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DAS MAGAZIN DES STAATSTHEATER NÜRNBERG

JANUAR / FEBRUAR

BALLETT

: 2017

OPER

Monade ∙ Cyrano Sayaka Kado

Die Italienerin in Algier Wozzeck ∙ Kinderoper

SCHAUSPIEL

KONZERT

Die Ratten Der rote Löwe

Alban Gerhardt im Phil. Konzert


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: INHALT

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BALLETT

:

Tarmo Vaask zu „Monade” ∙ WA: Cyrano ∙ Kulturförderpreis für Sayaka Kado

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OPER

:

Italienerin in Algier ∙ Wozzeck ∙ Kinderoper: Armide ∙ Erzählkonzerte

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SCHAUSPIEL

:

Thema: Terror ∙ Der rote Löwe ∙ Die Ratten ∙ Amnesty zu Gast ∙ !Nie Wieder

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KONZERT

:

Kinderkonzerte: Was macht der Komponist? ∙ Alban Gerhardt im 3. Philharmonischen Konzert

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U18 PLUS

:

Neue Programme der Theaterpädagogik

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EINE MONADE VON TON UND BEWEGUNG CHORDIREKTOR TARMO VAASK IM GESPRÄCH Am 10. Dezember 2016 feierte der Tanzabend „Monade“ auf der Bühne des Opernhauses seine fulminante Premiere. Die Compagnie des Staatstheater Nürnberg Balletts begeisterte mit Mauro Bigonzettis „Antiche Danze“ und der Uraufführung von Goyo Monteros Choreographie „Monade“. Der Ballettdirektor betrat auch hier wieder konzeptionelles Neuland, nachdem er in der letzten Spielzeit in „Four Quartets“ bereits Kammermusiker*innen in seine Choreographie integriert hatte. Diesmal ist der Opernchor des Staatstheaters neben den Tänzer*innen in das choreographische Bühnengeschehen eingebunden. Chordirektor Tarmo Vaask war dabei nicht nur für die Einstudierung der Kantaten und Motetten Johann Sebastian Bachs verantwortlich, sondern steht als Musikalischer Leiter der Produktion am Pult und dirigiert die Staatsphilharmonie sowohl zu Bigonzettis als auch zu Monteros Stück. Musikdramaturgin Christina Schmidl sprach mit dem estnischen Chordirektor, der seit 2011 am Staatstheater Nürnberg engagiert ist.

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BALLETT

: MONADE

Du arbeitest seit 2011 als Chordirektor am Staatstheater. Neben der Einstudierung des Chores dirigierst Du auch regelmäßig Abendvorstellungen in der Oper. Ist die Produktion „Monade“ das erste Ballettdirigat für Dich? Tarmo Vaask: Nein, ich habe bereits eine Choreographie zu Respighis „Antiche Danze ed Arie“ an einem anderen Theater dirigiert. Aber „Monade“ ist die erste Zusammenarbeit mit Goyo Montero. Wir versuchen beide schon seit ca. vier Jahren, ein gemeinsames Projekt mit Chor und Tanzensemble zu realisieren. Es war nicht leicht, eine Spielzeit zu finden, in der das dispositionell möglich ist. Und in dieser Saison hat es endlich geklappt.

Worin liegt für Dich der große Unterschied zwischen einem Musiktheater- und einem Ballettdirigat? T. V.: Der Unterschied liegt vor allem in der Tempofrage und darin, den Überblick zu behalten. Zuerst muss ich ein Gespür für die Tänzer und die Choreographie entwickeln, um abschätzen zu können, ob mein Dirigat tempomäßig zur Bühnenaktion passt. Dazu notiere und markiere ich mir wichtige Stellen der Choreographie in der Partitur. Und dann heißt es jedes Mal, das musikalische Tempo exakt zu treffen. Ich muss dazu immer die Tänzer im Auge haben, damit ich überprüfen kann, ob sie zu meinem Tempo tanzen können und dass ich weder zu langsam noch zu schnell bin. Im besonderen Fall von „Monade“ muss ich neben den Tänzern natürlich auch noch auf den Chor achten. Da bin ich gut beschäftigt! In der Oper hat man, was das Tempo betrifft, vielleicht etwas mehr Spielraum. Ich finde, ein Ballett zu dirigieren ist ähnlich, wie einen Stummfilm mit dem Orchester zu begleiten. Das habe ich schon oft gemacht. Der Film läuft weiter und du musst mit der Musik mitkommen.

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen Dir und Goyo Montero ab? T. V.: Am Anfang der Planung des Projektes mussten wir uns erst einmal die Musik dafür aussuchen. Wir haben damals eine sehr große Bandbreite an Werken in Betracht gezogen – von Alter Musik bis hin zu modernen Chorwerken. Zuerst haben wir über Opernchöre gesprochen, dann gab es die Idee, Stücke von Johann Sebastian Bach mit Musik von Arvo Pärt und dem armenischen Komponisten

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Tigran Mansurjan zu verbinden. Letztendlich haben wir uns dann aber nur für geistliche Musik von Bach entschieden. Am Schluss mussten wir noch die Frage klären, ob es möglich ist, auch komplizierte, doppelchörige Motetten in die Musikauswahl aufzunehmen, und ob wir uns nur auf Chorsätze und Choräle aus den Kantaten beschränken sollen oder auch Rezitative und Arien verwenden. Wir haben uns dann schlussendlich für einige Solonummern und eine doppelchörige Motette („Ich lasse dich nicht“) entschieden.

meistens mit Noten gesungen – und nun diese Werke auswendig zu singen, dabei dann noch Schritte denken und sich an Bewegungen erinnern zu müssen, ist schon eine große Herausforderung. Am Anfang mussten wir uns auch an die Mikroports gewöhnen. Dadurch, dass jeder Sänger einzeln mikrophoniert ist, hört man zunächst ganz viele Einzelstimmen und muss erst daran arbeiten, wieder einen einheitlicheren Gesamtklang zu erzielen. Aber das haben wir letztendlich alles gut gelöst.

Aber die Interpretation der Solonummern ist besonders … T. V.: Stimmt. Goyos Einheitsgedanke bestimmt in allen Aspekten das Stück – das zeigt ja auch schon seine Titelwahl mit „Monade“ (dt.: „Einheit“). Und so haben wir uns also aus choreographisch-dramaturgischen Gründen dafür entschieden, zwei Rezitative und eine Arie, die ja eigentlich nur von einem Sänger gesungen werden, unter mehreren Solisten, die sich alle paar Takte abwechseln, aufzuteilen. Die Arie „Hier ist das rechte Osterlamm“ haben wir zum Beispiel so aufgeteilt, dass ein Bariton bzw. Bass ein paar Takte singt, dann ein zweiter hinzukommt, schließlich ein dritter usw. Am Ende singen sieben Baritöne bzw. Bässe zusammen „Halleluja“. Wir haben also Bach etwas freier interpretiert.

Worin liegen Deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für den Chor? T. V.: Zum einen ist es eine Umstellung für einen Opernchor, plötzlich Bach zu singen. Allerdings hat der Chor Erfahrung mit Barockmusik, durch die Opern von Rameau („Platée“, „Les Indes galantes“), die hier am Haus gespielt worden sind, und einige unserer Choristen haben durchaus Erfahrung darin, Musik von Bach zu singen. Zum anderen wird Bach

TARMO VAASK Der in Estland geborene Tarmo Vaask studierte Chor- und Orchesterleitung in Tallinn und Stuttgart und absolvierte Dirigierkurse bei John Eliot Gardiner, Frieder Bernius, Helmuth Rilling, Hiroyuki Iwaki und Neeme Järvi. Tarmo Vaask war künstlerischer Leiter des Akademischen Orchesters Freiburg und der Philharmonie Schwäbisch Gmünd. Weitere Engagements führten ihn zum SWR Vokalensemble Stuttgart, Chœur de Radio France, Estnischen Philharmonischen Kammerchor und dem MDR Rundfunkchor. Als Chordirektor und Kapellmeister war er an der Nationaloper Estland, bei Theater & Philharmonie Thüringen, am Theater Heidelberg, am Theater Bremen und am Theater Bern tätig. Seit September 2011 ist er als Chordirektor mit Dirigierverpflichtung am Staatstheater Nürnberg engagiert.

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BALLETT

: MONADE

Wo liegen denn die Grenzen des Chores in der szenischen Aktion? T. V.: Die schwierigsten Momente für die Sänger sind diejenigen, in denen sie mit dem Rücken zum Publikum stehen und singen müssen. Es gibt nämlich in dieser Blickrichtung keine Monitore, auf denen sie mich dirigieren sehen und das Tempo abnehmen können. Aber auch für solche Momente haben wir Ideen entwickelt, damit das trotzdem klappt. Ich muss aber auch sagen, dass Goyo schon im Vorfeld sehr genau durchdacht hat, welche Bewegungen für den Chor umsetzbar sein könnten. Er hat mir dann jede Szene beschrieben und mir erzählt, was er sich vorgestellt hat, und sich dann mit mir beraten, ob diese oder jene Aktion oder Bewegung neben dem Singen möglich sein könnte.

MONADE  Choreographien von Mauro Bigonzetti und Goyo Montero (UA) Musik von Ottorino Respighi und Johann Sebastian Bach Musikalische Leitung: Tarmo Vaask Choreographie und Inszenierung: Mauro Bigonzetti; Goyo Montero Bühne: Mauro Bigonzetti; Goyo Montero; Eva Adler Kostüme: Mauro Bigonzetti; Goyo Montero; Angelo Alberto Chor: Tarmo Vaask Licht-Design: Mauro

Bigonzetti; Carlo Cerri; Olaf Lundt; Goyo Montero Staatstheater Nürnberg Ballett Chor des Staatstheater Nürnberg Staatsphilharmonie Nürnberg

WEITERE VORSTELLUNGEN: 13., 15., 20., 26.01.2017 (zum letzten Mal)

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GEFÜHLVOLLER DICHTER UND DRAUFGÄNGERISCHER HAUDEGEN GOYO MONTEROS „CYRANO“ KEHRT AUF DIE BÜHNE DES OPERNHAUSES ZURÜCK Gérard Depardieu hat ihn durch seine Darstellung auf der Kinoleinwand weltberühmt gemacht – den schüchternen Poeten Cyrano de Bergerac mit der langen Nase aus Edmond Rostands gleichnamigem, romantischem Versdrama. 2014 hat Goyo Montero diesen literarischen Stoff über die Lebens- und Leidensgeschichte des tragischen Helden als Handlungsballett herausgebracht, das im Fachmagazin „Dance Europe“ als „Beste Premiere“ der Spielzeit 2014/2015 nominiert worden ist. Zwei Jahre später kehrt „Cyrano“ nun auf die Bühne des Opernhauses zurück. MUSKETIER UND POET Als Edmond Rostand 1897 sein Drama verfasste, hatte er sich als Vorlage die bewegte Biografie eines Mannes ausgesucht, der als Schriftsteller, Philosoph und Visionär in die Geschichte einging. Der historische Cyrano de Bergerac lebte von 1619 bis 1655 in Frankreich. In seinem kurzen, aber an Abenteuern reichen Leben machte er sich u. a. als Mitglied des Garderegiments, als Haudegen und Duellant einen Namen, beschäftigte sich neben Philosophie auch mit Alchemie und verfasste mit

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„Die andere Welt“ den ersten Science-FictionRoman der Literaturgeschichte, indem er seinen Ich-Erzähler zum Mond und zur Sonne reisen lässt. Cyrano de Bergerac starb im Alter von 36 Jahren, vermutlich an den Folgen eines Unfalls, den er ein halbes Jahr zuvor erlitten hatte, als ihm im Stadtpalast seines Gönners – zufällig? – ein Balken auf den Kopf fiel. Diesen Abenteurer und Fantasten machte also Edmond Rostand in seinem Versdrama zur Titelfigur und verlieh seinem Charakter noch eine weitere Dimension. Er schildert Cyrano nicht nur als mutigen und draufgängerischen Musketier, sondern auch als gefühlvollen, schüchternen Poeten, der lebenslang an seinem äußeren Makel, seiner langen Nase, leidet. Sein Äußeres hindert Cyrano daran, der schönen Roxane seine Liebe zu gestehen. Stattdessen verhilft er seinem Freund Christian de Neuvillette, der ebenfalls in das Mädchen verliebt ist, zum Liebesglück: Als Ghostwriter schreibt Cyrano in Christians Namen kunstvolle Liebesbriefe an Roxane. Erst Jahre später kommt die Wahrheit ans Licht – doch da ist es zu spät …


BAROCKES WELTTHEATER Im Laufe der Jahre diente dieses tragische Liebesdrama oft als Vorlage für Film- oder Bühnenadaptionen. Mit seinem Vorhaben, aus Rostands Stück ein Handlungsballett zu entwerfen, hat sich Ballettdirektor Goyo Montero vor zwei Jahren einer besonderen Herausforderung gestellt. Es galt, ein Theaterstück in eine Choreographie umzusetzen, in dem der Sprache zwei Bedeutungsebenen zukommen: Zum einen wird durch Sprache die äußere Handlung des Stücks erzählt, zum anderen aber auch die Gefühlswelt Cyranos geschildert, die sich vor allem in seinen Liebesbriefen offenbart. Gelungen ist Goyo Montero die Umsetzung des Dramas in Tanz durch eine ausdifferenzierte Erzählweise, die sich auf die inneren Vorgänge Cyranos konzentriert und die Handlung aus dessen subjektiver Wahrnehmung schildert. Monteros Musikauswahl unterstützt dabei diese Dramaturgie. Die Sounddesigns des kanadischen Klangkünstlers Owen Bel-

ton untermalen die Darstellung der Gefühls- und Gedankenwelt Cyranos. Ausschnitte aus Opern des französischen Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau dienen ferner dazu, die Welt, durch die sich Cyrano Briefe schreibend und Degen schwingend bewegt, klanglich zu porträtieren. Als starken Kontrast zu Rameaus Barockkompositionen verwendet Goyo Montero schließlich das enigmatische Werk „The Unanswered Question“ von Charles Yves aus dem Jahr 1906 zur Vervollständigung seiner einzigartigen „Cyrano“-Partitur. So erzählt Goyo Montero in „Cyrano“ eine opulente Geschichte über Begehren, Zweifel und Selbstbehauptung und lässt eine Art barockes Welttheater entstehen, in der Sprache und Musik mit zeitgenössischem Tanz verschmelzen. Eindrucksvoll in Szene gesetzt wird das Geschehen mittels eines innovativen Bühnenkonzepts unter Einbeziehung des Bild- und Grafikdesigners Oliver Schuck.

Christina Schmidl

WIEDERAUFNAHME

: 04. FEBRUAR 2017, 19.30 UHR, OPERNHAUS

CYRANO   Tanzstück von Goyo Montero Nach dem Drama von Edmond Rostand; Musik von Jean-Philippe Rameau, Charles Ives und Owen Belton Musikalische Leitung: Gábor Káli Choreographie und Inszenierung: Goyo Montero Bühne: Eva Adler, Goyo Montero Kostüme: Angelo Alberto, Goyo Montero Lichtdesign: Olaf Lundt, Goyo Montero Bild- und Grafikdesign: Oliver Schuck Dramaturgie: Sonja Westerbeck

Staatstheater Nürnberg Ballett Gesang: Margarita Vilsone*; Staatsphilharmonie Nürnberg *

 Internationales Opernstudio Nürnberg

WEITERE VORSTELLUNGEN: 11., 17., 19., 25.02.; 03., 05., 17., 25., 31.03.2017 (zum letzten Mal)

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BALLETT

: KUNSTFÖRDERPREIS

ETWAS MAGISCHES PREISTRÄGERIN SAYAKA KADO IM GESPRÄCH Seit 1965 vergibt das Bayerische Staatsministerium jährlich den Bayerischen Kunstförderpreis an junge Künstler*innen, die in Bayern leben und arbeiten. In den letzten Jahren gingen dabei auch immer wieder Preise an Ensemblemitglieder des Staatstheater Nürnberg Ballett: Jaione Zabala, Marina Miguélez, Saúl Vega und Max Zachrisson. Seit November 2016 ist die japanische Balletttänzerin Sayaka Kado das fünfte Compagniemitglied, das sich seit Beginn der Arbeit von Ballettdirektor Goyo Montero in Nürnberg in diese Riege einreihen kann und mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet wurde. Neben ihrer exzellenten Technik lobte die Jury des Kunstförderpreises ihre expressive, berührende Darstellung und Wandlungsfähigkeit, mit denen sie jeder Rolle eine einzigartige Tiefe verleihe. Seit Monteros erster Spielzeit 2008/2009 am Staatstheater Nürnberg ist die 28-Jährige Mitglied seines Ballettensembles und stand in zahlreichen Rollen und Choreographien auf der Bühne des Opernhauses. Im Jahr 2014 wurde sie für ihre Rolle in „Cinderella“ für den deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie „Beste Tänzerin“ nominiert. Ballettdramaturgin Christina Schmidl sprach mit Sayaka Kado über die Ehrung durch den Freistaat und die intensive Zusammenarbeit mit Nürnbergs Ballettdirektor.

