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DAS HEIMATMAGAZIN

AUSGABE 03 2007


Einmal vor vielen Tagen beim Mittagessen, da legte der klitzekleine Schlozz Emil Bienenschlau seinen Erbsensuppenlöffel ab und sprach: »Nun bin ich schon hierher gezogen in dieses verwunschene Städtchen mit seinen güldenen Dächern und jeder Menge Fatzos mit vorlauten Schlitten, hab meine Heimat hinter mir gelassen, bin nun neu hier, da will ich eine Schlenderung unternehmen, einmal um die ganze Stadt. Mir ist grad danach.« und so passierte es dann auch. bei der wanderung um die stadtgrenzen stellt man fest, wie wunderschön es doch hierzulande ist. der rhein, der hafen in schierstein, graf f itis in mz-kastel, die felder und wiesen um nordenstadt und auringen, die grünen wälder, helle lichtungen, die weinberge bei frauenstein. tief in unseren herzen haben wir es immer schon gewusst: dies ist das paradies.


inhalt seite VI: die herausgeber die seite 08: die schriften im magazin s. 10: der biebricher schlozz auf die 12: pizza des nordens andere seite 14: mainz ist ein drecksloch... page twenty: in the hock seite zwoundzwanzig: die wahrheit 24: fit im schritt zimmer nummer 28: im overlook hotel 28 x 2: der tag mit der nummer 2 zwounddreissig: am medenbach page thirty-four: zum schlendern in den wald seite sechsunddreissig: das haus des knarzenden forstmannes seite 38: auf dem chaisenweg ferttsisch: der pompatz seite 23x2: schroenschaeg ieht zan die 62: die trance ist um mit 66 seiten...: mein freund helmo die 68er: in frauenstein sibbsisch: die schiffergasse the page of seventy-six: schlozz endlich seite achtundziebzig: zaren bitte / der schlozz in zahlen 80/81: impressum, die lieferanten, hergeber und ein dankesehr das letzte: bis neulich, wie’s werden kÜnnte.

Von Wegen SEITE VIER


christian bürger / schönschräg was mir ja schon immer gefallen hat, ist dieses nizza-des-nordens-ding hier in der stadt. da kann man sich auf später freuen, wenn man alt und grau ist, man kann aber auch sofort loslegen und mal mit offenen augen durch die stadt gehen. da weiss man, da mangelt es an nichts. ich glaube, es kommt hier jeder gut zurecht. an der stadt an sich liegt es jedenfalls nicht. überzeugt euch von der schönheit eurer heimatlichen gef ilde. und dann - das schönschräg präsentiert auch diesmal wieder eine reihe von schönen und schrägen dingen. das ist dann unsere sicht, unser stijl und unser beitrag für die leser. viel spaß damit. stef fen lehn / seltersdruck wiesbaden ist ja das monte carlo hessens. ich muss immer lachen, weil die wiesbadener ja manchmal den eindruck machen, als wäre das wirklich so. und dann meckern sie in einer tour, es ist zu heiß, zu kalt, zu laut, zu langweilig. wenn man von niederselters in die stadt reinfährt, kommt schon großstädtisches f lair auf und es gibt keinen grund zum jammern. elegante damen und herren, aber auch freaks, grandiose architektur und tolle läden prägen das stadtbild. ich habe festgestellt, dass man jahrelang durch eine straße gehen kann und glaubt alles zu kennen, wenn man aber mal nach oben schaut und sich wirklich mal die häuser betrachtet, auch in straßen, die auf den ersten blick gar nicht so viel hermachen, dann ist das echt ein phanstastischer ausblick auf die vergangenheit. das sollten die leute mal öf ter machen, sich mal hinstellen und ihre stadt richtig betrachten. oder mal auf einen der berge wandern und hinunterschauen, denn die aussicht ins tal hat hier zukunf t. haysner / royalkomm.design der herr weidet mich auf einer grünen aue. so kommts mir vor. die stadt von aussen nach innen. in unserem stijl. das haben wir hier gemacht und damit wir uns auch treu bleiben, hat es auch diesmal wieder keine pointe. es ist einfach so, wie es ist.

die herausgeber machen sich gedanken und SEITE VI


mal vom logo abgesehen haben wir diesmal sage und schreibe vier verschiedene schrif ten auf einer seite in verbindung zueinandergestellt. das gehört sich ja eigentlich nicht. aber warum eigentlich nicht? folgende schriften bitten um kurze aufmerksamkeit:

Officina Sans-Book und Officina Serif-Book die officina ist eine 1989 von erik spiekermann und just van rossum entworfene grotesk-schrift, die 25 verschiedene serif- und grotesk-schriftschnitte umfasst, was sie zu einer schriftsippe macht. als hausschrift verwendet wird die officina vom onlineversandhaus amazon, der britischen wochenzeitung the economist, der messe düsseldorf gmbh und der fachhochschule für technik und wirtschaft berlin; die dab bank bedient sich einer abgewandelten fassung der schrift. im januar 2007 wurde die itc officina auf platz 8 einer fontshop-rangliste der 100 erfolgreichsten schriften seit gutenberg geführt. darum haben wir gedacht, die passt gut zum stijlroyalen sommer und erzählt so als sans-book die abenteuer des kleinen schlozz emil bienenschlau, während die serif-book aus dem off zu den lesern spricht und leise über die umstände aufklären will.

sidewalk solche display schriften waren lange unter richtigen grafikdesignern verpönt. das hat uns als grafikdesigner, die nicht ganz richtig sind natürlich interessiert. die sidewalk wurde vom kanadier gyom séguin entworfen. der mann aus grenville, quebec hat unzählige solcher schriften im umlauf. zerstört will sie wirken, was uns hier zugute kommt und zu der darstellung der fonts einen guten kontrapunkt setzt. prinzipiell ist nicht viel zu solchen schriften zu sagen. oft zerredet man sie und rupft und zupft, bis man sie weglässt, um doch wieder auf frutiger und franklin zurückzugreifen. abseits der von uns geschätzten designschule griffen wir zu. die schrift gibts kostenlos zum beispiel bei www.dafont.com.

Futura EF-Bold und nun der klassiker, hier in seiner aufgabe als nummerngirl oder wie man sie in der szene gerne nennt: die fut. sie wurde 1927 vom großen paul renner entworfen und sie ist nicht totzukriegen. manche sagen die futura sei eine serifenlose linearantiqua, geometrisch konstruiert, die matrix beinert meint, es handele sich um eine konstruierte grotesk (geometric), während sie hans peter willberg in seiner klassifikationsmatrix als geometrische grotesk einordnen würde. wisst ihr was? die haben alle recht.

DIE SEITE 08


heh heh, salut tout le monde! gardons l'energie creative en forme. designon s jusqua'à la mort! GYOM SÉGUIN


Nicht ganz normal gekleidet lief der Schlozz Emil am Schiersteiner Hafen los und kam nach kurzer Zeit an das Biebricher Schloss. »Oh ein Biebricher Schlozz, da fühle ich mich gleich wie Zuhause, doch warum sehe ich aus wie Pan Tau?« frug sich der kleine Schlozz und schaute an sich herunter. »Komisch ist es schon!« schnaubte der Schlozz und wunderte sich arg. Besonders wunderte er sich über seine Schuhe. Doch die Sonne glitzerte wie bekloppt vom Firmament, der Himmel war ritzeratze blau und die Temperaturen sagten »Olé, olé.« In der wirklichen Wirklichkeit war der Himmel bedeckt. Der Rhein war beleidigt und sagte keinen Ton und die vorbeirauschenden Kutschen und Droschken machten nicht wenig Lärm. zwei jahre nach der preußischen annexion 1866 verkauf te herzog adolph von nassau-weilburg die 1844-1848 errichteten gewächshäuser. der einzigarige baum- und pf lanzenbestand bildete den grundstock des palmengartens in frankfurt am main.

der biebricher schlozz S. 10


»Jetzt steh ich hier.« sagte sich der Schlozz und dachte an eine dampfende Pizza. »Eine dampfende Pizza« sagte der Schlozz, »eine dampfende, dampfende Pizza, das wäre ja wirklich jetzt der absolute Abschuss. Da würde ich glatt abkacken, aber ich musste ja unbedingt um diese entzückende Kleinstadt wandern. Habe ich Kleinstadt gesagt?« Er blickte noch etwas versonnen auf den immer noch beleidigten Rhein, während ihm ein laues Stürmlein um die Ohren pfoff und dann schlenderte er weiter, denn er war ein Schlendersmann. pizza des nordens wäre auch schön, aber nizza des nordens, so wurde die landeshauptstadt zu ihrer glanzzeit im 19. jahrhundert bis zum ersten weltkrieg genannt. das geradezu mediterrane mikroklima und sein städtebauliches design trugen nicht unwesentlich dazu bei. seinerzeit wohnten die meisten millionäre deutschlands in wiesbaden und der kaiser (wilhelm II.) hielt sich aus gründen der lebemannhaf tigkeit gerne in der stadt am fuße des taunus auf. aus dieser zeit sind auch die grandiosen villen und bürgerhäuser, die man vielerorts innerhalb der stadtgrenzen findet. hier geben sich klassizismus, historismus und jugendstil die klinke in die hand.

