: „Wir sind in allem sehr bodenständig.“ ZUKUNFTSTAUGLICH

Das ist Prämisse für die Premiumkollektion Schneiders. Traditionelle Materialien mit vielen Wollqualitäten zitieren ebenso wie luxuriöse Country-Elemente die Herkunft. Eine Stärke, die besonders in den vergangenen drei Jahren nochmal herausgearbeitet wurde, mit zeitgemäßen Silhouetten, harmonischer Farbgebung und technischen Innovationen, 210

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die dennoch den Bezug zum Markenkern nicht verlieren. „Wir beschäftigen uns intensiv mit unserem Produkt“, sagt Wolfgang Binder. „Unsere über Jahrzehnte gewonnene Kompetenz macht unseren Vorsprung aus.“ 90 Prozent der Outerwear wird in Europa gefertigt, was für kurze Wege sorgt. Dem Thema Nachhaltigkeit wird zunehmend Tribut gezollt, beispielsweise mit der Kapsel Pure. Biodegradable ist neben ungefärbter Naturwolle der zweite Baustein der Kapsel, mit Teilen, die innerhalb von fünf Jahren vollständig abbaubar sind. Die modernen Looks sprechen international an. Weltweit gibt es 800 Verkaufspunkte, davon 150 Handelspartner in Deutschland, darunter Lodenfrey, Sør, Hirmer, Mientus und Schnitzler. Italien ist zweitstärkster Markt, auch aus der Tradition heraus, dass Schneiders in seinen Kampagnen die Nähe zu Italien gepflegt hat, gefolgt von Frankreich, Schweiz, Österreich, Benelux, Großbritannien und den USA. „Jetzt zahlen sich unsere Bemühungen aus, aktuell mit einem

guten Orderzuwachs der Sommersaison im Vergleich zu 2019, obwohl wir den Vertrieb insgesamt noch selektiver gestalten“, so Wolfgang Binder. „Das bestätigt uns, dass uns der Handel als Marke mit eigener Handschrift wahrnimmt.“ Das liegt außerdem an einer digitalen Offensive, die vor gut einem Jahr gestartet wurde. Angefangen bei digitalen Lookbooks für B2B und gefolgt von der zunehmenden Implementierung des eigenen Onlineshops in den jeweiligen Märkten, was das Markenimage zusätzlich in die Welt trägt. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen intensiv daran, Bilder und Informationsmaterial auch für die angebundenen Handelspartner für den PoS und für ihre Onlineportale bereitzustellen, denn der stationäre inhabergeführte Fachhandel bleibe wichtigster Partner, so Binder. Die neueste Kampagne, zu sehen auch auf Facebook und Instagram, wurde in Österreich fotografiert. Ein klares Bekenntnis: „Damit gehen wir noch einen Schritt näher in unsere Heimat, die uns viel Kraft gibt.“


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„Ich bin sehr zuversichtlich und freue mich auf die kommende Zeit“, sagt Fan He, Gründer der Cashmere-Marke Kashette.

KASHETTE

KLEIDUNG IST AUSDRUCK VON GEFÜHLEN UND STIMMUNGEN Fan He gründet 2020 in Antwerpen das Cashmere-Label Kashette. Der Gedanke war, eine Strickkollektion ins Leben zu rufen, die höchste Qualität mit wirklich innovativen Designs kombiniert. 2021 feierte Kashette Premiere am deutschen Markt. Interview: Janaina Engelmann-Brothánek.

Fotos: Kashette

Fan, wie kommt man in einem Jahr wie 2020 auf die Idee, ein Cashmere-Label zu gründen? 2020 war ein besonderes Jahr, man hatte Zeit über wichtige Dinge nachzudenken und so habe ich den Schritt gewagt. Ich wollte endlich meine langjährige Cashmere-Expertise und meinen Enthusiasmus für das Garn in den europäischen Markt einfließen lassen. Ein Label gründen, das nicht nur Topqualität vorweist, sondern auch gute Preise anbietet und ein innovatives Design hat. In der heutigen Welt gibt es so viele Impulse, so viele Inspirationsquellen – es ist alles voller Farben und Formen und nie langweilig. Endverbraucher verdienen jetzt noch mehr Premiumqualität. Verdienen wir nicht alle das Beste?

Langjährige Cashmere-Expertise und moderne Silhouetten: Kashette.

Was macht Kashette zu etwas Besonderem? Ich würde sagen, es ist die perfekte Mischung aus Topqualität, einzigartigem Design und guten Preisen. Mode ist so viel mehr als nur Kleidung. Sie spiegelt das Leben und die Art und Weise wider, wie wir unsere kostbare Zeit verbringen. Daher ist es für mich fantastisch, die feinsten und kostbarsten Garne verwenden zu können. Zusammen mit einem Team aus talentierten Designern, Schnittmachern und Technikern ist Kashette in der Lage, diese außergewöhnlichen Stücke herzustellen, ohne Kompromisse bei Qualität und Einzigartigkeit machen zu müssen. Unsere Kollektionen sind wie eine Kettenreaktion von Formen, Farben und Mustern, bei der jedes Teil einerseits für sich stehen, gleichzeitig aber je nach Anlass und Stimmung kombiniert werden kann – Kleidung ist Ausdruck von Gefühlen und Stimmungen. Was ist der Mood der Herbst-/Winter-Kollektion 2022/23? In dieser Saison geht es um Schnee, Berge und Luxus-Skigebiete wie Aspen, Val d’Isère

und Niseko: Wochenendzufluchtsorte mit viel Stil und Glam. Es geht darum, gesehen zu werden, im Restaurant oder in den Bars am Abend, aber auch um Augenblicke der Entspannung, wenn man es sich vor dem Kamin gemütlich macht – die Kollektion soll all diese Momente begleiten können. Die Farben reichen von sanften, neutralen und frostigen Farben, inspiriert von den Winterlandschaften, bis hin zu den nächtlichen Tönen, bei denen Schwarz und dunkle Farben das Tageslicht ablösen. Was erwartest du vom deutschen Markt? Dieser Markt ist einer der wichtigsten in Europa und weltweit. Wir werden die Ansprüche des Endverbrauchers in Sachen Qualität mit unseren Kollektionen bedienen können. Mit Marc Kofler und seinem Team der Adventure Fashion Agency haben wir einen vertrauenswürdigen Partner gefunden, der unsere Philosophie verstanden hat und teilt. Wir hoffen, sowohl für die großen Häuser attraktiv zu sein, als auch individuell geführte Läden zu überzeugen. style in progress

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Katharina Krassnitzer, Leiterin der Mode- und Trachtenfachmessen in der Brandboxx Salzburg.

Markus Oberhamberger, Geschäftsführer der Brandboxx.

Österreichs größtes Orderzentrum vereint Showrooms und Ausstellungsfläche unter einem Dach. Mieter und Messeteilnehmer aus den Branchen Sport, Mode, Schuhe, Wäsche und Bademode, Accessoires – und eben Tracht – schätzen das Angebot im Norden Salzburgs.

BRANDBOXX

EIN NEUES ZUHAUSE FÜR DIE TRACHT Der Trachtenbranche eine neue Heimat zu geben: Mit dieser Mission sind Markus Oberhamberger und Katharina Krassnitzer angetreten. In einem cleveren Konzept aus bestehenden Showrooms und 6.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche zu den Trachten Order Tagen bietet Österreichs größtes Orderzentrum der Branche eine Heimat – und eine Perspektive weit über diesen Veranstaltungsort hinaus. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Brandboxx

„Die Tracht hat bei uns eine lange Geschichte“, erzählt Markus Oberhamberger, Geschäftsführer der Brandboxx Salzburg. „Der Trachten-Premiere-Termin fand schon seit vielen Jahren in unserem Haus statt, bis wir uns entschlossen haben, der Branche eigenständig ein Angebot zu machen.“ Seit 2020 arbeitet das Team rund um Messeleiterin Katharina Krassnitzer intensiv für und mit der Branche, im Sommer 2021 dann die erste echte Messe, die Trachten Order Tage im August: „Die ein voller Erfolg 212

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waren. Wir haben fantastisches Feedback von den Ausstellern.“ In der Kombination aus permanenten Showrooms von Marken wie Sportalm, Wenger Austrian Style, Berwin & Wolff, Kinga Mathe, Krüger Dirndl, Stapf, h. moser, Hammerschmid, Steinbock oder Mothwurf und Ausstellern wie Alpe Adria Manufaktur Strohmaier, hangOwear, Bittner Hüte, G’weih & Silk, Mogo, Isar Trachten, Pezzo Strick, Tofana, Xaver Luis begrüßten insgesamt 140 Marken die Einkäufer aus Österreich, Südtirol und Bayern sowie anderen europäischen Ländern. Ein Shuttle zum Gusswerk, wo weitere Marken aus dem alpinen Lifestyle ihre Showrooms haben, machte das Zusammenspiel perfekt. DIE GROSSE BÜHNE

„Die Corona-Krise hat die Trachtenbranche durch die Absage aller Feste und Feiern besonders hart getroffen, da war ein pragmatisches und gleichzeitig lebensfrohes Angebot an diese Firmen besonders wichtig“, so Markus Oberhamberger. Doch die Initiatoren der Trachten Order Tage haben größere

Pläne. „Wir hören hin, wenn sich die Branche wieder eine große gemeinsame Plattform wünscht. Sobald die Zeit dafür gekommen ist, stehen wir bereit, auch an einem anderen Veranstaltungsort in Salzburg die große Bühne zu bespielen“, sagt Katharina Krassnitzer. „Für die Tracht und das alpine Lebensgefühl gibt es keinen passenderen Ort. Ob Aussteller oder Einkäufer, alle kommen gerne nach Salzburg“, ist Markus Oberhamberger überzeugt. Die beiden Trachtentermine im Frühjahr (HOT 1 Tracht & Mode Order Start am 25. und 26. Januar und Trachten Order Tage von 25. bis 27. Februar) sind gut gebucht, der Februartermin auf Wunsch der Branche vorgezogen und bis auf den letzten Platz belegt. „Wir hoffen sehr, dass die Pandemie eine normale Durchführung möglich macht. Denn in der Trachtenbranche herrscht Aufbruchstimmung. Alle freuen sich auf die erste Saison, in der wieder Volksfeste stattfinden können. Und diesen Optimismus erlebt man eben am besten live“, sagt Katharina Krassnitzer.


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CRUNA

SCHNEIDERKUNST MIT MODERNEM TWIST Mit der Herbst-/Winter-Kollektion 2022 hat Hosenspezialist Cruna sein Angebot für den Total Look ausgebaut und konsolidiert es nach der positiven Resonanz der letzten Saisons weiter. Ein gelungener Start in eine neue Ära des Unternehmens aus Vicenza, dem der Brückenschlag zwischen traditionellem Made in Italy und zeitgenössischen Codes besonders gut gelingt. Interview: Janaina Engelmann Brothánek. Fotos: Cruna

Ich sehe hier tolle Skizzen an der Wand. Wie wird eure Herbst-/ Winter-Kollektion 2022? Alessandro Fasolo, CEO: Wir vollenden den Übergang von einem puren Hosenhersteller zur Total-LookMarke. Wir präsentieren drei Linien: Leisure, Active und Natural Wonders und wollen somit zu 360 Grad die Nachfrage der Märkte abdecken. Wie immer sind alle Teile komplett Made in Italy; von den Stoffen bis zum Finishing wird alles in Produktionsstätten im Veneto hergestellt. Auf eine Sache sind wir besonders stolz: Marzotto per Cruna. Der renommierte Stoffhersteller hat für uns exklusiv Stoffe, unter anderem ein gekämmtes Flanell, hergestellt. Tommaso, die Linie Natural Wonders ist sehr beliebt, was macht sie besonders? Tommaso Pinotti, Sales Director: Natural Wonders ist zu 100 Prozent aus natürlichen Materialien wie Baumwolle, Cashmere, Wolle sowie Mischungen aus diesen drei, komplett ohne Kunstfasern. Dazu passt eine sehr erdige Farbpalette mit Tönen von Beige bis Schokolade. Diese Kapselkollektion soll sartoriale Fertigung mit Heritage- und Street­wear-

Mood kombinieren. Highlights sind auch eine Five-Pocket-Jeans, komplett aus recycelten Produktionsresten, aber mit einem klassischen Sakko kombiniert. Ein Hosenmodell, auf das wir stark setzen, nennt sich Arbat, ein karottiger Schnitt, der oben lockerer sitzt und wie in den 1950er-Jahren unten schmäler wird. Bestseller wie unsere Overshirts haben wir ausgebaut – unsere Kunden lieben die vielseitigen Stylingmöglichkeiten und die perfekte Passform. Welche strategischen Ziele habt ihr euch gesteckt? Alessandro Fasolo: Weiterhin zu wachsen und den Export auszubauen. Wir haben einen agressiven Expansionsplan in Angriff genommen, der darauf abzielt, den europäischen Markt durch einen starken Vertrieb und eine gezielte geografische Positionierung zu vergrößern und zu konsolidieren. Wir wollen unser Knowhow ausbauen und neue Wege gehen, das nächste Level erreichen.