Was bedeutet Dir die Auszeichnung?

Du bist seit der Spielzeit 2008/2009 in Nürnberg engagiert und hast inzwischen in zahlreichen Produktionen getanzt, in Choreographien von Goyo Montero und von Gastchoreographen. Gibt es ein Lieblingsstück oder eine -partie?

Sayaka Kado: Ich fühle mich sehr geehrt. Der Preis zeigt mir, dass die Menschen in meinem Umfeld sich für mich interessieren, mich unterstützen und Vertrauen in mich gesetzt haben. Ich freue mich auch, dass schon andere Tänzerinnen und Tänzer S. K.: Das ist schwer zu sagen, denn mir hat unserer Compagnie hier in Nürnberg diesen Preis alles, was ich bisher hier getanzt habe, sehr viel bekommen haben. Das ist großartig, denn es zeigt, Spaß gemacht. Jede Figur, jede Choreographie, jeder dass wir am Staatstheater gemeinsam wirklich Stil verlangt etwas anderes von mir und mir ist es etwas Tolles schaffen. Aubis jetzt immer gelungen, ßerdem ist es schön, dass für alles eine Liebe zu entder Kunstförderpreis ein wickeln. Und wenn ich in Preis ist, der von der Reeinem Stück nicht stän» MIR IST ES GELUNGEN, gierung vergeben wird. Das dig beschäftigt bin, dann FÜR ALLES EINE LIEBE ist nämlich etwas, was in macht es mir unglaublich meinem Heimatland Japan viel Spaß, meine Kollegen ZU ENTWICKELN « nicht so häufig vorkommt. in Aktion zu beobachten. Dort wird Kunst nicht in Dazu hatte ich in der letzdiesem Umfang wie in ten Spielzeit in „Latent“ Deutschland geförder t. die Gelegenheit. Ich hatte Ich möchte an dieser Stelle auch die Gelegenheit neben meinen tänzerischen Aufgaben darin die Zeit, nutzen, um mich zu bedanken. Auch bei den Mendie anderen zu beobachten und zu ergründen, wie schen, die man normalerweise nicht auf der Bühne das Stück funktioniert. Und natürlich war „Cindesieht. In jeder Produktion steckt so viel Arbeit, von rella“ eine wichtige Produktion für mich. Ich habe der die Zuschauer, aber auch wir Tänzer oft nichts im Entwicklungsprozess mit Goyo 200% gegeben oder nur wenig mitbekommen. Ich versuche, das und musste sehr viel darüber nachdenken, wie ich nicht zu vergessen: Danke an alle! seine Vorstellungen umsetzen kann, wie ich auf der

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KUNSTFÖRDERPREIS

: BALLETT

Bühne zu Cinderella werden kann. Alle haben mich dabei immer sehr unterstützt und das Ergebnis war toll. Die Arbeit zu „Minus 16“ von Ohad Naharin war übrigens auch eine tolle Erfahrung, weil die Herangehensweise an das Stück und die körperliche Arbeit mit seiner Trainingsmethode „Gaga“ noch einmal ganz anders waren. Generell tanze ich im Übrigen gerne Pas de deux, vor allem, weil Goyo sie immer so wunderbar choreographiert. Es ist für Außenstehende schwer zu beschreiben, aber die Verbindung, die man zu seinem Tanzpartner aufbaut und während des Tanzens spürt, ist etwas Wundervolles, Magisches. Ein Phänomen ...

Gibt es Choreographien, die Du gerne einmal tanzen würdest? S. K.: Ich mag die Stücke von Jiří Kylián sehr: „Gods and Dogs“ würde ich gerne tanzen, bevor ich aufhöre. Obwohl ich es nur auf der Leinwand bei einer Kinoübertragung gesehen habe, hat mich auch das Stück „Shoot the moon“ von Paul Lightfoot und Sol León sehr berührt. Ich schaue gerne Vorstellungen von anderen Compagnien zur Inspiration an, aber ich finde, es gibt doch einen Unterschied zwischen dem, was ich gerne ansehe, und dem, was ich dann auch selbst gut tanzen kann.

Wie bist Du eigentlich zum Tanzen gekommen? S. K.: Meine beste Freundin im Kindergarten lernte Ballett. Unsere Mütter waren befreundet und daher hat mich meine Mutter, ohne mich zu fragen, auch im Ballettstudio angemeldet, in das meine Freundin gegangen ist. Weil ich zu meiner Mutter nicht nein sagen konnte, bin ich hingegangen. Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, ob mir das Training am Anfang gefallen hat oder nicht. Auf jeden Fall habe ich mich mit der Zeit richtig ins Tanzen verliebt. Also, vielen Dank an meine Mutter!

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Fotos von Scozzis Inszenierung aus Toulouse

ITALIENISCHES TEMPERAMENT FÜR ORIENTALISCHEN HAREM LAURA SCOZZI INSZENIERT ROSSINIS „ITALIENERIN“ Sie ist eine Liebeserklärung an das Temperament italienischer Frauen: Gioachino Rossinis komische Oper „Die Italienerin in Algier“. Regisseurin und Choreographin Laura Scozzi, in Nürnberg durch ihre Inszenierungen von „Benvenuto Cellini“, „Die Zauberflöte“, „Die Reise nach Reims“, „Orpheus in der Unterwelt“ und „Les Indes galantes“ bestens bekannt, hat das Stück bereits im vergangenen Mai in Toulouse herausgebracht. Nun wird ihre Regiearbeit neu mit dem Ensemble des Staatstheater Nürnberg einstudiert. Was tun, wenn einem die Ehefrau gehörig auf die Nerven geht? – Für Mustafà, den Bey von Algier, liegt die Lösung auf der Hand: Man sucht sich einfach eine neue, allerdings nicht irgendeine! Langweilige Frauen gibt es im heimischen Harem genug, für ein abwechslungsreiches und spannendes Liebesleben soll eine selbstbewusste und temperamentvolle Italienerin sorgen. Gefunden ist sie schnell, denn Mustafà hat bereits Übung darin, Ausländer in seinen orientalischen Palast zu verschleppen. Und daher trifft die Italienerin Isabella dort mit Lindoro, dem Lieblingssklaven Mustafàs, nicht nur einen Landsmann, sondern auch ihren verschollen geglaubten Geliebten wieder. Gemeinsam schmieden Isabella und Lindoro schließlich einen raffinierten Plan zur Flucht aus Mustafàs Palast und dafür passt es vortrefflich, dass Isabella ihren orientalischen Verehrer mit Leichtigkeit um den Finger wickeln kann.

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VIRTUOSE PARTITUR 1813 komponierte der damals 21-jährige Rossini „Die Italienerin in Algier“ für das Teatro San Benedetto in Venedig – und benötigte dafür angeblich weniger als einen Monat. Als Handlungsvorlage verwendete er ein Libretto von Angelo Anelli, das bereits fünf Jahre zuvor von Luigi Mosca vertont worden war. Die komödiantische Handlung des Stückes mit ihrer Situationskomik und ihrem sprühendem Witz inspirierte Rossini dabei zu einer mitreißenden Partitur, die durch ihre Mischung aus Virtuosität und lyrischer Empfindsamkeit besticht. Musikalische Höhepunkte des Werks sind vor allem die pulsierenden Finali, die einen regelrechten Sog entfalten, der sowohl die Figuren der Oper als auch das Publikum in einen Strudel der Leidenschaften und Gefühlsverwirrungen zieht. Die Uraufführung des Werkes am 22. Mai 1813 war ein überwältigender Erfolg für den jungen Komponisten, der verblüfft feststellte: „Ich dachte, die Venezianer würden mich für verrückt halten, nachdem sie meine Oper gehört hatten. Es stellt sich aber heraus, dass sie noch verrückter sind als ich.“ TRÄUME VON TAUSEND UND EINER NACHT Mit der Wahl des Librettos und seiner Handlung von der Flucht eines europäischen Liebespaares aus einem orientalischen Palast – Mozarts „Entführung aus dem Serail“ lässt grüßen – knüpfte Rossini an die Tradition der sogenannten Türkenoper an. Diese erfreute sich vor allem im 18. Jahrhundert großer Beliebtheit und brachte – ohne groß zwischen


DIE ITALIENERIN IN ALGIER

: OPER

Türken, Arabern, Persern oder Nordafrikanern zu differenzieren – orientalisches Flair auf die Bühnen Europas. Dabei spiegelt dieses Operngenre einen Trend wider, der die Künste und das gesellschaftliche Leben des 18. Jahrhunderts prägte und weit in das 19. Jahrhundert anhielt: die Begeisterung der Europäer für den Orient. Bereits im Mittelalter bewunderte Europa Künste und Wissenschaften des Orients, Aufklärer wie Voltaire oder Lessing zeichneten später das Bild des edlen Muslims und der Konsum von importierten arabischen Luxusgütern wie Gewürzen, Düften, Kaffee oder Tabak nahm stetig zu. Ab 1798 steigerte Napoleons ÄgyptenFeldzug zusätzlich das europäische Orient-Fieber. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die orientalische Märchensammlung „Tausendundeine Nacht“ mit der Übersetzung ins Französische durch Antoine Galland zum Inbegriff der Orienteuphorie und zum Synonym für orientalische Kultur. Die geheimnisvollen Erzählungen evozieren ein schillerndes Bild vom Morgenland als Heimat märchenhaften Reichtums. Dass es sich dabei um eine Fantasiewelt handelte, störte den europäischen Leser wenig, denn das exotische Milieu bot Inspiration zur Selbstinszenierung und eine geeignete Projektionsfläche für (geheime sexuelle) Sehnsüchte und Wünsche. Im in Liebesdingen freizügigen 18. Jahrhundert diente das Haremsthema beispielsweise als erotische Selbstinszenierung und ‚Sultan und Haremsdame‘ waren bei höfischen Maskenbällen beliebte Verkleidungen. Im 19. Jahrhundert hatte dann besonders die erotische Orient- bzw. Haremsmalerei Hochkonjunktur – der gewandelten, nun prüden Sexualmoral geschuldet, waren die Bilder Flucht- und Projektionsmittel für unterdrückte Männerfantasien. Häufig sind auf diesen Frauenporträts Odalisken abgebildet, hellhäutige Konkubinen, die zumeist aus dem Kaukasus stammten. Eine solche ausländische Sklavin soll auch Vorlage für die Figur der Isabella im Libretto zu Rossinis Oper gewesen sein. Roxelane wurde von Krimtataren geraubt und aus ihrer russischen Heimat nach Istanbul als Sklavin verkauft. Dort gelangte sie in den Harem des osmanischen Sultans Süleyman I. und wurde später seine Lieblingsfrau. Womöglich gibt es jedoch noch ein zweites Rollenvorbild für Isabella. Als Librettist Angelo Anelli 1808 das Libretto verfasste, konnte die Mailänderin Antonietta Suini aus ihrer Gefangenschaft beim Bey von Algier befreit werden, in die sie drei Jahre zuvor geraten war, als nordafrikanische Korsaren das Schiff, mit dem sie reiste, gekapert hatten. Angeblich sorgte die erste Frau des Beys für Suinis Freilassung, weil sie ihre führende Position im Harem gefährdet sah.

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GESELLSCHAFTSKRITISCH UND BUNT Mit Rossinis „Italienerin in Algier“ zeigt das Staatstheater in dieser Spielzeit nach der Wiederaufnahme von „Benvenuto Cellini“ eine weitere Regiearbeit von Laura Scozzi, die in Koproduktion mit dem Théâtre du Capitole in Toulouse entstand und dort im Mai 2016 Premiere feierte. Die Regisseurin und Choreographin – deren „Zauberflöte“ in einem Skigebiet spielt, die in „Benvenuto Cellini“ ihre Figuren keinen römischen Karneval feiern, sondern bei einer Casting-Show das Supertalent wählen lässt und die in „Les Indes galantes“ die Amoretten mit der Airline „Eden Voyage“ auf Weltreise schickt – ist dafür bekannt, die Handlung der Stücke gesellschaftskritisch und schlüssig in einem neuen und phantasievoll-bunten Kontext zu erzählen. Ihre Inszenierung der „Italienerin in Algier“ analysiert in erster Linie auf humorvolle Art die Beziehungs- und Machtverhältnisse zwischen einer selbstbewussten und emanzipierten Frau und einem machohaften Mann; das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Kulturen, von Orient und Okzident spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ist ihr Konzept ein Blick in die Zukunft und zeigt eine „verkehrte Welt“: Schon lange ist Europa kein Zufluchtsort für Flüchtlinge und Arbeitsmigranten mehr. Stattdessen müssen die Europäer aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage in Europa ihr Glück in der Ferne suchen. So gelangt der Italiener Lindoro per Boot über das Mittelmeer nach Algerien, wo Mustafà, ein einflussreicher Politiker und Lebemann, die Not der Europäer ausnutzt. Er nimmt ihnen die Pässe ab und lässt sie als rechtlose Arbeiter für sich schuften. Währenddessen vergnügt er sich mit seinen Gespielinnen – bis Isabella, Lindoros Geliebte, in Algier auftaucht. Sie möchte Mustafà gerne als neue Trophäe in seinen Harem eingliedern …

Christina Schmidl PREMIERE

: 21. JANUAR 2017, 19.30 UHR, OPERNHAUS

DIE ITALIENERIN IN ALGIER  

L‘ITALIANA IN ALGERI 

Gioacchino Rossini KOMISCHE OPER IN ZWEI AKTEN

Text von Angelo Anelli, nach seinem Libretto für das gleichnamige Dramma giocoso von Luigi Mosca In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln; Koproduktion mit dem Théâtre du Capitole Toulouse Musikalische Leitung: Guido Johannes Rumstadt Inszenierung: Laura Scozzi Bühne: Natacha Le Guen de Kerneizon Kostüme: Tal Shacham Chor: Tarmo Vaask Dramaturgie: Christina Schmidl Mit: Ida Aldrian (Isabella), Irina Maltseva* (Zulima), Ina Yoshikawa (Elvira);

Levent Bakirci (Taddeo), Marcell Bakonyi (Mustafà), Martin Platz (Lindoro), Wonyong Kang* (Haly) Chor des Staatstheater Nürnberg, Staatsphilharmonie Nürnberg Mit freundlicher Unterstützung des Damenclub zur Förderung der Oper Nürnberg e.V. *

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OPER AKTUELL DIE ITALIENERIN IN ALGIER Einführungssoiree mit dem Leitungsteam am 16. Januar 2017, 18.00 Uhr, Gluck-Saal WEITERE VORSTELLUNGEN: 24., 28.01.; 01., 05., 12., 26.02.; 28.03.; 01., 15., 17., 23.04.2017 (zum letzten Mal)

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Über 100 Jahre Tradition, moderne Medizin und Patientenfürsorge im Herzen Nürnbergs Klinik Hallerwiese und Cnopf´sche Kinderklinik Die Fachgebiete der Klinik Hallerwiese: Allgemein- und Viszeralchirurgie Anästhesie und Intensivmedizin Geburtshilfe und Pränatalmedizin Gynäkologie und onkologische Gynäkologie Innere Medizin mit Notfallambulanz Die Fachgebiete der Cnopf´schen Kinderklinik: Kinderanästhesie Kinderchirurgie und -urologie Kinder- und Jugendheilkunde Kinderorthopädische Chirurgie Neonatologie und Kinder-Intensivmedizin

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ANGST VOR DEM ABSTIEG ALBAN BERGS „WOZZECK“ IM OPERNHAUS Ein Mensch dreht durch. Wozzeck verdient sein Geld, indem er den sadistischen Hauptmann bedient. Er stellt seinen Körper für medizinische Experimente zur Verfügung. Das Geld dafür bekommt Marie. Mit ihr hat er ein Kind, aber sie hat nur noch Augen für den Tambourmajor. Wozzeck hetzt durch die Welt, aber die Welt wird immer enger für ihn. Er fühlt den Boden unter sich schwanken. Irgendwann kann er nicht mehr. Er tötet Marie.

