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Der neue Audi A3. Auch mit quattro. Der permanente Allradantrieb verteilt seine Kraft auf die jeweils besser haftende Achse oder das einzelne Rad – für perfekte Traktion, bessere Beschleunigung und mehr Sicherheit. Kurz: quattro bringt die Motorkraft so überzeugend auf die Strasse, dass Sie nichts anderes mehr fahren wollen. Mehr über den neuen Audi A3 bei Ihrem Audi Händler oder auf www.audi.ch/A3


EDITORIAL

Filip Zuan

BIANCO WINTER 2012/13

Ein optimal komplexes System Liebe Alpenbewohner, liebe Zeitreisende in den Bergen James B. Glattfelder ist Physiker und Komplexitätsforscher. Der Engadiner trägt mit seinen Studien über komplexe Systeme dazu bei, dass wir unsere Welt besser verstehen. Und er liefert mit seinen Erkenntnissen über die Konzentration der globalen Wirtschaftsmächte Fakten für ein Umdenken in der Gesellschaft. Über die Alpen befragt, sagt Glattfelder Erstaunliches: «Die Alpen können, systemisch gesprochen, auch als Modell für Stabilität gelten. Jedes Tal ist ein Mikrokosmos mit eigenen Gesetzmässigkeiten. Untereinander bilden Täler nur lose verbundene Einheiten. Zentrale Strukturen mit einer Megalopolis oder Monokulturen sind viel anfälliger auf Bedrohungen. Gesund ist Dezentralisierung und Diversität.» Genau dieser natürlichen Diversität im Alpenraum sind wir seit nun fünf Jahren auf der Spur und werden immer wieder fündig. Die Vielfalt an spannenden Persönlichkeiten, Traditionen und Produkten ist unglaublich breit und stets aufs Neue faszinierend. Daraus ergeben sich immer wieder schöne Geschichten.

COVER Filip Zuan Schwarzeis auf dem Silser See mit eingeschlossenen Schneeflocken und Tannennadeln Artikel Seite 70

BIANCO führt Sie auch diesmal quer durch die Alpen. Und darüber hinaus nach Detroit, in den Himalaja und nach China. Denn die Kraft, die von im Alpenraum geborenen Ideen ausgeht, strahlt mittlerweile über den ganzen Erdball. Lassen Sie sich also erneut überraschen und entführen in dieses optimal komplexe Gebilde. Philipp Bitzer und Dario Cantoni BIANCO Chefredaktion

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content

BIANCO WINTER 2012/13

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Content Winter 2012/13 MAGAZINE 06 sensor

WINTER 2012/13

18 INTERVIEW Lara Gut Skiboots & High Heels 22 CULTURE Kalt gepresst Olivenöl vom Alpensüdhang 28

HISTORY

Die legendäre Limonade

30 CULTURE Edle Brände aus wilden Kräutern 34

REPORT

Im Einklang mit sich selbst

40

REPORT

Schafschur in Savognin

44

TRADITION

Der Stoff, aus dem Helden sind

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FASHION

Hubertus Short Cuts Loden

Neue Lust Trachten

54 LANDSCAPE Curves

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Die sinnlichste Verbindung zwischen zwei Punkten REPORT

108

Mayday, mayday

Die besten Retter der Welt

64

REPORT

Segusino – Detroit retour

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70

54

78 44 062

64

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FASHION

Hazy shade of winter

70

PHOTOGRAPHY

78

FASHION

86

ART

90

PORTRAIT

Von der Komplexität der einfachen Dinge

94

HISTORY

Internationale Eisrennen von Zell am See

Frozen

Bienen, Kunst & Murmeltiere James B. Glattfelder Speed, Spikes & Slides

100 INTERVIEW

Veronika und Carl Elsener

9/11 war eine Riesenbedrohung für das «Swiss Army Knife»

106 ART

Schwarzeis

Spoon

Das Holz und der Löffel

108 LIVING

Bauernloft in Ardez

114 MOBILITY

120 GUIDE

Die Liebe zu den Traktoren Hotels & Restaurants

128 AGENDA

Winterperlen

1 32 contributors 1 3 5 BIANCO E NERO

Comix von Andrea Caprez und Christoph Schuler

136

kolumne

Das letzte Wort von Dominik Brülisauer Winter 2012/13

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Sensor Winter 2012/13 AC C E S S O R I E S

MAGMA

LIVING

TOLLE Wolle Die Zwirnerei und Weberei Arpin in den Savoyer Alpen stellt seit 1817 hochwertige Wollprodukte auf traditionelle Art her. Die kleine Firma rüstete das erste französische Expeditionsteam zum Himalaja aus und ist noch heute bei Bergführern eine Institution. Gearbeitet wird mit reinster Wolle aus der Umgebung, Wasser aus dem benachbarten Gebirgsbach und natürlichen Färbemitteln. Ob

Hinter dem Pseudonym KARL UND OLAF stehen die beiden jungen Designerinnen Adeline Mollard und Aita Bott. Ihre limitierte Seidentuchkollektion mit lunaren Landschaften und vulkanischen

Reisetaschen, Wollsocken oder diese Wolldecke samt handgefertigtem Lederband-

Atmosphären konnte dank Crowdfunding soeben

halter– alles ist mit reinster Wolle traditionell gewoben und verarbeitet. Ausge-

realisiert werden. Aita Bott ist Engadinerin,

zeichnet mit dem Gütesiegel «Lebendiges Kulturgut». (ak)

aus ihrer Hand stammt auch der Flurin, eine aus Arvenholz geschnitzte Reminiszenz an den Chalanda Marz. (dc)

www.alpenweit.de

karlundolaf.tumblr.com

FA S H I O N

WINTER

GLAMOUR Leicht quer in der Winterlandschaft steht das 2011 gegründete Label Goldbergh. Die kompakte Kollektion umfasst modische Jacken, Hosen und Pullis mit dem gewissen Bling-Bling-Faktor. Augenzwinkernde Exzentrik für einen starken Auftritt. Trendige Eyecatcher sind die herrlich dicken Strickjacken, handgestrickte Pullover mit Kuschelkragen und die bequemen Parkas mit Fellkapuze. (dc)

www.goldbergh.com

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S p ort s

Gefärbte

Daunen Eine Daunenjacke, bei der tatsächlich die Daunen der Star sind? KJUS machts möglich. Die Ladies Chromatic Down und Men Chrome Down Jacket gehören zu den neuen Highlights aus der querdenkenden Innovationsschmiede des Schweizer

Accessories

Hommage an einen Modernisten

Unternehmens. Warum nicht die Daunen sehen? Warum die Jacke färben und nicht die Federn? Entstanden ist eine ultraleichte

Le Corbusier, weltberühmter Architekt aus La Chaux-de-Fonds und Mitbegründer

Jacke mit bunten Daunen in transparentem

der klassischen Moderne, stand Pate für

Stoff. Lebendig und einzigartig. Wer Federn

dieses aussergewöhnliche Uhrenmodell

hat, kann fliegen. (ak)

der Marke GIRARD-PERREGAUX. Das Zifferblatt der «Vintage 1945 Le

www.kjus.com

Corbusier – Marseille» ist nämlich aus Beton, dem bevorzugten Baustoff von Charles-Edouard Jeanneret, wie der 1965 im südfranzösischen Nizza, also am Süd-

LIVING

W i n te r - o u t f i t

fuss der Alpen verstorbene Le Corbusier mit bürgerlichem Namen hiess. Auf dem Zifferblatt prangt zudem der «Modulor»,

fürs Bett

das legendäre Masssystem von Le Corbusier,

Das gleiche morgendliche Ritual unter Bergbe-

auch eine ausgesprochene Rarität, wird

wohnern: früh ein noch verschlafener Blick aus

sie doch in nur gerade fünf Exemplaren

dem Fenster: blaues Kaiserwetter? Nichts wie

mit dem er seine Bauten in Beziehung zur Grösse der darin lebenden Menschen setzte. Diese aussergewöhnliche Uhr ist

hergestellt. (pb)

raus aus den Federn und als Erster Spuren in den Schnee ziehen. Nebel und apokalyptischer Schneesturm? Zurück ins wohlig warme Bett

www.girard-perregaux.com

unter die neue Bettwäsche aus PFISTER’S Winterkollektion. Sanfte Naturtöne und frisches Weiss, edle Stickereien und flauschige Felldecken ... DIE Schlecht-Wetter-Alternative. (ak)

www.pfister.ch

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S P O RT S

L ifes t yle

kalte Tage Accessories

Das niederländische Label Barts hat sich

Gehäl Ftelt

von Menschen inspirieren lassen, die was von Kälte verstehen: Native American

SNOW ROCKER

heisst die neue Winterkollektion und

Gehört bei allen Bewohnern von Hang-

ist nicht nur optisch so richtig schön

lagen auf den Wunschzettel. Der wen-

indianisch angehaucht, sondern auch

dige Bob im farbigen Union Jack Design

ebenso kuschlig warm wie die Mützen,

ist der König auf der Piste und macht

Praktisch, schlicht und stilvoll: Das Falt-

Schals, Fäustlinge und Ponchos der

mit seinen Höchstgeschwindigkeiten

Modell «Carrera Shades» erregt nicht

amerikanischen Ureinwohner. Besonders

mit pompösem Design Aufsehen, sondern

angetan hat es uns «Mika Home»: Die

mit praktischer Funktion. Genau richtig

Stricksocke in sanften Erdfarben und mit

für alle, die funktionelles Design und

indianischem Strickmuster wärmt einen

einen einfachen Look mögen. (pk)

schon beim blossen Anblick! (pk)

www.carrera-sunglasses.com

auch Erwachsenen Spass. (dc)

www.barts.eu

www.mini.ch

C U L I N A RY

Genussreich Die Welt ist voller Genüsse. Ganz besondere kulinarische Trouvaillen hat Spitzenkoch Reto Mathis in einem eignen Spezialitäten-Sortiment auf den Markt gebracht. Ohne grossen Firlefanz und zu einem anständigen Preis richtet er sich an ein jüngeres Publikum, das zeitgeistige Naturprodukte bester Qualität schätzt und sich lieber an den Geschmack eines Produktes erinnert als an seinen Preis. Die elf ausgesuchten Gaumenkitzler können auch in den vier kulinarischen Themenboxen Truffes, Apéro, Sauce & Oil sowie All In erstanden werden. Zum schicken Design gibt es ein kleines Booklet mit raffinierten Rezeptideen und Tipps vom Chef persönlich. (dc)

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www.delicatessen-rm.ch

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S p ort s

Die Klasse der

Klassiker Kniebundhosen mit Kniesocken und klassische Tights im Retro-Look: Der

LIVING

deutsche Outdoor-Brand Maloja bringt diesen Winter mal wieder eine gehörige Portion Klasse auf die Langlaufloipen. Klassischer Stil auf den schmalen Latten eben – auch beim

Wechseln Sie doch mal die

Garderobe …

Skaten! Und wie immer bei Maloja sieht

Nicht doch! Ihre Kleidungsstücke sind völlig in Ordnung – aber wie wärs mit

das Ganze nicht bloss klasse aus, son-

einer neuen Aufhängevorrichtung? Die Garderobe Wandzeug des Münchner

dern ist auch noch funktionsfähig. Will

Designers Nikolaus Hartl bringt nämlich ganz schön viel Schwung in die Bude. Die stabile

heissen: wasserdicht, elastisch, vorne

Stahlhalterung gibt es in der Form von 17 gewitzten Begriffen wie «Holy Home», «Hangover»,

windabweisend, hinten atmungsaktiv.

«Saustall», «Haussegen» oder «Heimspiel» und vorerst in den Farben Schwarz, Rot und Weiss.

Zu beziehen ist die Kollektion z.B. bei Bächli Bergsport und auch über

Kreative können sich den Spass aber auch ganz individuell gestalten lassen: Alles ist machbar – vom eigenen Schriftzug bis zu ganzen Sätzen. (pk)

dessen Online Shop. (pk) www.wandzeug.de www.maloja.de www.baechli-bergsport.ch

Accessories

SOCIAL MEDIA

MESSER

Die limitierten Designs von VICTORINOX sind Kult. Für die Classic Limited Edition 2013 hat der traditionelle Schweizer Familienbetrieb aufs Neue Innovationskraft bewiesen: Zum ersten Mal wurde die Fangemeinde im Internet aufgerufen, kreative Entwürfe für die neue Edition zu gestalten – mehr als 1000 Ideen gingen ein. Über die Plattform Facebook wählte die Online-Community dann die zehn besten Designs aus. Ein Ergebnis dieses Crowdsourcings ist die Classic Limited Edition «White Shadow». Die unterschiedlich gestaltete Vorder- und Rückseite ist von Appenzeller Schnitzereien inspiriert. Nagelfeile, Schraubendreher, Pinzette, Zahnstocher, Schere und Klinge inklusive. Demokratisches Design ist eine Schweizer Tugend. (ak)

www.victorinox.com

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S p ort s

M

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Accessories

GRAM 8 8

WEISSE

FEDER Weiss, weiss, weiss sind diesen Winter nicht nur alle meine Kleider. Addiert man zur Trendfarbe noch Keramik, Hightech Know-how und Swiss-Made-Qualität, erhält man den Varius Ceramic White. Der Füllfederhalter aus brillanter weisser Keramik besticht mit seiner Eleganz und Modernität und überzeugt durch höchsten Schreibkomfort. Darum lieb ich alles, was so weiss ist, weil mein Schatz ein CARAN d’ACHE ist. (ak)

KJUS designt nicht einfach nur trendy Skijacken. Kjus will mehr. Kjus will die perfekte Skijacke. Eine zweite Haut, so leicht, dass man sie vergisst. Und ist dabei stärker als Schnee und Sturm. Die Ladies Helium Jacket wiegt 888 Gramm und ist die leichteste voll ausgerüstete Kjus Skijacke. Reinste Daunen und modernste Mikrofasern bei minimalem

www.carandache.ch

Gewicht garantieren höchsten Tragekomfort, gepaart mit maximaler Bewegungsfreiheit und Wärmespeicherung. Wie schwer ist nochmal Perfektion? Ach ja, 888 Gramm. Leicht. (ak)

www.kjus.com

Accessories

DreamTeam Bogner Olympischer Erfolg liegt der Familie Bogner im Blut. Seit nunmehr 80 Jahren steht der Name Bogner für Glanzleistungen im Wintersport und modisch-sportliche Kompetenz. Dieses Jubiläum ist der perfekte Anlass, ein Trio an Männerdüften zu lancieren, die für gemeinsam errungene Siege, Energie und Tatkraft stehen und von denen jeder mit seiner ganz persönlichen Nuance zum grossen Gesamterfolg beiträgt. Ein sportives Duft-Trio in knalligen Farben und zeitlos-eleganten Flakons: Bogner Sports Team vereint drei individuelle Eau de Toilettes zu einem unschlagbaren Team. Jeder Männerduft entspringt einer Duftfamilie und ist einer Jahreszahl zugeordnet, die für Bogner eine bedeutsame Rolle spielt. Bogner Sports Team 1936 entspringt der Fougère Duftfamilie, 1960 wird den Ambéry-Düften zugeordnet, und 2012 ist eine Chypre-Kreation. Es ist der Sport, der verbindet und der Duft, der die persönliche Note schenkt. (ak)

>

Gewinnen Sie eines von 10 Bogner Sports Team Sets des Duftes 36 (EdT 100ml und Deo Stick 75 ml) im Wert von je CHF 98.–. Mehr auf www.facebook.com/biancomag

www.bogner.com

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LIVING

HERZ

L ifes t yle

Verreisen mit Stil

AUS STAHL

Die schicken Reisekoffer von Louis Vuitton sind längst Kult – die Louis Vuitton City Guides, die einen unterwegs auch an die kultigen Orte bringen, für ihre Besitzer fast schon ein «must». In der frisch überarbeiteten Europa-Ausgabe sind neben den Klassikern wie Paris, London und Rom nun auch zwei alpine Destinationen vertreten: Lugano und Kitzbühel. Man darf sich auf Ratschläge zu Luxushotels und charmanten Gasthäusern, Gourmet-Restaurants und lokalen Bistros, Strassenmärkten und Fine Food Stores, Antiquitätenläden und Designershops, Museen und Modehäusern, Wahrzeichen und Geheimtipps freuen. Und das alles immer exklusiv aufbereitet von ortskundigen Persönlichkeiten – im Falle von Kitzbühel etwa von Hias Leitner, dem ehemaligen Skirennfahrer des weltberühmten Skiresorts. (pk)

Sie sehen aus wie eine Latino Boy Band, die drei kreativen Köpfe des neuen Designlabel LACORDA: Gioele Fiori, Noe Tüfer und Jan Martin Krol. Herzstück und Markenzeichen

www.louisvuitton.com

ihrer Möbel und Lampen ist die Verwendung alter Stahlseile von Seilbahnen. Kombiniert mit Glas, Naturstein und Holz erzeugen die Entwürfe eine Dynamik und ursprüngliche Schönheit mit hohem Wiedererkennungs-

ICHT S D N

wert. Aus alten, unnützen Gebrauchsmate-

S P O RT S

RU

rialien ein innovatives, kunstvolles Designstück zu kreieren, bildet das Leitmotiv von Bei den POC Cornea Goggles wird die Linse

LACORDA. Die drei Studenten machen

neu aussen am Rahmen befestigt, was

vom Designkonzept bis zur Herstellung der

bessere Rundsicht verspricht. Ausser-

Möbelstücke alles selber. Und findet man

dem überzeugt die Linse mit ihren

sie mal nicht am Studienplatz oder in ihrer

optischen Qualitäten, ist gegen Verkratzen

Werkstatt, dann arbeiten sie gerade in einer

und Anlaufen behandelt und fittet perfekt

Seilbahnmontagefirma. (ak)

über den Helm. Funky ist die bunte Farbpalette: Black, White, Green, Yellow, Pink, Blue – dies in Kombination mit diversen Linsenfarben und Qualitäten. (dc)

www.pocsports.com

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www.lacorda.ch


S P O RT S

arctic

FASHION Tren d

u n i k at e Fingerringe aus gebrauchten Snowboards: mit dieser ausgefallenen Idee sichert die ARBES (Psychiatrische Dienste Graubünden) Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Hergestellt werden die farbigen Schmuckstücke aus gebrauchten Snowboards in 100% Handarbeit. In zehn Arbeitsschritten entsteht ein absolutes Unikat. Eine gute Sache: Recycling und soziales Engagement ergeben ein cooles Produkt. (dc)

J. Lindeberg steht für kompromisslose Hightech-Skiwear in schnörkellos

>

Facebook Verlosung! BIANCO vergibt 20 limitierte Ringe aus den Snowboards von Big Air Weltmeisterin Sina Candrian und Rider of the Year Nicolas Müller.

skandinavischem Design. Die diesjährige Kollektion ist grösser, vielseitiger und noch besser kombinierbar. Sie zeigt Innovation und Entwicklung, ohne den

www.arbes.ch

tugendhaften Pfad von Understatement und zeitlosem Design zu verlassen. Weitere Stichworte sind: eine grosse Auswahl an First- und Midlayers,

C U L I N A RY

GUTE WÜRZE

Die Würzbeutel von Reto & Oskar können als Gegenmodell zum Würzen mit künstlichen Aromen, Geschmacksverstärkern, Farbstoffen, Verdickungsmittlen und zu viel Salz verstanden werden. Die biologisch angebauten Blüten und Kräuter stammen aus dem Val Poschiavo, sind naturrein und vollaromatisch. Hinter der kulinarischen Innovation stehen der Kräuterpionier und Biobauer Reto Raselli sowie der unter dem Namen

neue Hosen-Fits, innovative Details, edle Loro-Piana-Styles und die von der Arktik inspirierte Fashionkollektion. «Wenn jedes Detail eine Funktion hat, alles einen Grund, und das Produkt bei dir die beste Performance ermöglicht, dann ist es das perfekte Design», umschreibt Frederik Dahl, Chefdesigner, die für J. Lindeberg typische Brücke zwischen Fashion und Function. (dc)

«Chrüteroski» bekannte Spitzengastronom Oskar Marti. Die gesunde Alternative mit den drei aromatischen Würzkombinationen steht ab diesem Winter in den Schweizer Regalen. (dc)

www.jlindeberg.com

www.reto-oskar.ch

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Accessories

Accessories

FULLY RU B B E R

Für grosse und kleine Abenteuer Die Night Vision von Victorinox Swiss Army ist erstmals 2003 auf den Markt gekommen. Die Neuauflage, die im Herbst erschienen ist, bleibt dem hoch funktionellen Ansatz des Originals

Dass der Outdoor-Schuhproduzent aus kalten

treu: Sie bietet stromsparende LED-Technik für

Gegenden auch anders kann, zeigt dieser absolute

die Zifferblattbeleuchtung, die Taschenlampen-

Hingucker aus vulkanisiertem Gummi. Die Tugenden

funktion und das Stroboskop. Damit ist der robuste Zeitmesser

sind beibehalten: Der Highheel ist warm und wasser-

auch für Extremsituationen gerüstet. Doch auch in alltäglichen

dicht bis in den Absatz. Aber hoppla – sonst kommt er

Situationen ist die Night Vision überaus nützlich: Zum Beispiel,

ziemlich verschärft daher. (dc)

wenn es darum geht, in dunkler Winternacht die Tür seines verschneiten Wagens zu öffnen. Oder, um auf dem Nachhauseweg vom

www.sorel.com

nächtlichen Berghütten-Fondue die Uhrzeit abzulesen. Wir meinen: Die Night Vision 2012 ist ein feines Stück – und dabei ein äusserst

MOBILITY

DELUXE

nützliches Instrument für das Leben in den Alpen. (fa)

http://nightvision.victorinox.com

Accessories

Die Liebe zum Automobil war die Motivation von Marcus Backs, einen Pflegekoffer der Extra-

B

E RG Z

A

C K EN

klasse zu entwickeln. Der modulare Bausatz MB1 kann individuell zusammengestellt werden. Oberflächengestaltung und Materialauswahl

Am Anfang war der Berg, dessen Zacken sich bei Föhn wunderschön abzeichneten. Vom

von Exterieur und Interieur erfolgen nach Kunden-

Brotmesser zum PanoramaKnife, eigentlich einfach. Der Produzent war schnell gefunden,

wunsch und können zum Beispiel farblich auf das

und nun stehen die beiden Ausführungen Berner Oberland und Bodensee/Säntis bereit. In

Design des Fahrzeugs abgestimmt werden. Das

Planung das Wallis mit dem Matterhorn, Luzern mit Pilatus, Titlis und Rigi sowie Zürich

Set beinhaltet sechs Pflegemittel, Pinsel und Microfasertücher. (dc)

www.marcus-backs.de

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mit den Glarner Alpen. Ab 1000 Stück kann man sogar sein eigenes Panoramamesser produzieren lassen. (dc)

www.panoramaknife.ch


DER

BERGFÜHRER FÜR ALLE.

AB CHF 29’900.–*.

Der MINI COUNTRYMAN SNOWHILL. DAS SONDERMODELL mit ALL4 ALLRAD.

Wer ganz nach oben will, nimmt am besten im MINI Countryman Snowhill Platz. Denn mit seinem winterfesten ALL4 Allradantrieb, einer Extraportion Power und dem sparsamen Verbrauch ist er bestens für Bergtouren und Pistenausflüge gerüstet. Und der kostenlose MINI Tender Loving Care Service bringt dich garantiert bis zu 100’000 km oder 10 Jahre** lang sicher ans Ziel. MINI.ch

Abgebildetes Fahrzeug: MINI Cooper S ALL4 Countryman Snowhill, 4 Zyl., 135 kW (184 PS), Treibstoffverbrauch insgesamt: 6,7 l/100 km, CO 2 -Emission kombiniert: 157 g/km (Durchschnitt aller immatrikulierten Neuwagen in der Schweiz: 159 g/km), Energieeffizienzkategorie: D. Abgebildetes Fahrzeug enthält Sonderausstattungen. * Die Preisangaben beziehen sich auf das Sondermodell in der Motorisierung Cooper D ALL4, 4 Zyl., 82 kW (112 PS), Treibstoffverbrauch insgesamt: 4,9 l/100 km, CO 2 -Emission kombiniert: 129 g/km (Durchschnitt aller immatrikulierten Neuwagen in der Schweiz: 159 g/km), Energieeffizienzkategorie: A. Vertragsabschluss muss bis 28.12.2012 erfolgen. ** Es gilt das zuerst Erreichte.


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Alpenprosa

C hris t ine Ko p p

P. Regazzi, F. Corfú, J. Chrétien

R i ta Falk

Betsy Berg

TICINO TI CUCINO

41 Geschichten aus Berg und Tal

Eine genussvolle kulinarische Reise durch

Nach dem 2009 erschienenen Buch

die italienischsprachige Schweiz. Auf der

Griessnockerlaffäre

«Schlüsselstellen – 49 Geschichten aus den Bergen» liegt nun eine neue Sammlung mit Kurzgeschichten von Christine Kopp vor.

Suche nach dem Ursprünglichen, Echten und Unverfälschten nehmen uns die

Der vierte Fall für Franz Eberhofer «Die Beerdigung von der Oma ist an

Autoren mit auf eine Entdeckungsreise

einem Donnerstag. Es ist nieselig und grau,

durch das Tessin. Sie spüren vergessene

und wir stehen bis zu den Knöcheln im

Frech und frisch erzählen sie, wie die Pro-

Geschichten auf, treffen Menschen, die

Friedhofs-Batz. Trotzdem ist beinah die

tagonistin Betsy Berg zu den Bergen findet,

mit Liebe und Leidenschaft ihre Salami,

ganze Gemeinde gekommen. Sie war halt

was sie dort und auch unten im Tal erlebt

Formaggini oder ihren Merlot produ-

auch äusserst beliebt, die Oma, das muss

und mit welchen Fragen sie sich auseinan-

zieren, kosten authentische Gerichte aus

dersetzt. Die Verfasserin Christine Kopp ist freiberufliche Übersetzerin und Autorin im Bereich Alpinismus und Tourismus.