Cruna versteht es, im richtigen Gleichgewicht aus bekannten Bestsellern und neuen Styles Spannung und Modernität aufzubauen.

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C O POST NS U ME RISM

Retailment für Dummies? Läden sind keine Warenläger! Das klingt so banal, ist aber von um­ wälzender Bedeutung. Zu wissen, was sofort verfügbar sein muss und worauf es sich zu warten lohnt, ist die neue Art von Logistik hinter der Mode. Wer im Backend diese Formel spielt, kann im Frontend den ganzen Zau­ ber auffahren – und wird vom Point of Sale zum Point of Participation.


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Sitze raus, Hightech rein. Im aufwändig restaurierten Tower Theater am Broadway inszeniert sich Apple als Branchenprimus. Mit Bühnenfläche für das Symposiumkonzept „Today at Apple“.

Funktioniert das Produkt noch? Und das Geschäft mit der niemals versiegenden Begehrlichkeit fernab von Preis-Leistung und Bedarf? Manifeste zu Postkonsumerismus fungieren geradezu als Katalysator für Fragen dieser Art. Sie sind radikal, fordern vielleicht zu viel, aber die Wahrheit schwingt immer mit. Das sind die aktuell genialsten Beispiele dafür: Stores, losgelöst von Raum und Zeit, wo das Konsumieren nicht länger der Zweck, sondern die Konsequenz der Partizipation ist. Retailment fängt all das auf, was die Diskussion um Angebot und Nachfrage nicht beantworten kann, und liefert den Purpose für Stores, die sich auf individuelle Art und Weise dem Thema Erlebnis annehmen. Die kreative Disruption im Storedesign hat das Erlebnis als oberste Prämisse an die Oberfläche gespült. Text: Isabel Faiss

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Apple Tower Theatre/Los Angeles Angekommen in der Hauptstadt des Entertainments Fotos: Apple

Im historischen Gebäude des 1927 als erstes Tonfilmkino der Stadt erbauten Tower Theatre in Los Angeles eröffnete Apple im Juli 2021 seinen neuesten Store. Das gesamte Konzept inszeniert das sinnliche Erlebnis, das Gebäude, den persönlichen Service an verschiedenen Touchpoints im Store und die Faszination des Broadways. „Apple Tower Theatre ist eine Hommage an die reiche Geschichte und das Erbe dieser Hauptstadt der Unterhaltungsindustrie“, beschreibt es Deirdre O’Brien, Senior Vice President Apple. Mit der täglich stattfindenden kostenfreien Veranstaltungsreihe „Today at Apple“ bieten Mitarbeiter und Vertreter der lokalen Kreativszene Workshops und Vorträge zu verschiedenen Themen an. Im oberen Stock auf der Balkonebene gibt es technisch vollausgestattete Theatersessel für Kunden, die zum Beispiel auf ihren Termin mit einem Apple-Experten an der Genius Bar warten. Apple Tower Theatre, 802 S Broadway, Los Angeles/USA, www.apple.com

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Die Idee, seine Produkte zu Unterhaltungselektronik und IT hier zu platzieren, verdient neidlose Anerkennung. Eingebettet in die Kulisse des Broadways steht das Apple Tower Theatre für Service, Erlebnis und Authentizität.

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Kultstatus in Florenz: Der Gucci Garden gilt als Vorreiter des crossmedialen Erlebnisstores. Hier trifft Lokalkolorit auf internationale Statussymbole.

Gucci Garden/Florenz Der Garten mit tausend Zimmern Fotos: Bea de Giacomo, Gucci Garden, Roblox

Kreativdirektor Alessandro Michele inszenierte in der Ausstellung „Gucci Garden Archetypes“ die ikonischsten Kampagnen von Gucci. Roblox übersetzte dieses Erlebnis ins Virtuelle für ein temporäres Event auf seiner Gaming-Plattform.

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Als 2018 der Gucci Garden im historischen Palazzo della Mercanzia in Florenz eröffnete, war das exzentrische, multiple Erlebnisimperium auf drei Stockwerken das Best-Practice im Erlebnisshopping. Mit eigenem Markenstore, Bookstore, Kino, Selfie-Room mit Gucci Kulisse, Sterne-Restaurant und In-house-Kreativzentrum in Form der Gucci Garden Galleria in den oberen beiden Etagen. Zuletzt Schauplatz der multimedial aufbereiteten Ausstellung „Gucci Garden Archetypes“, die zum 100-jährigen Jubiläum die glorreichsten Kampagnen der eigenen Firmengeschichte aufleben ließ. In Kooperation mit der Gaming-Plattform Roblox wurde Gucci Garden Archetypes ins Virtuelle übersetzt und war temporär auf Roblox erlebbar. Der User betrat die Ausstellung als neutraler, nackter Avatar und nahm in jedem Raum individuell einzelne Fragmente in seiner Gestalt auf. Jeder verließ die Ausstellung damit völlig einzigartig und konnte per Avatar auch virtuelle GucciProdukte kaufen und tragen – und diese für seinen Avatar in andere Games der Roblox-Plattform übertragen. Gucci Garden, Piazza della Signora 10, Florenz/Italien, www.gucci.com


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Der Store als Kulisse. The Playhouse in Tokio hat tief in die Trickkiste des Theaters gegriffen. Mit monatlich wechselnden Popup-Stores, flexiblen Wänden und Eventkonzepten gleicht das Haus einer gigantischen Bühne.

The Playhouse spielt mit stetiger Veränderung und der Inszenierung von Lifestyle. Im mittleren Stockwerk präsentiert Vulcanize London sein internationales Markensortiment.

The Playhouse/Tokio Vorhang auf! Fotos: Kenji Seo, Pan Projects, Haruki Oku Design, Crazy Inc.

Wie ein Blick hinter die Kulissen wirkt der neue Vulcanize Store The Playhouse in Tokios Innenstadt. Verstellbare Wände machen die stetige Umgestaltung im Inneren möglich. Im Erdgeschoss findet der Besucher in den einzelnen Räumen und Flächen monatlich wechselnde Pop-up-Stores von lokalen und internationalen Marken. Im ersten Stock präsentiert Vulcanize eine Bar, kleine VIP-Räume und vor allem sein Sortiment bestehend aus Marken wie Atelier Verdi, Victoria Beckham, Chinti & Parka oder Goat. Alles dient dem Ziel, dem Besucher jedes Mal eine neue, ungeahnte Szenerie zu präsentieren, ihn zu überraschen und zu inspirieren. Im Atrium des Eingangsbereichs ist Platz für Events mit bis zu 50 Personen, im obersten Stockwerk genannt BENE veranstaltet die Eventagentur Crazy Inc auch mal Hochzeiten. Vulcanize London@The Playhouse, 5 Chome-8-5 Miniamiaoyama, Tokio/Japan, www.the-playhouse.jp style in progress

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NTWRK/App Liveshopping als Podcast Fotos: NTWRK

Aaron Levant hat das Teleshopping nicht neu erfunden. Aber er hat es nach allen Regeln des E-Commerce entstaubt und mit seiner 2018 in Los Angeles gelaunchten Plattform NTWRK auf die Klientel der Gen Z zugeschnitten. Während der Pandemie boomte Liveshopping und NTWRK wurde im Gegensatz zum größten Mitbewerber Amazon Live sehr erfolgreich. Das Geheimnis: Kuratiertes Echtzeit-Shopping von sorgfältig ausgewählten Produkten aus aller Welt, Live-Shows und Streams, prominente Szenestars und Influencer als Kooperations­ partner, die exklusivsten DesignCollectibles und der ewig Erste, wenn es um die heißesten Drops und Limited Editions von Streetwearbrands geht. NTWRK verbindet den Spaß an zielgruppengerechter Unterhaltung mit Impulsshopping, richtet sich momentan aber noch in erster Linie an Sammler und Liebhaber. Wer früher vor dem Store campierte, steht hier in der virtuellen Warteschlange mit 40.000 anderen und muss zur richtigen Zeit aufs Smartphone drücken. Investiert haben Konzerne wie Warner Brothers, aber auch Rapper, Basketballstars wie LeBron James und Schauspieler. Mit eigenen Produkten und Designkooperationen vermarktet sich die Plattform längst selbst als Marke. www.thentwrk.com

Exklusivität war der Kickoff. Das neue Ziel ist die Expansion, um die Bandbreite und Reichweite von NTWRK zu erweitern.

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Der USP ist die Exklusivität. Die Begehrlichkeit war das Sprungbrett zu 300 Prozent Wachstum bei NTWRK im Jahr 2020.

Mit bis zu fünf Drops am Tag bei einer Conversion Rate von fünf bis 15 Prozent will NTWRK CEO Aaron Levant seine Plattform zum StreamingKaufhaus ausbauen.


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Inspirationsfläche fürs Umdenken: Im Stil eines Design­ ateliers bietet das Levi’s House in London tiefe Einblicke in die Entstehung, Weiterverwertung und Umgestaltungsmöglichkeiten von Denimstoffen. Buy better, wear longer, ist das Motto der Kultmarke, die hier konkrete Angebote dafür liefert.

Levi’s House/London Blueprint einer Trilogie Fotos: Levi’s

Es startete als Experiment und wurde eine Erfolgsstory. Als Ende 2020 das Levi’s House in Soho als eine Art kreatives Textillabor und nachhaltiger Thinktank eröffnete, unterstrich Levi’s damit seine Absicht der Kampagne „Buy better, wear longer“. Das Levi’s House ist kein üblicher Store, vielmehr eine Begegnungsstätte im Sinne der Kreislaufwirtschaft und Startschuss der hier gelaunchten Kollektion Levi’s by Levi’s bestehend aus Retouren, Restanten und recycelten Denims. Kunden können ihre geliebten Jeans reparieren lassen, im Creative Lab von Indigowares umgestalten oder recyceln lassen. Der Store lädt nicht primär zum Konsumieren ein, sondern dazu, tief in die Entstehung, Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit von Denims und den bewussten Umgang mit ihm als Qualitätsprodukt einzusteigen. Levi’s House, 41 Great Marlborough St., London/UK, www.levi.com

Kreislaufwirtschaft zum Anfassen und Begreifen. Mit Stationen für Reparatur, Redesign und Recycling bietet Levi’s seinen Kunden kreative Möglichkeiten, ihre Denims länger zu behalten – oder im Zweifelsfall sinnvoll zu spenden.

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Als größtes Kaufhaus der Stadt Paris liegt der aus vier aneinander liegenden Gebäuden bestehende Komplex La Samaritaine direkt zwischen dem Louvre und Les Halles.

Im Magazin 4 trifft die Geschichte des Hauses auf die Zukunft: Hier entstand ein gigantischer Conceptstore, zurechtgeschnitten auf die Zielgruppe der Gen Z.

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La Samaritaine/Paris Comeback mit zwei Gesichtern Fotos: Gabriel de la Chapelle, Pierre-Olivier Deschamps

16 Jahren dauerte der Umbau des gigantischen Gebäudekomplexes La Samaritaine. Das prestigeträchtige Haus des LVMH-Konzerns eröffnete 2021 endlich wieder seine Türen. Je nach Blickwinkel ist es das Traditionshaus, der exklusivste Departmentstore Europas, der Dampfer oder das Speedboat. Die restaurierte Art-Deco-Fassade des Hauptkomplexes steht im Kontrast zur spiegelnden Milchglasfront am Magazin 4 an der Rue de Rivoli. La Samaritaine hat als Kaufhaus geschlossen und als Community Hub für junge Pariser wieder eröffnet. Mit Hotel, eigenem Kindergarten, Wohnungen, zwölf Restaurants, eigenem Spa, 600 Boutiquen, Private Shopping Appartement und der 1.000 Quadratmeter fassenden, experimentellen Showfläche La Voyage für kulinarische und künstlerische Inspiration, das wohl größte Monument für erlebnisgetriebenen Konsum. La Samaritaine, 9 Rue de la Monnaie, Paris/Frankreich, www.dfs.com

Contemporary Spirit ist das Motto, das das neue La Samaritaine in jeder Facette spielt. Bestes Beispiel: In Abgrenzung zum Onlinehandel setzt sich das Sortiment größtenteils aus exklusiven Produkten und Kollektionen zusammen.

