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Z端rich

DA S MAGA ZIN

luxus

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B O R N TO B E A L E G E N D.

DER CONTINENTAL GTC . Der Continental GTC ist da. Modernität in bester Bentley Tradition. Beeindruckend sportlich. Geschaffen von Meisterhand. Klassisch mit Stoffverdeck. Offen für vier Reisende und deren Gepäck. Nie war Grand Touring intensiver. 411 kW (560 PS), Kraftstoffverbrauch innerorts 26,2 l/100 km, überland 11,9 l/100 km, kombiniert 17,1 l/100 km, CO2-Emission kombiniert 410 g/km (gemäss 1999/94/EG) BENTLEY ZÜRICH / SCHMOHL AG Stinson-Strasse 2, CH-8152 Glattbrugg/Zürich Tel.: +41 (0) 43 211 44 42, Fax: +41 (0) 43 211 44 53, www.bentley-zurich.ch Die Namen Bentley, Continental GTC und das ‘B’-Logo mit den Flügeln sind eingetragene Warenzeichen. © 2008. Bentley Motors Limited.


in h a l t

7 E D I TOR I A L die uhr tickt

8 T r e nds u nd k l assi k e r Dies und das

11 D e r P e r s ö n l i c h e Ti p p Im licht

12 na c h t l e b e n Unterwegs auf der Züri-Linie

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gas t r o n o mi e Baukunst und kulinarische Zaubereien

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k ult ur Ton für Ton zur perfekten harmonie

30 t r adi t i o n Schulterklopfen und Grappa

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d e sign FASZINATION MECHANISCHER UHRMACHEREI

42 l e b e n Wasser – unser kostbarstes Gut

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abenteuer JOE MASOALA und sein Regenwald

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b u sin e ss Was zählt, ist die Mikrolage

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u r b an e s z ü r i c h Vom vergessenen Areal zum neuen Quartier

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in h a l t

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lifest yle Im Universum des guten Geschmacks

72 g e n u ss Schwelgen in exquisiten Genüssen

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w e l l n e ss Wahres Glück liegt im Hier und jetzt

84 s p o r t Der et was andere My thos

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R e is e n Schönes Spiel an Spaniens Atlantikküste

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ausblick Wenn Feuer zu Stein wird

im p r e ss u m Herausgeber Urs Blöchliger Verlag Leo Verlag, Zügnisstrasse 34, 8143 Stallikon, 044 700 56 66 und 079 423 31 32, info@leoverlag.ch Druck NZZ Fretz AG Gestaltung StilEcht Visuelle Kommunikation Korrektorat Anton Rohr Auflage 30 000 Exemplare pro Ausgabe Erscheinungsweise Zwei Ausgaben pro Jahr – Juni und Dezember Vertrieb Partnernetzwerk, ausgesuchte Hotels, Restaurants und Lounges, Fachgeschäfte und exklusive Boutiquen, zahlreiche Arztpraxen sowie ausgewählte Standorte, wo das Magazin für den interessierten Leser aufliegt. Abonnenten Direktversand und kostenloser Versand an Opinion Leaders aus Wirtschaft, Sport und Politik Einzelverkaufspreis CHF 15.–/EUR 10.– Papier Planojet, weiss, Offset matt – Umschlag 240 g/m2 und Inhalt 120 g/m2 Medieninhaber und Eigentümer der Markenrechte Urs Blöchliger Titelbild Alberto Venzago

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Zeit kaufen, das wäre doch etwas… Wie wäre es, wenn wir für unsere Zeit Geld hinlegen müssten? Würden wir dann ihren Wert deutlicher erkennen und sorgsamer damit umgehen? Und wie würden wir diese Stunden, Tage, Wochen usw. kaufen? Lassen wir sie uns in Tüten einpacken, in Flaschen abfüllen, oder lassen wir uns grössere Einheiten auf Paletten nach Hause liefern? Warum und wofür wollen wir mehr Zeit? Wir finden ja nicht einmal Zeit, uns Zeit zu nehmen für die, welche wir haben! Auch wenn es vermutlich nicht die beste Zeit ist, in der wir leben – es ist unsere Zeit. Jeder von uns hat etwas davon. Mal bekommen wir ein bisschen Zeit geschenkt, dann geben wir etwas davon zurück, und ein anderes Mal kommt es uns vor, als würde uns Zeit gestohlen. Zeit ist Geld. Umgekehrt stimmt dieses Sprichwort jedoch überhaupt nicht. Zwar kann ich die Zeit eines anderen Menschen kaufen – wobei eine Stunde Anwalt mehr kostet als eine Stunde Putzfrau. Aber ich kann mit keinem Geld auf dieser Welt meine eigene Zeit vergrössern. Hab ich Sie verwirrt? Sind Sie noch bei mir, und können Sie meinen Gedanken folgen? Es ist ganz simpel: Wir können tun, was wir wollen, unsere Zeit ist begrenzt, und es gibt keinen Kniff, sie zu überlisten. Es nützt auch nichts, wenn wir uns beeilen, um Zeit zu gewinnen, denn im Grunde genommen vernichten wir sie dabei. Wir können uns jedoch wieder auf die Zeit konzentrieren, welche wir haben. Wir können sie anderen schenken und dafür glänzende Augen, Dankbarkeit und Wertschätzung zurückbekommen. Wir haben die Möglichkeit, innezuhalten, den Augenblick zu geniessen und dadurch einen wertvollen Moment zu gewinnen. Obschon unklar ist, über welches Zeitkontingent der Einzelne verfügt, liegt die qualitative Nutzung fast ausschliesslich in unseren eigenen Händen. Diese Erkenntnis ist keine Dreisatzrechnung, sondern erfordert lediglich etwas Wille und die Einsicht, das Richtige zu tun. Einen kleinen Schritt in die richtige Richtung haben Sie ja bereits gemacht. Sie halten dieses Magazin in Ihren Händen und schenken uns dadurch ein bisschen Ihrer Zeit – das macht uns glücklich und zufrieden. Wir wünschen Ihnen viel Spass und beste Unterhaltung. Herzlichst Ihr Urs Blöchliger

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Nur wenige Schritte vom Zürichsee und dem Bellevue-Platz entfernt, direkt neben der berühmten «Kronenhalle», ziehen zwei riesige Schaufenster die Blicke der Passanten an. Über kostbare Bronzestatuen hinweg fällt der Blick in zwei Räume von eindrucksvoller Eleganz. Der warme Glanz polierter Edelholztische, die samtenen Rundungen der Sessel und Sofas und das Funkeln von Chromstahlmöbeln korrespondieren vorzüglich mit den lederbezogenen Wänden und den schwarz-weiss abgesetzten Marmorböden. Hier in der Art-déco-Galerie Jungi findet der Kenner prachtvolle Einzelstücke, und der Laie kann sich von Rudolf Jungi bestens beraten klassen. Für Art-déco-Freaks und Jugendstil-Liebhaber ist diese Adresse ein solider Wert. www.jungi.com

Muni Silvio wartet auf den Sieger der 15. Kilchberger Schwinget. Seit rund siebzig Jahren besteht der Landwirtschaftsbetrieb «Uf-Stocken» auf dem Gebiet der Gemeinde Kilchberg. Auf diesem weitläufigen und einmalig gelegenen Areal findet jeweils das wohl beliebteste Schwingfest der Schweiz statt. Zu diesem einzigartigen Anlass werden nur die besten 60 Schwinger eingeladen. Am 7. September ist es wieder so weit, und die «Bösen« stehen sich im Sägemehl gegenüber. Mit urchiger Kraft, Technik und Schwung werden sie versuchen, ihren Gegner aufs Kreuz zu legen. Brienzer, Buur, Hüfter, Kurz und Übersprung heissen die fünf Hauptschwünge, die sie dazu einsetzen werden. Wir wünschen den «Bösen» viel Erfolg und dem Publikum beste Unterhaltung. www.kilchbergerschwinget.ch

Luxus für den Fuss. Schuhe von Heinrich Dinkelacker sind etwas ganz Besonderes und der Inbegriff hoher Schuhmacherkunst. Was bei den meisten hochwertigen Schuhmanufakturen maschinell erfolgt, wird bei Dinkelacker in reiner Handarbeit ausgeführt. In rund 300 Arbeitsgängen entsteht ein einzigartiges Meisterwerk mit bester Formtreue und extrem langer Lebensdauer. Rund 700 Franken mögen auf den ersten Blick eine rechte Summe sein, doch beim genauen Hinsehen wird klar, dass man hierfür ein wahrhaft aussergewöhnliches Produkt bekommt. Alex Wick hat es wieder einmal geschafft! Neben Loake und Cheaney hat er einen weiteren Topartikel nach Zürich geholt. Der Dinkelacker-Shop an der Fortunagasse 38 in Zürich ist der erste in ganz Europa. www.wickshoes.ch


T r e nds U N D K l assi k e r

Alapilio, das neue Musical von Erfolgsautor Harry Schärer, startet am 28. November in der City-Halle in Winterthur. Dieser Ort hat sich in den vergangenen zehn Jahren zur Talentschmiede entwickelt und ist für das Publikum zu einer Art Traumfabrik geworden. Im neuen Bühnenwerk geht es um Illusion, Herzschmerz und Liebe. Und wie bei Harry Schärer nicht anders zu erwarten, vermischt er seine Ideen mit einigen Weisheiten und philosophischen Ansätzen. Die fantasievolle Geschichte spielt in einem Stadtquartier unter einer Eisenbahnbrücke. Sie handelt von fröhlichen Menschen, die unter zwei Himmeln leben, einem Schatz und von Schmetterlingen. Freuen Sie sich auf eine spannende Geschichte mit viel Witz, Tanz und Action. www.alapilio.ch

Glückliche tragen keine Hemden, heisst es. Dennoch bringt Fratelli eine neue Qualität von Masshemden auf den Markt. Eine italienische Marke, die höchsten Ansprüchen genügt! Gedacht für jene, die von Berufs wegen Hemden tragen müssen, und für all jene, die gerne schöne Hemden tragen wollen. Eine persönliche Beratung ist bei Fratelli Konzept. Sich im Büro oder zu Hause beraten zu lassen, gehört dabei zum exklusiven Service. Hier hat der Kunde Zeit, wunder­bare Stoffe auszusuchen, die zu ihm passen und die seiner Persönlich­keit Rechnung tragen. Bei Fratelli setzt man bewusst auf die Erfahrung und das Knowhow italienischer Handwerkskunst. Hier stimmt einfach alles: vom Saum bis hin zum Knopfloch – auch das ist Konzept! www.fratelli-sartoria.com

Yoga ist eine indische Lehre und umfasst geistige wie körperliche Übungen zur Verbesserung der Lebensqualität. In den angenehm hellen Räumlichkeiten von Planet Yoga auf dem Hürlimann-Areal kann sich der Interessierte in die Philosophie dieser 5000 Jahre alten Tradition einführen lassen. Ein geschultes und motiviertes Team unter der Führung von Christina Waltner zeigt, wie Frau/Mann Yoga anwendet und welche Resultate dabei erzielt werden können. Während sieben Tagen in der Woche hat der Kunde die Möglichkeit, sich in den verschiedensten Stilrichtungen verwöhnen zu lassen und dabei neue Kräfte zu schöpfen. Was gibt es Schöneres, als den tristen Alltag hinter sich zu lassen und sich Zeit für sich selber zu nehmen? www.planetyoga.ch


D ER PER S Ö N L I CHE T I PP

Im Licht Licht meines Lebens, Feuer meines Magens. So wollte ich schon immer einmal anfangen. Es ist der erste Satz aus «Lolita» von Vladimir Nabokov. Nur steht dort nicht «Magen», sondern «Lenden». Das ist natürlich besser. Das «Lumière» ist vielleicht nicht das Licht meines Lebens, aber eines meiner liebsten Restaurants. Und mit «Feuer meines Magens» meine ich nicht, dass einem nach dem Essen der Magen brennt, sondern dass ich brenne, dort zu essen. Und zwar Entrecôte double von Rindern der Farm in Argentinien mit Namen Ojo de Agua, Wasserauge, die Dieter «Yello» Meier gehört. Das ist gut. So gut wie «Lolita», im übertragenen Sinn. Mehr schreibe ich nicht. Was kann man als Kolumnist und Mann noch sagen über Fleisch, wenn man zuvor eine Zeile Nabokov gebracht hat? Lieber ein paar Worte zum Lokal. Ich finde es süss. Süss ist im Grund ein blödes Wort. Aber das trifft es. Das «Lumière» sieht aus, wie man sich wünscht, dass ein Restaurant in Paris aussieht, in das man mit der neuen Freundin geht. Leider findet man in Paris ein solches Restaurant nicht. Die Chefin heisst Frau Lacher. Ich weiss nicht, wie sie es macht, dass sie immer vor Ort ist, obwohl sie zwei Betriebe führt (das «Kindli» auch noch), aber sie kann das. Das ist praktisch. Denn wenn man etwas will, zum Beispiel einen bestimmten Tisch, muss man es ihr sagen. Sonst wird möglicherweise nichts draus. Man fragt sich jetzt vielleicht, was es mit diesem Tisch auf sich hat und welcher es ist. Zuerst aber etwas zum Wein: Es gibt neben Flaschen aus Argentinien auch ein paar schöne Bordeaux. Die sind zwar teuer, aber das ist eben so – gute Dinge haben ihren Preis. (Gratis ist nur das Beste im Leben.) Jetzt zum Tisch. Es ist eigentlich mein Tisch. Doch ich habe gelesen – bei Eric-Emmanuel Schmitt, den ich im Grund nicht mag, ausser diesen Satz –, dass man nur für sich haben kann, was man teilt, also teile ich. Es ist der Tisch, an dem man zu zweit nebeneinandersitzen kann, auf der Fensterbank mit Kissen aus Monique Meiers «en Soie»-Laden. Je nachdem, wer neben einem sitzt, brennt nach dem Essen im Licht auch noch das Feuer der Lenden. Ihr Mark van Huisseling.

Restaurant Lumière, Widdergasse 5, 8001 Zürich, Telefon 044 211 56 65


THE M A

Unterwegs auf der

Zu ri-Linie e

Den Puls einer Stadt misst man am besten an ihren Hauptschlagadern. In Zürich sind es der HB, das Bellevue, der Escher-Wyss-Platz, der Paradeplatz und der Stauffacher – Orte, wo sich die Lebensadern von Zürich kreuzen, sammeln und verteilen.

Tex t Jürg Zentner | Fotos Alberto Venzago

Im Morgental impfe ich mich in die Zürcher Lebensader ein und lasse mich treiben, getreu dem VBZ-Slogan: «Wo wir fahren, lebt Zürich.» In Wollishofen oder, wie es die Dächlikappen-Generation nennt, Wollyhood lebt sichs gut. Manche finden, sogar besser als auf der anderen Seeseite, dem Seefeld, wo die Mieten hoch sind und die Abendsonne ständig in die Wohnung scheint, sodass die Läden dauernd unten bleiben müssen. Das Seefeld ist im Kreis acht. Dorthin nimmt man den Zweier oder den Vierer.

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na c h t l e b e n

Das Leben in Zürich ist eine Zahl. Die erste ist der Kreis, wo man wohnt, die zweite die Tramnummer, die den Weg erklärt. Das muss man wissen, wenn man neu hier ist. Und natürlich auch, dass es kein Einer- und Zwölfertram gibt. Warum? Die Linie eins wurde zur Bussstrecke und die Linie zwölf in den Vierer integriert. Die Zürcher lieben ihr Tram. Denn aufgewachsen mit dem treuen blau-weissen Freund, der einen frühmorgens zur Arbeit bringt und am Abend nach Hause oder zu Freunden – dem vertraut man. Das Tram ist für die meisten Zürcher das Beständigste in ihrem Leben und bietet darum tröstende Sicherheit. So darf sich ein Zuge­ zogener erst Stadtzürcher nennen, wenn er den Tramfahrplan intus hat, weiss, dass der Elfer bis zum Fernsehstudio rausfährt, der Dreizehner zur SVP-Burg Albisgütli und der Vierer ins NackedeiParadiesli, das Werdinseli, und der Sechser rauf zur Fifa. Am Tessinerplatz steige ich um. In den Fünfer, Richtung Kirche Fluntern. Nicht mehr ganz frisch riechende Kantischüler steigen ein: Die Pubertät, die zu dicke Skater-Kleidung und das Fastfood vermischen sich mit dem Duft gemahlenen Kaffees, den eine alte


Frau wohl in der Migros Enge gekauft hat. Bei der Rentenanstalt steigen die Kids aus. Ihrem Proviant nach zu urteilen – Schaumguetzli, Eistee, Cherrytomaten, iPod und Zigarettenpapierchen –, gehen sie wohl auf die Rentenanstalt-Wiese und lassen ihr täglich Wissen in Schall und Rauch aufgehen. Der Bürkliplatz ist ein magischer Ort, besonders vom Balkon der Suite im ersten Stock des «Baur au Lac» aus, wo einst Kaiserin Sissi nächtigte. Ich steig auf die Linie zwei. Da fahren meistens diese schönen alten Trams, an denen Plaketten hängen, wann sie total revidiert wurden: 1963, 1978, 2005. Beeindruckend, dass dieses Ding bereits Millionen von Menschen transportiert hat, bevor ich überhaupt auf der Welt war. Und auch viel länger als die beiden Deutschen vor mir. Sagt der eine zum anderen: «Zürich ist zu schön für eine U-Bahn» – «Jawohl, aber es dauert fast so lange wie eine Fahrt von Berlin nach Potsdam für eine Strecke, die so lang ist wie diejenige durch den Tiergarten» – «Vielleicht ist es deshalb nicht so hektisch hier.» Am Paradeplatz steigen die beiden Deutschen aus. Und die viel zitierten Bettler und Bankdirektoren ein. Am Abend, wenn beide nach Alkohol riechen, merkt man oft keinen Unterschied. Es ist kurz nach 20 Uhr, diese Magic Hour, wo die Heimkehrenden den Ausgehenden begegnen. Ein zweites Mal wird dies erst wieder in den ersten Morgenstunden sein, eine weit herbere Erfahrung für beide Parteien. Nächster Halt, der Stauffacher, eine meiner liebsten Haltestellen, weil dort das Postkarten-Zürich aufhört und das echte Zürich anfängt. Es ist nicht mehr das mondäne Zürich, wie das Bellevue, wo der Quadratmeter so viel kostet wie ein Haus in der Dritten Welt. Apropos: In der «Kronenhalle» ass ich mal zufällig neben Marcel Ospel und am selben Platz, wo George W. Bush senior diniert haben soll, wie mir erzählt wurde. Dann doch lieber eine Bratwurst am «Vorderen Sternen» mit Bürli, für mich als Exil-St.-Galler die einzige Möglichkeit, in Zürich eine Bratwurst zu essen.