Grossmutters Zeiten und die Kreationen eines jungen Tessiner Spitzenkochs. Elf wundersame Kapitel erschliessen

man schon sagen ...» Keine Angst. Es ist nicht die Eberhofer Oma! Aber in Niederkaltenkirchen ist

uns, von eindrücklichen Fotos begleitet,

auch so einiges los. Im Polizeihof Landshut

Sie war jahrelang verantwortlich für die

versteckte und unbekannte Seiten des

wird ein toter Polizist gefunden. Der Letzte,

Alpinismusseiten der «Neuen Zürcher

Tessins. Vom Winter und vom Dinkel ist

der mit dem Barschl zu tun hatte, war der

Zeitung», schreibt heute für zahlreiche

die Rede, vom Leben auf der entlegenen

Franz. Nun war der Tote ausgerechnet

Medien und Verlage in der Schweiz, in

Alpe Cedullo, vom Sommer auf dem See

Deutschland und in Italien. Sie ist selber

und im schattigen Grotto, von der «Mazza»

sehr oft in den Bergen unterwegs und weiss sehr gut, was dort oben alles passieren kann … Die Betsy-Berg-Kurzgeschichten werden

und von Nonna Lina. Mit 50 authentischen Rezepten, die nach «Nostrano» schmecken,

welche die Berge lieber von unten betrachten, anspricht und begeistert! Christine Kopp Betsy Berg Eigenverlag www.christine-kopp.ch, Bern 2012 ISBN 978-3-906087-41-2

bei der Mordwaffe auch noch um Franz’ Hirschfänger. Sieht also nicht gut aus für

sucht und den guten alten Zeiten.

den Eberhofer. Mit ihrer Provinzkrimiserie («Winterkartoffelknödel», «Dampfnudel-

Angst, die sich durch ihre Tiefe und oft Bergbuch der anderen Art, das auch Leser,

Erzfeind. Blöderweise handelt es sich

nach dem Ursprünglichen, nach Sehn-

ergänzt durch die Illustrationen von Esther durch ihren feinen Witz auszeichnen. Ein

sein direkter Vorgesetzter und absoluter

blues» und «Schweinskopf al dente») hat Pepe Regazzi, Fabio Corfú, Juliette Chrétien TICINO TI CUCINO AT Verlag, Aarau 2012 ISBN: 978-3-03800-728-9 www.ticinoticucino.ch

sich Rita Falk in die Herzen ihrer Leser geschrieben. Auch mit dem vierten Fall gelingt der Autorin ein spannend-amüsanter Provinzkrimi erster Güte. Rita Falk Griessnockerlaffäre DTV Premium, Oktober 2012 ISBN 978-3-423-24942-3


I sabelle Rucki

Thomas W yss

A rnol d Achm ü ller

Das Hotel in den Alpen

Das um ein Haar geköpfte Matterhorn

Die Geschichte der Oberengadiner Hotelarchitektur ab 1860

Und weitere erschütternde Geheimnisse rund um die Schweiz

TEUFELSKRAUT BAUCHWEHBLÜML WURMTOD

Das vor über 20 Jahren erschienene

Wyss’ neues Buch erzählt von verhinderten

Buch «Das Hotel in den Alpen» von

Komplotten, gefälschten Sachbüchern,

Isabelle Rucki ist das Standardwerk zur

unvollständigen Legenden, peinlichen

Schweizer Hotelgeschichte und seit

Schriftstücken, kulinarischen Tragödien,

langem vergriffen. Die Autorin hat den

kaschierten Lügen
oder unmöglichen

damaligen Stoff wiederaufgenommen,

Liebesbeziehungen. Es benennt Lausbuben-

aktualisiert und schreibt die Engadiner

streiche, die zu historischen Ereignissen

Hotelgeschichte bis in die Gegen-

anwuchsen, und grosse Sportler, die an

wart fort. Schwerpunkte sind neu das

niederen Trieben scheiterten. Mal stehen

Hotelbauverbot von 1915, die klassische

vermeintlich unbedeutende Wesen wie

Moderne und deren weitgehendes Fehlen

ein kleiner Kater oder ein Abschieds-

im Engadiner Hotelbau. Die landesweite

briefschreiber im Zentrum, mal sind es

Aktion «Bauliche Sanierung von Hotels

starke Helden wie Wilhelm Tell und Neil

und Kurorten» (1940–1945), welche

Armstrong, kulturelle Meilensteine wie das

auch das Oberengadin tangierte, ist ein

Cabaret Voltaire oder das Fondue, unbeug-

weiteres zentrales Thema, wie auch die

same Symbole wie der Bundesbrief oder das

Nachkriegsarchitektur mit baulichen

Matterhorn. Was in Geschichtsbüchern, in

Exponenten der Spätmoderne und des

der Schule oder im Elternhaus gelehrt wird,

neuen Regionalismus. Abschliessend

verschweigt oft die wirklichen Umstände

wird ein kritischer Blick auf die heutige

oder die tatsächlich auslösenden Momente

Situation geworfen. Neu erstellte Bilder

einer konkreten Begebenheit. Vieles, was

des Architekturfotografen Heinrich

Wyss entdeckt hat, ist derart explosiv und

Helfenstein ergänzen den historischen

unglaublich, dass man glatt meinen könnte,

Teil des Werks.

er hätte es erfunden.

Isabelle Rucki Das Hotel in den Alpen Hier+Jetzt Verlag, Baden 2012 ISBN 978-3-03919-255-7

Thomas Wyss Das um ein Haar geköpfte Matterhorn FARO im Fona Verlag, Oktober 2012 ISBN 978-3-03781-047-7

Kennen Sie ein zweitausend Jahre altes Hustenmittel oder den rätischen Wundbalsam? Wie steht es mit dem Teufelskraut, dem Kuttelkraut und einem alpinen Mottenmittel? Seit Jahrtausenden sucht der Mensch in Heilpflanzen, Orakelsprüchen und rituellen Handlungen Schutz vor körperlichem Leid und Heilung von Krankheiten. Dieses wertvolle Wissen vergangener Kulturen scheint jedoch zunehmend zu verschwinden. Der Apotheker Arnold Achmüller vermittelt den Lesern das Grundverständnis der reichhaltigen Volksmedizin. In rund 90 Heilpflanzenporträts werden wertvolle Überlieferungen und Ratschläge, Mythologie, volksheilkundliche Weisheiten der Kräutermedizin sowie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse dazu leicht lesbar dargestellt. Ausgewählte Rezeptvorschläge sollen die Möglichkeit schaffen, Hausmittel selber herzustellen und althergebrachtes Wissen wiederzubeleben. Arnold Achmüller Teufelskraut, Bauchwehblüml, Wurmtod Das Kräuterwissen des Südtirols Edition Raetia, September 2012 ISBN 978-88-7283-427-5

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INTERVIEW

LARA GUT

Skiboots & High Heels

Lara Gut

Skiboots

& High Heels

Interview Fabrizio D’Aloisio, Dario Cantoni

www.kjus.com

Wenn sie nicht Skirennläuferin geworden wäre, würde sie wohl an der Uni studieren, sagt sie. Wir meinen: Auch als Model hätte sie Perspektiven, wie die Fotos ihres Ausrüsters Kjus beweisen. BIANCO hat Mitte November mit Lara Gut ein Skype-Gespräch geführt und dabei einiges herausgefunden. «Hasta la Victoria, siempre» und «Don’t worry, be happy». Lara Gut ist kein Kind von Traurigkeit, wenn es um ihre Lebensmottos geht. Sie hat auch allen Grund dazu: Sie ist die grosse Gegenwarts- und Zukunftshoffnung im Schweizer Alpin-Damenteam und wohl jetzt schon die bekannteste aktive Rennläuferin der Nation. Mit gerade mal 21 Jahren besitzt sie schon 14 Mal mehr Facebook-Fans als ein 150 Jahre alter Ferienklassiker wie St. Moritz, nämlich 145’000. Sogar eine lebende Ski-Legende wie Didier Cuche kommt da nicht mit (137’000 Fans). Schon gar nicht FC-Bayern-Star Xerdan Shaqiri (18’000 Fans) oder einer der erfolgreichsten Sportler überhaupt: SurfGuru Björn Dunkerbeck (8000 Fans). Lara Gut ist eben nicht die typische Schweizer Skirennfahrerin. Sie sagt geradeaus, was sie denkt. Sie hat keine Angst vor der Öffentlichkeit, dafür jede Menge Ausstrahlung. Sie ist emotional (immer), umgänglich und mit Ecken und Kanten. Kurz: Sie lässt niemanden kalt. Schon gar nicht die Männerwelt (übrigens: sie ist nicht Single, wie sie im Interview erzählt), denn kaum jemand sieht im Skianzug so verdammt gut aus wie sie. Das hat auch die Schweizer Sportbekleidungsmarke Kjus entdeckt, die Lara als Brand Ambassador regelmässig in Szene setzt. Fazit: Wir werden noch viel von Lara sehen. Auf und neben der Piste.

BIANCO Zuerst einmal: Wo bist Du im Moment? Was ist Dein Programm?

Du bist mit 21 die bekannteste Skifahrerin der Schweiz. Worauf

Lara Gut: Ich bin seit 10 Tagen in Copper Mountain und werde noch eine Woche hier bleiben. Dann beginnen wir mit den Rennen hier in Amerika. Ich bin täglich auf dem Schnee.

führst Du das zurück?

Wie geht es Dir? Bist Du in Form?

Ja, es geht mir gut. Danke. Wir können hier optimal trainieren und haben noch zwei Wochen, bevor die Saison so richtig startet. Du hast Dir kaum Ziele gesetzt für dieses Jahr, wieso nicht?

Ich habe schon seit Beginn meiner Karriere nie gerne über Ziele gesprochen. Wir müssen auf der Piste racen und nicht im Ziel sagen, was wir machen wollen.

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Ich hab keine Ahnung, ob ich die bekannteste bin. Wir leben in einem Land, wo Skifahren sehr beliebt ist. Daher sind wir schnell in der ganzen Schweiz bekannt, wenn wir gute Resultate zeigen. Lindsey Vonn möchte gern Männerrennen bestreiten. Ein PR-Gag?

Ich weiss nicht genau, wie ich das beurteilen soll. Irgendwie finde ich es unfair gegenüber den anderen Fahrerinnen. Obwohl sie schon mega stark ist, hat Lindsey noch nie alle Rennen einer Saison gewonnen.


INTERVIEW

LARA GUT

Skiboots & High Heels

Was gönnst Du Dir nach einem guten Resultat?

Einen Tag Königin der Alpen: was machst Du?

Wenn man ein Rennen gewinnt, ist es schon ein genialer Tag. Aber ein Erfolg ist immer von kurzer Dauer. Man muss mit dem Training dran bleiben, um den Erfolg zu bestätigen. Ja.

Ich glaube, das könnte ich nicht so gut. Politik oder auch Königin sein, ist eigentlich nichts für mich. Ich fahre lieber Ski und versuche, dort das Beste daraus zu machen. Ich möchte nicht meine Entscheidungen anderen aufzwingen oder für andere entscheiden.

Wir sind ein Magazin mit Alpenbezug: Die beste Skipiste der Alpen?

Was wärst Du geworden, wenn nicht Skifahrerin?

Es gibt so viele! Die Schweiz hat so viele tolle Skigebiete. Aber auch Frankreich oder Österreich. Ich habe keine eigentliche Lieblingspiste oder ein Lieblingsresort.

Dann würde ich irgendwo an der Universität studieren. Weiss aber nicht was.

Wir schreiben von St. Moritz aus, Du hast mit dem Ort eine beson-

Sicher eine Familie gründen, Kinder. Jetzt mache ich gerade noch die Matura fertig, damit ich später bessere Möglichkeiten habe, einen Job auszuüben, der mir gefällt. Einfach damit ich nicht in meiner Wahl eingeschränkt bin.

Bist Du jemals Snowboard gefahren?

dere Verbindung…

Ja sicher. Ich bin in St. Moritz meine ersten Europacup-Rennen gefahren im 2006 oder 2007. Dann bin ich dort meine erste Abfahrt gefahren. Mein erster Sieg und mein erster Podestplatz. Somit verbinde ich St. Moritz mit vielen schönen Erinnerungen … und man kehrt immer gerne an Orte zurück, wo man erfolgreich gewesen ist.

Was möchtest Du nach Deiner Karriere machen?

Hast Du männliche Groupies?

Nein. (lacht) Kriegst Du viel Fanpost?

Ja schon etwas. Ich kann aber nicht beurteilen, ob es wenig oder viel ist. Ich kann es ja nicht mit anderen vergleichen. Ich bin auch selten zu Hause und habe ehrlich gesagt zu wenig Zeit, um mich darum zu kümmern. Bist Du Single?

Dein Lieblingsort in den Alpen?

Nein.

Nein. Ich kehre aber immer gerne nach Airolo zurück, wo ich aufgewachsen bin. Dort habe ich auch Skifahren gelernt, und meine Familie ist immer noch dort. Also zurück in meinen kleinen Ort.

Würdest Du Dich für den Playboy ausziehen?

Nein. Was hast Du als Letztes gekocht?

Gestern haben wir Eier, Tomatensalat und Pasta dazu gemacht. Wie viele Jeans besitzt Du?

Jeans? Jeans. Keine Ahnung.

LARA GUT SHORT CUTS Alberto Tomba oder Pirmin

Prada oder Adidas?

Kaffee oder Tee?

Zurbriggen?

(lacht) ... Adidas.

Äähh … Espresso!

Äähhh. Vielleicht beide.

Notebook oder Tablet?

Minirock oder Jeans?

Vespa oder Motorschlitten?

Notebook.

… Jeans.

Vespa.

Apple oder Windows?

Sneakers oder High Heels?

Audi oder Porsche?

Apple.

Audi.

iPhone oder Galaxy?

Pfrrr … langsam werdens wohl High Heels.

Autobahn oder Alpenpass?

iPhone.

Laura Pausini oder Vasco Rossi?

Aaahh. In der Schweiz Alpenpass, in Deutschland Autobahn.

Fleisch oder Pasta?

Vasco!

Fleisch.

Sex and the City oder Grey’s Anatomy?

OK. New York oder London?

Johnny Depp oder Brad Pitt?

Grey’s Anatomy.

Ääää, keine Ahnung. Beide!

Pfrrr … Brad Pitt.

Danke vielmals Lara, viel Erfolg

Paris oder Mailand?

James Bond oder Harry Potter?

und toi, toi, toi …

Mmm ..., Paris!

James Bond (lacht)!

Danke, gerne.

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LOZZA

WINTER FUN // Our award-winning ski-in, ski-out hotel with finest restaurants, happening bars, relaxing spa and much more is gearing up for a season full of excitement, thrills and style. Come join us at one of the coolest alpine resorts for a wintertime experience you’ll never forget …

THE EYE OF WINTER // The beauty that has inspired creative minds for centuries is now being re-discovered by Christian Ammann, Gian Paul Lozza, Comenius Roetlisberger and other leading artists, who will reside at our hotel … Every month, another member of Europe’s avantgarde of contemporary photography will explore our stunningly beautiful valley, giving us new insights into the ever-enticing Engadine.

Surlej–Silvaplana / Swit zerland www.niraalpina.com


CULTURE

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KALT GEPRESST

Olivenöl vom Alpensüdhang

OLivenbäume bei lenno: alpines terroir mediterraner ausprägung


KALT GEPRESST Olivenöl vom Alpensüdhang

Dario Cantoni

Filip Zuan

Die nördlichsten Olivenbäume Europas wachsen am Alpensüdhang. Dort wurden sie vor über 2000 Jahren von griechischen Sklaven gepflanzt. BIANCO reist an den schönen Comer See, entdeckt das Dorf Lenno, malerische Olivenhaine und erlebt bei Vanini in der Ölmühle, wie ein ganz spezielles Olio Extra Vergine gepresst wird. Vom Oberengadin hinunter an den Comer See braucht es gerade mal anderthalb Stunden. Der klimatische Sprung könnte aber kaum grösser sein und würde in der horizontalen Ausmessung wohl zwei- bis dreitausend Kilometer betragen. Vom montanen Alpenklima auf 1800 Meter über Meer gelangen wir hinunter auf 199 Meter und finden an diesem frühen Novembertag ausgeglichen mildes Südwetter vor. Der Comer See liegt in einem Zungenbecken des ehemaligen Addagletschers. Im Norden von knapp 3000 Meter hohen Gipfeln umrahmt, ragen seine beiden Arme wie ein auf den Kopf gestelltes Ypsilon in die obere Poebene. Der fjordartige Alpensee ist rund 55 Kilometer lang und maximal 4,5 Kilometer breit. Er gilt als der schönste unter den oberitalienischen Gebirgsseen und ist nach Lago di Garda und Lago Maggiore der drittgrösste. Mit seinen 410 Metern ist er zudem der tiefste See von ganz Europa. Wir halten uns an die rechte Seite und fahren dem westlichen Seeufer entlang. Etwa in der Mitte vereinigen sich die beiden Seearme. Hier liegt der landschaftliche Höhepunkt mit dem Dreieck Menaggio, Bellagio und Varenna. Der westliche Arm des Sees, der sich nach Como erstreckt, ist der touristisch erschlossenere. Die prächtigen Villen und gepflegten Gartenlandschaften am Seeufer zeugen vom Reichtum der Lombardei des 18. und 19. Jahrhunderts. Doch schon früher wurden die zauberhafte Schönheit, das milde Klima und die üppige, fast schon mediterrane Pflanzenwelt geschätzt. Der Lario (lat. Lacus Larius), wie die Region um den Comer See auch genannt wird,

war schon zu prähistorischer Zeit besiedelt, danach zog es Ligurer und Etrusker ebenso an seine Gestade wie Griechen und Römer. Zudem war der von seiner majestätischen Alpenkulisse dominierte See bereits in diesen frühen Zeiten ein vielbefahrener Handelsweg. Unser Ziel ist Lenno, wo das nördlichste Olivenöl Europas gepresst werden soll. Lenno ist ein anmutiger Ort mit rund 1700 Einwohnern. Der Name ist griechischen Ursprungs und stammt ab von Lemnos, einer Insel des hellenischen Archipels. Griechische Sklaven waren es denn auch, die unter der römischen Herrschaft in der Gegend die ersten Olivenbäume setzten. Diese sind mittlerweile recht verbreitet und verleihen der alpinen Landschaft diesen unverwechselbar mediterranen Touch. Eine traumhafte Kulisse, die auch Hollywood verzaubert hat. So ist die Villa Balbianello Schauplatz der Romanze zwischen Anakin Skywalker und Padme Amidala in «Star Wars» Episode 2 (Angriff der Klonkrieger). Auch der James-Bond-Film «Casino Royale» wurde teilweise in Lenno gedreht, wie auch verschiedene Filmszenen aus «Ocean’s Twelve» mit George Clooney, der gleich mit Julia Roberts, Brad Pitt, Matt Damon und Catherine Zeta-Jones im Schlepptau auftauchte. Eine Ecke weiter ein Gedenkkreuz an den italienischen Diktator Benito Mussolini: Am 27. April 1945 wurden er und sein Gefolge auf der Flucht in die Schweiz von kommunistischen Partisanen abgefangen und hier in Giulino di Mezzegra bei Lenno erschossen.

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CULTURE

KALT GEPRESST

Olivenöl vom Alpensüdhang

Doch kommen wir zum Olivenöl. Auch die Ölmühle der Fratelli Luciano und Pietro Vanini befindet sich in Lenno. Als wir ankommen, herrscht bereits reges Treiben. Leute aus der Umgebung bringen Oliven vorbei und erhalten dafür Olivenöl. Das Verhältnis wird mit etwa fünf zu eins berechnet. Den ganzen Monat November werden die Oliven gepflückt und geerntet. Die Olivenhaine liegen überall verstreut auf kleinen Parzellen und werden von den jeweiligen Familien gepflegt. Die Früchte werden schonend von Hand gelesen. Die regional verbreitete Sorte heisst Frantoio und hat sich über die Jahrhunderte optimal an den Mikrokosmos angepasst – so ist sie beispielsweise kälteresistenter als jene aus der Toskana. Es sind Oliven mit eigenem Charakter, geprägt von einem alpinen Terroir südlicher Ausprägung und vom milden, belüfteten Klima am Berghang. Die Verarbeitung in der traditionellen Ölmühle wurde von Generation zu Generation weitergegeben und geschieht mit der gleichen Sorgfalt und Leidenschaft wie zur Gründerzeit im Jahre 1850. Davon zeugt auch die vom Urgrossvater entworfene Produktetikette, die sich im Laufe der Zeit kaum verändert hat. Einzig die Namen wurden angepasst. Zuerst Giuseppe, dann Plinio, dann Osvaldo. An der Expo 1905 in Paris wurde das Olivenöl vom Alpensüdhang sogar mit einer Goldmedaille ausgezeichnet, was die Brüder noch heute mit Stolz erfüllt. Die Verarbeitung der gewaschenen Oliven findet wie früher mechanisch mit zwei grossen Mühlsteinen im traditionellen Kollergang statt. Dabei werden die Oliven samt Stein

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zuerst zerschlagen, in einem zweiten, modernen Werk nochmals mechanisch verkleinert und zuletzt kalt gepresst. Das so erhaltene Olivenöl ist, nachdem sich das Wasser gesetzt hat, ein reines Naturprodukt und kann als Extra Vergine bezeichnet werden. Das Olio Extra Vergine der Vanini-Mühle kann nur bedingt mit anderen Olivenölen verglichen werden. Geprägt vom Terroir weist es einen charaktervollen Olivengeschmack auf, ist erfreulich fruchtig mit Noten von Artischocken, süsser Mandel und einem leicht pikanten Abgang. Insgesamt 28 Tonnen Olivenöl kommen aus der Mühle. Ein Olivenbaum kann bis zu 300 Kilogramm Oliven tragen, wobei die natürliche Alternanz sehr gross ist. Im Schnitt rechnet man daher mit 20 bis 30 Kilogramm pro Baum. Fünf Kilogramm Oliven ergeben einen Liter Öl. Zum Vergleich: Weltweit beträgt die Produktion rund drei Millionen Tonnen. Olivenöl ist ein wesentliches Element der mediterranen Kultur. Noch heute stammt der Grossteil der Oliven aus den Ländern rund ums Mittelmeer, wo sie auch überdurchschnittlich genutzt werden. Italien allein verbraucht rund 30% der jährlichen Olivenproduktion oder rund 13,1 kg pro Kopf. In Deutschland sind es gerade mal 400 Gramm. Im Mittelmeerraum unterscheidet man etwa 1000 Olivensorten, allein in Italien sind es über 300, dazu kommen rund 250 Marken italienischen Olivenöls. Eine davon, eben jene der Fratelli Vanini, ist besonders speziell, kommt aus den Alpen und macht gerade mal einen Zehntausendstel der Weltproduktion aus.


BEREIT FÜR DIE PRESSE, DIE ANGELIEFERTEN FRANTOIO-OLIVEN

MECHANISCHE VERKLEINERUNG IM NEUEN WERK

DAS KALT GEPRESSTE OLIVENÖL (NOCH MIT WASSER-ANTEIL)

GEPRESST MIT ZWEI ALTEN MÜHLSTEINEN IM KOLLERGANG

DAS LEICHTERE ÖL SCHWIMMT OBENauf UND WIRD ABGESCHÖPFT

... UND ABGEFÜLLT


CULTURE

KALT GEPRESST

Olivenöl vom Alpensüdhang

Cold pressed – olive oil from the Southern Alps Europe›s most northerly olive trees grow on the southern slope of the Alps. Greek slaves planted them there over 2000 years ago. BIANCO travels to the beautiful Lake Como to discover the village of Lenno, picturesque olive groves and witnesses how a very special Olio Extra Vergine is being pressed in the oil mill near Vanini. Influenced by the terroir, the oil with its characteristic olive flavour has a pleasantly fruity taste with notes of artichokes, sweet almonds and a slightly spicy finish. The mill produces a total of 28 tonnes of olive oil per year. This equals just one ten thousandth of the world’s production. BLICK AUF DEN COMER SEE, BELLAGIO AUF DER HALBINSEL UND DIE VERSCHNEITEN BERGE

Nördlichstes Olivenöl Die Olivenhaine am Comer See gelten als die nördlichsten Europas und werden seit der Römerzeit kultiviert. Im Jahre 1990 hat der Weinproduzent Tamborini am Luganer See rund 350 Olivenbäume gepflanzt, dazu kommt ein Lehrpfad bei Gandria mit weiteren 150 Olivenbäumen. Tamborinis kleine Produktion von Extra-Vergine-Olivenöl kommt mittlerweile als Olio del Ceresio auf den Markt und ist das einzige Schweizer Olivenöl. Bis circa 1650 sollen auch im Tessin Olivenbäume kultiviert worden sein, danach hat man dort aus klimatischen Gründen die Produktion eingestellt.

www.oliovanini.it, www.tamborini-vini.ch

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HISTORY

DIE LEGENDÄRE LIMONADE AUS DEM SERNFTAL

DIE LEGENDÄRE

LIMONADE AUS DEM SERNFTAL Philipp Bitzer

Archiv Elmer Citro

85 Jahre ist es her, seit ein Einheimischer das Elmer Citro erfunden hat. Dank einer genialen Marketingidee in den 1960er-Jahren ist das alpine Tafelgetränk auch heute noch ein Verkaufsrenner. Seit Menschengedenken sprudelt im «Gschwend», wie die Einheimischen das Berggebiet auf der linken Talseite oberhalb von Elm nennen, ein rötlich gefärbtes Wasser hervor. Dieses wurde schon im Mittelalter als «heilbringend» gepriesen, doch erst 1892 liess der damalige Grundeigentümer, ein geschäftstüchtiger Bürger namens Gilg Zentner, das Wasser chemisch untersuchen. Der Befund, dass das Wasser stark eisenhaltig sei, zog Menschen mit vielerlei Gebrechen und Gebresten an, und so baute Zentner ein Badehäuschen, in dem er sein heilbringendes Wasser in Korbflaschen verkaufte. Ein Vierteljahrhundert später war das Badehäuschen einer Lawine zum Opfer gefallen. Und ein gewisser Oskar Schärli, Inhaber des inzwischen gebauten Kurhauses, fing an, das Heilwasser mit Kohlensäure zu versetzen und als «Elmer Sprudel» zu verkaufen. Zwei Jahre dauerte es, bis er aus seinem Sprudel eine Limonade gebraut hatte, die seinen geschmacklichen Vorstellungen entsprach. Und diese verkaufte er fortan unter dem Namen Elmer Citro, nicht wissend, dass er damit eine Marke kreiert hatte, die in den 1960er-Jahren schweizweit für Furore sorgen sollte: Der damalige Werbeberater von Elmer Citro, Hans-Paul Schellenberg, sollte das einbrechende Geschäft wieder ankurbeln. Er entwickelte deshalb die Aktion «Elmer Girls», bei der das Publikum aus sechs hübschen jungen Damen die Schönste auswählen sollte. Und diese simple Idee, die 1962 erstmals umgesetzt wurde, schlug ein wie eine Bombe: Bereits im

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dritten Jahr machten mehr als eine Million Schweizerinnen und Schweizer an der Wahl zum Elmer Girl mit. Der Marktanteil von Elmer Citro erhöhte sich in dieser Zeit von vier auf elf Prozent! Bis zum Stopp der Kampagne im Jahr 1970 kam jeder Landesbewohner mit der Marke Elmer Citro in Berührung. Ein Wahnsinnserfolg, der dafür gesorgt hat, dass die Marke auch heute noch fest in den Köpfen zumindest der reiferen Generation verankert ist. Heuer feiert das Elmer Citro seinen 85. Geburtstag. Dass es so weit kommen durfte, ist nicht ganz selbstverständlich. Denn in den 1980er-Jahren war die Traditionsmarke von der Feldschlösschen-Gruppe übernommen und in Fontessa Elm umbenannt worden. 1999 gelangte sie schliesslich in den Besitz der Ramseier AG (bekannt durch ihre Obstsäfte und das Sinalco), die das Kultgetränk seit 2002 wieder unter dem altbekannten Namen Elmer Citro vertreibt. Dies wieder mit grossem Erfolg.


