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STIJLROYAL

Winter 2008

DAS HEIMATMAGAZIN


es zieht sich in die l채nge


Inhalt 06-07 winterliebe 08-09 der winter im aussermoralischen sinne 10-11 mutlu / legacy serif / die fonts 12-13 unsere sache 14-15 wiesbaden sonderbar 30-47 schönschräg / la elegance 48-65 alles für die schönheit historistisches aus wiesbaden 66 die abenteuer des kleinen schlozz emil bienenschlau 68-79 tipps für den winter 80-81 rippchen mit kraut 82 impressum

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Editorialissimo

und ich könnte stundenlang von unseren lustigen und eigenartigen erfahrungen als heftchenherausgeber erzählen. vielleicht ist das ja auch nicht so aufregend. da muss man dabei gewesen sein. fünf ausgaben, ein jahr haben wir mit seltersdruck zusammengearbeitet, die druckvorstufe zur verzweiflung gebracht und wir haben fünf wunderbare magazine unter das volk gebracht. danke liebe lehn-family für die gute arbeit. aber weil alles im fluss ist, müssen wir nun das fernglas auspacken und einen neue herausforderung suchen. wir wissen nie, wie das alles weiter geht. und (jammer) was das alles immer kostet. es kostet und kostet. zeit, nerven, material und geld. doch wir sind noch immer guter dinge und freuen uns über jede ausgabe, auch wenn sich am tage der druckabgabe dunkle augenringe vom blassen teint deutlich abzeichnen.

nummer 5 lebt

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diesmal hat sich bini kahlenberg der architektur dieser stadt angenommen. nicht akademisch und nicht streng genommen. ein bißchen was aufgeschrieben. und dann haben wir noch unsere fotografen daniel roos, jana kay und saskia wegner losgeschickt. die aufgabe war: schaut einfach mal nach oben, die alten häuserfassaden hinauf und was ihr da seht, das bitte fotografieren. ganz ohne vorgabe oder großes konzept. nach gefühl. wo ihr grad steht, das wollen wir sehen. und was wir sahen, fanden wir großartig. alte höfe, prachtvolle fassaden und lauschige aussichten. es gibt hinterhofansichten, die haben sich seit hundert jahren nicht geändert. das ist das schöne an dieser stadt. sie hat glück gehabt. ihre putzigen einwohner sollten mal nicht so bockig sein und die stadt lieb haben. da muss man allerdings selbst tätig werden. man sollte sich da nicht auf die regierung verlassen.

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früher war alles besser. unsinn. es gab kein iphone, kein macbook, keine emanzipation, dafür gab es diesen bekloppten aus braunau am inn. was daran besser gewesen sein soll, entzieht sich meiner kenntnis. aber es gab einen winter im klassisch/romantischen sinn. so wie es sich die ausserirdischen vor einer milliarde jahren auf der erde gedacht haben. oder gott. oder der zufall. bis wir mit co2 und seinen kumpels alles kaputt gemacht haben. klar gibts gegenden auf der welt, da schneits tagein/tagaus, da wünscht man sich den schnee zum teufel. aber hier in wiesbaden, am fuße des laburischen quarzes, da schmilzt der schnee schon am himmel und fällt allenfalls als schneematsch hinab auf die häupter der beleidigten und benachteiligten. das war nicht immer so. in meiner kindheit (1967-1980) schnie es hin und wieder crazy flocken vom himmel, dass einem hören und sehen vergangen ist. und weil ich das so klasse fand, dass ich mir fast in die hose gemacht hätte vor aufregung (ich sagte fast), da gab es dieses ritual. ich stand zwischen dem 15. oktober und dem 15. april morgens um 5:00 uhr auf und hoffte auf schnee. ich konnte schon am licht des himmels, an der helligkeit meines zimmers, erkennen, ob es draußen geschneit hatte. ich lief zum fenster und siehe da: schnee. schneeheeeee... schnee, schnee, schnee, schnee. schnee war das größte. sobald ich raus durfte, bin ich raus und habe den ganzen tag im schnee verbracht, bis mir die oberschenkel blau anliefen, die zehen fast abfielen und ich meine hände nicht mehr spürte. also bis die laternen angingen. ich zog mit meinen kumpels manfred koridass und thomas georg durch die weinberge und wir spielten „lasst mich hier zurück!“. beim „lasst mich hier zurück!“ gings im grunde darum, dass einer von uns die strapazen nicht mehr ausgehalten hat und im schnee qualvoll verendete. vorher rettete er noch großmütig die anderen, die den zurückgelassenen prompt zurückließen. so blieb man zurück. das waren schöne zeiten.

