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riminigang.de


editorial

Das Warten hat ein Ende. Mit dieser hohlen Phrase möchte ich nun die 15. Ausgabe des Stijlroyal Magazins eröffnen und Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, viel Erfolg beim Nachvollziehen des Inhalts und der Zusammenhänge dieser Ausgabe wünschen. Diesmal ist es die Mädchen-Edition geworden. Die Mädchen-Edition beschäftigt sich dann auch mit den genderstringenten Themen Videospiele, Konsolen, Hochhäuser, Wurstfotos, Energy Drinks und Rippchen mit Kraut in einer ganz neuen und von uns extra nur für dieses Heftchen erfundenen Erscheinungsform des Flammkuchens. Das werden Sie im Leben noch nicht gesehen haben und die weltweite Sicherung der Exklusivrechte des Rezeptes wird uns in den kommenden Monaten Unsummen an feinsten Geldern in die Taschen spülen. Seien Sie jetzt schon neidisch und überschütten Sie uns mit Hass und Missgunst. Wir können es ertragen. Wir müssen es ertragen. Und Sie ja schließlich auch. Und dann haben wir uns gedacht, dass wir das Magazin jetzt wieder in Wiesbaden und den umliegenden (unbedeutenden) Kleinstädtchen Mainz und Frankfurt der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung stellen, indem wir es in verschiedenen Etablissements auslegen, was unsere unfassbare Gönnerhaftigkeit auf drastische Weise deutlich macht. Auch kann das Magazin aufgrund des praktischen Herrenhandtaschenformats von 17 x24cm, unserem inzwischen berühmten Hausformat, bedenkenlos mit auf Dienstreisen genommen werden. Es hat nur ein paar Seiten mehr und ist deshalb auch im Druck noch teurer als zuvor. Bei der Ausdruckung des von uns gestalteten und in die Tat umgesetzten Magazins haben uns auch diesmal wieder die Damen und Herren der WB-Druckerei in Hochheim unterstützt. Hahaha, was heißt unterstützt, sie haben es ausgedruckt, und zwar fachgerecht und mit großem Fleiß.

tja, und dann ...

wenden wir uns nach Jahren wieder unserer Heimat zu. Wiesbaden. Japanische Spielkonsolen und Energy Drinks sprechen da eine deutliche Sprache. Oft nämlich flüchten sich insbesondere junge Menschen in die Spiel- und Energiesucht, um die Makel dieser brachial schönen Stadt vergessen zu lassen. Sagen sich doch Fuchs und Hase seit der Schließung des legendären „Jazz Space 13“ des großartigen Rainer Zamojre und seinen Freunden im Jahre 1996 gute Nacht im Nachtleben. Sagen ja alle. Dann muss es auch stimmen. Das ist aber noch lange kein Grund, immer auf diesem wunderschönen Städtchen herumzuhacken. Gerade wenn man, wie wir, schon im gesetzteren Alter das Restdasein zitternd am heißgeschraubten Heizungsrohr verbringt, weiß man die Vorzüge dieser Stadt (warme Quellen, Rheingau, Schnitzel, Bäume, Historismus, Café Waldacker) durchaus zu schätzen. Weil das so ist, und das hat zwar keinen kausalen Zusammenhang, aber ich schreibe es trotzdem mal auf, damit Sie es niemals vergessen, deshalb machen wir dieses schöne Magazin und schenken es den Einwohnern dieser Stadt. Mal abgesehen davon wollen wir als Stijlroyal Design & Strategie, und somit ein Büro für Gestaltung und Werbung von äußerstem Wohlfeil, ab und an der Menschheit zeigen, was wir unter Magazin verstehen und wie man das machen muss. Es macht ja sonst keiner. Es ist also die Kombination aus, einer eigenartigen Demut, mildem Zorn, zielstrebiger Ambivalenz, aufopferungsvoller Liebe, bestialischem Können, sympathischem Größenwahn, glorreicher Bescheidenheit, einem sonderbaren Hunger nach Durst und unendlicher Geduld, die Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, dieses wunderschöne Magazin beschert. Sagen Sie jetzt nichts … Ich weiß was Sie jetzt denken. Hier, ich mein ja nur Huck Haas

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03 08 18 20 28 30 34 38 56 03 editorial 08-17 eine strasse / die abraham-lincoln-strasse 18-25 das r+v-hochhaus / eine betrachtung / piotr potega — 28ff mädchensachen — 30-33 defender / jens schmidtmann — 34-37 zwei farben austernpilz und schwarz / max zimmermann — 38-55 consollection / die sammlung — 56ff vier ausserirdische über wiesbaden —


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60 62 64 66 76 86 94 98 58-59 halt die gosch / nina windisch — 60-61 dabei mag ich wiesbaden / mareike ernst — 62-63 fuck yeah, drachenblut / malte welding — 64-65 endlich endstation / frédéric valin — 66-75 siebzig tage krankenhaus in wurst und friends — 76-85 ungemachte betten / zustände in bildern — 86-93 der grosse energy-drinkstest — 94-95 rippchen mit kraut / lammkuchen 98 impressum


stijlro y al design & strategie

das versteht der kunde nicht magazin f ü r alle die es wollen

Immer wieder und wahrscheinlich zu recht, erreicht uns die Frage nach dem Sinn des Stijlroyal Heimatmagazines. Treue und langjährige Leser unseres freundlichen und mit einem „red dot Design Award – best of the best“ ausgezeichneten Heftchens dürfen nun weiterblättern, denn hier wiederholen wir uns. Als wir nämlich (damals) gemerkt haben, dass unsere Leidenschaft für Gestaltung eines guten Magazines mit der Dringlichkeit der Herausgabe eines solchen Magazines zusammenfällt, war Handlungsbedarf. Das was wir unseren Kunden gerne als Möglichkeit verkaufen wollen, müssen wir selbst am eigenen Leib testen. Wir müssen sebst bereit sein in ein Produkt Geld und Arbeit zu investieren, wenn wir uns das von unseren Kunden wünschen. Kurzerhand wurde die klassische Imagebroschüre in einen langen Winterschlaf geschickt und wir entwickelten das Magazin, das wir selbst am allerliebsten lesen wollen. Sein eigenes Produkt zu lieben ist der erste Schritt zum Erfolg. Und so soll es sein. Das Stijlroyal Magazin fordert nicht den Mut der Leser. Es gibt auch keine versteckten Botschaften. Man muss nicht total verrückt sein und obendrein muss niemand auch nur die geringste Ahnung von Editorial Design haben. Man muss nichts wissen und nichts studiert haben, man muss es nur haben wollen. Und dann wird man es auch lieben. So war es immer. Alles über die Typen von Stijlroyal, wo es her kommt auf

sti jlroyal .com


S tijlro y alserie / E ine S tra S S e

die abr aham lincoln str asse Es gibt Straßen, da sagt man doch gleich erstmal und manchmal voreilig, da gehe ich gar nicht erst hin, es sei denn ich muss und dann auch nur ungerne. Und falls man sich dann mal aufgerafft hat und obendrein auch das gelbe Ding da oben am Himmel mächtig funkelt und man steht dann in dieser Straße, dann denkt man sich, hätte ich das doch schon vorher gewusst, da hätt ich doch mein Zelt da aufgeschlagen oder hätte mir eine Etage der ansässigen Häuser gemietet, gar gekauft. Aber man hat ja Vorurteile. Dieser Problematik wollen wir entgegentreten und so schickten wir unseren Reporter Piotr Potega nach Ägypten. Auf seiner Rückreise hielt er sich dann einige Minütchen in der sogenannten Abraham-Lincoln-Straße auf, machte ein paar Bilder und ich soll mir jetzt einen Text aus den Fingern saugen. Also die Abraham Lincoln Straße. So, so. Interessant. Da war ich früher öfter. Ich ging mal da in der Nähe auf die Schule und weil in der Abraham-Lincoln-Straße meine Haltestelle stand, lungerte ich jeden Tag, meistens nachmittags, einige Zeit in der Abraham-LincolnStraße herum und schmiss meinen Ranzen über den Zaun oder holte mir oben bei der P/X den aktuellen TV-Guide, den es da erstens gratis gab und der zweitens Gutscheine für McDonalds enthielt. Na da war ich doch happy. Geld gespart, dachte ich. Außerdem hatte ich, der Personalcomputer war gerade erfunden worden, die Schnapsidee, dass ich eines Tages bei IBM arbeiten könnte. Aber das legte sich mit der Zeit. Neulich habe ich mir bei der Tankstelle eine Packung Eistee Kaktusfeige gekauft und ein paar Tage davor war ich bei der Hessen Agentur. Ich darf aus rechtlichen Gründen nicht verraten, was ich dort gemacht habe, aber ich möchte die Frau Frisch recht schön grüßen.


Die Abraham-Lincoln-Straße hat was Amerikanisches. Wie komme ich eigentlich darauf? Es liegt sicher an den Hochhäusern dort und daran, dass es ziemlich viele Firmen gibt. Diese Straße ist also ein Ort, an dem viele Probleme gelöst werden. Außerdem, ich sagte es bereits, befindet sich am Rande der Straße eine Tankstelle, die über einen hervorragend klimatisierten Verkaufsraum verfügt. Wer also keine Klimaanlage hat, kann sich dort im Sommer ein paar Stunden am Tag tummeln. Der Tankstellenpächter wird sicher hoch erfreut sein. Doch zurück zu meiner Zeit in der Abraham-Lincoln-Straße in den early Eighties. Dort unter der Brücke saßen wir oft und rauchten Zigarette, weil, das galt damals als männlich und unheimlich stark. Alkohol tranken wir keinen, denn das galt damals zwar als unheimlich männlich und stark, aber es gab weit und breit keinen Kiosk. So blieben wir trocken und vertrockneten daraufhin. Unter der Brücke. Das war schlimm, aber das kann sich ja heute keiner mehr vorstellen.


Falls Sie sich nun fragen, was hat das alles mit mir zu tun, so möchte ich mit ein paar Fakten antworten. Die Abraham-Lincoln-Straße heißt nach dem eher unbekannteren der 2.766 US-Präsidenten, der von 1861 bis 1865 als 16. Präsident der Vereinigten Staaten von – aber vor allen Dingen in – Amerika herrschte wie kein zweiter. Leider verlor am Abend des Karfreitags 1865 die Beherrschung. Die nach ihm benannte Straße führt am Rande von Wiesbaden von Dings nach Bums und ist einseitig bebaut. Stadteinwärts rechter Hand stehen die ganzen Wolkenkratzer und links steht Gebüsch und die Berliner Straße. So braucht der Briefträger nicht zweimal oder im Zickzack die Straße zu bearbeiten. Er hat dann früher frei und kann sich zu Hause ein paar Turtles grillen oder aufs Weinfest gehen. Das Weinfest verachte ich übrigens zutiefst. Man soll jetzt nicht denken, dass ich ein Griesgram bin, aber ein Funmisantrop bin ich schon. Ja, das bin ich. Dennoch oder gerade deswegen erfreue ich mich an diesem niedlichen VW-Käfer auf der Seite zuvor und finde auch ich, dass die das Bild da rechts neben diesem Text, den ich gerade so vorzüglich in den Computer hineintippe, dass es auf diesem Bild aussieht wie im Amerika meiner Träume. Der Himmel, die Lampen, die exakt drei Autos, die Tankstelle, einfach alles erinnert an Amerika und da ist es auch nicht verwunderlich, dass sich in dieser geradezu kalifornisch anmutenden Prachtstraße die Crème de la Crème der hiesigen Finanzdienstleistung angesiedelt hat. Man wird schon wissen warum.


being manhattan E I N

H O C H H A U S

A M

E N D E

D E R

S T R A S S E

Als sich Anfang der Siebziger Jahre im Hippie-Wiesbaden der Damaligkeit der Architekt Robert Rathai das R+V Gebäude ausdachte, da konnte das Volk seine Ambivalenz Wolkenkratzern gegenüber kaum verbergen. Hochhäuser waren böse und gehörten wenn überhaupt nach New York, Chicago oder Frankfurt am Main. Wir sehen das anders. Denn wenn man es sich mal genauer betrachtet, fügt sich das Haus äußerst positiv in eine moderne Stadtarchitektur ein und setzt damit einen wohltuenden Akzent zum Historismus und den anderen altehrwürdigen Gebäuden in der Nachbarschaft. Das R+V-Hochhaus, wie es im Volksmund wohl auch noch lange nachdem Umzug der Versicherungsgesellschaft heißen wird, ist ein wichtiger Bestandteil Wiesbadens und es ist schon arg verwunderlich, dass es nicht in einem Atemzug gemeinsam mit dem Bowling Green, der (jetzt aber mal wirklich) größten Kuckucksuhr der Welt oder der Nerobergbahn genannt wird, wenn man über die unbekannteste aller Landeshauptstädte spricht bzw. schreibt. Wir haben Piotr Potega an den Fuße der Wilhelmstraße geschickt, wo er das 1971 gebaute und somit 71 Meter hohe und mit 19 Stockwerken ausgestattete Prachtstück fotografieren sollte. Anschließend hat er seine Gedanken aufgeschrieben.