pizza des nordens AUF DIE 12


Hüben, wie man hierzulande zu seiner eigenen Rheinseite auch sagt, wohnen die Wiesbadener, aber drüben auf der anderen Seite des großen Flusses, da wohnen die Karnevalisten, die Wikingerboote, die Studenten und die Gutmenschen. »Ich preise Dich oh lieber Gott für die Erfindung der Mainzer und ihren Karnevalsverein mit der Nummer 05 oder sagt man Fastnachtsverein, Faschingsverein? Schaut nur ihr Einwandfreien und wie Ihr Eure Wäsche am Flusse schrubbt und mit Handpüppchen die Geschichte des Suppenwürfels nachspielt. Euch könnte ich noch viel verzählen, doch ich muss weiter« rief der Schlozz nach drüben. »Ich mag die Mainzer, auch wenn sie unsere Stadt in Sack und Asche wünschen, ich mag sie und ich werde sie mir in der nächsten Saison mal anschauen, wenn sie im Stadion an der Berliner Straße gegen unseren Zweitligaverein mit Tradition aufspielen. Kicher!« ach mainz. die vielbeschworene städtefeindschaf t ist albern. was soll das denn. mainz ist doch klasse. gut, nicht so klasse wie wiesbaden, aber schon ein schöner vorort. die stadt ergänzt wiesbaden hervorragend. trotzdem ist die idee geradezu grotesk, dass mainz 05 auf der anderen rheinseite ein stadionesques zuhause f indet. der 1. fc köln spielt ja auch nicht in düsseldorf. ein schönes schloss was sie da haben, wenn man reinkommt. absoluter burner sind auch folgende angaben: die brücke besteht aus fünf zweigelenkigen fachwerkbögen (weiten der bögen: 87,13 m - 98,96 m - 102,94 m - 98,96 m - 87,13 m) welche sich auf 4 pfeilern aus sandstein über den rhein spannen.

mainz ist kein drecksloch... meins auch nicht ANDERE SEITE 14


Zahnpflege ist das A, wenn nicht sogar das O, dachte der Schlozz und blickte in den Schlund jenes greinenden Mädchens, welches sich plötzlich vor ihm auftat. »Ich sehe keine Plomben. Das hört man zuhause gerne.« Wenige Sekunden später brach das Inferno los und es schüttete, ja es kübelte gewissermaßen wie aus tausend und einem Eimer. »Ein Paradies für alle Freunde des Regens!« quietschte der Schlozz und tanzte einen eigenartigen Tanz. Eins ums andere Mal stapfte er mit seinen eigenartigen Schuhwerk auf dem Boden auf und zermalmte so scharenweise Regengewürm, welches sich vor ihm lasziv räkelte. Er stapfte und stupfte, hüpfte und hopfte, wippte und wappte, schließich wuppte er, dann fiel er um, denn er hatte sich verwuppt. Vom vielen Wippen und Wuppen ganz wir und wurr im Köpfelein nahm der Schlozz seinen Hut auf, ergriff seinen Stock, rotzte sich nochmal zum Abschied auf die Schuhe und zog weiter, denn er musste ja noch die Stadt umrunden. Das hatte er ja seinem erstaunten Publikum geschworen. »Beim Barte des Propheten, aber ich will nicht länger so ein Schönling sein, wie ich es jetzt bin, wenn ich es nicht schaffe binnen vier Tagen diese...« »Halts Maul!« rief da eine Stimme von ganz oben und »Das hast du schon so oft erzählt. Ich weiss es bereits, ich weiss es ja immer, aber auch alle anderen wissen es inzwischen. Es weiss sogar der Staniolpapierverkäufer vom Latscha aus der Stiftstraße und der ist schon lange tot. Also bitte, geh jetzt. Geh mit mir, aber geh!« Ich höre wohl nicht recht, dachte der Schlozz. Wenn man jetzt schon alle meine Geschichten kennt, wie soll denn das noch weiter gehen? »Du hörst dich wohl gerne reden, kleiner Schlozz Emil Bienenschlau?« »Ist auch so!« motzte der Schlozz und lief wort-, gedanken- und sinnlos weiter. Nach einiger Zeit kam er in eine wunderschöne Gegend. Dort war es so schön, dass er vor Freude fassungslos umher taumelte, wobei er sich immer wieder stieß. Hier war es wirklich wunderbar und die Luft roch nach Pinien, Sandelholz, Hirschhornsalz, Thymian, Marzipan, Asbach-Cola, Benzin, Teer, Aspik, Salamander Schuhleder, Plastikfeuer, Schuhcreme, Blei, Heu, Proberaumteppichen, Meersalz, Ketchup, Blaupausen, Milcheiweiß, Sahnejoghurt, Brausepulver, Puder, Zahncreme, Heroin, Schinken, Leichenwasser, Knochenentzündung, Schwefel, Margerine, Wurstsalat, Zwetschgenwasser und Pizza. Hmm Pizza, dachte der Schlozz und bekam abermals Hunger. »Es ist ja nicht mehr weit bis Nordenstadt, meinem ersten Etappenhasenziel.« sprach er mit sich selbst und schlenderte weiter, wie es das Schicksal von ihm forderte. das bild mit dem greinenden kind wurde von einem uns unbekannten graffitikünstler im rahmen des vom 29.05-03.06.2007 stattgefundenhabenden meeting of styles gesprüht. wir weisen ausdrücklich daraufhin, dass wir graffiti als kunstform respektieren und empfehlen es uns nachzutun. geschmiere ist was anderes.

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Jetzt bin ich schon weit gelaufen, schon bestimmt 10 km, wenn nicht 9 und mir ist immer noch, als wäre ich noch ganz am Anfang, dachte er und er hatte Recht. Seine Füße waren tapfer, seine Beine schlotterten im Wind, sein Wille war ungebrochen, sein Gehirn lag regungslos in der Sonne und scherte sich einen Teufel um das alles. So dachte und machte er vor sich hin, als ihm plötzlich ein Gnom folgte. Er folgte nicht, er lief neben ihm her. Er kam plötzlich aus dem Weinberg kurz vor einem wunderschönen Kaff namens Hochheim am Main. Sein kurzatmiges, rasselndes Gesabbel ging dem Schlozz schon jetzt auf den Sack, da hatte er gerade mal drei Worte gesagt und er sagte noch mehr, nämlich: »Oh, wie ich sehe handelt sich bei dir um den legendären Schlozz Emil Bienenschlau verkleidet als Pan Tau. Kann es sein, dass dieses Kostüm hier im Weinberg eher abstrus anmutet? Und ich kann dir was verraten, nicht nur im Weinberg, sondern weltweit würde sich in so einem Aufzug niemand blicken lassen, es sei denn auf einer Otto-Simánek-Gedächtnis-Convention und selbst da.. naja... aber jetzt mal unter uns, was macht denn so ein Schlozz, wie du ja ganz offensichtlich einer bist, denn hier im Weinberg? Suchst du die Gefahr beim Zeckenangriff oder das Abenteuer Fuchsbandwurminfektion?« »Ich komm schon zurecht«, antwortete der Schlozz trotzig und so liefen sie einige Meter aus denen sogar Kilometer wurden zusammen schweigend nebeneinander her. »Weisst du, warum es nicht viel mehr Winnetou-Filme gibt?« fragte der Gnom, »Nein!« »Na weil sich Old Shatterhand und Winnetou einfach nichts zu erzählen hatten. Das kennt man ja unter Männern. Denen fällt nichts ein. Bei mir ist das ganz anders, mir fällt immer was ein. Du kannst sicher nicht erwarten zu erfahren, was ich dir im folgenden erzählen werde, nicht wahr?!« meinte der Gnom. »Nein!« entgegnete der Schlozz und rammte den Gnom ungespitzt in den Boden. »Den bin ich los!« sagte er und ging weiter durch die Weinberge am Rande der Stadt. in hochheim gibt es die elf weinbergslagen berg, daubhaus, domdechaney, herrnberg, hölle, hofmeister, kirchenstück, königin-viktoria-berg, reichestal, stein und stilweg an denen vorwiegend riesling angebaut wird. die 1837 gegründete sektkellerei burgef f, die den meisten unter dem namen mumm bekannt sein dürf te, ist heute im besitz der rotkäppchen-sektkellerei.