SKI ColleCtIon Autumn/wInter 2012


CULTURE

EDLE BRÄNDE AUS WILDEN KRÄUTERN

EDLE BRÄNDE

aus wilden Kräutern

Dominik Flammer

Sylvan Müller

Mit der Wiederentdeckung der jahrhundertealten Wildpflanzenküche tauchen im Alpenraum auch wieder die traditionellen Schnäpse aus wilden Wurzeln, Beeren, Blättern und Kräutern auf. Traditionen, die über den gesamten Alpenbogen weit verbreitet sind und eine ungeahnte Vielfalt bieten. Sie sind die Vorfahren der grossen Schnapstraditionen des Alpenraums, all die Destillate und Liköre aus einheimischen Wurzeln, Beeren und Kräutern, deren Vielfalt im Alpenraum einzigartig ist. Die Schnapsbrenner, von denen sich viele auch als Alchimisten verstanden, erlagen schon früh der Suche nach den urtümlichen Geschmäckern der Natur. Unter dem Einfluss der Klosterbrennereien waren es oft lokale Schnapsbrenner, die mit den Kräutern, Wurzeln und Beeren ihrer unmittelbaren Umgebung zu experimentieren begannen. Und das in Zeiten, da teure exotische Gewürze für die grosse Mehrheit der Bevölkerung unerschwinglich waren, Zucker und Zimt mit Gold aufgewogen wurden und sich nur eine reiche Oberschicht gelegentlich Pfeffer oder Anis leisten konnte. Liegt der Ursprung vieler Schnapstraditionen in der Heilkunde, erkannten Köche und Hausfrauen schon früh, welche geschmackliche Kraft in vielen Wildpflanzen steckt. Und dies nicht nur für Schnäpse, denn Beeren waren wichtige Zuckerlieferanten, und auch Wurzeln und Erdknollen hatten über Jahrhunderte eine weit grössere Bedeutung für die menschliche Ernährung. Dieses Wissen war weit verbreitet und geriet erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Dabei wurden etwa bis in die 40er-Jahre des 20. Jahrhunderts aus dem ganzen Alpenraum noch Eisenbahnwagenladungen voll mit Wurzeln des gelben Enzians in die Brennereien Bayerns

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geliefert, um sie dort zu destillieren. Mengen, die heute nicht mehr denkbar sind, auch wenn die Enzianbrennerei bis heute überlebt hat. Schnaps wird seit Urzeiten aus den Wurzeln zahlreicher Enzianarten gebrannt, etwa aus jenen des Tüpfel- und des Ostalpenenzians. Eine aussergewöhnliche Rarität ist der Schnaps aus dem Purpurenzian, den der Bündner Schnapsbrenner Gion Candinas aus Surein in der Surselva brennt. Nebst dem Enzian haben zahlreiche andere Wildpflanzen, Wildbeeren oder Wurzeln im Alpenraum als Zutaten für Schnäpse und Liköre überlebt. Wie etwa die Meisterwurz im Südtirol und in den österreichischen Alpen, die wie die Schafsgarbe in den Ostalpen auch als Würze von Frisch- oder von Sauermilchkäsen verwendet wurde. Oder die Alpenmutter- und die Blutwurz, mit denen man im Bayrischen Wald Digestif-Schnäpse oder Liköre herstellt. Fast völlig in Vergessenheit geraten und erst in den letzten Jahren wiederentdeckt worden sind die Vogelbeeren, eine Pflanzengattung aus der Familie der apfelartigen Rosengewächse. Für alle Früchte dieser Gattung gilt, dass sie erst geerntet und verarbeitet werden können, wenn sie den ersten Frost hinter sich haben. Denn während des Frostes verlieren sie ihre Bitterkeit. Die populärsten und bekanntesten unter ihnen, die Vogelbeere – auch Eberesche oder Mehlbeere – werden in weiten Teilen Österreichs zu Schnaps verarbeitet. Auch in anderen Regionen


EINE RARITÄT: DER SCHNAPS AUS PURPURENZIAN VON GION CANDINAS AUS DER SURSELVA


CULTURE

EDLE BRÄNDE AUS WILDEN KRÄUTERN

der Alpen waren die Mehlbeeren bis ins 19. Jahrhundert hinein sehr beliebt. Um 1750 noch wurden in der Ostschweiz, etwa am Südufer des st. gallischen Walensees, die Ernte der Mehlbeeren in den Wäldern an den Meistbietenden verpachtet. Die Früchte wurden auf dem Ofen getrocknet und zerhackt, mit einer guten Mehlmischung zu süsslichen Broten verarbeitet, die als Leckerbissen galten. Die Wärme liebende Elsbeere, die zur selben Gattung gehört wie die Vogel- und Mehlbeere, ist in Europa vorwiegend am nördlichen Alpenfuss zu finden. Im Elsass, im Jura und im Grossraum Wien werden daraus vor allem Schnäpse destilliert. Ein anderer aussergewöhnlicher Likör wird seit bald drei Jahrhunderten auch in Graubünden und dem Veltlin aus der Moschus-Schafgarbe angesetzt, bekannt als Iva-Likör oder IvaSchnaps, der von Bäuerinnen schon seit dem 16. Jahrhundert hergestellt wird. In den westalpinen Regionen, vor allem im Wallis, im Aostatal und in den französischen Alpen nutzt man hingegen seit Jahrhunderten vorwiegend die ährige Edelraute, aus der eine Vielzahl an Schnäpsen und Likören hergestellt wird. Nie als genutzte Wildfrucht ganz verschwunden ist auch die Schlehe, auch Schwarzdorn genannt. Sie gehört, wie die Mehlbeeren, zur Familie der Rosengewächse und zählt in gebrannter Form ebenso zu den begehrten und seltenen Schnäpsen. Für Mehlbeer- oder Schlehenschnaps braucht es

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nämlich rund hundert Kilogramm Maische, um daraus zwei bis drei Liter Schnaps zu gewinnen. Entsprechend teuer und begehrt sind deren Schnäpse denn auch als rare Delikatessen. In Vergessenheit geraten sind viele dieser Schnäpse nicht zuletzt durch die Globalisierung des Handels. Exotische Gewürze wurden mit der zunehmenden Schifffahrt und dem professionalisierten Anbau ab dem 18. Jahrhundert erschwinglich und begannen, vor allem in der Schnapsbrennerei, die reinen einheimischen Schnapsgewürze vorübergehend zu verdrängen. Erst im 18. und 19. Jahrhundert begannen sich Brenner und Schnapsproduzenten wieder auf die einheimischen Gewürze zurückzubesinnen, indem sie lokale wie auch exotische Zutaten miteinander zu vermischen begannen. So, wie es ihnen Köchinnen und Köche bereits vorgemacht hatten, als sie begannen, den Braten gleichzeitig mit ceylonesische Nelken und einheimischem Wacholder zu würzen. So entstanden Schnäpse und Liköre, denen eine Mischung einheimischer und importierter Gewürze jenen unverkennbaren Geschmack verleihen, der oft gar auch an ihren Ursprung erinnert: Galten sie erst als Medizin, entwickelten sie sich erst nach und nach zu eigentlichen Genussund Konsumprodukten. Bekannte Beispiele dafür sind der Mailänder Fernet Branca, der Appenzeller Alpenbitter, der Absinth aus dem Jura oder auch die grossen «Chartreuse»-Liköre aus den französischen Westalpen.


Noble spirits of wild herbs With the rediscovery of the ancient wild plants cuisine, the traditional spirits of wild roots, berries, leaves and herbs appear again in the Alpine region. Traditions that are widespread throughout the Alps and offer an amazing variety. The culinary heritage of the Alps (original title: Das kulinarische Erbe der Alpen) is written by Dominik Flammer, food scout and author, in collaboration with photographer Sylvan Müller. It tells the history of food in the Alpine territories and what role this natural mountain barrier between northern and southern Europe has played for the spread of new products, food crops, livestock breeds and production techniques. Available in two volumes and featured as a twelvepart TV series.

Das kulinarische Erbe der Alpen Dominik Flammer, Foodscout und Autor, arbeitet zurzeit zusammen mit dem Fotografen Sylvan Müller an zwei Büchern unter dem Titel «Das kulinarische Erbe der Alpen». Erzählt wird darin die Ernährungsgeschichte des Alpenraums und von der Rolle, welche dieser natürliche Gebirgsriegel zwischen Nord- und Südeuropa bei der Verbreitung neuer Produkte, Nahrungspflanzen, Tierrassen und Produktionstechniken gespielt hat. Das erste Buch zum Thema ist seit dem 25. Oktober 2012 im Buchhandel. In den Weihnachtsferien wird eine unter der Federführung des Bayrischen Rundfunks und des Schweizer Fernsehens produzierte gleichnamige zwölfteilige Fernsehserie starten.

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REPORT

HUBERTUS

Im Einklang mit sich selbst

HUBERTUS ALPIN LODGE & SPA

IM EINKLANG

mit sich selbst

Dario Cantoni

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Uli Wiesmeier (Landschaft und Portr채ts), G체nter Standl (Hotelbilder)


Die Tourismusbranche steht im Umbruch und muss sich auf die neuen Bedürfnisse des Gastes einstellen. Dieser bewegt sich gemäss neuen Studien zunehmend nahtlos zwischen Arbeit und Freizeit. Statt materieller Werte rückt das Erlebnis ins Zentrum, die Reise zum Ich wird immer wichtiger und das Hotel selbst zur Destination. Mit fortschreitender Individualisierung verliert der Massenmarkt zugunsten der Nische an Bedeutung. Zudem achten die Verbraucher gerade in schwierigen Zeiten vermehrt auf sich und ihre Bedürfnisse. Nach einem aufwendigen Um- und Ausbau scheint das Hubertus bestens darauf vorbereitet. Das Hotel liegt nicht etwa in St. Moritz oder Kitzbühel, sondern hinter dem Bregenzer Wald im tiefsten Oberallgäu. Balderschwang liegt im Niemandsland. 1951 noch sehr weit weg. Keine Verbindung ins Tal, kein Pass, noch hinter Hittisau … und bis tief in die Sechzigerjahre als Enklave nur über Österreich erreichbar. Ein Hochtal auf 1044 Metern, von Gipfeln und Graten bewacht. Strafposten für aufmüpfige Lehrer und nervende Pfarrer, für renitente Polizisten und Zollbeamte. Oft auch «bayrisch Sibirien» genannt – nicht nur deshalb, sondern auch wegen der enormen Schneemengen, die hier im Winter fallen. Balderschwang ist die höchstgelegene und mit seinen 247 Einwohnern zugleich auch kleinste eigenständige Gemeinde Deutschlands. War der Weiler im Oberallgäu vor 50 Jahren noch einsam und abgeschnitten, so ist er heute in rund zwei Stunden bequem von Zürich oder München erreichbar und erscheint dem Besucher als faszinierend entrückter Ort der Entschleunigung. Während in der Welt da unten rasender Stillstand herrscht, findet hier oben beruhigender Wandel statt.

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REPORT

HUBERTUS

Im Einklang mit sich selbst

Von innen nach aussen

GASTGEBER CHRISTA UND KARL TRAUBEL

Entwicklung Hier fand Vater Traubel vor über 60 Jahren das Haus seiner Träume. Führte es als Jagdhütte mit einfacher Wirtschaft. Investierte jede Mark, jede freie Minute, sein ganzes Herzblut. Es kommen Wintergäste, blieben 14 Tage. Die neue Passstrasse über den Riedberg (mit 1420 m der höchste Alpenpass Deutschlands) lockt Tagesgäste, die hauseigene Metzgerei Feinschmecker, zwei Ferienwohnungen Familien. Nach dem frühen Tod der Eltern übernehmen die beiden Söhne die Geschicke des Hauses. Karl ist 26, sein Bruder Walter vier Jahre jünger. Karl lässt seine Ausbildung im Aroser 5-Sterne-Hotel sausen, wird Unternehmer und Hüttenwirt auf der nahen Alp. Bustourismus, die erste Wellnessbewegung Ende des 20. Jahrhunderts, bevor Karl Traubel und seine Frau Christa sich 2004 entscheiden, voll ins Hotel einsteigen und dieses zu entwickeln. Es beginnt eine Geschichte von Tradition und Erneuerung, von Bodenständigkeit und Visionskraft, von Stilsicherheit und Weitsicht, an dessen Ende die zauberhafte Wandlung von der einfachen Jagdhütte zur aktuellen Hubertus Alpine Lodge & Spa steht.

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«Das Schaffen schöner Formen ist das eine. Doch ohne Inhalt bleibt dies reiner Selbstzweck», dies steht als Einstimmung im Hotelprospekt. Und dies findet sich auch überall im Hotel wieder. Man muss sich einfach darauf einlassen. Sich Zeit nehmen. 2010 investierten Christa und Karl Traubel insgesamt sieben Millionen Euro, um ihr Hubertus für die Zukunft vorzubereiten. Zu den 50 bestehenden Zimmern mit klingenden Namen wie «Vogelnest», «Edelweiss» oder «Murmelstube» gesellen sich neu 16 grosszügige Junior- und Spasuiten, dazu sechs gemütliche Stuben für ein Esserlebnis während des ganzen Tages. Das eigentliche Herzstück aber ist das 2000 Quadratmeter grosse Spa mit seinen 12 Behandlungsräumen mit Bergblick, Kräutersauna, Aussenpool, und Ruhehalle. Der gesamte Ausbau erfolgte stilsicher und auf Nachhaltigkeit bedacht. Die verwendeten Materialen reflektieren die umliegende Natur: unbehandelte, gebürstete Hölzer treffen auf zeitlosen Naturstein, anthrazitgrauer Granit kontrastiert mit heller Birke, Naturleinen und kuschlige Felle ergänzen die klaren Kanten der modernen Innenarchitektur mit fliessenden Formen. Die wahre Grösse liegt in den Kleinigkeiten. Die 20 Jahre auf der Alp haben das Ehepaar geprägt. «Auf der Hütte sind alle gleich: kein weisses Hemd und keine Krawatte», sagt Christa Traubel, «Diese lockere Ungezwungenheit, die Hüttenatmosphäre wollten wir auch im Hotel hinbekommen. Die ganze Optik und Haptik bringt die Leute schon auf den Boden zurück.» «Wir wollen unseren Gästen die Zeit geben runterzufahren, mit sich selbst in Einklang zu kommen. Oftmals kann man gar nicht mehr alles verarbeiten, was tagtäglich auf einen einwirkt», meint Karl Traubel, «da bewirkt die Natur Wunder.» Beiden ist echte Gastfreundschaft ein grosses Anliegen. «Wir wollen nicht einfach als Konsumgut wahrgenommen werden, im Zentrum steht die Begegnung mit Menschen.»

Quelle zur Selbstfindung Karl Traubel ist der Geerdete, steht mit beiden Füssen auf dem Boden, schöpft Kraft aus der Natur, wohin er auch seine Gäste gerne mitnimmt, um ihnen die Schönheit dieser fast unberührten Wald- und Weidenlandschaft näherzubringen. Während Christa, die ausgebildete Apothekerin, Heilpraktikerin und Ayurveda-Therapeutin sich eher zum Spirituellen hingezogen fühlt: «Konsum und Lifestyle bringen uns als Menschen nicht weiter», meint sie. «Wir müssen viel mehr auf unsere inneren Bedürfnisse eingehen. Was braucht der Körper, damit sich seine Seele darin wohlfühlt? Wohin will ich gehen? Wie kann ich authentisch sein, wahre Begegnung zulassen?» Grundzüge der traditionell indischen Heilkunst wurden an die hiesigen Verhältnisse angepasst. Dazu ergänzt Christa Traubel: «Unsere Behandlungsphilosophie heisst nicht umsonst AlpYurveda. Sie vereint indische Heil- und Lebenskunst mit der natürlichen


Wirkung der Bergkräuter wie Arnika, Enzian und Johanniskraut.» Diese Verschmelzung, zusammen mit den Gesundheits-, Kosmetik- und Fitnessangeboten hat schon diverse Preise eingeheimst. Dieses Jahr etwa die Auszeichnung «Best Signature Treatment» vom European Health & Spa Award, nachdem das Hotel bereits 2011 den «Senses Wellness Award», eine Auszeichnung als «Best Hotel Spa» und den «Sonderpreis Lifestyle» vom Deutschen Tourismusverband erhalten hatte.

Gaumenkultur Genau so wie sich Traubels einer Hotelkategorisierung mit Sternen verweigern – zu eng, zu viele Kompromisse – warten sie mit einer Küchenphilosophie jenseits von Haubenpolitik auf. Lieber bewahren sie sich ihr ausgeprägtes Gespür für den Geschmack der Gäste, aber auch für die eigenen Überzeugungen. Und die gehen ganz klar in Richtung der Bekenntnisse der Slow-Food-Bewegung. Einkaufen in der Region. Saisonal ausgewogene Produkte. Nur von persönlich ausgesuchten Lieferanten. Lieber weniger Fleisch. Dazu die Garantie des ökologisch korrekt agierenden Gastgebers auch beim Kochen und Kühlen. Haute Cuisine ist es ab 1000 Metern über Meer allemal. Auf dem Frühstücksbuffet finden wir Käse und Butter aus dem Bregenzerwald, Joghurt vom Bauern Nenning aus Ländle-Milch (also vor Ort produziert und verarbeitet), Wurst vom Ländle-Metzger Baur aus Ronsberg, die Eier legen die Hennen von Hubert Richard aus Isny, Obst und Gemüse wird seit über 40 Jahren bei Obst Häusler bezogen, Honig stammt von den fleissigen Bienen des Wanderimkers Thomas Merk, usw.

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REPORT

HUBERTUS

Im Einklang mit sich selbst

Das Esskonzept vereint alte Allgäuer Tradition mit aktuellen ernährungspsychologischen Erkenntnissen, dazu die tägliche Abwechslung für Seele und Gaumen. Das Mittagessen ist stets vegetarisch und wird auf einem verführerischen Buffet präsentiert – bis weit in den Nachmittag hinein. Am Abend dann gekonnt inszenierte Menüfolgen oder Schlemmereien vom Buffet. Getafelt wird in sechs herzhaften Stuben anstatt im anonymen Speisesaal. Jede anders, jede speziell. Wenn es das Wetter zulässt auf der Terrasse mit Blick über den Bregenzer Wald zum Säntis. Nach dem Essen Käse von der Alp und hausgebrannter Heuschnaps an der Bar.

Quintessenz Die Tourismusbranche liegt im Jammertal, im Euroland herrscht Krisenstimmung. So tönt es Tag für Tag. Bleibt also noch die Frage: «Wohin geht die Reise im Tourismus?» «Das grosse Wachstum findet nicht mehr statt. Zusätzlich sind in den letzten Jahren viele neue Hotels dazugekommen», meint Karl Traubel. «Nun beginnt die Umverteilung der Gäste.» Das Hubertus Alpine Lodge & Spa scheint irgendwie Vorreiter einer neuen Art Hotelkultur zu sein. Selbstbewusst, aber herzlich, verwurzelt, aber mit gutem Gespür für die gesellschaftlichen Entwicklungen, intelligent, ohne belehrend zu sein, an Werten orientiert und doch offen für Neues, menschlich und nah am Leben, regional, ohne provinziell zu sein. Und damit weckt ein Aufenthalt hier oben tatsächlich die Lust am Leben, wie es ihr Leitspruch überall verheisst.

Being in harmony with oneself The tourism industry is in transition and must adapt to the guests new needs. Recent studies show that work and leisure tend to overlap seamlessly and that the experience becomes the focus over materialistic values. The journey to the true self finds more importance and the hotel itself becomes the destination. The mass market is losing relevance in favour of the niche due to progressive individualisation. Furthermore, consumers pay closer attention to their needs, especially in difficult times. After extensive reconstruction and expansion, the Hubertus seems well prepared for it. The hotel is not situated in St. Moritz or Kitzbuehel as expected, but behind the Bregenzerwald in the heart of Oberallgäu. www.hotel-hubertus.de

OBEN: UNTERWEGS BEI JEDEM WETTER: WANDERFÜHRER TONI HEINLE MITTE: DORF 5 IST DIE ADRESSE DES HUBERTUS UND GLEICHZEITIG DER NAME der SCHICKEN HOTELBOUTIQUE UNTEN: SOHN MARC TRAUBEL STEHT SCHON MITTENDRIN UND PACKT ÜBERALL AN

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PUSCHLAV (SCHWEIZ), 2005

DER GEHILFE Während eines Ausflugs ins Schweizer Berggebiet Puschlav hielt unser Zug auf offener Strecke an. Neugierig steckten meine Frau und ich unsere Köpfe aus dem Fenster. Am Ende des Zugs: dichter Rauch. Zugbegleiter und Lokführer stiegen aus, man hantierte und debattierte. Schliesslich fragte jemand unter unserem Fenster nach einem Taschenmesser. Ich kramte mein Victorinox-Messer hervor. Wenige Minuten später setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Die Bridenschraube des Bremsschlauchs sei locker gewesen, erklärte der Zugbegleiter, als er mein Messer zurückbrachte. Er bedankte sich überschwänglich – als wäre ich ein Held. Ich nahm mir vor, den SBB vorzuschlagen, das gesamte Zugpersonal mit Victorinox-Messern auszustatten. Dieter Portmann, August 2005 Victorinox-Produkte begleiten Sie – ein Leben lang. Was auch immer Sie damit erleben: Erzählen Sie es uns auf victorinox.com

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RePORT

SHORT CUTS

Schafschur in Savognin

S hort Cuts

SCHAFSCHUR IN SAVOGNIN

Annatina Valentin

Filip Zuan

Obwohl eine uralte Tradition, haben Schafschur und Wollprodukte ihren nationalen Stellenwert nahezu verloren. Eine kleine Manufaktur in Savognin wirkt dieser Tatsache entgegen und bringt die heimische Wolle zurück in das alpine Leben. Mit der öffentlichen Schafschur wird dieses Engagement einmal im Jahr zelebriert. «Schmerzhaft», möchte man im ersten Moment denken, wenn man in Savognin während der Schafschur auf den Dorfplatz trampt und dem bunten Treiben beiwohnt. Der erste Eindruck scheint rau, fast grob, und die Tiere wirken irgendwie gequält. Wir sind wohl nicht die Ersten, denen man diese Unsicherheit ansieht. Denn schon bald wird uns von den hemdsärmligen Bauern und Hirten die Frage an den Kopf geworfen: «Was macht ihr hier? Freund oder Feind?» Die Schafe stehen eingepfercht mitten auf dem Savogniner Dorfplatz im Oberhalbstein. Geduldig, scheint es, warten sie auf ihr Schicksal. Es gibt ja kein Entrinnen. Mit einem geschickten Wurf landet der Gurt um den Hals, und das Schaf kann von seinem Herdentrieb befreit werden. Kaum raus aus der Umzäunung, landet es hopps auf dem Hintern und zwischen den Beinen des kräftigen Scherers. Innerhalb weniger Minuten wird es gekonnt, aber mit resoluten Handgriffen und mithilfe eines leistungsstarken Rasierers vom zottigen Sommerkleid befreit. Der erste Eindruck verflüchtigt sich schnell und weicht dem Staunen darüber, wie rasant und doch präzise die Scherer das alte Handwerk ausüben. Diese Männer wissen definitiv, was sie tun. Der Sepp befreit in ungefähr drei Minuten ein Schaf von seinem Wollkleid. Während der Schorsch eine andere Technik anwendet. Er befestigt die Tiere auf einem Klapptisch und schert sie Seite für Seite kahl. Mit dieser Technik braucht es circa sieben Minuten. Ein Schaf verliert dabei rund ein bis anderthalb Kilo Wolle. Schorsch Caspar ist nicht nur Scherer,

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sondern auch der Besitzer der Schafherde, mit der er heute bereits zum neunten Mal auf dem Dorfplatz ist. Wolle ist eine der ältesten textilen Rohstoffe. Im rauen Klima der Alpen mit seinen stark ausgeprägten Jahreszeiten war die Wolle ein kostbares Gut. Schurwolle wurde vor allem wegen der sanften und wärmenden Eigenschaft geschätzt. Dafür, dass sie einen wärmenden Effekt im Winter, einen kühlenden im Sommer und eine ausgleichende Wirkung auf den Feuchtigkeitshaushalt hat. Heute wird sie seltener verwendet, wird durch Baumwolle und synthetische Stoffe ersetzt. Gewisse Schafzüchter verbrennen ihre Wolle nach der Schur sogar, so sehr hat der einst so kostbare Rohstoff an Wert verloren. Das Atelier Pôss, eine kleine Savogninger Manufaktur, hat sich auf die vergessenen Qualitäten der Schweizer Wolle zurückbesonnen und kennt sich mit der traditionellen Verarbeitung bestens aus ... Nun holt sie diese zurück in unser alpines Leben. Hinter der Schafschur im Dorf steckt die kreative Idee von Lucia Netzer, genau diese Produkte zu vermarkten. Ihre Duvets, Kissen und Matratzenauflagen begeistern und finden heute wieder grosse Anerkennung. Bereits werden erste stilvolle Wohnungen wie etwa die Alpinelodges von Plattner und Plattner in Pontresina wieder mit den von Hand verarbeiteten Produkten einheimischer Frauen ausgestattet. Am erfreulichsten aber sind das Umdenken vieler Bauern aus Graubünden und dass der wahre Wert der Naturwolle langsam wieder ins Bewusstsein des modernen Menschen zurückfindet.


RePORT

SHORT CUTS

Schafschur in Savognin

The naked sheep Atelier Pôss Im Atelier Pôss werden Duvets und Kissen aus reiner Schurwolle gefertigt. Die kleine Manufaktur aus Savognin setzt bei diesem wertvollen Rohstoff aus den Alpen auf zwei Prinzipien: Reinheit des Materials und Qualität der Verarbeitung. Die Schafe werden sorgfältig gehalten und die Produktion in Handarbeit aus Überzeugung in der Bergregion belassen. Die Duvets werden einzeln von Hand geknotet. Was weniger bekannt ist: Schurwolle ist ein natürliches Material mit vielen Vorzügen – gerade auch im Schlafbereich. Schafwolle gibt nicht nur warm und ist weich anzufühlen, sondern ist auch gesund, da sie für einen ausgeglichenen Feuchtigkeitshaushalt sorgt.
Pôss heisst übrigens Ruhe, Stille auf Rätoromanisch, beinhaltet aber auch die Bedeutung von Ausgeglichenheit, innerer Ruhe und bedachtem Handeln.

www.poss.ch

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Even though it is a very ancient tradition, sheep sheering with its wool products has virtually lost national importance. Luckily, there is a small manufactory in Savognin that opposes this trend and brings back Swiss wool into our Alpine lives. The hand tied quilts, pillows and mattress pads offer exquisite quality and functionality. These products are even celebrated with an annual sheep shearing. And thanks to the commitment of the Atelier Pôss there is a beacon of hope for one of the oldest textile raw materials.


VIS (KROATIEN), 2009

DER SCHATZ Als Tauchfischer, wie ich damals auf der kroatischen Insel Vis einer war, zog ich oft besondere Dinge aus dem Meer. Nicht nur Seeigel, Krebse oder Tintenfische, sondern auch persönliche Gegenstände. Einmal glänzte etwas tief unten am Grund. Ich tauchte weiter ab. Da lag sie: eine Taucheruhr von Victorinox. Auf ihrer Rückseite stand eingraviert „Félicitations Docteur F. Millet“. Und sie lief noch! Ich beschloss, den Besitzer ausfindig zu machen. Via Internet fand ich François Millet aus Frankreich. Ich schickte ihm seine Uhr und erhielt postwendend seinen Dank. Er war überglücklich, dass sein wertvolles Stück mit meiner Hilfe wieder aufgetaucht war – und ihm ein zweites Mal geschenkt wurde. Drago Radic, Juli 2009 Victorinox-Produkte begleiten Sie – ein Leben lang. Was auch immer Sie damit erleben: Erzählen Sie es uns auf victorinox.com.