In den 1970er Jahren entstanden einige Sachen, bei denen Konsens darüber herrscht, dass es erwähnenswert ist: Beispielsweise Willy Brandts Kniefall in Warschau, das Ende des Vietnamkrieges, das Videospiel Pong erschien, die Muppetshow erlebte ihr Debüt, die Sesamstraße wurde groß und der Pate erhielt den Oscar als bester Film. Eine Sache jedoch, die in den 1970ern erschaffen wurde, ruft heute vermutlich nicht besonders positive Reaktionen hervor: das Raiffeisenhaus am Kureck, in dem noch bis Ende 2010 die R+V-Versicherung ansässig war. Inmitten von Historismus und politischkultureller Historie steht ein 20-stöckiges, braunes Gebäude, das im Bauhausstil gehalten ist. Einige Bürger bezeichnen das Raiffeisenhaus als „Schandfleck“ des edlen Kurecks, es müsse schnell eine neue Lösung her. Entworfen wurde das Bauprojekt von dem Architekturbüro Abeck, Ernst, Fischer und Rathai. Hauptverantwortlicher war der mittlerweile verstorbene Architekt Robert Rathai, der das Projekt bis zur Eröffnung 1971 betreute. Erbaut wurde es extra für die R+V-Versicherung, die dort bis vor kurzem alle Mitarbeiter beherbergte. Heute hat die Versicherung an der Abraham-Lincoln-Straße ihren Sitz, aus Platzgründen. 2007 wurde das Gebäude von der IFM Immobilien AG gekauft und sollte 2011 kernsaniert werden. Aus dem braunen Klotz soll ein weißes Hochhaus entstehen. Dieses Hochhaus soll dann architektonisch an das Kureck angepasst werden. Es soll zeitgemäß wirken, aber auch in die Kulisse passen. Das Kureck ist eines der Vorzeigesymbole der Stadt Wiesbaden, dort ist alles Geschichtsträchtige versammelt: das Casino, damit verbunden das Kurhaus und das Theater. Alles was die Wiesbadener Kultur und Gesellschaft symbolisieren soll, ist dort vereint. Doch es steht eher für ein altes Bild der Kurstadt, das es so nicht mehr gibt. Während früher Adel und Prominenz sich in dieser Stadt tummelte, wohnt hier – wie in den meisten anderen Städten auch – die Mittelschicht. Das Haus bildet auch eine Ecke des historischen Fünfecks Wiesbadens, das von der Schwalbacher-, Wilhelm-, Röder- und Taunusstraße eingegrenzt wird. Hier sind alle Gebäude von historischer Bedeutung an einem Ort. Sie sind das Vorzeigebild einer Stadt. Wenn sich aber einer nun diese Flecken in der Stadt anschaut, der könnte vielleicht den Eindruck bekommen, dass Wiesbaden immer noch eine von Vertretern der Hochkultur und des Adels besetzte Stadt ist. Das ist freilich nicht mehr so. Insofern passte das Raiffeisenhaus sehr gut in das Stadtbild: als Symbol der Mittelklasse. Der Schrecken, der das Gebäude umgibt, ist für mich auch relativ unverständlich, ich würde es nicht als hässlich beschimpfen. Es gibt schließlich wesentlich schlimmere Bauwerke als dieses. Und um mal einen kontroversen Vergleich zu ziehen: Als 82 Jahre vor dem Raiffeisenhaus in Paris der Eiffelturm gebaut wurde, wurden sogar Petitionen unterschrieben, um diesen „Schandfleck“ aus Paris zu entfernen. Für die meisten wäre es heute undenkbar: Paris ohne Eiffelturm!


bevor sie sich weiterhin fr agen, warum nicht ein roseng채rtchen den fuss der wilhelmstr asse ziert, schauen sie doch einfach mal in ihr portemonnaie huck haas / finanzexperte


Das Raiffeisenhaus umgibt zugegebenermaßen keine romantische Vorstellung wie den Eiffelturm, das Haus war auch nie Motiv kitschiger Postkarten aus Wiesbaden. Schließlich war es kein Kunstobjekt oder Symbol einer Weltausstellung, sondern beherbergte Versicherungsvertreter. Es ist also mehr ein Symbol der in Wiesbaden lebenden und überwiegenden Mittelklasse. Viele möchten das Gebäude heute aber trotzdem loswerden, zu diesem Zeitpunkt steht es leer. Unbelebt ist es dennoch nicht: Ein leeres Hochhaus zieht gerne die Jugend an. Noch im Sommer 2011 hörte man in der Presse einige Berichte über illegale Partys auf dem Gelände des Hochhauses. Aber auch diese Aktivitäten werden nun durch Polizei und Ordnungsamt verhindert, man will das Gebäude anscheinend sich selbst überlassen, denn die IFM Immobilien AG wartet immer noch auf eine Genehmigung für die Sanierung. Die Fassade gleicht einem Spiegel, der braun glänzende Elemente beinhaltet. Die Rückseite unterstreicht – durch reine, braune Fassade, den 70er-Jahre-Blockbautencharakter. Scheinbar wird dies alles von 12 Säulen getragen, umgeben von dem großen Parkhaus, das einen schwungvollen Kontrast zur rechteckigen, bauhausähnlichen Architektur des Hochhauses bildet. Die umgebenden Gebäude, die zu dem Komplex gehören, sind mit im selben Farbton gehaltenen Brücken verbunden, so sind die Häuser mit dem Hochhaus vernetzt und sind optisch – trotz schmutziger, braun-grauer Fassade – relativ ansehnlich. Der bürgerliche Teil des historischen Fünfecks wird also kernsaniert und in einen LuxusWohn-, Hotel- und Freizeitkomplex umgebaut. Vermutlich wird das die meisten Leute gar nicht stören. Ich finde das schade. Denn der riesige Bauklotz mag zwar nicht für alle ein Augenschmaus gewesen sein, einen gewissen Charme hatte das markante Gebäude dennoch.


die erfinder der modernen zielgruppen Die klassischen Zielgruppendefinitionen haben sich überlebt. Menschen finden sich heute in Stilgruppen. Statt über soziodemographische Merkmale identifizieren sich Stilgruppen über einen gleichen Anspruch an Ästhetik, Sprache und Qualität. Wir haben uns auf die Ansprache der meinungsbildenden Eliten spezialisiert. Ob Expeditive, Performer, Digital Natives, Generation Y. Es sind zukunftsorientierte Menschen mit hohem Anspruch an Kommunikation, die durch ihr Konsumverhalten und ihre Medienprägung Trends von morgen setzen. Auf sti jlroyal .com /mo d er ne -zielgruppen finden Sie einen Überblick über Charakteristika und Bedeutung moderner Zielgruppen.


m ädchensachen

Von Mickey Rourke über die unterschiedliche Darstellung von Basketballplakaten über die unterschiedlichen Vorstellungen des Begriffes „früher“ von Kacper Potega (Früher: 1996/Michael Jordan) und Huck Haas (Früher: 1979/Kareem Abdul-Jabbar) über das Missverständnis „Wir machen eine Comic-Ausgabe im Marvelstyle“ hin zur MädchenEdition. Das war der Weg. Nachvollziehbar? Und nun erzählt jens schmidtmann von seinen Abenteuern in der Welt der Videogames in den frühen Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts und max zimmermann zeigt uns seine Konsolensammlung und was liegt da näher, als auch ein Porträt über patrick molnar & phil Penninger von consollection.de zu bringen. Und so war das dann und so ist das jetzt.


jens schmidtmann videogames ERINNERUNGEN AN 200 JAHRE VIDEOSPIELEN IN WIESBADEN

Anfang der 80er Jahre gab es in Wiesbaden (und

Die größte Herausforderung der CAS (Computer-

wahrscheinlich in jeder größeren Stadt in Europa

automatenspieler, ganz im Gegensatz zu den GAS,

und den Kolonien) eine Subkultur, die heute wohl

Geldautomatenspielern, bäh) war die Finanzierung.

völlig verschwunden ist - die Computerautomaten-

Eine Mark pro Spiel war viel Geld. Bis man ein

spieler. Zu einer Zeit, als Computerspiele noch aus

Game soweit spielen konnte, dass man sich in der

endlosen Wellen von Gegnern bestanden, die immer

Öffentlichkeit nicht völlig blamierte, kamen schnell

ein wenig stärker wurden und dann in einem

mehrere hundert Mark zusammen. Damals nahmen

Bosskampf endeten (ganz anders als heute, wo

einen die Games noch nicht bei der Hand, da gab

Computerspiele aus endlosen Wellen von Gegnern

es weder Tutorials noch Demos. Glücklich wer an

bestehen, die immer ein wenig stärker werden

25Pence Münzen herankam. Wenn man wusste

und dann in einem Bosskampf enden, mit besserer

wo Geräte, ohne einen Spannungsmesser am

Grafik), trafen sich diese jungen Menschen regel-

Münzeinwurf standen, konnte man – zumindest für

mäßig an bestimmten Orten, hatten eigene Rituale,

eine gewisse Zeit – erheblich sparen. Irgendwann

eine Art Kodex, besaßen geheimes Wissen und

hat natürlich der Betreiber des Gerätes den Braten

hatten Fähigkeiten die Außenstehenden völlig

gerochen. Was da mit Münzen experimentiert

fremd waren.

wurde. Je älter die Automaten, um so exotischer der Münzeinwurf – Drachmen und Baht hatten sich dabei als am geeignetsten herausgestellt. Es gab einen Asteroidsautomaten in der Walramstube (Walramstraße) der nahm fast alles an – allein das


Ambiente war selbst für Hardcorespieler etwas

Eine

streng. Im City Bowling (Frankfurter Straße) hat

seine Finanzen zu schonen, war es eine Art

der Centipideautomat mal einen Elektronikfehler

„Mäzenatentum“ anzubieten. Dabei hat ein, meist

gehabt und immer Freispiele angezeigt – aber eben

junger und unerfahrener Spieler, einem, meist

Centipede.

ältern und abgebrühten Zocker Geld gegeben,

Die spielerische Adelung war die Möglichkeit, mit

damit er ihm beim Spielen zuschauen durfte.

dem Computerautomaten wirkliches Geld zu

Immerhin konnte sich der Neewbie so ein paar

verdienen und das ging so: An einem Asteroids-

Augenblicke an den Geräten aufhalten, ohne

automaten gab es alle 10.000 Punkte ein Freischiff.

weggeschubst zu werden und bekam sogar ein

Jeder neue Level hatte mehr Asteroiden, allerdings

rudimentäres Coaching („Siehst du, hier auf Level

war bei 12 Asteroiden die Obergrenze erreicht.

80, da musst du so und so – aber egal, da kommst

Hatte man nun also das spielerische Können 12

du eh nie hin“).

Aseroiden zu überleben, konnte man praktisch

Ein weiterer, erheblicher Kostenfaktor war das

unbegrenzt spielen. Für Eingeweihte: Ein oder zwei

obligatorische Getränk. An fast allen Orten wurde

Asteroiden wurden nicht abgeschossen, so dass

man genötigt irgendein Getränk zu bestellen - für

man dann die kleinen Raumschiffe jagen konnte

den Preis von 2-3 Spielen. Es war unter den CAS

(entweder Rechts-Links, Top-Bottom oder für ganz

Ehrensache einem Kameraden, bei Unterschreiten

Verwegene über die Ecken) für 1.000 Punkte pro

des kritischen Füllstandes („Was willst du denn noch

Abschuss. Hyperspace war für Looser.

trinken?“), mit jedweder Flüssigkeit auszuhelfen.

andere,

etwas

cheesige

Möglichkeit,

Weitere Reise- oder Verpflegungskosten gab


es praktisch nicht - die meisten hatten ja eine

Großen. Und manchmal bekamen sie sogar einen

Schülerkarte und manche ab 15 ein Mofa. Auch

anerkennenden Blick für einen Highscore oder eine

war es vom Karstadt, dem Hangout der frühen

besonders riskante Spielweise.

80er Jahre, nur ein Katzensprung (mit BMXRad, Rollerskates oder per Buffaloboots) zu allen

Neben vielen weiteren Einzelautomaten in diversen

innerstädtischen Spielgeräten. Mainz war tabu.

Gaststätten ist ein Ort besonders erwähnenswert,

Die zweite große Hürde war die Altersbeschränkung.

das Happy Days im US Air Force Hospital (am

Die CAS waren typischerweise männlich und

Konrad-Adenauer-Ring, gegenüber von Walthers

frühpubertär, also sicher keine 18 Jahre alt, auch

Futterkrippe). Zu einer Zeit, als die deutsch

wenn auf Rückfrage beteuert wurde, gerade jetzt

amerikanische Freundschaft noch überall blühte,

den Führerschein im Auto vergessen zu haben

gab es in Wiesbaden tatsächlich einen richtigen

(Auto - Führerschein - mindestens 18 - clever! Bei

Diner, mit Jukebox, Hamburger with Fries und

wem hat das eigentlich jemals funktioniert?).

eben Computerautomatenspielen für einen Quater

Der damalige Platzhirsch „Players Place“ hielt

(damals etwas günstiger als eine Mark). Allein

sich meistens an die Altersbeschränkung. Es

es brauchte schon eine gehörige Portion Mutes,

gab aber auch Ausnahmen. So zum Beispiel der

um dort rumzuhängen, nach einer Weile und mit

„Players Place“ an der Ecke Neugasse und Kleine

etwas Schulenglisch kam man dann mit echten

Kirchgasse. Dort saß Nachmittags ein älterer Herr

amerikanischen Jugendlichen in Kontakt. Von Zeit

(„Der Hundertjährige“), den es nicht kümmerte,

zu Zeit gab es dort aber eben eine Art Razzia, denn

wer an den Automaten spielte. In den „Players

eigentlich durfte sich dort nur Armeepersonal

Place“ musste man zwar nichts mindestverzehren

sowie deren Angehörige aufhalten.

- hatte aber auch kaum „Social Glamour“ und ganz

Und dann gab es da noch die vielfältigsten Berichte

sicher keinen Kontakt zu Mädchen - hat jemals ein

aus aller Welt – besonders nach den großen Ferien.

Mädchen (aus gutem Haus, keine Junkiealte aus

Was da angeblich für Wahnsinnsautomaten in den

dem Frankfurter Bahnhofsviertel) eine Spielhalle

entlegensten Winkeln existierten. Shooter mit

betreten?

echten (!) Waffen, Autorennen mit so realistischen

Die Kombination Computerautomatenspiele und

Bewegungen, dass man sich anschnallen und einen

„Social Glamour“ war die Oberliga. Die seinerzeit

Helm aufsetzen musste oder wirklich realistische

bedeutendsten

3D

Orte

in

Wiesbaden

waren

Automaten,

mit

Sensorhandschuh

und

sicherlich der Asteroidsautomat im Hard Rock Cafe

Vollvisierhelm. Automaten, die einen angeblich die

(Schwalbacher Straße) und das Asteroidstischgerät

Grenzen

im Rainbow (Neugasse). Dort waren die echten

vergessen lassen sollten - NOT.