in the hock PAGE TWENTY


Und weil das Städtchen Hochheim ja gar nicht zu Wiesbaden gehört, setzte der Schlozz seine Schlenderung einfach fort. ‘Nicht, dass das hier nicht wunderschön wäre, ganz im Gegenteil, aber wenn ich das hier jemandem erzähle, ist wahrlich die Kacke am Dampfen.’ Das alte Stadttor, die pittoresken Häuschen von Rosen umrunken, keine Menschenseele weit und breit, nur dieses Flugzeug mit Menschen die nach Westen flogen, die wilden Wespen, die ihm hinterherflogen und dann die seltsamen Typen mit ihren Kameras, die ihm auf Schritt und Tritt folgten, das alles war wohl kaum als makaber zu bezeichnen, ungewöhnlich ein bißchen, mehr als gewöhnlich vielleicht. Doch eigentlich war es ihm wurscht, denn das Schlözzchen hatte noch einen weiten Weg vor sich. der reale schlozz emil bienenschlau wanderte die strecke zur überraschung vieler nicht im pan-tau-kostüm, welches auch nicht als pan-tau-kostüm gedacht war. die ursprüngliche idee war, eine gründerzeit-atmo zu schaf fen. wir mussten dann aber beim fotograf ieren über diese unausgegorene idee lachen. in wirklichkeit trug der schlozz eine regenjacke (19,90 euro), ein paar t-shirts am oberleib, jeans am bein, auf dem kopf ein anglerhütchen und an den füßen vans hightops, die sich als eher für die wanderung ungeeignet erwiesen. darauf wurde er wochenlang hingewiesen, doch bestand er partout auf seinen stijl. zum start in schierstein packten wir ihm 2 f laschen volvic, 3 knoppers, 3 liebevoll belegte brote mit käse, salami und gurken, 2 energieriegel, ein energiegetränk mit pampelmusengeschmack und ein päckchen gauloises blondes légères in den rucksack. er lauschte während der wanderung radio (HR3), welches ihm mittels seines mobiltelefons übermittelt wurde. auf diese weise berieseln, ließ er sich auf ca. 1/3 der gesamtdistanz. da er noch nie eine solch lange strecke am stück gelaufen war und auch sonst eher als lauf faul galt, waren wir und vor allem er selbst gespannt, wie er die strapazen überstehen würde. die einschätzungen dieses marsches variierten von »das ist ja wohl überhaupt kein problem, das schaf f t man doch locker auch in zwei tagen.« bis zu »übermenschlich! das schaf f t höchstens der junge reinhold messner und dann auch nur mit sauerstof fmaske.«

die wahrheit SEITE ZWOUNDZWANZIG


Die Sonne, die wie wir ja wissen auch nur eine überschätzte gelbe Sau ist, verzog sich plötzlich und dem kleinen Schlozz Emil Bienenschlau wurde bang um sein durch unzählige Pizzas und lebenszeitig geschätzten 25 Millionen Zigaretten gestärktes Herz. »Es hätte schlimmer kommen können.«, murmelte der Schlozz und wünschte sich den Gnom an seine Seite. »Der hätte mir vielleicht einen Witz erzählen können. Hier ist es ja so trüb wie seinerzeit in der Kutschbockzapferei zu Bogel.« Man muss wissen, dass sein Vater seit je her einen Meisterbetrieb der Kutschbockzapferei führte, der auf eine 8.000 jährige apfelbergische Kutschbockzapfertradition zurückblickt. »Kutschbockzapfer ist wahrlich kein Traumberuf.«, dachte der sich der junge Bienenschlau und machte sich auf in die weite Welt - nach Wiesbaden am Fuße des laburischen Quarzes. Der laburische Quarz, wurde in den frühen sechziger Jahren von einer amerikanischen Autofirma mit Sitz in Köln am Rhein gekauft und zum Zwecke der Eigenwerbung in Ford-Taunus umgenannt. Bis zum Ford-Taunus war es aber noch weit. Hier gleich hinter dem beschaulichen Hochheim ging es zum ersten Mal bergauf und der Schlozz sagte Dinge wie »Puuh!«, »Schnauf!«, »Och nöööh!« und »Naja.« Doch das war dem Weg egal, er ging schnurstracks bergauf. apropos riesling, ob er auf dem bild rechts wächst, wissen wir nicht, aber hier ein paar dinge zur rebsor te, die man zu 80% an den hängen des rheingaus f indet. gerne erinner t man sich in rieslingkreisen an den jahrhunder tjahrgang 2003. farblich varier t der riesling von grünlich schimmernd bis goldgelb. geschmackstechnische erinnerungen werden geweckt: grapefruit, limone, zitrone, apfel, pf irsisch sowie passionsfrucht will der geneigte weinkenner herausschmecken. der riesling besitzt einen raltiv hohen säuregehalt, sowie eine gute lagerfähigkeit. auch zur herstellung von schaumwein eignet er sich. durch untersuchung mittels molekularbiologischer methoden wurden als elternteile der heunisch und ein traminer-sämling festgestellt. die rebsor te wander te im laufe der zeit vom oberen rheintal pünktlich zum ende des mittelalters bis in die meisten deutschen weinanbaugebiete. die erste er wähnung der modernen riesling-rebe ist 1552 im lateinischen kreuterbuch (sic!) des pfälzischen botanikers hieronymus bock belegt.

fit im schritt

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Wäre der kleine Schlozz etwas früher aufgestanden, also in den ganz frühen siebziger Jahren, dann hätte er sich diesen Weg hoch nach Nordenstadt sparen können, da er aber damals noch flüssig war, kam diese Variante ja nicht in Frage. Aber nun gehören die Dörfchen Naurod, Auringen, Breckenheim, Medenbach, Nordenstadt und Delkenheim nun mal zur Stadt und deswegen musste er nun über schnurgezogene Feldwege schlendern, die sich an gigantischen Ackerflächen vorbei in Richtung seiner romantischen Herberge am Ziele seiner ersten Etappe zogen wie strammgezogene Räucheraale. »Hmm Räucheraal!«, dachte der er Schlozz, bevor ihm auffiel: »Räucheraal, Pfui Deibel.« So ging er weiter und träumte von Zitronenpuder und Zimtenglut, von Rosensaft und Amselgrein, von Sauertopf und Knickebein, und vielleicht Apfelkuchen, aber dann mit Schlagsahne oben auf den Wipfeln der knusprigen Streuseln, die von Mutterhand aus Butter und dem Zeug das hier massenhaft rumsteht gebacken werden. wer die gegend in und um nordenstadt aus dem vorbeifahren kennt, wird zuallererst den gewerbegebietlichen charakter bemerkt haben, was zunächst den eindruck vermittelt, dass nordenstadt ein junger stadtteil sei, zum zwecke der verbauung und bebauung gegründet, was nicht stimmt, denn nordenstadt fand erste urkundliche erwähnung schon im jahre 950. und damit nicht genug. man fand gräber am ortsausgang des dorfes, dem heutigen grabenweg. archäologen vermuten daher, dass erste ansiedlungen zum thema nordenstadt aus dem 6. jahrhundert stammen. damals wollte man von möbelhäusern, teppichlagern und supermärkten noch nichts wissen.

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»Redrum, redrum!« krächzte der Schlozz angesichts der romantischen Fluranlagen aus dem 17. Jahrhundert. Die romantische Herberge, gelegen inmitten von goldährigen Feldern und saftigen Wiesen, im Schatten alter Tannen lud zum träumen ein. »Ich esse noch einen Riegel und dann werfe ich mich mitsamt meiner Funsorgen und Alltagshudeleien in die Mitte dieses pitoresken Himmelbettes, in welchem schon die Königin Victoria und ihr jeweiliger Gatte mehrere Söhne und auch Töchter zeugten. Das kann man jetzt noch deutlich sehen. Überall Damast, Seide, Geschmeide und Popeide, Brokat allüberall und herzliche Sesselchen laden den beladenen Wanderer zum fröhnen und verweilen ein. Hier bin ich richtig. Hier gehts mir gut,« sagte der Schlozz und küsste dem Herbergsvater zärtlich auf die Wange, denn der Herbergsvater war eine Frau, noch schöner als Gwnyeth Paltrow, Margot Kidder und Romy Schneider zusammen. Er nahm seine Reiseschreibmaschine, die er stets bei sich trug, aus dem Windbeutelchen, in welchem er seine sieben Sachen verstaut hatte und fing an zu schreiben: All work and no play makes Emil a dull boy... »Das ist mir aber jetzt zu gruselig, da bekomt man ja Beklemmungen. Ich gehe jetzt schlafen, denn morgen kommt ja die erste Bergetappe. Da geht am Schluss hinauf auf die Platte wo es für Ankommende mit überteuerten Bergfahrrädchen Paprikawürste gibt. Ach wenn ich nur mein überteuertes Bergfahrrädchen nicht gegen diese Wandergaloschen getauscht hätte...«