Service, Privatsphäre und Komfort stehen mit dem Private Spa (unten) und der Private Lounge (oben) an erster Stelle. Die Flächeneffizienz wurde zugunsten des Erlebnisses hinten angestellt.

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Mit Mirror setzt Lululemon auf die Zukunft des interaktiven und personalisierten Hometrainings und positioniert sich noch stärker als verlässlicher Trainingspartner.

Lululemon/Chicago Hightech Athleisure Fotos: Lululemon

Der Store ist die perfekt inszenierte Markenwelt für die Produkte von Lululemon, weil sie ihre Kunden da treffen, wo es am meisten Sinn macht.

Die enge Vernetzung mit der Yoga- und Fitness-Community war immer essenzieller Bestandteil der Strategie von Lululemon. Um dem ein klares Bild zu geben, eröffnete 2019 der bisher größte Store in Lincoln Park Chicago, der neben der Shopfläche ein Sportstudio mit täglich stattfindenden Yoga- und Fitnesskursen, eine Sportsbar mit ethisch abgestimmter Speisekarte und Meditationsfläche bietet. Die Marke hat eine Wohlfühlwelt für ihre Klientel geschaffen, ausgerichtet an deren Lifestyle und Bedürfnissen. Man kann sich einzelne Kollektionsteile auch erst leihen und in einem Kurs ausprobieren, bevor man sie kauft. Ein Erfolg ist das 2020 von Lululemon akquirierte Fitness-Start-up Mirror, ein interaktiver Smart Mirror, der zuhause als virtueller Hometrainer funktioniert und Lululemon noch tiefer im Leben seiner Kunden integriert. Man kann darauf live an Kursen teilnehmen oder nach Belieben aus dem Kursangebot streamen. Lululemon Lincoln Park, Chicago/USA, www.lululemon.com

Bonding der Superlative. Mit diesem Fitnesstempel inmitten der Stadt schuf Lululemon einen Store als Community Hub und Begegnungsplattform mit seinen Kunden.

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Der Store als Erlebnisspielplatz der Sinne: Mit Park by Balabala entstand in Foshan Shi ein Life­ stylezentrum für Familien, in dem es ganz nebenbei auch Mode zu kaufen gibt. Alles ist auf das Eltern-Kind-Erlebnis ausgelegt.

Park by Balabala/Foshan Shi Spielplatz im Grünen Fotos: Jack Qin, Xiaofeng

Es gibt hier keine Grenzen zwischen dem Store und der Natur. Mit diesem Store entstand in Foshans Innenstadt ein moderner, multimedialer Park als Oase und Brücke zwischen zwei pulsierenden Stadtteilen und als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Denn das historische Gebäude im LingnanBaustil bekam mit dem Kinderstore Park by Balabala buchstäblich eine Verjüngungskur. Wie ein überdimensionaler Spielplatz konzipiert, der Mode, Freizeitangebote für Familien und Kultur spielerisch verbindet, gibt es im Store neben einem Spielplatz auf der begrünten Dachterrasse auch einen Kinderfriseur, eine Kaffeebar, ein Eltern-Kind-Teehaus und eine multimedial ausgestattete Unterhaltungszone. Park by Balabala, No. 11, Chancheng district, Foshan/China, www.balabala.com

Der Name ist Programm: Park ist die Oase für den Tagesausflug der ganzen Familie. Während auf die Kinder ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm wartet, können Eltern eine Tasse Tee im Grünen genießen.

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Manifesto We have thought. We have reflected. We have decided. The time of “click” has transformed everything. Consumers have changed. The time has come. It is the time of POST-CONSUMERISM. Shopping space and it’s experience do not fulfill post-consumer expectations: responsable shopping, ecologically aware shopping, intelligent and informed shopping... HOW YOU SHOP DEFINES YOU. Post-consumers don’t just shop. New ways of consuming require new ways of selling. To achieve these new ways we need to stop and think before we act. Because the post-consumer requieres POST-RETAIL and we need to invent it. Retail space is not a comercial nor an experiential space any more, retail space needs to be designed to satisfy the needs of the POST-CONSUMER. We need to create spaces that embrace POST-RETAIL. POST-RETAIL against technology’s, algorithm’s and omnichanel’s dictatorship! POST-RETAIL to go back to DISCOVERY! POST-RETAIL to demand human contact! POST-RETAIL to create a physical space that complies the expectations of the POST-CONSUMER outside the digital space! POST-RETAIL to create MEMORIES that will be embedded in your mind! Retail is dead...

Long live POST-RETAIL! (Metica Retail Thinking, www.meticaretailthinking.com)

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WIE KOMMT DIE FREUDE ZURÜCK IN DEN KONSUM?

Ah, die Mode! Sie zu kaufen, kann wahre Glücksgefühle auslösen, weil sie Sehnsüchte erfüllt, weil wir uns neu erfinden können. Denn Mode ist wie kaum etwas anderes Ausdruck unserer Identität. Dennoch haben vor allem die letzten zwei Jahre ein Fragezeichen hinter das Wort Konsum gesetzt: Hat die Pandemie unsere Bedürfnisse verändert? Und darf Konsum auch heute noch glücklich machen? Text: Janaina Engelmann-Brothánek, Kay Alexander Plonka, Nicoletta Schaper. Illustrationen: Simona Gala Baronti

VERTRAUEN

Huy Do, Chefeinkäufer Jades Men „Die Freude zum Konsum besteht durch den Austausch von Verkäufer und Kunde. Mit einem lockeren ‚Hi, alles klar?‘ oder ‚Schön, dich zu sehen‘ fühlt sich der Kunde direkt wohl und bekommt Lust auf ein Shoppingerlebnis. Das ist ja auch das, wofür wir mit Jades stehen. Wir sind dafür da, unserem Kunden zu zeigen, was gerade Trend ist, welchen Schnitt man gerade trägt und welche Farbe im Schrank nicht fehlen darf. Die Herren verlassen sich sehr auf den Verkäufer und vertrauen ihm. Deshalb ist Onlineshopping beim Mann eher nicht drin. Sind die Restaurants und Clubs offen, gibt es auch den Anlass, sich zu kleiden und die Jogginghose im Schrank zu lassen. Allein das bringt die Freude wieder in den Konsum zurück.“

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GAMECHANGER

Andrea Grudda, Dozentin, Autorin und Expertin für Zukunftsfähigkeit „Was noch nicht in das Bewusstsein vieler Unternehmen gerückt ist, ist die große Bedeutung, die digitale Kleidung bekommen wird. Das ist ein völlig neuer Spaß beim Shopping. Einerseits Kleidung, die man in Videospielen kaufen kann. Was völlig neue Möglichkeiten für Brands eröffnet. Von eigenen Kollektionen und Limited Editiones abgesehen, ist es in der Herstellung ein neuer und hoch interessanter Prozess. Das Andere ist digitale Kleidung, die man über Fotos legen kann. Um den Social-Media-Feed zu pimpen oder auf einen neuen Level zu heben. Aber auch um im Businesskontext einen neuen Look zu bekommen, ohne in Kleidung zu investieren, die vielleicht zu teuer für den Einzelnen ist und dabei schnell ‚alt‘ wird. Das wird in vielen Bereichen ein Gamechanger werden.“

OPTIMISMUS

WOHLFÜHLEN

Tanja Ehrmann, Inhaberin Bo Redley „Shopping ist Genuss und muss Freude machen! Die kommt nicht beim Onlineshopping auf, sondern indem man in Läden mit Wohnzimmerfeeling geht, in denen man sich gut aufgehoben fühlt, mit Mitarbeitern, die neue Trends geschmackvoll stylen können und ehrlich beraten. Sich wohlfühlen ist unser A und O! Unsere persönliche Ansprache funktioniert auch online über unsere Livevideos auf Instagram oder über Whatsapp. Mit Persönlichkeit gewinnen wir auch die jüngere Kundin, die das genauso schätzt wie die ältere. Wir beobachten allerdings, dass Looks für glamouröse Auftritte noch nicht wieder gefragt sind, dass aber die Kundinnen bereit sind, für tolle Qualität Geld auszugeben. Wenn sie wissen, wo und wie der Cashmere produziert worden ist, gibt das den letzten Kick zur Kaufentscheidung.“ 228

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Jörg Ehrlich, Mitgründer Odeeh „Gesellschaftlich sind wir vielleicht alle gerade in Angst gefangen und haben schnell das Gefühl, etwas falsch zu machen. Diese Haltung scheint mir politisch begründet, zumal wir dank omnipräsenter Überinformation immer massiver mit Katastrophen und globalen Problematiken konfrontiert werden. Ohne diese Themen leugnen zu wollen: Es ist eine Art Trotzdem-Gefühl wichtig, um Resilienz und ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Eine positiv zuversichtliche Energie und Lebensqualität, weniger hedonistisch geprägten Spaß, eher optimistische Freude. Auch wir bei Odeeh arbeiten gegen diese zweifelnden Kräfte, indem wir Positives kreieren und uns immer neu ausprobieren: Mit einer farbigen Kollektion, die nicht beliebig bunt ist, und einer Lautstärke, die nicht übertönt.“


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LIFE CENTRIC APPROACH

Matteo Ward, Mitgründer von WRÅD Living, Start-upper, Aktivist, TEDx-Talker „Der klassische ‚consumer centric approach‘, der Brands und Institutionen dazu bringt, Menschen als Roboter zu sehen, sie konsumabhängig zu machen, sie zu nötigen, Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen, und zudem den Planet zu gefährden, muss von einer ‚life centric approach‘ ersetzt werden. Keiner braucht noch eine Jeans oder noch ein T-Shirt. Einzelhandel als reines Lager für Artikel hat keine Bedeutung mehr. Als der einzige physische Berührungspunkt zwischen Marke und Markt, muss er vielmehr in der Lage sein, sein Publikum zu inspirieren, zu leiten, ehrlich zu beraten und seine Wünsche zu erfüllen. Es braucht einen Ansatz, der auf dem Wunsch beruht, Produkte und Dienstleistungen zu liefern, die den realen Bedürfnissen der Menschen entsprechen, von der psychisch-emotionalen bis hin zur materiellen Ebene.“

DAS LEBEN WIEDER GENIESSEN

Claudia Lunati, Global Marketing Director Saucony Originals „Die Menschen gönnen sich wieder etwas und sind bereit, das Leben wieder zu genießen, aber diesmal mit einem Hauch mehr Selbstvertrauen und einem fortgeschrittenen Verständnis dafür, was für sie wirklich wichtig ist. Das Vertrauen in den Onlinekauf hat enorm zugenommen und das Arbeiten aus dem Homeoffice hat zu einer neuen Art des Konsums geführt. Die bequeme Lieferung nach Hause ist jetzt gelernte Commodity. Auch der Bereich Fitness und Laufen ist buchstäblich explodiert. Als Marke investieren wir in das Kundenerlebnis: Wir nehmen die Customer Journey von Offline zu Online sehr ernst. Deswegen bauen wir starke Beziehungen zu Authenticators im Bereich Social Media auf, die in der Lage sind, unsere Markenwerte zu verkörpern und ihre Communitys in Bezug auf die individuelle Selbstentfaltung zu ermutigen.“

UNTERHALTEN, UM GUT ZU VERKAUFEN

Nicole Srock.Stanley, Gründerin und CEO Dan Pearlman Group „Sinnloses Konsumieren ist nicht mehr zeitgemäß, dennoch will der Mensch Neues erleben und seinen Lifestyle weiter individualisieren, etwa durch den Konsum von Services und relevanter Produkte, die er gern auf Social Media als neuesten Shopping-Fund präsentiert. Eine gute Nachricht, insbesondere für den stationären Handel! Wo sonst kann Shopping alle Sinne so zielgerichtet ansprechen? Früher galt im Handel: Viel verkaufen und wenig unterhalten. Heute ist es ein Muss, viel zu unterhalten, um gut zu verkaufen. Deshalb ist auch für den klassischen Retail ein feinfühlig kuratiertes Sortiment plus Entertainment, mit physischem und digitalem Erlebnis, das Gebot der Stunde, wie der vielfach ausgezeichnete Bonprix Fashion Connect Store in Hamburg, wo das Shopping mithilfe digitaler Devices wie Smartphones zur echten Customer Journey wird.“

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Als gebürtige Deutsche hat sich Nicola Gerber-Maramotti in dem Familienunternehmen ihrer Schwiegereltern ihren Platz geschaffen.