lasst mich hier zurück

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Winterliebe

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es wird sicher einige der leser und leserinnen dieses heftchens überraschen, aber der winter auf der südhalbkugel unserer vom popanz geschundenen erde dauert vier tage länger als der auf der nordhalbkugel. da steht es 93:89 für die südhalbkugel. und weil die umlaufbahn von der idealen kreisbahn um 1,7% abweicht, sind die jahreszeiten nicht gleich lang. und dann behauptet die wissenschaft auch noch, dass die nordwinter wegen der sonnennähe kürzer und milder seien, als die winter auf der südkugel. das wüsste ich aber. der meteorologische beginn des winters ist der 1. dezember. so siehts nämlich aus. im meteorologischen sinne werden die jahreszeiten vollen monaten zugeordnet und so zieht sicher der winter von anfang dezember bis ende februar. die phänologie befasst sich mit den im jahresablauf periodisch wiederkehrenden entwicklungserscheinungen in der natur. das wort stammt aus dem griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt lehre von den erscheinungen. danach kann der winterbeginn vom astronomischen abweichen und wird neben der land-meer-verteilung häufig durch den beginn einer dauerhaften schneedecke (juhuu!) markiert. der winter - das wort stammt vom althochdeutschen wintar, was feucht, bzw. feuchte jahreszeit bedeutet. astronomisch beginnt er mit der wintersonnenwende, dem zeitpunkt, an dem die sonne senkrecht über dem südlichen wendekreis steht. dann sind die tage am kürzesten. dies ist auf der nordhemisphäre am 21. oder 22. dezember, im süden ist es der 21. juni. der winter endet in der nacht zum 21. märz auf der nordhalbkugel, bzw. am 22. oder 23. september auf der südhalbkugel. und zum schluss noch eine bauernregel, die besonders in großstädten von äußerstem belang ist und die man sich gut merken sollte: „sonnt der dachs sich in der lichtmesswoch‘, bleibt er noch 4 wochen in sei‘m loch!“ der reim hinkt, aber es ist zweifelsfrei die wahrheit.

der winter im aussermoralischen sinne

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Winter, Du kalte Sau, was hab ich Dich so lieb.

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Mutlu legacy serif

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eines tages spricht nicht mehr der text zu dir, sondern die form. der autor der schrift mutlu ornamental heißt gazoz. über ihn fand ich nichts im weltweiten netz und nichts konnten mir befreundete, der typografie nahe stehende erzählen. oft ist es bei solchen schriften ja so... sie werden verpönt, ihre nutzer verspottet ob der vielen schnörkeleien und der abwesenheit von adrian frutiger oder erik spiekermann. das eine schliesst jedoch das andere nicht aus. heute, da ich die 3 F (frutiger, franklin, futura) überwunden habe, bin ich mehr und mehr der meinung, dass sich solche schriften gut machen; auch auf briefpapieren von seriösen unternehmen. als beistelltischchen, als kleine anekdote, als stilmittel zur verwirrung, als frohe botschaft. das ist mutlu. inspiriert durch ein buch von eusebius aus dem jahre 1470, gesetzt in einer schrift von nicolas jenson, entwickelte der typograf ronald arnholm 1992 die lettern ITC legacy. in kursiv funktioniert sie wie viele serifenschriften anders und weniger konkret. sie wirkt dann greifbarer, weicher. sie scheint zu gähnen und umschlingt mich als leser und lässt meine blick auf der headline ruhen und anders begreifen. die historismusdebatte wird hier also nicht weitergeführt. die wahl entsprang aus dem gefühl. weil winter ist und weil wir was warmes gesucht haben, woran wir unsere klammen fingerlein wärmen können. das war der grund. das ist die legacy serif.