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TRADITION

LODEN

der Stoff, aus dem Helden sind

Loden

der Stoff, aus dem Helden sind

Alexandra Knetsch

Südtirol Marketing / Alex Filz

Der Jäger. Der Bergsteiger auch. Das Wiesn-Madl selbstverständlich. Die Businessfrau. Und Michelle Obama. Alle haben Sie eines gemeinsam: sie tragen Kleider aus Loden. Der Naturstoff mit seiner jahrhundertealten Tradition ist so modern wie nie zuvor und erobert die Modewelt. Zwei Betriebe in Südtirol zeigen, wie sie seine weltweite Erfolgsgeschichte innovativ weiterführen. Extrem wasserabweisend, multidirektional dehnbar, hervorragend isolierend, körperfreundlich, strapazierfähig, schmutzabweisend, atmungsaktiv, luftdurchlässig und windbrechend. Was sich wie die Beschreibung eines Hightech-Kampfanzuges aus dem neuesten James-Bond-Streifen anhört, sind in Wirklichkeit die vielen Attribute eines jahrhundertealten Stoffes: Loden. Dem althochdeutschen Wort «loda» entstammend, bedeutet Loden so viel wie «grobes Wolltuch». Er entstand der Überlieferung nach vor etwa sechshundert Jahren rein zufällig, als eine Bäuerin das Wolltuch ihres Mannes zu rigoros mit Seifenwasser gereinigt hatte. Das Walkverfahren war erfunden und findet bis heute seine Anwendung: Schafwolle wird durch Stauchen, Drücken und Kneten – dem sogenannten walken – in warmen Laugebädern so verfilzt, dass die urspüngliche Webbindung kaum noch oder gar nicht mehr zu erkennen ist: im Gegensatz zu Filz wird ausschliesslich gewebter Stoff verarbeitet). Die hierbei entstehenden Lufteinschlüsse verleihen dem Naturmaterial seine besonderen Trageeigenschaften und machen ihn ideal als Stoff für Kleider. Mit einem groben Wolltuch haben diese schon lange nichts mehr zu tun. Der dunkelgrüne Lodenmantel ist das klassischste Südtiroler Kleidungsstück. Er wurde ursprünglich von Hirten getragen, gewann aber im 19. Jahrhundert in der Habsburger Gesellschaft an Beliebtheit. Sie machten ihn zum Teil ihrer Jagdausrüstung. Im Laufe der Zeit war er zahlreichen Verwandlungen unterworfen, avancierte zum raffinierten und teuren Stoff und wurde bald salonfähig. Weltweite Beliebtheit erfuhr Loden durch die Trachtenmode. Zu Lederhose oder Dirndl ist die Lodenjacke – auch «Janker» genannt – ein absolutes Muss. Man trägt sie mittlerweile allerdings auch als stylisches Mode-Statement zu Jeans und weissem T-Shirt. Gewalkt oder nicht gewalkt, gekämmt oder nicht gekämmt, in knalligem Königsblau,

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BEI MOEssmer in Bruneck mit Gesch채ftsf체hrer Walter Niedermayr


TRADITION

LODEN

der Stoff, aus dem Helden sind

rassigem Rot oder punkigem Pink – Loden ist hip und hat seinen rein volkstümlichen Charakter längst verloren. «Vielleicht ist die Tracht am lebendigsten dort, wo diejenigen, die sie tragen, keine Tracht darin sehen, sondern einfach ihre Kleidung.», sagt Michael Klemera vom Modelabel Luis Trenker. Die Erfolgsgeschichte des Lodens ist noch lange nicht zu Ende. Im Gegenteil: Der Stoff, aus dem die warmen Jacken sind, erlebt einen Boom. Das erkannte Heiner Oberrauch früh. Der Chef des Modehauses Oberrauch-Zitt unter den Bozner Lauben liess 1999 in Vintl die Lodenwelt bauen – und vereinte dort Produktionsstätte, Geschäft und ein Museum unter einem Dach. Weit über 40’000 Menschen besuchen das Museum pro Jahr und erfahren, wie aus Schafwolle Loden wird und wie dieser früher verarbeitet wurde. «Es ist ein natürlicher Stoff, der seinen Charme nie verlieren wird», sagt Sara Smaniotto, Geschäftsführerin in Vintl. Ihr royalblaues Lodensakko sitzt so perfekt, dass man es gleich selber tragen und nie mehr ausziehen möchte. Den Grossteil der Stoffe bezieht Oberrauch-Zitt von der Tuchfabrik Moessmer im neunzehn Kilometer entfernten Bruneck. Es ist eines der wenigen Textilunternehmen, das nach wie vor in vollstufiger Produktion anfertigt – von der Wolle bis zum hochwertigen Stoff. Seit 1894 stellt die Firma auf dem 50’000 Quadratmeter grossen Firmengelände Loden her. Schon Kaiser Franz Joseph machte Moessmer zum Hoflieferanten. Daran hat sich bis heute nichts Wesentliches geändert: Sogar der Schneider von Michelle Obama bestellte in Bruneck einen eleganten TweedStoff für die amerikanische First Lady. «Zukunft braucht Herkunft», erklärt Geschäftsführer Walter Niedermair den Erfolg der Firma, die zwei Weltkriege, mehrere Eigentümer und wirtschaftlich schwierige Zeiten überstanden hat. Der 51-Jährige mit dem schnellen Gang und der auffallenden Brille kam vor zwölf Jahren, um den Betrieb gegen die steigende Konkurrenz aus China zu etablieren. Viele schüttelten den Kopf über seine Entscheidung, die Produkte fortan vor allem im Premium-Segment zu positionieren. Heute ist Moessmer KreativPartner und Lieferant von Premium-Modelabels wie Prada, Etro, Brunello Cuccinelli, Armani, Dolce & Gabbana, Louis Vuitton und vielen mehr. Die Zahlen sprechen für ihn. Moessmer ist Weltmarktführer beim Strickwalk. «Und die Chinesen kaufen mittlerweile unsere teuersten Stoffe», sagt er und lacht zufrieden. Also, verehrter James Bond, wie wäre es denn jetzt mit einem massgeschneiderten Anzug aus Loden?

OBEN: PRODUKTION DES LODENSTOFFES BEI Mössmer in Bruneck GANZ UNTEN: Sara Smaniotto, Geschäftsführerin der Lodenwelt in Vintl


Loden – the stuff heroes are made of The hunter. Also the mountaineer. The Oktoberfest Madl of course. The business woman. And Michelle Obama. All wear clothing made of loden. The natural product is as modern as ever and is conquering the fashion world. Two innovative companies in South Tyrol show how to continue its global success story. The dark green loden coat was already worn in the 9th century by shepherds, in the 19th century it became part of the hunting gear and MUSEUM IN DER Lodenwelt in VintL

gained in popularity. Over time it advanced to the sophisticated and expensive fabric and therefore became acceptable in polite society. Today the traditional South Tyrolean textile manufacturer Moessmer is the world leader in loden fabrics

Lodenwelt in Vintl: Produktionsstätte, Geschäft und Museum:

and supplies the trendiest fashion labels.

www.oberrauch-zitt.it

«Future needs an origin,» explains Managing Director Walter Niedermair and smiles

Tuchfabrik Moessmer, Bruneck:

www.moessmer.it

in satisfaction, «the Chinese now buy our most expensive materials.»

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PETRA OBERMUELLER

Neue Lust Trachten

Neue Lust

Dario Cantoni

Petra Obermueller

FASHION

Ursprünglich waren Dirndl und Lederhosen die Arbeitsbekleidung einer armen, ländlichen Bevölkerung. Das meist einzige Gewand musste praktisch sein, robust und möglichst lange halten. Gefertig wurde es aus den traditionellen, regional spezifischen Materialien wie Leinen, Loden, Wolle und Wildleder. Früher konnte man an der Tracht – an ihrem Schnitt, an Farben, Stoffen und Mustern ablesen, aus welcher Gegend jemand kam; ja sogar, ob er ledig oder verheiratet war. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann das Bürgertum die Alpenregionen zu entdecken. Mit ihren romantischen Vorstellungen des authentischen Landlebens nahmen sie auch die einfache Bekleidung der Bauern, Knechte und Mägde zum Vorbild und veredelten diese. Trachtenvereine zur Bewahrung des Volkstümlichen entstanden, und die Tracht wurde zum Sinnbild von Biederkeit und alpinem Kitsch – zumindest in den Gegenden, wo sie nicht traditionell verwurzelt war. Seit kurzer Zeit hat die alpin inspirierte Mode ihr biederes Image abgelegt und erreicht eine junge modebewusste Kundschaft. Dies Dank einer ganzen Reihe unverbrauchter, kreativer Designer mit frischen Ideen, gewagten Entwürfen und inspirierten Kombinationen. Trachtenelemente liegen voll im Trend. Man findet sie in der aktuellen Sportswear wie in der Haute Couture bei Prada, Dolce & Gabbana, Louis Vuitton, Armani und Co. Die neue Tracht wird in Modestrecken lustvoll inszeniert. Ausschliesslich dem Thema Trachten & Dirndl widmet sich etwa das «Dirndl Magazine» von Nadine Batista Santos – ein toll gemachtes E-Magazine mit eigenem Fashion-Blog. Es stimmt schon: In Zeiten von Globalisierung, modischem Einerlei und Massenfertigung ist ein handgenähtes Dirndl im Schrank einfach purer Luxus.


Trachten schwarzes dirndl mit beiger schürze apple of my eye by berwin & wolff www.berwin.de SPITZENBLUSE SCHMITTUNDSCHÄFER www.schmittundschaefer.de HALSKETTE AVALON’S TREASURY www.avalonstreasury.de TRACHTENHUT ALPENFLÜSTERN www.alpenfluestern.de

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Die hier abgebildete Fotostrecke wurde von Petra+friends für das «Dirndl Magazine» produziert. Das Ziel des Teams um Fotografin Petra Obermueller ist es, durch Austausch und optimierte Zusammenarbeit, Kreativität und Produktivität zu steigern. Styling und Konzeption stammen von der Modedesignerin Betina Pohl. Diese arbeitet als freiberufliche Moderedakteurin und Stylistin mit Tätigkeitsfeld Konzeption, SetDesign, Styling und Postproduktion. Das «Dirndl Magazine» wird von Nadine Batista Santos herausgegeben und widmet sich ganz dem Thema Trachten und Dirndl. PHOTOGRAPHER PETRA OBERMUELLER www.petraobermueller.com STYLING & PRODUCTION BETINA POHL www.liebeheimat.com HAIR & MAKE-UP JULIA GÖTZ www.juliagoetz.de MODEL ZAKLINA @ VISAGE www.visage.ch www.dirndlmag.de

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LANDSCAPE

CURVES

Die sinnlichste Verbindung zwischen zwei Punkten

CURVES

Die sinnlichste Verbindung zwischen zwei Punkten

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FLÜELAPASS, VERBINDUNG ZWISCHEN DEM ENGADIN UND DAVOS

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LANDSCAPE

CURVES

Die sinnlichste Verbindung zwischen zwei Punkten

GOTTHARDPASS

Dario Cantoni

Stefan Bogner

Das Glück liegt in der Kurve. Eine Kurve ist die sinnlichste Verbindung zwischen zwei Punkten. Und in gewisser Hinsicht wohl auch die realistischste. Wer sich ein Ziel steckt, erreicht dieses fast nie auf direktem Weg, und wäre dies so, würde er sich wohl um den Weg dorthin betrogen fühlen. Der Weg ist also das Ziel. So denkt, wer mit dem Sportwagen, Oldtimer, Motoroder Rennrad durch die einmalige Alpenlandschaft fährt. Und so denkt wohl auch, wer die aktuelle Ausgabe des Bookazines «Curves» in den Händen hält. Mit fantastischen Fotos entführt uns Stefan Bogner, Neffe von Willy Bogner, wie in einem klassischen Roadmovie vom Südtirol über den Stelvio, die Engadiner Pässe Albula, Flüela und Maloja, die alte Gotthardstrasse mit ihren Tremolas, über Simplon und San Bernardino und die Klassiker Susten, Grimsel und Furka. Der Fotograf hat dabei nur Augen für die Strasse und die unmittelbare Umgebung, durch die sie sich schlängelt. Fahren lehrt uns, gegenwärtig zu sein. Und wer gegenwärtig ist, ist glücklich. Einmalige Aufnahmen aus der Luft lassen die Pässe wie Kunstwerke erscheinen. Dies wird durch die fasziniernde Abwesenheit sämtlichen Verkehrs noch untermalt. Im ganzen Werk ist kein Auto zu sehen, die Strassen sind menschenleer. Genau die Reduktion aufs Wesentliche macht das Magazin so wertvoll. Diese Einschätzung teilten auch anerkannte Fachjouroren und zeichneten die Publikation mittlerweile mit fünf renommierten Designpreisen aus.

Curves For the second edition of the magazine CURVES photographer Stefan Bogner has travelled the most beautiful alpine passes between Italy and Switzerland. Fantastic photos tell a classic road movie without showing a single vehicle. The journey takes you from the South Tyrol via the Stelvio, the Engadine passes Albula, Fluela and Maloja, the old Gotthard road with their Tremolas, over the Simplon and San Bernardino and the renowned Susten, Grimsel and Furka. The photographer only has eyes for the road and the immediate surroundings through which it winds its way. Unique aerial photos make the passes appear like art. Expert jurors also share this valuation and the publication has so far been honoured with five prestigious design awards.

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GRIMSELPASS MIT STAUSEE


SÜDRAMPE DES STELVIO

STELVIO NORDRAMPE

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CURVES

Die sinnlichste Verbindung zwischen zwei Punkten

TREMOLA AM GOTTHARDPASS

Für die zweite Ausgabe des Magazins «Curves» hat Initiant und Fotograf Stefan Bogner die schönsten Alpenpässe zwischen der Schweiz und Italien bereist. In fantastischen Fotos wird ein klassisches Roadmovie erzählt, ohne nur ein Fahrzeug zu zeigen. Das 228 Seiten starke Magazin wurde in Kooperation mit dem Reifenhersteller Dunlop realisiert. Bereits erschienen ist ein gleichnamiges Werk mit den Pässen Frankreichs, in Arbeit sind «Curves» Südtirol (erhältlich ab 2013) und Österreich (erhältlich ab 2013/14).

www.curves-magazin.com

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Exklusive Eigentumswohnungen in Davos

IHR PRIvAtES ALPEnPARADIES

Ihr exklusiver Ausbau und die einzigartige Lage machen die grosszügigen 2½-, 3½- und 4½-Zimmer-Eigentumswohnungen des InterContinental Residences Davos zu einem Manifest der Davoser Alpen. Dank der Hotelanbindung kombinieren sie die Individualität einer Privatwohnung mit dem erstklassigen Service eines international renommierten Hotels. Beim Kauf stehen Ihnen für die Inneneinrichtung drei attraktive Optionen zur Auswahl, ganz nach Ihren Bedürf nissen. Besuchen Sie unsere Website und erfahren Sie mehr über die stilvollen Residenzen.

Bezugsbereit ab Dezember 2013 Besuchen Sie unsere Website und erfahren Sie mehr über die Residenzen.

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REPORT

MAYDAY, MAYDAY

Die besten Retter der Welt

Mayday, mayday Die besten Retter der Welt Philipp Bitzer

Hamilton / Air Zermatt

Die Air Zermatt geniesst weltweit den Ruf, die schwierigsten Bergrettungen zu leisten. Geübt wird im täglichen Einsatz auf Rund- und Transportflügen, beim Heliskiing, bei Suchaktionen, Rettungen und nicht zuletzt auch bei der Bekämpfung von Bränden. Ihre Erfahrung geben die Piloten der Air Zermatt sowie die Zermatter Bergführer, die an den Einsätzen beteiligt sind, auch regelmässig weiter. In den Genuss dieses Know-howTransfers gelangten so auch Kollegen aus Nepal, die im Himalaja Bergrettungen durchführen. Bei einem dieser Schulungseinsätze wurden der Walliser Helipilot Daniel Aufdenblatten und der ebenfalls aus dem Wallis stammende Bergführer und Bergretter Richard Lehner zu Helden der Luftfahrt. Es war im April 2010, als die beiden für eine Rettungsschulung in Nepal waren. Aus der Übung wurde Ernst, denn sie erhielten einen Notruf von drei Alpinisten, die auf über 7000 Metern Höhe in Not geraten waren. Obwohl bis dahin nicht bekannt war, ob eine Rettung in solchen Höhen überhaupt möglich ist, eilten sie den Bergsteigern zu Hilfe. Die Schwierigkeit, auf solchen Höhen Rettungseinsätze durchzuführen, hat ihren Hauptgrund in der dünnen Luft. In der Höhe verliert ein Helikopter an Auftrieb und kann nicht mehr so viel Gewicht tragen wie in tieferen Lagen. Eine weitere Schwierigkeit ist der Sauerstoff, der in diesen Höhen rapide abnimmt und nicht nur für Bergsteiger, sondern auch für die Rettungskräfte zum Problem werden kann. Für die Rettung brauchte es denn auch drei Anläufe. Unter anderem musste Pilot Aufdenblatten ins Basislager zurückfliegen, da der am Rettungsseil hängende Richard Lehner

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während des zehnminütigen Anflugs zur Unglücksstelle an Sauerstoffmangel litt. Auch spielte das Wetter anfänglich nicht mit. Die beiden gaben jedoch nicht auf und konnten schliesslich zu den Bergsteigern vordringen. Daniel Aufdenblatten erzählte anschliessend, dass einer der Verletzten die anfliegende Maschine zunächst für eine Halluzination gehalten hätte. Zum Glück war dem nicht so, und die beiden konnten die zwei spanischen und den rumänischen Alpinisten vor dem sicheren Tod am Annapurna bewahren. Doch damit war es noch nicht getan. Auch der Rückflug hatte es in sich und erforderte von den Piloten viel Fingerspitzengefühl, denn der Helikopter musste mit der zusätzlichen Last der schwer verletzten Alpinisten von 7000 Metern wieder heil ins Tal hinuntergeflogen werden. «Bis anhin galten Helikopterrettungen in solchen Höhen als unmöglich. wir haben das Gegenteil bewiesen», fasst Daniel Aufdenblatten zusammen. Für ihren selbstlosen Einsatz erhielten Aufdenblatten und Lehner die höchste Auszeichnung, die es in der Luftfahrt gibt, den «Heroism Award». Eine Riesenehre, war doch vor den beiden Piloten der Air Zermatt zum Beispiel der USamerikanische Linienpilot Captain Sullenberger damit ausgezeichnet worden, der seinen flugunfähigen Airbus A-320 mit 150 Passagieren an Bord auf dem Hudson River in New York notgewassert hatte. Bereits vor der spektakulären Rettungsaktion im Himalaja hatte der Chef eines Walliser Zulieferbetriebs der Swatch Group, der eine enge Beziehung zur Air Zermatt unterhielt, die Konzernverantwortlichen in Biel auf das aussergewöhnliche


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REPORT

MAYDAY, MAYDAY

Die besten Retter der Welt

Die «Khaki Flight Timer» von Hamilton verfügt über ein Piloten-Logbuch, in dem Infos über 20 Flüge und 99 Landungen gespeichert werden können.

Schulungsprojekt in Nepal aufmerksam gemacht. Insbesondere die Verantwortlichen von Hamilton, einer ursprünglich amerikanischen Marke, die in den 1970er-Jahren von Nicolas Hayek und seiner damaligen SMH-Gruppe gekauft worden war, zeigten sich vom Projekt sehr angetan. Bereits beim ersten Treffen der CEOs der Air Zermatt und von Hamilton wurde offensichtlich, dass man sich auf derselben Wellenlänge bewegte: Hamilton hatte sich in seiner 120-jährigen Geschichte zunächst einen Namen gemacht mit seinen frühen Spezialuhren für die Schifffahrt, die Eisenbahnen sowie ab den 1920erJahren auch für die Luftfahrt. Speziell der Luftfahrt war man während der folgenden Jahrzehnte treu geblieben, und auch SMH und später die Swatch Group, welche die Produktion der Uhrenmodelle 2003 in die Schweiz holte, änderten an diesem Engagement nichts. Im Gegenteil. Die Anstrengungen in der Aviatik wurden noch verstärkt, Flugakrobaten noch mehr unterstützt, und bereits beim ersten Meeting zwischen den Verantwortlichen der Air Zermatt und Hamilton zeigte sich, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen nichts als folgerichtig war. Die Entwicklung einer neuen Uhr, die speziell auf die Bedürfnisse von Helikopterpiloten zugeschnitten ist, war dann nur eine Frage der Zeit. Denn die Chefs der beiden Unternehmen hatten schnell gemerkt, dass sie – im wahrsten Sinne des Wortes – ähnlich ticken. Heute tragen alle Mitglieder der Air Zermatt, also auch das Bodenpersonal, den «Khaki Flight Timer», wie Hamilton die Spezialuhr bezeichnet. Und diese Uhr gehört, obwohl offiziell nicht zur Uniform gehörig, irgendwie einfach mit dazu. Dieser schönen Tradition hat auch ein tragischer Unfall nichts anhaben können, der sich im Himalaja ereignet und damit wieder einmal drastisch aufgezeigt hat, wie gefährlich Rettungsmanöver in hohen Lagen wirklich sind. Ein Helikopter der nepalesischen Fishtail Air, die am Schulungsprogramm der Air Zermatt teilgenommen hatte, stürzte bei einem Rettungseinsatz ab. Der Pilot und der Bergretter, die beide mehrfach auch in Zermatt gewesen waren, kamen dabei ums Leben. Und da aus einer anfänglichreinen Geschäftsbeziehung schon längst eine kollegiale, um nicht zu sagen freundschaftliche Beziehung geworden war, traf dieser Unfall auch die Schweizer Kollegen hart. Ein sehr bewegender Moment war denn auch, als die Eltern des Piloten und der Sohn des Bergretters nach Zermatt zur Premiere des Fernsehfilms kamen, der vom Schweizer Fernsehen über die Zusammenarbeit der Air Zermatt mit Nepal gedreht worden war. Seither ist zum Glück (und natürlich dank grossem Können) nichts mehr passiert. Air Zermatt und Hamilton sind bereits daran, eine weitere Uhr für das Walliser Helikopterunternehmen zu entwickeln. Die Form, meint man in Biel, sei noch nicht bestimmt, da momentan noch über die Features und Funktionen diskutiert werde. Man darf aber annehmen, dass auch dieses Mal wieder etwas Gutes aus dieser flugbegeisterten Kooperation entstehen wird.

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Der ursprünglich US-amerikanische und heute Schweizer Uhrenhersteller Hamilton feiert dieses Jahr seinen 120. Geburtstag. Seine Geschichte ist in der Tat eine bewegte Reise, die von Lancaster im US-Bundesstaat Pennsylvania nach Biel, der Hauptstadt der Uhrenindustrie in der Schweiz, geführt hat. Die 1892 gegründete Uhrenmanufaktur hatte sich in den Vereinigten Staaten schon früh einen Namen gemacht mit ihren Spezialuhren für die Eisenbahn, die Schifffahrt und die Aviatik und erfreute sich in den USA einer sehr grossen Beliebtheit. Ihre Pionierrolle in der Luftfahrt, ihre Nähe zu Hollywood sowie ihre frühen Erfolge mit elektronischen und digitalen Zeitmessgeräten passte perfekt zum American Dream. In den 1970ern übernahm Nicolas Hayeks SMH das amerikanische Traditionsunternehmen, um dessen Fortbestand zu sichern. Die Produktion verblieb danach während weiterer Jahrzehnte in den USA. Seit 2003 werden die Hamilton-Modelle in der Schweiz gefertigt und vereinen nun den amerikanischen Geist mit modernster Schweizer Techno-logie unter dem Label Swiss made. Das traditionelle Engagement in der Luftfahrt wird in einer engen Zusammenarbeit mit dem Walliser Rettungsunternehmen Air Zermatt konsequent weitergeführt.

www.hamiltonwatch.com

Mayday, mayday Air Zermatt enjoys a worldwide reputation of providing the toughest mountain rescues. The Swatch Group supports a training programme for other rescue organizations, which has resulted out of this core competency. The originally American watch label Hamilton belongs to the Swiss Swatch group since the 1970s and has been engaging in aviation during most of its 120-year history. Hamilton now works closely with Air Zermatt and has even developed a special rescue watch for them. Hamilton’s «Khaki Flight Timer» assists the pilot in his difficult tasks thanks to its special features. Even in the Himalayas where the rescue operations are extremely dangerous due to the altitude and the thin air.

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REPORT

SEGUSINO – DETROIT RETOUR

Segusino

DETROIT retour Philipp Bitzer

Fabio Ceccato, Matia Bello (Parajumpers)

Wie ein kleines Familienunternehmen aus dem italienischen Valdobbiadene dazu kommt, in Detroit Entwicklungshilfe zu leisten. Ein modernes Märchen in zwei Akten …

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Es war einmal Detroit … Stadt des Motown und der Motoren. Sitz weltweit führender Automobilhersteller: Ford, Chrysler, General Motors … Doch dann erste Anzeichen der Krise in den 1960ern, Unruhen, der Anfang vom Ende. In den folgenden fünf Jahrzehnten nahm die Bevölkerung von Detroit um 60 Prozent ab. Seit den Siebzigerjahren gehört die Verbrechensrate stets mit zu den höchsten in den Vereinigten Staaten. Drogenmissbrauch, Alkoholismus und Arbeitslosigkeit sind nicht nur an der Tagesordnung, sondern haben ein Ausmass angenommen, das weltweit zu den schlimmsten gehört. Wenn man heute durch die Strassen der Stadt geht, trifft man auf ganze Quartiere, die in ihrer Trostlosigkeit und Verlassenheit an die Apokalypse erinnern. Aber hier und da finden sich auch Zeichen von Hoffnung. Zum Beispiel in der Heidelberg Street. Eine Non-Profit-Organisation, die in dieser Strasse zu Hause ist, hat sich zum Ziel gesetzt, mit Kunstprojekten das Quartier zurückzuerobern. Heidelberg Project oder kurz HP wird die Aktion schlicht genannt. Die Grundidee stammt vom heimischen Künstler Tyree Guton. Er lud Künstlerfreunde ein, zwei völlig heruntergekommene Blocks künstlerisch wiederzubeleben. Kreative aus den unterschiedlichsten Disziplinen folgten diesem Auruf und verwandeln seither das bewohnte Quartier in ein riesiges Kunstprojekt. Als Material verwenden sie Vorhandenes, Werkstoffe und Abfall aus den Häuserruinen, zurückgelassene Autos und selbst liegen gelassene Kleidungsstücke. Das Resultat ist ein Open-Air-Museum, in dem die Kinder aus der Umgebung spielen, etwas über Kunst lernen oder den Künstlern auch bei der Umsetzung und dem Unterhalt ihrer Kunstobjekte zur Hand gehen können.


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REPORT

SEGUSINO – DETROIT RETOUR

BEWOHNER DER HEIDELBERG STREET UND IHRE BEWOHNBAREN KUNSTWERKE. IM RAHMEN EINES HILFSPROJEKTES LIESSEN SIE SICH FÜR PARAJUMPER FOTOGRAFIEREN

Was hat dies alles mit alpinem Lifestyle zu tun, fragt sich der kritische Leser. Nun! Es war auch einmal ein kleines Städtchen namens Segusino. Gelegen in den südlichen Ausläufern der Dolomiten, genauer im norditalienischen Valdobbiadene, das mit seinem Prosecco Weltruhm erlangt hat. Weniger bekannt ist, dass genau hier einst auch die Produktion von Sehbrillen ein wichtiger Wirtschaftszweig war. Durch die Auslagerung der Produktion nach Fernost implodierte die Branche, ganze Fabrikanlagen standen plötzlich leer. Es zeichnete sich eine ähnlich bedrohliche Entwicklung ab wie in der Automobilstadt Detroit, einfach in kleinerem Ausmass. Doch mit denselben verheerenden wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen auf die Region. Dem schleichenden Niedergang stellte sich eine ortsansässige Unternehmerfamilie namens Paulon in den Weg. Ursprünglich hatte sie in der Provinz Treviso drei Seidenspinnereien betrieben, wo zu den besten Zeiten rund 150 Mitarbeitende, vorwiegend Frauen, tätig waren, während ihre Ehemänner auf den Feldern arbeiteten. Mit dem Niedergang der europäischen Textilindustrie wurde es auch im Seidenbereich immer harziger, weshalb man Anfang der 1960er-Jahre die Ausrichtung des Unternehmens änderte und mit der Produktion von Strickwaren für Kinder begann. 1978 traten mit Ermanno und Giuliano Paulon die heutigen Geschäftsführer ins Unternehmen ein und fingen an, Kleider für den Outdoorbereich herzustellen. Nicht unter eigenem Namen, sondern für bekannte Marken wie Think Pink, Midwest, Waschbaer, etc.

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So ging das die nächsten 20 Jahre, bis man genügend Know-how und Selbstvertrauen gesammelt hatte, um ein eigenes Label in die Welt zu rufen. Das Schicksal wollte es, dass die Familie einen alten Hasen für das Projekt gewinnen konnte, der nicht nur ein bisschen crazy, sondern vor allem äusserst versiert im Sektor der sogenannten Sports Wear war: Massimo Rosetti. Dieser hatte bereits in den 1950er-Jahren Rockeroutfits aus den Staaten nach Italien importiert, um später selber Mode zu entwerfen, dies für verschiedene grosse Unternehmen wie die Valentino Group, Fay, Canada Goose, Museum und andere. Als letztes Projekt vor seinem Ruhestand schlug der heute 69-jährige Rossetti der Familie Paulon vor, das Label Parajumpers zu starten. Sieben Jahre ist das nun her. Den Namen Parajumpers hatte Rossetti von den «jumping parachutists» der 210 Rescue Squadron abgeleitet, einer amerikanischen Fallschirmspringereinheit, die in Anchorage in Alaska stationiert ist. Als Key Visual sollte ein spezieller Karabinerhaken aus dem Spezialfallschirm dieser Einheit dienen. Lediglich drei Jacken, meinte Rossetti, brauche man zu Beginn: Eine Bomberjacke, eine etwas längere und einen Parka. Und bei allen sollte eine grosse, gut sichtbare Tasche mit einem überdimensionierten Reissverschluss aufgenäht sein. Das wars. Aus dieser simplen Grundidee entstand eines der erfolgreichsten Modelabels der jüngeren Zeit. Parajumpers verkauft seine hochpreisigen Modelle nur in den allerbesten Boutiquen dieser Welt und weist weltweit jährliche Zuwachsraten zwischen

16 und 35 Prozent aus. Zahlen, von denen andere Kleiderhersteller nur träumen können. Waren der Vertrieb, die Qualitätskontrolle, die Planung und das Timing die Kernkompetenzen der früheren Generation, ist man heute – seit kurzem sind auch die beiden Töchter Cristina und Gloria im Unternehmen tätig – stärker marketingorientiert und legt viel Wert auf einen unverwechselbaren Stil. Dieser Mix hat Parajumpers in die Zukunft katapultiert, und so wurde aus der kleinen italienischen Kleidermanufaktur aus Segusino quasi über Nacht ein internationaler Anbieter, der seine stark steigenden Gewinne getrost reinvestieren kann. Einerseits in eigene Projekte wie den Aufbau einer exklusiven Wollbekleidungskollektion, die wieder ganz in Italien hergestellt werden soll (im Gegensatz zu Parajumpers, dessen Produkte noch in China gefertigt werden). Oder eben in soziale Projekte wie das Heidelberg Project in Detroit, wo das Unternehmen gleich zwei Fliegen auf einmal schlägt: Einerseits unterstützt Parajumpers ein benachteiligtes Quartier und dessen Bewohner. Andererseits erhielt das Label dadurch Zugang zu einer einzigartigen Location, um die Herbst-/Winterkollektion 2012/13 ungewohnt in Szene zu setzen. Somit schliesst sich der Kreis zwischen Segusino und Detroit wieder. Sowohl die amerikanische Motorstadt als auch das Kaff Segusino zeigen hier, wie man mit Kunstaktionen, Solidarität und guten Geschäftsideen gegen den wirtschaftlichen Niedergang ankämpfen kann.