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MAX MARA

„UNSERE KUNDINNEN SUCHEN EIN GESAMT­ ERLEBNIS“ Für viele ist Nicola Gerber-Maramotti das Gesicht von Max Mara. Sie selbst redet allerdings nicht gerne über sich, umso lieber aber über das Unternehmen, das sie als Retail Director in den letzten Jahren entscheidend mitgeprägt hat. Und am allerliebsten redet sie über die Kundinnen der italienischen Erfolgsmarke. Interview: Stephan Huber. Fotos: Max Mara

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ch vertrete die auf den ersten Blick vielleicht verstörende These, dass die Pandemie unserer Branche mittel- und langfristig mehr Chancen als Schaden gebracht hat. Würden Sie mir widersprechen? Nicola Gerber-Maramotti: Menschen, und damit natürlich auch Unternehmen, wachsen an Herausforderungen. Und die Herausforderungen der letzten knapp zwei Jahre waren doch außergewöhnlich. Was ich vielleicht am intensivsten wahrnehme, ist eine neue Achtsamkeit im Umgang miteinander. Die Pandemie hat uns ja fast dazu gezwungen, dass wir uns wieder intensiver und bewusster austauschen. Übrigens nicht zuletzt auch mit uns selbst. Daraus ist viel Energie oder auch eine neue Intensität entstanden. Die Pandemie hat also unseren Blick verändert? Ich würde sagen, geschärft. Reisen beispielsweise mussten auf einmal im Kopf stattfinden. Und viele haben bemerkt, dass diese Reisen dann sogar weiter führen können. Das hatte einen sehr spannenden Einfluss auf die Kreativität. Was wird davon bleiben? Ich bin überzeugt, dass dieses neue Bewusstsein in vieler Hinsicht Bestand haben wird. Angesichts von Kleiderschränken, die mit nicht Relevantem verstopft waren, haben viele begonnen, der Unkultur des bewusstlosen Konsums nachhaltigeren Anspruch an Qualität in jeder Hinsicht entgegenzustellen. Das kommt den Werten von Max Mara

sehr entgegen. Wir waren immer das Gegenteil von Fast Fashion. Einen 101801 Icon Coat wirft eine Frau nie weg. Sie verschenkt ihn vielleicht an ihre Tochter ... Was zeichnet die DNA von Max Mara über die beschriebene Wertigkeit hinaus aus? Innovation als immerwährender Prozess der Weiterentwicklung und eine klare, stilistische Handschrift. Das ist eine große Herausforderung in einem sich so rasend schnell ändernden Marktumfeld. Wie sicher und selbstbewusst wir das als unverändert familiengeführtes Unternehmen leben, zeugt von einem sehr gesunden Fundament. Corona hat in der Modeindustrie einen atemberaubenden Tech- und Digitalisierungsschub ausgelöst. Auch bei Max Mara? Und wie! Und zwar auf allen Ebenen. Die Designprozesse wurden neu aufgestellt, ebenso viele digitale Formate und das Storytelling. Für eine Marke, die Retailkultur so lebt und liebt wie Max Mara, war es entscheidend, Wege zu finden, unsere Kundinnen zu erreichen, wenn sie nicht zu uns kommen können. Und zwar so individuell und zugewandt, wie sie das von uns gewohnt sind und auch erwarten dürfen. Eigentlich haben wir in dieser Zeit wirklich gelernt, wie hybrider Handel funktioniert. Und zwar wie? Nur dann, wenn er wirklich auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet ist. Phygital bedeutet ja letztlich nur, dass wir das Beste aus beiden Welten flexibel zu einer jeweils persönlichen Customer Journey verbinden. Wenn beispielsweise ein bestimmtes Teil vor Ort im Laden nicht vorrätig ist, dann liegt es an uns, das für die Kundin genau so zu organisieren, wie es am besten für sie passt. Also aus dem nur scheinbaren Mangel ein Service-Erlebnis zu machen. Dass über 70 Prozent unserer Kundinnen die Lieferung dann lieber in den Laden wollen als zu sich nach Hause, erscheint vielleicht auf den ersten Blick überraschend. Wer aber verstanden hat, dass es um wesentlich mehr geht, als einen Mantel, eine Bluse, eine Hose, der erkennt darin das Bedürfnis nach Authentizität und Qualität als Gesamterlebnis. Für uns war es wirklich eine Auszeichnung, zu erleben, mit welcher Freude unsere Kundinnen wieder zu uns in die Stores gekommen sind. Auch das ist ein wichtiges Learning für unsere Zukunft. style in progress

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Für die Zukunft des stationären Teils innerhalb einer hybriden Handelslandschaft? Unsere Kundinnen, und das gilt zweifelsohne nicht nur für Max Mara, haben ja nicht Bekleidung als existenzielle Notwendigkeit vermisst. Sondern Aufmerksamkeit, Zuwendung, das Glas Champagner, die Sinnlichkeit und Haptik von Mode. Dazu kommt, dass Innenstädte und Einkaufsstraßen nur symbiotisch funktionieren. Wenn die Gastronomie geschlossen ist, dann ist diese Symbiose gestört. Das alles wurde uns sehr drastisch vor Augen geführt. Aber als fast natürliche Reaktion darauf eben auch die Sehnsucht nach der Begegnung. Menschen sind keine Roboter. Kunst und Kultur waren vielleicht noch intensiver herausgefordert als die Mode. Ein Thema, das für Max Mara fast wie ein gesellschaftspolitisches Anliegen erscheint. Mein Schwiegervater Achille Maramotti war ein außergewöhnlicher, sehr weitblickender Mann, der übrigens auch Frauen wie mich sehr bewusst gefordert und gefördert hat. Die von ihm begründete Collezione Maramotti ist viel mehr als eine spannende Sammlung von zeitgenössischer Kunst. Es geht um den Einfluss und Wert der Kreativät in allen Bereichen unseres Lebens. Diese Idee weiterzuführen, ist für Max Mara eine Verpflichtung. Auch hier sind neue Ebenen dazugekommen. Zum Beispiel der Max Mara Face of the Future Award. Der macht mir, zugegeben, ganz besonders viel Spaß. Seit 2006 wird dieser Award im Rahmen der Initiative Women In Film an junge Schauspielerinnen verliehen, die gerade an einem entscheidenden Wendepunkt ihrer Karriere stehen. Darunter waren so wunderbare Frauen wie Chloe Moretz, Zoe Saldana oder Emily Blunt. 2021 durfte ich den Preis an die großartige, in Berlin geborene Zazie Beetz überreichen. Steht sie für die Zukunft von MaxMara? Eine kluge, witzige, selbstbewusste junge Frau und Weltbürgerin wie Zazie? Auf jeden Fall! Danke für das Gespräch!

Mit dem Face of the Future Award unterstützt Max Mara gemeinsam mit Women In Film aufgehende Talente in der Filmindustrie. Im Bild die Preisträgerin Zazie Beetz. Seine Retailstrategie setzt Max Mara nun auch in kleineren Städten fort, im Juni 2021 wurde der Laden in Salzburgs Getreidegasse eröffnet.

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WIE GRÜN SIND WIR? von Mariella Milani

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ie grün sind wir? Und welchen Zusammenhang gibt es zwischen Nachhaltigkeit und Chancengleichheit? Kann ein grünes System ohne Ethik funktionieren? In meinem Buch Fashion Confidential habe ich versucht, mich dem Thema vorsichtig zu nähern.

Vor einigen Wochen wurde auf TGR Veneto ein Bericht über die unmenschlichen Bedingungen – nicht der Arbeit, sondern der Sklaverei – von 154 chinesischen Arbeitern in verschiedenen italienischen Produktionsstätten ausgestrahlt – alle stellen Bekleidung für Luxusmarken her. Sie wurden zu zermürbenden Schichten gezwungen, auch an Feiertagen oder während ihrer wohlgemerkt unbezahlten Urlaube. Das alles in Teilzeitverträgen, die von fünf verschiedenen Unternehmen ausgestellt wurden.

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Sprechen wir noch einen weiteren wunden Punkt in unserer Industrie an: Italien kann es sich nicht leisten, seine eigenen Lieferketten grün und ethisch korrekt zu betreiben, aber gleichzeitig den Import von Produkten ohne jede Kontrolle weiterlaufen zu lassen. So kommen massenhaft Produkte auf unseren Markt, die nach unseren Maßstäben nicht marktfähig wären. Produkte, für die in Europa illegale Chemikalien verwendet werden, die von Frauen in Zwangsarbeit hergestellt werden, Produkte, die in der EU nicht verkauft werden dürften. Davor können wir unsere Augen nicht verschließen! Die Mode muss dahin zurückkommen, Kultur und Schönheit zu schaffen, und aufhören, ausschließlich auf maximalen Profit zu zielen. Wir müssen die Bedeutung des Wortes Mode wieder herstellen! Matteo Ward, ein Vordenker für soziale und ökologische Gerechtigkeit, ein junger Mann, den ich als Vorbild für die Zukunft betrachte, sagte etwas, das mich sehr beeindruckte: „Wenn die Modeindustrie ein Staat wäre, wäre Chancengleichheit eine Utopie.“ Stellen wir also weiterhin unbequeme Fragen, finden wir heraus, wie groß der Graben zwischen der Realität und dem, was kommuniziert wird, ist. Und machen wir uns daran, ihn zu schließen!

Noch ausführlicher ist die Enthüllungsreportage „Ein Stein im Schuh“, die auf Rai3 in der Sendung Presa Diretta ausgestrahlt wurde. Sie zeigt albanische Frauen, deren Hände aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen schon ganz deformiert sind, Menschen, die mit Stöcken geschlagen werden, und Umweltverschmutzung, die unter den Bewohnern der umliegenden Gebiete schwere Krankheiten verursacht. Missstände, die keinesfalls nur die von chinesischen Eigentümern geführten Betriebe in Italien betrifft, sondern auch italienische Handwerker, die gezwungen sind, lächerliche Preise zu akzeptieren, um Objekte herzustellen, die dann für Aberhunderte oder sogar Tausende von Euro verkauft werden. Männer und Frauen, die das schweigend akzeptieren, weil sie riskieren würden, auf der Straße zu landen! Wir sprechen von Nachhaltigkeit ... aber ist das die menschliche Nachhaltigkeit der Luxuswelt? style in progress

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Christoph Bründl schafft mit seinem Team Magic Moments – eine Matrix aus Erlebnis, Service und den Erkenntnissen langjähriger Erfahrung.