im overlook hotel zu nodenstadt ZIMMER NUMMER 28


Am zweiten Tag war die Kacke tatsächlich am Dampfen. Der Schlozz klagte und jammerte und frug sich: »Was mache ich denn hier eigentlich? Bestimmt werden sich die Menschen da draußen fragen, warum läuft der denn zu Fuß um die Stadt, das hätte er doch auch mit der Kutsche bewerkstelligen können oder aber per Schiene mit einer Draisine. Ach was bin ich denn nur für ein exzentrischer Schwachmat, dass ich mir das zumute. Meine Beine sind krumm, mein Rücken auch, meine Füße wund und in meinem Kopf macht es Ding Dong.« So ging er dahin und verließ Nordenstadt in Richtung Medenbach. Mal suppte der Himmel zu, mal schien die Sonne unbarmherzig auf den Schlendersmann hinab, mal wehte ein laues Windchen, mal flimmerte die Hitze über den Feldern. Es ging sanft hinab und genauso sanft wieder hinauf. Die Wege waren strack und schnurz, sie gingen bisweilen bis zum Horizont, von wo sie sich durchs Gelände schlängelten. Sie bestanden aus Betonplatten, aus Teer, Bitumen und Asphalt, sie bestanden aus Schlamm, Matsch, Dreck, Staub, Sand und Sonders. Mal mit Spuren von Fahrzeugen versehen, mal aalglatt waren die Wege des Schlozzes. Auf ihnen lag Gras, Heu und dann wieder Bananenschalen, Büchsen, tote Vögel und Eidechsen, Schlangen, Hühner, sich sonnende Menschen lagen da nackt herum, aber auch Feinstaub, Kohlenstoffdioxid, Schuppen von Menschen mit Schuppenproblemen sowie die ganze Wahrheit. »Wahrheit ist was Feines, Feinstaub ist nicht so das Wahre,« mochte der Emil Bienenschlau die Welt informieren.

der tag mit der nummer 2 28 + 2


Später zur Mittagszeit, als sich der Dampf gelegt hatte, schlurfte der Schlozz in eine andere, ihm ebenso fremde Gegend wie alle anderen Gegenden ja genauso wildfremd sind, denn er ist ja ein kürzlich Zugezogener. Längst Zugezogene weigerten sich ja, die Wanderung um das Stadtgürtelchen anzutreten. Auf alle Fälle knirzte und knarzte die Sonne inzwischen wie nicht recht gescheit und der Schlozz hatte Durst, daher rief er gen Himmel: »Mich dürstet!« und der Himmel sagte: »Das kennen wir bereits und das klingt in unseren Ohren wie Amtsanmaßung. Sei still braver Schlendersmann und schon bald wird sich vor dir eine kühle Oase auftun. Wirst schon sehen. Komm, ich weise dir den rechten Weg. Hier rüber... Wenn du mir folgen möchtest... vertrau mir. So, jetzt noch über dieses Mäuerchen... aaah sehr gut und hier die Straße hoch und dann noch schnell dieses Pfädlein hinauf und nun wieder runter... hier bitte links und festhalten... so... genau hier ist es richtig... nur noch diesen Gang entlang und dann wären wir da.« »Oh ein Bächlein, mir ist ganz Schwummi vor Freude. Ein Bächlein, ein Bächlein, da kann ich mich prächtig laben am feuchten Nass des Wässerchens, welches sich so purzelig über das Flussbett ergiesst und mir dabei eine Melodei gurgelt, dass es kaum auszuhalten ist. Wozu ein iPod, wenn man am Medenbach zu Medenbach weilen kann.« nicht nur der medenbach ist für seine plätschernden melodien berühmt. schon lange vor den im stadtbereich weltberühmten crackers weilten in der stadt zahlreiche glorreiche musikanten. so schrieb weiland johannes brahms seine dritte symphonie in einem haus auf der schönen aussicht. in biebrich vollendete richard wagner die meistersinger. carl schuricht, der dirigent des kurorchesters, errang mit seinen zyklus-konzerten große aufmerksamkeit. auch ein kind dieser stadt ist der mann am klavier, paul kuhn, der 1928 in der hessischen hauptstadt geboren wurde. was das mit dem medenbach bei medenbach zu tun hat? gar nichts.

am medenbach ZWOUNDDREISSIG


»Endlich im Walde ich nun bin. Noch über diese Brücke, dann kann mich niemand mehr aufhalten. Noch nicht mehr die laburischen Knaf Knafs welche im wildenen Ringelreihen hier ihr Tänzchen aufführen nur um mich zu beirren. Doch nicht mit mir!« rief der Schlozz in den Wald hinein. Nicht mit ihm, das war ein feiner Zug von ihm und so schlenderte er in den Wald hinein. »Ich wette auf meine Sammlung dreister Behauptungen und leg obendrauf noch ein paar einstweilige Empörungen und die neunteilige Serie verwegener Fehleinschätzungen pack ich auch noch bei, sowie eine bleierne Ente aus meiner Zeit in den Säureminen bei Tschakoski-Glomm, dass dies der schönste Wald im ganzen Weltall und darüber hinaus ist.« Und so zog er hinaus am Morgen des 18. tages im 5. monat des 7. jahres nach der Jahrtausendwende, in das Waldland der sedanischen Mirtonäen. Jener Wald wurde vor 700 septischen Zyklen Hyroniwheir dem Staak vom Volke der Poseunen in der Schlacht bei KartorseirPlepp abgerungen wurde und ist seither im Besitz der sedanischen Mirtonäen. »Was schert es den Mond, wenn der Hund ihn anbellt.« dachte der Schlozz und war froh, endlich dem Zwitschern der aufdringlichen Vögelein lauschen zu können. ein guter grund in wiesbaden zu leben ist der nahe wald. die laut katasteramt 22.184 morgen (ca. 5.660 hektar) wald laden zum erholen, wandern, rumhängen, knutschen, fummeln, essen, trinken, gedichte schreiben, kräuter pflücken, schlafen und natürlich zum drin fahren mit bizarr überteuerten mountainbikes ein. auch könnte man sich an einem ast erhängen, aber wer will das schon?

schlendern in den wald zum

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In den Wäldern rund um Wiesbaden findet man Dinge, die der Menschheit einerseits das Blut in den Arterien gefrieren lassen, andererseits findet man eine Hochtechnologie, die seinesgleichen sucht. So wurde schon im Jahre 1772 von der kecken Gräfin Ibudolja Nastashia Elegowinda-Schnupp ein Schutzhäuschen errichtet, welches dem Wanderer bei einsetzenden Orkanen, Schneestürmen und Hagelschlag ein sicheres Obdach bietet. Eine erstaunliche Präzision weist das Dachgeflecht auf. Nur unter zur Hilfenahme mathematischer suboligatorischer Differential- und Quantenberechnungen ist es möglich eine Oberfläche wie diese zu schaffen, die nicht nur extrem wasserundurchlässig, sondern auch komplett wasserabweisend ist. Da die Technik zu jenen Zeiten noch nicht so weit war, handelt es sich hier um den weltweit unerschütterlichsten Beweis, dass Außerirdische vor einiger Zeit die Wälder um Wiesbaden und damit auch die ganze Welt besiedelt haben. »O Gott das ist ja furchtbar!« entfuhr es dem Schlozz, der daraufhin eilig weiter schlenderte. Ihm standen die Nackenhaare zu Berge und er bemerkte einen unnatürlichen Harndrang. Obendrein hatte er noch einen weiten Weg vor sich. abseits ersponnener waldarchitektonischer kabinettstückchen wurde in wiesbaden vor allem der historismus großgeschrieben, den wir aus gestaltungskonzeptionellen gründen aber dennoch klein schreiben. das erbprinzenpalais, das alte kurhaus, das stadtschloss, die russische kirche auf dem neroberg, das rathaus, die villa clementine, das hessische staatstheater, das kurhaus, das kaiser-friedrich-bad, alles astreiner historismus, dem man ja gerne eklektizistische tendenzen nachsagt, da er auf verschiedene historische stilrichtungen zurückgriff, wobei die romantik dabei eine große rolle spielte. ein bekanntes beispiel für die neuromantische bauweise ist die ringkirche, die nach dem sog. wiesbadener programm vom architekten johannes otzen in den jahren 1892-1894 erbaut wurde. eine reihe wichtiger protestantischer kirchen folgten, wovon die lutherkirche eine weitere ist. die wunderbaren villenkolonien der stadt sind ebenso eine folge des historistischen baustils.