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WOZZECK

GESELLSCHAFTLICHER DRUCK Alban Bergs Oper „Wozzeck“ wurde 1925 uraufgeführt und ist bis heute ein Schlüsselwerk der Oper des 20. Jahrhunderts. Nun wird die Oper nach dem Drama von Georg Büchner von Dirigent Gábor Káli und Regisseur Georg Schmiedleitner gemeinsam mit Stefan Brandtmayr und Alfred Mayerhofer am Opernhaus neu einstudiert. Für Georg Schmiedleitner, der zuletzt im Opernhaus Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ gestemmt und im Schauspielhaus Tennessee Williams’ „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ inszeniert hat, ist „Wozzeck“ ein absolutes Wunschstück. Sowohl Büchners Drama als auch die moderne Fassung mit Musik von Tom Waits hat er bereits inszeniert. In Bergs Oper verknüpft sich für ihn die Beschäftigung mit der Figur des Soldaten Wozeck mit der Erfahrung von Musikdramen und der Sprache des Orchesters, mit der Berg letztlich an Wagners Musikdrama anknüpft. Schmiedleitner interessiert sich nicht so sehr für die Sozialstudie „Wozzeck“, auch wenn Berg den Ausruf „Wir arme Leut‘“ durch die ganze Partitur zieht. Ihn interessiert der gesellschaftliche Druck, der auf Menschen von heute lastet; die Angst, abgehängt zu werden, abzusteigen; der Zwang zur sozialen Performance, zu Statussymbolen, zu Leistung, Flexibilität und Erfolg. Es sind die Sorgen Mittelklasse, die heute mehr denn je Angst vor dem sozialen Abstieg hat, weil sie weiß: Wer seine geforderte Leistung nicht mehr erbringt, wer seine Kredite nicht bedienen kann, auf den wartet der Abstieg ins Prekariat. Für Schmiedleitner ist „Wozzeck“ genau darum aktuell, weil das Stück zeigt, wie die Anforderungen an Menschen steigen, bis der einzelne Mensch dem Druck nicht mehr standhält. Dass die Verzweiflung der Abgehängten oder solcher, die es zu sein drohen, längst Wahlen entscheidet und politische Systeme verändert, sehen wir gerade auf der ganzen Welt. EIN KLASSIKER DER MODERNE Als Alban Berg 1913 beschloss, aus Georg Büchners „Wozzeck“-Drama eine Oper zu machen, lag die Aktualität des Stückes an ganz anderen Themen. Berg war begeistert von der Modernität der Szenen, die wie ein Vorausahnen des Expressionismus wirkten. Und spätestens mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebten hunderttausende Europäer, was es heißt, dem Militär und seinen Zwangsmechanismen, ausgeliefert zu sein. Dass „Wozzeck“ heute ein Klassiker der

: OPER

modernen Oper ist, liegt aber vor allem daran, dass Berg ganz bewusst an die Tradition der Oper anknüpft. Das beginnt mit der Einteilung von Büchners Drama in drei Akte, mit der Verwendung von musikalischen Formen wie Wiegenlied, Militärmarsch, Volksliedern oder Heurigenmusik in der Schenkenszene und endet mit harmonischen Bezügen zwischen den Akten und einem ganzen System von Leitmotiven. Alban Bergs Verehrung für die Sinfonien Gustav Mahlers, vor allem für die militärische Sechste Sinfonie und die Neunte,

» DIE VERZWEIFLUNG DER  ›ABGEHÄNGTEN‹ ENTSCHEIDET WAHLEN« ist ebenso deutlich zu hören wie der Einfluss von Richard Strauss‘ „Salome“, deren Uraufführung 1905 zur Zeit der Komposition erst wenige Jahre zurücklag. Obwohl Bergs freitonale Musik für den heutigen Hörer immer noch modern wirkt, erschließt sich die Musik unmittelbar und emotional. Die „Wozzeck“-Partitur ist ein großer expressiver Aufschrei, gipfelnd in dem Ton h, den das Orchester unmittelbar nach Wozzecks Mord an Marie einstimmig anschwellen lässt. SINGEN, SPRECHEN UND ANDERES Gegenüber der Oper des 19. Jahrhunderts hat Berg die Kunst des Gesangs auf bis dahin unerhörte Weise differenziert. In „Wozzeck“ wird gesungen, gesprochen, sprechend gesungen, auf bestimmten Tonhöhen gesprochen und vieles mehr. Dirigent Gábor Káli weiß, dass Bergs Partitur ihren Reiz nur entfaltet, wenn diese Nuancen genau eingehalten werden. So atonal die Musik daherkommt: Wenn ein Sänger sie genau beherrscht, werden die Phrasen plötzlich sehr melodisch. Bis heute ist „Wozzeck“ eine Herausforderung für ein Ensemble, dem sich die Sänger*innen des Staatstheater Nürnberg bereits seit mehreren Monaten stellen. Allen voran Kammersänger Jochen Kupfer, der zum ersten Mal die Partie des Wozzeck singt. Kupfer, seit vielen Jahren Publikumsliebling am Staatstheater Nürnberg, stand hier in den letzten Jahren in allen wichtigen Rollen des Kavaliersbaritonfaches auf der Bühne. Gerade seine Erfahrung mit Lied und Oratorium lässt Spannendes in der Gestaltung der „Wozzeck“-Rolle

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OPER

: WOZZECK

erwarten. An seiner Seite stellt sich Katrin Adel als Marie vor. Die geborene Nürnbergerin ist seit dieser Spielzeit neu im Ensemble des Staatstheaters, wo sie bereits als Mutter in „Hänsel und Gretel“ zu erleben war. Ilker Arcayürek ist Wozzecks Kamerad Andres, Tilmann Unger der eitle Tambourmajor, Hans Kittelmann der Hauptmann, Jens Waldig der verstiegene Doktor und Irmgard Vilsmaier ist als Maries Nachbarin Margret zu erleben. In den Rollen der beiden Handwerksburschen sind Wonyong Kang und Petro Ostapenko aus dem Internationalen Opernstudio zu hören.

WOYZECK ODER WOZZECK? Übrigens: Wer schon immer wissen wollte, warum Büchners Drama „Woyzeck“ heißt, die Oper aber „Wozzeck“, dem müssen wir leider eine sehr einfache Erklärung mitgeben: Die Fragmente mit den „Woyzeck“-Szenen in Büchners Nachlass waren so schwer lesbar, dass das Stück zu Anfang gar nicht entziffert werden konnte. Nachdem die Blätter um 1870 mit einer chemischen Bearbeitung wieder lesbar gemacht wurden, veröffentlichte Karl Erich Franzos die erste Ausgabe – und entzifferte den Namen der Titelfigur als Wozzeck. Alban Berg lernte das Stück unter diesem Titel kennen, und obwohl er später von dem Lesefehler erfuhr, blieb er bei dem ihm vertrauten „Wozzeck“.

Kai Weßler PREMIERE

: 18. FEBRUAR 2017, 19.30 UHR, OPERNHAUS

WOZZECK   Alban Berg OPER IN DREI AKTEN (15 SZENEN)

Text nach dem Drama „Woyzeck“ von Georg Büchner In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln Musikalische Leitung: Gábor Káli Inszenierung: Georg Schmiedleitner Bühne: Stefan Brandtmayr Kostüme: Alfred Mayerhofer Chor: Tarmo Vaask Dramaturgie: Kai Weßler Mit: Katrin Adel (Marie), Irmgard Vilsmaier (Margret); llker Arcayürek (Andres), Wonyong Kang*

(1. Handwerksbursch), Hans Kittelmann (Hauptmann), Jochen Kupfer (Wozzeck), Petro Ostapenko* (2. Handwerksbursch), Tilmann Unger (Tambourmajor), Jens Waldig (Doktor) Chor des Staatstheater Nürnberg, Staatsphilharmonie Nürnberg, jungerChor nürnberg Mit freundlicher Unterstützung des Damenclub zur Förderung der Oper Nürnberg e.V. *

 Internationales Opernstudio Nürnberg

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OPER AKTUELL WOZZECK Einführungssoiree mit dem Leitungsteam am 13. Februar 2017, 18.00 Uhr, Gluck-Saal WEITERE VORSTELLUNGEN: 21.02.; 02., 06., 29.03.; 02.04.2017 (zum letzten Mal)

> bis zu 6 Personen (max. 2 ab 18 Jahre) > Mitnahme ganztags > Fahrräder anstelle von Personen > 1 Hund > Tag oder Wochenende gültig > auch erhältlich im VGN Onlineshop unter shop.vgn.de

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DAS RHEINGOLD

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Oper von Richard Wagner WIEDERAUFNAHME: 04. März 2017 Weitere Termine: 12.03.2017

DIE WALKÜRE Oper von Richard Wagner WIEDERAUFNAHME: 19. März 2017 Weitere Termine: 26.03.2017

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LIEBE IST DIE WAHRE MAGIE DIE KINDEROPER „ARMIDE ODER ZICKENKRIEG IM ZAUBERREICH“ IN DEN KAMMERSPIELEN Die Zauberin Armide hat sich darauf spezialisiert, Menschen aus purer Langeweile in Schweine zu verwandeln. Darin zeigt sie ihre Macht über Menschen – und will für diese Schweinerei auch noch als große Magierin gefeiert werden! Der junge Christoph, der ahnungslos in den Zauberwald der Armide gerät, muss als Exempel für Liebe und Zauberei herhalten: „Horcus porcus“, und schon ist ein junger Mann in Liebe entbrannt und sieht Armide buchstäblich durch die rosarote Brille. Die Fee Lully kann sich über diese machtgierige Zauberin nur empören: Die wahre Kunst des Zauberns liegt doch nicht im bloßen Verwandeln von Dingen, sondern im Bezaubern von Menschen! Gemeinsam mit Christophs Freundin Marianne, dem Wurzelzwerg Willibald und nicht zuletzt mit dem Publikum gelingt es, Christoph wieder aus den Händen Armides zu befreien ... „Armide oder Zickenkrieg im Zauberreich“ ist eine große Oper für kleine Leute, die alles hat, was eine Oper braucht: Eine böse Zauberin, ein Liebespaar, Arien, Duette und Terzette. Die Musik basiert auf Christoph Willibald Glucks Opern „Armide“ und „Die Pilger von Mekka“, mit neuen Texten und einer Handlung voller Humor, die die kleinen und großen Zuschauer*innen in die Welt der Oper führt.

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KINDEROPER

: U18 PLUS

Autor und Autorin unserer Kinderoper, Wiebke Hetmanek und Johann Casimir Eule, verbinden den Armide-Stoff mit der Sagenfi gur der Circe der Odysseus-Sage, die alle Männer in Schweine verwandelt. Die Bearbeitung zeigt Armide und ihre „Freundin“, die Fee Lully, auf einer Insel, auf der durch Armides Zauberei nur noch Schweine und der in einen Wurzelzwerg verwandelte Willibald hausen. In diese Welt aus Zauberwesen kommen zwei Menschen, der junge Christoph und seine Freundin Marianne (Gluck und seine Ehefrau haben hier Namenspate gestanden), die als Zuschauer in die fiktive Welt hineingezogen werden. Solidarität und Teamgeist brechen am Ende den Zauber der biestigen Armide. Liebe als Regung des Herzens ist eine Magie der eigenen Art. Sie setzt voraus, dass sich zwei Menschen auf Augenhöhe treffen, um in der Liebe die Grenzen der eigenen Individualität zugleich zu bestätigen und zu überwinden. Und diese wahre Liebe löst so die schwarze Magie der Zauberin ab. „Liebe ist die wahre Magie“, singen die befreiten Paare, und da ist für die gestürzte Zauberin kein Platz mehr. Zur pathetischen Musik von Glucks „Armide“ dankt die Magierin ab. „Vielleicht findet ja Armide auch mal noch einen Freund“, meinte ein kleiner Zuschauer nach der Premiere 2012. Tja, vielleicht in einer anderen Oper ...

Kai Weßler

WIEDERAUFNAHME: 15. JANUAR 2017, 17.00 UHR, KAMMERSPIELE

ARMIDE ODER ZICKENKRIEG IM ZAUBERREICH KINDEROPER NACH CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK

Von Wiebke Hetmanek und Johann Casimir Eule, Bearbeitung für Kammerorchester von Samuel Bächli Für Kinder im Grundschulalter Musikalische Leitung: Neil Valenta Inszenierung: Ulrich Proschka Ausstattung: Christine Knoll Dramaturgie: Kai Weßler Mit: Rafaela Fernandes** / Annette Constanze Kroll / Theresa Steinbach** (Armide, Zauberin), Laura

Demjan / Franziska Zwink** (Lully, eine Fee), Cheng-Hsun Lin** / Petro Ostapenko* (Willibald Wurzelzwerg), Moritz Kugler / Yongseung Song* (Christoph), Irina Maltseva */ Susanne Veith** (Marianne, seine Freundin); Staatsphilharmonie Nürnberg; Orchesterakademie *

Mitglied des Internationalen Opernstudios Nürnberg

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Studierende der Hochschule für Musik Nürnberg

In Zusammenarbeit mit Mit freundlicher Unterstützung von

WEITERE FAMILIENVORSTELLUNGEN: 15., 28., 29.01.; 05.03.; 30.04.2017 (zum letzten Mal)

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OPER

: ERZÄHLKONZERT

KNUSPER, KNUSPER, KNÄUSCHEN… ERZÄHLKONZERTE VERZAUBERN DIE KLEINSTEN ZUHÖRER*INNEN MIT DEN MELODIEN AUS „HÄNSEL UND GRETEL“ Engelbert Humperdinck hat mit seiner Oper „Hänsel und Gretel“ im Jahr 1893 einen Klassiker erschaffen, der uns bis heute fasziniert. Während Humperdinck für die Oper einige bekannte Volkslieder der damaligen Zeit vertonte, wie „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh“ und „Ein Männlein steht im Walde“, sind andere Melodien aus der Oper erst im Nachhinein zu Volksliedern geworden, wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“ und der berühmte Abendsegen. Für manch kleinen Besucher bei uns im Opernhaus ist die Opernversion des uralten Märchens dann doch etwas zu lang – zwei Stunden stillsitzen muss erst geübt werden. Deshalb hat sich die Staatsphilharmonie Nürnberg in diesem Jahr eine kurzweiligere Variante überlegt, um den Kindergartenkindern und Erstklässler*innen das Märchen und die wunderbare Musik nahe zu bringen. Im Erzählkonzert Mitte Dezember erklangen die Melodien nun in einer frischen Bläserquintett-Version. Alice Morzenti (Flöte), Ralf-Jörn Köster (Oboe), Nicole SpuhlerClemens (Klarinette), Wolfgang Peßler (Fagott) und Stefan Schaller (Horn) nahmen die Kinder mit auf die Reise in den Märchenwald, erzählt wurde die Geschichte von Musiktheaterpädagogin Marina Pilhofer. Gespannt lauschten die Kleinen der Geschichte von den beiden armen Kindern, die sich im Wald verirren und auf die böse Hexe treffen. Deren Knusperhaus aus leckerem Lebkuchen entpuppt sich leider als fiese Falle, um Kinder anzulocken. Aber – wie es sich für ein gutes Märchen gehört – siegt am Ende dann doch das Gute. Groß wurden die Kinderaugen beim markanten Auftritt der Hexe beim „Hexenritt“, bei „Brüderchen, komm tanz mit mir“ sangen sie die erste Strophe mit und so manch kleiner Zuhörer dirigierte mit den Händen leise zur Musik der Staatsphilharmonie. Rund 450 Kindergartenkinder und Erstklässler*innen waren zu Gast bei den sechs vorweihnachtlichen „Hänsel und Gretel“-Vorstellungen im Gluck-Saal des Staatstheaters und spendeten den Musiker*innen reichlich Beifall für das musikalische Märchen.