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nun im zuge der fünften ausgabe wenden wir uns mal an die leser, die wir mit unserer arbeit verzücken, irritieren, befreuen, befrieden, aufregen und einlullen wollen. als mich eines abends im november 2006 die damen und herren von royalkomm.design gefragt haben, ob wir zusammen ein magazin machen wollen, da sagte ich spontan JEIN. dann fuhr ich heim, legte mich ins bett und da fiel mir erst auf, dass das ja eigentlich was ist, von dem ich immer dachte, davon kann man nur träumen. teil eines magazines zu sein, eine schöne sache. so können wir zeigen, was wir machen, wir können den menschen anschaulich machen wer wir sind und wie wir die welt sehen. wir haben dann im laufe der tage beschlossen, dass wir das eben nicht so marktschreierisch machen und den leuten unser ding auf die augen und ins gemüt drücken. wir zeigen unsere sachen, unsere frisuren, wir zeigen unsern stijl und das wars. no comment. jeder kann sich überlegen, ob er das mag oder nicht. da wir das ganze ja kostenlos an die gesellschaft verteilen, gibts ja auch im prinzip nichts zu meckern, weil, man kann das magazin ja auch einfach nicht lesen oder unter den wackligen tisch legen. jetzt zur fünften ausgabe ist da was entstanden. wir haben was vorzuzeigen und wir sind auch stolz darauf. die meisten leute freuen sich auf die nächste ausgabe und sind voll des lobes und es treibt mir die tränen der rührung ins knopfloch, dass sich doch einige ganz schön den arsch aufreissen, um das hier zu ermöglichen. da sei der fotograf daniel roos zu nennen und natürlich mein ganzes team, das diese spirenzchen relativ klaglos hinnimmt. wir nutzen diesen weg, um euch zu zeigen, wo wir so stehen und was wir so machen. das machen wir mal so und dann auch mal wieder anders. wir sind keine philosophen und wollen den menschen nicht die welt erklären, aber wir sind da und wir sind schwer zu finden und wenn es wirklich eine schöne möglichkeit gibt mal ab und zu zu winken und mit der schönschrägen fahne zu schwenken, dann ist es dies hier. und das hier ist gut. es ist in diesem abschnitt des lebens ein wichtiger teil. was die zukunft bringt, weiß keiner.

unsere sache / schönschräg

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heft an sich zu machen ist ja nicht einfach. muss man schon auch mal die nächte durchpauken und hat‘s nicht leicht. andererseits lokführer oder krankenschwestern, arbeiter im bergwerk, fensterputzer am wolkenkratzer, animateure im ferienclub, die haben es allesamt noch unleichter da ist das hier eine kühne posse und sonst nichts. das machen wir ja auch gerne. ausgangspunkt war (und jetzt alle aufgepasst, die immer nach dem sinn dieses heftchen gesucht haben), dass wir einfach nicht mehr nur die imagebroschüren und folder machen wollten, die man so macht und hinter deren sinn oft ein fragezeichen und pure angst steht. die lebendige angst, dass eine botschaft den leser, den kunden nicht erreicht. ganz klar für jeden, der denken kann, es kann nicht jedes unternehmen das beste, preiswerteste, sicherste, nicht jedes produkt das sauberste, schnellste, geilste sein. die agentur, die das heute seinen kunden noch erzählt, die soll es tun. wir wollen es nicht tun. wir sind es leid. ein unternehmen, also auch auch royalkomm.design kann sich um die qualität eines produkt, um eine gute dienstleistung bemühen und wenn das produkt/die dienstleistung dann gut ist, dann kann das gut kommuniziert werden. das ist nicht immer ganz einfach, das ist aber machbar. schau her, da ist dieses heft und so werden wir wahrgenommen und das kannst du auch. dass jemand, der ein ehrliches, gutes produkt macht, einfach keine phrasen drischt, sondern die tatsachen originell, unverwechselbar und mit stil der menschheit präsentiert. die leute wollen lachen, staunen, sie wollen sich verlieben, sie wollen traditionen und dann traditionen brechen, die leute wollen was zum sammeln haben, was für die ewigkeit und was, was sie bei einem schnitt im leben wegwerfen können. was sich dann neu entwickeln kann. der kunde will nicht verarscht werden, der kunde, der leser ist nicht dumm und er will nicht bevormundet werden. und weil wir das zwar immer wieder predigen, aber das auch mal aufzeigen wollen, haben wir unser ding als heftchen rausgebracht. dann ist das der katalog und wir erwarten, dass die leserschaft nun wie hypnotisiert zu uns wandelt und sich für fünf- bis sechsstellige eurobeträge grafikdesign bei uns bestellt. har har har. das ist unser plan. und dann kaufen wir uns einen eigenen fussballverein, bauen uns eine vip-lounge, lassen die südkurve für uns schreien und lehnen uns entspannt zurück.