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Am Stauffacher warten nicht nur Alkis mit Schimpftiraden, sondern auch der Vierzehner, der ins Triemli fährt, zum tristen Spitalhochhaus, wo die Hoffnung nicht zuletzt stirbt. Der Dreier fährt nach Albisrieden, entlang der Badenerstrasse, an der Langstrasse vorbei, dem Boulevard of Broken Dreams. Ich steige in den Dreier. Bei der Kalkbreite tauschen Tramchauffeure oft ihren Platz. Aber immer tun sie das mit einem breiten Grinsen, manchmal lachen sie sogar Tränen. Nächster Halt: Lochergut, beim irgendwie schönsten Hochhaus in Zürich, das regelrecht mit Zubringerstrassen beschossen wird. Wie eine Asbest-Trutzburg wartet es auf bessere Zeiten. In zwei Jahren, wenn die Südumfahrung steht, wird es so weit sein. Dann ist es vorbei mit tiefen Mieten, kleinen Läden und mit Kneipen mit nikotingefärbten Vorhängen, die dafür aber Schnitzel so gross wie ein Teller anbieten. Die Badenerstrasse ist die Vollgasstrecke für den Tramchauffeur – da gibt er Gutzi und geht dann vor dem Albisriederplatz voll in die Eisen. Der Albisriederplatz: Für ungeübte Mobility-Automobilisten sieht so der Weg in die Hölle aus: Kreisel, Rechtsvortritt, doppelspurig, Kreuzung, Schwerverkehr von rechts, mal mit, mal ohne Vortritt, Fussgänger, Bus, Tram und nirgendwo ein Lichtsignal. Beim Krematorium Sihlfeld ruft einer: Alle aussteigen. Toller Witz. Aber er hat recht. Was will man schon am Hubertus? Also zurück, an den HB, die erste Destination für Zürich-Ankömmlinge. Gegen Abend sind es vermehrt Jugendliche, die nicht mehr ins Niederdorf gehen, sondern mit dem Dreizehner ins hippe Züri West fahren, der Kultur- und Ausgehmeile. Für die meisten endet die Kulturmeile beim Kebab-Stand. Vom Escher-Wyss-Platz fahre ich nach Höngg. Das Tram leert sich von Haltestelle zu Haltestelle, und das rhytmische Schütteln wiegt einen in jene müde Trance, in die viele Passagiere fallen. Und manchmal dabei einschlafen – wie ich – und erst beim Depot in der Kalkbreite wieder aufwachen. Das letzte Tram ist weg, und ich muss nach Hause laufen. Weitere Informationen unter www.vbz.ch

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gas t r o n o mi e

Baukunst und kulinarische

Zaubereien Top-Adresse für Geniesser ist das «Greulich» in Zürich-Aussersihl. Auf ihre Kosten kommen hier Liebhaber erstklassiger Architektur und Gourmets, für die es nicht immer Kaviar sein muss, sondern auch einmal Schweinsfuss sein darf.

Tex t ESTHER SCHEIDEGGER ZBINDEN | Fotos ALESSANDR A LEIMER

Gewiss, der Kreis 4 ist auch ein Wohnquartier. Aber ein Design-Hotel in einer abgewirtschafteten No-where-Gegend beim Bahngraben, in einer weiträumigen Asphaltlandschaft? Hat das Zukunft, kann das gut gehen? Der Erste, der mich überzeugte, war der Schweizer und Wahlberliner Schriftsteller Thomas Hürlimann. Ihn traf ich im «Greulich», wo Egon Ammann, der charismatischste Verleger der Schweiz, seinen Starautor untergebracht hatte, obwohl sich der Ammann-Verlag im traditionell standesgemässeren Hottingen befindet, wo es auch Hotels gibt. Wir trafen uns in der Bar. Man kommt, sieht und kapiert: Genau so muss es sein. Das «Greulich» ist eine Oase mit Ausstrahlung. «Hier wird Stadt repariert», wie es ein gescheiter Zeitgenosse ausdrückt. Dass ein selber erfolgreicher Architekt Zunftgenossen – und ihren Auftraggeber – neidlos rühmt, lässt aufhorchen. Doch fangen wir am Anfang an. Zürich ehrte seinen Arbeiterführer und Sozialreformer Hermann Greulich (1842–1925) damals speditiv: Schon fünf Jahre nach seinem Tod, 1930, wurde eine Strasse nach ihm benannt, im Chreis Cheib (= Proletarierviertel) oder «Glasscherbenviertel», wie das ehemals klassische Arbeiterquartier Aussersihl damals noch genannt wurde. 70 Jahre später ist der inzwischen ziemlich vergessene Sozialdemokrat der profane «Hausheilige» von Zürichs derzeit einmaligem und exklusivstem DesignHotel geworden. Seine Büste steht in der Rezeption, und auch mit einem neu gegossenen Bronzerelief wird ihm Reverenz erwiesen. Initiator, Bauherr mit Visionen und Eigentümer des Hotel-Restaurant-Bar-Gesamtkunstwerks ist der Zürcher Anwalt Thomas B. Brunner. Er kaufte, als Konkursobjekt, zwei Flügel der Mietshausblöcke aus den 1930er-Jahren samt der ehemaligen Werkhalle im teilweise begrünten Hinterhof. Ursprünglich wollte er in dieser bisher keineswegs noblen, eher verlotterten Gegend nur ein Luxusrestaurant eröffnen, einen Ort für urbane Geniesser, ganz nach seinem eigenen Gusto.

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Viele werden gedacht oder auch laut gesagt haben, das sei eine verrückte Idee. Aber Brunner liess sich nicht bremsen, das vom Zürcher Architektenteam Romero & Schaefle hinreissend realisierte Resultat gibt ihm recht. Er hatte, zusätzlich zum Restaurant, allenfalls vage noch ein paar Zimmer geplant, für Gäste, die nach einem schönen langen Abend nicht mehr heimfahren wollten. Noch während der Rohbauphase ergab sich dann mit dem Kauf des zweiten Gebäudeflügels an der Stauffacherstrasse der architektonische Spielraum für die Doppelzeile mit puristischen Hotelzimmern. Für den Innenhof des Ensembles engagierte Brunner den Gartenarchitekten Günther Vogt, der einen «modernen Klostergarten» schaffen sollte (die Anrufung eines «Hausheiligen» war also nicht abwegig!). Vogt pflanzte einen japanisch inspirierten Birkenhain mit 160 Expo-Bäumen – der Gast kann sich aber auch wie in einer Tschechow-Inszenierung fühlen, auf- und abgehoben und rundum wohl. Im Sommer sind die Gäste im lauschigen Innenhof mit Wasserbecken zum Verweilen eingeladen. Das elegante Restaurant mit der streng reduzierten Einrichtung, einem wunderschönen Eichenparkett und 50 Gedecken ist das Herz des «Greulich». Eine Hauptrolle spielt neben der souveränen General Managerin Luzia Penner, die 14 Jahre lang das renommierte «Schloss Rapperswil» dirigierte, ihr Küchenchef David Martinez Salvany, 36. Der gebürtige Katalane, der in den Neunzigerjahren im «Wiesenthal» in Rüti-Winkel ZH und im «Rössli» in Rapperswil SG gearbeitet hat, pflegt die ursprünglich frugale Küche seiner Heimat konsequent, kreativ und sehr persönlich. Der «Gault Millau» vergab dafür 2006 16 Punkte – im gleichen Jahr wurde das «Greulich» mit seiner schwungvollen Fassade auch von der Stadt Zürich mit der Auszeichnung für gute Bauten 2000–2005 prämiert. Im Sommer kann man vor dem Haus im Strassencafé mediterran seinen Espresso oder einen Apéro trinken. Das gibts in Zürich anderswo zwar auch, hat aber gerade für Zürcherinnen und Zürcher einen speziellen, kribbelig grossstädtischen Reiz. Doch zurück in die «Greulich»-Küche. Martinez, dessen Bibel das «Libre de Coch» des Maestre Rupert ist, das älteste katalanische (und auch spanische) Kochbuch überhaupt, kocht mit Kopf und Bauch, mit erstklassigen Lebensmitteln und mit einer jungen Crew (sechs

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Köche, ein weiblicher Lehrling und eine Praktikantin). «Meine Konzepte entstehen im Gaumen», sagt er. Sie sind Zauberei, aber kalkuliert. Was hält er von Molekularkoch Ferran Adria, seinem berühmt-berüchtigten Landsmann? Er sei ein Beispiel dafür, was in Spanien nach der Franco-Zeit passierte: «Es gab eine Explosion in alle Richtungen. Ob in der Kultur, in der Mode, der Politik und eben in der Gastronomie – wir hatten plötzlich die Freiheit, alles zu denken und es zu entwickeln!» Martinez denkt «Stockfisch» und überlegt, was dazu passt, was ergänzend dazugehört: Blutwurst und Hülsenfrüchte, suggeriert ihm sein kulinarisches Überich. Blutwurst begleitet auch den geschmorten und gefüllten Perlhuhnschenkel mit Trüffel-Kartoffeln auf Salbeiwirz. Den Ochsenschwanz kombiniert er mit Entenleber, weissem Bohnenpüree mit Navetten (weis­ ­sen Rübchen) und Rosinen, das Rindsfilet – doch, gibt es auch – mit sautiertem Tintenfisch und Majoran-Kartoffeln. Das Duo von Bärenkrebs und Crevette auf Stampfkartoffeln wird mit Schwarzwurzeln und Catalogna serviert. Auch «Bomba-Reis» (sensationell!) mit Gemüse und pochiertem Ei kann ein Hauptgang sein. Das Millefeuille von grillierten Zucchetti mit Ziegenkäse und Peperoni vorab schmeckt köstlich, auch ohne Lardo di Colonnato.


Selbst bei den Desserts wagt Martinez scheinbar «unmögliche» Kombinationen, süsse Tapas-Variationen statt Crema catalana, ein warmes Schokoladenküchlein mit Kaffeesorbet und marinierten Pflaumen oder Rüeblikuchen mit Kokosschaum und karamellisierten Nüssen… Die Speisekarte wird alle paar Wochen modifiziert. Mittags gibt es wechselnde Menüs, sonntags ist das Restaurant geschlossen. Ein Gericht muss ausgewogen sein, ausbalanciert – wie alles im Leben», fügt Martinez hinzu in seinem sympathischen Deutsch, «sonst haben wir ein Problem!» Doch, natürlich kocht er auch Paella, für Gesellschaften, und er mag privat auch Sangria, aber sein «Greulich»-Konzept ist das nicht. Kochen gelernt hat er bei seiner Grossmutter, die eine wunderbare Köchin war und mit einem Kaninchen oder einem Schweinsfuss köstliche Gerichte kreierte. «Ich suche beim Kochen den Geschmack meiner Kindheit!», sagt Martinez ganz unsentimental. Er fährt regelmässig studienhalber nach Spanien zu Spitzenköchen, häufig zusammen mit seinem Chef. Aber wenn er bei sich zu Hause Gast ist, in Terrassa bei Barcelona, dann kocht die Mama: «Das ist für mich jedes Mal ein Festival.» Weitere Informationen unter www.greulich.ch

«Greulich», das ist Fünfsterne-Kulinarik. Aber auch Kultur – inklusive 3-Gang-Menü. Seit 2005 finden in der «Saletta» regelmässig Kulturgespräche mit prominenten Persönlichkeiten und Kulturschaffenden statt, unter dem Motto «Zu Gast beim Gast» – hierfür ist rechtzeitige Anmeldung ratsam.


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CASA DEL VINO


Kult ur

Ton Ton

für zur perfekten harmonie Der Fazioli-Konzertflügel gehört zu den grössten Klavieren seiner Gattung. Und die Kanadierin Angela Hewitt gilt als eine der weltbesten Bach-Interpretinnen der Gegenwart. Wir begleiteten beide vor ihrem Auftritt in der Zürcher Tonhalle.

Tex t René Donzé | Fotos nik hunger

Da steht er nun mit dem Rücken zur Wand, die eine Seite gerade, die andere wohl geschwungen. Die Beine liegen neben ihm. Sein edler Lack kontrastiert mit dem matten, beigen Muster im Tonhallen-Gang. Auch in dieser ungewohnten Position ist der 278 Zentimeter lange Fazioli-Flügel eine imposante Erscheinung. Dass er hier wartet, statt wie üblich im Vorführraum des Musikhauses Jecklin zu glänzen, liegt an der Vorliebe der kanadischen Starpianistin Angela Hewitt für die italienische Flügelmarke Fazioli. «It has great power and is still a soft piano«, wird die Kanadierin später über den F278 sagen, den ihr Jecklin für den Zürcher Auftritt zur Verfügung stellt. Kraftvoll und dennoch weich muss das Instrument sein, auf dem die 50-Jährige zwei Stunden lang Johann Sebastian Bachs Werke spielen wird. Noch aber wartet der Flügel auf seinen Auftritt. Und Pascal Monti wartet mit ihm. Der Konzerttechniker aus dem Hause Jecklin ist dafür verantwortlich, dass das Instrument pünktlich konzertbereit ist. Doch im kleinen Tonhalle-Saal üben noch Kinder. Musik und Lachen tönen durch die geschlossene Tür. Es ist 15.30 Uhr. In vier Stunden beginnt das Konzert. Das Stimmen allein braucht in der Regel knapp zwei Stunden, und dann sollte die Interpretin auch noch Zeit zum Üben haben. Eine halbe Stunde später verlassen die Kinder lärmend den Saal, kräftige Männer hieven das 590 Kilogramm schwere Instrument auf die Bühne und helfen ihm auf seine eleganten Beine. Weiss blitzen die Tasten, schwarz kontrastieren die andern. «Ebony and ivory live together in perfect harmony», haben einst der Ex-Beatle Paul McCartney und Stevie Wonder gesungen – als Ode an die harmonische Eintracht von Schwarz und Weiss auf der Klaviatur. Ebenholz wird noch heute verwendet, das umstrittene Elfenbein hingegen wurde durch den Mineralwerkstoff Tharan ersetzt.

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Majestätisch erhebt das Instrument seinen spiegelglatten Deckel über den geschwungenen Kasten. Es scheint, es schwebe über der Bühne. Rund 240 Saiten spiegeln sich auf der schwarz schimmernden Fläche. Eine jede hat eine Spannung von 90 Kilogramm. «Rund zwanzig Tonnen Zug muss der gusseiserne Rahmen im Flügel aushalten können», rechnet Monti lächelnd vor, während er sich im Bauch des Instrumentes zu schaffen macht. Mit rotem Filzband dämpft er Saiten ab, um andere besser zu hören. Der gelernte Klavierbauer und studierte Klavierlehrer hantiert flink und scheinbar mühelos mit seinem Werkzeug. Die Stimmgabel gibt ihm die Höhe des Stimmtones a’ vor, mit dem Stimmhammer dreht er an den Wirbeln, um welche sich die Saiten schlingen. Monti spielt Intervalle, stellt fest, ob sie stimmen oder nicht, und bessert nach, wo nötig. «Stimmen ist ein Schwebungsvergleich», versucht er zu erklären. Während die einen Intervalle zusammenpassen, entwickeln andere so genannte Schwebungen – hörbare Verschiebungen der Schwingungen. Konzentration und Geduld sind gefragt und ein Gehör, das die feinsten Schwankungen erkennt. Ton anschlagen, hören, Stimmhammer drehen, Ton anschlagen, hören, nochmals drehen und so weiter. Dutzende Male. Hunderte Male. Jeder Wirbel muss perfekt positioniert werden. Alle Saiten müssen fest sitzen, damit sie nicht während des Konzertes weg­ rutschen und verstimmen. Die Künstlerin taucht auf, haucht entschuldigende Worte und verschwindet im Solistinnenzimmer, um sich schön zu machen. Schliesslich ist auch ein Fotograf da. Monti stimmt weiter. Angela Hewitt wird das «Wohltemperierte Klavier» von Bach spielen, mit je einem Präludium und einer Fuge pro Tonart. «Temperiert heisst, die Stimmung tönt in allen Lagen richtig», erklärt Monti. In der Zeit vor Bach wurde noch absolut gestimmt: Die Tonintervalle waren zwar rein, dafür konnte nur in bestimmten Tonarten gespielt werden. In der heute gängigen temperierten Stimmung indes werden kleine Kompromisse gemacht, sodass das Instrument in allen Tonarten wohl klingt. Gut geschminkt erscheint Angela Hewitt in glitzernd blauem, eng anliegendem Kleid und in silbernen Stöckelschuhen, setzt sich nach kurzem Wortwechsel mit dem Klaviertechniker an den Flügel und beginnt zu spielen. Es ist schon bald 18 Uhr. Sie scheint glücklich mit dem Instrument, spielt da einen Teil einer Fuge, dort den Anfang eines Präludiums, merkt sich kleinere


Unstimmigkeiten und registriert, welche Tasten noch zu stark oder zu schwach anschlagen. Dort wird Monti anschliessend mit Schleifpapier nachbessern müssen, damit die 88 Hämmerchen allesamt gleichmässig auf die Saiten auftreffen. Und mit der Intoniernadel wird er Einfluss auf die Klangfarbe der Töne nehmen, indem er in den Filz auf dem Hämmerchen sticht und so dessen Spannung verändert. Je nachdem werden Töne härter oder weicher. Auch das könnte Stunden in Anspruch nehmen, abhängig davon, wie gut das Instrument gewartet ist und wie pedantisch der Künstler oder die Künstlerin ist. Da jedoch Jecklin den Fazioli dauernd in konzertreifem Zustand hält, hat Angela Hewitt kaum etwas zu beanstanden. Die Feinkorrekturen lassen sich in einer halben Stunde erledigen. Zum Glück. Es ist schon 18.30 Uhr. In einer halben Stunde wird der Saal geöffnet. Wenn immer möglich, spiele sie auf einem Fazioli-Flügel, erklärt Angela Hewitt. Es sei das schönste Piano überhaupt, verfüge über einen klaren und farbigen Ton, selbst wenn sie die Tasten nur ganz fein anschlage. Darüber hinaus arbeite der italienische Klavierbauer nur mit Musikhäusern zusammen, die höchste Servicequalität bieten.