From Segusino to Detroit The small and successful fashion label Parajumpers supports a social art project in Detroit named the «Heidelberg Project». The project’s name was chosen because of artists reviving a whole district around Heidelberg Street with numerous works of art. The result is a fascinating open-air museum of a special kind. In return for the financial support Parajumpers and local residents of Heidelberg Street worked together to present the autumn/winter collection 2012/13. Parajumpers Hauptsitz in segusino

www.parajumpers.it

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FASHION

HAZY SHADE OF WINTER

Hazy shade of

WINTER

Alexandra Knetsch

Eliane Graf

Wer sagt eigentlich, man könne sich nur im Frühling verlieben? Nie war der Winter so stylisch, sexy und sophisticated! Sportlich-elegante Lederjacken, feminine Kostüme und romantische Kleider von Burberry-Prorsum, Plein Sud, Joseph und Pierre Balmain verschönern die kalten Monate und machen Lust auf mehr. Mit Accessoires von Rodo Talbot Runhof, Bally oder Roeckle wird die Weihnachtszeit endlich auch zur Fashionzeit. Jegliche Farben und Kombinationen sind möglich und machen ein für alle Mal Schluss mit dem Klischee der grauen, tristen Jahreszeit. Der Winter lockt mit seinen Reizen und lässt die Gefühle brodeln. Eine zaghafte Annäherung, ein

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erster schüchterner Blick, dann eine sanfte Berührung. Es knistert gewaltig – und nicht nur im Kamin. Der Punch wärmt den Körper, doch ihr Herz steht schon längst in Flammen. Die Eisprinzessin hat ihren Schneekönig gefunden. Der Beginn eines modernen Mode-Wintermärchens.


LINKE SEITE: LEDERJACKE MIT STRICKMANSCHETTEN ISAAC SELLAM KLEID PLEIN SUD TASCHE ISAAC SELLAM METALLKETTEN ISAJON · LINKS OBEN: HANDSCHUHE GLATTLEDER MIT NIETEN, GURT, JACKE BURBERRY PROSUM PULLOVER UND HOSE ERMANNO SCERVINO · RECHTS OBEN: JACKE, SHIRT, JUPE, CLUTCH AUS VELOURLEDER BURBERRY PROSUM · LINKS: JACKE PIERRE BALMAIN JEANS CYCLE SCHUHE ALBERTO FASCIANI HEMD UND RUCKSACK COMME DES GARçONS · OBEN: PARKA MIT PELZ JOSEPH TASCHE BURBERRY PROSUM MANTEL ERMANNO SCERVINO HANDSCHUHE ROECKLE ALLES ÜBER GASSMANN, ZÜRICH www.gassmannzuerich.ch PHOTOGRAPHER eliane graf STYLING renato attinger beauty & style pascale mauz hair ALBERT DUDLI Coiffeur Barbarella MODELS JULIA & EDISON @ SCOUT MODEL www.scout-model.com THX TO GASSMANN, ZÜRICH

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PHOTOGRAPHY

FILIP ZUAN

Schwarzeis

SCHWARZ

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EIS

Alexandra Knetsch

Filip Zuan

Faszination Schwarzeis. Wenn die Wasseroberfläche gefriert und kein Neuschnee fällt, wird man Zeuge dieses seltenen Naturschauspiels. Eine spiegelblanke, endlose Eisfläche auf dem See, dessen Klarheit die schwarzen Tiefen des Gewässers widerspiegelt. Wie das Krackele auf einem alten Ölgemälde da Vincis wandern die vielen kleinen Risse und Blasen über das Eis. Ein Fischernetz aus funkelnden Kristallen. Das Eis wächst. Hörbar. Es knackt, knistert und knallt. Ein betörendes Lied. An versteckten Engadiner Bergseen wie dem Lej Marsch, Lej Nair, Lej Zupo und wie sie alle heissen, treffen sich die Schwarzeis-Addicts. Zum Eishockey spielen und Maroni braten. Gleich jeder Sucht, reizt die Mischung aus Verbotenem und potenzieller Gefahr. Es lockt unendliche Freiheit, fern von der künstlichen Austauschbarkeit einer Kunsteisbahn. Inmitten des Spektakels der Fotograf Filip Zuan. Er fängt mit seiner Kamera jene faszinierenden Momente auf dem Eis ein und seziert die schwarze Oberfläche des Silser Sees bis ins kleinste Detail. Entstanden sind Fotografien archaischer Schönheit und abstraktem Purismus. Cool as ice.


PHOTOGRAPHY

FILIP ZUAN

Schwarzeis


PHOTOGRAPHY

FILIP ZUAN

Schwarzeis

Filip Zuan is a passionate photographer, an expert of the Engadine as well as the local soul sports scene. «My backyard» is his preferred term for the fascinating valley. Being a passionate skater and snowboarder himself, he has been accompanying the scene with his unmistakable eye for that special moment for years. He captured images for renowned skateboard magazines, other publications and various exhibitions featured his photographic work. The photo series «Schwarzeis» emerged over the past few years and covers a small selection of a series that was taken on and around various sized lakes of the Upper Engadine and hidden valleys. The phenomenon only arises when specific weather conditions are met: No precipitation and freezing cold temperatures. It’s only then when the fascinating spectacle of nature sets in, making the heart leap of joy for a dedicated small group of enthusiasts.

www.filipzuan.com

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FILIP ZUAN

Schwarzeis


Bereit für den Winter! 7000 Artikel, 8 Standorte, 1 Onlineshop, wegweisender Service, sportliche Beratung und faire Preise – das ist Bächli Bergsport. www.baechli-bergsport.ch


FASHION

FROZEN

TINA HERZL

Frozen

TINA HERZL, VIENNA


Frozen top cos www.cosstores.com UMHANG PIER ANTONIO GASPARI www.pierantoniogaspari.com HALSKETTE AND_i www.and-i.net Winter 2012/13

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TINA HERZL

Frozen


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LINKS: KLEID PETER PILOTTO by AMICIS www.peterpilotto.com RECHTS: TOP ELFENHAUT www.elfenhaut.com MANTEL STELLA McCartney by AMICIS www.stellamccartney.com HOSE BAUM UND PFERDEGARTEN by NFIVE www.baumundpferdgarten.dk SCHUHE MIU MIU www.miumiu.com TURBAN MÜHLBAUER www.muehlbauer.at


OBEN: TOP COS www.cosstores.com HOSE JIL SANDER www.jilsander.com HALSKETTE FLORIAN LADSTÄTTER by MODE MÜHLBAUER www.florian-design.com · LINKS: TOP UND ROCK JIL SANDER by JENNY www.jilsander.com BOMBERJACKE BALENCIAGA by AMICIS www.balenciaga.eu SCHUHE FENDI by LISKA www.fendi.com KAPPE HENRIK VIBSKOV by WOOD WOOD www.henrikvibskov.com RECHTS: TOP UND JACKE PIER ANTONIO GASPARI www.pierantoniogaspari.com HOSE LES CHIFFONIERS by AMICIS www.leschiffoniers.com SCHUHE PRADA www.prada.com

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Frozen


KLEID CACHAREL by NFIVE www.cacharel.com PELZ LISKA www.liska.co.at

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TINA HERZL Frozen


JUMPSUIT GASPARD YURKIEVICH by MÜHLBAUER www.gaspardyurkievich.com ARMREIF COS www.cosstores.com

PHOTOGRAPHER TINA HERZL www.tinaherzl.com STYLING MAX MÄRZINGER, TATENDRANG HAIR & MAKE-UP INA MAURER, TATENDRANG SPECIAL EFFECTS AKOS NEUBERGER MODEL BARBORA PRACHAROVA, NEXT www.nextcompany.com RETOUCHING MARIA SCHINZ, PHOTO FINISH PHOTO ASSISTENCE XENIA TRAMPUSCH BEZUGSQUELLEN: AMICIS Women, JENNY, MÜHLBAUER, MODE MÜHLBAUER, NFIVE, WOOD WOOD all Vienna, Austria

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ART

MIRKO BASELGIA

Bienen, Kunst und Murmeltiere

BIENEN, KUNST &

MURMELTIERE Christina Horisberger

Systeme, vorgegebene Strukturen, ja auch Materialien beeinflussen Verhalten des Menschen. Und umgekehrt. Diese Wechselwirkung befragt Mirko Baselgia in seinem künstlerischen Werk. Für seine installativen Arbeiten vertieft sich der junge Bündner Künstler in Geschichtsbücher, reist in die arabische Welt, bezieht Stellung auf dem Julierpass und kooperiert sogar mit Bienen. Man trifft sich mit Mirko Baselgia in einem Zürcher Café, denn die Frage nach einem Atelier wird bedauernd verneint. «Ich habe es anfänglich versucht, war aber nie im Atelier.» Der Grund dafür erklärt der Bündner Künstler mit seiner Arbeitsweise. Er arbeite immer projektbezogen. Und in Zusammenarbeit mit Fachleuten, deren Know-how er für die Realisierung seiner Arbeiten in Anspruch nimmt. «Die meisten meiner Ideen entstehen, lange bevor ich sie konkret realisieren kann.» Da müssen manchmal einfach das Timing und die Partnerschaft stimmen. So auch beim jüngsten Projekt, das erst in Entstehung begriffen ist. Mirko Baselgia hat für dieses Projekt Stellung auf dem Julierpass bezogen und die Höhlen von Murmeltieren untersucht, um sie anschliessend auszugiessen. «Eine gute Freundin begleitete den Bau der neuen Julierpassstrasse. Erst dieser Zufall machte die Arbeit möglich.» Was sich einfach anhört, erweist sich als komplexes Vorgehen und lässt den einstigen Hochbauzeichner und Projektleiter durchblicken. «Zuerst haben wir mit einer Kanalkamera die Höhlen gesichtet, um Betonmenge und Verfahren zu definieren.» Danach musste ein Baumeister her. Die ausgegossenen Formen liess Mirko Baselgia ausgraben und an einen Lagerort in Lantsch/Lenz, seiner Heimatgemeinde, transportieren. «Fast 30 Leute waren bislang involviert», wundert er sich selbst. Und es stehen noch viele weitere Arbeitsschritte bevor. Der Künstler zeichnet mit den Händen in die Luft. Man folgt ihm fasziniert, und die Windungen und Ausformungen, die als Installation in die Luft gehängt werden sollen, nehmen immer

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konkretere Formen an. «Die Schweiz hat eine ausgeprägte unterirdische Baukultur; mit ihren Tunneln, den Bunkern, dem Cern in Genf oder auch in der Diskussion um die Endlagerung unseres Atommülls», kommentiert Mirko Baselgia sein Tun. So werden die Höhlen zu Metaphern einer Schweizer Eigenart, für die sie international bekannt ist. Auf der anderen Seite macht der Künstler Unsichtbares sichtbar, sodass man in den Abgüssen vielleicht auch das System erkennen kann, mit welcher der Alpennager baut. Das knuffige Felltierchen, das mit seinen Warnpfiffen die Wanderer narrt, bevor er in sein Loch verschwindet. Wer so in Bildern weiterdenkt, landet auch da wieder bei einer möglichen Affinität zwischen Schweiz und Murmeltier, die sich als ein politischer Kommentar lesen lässt: subtil allerdings, raffiniert und ohne Aufdringlichkeit.

Gefängnis oder Freiheit? Strukturen und deren Systematik, Analogien und die darin verborgenen Bedeutungen interessieren den Künstler nicht nur in der Verhaltens- und Bauweise der Tiere, sondern auch in von Menschen geschaffenem Werk. Die Bilder «Industrial Imprisonment – London 1811» und «Industrial Imprisonment – London 2011» sowie «Industrial Imprisonment – Manhattan 2011 (Nord)» «Industrial Imprisonment – Manhattan 2011 (Süd)» geben in brüniertem Stahl vor rotgoldenem Antikglas Stadtpläne wieder. Im Gegensatz zu Manhattan erscheint die Londoner City wie ein Dschungel aus Strassen und bebauten Flächen. Der Unterschied ist frappant: Hat sich London bedürfnisorientiert entwickelt, sollte der hypodamische Raster des amerikanischen


Die organisch gewachsene Londoner City in einer Darstellung von 1811. Das Gefängnisfenster mit Antikglas und brüniertem Stahl nennt Mirko Baselgia «Industrial Imprisonment – London 1811». (2011) 77 x 55 x 2.2 cm (Foto: Stefan Altenburger)


ART

MIRKO BASELGIA

Bienen, Kunst und Murmeltiere

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3 1 «The Bee dreams up the Flower and the Flower dreams up the Bee.» Das Zitat von Francis Huxley hat Mirko Baselgia zum Emblem «Antupada» (2012) verdichtet. Bienenwachs, 55 cm. (Foto: Serge Hasenböhler) 2 Das Arvenholzrelief «Midada da structura» (2012) zeigt in 14-facher Vergrösserung die Wabenbauweise der Bienen, ausgehend von einem orientalischen Relief. 178 x 110 x 11 cm (Foto: Serge Hasenböhler) 3 Murmeltierfelle mit Audiosensoren erzeugten im Ausstellungsraum beim Nähertreten Pfiffe, die sich auf weitere «Murmeltiere»

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übertragen. Die Alpennager (Guardians – Sirena Alpina, 2009) als Bewacher eines bedrohten Lebensraums. (Foto: Ueli Alder) 4 Die Industrie ist aus dem Zentrum von London gewichen; wurde ersetzt durch Banken und Versicherungen: «Industrial Imprisonment – London 2011». (2011) 77 x 55 x 2.2 cm (Foto: Stefan Altenburger) 5 Den Bienen wurden Wachswaben mit einem orientalischen Ornament vorgegeben: «Midada da structura» (2012), Nussholz, Bienenwachs, Chromstahldraht, Chromstahlnägel. 28 x 36 x 3 cm Imker: Silvio Hitz, Imkerhof Chur. (Foto: Serge Hasenböhler)


«commissioners’ plan» (1811) im Stadtbild die demokratische Ordnung abbilden. Doch Mirko Baselgia deckt in den wie Kirchenfenster wirkenden Tableaus, welche die Präzision von Scherenschnitten haben, auch Hierarchien auf, die diesem Grundgedanken zuwiderlaufen. Die Vision einer durch und durch demokratischen Gesellschaft sei eine Illusion, meint Mirko Baselgia dazu. Und ist eine solche politische Struktur nicht auch ein Gefängnis? fragt er provokant. Darum sind die Bilder für den Künstler Gefängnisfenster: Der Blick hinein oder hinaus in eine beschränkte Welt. Jedes Material, das der Künstler einsetzt, jede Form, hat eine tiefer gründende Bedeutung. Doch man kann seine Arbeiten einfach auch nur schön finden, denn gerade in ihrer präzisen Materialität entfalten sie eine hohe ästhetische Wirkung.

Wie beeinflussbar sind wir? An der diesjährigen Basler Art hat Mirko Baselgia ein Arvenholzrelief mit sich auflösenden Wabenstrukturen gezeigt. Daneben – ganz klein – Bienenwaben in einem Nussbaumrahmen. Das Relief war zum Berühren gedacht, auch duftete das Holz in ähnlicher Intensität wie Bienenwachs. Macht die sinnliche Erfahrbarkeit den Erfolg des jungen Künstlers aus, der dieses Jahr gleich auch den begehrten Kiefer-Hablitzel-Preis erhalten

hat? «Es gibt Arbeiten von mir, die aufgrund ihrer abstrakten Symbolik sehr erklärungsbedürftig sind», gibt er unumwunden zu. Die neueren Arbeiten sind unmittelbarer, was nicht heisst, dass sie weniger komplex auf inhaltlicher Ebene sind. So interessiert es den Bündner schon längere Zeit, wie und ob man die Wabenbauweise der Bienen, das Hexagon, beeinflussen kann. Für sein Experiment hat er sich mit Imkern zusammengetan. Statt der üblichen Sechsecke wurde dem Bienenvolk ein orientalisches Ornament vorgegeben. Das Resultat entsprach zwar den Erwartungen, indem sich die Bienen wieder ihrem Muster angenähert haben. Doch blieb im grösseren Gefüge das «fremde» Muster durchaus erkennbar. Um dies sichtbar zu machen, liess Mirko Baselgia die Waben in der Empa Dübendorf als CT und bei der Inspire AG der ETH St. Gallen scannen. Das Arvenholzrelief ist ein visueller Scan der Struktur in 14-facher Vergrösserung. Bienen sind sehr im Gespräch, hierzulande nicht zuletzt auch wegen des Films von Markus Imhoof übers Bienensterben. Mirko Baselgia hat in dieser Arbeit einem brandaktuellen Thema auf den Zahn gefühlt; mit prozessorientierter, fast wissenschaftlicher Akribie. Das Resultat ist auch hier ein assoziativ sich verdichtendes, sinnlich-ästhetisches Kunstwerk, das im Kleinen über komplexe, globale Zusammenhänge zu erzählen vermag.

Bees, art and marmots Systems, existing structures as well as materials affect human behaviour. And vice versa. Mirko Baselgia questions the interaction in his artistic work. For his installative artworks, the young Grisons artist delves into history books, travels to the Arab world, takes a stand on the Julier Pass and even cooperates with bees.

Yannik Bürkli hat Mirko Baselgia 2012 für die Südostschweiz des «Bündner TagblattS» inmitten seiner ausgegossenen Murmeltierhöhlen porträtiert.

Mirko Baselgia (*1982) Er arbeitet mit Bienen, analysiert Stadtpläne oder untersucht Murmeltierhöhlen. Was der junge Bündner Künstler dabei entdeckt, hat viel mit Politik, Soziologie und Gesellschaft zu tun. Für sein junges Werk hat der gelernte Hochbauzeichner und Absolvent der Zürcher Hochschule der Künste 2012 den Kiefer Hablitzel Preis und den Manor Kunstpreis erhalten. Dieser wird ihm mit einer Einzelausstellung im Bündner Kunstmuseum in Chur kommenden März überreicht.

www.baselgia.com


PORTRAIT

JAMES B. GLATTFELDER

Von der Komplexität der einfachen Dinge

Von der Komplexität

DER EINFACHEN DINGE Dario Cantoni

Sarah Beetson

James B. Glattfelder ist in St. Moritz aufgewachsen. Mit seiner Studie «Das Netzwerk der globalen Kontrolle» erregte der 40-jährige Physiker und Komplexitätsforscher im Umfeld der globalen Wirtschaftskrise internationales Aufsehen. In der Quintessenz geht es darum, wem die Welt gehört. Dass einfache Dinge sehr komplex sein können, erklärt er uns in einem exklusiven Interview. Glattfelder steht in St. Moritz für Kaviar. Der Familienbetrieb hat sich auf den Import von Kolonialwaren spezialisiert und versorgt die internationale High Society vor Ort büchsenweise mit den schwarzen Perlen vom Kaspischen Meer. Prägende Persönlichkeit war der ebenso charismatische wie stattliche Jakob B. Glattfelder, bekannt als Tazi bis weit über die Landesgrenzen hinaus. Doch heute wenden wir unsere Aufmerksamkeit nicht dem unlängst verstorbenen Kaviarkönig zu, sondern James B. Glattfelder, dem jüngsten Spross der Familie. Das verbindende B. steht für Batrumieu, den Namen eines lokalen Heiligen. Ansonsten lassen sich nur wenige Gemeinsamkeiten ausmachen. James ist eher zurückhaltend, sitzt am liebsten vor dem Computer und tüftelt, auch ist er ein nur mittelmässiger Skifahrer, findet erst später mit dem Aufkommen des Snowboards richtig Zugang zum Wintersport. Er verbringt eine unbeschwerte Jugend in den Bergen. Erst als er an der ETH in Zürich studiert, wird ihm bewusst, dass sich seine Kindheit komplett von jener seiner Kommilitonen aus der Stadt unterschieden hat, auch beginnt er die Kraft und Schönheit seiner heimatlichen Bergwelt zu schätzen.

Doktor James B. Glattfelder Heute ist James B. Glattfelder Physiker und Komplexitätsforscher, hält einen Master of Science in theoretischer Physik und einen Doktortitel in Complex Systems. Bei der Zürcher Olsen Ltd., einem Finanzinstitut, das sich mit der Automatisierung von Real-Time-Systemen im Finanzmarkt auseinandersetzt, besetzt er die Stelle des Head of Quantitative Research. Ende Oktober 2012 referiert er am TEDxZurich vor 500 Leuten über die organisatorischen Prinzipien hinter unserer Ökonomie. Eine ähnliche Studie hatte James B. Glattfelder und die beiden Co-Autoren Stefano Battiston und Stefania Vitali ein Jahr zuvor ins Rampenlicht der globalisierten Öffentlichkeit katapultiert.

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Ein helles Köpfchen. Nein, nein, meint James bescheiden, das Thema habe ihn einfach interessiert, und wenn einen etwas interessiere, so könne man es auch leicht verstehen. Was bei der Physik auch der Fall sei. Begonnen hat alles mit fünfzehn Jahren, als James einen Chemiekurs in London besucht. Das fasziniert ihn. Die Chemie erklärt sich über die Atome, dies führt über die Quantenmechanik schliesslich zur Physik. Also beschliesst er in diesem zarten Alter, Physiker zu werden. Daneben interessiert sich James für gesellschaftliche Fragen, Philosophie, Umwelt und Subkultur. Mit der Physik können Teile der Realität in Formeln beschrieben werden. Lange reduzierte die Wissenschaft die Wirklichkeit auf einzelne Elemente und die (vier) Kräfte, die auf sie wirken. Die Formeln wurden überprüft, Gesetze davon abgeleitet und daraus Vorhersagen gemacht. Nur: Bei komplexen Systemen funktionieren die Vorhersagen nicht mehr. Wie können zum Beispiel die Flugbahn eines Vogelschwarms beschrieben werden, die Entstehung eines Termitenhügels, der Verlauf einer Krankheit oder das Auf und Ab an den globalisierten Finanzmärkten? Mit dem Studium der einzelnen Termite wird man nie verstehen, wie ein so komplexes Gebilde wie ein Termitenhügel entstehen kann. Die Realität beinhaltet neben den einzelnen Elementen eine ganz andere subtilere Dimension. Dinge sind nicht isoliert. Sie interagieren, sind voneinander abhängig und entwickeln eine kollektive Intelligenz – unabhängig davon, ob es sich um Menschen, Tiere, Zellen oder Datenflüsse handelt. Die bare Menge simpler Aktionen führt zur Komplexität. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Eins und eins ist nicht gleich zwei. Diese Erkenntnisse führen zu einem Paradigmawechsel in der Wissenschaft, James B. Glattfelder zum Studium komplexer Systeme und schliesslich in die Finanzwelt. «Finanzsysteme sind die perfekten komplexen Systeme», sagt James B. Glattfelder. «Niemand versteht sie richtig. Wir wissen heute paradoxerweise


PORTRAIT

JAMES B. GLATTFELDER

Von der Komplexität der einfachen Dinge

mehr über die Entstehung des Universums als über die Funktionsweise der Systeme, die wir selbst geschaffen haben.»

Das Netzwerk der globalen Kontrolle Komplexe Systeme werden nicht mit der Reduktion auf Formeln untersucht, sondern durch Simulation am Computer. Dies geschieht schon seit Jahren in den Bereichen der Biologie, in den Sozialwissenschaften oder bei Klimamodellen. In der Wirtschaft gehörten Glattfelder und sein Team zu den Ersten, die dies auf einer länderübergreifender Ebene gemacht haben, obwohl die Daten eigentlich schon lange vorhanden sind. In ihrer Studie analysierten die drei Forscher die Daten von rund 37 Millionen Firmen, Stiftungen und Investoren aus 194 Ländern. 43’060 Unternehmen agieren auf internationaler Ebene in mindestens zwei Ländern, was in einem komplexen System aus rund 600’000 Knoten mit über 1’000’000 Links dargestellt werden kann. Dafür wäre vor noch nicht so langer Zeit die gesamte Rechenleistung der ETH absorbiert worden. Im Innern lässt sich ein Kern mit 1’318 Firmen ausmachen, die im Durchschnitt rund 20 Beteiligungen halten. Im Zentrum wiederum sitzt eine Superzelle aus nur 147 Akteuren, die knapp 40 Prozent des gesamten Vermögens kontrollieren könnten. Es sind vor allem Banken und Finanzinstitute. Obwohl man diese Verteilung überall in der Natur findet, waren die Forscher erstaunt: «Dass der Kern so klein und so klar zu erkennen ist, hat uns wirklich überrascht. Die Konzentration ist viel grösser als etwa bei der Wohlstandsverteilung.» Werden wir also von wenigen internationalen Multis beherrscht? Jedenfalls fühlten sich viele Globalisierungkritiker darin bestätigt, als mitten während der Occupy-Wallstreet-Bewegung der «New Scientist» titelte: «Revealed – the capitalist network that runs the world». Es gab einen totalen Knalleffekt. Veröffentlichungen in Zeitschriften, im Internet, auf unzähligen Blogs und während rund dreier Wochen Anrufe aus aller Welt rund um die Uhr. James B. Glattfelder glaubt nicht an eine Absicht oder Verschwörung. «Was von weitem nach einer hochkomplexen Ordnung aussieht, kann sich von nahem als die Folge simpler Aktionen und Verhaltensweisen entpuppen. Das Perfide ist, dass solche Machtkonzentrationen sich völlig selbstständig bilden. Es ist eine Gesetzmässigkeit innerhalb komplexer Systeme, die sich überall in der Natur und selbst im Universum findet. Und es ist für unser Verständnis völlig undemokratisch.» Die Studie zeigt lediglich ein Röntgenbild der globalen Wirtschaft. Eine derartige Vernetzung birgt aber «systemische Risiken» wie die Ereignisse rund um die aktuelle Finanzkrise bestätigen. Es geht nicht bloss um das «Too big to fail», sondern auch um das «Too connected to fail». Weitere Informationen zu James B. Glattfelder und der Studie «Global Network of Corporate Control» von Stefania Vitali, James B. Glattfelder und Stefano Battiston: www.tedxzurich.com,

www.sg.ethz.ch/response, http://j-node.blogspot.ch

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Wir müssen uns entscheiden, ob wir eine Weltwirtschaft wollen, die abhängig ist von einem kleinen Kern von Finanzfirmen. Erst mit der Finanzkrise kam in der Politik Interesse auf, die Funktionsweise unserer globalen Wirtschaft besser zu verstehen. Doch hier stehen wir noch am Anfang. Die EU hat beispielsweise 10 Milliarden Euro über die nächsten zehn Jahre gesprochen, nur für das Sammeln von Daten, die dann noch analysiert werden müssen. Die Frage lautet, wie schafft man eine gerechtere Verteilung? «Der Lösungsansatz ist bei komplexen Systemen ein ganz anderer als gewohnt. Er funktioniert nicht über Hierarchien (also Verordnung von oben), sondern dezentral durch kleine Regeländerungen am System. Kleine Änderungen können eine grosse Wirkung entwickeln. Das System reagiert emergent, also unvorhersehbar. Systeme entstehen von selbst, das Universum hat die Eigenschaft, Strukturen zu bilden. Wir wissen nicht wieso, aber wir können es beobachten, können Veränderungen simulieren und schauen, was passiert, wenn wir die Regeln anpassen. Es bedeutet eigentlich die Änderung des ganzen Weltbildes. Die Realität ist viel zu komplex für Dogmatismus. Wir müssen lernen, in Interaktionsschemen zu denken. Nicht mehr: wer? Sondern: wie!»