unsere sache / royalkomm.design***

ROYALKOMM.DESIGN*** 13


dem slogan fkleber mit u a n ei te musste ich jahren mach nde. damals ru , ie d r“ vor einigen a b nder t der begriff den den wu t unbeding a h on sb ic r h n ie a sc t b „w is r en r e d a ond s de wer underb n en w e . ff d a en a ch b ch s rs la u ie lbe w kult zhaft immer die se en? e, viele freie en lüge her b tt in u la ie la g d g r d h se n ic ie u d t ch ibt. angesichts der starrhei lüngel spre sen beschre an da von k . angesichts dt angemes m a en offenen n st b a n n a h se te k ie . ig en d g d der gierun gekün esproch n re a sg u g en a ri h e u sc ch sp ti ü ß d nes zahlreiche fl rbeit der stä nicht die gro r vergabe ei kte kultura fest, dass es letztlich zu en s el ie u g a d , h g n rc en u g tu d n rich ellen ute beziehu nicht. wir st erbürgerdoch eher g n er d ich weiss es n agt, den ob so , ew d g n . si ch l. u h en g rs ü n ef ve u eizusteuern ein g iven ausschreib uscheltier b en etwas na aber nur so k ß t a n is . m ei n s er re n en h zi a eb g auftrages fü mikroskop al den zugeg ausgabe des heimatma unter dem ir haben m r w u te : n n tz n si le e denn a a d ie u q d d r e un nte si , geschweig n egen fü rt o ö k ew b n eh a g zu m n l. zi zu a bti meister da diesem mag ktionen des ber eher su war dann a iversen reda ass er je von d n d o , ie ti ln d k leuten fe a en ei re k w ie ir d e zu bez ssiert w e mit diesen g a re ch w te u h in rs ic es ve . d n ie in beobachte hause ist. d ird. genauso de kunden oder lesen w s. bis da mal jemand zu d weise wie hier zulan t gar a h ch li en m es ä el g art un erden, n s auf un ie w d er t ri n el a u d k n er a er w sch n bildern n beh wiesbaden ildungen vo en, erinnern handwerker b m d b a n eh u n n ö u rn ch fz le u d ts st: kein hän t bit kontakt a n. auch son nstleistern, sie vielleich se ie b ie d o , n ew g en vo b d a a e en immerhin urd wiesb vielen fäll könnten, w bsage gingen von uns museum in n a s le r n el a zu st te is g it b n b s u nicht. die leichen der s zur verfüg hmeversuch ntaktaufna dieses hefte ge und derg o a a k st b em en u esslich. th a st rl er m u , es zu nen unerm unkt d karenzie p -, h h it ts sc ze ei ) h rt m k ie n vo g rea ern. letztlic en kra interesse. e wurde nie ngen abford ef . die gefühlt tu ri ss d is a b n d le d la e t, n s h u ig in s d ic än n. n mail 3 wochen onders aufw schen (auf h mal wollte es en ic b t tl m er rn d en a en g o rt ew ei d g ie el ir sw al g avor antelefon ar nicht, wa auskennt, d och nicht m g n eb ir ch ir ri w u w a s et n a b z d te n !) ll ls ora (sic dabei wo würden, a solcher ign ffentlichen lich machen angesichts ck in diesem ö lü g ch en, welches n si u er er d wissen wir , hen erschaff ir uns eh in jeder tc w re ef d d h n en u es b ß o ft t u es sü er nur noch e lä uns nich gegen wänd ern ein klein lenden möge, auf dass a n d h wir o n w a n m ei ss das machen adt den eister b t: st hätte, da is m r l er re il g w se rü n b en u g er b sa d mit ign und den ass es den o h eigentlich hand in han auliche des anmut ist, d b enno. was ic te er m d h ä e. lc st g ö s so a m n en wir d , köln, genf doch vo r augen seh g und dass n, hamburg vo n li ch u er en et b tr ch el ch er g a sv ü n ht ins büro na volk bunte k die noch nic in ohne die auf dem weg te rh u ch te a le ei n e w g ir n w en n n jetzt da ne ganze m des nachten tag, wen en och auch ei auschweifen ben und jed n a h ei n volles mach eb a li m d wald und d n ss al was sinn ogen si auf, da m s d ez n g n ch u u o t rk d el ll g yo fä ü rn , h blicken anzen oder new itarbeite g f m u se a ie en in d h h , a sc ti en m ri äd ssad m voran. n wäre es p einer der st oben, die fa fahrrad kau kann. falls önnten, dan em n k d se s en it es ll m t te h ja rs ic t as vo mm n/sagen. da leben n r vom höre ss wir uns d eln. man ko a u b d n o t h e h ß zu .. ic ra t. n eg st , u w cher möchte ser stadt ja schon g d schwalba ngen in die sehen. und... zu n röder- un el vo l vi r fe ie berganmutu ip h g ts enne ich den muten. ansonsten gib jedenfalls k zu em ... n n ei te k sich och ein paar an kann man d fertig. hier n o h sc ja ich bin