Städter - fast schon Erwachsene und die CAS hatten einen Grund ebenfalls dort zu sein, bei den

zwischen

Realität

und

Wirklichkeit


Trotz allen sozialen Aktivitäten gab es natürlich

war wie in einem echten Zeichentrickfilm, was

auch ein echtes Wettkampfziel, den Highscore.

es ja eigentlich auch war - an bestimmten Stellen

Allerdings konnte man damals nur drei Buchstaben

musste man einen oder mehrere Knöpfe drücken

eingeben, was die Möglichkeiten der eindeutigen

damit der Film weiterlief und nicht die wirklich

Identifizierung doch erheblich erschwerte. Ja sogar

eindrucksvolle, Todesanimation gezeigt wurde.

die Eingabe dieser drei Buchstaben selbst war

Heute findet man ja QTE (quick time events) in

nicht ohne, was man an den vielen „AAA“ Scores

jedem zweiten Spiel, leider.

erkennen konnte. Bei Pacman, Dig Dug, Donkey Kong, Space Invaders, Battlezone, Frogger, Missile

Ein Spielautomat, der nicht unerwähnt bleiben darf,

Command oder Defender galt ein Highscore

war GORF. Er hatte kein wirklich neues Spielprinzip,

etwas, bei Asteroids gab es keinen, da der Zähler

er war eher so etwas wie eine modernere Version

bei 99.999 auf 0 zurücksprang. Unter Profis gab

von Galaga und Space Invaders. Das besondere

man dann nur die Zahl der „Überdrehungen“

an ihm war, dass er von Zeit zu Zeit mit gehöriger

an. Allerdings war dieser Wert nicht wirklich

Lautstärke auf sich aufmerksam machte. Eine

verifizierbar, es sei denn man hatte einen Kollegen,

Roboterstimme sagte: „Geld einwerfen“ (Gäild

der dies glaubwürdig bezeugen konnte: „Schon

ain wärrfenn), so ganz ohne „Bitte“. Dieser Satz, in

3 Mal überdreht. Wir stehen hier seid der vierten

genau der mechanischen Intonation war übrigens

Stunde, Relli ist ausgefallen und Mathe haben wir

eine gern gegebene Standardantwort auf die Frage

sowieso geschwänzt“. Einen Highscore in Lady Bug

„Ey Alter, sag ma echt jetzt, wie wird man denn ein

oder Mrs. Pacman behielt man besser für sich.

guter Zocker?“

Wirkliche Highscorejäger experimentierten mit

Dann kam das Jahr 1984 und alles war vorbei,

Klingeln. Dazu wurde das Klingelgehäuse ent-

zumindest steht es so in den Geschichtsbüchern.

fernt, so dass man den Klöppel direkt an die

Viele hatten schon einen Heimcomputer zuhause,

Automatentasten halten konnte. Das funktionierte

der annähernd die selbe Grafik bot wie mache

bei Hyper Olympics im 100 Meter Dash wirklich

älteren Arcadetitel – und nicht eine Mark pro Spiel

eindrucksvoll, ansonsten eher nicht. Es war auch

kostete. Kein Mindestverzehr und keine Alters-

ein ganz schönes Gefummel mit Akku, Kabeln und

beschränkung. Das waren weitere Killerargumente

Klingel - da sah man eher wie ein Automatenknacker

für die Spielkonsolen. Die Automaten unserer

mit elektronischem Equipment aus.

Kindheit und Jugend stehen heute im Museum.

Für Aufsehen sorgte damals Dragon`s Lair (Merkur Spielothek am Anfang der Moritzstraße, da wird heute noch gespielt). Spielerisch eine herbe Enttäuschung (Zwei Mark pro Spiel), aber die Grafik


d e r

m

a

x

s p i e l t

Es gibt bereits tolle Bücher über Vintage Consolen, tolle Webseiten wie www.consollection.de oder dem Videospielmuseum in Berlin. Es gibt Leute, die absurde Anzahlen von Konsolen haben – Lichtjahre mehr als die 30–40, die ich mein Eigen nenne. Ich habe ein anderes Konzept, nicht einfach nur „Alles“ haben, sondern nur reine Spielkonsolen ohne Tastaturen. Kuriositäten, Sondereditionen oder einfach nur Kultkonsolen sind bei mir der Hauptaspekt des Sammelns und so sammle ich Konsolen mit den jeweils erfolgreichsten Spielen. Länderadaptionen habe ich nur in seltenen Fällen. Mein Opa sagte mal, er verstehe nicht, wieso Menschen so viel Geld für ein Auto bezahlen würden, schließlich handele es sich nur um gebogenes Blech. Wenn er noch da wäre, mein Opa, würde er über meine Faszination für Spielkonsolen wahrscheinlich den Kopf schütteln und sagen: „Es ist noch nicht mal Blech, es ist eine Ansammlung von Plastik und verlöteten Metallen, die zu viel Geld kosten.“


m i t

p u p p e n

Es würde wahrscheinlich einen längeren Moment brauchen, ihm zu erklären, dass mich einige dieser Plastikhaufen an wichtige und prägende Momente in meinem Leben erinnern. Wie zum Beispiel die Art von Konsolen, die ich mir damals niemals hätte leisten können: das NEOGEO (ab 1990), bei dem jedes Spiel 500 DM kostete, von den Anschaffungskosten der Konsole komplett zu schweigen. Diese Himmelsmaschine war 1:1 kompatibel mit den Automaten aus der Spielhalle, den absoluten Lichtgestalten in meiner damaligen und noch heutigen Wahrnehmung. Erst elf Jahre später kam mein Moment mit dem NEOGEO AES und ich konnte mein „Trauma“ auflösen, nicht schon früher ein NEOGEO gehabt zu haben.

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g r

a u

i s t

a l l e

Die Spiele hatten den Stellenwert ernstzunehmender Bücher, hatten unfassbar tolle Illustrationen auf den Hüllen und im Gegensatz zu den ganz alten Atari-VCS-Systemen mit PacMan & Co. konnte die Spielgrafik mit den Cover-Illustrationen halbwegs mithalten. Andererseits gab es Konsolen, die man überhaupt nicht in Deutschland kaufen konnte. Konsolen, von denen man nur munkelte, in frühen Gameszeitschriften las oder in Magazinen befreundeter Japaner Screenshots von beeindruckender Qualität sah. Eine der Konsolen war die PC-ENGINE von NEC (Japan 1987). Ähnlich wie für das SegaMasterSystem (in Europa um 1987), gab es Spiele die zwar nur begrenzte Speicherkapazität hatten, aber damals auf Scheckkartengröße, den sogenannten HU-Cards, plötzlich fast Spielhallen-Qualität erreichten. Diese Konsole kam ein paar Jahre später leider in verändertem Design nach Amerika, aber auch dort blieb sie ein Exot.

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a u s t e r

n p i l z t h e o r

i e

Das japanische Design der PC-ENGINE fasziniert mich bis heute.

Und dann der Quantensprung was das Gameplay und die

Nicht nur wegen seiner kleinen herausstechenden Größe und

Grafik von „Streetfighter“ oder „SuperProbotektor“ auf dem

seinen HU-Cards, sondern auch wegen der Tatsache, dass sie

SuperNintendo (ab 1990) betraf. Die Konkurrenz (damals

nur einen Spielcontroller, besaß. Es gab keine Möglichkeit für

eigentlich im Wesentlichen vor allen Dingen die Firma SEGA)

die Integration eines weiteren Spielers. Offensichtlich ging

konnte mit ihren Konsolen quasi einpacken. Diese Spielgeräte

NEC davon aus, dass ein Videospieler ansonsten über keinerlei

wie das MegaDrive habe ich mir dann auch erst später gekauft,

Freunde und Mitspieler verfügt. Ein Bild, dass sich ja auch in der

weil mir damals das Geld für beide Konsolen gefehlt hat.

Gesellschaft manifestierte. Das steht allerdings im Gegensatz

Vielleicht sollte ich mich New School Nostalgiker nennen, da ich

von meiner Vorstellung von Videospielen. Und so fand man

nach all den Jahren des Besitzertums dieses schönen Plastiks

bei Ataris Ur-PONG auch zwei Spielcontroller auf einem Gerät,

immer noch ins Schwärmen gerate.

was einen unweigerlichen Körperkontakt zur Folge hatte.

Weil ich eben dadurch weiß, wie alles angefangen hat,

Hierbei würde mich interessieren, welche Auswirkungen diese

wohin es sich mit großer Wahrscheinlichkeit entwickeln wird

körperliche Art des Computerspielens auf das ein oder andere

und ich die schönen Zwischenschritte in den momentanen

PONG-Spiel hatte.

Weiterentwicklungen von 3DS, Kinect und Co auf eine tiefe Art

Das Atari PONG von 1975 ist nicht nur aus Design-Aspekten der

nachempfinden kann.

absolute Killer, auch wenn man sich das Packagedesign anschaut,

Weil ich mich beim Entstauben meiner Konsolen an den Spaß,

spürt man den mentalen Aufbruch in das Videospielzeit-

den Glanz & Ruhm, den Optimismus, die Naivität und den

alter in einem derartigen Optimismus und Selbstbewusstsein,

Einschlag in der damaligen Zeit erinnere.

dass man die Magie, die allein die Verpackung damals ausge-

Und dann habe ich das Gefühl, dass ich Zeitreisen kann.

strahlt haben muss, noch heute spüren kann. Um 2002 habe ich mir von einem amerikanischen Sammler eben diese erste Heimkonsole mit dem legendären PONG, besser gesagt dem Ur-PONG, für ein kleines Vermögen auf eBay gekauft, den Moment des Auspackens beim Zoll in einer Einzelbildsequenz fotografiert und dem Verkäufer zugeschickt. Aber PONG ist nicht gleich ein PONG und die Frage ist, von wem PONG ist. Atari lizenzsierte PONG und das Spielprinzip an verschiedene Elektronikfirmen wie Intel und viele andere. Meine nächtlichen Teenie-Ausreden mit „Ich gehe jetzt schlafen“ wurden leidenschaftlich mit den Handhelds von Nintendos „Game & Watch“ und „Donkey Kong“, „Parachute“, „Mario Bros.“ oder auch dem „Terror House“ von Bandai unterwandert. Diese kleinen Vorboten von Gameboys & Co haben meine Jugend derartig geprägt, dass ich wohl ein anderer geworden wäre.Wahrscheinlich wäre meine Leidenschaft für Grafik, Illustrationen, Computergrafik, 3D-Animationen und Spielen an sich weniger ausgeprägt.


die sa mmlung C onsollection

Aus Leidenschaft für Videospiele, für Hobbys, für Design, für Retro, für Jungbleiben, für altes Plastik, für Zeitgeschehen, für Geschichte, für Erinnerungen, für Technik, für Kunst & Kultur, für Vernetzung, für Projekte, für Dinge machen und auf die Beine stellen. Ideen & Kreativität treffen SammlerPassion & Fachwissen, und heraus kommt CONSOLLECTION, das stolze Projekt zweier Freunde — Phil Penninger und Patrick Molnar. Auf consollection.de ist die ganze Sammlung zu betrachten und es gibt Infos und Stuff über alle Konsolen und deren Verpackung und dann kannst du im Shop consollection.wazala.com auch noch Shirts und Poster kaufen und es hört überhaupt nicht auf, weil es so großartig ist.

1. Was ist Consollection und wie kamt ihr darauf? 2. Seit wann sammelst du/sammelt ihr Konsolen? 3. Wie viele Konsolen umfasst eure Sammlung? Consollection ist eine private Videospielsammlung, die über ca. 10 Jahre gewachsen ist und heute ca. 200 Geräte und 2.000 Spiele umfasst. Aus dem langjährigen Hobby „Videogames“ entstand irgendwann der Wunsch, auch die Vorfahren der damals aktuellen Generation an Konsolen zu erleben. Nach einem Atari 2600 kam ein PONG ins Haus, dann ein Vectres, dann wurde ein Super NES „wieder“ gekauft usw. Erst vor ca. 2 Jahren entstand dann im Rahmen einer Semesterarbeit von Patrick die Kooperation und „Vermarktung“ der Sammlung in Form der Internetseite, einer kleinen Shirt-Linie, Poster und hoffentlich bald als Buch. 4. Welche Konsole fehlt noch in eurer Sammlung? Immer noch UNMENGEN. Es gibt weiterhin ca. 200 Geräte, die ich als „Sammlungswert“ betrachte. Als Nächstes würde ich gern ein C64 Gaming System sowie eine MSX-Konsole von Daewoo („Zemmix“) aus Korea beisteuern. Mit jedem Gerät wird die nächste Ergänzung zur Sammlung allerdings kostspieliger und aufwendiger. 5. Was ist die wertvollste bzw. eure Lieblingskonsole? Die ganze Sammlung definiert sich weniger über Wert als über Leidenschaft. Fast alle Geräte liegen in Originalverpackung vor, da lege ich Wert drauf, sind aus verschiedenen Teilen der Welt sorgsam zusammengetragen worden. Neben einigen Geräten, die auch wirklich zahlreiche spielbare Klassiker bieten (NES, Mega Drive, Dreamcast), verströmen diverse Konsolen aus den 80ern wie das MB Vectrex haufenweise Charme. Auch einige Obskuritäten aus Japan sind erwähnenswert, wie die Bandai Pippin (in Kooperation mit Apple entstanden) oder das Casio Loopy als Mädchenkonsole mit eingebautem Thermo-Drucker. Einen Sonderplatz nimmt natürlich auch das Magnavox Odyssey als erste Heimkonsole überhaupt ein.