Marina Pilhofer

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GEORGE KAPLAN

„Wer eineinhalb Stunden intelligent unterhalten werden möchte, der sollte sich diesen ,George Kaplan‘ anschauen.“ Süddeutsche Zeitung

von Frédéric Sonntag ZUM LETZTEN MAL: 22. JANUAR & 04. FEBRUAR 2017

Marc Becker

Meier Müller Schulz Schauspiel - Figuren - Theater

Foto: Berny Meyer

Fr. 03.02.17, Sa. 04.02.17 – 20:30 Uhr So. 05.02.17 – 16:00 Uhr Dauer: 70 Min. Preis (VVK): 14,-/9,- €

Frauentorgraben 73 | 90443 Nürnberg Tel: 0911 - 224388 | www.t-sup.de


SCHAUSPIEL

: TERROR IN DEN KÖPFEN

TERROR IN DEN KÖPFEN „BLACK BOX 149“ VON R. JOHNS IN DER BLUE BOX UND „TERROR“ VON FERDINAND VON SCHIRACH IM SCHAUSPIELHAUS BEFRAGEN DIE ROLLE DES STAATES IN ZEITEN DES TERRORS

Es ist der 20. Dezember 2016. Seit einigen Stunden ist es gewiss: Der Fahrer, dessen Sattelschlepper am Vorabend in den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast war, dort zwölf Menschen tötete und viele schwer verletzte, hatte nicht die Kontrolle über das Fahrzeug verloren – er hatte es gezielt als Waffe eingesetzt. Kein Unfall – ein Terroranschlag. Hier in Deutschland. Entsetzen, Trauer und Angst bestimmen die Bilder und Nachrichten des heutigen Tages. Und doch werden auch erste fragwürdige politische Stimmen hörbar. Unter ihnen Klaus Bouillon (CDU), der verkündet: „Wir müssen konstatieren, wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten.“ Horst Seehofer fordert reflexartig eine Neujustierung der Asylpolitik. Sind das die Anfänge der rechtspopulistischen Vereinnahmung der Ereignisse vom Breitscheidplatz? Vorsicht ist geboten. Denn was wird geschehen, wenn der erste Schock vorüber ist? Wenn etwas Zeit vergangen, die genauen Umstände der Tat endgültig aufgeklärt sind? Werden wir mehr Aussagen hören, wie die von Klaus Bouillon heute Morgen? Wird der Ruf nach verstärkten Sicherheitsvorkehrungen und militärischen Kräften lauter werden? Welche Gesetze werden in nächster Zeit verabschiedet – angeblich zum Schutz der Bürger? Wie viel mehr Geld wird in Überwachung und Geheimdienste gesteckt werden? Und vor allem: Wollen wir das? Was soll der Staat dürfen? Müssen wir nicht Sorge haben, selbst Opfer dieser Maßnahmen zu werden? Zwei Stücke auf dem derzeitigen Spielplan stellen diese Fragen: „Black Box 149“ (R. Johns) und „Terror“ (F. v. Schirach). „BLACK BOX 149“– DER MENSCH ALS OPFER POLITISCHEN KALKÜLS? Der 11. September 2001. Zwei Flugzeuge stürzen fast wie aus dem Nichts in das World Trade Center in New York. Bilder, die sich tief in unser Bewusstsein eingebrannt haben. Ein Tag im Spätsommer und alles ist anders. Eine Tat liefert die Grundlage für eine neue Weltanschauung. Das Gefühl: Die friedlichen Zeiten sind vorbei. Doch die Flugzeuge kamen nicht aus heiterem Himmel, auch wenn uns das unser emotionales Gedächtnis manchmal glauben lässt. Es war nicht erst der 11. September 2001, der den Terror in die westliche Welt brachte. Die politischen Verstrickungen des Westens mit dem Osten und deren drastisches Ungleichgewicht, Einmischung, Bevormundung, Unterdrückung haben einen viel größeren Nährboden,

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TERROR IN DEN KÖPFEN

: SCHAUSPIEL

„Aber stellen sich die Leute vor, dass die Regierung ihr Leben für wertlos hält?“ DER PILOT

sind mit der Geschichte stetig gewachsen, komplexer und unlösbar geworden. Die heutige Welt ist vom Terror verseucht – so die These des Protagonisten in R. Johns „Black Box 149“. Das australische Stück, das in Nürnberg seine Europäische Erstaufführung feiern wird, setzt sich mit einem realen Ereignis aus der Vergangenheit auseinander. Es erzählt die Geschichte des Fluges BA (Britisch Airways) 149, dessen Passagiere am 2. August 1990 Opfer der irakischen Besetzung Kuwaits wurden. Eigentlich war die Maschine gerade im Begriff, Richtung Kuala Lumpur zu starten, als plötzlich der Flughafenbetrieb eingestellt wurde. Die Passagiere des Fluges BA 149 waren von nun an gefangen. Sie wurden Zielscheibe der irakischen Besatzer, verschleppt, als menschliche Schutzschilde missbraucht und gedemütigt. Über viele Monate hinweg. Warum hatte die britische Fluggesellschaft, als einzige in der westlichen Welt, die politische Bedrohung nicht wahrgenommen und ihr Flugzeug in einem Kriegsgebiet landen lassen? Unkenntnis? Oder Kalkül? Wer war an Bord der Maschine? Die Mitglieder einer militärischen Spezialeinheit (SAS), die auf diesem Weg nach Kuwait gelangen sollten, um sich dort dem Widerstand gegen Saddam Hussein anzuschließen? War der Flug für die Regierung also vielleicht tatsächlich eine Art trojanisches Pferd? Der britische Staat dementierte dies immer wieder. Im Jahr 2006 wurde letztmals der Versuch seitens der Betroffenen unternommen, eine umfassende Aufklärung des Falls zu erwirken – keine Antwort. 2007 zeigte die BBC eine Dokumentation, in der ein SAS-Soldat in einem anonymen Interview bestätigt, an Bord von Flug 149 gewesen zu sein ... R. Johns macht aus der wahren Begebenheit des Fluges BA 149 einen spannenden, atmosphärischen Psychothriller. Im Zentrum ihres Stückes stehen der Pilot der Maschine und seine bruchstückhafte Erinnerung an die Erlebnisse in Kuwait. Bei dem Versuch, diese Erinnerungen für seine Tochter Amy im Hier und Jetzt aufzuzeichnen, gerät der Protagonist noch einmal in die albtraumhaften Situationen und Erlebnisse der Vergangenheit. Er stellt sich mit Vehemenz noch einmal die zermürbenden und nicht ruhen wollenden Fragen nach den Ursachen für die schrecklichen Begebenheiten. Wir sehen einen traumatisierten Menschen, in seiner Erinnerung gefangen, in Krieg, Terror und Ohnmacht. Ein Spielball politischen Kalküls. Ein in Kauf genommener Kollateralschaden politischer Machenschaften. Der Pilot weiß zu viel. Er wird verfolgt und sieht sein Ende kommen. Noch einmal wendet er sich an seine Tochter und damit an die junge Generation. Fangt an, die Welt zu hinterfragen, holt die Wahrheit ans Licht, bringt das Verschwiegene zur Sprache und liefert euch bestimmten Machtstrukturen nicht einfach aus, scheint er ihnen zuzuraunen. Ein überlebenswichtiger Appell auch an uns, die Zuschauer*innen.

„Wenn du durch den Regen gehst oder in den Bus steigst. Du kannst dem Terror nicht entkommen. Der Mann, der neben dir sitzt, welche Vorgeschichte hat er? Welchen Terror trägt er in seiner Aktentasche, seinem Rucksack, seinem Herzen? Aber er ist nicht allein. Welche Augen sind auf dich gerichtet? Denn die Frau mit den Paketen auf ihrem Schoß, der Mann im Anzug, der Busfahrer, sie sind alle vom Terror verseucht.“ DER PILOT

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SCHAUSPIEL

: TERROR IN DEN KÖPFEN

„TERROR“ – IN WELCHER GESELLSCHAFT WOLLEN WIR LEBEN? Neben „Black Box 149“ steht auch mit „Terror“, in dieser Spielzeit mit teilweise neuer Besetzung (siehe unten) im Schauspielhaus zu sehen, ein brisanter Theaterabend zur aktuellen politischen Lage auf dem Spielplan. Es ist ein besonderer Abend, denn wie viele bereits wissen: Der Zuschauer ist persönlich dazu aufgefordert, das Urteil im Fall des Lars Koch zu fällen. Zur Rekapitulation: Ein Flugzeug wurde von einem Terroristen entführt. Er will es in die mit 70.000 Menschen vollbesetzte Allianz-Arena vor München stürzen lassen. Der Soldat Lars Koch schießt die Maschine in letzter Minute ab. Die zentrale Frage: Durfte er 164 Passagiere töten, um die Gefahr von 70.000 anderen abzuwenden? Unser Grundgesetz sagt nein: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Kein Leben darf gegen ein anderes aufgewogen werden. 164 Menschenleben sind genau so viel wert wie 70.000 und der Staat darf nicht die kleinere Anzahl opfern, um die größere zu retten. Wie aber verhält sich das Publikum? Kann es diesem Prinzip des Grundgesetzes folgen und Lars Koch verurteilen? Nein. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Im Theater sind in 819 Vorstellungen weltweit mit insgesamt 235.448 Zuschauer*innen 60,2 % der Stimmen (Stand 20.12.16) für Freispruch abgegeben worden. In der Fernsehausstrahlung der ARD waren es nach Information des Senders sogar 86,9 Prozent der, ca. 600.000 an der Abstimmung beteiligten Zuschauer*innen, die den Angeklagten freisprachen. Der Widerspruch ist Teil der Anlage des Stückes: Ferdinand von Schirach lässt das Publikum den individuellen Fall von Lars Koch verfolgen, es sich in die persönliche Entscheidungssituation des Soldaten hineinversetzen. „Er war doch alleingelassen, den Tod so vieler Menschen vor Augen. Hätte ich da anders entschieden?“ „War es nicht doch richtig, so viele Menschen zu retten?“ Das sind Fragen, die die Zuschauer*innen immer wieder bewegen. Obgleich der von Ferdinand von Schirach gesetzte juristische Rahmen vielfach wegen seiner begrifflichen Ungenauigkeit und Vereinfachung kritisiert wurde, geht es am Ende darum, ein juristisches Urteil zu finden. Und das steht eigentlich fest. Aber was ist mit den moralischen Fragen? Und dem Mitgefühl?

„Wenn Sie heute Lars Koch verurteilen, wenn Sie also ein zweifelhaftes Verfassungsprinzip über diesen einzelnen Fall stellen, dann sagen Sie damit, dass wir uns gegen Terroristen nicht wehren dürfen. Aber wir müssen begreifen, dass wir im Krieg sind. Wir haben es uns nicht ausgesucht, aber wir können es nicht ändern. Und Kriege, auch wenn das heute niemand mehr hören will, gibt es nun einmal nicht ohne Opfer. Ich beantrage daher Freispruch.“ VERTEIDIGER

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TERROR IN DEN KÖPFEN

„Die Verfassung verlangt viel von uns, manchmal ist es mehr, als wir glauben ertragen zu können. Aber sie ist klüger als wir, klüger als unsere Gefühle, als unsere Wut und unsere Angst. Nur wenn wir sie, wenn wir ihre Prinzipien, wenn wir die Würde des Menschen immer und überall achten, werden wir in den Zeiten des Terrors als freie Gesellschaft überleben können. Wenn Sie Lars Koch freisprechen, erklären Sie die Würde des Menschen, erklären Sie unsere Verfassung für wertlos.“ DIE STAATSANWÄLTIN

: SCHAUSPIEL

In den Diskussionen, die immer im Anschluss an die Vorstellungen stattfinden, haben wir verschiedene Problematiken des Stückes, widersprüchliche Momente in der Entscheidungsfindung mit dem Publikum immer wieder besprochen. Es gibt wirklich viel zu erörtern. Fest steht aber, dass wir alle meist viel zu sehr in den konkreten Fall vertieft sind und darüber die gesellschaftspolitische Frage nicht erkennen, die sich hinter der realistischen Fassade des Einzelfalls Lars Koch verbirgt, die eigentlich schon der Stücktitel „Terror“ evoziert: Wie prägt uns das gesellschaftliche Klima der Terrorangst? Und welche Gefühle leiten in diesem Zusammenhang unsere Entscheidungen? Müssen wir uns das nicht immer wieder vor Augen führen? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Soll es eine sein, in der die Angst die Gesetze diktiert? Am 19. Dezember 2016 ist der traurige Fall eingetreten – Deutschland ist Ziel eines großen Terroranschlags geworden. Aber dennoch: Die tatsächliche Gefahr, in diesem Land Opfer eines Attentats zu werden, ist nach wie vor gering. Versuchen wir, einen kühlen Kopf zu bewahren, die richtigen Fragen zu stellen und Schlüsse mit Bedacht zu ziehen.

Friederike Engel

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EUROPÄISCHE ERSTAUFFÜHRUNG  18. MÄRZ 2017, 20.15 UHR, BLUEBOX

BLACK BOX 149  R. Johns WEITERE VORSTELLUNG: 22., 30.03.2017

TERROR 

Ferdinand von Schirach

VORSTELLUNGEN: 09., 16., 20., 30.01.; 03., 04., 14., 17.02.; 07., 11., 28.03.2017

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YATES: DER VEREIN HAT DICH ZU BEZAHLEN, NICHT ER. BLEIB SAUBER.

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DER ROTE LÖWE

: SCHAUSPIEL

DER AUFSTIEG DES CLUBS Ein Leben ohne Fußball? – Undenkbar! Für die drei Männer in Patrick Marbers neuestem Stück dreht sich alles um das Runde, das ins Eckige muss. Yates ist Zeugwart eines semiprofessionellen Fußballvereins im Süden Englands. Ihm kann man so schnell nichts vormachen. Wer Talent auf dem Platz hat, erkennt er sofort, denn schließlich war er in jungen Jahren ein echter Profi. Und so nimmt er den jungen Spieler Jordan väterlich unter seine Fittiche, um ihn aufzubauen. Doch auch Kidd, der Trainer des Vereins, hat ein Auge auf den hochtalentierten Jungen geworfen. Mit ihm könnte der Aufstieg des Clubs gelingen und ihn reich machen, man denke nur an die hohen Transfersummen. Das Machtspiel um Karriere, Ruhm und das ganz große Geld beginnt. Die sportliche Fairness ist da nicht immer im Spiel ...

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DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG 25. FEBRUAR 2017, 19.30 UHR, KAMMERSPIELE

DER ROTE LÖWE   Patrick Marber Deutsch von John Birke Inszenierung: Klaus Kusenberg Bühne: Günter Hellweg Mitarbeit Bühne: Birgit Leitzinger Kostüme: Bettina Marx Dramaturgie: Horst Busch Mit: Frederik Bott (Jordan), Frank Damerius (Yates),

Marco Steeger (Kidd)

WEITERE VORSTELLUNGEN: 01., 02., 04., 09., 18., 21., 30.03.2017

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ET JEHT, ET JEHT, ET JEHT „DIE RATTEN“ DES LITERATURNOBELPREISTRÄGERS GERHART HAUPTMANN IM SCHAUSPIELHAUS

Gerhart Hauptmanns (1862-1946) Dramen sind wie Volkslieder, „stark und zart, herb und sentimental“, so die Einschätzung eines Weggefährten. Die am 13. Januar 1911 im Berliner Lessingtheater uraufgeführte Tragikomödie „Die Ratten“ gilt neben „Die Weber“, „Vor Sonnenaufgang“ und „Der Biberpelz“ als Hauptmanns erfolgreichstes Theaterstück: Im Theaterfundus auf dem Dachboden eines Mietshauses des Direktors Harro Hassenreuter gerät der soziale Konflikt außer Kontrolle und Frau John für ihr kleines Familienglück auf die schiefe Bahn. Henriette John lebt im Verborgenen und bald hat sie auch vieles zu verbergen. Sie nimmt das uneheliche Kind des polnischen Dienstmädchens Pauline Piperkarcka als ihr eigenes an. Als Pauline das Kind zurückfordert, kommt es zur Katastrophe. Hauptmanns genialer, dramaturgischer Grund­ einfall ist, dass er die aufbrechenden sozialen Widersprüche der Gesellschaft zwischen Theater-leuten und Bewohnern im Berliner Dialekt in einem Mietshaus aufeinanderprallen lässt. Die Distanz zwischen den sozialen Schichten ist groß und die proletarische Unterschicht (die Johns, Piperkarcka, Bruno, Knobbe, etc.) wird gegen die bürgerliche

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Mittelschicht (Familie Hassenreuter, Erich Spitta) in Stellung gebracht. Hauptmann thematisiert im Kern die Härte der sozialen Konflikte in einer gesellschaftlichen Umbruchsituation. Wie häufig basiert der Stoff seines Dramas auf einer Zeitungsnotiz, hier aus dem Berliner Lokalanzeiger vom 13. Februar 1907. In einem Gerichtsbericht über Elisabeth M., das Urbild der Mutter John, findet Hauptmann das Motiv für sein Drama. Zudem geht das Stück auf persönliche Erfahrungen Hauptmanns um 1885 zurück: Der angehende Schriftsteller nimmt Schauspielunterricht bei Alexander Heßler, einem ehemaligen Theaterdirektor des Straßburger Stadttheaters. Er war ein Vertreter der konservativen klassizistischen Schule und lieferte sich mit seinem Schüler Hauptmann auf dem Dachboden eines Mietshauses in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes heftige Streitgespräche. In eben dieser Konstellation streiten im naturalistischen Drama der Schüler Erich Spitta und sein Schauspiellehrer Harro Hassenreuter über alte und neue Theaterformen und verfolgen mit Interesse die Konflikte der im „echten und engen Elend“ lebenden Unterschicht im Mietshaus.