Die Frau kann es sich leisten, gehört sie doch zu den begehrtesten Pianistinnen der Gegenwart und gilt als eine der besten Bach-Interpretinnen überhaupt. Ihre Bach World Tour bringt sie innert 14 Monaten in 25 Länder, wo sie 110 Konzerte gibt. Da muss alles organisiert sein. Ihre Ansprüche werden erfüllt. Früher war das noch anders. Da konnte es vorkommen, dass sie ein verstimmtes Klavier vor sich hatte oder dass Saiten während des Konzerts rissen. In Lille, Frankreich, stand die Pianistin gar auf einer leeren Bühne. Notfallmässig wurde ein Klavier organisiert, der Plastikstuhl davor war indes so niedrig, dass die Pianistin mit Telefonbüchern in die richtige Position gebracht werden musste, wie sie lachend erzählt. Im Tonhallesaal stimmt alles: der Flügel, der Stuhl, das Beistelltischchen mit drei gefüllten Mineralwassergläsern, das Licht – und das fachkundige Publikum, das an diesem Dienstagabend gekommen ist, um die Bach-Meisterin zu hören. Unter Applaus setzt sie sich an den Flügel. Es wird still. Ein Handy piepst. Doch dann legt sie los: Furios in den schnellen Passagen, sanft in den leisen Tönen, mit Emotionen und Energie bringt sie Bachs Werk zum Leben, lässt ihre Finger über die Klaviatur gleiten und jeden Ton zur Geltung kommen. Sie hat die Augen mal offen, dann wieder geschlossen. Vor sich kein Blatt Papier, keine Noten, nur den offenen Flügel mit seinen 240 Saiten. Er brilliert mit seinem klaren, farbigen Klangbild – sie bringt seine ganze Schönheit zur Geltung. Zusammen heben sie ab. Das Publikum geht mit und geniesst. Nur einer kann sich nicht ganz hingeben: Pascal Monti hört genau hin – gespannt, ob jede Saite bis zum Schluss die Stimmung hält. Erst am Ende des Konzertes kann auch er sich zurücklehnen. Alles perfekt. Und für den Abtransport des Flügels sind andere verantwortlich. Weitere Informationen unter www.jecklin.ch


t r adi t i o n

Schulterklopfen und

Grappa

Die Geschichte über die Weinhandlung Vergani ist eine über Wein, aber auch eine über die Familie und somit eine über Mann und Frau. Und das ist keine einfache Geschichte.

Tex t Thomas Meyer | Fotos Familie Vergani

Der elegant gekleidete Mann hat die Hände verschränkt und lehnt lässig am Auto mit dem riesigen Kühlergrill und den winzigen Scheibenwischern. Es ist ein Citroën Light 15, und das Bild ist um 1950 herum entstanden. Es zeigt den Weinhändler Carlo Vergani als jungen Mann, und die Art, wie er gekleidet ist, an diesem Auto lehnt und prüfend in die Kamera schaut, berichtet von einem ehrgeizigen, aufrichtigen und charaktervollen Menschen. Auf einem anderen Bild sehen wir Carlo Vergani, wie er eine hübsche junge Frau um die Taille fasst. Die beiden stehen an einem Strand, im Wasser liegen viele Boote. Die junge Frau heisst Marisa Vergani. Sie hat einen Fuss vorgesetzt, wie ein Mannequin, und wirkt sehr glücklich. Auch Carlo Vergani sieht sehr glücklich aus, und obwohl er 14 Jahre älter ist als seine Frau, wirkt er jünger als sie, er lächelt wie ein kleiner Junge und schaut zur Seite. Auch dieses Bild ist etwa

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von 1950. Und wenn man die beiden Bilder umdreht, liest man «Agenda 2008» und davon, dass es Weinseminare gibt und Degusta­ tionen in der Weinhandlung Vini Vergani an der Zentralstrasse in Wiedikon. Reto Vergani und seine Schwester Nadja führen diese Wein­ handlung. Sie haben sie von ihren Eltern Carlo und Marisa übernommen, die sie von Giovanni Vergani übernommen haben und dieser wiederum von seinem Vater Carlo. Wenn man die Geschichte von der Weinhandlung Vini Vergani erzählt, erzählt man nur am Rande von den Vini. Viel spannender ist die Geschichte von der Familie Vergani, die Geschichte zwischen Mann und Frau, diese alte, alte Geschichte, die beide anfangen, um glücklich zu werden, und es dann nicht immer sind. Es ist die Geschichte von Männern, die wie Präsidenten aussehen, wenn sie sich an ein Auto lehnen, und wie Buben, wenn sie neben ihren Frauen stehen. Es ist die Geschichte von diesen Frauen, die immer alles gleichzeitig sein müssen; Frau und Mutter und Gattin und Haushälterin, sie müssen arbeiten, putzen, kochen und trösten und ärgern sich jeden Tag darüber, dass sie nur zwei Hände haben, sie brauchten mindestens acht davon; während die Männer entspannt an ihr Auto lehnen und gut aussehen und in keinem Moment ihres Lebens mehr als zwei Hände benötigen: Man kann damit ein Auto lenken, ein Geschäft abschliessen, einen Wein aufmachen, eine Frau lieben, immer eines nach dem anderen, immer mit der Ruhe.

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Die Geschichte beginnt im Jahre 1885, in Cisano, einem Dorf in der Nähe der lombardischen Stadt Bergamo. Es war keine einfache Zeit für einfache Leute: Der Staat verlangte hohe Steuern, und die Industrie verdrängte mit ihren billigen Produkten das traditionelle Handwerk. Die Kleinbauern und Tagelöhner Norditaliens verarmten deshalb zusehends, und so schloss sich der junge und arbeitslose Carlo Vergani seinen vielen tausend Landsleuten an, die in die Schweiz aufbrachen, um dort als Saisonniers zu arbeiten. Ihm gefiel es hier, und zwar so gut, dass er gleich ein Haus baute, das Haus an der Zentralstrasse 141. Dort kam 1892 sein Sohn Giovanni zur Welt, und dort eröffnete er im selben Jahr eine «Colonialwaren-Handlung» mit Spezialitäten aus der alten Heimat. Bald kam ihm die Idee, dass es dort exquisiten Wein gibt, den man hier verkaufen könnte. Er wandte sich an den Bürgermeister von Cisano, und bald fanden die ersten damigiane, riesige, bauchige Fünfzig-Liter-Flaschen im Strohmantel, ihren Weg aus der Lombardei an die Zentralstrasse. Giovanni Vergani übernahm das florierende Unternehmen und eröffnete wegen des grossen Erfolges mit dem Wein eine offizielle Importfirma mit eigener Kellerei. 1950 übergab er die Geschäfte an seinen 1923 geborenen Sohn Carlo, der mit seinem freundlichen und anständigen Auftreten schon früh die Herzen aller gewann, auch jene seiner Geschäftspartner, und so wurde Vini Vergani unter seiner korrekten, feinen und fordernden Hand zu einer der grössten Weinhandlungen der Schweiz. Erstaunlich an dieser Geschichte ist, dass diese erfolgreichen Männer Frauen hatten, die ihnen Kinder schenkten und aufzogen, bei der Arbeit halfen und den gemeinsamen Haushalt bestellten. Es ist logisch, dass das so ist. So logisch, dass man es nicht erzählt. Man erzählt von den Erfolgen der Männer und bewundert sie. Die Erfolge der Frauen – gesunde Kinder, eine glückliche Ehe, ein funktionierender Haushalt – sind nicht der Rede wert. Einerseits ist es schön, dass man einer Frau so viel zutraut. Andererseits wird aus dem Zutrauen wohl schnell ein Zumuten. Denn während die Frauen still schuften, sich jeden Tag dafür aufopfern, dass alles rund läuft, und sich weder Krankheit noch Klage erlauben, klopfen sich die Männer auf die Schulter und erlauben sich noch einen Grappa. So ist das.

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Heute führen Carlo Verganis Kinder Reto und Nadja das Geschäft an der Zentralstrasse. Reto Vergani ist ein grosser, lauter und charmanter Kerl, der gern redet, auch mit den Händen. Es ist die Reto-Vergani-Show. Es ist eine gute Show; man hört Reto Vergani gern zu. Auch Reto Vergani hört Reto Vergani gern zu. Er habe nur dreissig Minuten Zeit, sagt er, redet dann aber deren neunzig. Seine Schwester Nadja, eine feine und vornehme Frau, sitzt neben ihm im Kellergewölbe an der Zentralstrasse und sagt nicht viel. Um zu Wort zu kommen, müsste sie mindestens so laut und viel reden wie Reto Vergani, aber niemand kann das, nur Reto Vergani. Also lässt sie es bleiben und schaut ihre Hände an, die übereinander auf dem Tisch liegen, während Reto Vergani von sich und seinem Vater erzählt. Er erzählt von einem strengen, fordernden Mann, der von ihm verlangt habe, jeden Tag um halb acht mit der Arbeit zu beginnen, und wenn Carlo Vergani halb acht sagte, dann meinte er halb acht, und sonst gab es ein Donnerwetter mit vielen schönen italienischen Kraftausdrücken. Und während Reto Vergani von seinem Vater erzählt, so nimmt man plötzlich eine neue Energie wahr, als wäre der alte Mann, der vor drei Jahren gestorben ist, hinzugetreten und würde zuhören, wie sein Sohn über ihn redet.


Er redet gut und respektvoll über ihn. Alle reden so über Carlo Vergani. Sie achteten ihn für seine Geradlinigkeit, seine Korrektheit und seine Fairness. An seiner Beerdigung erschienen sogar die Kellner der Restaurants, die er beliefert hatte. Über Marisa Vergani, seine Mutter, die er sehr liebte und die vor fünf Jahren gestorben ist, redet Reto Vergani aber nicht. Als würde er die alte, alte Geschichte zwischen Mann und Frau persönlich in ewigen Stein meisseln wollen, redet er, wenn er über Vini Vergani spricht, nur von Carlo Vergani. «Mein Vater», sagt er, und es klingt wie «mein Chef». Nadja Vergani sagt «der Papi», und sie sagt «s Mami». Man muss Nadja Vergani alleine treffen, wenn man noch mehr wissen will. Nadja Vergani erzählt dann, dass es Leute gebe, die sich ehrlich wundern, wenn sie erfahren, dass sie ebenfalls in der Geschäftsleitung tätig sei. Natürlich sind diese Leute Männer, Kunden und Freunde von Reto Vergani. Man erfährt zudem, dass Reto und Nadja noch eine Schwester haben, Leila. Auch Leila, wie ihre Urgrossmutter Adele, ihre Grossmutter Emma, ihre Mutter Marisa und ihre Schwester Nadja, tat viel für Vini Vergani. So viel, dass sie sich 2005 aus dem Geschäft zurückzog. Nadja Vergani legt grossen Wert auf die Leistung der Frauen in ihrer Familie, und sie tut das mit gutem Grund, denn wenn die Frauen nicht hin und wieder an ihre von Herzen erbrachte tägliche Leistung erinnern, dann vergessen die Männer das vor lauter Schulterklopfen und Grappa gern. Weitere Informationen unter www.vinivergani.ch


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D e sign

FASZINATION MECHANISCHER

UHRMACHEREI Im 3. Jahrtausend finden immer mehr Schweizer Uhrenhersteller zum handwerklichen Ursprung mechanischer Uhrwerke zurück. Oris im Baselbieter Hölstein hat nie etwas anderes gemacht als mechanische Zeitmesser.

Tex t SAR AH RIEDER | Fotos Jürg Waldmeier

Uhren aus dem Baselland? – Ja freilich! Die Uhrmacherstrasse zieht sich am Jurabogen von Genf durch den Waadtländer Jura, das Vallée de Joux und weiter durch die tiefen Täler und über die Jurahöhen längs des Neuenburger- und des Bielersees bis nach La Chaux-de-Fonds, Pruntrut und Delsberg und von dort hinunter ins Baselland. Im Waldenburgertal liegt das 2300-SeelenDorf Hölstein, dessen Geschichte sich bis in die Römerzeit im 1. Jahrhundert zurückführen lässt. Beim Bau des Klosters St. Alban 1103 ist das Bauerndörfchen an der Frenke erstmals urkundlich erwähnt. Dort übernahmen im Jahr 1904 Paul Cattin und Georges Christian aus Le Locle die stillgelegte Uhrenfabrik Lohner & Co. und bauten sie unter dem Namen Oris Watch Co. mit 24 Mitarbeitenden neu auf. Den Namen Oris entlehnen die beiden Uhrenhersteller einem in der Nähe liegenden Tal mit gleichnamigem Bach. Der Neuaufbau gelingt rasch, bereits 1910 werden 300 Mitarbeitende beschäftigt, und Oris wird zum grössten Arbeitgeber vor Ort. 1927 stirbt Mitbegründer Georges Christian; sein Schwager Oscar Herzog übernimmt die Leitung und führt das Unternehmen während 43 Jahren konsequent und erfolgreich weiter. 1938 wird mit dem ersten Zeigerkalenderwerk, dem Pointer Date, ein Meilenstein gesetzt. Während des Zweiten Weltkrieges macht sich Oris auch mit Qualitätsweckern einen Namen, zum Beispiel mit dem bekannten 8-TageWecker, der, einmal aufgezogen, acht Tage lang weiterläuft. In den 1950er- und 1960er-Jahren bringen Oris hervorragende mechanische Uhrwerke weitere Erfolge. Und bereits 1970 wird der erste mechanische Chronograf unter der Bezeichnung Chronoris lanciert. Mangels geeigneter Nachfolge werden die Aktien 1971 an die Uhrengruppe Asuag (heute Swatch Group) veräussert. Doch unter ihrem Dach ist Oris nur eine Marke unter vielen und wird zum Anbieter von Billiguhren degradiert. Neue Dynamik kehrt erst nach dem 1982 erfolgten Management-Buyout ins Unternehmen zurück. Allerdings benötigen die neuen Inhaber Rolf Portmann und Ulrich W. Herzog ein weiteres Jahrzehnt und beträchtliche Investitionen, bis Oris aus der Vergessenheit wieder ins Bewusstsein von Liebhabern mechanischer Uhren zurückkehrt. Doch 1984 zeigt die Oris-Zeigerkalender-Uhr noch einmal, was sie kann: Ausgerechnet die Twens in Japan empfangen Ulrich Herzog mit offenen Armen und finden Gefallen an dieser mechanischen Uhrenkollektion. Die japanische Wirtschaft floriert, Oris nimmt die Herausforderung dieser gut informierten Kundschaft an und setzt voll auf High-Mech. Herzogs Ziel ist alles andere als bescheiden: «Oris soll der weltweit führende Hersteller von mechanischen Zeitmessern mit besonderen Uhrwerken zu attraktiven Preisen werden.» Unter der Leitung von Hauptaktionär Herzog bleibt Oris trotz Globalisierung und einer allerorts grassierenden «Fusionitis» eine Aktiengesellschaft privater Investoren.

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Oris stellt ihre Uhren heute nicht mehr wie damals als Manufaktur in Hölstein selbst her, vielmehr konzentriert sie sich auf die Forschung und Entwicklung neuer Materialien und praktischer uhrmacherischer Zusatzfunktionen sowie auf das Design, auf sämtliche Kontrollvorgänge und die weltweite Vermarktung mit einem zuverlässigem Service après-vente. Im Prinzip agiert Oris heute als Kreateur, Auftraggeber und Vermarkter genau so wie ein Etablisseur zur Entstehungszeit der Uhrmacherei im 16. Jahrhundert, welcher auf Grund der Kundenwünsche die einzelnen Uhrenteile bei Kleinlieferanten anfertigen liess. Am Anfang steht die Idee, welche vom Kader um Ulrich Herzog entwickelt und mit eigenen und freien Designern umgesetzt wird. Die auf Papier gebrachten Skizzen werden im Computer mit 3D-Programmen weiterentwickelt. Darauf basierend wird ein erster Prototyp in den gewählten Materialien gefertigt und eingehend überprüft, und nötige Korrekturen werden angebracht. Mit diesen Vorarbeiten vergeht gut und gern bis zu einem halben Jahr. Erst dann kann Oris seinen festen Zulieferern aus La Chaux-de-Fonds und Umgebung die entsprechenden Komponenten in Auftrag geben. Nach Fertigstellung werden diese von den Oris-Uhrmachern eingehend kontrolliert, bevor sie zur Montage bei Spezialisten ausser Haus gebracht werden. Die fertig montierten Uhren kommen wieder zurück zu Oris, wo sie einer genauen Endkontrolle unterzogen, verpackt und an die weltweiten Oris-Distribuenten versandt werden.