Ich mag das Atari VC 2600 besonders gerne, absoluter Klassiker, was das Konsolendesign und die Spiele angeht. Auch diese Konsole ist nicht wirklich teuer, die kann man schon mal für 30 EUR bei ebay schießen. Wobei ich mir auf der letzten Retro-Börse in Bochum habe erklären lassen, dass es von diesem Modell eine Ur-Version gibt, nämlich den „Heavy-Sixer“. Dieses Gerät ist wohl recht selten und kann so um die 500 EUR kosten. Weitere all-time-favorites sind für mich auf jeden Fall das N64, mit legendären Spielen wie GoldenEye 007, und Mario-Kart, das NES und SNES mit seinen Klassikern, die Playstation mit den großen Spielereihen wie Gran Turismo und Metal Gear und auch ganz wichtig die Dreamcast mit Titeln wie Shenmue I und II. 6. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Konsole? Das schwankt. Mal bleiben die Konsolen eine Woche aus, mal wird täglich gespielt – gern übrigens auch an der Current Gen mit Xbox 360 und PS3. Da ich endlose Zeit mit dem Zocken verbringen kann, versuche ich mich zu disziplinieren und spiele deshalb seltener. Quasi trockener Zocker. 7. Welche Videospiel-Magazine und -Webseiten sind zu empfehlen? Die M!aniac ist mir als letztes echtes Multiformat-Print-Magazin in Deutschland sehr ans Herz gewachsen. Nerdig & informativ. Die großen Portale wie IGN oder Kotaku bieten umfassende Informationen, während die Retro-Szene sich eher in Blogs und Foren tummelt. 8. Wie schnell schafft ihr es, Super Mario Land auf dem GameBoy (alternativ: Super Mario Bros auf der NES) durchzuspielen? Wir waren nie Speedgamer – aber immerhin haben wir es geschafft! :) Naja, über die Warp-Bereiche schaffe ich es schon recht schnell, kann aber keine Zeiten nennen. GoldenEye 007 auf dem N64 allerdings habe ich in sämtlichen Schwierigkeitsstufen durchgespielt, auch in vorgegebenen Zeiten. Diese Speed Runs waren recht schwer, wurden aber mit unterschiedlichen Cheatmodi belohnt. 9. Wer ist der coolste aller Videospiel-Charaktere? Wahrscheinlich der eben genannte Mario, weil er wie kaum ein anderer über Jahrzehnte die Popkultur beeinflusst hat. Zeldas Link sei auch noch zu nennen – und überhaupt hat Nintendo hier eine beeindruckende Riege an Charakteren entwickelt. Aktuelle Helden sind zwar ebenfalls bekannt, aber weniger charmant – ob nun Halos Masterchief, Gears of Wars Marcus Fenix, Lara Croft oder Bayonetta. Mir fällt auf Anhieb Nico Bellic (GTA IV) ein, der hat so einige Dinger gedreht.


10. Habt ihr auch 14 Jahre auf Duke Nukem Forever gewartet? Wenn ja: Ist es eurer Meinung nach gelungen? Wir haben gewartet, gekauft – und nein, es ist nicht gelungen. Bzw. doch, wenn man seine Erwartungshaltung ändert: Es ist ein trashiger Nachhall aus den 90ern, mit eben dieser Technik knapp unter Mittelmaß, Pennälerhumor und roher Gewalt, aber eben auch einem gewissen Reiz und Witz, Abwechslung und solider FPS-Action. Muss man aus spielerischer Sicht nicht machen, gehört aber wegen des Kult-Faktors in der Balls of Steel-Edition in jede Sammlung. Als alter Ego-Shooter-Freund (vorzugsweise am PC, wegen Maus- und Tastatursteuerung) habe ich Duke Nukem damals gespielt und als eher gewöhnlich empfunden, von den harten Sprüchen abgesehen. Wer harte Sprüche mag sollte, Postal 2 spielen, das setzt noch einen obendrauf. Insofern habe ich nicht wirklich auf den neuen Teil gewartet und ihn auch noch nicht gespielt. 11. Was war eurer Meinung nach die zukunftsweisendste Konsole und Spiel aller Zeiten? Nintendo hat immer wieder den Markt revolutioniert. Mal mehr (Gameboy, Wii, DS), mal weniger (N64), aber immer als Zugpferd einer ganzen Industrie. Auch das Vectrex mit früher Vectorgrafik oder die erste Playstation, die Videospiele in den Mainstream gebracht hat, sind erwähnenswert. 12. Gibt es gute Filmumsetzungen von Videospielen? Kaum! Aber: GoldenEye 007 auf dem N64 ist eine Filmumsetzung im weiteren Sinne, und ein ewiger Klassiker. 13. Wie verhält es sich andersrum? Als Sammler besitze ich alle Realverfilmungen von Videospielen, die es gibt. Und meine Güte, ist da viel Müll bei. Ob nun Far Cry, House of the Dead oder Dead or Alive – immer wenn man denkt, es kann kaum schlimmer werden, dann wirds schlimmer. Positiv hervorzuheben sind vielleicht Silent Hill, einige der Resident-Evil-Teile sowie mit Abstrichen Doom und Max Payne. 14. Was haltet ihr von Uwe Boll? Wenig. Aber er zieht sein Ding durch und veröffentlich weiter am Fließband, aktuell aber immerhin ohne Videospiel-Bezug. Ich finde alle Spiele-Verfilmungen schrecklich und kann mir nicht erklären, weshalb einem beispielsweise die Resident-Evil-Filme gefallen? 15 Das beste Spiel aller Zeiten? Eine Antwort hierauf ist unmöglich! Statt Mario World, Asteroids oder Zelda nenne ich hier einfach den kleinsten gemeinsamen Nenner: Tetris. Ich ergänze einfach mal einige Titel, die ich für Meilensteine halte und die mir in besonderer Erinnerung geblieben sind. Zunächst das nun oft erwähnte GoldenEye 007 (N64), von der Steuerung einmalig und meiner Meinung nach der einzige Konsolenshooter, der präzises Aiming erlaubt, dann Monkey Island, Cannon Fodder, Dune 2 und die Siedler I (Amiga), die Metal Gearund die Gran Turismo-Reihe, Shenmue I und II, die Battlefield-Reihe (PC), Half-Life I und II, wobei ich das Ende des 2. Teils nicht mag, System Shock 2, meiner Meinung nach um Welten besser als sein Nachfolger Bioshock, die Resident-Evil-Reihe, Doom, GTA IV und zu guter Letzt etwas, das immer geht und Fifa in Punkto Ballphysik um Meilen schlägt: International Superstar Soccer.


16. Könnt ihr ein gutes Spiel mit Monstertrucks empfehlen? Ja! Mir haben die Dinger in Motor Storm auf der PS3 tierisch Spaß gemacht, welches gleichzeitig eines der optisch beeindruckendsten Spiele der aktuellen Generation ist. Wer kennt noch Skidmarks für den Amiga? 17. Retro oder Moderne? Super Mario Land oder Super Mario 3DS ? Bei Retro-Spielprinzipien würde ich auch bei den Originalen bleiben, also: retro. Die aktuellen Marios auf DS und Wii sind aber ebenfalls vorzüglich – auch hier tut sich Nintendo hervor, mit gleichbleibend grandiosen Inhouse-Entwicklungen seit 30 Jahren. Bitte beides! 18. Es gibt unvergessliche Lieder in Videospielen. Besonders für mich als GameBoy-Spieler (den grauen Klotz!) fallen da das Lied von Tetris (Musik Type A), das Super Mario Bros-Theme, aber auch „Aeris’ Theme“ in Final Fantasy VII ein. Wie wichtig ist Musik in Videospielen? 19. Welche Spiele der letzten Jahre hatten einen besonders guten Soundtrack? Neben Videospiel-Nerds sind wir auch Musikliebhaber, insofern: sehr wichtig! Mit vielen Spielen verbinde ich auch die Musik, die bei den Bildern im Kopf mitläuft. Eines der besten Beispiele für den Einsatz einer großartigen Spielmusik war für mich zuletzt Heavy Rain, wo dezent melancholische, hochwertige Musik stets die Stimmung aus dem Spiel unterstützt. Zudem kann man sich den Score auch ohne das Spiel anhören, was selten gelingt. 20. Welches Spiel empfindet ihr als besonders misslungen? Es gibt ja nun leider Unmengen an Gurken. Hier kann es aber aus Retro-Sicht nur eine Antwort geben: E.T. fürs Atari 2600, dessen Restbestände angeblich in der Wüste von New Mexico vergraben liegen. Die Story wurde sogar in einem netten Video der Indie-Band WINTERGREEN („When I wake up“) erzählt. Einen weiteren Titel, der genannt werden muss, so schlecht, dass es schon wieder lustig ist: Zelda für das Philips CD-i. Ansonsten kann ich an dieser Stelle nur auf den „Angry Video Game Nerd“ verweisen, das ist seine Expertise.


color tv game 15 N I N T E N D O

1 9 7 8

J apa N

P O N G - C L O N E

カラーテレビゲーム15というゲーム機はカラーテレビゲーム6の後で任天堂と 三菱電気から発刊されました。15の普通のポンゲームは含んでいて、コントロ ーラはゲーム機とケーブルでつながっていました。


color tv block kusure C O L O R

T V

B L O C K

J a P an

K U S U R E

N I N T E N D O

1 9 7 9

P O N G - C L O N E

1979年に任天堂はこのポンはブロック崩しも含んでいれました。これはカラー テレビゲームシリーズの四つ目です。二年間後でコンピューターテレビゲームでこ のシリーズは完結しました。すぐ後で任天堂のファミコン時代ははじまりました。


video pinball c-380 V I D E O

P I N B A L L

C - 3 8 0

A T A R I

1 9 7 7

U S A

P O N G - C L O N E

Before their big VCS-era, Atari released a collection of Breakout-clones and early Pinball-simulation titels under the name „Video Pinball“. The system included 7 of those games, which were played with the paddles build in the main system.


cassette vision

C A S S E T T E

V I S I O N

E P O C H

1 9 8 1

J A P A N

E C V

C A R T R I D G E

1981年に発刊されたカセットビジョンはカセットじゃなくて、この時の普通のカートリッ ジをつかっていました。ゲームがいっぱいじゃなくても、色々なゲームは楽しくて、デザインも きれいでした。スーパーカセットビジョンという後継機はヨーロッパさえ発刊されましたなの に、じつは成功しませんでした。


S G - 1 0 0 0

sg-1000

S E G A

1 9 8 3

J A P A N

S G 1 0 0 0

C A R T R I D G E

SG-1000というゲーム機はSEGAの第一ハードウェアでした。ポンは遅く消滅し た後、カートリッジシステムは人気になった。SG-1000のライブラリーはSEGAの ゲームセンターから来たタイトルで影響されました。日本でアタリ2600と競争 出来ましたが、世界中で発刊されませんでした。


S G - 1 0 0 0

sg-1000 ii

I I

S E G A

1 9 8 4

J A P A N

S G 1 0 0 0

C A R T R I D G E

SG-1000の後継機は完全互換性がありました。さらにキーボードなどがつなが れます。新しいデザインしたコントローラがケーシングとつながれましたが、日本 国外で発刊されませんでした。


colecovision

C O L E C O V I S I O N

C O L E C O

1 9 8 2

U S A

&

E U

C O L

C A R T R I D G E

One of the best known systems released, the Colecovision was quite successful in competing with Atari in the 80ies all over the world. Some nice games were released for this system, and some variations followed. A VCS 2600 adaptor is available officially.


bss bildschirmspiel 01 B S S

B I L D S C H I R M S P I E L G D R

0 1

R F T

1 9 8 0

P O N G - C L O N E

Das BSS von RFT ist das einzige bekannte Videospielsystem aus der DDR. Es hat daher einen speziellen Status, auch wenn es sich eigentlich nur um ein Pong handelt. Das System war damals und dort exorbitant teuer und war eher ein Spielzeug der Offiziellen in der DDR.


intellivision ii

I N T E L L I V I S I O N

I I

M A T T E L

1 9 8 3

U S A

I N T

C A R T R I D G E

Mattel phased out the original Intellivision and replaced it with a lighter, smaller version in light grey, that was fully compatible to all existing games and peripherals.


creativision

C R E A T I V I S I O N

V T E C H

1 9 8 2

W O R L D

C R E A

C A R T R I D G E

Available worldwide under various names (Dick Smith Wizzard, Hanimex Ramses, Fun Vision Computer Video Game System, ...), the Creativision was typical for a time in which videogame-consoles were migrated with homecomputers quite often. The Creativision was fairly successful, before it‘s successor VTech Laser 2001 was released in 1985.


virtual boy

V I R T U A L

B O Y

N I N T E N D O V B

1 9 9 5

U S A

/

J A P A N

H A N D H E L D

バーチャルボーイはちょっと変なゲーム機でした。ゲームボーイの案出者で発明しましたが、ア メリカと日本で失敗でした。双眼鏡のような物で、良い3Dが見えて、遊び時に机のうえにおい ていましたから、使い方は異形でした。


super cassette vision S U P E R

C A S S E T T E J A P A N

V I S I O N

S C V

E P O C H

1 9 8 4

C A R T R I D G E

スーパーカセットビジョンは先行モデルよりパワーが増大していました。このゲー ム機にとって新しいゲームがはっかんされて、ボルダーデッシュやドラゴンボール やドラえもんなどもありました。ヨーロッパでも発売されたのに、発刊された時の 近いうち後で販売を停止しました。


jump & run I N

da

shirt

http : / / whatabouttee . de /

na von what about tee ist das kleid … also echt. huck, huck, huck ... grundsätzlich kennst du die geschichte ja vielleicht. ich bin nicht so gut im schreiben, aber im umschreiben. war ja online unterwegs beruflich und hatte diese herzensgeschichte. daraufhin heimweh und die i love regensburg-facebookseite gegründet. zack, innerhalb drei wochen über 4.000 fans gehabt und die wollten dann merchandise-sachen mit dem logo I lOVE RGBG haben. der dienstleister für die shirts war doof und eine gebrauchte shirtpresse und ein plotter war dann der anfang meines unglaublichen erfolges. das war die kurzfassung. auch kann man sicherlich noch mal betonen, dass mir ein solch direktes feedback meiner kunden, wenn sie bei mir ein t-shirt kaufen, einfach tierisch spaß macht und man das beim programmieren von websites ja so gar nicht bekommt (wer schaut die website an? gefällt sie? ist sie gut benutzbar?). und das gekreische der mädels, die einen gameboy auf nem shirt sehen, ist einfach nicht mit geld aufzuwiegen. >:-) *glücklichbin* ben wildner / head of shirts


das bowling green ist keine kegelbahn Vier wildfremde Menschen schreiben über Wiesbaden.