das haus des knarzenden forstmannes SEITE SECHSUNDDREISSIG


»Klickediklack!« sagten die kleinen Steinchen, die sich durch die Sohlen seines unzureichenden Schuhwerks drückten. »Mit Klickediklack braucht ihr mir gar nicht erst zu kommen, ihr Schweinesteine!« »Oink!« sagten da die Steine. Dem Schlozz fiel abseits betonierter Wiesen- und Feldwege das Gehen in seinen kalifornischen Rollbrettgaloschen auf, dass Waldwege im Basisbereich einen körnigen Touch aufweisen können. Langsam wurde ihm die Schlenderei ein Graus und als es fast gräuseliger nicht mehr hätte werden können, bog er auf den Chaisenweg ein. »Scheiße, der Chaisenweg, von ihm erzählten mir doch schon die sedanischen Mirtonäen, welche hier überall rumlungern um mir das köstliche Psilocybe-Semilanceata zu verkaufen!« entfuhr es ihm erregt. »Der legendäre Chaisenweg. Quasi der Jakobsweg von Wiesbaden. Wer dort entlang schlendert und es bis zum Jagdschloss auf der Platte schafft, dem wird eine kleine Sünde vergeben.« »Aber nur eine klitzekleine!« erinnerte es ihn lautschallend von oben. So ging er dahin und sinnierte über sein Dasein auf Erden, welches ihm plötzlich vorkam wie die Freudenberger Kerb. Alles war so lustig und permanent lief der Song »Born to be alive« von Patrick Hernandez. Die Bäume warfen lustige Schattenmuster ins Laub und die Luft war gut. »So könnte es weiter gehen,« dachte er. auf dem chaisenweg wurden früher per pferd oder fuhrwerk korn, gemüse und sonstige transportgüter von niedernhausen nach wiesbaden transportiert. der begriff chaise, der schlichte gemüter gerne zu unappetitlichen assoziationen anregt, bezeichnet einen zweiachsigen handwagen aber auch eine kutsche. damit wurden früher unter anderem handelswaren auf den markt gefahren. das wort chaise bedeutet eigentlich stuhl (dann stimmts ja wieder). seinen sprung über den rhein machte das wort durch die nähe zum elsass. aufgrund anderweitig gebauter landstraßen und der verwendung des populären automobiles, sind chaisen weitestgehend aus dem straßenbild verschwunden, was natürlich chaise ist.

auf dem chaisenweg SEITE 38


»So könnte es weitergehen, geht es aber nicht!« brüllte ihm da plötzlich jemand ins Ohr. Der Pompatz war ihm erschienen. »Ach du liebes Lieschen. Meine Güte. Du kriegst die Tür nicht zu. Potzblitz...«. Der Schlozz war erstaunt, konsterniert, wütend, betroffen, besoffen, verängstigt, glücklich und irgendwie erleichtert. »Meinen Kumpel hast du ja ungespitzt in den Boden gestampft, aber mit mir läuft das anders. Ich bin hier sozusagen der Schutzheilige auf dem Chaisenweg. Naaa, wie ich sehe hast du dir ja Spitzenschuhwerk zugelegt. Du weisst woraufs ankommt, was?! Hauptsache gut aussehen, der Schmerz ist egal, was?! Naja, jeder wie er will. Ach gut dass ich dich hier treffe, man hört ja soviel und ich will nicht Pello Osarios Martius Pankratio Anderson von Tschakoski Zirmoweir heißen, wenn das hier nicht eine eigenartige Sache ist. Wer hat dich denn hier in den Wald geschickt, wo du doch sonst nur auf dem Kutschbock hockst und mit dem Schmunzelmonster kuschelst? Da sieht mir aber extrem nach Dummgelaufen aus. Da hat wohl jemand den Pizzakarton mit der Wanderkarte verwechselt, was?! Waldpilze statt Dosenchampignons, was?! Du hast auch schon glücklicher ausgesehen.« »Maul halten geht auch!« begegnete der Schlozz trotzig. »Ach dein Hass geht auch vorbei, ich kenn hier eine Kneipe, der »Sabbernde Esel«, da sollten wir beide mal einen stehen lassen. Schön eine Flasche Onkelschnaps hinter die Binde gekippt und wir zwei können quasi die Hochzeitskutsche buchen.« »Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.« »Ach doch, das kann sich ein jeder vorstellen du und ich, wir wissen, was es bedeutet: Männerfreundschaft, was, har har har!« sagte der Pompatz und schwadronierte dem kleinen Schlozz ein Fleischpflanzerl ans Ohr. So vergingen die Stunden und dem Schlozz war gar nicht mehr bang. »Eigentlich isser ja ganz nett.« dachte er sich und kickte einige Steinchen vor sich her. »Einen Freund zu haben in dieser prächtigen Gegend, in diesem feinen Wäldchen, das ist schon nicht schlecht. Sicher hat er Hunger. Vielleicht kann ich ihm mit einem Frühstückchen das Maul stopfen. Kicher!« »Also!« und »Was?!« schrie der Pompatz und fügte hinzu: »Da vorne an der Wolfgang-Nickel-Bank vorbei und dann immer geradeaus, dann bist du schon in wenigen Stunden oben. Auf mich warten noch 30 festlich bestrichene Kümmelschuster mit Bauarbeitermarmelade verziert, ich wünsche mir guten Apptetit!« verabschiedete sich der Pompatz und schlug sich durchs Unterholz. »Gibts hier auch Ottonormalverbraucher?« fragte der Schlozz sich lachend, schlenderte alsdann alleine durch den großen grünen Wald und legte noch einen hohlen Zahn zu, denn langsam tat ihm das Glied weh. Was sage ich, alle Glieder taten ihm weh.

der pompatz FERTTSISCH


Der Schlozz schlenderte weiter. Er schlenderte sich die Seele aus dem dünnen Leib. Ohne seinen Stock wäre er hilflos gewesen. Sein Pan Tau Kostüm hatte er bereits abgelegt, aber sein Stock der ist ihm geblieben. »Der Stock hat Teddybärqualitäten. Ich rede mit dir Stock!« Der Stock schwieg. Er war beleidigt, seit der Schlozz darüber nachdachte sich bei Ebay einen Stock mit Geheimfach zu erwerben. »Dann hätte ich nicht nur einen Stock, sondern auch noch Schnaps und Schnaps ist genau das was mir fehlt. Sonst fehlt mir ja nichts. Ich lebe in einer schönen Stadt mit vielen lustigen Hügeln und diesem Wald, der mich verschlungen hat. Das muss man sich mal vorstellen. Klar, könnte ich auch Millionär sein, bin ich aber nicht. Ich habe ein schickes Zuhause, mehrere Bücher im Regal stehen. Ich kann Gitarre spielen, Feuerspucken, Ratten sezieren, mit offenem Mund schnarchen, ich kann gehen, stehen, flehen, sehen, nähen, mähen und ich war schonmal in Wehen. Obendrein ist hier irgendwo der Pompatz und passt auf mich auf. Ach, ich könnt heulen vor Freude.« Das lies er aber bleiben, weil er sich vor all den Lesern schämte, die dann mit dem nackten Finger auf ihn zeigen würden. So brach die Halbzeit der Schlenderung an. Dort oben im kühlen Walde verlor sich ab und an die Spur des Schlozzes und so konnte er mit dem Peilgerät nicht mehr ermittelt werden. Er war alleine. Sein Transistorradio erzählte derweil von einem Pärchen, welches im Walde beim Ringelpiez ein Ohr gefunden habe. »Leichenteile, das hat mir noch gefehlt,« sagte der Schlozz beängstigt, schwieg und sah fortan Ohren, abgerissene Finger, linke und rechte Arme, ganze Leiber und sogar Innereien vor seinem geistigen Auge. »Hmm, Leber!« rief der Schlozz und hielt sich den brummenden Bauch, der nun nach gebratener Leber mit gerösteten Zwiebeln und Kartoffelpüree verlangte. »Und dann mache ich aus dem Kartofflepüree einen Vulkan und gieße oben hinein das heiße Fett. Juhuu!«

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»Ich kann nicht mehr und ich will auch nicht mehr,« schluchzte der Schlozz vom Weg gepeinigt. »Was ich heute alles erlebt habe, mein lieber Mann. Sagenhafte Abenteuer hab ich erlebt. Ich habe Dinge gesehen,die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigantische Pompatze, die brannten draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe dampfende Felder gesehen - glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannenhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein, in der Zeit. So wie Tränen im Regen - Zeit zu sterben...« sagte der Schlozz entkräftet in einer typischen Entkräftungstrance, in der er sich befand. Er ließ sich auf ein Stühlchen plumpsen, das vor dem Hüttchen stand, in welchem die köstlichen Paprikawürstchen gekocht werden, die die Männer mit ihren Bergfahrrädchen und der Funktionsunterwäsche zu speisen pflegen und schlozz die Augen. Was er sah, war so schön wie ein Sonnenuntergang bei gleichzeitigem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft und einem Feuerwerk aus Jägersoße. »Uuh, Aah!« stöhnte der Schlozz in Trance. »Das ist ja wirklich wunder, wunderschön.« Er sah gleißendes Licht, in welchem sich ein junges Frollein tummelte. Ein bizarres Hündchen kam angehüpft und rieb sein juckendes Hinterteil an seinem Schuh. Das muss das Paradeis sein. Ich bin im Himmel!« »So ist es!« antwortete ihm da der Erzengel Christian. »Ah mir ist der Erzengel Christian erschienen, das kommt sicher nicht von ungefähr. Oh bin ich aufgeregt, gleich zeigst du mir sicher etwas, das schön, aber auch schräg zu gleichen Teilen ist.« »Ich sag’s dir!« sagte das süße Engelchen mit der Sonnenbrille und öffnete seine Kiste. alle fotos auf den folgenden seiten sind g-schossen von daniel roos. der stylechecker ist christian bürger (und, ja er kommt sich verdammt cool vor). haare und makeup-checker auch christian. mannequin (wie man sagt) die legende lebt: anjella brockhaus. der hund heißt baron und hängt bei mir zuhause an der wand. anjella mit hundseite. da ist das kopftuch von new yorker, die bluse von sarah heartbo, die jeans von hennes & mauritz, die schuhe sind von (hallo carmen!) buffalo. anjella im minikleidseite. ist das kleidchen von headonist und, die kirsche von kettcar und die kette von kirschkern. die schuhe sind wie alle schuhe auf den folgenden seiten von buffalo, den erfindern der buffaloboots. anjella in pinkseite. this shirt ist von fladimir k, la hose von butterfly soulfire. schuhe hatten wir schon. der haarreif ist selbstgepflückt. anjella in weisseite. da hat robert la roche die brille gewirkt, gibts in der brillerie, die leggins hingegen sind schon wieder von hennes & mauritz, das shirt ist von starstyling worldwide und die schuhe schon wiederer von buffalo. anjella mit pferdedeckeseite. umhang ist von pleats please und die hose hmm... von h&m und die schuhe, das wird viele überraschen, geheimtip: von buffalo.