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THE M A

Oris macht Zeitmesser für Tätigkeiten in vier verschiedenen Welten: Aviatik, Motorsport, Tauchen und Kultur (Jazz und Kunst). Selbst wenn die Aviatik heute längst über hochmoderne Präzisionsinstrumente an Bord verfügt, sind Oris-Fliegeruhren noch immer ein starker Absatzrenner. Auf der weltweit grössten Uhren- und Schmuckmesser‚ der Baselworld 2008, lanciert Oris im Beisein des britischen Blue-Eagles-Teams mit der Aviatik-Automatikuhr BC4 Flight Timer ein Mikro-Cockpit für das Handgelenk. Auch Taucheruhren haben bei Oris eine lange Tradition und widerstehen mit den Meistertaucher-Modellen einem Wasserdruck von bis zu 1000 Metern Tiefe. Ihr neustes Modell, der Oris-Regulator aus Titan mit orangen Superluminova-Leuchtanzeigen auf dem schwarzen Zifferblatt, misst 49 mm Durchmesser und erlaubt so eine sicherere Bedienung unter Wasser. Als Markenbotschafter wird der ApnoeTaucher Carlos Coste aus Venezuela unterstützt. Passend zu ihrem Engagement im AT&T-Williams-Formel-1-Team, welches soeben bis ins Jahr 2010 verlängert worden ist, lanciert Oris zum Start jeder Grand-Prix-Saison neue Uhrenmodelle. Die diesjährige Oris TT3 Grand Prix Limited Edition zeigt auf dem Zifferblatt die Namen aller 18 Rennstrecken der Saison 2008. Im Kultursponsoring unterstützt Oris seit 1996 das London Jazz Festival und lanciert jedes Jahr eine limitierte Edition als Hommage an eine gegenwärtige oder verstorbene Jazz-Legende.

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Seit der Jahrtausendwende geht der Trend klar in Richtung mechanischer Uhren. Hier hat Oris eine Vorreiterrolle einge­ nommen, die sich nun auszahlt: Weltweit wächst das Baselbieter Unternehmen um etwa 20 Prozent im Jahr. Rund 47 Prozent aller Uhren werden im asiatischen Raum verkauft, 10 Prozent in Amerika, und rund 40 Prozent bleiben in Europa und der Schweiz. Gemäss Verkaufschef Gerber hat der Bekanntheitsgrad der Marke hierzulande stark zugenommen; allein im vergangenen Jahr konnten in der Schweiz 45 Prozent mehr Uhren abgesetzt werden als noch im Vorjahr. Die Oris-Hauptkundschaft ist männlich, zwischen 28 und 45 Jahre alt, legt Wert auf Qualität sowie klassisch-sportliches Design und liebt die Mechanik wie die Technik. Doch aufgepasst: In jüngster Zeit vergucken sich immer mehr dynamische Frauen in die Welt der Mechanik und kaufen sich eine Automatikuhr. Oris hat das Zeichen der Zeit erkannt und lanciert im laufenden Jahr erstmals Automatikuhren im Art-décoDesign für die Damenwelt. Das mechanische Uhrwerk ist wie bei allen Herrenuhren auch mit dem roten Rotor ausgerüstet – dem Markenzeichen von Oris, das durch den offenen Gehäuseglas‑ boden bewundert werden kann. Weitere Informationen unter www.oris.ch


Harmonie & Perfektion

Z체rcherstrasse 39 Postfach 8952 Schlieren Telefon 044 258 14 44 Telefax 044 258 18 80 ISDN 044 773 10 31 E-Mail fretz@nzz-fretz.ch www.nzz-fretz.ch Werbedrucksachen Gesch채ftsberichte Zeitschriften Wertpapiere Neue Medien Ein Unternehmen der Swiss Printers AG ISO-9001:2000-zertifiziert FSC-zertifiziert


LEBE N

Wasser – unser kostbarstes Gut Wasser ist die begehrteste Ressource der Erde. Vom Löschen des Durstes über die tägliche Hygiene bis zur Nahrungsmittelherstellung braucht es das kostbare Nass. Eine kleine Geschichte des Wassers.

Tex t Anna Schindler | Fotos VOL A

Über 52 Millionen Einträge liefert Google, wenn man das Stichwort «Wasser» eingibt, 674 Millionen Links erscheinen gar auf den Eintrag «Water». Hinter jedem Eintrag verbirgt sich eine Fülle von Informationen über das Element. Wo soll man also beginnen, über das Thema Wasser nachzudenken? Bei der persönlichen Wellness-Zone im Badezimmer oder beim Wasserhahn in der Küche vielleicht? Beim Wetter oder beim Segeln – oder vielleicht gar beim Brot? Alles und jedes hängt mit Wasser zusammen. Einer, der viel zum Thema Wasser zu sagen hat, ist Peter Brabeck. Der Verwaltungsratspräsident des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé ist einer der grössten Wasserverkäufer der Welt. Am vergangenen Weltwirtschaftsforum in Davos zog der Nestlé-Chef ein erstaunliches Fazit: Der Klimawandel erhalte im Vergleich zur Wasserproblematik gegenwärtig zu viel Aufmerksamkeit. Bereits heute leben über zweieinhalb Milliarden

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Menschen in Ländern, in denen Wassermangel ein grosses Konflikt­ risiko darstellt, und die Zahl wird laut Befürchtungen von Experten rund um die Welt weiter zunehmen. 70 Prozent des Wassers würden weltweit in der Landwirtschaft verbraucht, 23 Prozent in der Industrie und nur 7 Prozent von den Privathaushalten. Ein durchschnittlicher Europäer benötige rund 200 Liter Wasser pro Tag für Trinken und Hygiene, aber er «esse» 1450 Liter Wasser pro Tag. Angesichts dieser Zahlen sei es vernünftig, das Menschenrecht auf Wasser auf die Deckung des persönlichen Grundbedarfs zu beschränken. Die ganze Restmenge brauche einen Preis. Wasser, mit dem die Erdoberfläche zu drei Vierteln bedeckt ist, scheint sich zu einem globalen Problem zu entwickeln. Von dieser Erkenntnis ist man in der mit dem natürlichen Nass reich gesegneten Schweiz noch weit entfernt. In der Wasserstadt Zürich ist man sich gewohnt, das Auto mit bestem Trinkwasser zu waschen. Und während der Sommerferien sind die See- und Flussbäder in der Stadt ein Tummelplatz schwitzender Menschen. Dabei ist es nicht selbstverständlich, in einer Stadt von der Grösse Zürichs in natürlichen Gewässern schwimmen zu können. Zwar hat die Limmatstadt nicht als Einzige ihre Bäder im See und in Flüssen erbaut.

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Bevor es in Privathaushalten Badezimmer gab, errichteten viele europäische Städte – unter anderen auch London und Berlin – See- oder Flussbäder, um den hygienischen Anforderungen zu genügen. Allein zwischen 1883 und 1896 wurden in Zürich acht neue öffentliche Bäder erbaut. So gelang es der Stadt, den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern und die Sterblichkeitsrate zu senken. Wasser steht im Zentrum jeder menschlichen Kultur. Im antiken Rom entspannten sich diejenigen, die es sich aufgrund ihres sozialen Standes leisten konnten, im prunkvollen Ambiente marmorverkleideter Badetempel und liessen das wohltemperierte Nass aus silbernen Wasserspeiern hervorquellen. Die mittelalterlichen Klöster frönten dagegen der Askese. Zwar erhielten und verbesserten sie die ausgeklügelte Wassertechnik der Römer, doch erlaubten Ordensgründer wie Augustin und Benedikt nur noch gesundheitliches Baden. Im 15. und 16. Jahrhundert galt das Bad dann weniger körperlicher und seelischer Reinigung als vielmehr der Geselligkeit. Man badete in Gruppen, speiste, trank und feierte im Bad. Die Reformation beendete die sinnenfreudige Badekultur. Trockene Hygiene­ sitten zogen in Europa ein: Puder statt Wasser kam in Mode. Mit der Aufklärung wurde im Geiste von Rousseaus Aufruf «Zurück zur Natur» auf der Seine in Paris 1761 eine erste öffentliche Badeanstalt auf prachtvoll ausgestatteten Booten in Betrieb genommen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte die revolutionäre Erfindung der dampfbetriebenen Druck-Wasserleitung nach und nach ein samstägliches Bad in die Wohnküchen. Die asketische Moderne der Zwanzigerjahre erfand schliesslich den «keimfreien Tempel» der Nasszelle: fensterlos und verkachelt, mit fliessender Warmwasser-Dusche. Ein Comeback erlebte die Badewanne erst im Bad der Nachkriegszeit. Mit der Einführung des privaten Badezimmers nahmen sich auch die Designer der klassischen Moderne neben Stühlen, Besteck und Geschirr der Gestaltung von Wasserarmaturen an. Den Klassiker unter den Klassikern hat der 1902 in Kopenhagen geborene Architekt und Gestalter Arne Jacobsen drei Jahre vor seinem Tod 1971 geschaffen. Die Produktreihe, die seit nunmehr beinahe vierzig Jahren unter dem Namen Vola vertrieben wird, orientiert sich wie Jacobsens berühmte Stühle, die sogenannten «Ameisen», an organischen Formen. Der dänische Designer und passionierte Botaniker entwickelte daraus prägnante, klare Armatur-Objekte, deren Gestalt an die Formensprache abstrakter Kunst erinnert.

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Doch seit Jacobsen sein Vola-Programm entworfen hat, ist die Entwicklung des Nassbereichs im zeitgemässen Wohnen nicht stehen geblieben. Während man früher das Bad «benutzte», wird es heute «bewohnt». Typisch für unser Jahrzehnt ist die Gliederung der Bäder durch Stufen, halbhohe Mauern und tiefer gehängte Decken. Selbst kleinere Räume gewinnen dadurch mehr Harmonie und Individualität. Mittlerweile ist das Bad einer der am sorgfältigsten geplanten und eingerichteten Bereiche. Das Spektrum reicht von Vollverspiegelung und Luxusbadewannen mit separater Dusche bis zur massgeschneiderten Lichtplanung und zum Einsatz von Grünpflanzen. Bei der avancierteren Gestaltung der Nassbereiche dringt auch das Bewusstsein des Wassers als eines kostbaren Gutes wieder in die Welt der Gestaltung ein. Vola-Produkte etwa vereinen seit Jahren modernste Technologie mit hochwertigen Materialien und zeitlosem Design, das hohen ästhetischen Ansprüchen genügt. Sie helfen tagtäglich, den Wasserverbrauch zu verringern, denn, so Geschäfts­ führer Alex Stadler: «Wasser ist Leben, und deshalb legen wir Wert auf einen ganz besonders sorgfältigen Umgang mit der kostbaren Ressource. Als weltweit agierendes Unternehmen ist Umweltschutz für uns eine Verpflichtung, die wir aktiv umsetzen.» Entsprechend setzt Vola alles daran, langlebige Armaturen auf den Markt zu bringen: Thermostate, die das Wasser schneller mischen, und Brausen, die weniger des kostbaren Rohstoffs verbrauchen. Auch bei den Produktionsstätten wird auf Umweltverträglichkeit geachtet. Vola verringert die Umweltbelastungen bei allen Prozessen der Herstellung und verfügt über ein umfangreiches Recycling-Programm. Kein Wasser mehr zu verschwenden, gehört zum «kleinen ökologischen Einmaleins». Bereits gibt es Duschen, die das nasse Vergnügen mit der halben Wassermenge wie bisher ermöglichen. Auch wird die Rezyklierbarkeit von Badewannen, Waschbecken und Armaturen immer wichtiger. Wasser soll nicht mehr einfach den Abfluss hinuntergurgeln, sondern wiederaufbereitet werden, und Minicomputer könnten in Zukunft die Durchlaufgeschwindigkeit an den Wasserhähnen regulieren. Der Hightech-Trend macht auch vor dem Bad nicht halt, mit Elektronik, Timern und Sensoren bis hin zum Fernseher. Mit einem umfunktionierten Gartenschlauch hinter einem selbst gebauten Bambusparavent duschen wir bald wohl nur noch in den Ferien. Weitere Informationen unter www.vola.ch


K r e a t i v e A r c h i t e k t u r f 端 r s Bad .

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Abenteuer

MASOALA

JOE und sein Regenwald

Vor einiger Zeit reiste ein possierlicher Rotschopf namens Joe Masoala von Madagaskar nach Zürich. Im Gepäck hatte er einen schönen Regenwald. Mit vielen Bäumen, Pflanzen und tierischen Kumpels. Heute hat er einen wichtigen Termin. Denn Mona und Tim kommen zu Besuch – in seiner neuen, «alten» Heimat.

Joachim G. Kl ar | Fotos Zoo Zürich

«HOI ZÄME», ruft es schrill aus dem Dickicht, immer wieder. «Hoi zäme, hoi zäme!» Mona, 4, und Tim, 7, sind gerade im «Regenwald» angekommen. Und warten brav neben einem mächtigen Baum – ihrem Treffpunkt. Sie haben hier abgemacht. Mit Joe. Der sollte ihnen seine tolle Heimat zeigen. «Hoi zäme» – schon wieder. Sie gucken mit grossen Augen hin und her, hoch und runter. «Du Tim, häsch ghört?», fragt Mona, die mit ihren kleinen Händchen das linke Bein ihres grossen Bruders fest umklammert. «Müänd kei Angscht ha», rief es hallend. Rumps, zack, knirsch! – und auf einmal posierte er vor ihnen, gut ausgeruht nach seinem geliebten morgendlichen Sonnenbad. Mit schwarzem Köpfchen, dichtem, rotem Fell und herzigen Äuglein. «Ich bin das gsi. Dörf ich mich vorstelle: Joe Masoala!» Mona und Tim lächeln und geben ihm anständig die Hand zur Begrüssung – die mutige Mona streichelt ihn ganz sanft am Rücken – Joe wird fast ein wenig verlegen. «Wärum chasch dänn du so guet eusi Sprach?», fragt ihn Tim neugierig. «Weisch», erklärt Joe – mit einem süssen madagassischen Akzent –, «ich bin vor mehrere Jahr dahi cho, mit vielne Tier, Bäum und Pflänzli us minerä Heimat, us Madagaskar, das isch wiit eweg vo da, bi Afrika. Um dir, Mona, und dir, Tim, euem Mami und Papi, eune Kollegä und Fründinnä und ganz vielne anderne Lüt z zeige, wies bi eus dihei usgseht und wies eus dete gaht. Vielne Tierli, Bäum und Pflänzli gahts aber leider nöd äso guet. Dämit dies wieder besser händ, wot ich dä Lüt erkläre, was mär däfür tue chan, dass alli guet, gsund und gfrässig chönd läbä – det im schönä Rägewald vo Masoala. Und da däzue muess ich eui Sprach chönne, dämit mir eus guet verschtönd. Verschtasch, Tim?» Ja sicher, – aber was tüend d Lüt für dä Rägewald?», fragt Tim weiter. Mona horcht gespannt zu. «Mär hät det än Nationalpark drus gmacht», erzählt Joe, ganz von seiner Neu- und Wissbegierde begeistert. «Dä Masoala-Nationalpark. Es git vieli liebi Lüt, die luegät guet zu dem Park, zu dä Tierli, Bäum und Pflänzli und zu dä Mänsche, wo det läbät und schaffed – für das sammlet sie Gäld, überall, au da in Züri. Diä luegät, dass es äso bliebt, wies immer gsi isch, oder no besser wird. Dänn sind mir glücklich und zfriede. So glücklich wie du, wänn du dussä mit dinä Kollege chasch go spiele oder äs Guet-Nacht-Küssli vom Mami überchunsch – gäll, Mona!» Mona grinst verschmitzt – und Tim macht weiter eine ernste Miene, sein studierendes Gesicht «zeichnet» tausend Fragen…

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Alle drei – ein wahrlich niedliches Bild – schlendern händchen­ haltend, Joe in der Mitte, durch den wunderbar grünen und saftig tropischen «Zürcher Regenwald», welcher der einzigartigen Landschaft Madagaskars nachempfunden ist. – Es ist ein exotisches Paradies mit quirligen Bächen, kleinen Seen und einem erfrischenden Wasserfall, ein Paradies voller schlingernder Luftwurzeln, riesiger Elefantenohrenblätter und stolzer Bambusrohre, hübscher Orchideen und uralter Farne. Ein tropisches Dickicht voller wasserlustiger Mangroven, palmwedelnder Bäume, pittoresker Wandelröschen und prächtiger Mangos. – Und es ist heiss hier, wie in den Tropen eben. Wahnsinnig schwül, 20 bis 30 °C und über 80 Prozent Luftfeuchtigkeit, uff! – Tja, die vife Mona, die hat sich schon längst ihres Käpplis und Jäcklis entledigt und diese fein säuberlich in ihrem Rucksack verstaut. An einem hübschen Teich angelangt, bleiben sie stehen. – Auf einmal springt Mona auf und juchzt: «Ich han ganz äs bunts Fröschli gseh! Und sonäs härzigs Äntli! Jöh! Uih, und det lueg, Tim, ä Schildchrot!» «D Mona isch ganz usem Hüsli – lueg, wie sie zapplet und stuunet», meint Joe zufrieden und lacht. «Uih, es git


THE M A

ja so viel Tierli da, weisch, Tim, mä gseht si zwar nöd immer idem dicke Urwald, aber ganz luschtig sind mängmal ihri Nämä... zum Bieschpiel dä Madagaskarwäber, dä Vasäpapagei, dä Brüllevogel, dä Taggecko oder s Turteltübli, dä Tomatäfrosch, s Pantherchamäleon oder dä Flughund!» Tim schmunzelt und ist ganz fasziniert ob den ihm noch völlig unbekannten Kreaturen. «Da han ich ja dänn viel z Verzählä dihei – mal luege, öb dä Papi oder s Mami alli kännt! – hihi!», freut sich Tim. «Du, Joe?» – «Ja, Tim?» – «Was bisch du eigentli für äs Tier?» – «Ich bin än ächtä Lemur, äs halbs Äffli, Roter Vari nännt mär mich.» – «Und wieso häsch du sones dicks Fääli, wenns doch so heiss isch?» – «Weisch, bi eus rägnäts viel und ziemli starch, und mit dem Fääli chan ich mich degägä schütze.» – «Aha!, gits dich nur uf Madagaskar?» – «Ja, mir chömed nur vo det!» – «Und gits vo dinä Kollegä uf Madagaskar no vieli, oder …?» – «Ebe leider nöd», antwortet Joe fast mit ein wenig trauriger Miene, «drum müemer mitenand ganz fescht ufpasse und Sorg hebä.» – «Und din Name Masoala – was bedütet das eigentlich, Joe?» – «Weisch, Tim, das meint uf eusi Sprach, uf Madagassisch, s Aug vom Wald. Und dä Ort, da, wo mir jetzt sind, das isch wien es chlises Schaufänschterli vo Madagaskar für euch da i dä Schwyz. Das Fänschterli händ mir gmacht, dämit ihr chönd luege und stuune und debi hälfe, dass s Aug vom Wald, dass ich, dä Joe Masoala, immer guet cha luegä zu eusne Tierli, Bäum und Pflänzli.»