Wir haben fünf Menschen gefragt, was sie von Wiesbaden halten. Wiesbaden, Sie wissen schon, das Ding, in dem wir wohnen. Da wo man früher immer weg wollte und im Alter dann seinen Frieden gemacht hat. Da wo die heißen Quellen sprudeln und John McEnroe geboren wurde, in diesem klammheimlichen Irrtum der Götter. Darüber wollten wir etwas wissen. Vier Menschen haben uns geantwortet, eine hatte Zahnschmerzen. So ist das Leben. Doch freuen Sie sich nicht zu früh!

Von Nina Windisch, Mareike Ernst, Frédéric Valin und Malte Welding.


halt die gosch Von Nina Windisch

Aufgewachsen in einer norddeutschen Kleinstadt, bin ich mit Dialekten kaum in Berührung gekommen. Gut, alle sagen „Moin“ immer und zu jeder Tageszeit, unlustige Touristen outen sich mit einem doppelten „Moin Moin“ und ältere Menschen sprechen Plattdeutsch, das ist aber kein Dialekt, sondern eine eigenständige Sprache von Geschöpfen, die ihren Tee gerne mit Schuss trinken. Als ich zum Studieren nach Köln zog oder besser gesagt nach Köln zog, um in einer Großstadt zu leben, musste sich mein jungfräuliches Ohr auf eine Deflorierung sondergleichen gefasst machen: Die Domstadt erwies sich schnell als reinstes Auffangbecken für Dialekte jeglicher Couleur von belustigend bis schmerzhaft. Ich lernte Menschen aus allen Himmelsrichtungen kennen, darunter kaum Kölner. Vom Heimatort aus hatte ich einen Zweijahresvertrag für ein Zimmer in einem privaten Studentenwohnheim unterschrieben, weil, auf dem Foto im Internet sah das echt nett aus. Vor Ort nicht mehr. Zehn Quadratmeter, das war kleiner als mein Kinderzimmer. Wie sich ziemlich schnell herausstellte, war ich auf einer Etage gelandet, wo ausschließlich Männer wohnten oder hausten. Als ich einen Hausgenossen fragte, wo denn die Frauentoilette sei, wurde ich ausgelacht. Die drei Duschen waren zwar durch Wände getrennt, aber die gingen nicht bis zur Decke, Mann konnte also

rüberschauen, ich duschte zu den ungewöhnlichsten Uhrzeiten. Die klebrige Küche wurde von Marokkanern belagert, die mich anschauten, als hätte ich mich in der Etage geirrt, was ich auch wirklich gern getan hätte, und mein Versuch, eine hübsche PVC-Tischdecke durchzusetzen, die von der fehlenden Backofentür ablenken sollte, wurde mit einer klaren Ansage, nämlich der Tischdecke im Mülleimer, beantwortet. Aber es gab einen Balkon, auf dem ich oft Besuch von Eichhörnchen bekam, allerdings waren alle Balkone der Etage barrierefrei miteinander verbunden und manchmal hatte ich Albträume, dass die Jungs vor meiner BalkonZimmertür stehn. Und als ich einmal traurig über den Gang schlurfte, weil mein Klopapier, das ich auf der Toilette zurückgelassen hatte, gezockt wurde, stand er da mit einem erfrischenden Lächeln: Lukas. Lukas war gerade aus Wiesbaden nach Köln gezogen und wie sich herausstellte, besuchten wir sogar beide den gleichen Lateinkurs an der Uni, weil wir beide nicht wussten, dass man ein Latinum braucht für ein geisteswissenschaftliches Studium. Wir liefen gemeinsam zur Uni, aßen oft Falafel auf dem Rückweg und gingen am Wochenende zusammen Wäsche waschen im Waschsalon, wobei Lukas mir dort zeigte, wie alles funktioniert, ein weltgewandter Hesse war das. Lukas war groß und schlank, braune wuschelige Haare und


trug fast immer eine Zimmermannshose, er war aufrichtig und interessiert, manchmal vielleicht zu sehr am Grasrauchen. Eines Tages erzählte er mir von einer wunderschönen Argentinierin, die er im Philosophie Seminar „Platons Politeia“ kennengelernt hatte und in die er sich verguckt hatte. Sie erwiderte zwar seine Gefühle nicht, aber ist meine beste Freundin geworden. Nach drei Monaten hielt ich es nicht mehr aus in dem Wohnheim, da gab es nichts mehr schönzureden, obwohl mein damaliger Freund und ich uns einen großen Spaß daraus machten, wenn einer vom Schreibtisch aus rief: „Liebling, kannst Du mir ein Glas Wasser bringen?“ Und der andere: „Was? Ich hör´ Dich nicht, bin grad im Schlafzimmer!“ Und bei diesem Szenario saßen wir quasi genau nebeneinander. Aber dass es da jemanden gab, der die Post in nach Zimmern nummerierte Fächer sortierte, sich wie der Hausmeister aufspielte, zu alt war für einen Studenten und in nahezu aufdringlicher Weise im Zimmer neben mir wohnte, das war irgendwann zu kurios. Es war gar nicht so einfach, einen Nachmieter für diesen Zustand von Wohnraum zu finden, aber irgendwie musste ich ja aus meinem Zweijahresvertrag rauskommen. Zum Glück hat sich ein spanischer Austauschstudent erbarmt, nachdem ich ihn mit Kölsch bestochen hatte. Der Miethai von Vermieter fletschte seine Zähne und es fühlte sich ziemlich erwachsen an, nach all den Jahren Gesamtschul-Kuschelpädagogik eine Auseinandersetzung mit so einem unsäglichen Menschen zu führen. Ich entschied mich dann für eine WG mit norddeutschen Frauen und Lukas half mir beim Umzug, wie er sowieso immer da war und hilfsbereit, ein Umstand, den er in Köln vermisste. Oft sprach er von seinen Freunden in Wiesbaden, dem Zusammenhalt und dann brachte er mir einige Sätze auf Hessisch bei: „Hascht wasch dagege, wie isch babbel?“ oder „Halt die Gosch!“ Er war sichtlich amüsiert ob meiner schlechten Imitation. Meine beste Freundin und ich, wir gingen noch manchmal mit Lukas Kaffee trinken, aber dann haben wir ihn aus den Augen verloren. Ein gemeinsamer Bekannter erzählte mir, Lukas sei zurückgezogen nach Wiesbaden und habe sein Studium abgebrochen. Heimweh sei ein Grund gewesen. Ich konnte das schon verstehen, auch ich vermisse nach einem Jahrzehnt in Köln noch das Meer, den Horizont, die Seeluft, die Schiffe,

aber Heimweh? Grund genug, sich mal ein wenig über die Stadt Wiesbaden zu informieren, und warum in die Ferne schweifen, wenn das Internet liegt so nahe? Ah ha, Hessens Landeshauptstadt; oh, schönes Wappen: drei goldene Schwertlilien auf royalblauem Schild; 287.000 Einwohner, gar nicht mal so klein; Wie? US-amerikanische stationierte Soldaten und deren Familien werden nicht mitgezählt? Coca Cola, Bubblegum, Madame, Sir? Eppstein um die Ecke, ah ja, Katja Ebstein; Mittelgebirge Taunus, Ford Taunus− hätt´ ich gern; 1565 Stunden Sonne im Jahr, zählt zu den wärmsten Städten Deutschlands, wat? „Das Nizza des Nordens“, klar, deswegen heißt ein Stadtteil Sonnenberg, aber warum heißt ein anderer Frauenstein? Und Auringen klingt nach Augenringen; Minuspunkt CDU-Bürgermeister; Die Schufa sitzt in Wiesbaden, schöne Grüße; Das Bowling Green ist keine Kegelbahn, sondern ein Grünstreifen, überhaupt, Weltkurort und so, heißt das alte Menschen mit Dialekt? Was gibt´s im Frauenmuseum zu sehen? Worauf ich ja total stehe, sind Partnerstädte, Wiesbaden hat mehrere Partnerschaften, zum Beispiel mit dem Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, und wenn das nicht hip ist, weiß ich auch nicht. Sowie mit Ljubljana, da hab ich als Kind mit meiner Familie einen Campingurlaub verbracht, als es noch Jugoslawien war, von diesem Trip sprechen wir heute noch, von diesem verregneten Tag und der Nacht in einer schrägen Jugendherberge, die meine Eltern als aufregend, mein Bruder als gleichgültig und ich als befremdlich empfand, jedenfalls dem Foto nach zu urteilen, auf dem ich auf dem Bett sitze und mein Stofftier Koalabär „Ali“ fest an mich drücke. Zurück zu Wiesbaden: Söhnlein Brillant, Henkell Trocken. Prost! Mundet der Wein? Gibt es vom Schweinefuß über Fleischsalat bis zur Ente mit Rippchen auch was Vegetarisches zu essen, das keine Beilage ist? Wie´s Baden im Thermalwasser? Fühlt man sich in den Schlössern wie eine Prinzessin, die sich einen Kutschenkorso wünscht, der sie zu einem Pavillon fährt, wo ihr Bräutigam auf sie wartet? Ich werde es wohl nie erfahren, bis nicht ein Mensch oder ein Gefühl mich in die Stadt lockt, dann werde ich aber auf jeden Fall einen Ausflug mit der Nerobergbahn unternehmen. Bis dahin danke ich dem Wiesbadener Lukas für einen fröhlichen Start in Köln und die Verbindung zu meiner Herzensfreundin.


dabei mag ich wiesbaden Von Mareike Ernst

Als Frankfurterin hat man ja ein besonderes Verhältnis zu Wiesbaden, jedenfalls wird einem immer so was unterstellt. Eigentlich ein bisschen absurd, so als habe man zu jedem Nachbarn eine Beziehung aufgebaut, nur weil man aus Versehen in der gleichen Straße wohnt. Nun, ich fürchte leider, dass das stimmt. Ich kenne die Leute in meiner Straße nicht mal beim Namen, aber ich weiß, wer wann am liebsten seinen Rasen mäht, Dinge kaputtbohrt, seine Frau anschreit und wie viel Zeit die Oma von gegenüber darauf verwendet, die Blumen im Fenster zu einem drei Meter hohem Sichtschutz zu drapieren. Und es ist eben doch fast so, als habe man eine Ahnung, wer sie sind, was sie mögen und was sie ausmacht. So wie man auch valide Schlussfolgerungen über den Charakter eines Menschen ziehen kann, sobald man sein Lieblingsessen kennt und weiß, ob er zu denen gehört, die vorm Einschlafen unbedingt beide Füße unter der Decke haben müssen. Das sind nämlich die einzig vernünftigen Personen. Mit Wiesbaden ist es wie mit dem Nachbarn, dessen teures Auto immer blank geputzt ist und wenn er einen irgendwie nervt, dann nur, weil er an einem Sonntagmorgen seit 4 Stunden Klavier spielt. Der Streber.

Im Vergleich wäre Frankfurt dann ich, die es den halben Tag nicht aus dem Bett schafft, ein wenig versifft, das eigentlich ziemlich cool findet, aber trotzdem manchmal ein wenig fasziniert auf die andere Straßenseite starrt. Dann überlegt man kurz, ob man neidisch ist, stellt den typischen „Mein Haus, mein Auto, mein Pferd“-Vergleich an, merkt dann, dass man mal wieder die Fenster putzen müsste, und zupft sich etwas verschämt die Jogginghose zurecht. Ja, meine Sicht Frankfurts unterscheidet sich von der vieler anderer. Ich habe es ein halbes Jahr gehasst und jetzt bin ich verliebt. An Wiesbaden fahre ich meist nur vorbei und finde es schön und harmlos, der Rest des Rhein-Main-Gebiets interessiert mich nicht, wobei mir Offenbach ganz besonders egal ist, über Darmstadt lache ich und für differenzierte Betrachtungen bin ich ohnehin die falsche Person. Städte landen bei mir auch schnell in einer Schublade, noch schneller als Menschen, aber hier fühlt man sich gar nicht schlecht damit. Es ist nun mal so, dass Menschen immer wieder die Bilder zerstören, die man gerade von ihnen hat, Städten hingegen geben wir diese Chance oft gar nicht erst. Wir sehen das, was wir sehen wollen, wir gehen dahin, wo wir ohnehin schon mal waren und wo es


uns gefällt und in Zeiten von Karten-Apps auf dem iPhone verläuft sich ohnehin keiner mehr. Also, keiner außer mir. So verhalten wir uns, egal wie vorurteilsbehaftet wir sind. Und das sind wir alle, egal, ob es um das Klischee geht, dass in Wiesbaden nur reiche Beamte umherflanieren, oder die Erkenntnis morgens in der S-Bahn, dass einem bei einer Schwangerschaft scheinbar sofort hässliche Birkenstock-Sandalen wachsen. Der Blick auf die eigene Stadt ist anders. Man kann sie mal pieksen, genauso wie man manchmal das Verlangen hat, dem Menschen, der gerade neben einem schläft, am Ohrläppchen zu ziehen. Es ist okay, eben auch mal fies zu ihr sein, das ist in Ordnung, wen man liebt, darf man beleidigen. Aber gegen Leute von außen (pfui!) wird sie verteidigt. So schaffte es z.B. die Neon neulich in ihrem vierteljährlich wiederkehrenden „Welche Stadt passt zu dir?“-Artikel, auf sehr wenigen Seiten zwischen sehr vielen zusammenhanglosen Bildern halbnackter feiernder Menschen so ziemlich alle gängigen Klischees zu reproduzieren. Wer Frankfurt mag, der mag auch Zweitligafußball, Würstchen, Apfelwein aus dem Bembel und redet nur in Mundstuhl-Zitaten. Das Heft liegt jetzt als Klo-Lektüre im Bad. Beziehungsweise als