schroenschaeg ieht zan SEITE 23 X 2


»Mir ist ja noch ganz Schwummi von der ganzen Trance. Eijeijei, was war denn jetzt das? Vielleicht sollte ich mal zum Barbier gehen und mich barbieren lassen, zudem bräuchte ich dringend einen neuen Gehrock, meinen hab ich ja vor Stunden in den Wald geschmissen. Ein Leben als Ulknudel ist mir ohnehin vergällt worden von den ganzen Vorkommnissen. Wenn ich heimkomme, kaufe ich mir erst mal eine neue Chaiselongue, meine habe ich ja aus dem Fenster geschmissen. Außerdem fange ich ein neues Leben an. Ich lass mir nichts mehr erzählen,« motzte sich der Schlozz selbst an und kam an einen Teich im Walde. von nordenstadt bis auf den gipfel der platte hatte der schlozz nun 23,4 kilometer in 20.979 schritten zurückgelegt. dazu brauchte er 6 stunden und 49 minuten. als er am nächsten morgen erwachte, hatte er schmerzen all überall, seine schlenderslust konnte nur mit einem umfangreichem motivationsaufwand wieder hergestellt werden. darüber hinaus wurde er auf der folgenden etappe von keinem anderen, als dem ehemaligen moderator der legendären attakke-royal-radioshow, jörg ‘helmo’ hellmich begleitet.

die trance ist um DIE 62


»Hier bin ich,« hörte der Schlozz jemanden sagen. »Huch! Was? Wer denn und vor allen Dingen wo? Ich steh auf’m Schlauch.« »Es ist ja so, man muss auch mal an was glauben können, zum Beispiel an mich und hier bin ich: Helmo!« »Elmo?« »Helmo.« »Zellmo?« »Helmo.« »Helmo?« »So ist es,« »Ach so ist es also.« dachte sich der Schlozz und wunderte sich. Helmo zog an seinem amerikanischen Impel. Er konnte während des Schlenderns einen Impel nach dem anderen quarzen. »Aaah, einen schönen Impel quarzen, dazu einen Bohnenkaffee, es gibt nichts besseres. Auch eine?« fragte Helmo und bot dem Schlozz eine an. Sie kamen an ein Häuschen. Hier kehrten sie ein und zündeten sich ihre Impels an. »Hmm! Impel schmeckt gut. Das ist sicher kerngesund.« »Auf jeden Fall ist das gesund. Es gibt nichts besseres.« sagte Helmo und musste husten. Der Schlozz musste auch husten. So husteten sie beide und betrachteten ihre Beine. »Spürst du noch was?« »Jede Menge, ich spüre eher viel zu viel. Das muss aufhören.« »Aber wieso denn nur?« fragt der Schlozz seinen neuen Kumpel. »Ich will es so. Ich kenn mich ein bißchen aus. Einen Kaffee vielleicht?« fragte er und der Schlozz: »Oh ein Kaffee, das ist wirklich eine gute Idee, einen Kaffee hätte ich jetzt gerne.« »Ich habe leider keinen dabei, außerdem gibts draußen ja nur Kännchen, da schleppt man sich schnell tot.« »Da magst du recht haben.« »Hmm, wahrscheinlich habe ich recht, muss aber nicht.« »Kann alles, muss gar nichts.« »Das ist mein Motto.« »Meins auch.« the unreal bienenschlau und der reale helmo liefen die etappe von der platte nach frauenstein zusammen. auf der gps-auswertung kann man sehen, wie die beiden mehrfach im kreise liefen und trotz kartenmaterials und hightech so auch ein bißchen echtes abenteuer erlebten.

mein freund helmo MIT 66 SEITEN...


Nachdem die beiden ihre Impels gequarzt hatten, nahmen sie den Weg wieder auf. Der Schlozz schlenderte, während Helmo wanderte, denn er war ein wahrer Wandersmann, der schon mehrere Pokale im Wandern gewonnen hatte. »Wanderpokale habe ich einen ganzen Arsch voll,« gab er an, fügte jedoch hinzu »Aber was hast du von all den Wanderpokalen?« »Nichts?« »What shall this than? Ich mach mich mal vom Acker. Du kommst zurecht? Klar kommst du zurecht. Machs besser und wenn du mal jemaden brauchst, der weiss wie’s geht, ruf mich an!« Das wollte der Schlozz auch machen, wenn er mal nicht weiter wusste, schwor er sich feierlich. Er lief weiter, den weiten Weg von der Platte über verschiedene Hügelchen in der Umgebung, er lief durch den Ort Georgenborn, während das Blut seiner Blutblasen bis zum Horizont spritzte. Als die Gegend schon beinahe aussah wie ein Gemälde von Heinrich Mann, bog er links ab und stand vor einer Gesellschaft, welche aus drei Typen bestand. Er war in Frauenstein angekommen. »Das ging mir aber jetzt fast ein bißchen schnell, wieso bin ich denn jetzt schon in Frauenstein?« »Weil ich es so will und nun verbeuge dich in Demut und konzentriere dich, die drei Typen wollen sich mit dir unterhalten.« Der Schlozz wandte sich den drei Typen zu und sprach: »Ja sagt mal, was seit ihr denn für komische Vögel, habt ihr nichts besseres zu tun, als hier auf dem Bock dieser armseligen Chaise zu hocken?« Den Typen fiel nichts Originelles ein, so schwiegen sie und während sich einer der drei darüber ärgerte, waren die anderen beiden quietschvergnügt und sehr zufrieden mit der Gesamtsituation. »Kann man euch kaufen, einverleiben, verspeisen, durch den Fleischwolf drehen? Habt ihr ein Mandat? Oder, nein wartet, spielt ihr Skat? Dann hättet ihr Glück, weil ihr ja zu dritt seit. Naja, dann halt nicht. Ich erinnere mich an redseligere Gestalten auf meiner Reise durch den Dschungel.« Da sagten die drei »Kwi kwa kwuk!« »Och wie putzig, kwi kwa kwuk also, das erinnert mich doch an jemanden. Na euch packe ich doch mal flugs in mein Windbeutelchen, jede Wette, ihr seid heiß begehrt.« rief der Schlozz und schulterte die drei, die die Malfis waren und schlenderte schlußspurtlich Richtung Schierstein. frauenstein ist neben dotzheim der einzige vorort im westen der stadt. nachdem die beiden durstig und nicht ganz im lack in frauenstein ankamen, wollten sie, wie sie es früher mit den eltern immer wieder gemacht hatten, im weinhaus sinz einkehren, dort wurden sie jedoch von einer tendenziell eher unfreundlich anmutenden frau empfangen, die die beiden vor der tür abfing und ihnen, obgleich das restaurant sowohl geöffnet hatte und obendrein niemand an den tischen saß, den einlass und somit die möglichkeit ihren durst bei einer schorle zu löschen, verwehrte. in der bauernschänke am ende des ortes wurde ihnen einlass gewährt und so legten die beiden wanderer dort eine willkommene pause ein. an dieser stelle einen gruß an die äußerst freundliche bedienung, die an diesem 19. mai 2007 dort ihre arbeit verrichtete.