Die Inszenierung des Berliner Regisseurs Sascha Hawemann nimmt Hauptmanns Querschnitt an Figuren, Denkweisen und Lebenshaltungen in den Blick. Er fragt nach den menschlichen Schicksalen zwischen den beiden Polen „Glaube“ und „Netto“ („nämlich dem, was unter dem Strich am Ende übrig bleibt“). Wie bereits bei seinen Regiearbeiten „Kinder der Sonne/Nachtasyl“ von Maxim Gorki und „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller analysiert Hawemann bildgewaltig und emotional schonungslos die gesellschaftliche Misere und die immer größer werdende Kluft zwischen den sozialen Schichten – 2017 so aktuell wie 1911. HAUPTMANN UND FRANKEN 1891 führte Gerhart Hauptmann eine Studienreise nach Franken. Über seinen Aufenthalt in Nürnberg sind keine Einzelheiten bekannt, nur, dass er das Sebaldusgrab/St. Sebald Kirche bewunderte. Erstaunlich ist, dass Nürnberg Hauptmann zu dem phantastischen Drama „Die Pegnitzweibchen“ anregte, das aber leider Fragment blieb. „Ein Nürnberger Schwank steckt mir im Kopf“, schrieb er am 14. Mai 1906 in einer Tagebuchnotiz. Worum geht es? Professor Semper und der Maler Hans Dahl stehen stark angeheitert auf der Karlsbrücke in Nürnberg. Der Alkohol löst ihre Zungen und macht es möglich, dass sie sich gegenseitig beschimpfen. „Wissen Sie überhaupt, wo Sie hingehören? Nach Berlin! Sie gehören nach Berlin! Jawohl! Uff die Leipziger Straße! Dort können Sie Ihre Vorträge halten, hier nicht! Hier heißt´s Maul halten! Hier reden die Steine!“, und dann begegnen die beiden einem fischschwänzigen Wesen, dem „Pegnitzweibchen“, das aus dem Fluss auftaucht. Der Spuk nimmt seinen Lauf …

DIALEKT-GEWINNSPIEL In Deutschland sprechen noch heute viele Menschen in ihrer eigentlichen Muttersprache, dem Dialekt. Allerdings sind die Unterschiede von Nord nach Süd mitunter so groß, dass Außenstehende nichts mehr verstehen. Wie ist es um Ihre Dialektkenntnisse bestellt? Wenn Sie folgenden Monolog der Frau John aus dem unverwechselbaren Berliner Dialekt ins Fränkische übersetzen, können Sie zwei PREMIERENK ARTEN FÜR „DIE R AT TEN“ am 04.03.2017 gewinnen. Schicken Sie bitte Ihre fränkische Übersetzung bis zum 15.02.2017 zu Händen von Katja Prussas, Schauspieldramaturgin oder

katja.prussas@staatstheater.nuernberg.de FRAU JOHN Pauline, ick ha Brunon mit Sorje un Kummer Tag und Nacht jroßjebracht. Ihr Kindeken hat et noch zwanzigmal besser. Also Pauline, wenn et jeboren is, nehm ick det Kind, un bei meine in Jott vastorbene Eltern, wo ick an Totensonntag immer noch und keen Mensch mich zurückhält nach Rüdersdorf jeh und Lichter uff beede Jräber ansteche: det kleene Wurm soll et madich jut haben, wie et besser keen jeborener Prinz und keene jeborene Prinzessin haben tut. ... – Ick habe mir allens ausjedacht. Et jeht zu machen, Pauline, et jeht, et jeht, et jeht, sack ich Ihn!

Katja Prussas

PREMIERE

: 04. MÄRZ 2017, 19.30 UHR, SCHAUSPIELHAUS

DIE RATTEN   Gerhart Hauptmann Inszenierung: Sascha Hawemann Bühne: Wolf Gutjahr Kostüme: Hildegard Altmeyer Dramaturgie: Katja Prussas Mit: Julia Bartolome, Josephine Köhler, Nicola Lembach; Julian Keck, Stefan Lorch, Daniel Scholz,

Philipp Weigand, Stefan Willi Wang WEITERE VORSTELLUNGEN: 05., 09., 17., 18., 21., 30.03.2017

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SCHAUSPIEL EXTRA

: AMNESTY INTERNATIONAL ZU GAST

INTERNATIONALER TAG DES VERFOLGTEN ANWALTS AMNESTY INTERNATIONAL ZU GAST BEI „DER PROZESS DES HANS LITTEN“

Im Jahr 2010 riefen die europäischen Anwaltsvereinigungen AED-EDL (Avocats Européens Démocrates – European Democratic Lawyers) den 24. Januar als Tag des bedrohten und verfolgten Anwalts ins Leben. Das Datum erinnert an vier spanische Gewerkschaftsanwälte und einen Anwaltsgehilfen, die 1977 in ihrer Kanzlei in Madrid von Neofaschisten erschossen worden waren. Seitdem protestieren Jurist*innen in ganz Europa an diesem Tag gegen die Verfolgungen, Verhaftungen oder Behinderungen von Anwält*innen bei der Ausübung ihres Berufes. Auch in Nürnberg fanden 2015 und 2016 Veranstaltungen statt, organisiert von amnesty international, musica nova e. V. und dem Presseclub Nürnberg. Bereits im Oktober 2014 hatte sich – im Anschluss an eine Lesung von Patricia Litten „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“ – eine Gruppe von Jurist*innen und Nichtjurist*innen zusammengefunden, die sich bei amnesty international für bedrohte und verfolgte

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Anwält*innen einsetzen wollte. Auslöser für dieses Engagement war insbesondere das Schicksal des Rechtsanwalts Abdolfattah Soltani, Menschenrechtspreisträger der Stadt Nürnberg 2009, der seit mehr als fünf Jahren im Teheraner Evin-Gefängnis in Haft ist. Verurteilt wurde er zu 13 Jahren Haft u. a. wegen der Gründung des Zentrums zum Schutz der Menschenrechte und Annahme eines „regimefeindlichen Preises“ – gemeint war der Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg. Seine Tochter Maede Soltani ist ebenfalls Mitglied unserer Gruppe und gemeinsam mit ihr kämpfen wir von hier aus für die Freilassung ihres Vaters. 2017 findet am Tag des verfolgten Anwalts eine Sondervorstellung der Inszenierung „Der Prozess des Hans Litten“ statt. Wir danken dem Staatstheater Nürnberg, das dies ermöglicht hat. Hans Litten ist mit seinem Mut und seinem bedingungslosen Einsatz für das Recht Vorbild für


AMNESTY INTERNATIONAL ZU GAST

viele Rechtsanwält*innen. 1951 wurde ihm zu Ehren die „Neue Friedrichstraße“ in Berlin in „Littenstraße“ umbenannt. Die Bundesrechtsanwaltskammer und die Rechtsanwaltskammer Berlin haben ihre Räume im „Hans-Litten-Haus“. Sein Schicksal wird uns immer Mahnung und Verpflichtung sein. Der Tag des verfolgten Anwalts ist nach wie vor bitter nötig, um auf das Schicksal so vieler verfolgter und ermordeter Kolleg*innen aufmerksam zu machen – seien es die Opfer der Morde in Kolumbien, auf den Philippinen und in Honduras, der Verfolgungswellen in China oder der Türkei. Die Liste der Bedrohungen und der Repressalien ließe sich endlos fortsetzen. Aber Jurist*innen sind nicht nur Opfer, leider sind sie häufi g und viel öfter auch Täter. Vor mehr als 70 Jahren wurde Deutschland vom schlimmsten Terrorregime befreit, das die Welt bisher erlebt hat. Nicht nur ein Roland Freisler, sondern viele hunderte willfährige Juristen waren Helfer und Vollstrecker der Nazibarbarei und haben in dieser Schreckenszeit mit zehntausenden von Todesurteilen eine justizielle Hinrichtungsmaschinerie am Laufen gehalten. „Der Dolch des Mörders war unter der Robe des Juristen verborgen“, heißt es 1947 im Urteil des amerikanischen Militärgerichts beim Nürnberger Juristenprozess, in dem nur 14 Nazijuristen zu Haftstrafen verurteilt wurden. Jeder Jurist, der in einem Unrechtsregime leben muss, steht vor der Entscheidung, ob er mitwirkt, sich beugt und schweigt oder ob er aufrecht bleibt, also im wahrsten Sinn des Wortes auf dem Recht bleibt und das Recht verteidigt. Die freie Advokatur ist einer der Grundpfeiler eines jeden Rechtsstaats. Wir haben das Glück, in einem Land zu leben, in dem wir unseren Beruf ohne Gefahr für Leib und Leben ausüben können. Wir haben die Freiheit, uns für verfolgte Kolleg*innen einzusetzen, und diese Freiheit wollen wir nutzen.

: SCHAUSPIEL EXTRA

DIENSTAG, 24. JANUAR 2017, SCHAUSPIELHAUS

ZUM INTERNATIONALEN TAG DES VERFOLGTEN ANWALTS AB 18.30 UHR, FOYER SCHAUSPIELHAUS Infostände von Amnesty International 19.00 UHR, OBERES FOYER SCHAUSPIELHAUS Einführung zu „Der Prozess des Hans Litten“ 19.30 UHR, SCHAUSPIELHAUS Grußworte von Christine Roth, Rechtsanwältin, für die Juristengruppe von Amnesty International Nürnberg / Gruppe 1499 und Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly CA. 19.35 UHR, SCHAUSPIELHAUS DER PROZESS DES HANS LITTEN

von Mark Hayhurst, mit englischen Übertiteln ANSCHLIESSEND: NACHGEFRAGT! OBERES FOYER SCHAUSPIELHAUS Moderiertes Publikumsgespräch mit dem leitenden Schauspieldramaturgen Horst Busch

Christine Roth Rechtsanwältin, für die Juristengruppe bei Amnesty International Nürnberg / Gruppe 1499

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29. JANUAR 2017, 18.45 UHR, BLUEBOX VORSTELLUNGSBEGINN: „LINKE LÄUFER (ERSTER SEIN) UM 17.00 UHR

NIE WIEDER! – LINKE LÄUFER GEGEN RECHTS PUBLIKUMSGESPRÄCH MIT GÄSTEN NACH VORSTELLUNGSENDE Die Geschichte des Fußballtrainers Jenö Konrad zeigt, dass der deutsche Vereinsund Verbandsfußball seine jüdischen Familienmitglieder ab April 1933 nicht schützte und sie dem Volkszorn und der Staatsmacht preisgab. Die Überlebenden der Vernichtungslager, unter ihnen Fußballspieler, haben diesem „Zivilisationsbruch“ ihr „Nie wieder“ entgegen gestellt. Diese Botschaft nimmt die Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ auf. Im Rahmen der bundesweiten Kampagne der Initiative zu den Spieltagen der Fußballbundesliga laden wir im Anschluss an die Vorstellung „Linke Läufer (Erster sein)“ zu einer Gesprächsrunde mit dem Autor und Fußballkenner Albert Ostermaier und den beiden Schauspielern Gerd Beyer und Martin Bruchmann ein. Die Moderation übernimmt niemand anderes als die „Stimme Frankens“, der bekannte Fußballmoderator Günther Koch. Leitung: Katja Prussas Mit: Gerd Beyer, Martin Bruchmann, Günther Koch, Albert Ostermaier

»UND VERGESSEN SIE NIE: NUR WER DIE KRAFT ZUM TRAUM HAT, HAT DIE KRAFT ZUM LEBEN!«  ALBERT OSTERMAIER

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Illustration: Marika Mietzner

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AM ANFANG WAR – DER KOMPONIST? DAS 2. KINDERKONZERT GEHT DEM URSPRUNG DER MUSIK AUF DEN GRUND

Komponisten sind wichtig, keine Frage: Ohne den Komponisten gäbe es – zumindest in der klassischen Musik – keine Melodie, keinen musikalischen Ablauf, keine Struktur, und kein Musiker wüsste, was er wann spielen soll. Aber der Komponist ist immer abwesend, und in den meisten Fällen sogar schon lange tot. Wir spielen Musik, weil der Komponist seine Ideen in Noten aufgeschrieben hat, und wenn wir Musik machen, erwecken wir diese leblosen Noten zum Leben. Ein sehr abstrakter Vorgang – und ein ganz wichtiger Vorgang für klassische Musik. Im 2. Kinderkonzert „Was macht der Komponist?“ versucht die Staatsphilharmonie Nürnberg diesem Vorgang auf die Spur zu kommen, und die abstrakte Anwesenheit des Komponisten für kleine und große Zuhörer verständlich werden zu lassen. Was für Botschaften hat uns der abwesende Meister hinterlassen? Wie wird aus einer musikalischen Idee ein komplexes Musikstück? Wie findet ein Komponist für seine Musik unter den vielen Instrumenten des Orchester den richtigen Klang? Dies alles und noch einiges mehr sind die Themen des Kinderkonzertes. Mit dabei sind diesmal zwei junge Musiker, die den Beruf erlernen, der vielleicht am engsten mit dem Ohr am abwesenden Komponisten sein muss: Michael Kostantin und Gyuseong Lee studieren Dirigat in der Klasse von Guido Johannes Rumstadt an der Hochschule für Musik Nürnberg. Beide stehen kurz vor ihrem Abschluss, haben also gründlich gelernt, wie man Partituren entschlüsselt, eine eigene Idee zur Musik entwickelt und wie man diese an ein Orchester weitergibt. Im Kinderkonzert erklären sie, wie sie den Willen des Komponisten in klingende Musik umsetzen. Als Beispiele dienen natürlich Werke von Johannes Brahms: die eingängigen Haydn-Variationen und zwei der populären ungarischen Tänze. Ein Kinderkonzert, in dem ein abstraktes Thema mit viel Humor und Anschaulichkeit erklärt wird.

12. FEBRUAR 2017, 10.00 UND 12.00 UHR, 17. FEBRUAR 2017, 09.30 UHR, OPERNHAUS

WAS MACHT DER KOMPONIST? 2. KINDERKONZERT Werke von Johannes Brahms Musikalische Leitung: Guido Johannes Rumstadt Staatsphilharmonie Nürnberg

WEITERE KONZERTANGEBOTE FÜR KINDER: 02. APRIL 2017, 10.00 UND 12.00 UHR, OPERNHAUS DES KAISERS NEUE KLEIDER 3. KINDERKONZERT

Werke von Georg Friedrich Händel, Henry Purcell und Georg Philipp Telemann Musikalische Leitung: Gábor Káli 01. JUNI 2017, 09.30 UND 11.15 UHR, OPERNHAUS JUGENDKONZERT: DAS GEHEIMNIS DES ORCHESTERS

Mit Musik von Johannes Brahms u. a. Musikalische Leitung: Gábor Káli 25. JUNI 2017, 10.00 UHR UND 12.00 UHR; 29. JUNI UND 10. JULI 2017, 09.30 UND 11.15 UHR OPERNHAUS EIN SOMMERNACHTSTRAUM 4. KINDERKONZERT

Felix Mendelssohn Bartholdy EIN SOMMERNACHTSTRAUM OP. 61 Musikalische Leitung: Esteban Dominguez Gonzalvo 23. JULI 2017, 11.00 UHR, LUITPOLDHAIN FAMILIENKONZERT BEIM KLASSIK OPEN AIR Gustav Holst „DIE PLANETEN“ Musikalische Leitung: Marcus Bosch Moderation: Malte Arkona

Kai Weßler 37


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ALTE BEKANNTE WERKE VON SAMUEL BARBER UND JOHANNES BRAHMS IM 3. PHILHARMONISCHEN KONZERT Sie sind längst „alte Bekannte“: Bereits zum dritten Mal gastiert der Cellist Alban Gerhardt als Solist bei der Staatsphilharmonie Nürnberg. Und weil man gern gesehenen Gästen auch mal einen Wunsch erfüllt, hat Generalmusikdirektor Marcus Bosch ihm angeboten, sich für sein Konzert im Februar 2017 ein Solokonzert wünschen zu dürfen. Gernhardt hat sich das selten gespielte Konzert von Samuel Barber gewünscht, und so stehen sich im 3. Philharmonischen Konzert zwei Werke von Barber, das Cellokonzert und das populäre Adagio for Strings, und die Zweite Sinfonie von Johannes Brahms gegenüber. Alban Gerhardt ist ein Ausnahmemusiker. Der Cellist, der u.a. mit einer deutschlandweiten Tour mit Bach-Suiten in deutschen Bahnhöfen für Aufsehen sorgte, ist nicht nur ein Virtuose seines Instrumentes, sondern ein unglaublich sensibler Musiker, der den Werken, die er spielt, buchstäblich auf den Grund geht. Ein Suchender, der gern mit Ohrenstöpseln übt, um nicht das Vertraute, sondern das Fremde seines Instrumentes immer neu wahrzunehmen. In Nürnberg war er bereits mit dem Cellokonzert von Antonín Dvořák, einem der Paradestücke des Repertoires, und mit der Uraufführung eines Konzertes von Philipp Maintz zu erleben. Mit dem Cellokonzert des amerikanischen Komponisten Samuel Barber aus dem Jahr 1946 hat sich Gerhardt eines der anspruchsvollsten Werke für sein Instrument ausgesucht. Barber, der zu dieser Zeit bereits sein populäreres Violinkonzert geschrieben hatte, hat das Konzert der Cellistin Raya Garbousova „auf den Leib“ geschrieben. Nicht nur das technische Können der russisch-amerikanischen Cellistin, sondern auch ihre Art zu musizieren ist in das Konzert eingeflossen.