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ellenbogengasse

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herderstrasse

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matthias claudius strasse

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mauritiusstrasse

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rรถderstrasse

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g n i S

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itenkarte es noch vis

ie sich, als jah, . erinnern s gt hallelu erbst 2007 in h s d im n u ls a n dam d liege stehen un iter... lasst alles n geht we in s n h a w r denn de

tis en sie gra lt : a s h u r a e t n s e ch ein s per po 80g/qm ck gibt no en coupon uck auf 2 d r n ld e a g it ie seltersdru il ig e d PDFs. b dung des x55mm im eines durckfähigen 5 8 t a m r bei einsen fo ng age. das nkarten im eihaus bei anlieferu r auf anfr h e m 200 visite s fr le ig ie b 4/0-far ck und v colorcopy rbiger dru a -f 4 / 4 , e g 2008. fla 9. februar hÜhere au 2 is b ig lt t gß angebot is llen! orken kna tk k e s ie d et drum lass

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Alles für die Schönheit

die menschen sind sich einig, dass wiesbaden eine schöne stadt sei. so schön, dass man, überwältigt von prunkvoller architektur und gut erhaltenen historischen fassaden, ganz vergisst zu fragen, wie es überhaupt dazu kam. besucher und touristen mögen oft das ausladende, verschwenderische der häuser - eine ästhetik, die heute von keinem architekten der welt mehr gebaut werden will und kann. das anscheinend überflüssige, nichtsnutzige würde in der zeitgenössischen, seriösen architektur nicht geduldet werden. die maxime „form follows function“ - eine erfindung aus dem 20. jahrhundert, welche heute geschmacksprägend vom konzeptstrengen bauhaus-stil bis zum ikea billy-regal als das oberste gebot des modernen gestalters empfunden wird war damals natürlich noch kein begriff. „es ist das gesetz aller organischen und anorganischen, aller physischen und metaphysischen, aller menschlichen und übermenschlichen dinge, aller echten manifestationen des kopfes, des herzens und der seele, dass das leben in seinem ausdruck erkennbar ist, dass die form immer der funktion folgt.“

das schöne

aus sullivans aufsatz: „the tall office building artistically considered“, veröffentlicht 1896.

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form folgt funktion – dieses grundgesetz des designs und der architektur wurde viel kritisiert und diskutiert. denn hat nicht auch ein schnörkel eine funktion? aus technischer sicht ist er zu nichts nutze – aus kommunikativer sicht jedoch hat der schnörkel viel zu erzählen.

seht her ich bin ein schnörkel

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der medusenkopf sagt: erinnere dich an die bombastischen griechischen mythen und an die machtstrukturen, die du damit assoziierst! das akanthusblatt sagt: seht her, ich bin überflüssig! mein besitzer kann sich mich leisten! die korinthische säule sagt: ich stütze nicht nur das gebäude, ich sorge auch noch dafür, dass du dich von einer bestimmten atmosphäre beeindrucken lässt!

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Historismus als Marke der formensprache des historismus bedienten sich das gut gestellte bürgertum, aufstrebende industriemagnaten und der verbliebene adel, denn man musste sich ja vom volk unterscheiden. zeitgenossen hatten so manchen flapsigen spruch parat, wenn es um die kritik der neu entstandenen, geschichte zitierenden bauwerke ging, deren architekten offenbar zu tief in den wühltisch der historie gegriffen hatten:

reine elemente

sicardsburg und van der nüll / haben beide keinen stüll / gotisch, griechisch, renaissance / das ist ihnen alles aans. august sicard von sicardsburg und eduard van der nüll waren die architekten der wiener staatsoper, die sie im stil des romantischen historismus entwarfen - ein baustil, der auch in wiesbaden einen breiten niederschlag fand. die monumentale architektur des hauptbahnhofs oder des hessischen landtags, aber auch architektonische kleinode wie das solmsschlösschen oder die villa clementine spiegeln die bandbreite des historismus wider.