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So mini Liebä» – Joe hat langsam Hunger –, «ich muess dän mal wieder wieter, äs git bald Znacht, und ihr müend ja au bald hei, gället? Es hät mich riesig gfreut, eu känne zlehre. Ich hoffe, ihr händ öppis glehrt und viel Spass gha da im Rägäwald vom Zoo Züri.» – «Und wie!», rufen Mona und Tim lautstark in den Himmel. «Und losed, än wichtige Maa us Afrika hät ämal gseit: Mir wärdet nur zu dem guet luegä, was mir gern händ, und mir händ nur das gern, was mir känned. Aber mir känned nur das, was mir sälbär gseh händ. Was ihr hüt gmacht händ, isch genau das, was dä Maa meint – schön, sind ihr da gsi!» Weitere Informationen unter www.zoo.ch

«…reich im Herzen ist der, der geben kann», betont Bankier Dr. Hans Vontobel, passionierter Naturfreund und überzeugter Donator des «Masoala-Regenwalds». «Unseren Kindern viel Liebe und Fürsorge, Zeit und Geduld, Wissen und Erfahrung zu schenken und für sie auch Möglichkeiten zu schaffen, Fremdes, Unbekanntes ganz nah entdecken und erfahren zu können, liegt mir persönlich sehr am Herzen. – Denn ich glaube fest an sie, an unsere junge, nächste Generation, an unsere Zukunft. Ich wünsche mir, dass wir Erwachsenen uns stets bemühen, unseren neugierigen Heranwachsenden die grossartigen Kreaturen dieser Erde, die Schönheiten unserer Pflanzenwelt, den regenerierenden und stillen Reichtum der Natur, aber auch deren Probleme näherbringen und wahrnehmen helfen. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, Tiere wie Pflanzen in ihrer wahren Pracht und Umgebung aufzuspüren und zu sehen – und zu lernen, sie zu verstehen. Ich möchte, dass unsere Jugend ein inniges Interesse gewinnen kann für eine einzigartige Naturwelt, mit der ich mein ganzes Leben lang schon in grosser Verbundenheit stehe.»


Madrid

Paris

St. Moritz

Tokio

Zurich


THE M A

Was zählt, ist die

Mikrolage Auf dem Immobilienmarkt ist vieles einfacher geworden – ausser dem Verkauf. Wie findet man ein passendes Eigenheim? Wo soll man kaufen? Und was auf keinen Fall? Welche Preise sind gerechtfertigt, welche überrissen? Lassen Sie sich von einem Profi beraten, sagt der Zürcher Immobilienexperte Gerhard E. Walde.

Tex t Anna Schindler | Fotos Marc Kollmuss

Wer vor zehn Jahren eine Wohnung suchte, tat dies vor allem in den Immobilieninseraten seiner Tageszeitung, idealerweise möglichst früh am Freitagmorgen. Dann galt es, so rasch als möglich einen Besichtigungstermin zu vereinbaren und vor allen anderen Mitbewerbern an Ort und Stelle, sprich: vor der begehrten Haustüre, zu stehen – hauptsächlich bei Mietwohnungen. Die Warteschlangen vor preisgünstigen Objekten an beliebten Wohnlagen sind auch heute noch lang – überwiegend in der Stadt Zürich und in den stadtnahen Seegemeinden auf beiden Ufern ist der Markt nach wie vor ausgetrocknet. Das Suchverhalten potenzieller Käufer und Mieter hat sich aber mit den modernen Informationstechnologien, vorwiegend dank dem Internet, grundlegend verändert. Man kann

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b u sin e ss

rund um die Uhr auf Online-Plattformen nach Wunschobjekten stöbern, eigene Suchprofile und -abonnemente einrichten und eine weit­gehende Vorselektion treffen, bevor man überhaupt zum Telefonhörer greift. Die Marktteilnehmer, Käufer und Verkäufer, seien mündig geworden, schreibt die Zürcher Immobilienagentur Walde & Partner in der hauseigenen Immobilienzeitung. Dies hat die Aufgabe der Berater und Verkäufer aber nicht einfacher gemacht, im Gegenteil: Bei einer besser informierten, wählerischeren Klientel und einem transparenteren Angebot zählen Erfahrung und Gespür des Maklers für die Anliegen der Kunden, ein profundes Know-how um Preise und Timing und eine professionelle Beratung umso mehr. In seiner Arbeit werde die menschliche Komponente immer wichtiger, sagt Immobilienvermittler Gerhard E. Walde. Hinter jedem Hauskauf und -verkauf steckt eine Geschichte; oft eine schwierige Episode, die von Trennungen und Scheidungen oder altersbedingtem Loslassenmüssen vom Eigenheim erzählt. Wer in solch heiklen Kommunikations- und Beratungssituationen das Vertrauen seiner Mandanten gewinnt und sie beim emotional belasteten Aufgeben einer Immobilie, die zuvor Heimat bedeutete, erfolgreich und für alle Seiten nicht nur finanziell gewinnbringend unterstützt, beweist Kompetenz und schafft sich einen guten Ruf. Dies hat die Immobilienagentur Walde & Partner in Zollikon, die Gerhard Walde zusammen mit seiner Frau Marianne seit 23 Jahren führt, erreicht. Ihr Name stellt einen sicheren Wert in einem Markt dar, in dem «jeder ein Experte ist», so Walde. So vermittelt das Unternehmen, das heute rund 30 Mitarbeiter zählt, vor allem Immobilien im mittleren und gehobenen Segment zum Kauf. Dazu kommt ein kleinerer Anteil Mietwohnungen. Seit 1995/96 betreibt Walde & Partner aber auch Zweigstellen in Uster und Thalwil, seit dem Jahr 2000 eine Niederlassung in Luzern. Zunehmend begleitet die Agentur auch Neubauprojekte schon vom Planungsprozess weg als aktive Partnerin von Bauherren, Investoren und Archi­tekten und als Fachstelle für Immobilienmarketing. Dabei investiert Inhaber Gerhard Walde aber nie eigene Mittel – selbst, wenn es ihn bei gewissen Grundstücken schon reizen würde, gesteht er offen. Das Wissen um die richtige Positionierung eines Projekts und der Zugang zu einer geeigneten Kundschaft sind gefragt – gerade angesichts eines Markts, der seit einigen Jahren vielenorts verrückt zu spielen scheint. Die Preise für Liegenschaften und Wohneigentum sind im Grossraum Zürich in der vergangenen halben Dekade teilweise exorbitant gestiegen.


Dabei fällt vor allem auf, dass die erzielten Summen die geschätzten Werte manchmal massiv übersteigen. Alleine bei den von Walde & Partner seit 2002 verkauften Einfamilienhäusern übertrafen rund 70 Prozent die von Banken und unabhängigen Experten geschätzten Verkaufspreise um 20 bis 50 Prozent. In extremen Fällen erreichten gewisse Objekte sogar Marken, die um 90 Prozent über dem Schätzwert lagen. Bei Eigentumswohnungen und bei Mehrfamilienhäusern zeigen sich ähnliche Abweichungen. Diese Differenzen stellten aber nicht die – gewiss in der Regel eher konservativen, aber durchaus seriösen – Schätzungen in Frage, erläutert der Immobilienexperte. Vielmehr seien sie Ausdruck und Auswuchs eines beflügelten Immobilienmarkts und gründeten in der Tatsache, dass Häuser und Wohnungen illiquide Vermögenswerte darstellen, die auch in Zeiten volatiler Aktienkurse Bestand haben. Sofern sie sich am richtigen Ort befinden, zumindest. Dabei zählt nicht primär die Postleitzahl des Immobilienstandorts. «Lage, Lage, Lage war das alte Credo der Immobilienbranche», so Walde, «heute weiss man, dass der Preis innerhalb derselben Gemeinde je nach Strassenzug stark differieren kann.» «Mikrolage» heisst das neue Zauberwort: Nicht nur, in welchem Kanton und welcher Region der Wohnort liegt, ist wichtig, sondern vor allem, wo die begehrte Immobilie in der entsprechenden Gemeinde situiert ist. Sicht, unverbaubare Lage, gewachsene Strukturen, Ruhe und eine grüne Wohnumgebung sowie Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr in Geh­ distanz sind zentrale Kriterien bei der Bewertung eines Objekts. Sie bestimmen neben subjektiven Liebhaberwerten den Marktwert einer Immobilie. Auf dieser Preis- und Beliebtheitsskala erfreuen sich die Gemeinden rund um den Zürichsee trotz der aktuellen weltweiten Finanzkrise ungebremster Nachfrage. Für Gerhard Walde ist dies eine natürliche Folge des attraktiven Wirtschaftsstandorts Zürich. Die politisch und ökonomisch gewünschte Stärkung der Limmatstadt als wirtschaftliches Zentrum in Europa generiere eine Entwicklung bei Boden- und Immobilienpreisen, die sich durchaus mit derjenigen von London oder Paris vergleichen lasse. Solange die Schweiz auch steuerlich für gut verdienende Arbeitskräfte aus Deutschland sowie zunehmend auch aus England interessant

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bleibt, wird sich daran nichts ändern. Zumal, da sind sich Immobilien­ spezialisten einig, der Trend zu Wohneigentum ungebrochen ist und eine Immobilie eine nachhaltige, stabile Investition bleibt. Die Nachfrage wird auch in den nächsten Jahren an begehrten Wohnlagen das Angebot übersteigen, selbst bei weiteren mode­ raten Zinsanstiegen. Wie geht da die Schweizer Mittelstandsfamilie vor bei der Suche nach einem geeigneten Eigenheim auf einem knappen Markt? Überlegt suchen, lautet der Rat des Immobilienfachmanns. Er empfiehlt Kaufinteressenten, sich erst einmal gemeinsam klar zu werden über die eigenen Bedürfnisse und Ansprüche: «Setzen Sie sich zusammen hin und stellen Sie eine Liste mit den wichtigsten zehn Kriterien Ihres Wohnobjekts auf.» Wichtig ist dabei vor allem, dass sich beide Teile eines Paars oder unter Umständen alle mitspracheberechtigten Mitglieder einer Familie auf dieselben Punkte und eine übereinstimmende Gewichtung einigen. Danach beginnt die persönliche Suche in der Wunschgegend: mit Begehungen, Besuchen und dem Registrieren des Interesses bei Immobilien­ unternehmen.


Nach jeder Besichtigung muss die Kriterienliste konsultiert werden. Entsprechen sieben Kriterien den Vorstellungen, sollte das Objekt ernsthaft geprüft werden, bei acht Übereinstimmungen muss man den Schritt zu Kauf respektive Miete erwägen. Findet sich dagegen auch nach einigen Monaten intensiver Suche kein Objekt, das mehr als die Hälfte der Kriterien erfüllt, gilt es, über die Bücher zu gehen und die formulierten Ansprüche in Bezug auf die realen Rahmenbedingungen zu überprüfen. Ein ähnlicher, ebenso emotionaler und persönlicher Prozess steht auf der andern Seite Verkaufswilligen bevor. Was tun, wenn dereinst die Kinder ausgezogen, das Haus zu gross geworden ist? «Verkaufe nie, was dir selber gehört», sagt der Immobilienberater. Wer gefühlsmässig an ein Haus oder eine Wohnung gebunden ist, verkauft nicht preisorientiert, verliert oft die Geduld bei langwierigen Verhandlungen und häufigen Besichtigungen und entscheidet am Ende emotional. Der Makler dagegen handelt gelassen und in Kenntnis des Markts und sucht nach der besten Lösung für seinen Kunden. Für einen seriösen Verkauf vom Erstellen einer profes­ sionellen Dokumentation bis zum notariellen Vertragsabschluss berechnet er lediglich zwei bis drei Prozent des Erlöses – und auch dies nur im Erfolgsfall. Weitere Informationen unter www.walde.ch

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www.fratelli-sartoria.com


U r b an e s Z ü r i c h

Areal

Vom vergessenen zum neuen Quartier

Zürich ist eine Weltstadt im Hosentaschenformat. Die Dichte, in welcher sich kulturelle Angebote, Arbeits-, Wohn- und Freizeitmöglichkeiten aneinanderreihen, ist hinlänglich bekannt. Ein Paradebeispiel dafür ist das Hürlimann-Areal.

Tex t Jeremias Dubno | Fotos Andrea Badrut t

In sich selbst ein vielseitiger Mikrokosmos, liegt es keine zehn Gehminuten entfernt von der Bahnhofstrasse auf der einen Seite und von der Allmend Brunau auf der anderen Seite. Auch das ist Zürich. Das Hürlimann-Areal ist ein Lebensraum, der Zürich entspricht und vieles beinhaltet von dem, was unsere Stadt ausmacht: moderne Wohnungen, Büro- und Arbeitsplätze, einladende Geschäfte und ein Restaurant, in welchem man sich wohl fühlt.

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Das Hürlimann-Areal hat seinen Namen – für jeden Zürcher Allgemeinbildung – vom gleichnamigen Zürcher Bier. Zwischen 1867 und 1997 wurde an dieser Stelle in den Backsteingebäuden gebraut. Albert Hürlimann, Sohn des Firmengründers, verlegte den in Feldbach gegründeten Betrieb 1867 ins Enge-Quartier von Zürich, wo ein Bahnanschluss den verbesserten Vertrieb der Ware garantierte. Dieser Umzug erfüllte seinen Zweck, und schon 1880 war die Hürlimann-Brauerei der grösste Bierhersteller der Schweiz. Doch die Zeiten ändern sich bekanntermassen, und ein gutes Jahrhundert später, 1997, wurde der Braubetrieb eingestellt. Was übrig blieb, waren einige Fabrikgebäude, welche an die Tradition erinnerten, und ein Areal, dem es neues Leben einzuhauchen galt. Heute, wieder zehn Jahre später, kann ich staunend feststellen, es ist vollbracht: Aus dem Areal ist ein Quartier geworden. Das Gelände hat Charakter und darf als Beispiel für eine gelungene moderne Stadtplanung angesehen werden. Wer sich dem HürlimannAreal vom Stadtzentrum nähert, erblickt als Erstes die grosszügigen Wohnhäuser und gleich dahinter die Altersresidenz Tertianum. Grosse, farbige Kreidezeichnungen auf der Quartierstrasse lassen vermuten, dass Kinder – oder gar die glücklichen Senioren? – hier gerne und ungestört ihre Fantasie spielen lassen.