... und die Alpen «Das Aufwachsen in den Bergen hat mein Denken sicher irgendwie geprägt. Jedes Tal gleicht einem Mikrokosmos mit eigenen Gesetzmässigkeiten. Wenn man rausgeht, ändern sich diese unter Umständen komplett. In Zürich galten andere Normen und auf meinen Reisen rund um den Globus sowieso. Also sind Regeln beliebig? Die Alpen können, systemisch gesprochen, auch als Modell für Stabilität gelten. Die Täler bilden kleinere Systeme, die untereinander nur lose verbunden sind. Zentrale Strukturen mit einer Megalopolis oder Monokulturen sind viel anfälliger auf Bedrohungen. Gesund ist Dezentralisierung und Diversität.»

The complexity of simple things James B. Glattfelder grew up in St. Moritz. The 40-year old physicist and complexity researcher gained international attention in the context of the global economic crisis with his study «The network of global control». Essentially it’s about whom the world belongs. The three researchers analysed the data of some 37 million companies, foundations and investors from 194 countries. The international executives can be pictured in a complex system consisting of 600,000 nodes with over 1 million links. The inner core is composed of 1,318 companies. In the centre is a super cluster of just 147 actors who could control almost 40 per cent of the total assets. These are mostly banks and financial institutions. Although such distribution is found everywhere in nature, the researchers were amazed: «The fact that the core can be seen so small and clear, really took us by surprise. The concentration is a lot bigger than for instance in the distribution of wealth.»


Wir versprechen Lisa, bis 2015 端ber 200 000 Kinder und Jugendliche f端r Umweltthemen zu sensibilisieren. Die Migros unterst端tzt das Umweltbildungsprogramm des WWF Schweiz und hilft so, die Jugend einen bewussten Umgang mit der Natur zu lehren. Mit diesem und zahlreichen weiteren verbindlichen Versprechen engagieren wir uns f端r die Generation von morgen.

Mehr auf generation-m.ch

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HISTORY

SPEED, SPIKES & SLIDES

Internationale Eisrennen von Zell am See

Speed,

BOLIDE AUS EIGENBAU, 19642

SPIKES & SLIDES

INTERNATIONALE EISRENNEN VON ZELL AM SEE Fabrizio D’Aloisio

Bezirksarchiv Zell am See1, Salzburger Automobil und Touring Club2, Josef Faistauer3

Zell am See im österreichischen Salzburger Land steht heute für Skifahren, Snowboarden und Langlaufen. Von 1952 bis 1974 war es auch für waghalsige Automobil- und Motorradrennen auf dem gefrorenen Zeller See bekannt. Eine Hommage an vergessene Helden vergangener Zeiten.

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Autos sind nicht nur da, um uns von A nach B zu bringen. Sie geben uns ein Gefühl von Freiheit. Die meisten jedenfalls. Sie entfachen Emotionen. Okay, nicht alle. Sie sind Kunstobjekte und Zeitzeugen alter und moderner Technik. Okay, auch nicht alle. Und Autos sind vor allem da, um gefahren zu werden. Vor allem im Winter. Wenn wir in die Fünzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurückblicken, öffnet sich eine vergessene Epoche, in der Autofahren, Geschwindigkeit und Risikobereitschaft eine ganz andere Bedeutung hatten. Eine Welt, in der man seine automobile Sehnsucht im Winter nicht im Internet stillte, sondern auf vereisten Strassen und gefrorenen Seen. Die technologische Aufbruchsstimmung der wilden Nachkriegsjahre brachte viele Mythen und Legenden des Automobilsports hervor. Es war die Zeit, in der James Dean mit seinem Porsche 356 auf den staubigen Strassen Kaliforniens Rennen fuhr. Was Dean wohl nicht wusste: Dasselbe Modell bestritt auf dem alten Kontinent ebenfalls Rennen – auf dem gefrorenen See von Zell am See bei Salzburg. Dabei war es in bester Gesellschaft weiterer Sportwagen und Motorräder, die sich alljährlich an den Internationalen Eisrennen in memoriam Ferdinand Porsches duellierten. Ja, genau der Ferdinand Porsche, der die gleichnamige traditionsreiche Automobildynastie begründet und sich 1945 nach Zell am See zurückgezogen hatte. 1952 war er bereits seit einem Jahr ver-

storben, als zu seinen Ehren das erste Eisrennen auf dem gefrorenen Zeller See stattfand. Ihm wurde durch eine Minute Motorstille die Ehre erwiesen. Eine Stille, die sich in tosendes Motorgeheule verwandeln sollte. Dutzende Autos und Motorräder brausten am 10. Februar 1952 erstmals drauflos. Porsches, VW Käfer, DKWs, BMW-Motorräder. Nicht zu unterschätzendes Detail: mit Skifahrern im Schlepptau! Denn die ersten Eisrennen von Zell am See fanden als Skikjöring-Wettbewerbe statt. Eine Sportart, die man eher von Pferderennen kennt. Es erübrigt sich zu sagen, dass die Rennen insbesondere für die Skifahrer hinter den archaischen Rennmaschinen äusserst gefährlich waren. Denn während heutige Skikjöring-Pferderennen in der Regel im Rundkurs verlaufen, waren bei den Eisrennen auch anspruchsvolle Haken und Kurven zu bewältigen. In diesen brauchten die Skifahrer viel Glück und Geschick, um nicht von Kontrahenten, Autos oder Motorrädern erfasst oder gestreift zu werden. Glücklicherweise ereignete sich während der Eisrennen nie ein folgenschwerer Unfall. Später erweiterte man die Rennen um reine Auto- sowie Motorradwettbewerbe. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 121,9 km/h – erreicht von Walter Wartbichler 1971 – krallten sich die mit Spikes aufgerüsteten Räder der Boliden in die mindestens 20 Zentimeter dicke Eisschicht. Zur Freude der wagemutigen Zuschauer, die jeweils zu Tausenden an den Zeller See pilgerten, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen.

Parade früher porsche-modelle vor dem rennen in erinnerung an Ferdinand porsche2


HISTORY

SPEED, SPIKES & SLIDES

Internationale Eisrennen von Zell am See

SKIKJÖRINGRENNEN 1961, DKW JUNIOR VOR VW KÄFER2

Aus nächster Nähe staunten sie über die in den Kurven slidenden Fahrzeuge, die sich ihren Weg, je nach Wetter, mal über klirrend festes Eis oder knöchelhohe Pfützen und Nassschnee erkämpfen mussten. Eine Sensation war 1956 die Tagesbestzeit des einarmigen Innsbrucker Rennfahrers Otto Mathé auf Porsche-Spezial. Wegen zu schlechten Eisverhältnissen mussten die Rennen in ihrer 22-jährigen Geschichte mehrere Male abgesagt werden. Wer je mit seinem Auto auf schneebedeckter Fahrbahn schnell gefahren ist, weiss, wie sehr die Fahrer in ihren Fahrzeugen durchgerüttelt werden. Und wer je Snowkiten ausprobiert hat, kann erahnen, dass die rasante Fahrt im Schlepptau eines Autos oder Motorrades auf die Fahrer wie eine Droge gewirkt haben muss. Wie Stuntmänner eines James-Bond-Films rutschten die bloss mit Helm – wenn überhaupt! – und Fliegerbrille geschützten tollkühnen Sportler in die Kurven des Eisrennen-Ovals.

Natürlich nicht mit Carvingskis, sondern mit primitiven Holzlatten ohne Kanten. In Hockeposition, um den Luftwiderstand so gering wie möglich zu halten. Die Eisrennen von Zell am See wären heute undenkbar. Nicht nur wegen vieler Sicherheitsbedenken, sondern auch aus ökologischen Gründen. Kein Umweltverband würde wohl seinen Segen zu Auto- und Motorradrennen auf einem gefrorenen See in den Alpen mehr geben. Seinen unglaublichen Reiz hatten die fast schon vergessenen Wettbewerbe, die 1974 nach dem tödlichen Unfall eines Pistenbulli-Fahrers bei der RennbahnPräparierung gestoppt wurden, aber allemal. Sie sind Zeugen einer anderen Zeit, in der man mehr gemacht und weniger gesprochen hat, in der man mehr draussen war und weniger auf Facebook. Auch im Winter.

International ice racings in Zell am See Zell am See in the Austrian province of Salzburg nowadays stands for skiing, snowboarding and cross-country skiing. From 1952 to 1974, it was also known for daredevil car and motorbike races on the frozen Lake Zell. The former international ice racings, held in honour of Porsche founder Ferdinand Porsche, were among the most dangerous sports of that era. In the early days the races were nothing but skijoring contests with daring skiers in tow. These were later complemented with car and motorcycle competitions with top speeds of over 120 km/h. The ice racings were abolished in 1974 after the tragic death of a Pistenbully driver during track preparations.

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1 MOTORRAD-SKIKJÖRING3 2 RASANT UNTERWEGS ENDE DER 50ER-JAHRE2 3 KÄFER GEGEN DKW BEI TAUENDER EISSCHICHT2 4 PORSCHE 356, GEBAUT IN SERIE ZWISCHEN 1948 UND 19623 5 MOTORRAD MIT PRIMITIVEM BEIWAGEN, 1957 ODER 592 6 MOTORRAD-SKIKJÖRING 19612 7 550 SPYDER PORSCHE, UNTERWEGS WIE JAMES DEAN2 8 BMW 700 VOR FIAT 500 UND DKW JUNIOR, 19642 9 FRÜHES MOTORRAD AUF DEN FERSEN VON PORSCHE3 3

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HISTORY

SPEED, SPIKES & SLIDES

Internationale Eisrennen von Zell am See

YOUTUBE-SEQUENZ AUS DEM HISTORISCHEN ARCHIV DES BRITISCHEN DOKUMENTARFILMPIONIERS BRITISH PATHÉ, 1955

OTTO MATHÉ, ÖSTERREICHISCHE RENNFAHRERLEGENDE UNTERWEGS IN SEINEM Eigenbau-Monoposto mit Porsche-Motor3

Weitere Informationen und Video Das Bundesgymnasium Zell am See hat eine Informationseite mit weiteren Bildern über die Geschichte der Eisrennen zusammengestellt. Diese ist unter folgender Adresse zu erreichen:

www.brgzell.salzburg.at/eisrennen Darüber hinaus findet sich auf YouTube ein kurzes Video des britischen Dokumentarfilmpioniers British Pathé über die Zeller Eisrennen. British Pathé hat seit der Einführung des Kinos um 1890 jeden Aspekt des Lebens, der globalen Kultur sowie News in Tausenden Filmen auf Celluloid gebannt. Dies in einer erfrischenden Art zwischen Information und Entertainment. Auf der BIANCO-Facebook-Seite ist dieses Video abrufbar wie auch bei British Pathé selbst:

www.youtube.com/britishpathe, www.britishpathe.com

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Athlete: Sascha Schmid Location: Schilthorn Photographer: Markus Zimmermann

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INTERVIEW

VERONIKA UND CARL ELSENER

9/11 war eine Riesenbedrohung für das «Swiss Army Knife»

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war eine Riesenbedrohung für das «Swiss Army Knife» Interview Philipp Bitzer

Filip Zuan

Victorinox ist eine der bekanntesten Schweizer Marken überhaupt. Weltweit stehen die Offiziersmesser aus dem schwyzerischen Ibach synonym für Swiss made und Swissness. Die Unternehmerfamilie hingegen bleibt lieber im Hintergrund. BIANCO hatte im bündnerischen Brail die seltene Gelegenheit, sich mit Veronika und Carl Elsener zu unterhalten. BIANCO: Veronika und Carl Elsener, wir treffen uns hier in Brail, also an der Schwelle zwischen dem Ober- und dem Unterengadin. Welche Bedeutung hat diese Region für Sie?

Carl Elsener: Das Engadin ist für uns der Erholungsort schlechthin. Wenn wir hierherkommen und zum ersten Mal so richtig diese Bergluft schnuppern, schalten wir sofort ab und entspannen uns. Wir können hier ungeheuer gut unsere Batterien aufladen und unsere Müdigkeit vom Tagesgeschäft abschütteln. Deshalb verbringen wir jedes Jahr mit der ganzen Familie mehrere Tage im Engadin. Im Sommer gehen wir Wandern und im Winter langlaufen und Ski fahren.

denke, dass das Grundverständnis für Qualität eine Ausprägung ist von Leuten, die sich auf etwas fokussieren. Diese Grundhaltung trifft man in den Alpen oft an. Carl Elsener: Ausserdem haben wir Menschen aus den Alpen eine tiefe Verbundenheit mit dem Land, in dem wir leben und arbeiten. Ohne eine gewisse Weltoffenheit ist es meiner Meinung nach aber nicht möglich, mit einem Produkt international Erfolg zu haben. Veronika Elsener: Das ist ja auch eine typische Eigenschaft der Bergler, dass sie oft aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sind, hinauszugehen, Neues zu lernen und anzupacken. Aus schierer Not quasi, um daraus dann eine Tugend zu machen.

Ihre Familie agiert unternehmerisch seit Generationen vom schwyzerischen Ibach aus, das ebenfalls mitten in den Alpen liegt. Inwiefern

Ein weiterer Bezug zu den Alpen zeigt sich, wenn man Ihre neuste

hat diese Herkunft die Entwicklung von Victorinox geprägt?

Marketingaktion anschaut: Victorinox hat eine Fahrt mit dem Orient-

Veronika Elsener: Ich denke, dass der alpine Ursprung wichtig ist für das Unternehmen und die Entwicklung von Victorinox auch geprägt hat. In einem schwierigen Umfeld hat man mit Mut, Ausdauer, Charakter und eigenständigen Ideen ein Unternehmen aufgebaut. Carl Elsener: Das zeigt sich auch an unserer Mitabeiterstruktur. Über 40 unserer Mitarbeitenden haben bei uns ihr 50-JahreDienstjubiläum feiern können. Mehr als 100 sind seit 40 und mehr Jahren in unserem Unternehmen. Das zeigt die Verbundenheit zur Region und zur Firma sowie den Respekt und das gegenseitige Vertrauen, die in unserer Firma gelebt werden. Veronika Elsener: Im alpinen Raum muss man zusammenstehen. Und die eine Sache, die man macht, richtig machen. Ich

express ausgeschrieben, die von London via Simplon über die

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Alpen nach Venedig und Istanbul führt. Mitfahren darf, wer die spannendste Geschichte zu erzählen hat, die er oder sie mit einem Schweizer Offiziersmesser erlebt hat. Können Sie uns sagen, wer auf die Idee zu dieser Ausschreibung gekommen ist?

Carl Elsener: Das ist eigentlich eine ganz einfache Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete unser Unternehmen ein sehr starkes Wachstum, weil die amerikanischen Soldaten, die in Europa stationiert waren, völlig auf unsere Messer abfuhren. Der Einfachheit halber nannten Sie unser Sportmesser «Swiss Army Knife», so enstand der Name, der heute weltweit benutzt wird. Schon bald erhielten wir aus der ganzen Welt Briefe von Leuten, die uns ihre Erlebnisse und Geschichten


INTERVIEW

VERONIKA UND CARL ELSENER

9/11 war eine Riesenbedrohung für das «Swiss Army Knife»

meinte, dass man den Zahnstocher nicht weglassen dürfe – er brauche ihn praktisch jeden Tag. So kamen wir dann auf die Idee, den Brillenschraubenzieher in einen speziellen Aufsatz zu integrieren, den man auf den Korkenzieher aufschraubt. Auffallend ist, dass Victorinox trotz aller Tradition stets mit innovativen Lösungen überrascht …

erzählten, die sie mit unseren Messern erlebt hatten. Einer schrieb, dass er es auf seiner Abenteuerreise zum Nordpol dabei gehabt habe. Ein anderer, dass er seines mit auf den Mount Everest genommen habe. Es gab auch Geschichten in den Zeitungen, die davon berichteten, wie unsere Taschenmesser Menschenleben gerettet hätten. Solche Geschichten haben uns inspiriert, als wir unsere neueste Marketingplattform aufbauten. Viele Unternehmen suchen krampfhaft nach guten Geschichten. Wir kriegen sie täglich. Carl Elsener: Ein weiteres Beispiel, wie wir funktionieren, zeigt eine Aktion rund um unseren Beststeller, ein kleines Taschenmesser für den Schlüsselbund. Wir liessen uns von unseren Kunden Vorschläge für neue Sujets machen und stellten die 30 gelungensten auf unsere Facebook-Seite. Die User wählten daraus die zehn besten, die wir dann auch so produzierten. Während der Aktion stieg der Verkauf des Messers um 45 Prozent. Veronika Elsener: Und die Aktion hatte noch einen weiteren schönen Nebeneffekt: Die Palette der eingereichten Vorschläge reichte von Japan bis Südamerika. Aus den verschiedenen Kontinenten kamen völlig unterschiedliche Sujets. Und wir dachten: Aha, so sieht man dort also unsere Victorinox-Welt. Für uns war das spannend. Carl Elsener: Die Leute setzen sich überall auf der Welt mit dem eigenen Taschenmesser auseinander. Das hat wohl auch damit zu tun, dass früher ein Messer auch zum Überleben diente. Dieser Umstand, gepaart mit den neuen Möglichkeiten des Internets, machen die Interaktivität noch spannender. Wir hatten beispielsweise einen Kunden, der wünschte sich einen Schraubenzieher, mit dem er gelegentlich seine Brille nachziehen konnte. Er schlug uns vor, dass wir doch den Zahnstocher dafür opfern sollten. Wir haben dann hin und her überlegt, aber einer unserer Techniker

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Carl Elsener: … ich denke, der Begriff Tradition bedeutet für uns zweierlei, einerseits einmal Verbundenheit mit der Geschichte unseres Unternehmens sowie der Region, in der wir produzieren. Und andererseits auch soziale Verantwortung. Dass wir etwas, das über Generationen hinweg aufgebaut wurde, übernehmen und verantwortungsvoll weiterführen, um es dann in einem gesunden Zustand an unsere Nachkommen weiterzugeben. Dass es also weitergeht … Veronika Elsener: … genau, wir sind also nur ein Glied in einer langen Kette, die zu Zeiten des Orient-Expresses geschmiedet wurde. Carl Elsener: Ja, eine interessante Zeit ganz generell. Damals entstanden die ganzen neuen Hoteldynastien. Neue Unternehmen schossen wie Pilze aus dem Boden. Man spricht ja nicht von ungefähr von der «Gründerzeit». Gleichzeitig mussten viele Schweizer, insbesondere aus den Bergregionen, aus purer Not auswandern. Unser Gründer machte den umgekehrten Weg und kam zu dieser Zeit von seinen Lehr- und Wanderjahren aus Deutschland zurück in die Innerschweiz. Hier erfuhr der gelernte Messerschmied, dass die Schweizer Armee für ihre Truppen ein multifunktionales Messer brauchte. Für ihn allein wäre das ein viel zu grosser Auftrag gewesen. Aber er sah, dass auch die Ledersachen für die Kavallerie nicht von einer Firma, sondern von vielen kleinen Sattlerbetrieben gemeinsam gefertigt wurden. So kam er auf die Idee, sich mit Kollegen zusammenzutun und gründete den Schweizer Messerschmiedeverband. Zusammen bekam man 1891 den Auftrag. Da aber gleichzeitig eine deutsche Messerschmiede auf den Plan trat, die viel stärker automatisiert und deshalb auch preisgünstiger war, stiegen die Kollegen einer nach dem anderen aus. Unser Urgrossvater wollte nicht klein beigeben, konnte dank Unterstützung durch Bekannte und Verwandte den Konkurs abwehren und kehrte allmählich auf die Erfolgsstrasse zurück. Vor allem auch deshalb, weil er das Soldatenmesser aus dem Jahr 1891, das er eigentlich gar nicht so gelungen fand, auf eigene Faust weiterentwickelte. Im Juni 1897 liess er sein ungleich eleganteres «Schweizer Offiziers- und Sportmesser» patentieren, und das war der Grundstein des späteren Unternehmenserfolges.


Sie beschäftigen heute rund um den Globus fast 2000 Menschen. Lässt sich das mit einem patronalen Führungsstil (noch) vereinbaren?

Carl Elsener: In der Schweiz haben wir derzeit rund 1200 Mitarbeiter, davon 900 in Ibach. Bis heute ist es uns gelungen, auch mit so vielen Leuten die Atmosphäre eines Familienbetriebes zu erhalten. Ausserdem haben wir immer versucht, den natürlichen Entwicklungen der Wirtschaft zu folgen und uns in strategischer Hinsicht antizyklisch zu verhalten: Wir bilden also in guten Zeiten Reserven, um in schwierigen Phasen investieren zu können. Nach dem 11. September 2001 ist unser Umsatz um über 30 Prozent eingebrochen. Wir schafften es, keinen einzigen Mitarbeiter zu entlassen, obwohl das enorm schwierig war. Das war nur möglich dank unserer Strategie – und einer grossen Portion Glück: Wir hatten vor «Nine-eleven» sehr volle Auftragsbücher und deshalb nur kleine Lagerbestände. Vielleicht hatten wir auch die richtige Nase, dass wir damals trotz des Aufwärtstrends nicht sofort mehr Mitarbeiter eingestellt hatten, sondern die Mitarbeitenden fragten, ob sie bereit seien, Überstunden zu leisten. Dann hat es geknallt. Wir reagierten mit einem sofortigen Personalstopp, reduzierten die Schichten und bauten alle Überstunden ab. Glücklicherweise hatten wir bei den Uhren ein gutes Wachstum, und die Produktion der Haushalts- und Berufsmesser war ebenfalls nicht betroffen. Schliesslich kittete der 11. September die Führung und die Mitarbeitenden noch stärker zusammen. Wenn Sie die Entwicklung von Victorinox anschauen, wo hatte das Unternehmen nebst «9/11» die grössten Hürden zu meistern, und welche Faktoren haben Ihrer Meinung nach zum weltweit anhaltenden Erfolg beigetragen?

Carl Elsener: Der 11. September 2011 war schon die grösste Bedrohung bisher. Ein weiteres Problem waren die Kopien aus Asien, die uns schon lange, seit mindestens 30 Jahren Sorgen bereiteten. Was würde passieren, wenn die qualitativ besser würden? Wir kamen zum Schluss, dass wir in die Marke investieren mussten. Als das Thema aufkam, die Marke Schweiz besser zu schützen,

waren wir bereit mitzuhelfen. Mit der Diskussion über Swissness begannen aber auch Probleme: Wir verwenden ein wappenähnliches Logo seit 1909 als Markenzeichen unserer Firma. Dieses ist heute geschützt in über 120 Ländern. Das Schweizerische Wappenschutzgesetz unterscheidet zwischen Flagge und Wappen. Die Flagge darf nach dem neuen Gesetz von allen Herstellern verwendet werden, die ihre Produkte Swiss made nennen dürfen. Das Wappen hingegen darf nur von der Schweizerischen Eidgenossenschaft, also dem Staat, genutzt werden. Dann sagte man plötzlich, unser Logo sei ein Wappen, und wir müssten die Schildform ändern. Als wir uns dagegen wehrten, hiess es, wenn ihr auf die Form nicht verzichten könnt, dann müsst ihr halt die Farbe ändern.» Veronika Elsener: Auf Druck von verschiedenen Seiten hat der Bundesrat das Gesetz dann dahingehend abgeändert, dass Unternehmen, die das Schweizer Wappen bereits länger als 30 Jahre nutzten, dies auch weiterhin tun dürfen. Weg von der Marke, hin zu den Produkten: Welches waren die grössten Sprünge in der Weiterentwicklung Ihrer Taschenmesser?

Carl Elsener: Wir entwickelten uns eigentlich nicht sprunghaft, sondern wir veränderten die ganze Zeit über. Wir versuchten stets, den Zeitgeist aufzunehmen. Als beispielsweise Golf diesen Aufschwung hatte, entwickelten wir ein spezielles «Golfer-Tool». Dann kamen die Elektronik und diese neuen Datenspeicher. Da haben wir uns überlegt, wie man solche in eines unserer Taschenmesser integrieren könnte. Auch in Bezug auf das Design sind wir in letzter Zeit völlig neue Wege gegangen. Der Impuls dazu kam aus Japan. Wir arbeiteten eng mit einem japanischen Designer zusammen, dessen schlichte Entwürfe uns sehr entsprochen haben. Er entwickelte einen für uns aussergewöhnlichen Prototypen namens «Tomo», der eine neue Formensprache spricht und stark polarisiert. «Tomo» gefällt oder eben nicht. Aber für uns noch wichtiger: Es tun sich mit ihm neue und auch jüngere Kundengruppen auf.

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9/11 war eine Riesenbedrohung für das «Swiss Army Knife»

Sie haben 2005 den direkten Mitbewerber Wenger übernommen.

Wo werden die jährlich 25 Millionen Messer heute produziert?

Was führte zu dieser Akquisition?

Carl Elsener: Ausschliesslich in der Schweiz. Pro Tag sind das 60’000 verschiedene Taschenmesser und -werkzeuge. Und noch einmal 60’000 Haushalts- und Berufsmesser.

Carl Elsener: Der 11. September war natürlich nicht nur für uns eine Riesenherausforderung, sondern auch für Wenger. Wir haben uns ja stets beäugt und beobachtet. Im Sinne einer fairen Konkurrenz, die sich gegenseitig befruchtet. Wenn also Wenger mit neuen Produkten kam, hat uns das jeweils motiviert. Und umgekehrt genau so. Wenn man die Exportzahlen anschaut, hatte Wenger zwischen zehn und fünfzehn Prozent Marktanteil bei den qualitativ hoch stehenden Swiss Army Knives. Und wir den Rest. Wenger litt daher auch stärker unter den Billigkopien aus Asien. Und natürlich auch unter Victorinox als sehr starkem Konkurrenten. Dann kam der 11. September. «9/11» war für Wenger dann einfach zu viel. Sie hatten nicht die liquiden Mittel und Reserven, um dagegen zu bestehen. Die Jurassische Kantonalbank übernahm, und diese suchte mit uns das Gespräch. «Wenn wir keinen Investor finden», teilten uns die Banker mit, «müssen wir innerhalb der nächsten Wochen die Bilanz deponieren.» Wir konnten und wollten nicht das Risiko eingehen, dass ein amerikanischer oder asiatischer Konkurrent einsteigt und die Produktion ins Ausland verlegt. Ausserdem gab uns das auch die einmalige Chance, die Marke «Swiss Army» unter einem Dach zu vereinen. Ein absoluter Glücksfall also. Trotzdem haben Sie die Marke Wenger auf dem Markt belassen …

Carl Elsener: … genau, denn wir denken, dass es sinnvoll ist, die beiden Marken Victorinox und Wenger unterschiedlich zu positionieren. Auch vom Pricing her. Hinter den Kulissen suchen wir natürlich schon überall sinnvolle Synergien.

Sie produzieren längst nicht mehr nur Messer. Heute tragen Uhren, Gepäckstücke, Kleider und selbst ein Parfüm das Emblem von Victorinox. Manche Kommentatoren sprechen von Verzettellung. Der stetig steigende Umsatz spricht allerdings eine andere Sprache.

Carl Elsener: Die Umsätze steigen tatsächlich. Aber für uns ist die Verzettelung auch ein Thema. Wir setzen bei der Produktentwicklung auf Nachhaltigkeit und wollen nicht in eine neue Produktkategorie gehen, bevor wir nicht das Bestehende auf ein solides Fundament gesetzt haben. Noch eine letzte Frage: Was halten Sie persönlich von den aktuellen Sicherheitsbestimmungen auf den internationalen Flughäfen?

Carl Elsener: Grundsätzlich sind wir ja alle sehr froh, wenn wir sicher fliegen können. Und dass geschaut wird. In Europa wurde das lange sehr strikt gehandhabt. Heute darf man wieder ein Taschenmesser mitführen, solange die Klinge nicht länger als sechs Zentimeter ist. Momentan sind wir in intensiven Gesprächen mit den Security-Verantwortlichen in den USA. Denn wir möchten, dass auch dort wieder Messer zugelassen Gesetz gäbe, das weltweit Gültigkeit hat. Es ist doch teilweise absurd. In den Staaten dürfen Sie beispielsweise eine grosse Schere im Handgepäck mitnehmen. Die ist doch viel gefährlicher als ein kleines Taschenmesser. Aber während der Wahlen ging in dieser Frage leider überhaupt nichts.