in frauenstein DIE ACHTUNDSECHZIGER


»Komische Käuze allerorten!« freute sich der kleine Schlozz Emil Bienenschlau. Er hatte den Wald mit seinen komischen Vögeln verlassen, die Weinberge bei Frauenstein schnell hinter sich gelassen und war nun kurz vor seinem Ziel in Schierstein, da wo die Störche wohnen. Er bog vom Reichsapfelsträßlein um die Ecke und stieß einen heißeren Schrei aus, rauh, spitz, etwas herrisch, aber auch weibisch, weiblich, sexy und symphatisch zugleich. Etwa wie Rocko Schamoni. »Pizza! Ich bin gerettet, der Herr hat meine Gebete erhört. Halleluja, oooh Effendi, beim Teutates, halten sie mich für verrückt, halten sie mich für übergeschnappt, und so weiter und so focht.« der name des 1926 zu wiesbaden eingemeindeten vororts wechselte in den jahrhunderten von skerdesstein und skerdisstein zu scerstein. einheimische wird dieser name schnell an das mundartliche »scheerstaa« erinnern. man vermutet, dass sich in schierstein eine burg befand und sich so der name von stein des sherto ableitet, wobei stein im sinne von burg verwendung findet. den beinahe fischerdörflichen charakter erlangte schierstein natürlich durch seinen 1859 erbauten hafen. seine heutige größe erlangte der hafen 1923 durch erdaushebungsarbeiten. die so gewonnen erde benötigte man für einen damm, der der wassergewinnung zwischen schierstein und niederwalluf diente. früher war der hafen eine heimatstation für flößer, die ihre flöße dort zu größeren holzflößen banden und von dort aus bis in die niederlande trieben. zwischenzeitliche industrielisierungen scheiterten letztlich und so wurde der hafen zu dem, was er heute angenehmerweise ist: eine flaniermeile und ein yachthafen. seit 1967 überspannt die dyckerhoff-brücke die hafeneinfahrt und verbindet so die beiden dämme. gerade in den sommertagen kommt es am schiersteiner hafen urlaubesquen szenen. das to limani auf der einen seite, die hervorragende eisdiele, verschiedene bootsverleihe, die zu rundfahrten mit tret-, ruder- und elektrobooten einladen, bänke zum lümmeln, das restaurant arche noah, selbstverständlich das fischrestaurant rheinhalle, die ruder- und kanusportvereine, das hafenfest und das ganze drumherum machen es dort »unten« zu einem ort, wie man ihn oft erst in der südlichen ferne erwartet. die bilder der schiffergasse sind eine ganz persönliche hommage an die pizzeria benito. freundlicher kann man keine pizzabestellung entgegennehmen. noch vor einigen tagen erst konnte ich mich davon überzeugen. die benitos sind eine institution. la leccornia, die pizza tirreno, seit ich mich erinnern kann die nummer 17 auf der speisekarte, die inzwischen um etliche gerichte erweitert wurde. der knaller als bub: das frikadellen sandwich. man kann so etwas nicht besser machen.

die schiffergasse SIBBSISCH


»Quietsch, quietsch, quietsch!« sagten die Schuhe des klitzekleinen Schlozzes, der schon so viele Tage unterwegs war, dass er gar nicht mehr wusste, ob er vielleicht träumte. »Ich träume von Pizza, aber auch von rasanten Flitzern, ritzeroten Fegern, sabbernden Enten, von Malfis, Pompatzen, Helmos und sonstigen Gnomen und ich träume von fliehenden Zeugen. Verzeihungen, ich meinte natürlich fliegende Zeuge, genannt Flugzeuge. Ich sah mal eins in Hochheim. Darüber hinaus beeinhaltet mein Traum folgende Sequenzen: ich laufe eine kühle Wiese hinunter, schaue auf mein tragisch zerschlissenes Schuhwerk und weiche den Hyazinthen aus, die dort so herzhaft blühen. Sodann verlässt mein Leib die Erde und ich erlange wie durch Zauberhand die Fähigkeit des Fliegens ohne Maschinenaufkommen. Im Anschluss an diesen Teil des Traumes kommt der Teil, wo ich nach unten linse und die Erde so groß ist wie auf dem Startbild von Google Earth, was mir Angst einjagt. Schließlich fliege ich mit einem Malfi davon, welches die ganze Zeit Kwi Kwa Kwuk sagt, was mir irgendwie bekannt vorkommt.« Also öffnete der Schlozz die Augen, denn er lief schon lange nicht mehr, saß vielmehr plötzlich auf einer Bank nahe einer Eisdiele, wo es das vorzügliche Marionetteneis gab und blickte auf das weite Meer. »Das weite Meer hört ja schon da hinten bei dieser abenteuerlich geschwungenen Brücke auf.« Die Entlein auf dem Wasser sagten: »Gude!« und »Ouw!« Der Schlozz blinzelte, weil ihm die Sonne ins Gesicht popasterte, dass einem fast schlecht werden konnte und bekam eine rote Nase. Er hat die ganze Stadt umwandert und nun matt und sehr glücklich. »Das hätte ich nicht gedacht, dass es so schön sein würde. Diese Stadt hat ganz schön Glück gehabt, dass sie auf solch einem entzückenden Gelände steht. Dort gibt es den schönsten Wald der Welt und kleine Seen und Bächlein die singen und swingen. Es gibt Weinberge wo der Wein wohnt und kleine putzige Sträßchen. Man muss noch nicht mal nach Woandershin um eigenartige Typen zu treffen, die sitzen ja gleich neben dir. Manchmal bist du das ja sogar selbst. Und wenn man all die Sonne und die schönen Wälder, die bunten Wiesen und luftigen Lichtungen satt hat, dann kann man ein Straßencafé besuchen. Dort hat man die Möglichkeit die neuest Brillenkollektionen aufzutragen, man kann den Grellen machen, Knaben und Mädchen anbaggern. Man kann sich Kaffee mit Milch bestellen, aber Latte Macchiato dazu sagen. Man hat die Möglichkeit in ein Gestüt oder in den Schlachthof zu gehen zum Tanzen und zum Jägermeister trinken oder man kann sich ein Tretboot ausleihen und sich einen zurecht Schaukeln auf dem Hafenwasser, welches gerade so herzlich ans Ufer schwappt.

WM ‘74


»Hier will ich sein! Ich brauch kein Hamburg, kein Braunschweig und kein Kölle Alaaf. Mir ist München schnuppe und Frankfurt ist mir wurscht und wie heißt nochmal diese Stadt bei Potsdam? Potsdam ist mir auch egal. Ich bleib hier.« sagte der Schlozz, der die ganze Zeit mit sich selbst sprach, wofür er sich plötzlich komisch vorkam. »Was sollen denn die Leute von mir denken?« sagte er zu sich. Der Schlozz hatte von aussen herum das Innere entdeckt. Man muss nur genau hingucken oder auch mal ein paar Tage durch den Schlamm latschen. Und wenn dann schon die Hülle der Stadt von so entzückender Natürlichkeit ist, dann kann das was innen drinnen ist, das Herz, das kann dann ja so schlecht nicht sein, dachte er und wünschte sich auf das kleine Segelbötchen, welches rechterhand seine Kreise im Hafen dieser wunderschönen Stadt drehte und er sah Schleim aus den Zeilen tropfen. wiesbaden hat eine fläche von 204,10 qkm auf denen 275.562 menschen leben. man findet die stadt unter den koordinaten 50° 05' N, 08° 15' O auf dem globus. von wikipedia erfährt man, dass der höchste punkt des stadtgebietes mit 608 m über nn auf dem rheinhöhenweg nahe der hohen wurzel liegt, tiefster punkt ist die hafeneinfahrt von schierstein mit 83 m über nn. die innenstadt (schlossplatz) liegt auf 115 m über nn. von der 79 kilometer langen stadtgrenze bildet der rhein 10,3 kilometer. die mittlere jahrestemperatur beträgt 9,5 grad celsius, die jährliche niederschlagsmenge 622 liter pro quadratmeter, und die durchschnittliche sonnenscheindauer im jahr liegt bei 1.565 stunden. wiesbaden zählt damit zu den wärmsten deutschen städten der ganzen welt. wiesbaden unterhält städtepartnerschaften mit den städten klagenfurt/österreich, montreux/schweiz, bezirk friedrichshain-kreuzberg/berlin, gent/belgien, fondettes/frankreich, ljubljana/slowenien, kfar saba/israel, donostia-san sebastián/spanien, wroclaw/polen, tunbridge wells/großbritannien, görlitz/sachsen (seit 1990), ocotal/nicaragua. es sprudeln 26 heiße quellen, die von der bevölkerung mit unterschiedlichem minenspiel aufgenommen werden. die quellen haben eine temperatur von 46-66°c und sind mit ihren alltäglichen 2.000.000 litern king of wasserergiebigkeit in deutschland. fjodor dostojewski, so sagt man, verpielte in wiesbaden einen großen teil seines vermögens. seine abenteuer im banne der spielsucht verarbeitete dostojewski im roman »der spieler«, den er im erfundenen »ruletenburg handeln ließ. erst in einer verfilmung des romanstoffes von robert siodmak wurde wiesbaden dann auch beim namen genannt. georg august zinn, der erfinder der georg-august-zinn-straße, in der ja auch glücklicherweise das schönschräg wohnt, war übrgiens von 1951 bis 1969 hessischer ministerpräsident. falls das schon immer mal jemand wissen wollte.

schlozz endlich THE PAGE OF SEVENTY-SIX


der schlozz in zahlen. ordnet man die durch messungen, schätzungen, berechnungen, überlieferungen und scharfes hinsehen zustande gekommenen zahlen der schlenderung um wiesbaden ihrer größe nach absteigend und gibt den bloßen werten eine bedeutung, so sieht dies folgendermaßen aus:

71.216 schritte rund um wiesbaden. 8.190 abgewanderte kalorien. 1.170 minuten wanderzeit bis ins ziel. 830 überwundene höhenmeter. 609 schmerzende muskeln (alle). 285 geknipste erinnerungen. 171 euro ungeplante hotelkosten (wildromantisches campen schied dann doch aus). 110,3 km/h höchst-geschwindigkeit (bei einer autofahrt von der platte zum hotel in neuhof). 96,6 cm errechnete schrittlänge. 73 minuten unter der dusche zwecks wiederbelebung. 68,8 km zurückgelegte gesamtdistanz. 17 kirschen verspeist. 10,5 liter wasser getrunken. 7,1 km/h höchstgeschwindigkeit beim wandern (diesmal in echt). 7 panikattacken (angefangen von der angst vor geifernden hunden und kreischenden vögeln, bis hin zu der sorge (inspiriert durch eine radiodurchsage) ein ohr zu finden, die darin gipfelte auch eine komplette leiche zu entdecken).