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Solmsschlösschen das solmsschlösschen wirkt wie eins kulisse aus dem kinofilm „shrek“. ein fast märchenhaftes ambiente legt sich über diese straßenecke, wenn man sich auf die spitzen, mit wetterhahn und allerlei verzierten türmchen, auf den unregelmäßigen, aus der funktion der räume generierten grundriss der baugruppe einlässt und das alltägliche, zeitgenössische drumherum ausblendet - könnte es doch fast sein, als huschte eine burgfäulein mit spitzem hut und schleier an dem turmfensterchen vorbei.... das im neugotischen stil gebaute schlösschen ist ein relikt aus dem romantischen historimus: bevorzugte ausprägungen waren neugotik und neorenaissance, allerdings wurden immer wieder stilfremde elemente kombiniert, so dass es sich um keine einfache nachahmung der historischen stile, sondern um subjektive interpretationen handelte. ob der architekt ferdinand schorbach bei seiner interpretation des romantischen historismus tatsächlich ein grimmsches märchen im sinn hatte, können wir nur erahnen. in der realität hatte sich prinz albrecht zu solms-braunfels das schlösschen als residenz errichtet. die prächtige villa mit eigener kapelle wurde in den jahren 1890 bis 1892 gebaut und ist damit viel jünger als sie aussieht. die vielen erker und ecktürmchen imitieren einen baustil des mittelalters, idealisieren ihn - und lassen uns deswegen aus heutiger sicht die zeit der verzauberten prinzessinnen und des feudaladels assoziieren. und da das schlösschen als bauwerk des historismus per se eine nachahmung ist, liegt auch eine assoziation zum kulissenwerk des eklektizistischen animationsfilms „shrek“ nahe. dem prinzen hat die verwinkelung und behäbigkeit seines „landhauses“, wie man derartige villen damals nannte, nicht besonders gut getan. er erkrankte bald schwer an einem psychischen leiden und nachdem ihn sogar sebastian kneipp höchstpersönlich nicht kurieren konnte, zog er in eine andere, wesentlich nüchternere villa in der solmsstraße 9.

burgfräulein mit spitzem hut

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Villa Clementine

dreizehn jahre vor dem bau des solmsschlösschen begeisterte sich der mainzer fabrikant ernst meyer für eine noch ältere epoche in der architekturgeschichte: für seine frau clementine baute er die gleichnamige villa im römischpompeijanischen stil und nimmt damit zum einen bezug auf eine zeit, die vor 2000 jahren ihre blüte hatte, zum anderen zitierte er typisch klassizistische bauformen. frau clementine hatte allerdings nicht viel von dem prunkvollen bau - der feuchte traum eines jeden imperators - denn sie wurde kurz nach der fertigstellung opfer der grassierenden typhusepidemie. es war zunächst schwierig, das große haus zu verkaufen, auch wenn damals das verschwenderische, repräsentative wohnen bei dem aufstrebenden industrieadel der region hoch im kurs stand. 1888 fand man dann eine mieterin, die den imperatorbombast zu schätzen wusste: königin natalie von serbien fand in der villa clementine einen standesgemäßen zufluchtsort vor ihrem spiel- und trunksüchtigen ehemann könig michael, zu seiner zeit auch als „könig lustig des balkans“ bekannt. den gemeinsamen sohn, kronprinz alexander, hatte sie mitgebracht, um ihn dem schlechten einfluss des herrn papa zu entziehen. leider hatte sie die rechnung ohne die schergen des königs gemacht. unterstützt vom serbischen und deutschen staat umstellten offiziere im sommer 1888 die villa und inszenierten den legendären „wiesbadener prinzenraub.“ der wiesbadener polizeipräsident und der serbische kriegsminister verschafften sich zutritt zum haus und konfiszierten den kronprinz, um ihn in sein zukünftiges reich zurückzuführen. die königin zog aus dem drama ihre konsequenzen und ging ins kloster – nicht zuletzt weil sie des landes verwiesen wurde. der sohn alexander jedoch führte die wilde tradition des vaters fort und wurde nicht nur wegen seines schrägen lebenswandels, sondern auch wegen seiner grausamkeit und fragwürdigen politisch-militärischen gebarens alsbald erdolcht. die villa rührte das zum glück wenig. das haus überstand das 20. jahrhundert relativ unbeschadet, hatte nebenbei 1978 eine fernsehkarriere als drehort für die zehnteilige verfilmung von thomas manns buddenbrooks hingelegt und wird heute als literaturhaus genutzt.