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Diesem Weg folgend, gelange ich unweigerlich zum Hürlimann-Platz, dem Herzstück des Areals. Von hier aus lässt sich die stimmige architektonische Vermengung von Altem und Neuem bestens erkennen. Das Areal wirkt trotz vielen modernen Neubauten nicht zugestellt, die Wege sind breit und begrünt, und die helle Backsteinfront der renovierten Hürlimann-Häuser bleibt der erste Blickfang. Auf dem Platz steht der ebenfalls neu gestaltete Brunnen. Das Wasser kommt aus 500 Meter tiefen Quellen und wurde früher als «Aqui» im ganzen Land verkauft. Heute zapfen Anwohner und Quartierkenner am Brunnen gerne das stark mineralhaltige Wasser. Direkt hinter dem Brunnen steht das zentrale Backsteinhaus – ursprünglich als Pferdestall gebaut – und hinter diesem ein weiteres. Heute sind in diesen Räumlichkeiten diverse Geschäfte ansässig. Und obwohl das Spektrum gross ist, vermittelt jeder Laden das Gefühl, dass hier nicht bloss Ware verkauft wird, sondern auch Kultur. Stressfrei kann man hier bummeln und geniessen. «Colombo la famiglia», ein Name mit Gewicht. Der Inneneinrichter legt hauptsächlich Wert auf italienische Qualitätsware. In grosszügigen Räumen und auf zwei Etagen gehen meine Augen auf Entdeckungsreise und sehen sich satt an den opulenten Farben, welche einem das Gefühl eines niemals endenden Frühlings suggerieren. Hätte ich doch bloss ein Haus zu möblieren. In meiner Fantasie stelle ich die ganze Ausstattung zusammen. Doch die Qual der Wahl lässt mich verzweifeln. Welche der eleganten Liegen entspricht mir am meisten? Was passt am besten zu meinem bevorzugten Sofa? Welcher Tisch, welches Regal ... ach, ich gebe auf. Die Auswahl hat mich im positiven Sinne erschlagen, und ich entscheide mich, wiederzukehren, mit mehr Zeit und wenn ich mein Haus habe. Eine Türe weiter betrete ich «the wine shop», eine pragmatische Betitelung für eine lustvolle Sache. Das Hauptaugenmerk, der englische Name deutet es an, liegt auf guten Tropfen aus Übersee, aus Australien, Kalifornien, Argentinien. Ergänzt werden diese durch Trouvaillen aus kleinen Weingütern Europas. Neben einem reichhaltigen Angebot in allen Preisklassen bietet «the wine shop» – geführt von drei freundlichen Frauen – seinen Kunden auch spezielle Themenabende an. Für kleine oder mittlere Gruppen wird ein individuelles Degustationsprogramm zusammengestellt, auf Wunsch auch mit kulinarischem Rahmen von Tapas bis zum ausgewachsenen Viergangmenü. Eigene Kurse wie etwa der Frauenweinkurs runden das Angebot ab.

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Nun entscheide ich mich für einen kleinen Abstecher ins moderne Viertel des Hürlimann-Areals. Der neueste Arbeitgeber, welcher Büros auf dem Areal bezogen hat, überstrahlt in Sachen Renommee alles bisher Dagewesene. Der Internetriese Google hat sich hier nichts Minderes als den grössten Standort ausserhalb der Vereinigten Staaten eingerichtet. Beim Vorbeigehen erkenne ich in der Empfangslobby Flipperkästen, welche vom freigeistigen Arbeitsklima bei Google zeugen. Zeit zum Flippern scheinen die arbeitsamen Googlianer aber nicht zu haben. Die Seele eines Haushalts ist die Küche, entsprechend ist das «Juan Costa» – das einzige Restaurant auf dem Platz – die Seele des Quartiers. Bei einem Erfrischungsgetränk auf meiner Entdeckungsreise nehme ich einen Augenschein. Der Lounge-Bereich im Eingang wird dominiert durch die grosse Tapas-Auslage. Rechts davon erstreckt sich der Speisesaal, das warme, dunkle Holz der Bar gibt im Raum den Ton an. Serviert wird eine mediterrane Küche mit spanischem Schwerpunkt. Der Name «Juan Costa» sei übrigens keine seelenlose Marketingkreation, sondern der Name eines spanischen Bonvivants vergangener Tage, dessen überlieferte Rezepte heute von einem direkten Nachfahren in der hiesigen Küche neu interpretiert werden. «Se non è vero, è ben trovato», sagt man dazu auf Italienisch. Da es die Temperaturen wieder erlauben, konsumiere ich mein Getränk im grosszügigen Aussenbereich, und ich betrachte die flanierenden Menschen. Sie kommen und gehen. Ins «Planet Yoga» oder für etwas Pflege zu «Deluxe Cosmetics», vielleicht zu einer Vernissage in die Galerie «b-146» oder für Umstandsmode zu «Las Perlitas». Und und und … Zufrieden sind ihre Gesichter. Zufrieden wie auch die Menschen, die hier arbeiten und ihre Geschäfte betreiben. Man schätzt die Nachbarschaft und ist gerne hier.

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Zum Abschluss meiner Tour muss ich noch kurz bei «Holm» reinschauen. Skandinavisches Design hat es mir angetan, und hier finde ich eine liebevoll zusammengestellte Palette ebensolcher Stücke. Hocker, Sessel, Sofas, viele von ihnen Klassiker. Schlichtes Design, aber nicht unterkühlt. Helle Farben und prägnante Formen dominieren, ob bei Tassen oder Lampen. Wem die klaren Linien dieser nordischen Prägung zusagen, findet im Raum Zürich keine vergleichbare Auswahl. Nun aber endgültig. Ich überquere den Platz. Vorbei am Brunnen, wo mineralhaltiges Wasser gerade für eine Fahrradwäsche missbraucht wird, verlasse ich diese Stadtoase mit der Gewissheit, bald wieder hier zu sein. Weitere Informationen unter www.huerlimann-areal.ch

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Li f e s t y l e

Universum

Im des guten Geschmacks

Redbox ist mehr als ein Geschäft. Das Möbelhaus ist ein Ort des Verweilens, der Inspiration und der Kontempla­ tion. Willkommen in der Welt des gelebten Lifestyles.

Tex t Christina Hubbeling | Fotos Alex andr a Leimer

Anleitung zum Unglücklichsein» heisst das Buch des Kommunikationswissenschafters und Philosophen Paul Watzlawick aus dem Jahr 1983, worin aufgezeigt wird, was man machen muss, um sich das Leben so unerträglich wie möglich zu gestalten. Ein simples, aber effektvolles Beispiel ist die Verherrlichung der Vergangenheit. Das geht so: Man idealisiert die zurückliegenden Ereignisse, um sich über die Gegenwart zu ärgern. Sie mögen sich jetzt vielleicht fragen, was Watzlawick mit Redbox zu tun hat? Die Antwort ist so banal wie eindeutig: nichts. Und doch ganz viel. Redbox ist sozusagen das Kontradiktum zur «Anleitung zum Unglücklichsein»: Eine höchst stilvolle Anleitung zum Glücklichsein. Denn es geht darum, zu zeigen, wie man sich das Leben so angenehm, so erträglich, so stimmungsvoll wie nur möglich einrichten kann. Nun gut, im Endeffekt ist Redbox nichts Weiteres als ein Geschäft.

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Ein Einrichtungshaus, bestehend aus zwei Filialen, beide an den Peripherien der Stadt Zürich gelegen. Zwei vom Himmel gefallene rote Kuben. Der eine befindet sich in der ehemaligen Waschanstalt in Zürich Wollishofen. Der andere in Zollikon, hinter dem Bahnhof Tiefenbrunnen. Aber Sie ahnen es sicher schon: Redbox ist eben mehr als bloss ein Geschäft. Redbox ist eine Marriage aus Kontemplation und Inspiration. Eine Welt für sich. Ein Parallel-Universum, wo der gute Geschmack und die Essenzen des Genusses die Gesetze der Marktwirtschaft bestimmen. Als Einrichtungshaus verkauft Redbox in erster Linie Möbel. Und Accessoires – eine ausgewählte Selektion an Exklusivitäten. Aber auch Bücher für den Bohemien und den Hedonisten. Literatur und Bildbände über Design, (Foto-)Kunst, Architektur, Autos, Jachten oder Reisen. Man findet hier Dinge zum Verschenken, Gegenstände, die so schön sind, dass man sie eigentlich lieber selber behalten möchte. Was jedoch das Wesen dieser «Anleitung zum Glücklichsein» ausmacht, ist diese unausgesprochene und dennoch offensichtliche Aufforderung zum Geniessen. Keine marktschreierische, sondern eine stille, stilvolle und sinnliche Einladung, die schönen Seiten des Lebens kennen zu lernen – und auszukosten. Was ist damit genau gemeint? Man stelle sich beispielsweise folgendes Szenarium vor: Drei Herren mit Anzug und Krawatte und eine Dame im Deux-Pièces sitzen an einer Holztafel. Dunkle Eiche, sehr

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brut. Es ist ein Businessmeeting. Doch die Tafel steht nicht im Konferenzzimmer einer Bank oder Anwaltskanzlei, sondern im Schaufenster von Redbox in Zollikon. Daneben sieht man einen auf Hochglanz polierten Oldtimer, einen Bentley, Jahrgang 1947. (Im Schaufenster von Redbox steht immer eine mobile Preziose dieses Formats, mal ist es ein Porsche aus den Sechzigerjahren, mal ein alter Talbot oder ein Jaguar.) Draussen rauschen die Autos vorbei. Drinnen klingt leise Musik aus den Lautsprechern. Es duftet nach Vanille und ein bisschen nach Sehnsucht. Unsere Geschäftsherren und die Businesslady unterzeichnen jetzt die Verträge, lehnen sich zurück und denken: «Soll ich meinen Gästen heute Abend den Château Cheval Blanc 1982 auftischen? Warum fahren wir diesen Sommer nicht endlich mal nach Portofino? Und: Warum kann arbeiten nicht immer so entspannt sein?» Für Redbox ist dieses Szenarium nichts Aussergewöhnliches. Hier ist eben alles ein bisschen anders. Unkonventioneller und unkompli­ zierter. Nicht minder ungewöhnlich ist der Umstand, dass an Samstagen Familien hierherkommen, um sich zu verweilen. Der Vater findet vielleicht den Weg in den begehbaren Humidor, wo stets eine konstante Raumtemperatur und eine Luftfeuchtigkeit von 65 bis 70 Prozent herrschen. Hier findet er praktische jede Zigarre, die sein Herz begehrt. Die Kinder wiederum haben es sich vielleicht auf einem der Sofas im Erdgeschoss bequem gemacht, essen Kuchen von der Bar, trinken Limonade, lesen ein Buch.

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Oder sie sitzen auf einem der wetterfesten Lounge-Sessel auf der Terrasse, wo textile Sonnenschirme und hochgewachsene Pflanzen Schatten spenden. Derweil lässt sich die Mutter von den Stimmungen inspirieren. Vielleicht kauft sie eine neue Vase. Oder Tischsets. In Naturfarben selbstverständlich. Wie wäre es mit einem neuen Bett? Aber es ist genauso in Ordnung, wenn sie nur schaut und nichts kauft. Es ist völlig okay, wenn die Familie am folgenden Samstag wieder kommt, wieder nichts anderes macht, als zu kommen, zu schauen, sich zu entspannen und sich von den Stimmungen treiben zu lassen. Denn im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Geschäft ist Redbox eben auch ein perfekter Ort zum Verweilen. Diesen Ort gibt es nun schon seit acht Jahren. Ins Leben gerufen hat ihn der Zürcher Architekt Marco Carenini. Seit einem Jahr ist sein Bruder Cyril mit von der Partie. Den Gebrüdern Carenini ist das Flair für die Architektur und das Interior Design sozusagen in die Wiege gelegt worden, ist doch ihr Vater ebenfalls Architekt. Es versteht sich von selbst, dass auch die Wohnberater bei Redbox allesamt ein ausgezeichnetes Flair für Interior Design haben sowie über ein profundes Know-how verfügen. Dies manifestiert sich nicht zuletzt darin, dass es hier keinem schwerfällt, Pläne zu gestalten. Redbox verkauft nämlich nicht nur Möbel oder Exklusivitäten aus der Welt der schönen Dinge, sondern konzipiert auf Wunsch mitunter Wohnkonzepte für Häuser, die gerade erst am Entstehen sind. Natürlich findet der Kunde hier renommierte Marken. Doch wichtiger als die grossen Namen sind die transportierten Stimmungen. Dafür braucht es kein grosses Brimborium. Es kann auch etwas ganz Einfaches sein. Eine duftende Kerze zum Beispiel. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, auf die es ankommt. Nicht nur ästhetisch gesehen. Feinstofflich vielleicht? Wie auch immer: Wer es hier nicht schafft, vom Alltag Abstand zu nehmen und sich inspirieren zu lassen, bleibt vorerst ein hoffnungsloser Fall. Weitere Informationen unter www.redbox.ch


Ph. Duilio Bitetto

Boffi Suisse Seestrasse 13 Zollikon tel. 0041 044 2064040 fax 0041 044 2064045 info@boffi-suisse.ch www.boffi-suisse.ch boffi.com


G e n u ss

Schwelgen in exquisiten Genüssen

Es gibt Momente, da muss man im Leben einfach anhalten und geniessen. End- und gedankenlos schwelgen in Genuss, Gesellschaft und Gemütlichkeit. Sich lustvoll den himmlischen Verführungen hingeben. Das «Mare & Monti» im Zürcher Kreis 3 ist genau die richtige Oase für solche geistig-romantischen Ausflüge.

Tex t NADJA WIEL ATH | Fotos ALESSANDR A LEIMER

Meine feinfühlige Nase beschnuppert die sonnengetrockneten und handgerollten Tabakblätter. Ein intensiver erdiger Geruch mit schärfer werdender Unternote entpuppt sich. Die Härchen meiner nasalen Geruchsnerven stehen stramm und versuchen diese spezielle Duftnote einzufangen und einzuordnen. Salzig, bitter, süss oder scharf? Oder eher modrig, pfefferminzig, ein Hauch von Cayenne? Das Deckblatt der 115 mm in meiner Hand fühlt sich wie eine schlangenhautähnliche Oberfläche an: geschmeidig, trocken und feucht zugleich. Ich führe das edle Kraut an meinen Mund. Wau, meine erste Zigarre! Vorsichtig umschliessen meine Lippen die kunstvoll gerollten Tabakblätter. Ich bemühe mich, gekonnt an der Zigarre zu ziehen. Ein würziger Geschmack verbreitet sich in meinem Rachen. Ich spüle den Mund mit teurem Tabaknebel. Relaxed tauche ich in die Welt der Machos, Al Pacinos, Schwarzeneggers und Konsorten ein. Genüsslich inhaliere ich einen Hauch von Luxus, einen Rauch mit einem dynamischen und gleichmässigen Geschmack, der bei jedem Zug eine Welle neuer Gefühle schenkt. Mit überspitztem Kussmund lasse ich den Rauch in die Freiheit entgleiten. Bläuliche Rauchringe tanzen in den Raum. Der Rauch ist zwar intensiv, er wirkt jedoch nicht aggressiv, sondern verbreitet eine gefällige Süsse. Ich entspanne mich. Ich habe Zeit. Alle Zeit dieser Welt. Es ist warm. Ich fühle mich wohl. Ich bin sehr zufrieden mit mir und der ganzen Welt. Ich sitze bequem in einem schokoladenbraunen Ledersessel. Ich werde verwöhnt mit liquiden Köstlichkeiten: einem schwarzen Espresso und einem Madeira im Tulpenglas. «Sissi – die Kaiserin von Österreich» – wer kennt diesen herzzerreisenden Film nicht? Und erst die Vergissmeinnicht-Blumenszene auf der fruchtbaren Insel Madeira! Doch wer kennt den betörend schmackhaften, bernsteinfarbig leuchtenden Süsswein, den die Insel hervorbringt? Im Mund hinterlässt er einen Geschmack von Honig, Maggikraut und Meersalz. Im Herzen lässt er die Sonne, das karge Gestein und das Feuer dieser Vulkaninsel spüren. Der Madeira ist exotisch. In der Antike wurde kein anderer Wein kräftig geschüttelt, erhitzt und aufgesprittet. Diese Tradition wurde weitergetragen. Er gibt sich einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf hin, um in vollendeter Form, Schönheit und Geschmacksintensität zum Vorschein zu kommen.

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Der «Insulaner» ist ein sehr exquisiter, erlesener Premiumwein. Ich stecke meine Nase tief in das Glas und nehme den Duft des portu­ giesischen Ambrosias auf. Sein Bouquet harmoniert ausgezeichnet mit meiner leichten Davidoff Nr. 2. Die sensorischen Geschmacksund Geruchsempfindungen werden in Kombination dieser beiden Gaumenverwöhner intensiviert. Zur Vervollkommnung meiner Gaumenfreude fehlt ein Stück kubanische Zartbitterschokolade mit 85 Prozent Kakaoanteil. Ich stelle mir vor, wie sie auf meiner Zunge langsam dahinschmilzt. Ihre zart-zerbrechliche Bittersüsse würde sich mit dem madeirischen Honig-Salz-Geschmack sicher königlich verbinden. Ich koste einen weiteren Schluck des geheimnisvollen Tranks, der die unbeschwerte mediterrane Lebensart verkörpert. Im Licht bekommt sein Teint einen orangefarbenen Unterton. Er wächst terrassiert vom Rand des Meeres bis hinauf zu Höhen von 1000 Metern an hohen Spalieren. Seine Trauben reifen während einer langen Periode, die Weinlese dauert entsprechend länger als anderswo. Der göttliche Madeira scheint unsterblich zu sein. Eine Genussreife gibt es bis zu einer gewissen Zeit, einen Zerfall wie bei anderen Weinsorten gibt es quasi nicht. Er kann Jahrzehnte später getrunken werden. Der Madeira überlebt sich selbst!


THE M A

Tabak hatte bei den indianischen Schamanen schon immer eine grosse Bedeutung. Die Medizinmänner, deren Dienste in Anspruch genommen werden, ungeachtet dessen, ob es sich um eine Behandlung oder um Unterricht handelt, bitten um etwas Tabak. Es dient nicht als Zahlungsmittel, sondern ist ein wesentlicher Bestandteil der Zeremonie. Wenn ein Medizinmann Tabak bekommt und um Hilfe gebeten wird, geschieht etwas: Es werden damit all seine Kenntnisse und Fähigkeiten aktiviert, und er ist nicht länger nur ein gewöhnlicher Mensch, sondern ein Werkzeug, durch das die grosse Macht strömt. Der Rauch soll die Gebete zum Schöpfer hinauftragen. Das heutige Rauchen ist zu einem sozialen Ritual geworden. Das Geniessen der Zigarre ist zwar ein individueller Akt, aber wir schätzen die Zigarre umso mehr, wenn jener gesellschaftlich umrahmt wird und wir unsere Geschichten, Sorgen und Wünsche austauschen können. Ich betrete den Humidor, das Herzstück des «Mare & Monti». Eine intensive Ruhe überkommt mich schlagartig. Diese meditative Stille, die angenehme Kühle des Raumes und die spürbare Frische dank der hohen Luftfeuchtigkeit lassen mich entschleunigen und in mich gehen. Mein Geist wird völlig klar und wach. Die Duftmischung von Zedernholz und Tabak betört mich. Da liegen sie – alle ganz aromatisch und anschaulich –, ein paar Hundert Premium-Zigarren, die nur darauf warten, genussvoll geraucht zu werden. Das umfassende Sortiment lässt das Herz eines Aficionado schneller und höher schlagen.