6,9 liter aufgenommener alkohol, davon 6,5 in pilsform und 0,4 als weinschorle. 4 begegnungen, darunter ein jäger, ein dauerläufer, sowie eine christi-himmelfahrts-prozession mit leiterwagen und

4 tage unterwegs von schierstein nach schierstein. 3,52 km/h durchschnittliche geschwindigkeit. 3,5 verzehrte powerriegel. 2,7 km/h langsamste, noch als laufen durchgehende, geschwindigkeit. 2,5 tage sonnenschein. 2 weggefährten. 2 blutende blasen. 1,79 km umhergeirrt und das trotz GPS. 1,5 tage regen. 1,05 GB gesammelte daten. (angeblich) 0 zigaretten während des laufens (nicht mitgezählt: die 35 jungen männern, deren vaterstatus nicht nachgewiesen werden konnte.

zigaretten insgesamt am ziel, sowie etwa 40 zigaretten geraucht von helmo auf der dritten etappe).

0 bock auf wandern am ende jeder etappe.

zaren bitte SEITE ACHTUNDSIEBZIG


die herausgeber dieser ausgabe sind joerg haas · royalkomm.design, christian bürger · schoenschraeg und steffen lehn · seltersdruck REDAKTION, ART DIREKTION UND TEXTABTEILUNG sind besetzt durch joerg haas von royalkomm.design/stijlroyal und die sind zuhause in der albrechtduerer-strasse 4 in 65195 wiesbaden. anrufen kann man da unter der telefonnummer 0611-89 03 89 55. wer ein fax senden möchte kann dies unter 0611-89 03 89 59 tun. mails bitte an info@stijlroyal.de und im weltweiten internet findet man uns unter www.stijlroyal.de. FOTOS die allermeisten fotos sind von unserem fotograf und auch freund daniel roos (www.danielroosfotografie.de). DRUCK steffen lehn von seltersdruck, die machen druck in der emsstr. 14 in 65618 niederselters. schicken sie ihm eine mail an steffen.lehn@seltersdruck.de und besuchen sie seltersdruck im internet unter www.seltersdruck.de. STYLING UND MODE modische akzente setzen die damen und herren von schönschräg in der georg-agust-zinn-str. 2 in 65183 wiesbaden mit der telefonnummer 0611-9745372 und im internet zu finden unter der internetadresse www.schoenschraeg.com MITARBEIT bei dieser ausgabe haben verschiedene menschen mitgemacht und das waren diesmal, in zufälliger reihenfolge: die anjella brockhaus die sich im weinberge hat knipsen lassen, der kleine baron (hund), der eric berthold der neben der wanderung auch viele andere dinge zum erscheinen dieser ausgabe tat, der rouven faust, die bini kahlenberg und die kiki kursawe haben phasenweise das licht gehalten, die caroline löw hat die schiffergasse fotgrafiert. der jörg hellmich und die anna portugall haben den wandermann phasenweise begleitet. bjoern goebel ermittelte die zahlen rund um die schlenderung des schlozzes und stefanie merck tippte sie ins system der systeme. robert karliczek mit tipps, tricks, korrekturmaßnahmen und auch sonst. DRUCKAUFLAGE ausgabe 03.07 / 5.000 stk. PRESSERECHT namentlich gekennzeichnete beiträge geben nicht grundsätzlich die meinung der herausgeber und der redaktion wieder. der nachdruck von beiträgen ist grundsätzlich gestattet, bedarf jedoch der vorherigen schriftlichen genehmigung von stijlroyal. die übernommenen artikel und beiträge müssen mit dem zusatz stijlroyal/ www.stijlroyal.de gekennzeichnet werden. alle daten sind ohne gewähr. ABONNEMENT bei zusendung von 4,00 EUR je heft werden einzelne ausgaben zugesendet PARTNERSCHAFTEN / KULTURSPONSORING mit anzeigen möchten wir dieses magazin nicht verwüsten. welche, die sich jedoch bei einer ein- oder mehrmaligen, zukünftigen, zünftigen und individuellen partnerschaft im glanze des heimatmagazines sonnen möchten, sind herzlich zu einem unverbindlichen gespräch eingeladen. termine machen unter 0611-89038955. ERHAELTLICH kostenlos und so lange der vorrat reicht unter anderem bei: royalkomm.design in der albrecht-dürer-strasse 4 in 65195 wiesbaden schoenschraeg in der georg-august-zinn-strasse 2 in 65183 wiesbaden

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woher kommt nur das ganze schön zeug, welches man hier in diesem hef t beobachten kann? hier kann man es erfahren: bowler, hemd, fliege, gehrock und spazierstock freundlichweise zur verfügung gestellt von julius schmickler, kostümverleih in der platter straße 62. schuhwerk by bob karliczek. das feine bötchen am schiersteiner hafen stellte uns henry klotz von der bootsvermietung walter bähr zurverfügung. bei ihm kann man übrigens auch den bootsführerschein machen. schauen sie nach unter www.motorbootschule-wiesbaden.de.vu (vorsicht: vorher die lautstärke des computers runterregeln). die malfis bekannt aus dem buch »friends with you« vom gestalten verlag, gibts bei schönschräg, die kette, die sich hier um den text schlängelt ist von schmückstück, gibts auch bei schönschräg in der georg-august-zinn-str. 2 in wiesbaden. könnt ihr sehen unter www.schoenschraeg.com. das ministeckposter ist auch von schoenschraeg, wo es auch andere ministecksachen zu kaufen gibt. maxisteck ist toter als tot. ministeck kommt wieder und zwar in ganz großem stil. die fotos der modestrecke sind von daniel roos, viele andere auch. einige hat eric berthold auf seiner wanderung geschossen, wie zum beispiel das ministeckposter. die bilder von der schiffergasse sind von der lieben caroline löw geknippst. das navigationsgerät und den zähler der schritte haben uns die outdoorchecker von ergo zur verfügung gestellt. man schaue auch hier: www.ergo-outdoor.de. und schließlich ein herzliches danke schön an wikipedia für das sammeln schier unermesslichen wissens.

danke sehr an alle


Es ward nimmermehr so sein, wie es mal war. Das Heimatmagazin schlendert weiter zum nächsten Knusperknäuschen und es will die Heimat ausbreiten auf die ganze Welt, weil Heimat nichts für Chauvinissimos ist, sondern ein Teil von jedem, wo immer er auch wohnt. Wiesbaden kann eine Heimat sein, aber auch Istanbul oder New York, Tokyo oder St. Ullrich am Pillersee. Da wo du herkommst ist egal. Da wo du bist ist relevant. Wenn die Gegenwart eine Heimat sein kann, dann schmeiss deinen Hut in die Luft und freu Dich. beim letzten mal haben wir an dieser stelle groß- und vollmundig den großen sport- bzw. mixbiertest angekündigt. am 29. mai trafen wir uns daher mit 24 sorten mixbiergetränk wobei mixbiere mit cola ausgeschlossen waren um das angebot etwas einzugrenzen. aber ach... vergiss es! im nächsten hef t fotograf ieren wir das peinlichste was ein mensch von über 12 jahren überhaupt besitzen kann, etwas was fast jeder hat, was er aber stets gut verschließt und nur nachts herausholt, weil es trost und zuversicht spendet, etwas das zu allem eine antwort hat und liebe gibt, wenn man liebe braucht, etwas das dein bester freund ist, was aber keiner wissen darf: dein teddybär, kuschel-, stof f- und plüschtier. das was deine mutter im zustand anderer umstände häkelte und das manchmal absurder aussieht, als alles, was es auf der welt gibt, wir werden es knipsen, interviewen und groß rausbringen. und darüber hinaus haben wir uns noch keine gedanken gemacht. es ist sommer.


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STIJLROYAL.HEIMATMAGZIN / SOMMER 2007  
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