„REDUCE TO THE MAX“ Wenn Christoph Bründl über seinen im vergangenen Oktober in Kaprun nach Umbau neu eröffneten Flagshipstore spricht, geht es um Menschen als Differenzierungselement, um den sinnlichen Flow und Dopamin im Kopf. Ein Gespräch über neue Erlebnisse und sinnstiftende Nachhaltigkeit. Interview: Isabel Faiss. Fotos: Bründl

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hr neuer Flagshipstore ist ein Show-off an Service: 85 hochmotivierte Mitarbeiter, namhafte Sportlerpersönlichkeiten wie Hans Hofer oder Fabian Stiepel im Store und ein eigener Concierge. Lässt sich so ein Trommelwirbel in einen stetigen Pulsschlag übersetzen? Unser Flagshipstore war schon immer unser Testlabor oder Forschungszentrum, wo wir vieles ausprobiert haben. Wir leisten uns hier Experimente, wie beispielsweise die Idee eines Concierge, wofür wir einen Fachmann aus der Hotellerie engagiert haben. Die Fünf-Sterne-Hotellerie war für uns immer schon eine Pilgerstätte für Trend-Scouting. Wenn man sich nur im eigenen Genre und am Wettbewerb misst, wird man zu ähnlich. Deswegen gehen wir bewusst in andere Branchen und holen uns dort Inspirationen. Unseren Concierge oder HospitalityManager nennen wir auch M3 – stehend für Magic Moments Manager – der über die Prozesse und die magischen Momente in unserem Haus wacht. Was sind das für magische Momente und welche Rolle spielt M3 dabei konkret? Das erste ist immer die Begegnungsqualität, wenn ein Kunde bei uns auf einen Menschen trifft – das Wort Mitarbeiter haben wir bewusst abgeschafft. Wir haben für uns klar definiert, wie die Begrüßung, der Erstkontakt und auch die persönliche Bedarfsanalyse ablaufen soll, weil das auch der Hebel für Inspiration und Zusatzverkauf ist. M3 hat neben der Ordnung und Sauberkeit in und rund um das Haus auch darauf zu achten, dass die Gastronomie läuft. Gleichzeitig ist er unser täglicher Markt-


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Leuchtturm mit Strahleffekt: Der neu eröffnete Flagshipstore von Bründl in Kaprun ist das Innovationszentrum des Unternehmens. Was hier funktioniert, wird auf andere Standorte ausgerollt.

forscher, der bewusst den Kontakt zu den Kunden sucht, unser Seismograf, der gleichzeitig aber auch selbst verkauft und einen Bereich verantwortet. Nur so bekommt er die Glaubwürdigkeit im Team. Ist M3 eine Blaupause für weitere Bründl Stores? Teilweise. Beispielsweise in Ischgl haben wir fast ausschließlich Gäste, die sehr viel Wert auf persönlichen Service legen, der weit über unseren Store hinausreicht. Für so ein großes Haus in dieser Lage können wir einen Concierge als Serviceoffensive zentralisieren und unsere Kunden beispielsweise mit Insidertipps zu Schneewanderungen, Skihütten und Naturerlebnissen begleiten. Kaprun ist in vielerlei Hinsicht State oft the Art in unserer Bründl-Welt. Auch hinsichtlich Nachhaltigkeit. Wir haben hier sieben Touchpoints für das Thema geschaffen, absichtlich sehr viel Platz gelassen und auf eine völlig neue Medientechnik gesetzt. Das ist sicherlich eine Innovation, die wir in alle Stores bringen werden, denn der Content lässt sich beispielsweise über Filme leicht ausrollen. Inwieweit profitieren alle ihre Stores vom Expertise-Rollout aus dem Innovations-Lab in Kaprun? Mit unserer Mitarbeiter-App haben wir seit vier Jahren ein sehr wichtiges Tool in Händen, um Best-Practice oder unsere Magic Moments teilen zu

können und direkt mit den Menschen bei Bründl im Austausch zu sein. Wir machen inzwischen die meisten E-Learnings und Produktschulungen über die App und motivieren unser Team, indem Erfolge und positive wie negative Erkenntnisse geteilt werden. Das allumfängliche Erlebnis – die Magic Moments sind ein Treiber des neuen Flagshipstores. Gleichzeitig muss dieses Erlebnis heute völlig andere Bedürfnisse erfüllen – Stichwort Gamification. Was soll ihr Kunde in Kaprun erleben? Wir gehen an das Thema Erlebnis anders heran. Statt immer mehr, ist unser Grundsatz: Reduce to the max. Wir wollen die Menschen hier in eine andere Welt bringen. Wir wollen keine flashy LasVegas-Atmosphäre im Store mit Reizüberflutung. Unser Ziel ist es, unsere Flächen zu entstressen. Ein gutes Beispiel ist unserer Kids-Abteilung, in der wir bisher immer Touch-Terminals stehen hatten, die wir gerade durch Malbücher, eine Rutsche und eine Kletterwand ersetzt haben. Natürlich arbeiten wir auch mit Screens, um über Bilder die Natur in den Store zu holen. Aber darauf lassen wir keine Werbung laufen, denn wir wollen unseren Kunden in den sinnlichen Flow bringen. Unter Stress kauft niemand. Retailing is state change. Wir müssen unseren Kunden in unsere Zone bringen, um das Dopamin im Kopf zu aktivieren. Das gelingt uns besser mit weniger Reizen, daher haben wir den Warendruck massiv reduziert. Das Haus hat jetzt eine andere Leichtigkeit und die Aufenthaltsdauer unserer Kunden ist unglaublich gestiegen. Wovon lebt dieses Leuchtturmprojekt in Kaprun für Sie ganz persönlich? Für uns ist der Mensch das Differenzierungselement und der Faktor, der entscheidet, ob gekauft wird oder nicht. Retail ist ein People Business. Es gibt immer noch sehr viele Kunden, die nicht von einer Maschine kaufen, die nicht anklicken, sondern anfassen, ansprechen, andocken und anfühlen wollen – für die ist Onlineshopping ein trauriger Monolog. style in progress

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Leidenschaftlich

ANALOG. DAS HAT ZUKUNFT.

Ein Plädoyer für den stationären Handel: Im Premiumsegment geht nichts über Multibrandstores, die den Einkauf zum physischen Erlebnis machen können, wo die Retailer passionierte Gastgeber sind, die Kunden ihre Aufmerksamkeit genießen und sich live in die Mode verlieben können. Auch in Zukunft nicht. Oder? Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Ansprechpartner

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eit Ende der 1970er-Jahre führt Judith Luger im österreichischen Hard am Bodensee ihr Geschäft, das 1957 von ihren Eltern gegründet wurde, auf 250 Quadratmetern mit sechs Mitarbeiterinnen. „Ich liebe mein Geschäft wie am ersten Tag“, sagt die Unternehmerin. „Jede Saison aufs Neue bin ich gespannt, was ich bei der Order entdecke und freue mich darauf, die neue Ware meinen Kunden zu präsentieren. Sie wiederum lieben es, bei Luger Mode eine nette Zeit zu haben, sich auszutauschen, um am Ende glücklich mit ihren Einkäufen nach Hause zu gehen.“ Leidenschaftlich analog zu sein, das ist für Judith Luger Devise und Erfolgsrezept. DIE ZUKUNFT IST HYBRID

„Der Kauf lebt von der Wertschätzung, die Menschen einander geben“, sagt Marc Ramelow. Auch er ist erklärter Händler aus Leidenschaft, aktuell mit Onlineshop und neun Filialen in Norddeutschland, die 400 bis 5.500 Quadratmeter groß sind. Auf jeder Fläche gilt dasselbe Prinzip: „Werde ich als Kunde im Geschäft angelächelt, wahrgenommen, interessiert sich da einer tatsächlich für mich? Gerade hier kann der stationäre Handel punkten.“ Keine Frage: Online wächst weiterhin. Ist und bleibt der stationäre Handel dennoch zeitgemäß? „Ja, aber er wird hybrid, mit digital“, antwortet Ramelow. „Dabei haben wir heute weniger den Wettbewerb der Produkte, sondern immer mehr den Wettbewerb der Prozesse. Mal mag ich es als Kunde schnell, effizient und günstig, mal möchte ich ein Erlebnis. Gerade der Modeeinkauf ist ein hochgradig subjektiv erlebter, persönlicher und emotionaler Prozess, und unsere Mitarbeiter sind diejenigen, die ihn gestalten.“ Der Menswearstore Boys don’t cry im Pariser Quartier Saint-Germain ist wie eine Spielwiese der Kreativität. „Wir lieben es, zu überraschen“, sagt Image Director Felix Boehm. Die Kunden sind im Schnitt zwischen 25 und 40 Jahre alte und schätzen die spezielle Auswahl, die es online so nicht gibt: extravagante High Fashion etwa von Marni, Lemaire oder JW Anderson, die von Independent Magazines, Kunst- und Designbüchern ergänzt werden. „Viele kommen extra wegen dieser Magazine und Bücher“, sagt Felix Boehm. So trifft sich bei ihm eine modisch und künstlerisch interessierte Community, dazu Touristen, die sich weniger für Sightseeing denn für das

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Pariser Lebensgefühl interessieren. Für Boehm dennoch unverzichtbar: der Onlineshop. „Viele informieren sich dort vorab und erkundigen sich dann, ob wir die Teile im Laden haben, um sie dort anzuprobieren. Zum Beispiel die Jacke von Bode aus recycelten Küchenhandtüchern, die schon auf dem Bügel sehr besonders aussieht und getragen erst richtig überzeugt.“ OFFLINE GOES ONLINE – UND UMGEKEHRT

Wait and See in Mailand ist Pilgerstätte und Sehnsuchtsort für Modeliebhaberinnen. Die Nische? Einzigartige, farbstarke Mode mit einem Augenzwinkern, zwischen High Street und Premium, beides zu nicht zu abgehobenen Preisen. Kann etwas so Spezielles nur offline gelingen? Nicht zwingend. Das Konzept lebt von der Persönlichkeit und Stilsicherheit von Inhaberin Uberta Zambeletti, der es gelungen ist, den lebensfrohen Spirit von Wait and See in einen Webshop zu übersetzen. „Wenn du so viel Mühe, Passion und Liebe reinsteckst, willst du, dass es wächst, und das gelingt uns nun dank ECommerce“, so die Händlerin. „Dabei arbeiten wir generell sehr datenbasiert und stecken auch viel Arbeit in die Datenanalyse.“ Das zahlt sich aus: Jetzt ist die Wait and See Kundschaft dank des 2020 eröffneten Onlineshops von 20 Prozent internationaler Kunden auf 60 Prozent gestiegen. Viel Marketing ist unabdingbar, der Schlüssel aber heißt vor allem Service. „Auch online ist sieben Tage die Woche jemand für die Kundinnen erreichbar, gibt Stylingtipps und berät mit der richtigen Größe“, so Zambeletti. „Denn ich habe im Laden gelernt, wie wichtig es ist, die Kundinnen an die Hand zu nehmen.“ STORYTELLING

Persönlich für die Kunden da zu sein und damit leidenschaftlich analog zu sein, spricht Franz Grasegger aus der Seele. Als er 2010 die Führung des 1.800 Quadratmeter großen Familiengeschäfts in Garmisch-Partenkirchen übernahm, hatte er sich bewusst gegen einen Onlineshop entschieden, weil die Nische Trachten und alpine Mode am besten persönlich im Geschäft verkauft wird. „Diese Kernkompetenz haben wir sogar noch mehr ausgebaut. Wir können heute wirklich zu jedem Teil die Geschichte erzählen“, sagt Franz Grasegger. Seit einiger Zeit funktioniert dieses Storytelling auch online; die Bilder von Grasegger auf Instagram entführen in die Welt der Trachten. style in progress

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„Dafür sind bei uns kleine Teams verantwortlich, die auch auf der Fläche verkaufen, aktuell sind es drei Mitarbeiter zwischen 20 und 25 Jahren“, so Grasegger. „Wer von uns die Story auf Insta erzählt, muss wissen, wie wir sie im Laden erzählen, das muss ineinanderfließen. Wir geben bewusst Freiheiten, damit die Aufgaben eigenverantwortlich gelöst werden können. Manchmal bin ich überrascht, wie gut das ankommt und dass wir dadurch Neukunden gewinnen können.“ Eine offene Unternehmenskultur ist für Franz Grasegger ohnehin essenziell, dazu gehört für ihn auch, die jungen Mitarbeiter nach Möglichkeit zur Order mitzunehmen. So auch Judith Luger, die sich so oft wie möglich von ihrer Nichte Clara Böhler zur Order begleiten lässt. „Sie hat schon als Jugendliche im Geschäft ausgeholfen und weiß genau, wie wir und unsere Kunden ticken. Von ihr kann ich einiges lernen wie auch umgekehrt, sie hat mir so manches Mal die Augen geöffnet“, schmunzelt die Ladeninhaberin. „Unterm Strich kreieren wir eine tolle Mischung im Sortiment, das Junge wie Ältere begeistert.“ AN MORGEN DENKEN

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1 Marc Ramelow, CEO Ramelow 2 Judith Luger, Inhaberin Luger Mode 3 Franz Grasegger, Geschäftsführer Grasegger 4 Uberta Zambeletti, Inhaberin Wait and See 5 Felix Boehm, Image Director Boys don’t cry