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3. PHILHARMONISCHES KONZERT

DER BERÜHMTESTE TRAUERGESANG DER WELT Berühmt war Barber zur Zeit der Komposition nicht zuletzt durch sein Adagio for Strings, das 1938 von keinem geringeren als Arturo Toscanini uraufgeführt worden war. Das Adagio war ursprünglich der langsame Satz eines Streichquartetts, den der 28-jährige Komponist für eine größere Streicherbesetzung bearbeitete. Doch gerade in dieser Fassung wurde das – nach einer amerikanischen Umfrage – „traurigste klassische Musikstück“ weltberühmt. Das emotional bewegende Adagio wurde im 20. Jahrhundert immer wieder bei öffentlichen Trauerfeiern gespielt, u.a. bei den Beerdigungen der Präsidenten Roosevelt und Kennedy oder nach den Anschlägen des 11. September 2001. Barber selbst war dieser Ruhm seines Werkes eher unangenehm, zumal das kurze Stück viele seiner umfangreicheren Werke in den Schatten stellte. Dennoch, das „Adagio for Strings“ ist bis heute eines der bekanntesten klassischen Musikstücke überhaupt und nicht zuletzt durch die Verwendung in Filmen und der Popularmusik eines der wenigen Werke des 20. Jahrhunderts, die wohl jeder schon einmal gehört hat. DIE SACHE MIT BRAHMS Und was hat das mit Brahms zu tun? Eine Menge, denn die Werke von Johannes Brahms bilden nicht nur den roten Faden durch das Programm der Staatsphilharmonie in dieser Spielzeit, sondern sie spiegeln sich auch in den ergänzenden Stücken der Konzertprogramme wieder. Samuel Barber gilt als Neo-Romantiker der amerikanischen Musik, und gerade in seinem Adagio for Strings kann man be-

: KONZERT

obachten, wie er – ganz im Sinne von Brahms – aus einem einfachen Motiv komplexe musikalische Verläufe entwickelt. Wie Brahms selbst aus winzigen melodischen Kernmotiven eine komplexe Sinfonie entfaltet, das demonstriert im zweiten Teil des Konzertes dessen Zweite Sinfonie. Man überhört leicht die drei Töne der tiefen Streicher, mit denen diese Sinfonie anhebt, denn unmittelbar darauf beginnen die Geigen das eigentliche Hauptthema zu singen. Aber genau diese drei Töne sind der Kern des Werkes und durchziehen alle vier Sätze der Sinfonie. Brahms, der seine Erste Sinfonie 1876 erst nach langem inneren Ringen fertiggestellt hatte, schrieb seine Zweite Sinfonie mit leichter Hand in der Sommerfrische 1877 am Wörthersee. Die Sinfonie in D-Dur gilt daher als heiteres Gegenstück zu der schicksalhaften Ersten Sinfonie Doch wie so oft bei Brahms trügt der Schein, oder besser: Brahms errichtet einen heiteren Anschein, hinter dem sich ein Abgrund aus Melancholie verbirgt. Wohl wissend, dass sich spätere Musikfreunde auf Aussagen eines Komponisten stürzen, hat Brahms seine Sinfonie einmal als „heiter und lieblich“ bezeichnet, um dann zu behaupten, er habe „noch nie etwas traurigeres geschrieben“. Wer soll das glauben? Tatsächlich nämlich liegt der Reiz der Sinfonie genau in dem Spiel mit einer lichten Heiterkeit, hinter der immer wieder das Düstere hervor blitzt. Es ist diese Ambivalenz zwischen den frohen Seiten des Lebens und ihren düsteren Schattenseiten, zwischen Heiterkeit und Melancholie, Freude und Trauer, die Brahms’ Musik so menschlich und damit so universell macht.

Kai Weßler

24. FEBRUAR 2017, 20.00 UHR, MEISTERSINGERHALLE

ALTE BEKANNTE

3. PHILHARMONISCHES KONZERT

Samuel Barber ADAGIO FOR STRINGS OP. 11 KONZERT FÜR VIOLONCELLO UND ORCHESTER OP. 22 Johannes Brahms SINFONIE NR. 2 D-DUR OP. 73 Solisten: Alban Gerhardt (Violoncello)  Musikalische Leitung: Marcus Bosch

Staatsphilharmonie Nürnberg KONZERTFÜHRER LIVE UM 19.15 UHR

Anschließend: Philharmonische Lounge Lassen Sie den Konzertabend in der Lounge im Foyer bei Musik und Gesprächen ausklingen.

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U18 PLUS

: FREUNDE & FESTE

VON FREUNDEN UND FESTEN, LÄNDERN UND LEUTEN Seit der Spielzeit 2016/2017 kann man unter dem hellgrünen Reiter der u18 plus-Sparte auf der Homepage des Nürnberger Staatstheaters das Stichwort „Theater für alle“ entdecken. Eine neue Theaterpädagogin … viele neue Projekte. Was steckt dahinter? FREUNDE & FESTE Zum neuen Samstagsclub sind alle eingeladen, die Zeit und Lust haben, Leute zu treffen und sich auszuprobieren. Es ist ein Raum der Begegnung, in dem gespielt, getanzt, gesungen und gelacht wird. Beim Abschlussritual verabschiedet sich die Gruppe in zehn verschiedenen Sprachen. Die Teilnehmer*innen setzen sich momentan aus Studierenden der Friedrich-Alexander-Universität (FAU), ehemaligen „Jugendclubbern“ von Anja Sparberg und Geflüchteten aus Einrichtungen in Nürnberg und Umgebung zusammen. Neue Interessenten sind zu jedem Treffen herzlich willkommen. Der Club trifft sich wöchentlich drei Monate lang und zeigt anschließend die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit im Rahmen einer internen Werkschau, die gleichzeitig auch ein kleines Fest unter neu gewonnenen Freund*innen ist. Das Besondere: Ab Januar werden die wöchentlichen Treffen vom Theater aus ins Germanische Nationalmuseum und danach in die Fußgängerzonen, Parks und Einkaufspassagen der Stadt verlegt. Diese theatrale Aneignung des öffentlichen Raums konnte der Theaterclub bereits am 26. November mit der Performance zur Unterstützung des Amtes für Kultur und Freizeit beim bundesweiten Aktionstag der SAMO.FA (Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit) erproben. Zusammen mit der „mobilen Küche“ wurden Passant*innen auf uns aufmerksam. Beim Naschen von Leckereien und Gebäck aus aller Welt kamen wir ins Gespräch. Ein Happening! Vor kurzem wurde der Theaterclub „FREUNDE & FESTE“ zu einem ersten Gastspiel beim Global Art Festival in die Werkstatt 141 Auf AEG eingeladen, das von 27. bis 30. April 2017 stattfinden wird.

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FREUNDE & FESTE

: U18 PLUS

LAND & LEUTE Im Fokus der Projekte „Land & Leute“ stehen die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur und das Erlernen der deutschen Sprache. Das Theater fungiert hier als Verbindungslinie, aktivierendes Medium und einflussreiches Werkzeug, um eine Annäherung und vertiefte Auseinandersetzung mit Themen, Menschen, Kunst und Kultur zu ermöglichen. THEATER UND MUSEUM Eine Gruppe von Frauen aus Wohngemeinschaften in Nürnberg trifft sich regelmäßig zu Führungen im Germanischen Nationalmuseum. In virtuos übersetzender Sprachakrobatik zwischen Deutsch, Englisch und Arabisch wird über schweigende Mönche, Lieblingskleider, Turnierritter und Einhörner gesprochen. Gemälde erwachen als Tableaux Vivants zum Leben. Die Einladung zu einer Führung durch das Opernhaus und die Generalprobe von „Monade“ stießen beim letzten Treffen auf große Begeisterung. Als Nächstes erwartet die Gruppe eine Sonderführung zum Thema „Frauenbilder“. THEATER UND BUCH Jeden Samstagabend trifft sich eine Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge aus einer Clearingstelle in Nürnberg auf einer Probebühne. Das Kinderbuch „Frieda tanzt“ wird in eine szenische Lesung verwandelt. Lesen üben, beschreiben, Wörter finden, verstehen, eine Szene bauen, spielen und Spaß haben ist unsere Devise. Die erste Seite wird aufgeschlagen: „Es war einmal ein Mädchen, das hieß Frieda“. Frieda ist ein sehr deutscher Name. Welche Namen mit dem Buchstaben F kennt ihr für Jungen und Mädchen? Es war einmal ein Mädchen/Junge, die/der hieß … Filebar, Fataa, Fato, Farah, Fiosa, Farhadulla … THEATER VOR ORT In den Räumen der AFI Nürnberg am Plärrer (privater Bildungsträger für Integrationskurse und Sprachkurse) findet jeden Dienstag ein Theaterkurs mit Sprachanfänger*innen statt. Anhand der klassischen Romanvorlage „Don Quijote“ werden die deutsche Sprache und die eigene Stimmkörperlichkeit erforscht. Spielerisch werden sich Themen und Rollen angeeignet und Stück für Stück eine eigene neue Inszenierung gebaut. Mal sehen, wie weit die Gruppe ist, wenn das Ballett „Don Quijote“ im Opernhaus Premiere hat. Wir freuen uns auch sehr über die Einladung zum Projekt „Willkommen Anderswo – sich spielend begegnen“ am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen. An acht Theatern in ganz Deutschland (Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Maxim Gorki Theater Berlin, Düsseldorfer Schauspielhaus, Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen, Theater Plauen-Zwickau, Münchner Kammerspiele, Staatstheater Nürnberg) sollen Workshops mit geflüchteten und einheimischen Jugendlichen unterschiedlicher Nationalität durchgeführt und wissenschaftlich begleitet werden. Von 4. bis 7. Mai 2017 treffen sich alle Beteiligten in Bautzen und präsentieren ihre Ergebnisse auf einem Festival. Schirmherrin für das Projekt ist die Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters.

Andra-Maria Jebelean

WEITERE TERMINE VON „FREUNDE & FESTE“: FREUNDE & FESTE 2: SAMSTAG, 07. JANUAR BIS 25. MÄRZ 2017, GMN FREUNDE & FESTE 3: SAMSTAG, 01. APRIL BIS 24. JUNI 2017, STADTRAUM

In Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ)

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FORSCHUNGSPROJEKT

: INSZENIERUNG VON MACHT UND PROPAGANDA

INSZENIERUNG VON MACHT UND PROPAGANDA FORSCHUNGSPROJEKT ZUM MUSIKTHEATER IN NÜRNBERG 1920-1950 Seit 2014 forscht das Team rund um Prof. Dr. Anno Mungen am Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth darüber, wie die Nationalsozialisten Nürnberg für ihre Ideologie missbrauchten. Wie veränderte die Machtübernahme der Nazis das Schaffen im Nürnberger Stadttheater? Wie wurde die Stadt benutzt, um die Größe und Stärke des Nationalsozialismus und ganz besonders des „Führers“ zu inszenieren, und welche Rolle spielte die Musik bei all dem? Das sind die zentralen Fragen, mit denen sich die Gruppe aus dem Forschungsinstitut für Musiktheater beschäftigt. Eine große Anerkennung bedeutet in diesem Zusammenhang die vor kurzem bestätigte Förderung durch die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG), die dem Projekt, das in Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und dem Staatstheater Nürnberg durchgeführt wird, entsprechende Fördergelder zur Verfügung stellt. Die DFG ist einer der größten und bedeutendsten Geldgeber für Forschung in Deutschland. Dieser Ritterschlag für die seit 2014 geleistete Arbeit und die Vorhaben für die Zukunft sichert jetzt die Finanzierung des Projektes und ermöglicht, dass weitere Stellen im Team geschaffen werden können. DIE OPERETTE IN NÜRNBERG Nachdem die Wissenschaftler*innen der Universität zuerst in den Archiven nach Textquellen gesucht und die wenigen noch lebenden Zeitzeugen befragt hatten, begannen sie mit der Auswertung des Materials zum Thema Operette in Nürnberg. Auf einer großen Tagung im Juni 2016 im Staatstheater unter dem Titel „Leichte Muse im Wandel der Zeiten“ waren einige der wichtigsten Expert*innen zu diesem Thema eingeladen, um die bisherigen Arbeitsergebnisse öffentlich zu diskutieren. Einige Entdeckungen ließen dabei erstaunen:

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Wer etwa glaubte, die Arbeit am Theater habe sich sowohl am Ende der Weimarer Republik als auch zu Beginn der Bundesrepublik durch den politischen Umbruch mit einem Schlag verändert, der wurde enttäuscht. Zu selbstverständlich nimmt man an, 1933 wären alle Juden aus dem Theater entlassen worden. Tatsächlich aber hatte Generalintendant Johannes Maurach, der das Theater von 1922 bis 1939 in Nürnberg leitete, schon vorher dafür gesorgt, dass all jene, die politisch aneckten oder eben jüdischer Abstammung waren, gar nicht erst eingestellt wurden. Leider kann man nicht mehr feststellen, ob er das tat, weil er ahnte, wohin sich die deutsche Politik entwickeln würde, oder ob er die antisemitische Ideologie der Nazis teilte. Die Gestaltung der Spielpläne nach nationalsozialistischer Ideologie, die Werke jüdischer Komponisten und Autoren aus dem Repertoire verbannte, kannte in Nürnberg eine bemerkenswerte Ausnahme: Wegen der jüdischen Herkunft des Komponisten Leon Jessel durfte der Kassenschlager „Das Schwarzwaldmädel“ (über 6.000 Aufführungen zwischen 1917 und 1933) in Deutschland nicht mehr gespielt werden, ausgenommen in Nürnberg. Denn ausgerechnet der Herausgeber der antisemitischen Hetzschrift „Der Stürmer“, Julius Streicher, zählte diese Operette zu seinen Lieblingswerken und erwirkte in Berlin eine Ausnahmegenehmigung für das Nürnberger Theater, die anderen deutschen Bühnen nicht gewährt wurde. In der neuesten Ausgabe der Reihe „Musiktheater im Dialog“ sind die Beiträge der Tagungsreferenten veröffentlicht, die Theorie und Praxis der nationalsozialistischen Kulturpolitik in Nürnberg und in Deutschland untersucht haben. Hier kann man unter anderem auch nachlesen, was die heutige Aufführungspraxis von Operetten mit der im NSStaat zu tun hat und warum sich viele ideologische Maximen der Nationalsozialisten damals nicht vollständig durchsetzen ließen.