das schöne

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Nordfriedhof

einen wahren rundumschlag in sachen historismus legt der nordfriedhof hin. in miniaturansicht kann der geneigte spaziergänger hier die inszenierung des individualisierten bürgertums des ausgehenden 19. jahrhunderts besichtigen. die vermögenden bürger wiesbadens scheuten sich nicht, auch nach ihrem ableben einen auf dicke hose zu machen: hoheitsvolle grabmäler, überladen mit figurinen, marmor und gold lassen den besucher in die vergangenen zeiten der neugotik, des barock, der renaissance, des klassizismus oder des rokoko reisen. eine art disneyland des historismus tut sich vor einem auf, allerdings mit der angenehmen note des überwucherten, natürlichen, romantischen. lebensbäume und scheinzypressen stellen eine fast mythische atmosphäre her - jedes figürchen und jedes portal der manchmal tempelartigen familiengrabstätten eröffnet bilder zu historischen epochen, wie sie momentan gerne von harry potter bis zu den chroniken von narnia im epischen kinofilm inszeniert werden. ein spaziergang auf dem nordfriedhof, das entziffern der namen und daten auf den grabsteinen längst vergessener persönlichkeiten gehört zum erholsamsten und inspirierendsten, das man in wiesbaden unternehmen kann. das highlight auf dem friedhof ist unbestritten das columbarium. es beherbergt 512 grabkammern, in denen die urnen feuerbestatteter untergebracht sind. die urnenhalle wirkt wie eine kapelle mit apsis: unter der gewölbten decke überkommt den besucher eine fast museale atmosphäre. das columbarium ist im neuromanischen stil aus sandstein und viel marmor gebaut. dies und die reichen verzierungen des gebäudes sind typisch für wiesbaden und seinen historismus. der nordfriedhof als ganzes steht übrigens unter denkmalschutz.

rest in style

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Die Abenteuer des kleinen das sedanland war noch klitzekalt und nur ein kleines feuerchen, eines, das der kleine schlozz emil bienenschlau zuvor mit brennglas und zuckerwatte entzündet hatte, britzelte und brutzelte in der mitte knackend vor sich hin. der schlozz war oft schon in grausigster früh im lande der sedanen, so früh wie man r.k. oder den schreck dort noch nie gesehen hatte, denn der schreck und auch r.k. kamen beide aus buljan sankorask, dem lande des schlendrians. in buljan sankorask wurde sogar alljährlich die ankündigungsweltmeisterschaft ausgetragen, zu der kamen schlendriane aus allen herren ländern und gaben sich bei falschen versprechen und worthülsen ein stelldichein. es war stets lustig und manchmal versuchten sich die bewohner des sedanlandes daran einen titel zu erringen und scheiterten doch immer knapp. der großmogul schaute dem treiben in seinem kleinen aber feinen ländchen etwas zwiegespalten zu, denn er war ein feiner und aufrichtiger mann, doch rieb er sich angesichts der horrenden eintrittspreise genüsslich die hände und sagte: „die öcken kann ich gut gebrauchen, das verdeck meiner kabrioletten könnte eine aufbesserung vertragen, schließlich ist es aus feinstem schmetterlingshaar gewebt und kostet ein vermögen.“ wie gesagt, auch r.k. und der schreck kamen aus buljan sankorask, bis sie schließlich nach einer langen fahrt mit einem kähnchen aus balsaholz, einmal um die ganze welt und wieder zurück, ihre glücklichkeiten im lande der schroben sedanen fanden, wo sie schließlich als tingelische schumbrabanden mehr geld verdienten, als sie ausgeben konnten. es war also noch früh in der tagesseiung und der schlozz stand schlozzend am feuerchen, da traten der pompatz und das kiköhn in den lodernden esel ein. „kwi kwa kwuk!“ lachte das kiköhn fröhlich und „brumm!“ machte der pompatz und sie wärmten ihre klammen finger am feuerchen. „heute sind wir wieder alle beisammen, mir ist schon ganz schlecht vor aufregung

gefröbelt von kiki kursawe und die manschetten vorgeknöpft von goldlilie. www.goldlilie.de