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Marc Ramelow ist in der Branche dafür bekannt, dass er viel Wert auf Mitarbeiterschulung legt und auch die Jugend für den Beruf begeistern möchte. Haben denn auch die Jungen Lust, im stationären Geschäft zu kaufen? „Auf jeden Fall, auch wenn sie always online sind, schätzen sie durchaus den Wert des persönlichen Treffens“, sagt Marc Ramelow. Aber die Ansprache muss sich ändern. „Weil wir gutes W-Lan im Geschäft haben, sitzen bei uns auch mal die 13-Jährigen auf dem Sofa, um Videos zu streamen. Als Verkäufer kann ich mich entscheiden: Nervt mich das? Oder biete ich ihnen eine Fritz-Cola an und komme mit ihnen ins Gespräch? Diese Ansprache auf Augenhöhe mit jungen Menschen ist eine ganz andere, als man sie früher gelehrt hat. Sie wird deutlich differenzierter; und wer das nicht begreift, hat ein Nachwuchsproblem.“ Trotz des schlechten Images des Verkäuferberufs sieht Ramelow viele Entfaltungsmöglichkeiten. „Der Job kann auch mal daraus bestehen, dass man abends mit den Kunden eine Party auf der Fläche feiert, zu denen man seine Freunde einladen kann, mit Musik und Catering“, beschreibt er mit ansteckender Begeisterung. „Über solche Aktionen müssen wir reden, um das Image des Jobs zu verbessern, und damit fängt es an, wirklich Spaß zu machen. Und wenn man abends um neun Uhr noch ein Outfit verkauft, wird man umso mehr belohnt.“ In 20 Jahren, ist sich Franz Grasegger sicher, steht sein Geschäft immer noch in der Fußgängerzone in GarmischPartenkirchen. Aber ebenso sicher ist er, dass weiterhin Veränderung dabei die Konstante bleibt. Im November ist die neue Website online gegangen, und wenn es für Grasegger passt, wird ein Onlineshop folgen. Digitale Services sind für ihn selbstverständlich, sofern sie das Verkaufserlebnis im Store stützen – aber unauffällig im Hintergrund, um die wohnliche Atmosphäre im Store nicht zu stören. „Ich kann mir die Erweiterung der Graseggerwelt vorstellen, mit einem integrierten Conceptstore für Möbel, oder auch mit einer Fläche für Gastronomie“, sagt Grasegger. „Unser Slogan lautet: Haus für Tradition und Gegenwart – und den halten wir weiter hoch. Denn um in der Gegenwart voll da zu sein, muss ich immer auch an morgen denken.“


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HANDSTICH

„DER STATIONÄRE HÄNDLER IST UNSER MARKEN­ BOTSCHAFTER“ Statt laut zu sein, ist Handstich in erster Linie inhaltsstarkes Produkt mit ausgefeilten Details. Damit ist die Marke für den stationären Fachhandel geradezu prädestiniert, denn wo lässt sie sich besser erleben als vor Ort im Laden? Interview: Nicoletta Schaper. Fotos: Handstich

Für André Berger ist Handstich eine Marke, die im Store ein Erlebnis schafft.

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ndré, warum ist Handstich als besonderes Nischenprodukt für den inhabergeführten Einzelhandel prädestiniert? André Berger, Inhaber Handstich: Weil gerade die Mitarbeiter im qualifizierten Fachhandel diese Leidenschaft fürs Produkt haben, die sie gern an ihre Kunden weitergeben. Das merken wir besonders in unserem eigenen Conceptstore, den wir vor einem Jahr in Seefeld in der Nähe unseres Headquarters eröffnet haben. Der erste Eindruck der Jacke auf dem Bügel ist noch nicht unbedingt der entscheidende. Erst wenn der Verkäufer unserem Gast sagt: Schlüpf doch mal rein, passiert etwas. Zum Beispiel in unserer ikonischen Steppjacke steht der Mann aufrechter da, gewinnt eine gewisse Proudness. Ein solcher Moment kann nur live im Geschäft entstehen und erlebt werden, face to face mit dem Verkäufer. Denn als nicht ganz so bekannte Marke brauchen wir ihn als Botschafter, der den Kunden erklären kann, was Handstich zu bieten hat. Was ist das zum Beispiel? Unsere Jacken sind immer sehr durchdacht und haben sich weiterentwickelt, sind optisch abgeräumter und entspannter als früher. Look and Feel sind sartorial geprägt, wobei sich die typischen Handstich-Elemente jetzt mehr im ausgearbeiteten Innenleben der Jacke wiederfinden, sei es die Farbe oder eine farblich kontrastierende Innentasche, die außerdem offenbart, dass wir uns Gedanken gemacht haben, was der Träger oder die Trägerin wirklich braucht. Das Innen bestimmt das Außen: Das Detailing bleibt, auch im Materialmix, der farblich tonaler ist. Im Fokus steht ein moderner Layering Look mit Themen wie Daune, Wolle, Cord und Baumwolle, etwa für Overshirts und hybride Jackentypen mit Kapuze und Lammfellelementen. Bei Frauen abgerundet durch Lederleggings. Angenommen, ich komme als Kundin in euren Store. Was wird man mir zu Handstich erzählen, was ist die Story? Zum Beispiel diese: Gestern hat mir eine Kundin gesagt, ihre ganze Familie mit drei Generationen hat nur noch Jacken von Handstich, weil sie alle so große Freude an den Produkten haben und sich darin so wohlfühlen. Diese Geschichten zahlen auf unsere Story ein, denn Handstich will Lebensgefühl und Lieblingsstück sein. Zehn Jahre Handstich – wie geht es weiter? Wir fühlen uns mit unserem Image als Underdog wohl. Statt laut zu sein, spricht vor allem das Produkt für sich. Das bleibt

Look and Feel mit durchdachter Verarbeitung. Die VK-Preise für Handstich liegen im Schwerpunkt zwischen 400 und 800 Euro.

unsere Markenbotschaft, die von unseren Vertriebspartnern Markus Kimpfler und Axel Bayer für Süddeutschland und Marcus Heck für Westund Norddeutschland verbreitet wird. Alle haben die hohe Produktwertschätzung, sie mögen und verstehen die Marke. Gemeinsam wollen wir mit den richtigen Markenbotschaftern im Handel die Story von Handstich erzählen.

Der eigene Conceptstore von Handstich in Seefeld ist Host für andere Modekollektionen sowie Genießerprodukte aus der Region. Zugleich steht er exemplarisch für Soft-Shop-Lösungen mit Handelspartnern.

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VOR ORT

Unter

UNS

Die Begegnung ist so kostbar – diese Erkenntnis ist unwiderruflich. Retail ist Touchpoint im wahrsten Sinne des Wortes: Der Ort, wo Menschen berührt werden und Konsum mit neuer Energie aufgeladen wird. Von Angesicht zu Angesicht, im Austausch auf Augenhöhe springt der Funke über. Text: Stefanie Buchacher, Janaina Engelmann-Brothánek, Kay Alexander Plonka, Martina Müllner-Seybold, Nicoletta Schaper

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ATELIER DI GALA/MONTECATINI ALTO

Kunst, Design und Maßschneiderei

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Halb Atelier, halb Conceptstore: Simona Gala Baronti hat ihre Wirkungsstätte in einen magischen Ort für Ästheten verwandelt.

Atelier di Gala Via Mordini 14, Montecatini Alto/Italien, www.simonagalabaronti.com, IG: @simonagalabaronti Eröffnung: 2015 Inhaberin: Simona Gala Baronti Verkaufsfläche: circa 50 qm Marken: Bitossi, Doing Goods, Gala di Simona Baronti, Seletti

Fotos: Atelier di Gala

as Atelier di Gala wurde 2015 von Simona Gala Baronti eröffnet, um ihren Ideen, Kreationen und Kollektionen einen physischen Ort zu schenken. Die Architektin, Illustratorin, Interieur- und Modedesignerin präsentiert und verkauft hier, in Montecatini Alto, Stoffe, Einrichtungsgegenstände, Bücher, Papeterie, Bekleidung – oder wie sie es selbst ausdrückt – „Projekte und Phantasien“. Wenn man durch die mittelalterlichen Gassen des kleinen italienischen Dorfes schlendert, entdeckt man schnell das Atelier, dass durch seine Einzigartigkeit sofort auffällt. Alles ist frisch, lebendig, anziehend. Ausgewählte Designstücke von Bitossi oder Seletti, handgefertigte Puppen, T-Shirts mit Sprüchen von Berühmtheiten aus Film, Literatur und Musik. Röcke, Overalls und Kimonos aus Biobaumwolle mit den illustrierten Konterfeis von Frida Kahlo, David Bowie oder Edith Piaf machen das Atelier zu einem magischen, kleinen Conceptstore, bei dem man die Liebe zum Detail in jeder Ecke spürt. Fast alles wurde von Simona Gala Baronti selber konzipiert und umgesetzt, sogar das Ladendesign. Die Artikel, seien es Einrichtungsgegenstände wie auch Kollektionsteile, werden ausschließlich lokal und nachhaltig hergestellt. „Meine Mode, meine Kunststücke und Designs folgen alle dem Prinzip ‚kilometro zero‘, also direkt aus der Region, ohne lange Lieferwege.“ Ein Plus, denn „ausverkauft“ oder „in dieser Größe nicht mehr da“ gibt es bei der Universalkünstlerin nicht. Auf Kundenwunsch wird innerhalb weniger Tage nachproduziert.

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Sie sind als passionierte Modehändler sehr klar in dem, was sie tun: Jan und Berit Petersdorf.

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VOR ORT

ANGELO’S/HAMBURG

Zwei Läden wie im Bilderbuch Für Angelo’s arbeiten Berit und Jan Petersdorf wie Kreateure: Sie erschaffen einen stimmigen Modekosmos, der ihre Kunden mit seiner Einzigartigkeit überzeugt.

Fotos: Angelo’s

Bis ins Letzte durchdacht: Das Sortiment der beiden benachbarten Angelo’s Geschäfte offenbart Modebegeisterung und einen Blick fürs Detail.

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m Morgen gibt es den besten Kaffee der Stadt von der benachbarten Cafébar Favorita. „Das ist unser Ritual“, erzählt Berit Petersdorf, die Angelo’s zusammen mit Jan Petersdorf betreibt. Zwischen Eppendorf und Eimsbüttel hat sich ein lebhafter, gemischter Kiez entwickelt, der ein Publikum aus der ganzen Stadt anzieht. Bei Angelo’s gibt es zwei Modewelten, eine für Damen und eine für Herren. Dafür arbeitet das Paar konzentriert und leidenschaftlich. „Wir machen es uns bei der Order so schwer wie möglich“, lacht Berit Petersdorf.

„Nach Möglichkeit besuchen wir alle Messen und schauen uns erst alles an, bevor wir ordern. Dann fotografieren wir jedes Teil, um mögliche Outfits zusammenzustellen.“ So wird die Vielfalt von 60 Lieferanten zum inspirierenden Ganzen. Kernmarken im Männerstore sind Blue de Gênes, Powell Chinos, Strellson, Phil Petter und Bob. Bei den Damen bilden Mason’s und White Sand die Basis, während Chloe Stora und Pierre Louis Mascia für einen Twist sorgen, ergänzt von Konfektion des Hamburger Designerduos Harm Jopp, mit denen auch eigene Styles entwickelt werden. „Oft kommen Familien zu uns, sodass auch mal drei Generationen bei uns fündig werden“, so Berit Petersdorf. „Das gelingt uns, weil wir eine große Bandbreite bieten und weil wir die Kundinnen und Kunden glücklich machen wollen.“ Wie neulich eine Familie aus Münster. „Die Mutter kam klassisch gekleidet ins Geschäft und ging mit einem lila Mantel und einem bronzefarbenen Seidentop strahlend wieder raus. Wunderbar, dass sich unsere Mühe und Mut auszahlen!“

Angelo’s Eppendorfer Weg 217, Hamburg/Deutschland, www.angelos.de Eröffnung: November 1989 Inhaber: Jan Petersdorf Geschäftsführerin: Berit Petersdorf Verkaufsfläche: 180 qm Marken Frauen: Cambio, Chloe Stora, Des Petit Hauts, Harm Jopp, Love Joy Victory, Majestic, Mason’s, Pierre-Louis Mascia, Scaglione u. a. Marken Männer: Blue de Gênes, Bob, Fil Noir, Outhere, Phil Petter, Powell, Scaglione, Seldom, Strellson, Trusted Handwork, White Sand u. a.