The makers of the «Swiss Army Knife» The Elsener Family is managing the Swiss company Victorinox in the fourth generation. They manufacture 25 million knives annually in Ibach, a small village located in central Switzerland. About half of the knives produced are pocket knives that are being sold worldwide under the name «Swiss Army Knife». The Elsener Family is an entrepreneurial type of old-fashioned school whose concept still incorporates social responsibility, sustainable growth and regional ties. Thanks to these values they have managed to secure a familiar environment for their approximately 1,800 employees to date. Carl Elsener’s conservation of value has peaked with receiving last year’s Swiss «Entrepreneur of the Year» award.

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ART

Spoon

Das Holz und der Löffel

Spoon

Das Holz und der Löffel

Nadja Wielath

Thomas Löffel

«Spoon» ist der Künstlername von Thomas Löffel. Das ist aber das Einzige, was der stämmige urwüchsige Bündner aus dem Englischen übernommen hat. Bereits als Förster ging er eine nie enden wollende leidenschaftliche Liebesaffäre mit den Bäumen ein. und erlegt. Seine Kunstwerke sind die Ernte einer langen, geduldigen und intensiven Auseinandersetzung mit dem Baum sowie dem Werkstoff Holz. «Ich will die Energie und die Kraft sowie die ganze Schönheit des Baumes zeigen und kreiere nur Objekte aus einem einzigen Stück. Meine künstlerische Tätigkeit beginnt schon Jahre vor der Fertigstellung des Objektes beim Durchstreifen der Wälder auf der Suche nach passenden Baumriesen. Ich muss sehen, welche Form in ihnen versteckt ist», betont der Künstler.

Der Motor heult auf, mit 6 Pferdestärken frisst sich die Kette ins Holz. Holzspäne fliegen durch die Luft. Zwei sichere Arme führen die Motorsäge gefühlvoll. Löffels Stil sind kraftvolle und markante Formen, gepaart mit sanften und spielerischen Linien. Bei der Kunst am Baum verwandelt Spoon die Bäume in eigenmächtige Kunstwerke, die alle Sinne berühren. Er arbeitet mit der Kettensäge, wie andere den Löffel schwingen – virtuos und gekonnt. Die Achtung von Thomas Löffel vor den Bäumen ist gross. Ein Baum wird nicht einfach umgesägt

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Seine Werke und Formen sind inspiriert und geprägt von der organischen und geometrischen Architektur. Ein Baum wird nicht einfach nur gefällt. Spoon haucht ihm neues Leben ein. Er trägt die Besonderheiten des Holzes und seiner Farbe an die Oberfläche. Er lässt die Bäume ihre jahrhundertelang gehütete Geheimnisse offenbaren und der Welt in seiner schönsten Form zeigen. Alles gespeicherte Wissen, seine Geduld, Ruhe und seine gewachsene Weisheit prägen das neu entstandene Kunstwerk. Sie geben dem Objekt, sei es eine Stuhl-, Turmoder Gefässform, den speziellen Touch. Lebenslinien, Falten, Risse, Narben, Maserung, Farbe, Weichheit oder Härte, all das sind gespeicherte Erinnerungen an die gelebte Geschichte des Baumes. Erinnerungen an die Kräfte, die auf den Baum über Jahrhunderte gewirkt und dessen Wachstum beeinflusst haben. Gespeicherte Sonnenstrahlen, Wasser, Wind und Kälte. All diese innewohnende natürliche Schönheit wird durch die Bearbeitung der Oberfläche zusätzlich unterstrichen durch Schleifen oder Einfräsen von feinen Rillen, durch Kontrastierung von glatter, spiegelnder mit rauen und genarbten Flächen. Unter Spoons Händen mutieren Bäume zu neuen Kunstwerken.


Artful trees Graubünden artist Thomas Löffel – Spoon – always manages to bring out the natural and also idiosyncratic beauty of wood in the design of chairs, towers, tables, bowls and sculptures. The close relationship with the material already starts with the search and selection of the tree trunk. From the beginning Spoon has a clear vision of the result with the elaboration of a particular shape. If the wood surprises with special characteristics he even deviates from his original concept. «When I choose a tree, I form a relationship with it,» says Thomas Löffel, «then I curiously explore what lies dormant beneath and listen to what it has to tell me.» This creates unique chairs, towers, tables and bowls that appeal to all senses. www.thomas-spoon.ch

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BAUERNLOFT IN ARDEZ

Bauernloft in ardez

Ruth Händler

Quirin Leppert

Im Engadinerhaus in Ardez wohnten einst Mensch und Tier zusammen unter einem Dach. Mit einem sanften Umbau hat Architekt Duri Vital alte Tradition und heutige Wohnkultur zu einem stimmigen Ambiente vereint. Die schöne Arvenholzstube bleibt das Herz des Hauses. Glasschiebetüren, die den Wohntrakt mit der Scheune verbinden, erweitern das historische Haus zu einem aussergewöhnlichen Loft. Wenn im Unterengadin der Winter mit seinen sternenklaren, eiskalten Nächten einzieht, begreift man sehr schnell die Logik des klassischen Bauernhauses in der Region: Die Tiere mussten im Haus sein, um die Arbeitswege zu rationalisieren und um die Wärme auszunutzen, die aus den Ställen im Souterrain nach oben zum Wohnbereich der Menschen drang. Das Heu, das sommers mit Pferdewagen durch das grosse Haustor direkt in die Scheune gebracht worden war und den riesigen Speicher füllte, diente nun gleichzeitig als Isolation. Schmiegten sich zwei Häuser aneinander zu einem Doppelhaus, konnte man der Kälte noch besser trotzen. An der Plazzetta von Ardez, dem wohl besterhaltenen Dorf im Unterengadin, ist die Hälfte eines solchen Doppelhauses von 1642 mit grossem Respekt vor der bestehenden Bausubstanz ins 21. Jahrhundert geholt worden. Licht und Wärme, zeitgemässer Komfort, klare Strukturen und neue Materialien lassen die historische Schönheit des Gebäudes neu erstrahlen. 60 Jahre hatte das Haus leer gestanden – wohl auch, weil sein Manko offensichtlich war: Viel zu wenig Licht drang in den rückwärtigen Wohnteil der Doppelhaushälfte mitten im Ortskern. «Die Lage war nicht ideal», sagt die Käuferin Claudia Knapp. «Es gab weder Kanalisations-

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noch Wasseranschluss. Die düsteren Räume waren zugestellt mit Gerümpel. Aber man sah den Sulèr, den zwölf Meter langen Eingangsbereich mit den Kreuzbögen, und oben im ersten Stock die schwarze Küche und die kleine Arvenholzstube.» Die Schweizer Kulturmanagerin erkannte das Potenzial und engagierte zur stilvollen Renovierung mit dem Architekten Duri Vital aus Sent einen Experten für Engadinerhäuser, der mit einer ganzen Reihe von Umbauten sein Gespür für das stimmige Miteinander von Alt und Neu bewiesen hat. Dem Dorfhaus von Ardez verordnete Duri Vital einen Befreiungsschlag: Er öffnete es auf allen drei Wohnebenen zur Scheune hin und liess in deren Holzlattung weite Fensterläden sägen. Grosse Glasschiebetüren zwischen den beiden Bereichen holen das Licht in die vormals beklemmend dunklen Räume. Die Holzebenen des ungeheizten Heustadels sind die Sommerzimmer 1 die neue Wohnqualität entsteht durch groSSe Einschnitte in der Scheunenwand. Auch im Winter bleiben die Läden in diesem ungeheizten Bereich oft offen. In der warmen Jahreszeit wird die Scheune zum Sommerhaus mit Blick auf die Ardezer Steinsburg und die Gipfel der Unterengadiner Dolomiten 2 der erste Eindruck mit dem zwölf Meter langen Durchgang zur Scheune


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2 1 Die hölzerne Kammer über dem Familien-Schlafraum, ca. 18. Jahrhundert. das alte Bett wurde am FuSSende verlängert 2 die Küche mit pechgeschwärztem gewölbe beherbergt Auf kleinstem Raum das HighTech-Equipment für heutige Kochkünstler im Chromstahlgewand 3 Die neue Glastrennwand schafft einen weiträumigen Durchblick von Arbeitsplatz und Bibliothek zum Scheunenteil

und Terrassen, auf die sich in den wenigen warmen Monaten das Wohnen ausdehnt. Selbst im Winter, wenn die wie elektrische Garagentore funktionierenden gläsernen Schiebetüren geschlossen sind, können die Läden des Heuspeichers offen bleiben. «Es schneit ein bisschen rein», sagt Claudia Knapp. «Aber die Luft ist hier trocken, und dem Lärchenholz macht es nichts aus.» Der gemauerte Wohntrakt wird nun mit Erdwärme geheizt. Die Arvenholzstube mit dem Erker zur Gasse hält die Erinnerung wach an früher. Hier versammmelte sich einst die Familie an den langen Winterabenden. «Die Frau und die Kinder», erzählt Claudia Knapp, «sassen dann auf den umlaufenden Bänken, und der Mann hatte den Platz am Ofen.» Das Schmuckstück ihrer Stüva, das reich verzierte Buffet, hat sie aus dem Heimatmuseum zurückgeholt in sein ursprüngliches Ambiente. Hinter dem verputzten Ofen, der mit einem Einsatz elektrisch beheizt wird und unabhängig von der Heizung zu regulieren ist, führen ein paar Tritte hoch zu einer Luke. Früher stieg man von hier aus direkt ins gemeinsame Schlafzimmer, um das eisige Treppenhaus zu meiden. Wie die niedrige Holzkammer, die in die Tenne ragte und wahrscheinlich im 18. Jahrhundert mit einer weiteren Kammer für die Knechte aufgestockt wurde, blieb auch die Küche mit dem pechglänzenden Gewölbe als einzigartiger Teil des historischen Hauses erhalten. In der Chà da fö, dem Haus des Feuers, wie die Küche im poetischen regionalen Idiom heisst, ist nun auf kleinstem Raum die Hightech-Ausstattung für moderne Kochorgien untergebracht. Gegenüber, in der ehemaligen Speisekammer, richtete der Architekt das Badezimmer ein. Waschbecken und Badewanne sind Schreiner-Massarbeit, gefertigt aus altem Stall-Lärchenholz.

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4 Wie die beiden historischen Schlafkammern ist der moderne Eisenkubus mit Duschbad und Ankleide als Raumskulptur in die offene Weite 端ber dem eigentlichen Wohntrakt eingestellt 5 Wanne und Becken im Badezimmer haben eine sehr willkommene Patina: Aus altem StallL辰rchenholz vom Schreiner maSSgefertigt 6 Herzst端ck des Hauses ist wie fr端her die Wohnstube. Auch fast 400 Jahre nach dem Einbau duftet die Arvenholz-Verkleidung, die den Pulsschlag verlangsamt und eine beruhigende Wirkung hat

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1 Ein breiter holzläufer ersetzt den roten teppich 2 die neu geschaffene terrasse mit aussicht auf die engadiner dolomiten im süden 3 verbindung zwischen gemauertem wohntrakt und holzscheuene mit elektrischen glastüren

Als eine Art Engadiner Bauernloft ist das neu ausgebaute zweite Obergeschoss gestaltet. Der helle Epoxidharzboden reflektiert das Licht im offenen Arbeitsraum. In Analogie zu den beiden alten Schlafkammern wurde eine moderne Kammer eingestellt: Der glatte Metallkubus, der nachts über einem Leuchtband zu schweben scheint, beherbergt ein Duschbad und die Ankleide. Dass der Scheunenteil zu dieser Doppelhaushälfte höher ragt als der nachbarliche, nutzte der Architekt zu einem spektakulären Extra: Vom zweiten Geschoss führt eine hölzerne Treppe direkt zum Himmelszimmer unter den Dachbalken: Hier liegt die wind- und regengeschützte Südterrasse mit Panoramablick auf die Unterengadiner Dolomiten.

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An Engadine farmhouse loft Humans and animals once lived together under one roof in this Engadine house. Architect Duri Vital combined tradition and contemporary home decor to create a harmonious ambiance for this gentle remodel. The beautiful pinewood room remains the heart of the house. Sliding glass doors connecting the living area with the barn transform this historical house into an extraordinary loft.


Innsbruck | Hannover | St. Moritz | Bozen | München

BEWEGUNG UNSERE KOMPETENZ „Unsere Standorte in Innsbruck, Hannover, St. Moritz, Bozen und München bilden ein internationales Netzwerk herausragender Sportmediziner und Sportorthopäden, welche mit Hilfe von Forschung, Entwicklung, klinischer Dokumentation und Ausbildung eine Patientenversorgung auf allerhöchstem Niveau bieten. Dies umfasst die konservative und operative Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates aktiver Menschen und deren effiziente Rückführung zu ihrer gewohnten Aktivität.“

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MOBILITY

DIE LIEBE ZU DEN TRAKTOREN

Die Liebe zu den

TRAKTOREN David Staretz

Peter Vann

... und den Jeeps und den Range Rovers – nicht zu vergessen die Motorräder, die Corvette und den Güllewagen. René Loser materialisiert die Liebe zu den Dingen mit Zuwendung und Perfektion.

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René Loser wohnt in einem schmucken Häuschen an der Clavadelstrasse im Davoser Ortsteil Clavadel am Fuss der Clavadeler Alp, die manchmal drückende Schneemassen zu Tale schickt und das liebevoll angelegte Gärtchen von Nadine (die René schlicht aber voller Zuneigung «Frau» zu rufen pflegt) mit Schutt und Mure ruiniert. Unverdrossen wird wieder aufgebaut. Janis und Norina (fünf und drei Jahre alt) vervollständigen das Bild vom Familienglück. Zugabe: Vier Katzen, meist orange. Die aus Elementen von grossen Weinfässern geschaffene Sitzecke des 1970 erbauten Hauses (René: «Mein Geburtsjahr») hat der Vater, ehemals Küfer, mit eigenen Händen beigesteuert. Nichts erscheint auf weiteren Blick aussergewöhnlich, doch stets sind es kleine Widerhaken, an denen das gesteigerte Interesse des Besuchers hängen bleibt: Da ist dieser überaus starke Kaffee («Kazaar Limited Edition, fünfmal stärker als ein normaler Espresso») der schon einen versteckten Hinweis auf des jungen Familienvaters Umtriebigkeit zulässt. Auch die Regale voll sichtlich rarer Spielzeugmodelle lassen auf eine gewisse Sammlerleidenschaft schliessen – und wo gesammelt wird, hat man es garantiert mit interessanten Menschen und Geschichten zu tun. Doch vorerst versichern wir uns des Brotberufes; René, der ursprünglich das Lackierergewerbe gelernt hat, machte einen dreizehn Jahre währenden Abstecher in die geheimnisvolle Welt der Banken und Tresore, in die Alarmzentrale der Credit Suisse. Dort benötigt man Menschen, denen unbedingt zu vertrauen ist, die Zusammenhänge und latente Gefahren erkennen, die nicht zu schnell am Wort sind und nicht nervös werden, wenn sie der Dienst an VIPs in die tiefen Goldkammern des Landes führt, sondern auch hier für gebotene Sicherheit stehen. Man kann sagen: René Loser hat das

Schweizerische an sich verinnerlicht, auch wenn er das in seiner bescheidenen Art nicht so plakativ zugäbe. Doch je tiefer man in sein privates Universum dringt, desto massiver erfasst uns die Überzeugung, es mit einem trotz seiner vielen Interessen sehr stringenten Charakter zu tun zu haben. Passender Leitspruch: «Ich versuche, Perfektion zu verfolgen.» Darüber hinaus, so zeigt sich beeindruckend, ist es ganz hilfreich, eine eigene Lackiererei zu besitzen, wie dies seit Dezember 2010 der Fall ist. Die Geschichte ging nämlich so weiter: René kehrte um viele Erfahrungen reicher und diesmal als Firmenbesitzer in seinen alten Lackiererberuf zurück und hatte sogar den Mut, Auftraggebern, deren ausgelatschtes Naheverhältnis zum Vorbesitzer ihm als neuem Chef und Eigentümer des Nitro-Werkes in Davos Glaris nicht behagte, zu kündigen.

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MOBILITY

DIE LIEBE ZU DEN TRAKTOREN

Jetzt aber genug der Vorreden und alle Türen geöffnet! Die Überraschungen scheinen sich selbst freisprengen zu wollen aus etlichen Garagen- und Schuppentüren. Und es ist nicht allein Fülle und Vielfalt der vorhandenen Traktoren, Jeeps, Motorräder, seltener Range Rover und dieser unglaublich geilen 7,5-Liter-Corvette (einer absolut raren Spezialausführung mit 550 hp, die schon eine eigene Geschichte wert wäre) – denn über den Materialbestand hinaus fasziniert die bedingungslose Perfektion, mit der jedes Fahrzeug restauriert, man möchte sagen: fertiggestellt wurde. Nicht einmal die obligate Staubschicht hat sich über die frischen Lackteile gelegt, und wenn René vor den sparsamen Verrichtungen murmelt: «Hoffentlich springt er an», so ist das nur eine Art Höflichkeitsmantra, denn selbstverständlich geht der luftgekühlte DeutzEinzylinder tüchtig in die Verdichtung und springt mit klarem Tack-tack an, klar, laut, selbstbewusst, und wenn der schwere Hürlimann-Traktor von 1954 die Bergwiese erklimmt, erstehen die Mühen und Ursprünge der Schweizer Bergbauernwelt wieder auf, und was es bedeutet haben mag, so eine massive Hilfe für den schweren Dienst am Hang im Stall zu wissen. Man muss sich erst das Vertrauen von René erarbeiten, ehe er sich ein wenig an den Celebrity-Approach wagt und beispielsweise von Hürlimann Junior berichtet, der im Hause Loser zu Gast war und neidlos konzedierte, dass die beiden (bald drei) Hürlimanns besser restauriert seien als jene im Firmenmuseum. Zudem hat sich René einen so guten Namen in der Insiderszene gemacht, dass er einen Range-Rover-Event auf die Beine stellen konnte. Und weiteren Austausch findet er in der Oldtimervereinigung Davos, deren Gründungsmitglied er ist.

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DER FAHRZEUGPARK VON RENÉ LOSER: TRAKTOREN, RANGE ROVERS, BMW-MOTORRÄDER, WILLYS JEEPS UND EINE SELTENE 1969ER-RENN-CORVETTE. ALLES PERFEKT GEPFLEGT.


Als die Crème de la Crème der Range-Rover-Genealogie zu Besuch war, geriet man ganz aus dem Häuschen über Renés seltene Modelle, darunter einen raren Typ Monteverdi (von 167 gebauten) und eines von zwei Vorführmodellen, mit dem der Schweizer Armee die Bodenminenfestigkeit spezialgepanzerter Vorführmodelle schmackhaft gemacht werden sollte. «Aber es war dann kein Bedarf mehr», sagt René achselzuckend. Ob er wisse und beziffern könne, welche Werte sich hier tummeln? «Der Markt ist sehr dünn gesät für solche Spezialfahrzeuge», sagt er. Und macht nicht den Eindruck, als hätte er es eilig, sich davon zu trennen. Aber Vaters (wunderbar gepflegter, lackmässig aufgefrischter) 635 CSi von 1979 wäre zu haben. Da muss man an sich halten. Besser gar nicht erst nach dem Preis fragen, die Verführung könnte zu gross werden. Renés Leidenschaft für altes Material begann 1989, als er 19 Jahre alt war. Er hatte einige Mitfahrerlebnisse in Range Rovers gehabt und war vom Deutz-Traktor fasziniert. «Alle meine Kenntnisse und Fähigkeiten habe ich mir selber angelernt.» Schliesslich konnte er sogar seinen Vater mit dem Interesse an schönen alten Fahrgeräten anstecken – «In diesem

Fall sprang der Funke vom Sohn auf den Vater über.» Lebendiger Beweis sind die edlen BMW-Motorräder vom Typ 250 (allein der glasperlengestrahlte Motorblock ist ein Anblick für Geniesser) und die BMW R69S mit 600 ccm und damals revolutionärem Schwingungsdämpfer. Da hat Loser senior, der ehemalige Küfer und Kellermeister, noch weitere Meisterstücke geliefert. Jetzt wartet die Familie gespannt auf den nächsten Erwerb, ein echtes Museumsstück: einen Hürlimann-Traktor von 1936. Da wird wohl nicht mehr viel zu restaurieren sein? «Ich denke nicht. Denn ich hoffe schon, dass ich eines Tages mit all dem hier zum Abschluss gelange.» Dann erzählt er noch die Geschichte des Grossvaters, der am Ende seiner Tage im Fahrersitz des Hürlimann-Traktors tot zusammengesunken sei. Schweigen im Raum. Dann fügt René an: «Und es mag für Sie seltsam klingen – aber manchmal rede ich mit den alten Maschinen.» Keineswegs seltsam, lieber René. Schliesslich antworten sie Dir ja alle auf ihre zufriedene Art.

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MOBILITY

DIE LIEBE ZU DEN TRAKTOREN

EINE WEITERE SORGSAM GEPFLEGTE PREZIOSE: EIN ORIGINAL WILLYS ARMEE JEEP VON ANFANG 1942

The new value of old things René Loser is a man with a broad variety of interests. They range from old tractors, Jeeps, Range Rovers, motorcycles and model cars to vintage farm equipment. That alone would not be unusual. Exceptional is the good condition of all objects restored by René. The man himself remains modest about enthusiastic visitors: «I try to pursue perfection». He continues: «I prefer to call myself the simple, the undiscovered...» This however we can no longer guarantee.

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AN EDIT OF

HOTELS THAT HAVE SOUL , CREATED BY LOCAL HEROES

Le Chalet Zannier, Megève, France

www.whitelinehotels.com Winter 2012/13

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GUIDE

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Hotels & Restaurants Hotel Suvretta House | St. Moritz

100 Jahre Pioniergeist Hotel Albrici | Poschiavo

Juwel im Puschlav Das Hotel Albrici in Poschiavo ist ursprünglich ein Patrizierhaus, das 1682 errichtet wurde und 1780 vom damaligen Besitzer, einem italienischen Baron, in eine Druckerei umgewandelt worden war. Im Jahr 1828 übernahm die Familie Albrici, deren Namen das Haus seinen Namen verdankt, das Gebäude im Zentrum des Puschlaver Hauptortes und gestaltete es 1848 zu einem Hotel um. 2004 ging das Haus in neuen Besitz über, als das einheimische Pächterehepaar Karin und Claudio Zanolari das altehrwürdige Hotel erwarb und stilvoll renovieren liess. Seither stehen den Gästen zehn historische Zimmer zur Verfügung, die an die alte Tradition anknüpfen. Auch bezüglich Verköstigung bietet das Albrici Traditionelles an, neben Pizza sind dies vor allem Puschlaver Spezialitäten. (pb)

Am Anfang der Geschichte des Suvretta House stand der Traum eines Grandhotels in den Bergen. Aber der wagemutige und risikofreudige Schweizer Hotelpionier Anton Bon wollte sich nicht mit Träumen begnügen, er realisierte sie auch. Und so entstand 1911 ein monumentales Hotel, das auch heute, 100 Jahre später, mit seiner zeitlosen Grandezza und Eleganz verzaubert. Während der Wintersaison 2012/2013 feiert das Suvretta House nun sein 100-JahrJubiläum mit verschiedenen Events und Specials, so auch einem aufwendigen Coffee Table Book, das die wechselvolle Geschichte des Hauses beleuchtet, Zeitzeugen zu Wort kommen lässt und zahlreiche, zum Teil noch unveröffentlichte historische Dokumente und Fotos präsentiert. Ein weiteres Highlight im Buch sind die exklusiv fürs Suvretta House aufgenommenen Bilder des Schweizer Starfotografen (und Stammgastes) Michel Comte. (pb) Hotel Suvretta House Via Chasellas 1, CH-7500 St. Moritz T +41 (0)818 36 36 36 www.suvrettahouse.ch

Hotel Albrici CH-7742 Poschiavo T +41 (0)81 844 01 73 www.hotelalbrici.ch

Aqua-Spa-Resorts | Rigi Kaltbad

Warm baden im Kaltbad Der Bädertourismus ist in der Schweiz, dem Wasserschloss Europas, seit vielen Jahren ein Thema. Das jüngste Highlight ist das Mineralbad & Spa auf Rigi-Kaltbad. Dort, wo einst das «chalte Wasser» zum Kuren einlud, sprudelt nun erwärmtes Mineralwasser und lädt zum zeitgemässen Wellnessen ein. Kein Geringerer als der Tessiner Stararchitekt Mario Botta hat die Pläne entworfen und das Bad zu einem Ort der Ruhe und Entspannung gemacht. (pb) Mineralbad & Spa Rigi-Kaltbad CH-6356 Rigi Kaltbad T +41 (0)41 397 04 06 www.mineralbad-rigikaltbad.ch

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Winter 2012/13


ADVERTORIALS

MAIENSÄSS HOTEL GUARDA VAL | Sporz, Lenzerheide

Gleich oberhalb der Lenzerheide, wo die Natur ihren ganzen

der Punktekoch Karlheinz Schuhmair aromatische Volltreffer –

Reiz ausspielt, schlummern auf 1600 Metern elf Maiensässe in

auf der Terrasse mit Traumblick ins Tal. Grossmutters absolute

der Bergwiese. Hinter den sonnenverbrannten Balken der bis

Lieblingsspeisen werden im rustikalen Crap Naros aufgetischt.

zu 300 Jahre alten Hütten liegen alpine Schätze, die das Berg-

Nach ausgiebigen Streifzügen in der Winterwelt, lässt man es

glück neu beschreiben: 50 Rückzugsoasen mit individuellem

sich im Guarda Sana gut gehen. Hier besinnt man sich auf die

Grundriss und stilvollen Akzenten aus der Bündner Bergwelt.

Kunst des Weglassens, setzt lieber auf Qualität. Das Guarda Val

Eine Kombination von wahrem Bergerlebnis und gekonntem

ist ein Maiensäss-Zuhause mit Charme und Cheminée und ein

Luxus. Im eleganten Ambiente des Gourmetrestaurants serviert

absoluter Lieblingsplatz in geborgener Abgeschiedenheit. Maiensässhotel Guarda Val CH-7078 Sporz/Lenzerheide T +41 (0)81 385 85 85 www.guardaval.ch

ExklusiveS Badeerlebnis mit aguavit Whirlpools von AGUAvit sind aus dem einzigartigen und äusserst widerstandsfähigen Werkstoff Aquilex gefertigt und bieten ein Badeerlebnis der Sonderklasse. Sie sind mit einer hochwertigen Dornbracht-Armatur ausgestattet und zeichnen sich aus durch formvollendetes Design, perfekte Funktionalität, höchste Qualität sowie ausgefeilte, jedoch einfach bedienbare Technologie. Die rechteckigen Modelle der «REC»-Linie sind in drei Grössen erhältlich und bieten so ein unvergessliches Badevergnüngen für eine, zwei oder auch vier Personen. Die Verwöhnprogramme reichen von Wasser- und/oder Luftmassagen bis zu Farblicht- und Dufttherapie in unterschiedlichen Varianten. Alle Funktionen sind über ein dezent beleuchtetes Bedienfeld oder mittels Fernbedienung individuell steuerbar. Optional können die Whirlpools auch mit einer Remoteschnittstelle versehen werden, sodass eine ferngesteuerte Füllung der Wanne von auswärts über das Smartphone möglich ist.