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Das Angebot beginnt bei Avo und Aurora und geht über Battoro, Belinda, Davidoff, Flor de Selva, Makanudo, Montecristo, Troya de Nicaragua bis hin zur Vegueros. Von der schweren kubanischen über die mexikanische, honduranische bis hin zur leichten dominikanischen Zigarre und zu erstaunlich komplexen Mischungen mit vornehmen Auftritten und Reichhaltigkeit findet man hier alle Abstufungen. Der Zigarrenkönig Zino Davidoff glaubte an das Original und an den unverfälschten Genuss seiner Produkte. Seine «Jünger» wussten das ebenfalls, sie kamen aus der ganzen Welt, um mit ihm seine Philosophie zu teilen. Sie verstanden, was er meinte, wenn er sagte: «Rauchen Sie weniger, aber besser und länger – machen Sie einen Kult daraus, eine Philosophie!» Weitere Informationen unter www.maremonticigars.ch, www.riegger.ch, www.davidoffschiff.ch

Das elegant im Lounge-Stil ausgestattete Davidoff-Schiff verkehrt seit Frühling 2007 auf dem Zürichsee und verspricht ein Genuss­ er­lebnis der besonderen Art: Neben kulinarischen Köstlichkeiten und erlesenen Weinen der Weinkellerei Riegger bietet die Smokers Lounge von Davidoff den idealen Rahmen für Cigarren-Aficionados.


wellnesS

GlU ck E

Wahres liegt im Hier und jetzt

Das MOHR life resort im Tirol ist kein gewöhnliches Hotel. Eine einzigartige Architektur in einer betörenden Landschaft und der herzlichste Service der Welt entführen den Gast an einen Ort höchster Glückseligkeit: in den Moment.

Tex t Thomas Meyer und Urs Blöchliger | Fotos Hotel MOHR life resort

Wohin gehen wir?», fragte ich Sandra, als wir uns ins Auto setzten. «Das siehst du dann», sagte sie lächelnd und drehte den Schlüssel. Sie hatte mir eine Überraschung versprochen. Und ich mag Überraschungen nicht besonders. Nach einer Stunde fragte ich deshalb abermals, und wieder sagte sie: «Das siehst du dann.» Als wir längst die Grenze nach Österreich überquert hatten und vom Fernpass herab unter blaustem Himmel und bei bester Laune ins Tirol hineinrollten, wollte ich es wirklich wissen: «Aber wohin gehen wir nun?», und sie sagte: «Das siehst du jetzt dann gleich.» Kurz darauf empfing uns ein fantastisches Panorama; eine riesige Ebene in einem Talkessel, zu deren Linken sonnenvergoldet die Zugspitze, an deren Fusse ein hübsches Dorf, dessen erste Häuser wir gerade erreichten. Schliesslich hielten wir vor einem grossen, modernen, kraftvollen Bau. «Wir sind da», sagte Sandra.

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Wir wurden freundlich begrüsst von zwei Holzstatuen, die den Eingang säumten. Zu ihnen gesellte sich sofort ein noch freundlicherer Herr, der uns das Gepäck abnahm und uns zur kerzenbeleuchteten Réception geleitete, wo eine ebenso freundliche Dame uns empfing. «Herzlich willkommen im MOHR life resort!», sagte sie und gab uns zwei Gläser Prosecco. Während Sandra uns einschrieb, sah ich mich staunend um: Hier trafen Stein, Holz, Leder, Licht, Eisen und Wasser in einer derart vielfältigen und dennoch harmonischen Form aufeinander, dass allein schon der Eingang einem Kunstwerk gleichkommt. Mein hungrig gewordener Blick fiel auf Blumen, Teppiche, Bonsaibäumchen, Äste, Vorhänge – und Sandra, die mich mit funkelnden Augen erwartungsvoll anblickte und zaghaft fragte: «Und, wie findest du es?» Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte, und versuchte, meine Begeisterung in Worte zu fassen. Dies gelang nur ungenügend, weswegen ich mich wieder der Betrachtung des aufregend verlegten Steinbodens zuwandte. Während wir auf unser Zimmer geführt wurden, malte ich mir in den tollsten Farben aus, was uns hier noch alles erwarten würde. Doch ich sollte bald sehen, dass meine Fantasie bei Weitem nicht ausreichte und auch nicht mein Wortschatz. Dies war kein Zimmer, es war eine Oase der Gemütlichkeit. Durch die raumhohen Fenster strahlte uns kantig, gewaltig und urweltlich die Zugspitze an, ein strenger Kontrast zu den feinen und klaren Linien der schlichtweg erstklassigen Einrichtung. Alles stand, hing und lag am richtigen Platz, und es gab sogar einen kleinen Trinkbrunnen an der Wand. Hier war jemand mit einem sehr begnadeten Auge am Werk gewesen. Und einem sinnlichen dazu: Die Dusche ist vom Schlafraum mit einer Glasscheibe abgetrennt. Spätestens jetzt wurde mir klar: Dies ist ein Hotel für Paare, die sich feiern möchten. Ich beschloss, meine ablehnende Grundhaltung zu überdenken, was Überraschungen anbelangt. Sandra sah mir bei diesen Gedanken grinsend zu und schien sie problemlos lesen zu können. «Komm, wir schauen uns den Rest an», sagte sie und warf mir meine Badehose zu. In flauschige Bademäntel gehüllt schlenderten wir Richtung Wellnessanlage. Unterwegs gab es immer wieder etwas zum Innehalten und Staunen. Überall reichten sich kleine Finessen in der Architektur und Inneneinrichtung die Hand und lehnten sich in ungewöhnlichster Weise aneinander. Moderne Technik fügt sich in natürliche Materialien, Milchglas unterteilt den


Raum in verschiedenes Licht, Fotografien aus den Anfängen des 1806 erbauten Hotels prangen neben einem Flatscreen. Dies war ein sehr spezieller Ort. Es sah anders aus als alles, was ich kannte, es roch anders, es fühlte sich anders an, und ich fühlte mich anders. Ich fühlte mich bei mir, bei Sandra und überhaupt zu Hause. Alles war erholend. Der Charme des Personals, das Panorama, die Architektur – alles schien zu einem zu sprechen: «Es ist alles gut. Lehn dich zurück. Es ist gut.» Ja, es war gut. Es war nie besser gewesen als hier und jetzt. Von den Österreichern heisst es, sie seien charmant. Dieses Cliché muss hier entstanden sein, denn es entspricht der Wahrheit. Hier liebt man den Gast, man schätzt ihn, man umsorgt ihn, man nimmt ihn wahr, man respektiert seine Ruhe, man dient ihm zu, mit Stolz und lächelnder Herzlichkeit. So muss es im Paradies sein: Man schlemmt, schläft, schmust, und hat man einen Wunsch, so wird er einem sofort erfüllt. Man ist dermassen entspannt, dass man mit einem Fuss ständig im Traumreich schwebt, was die bereits entrückte Stimmung noch viel unwirklicher erscheinen lässt. Es gibt keine Vergangenheit mehr und keine Zukunft, es gibt nur noch den Moment; und so verstand ich auch, was die Mystiker meinten, die sagten, das Glück liege in der Gegenwart. Glück ist also eine schöne Frau in einem Bademantel, die einem all das hier schenkt und gerade auf meinem Schoss döst, dachte ich. Ich sah der Zugspitze zu, wie sie goldfarben und dann rot wurde. Ich befand mich komplett in diesem Moment und empfand tiefsten Frieden und grosse Dankbarkeit, auch Sandra gegenüber, für ihre Überraschung und die Tatsache, dass sie auf meinem Schoss lag und überhaupt da war. Die Zugspitze wechselte prachtvoll von Dunkelrot zu Dunkelblau und versicherte mir in klugen, alten Worten, dass alles gut sei. Bald war es Zeit fürs Abendessen. Ich blätterte noch ein wenig in einem Prospekt über dieses Haus, das 1806 erbaut und exakt 200 Jahre später komplett renoviert und mit einem modernen Zubau versehen wurde. Ich blätterte weiter und las von einer lauschigen Kaminlounge mit Holzfeuerstelle, wo auch Drinks gereicht würden.

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Sandra, hier gibt es eine Kaminlounge mit Bar!», sagte ich. «Mmh», machte Sandra auf meinem Schoss. Ich weckte sie, und wir gingen uns umziehen und dann zu Heike. Heike ist fantastisch. Sie war die Freude und die Herzlichkeit schlechthin und machte das Essen noch köstlicher, als es schon war. Heike erfüllte unsere Wünsche, noch bevor wir sie selber genau kannten. Sie lächelte morgens, mittags und abends und beim Gute-Nacht-Sagen, und sie lächelte nicht, weil sie muss, sondern weil sie Heike ist und Grund hat. Wir liebten Heike. Wir lächelten auch. Wir nannten es das Heike-Lächeln. Es war im ganzen Haus und in uns drin, und nach dem Essen legten wir uns in der Kaminlounge vor das gemütlich züngelnde Feuer, ich mit einer Zigarre und einem Buch, Sandra mit einem Glas Wein und einem Magazin, und wir lächelten das Heike-Lächeln, hatten das Zugspitze-Vertrauen und verschwendeten keinerlei Gedanken an das, was war oder sein würde, sondern schwebten immer weiter in den Moment hinab. Den anderen Paaren ging es genauso, sie waren uns fern und einander nah. Über allem lag ein süsser Hauch der Erotik. Wir tranken Sekt und lächelten. Wir tranken noch mehr Sekt und fühlten uns wohl. Wir schauten die Zugspitze an und lächelten, sie lächelte zurück. Wir lächelten Heike an, die ohnehin lächelte. Es stimmt: Wahres Glück liegt im Hier und Jetzt. Und wir schworen uns: Nach Lermoos, ins Mohr Life Resort, zum Fusse der klugen Zugspitze, in das Haus der Raffinesse und der Herzlichkeit, kommen wir bestimmt wieder. Weitere Informationen unter www.mohr-life-resort.at

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THE M A STER PIEC E

dr i n k r e sp onsi bly

I N T H E A R T OF VODK A

W Y B O R O WA E X Q U I S I T E INTRODUCING E XQUISITE. POLISH VODK A BY W Y BOROWA . PERFECTION R EDEFINED. DISTILLED FROM ONE SINGLE ESTATE IN POL A ND. DR ESSED BY FR A NK GEHRY.


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Der etwas andere

Mythos Ist der sagenumwobene Harley-Mythos nur eine wirkungsvolle Marketingstrategie der Motorradfirma aus Wisconsin? Bisher bediente man fast ausschliesslich Chopper-Wünsche des nach Lifestyle suchenden Motorradfahrers.

Tex t Norman Werner | Fotos Harley-Davidson

Zu Beginn der Firmengeschichte im Jahr 1903 entstanden vor allem Nutzfahrzeuge, die bei Militär, Polizei und der Post eingesetzt wurden. Erst der Bau von Rennmaschinen etablierte die Marke im Kreise der Motorradfahrer, doch dazu später. Bis ins Jahr 2002 ausschliesslich luftgekühlt, rüttelt sie sich seither über sämtliche Kontinente unseres Erdballs. Die penetranten Vibrationen dieses einzigartig langhubigen Aggregats lockerten in allgegenwärtiger Konstanz Schrauben jeglicher Grösse und Form des Fahrzeugs. Von den Zahnplomben seines Reiters ganz zu schweigen. Wer dezente und vernünftige Motorräder sucht, ist hier falsch. Schliesslich wurden die ursprünglichen Chopper von echten Männern gefahren. Rebellen, die gegen den Strom schwammen und sich von nichts und niemandem etwas vorschreiben lassen wollten. So wurde die Harley-Davidson zum Kult und mit dem Kinofilm «Easy Rider» von 1969 endgültig zum Mythos. Seit dieser Zeit lechzen Harley-Fahrer nach der viel besagten «Freiheit auf zwei Rädern», die Dennis Hopper und Peter Fonda schon vergeblich suchten. Mit dem Geld aus Drogenverkäufen trieb der Drang nach Freiheit die beiden Protagonisten quer durch die Vereinigten Staaten.

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Sport

Das Lied «Born to be wild» der Gruppe Steppenwolf wurde dabei zur Hymne der Motorrad- bzw. Chopper-Fahrer. Selbstverständlich gibt es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum «Bike der Freiheit» auch eine «Strasse der Freiheit», die Route 66. Eine «gechoppte» Harley ist nicht gebaut, um damit auf kurvenreichen Rennstrecken zu fahren, sondern um gemächlich mit lässiger Sitzposition und tiefblubberndem Sound aus den Auspuffrohren lange und möglichst gerade Strecken zurückzulegen. Fassen wir also den grössten Traum eines Motorradfahrers zusammen: Mit einer Harley entlang der Route 66 vom Nordosten der Vereinigten Staaten bis nach Kalifornien cruisen, auf den Spuren der amerikanischen Siedler gen Westen, im Ohr «Born to be wild» und die Haare im Wind. Ist das alles? Für den Grossteil der Motorradanhänger schon. Mittlerweile ist der gemeine Harley-Fahrer kein vagabundierender Abenteurer mehr. Vom Arzt und schlipstragenden Vorstandsmitglied eines Millionenumternehmens bis zum Hilfsarbeiter holt sich mittlerweile fast jeder sein eigenes langhubiges Stück Freiheit in die Garage. Der Grossteil dieser Freizeitrebellen hat jedoch keine Ahnung, dass das erfolgreichste Sportmotorrad aller Zeiten eine Harley ist. Genauer eine XR 750. Im Jahr 1970 tritt die modifizierte Sportster ihren Siegeszug auf den amerikanischen Dirt-Track-Ovalen an und ist bis heute die TopMarke in dieser Sportart. An der Bezeichnung «Sportster» scheiden sich die Geister. Was bitte soll denn an diesem Eisenhaufen sportlich sein? Intensive Recherchen um und über Dirt Track wiesen mir den sportlichen Weg zum Mythos Harley-Davidson. Motorradrennen im Oval sind eine der ältesten Motorsportarten überhaupt. Wurden sie zunächst auf Holzplanken mit erhöhten Kurven ausgetragen, führte die Leistungssteigerung der Motoren zu vielen verheerenden Unfällen. So wurden die Rennen bereits in den 1920er-Jahren auf Sand, Asche und Beton verlagert. 1954 schreibt die American Motorcycle Association (AMA) die erste nationale Meisterschaft aus, die aus Short Track, Long Track und TT Races bestand. Wer sich den US-Meistertitel ans Revers heften wollte, musste also gleicher­ massen bei Bahn- und Strassenrennen siegreich sein.


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Während sich Harley-Davidson bei den Strassenrennen relativ schnell der starken Hightech-Konkurrenz aus Japan und Europa geschlagen geben musste, waren die V2-Boliden bei den Bahnrennen eine Macht. Dort waren nicht allein die Höchstgeschwindigkeit und technische Wettrüstung entscheidend, sondern solide Handarbeit des Rennfahrers und das unglaubliche Drehmoment der langhubigen Maschinen. Neben reichlich Testosteron als Grundausstattung des Fahrers machen hier 90 Prozent der Mensch und 10 Prozent die Maschine bis heute den Unterschied zwischen Gewinnern und Verlierern. Eine Riesenportion Mut ist zwingend notwendig. Ohne Vorderradbremse wohlgemerkt, denn diese ist laut Reglement verboten, rast man mit ständig durchdrehendem Hinterrad Lenker an Lenker mit den Widersachern auf die erste Kurve zu. Eine genaue Beobachtung der Fahrtechnik lässt schnell erkennen, dass eine Verzögerung des Vorderrads auf der Geraden nicht nötig, vor und während der Kurve auf diesem Belag überhaupt nicht möglich ist. Lediglich das Zurückdrehen des Gashahns vor der Kurve ist eine effektive Massnahme, um die Geschwindigkeit zu verringern. Todesmutig werfen sich die Fahrer dank geschickter Gewichtsverlagerung in Schräglage, und die Motorbremswirkung lässt das Hinterrad ausbrechen. Der innere Stiefel wird zur Sturzvermeidung und Schräglagen­ sicherung schleifend über den Streckenbelag gehalten, und mit gefühlvoller Gashand wird das Driftobjekt durch die Kurve zu deren Ausgang beschleunigt.