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Bettina Ritter hat sich mit dem eigenen Store einen Wunsch erfüllt.

BETTINA RITTER NO 13/ESSLINGEN

Perfect Match Für ihren neuen Store hat Bettina Ritter ein klares Konzept: Um wenige Key-Brands baut sie ein Sortiment, das sich sehr flexibel nach dem Geschmack ihrer Kundinnen richten kann.

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eine erschlagende Masse, keine Stapel im Laden – für Bettina Ritter ist das das Prinzip für ihren neuen Store, der hell, klein und freundlich ist. In freundlichen Farben gehalten und eher clean ist auch die Mode, die sie verkauft: der Cardigan von Catalano oder ein Jerseyteil von Bobi, immer zu Preisen, die auch ihren Kundinnen Spaß machen. Beide Marken sind die Kernmarken im Sortiment; hinzu kommen Jeans von


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Fotos: Steffen Roller

Hell, licht und freundlich ist es im Geschäft, auch die Mode soll einfach Freude machen.

The Nim in schönen Waschungen, die noch dazu eine gute Figur machen, und Homewear von Via Milano. Die Accessoires eignen sich zum Selbsttragen oder zum Verschenken, zum Beispiel Schmuck von Girl’s best Friends, Circle of Life oder Kerzen. Das ganze Sortiment soll flexibel und den Kundinnen angepasst bleiben. Spätestens alle zwei Wochen kommt Neues, etwa das Label LJV, das für weiche Baumwollteile mit kleinen

Details steht. „Ich will die Mode nicht einfach verkaufen, sondern sie soll Freude machen“, sagt Bettina Ritter. Früher hat sie als Rechtsanwaltsgehilfin gearbeitet, aber der Modeeinzelhandel ist für sie Berufung und jetzt der eigene Store eine Herzensangelegenheit. Auch die Nachbarschaft stimmt für die Baden-Württembergerin, mit schönen Altbauten, netten Cafés und Restaurants. „Dass ich hier in der Altstadt ein Ladenlokal gefunden habe, um

mein Projekt zu verwirklichen, macht mich zum glücklichsten Menschen auf Erden.“ Das Geschäft ist von Donnerstag bis Samstag geöffnet. Die übrige Zeit widmet Bettina Ritter der Order, ihrer Familie mit zwei Töchtern und den Spaziergängen mit ihren zwei Labradoren durch die Weinberge. Beide Welten zu verbinden, ist für sie das perfekte Match.

Bettina Ritter No 13 Küferstraße 26, Esslingen/Deutschland, www.ritter-bettina.de Eröffnung: Juli 2021 Inhaberin: Bettina Ritter Verkaufsfläche: 80 qm Marken: Bobi, Catalano, LJV, The Nim Denim, Via Milano u. a.

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Fotos: Kauri

Beeindruckendes Ambiente im Gewölbekeller des historischen Hauses in der Bozener Altstadt.

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KAURI/BOZEN UND BRIXEN

Verantwortungsvolle Innovation In den Südtiroler Kauri Stores in Bozen und Brixen wird Kunden ein Vollsortiment geboten, das Kriterien wie Fairness, Nachhaltigkeit, Gesundheit und respektvoller Umgang mit der Umwelt entspricht. Das Team um die Gründer Daniel Tocca und Bernhard Schönhuber geht selbst mit gutem Beispiel voran und vermittelt einen bewussten Lebensstil.

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nsere Gesellschaft braucht positive Impulse. Wir müssen uns richtig entscheiden und dazu beitragen, die Umweltauswirkungen der Modebranche zu verringern. Es kann nicht für alle und alles eine Zukunft geben, wir müssen bewusst denken und mit Bedacht wählen“, erklärt Daniel Tocca. „Wir möchten Bewusstsein für qualitativ hochwertige Produkte vermitteln.“ Als Inspiration für die Namensfindung der vier Läden die 2019, 2020 und zuletzt 2021 als Flagshipstore im Natur & Spa Hotel Forestis und in der berühmten Laubengasse eröffnet wurden, diente die Kauri-Pflanze, eine der größten Baumarten der Welt. Diese Bäume sind im Schlamm von Sümpfen konserviert worden, wo sie für 20.000 bis 50.000 Jahre verblieben ohne zu

Das Team rund um Daniel Tocca und Bernhard Schönhuber möchte bewussten Konsum nicht nur predigen, sondern auch praktizieren.

verfaulen oder zu versteinern. Es gilt als das umweltfreundlichste Holz der Welt für das keine Entwaldung erforderlich ist und steht stellvertretend als Symbol für Pflege, Qualität, Natur, Erhaltung und Wiederverwendung. Getreu den Slow-FashionStatuten „Buy Less Buy Better“ beinhaltet das Sortiment der 360°-Lifestyle-Shops neben Mode und Accessoires für Frauen und Männer, Biokleidung für Babys und Kinder auch Naturkosmetik und Pflegeprodukte unter anderem von Ben & Anna, Manucurist und Hillinger Cosmetics sowie Wohn- und Lifestyleaccessoires wie Edelstahl Trinkflaschen, wiederverwendbare Bienenwachstücher oder Nahrungsmittel wie Tees, Gewürze, Bioschokolade und fair gehandelten Kaffee. Gründer Bernhard Schönhuber sagt über das Kauri-Konzept: „Meine Vision ist, auf meine eigene kleine Weise zu einer besseren Welt beizutragen, indem ich ein nachhaltiges Geschäftsmodell für alle beteiligten Stakeholder verwalte.“ Und Marketingleiterin Sara Pacifici ergänzt: „Ich habe mich für den Kauri Store entschieden, weil ich das Gefühl habe, so meinen Beitrag zur Verbesserung des Status quo der Welt zu leisten und die Botschaft der grünen Wirtschaft zu verbreiten.“

Kauri Store Bindergasse 1A Laubengasse 72 Bozen/Italien Kreuzgasse 13 Brixen/Italien Flagshipstore im Hotel Forestis Palmschoß 292 Brixen/Italien www.kauristore.com Marken: 2g8er, A Beautiful Story, Adam, Airpaq, Another Brand, Atelier Alpiniste, Calida, Cora Happywear, Ecoalf, Erdbär, Eticlò, Freitag, Lanius, Nikon, Par.co Denim, Re-Bello, Rewoolution, Supernatural, Xacus

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Allessandra Cuschie und ihr Mann Torsten Müller stehen hinter den drei Room Nine Läden in Bonn. The Loft by Room Nine lädt zur Entdeckungsreise ein.

THE LOFT BY ROOM NINE/BONN

Das nehm ich so mit!

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The Loft by Room Nine Breite Straße 43, Bonn/ Deutschland, www.roomnine.de Eröffnung: Juni 2021 Inhaberin: Allessandra Cuschie Verkaufsfläche 220 qm Marken: Becksöndergaard, Bloomingville, Doing Goods, Gestalten, HK Living, Hübsch, Octaevo, Ottolenghi by Serax, Sal de Ibiza, Serax, The Gift Label, Voluspa, WOUF

Fotos: The Loft by Room Nine

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itten in der Krise einen dritten Laden eröffnen? „Wenn schon, denn schon“, sagt Torsten Müller von der Room Nine Agency. Wer ihn kennt, weiß, dass er und seine Frau Allessandra Cuschie echte Macher sind, die sich ihren Erfolg hart erarbeiten. Und tatsächlich brummt der im Juni eröffnete Laden bereits, denn es hat sich herumgesprochen, dass The Loft by Room Nine mit den zwei etablierten Modeläden Room Nine zusammenhängt. Es gibt hübsche Dinge, die man vielleicht nicht gesucht hat, aber gern kauft oder verschenkt. Das sind Schälchen und Becher, Pflanztöpfe von HK Living und Küchenutensilien von Bloomingville, Dip-Dye-Kerzen, Vasen und außerdem Grußkarten, Kaugummis und Chips de Madrid, die wegen der coolen Grafiken auf der Packung wie nichts weggehen. „Tassen und Schalen verkaufen sich am besten“, verrät Torsten Müller, der immer samstags im Loft verkauft. „Außerdem sind die Kochbücher von Ottolenghi und sein Geschirr von Serax super erfolgreich, zumal wir das in Bonn exklusiv anbieten.“ Auch die Location hat Charme. Vorn an der Straße in dem kleinen Ladenlokal gibt es Modeschmuck; wer daran vorbeigeht, gelangt durch die Toreinfahrt in den begrünten Hinterhof mit einem Loft. Alle Wohnaccessoires sind von Allessandra Cuschie ausgesucht, die den richtigen Riecher für das hat, was gut laufen könnte, ohne zu kommerziell zu sein. „Viele kaufen erst in unseren Modeläden und kommen dann hier vorbei, um nach Geschenken zu stöbern“, sagt Torsten Müller. Er freut sich schon auf den April, denn dann zieht die Breite Straße mit ihrer berühmten Kirschblüte wieder Tausende Touristen an – und damit potenzielle Kunden. „Aber dieses Projekt macht jetzt schon richtig viel Spaß.“


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A HAPPY PLACE/MÜNCHEN

Marktplatz mit Glücksgarantie

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Fotos: A happy Place

rsprünglich war die Idee, kleine Designer mit einem Showroom zu unterstützen – entstanden ist ein außergewöhnlicher und faszinierender Conceptstore oder wie Inhaberin Phaedra Richter selbst sagt: „Eine Oase.“ Als Illustratorin, Textildesignerin und Künstlerin wünschte sich Richter selbst einen Ort, „wo man Designteile findet, die Labels bezahlbar sind und die Designer angemessen dafür belohnt werden“. Wie der Name verrät, soll der Store alle, die besondere Dinge suchen, glücklich machen, ebenso wie die Designer und die Inhaberin selbst. Denn bei A Happy Place beteiligen sich alle Designer mit einer festen Pauschale an den gesamten Unkosten des Stores und bekommen dafür den gesamten Verkaufserlös. Mittlerweile werden im Store schöne Dinge von über 90 kleinen Labels, aufstrebenden Künstlern, Sozialprojekten oder lokalen Kreativen verkauft – von Fashion, Accessoires, Schmuck bis hin zu Deko oder Designobjekten. „Ich treffe eine sensible Auswahl der Leute und Labels, obwohl ich wirklich viele Bewerber habe“, sagt Richter. „Aber ich möchte mein Sortiment ausgewählt halten und untereinander keine Konkurrenz aufbauen. Die Objekte und Produkte, die ich jage, sind von Menschen und Labels mit Kleinproduktionen.“ Ihre Idee trug Pheadra Richter übrigens auch durch den zweiten Lockdown, denn während ihr Store geschlossen bleiben musste, entrichteten alle Mitglieder weiterhin ihre Beteiligungen an den Fixkosten. So konnte sich Richter auf ihre Onlinepräsenz konzentrieren und gründete kurzerhand einen digitalen Marktplatz, der nun weit über das stationäre Sortiment hinausgeht. Alle angeschlossenen Designer können die Plattform gegen eine kleine monatliche Pauschale nutzen und ihre Kunden direkt mit ihren Designs versorgen.

„Eine Oase“ nennt Phaedra Richter ihren Laden in der Parkstraße in München.

A happy Place Parkstraße 4, München/Deutschland, https://ahappy.place/ Eröffnung: Juni 2021, Inhaberin: Phaedra Richter, Verkaufsfläche: 90 Quadratmeter Marken: Achiy, Adieu Cliche, Anatolian Design, Anotherbrand, Form Of Interest, Frieda mit Herz, hey hey studios, Hyres, Knits, Lovem Kids, Maniq, Marie Lorence, Muse von Sagiha, Radu Baias, Stefanie Bauer, Stefanie Pietsch, Studio Ciao, Süsskind, The Life Barn, The Sept Label, whywhywhy, ZITA Products, Zurück Upcycling

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BUBBLES AND TROUBLES/MONTECATINI TERME

It’s good to be kids

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n der tiefsten italienischen Provinz, irgendwo zwischen Lucca und Florenz, fassen eine ehemalige Vertriebsleiterin und eine Retailexpertin nach fast zwei Jahren Pandemie den Mut, einen Laden für Kinderbekleidung zu eröffnen. Doch es ist kein gewöhnlicher Shop, sondern ein Ort, wo Eltern und Kinder gerne Zeit verbringen und ganz nebenbei das passende Outfit für die Jüngsten finden. Bei Bubbles and Troubles werden nämlich auch Workshops angeboten: Bekleidung individualisieren, Upcycling alter Teile oder sogar Theater- und Malkurse. Die Kollektionen, die in dieses Konzept passen, sind fast alle lokal und natürlich nachhaltig – das ist den Inhaberinnen Ewa Kowalska und Catia Labanca sehr wichtig. Das Konzept geht auf: Seit September 2021 ist der Laden ein „Place to be“ und das nicht nur in der Provinz. Auch Familien aus den großen Städten nehmen die Anfahrt nach Montecatini gerne auf sich, um sich Bubbles and Troubles anzuschauen und hier zu shoppen. Warum dieser Erfolg? Weil hier das zu finden ist, nach dem sich Eltern jetzt am meisten sehnen: Erfahrene Retailer mit exzellentem Geschmack und einer Vorliebe für das Kleine, Feine und Faire und die das Kind in den Mittelpunkt stellen – bei Bubbels and Troubles ist es schön, Kind zu sein!