Statement. Und jetzt soll ich was über Wiesbaden schreiben? Ohne Angst, dass am nächsten Morgen 50 Anzugträger durch meine Straße marodieren und mein nicht existentes Auto zerbeulen wollen, weil das nun mal die Stelle ist, an der der Mensch von Welt verletzlich zu sein hat? Wiesbaden. Mit dieser Stadt geht es mir als Frankfurter wie mit diesen Leuten, die immer perfekt vorbereitet, gekämmt und geföhnt sind und sich nie daneben benehmen. Und was ich dann fühle, ist wie diese Befürchtung, an der schicken Kaffeetafel touretteesk auf einmal ganz viele ziemlich schlimme Witze zu erzählen, die keiner lustig findet. Wie hält eine ganze Stadt das durch? Oder seid ihr immer nur so, wenn ich gerade mal da bin, und klappt ihr danach die Kulissen runter? Dabei mag ich Wiesbaden. Bei meinem letzten Besuch liefen wir nachts mit einem halben Blumenstrauß gefühlte Stunden durch Straßen, die ich noch nie vorher sah, und ich fand alle friedlich und schön und wollte gar nicht mehr gehen. Wahrscheinlich liefen wir deshalb unbewusst immer größer werdende Kreise um den Bahnhof herum. Weißt du was, Wiesbaden? Das nächste Mal versuchen wir das Ganze nochmal bei Tageslicht. Ich bringe auch wieder Blumen mit.


fuck, yeah dr achenblut Von Malte Welding

Marcel Horn kam aus Wiesbaden und ist bis zum heutigen Tag meine einzige Verbindung nach Wiesbaden. Wiesbaden soll ja unermesslich reich sein, in scheichischem Ausmaß, und ich will nicht ausschließen, dass Marcel Horn sehr reich war. Man sah ihm das Einkommen seiner Eltern nicht an, er könnte der Sohn eines Vaters gewesen sein, der sein ganzes Vermögen der nicaraguanischen Befreiungsarmee oder der Ronald-McDonaldStiftung vermacht hatte, und nun in selbstgewählter Armut lebte. Ich glaube, dass es mit einiger Sicherheit so war. Im zehnten Schuljahr kam er in unsere Klasse. Man mag es mir nicht ansehen, aber ich habe ein Herz für Neuankömmlinge. Ihr suchender Blick, ihre fragende Augenstellung berühren etwas in mir, ich glaube, es ist mein Herz. Ich kümmerte mich also um Marcel Horn, setzte mich mit ihm in den Domkeller und trank dort mit ihm PersicoApfelsaft. Marcel Horn hatte eine sehr sanfte Stimme, mit der er nichts erzählte, er antwortete bloß mit freundlichen Nichtigkeiten auf meine Fragen und manchmal bat er die Kellnerin um mehr Apfelsaft. Diese sanfte Stimme habe ich im Ohr, wenn ich heute an Wiesbaden denke, was ich im Grunde nie tue, es sei denn, es ist wieder einmal ein bekannter Milliardär aus Wiesbaden gestorben und die Zeitungen sind voll mit Fotos der hessischen Landeshauptstadt. Fließt durch Wiesbaden ein Fluss? Ist es die Wies? Kreuzen sich in Wiesbaden die Wies und die Baden und werden zur Wiesbaden? Ist der Wies die größte Erhebung weit und breit oder ein großer germanischer Freiheitskämpfer, der die Römer dort schlug, wo später die Stadt entstand? Beinahe alle Deutschen kommen aus Mittelstädten, die einander gleichen wie ein Haar dem anderen,

und doch bleiben die Bewohner einander fremd. Aachener grüßen im Ausland, also ab Düren, einander mit dem Klenkes, dem abgewinkelten kleinen Finger. Der kleine Finger ist zum Aachener Wahrzeichen geworden, so erzählen Aachener Grundschullehrer es Aachener Kindern, weil man mit dem kleinen Finger in Nadelfabriken Nadeln aussortierte. Ich habe noch nie Wiesbadener einander begrüßen sehen. Marcel Horn grüßte immer mit einem leichten, kaum merklichen Nicken, es war, als wäre er sich nicht sicher, ob eine Begrüßung erwünscht war, aber vielleicht wäre Marcel zu großer Form aufgelaufen, hätte er nur jemanden grüßen dürfen, der mit den Riten seiner Heimat vertraut ist. Der wie er gezittert hat mit den Recken des SV Wehen, der für Wiesbaden in etwa das sein muss, was Schalke für Gelsenkirchen ist, er ist nur kleiner und weniger blau (all das sind Spekulationen, möglicherweise ist Wehen kein Stadtteil von Wiesbaden, sondern das Einkaufszentrum der Stadt), der wie er nie in den Aachener heißen Quellen gebadet hat, der wie er nie den Elisenbrunnen E genannt hatte, jemand, der an den klaren Wassern der Wies, dort, wo sie auf die Baden trifft, angelte, jemand, der abends im Kerzenschein seinen Geldspeicher öffnete und ein warmes Dukatenbad nahm. Wenn Aachener verreisen, dann bringen sie den Gastgebern Printen mit, was verschenkt der Wiesbadener? Sind es Pralinen, Mettbällchen, Geldröllchen, Geldbäumchen gar? Würde Deutschland zerfallen in seine Einzelteile und die Mittelstädte würden unabhängige Republiken, was würde man den Wiesbadenern im Kriegsfall an den Kopf werfen? Dass nie etwas Gutes aus Wiesbaden kam, dass der Wies nur ein Hügel ist und die Raffgier der Wiesbadener verantwortlich dafür, dass in Aachen mittlerweile das Studentenviertel aussieht wie Lloret de Mar?


In Aachen, das auf Französisch Aix-la-Chappelle heißt, werden Paketdienste von ihren Gründern wie selbstverständlich Aix und Hopp genannt, Vermessungsfirmen Aixakt, in Bonn heißt jede Kneipe Bonngout oder Bonnobo, welches Wortspiel bietet sich mit Wiesbaden an? Heißen Wellnessfarmen hier Genießbaden? Sicherheitsunternehmen Schließbaden? Gärtnereien Gießbaden? Ich möchte wetten, dass man Drucke kaufen kann in einer kleinen Gallerie namens Eigenart, dass die Fußgängerzone nach einem Reichskanzler aus der wilhelminischen Zeit heißt, dass hoffnungsvolle Jungjournalisten bei der Wiesbadener Allgemeinen anfangen, über Orgelbesichtigungen zu schreiben, während kalte Karrieristen gleich bei der Wiesbadener Wochenrückschau beginnen, die einen boulevardesken Auftritt pflegt und hauptsächlich mit den Wehener Recken aufmacht, am liebsten, wenn die mal wieder Gütersloh oder Ahlen oder Aalen geschlagen haben oder immerhin kein Gegentor kassierten. Es gibt die lokale Hiphop-Crew, nichts spricht dagegen, dass sie KWLML heißt, was Kratzen wie Leute mit Läusen bedeutet (Spötter behaupten allerdings, die Buchstaben stünden für gar nichts, aber für Spott hat man an der Wies bekanntich nicht viel übrig), die Wiesbaden auf Spaß haben und auf Gas geben reimt und deren größter wiesbadenund somit für Wiesbadener weltweiter Erfolg der Partykracher „Wir sind nicht Baden Baden“ ist. Auch Wiesbaden hat eine Schäl Sick, eine falsche Seite, ein Viertel, vor dem Fremde gewarnt werden, bloß wohnen hier nicht wie in den anderen Mittelstädten, Studenten, Arme, Alte und arme, alte Studenten (ich habe zehn Jahre lang Jura studiert und in Bonn-Tannenbusch gelebt), in Wiesbaden wohnen im Ghetto Ministerialbeamte und pensionierte Kassenärzte. Ebenso kennt der Wiesbadener ein Umland, dessen

Bewohner schlechter Auto fahren als er. Mit den Buchstaben auf deren Nummernschildern bildet er Schmähworte, wie man es in Aachen macht mit den Heinsbergern (HS), denen ein Hirnschaden nachgesagt wird, und in Bonn mit den Siegburgern (SU), denen man hinterherruft: Sau unterwegs. Das Denkmal, das in Wiesbaden alle Ministerialbeamtengattinnen auf Besuch einmal betrachten, könnte auf dem Marktplatz stehen, der in römischer Zeit rechteckig war, dann gotisch rund wurde unter Agolbar, Sachsenfürst und bedeutender Drachentöter, der hier 814 einen Lindenbaum pflanzte und – so die lokale Legende – einen Tropfen Blut an den Samen gab (ob eigenes oder von erlegten Drachen, darüber grübeln die Gelehrten), weswegen die Linde rot erblühte und Vorbild für den berühmten Wiesbadener Rotkuchen wurde und somit das Wiesbadener Oktogon bildet, eine Formation, die der Stadtrat Jahr für Jahr der UNESCO als Weltkulturerbe vorschlägt, auf diesem Marktplatz mit seinen acht Ecken steht also der „Vierbeinige Preußenprinz“, eine anrührend misslungene Skulptur, deren offizieller Namensgeber, der Erbprinz Karl Jonathan, sich so gar nicht absetzt von dem unter ihm trabenden Pferd. Wiesbaden, du bist genau wie wir und doch ganz anders, Wiesbaden, vielleicht hast du sogar einen Strand, ganz ohne Meer, du kannst das. Wiesbaden, mir ist, als hätte man mir von dir im Traum erzählt. Du bist nicht Osnabrück, mit seinen kalten Zinnen, nicht Bremerhaven oder Ludwigsburg. Du bist, ich kann mich noch entsinnen, der Hort des Guten und von: fuck, yeah: Drachenblut.


endlich endstation Von Frédéric Valin

Mein erster Aufenthalt in Wiesbaden dauerte 13 Stunden. Ich hinterließ einen zerstörten Couchtisch und einen ertränkten Mac. Man wird verstehen, wenn ich jetzt sage: Von Wiesbaden ist mir kaum etwas in Erinnerung geblieben. Ich bin ein schlechter Leumundszeuge für Wiesbaden. Ich weiß nicht mehr, wann ich Huck kennengelernt habe. Wahrscheinlich war das während eines Grillfestes im tiefsten Sommer, das sie in Berlin veranstalteten, während sie in der alten chinesischen Botschaft residierten. Das kam mir sofort logisch vor, als ich Huck vor einem Ventilator thronen sah wie einen alten, weisen Mandarin. Zu seiner Linken stand ein Gin Tonic, zu seiner Rechten ein Becher voll Stø. Bis heute habe ich nicht herausfinden können, woraus dieses Stø gemacht ist; ich frage zwar jedes Mal, wenn ich es trinke, vergesse aber mit zuverlässiger Regelmäßigkeit jede Erinnerung an alle Vorkommnisse des Abends, sobald ich auch nur einen Schluck davon gekostet habe. Also auch alle Bestandteile dieses Støs, das nach abgestandener Diätcola mit Pfeffer schmeckt und wirkt wie Rohrfrei fürs Gehirn. Ich weiß noch, dass wir uns über Fußball unterhalten haben. Und über Eintracht Frankfurt. Ich habe nie so viel über Eintracht Frankfurt gehört wie in der halben Stunde, die Huck davon erzählt hat. Anfangs dachte ich, mein Gott, wie schnell der Huck sprechen kann. Der müsste Hiphop machen. Ich kenne nicht sehr viele Leute aus Hessen und Umgebung, aber von den wenigen, die ich kenne, hat niemand eine normale Sprechgeschwindigkeit. Entweder viel zu schnell oder ein wenig langsam. Entweder sie galoppieren durch die deutsche Sprache wie ein Hunnenheer oder sie galoppieren durch die deutsche Sprache wie ein Hunnenheer auf Ketamin. Außerdem scheinen Hessen (jedenfalls alle, die ich kenne) nur mit der Unterlippe zu sprechen, wie die Bayern. Oder Bauchrednerpuppen. Man weiß nicht, ob das genetisch ist oder doch ein vertikaler Schlaganfall. Soso, Wiesbaden. Da hat einer mal den Wulff und den Bouffier mit Eiern beworfen.

Man hat schon so viel Negatives über Hessen geschrieben, dass ich hier – ganz pathetisch – auch zwei, drei vorzügliche Vorurteile über sie unterbringen will, die mir in der Form erst bei Huck aufgegangen sind. Der muss also Pate stehen für den Hessen an sich, vielleicht auch sitzen, stehen tut er nicht so gerne. Kein Hesse, den ich kenne, ist langsam im Kopf. Der hochrote Schädel und die Couperose um die Nase, die man dort häufig antrifft, ist nicht nur eine Folge übermäßigen Äpplerkonsums, nein: Durch so einen Hessenkopf muss übermäßig viel Blut schießen, weil sein Hirn eher Turbolader als Selbstzünder ist. Und ganz besonders liebenswert am Hessen ist seine unspektakuläre Art, Witze zu erzählen: Weil er keine Zeit hat, den Zuhörer lachen zu lassen, setzt er seine Pointen mit lakonischer Zurückhaltung, was manchmal bitter klingt oder sogar grantig, aber man soll sich da nicht täuschen lassen: Sie sind keine Humorverächter, die Hessen (die ich kenne), sie nicken halt lieber zu gelungenen Scherzen als sich lauthals darüber auszuschütten. Am Ende des Abends hat Huck mich dann gefragt, ob ich einen Text für das Magazin schreiben könnte. Hinterher hat er behauptet, ich hätte ja gesagt. Und mich zu einer Lesung eingeladen, nach Wiesbaden. Ich glaube, ich hab damals den Zug zurück verpasst. Irgendwann stand ich am Taxistand des Berliner Hauptbahnhofs. Dem Fahrer erzählte ich, wo ich gewesen war, und er fragte, wie ich‘s fand. Ich weiß noch nicht einmal mehr, was ich ihm gesagt habe. Ach ja, Wiesbaden. Manchmal, wenn mir partout kein Smalltalk-Thema einfallen will, frage ich Leute auf Partys, ob sie schon einmal in Wiesbaden waren. Sehr wenige sagen ja. Manche gehen dann einfach wortlos weg. Einer von der SPD hat damals den Wahlkampf der Ypsilanti mitorganisiert, aber wenn man ihn dazu befragt, schüttelt er nur den Kopf und will sofort zur nächsten Kneipe, sich ein Herrengedeck reintun. Inzwischen ist er Mediator am Familiengericht, weil er mal was Entspannteres machen wollte.