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Ähnlich eines Rodeoritts und zeitweise ohne jeglichen Grip an Vorder- und Hinterrad, ständig auf der Suche nach dem maximalen Vortrieb, reitet man am Existenzminimum auf den Kurvenausgang zu. Um dem angegriffenen Nervenkostüm noch eins draufzupacken, tauchen in den ungünstigsten Momenten die Mitstreiter auf, als wäre man mit der eigenen Unzulänglichkeit nicht schon genug bestraft. Literweise Schweiss, Blut, der Kampf Mann gegen Mann, die freie Wahl der Ideallinie und zahllose Positionskämpfe. Ehrlicher kann ein Motorradrennen nicht sein. Die Attraktivität dieses Sports resultiert nicht zuletzt aus der klassischen Technik, der Optik der Motorräder und der Tatsache, dass die Zuschauer den gesamten Rennverlauf ununterbrochen direkt beobachten können. Dies ist für uns nicht weniger interessant als für die US-Boys. Schliesslich haben der Arena-Charakter mit der Nähe zu Fahrern und Geschehen sowie der relativ einfache Einstieg als Aktiver hierzulande Supermoto schnell populär gemacht. Noch dieses Jahr erscheint die neueste Kreation der Company. In Anlehnung an diese Dirt Track Bikes kommt in diesem Jahr ihr erstes Serien-Sportbike für die Strasse, die XR 1200, auf den Markt – Sie dürfen sich freuen und gespannt sein! Der Harley-Mythos lebt. Nicht nur mit bösem Blick, Dreitagebart und betont lässiger Sitzhaltung auf dem eindimensionalen Highway der Coolness. Weitere Informationen unter www.harley-davidson.ch

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Spiel

Schönes an Spaniens Atlantikküste In Andalusien gibt es noch Golfplätze, die zu einem vernünftigen Preis zu bespielen sind und wo die Reise nicht über den Chaosflughafen von Malaga führt. Einfach mit Helvetic Airways nach Jerez fliegen und dort die Costa de la Luz geniessen.

Tex t João Paolo Coll ado | FOTOS Golf Club Novo Sancti

Seit einigen Jahren ist Andalusien für immer mehr Golferinnen und Golfer zu einem Reizwort geworden. Statt sich auf den Süden zu freuen, tauchen unschöne Bilder auf. Das Gebiet um den einstigen Prominentenort Marbella an der Costa del Sol ist heute übersät mit Golfplätzen. Ein paar ganz exklusive Clubs wie Valderrama oder La Zagaletta oder San Roche mal ausgenommen, bietet sich von viel zu vielen Golfplätzen die Aussicht auf eine der grössten Baustellen Europas mit einer Ansammlung an Baukränen, wie man sie sonst nur noch in Dubai finden kann. Und dies sehr oft zu Preisen, die in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung stehen.

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REis e n

Aber «gleich um die Ecke» oder «ennet» dem Fels von Gibraltar, in Richtung portugiesische Grenze, liegt die noch etwas ruhigere Costa de la Luz und nur ein paar Kilometer im Hinterland eine der wichtigsten Städte Andalusiens – Jerez de la Frontera. Der Name klingt nicht nur gut, die Stadt ist auch historisch von Bedeutung. Der Zusatz «de la Frontera» (an der Grenze) hat nichts mit der noch fast 200 Kilometer entfernten portugiesischen Grenze zu tun. Er geht zurück auf die Kämpfe zwischen den Menschen in den maurischen und den christlichen Gebieten, die in dieser Gegend stattfanden. Eine der Attraktionen der Stadt ist noch heute die Königlichandalusische Reitschule. Zum Schritt zur Moderne gehört auch der von Helvetic Airways nonstop angeflogene Flughafen La Parra, rund 25 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Der feine Klang von Jerez de la Frontera hat viel mit dem ebenso feinen Sherry zu tun. Die Stadt gilt als die Hauptstadt des «Viño Jerez». Aus der alten Schreibweise der Stadt Xeres (ausgesprochen Scherez) soll das Wort für diesen so wunderbar duftenden Likörwein abgeleitet sein. Als dann die Engländer in der Gegend Einzug hielten – die Festung und der noch berühmtere Felsen von Gibraltar sind


noch heute ein Überseeterritorium des britischen Königshauses –, war der Name schnell mal in Sherry umgewandelt worden. Ein köstliches Getränk, das die Leute von der Insel bei jeder sich bietenden Gelegenheit gerne verkosten. Golf Costa Ballena oder Golf Novo Sancti Petri, schon wieder zwei Namen mit einem beinahe magischen Klang. Diesmal allerdings handelt es sich um Golfplätze. Die von den Golflegenden Severiano Ballesteros und Robert Trent Jones Sr. entworfenen drei Plätze des Golf Novo Sancti Petri bieten pures Golfvergnügen. Dreimal 18 Loch, damit wird Golf Novo Sancti Petri zu einem optimalen Golfferien- und -trainingszentrum in einem überaus angenehmen Klima. 1990 wurden die ersten 27 Löcher eröffnet. Diese gelten noch heute als eines der Meisterstücke des früheren Weltklassespielers Severiano Ballesteros. Weitere neun Löcher kamen im April 2001 hinzu. « Mar y Pinos», Meer und Pinien, ist der poetische Name für den einen der beiden Plätze. Etwas pragmatischer werden die andern 18 Löcher «Centro» genannt. Golf Novo Sancti Petri hat kürzlich auch das Management des Golfplatzes Campano übernommen. Dieser Golfplatz, in San Andres nahe Chiclana gelegen, wurde 1985 als 9-Loch-Platz eingeweiht. Über 15 Jahre führte er ein ruhiges und verstecktes Dasein. Eine Perle, ein Geheimtipp, nur den Insidern aus der Umgebung von Chiclana und Cádiz bekannt. Warum ein Geheimtipp? Das Originaldesign dieses Golfplatzes stammt von keinem Geringeren als Robert Trent Jones Sr., dem vielleicht bekanntesten und besten Golfplatz­ designer aller Zeiten. Aber es wurden zuerst einmal nur 9 Löcher gebaut … und wer reist schon wegen eines (auch noch so guten) 9-Loch-Platzes so weit? Erst vor zwei Jahren hat man begonnen, das Originalprojekt wieder aufzunehmen und den Platz um die fehlenden 9 Löcher zu erweitern. Jetzt empfiehlt sich ein hervorragender 18-Loch-Platz mit einem Design, das sowohl für Profis als auch für Amateure keine Wünsche offen lässt. Die alte Regel «Schwieriges Par, aber einfaches Bogey» ist hier konsequent umgesetzt worden. Golf Novo Sancti Petri gehört heute mit seinen 54 Löchern zu den Golfanlagen in Europas «Oberliga». Doch leider geht die Zeit des Geheimtipps rasch zu Ende. Denn auch hier gibt es bereits Golfer, welche die Gegend als «überlaufen» bezeichnen. Nicht zuletzt dank des Golfplatzes gilt Chiclana de la Frontera als einer der aufstrebenden Touristenorte an der Costa de la Luz. Chiclana liegt im Süden der Bucht von Cádiz und ist mit dem Auto von Cádiz aus leicht erreichbar.

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Vorbei an den andalusischen Pferden, an den wilden Stieren auf den endlosen Weiden, gibt es unzählige Möglichkeiten, die Gastronomie, die Volksfeste, die Paläste und Museen zu geniessen. Bekannte Nachbarstrände sind Concil de la Frontera, ein ehemaliges Fischerdorf mit viel Charme, San Fernando oder Vejer de la Frontera, eines der so bekannten weissen Dörfer. Gute Gelegenheiten, in das ursprüngliche Andalusien und damit das ursprüngliche Spanien einzutauchen. An der gleichen Küste, etwas mehr westwärts zum Mündungsgebiet des Guadalquivir hin, ist eine neue Ferienanlage entstanden. Dort, in der Nähe des Nationalparks Coto de Doñana, wo sich auch einer der schönsten Strände Spaniens befindet und unzählige Tierarten ein friedliches Zuhause haben, bildet der Golfclub Costa Ballena den eigentlichen Kern der Anlage. Kaum überraschend bei dieser Lage, dass la Ballena (der Wal) der Anlage ihren Namen gegeben hat. José Maria Olazábal, ein weiterer grosser Name in Spaniens Golftradition, hat hier eine 27-Loch-Anlage gestaltet, die herausfordernd ist für Spieler mit niedrigem Handicap und wohlwollend gegenüber Golfern, die auf weniger hohem Niveau spielen. Trotz den minimalen Höhenunterschieden ist es Olazábal gelungen, einen vielseitigen, von grossen Seen durchzogenen Platz zu schaffen. Mit immer wieder tollen Ausblicken auf den Atlantischen Ozean. Die 27 Löcher werden ergänzt durch hervorragende Trainingsanlagen mit allem, was dazugehört, und durch eine Par-3-Anlage, die Olazábal mit dem Ziel entworfen hatte, alle Eisen im Bag spielen zu können. Entsprechend sind die Löcher zwischen 100 und 180 Meter lang. Zur Anlage gehört auch ein punkto Design, Qualität und Funktionalität nichts zu wünschen übrig lassendes Clubhaus. Inspiriert von den typischen kleinen Gebäuden der Coto de Doñana, die unter der Bezeichnung «chozas» bekannt sind, liegt es harmonisch in die Landschaft eingebettet und lädt nach einer Runde oder dem Training zum Verweilen oder zu einem erfrischenden Schluck Cervesa. Darum gibt es eigentlich nur eines: ab zu Helvetic Airways, auf nach Jerez de la Frontera, auf zum schönen Spiel im ruhigen Teil Andalusiens – bevor es auch dort zu laut wird. Weitere Informationen unter www.helvetic.com www.golf-novosancti.de www.ballenacolf.com

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Unsere Pata Negra kommt von da! Für diesen köstlichen Edelschinken aus Salamanca werden nur die Hinterkeulen von Schweinen der halbwilden Iberica-Rasse verwendet. Diese durchstreifen schon seit Römerzeiten die lichten Steineichenwälder. Sie ernähren sich von Eicheln und Kräutern, die der Pata Negra das unverwechselbare Aroma geben. Da die frei laufenden Schweine dauernd in Bewegung sind, verteilt sich das Körperfett gleichmässig im Fleisch und marmoriert es zart. Seine einzigartige würzige Süsse verdankt die Pata negra jedoch dem traditionellen Herstellungsprozess. Dabei wird der frische Schinken zuerst gewaschen, dann im Salz gerollt und mehrere Wochen darin ruhen gelassen. In der Folge wird das Salz abgewaschen und der Schinken zum Trocknen aufgehängt. Nachgesalzen wird nicht. Denn nicht zuletzt ist es auch der sparsame Einsatz von Salz, der mit zum unvergleichlichen Geschmack der Pata Negra beiträgt, wie auch die bis zu 36 Monate dauernde Reifung, die bis zu einem Drittel des ursprünglichen Gewichtes kostet. Das alles macht die Pata Negra zur begehrten Delikatesse, die wir auch Ihnen gerne liefern.

Casa del Jamón SA Zürcherstrasse 37c · 8852 Altendorf SZ · Telefon 055/442 88 77 www.casadeljamon.ch · info@casadeljamon.ch


AUSblick

Feuer

Wenn zu Stein wird

In der alten Sägerei bei der Trichtenhauser Mühle haben bei der kleinen Firma Stein & Holz gar wunderliche Gesellen ihr Quartier aufgeschlagen. Mitsamt Tisch und Stuhl.

Tex t Thomas meyer | Fotos Andrea Badrut t

Wer mit dem Auto von Witikon nach Zollikon reist, fährt durch ein dichtes, dunkelgrünes Waldstück eine ziemlich steile Strasse hinab in ein Bachtobel, kommt dort an der Trichtenhauser Mühle und der dazugehörigen Sägerei vorbei und kurvt dann zügig weiter hinauf Richtung Spital Zollikerberg. Der vorbildliche Fahrzeuglenker wird dabei gut auf die Strasse und den Verkehr achten, und das ist auch recht so. Jedoch verpasst er dabei leider etwas: eine geheimnisvolle Zusammenkunft von prächtigen Buddhas, elefantenköpfigen Glücksgöttern, mystischen Riesengesichtern und breitmäuligen Fröschen. Sie alle nämlich sitzen dort bei der Sägerei der Brüder Heer würdevoll am Strassenrand, in Nischen und unter Bäumen. Die Geschichte von der altehrwürdigen Trichtenhauser Mühle, ihrer Sägerei und der Familie Heer lesen Sie im kommenden Winter in der nächsten Ausgabe dieses Magazins. Es ist eine spannende Geschichte, die im 17. Jahrhundert beginnt, dort in diesem Bach­ tobel unten, an jenem munteren Bach, der jahrhundertelang unermüdlich das Mühlrad und die Sägen antrieb. Hier und heute lesen Sie aber über all die Fabelwesen, die sich dort niedergelassen haben, nach einer langen Reise, die sie von Indonesien, Java und Bali hierhergeführt hat, in das kleine Tal zwischen Zollikerberg und Witikon. In ihrer Heimat waren sie einst Feuer. Flüssiges Feuer, das wild aus dem Boden quoll und dann langsam erkaltete. Dieser Lavastein ist leicht zu bearbeiten und dennoch sehr widerstandsfähig; ideal also, um in Form einer Figur einen Garten märchenhaft zu beleben. Es fällt leicht, sich vorzustellen, wie wundersam es wirkt, wenn hinter dem Buxbäumlein ein indischer Gott mit seinem Rüssel hervorlugt oder ein kleiner buddhistischer Mönch zwischen Efeublättern auf die Ewigkeit wartet. Und gerade weil diese Figuren aus Stein sind, fügen sie sich harmonisch in eine natürliche Umgebung ein, als wären sie schon immer da gewesen, sodass erst auf den zweiten Blick der menschliche Ausdruck darin erkennbar ist. Man könnte sagen: Aus Feuer wird erst Stein und dann Leben. Bei Stein & Holz gibt es aber eben auch Holz, und dafür muss man den kleinen Ausstellungsraum betreten. Das ist aber das falsche Wort für diese wunderliche Schatzkammer: Die Beleuchtung wirkt, als würde die Sonne in einen riesigen Haufen Goldmünzen hineinprallen, und überall stehen kleine und grosse Artefakte, als hätte hier ein Eroberer aus der ganzen Welt Kostbarkeiten in seinen Palast gebracht. Es gibt geschnitzte Gesichter und geschliffenes Schwemmholz, Bronzestatuetten und kleine Möbel aus Teakholz – und eben fantastische Leuchtobjekte, die eher eine Stimmung produzieren als Licht.

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Ganz egal, was für einen Einrichtungsstil man pflegt – ein Stück aus dieser erlesenen Sammlung bereichert jedes Heim; sei es auf dem Schreibtisch, in der Küche oder auf dem Balkon. Und je länger man sich umsieht, je mehr verschiedene Dinge erblickt man: So gibt es behauene Steinplatten mit einem Gesicht, bauchige Töpfe mit geometrischen Mustern, es gibt Säulen, auf die man ein Gewächs oder ein Getränk stellen kann, Kerzenhalter, Spiegel, Sideboards, Schmuckschatullen, Holzschalen, Paravents und riesige Tischplatten aus Holz, deren Unregelmässigkeiten mit Kunstharz aufgefüllt wurden. Es ist fast so, als würden hier im Trichtenhauser Tobel alle Epochen, Kulturen und Künste aufeinandertreffen zu einer mystischen Feier der Schönheit. Wieder im Freien, hört man den Bach munter plätschern, und von der nahen Sägerei riecht es nach frisch gesägtem Holz. Drüben auf der Mauer an der Strasse thronen mehrere Buddhas und beobachten in ihrem stillen Stolz die Szene. Und unter ihnen gleiten die Autos vorbei, gelenkt von Menschen, die das Richtige und das Falsche gleichzeitig tun: Sie sehen auf die Strasse und verpassen so dieses grandiose Schauspiel aus Stein, Holz, Wasser und Licht. In diesem Sinne ist nun eine dringende Empfehlung auszusprechen. Rufen Sie Peter Heer zuerst an, und vereinbaren Sie mit ihm einen Termin. Spazieren Sie dann gemütlich ins Trichtenhauser Tobel hinunter, und wandeln Sie zwischen den Göttern, Mönchen und Tieren umher, die dort in aller Ruhe auf Sie warten. Der Zauber dieser Gestalten und des Ortes wird Sie fein umfloren, Peter Heer wird Ihnen dazu spannende und lustige Geschichten erzählen, und Sie werden auch bald Ihren Liebling erkannt haben. Den sollten Sie mit nach Hause nehmen. Es ist nämlich der, der die ganze Zeit auf Sie gewartet und geduldig bei Wind und Regen ausgeharrt hat, bis Sie endlich kommen und ihn holen und in Ihren Garten stellen, wo er die bösen Geister vertreiben, die Schönheit einladen und sich abends ein wenig mit den Eichhörnchen unterhalten wird. Weitere Informationen unter www.steinundholz.ch

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Hier investieren Sie vor allem in technologische Spitzenqualität – und ganz nebenbei auch in ein Kunstobjekt Bei der Schaffung eines technologisch vollendeten Home Cinema-Systems achten wir auch auf eine stilvolle Erscheinung. Noch mehr Wert legen wir bei Bang & Olufsen allerdings auf eine unübertroffene Bild- und Klangqualität. Das Ergebnis ist ein Fest für die Sinne, das Sie live sehen, hören und erleben müssen. Überzeugen Sie sich selbst vom BeoVision 9. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Bang & Olufsen Thalwil, Staeger AG, Alte Landstr. 160, 8800 Thalwil, Tel. 044 720 13 62, info@staegerag.ch www.bang-olufsen.com


«Leistung heisst für mich: Ihnen echte Alternativen anbieten.»

Dr. Duri Prader

Gerade in stürmischen Zeiten stellen viele Kunden wichtige Fragen: Welche Bank überzeugt mit langfristigen Strategien? Wer bietet mir eine kompetente Beratung? Was kann meine Bank für mich persönlich leisten? Und sie fordern Antworten. Darum: Lassen Sie sich jetzt von starken Argumenten überzeugen – zum Beispiel während eines Gesprächs bei einer führenden Privatbank der Schweiz. Und von Leistungen, die Vertrauen schaffen. Wir freuen uns, Sie bei uns begrüssen zu dürfen. Bank Vontobel AG, Gotthardstrasse 43, 8022 Zürich, www.vontobel.com

Zürich Das Magazin #2  

Ein einzigartiges Corporate-Publishing-Produkt für die Wirtschaftsregion Zürich.

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