Catia Labanca und Ewa Kowalska mit ihren Kindern, die sie zu Bubbles and Troubles inspiriert haben.

Bunt und kinderfreundlich: das Design von Bubbles and Troubles.

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Fotos: Bubbles and Troubles

Bubbles and Troubles Via S. Martino 31/33, Montecatini Terme/Italien, IG: bubblesandtroubleskids Inhaberinnen: Ewa Kowalska und Catia Labanca Eröffnung: 2021, Verkaufsfläche: circa 70 qm Marken: Ammehoelia, Bobo Choses, Bon Ton, Collegién, Frugi, Giroquadro, I dig denim, Liewood, Louis Louis Paris, Not only Monday, One more in the family, Play up, We are the new society, Week end house kids


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Architekt Chris Precht ist ein Nachhaltigkeitsvisionär – genau der Richtige, um Room with a views Ideen für ihr Home of ecological lifestyle umzusetzen.

Iris und Christian Obojes sind Macher: Nach 20 Jahren Vertriebsagentur und zehn Jahren Warm-Me stellt der eigene Store im Salzburger Europark den nächsten Schritt dar.

Room with a view Home of ecological lifestyle Europark, Salzburg/Österreich www.roomwithaview.at Inhaber: Iris und Christian Obojes Fläche: 100 qm Marken: Casall, Colorful Standard, Ecoalf, Ein guter Plan, Erdbär, Organic Basic, Veja

ROOM WITH A VIEW/SALZBURG

Alles ist Energie

Fotos: Studio Friedrich

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rei Partner, von denen jeder seine ureigene Qualität einbringt: Room with a views im vergangenen Jahr eröffneter Flagship­ store baut auf der Pionierarbeit auf, die die Salzburger Nachhaltigkeitsmarke Erdbär dort schon geleistet hat. Die Verbindung zu Room with a view kommt über Iris Obojes, die für den Multilabelstore der Marke schon mehrere Saisons den Einkauf verantwortet hat. Gemeinsam mit Christian Obojes entstand schließlich die Idee, alle Kompetenzen zusammenzuführen und so eine neue Dimension entstehen zu lassen. „Es hat einfach alles gepasst“, sagt Iris Obojes. Gemeinsam mit dem international erfahrenen, auf nachhaltige Bauweise spezialisierten Studio Precht haben die Auftraggeber mit vielen Konventionen gebrochen. Das beginnt mit der Wahl der Location für den auf nachhaltige Mode spezialisierten Store. Ein Einkaufszentrum! Augenrollen bei der Ökochic-Fraktion? Egal, denn ihr Room

with a view Store beweist, dass selbst in einem der bestfrequentierten Konsumtempel Europas eine Oase geschaffen werden kann. Eine bis auf kleine Luken verbaute Front ist das erste Überraschungsmoment. Dann eine begrünte Wand, an der eine Spirale ihren Ausgang nimmt, die ins Innere des Stores führt. Deckenhohe, tiefe Regale mit großen Abständen brechen mit traditionellen Sehgewohnheiten. Auch die Dinge, die nur mit Leiter erreicht werden können, bekommen so Begehrlichkeit. „Es ist ein Ort, der einlädt, zu entdecken“, sagt Iris Obojes. „Wir verstehen den Laden gleichermaßen sowohl als Raum für die Marken als auch als Raum für die Kunden. Beide Seiten können hier spüren, wie sich die Wirklichkeit anfühlt.“ Schon kurz nach der Eröffnung gab es erste Anfragen, das Konzept zu vervielfältigen. „Das beweist, dass wir etwas wirklich Einzigartiges geschafft haben“, so Christian Obojes. style in progress

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VOR ORT

INGLA/ROSENHEIM

Out of Rosenheim Im Herzen der Rosenheimer Altstadt führt Emily Laner das Schuhgeschäft ihrer Großeltern in dritter Generation als modernen Conceptstore. Gemeinsam mit ihren Eltern Maria und Michael sorgt sie immer wieder für Innovation – so wird es in Kürze eine eigene App geben.

Neue Erlebniswelt: Emily Laner transferiert ihr stationäres Angebot in eine eigene App.

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und der Träume bieten, in der keine Wünsche offenbleiben. Die Kunden sind unsere Gäste und wir möchten, dass sie mit einem Lächeln und einem guten Gefühl unseren Laden wieder verlassen“, sagt Emily Laner. Auf den Social-Media-Kanälen zeigen sie und ihre Mitarbeiter tägliche wechselnde Outfits und New Arrivals. Außerdem gibt es für die Fans auf eine sehr zugängliche Art und Weise Einblicke hinter die Kulissen wie z. B. von Orderreisen. „Als Basis für unsere neue App werden wir den Onlineshop spiegeln, aber mit mehr Features ausstatten. Später wird man auswählen können, was seine Lieblingsmarken sind, damit wir ganz individuelle Push-Benachrichtigungen rausschicken können, wenn es beispielsweise neue Lancierungen gibt. In der App werden wir noch mehr Storytelling spielen und einen Extrareiter für inspirierende Blogbeiträge einstellen, was dann wie ein kleines Onlinemagazin sein wird – mit Total Looks von der Ready to Wear, über Schuhe, Accessoires, den passenden Beautyprodukten bis hin zum Interieur. Dazu kommen noch Einträge von unseren Orderreisen, wo man unsere persönlichen Looks direkt nachshoppen kann. Die App wird vor allem für unsere Bestandskunden und Ingla-Fans entwickelt, die damit nochmal tiefer in die Materie einsteigen möchten. Wir versprechen uns dadurch mehr Kundenbindung und natürlich auch Umsatzwachstum.“

Ingla Concept Store Ingla Schuhmoden Renal GmbH Gillitzerstraße1 Rosenheim/Deutschland www.ingla.de Verkaufsfläche: ca. 300 qm Mitarbeiter: 9 Marken: A. S. 98, Anine Bing, Ash, AGL Attilio Giusti Leombruni, Axel Arigato, Baum und Pferdgarten, Birkenstock, Camper, Copenhagen Studios, Diptyque, Dr. Martens, Fiorentini + Baker, Ganni, Garment Project, Ilse Jacobsen, Inuikii, JW Anderson, Kennel & Schmenger, Lemon Jelly, Mou, Movie’s, Officine Creative, Philippe Model, See by Chloé, Ugg, Woolrich

Fotos: Ingla

„M

eine Oma und mein Opa haben vor knapp 50 Jahren Ingla mit der Intention und Leidenschaft gegründet, die schönsten zeitgenössischen Schuhe nach Deutschland zu bringen. Der Name Ingla ist dabei eine Hommage an meine Oma Inge Laner“, erklärt Emily Laner die für den Einkauf und den Onlinestore verantwortlich ist. Nach dem zweiten Lockdown im Juni 2021 wurde Ingla als Conceptstore mit vielen neuen Marken und Warengruppen wiedereröffnet. Durch die vielen großen Schaufenster fällt viel Tageslicht in den Eckladen, der durch seine hohen und offenen Decken, Fließestrichböden und cleane Metallelemente einen zeitgemäßen Look erhalten hat. Werkstoffe wie Messing, Holz und Samt sorgen für den Wohlfühlfaktor. Absoluter Eyecather ist die Loungearea mit großer Mooswand und Designersesseln zum Entspannen. „Unser Konzept Ingla ist nah­bar, inspiriert und begeistert. Wir möchten nicht nur schöne Dinge verkaufen, sondern Menschen berühren und ihnen eine wunder­volle Welt der Inspiration


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Relaunch nach dem Lockdown: vom Schuhladen zum Conceptstore.

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EDITOR’S LETTER

Vom Ich und vom Wir Fußball ist ein von Regeln bestimmter Sport. Tatsächlich funktioniert er auch nur, weil es dieses klare Regelwerk gibt und weil ein Verstoß dagegen auch entsprechend sanktioniert wird. Nun ist unter anderem die Diskussion über die Sinnhaftigkeit oder Auslegung mancher Regeln Teil der Faszination, aber niemand der auch nur annähernd bei Sinnen ist würde sagen, dass diese Regeln für sie oder ihn nicht gelten, weil sie das individuelle Recht auf die Blutgrätsche oder die persönliche Freiheit im Abseits herumzustehen ungebührlich einschränken. Wer sich also nicht an die gültigen Regeln halten will, darf schlicht und ergreifend nicht mehr mitspielen. Das bedeutet übrigens nicht, dass jede Regel im Fußball die für alle Zeiten unumstößliche Wahrheit ist. Es bedeutet nur, dass sich eben nicht jeder seine eigenen Regeln schaffen kann, weil dadurch das Spiel zerstört würde. Nun ist eine freie, demokratische Gesellschaft, und in genau dieser dürfen wir leben, zugegeben deutlich komplexer als die (zweit-)schönste Nebensache der Welt. Aber eben diese Komplexität macht den Grundkonsens umso wichtiger, dass demokratisch bzw. gesetzlich legitimierte Regeln für alle zu gelten haben. Auch dann, wenn man sie vielleicht und zwar vielleicht sogar berechtigt für falsch hält. Es kann nur zwei Wege geben, Regeln, also Gesetze zu ändern. Nämlich über den Rechtsweg oder über die Gesetzgebung, und somit letztlich über demokratische Wahlen. Eine Gemeinschaft, in der jeder das ICH über das WIR stellt, und diesen Egoismus noch als moralische Überlegenheit verkaufen will, ist zum Scheitern verurteilt. Das gilt übrigens nicht nur für die ungebrochen notwendige Auseinandersetzung über den besten Weg, dieses verflixte Virus in den Griff zu bekommen, sondern für alle großen und kleinen Themen, die wir als Gesellschaft beständig verhandeln müssen. Entscheidend dafür ist, wirklich miteinander zu reden, anstatt übereinander bzw. sich wechselseitig nur apodiktische Meinungen zuzurufen. Wenn ich an dieser Stelle meine für Sie, liebe Leserinnen und Leser nicht neue Überzeugung teile, dass die Mode Orte der Begegnung braucht, also Messen, dann mag das wie eine sehr scharfe thematische Kurve erscheinen. Tatsächlich finde ich persönlichen Austausch aber gerade an-

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Geschäftsführung Stephan Huber

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gesichts der Zoomisierung unseres Alltags und einer immer intensiver phygitalen Realität wichtiger denn je. Unsere Branche befindet sich inmitten der größten Transformation seit dem Beginn von Ready-to-wear bzw. der industriellen Massenproduktion. Die enormen Chancen, die diese Transformation bietet, können wir am besten als Gemeinschaft nützen. Das ICH wird nicht unwichtig, wenn man das WIR im Fokus behält. Ganz im Gegenteil. Ich wünsche allen eine mutige und erfolgreiche Saison! Und ich freue mich darauf, möglichst viele von euch auch persönlich zu treffen. Beste Grüße Stephan Huber stephan@style-in-progress.com PS: Eine sehr persönliche Anmerkung sei mir noch erlaubt. Diese Ausgabe von style in progress ist außergewöhnlich, in Inhalt und Umfang. Das konnte nur gemeinsam gelingen. Ich will mich also bei meinem großartigen Team, allen nicht minder großartigen Partnern und last but not least bei euch, liebe Leserinnen und Leser, von Herzen bedanken. Ohne euch geht nämlich gar nichts. style in progress ist WIR!

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