Es soll, sagte mir neulich im Zug nach Freiburg meine Sitznachbarin, ein wahnsinniges gutes Yogacenter in Wiesbaden geben, mit Seilen. Dann hat sie direkt von etwas anderem erzählt, das konnte sie gut: erzählen. Ein bisschen durchgeknallt war sie auch, und eine Assoziationssynästhetikerin. Die brachte immer alle Adjektive durcheinander. „Das fühlt sich herb an“, gut, das sagen manche. „Das schmeckt aber schwer“, das sagen schon deutlich weniger, und fast niemand würde sagen: „Das hört sich rau an.“ Irgendwann später hat sie dann gesagt, dass die JVA in Wiesbaden sehr geräumige Zellen habe, sehr bequem im Gegensatz zu denen in Berlin, und ich wollte sie noch fragen, ob sie in der Justiz arbeite, oder ob das was mit den Seilen zu tun habe, hab mich dann aber doch zurückgenommen, ich wollte keine Antwort hören, die sauer klingt. Aber: Wiesbaden. 2010 haben sie da ihr Heimatlied gesucht. Ich hab noch heute Ohrenschmerzen. Mein Favorit beginnt so: „Kennzeichen WI von vorne sowie hinten sind verdammt coole Leute weil wir aus den Autos winken.“ Gewonnen hat dann aber ein Lied von Sixpack and a girl, mit der kaum zu glaubenden Zeile: „Hier ist endlich Endstation.“ Herrje, Wiesbaden. Wann genau ich Kiki kennengelernt habe, kann ich nicht mehr sagen. Ich habe noch ein paar Bilder im Kopf, aber ich kann sie nicht mehr zuordnen. Es muss eigentlich fast an der chinesischen Botschaft gewesen sein, aber ich habe da so viele Leute kennengelernt, und nur mit einem habe ich über Fußball gesprochen. Ich kann mir immer nur die Leute merken, mit denen ich über Fußball spreche. Es ist nicht meine Schuld, ich bin sehr schlecht darin, Menschen kennenzulernen, mir Namen zu merken, Gesichter, sie später zuzuordnen. Ich komme vom Dorf, bis zu meinem zehnten Lebensjahr musste ich mir vielleicht achtzig Namen beibringen und drei Mal so viele Gesichter, weil fast die Hälfte einfach „Herr Dentler“ hieß oder aber „Frau Dentler“. Ganz im Gegensatz zu der Runde, die sich da im Schatten der ehemaligen chinesischen Botschaft zusammengefunden hatte, die hatten alle mindestens drei Namen: den echten, den fürs Blog und den für Twitter. Nach drei Stø beginnt man, der Einfachheit halber „Thomas“ in die Runde zu schreien, wenn man ‘ne Zigarette haben will, und kuckt mal, wer reagiert. Oder „Kathrin“. Oder „Jörg“. Erstaunlich viele Blogger heißen Jörg mit Vornamen, aber keinem scheint der Einfall seiner Eltern, ihn ausgerechnet so zu nennen, zu behagen: Fast alle

verstecken sich hinter Tarnnamen. Ich verstehe das nicht, ich finde Jörg einen fantastischen Namen. Anscheinend soll der von Georg abgeleitet worden sein, und tatsächlich klingt Jörg so, als würde man während der Aussprache des englischen George kurz aufstoßen müssen, weil man – zum Beispiel – zu viel Wurst gegessen hat. Aber, Wiesbaden. Gerade lese ich in der FAZ, dass eine 63-jährige Oma in Wiesbaden für ihren Sohn ein Kilo Kokain gebunkert hat. Das Beste an der Frankfurter Buchmesse waren die Cocktails mit Kiki. Unten, am Stand des Deutschen Buchhandels. Mein Verlag saß eins drüber, bei den jungen Verlagen, die heißen so, obwohl deren Verleger meistens schon so um die vierzig sind. Aber im Literaturbetrieb heißt „jung“ einfach nur: hatte noch keine Darmspiegelung aus Vorsorgezwecken. Darf noch Autofahren. So was. Ich sollte lesen auf der Leseinsel, abends um fünf, inmitten der ganzen Stände. Auf einer Messe zu lesen ist schon so kein Vergnügen, es geht zu wie samstags im Ikea. Abends um fünf gehen dann reihum an den Ständen die Weinflaschen auf, und schlagartig leert sich der Zuhörerbereich. Was weniger bühnenpräsent ist als Harry Rowolth, hat dann keine Chance mehr auf Aufmerksamkeit, und als ich endete, saßen noch drei Damen vor mir und klatschten brav in ihre Hände. Zwei davon waren mit mir verwandt. Eine Etage tiefer saß Kiki und hat mir direkt zwei Gin Tonic gereicht. Nur für mich. Überhaupt ist Kiki von einer resoluten Fürsorglichkeit, die so unaufdringlich wie warmherzig ist. Sie hat im Netz schon Wortpatenschaften übernommen, für „Herrschaftszeiten“ zum Beispiel, oder für „Kaffeekultur“. Damit die armen Worte nicht ganz allein und schutzlos im Internet rumstehen. Bei jedem anderen würde so was naiv wirken, aber nicht bei ihr: Es hat im Gegenteil etwas Wissendes, Unaufgeregtes, wenn sie so was macht, in vollem Bewusstsein, dass es ein wenig albern ist, aber trotzdem schön. Ein wenig albern, aber trotzdem schön: Das passt ganz gut zu Wiesbaden. Ich habe mich zwanghaft zu erinnern versucht, was es noch zu dieser Stadt zu sagen gibt. Irgendwo steht eine Kirche mit goldenen Zwiebeldächern, das wäre sogar in München übertrieben. Aber in Wiesbaden, da haben sie die auf einem Berg versteckt, hinter lauter Bäumen. Diese Hessen.


70 70 Tage krankenhaus, 70 Fotos von sogenanntem essen, EINE KIKÖHNE, eine blume und ein kaninchen namens lola

Die gute Nachricht ist, fast alles blieb dran und der Patient konnte erhobenen Hauptes das St. Josephs Hospital zu Wiesbaden via Hinterausgang/Parkhaus verlassen. Die etwas schlechtere Nachricht ist, freuen Sie sich nicht zu früh. Krankenschwestern mit Hilfssyndrom im Miniröckchen und Stilettos entspringen nur der Phantasie derer, die noch nie im Krankenhaus lagen. Der reale Krankenhausalltag ist geprägt von Stumpfsinn und Warten auf die nächste Tageseinheit. Wenn zwischen 6:00 und 7:00 Uhr scheinbar unsensible und offensichtlich von ihrem Job gepeinigte Menschen mit einem guten Gespür für das Herbeiführen von Schockzuständen die Zimmertüren aufstoßen und das Neonlicht anschalten, dann ist man wacher, als man es jemals sein wollte und dann beginnt das Warten aufs Frühstück, gefolgt vom Warten auf das Mittagessen, warten auf die Angehörigen, Freunde, Verwandte und Schaulustigen, gefolgt vom Warten auf das Abendessen, warten auf die Schlaftablette. Dann: Schlaf unterbrochen vom Schreien oder wahlweise von Menschen, deren Herz einfach nicht mehr mitmacht. Solche Situationen, all die Tristesse, die schlimmen Bademäntel der Patienen, die entwürdigende Kindersprache eines Teils des Personals, die einem das Gefühl gibt, nicht nur einen körperlichen, sondern auch einen geistigen Schade erlitten zu haben. Da ist Essen ist ein wichtiges Thema. Was hat man denn auch sonst vom Leben? Krankenhaus-Essen hat ja seinen ganz eigenen und speziellen Ruf. Es gab es ein paar Highlights, aber in der Mehrzahl viel Splatter, Horror, Weichgekochtes, Hautkrankheiten, Geschwüre und es gab Dinge, die hätten solchermaßen nie als Lebensmittel aufbereitet werden dürfen. Damit das nicht in Vergessenheit gerät, hat der Patient seine ganz persönlichen Erinnerungen an 70 Tage Krankenhausverkostung schweifen lassen.


betten

Die ungemachten Betten unserer Leser

Wachen Sie doch endlich auf. So kann es doch nicht

Gerade in Zeiten des Freelancertums, in denen

weitergehen!

der Wecker immer seltener die Menschen aus den

Nachdem wir nun in die Kühlschränke unserer Leser

Betten hinaus ins schlechte Wetter treibt. Ganze

schauen durften, haben wir uns anschließend deren

Wochenenden werden im Bett verbracht. Und dann

Klos angenommen, was ja bisweilen durchaus als

ist das Bett nach Autorücksitz, Telefonzelle und

folgerichtig durchgeht. Diesmal haben wir dazu

Küchentisch der am viertmeisten frequentierte

aufgerufen, das ungemachte Bett zu fotografieren.

Ort zum Zeugen von Nachwuchs oder anderer

Jetzt sind wir uns nicht sicher, welche dieser Betten

Problematiken. Es war darum nur eine Frage der

je in einem anderen Zustand als dem ungemachten

Zeit, bis wir diesen zentralen Ort und Heimat von

ihr Dasein in finsteren Schlafkammern, am Rande

Postilliarden von Milben und anderem Kleingetier

von vierspurigen Stadtautobahnen fristen und

zum Objekt unserer Neugier machten.

längst zu Esstischen und alltäglichen Aufenthalts-

Und nun haben wir 47 ungemachte Betten,

orten verkommen sind. Ein Bett ist nicht mehr

die

wie noch vor John Lennon und Yoko Ono ein

im Morgengrauen, in der Dämmerung und am

Ort, in dem man einfach nur rumliegt, um den

helllichten Tag fotografiert wurden.

unter zum Teil erschwerten Bedingungen

Zustand des Schlafens darin zu verbringen. Ein Bett ist nicht selten der zentrale Ort der Wohnung.

Foto und Bett: Katharina Kuhn / @the_ketura

Vielen Dank und gute Nacht.


@Menschette & @Mogelpony

Johanna Roth

Silke Nolden / @_Lu & Martin Svitek / @SVITEK

Paul Neuhaus / @pauneu

Jette / @Jettlein

Maike M端ller & Svea Mathieu


Franz-Josef Schrรถder / @Franz_Josef

Lerry Dimitrow

Angela Leinen / @innere_simone

Tobias Schramm / @Schlenzalot

Ada Blitzkrieg / @bangpowwww

@gallenbitter


Tobias Kaufmann / @tobetop

Thomas Renger / @dentaku

@Wibchen & @Sturmfels

Verena Alessia Mikoleizig

Steffi RoĂ&#x;deutscher / @dieWucht

@bunteknete


@Die_Mutti

Mareike Wolf

R. G. Kutschker / @elephanteum

Petya L端l端 Metodieva / @drosophila

Maike Hank / @ruhepuls

Robert Tomsons


Anisha „Herr Potego weiss von wem“ Soff

Enno Park / @ennomane

Katharina Gehret

Julia und Christian Dahlen

Dirk Baranek / @baranek

Lisa Hantke / @placetogo


Ben Wildner / @benwildner

@bastirakete

Diana von Webel / @Zufall

BjĂśrn Koblow

Annika KrĂźger / @emmazissou

Dirk Steins / @dirksteins


Antje Bunzel / @_bunz

Saskia Osterhold und Familie

@wikipippi

@propinja & @_elbpoet

Kacper & Marlene / @kcpr & @primatenmarlene

Tina R端ffer / @MissWayne


Anja Gottschling / @3x3ist6

Huck & Kiki Haas / @stijlroyal & @kikoehn

Andreas Schneider

Angela Becker / @beangie

Insa Heegner / @inschka

@FrauKupferblau


der bittergrosse zuckersüsse gummibäreneske test der energy drinks

Alle Angaben der Inhaltsstoffe ohne Gewähr, der Rest ist Geschmackssache.

In den Tagen von Dauerregen und spätherbstlichen Temperaturen ist Energie und Wachheit ein Dauerthema zwischen Powernapping und Pizzakoma auf den Arbeitsplätzen der konsumorientierten Welt. Energie ist wichtig und es ist auch nicht egal, wo sie herkommt, wie man ja in Japan deutlich sehen kann. Energie ist alles. Wer nicht über ein hohes Maß an Kraft und Ausdauer verfügt, fällt durchs Energienetz und wird von der Gesellschaft zu Recht verachtet. Da wollten wir doch mal sehen, was es mit den Energielieferanten auf sich hat, und weil weder die körperliche Beschaffenheit einen Schaden nehmen sollte, noch die Zeit dies zuließ, konnten wir die Wirkung der Drinks ausgiebig austesten, aber da sich über Geschmack trefflich streiten lässt und der Gehalt von Zucker ein Dauerthema in unserem Büro ist, haben wir halt Geschmack, Kalorienmenge und Zuckergehalt gecheckt und sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Doch schauen Sie selbst. Es haben geschmeckt und aufgemerkt: Piotr Potega (PP), Kacper Potega (KP), Bernd Ringsdorf (BR) und Huck Haas (HH).