HITLER.MACHT.OPER Das Forschungsteam in Bayreuth hat mit seinen Untersuchungen zur Funktion des Unterhaltungsgenres im Kulturplan der Nationalsozialisten erst einen Aspekt bearbeitet. Im nächsten Schritt gehen die Wissenschaftler*innen der Frage nach, wie die Stadt Nürnberg im Sinne einer nationalsozialistischen (Kultur-)Politik instrumentalisiert wurde. Denn Nürnberg als Stadt der Meistersinger, mit der Kaiserburg, die über der mittelalterlichen Altstadt thront, erwies sich als perfekter Ort, um die vermeintliche Überlegenheit der Deutschen gegenüber anderen Völkern zu inszenieren. Das Team von Anno Mungen geht anhand umfangreicher Zeitzeugen-Interviews und zahlreicher historischer Quellen u. a. den Fragen nach: Welche Formen nahm die Inszenierung Nürnbergs als „deutscheste aller Städte“ an? Welche Rolle spielte Musik dabei? Und wie veränderte sich der Opernbetrieb am Stadttheater unter der NS-Herrschaft?

In einem dreitägigen Symposium „HITLER. MACHT.OPER“ vom 2. bis 4. Juni wird das Forscherteam weitere Ergebnisse seiner Untersuchungen öffentlich vorstellen. Auch hierzu sind wieder namhafte Wissenschaftler*innen eingeladen, die dann gemeinsam mit Anno Mungen über das „Musiktheater in Nürnberg von 1920 bis 1950“ diskutieren werden. ABSCHLUSSPRÄSENTATION Zum Abschluss des Forschungsprojektes werden die Ergebnisse in einem Textband publiziert. Für 2018 ist darüber hinaus auch eine große Ausstellung im Dokumentationszentrum geplant. Der Besucher soll in dieser Ausstellung die Wirkung der Inszenierungsformen der NS-Propaganda selbst nachempfinden können, wobei die Ausstellungsmacher – der Bühnenbildner und Installationskünstler Hermann Feuchter, Dr. Alexander Schmidt vom Doku-Zentrum und die Wissenschaftler*innen – sehr genau darauf achten werden, dass der Zuschauer gleichzeitig eine kritische Distanz wahren kann.

Jonathan Holst (FSJ-Kultur) 02. BIS 04. JUNI 2017, GLUCK-SAAL

HITLER.MACHT.OPER

DAS NÜRNBERGER OPERNHAUS ALS EXEMPLARISCHER ORT

DER INSZENIERUNG VON MACHT UND UNTERHALTUNG

Tagung zum Forschungsprojekt „Inszenierung und Propaganda – Musiktheater in Nürnberg 1920-1950“ Leitung: Prof. Dr. Anno Mungen, Forschungsinstitut für Musiktheater, Thurnau Projektteam: Prof. Dr. Anno Mungen (Projektleitung), Silvia Bier, Tobias Reichard, Daniel Reupke

(wissenschaftliche Mitarbeiter), Jasmin Goll, Max Koch, Jane Ebah Ruweji-Neumann, Georg Richardsen, Thomas Rufin (studentische Hilfskräfte) In Kooperation mit BUCHTIPP „Leichte Muse im Wandel der Zeiten“-Publikation zum Symposium 2016, erhältlich an den Theaterkassen und im Webshop für 3,50 Euro

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DIE RING-TETRALOGIE ZYKLUS 1   23. MAI − 04. JUNI 2017 ZYKLUS 2   07. − 18. JUNI 2017 INSZENIERUNG: GEORG SCHMIEDLEITNER MUSIKALISCHE LEITUNG: MARCUS BOSCH

WWW.STAATSTHEATER.NUERNBERG.DE 0180-5-231-600

14-42 CT/MIN


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HAMBURG BALLETT, ELBPHILHARMONIE UND STEINWAY DIE ERSTE NÜRNBERGER ABONNENTENREISE NACH HAMBURG Das Staatstheater Nürnberg bietet in der lau- Stadtgebiet Hamburgs im Abendlicht genossen. fenden Saison erstmals für seine Abonnent*innen „Elphi“ nennt der Volksmund das neue Konzertgebäuein exklusives Zusatzprogramm, das mit unter- de, das nicht zuletzt die Stadtsilhouette Hamburgs bereichert und über dessen teilweise dramatische schiedlichen Programmangeboten tiefer in die Welt Baugeschichte ein Vortrag im Pavillon der Elbphildes Theaters eintauchen lässt und Einblicke in die Prozesse des Theateralltags gewährt. Neben „Expe- harmonie informierte. Neben der genannten Ballettpremiere konnte die Nürnberger Reisegruppe ditionen“ ins Reich des Nürnberger Staatstheaters sich bei einem Benefizkonzert in der Hamburger bieten wir mit unserem Partner STUDIOSUS ReiStaatsoper über ein Wiederhören und -sehen mit sen auch Theaterreisen in die großen Theater- und dem Tenor Peter Galliard freuen, der in Nürnberg in Kulturstädte Europas an. Die erste Reise ging am Georg Schmiedleitners „Siegfried“-Inszenierung als zweiten Adventswochenende nach Hamburg und bot Mime an der Seite Vincent Wolfsteiners begeisterte. neben dem Premierenbesuch von John Neumeiers Neben der klassischen Alsterrundfahrt bereiBallett „Das Lied von der Erde“ zahlreiche weitere cherten das Reiseprogramm außerdem eine Führung Höhepunkte. durch die Sammlung der Hamburger Kunsthalle und Einen eindrucksvollen Blick in den Alltag der Tanzausbildung gewährte die Ballettzentrum Ham- ein Ausflug in die Klavier(Traum)Fabrik von Steinway burg John Neumeier, wo die Gruppe eingeladen war, & Sons, dem größten Hersteller von Flügeln und beim Training unterschiedlicher Klassen der Ballett- Klavieren weltweit. Beim Rundgang vom Holzlager, schule und des Bundesjugendballetts zuzusehen. über die Werkstätten bis zum Präsentationsraum, Gleichermaßen beeindruckend war die Backstage- wo die sieben Flügel- und zwei Klaviermodelle des Herstellers zum Probespiel bereitstehen, konnten Führung durch die Arbeitsbereiche hinter der Bühne die Teilnehmer*innen die einzelnen Arbeitsschritte der Hamburger Staatsoper, die großen Proben- und Lagerräume in nächster Nähe zur Bühne, der Or- für diese hochkomplexen und wertvollen Musikinstrumente nachvollziehen. chesterprobenraum mit idealer Akustik wie auch die Die nächste Abonnentenreise mit exklusivem große Kostümschneiderei nur ein paar Räume weiter. kulturellen Begleitprogramm, die wir mit STUDIOSUS Eine Faszination ganz anderer Art strahlt die Reisen anbieten, ist für Ende März / Anfang April gerade fertiggestellte Elbphilharmonie aus, von in Planung. deren Plaza (erst Anfang November eröffnet) die Reiseteilnehmer*innen einen herrlichen Rundumblick auf den Hafen, die Speicherstadt und das übrige Verena Kögler

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STAATSTHEATER EXTRA

: KOOPERATION

RAUM FÜR IMAGINATION KOOPERATION MIT DEM STUDIENGANG DESIGN DER HOCHSCHULE NÜRNBERG GEORG SIMON OHM Wie illustriere ich, was ein Komponist macht, „Ein Sommernachtstraum“ oder gar „Des Kaisers neue Kleider“, so dass sich Groß und vor allem Klein angesprochen fühlen? Eine nicht ganz einfache Aufgabe, die sich im Sommer dieses Jahres Studierende der Fakultät Design der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm gestellt haben … „Im ersten Moment schrecken die Studierenden vor dem Thema ‚Illustrationen für Kinder‘ zurück. Es macht Spaß, sie zusammen mit dem Theater daran zu erinnern, dass Themen und Illustrationen für Kinder durchaus fordernd sein dürfen und dass sie sich gestalterisch nicht verbiegen oder einschränken müssen“, so das Feedback der Professorin für Illustration Sybille Schenker. Bereits seit einigen Jahren kooperiert das Staatstheater Nürnberg mit dem Studiengang Design der Technischen Hochschule. 2012 kam die damalige Dozentin Katharina Gschwendtner erstmals auf das Staatstheater zu, da sie auf der Suche nach Plakat-Projekten für die Semesterarbeiten des Studienschwerpunkts „Illustration“ war. Gemeinsam mit den beiden Grafikerinnen des Theaters, Julia Elberskirch und Jenny Hobrecht, entstand die Idee, die Studierenden eine Illustration für die Kinderoper „Cherubino mischt sich ein oder Die verflixte Sache mit der Liebe“ entwerfen zu lassen, die dann als Werbemedium in Form von Flyern, Postkarten etc. eingesetzt werden könnte. Kai Weßler, der Dramaturg der Produktion, und die Grafikerinnen luden daraufhin die interessierten Studierenden ins Theater ein, um ihnen das Haus vorzustellen und alle notwendigen Informationen zur Kinderoper an die

Hand zu geben. Diese hatten dann zwei Monate Zeit für die Umsetzung und erhielten direktes Feedback von den Theaterprofis, bevor einer der Entwürfe für die Werbemedien ausgewählt wurde. Aus diesem Auftakt hat sich eine kontinuierliche Zusammenarbeit im Rahmen der Kinderoper entwickelt, bei der Studierende des 6. Semesters die Illustrationen als Teilprojekt eines Jahres umsetzen. Die Idee dabei war, so Sybille Schenker, ein Realprojekt mit Kundenfeedback, das die Studierenden stemmen sollten, ohne – wie auch später im Berufsleben – ihr größeres Semesterprojekt aus den Augen zu verlieren – was auch allen gelungen ist. Aktuell entstehen in Zusammenarbeit mit dem 3. Semester Illustrationen für die Kinderkonzerte der Staatsphilharmonie Nürnberg im Opernhaus. Diesmal also kein übergreifendes Semesterprojekt, sondern kleine, aber nicht weniger anspruchsvolle Aufgaben: So etwa die Gestaltung der Flyer für die Kinderkonzerte, für die innerhalb von 6 Wochen zwei fertige Illustrationen und zwei zusätzliche Skizzen gefordert sind. Da die Titel der Kinderkonzerte für die Spielzeit bereits feststanden, konnten die Studierenden zwischen vier Themen wählen: „Babar, der kleine Elefant“, „Was macht ein Komponist?“, „Des Kaisers neue Kleider“ und „Ein Sommernachtstraum“. „Die Motivation ist immer sehr groß, wenn die Möglichkeit der Veröffentlichung besteht, selbst wenn das bedeutet, dass nur eine Person oder ein paar Entwürfe ausgewählt werden können. Wichtig ist, dass die Auswahlkriterien nachvollziehbar sind. Die Themen, die wir vom Theater bekommen, sind wunderbar in Bildern umzusetzen und spannend durch die Herausforderung, in der Illustration nicht zu konkret zu werden, da es sich um ein Bühnenstück handelt. Dabei kommen wir an den Kern einer guten Illustration: Sie vermittelt eine Stimmung und lässt Raum für Imagination“, resümiert Sybille Schenker. Herausgekommen sind auch in diesem Jahr wieder phantasievolle Illustrationen, die den kleinen und großen Besucher*innen der Kinderkonzerte sicher viel Freude bereiten und eine bleibende Erinnerung an ihren Konzertbesuch sein werden …

Susanne Wissen 46


KOOPERATION

: STAATSTHEATER EXTRA

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DIE SÜDDEUTSCHE ZEITUNG ÜBER DIE URAUFFÜHRUNG VON GOYO MONTEROS CHOREOGRAPHIE „MONADE“: „Antiche Danze“ ist technisch anspruchsvoller, spielerisch gewitzter Tanzgenuss. Mut zum Risiko zeichnet Goyo Montero aus. […] Stets geht der versierte Psychologe des Tanzes neue Wege. […] Es ist Monteros bislang persönlichstes Werk. DIE DEUTSCHE BÜHNE LOBT DIE PREMIERE DES ZWEITEILIGEN BALLETTABENDS: Ein Wunderwerk spielerischer Artistik […] ein faszinierendes choreographisches Zusammenspiel aus dem ritualisierten Schreiten lebender Skulpturen und den wie aus anonymer Menge ausbrechenden Tanz-Aktionen. […] Es ist die reine Freude.

DIE MUSIKALISCHE MATINÉE „ZU GAST BEI ROSSINI“ LOBTE DIE NÜRNBERGER ZEITUNG ALS: Ein – in diesem Fall ausgesprochen charmant und gehaltvoll serviertes – Menü aus erlesenen Zutaten des NotenGourmets.

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ZUR PREMIERE VON „SUGAR – MANCHE MÖGEN’S HEISS“ KOMMENTIERT DER FRÄNKISCHE TAG: Wer professionell gemachte Unterhaltung liebt, ist an der Nürnberger Staatsoper richtig. […] Eine tolle Komödie mit hervorragenden Darstellern. […] Thomas Enzinger, vor allem seinem Bühnenbildner Toto, aber auch dem Musikalischen Leiter Volker Hiemeyer und dem Choreographen Ramesh Nair gelingt es mit immer wieder überraschenden und zündenden Ideen, zweieinhalb Stunden pures Vergnügen aus der Vorlage zu destillieren.

LOB DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG FÜR „DIE KATZE AUF DEM HEISSEN BLECHDACH“: Georg Schmiedleitners Star bei „Glaube Liebe Hoffnung“ war Josephine Köhler als waidwunde Elisabeth. Und die Schauspielerin, die kürzlich den Kulturpreis Bayern erhielt, ist es auch diesmal wieder. Die ersten Szenen, in denen sie als Margaret nur mit Stefan Willi Wang auf der Bühne steht […] gehören zum schauspielerisch Stärksten, was man am Nürnberger Staatstheater zuletzt gesehen hat. UND DIE NÜRNBERGER ZEITUNG BERICHTET ÜBER DIE PREMIERE: Viele waren begeistert. Hat Georg Schmiedleitner den amerikanischen Klassiker „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ nicht gleichsam unter Strom gesetzt? Bei der Premiere im Nürnberger Schauspielhaus gab es starken Applaus. Eine blendende Idee, in jeder Hinsicht. […] Schmiedleitner liebt es ja, aus der Bühne einen Laborraum zu machen, in dem sich, mit kaltem Blick, Menschen und Gefühle sezieren lassen. Das kann weh tun, und auch „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ zeigt als Anatomie einer Familie scharfe Krallen.


: BEST OF

Welten stoßen da aufeinander, und wo die Dialoge nicht genug Energie liefern, bessert die Schauspielerin mit ihrem zeichnerischen Talent am großen Spiegel nach, liefert Momente skizzierter Verinnerlichung. […] Den langen Beifall hat sich Nicola Lembach allemal verdient. DIE NÜRNBERGER NACHRICHTEN LOBTEN DAS 2. PHILHARMONISCHE KONZERT: […] hatte Bosch die 100 000-Volt-Spannung im Griff: zusammen mit exzellenten philharmonischen Solisten, dem tadellos intonierenden Blech, der ausdrucksstarken Klarinette. Da spielte das Orchester in bestens trainierten Brahms-Farben […] So rundete sich denn alles bei „Beethovens Zehnter“ zu einer Aufführung am Rande des Perfekten. Schade, dass man auf die Zweite Brahms noch bis Ende Februar warten muss. UND DIE NÜRNBERGER ZEITUNG KOMMENTIERTE: Nach der Pause wurde es dann mustergültig: Die Staatsphilharmonie entwickelte die großen dramatischen Spannungen, die Brahms aus seiner kleinteilig fortschreitenden, komplexen Motivsprache entwirft, wie unter einem Zoom: immer nah am musikalischen Detail, mit klar konturiertem Klangbild der Instrumentengruppen. AUCH FÜR DAS RATHAUSKONZERT FAND DIE NÜRNBERGER ZEITUNG GROSSES LOB: Überhaupt waren die Philharmoniker an diesem Vormittag hellwach und ausgesprochen spielfreudig. Unter der engagierten Stabführung von GMD Marcus Bosch geriet bereits Beethovens sinfonischer Erstling zu einem espritvollen Glanzstück – und nach der Pause konnte man sich noch einmal steigern. […] Die kolossale Klangwucht, die das Konzert beschloss, wurde mit begeistertem Applaus gewürdigt.

… UND DIE NÜRNBERGER ZEITUNG BEFINDET: In atemlosen zwei Stunden entwickelt das Stück immer wieder einerseits sehr poetisch, dann mit Popmusik und grellen Momenten eine Liebesgeschichte, die den folgenden und eher nebensächlichen Horror romantisch grundiert. […] Eine spannende Moritat, zeitlos erzählt […].