Schlozz Emil Bienenschlau und ich bin schlangenlinien gefahren mit meinem auto mit dem komplizierten namen.“ „oh, das kann ich verstehen, mir gings nicht anders,“ brummte der pompatz. sie freuten sich beide dusslig, dass sie wieder beisammen waren, aber sie konnten es natürlich nicht zugeben, da sie beide richtige machos waren und nur bedingt im stande, auch mal gefühle zu zeigen. eisern lutschten sie an ihren eiszapfen und frästen mit ihren zähnen keltische muster hinein, als der schreck und r.k. schreiend und rot angelaufen in der tür standen: „heisa, jippie und juchhee!“ sangen sie zu der melodie des liedes „im krug zum grünen kranze“ und fielen sich gegenseitig in die arme. nur der schlozz und der pompatz, die mit ihren zähnen inzwischen ganze liedzeilen in ihre eiszapfen geknuspert hatten, blieben stehen und verschränkten ihre arme vor der jeweiligen brust. „knurr!“ sagte der schlozz „mein lied heißt love to love you baby! und deins?“ „i was made for loving you! und deins?“ „love to love you baby, aber das sagte ich bereits.“ „na dann ist ja gut!“ „genau!“ „eben!“ „von mir aus schon!“ „phh!“ „fffzzz!“ da mischte sich das kiköhn in die unterhaltung ein: „kwi kwa und kwuuuuk. ihr habt euch doch beide lieb, warum trinkt ihr mit uns nicht eine tasse sud, der schreck hat gerade welchen gekocht, umarmt euch und seid was ihr seid: zwei freunde von unterschiedlicher körpergröße mit ähnlichen fahrzeugen und noch ähnlicheren ipods. in dem moment schlug die tür auf und der kapellmeister stand dort mit aufgeblähten backen und ganz violett im gesicht. alle starrten ihn an, es war mucksmäuschenstill und nur das feuer knackte leise und manchmal auch laut und dann schlug die kapelle das lied „never let me down again“ an, der schlozz und der pompatz bildeten den kopf einer polonaise und so schlängelten sich alle fröhlich singend durchs sedanland und in der mitte führte jakobina niedlowskaja-schimm mit einem fürchterlich hässlichen kolibri auf dem arm einen sankoraskischen fruchtbarkeitstanz auf und alle fruchteten mit.


Es ist Winter und spätestens am 2. Januar fängt die große Langeweile an, dann musst Du Dich entscheiden, sonst wird es düster.

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unser mann kacper potega hat ein paar vorschl채ge

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BĂźcher... einige kĂśnnen sich sicher noch erinnern. Man kann sie nicht nur im Internet kaufen, sondern (Achtung und jetzt kommts) man kann sie auch lesen.

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Gitarre spielen. Auch so ein altmodisches Ding. Schmeisst den Sequenzer weg und besinnt Euch auf das Wesentliche.

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Computerspiele. Die Redaktion befindet sich noch im Zeitalter von Pacman und Donkey Kong. Doch es gibt viele, viele Mรถglichkeiten.

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Dr端ck Dir nicht die Nase am Fenster platt, Geh raus in den Schnee und fahr mal wieder mit einem richtig dicken Schlitten. Falls es schneit.

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Gehirn einschalten und gar nichts machen. Nur nachdenken und dazu eine schรถne Tasse Tee - zum Beispiel japanischen Kukicha.

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Ribbschn

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mit Kraut ich so: komm wir gehen in den supermarkt und kaufen ein fertiggericht. rippchen mit kraut zum im wasserbad erhitzen. wir im supermarkt, fanden gerichte aus der ganzen welt. eingeschweißt zum im wasserbad erhitzen, aber nicht rippchen mit kraut. dann, ich gehe so an einer 20m langen kühltruhe vorbei, über der das wort schweinefleisch schwebt und fand in folie eingewickelt und nur noch heute haltbar, ein schönes rippchen. mit leckerem knorpel. fleisch ist ein stück lebenskraft. fragt sich nur für wen. das sauerkraut hatten wir noch im schrank liegen. das ist heimat. (der text ist so klein, den kann man ja wieder kaum lesen - doch das ist mir egal)

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es ist nun vorbei. aber es kommt wieder. zum fr체hlingsanfang am 21. m채rz 2008.


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