Billy Boy / Macht an! / 250 mg 100 ml enthalten: 47 kcal, Zucker 27,5 g, Taurin 30 mg, Koffein 32 mg - PP: Geschmolzener Kaugummi-Automat. - HH: Gummibärchen aus der DDR. Lipovitan-D / 100 mg/Konzentrat 100 ml enthalten: Koffein 8,5 mg (in verzehrfertiger Form) - HH: Wie abgestandener Apfelwein. - KP: Apfelsaft auf Steroiden. - PP: Als ich krank war, habe ich Medikamente geschluckt, die so schmecken. Red Bull Simply Cola / Strong & Natural / 355 ml 100 ml enthalten: 38 kcal, Zucker 8,8 g, Koffein 13 mg - BR: Riecht und schmeckt nach Cola-Eis der 70er Jahre. - PP: Schmeckt wie Colakracher, finde ich nicht gut. - BR: Hat einen unangenehmen, scharfkantigen Abgang. - BR: Dieses Getränk kann hinten nicht halten, was es vorne verspricht. Nestlé Milo / Grab N Go Original / 240 mg 100 ml enthalten: 62 kcal, Zucker 6,9 g - HH: Riecht ganz fürchterlich, ist aber Kakao. Mmhhh!!! - KP: Beschiss! Ist ja einfach nur Kakao. - PP: Es ist wie … Kakao! Carabao Energy Drink / 250 mg 100 ml enthalten: 70 kcal, Zucker 15 g, Koffein 32 mg - HH: Wie Red Bull in abgestanden. - BR: Mmmh! Das schmeckt EXAKT wie alles von Haribo! - KP: Calipo-Eis im zarten Haribomantel. Sexergy / Premium Energy Drink / 250 mg 100 ml enthalten: 46,1 kcal, Zucker 11,1 g, Taurin 30 mg, Koffein 32 mg, Guarano 20 mg - HH: Schmeckt ausgezeichnet wie Kirsch, weil es rot ist. - KP: Schmeckt wie Polenlimonade! Lecker!!! - BR: Wie Sex mit Bernd Ringsdorf. Lecker, aber viel zu schnell vorbei! Powerade / Gibt Deinem Körper mehr als Wasser / 500 ml 100 ml enthalten: 21 kcal, Zucker 5,1 g - HH: Schmeckt nach Kirschsaft aus Tupperware-Eisform. - PP: Kirschgummibärchen ohne deren Intensivität. - BR: Gut gemeint, aber ohne Stehvermögen. Carpe Diem / Kombucha Classic / 500 mg 100 ml enthalten: 19 kcal, Zucker 4,4 g - HH: Schmeckt ja lecker. Ooooh! Mmmh! Nach Zwetschge, ohne dass es Zwetschge ist. - PP: Schmeckt ein bisschen nach Medizin, aber lecker. rhino‘s natural energy & fruit / 330 ml 100 ml enthalten: 63,9 kcal, Zucker 15,8 g, Koffein 31 mg, Guarana 20 mg - HH: Ich hab jetzt schon kein Bock mehr. - KP: Ich war grad so abgelenkt von der Speichelgeschichte. Müller Kaffee / Latte macchiato mild / 250 ml 100 ml enthalten: 82 kcal, Zucker 9,8 g, Koffein 25 mg - HH: Bitterer Kakao. - BR: Schmeckt mit Abstand zu natürlich. Das find ich wirklich furchtbar. - KP: Ein handwarmer Eiskaffee. - PP: Einfach ein guter Kaffee.


„ich hab jetzt schon kein bock mehr.“ Huck Haas / Altersweiser


Power Volt Cola High Caffeine / 500 ml 100 ml enthalten: 48 kcal, Zucker 29,4 g, Koffein 32 mg - HH: Red Star Cola. - BR: Schmeckt wie Red Star Cola. - KP: Red Star. Relentless / Berry Flavor / 500 mg 100 ml enthalten: 47 kcal, Zucker 10,6 g, Taurin 40 mg, Koffein 30 mg - BR: Phantastisch! Toll, toll, toll! Für die Liebhaber belgischer Biere ausgezeichnet. Sehr zu empfehlen. - HH: Davon habe ich immer geträumt: Kirschwasser-Eis in Energy-Drink-Format. - KP: Schmeckt wie die Klamotten von Steel Panther. Relentless / Origin / 500 mg 100 ml enthalten: 46 kcal, Zucker 10,4 g, Taurin 40 mg, Koffein 30 mg - KP: Die Zitrusversion von dem von vorher. - BR: Pittoresk und Extraplus: wiederverschließbare Dose. - BR: Gut gegen Wespen. Wespen sind Schlampen. Relentless / Tropical Flavor / 500 mg 100 ml enthalten: 47 kcal, Zucker 10,6 g, Taurin 40 mg, Koffein 30 mg - BR: Tut mir leid, kann ich nicht trinken. Wie ganz schlechter Riesling. - KP: Schmeckt wie das Zeug vom Boden meiner Großeltern. - HH: Ein Schock! - PP: Hätte ich jetzt nicht gedacht. Foco Green Tea Lemon Flavor / 300 ml 100 ml enthalten: Zucker 32 g - HH: Der schlechteste Eistee aller Zeiten. - BR: Riecht wie Cujamara Flip … nee schmeckt wie Sauerkraut mit Biohonig. - PP: (Spuckt es aus) Grizzly Energy Drink / 250 mg 100ml enthalten: 51 kcal, Zucker 10,6 g, Taurin 40 mg, Koffein 32 mg - BR : Das habe ich heute schon achtmal im Glas gehabt. - PP: Das ist das Beste wegen des Bären auf der Dose. Magic Man / Energy Drink mit Taurin & Coffein / 500 ml 100cml enthalten: 47,3 kcal, Zucker 11,1 g, Taurin 30 mg, Koffein 32 mg - HH : Das hatte ich heute schon neunmal im Glas. - BR: Ein Cuvee. - KP: Mit mehr Zucker. Aloe Vera King Natural / Strawberry / 500 mg 100 ml enthalten: 45 kcal, Zucker 23 g - KP: Das sind ja Stückchen drin. Schmeckt wie Bubble Tea. - HH: Das möschte isch nischt. - PP: Finde ich eigentlich nicht so schlimm. Lipo-Plus / Keep Cool for a better taste / 150 ml - KP: Ooooooh! Das schmeckt wirklich nach Urin. - BR: (Foto von Gesichtsausdruck wird nachgeliefert.) Schmeckt wie Billy Boy. - HH: Ich muss schwer an mich halten. - PP: So habe ich mir Elendsgebiete vorgestellt. Pepsi Maxx / Maximum Kick no sugar / 1000 ml 100 ml enthalten: 0,4 kcal, Zucker 0 - PP: Ach Du lieber Himmel. Das habe ich nicht so erwartet. - KP: Puuuh! Ja! - HH: Das war doch neulich noch ganz anders.


„klebt an den zähnen und ist also cola – f nd ich gut.“ Piotr Potega / Finder


ja! / Cola Koffeinhaltige Limonade / 1500 ml 100 ml enthalten: 40 kcal, Zucker 9,7 mg - HH: Cola Eis. - PP: Zum Mischen mit Bier finde ich das fabelhaft. - BR: Schmeckt wie Grafschafter Goldsaft mit Sprudel. Rockstar Punched / Tropical / 500 ml 100 ml enthalten: 63 kcal, Zucker 15 g, Taurin 30 mg, Koffein 32 mg - PP: Ich find das … also ich finde das okay. - BR: Also ich will damit nichts zu tun haben. - BR: Mit Röstzwiebel: Ja. - HH: Schmeckt nach Kirsch, besonders beim Rülpsen. Rockstar Punched / Ginseng / 500 ml 100 ml enthalten: 56 kcal, Zucker 13,1 g, Taurin 30 mg, Koffein 32 mg - PP: Nicht gerochen, nicht getrunken, es ist Red Bull. - KP: Ich weiß, warum das Rockstar heißt, wegen Bon Scott. - BR: Überraschend angenehm, hochgradig vanillig. Schmeckt wie ein guter Dornfelder. Monster Energy / 500 ml 100 ml enthalten: 48 kcal, Zucker 11 g, Taurin 30 mg, Koffein 32 mg - HH: Uääh! - KP: Das erinnert mich an irgendwas. - PP: Ich finde, es ist wie Zuckersirup. M-150 / Energy Drink Still / 150 ml 100 ml enthalten: 66 kcal, Zucker 16,2 g, Taurin 30 mg, Koffein 32 mg - KP: Wenn Du das trinkst, hast Du nie wieder Husten. - BR: Puuuh! Das ist so halt. So wie … - PP: Das hatte ich exakt schon elfmal im Glas. - HH: Oder war das zwölfmal? Starbucks Coffee / Candi-Latte Caramel Flavor / 220 ml 100 ml enthalten: 60 kcal, Zucker 9,4 g, Koffein 47 mg - BR: Lecker! - KP: Kalter Kaffee mit zu viel Zucker. effect / High Quality Energy Drink / 330 ml 100 ml enthalten: 45 kcal, Zucker 10,7 g, Taurin 40 mg, Koffein 32 mg - PP: Schmeckt genau wie Magic Man. - HH: Schmeckt wie Red Bull. - KP: Schmeckt wie rhino‘s. - BR: Ich habe Haare im Mund. rhino‘s / Energy Drink / 250 ml 100 ml enthalten: 48,7 kcal, Zucker 11,3 g, Taurin 38 mg, Koffein 31,5 mg - KP: Das schmeckt wie der Fruchttiger, nachdem er am Ende seiner erfolgreichen Karriere abgestürzt ist. - HH: Das hatte ich heute schon exakt 15-mal im Glas. - PP: Oh Mandy!!! Red Bull / sugarfree / 250 ml 100 ml enthalten: 3 kcal, Zucker 0 g, Taurin 40 mg, Koffein 32 mg - KP: Ach Du lieber Himmel! Boah, krass … schmeckt ja genau wie Red Bull. - PP: Von allen, die nach Red Bull schmecken, schmeckt das am besten. - HH: Das hatte ich heute schon exakt 29x im Glas. Red Bull / 250 ml 100 ml enthalten: 45 kcal, Zucker 11 g, Taurin 40 mg, Koffein 32 mg - PP: Ich bins leid. - BR: Da haben die Schüler den Meister Mores gelehrt. - HH: Ich habe Schiffe gesehen!!!!


„das erinnert mich an irgendwas!“ Kacper Potega / Nostalgiker


rippchen mit kr aut f l a m m ku c h e n NOCh NIE DA GEWESENE NEUERFINDUNG AUS WIESBADEN

Die Idee war eigentlich Rippchen mit Kraut als Pizza. Und dann war da die Überlegung, dass ja Tomatensauce auf dem Teig womöglich gar nicht passt. Das haben wir inzwischen revidiert und bringen Rippchen mit Kraut als Pizza in der nächsten oder übernächsten Ausgabe. Jetzt aber erst mal ganz elsässisch und extrem lecker, sowie einfach zubereitet: Rippchen mit Kraut als Flammkuchen. Teig ausrollen. Wer die Zeit und das Know-how hat, kann auch selbst einen Teig anrühren, ansonsten einfach einen Fertigteig nehmen und diesen mit einer Mischung aus dem Frischkäse, Schmand und dem Kräutersalz bestreichen. Das Ganze mit Sauerkraut belegen und obendrauf die in feine Streifen geschnittenen Rippchen geben. Ofen vorheizen und bei 200 °C für 20 Min. backen.

Zutaten: zwei rippchen 350 gr sauerkraut 150 gr kräuterfrischkäse 100 gr schmand teelöffel kräutersalz eine lage pizzateig


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Herausgeber: Huck Haas Redaktion: Huck Haas Editorial Design: Huck Haas, Kacper Potega

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Rüdesheimer Straße 14 – 65197 Wiesbaden Telefon 0611 335 45 35 info@stijlroyal.com – stijlroyal.com Texte: Mareike Ernst, Huck Haas, Piotr Potega, Jens Schmidtmann, Frédéric Valin, Malte Welding, Nina Windisch, Max Zimmermann Finanzdirektion: Kacper Potega Wissenschaftlicher Beirat: Bernd Ringsdorf / Bernd Ringsdorf Fernuniversität Digital Native: Piotr Potega Lektorat: Rüdiger Glaum Büro Nürnberg: Ilka Müller Fotos: Titel+S. 5 Peter Engelhardt, S. 7-23 Piotr Potega, S. 24+27 Peter Engelhardt, S. 32-51 Consollection, S. 53 Ben Wildner, S. 55 Saskia Wegner, S. 64-73 Huck Haas, S. 76-83 siehe Bildunterschriften, S. 84-91 Piotr Potega, Huck Haas, S. 97 Saskia Wegner.

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Druck: w.b. druckerei gmbh Dr.-Ruben-Rausing-Str. 10 65239 Hochheim 06146 82 74-0 – wb-druckerei.de. Mit besonderem Dank an: Oliver Ackermann, Dennis Bender, Markus Dusi, Karsten Hübscher, Helmut Klos, Kathrin Loch, Eckard Schappert. Druckauflage Herbst/Winter 2011: 3.000 Stück. Presserechtlich namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht grundsätzlich die Meinung der Herausgeber und der Redaktion wieder. Der Nachdruck von Beiträgen bedarf einer vorherigen schriftlichen Genehmigung von Stijlroyal. Die übernommenen Artikel und Beiträge müssen mit dem Zusatz Stijlroyal/Stijlroyal.com gekennzeichnet werden. Alle Angaben ohne Gewähr. (Fast) alle Ausgaben zu beziehen unter:

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Bernd Ringsdorf F e r n u n i v e r s i t ä t


Der Bernd Ringsdorf Quick-Tipp Herbst/Winter 2011:

fangen sie einfach nochmal von vorne an.


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Stijlroyal 15 / Die Mädchen Edition  

Ausgabe 15 des Stijlroyal Heimatmagazins ist ein Produkt von Stijlroyal Büro für Design und strategische Kommunikation. http://stijlroyal.co...

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