ZUR URAUFFÜHRUNG VON „SÄMTLICHE ERZÄHLUNGEN“ KOMMENTIERT DIE NÜRNBERGER ZEITUNG: […] „Sämtliche Erzählungen“, das bei der Nürnberger Uraufführung herzlich beklatscht wurde. Sicher auch, weil Alice Asper als Regisseurin es schnörkellos und ohne größere Sentimentalitäten auf die immer wieder überraschende Bühne der BlueBox gebracht hat. Mehr noch, weil es den drei Schauspielern des Ensembles nicht nur wunderbare Sätze, sondern auch Einsätze gewährt. […] von Jakob Nolte möchte man bald mehr hören. DER DONAUKURIER SCHREIBT ÜBER DIE URAUFFÜHRUNG: Großartig, wie Adeline Schebesch den Wandel von der nüchtern auf ihr Leben zurückblickenden Todkranken zur wieder zum Leben Erweckten mit kindlicher Anmut und naiver Freude spielt, dabei anrührend und das Publikum zu Tränen rührend. Wofür sie, aber auch der sie kontrastierende Pius Maria Cüppers stürmischen Beifall ernteten, der wohl auch Jakob Nolte, dem bei der Uraufführung anwesenden Stücks, galt.

NACHTKRITIK BERICHTET ÜBER DIE PREMIERE „SCHÖNHEIT“ IN DEN KAMMERSPIELEN: Ein mittleres Wunder […] ist Nicola Lembach in der Hauptrolle. Sie entwickelt ihre Gräfin von der kaum noch salonfähigen Nullbock-Diva über die vitale Spätlese-Geliebte zum wandelnden Wutanfall hinein ins nicht mehr beherrschbare Hysterienspiel des Schönheitswahns.

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LEAH GORDON SINGT LIEDER ÜBER DIE FERNE beim 33. LIED­ GUT-ABEND des Staatstheaters. Begleitet am Klavier von CRISTIAN PEIX, singt die kanadische Sopranistin Werke von Schubert, Schumann („Gedichte der Königin Maria Stuart“), Strauss, Korngold und Berg („Sieben frühe Lieder“), die das Thema ‚Ferne‘ von fernen Ländern bis zu Fernbeziehungen behandeln. 26. FEBRUAR, 20 UHR, GLUCK-SAAL JAN PHILIPP GLOGER wird ab der SPIELZEIT 2018/2019 SCHAUSPIELDIREKTOR am Staatstheater Nürnberg. Der 34-jährige Regisseur gilt damit als jüngster Schauspieldirektor an einem großen deutschen Theater. Bereits mit 25 Jahren gab er sein Debüt am Bayerischen Staatsschauspiel, mit 29 Jahren wurde er Leitender Regisseur am Staatstheater Mainz und eröffnete im Alter von 30 Jahren die Bayreuther Festspiele mit einer Inszenierung von „Der fliegende Holländer“. Jüngst brachte er am Düsseldorfer Schauspielhaus eine Uraufführung der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek heraus. Weitere SchauspielInszenierungen waren von ihm am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, dem Staatsschauspiel Dresden, dem Deutschen Theater und der Schaubühne Berlin zu sehen. Als Opernregisseur arbeitete er u. a. an der Semperoper Dresden, an den Opern in Frankfurt, Zürich und Amsterdam und zuletzt am Royal Opera House Covent Garden in London. +++ +++ +++ +++ +++

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+++ +++ +++ +++ +++ Die neuen KURSE DER THEATERWERKSTATT in Zusammenarbeit mit dem BILDUNGSZENTRUM (BZ) NÜRNBERG beginnen am Montag, den 13. Februar 2017. Die Kurse richten sich an alle, die sich intensiver mit dem Medium Theater auseinandersetzen wollen. Im Mittelpunkt stehen wie immer die neuen Inszenierungen des Schauspiels. Anmeldung und Informationen über das Servicebüro des Bildungszentrums unter 0911-231-3147. 13. FEBRUAR, 18.00 UHR, FOYER SCHAUSPIELHAUS +++ +++ +++ +++ +++

Mit vier BENEFIZVERANSTALTUNGEN steuert das Staatstheater Nürnberg als offizieller Kulturpartner seinen Beitrag zur VESPERKIRCHE 2017 bei: Der Tenor Ilker Arcayürek und die Pianistin Fiona Pollak geben einen Liederabend am Eröffnungssonntag der Vesperkirche. Stipendiat*innen des Internationalen Opernstudios präsentieren eine Woche später ein Programm aus Liedern und Arien, Mitglieder der Orchesterakademie der Staatsphilharmonie Nürnberg bieten an einem weiteren Sonntagnachmittag ein Programm mit Kammermusik und Anfang Februar liest Schauspielerin Patricia Litten aus „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“, begleitet von der Cellistin Birgit Förster. 15.01. LIEDERABEND 22.01.  JUNGE STIMMEN 29.01.  VIRTUOSE KAMMERMUSIK 05.02.  TROTZ DER TRÄNEN JEWEILS 17.00 UHR, GUSTAV-ADOLFGEDÄCHTNIS­K IRCHE +++ +++ +++ +++ +++ MARCUS BOSCH ist im November erneut zum Vorsitzenden der GMD Konferenz gewählt worden. Der GMD Konferenz gehören alle Generalmusikdirektor*innen und


Chefdirigent*innen der Orchester in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Ziel des Vereins ist die Förderung von Kunst und Kultur im Bereich des Musiktheaters und des Konzerts. +++ +++ +++ +++ +++

Auch in diesem Jahr findet der beliebte JAHRESEMPFANG DES FÖRDERVEREINS SCHAUSPIEL statt. Zu einem geselligen Vormittag mit künstlerischem Unterhaltungsprogramm und Zeit für Gespräche wird diesmal geladen am 12. FEBRUAR, 11.00 UHR, FOYER DES SCHAUSPIELHAUSES +++ +++ +++ +++ +++

RALF-JÖRN KÖSTER, koord. SoloOboist der Staatsphilharmonie Nürnberg, hat nach vielen Jahren der Lehrtätigkeit an den Hochschulen für Musik in Würzburg und Nürnberg ein Buch über den Rohrbau für Oboen veröffentlicht: „ROHRBAU – VON DER HOLZSTANGE ZUM OBOENROHR“. Über rund 50 Seiten veranschaulicht er darin vor allem für Studierende die unterschiedlichen Arbeitsschritte und macht damit auch deutlich, dass der Künstlerberuf in diesem Fall auch Handwerksberuf ist. +++ +++ +++ +++ +++ Auf Talentsuche und in den Dienst von Nachwuchsförderung begab sich GMD MARCUS BOSCH als Jurymitglied beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin 2016 für Oper, Operette und Konzert sowie als Juryvorsitzender beim Abschlusskonzert des Dirigentenforums des Deutschen Musikrats, des bundesweiten Förderprogramms für dirigentischen Spitzennachwuchs in Deutschland.

ENGLISH TOILETRIES FÜR SIE UND IHN

z.B. von Crabtree & Evelyn, Bronnley, Penhaligon’s, Floris, Woods of Windsor

FINE FOOD

Nach der Uraufführung seines neusten Stückes „Sämtliche Erzählungen“ in der BlueBox liest JAKOB NOLTE aus seinem DEBÜTROMAN „ALFF“, der jüngst mit dem Kunstpreis Literatur 2016 ausgezeichnet wurde. Mit dem Murder-MysteryThriller um Agent Jones schafft Nolte eine rasante Groteske über die USA der 90er Jahre zwischen dem Tod Kurt Cobains und 9/11: „Alff ist das frechste literarische Debüt seit Langem. Eins auf der Höhe der Zeit“, lobt der Deutschlandfunk. Im Gespräch mit Dramaturgin KATJA PRUSSAS erzählt der junge Autor über sein Schreiben, über den Spagat zwischen Theatertexten und Prosa und über die Frechheit. 08. FEBRUAR, 20.15 UHR, BLUEBOX

z.B. Englische Kekse, Marmeladen, Tees Deutschlands wohl umfangreichstes

ROSENKULINARIUM Unser Geschäft ist in der Nähe des Opernhauses, beim Parkhaus Sterntor um die Ecke, am Beginn der Fußgängerzone. Im Internet finden Sie uns unter: www.rosegardens.de

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NEWSLETTER

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Die Zusammenarbeit von GMD MARCUS BOSCH und den Musikern der FILARMONICA ARTURO TOSCANINI fand, nach dem Gastspiel von „Tristan und Isolde“ in der zurückliegenden Spielzeit in Modena und Ferrara, Anfang Dezember eine Fortsetzung: Marcus Bosch leitete zwei Konzerte im Auditorium Paganini in PARMA mit Robert Schumanns Ouvertüre zu „Genoveva“ und dessen Sinfonie Nr. 2 sowie Johannes Brahms‘ Konzert für Violine und Orchester. +++ +++ +++ +++ +++ G OYO M O N T E RO i s t e r n e ut MITGLIED DER JURY BEIM PRIX DE LAUSANNE, einem der renommier testen und ältesten Ta n z we t t b e we r b e f ü r j u n g e Tänzer*innen, der vom 29. Januar bis zum 05. Februar 2017 in der Schweiz ausgetragen wird. Mit dem Wettbewerb verbindet den Nürnberger Ballettdirektor auch seine eigene Tänzerkarriere, gewann er doch 1994 als junger Tänzer den Professional Level Prize. Bereits 2012 war Goyo Montero Mitglied der Jur y, im darauf folgenden Jahr wurde er als Choreograph und Coach zum Prix de Lausanne eingeladen. 2014 schließlich war das Staatstheater Nürnberg Ballett als Partnercompagnie im Finale des Prix de Lausanne mit einem Ausschnitt aus „Benditos Malditos“ zu sehen. Im Februar 2015 studierte Goyo Montero erneut als Dozent beim Prix de Lausanne mit den Wettbewerbsteilnehmern seine Choreographien ein, die inzwischen fester Bestandteil des FestivalRepertoires sind. 2016 kreierte er eigens für den Prix die beiden Soli „Bow“ and „Grinding the teeth“. +++ +++ +++ +++ +++

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Ensemblemitglied HRACHUHÍ BASSÉNZ wird im Februar ihr Bühnendebüt im ROYAL OPERA HOUSE COVENT GARDEN in London geben, mit der Titelpartie in Francesco Cileas „ADRIANA LECOUVREUR“, unter der Musikalischen Leitung von Antonio Pappano, in einer Inszenierung von David McVicar. Die armenische Sopranistin blickt außerdem auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2016 zurück, das ihr neben dem höchst erfolgreichen Rollendebüt mit der Titelpartie in „Norma“ am Musiktheater im Revier (März 2016) und einer weiteren Produktion der Bellini-Oper in Tel Aviv (November/Dezember 2016) unter der Leitung von Daniel Oren auch zwei Auszeichnungen ihrer Heimat einbrachte: Im Sommer 2016 erhielt sie die „KOMITAS“-MEDAILLE des Ministeriums für Diaspora in Armenien, Ende Oktober folgte die GOLDMEDAILLE DES ARMENISCHEN KULTURMINISTERIUMS. Eine ganz besondere Ehre war das Treffen mit Papst Franziskus I. am 25. Juni 2016 in Eriwan. +++ +++ +++ +++ +++

Zu den Traditionsveranstaltungen zum Jahresbeginn gehört das große BENEFIZKONZERT DES DAMENCLUBS zur Förderung der Oper Nürnberg e.V. Mit einem bunten musikalischen Programm aus Arien, Duetten, Liedern und Kammermusik begrüßen Ensemblemitglieder des Staatstheaters, Stipendiaten des Internationalen O p er nstudios, Mitglieder der Staatsphilharmonie und der Opernakademie zusammen mit Staatsintendant Peter Theiler, der durch das Programm führt, das Neue Jahr. Es singen u. a. Leah Gordon, Solgerd Isalv, Kurt Schober und als Gast das ehemalige Ensemblemitglied Guido Jentjens. 25. JANUAR, 19.30 UHR, OPERNHAUS +++ +++ +++ +++ +++


Foto: Ludwig Olah

Nathalie & Hedwig 45 & 76 Jahre Tanzlehrerin & Rentnerin

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une n, et t be s t a ll a B , n e ie ß n! Oper gen ll e le is te h nicht a ic s n e n n d a s kö mit als H e lf e n Sie

Konze rt

lau s che n

, E HRE N A R E D N E P PATE , S

MT KulturTicketNürnberg vermittelt kostenfreie Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen an Nürnberger Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren mit niedrigem Einkommen und ermöglicht dadurch die Teilnahme am vielfältigen kulturellen Leben in Nürnberg. Bürgerstiftung Nürnberg Nordring 98 90409 Nürnberg Tel. 0911 - 660 45 57 www.buergerstiftung-nuernberg.de info@buergerstiftung-nuernberg.de Ehrenamtliche Projektleitung: Erika Zeltner und Gerd Martens

Stiftung Staatstheater Nürnberg, Richard-Wagner-Platz 2-10, 90443 Nürnberg Tel.: 0911-231-3575 · info@staatstheater.nuernberg.de

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INFORMATION UND TICKETS 0180-5-231-600 (Festnetz 14 ct/Min; Mobilfunk bis 42 ct/Min) www.staatstheater.nuernberg.de ADRESSEN SPIELSTÄTTEN: Opernhaus (und Gluck-Saal), Schauspielhaus mit Kammerspielen und BlueBox, Richard-Wagner-Platz 2–10, 90443 Nürnberg, Meistersingerhalle, Münchener Straße 21, 90478 Nürnberg

IMPRESSUM Herausgeber: Staatstheater Nürnberg Staatsintendant: Peter Theiler Geschäftsführender Direktor: Christian Ruppert Redaktion: Dramaturgie, Kommunikation, Marketing, Theaterpädagogik Titel: Monade Im Bild: Esther Pérez, Oscar Alonso Foto: Jesús Vallinas Fotos: Marion Bührle, Sim Canetty – Clarke Hyperion Records, Lars Finneisen, Verena Kögler, Miriam

Meister, Jutta Missbach, Patrice Nin (L’Italiana in Algeri – Théâtre du Capitole, Mai 2016) , Ludwig Olah, Photocase.de/ nild/David-W-/Gortincoiel, Jesús Vallinas Illustrationen: Katharina Blenk, Artur Brozmann, Yvonne Edenharter, Lisa Espach, Matthias Friedt, Benno Gabler, Anne Gerhard, Stefanie Hänel, Willi Jeschar, Jonathan Lindner, Viviane Lorenz, Marika Mietzner (S. 37), Marie Schäder, Lea Schumm, Michael Seybold, Selina Sievers, André Auer Vieira Gestaltung: Julia Elberskirch, Jenny Hobrecht Druck und Anzeigen: Offsetdruck Buckl GmbH Das Staatstheater ist eine Stiftung öffentlichen Rechts unter gemeinsamer Trägerschaft des Freistaats Bayern und der Stadt Nürnberg Stand: Dezember 2016, Änderungen vorbehalten

Hauptsponsor

Mäzenin Oper

Henriette Schmidt-Burkhardt †

Hauptsponsor Schauspiel

Hauptsponsor Ballett

Hauptsponsor Konzert

Hauptsponsor u18plus

Hauptsponsor Talking about Borders

Medienpartner


hren 25 Ja ... seit da! für Sie ETW

Abbildungsbeispiel | Energieang. (vorl.): A, Gas-BHKW, BJ 2018

Eine gute Adresse! Nicht für jeden, aber vielleicht für Sie? Außergewöhnlich und naturnah, das sind die Prädikate, die diese Eigentumswohnanlage in Nürnberg-Mögeldorf auszeichnen. Die Grundrisse der insgesamt 22 Wohnungen sind ebenso individuell wie die Fassadengestaltung des Hauses. Ein besonderes Wohnraumgefühl schaffen teilweise verglaste Balkone und Loggien, die sich bei Bedarf öffnen lassen. Auf einen Blick

Gehobene Ausstattung

 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen

 Fußbodenheizung sowie Parkettboden im Wohnbereich

 teilweise verglaste Freisitze  Wohnfläche zwischen 57 m² und 111 m²  Galeriewohnungen im Dachgeschoss  barrierefreie Zugänge und Freisitze  Tiefgaragen-Stellplätze

 bodengleiche Duschen  3- und 4-Zimmer-Wohnungen mit Bad und zusätzlichem Gäste-WC/Dusche  Schlafzimmer teilweise mit separater Ankleide

Aktuelle Informationen erhalten Sie unter: Telefon: 0911/34 70 9 - 350 · www.schultheiss-wohnbau.de


Impuls Januar / Februar 2017  

Alle Informationen über unsere Premieren und Konzerte im Januar und Februar 2017.