DIE PLAKATHITS VON ST.MORITZ Erhältlich im neuen Postershop unter www.stmoritz.ch

AGUAvit Sadorex Handels AG Bornstrasse 7, CH-4616 Kappel T +41 (0)62 787 20 30 www.sadorex.ch, www.aguavit.com


GUIDE

WINTER 2012/13

Hotels & Restaurants Le Chalet Zannier | Megève

FRENCH CHIC The Alpina | Gstaad

Ein alpiner Hide-away der besonderen Art ist das Le Chalet Zannier

Neue Hotelikone in Gstaad

in Megève. Es ist als Hafen der Intimität konzipiert, bietet viel Raum, um die Seele baumeln zu lassen und ist idealer Ausgangspunkt für sportliche Höhenflüge. Das Chalet ist nicht ein einzelnes Gebäude, sondern ein aus drei kleineren Chalets bestehender Komplex. Die Inneneinrichtung besticht durch einen ausgewogenen Mix aus rustikal-bequem-modernen Noten, dominierendes Material ist Holz, ergänzt durch weiche Textilien, alles in Erd- und Brauntönen gehalten. Dazu passend das knisternde Feuer im Cheminée, formschöne Accessoires. Ein Gourmetrestaurant mit exquisiten Speisen sowie eine feine Spa-Anlage mit Pool, Sauna und Hamam runden das wunderbare Angebot ab. Prädikat: lohnenswert. (pb)

The Alpina Gstaad ist ein neues Schweizer Luxushotel für anspruchsvollste Gäste aus aller Welt. Soeben eröffnet, ist es weit mehr als nur ein Ort für exklusive Bergferien – es ist vielmehr eine neue Ikone in Gstaads Hotellerie, kombiniert es doch Schweizer Traditionen mit durchdachtem Luxus. Die Hotelarchitektur greift die für die Bergregion typische Bauart und die dort bevorzugten Materialien auf – wie etwa das von Kunsthandwerkern bearbeitete jahrhundertealte Tannenholz. Das Ergebnis: Eine frische Interpretation des alpinen Chalet-Chics fern jeglicher Klischees. Zu den Einrichtungen gehören 56 Gästezimmer und Suiten, die japanische Küche des «Megu», der kubanisch inspirierte Fumoir sowie ein Schweizer Stübli. Ganzjährig lockt das Six-Senses-Spa mit Innen- und Aussenpools. Und draussen ruft die Bergwelt des Saanelands. (pb) The Alpina Gstaad Alpinastrasse 23, CH-3780 Saanen/Gstaad T +41 (0)33 888 98 88 www.thealpinagstaad.ch

Le Chalet Zannier 367 route du Crêt, F-74120 Megève T +33 (0)450 21 01 01 www.lechaletzannier.com

Schleifmühle | Unterammergau

Nichts für Heupfnüsler Die «Schleifmühle» in Unterammergau ist ein typisch bayrischer Landgasthof, der schon mehrfach als schönster Ausflugsgasthof Süddeutschlands ausgezeichnet wurde. Seit kurzem wartet das Hotel mit einer Neuerung auf, die es in sich hat: Einer Heuherberge, in der es Heulager und Heukammer gibt. Während der Gast in den Heulagern direkt auf herrlich duftendem und völlig naturbelassenem Heu schläft, tut er dies in den Heukammern auf mit Heu gestopften Untermatratzen. In jedem Zimmer wird das Heu ausserdem mit einer anderen Blüte angereichert, die dann nicht nur ihren typischen Duft versprüht, sondern gleichzeitig auch als Namensgeberin des jeweiligen Heulagers respektive der Heukammer dient. (pb)

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Schleifmühle Gasthof, Heuhotel und Museum Liftweg 2, D-82497 Unterammergau T +49 (0)88 22 13 23 www.schleifmühle.net Winter 2012/13


ADVERTORIALS

HOTEL SARATZ | PONTRESINA Im Vier-Sterne-Superior-Hotel Saratz vereinen sich modernes Lebensgefühl mit Engadiner Hoteltradition, Grandezza mit Design, Architektur mit der einzigartigen Bergwelt des Engadins. Das Saratz ist elegant, aber familiär, modern, aber charmant – und in der Kombination von Alt und Neu verströmt es vor allem eins: Atmosphäre. 93 stilvoll ausgestattete helle Zimmer bieten Design, Komfort und Gletscherblick. Das Jugendstilrestaurant im über 135-jährigen Saal schafft das stimmungsvolle Dekor für die leichte, kreative Küche von Punktekoch Valère Braun. Im angegliederten Gourmetrestaurant (15 Punkte GM) wird die klassische französische Küche unter Einbezug lokaler Naturprodukte zelebriert. Regionalität wird hier gross geschrieben. Der Genuss findet in der gut assortierten AVO-Lounge mit edlen Zigarren und passenden Digestifs seinen krönenden Abschluss. Ungezwungener geht es in der Szenebeiz Pitschna Scena und im Fonduekeller aus dem 17. Jahrhundert zu und her. Der grosszügige Wellnessbereich mit Saunen, Dampfbädern und Indoorpool bietet verschiedene Treatments und Massagen. Für die aktiven Zeiten stehen die ganze Palette an Sport, Freizeit, Kultur sowie die Top-Events des Engadiner Winters zur Auswahl. Das Hotel Saratz mitten drin. Hotel Saratz CH-7504 Pontresina/St. Moritz T +41 (0)81 839 40 00 www.saratz.ch

Unkomplizierter Luxus zwischen Klassik und Moderne Was macht ein Grandhotel eigentlich aus? Es ist seiner Zeit voraus. Es kreiert Traditionen und pflegt diese – Jahrzehntelang. Dazu kommt das besondere Etwas: der herzliche Service, die Tipps des Concierge und die unkomplizierte Aufmerksamkeit, die Ihnen rund um die Uhr geschenkt wird. Geniessen Sie das Beste aus der Schweizer Bergwelt in höchster Lebensqualität. Alle Zimmer und Suiten spiegeln unkomplizierten Luxus und stilvolle Klassik wider. Gletscherwasser, Bergeller Granit, Kräuter und Engadiner Hölzer bestimmen die einzigartig edle Atmosphäre des alpinen Kempinski Spa. Essen zwischen Tradition und Weltoffenheit an Orten exklusiver Gastlichkeit: im Les Saisons (14 Punkte GM) mit feiner internationaler Küche, in der Lifestyle Enoteca (15 Punkte GM) mit den berühmten alpinen Trilogien und im mediterranen Gourmetrestaurant Cà d’Oro (1 Michelin-Stern, 16 Punkte GM). Die Lobby und Bar bietet die Klassiker sowie modern umgesetzte Highlights. Im Winter 2012 öffnet das asiatische Sra Bua mit einem «signature menu», aus traditionellen thailändischen Gerichten, die in einen zeitgenössischen Kontext gestellt werden. Weiter eine besondere Auswahl an Sushi und Sashimi aus erstklassigen Fischsorten. Kempinski Grand Hotel des Bains Via Mezdi 27, CH-7500 St. Moritz T +41 (0)81 838 38 38 www.kempinski.com/stmoritz

KEMPINSKI GRAND HOTEL DES BAINS | ST. MORITZ


GUIDE

WINTER 2012/13

Hotels & Restaurants Kronenstübli | Pontresina

AUSGEZEICHNET Im Rahmen des Hotelratings 2012 kührte das Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz» Bernd Schützelhofer zum Hotelkoch des Jahres. «Jenseits aller Trendhascherei und Regionalitätseuphorie verbindet Bernd Schützelhofer grosse Klassik mit frischer Moderne zu einem richtungsweisenden Gesamtkonzept», erklärt das Magazin und lobt, dass der Voralberger ohne divenhaftes Gehabe auskommt. «Der Erfolg gebührt dem ganzen Team», meint Schützelhofer, der bereits 2008 mit 16 Punkten GM und letztes Jahr mit einem Michelin Stern ausgezeichnet wurde. Dem steht der Service in nichts nach: 2009 wurde nämlich Restaurantleiterin Adriana Novotna zur Maître d'Hôtel des Jahres erkoren. Das Engadiner Gourmetrestaurant mit dem gemütlichen Arventäfer befindet sich im Seitenflügel des denkmalgeschützten Grand Hotel Kronenhof, einem der beliebtesten Schweizer Hotels. Ein weiterer Superlativ – die eindrucksvolle Wellnessanlage. Alles empfehlenswert. Hingehen und einen fast vergessenen französischen Klassiker bestellen: «Canard à la presse»! (dc)

Konzepthalle 6 | Thun

Kronenstübli Grand Hotel Kronenhof, CH-7504 Pontresina/ St. Moritz T +41 (0)81 830 30 30 www.kronenhof.com

super GRANATE Wo früher mit dampfbetriebenen Ungetümen Granaten produziert wurden, speist der wache Szenegänger ohne Kitsch, dafür umgeben von grandioser Industriekultur und zeitlosem Stil. Raum ist in der denkmalgeschützten Fabrik in alle Richtungen vorhanden, allein die Bar ist über einen Dutzend Meter lang. In der offenen Küche kocht Tschanz: unkompliziert und preiswert am Mittag, grossartig und mit cooler Weinbegleitung am Abend. Ein Ort mit Geschichte, Geschmack und urbanem Charme, der wohl noch Geschichte schreiben wird. (dc) Konzepthalle 6 Scheibenstrasse 6, CH-3600 Thun T +41 (0)33 222 01 60 www.konzepthalle6.ch

Hotel Alpina | Parpan

Tafeln & Loungen Tafeln wie vor hundert Jahren im Obertorstübli: Wo früher nächtelang gejasst wurde, wird heute gemütlich gegessen. Das antike Stubenbuffet, Kachelofen und die massiven Eckbänke vermitteln die wohlige Wärme aus «Muaters Stübali». Anders in der Alpina Stuba mit ihrer Symbiose aus urbaner Lounge, Designerloft und alpinem Chic. Oder doch lieber im Älpliblick? Mit viel Licht und Raum, Ausblick und Weite. Die vielfältige Küche mit regionalen Produkten, im Sommer aus dem eigenen Garten, überrascht immer wieder, denn die Küchencrew des Hotel Alpina Parpan weiss um den feinfühligen Umgang mit besten Zutaten. Nicht umsonst gehört man zu den Gilde-Köchen. (pb) Hotel Alpina Parpan Hauptstrasse 33, CH-7076 Parpan T +41 (0)81 382 01 01 www.hotelalpinaparpan.ch

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ADVERTORIALS

OX | Interlaken

La Rôtissoire «Rolls Royce» eigenwillig wohnen kreative kochkunst für nachtschwärmer und freigeister loderndes kaminfeuer die kraft der hochalpinen natur unverkennbar zermatt schwarznasenschafe Wohltuend von den billigen Imbissbuden und Fast-Food-Kneipen, die das Stadtbild von Interlaken immer stärker prägen, hebt sich seit Mai 2012 das

schau, das matterhorn!

«Restaurant & Grill OX» ab. Das «OX», wie es schon rasch im Volksmund

keine piste zweimal fahren

genannt wurde, setzt Massstäbe in der Zubereitung von hochwertigem Fleisch, gutem Fisch und edlen Krustentieren. Diese werden in der Schau-

sonnenaufgang am rothorn

küche auf einer Rôtissoire der Marke Molteni zubereitet, einem Grill für die Profiküche, der einst vom legendären Paul Bocuse als «Rolls-Royce» der

schlicht (und)

Küche bezeichnet wurde. Abgerundet wird das Ganze mit Salaten, Suppen sowie diversen Beilagen. Die verwendeten Produkte sind, wo immer möglich,

überraschend (anders)

aus der Region und in jedem Fall frisch. Für die Speisekarte verantwortlich ist der Sternekoch Richard Stöckli, Küchenchef ist Roman Meyer, ehemaliger Sous-chef der«Blauen Ente» in Zürich-Tiefenbrunnen. (pb)

welcome to a magic place ... ... mirabeau!

OX Restaurant & Grill Am Marktplatz, CH-3800 Interlaken T +41 (0)33 828 12 20 www.ox-interlaken.ch Sepp & Rose Julen CH-3920 Zermatt info@hotel-mirabeau.ch

Untere Mattenstrasse 12-14 Tel.: +41 (0) 27 966 26 60 www.hotel-mirabeau.ch


GUIDE

Winter 2012/13

Hotels & Restaurants Lamm & Leu | Arosa

grillroom-revival Der klassische Grillroom aus den 1970er-Jahren feiert mit dem Lamm & Leu von Valerie und Hitsch Leu sein Comeback und lockt mit bestem Fleisch in angesagtem Ambiente. Aufgetischt werden Blackmoran Angus Beef aus Irland, Dry Aged Swiss Grand Cru Gourmet Beef, Meyer’s Natural Angus Beef aus den USA und Isländisches Lamm. Die Fleischstücke reifen im für den Gast gut sichtbaren Reifekühlschrank am Knochen und werden mit der Zeit zu fantastischen Leckerbissen. Nach dem Essen verwandelt sich das Lamm & Leu in eine coole Musiklounge. (pb) Lamm & Leu Haus Lamm, Poststrasse, CH-7050 Arosa T +41 (0)81 377 13 66 www.lammundleu.ch

Restaurant Falknis | Maienfeld

Gasthaus im Feld | Gurtnellen

Entdeckung IN Gurtnellen

Neue Tradition

Der «Gault Millau» fahndet in jeder Ausgabe nach der «Entdeckung des Jahres». Fündig wurden die Tester in Gurtnellen. Beat Walker und Marco Helbling wirten

Das Restaurant Falknis ist idyllisch mitten in Maienfeld gelegen und verfügt

hoch über dem Dorf und der Gotthard-Autobahn im gepflegten «Gasthaus im Feld».

über eine wunderschöne traditionelle Arvenstube mit vierzig Sitzplätzen. Im

Sie versprechen «Älpler-Choscht», aber das ist ziemlich untertrieben: 14 Punkte

oberen Stockwerk befindet sich ein heimeliges «Stübli» für die rauchenden

verteilen die Tester für den Mut, in dieser Gegend so toll zu kochen. (pb)

Gäste, und vor dem Haus lädt eine lauschige Terrasse zum Verweilen bei einem gemütlichen Apéro mit Bündnerplatte oder natürlich einem feinen Essen. Das Falknis, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, war ursprünglich ein Hotel, und während vieler Jahrzehnte Treffpunkt der Vieh-

Gasthaus im Feld CH-6482 Gurtnellen Dorf T +41 (0)41 885 19 09 www.feld.ch

und Pferdehändler aus ganz Europa. Nach einem Pächterwechsel und einer Komplettrenovation erstrahlt das Restaurant wieder in altem Glanz. Dienstag und Mittwoch geschlossen. (pb) Restaurant Falknis Bahnhofstrasse 10, CH-7304 Maienfeld T +41 (0)81 302 18 18 www.restaurantfalknis.ch

Hotel Honegg | Ennetbürgen

AM BÜRGENSTOCK Das Hotel Villa Honegg ist ein einzigartiges 5-Sterne Superior Hotel im Herzen der Schweiz. Das traditionsreiche Hotel auf dem Bürgenstock wurde 1905 erbaut und im Mai 2011 nach einer Gesamtrenovation neu eröffnet. Mit seinem exklusiven Angebot und seiner Grösse ist das Hotel Villa Honegg in der Schweiz einmalig. Hier finden die Gäste Erholung und Privatsphäre in einer unvergleichlichen Umgebung. Da das Hotel auf 914 Metern über Meer, also noch knapp unter 1000 Metern liegt, darf es sogar von Hubschraubern angeflogen werden. (pb)

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Hotel Honegg Honegg, CH-6373 Ennetbürgen T +41 (0)41 618 32 00 www.villa-honegg.ch Winter 2012/13


ADVERTORIALS

CHASELLAS | ST. MORITZ

TRUTZ | BERGSTATION SUVRETTA

CHAMANNA | MUNT SAN MUREZZAN

Einerseits Alpengasthof mit rustikalem Charme, anderer-

«Alles auf einmal», heisst das Erlebnis im Bergrestaurant

Dort, wo die weiss gezuckerten Berggipfel den tiefblauen

seits Gourmet-Geheimtipp: Das Chasellas versteht es,

Trutz: würzige Bergluft, ein herrliches alpines Panorama

Himmel berühren, liegt wie in einem Wintermärchen das

seine Gäste gleich in doppelter Hinsicht zu überraschen.

und Herzhaftes auf der Speiskarte. In den Spezialitäten

Bergrestaurant Chamanna: Treffpunkt hungriger Skifahrer

Tagsüber stärken sich Wanderer und Skifahrer mit währ-

des Hauses klingt die Verbundenheit mit Graubünden und

und Snowboarder auf 2672 m ü. M. Vor einer traumhaften

schaften Gerichten. Abends lassen sich Feinschmecker

die Nähe zu Italien und Österreich an. Einige Kostproben:

Alpenkulisse tanken die Gäste neue Kräfte. Leckeres aus

von Spitzenkoch Robert Jagisch verwöhnen. Der «Gault

Bündner Gerstensuppe, Pasta, Kaiserschmarrn, Streusel-

der Pfanne und vom Grill, Rösti und Raclette laden dazu

Millau» honoriert seine raffinierte Symbiose von Cuisine

oder Apfelkuchen. Tagsüber geöffnet. Abends kann das

ein, herzhaft zuzugreifen. Tagsüber während der Winter-

du marché und italienischer Haute cuisine mit 15 Punkten.

Restaurant für private Anlässe gemietet werden.

saison geöffnet.

Restaurant Chasellas CH-7500 St. Moritz T +41 (0)81 833 38 54, Sonja Jörg www.chasellas.ch

Bergrestaurant Trutz Bergstation Suvretta, CH-7500 St. Moritz T +41 (0)81 833 70 30, Sylvia Jeuch www. trutz.ch

HOTEL CASTELL | ZUOZ

In dieser faszinierenden Hotelwelt des Castell verschmelzen

Baderituals bietet das Castell verschiedene Massagen und

Kunst, Architektur, Kulinarik und alpiner Komfort zu einem

Treatments im Einklang mit der Natur an.

einzigartigen Ferienerlebnis. Stilsicheres Wohnen, ideen-

Das Hotel ist direkt mit dem Familienskigebiet von Zuoz ver-

reiche Terroirküche mit Seitenblicken in den Orient, Tradition

bunden. Der Hotelbus erschliesst das ganze Engadin. Dieses

und Moderne und das spezielle Castell Feeling lassen Paare,

Jahr mit einem speziell günstigen Skipass für Hotelgäste. Be-

Familien und Individualisten, Sportler und Kulturreisende

achten Sie auch die aktuellen Angebote und Winterpackages

jeden Alters und jeder Couleur aufleben.

auf der Website. Relaxing und Inspiration fern vom täglichen

Im Hamam verbinden sich orientalische Badekultur mit dem

Einerlei. Willkommen im Castell.

magischen Ort oberhalb Zuoz. Sinnlichkeit, wohlriechende Düfte, luxuriöse Ausstattung, milde Wärme und sanftes Licht schaffen Entspannung und Wohlbefinden. Als Krönung des

Castell Hotel · Restaurant · Hamam, CH-7524 Zuoz T +41 (0)81 851 52 53 www.hotelcastell.ch

Bergrestaurant Chamanna Munt da San Murezzan, CH-7500 St. Moritz T +41 (0)79 682 50 80, Vanessa Viajero www. chamanna.ch


AGENDA

WINTER 2012/13

Winterperlen

ART Auf Pisten, Gondeln & der Croisette, Courchevel

Mademoiselle COURCHEVEL

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Courchevel leistet sich eine Pop Art Ikone. Nach nur drei Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit mit den Galerien Bartoux ist die angesagte Winterdestination zum Epizentrum der zeitgenössischen Kunst in den Alpen avanciert. Dieses Jahr schuf der hedonistische französische Plastikkünstler, Maler, Fotograf und Erfinder des «Free Pop Movement», David Cintract, eine glamouröse Skulptur, die Courchevel in all seinen Facetten repräsentieren soll. Madamoiselle Courchevel ist nicht nur auf der Croisette überlebensgross zu bewundern, sondern wird auch für die Kommunikation auf Skipässen, Flyern und im Internet eingesetzt. Sie ist jung, sexy, sportlich und verkörpert den Glamour der französischen Alpendestination, die von sich behauptet, das Beste von allem zu bieten. Doch es klingen auch kritische Noten an! Und vor allem ist es Kunst «For the fun of it»! Weitere Aktionen sind die mit Kunst beklebten Gondeln sowie monumentale Skulpturen auf der Skipiste. (dc) cintract.com, www.courchevel.com

EXHiBITION Bis 20. Januar 2013, Alpines Museum Bern

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ALPENSHOPPING Das Alpine Museum der Schweiz in Bern zeigt bis am 20. Januar 2013 die Ausstellung ALPENSHOPPING. EINE INSTANT-SAMMLUNG. Auf 100m² Fläche wird das Matterhorn auf der Toblerone, die Churfirsten auf den Kägifret und der Monviso auf den Biscotti präsentiert. Biwak #3 ist eine ästhetisch anspruchsvolle Sammlung von über 200 Food-Produkten mit bekannten und weniger bekannten Bergen auf der Verpackung. Es wird gezeigt, wie Berge für die erfolgreiche Vermarktung eines Produktes eingesetzt werden. Das Biwak ist die kreative Zelle des Alpinen Museums. Es befindet sich in steter Veränderung, zeigt Überraschendes, Witziges und Experimentelles. Newcomer aus Kunst, Kreativwirtschaft, Wissenschaft und Alltag erhalten eine Plattform und bringen frischen Wind in die Museumslandschaft. In der aktuellen Ausstellung ist es die Abteilung Polydesign3D der Schule für Gestaltung Bern und Biel. (dc) www.alpinesmuseum.ch

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Winter 2012/13


AGENDA

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PHOTOGRAPHY Winter 2012/13 NIRA ALPINA, Silvaplana-Surlej

«The eye of winter» ein artists-in-residence-projekt Inspiriert von grossen Künstlern und Visionären lädt das NIRA ALPINA zu einem Kunstprojekt der besonderen Art. Unter dem Titel «The Eye of Winter» beziehen drei international erfolgreiche Schweizer Fotografen im Engadiner Boutique-Lifestylehotel Quartier. Während ihres siebentägigen Aufenthalts entdecken die Fotografen das Engadin mit ihren Augen und suchen abseits der bekannten Pfade und Postkartenidylle neue Motive. Denn das Hochtal hat weitaus mehr zu bieten als den begehrten Glamourfaktor und einen cyanblauen Himmel. Was dabei entsteht, wird einzigartig sein. Gezeigt werden die Arbeiten im Rahmen eines «Meet-the-Artists-Dinner» im Nira Alpina sowie auf Plakaten in der gesamten Region. (ch) www.niraalpina.ch

Gian Paul Lozza (*1976) Ein Pferd springt in magischem Licht über einen Leuchtkörper, ein fliegender Snowboarder scheint wie ins Bild montiert. Mit seinen spektakulär inszenierten Bildern, die am Computer noch gesteigert werden, hat sich der gebürtige Bündner international einen Namen gemacht. Burton, Nike, Red Bull und Time Magazine schätzen seinen einzigartigen Stil. Durch die grossartige Lichtregie, die auch den Stil seiner Porträts prägen, schafft Lozza Bilder im Grenzbereich zwischen Traum und Wirklichkeit. Der Fotograf, der in London lebt und in der ganzen Welt arbeitet, macht den Anfang des Artist-in-Residence-Projekts im Nira Alpina. Er wird sich zuhause fühlen im Engadin, denn auch seine Naturbilder sind von grosser Ausstrahlungskraft. www.lozzaphoto.com

Christian Ammann (*1975) Der Schweizer Fotograf mit irischen Wurzeln hat das perfekte Gespür für den besonderen Augenblick. Er schafft es, in seinen Bildern Momente festzuhalten, die zugleich flüchtig wie monumental sind. So erreicht er es, dass Menschen seine Bilder wie einen Kinofilm betrachten, der sie in eine schönere Welt eintauchen lässt. Ammann überlässt nichts dem Zufall. Seine Fotografien werden akribisch geplant. Christian Ammann ist ein weiterer Teilnehmer des Nira-Alpina-Projekts. Der weltweit zwischen Zürich, London, Dublin und Hong Kong pendelnde Fotograf war 2010 zum ersten Mal für ein Wochenende im Engadin. Es hat bei ihm einen prägenden Eindruck hinterlassen. www.photographer.ch

Comenius Röthlisberger (*1971) Es gibt keinen Ort, der den Basler Fotografen nicht interessieren könnte. So haben es ihm die Wände in den Häusern von Stars wie Björk oder der Hardrockband Metallica angetan. Oder sogenannte Unorte wie das Pornokino und die Gefängniszelle. Es sind subversive Bilder, die sich aber nicht von weniger brisanten Fotografien wie etwa des Elefantenhauses im Basler Zoo unterscheiden. Alle sind sie reich an Konnotationen und Bedeutungen. Dies zeigt sich auch im Bild der Wand des Beyeler Museums, wo ursprünglich Monets Wasserlilienbilder hingen. Bewusst unterwandert er Erwartungen und eröffnet damit einen neuen Blick auf die Dinge. Dies macht ihn spannend als Teilnehmer des Projekts «The Eye of Winter». www.comenius.ch

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AGENDA

WINTER 2012/13

SPORTS Silvaplana, 21. bis 24.März 2013

JÄGER SKI WM Ein Spektakel ganz besonderen Kalibers verspricht die 3. Jäger Ski WM in Silvaplana zu werden. Sie findet zwischen 21. und 24. März 2013 statt und ist eine Premiere für die Schweiz und das Engadin. In einer Kombination aus Riesenslalom und jagdlichem Schiessen stellen 200 Teilnehmer ihre Geschicklichkeit, Treffsicherheit und Ausdauer unter Beweis. Kurz: Wer «Weidmannsheil» sagt, muss auch «Ski heil» sagen. Was liegt näher, als in einem Ski-und Jagdgebiet auch Jäger-Ski-Weltmeisterschaften durchzuführen? Zweimal fanden diese bereits im österreichischen Montafon statt. Auch im Engadin sind Besitzer einer gültigen Jagdkarte teilnahmeberechtigt. Lediglich die Starter für die Treiberklasse benötigen keine Jagdkarte. Witziges Detail: es wird in Jagdkleidung Ski gefahren. Zwei Disziplinen müssen die Teilnehmer bewältigen: einen Riesenslalom mit zwei Durchgängen auf dem Corvatsch und ein Schiessen am Schiessstand auf halber Strecke mit jeweils zwei Schuss. Wer in seinen beiden Läufen die geringste Zeitdifferenz herausfährt und die meisten Ringe erzielt, gewinnt am Ende den Weltmeistertitel. Sicher ist, dass der Engadiner Eventkalender mit der 3. Jäger Ski WM 2013 um ein grosskalibriges Spektakel reicher ist. In diesem Sinne: Horrido! Hals- und Beinbruch! (ak) www.jaeger-ski-wm.com

4 CULINARY 9. bis 25. März 2013, Eisacktal (bei Bozen)

FoodFestival 40 Jahre Eisacktaler Kost Seit 40 Jahren findet in Südtirol jeweils im März die «Eisacktaler Kost» statt und lockt Einheimische wie Touristen in die lokalen Restaurants und Hotels, um «Tirtln» und «Weinsuppe», «Schluzer», «Einbrenne» und «Minkelen» zu kosten und dabei zu ergründen, was genau sich hinter diesen typischen Eisacktaler Gerichten verbirgt. Inzwischen nehmen 19 Gasthäuser (darunter vier Gründungsbetriebe) an diesem einzigartigen Foodfestival teil und setzen die strengen Vorgaben die Inizianten um, indem sie für die Spezialitäten nur einheimische Zutaten verwenden und die Gerichte entweder traditionell wie anno dazumal oder aber modern interpretiert auftischen. Der Event ist zugegebenermassen ziemlich urig, wer aber auf Hausmannskost in traditionellem Ambiente steht, sollte unbedingt im Voraus reservieren. Denn die Kost ist so beliebt, dass selbst Südtiroler eigens anreisen, um an diesem dezentral über das ganze Eisacktal verteilten Anlass dabei zu sein. (pb) www.eisacktalerkost.info

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AGENDA

MUSIC FESTIVAL 7. bis 22. Dezember 2012, Davos

SONGBIRD FESTIVAL

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Das beliebte SONGBIRD FESTIVAL DAVOS kann mit der Austragung dieses Jahr ein erstes kleines Jubiläum feiern. Das Singer/Songwriter Festival feiert seinen fünften Geburtstag. Damit verbunden sind einige Neuerungen. Geblieben ist das qualitativ hochwertige Programm, gespickt mit den grossen der Schweizer Musiklandschaft und vielen Neuentdeckungen. Das Festival dauert neu drei anstatt zwei Wochen, zusätzlich sind eindrucksvolle EventLokalitäten wie das Hotel Grischa oder Escher Raumdesign dazugekommen. Eröffnet wird das Festival vom Luzerner Barden Henrik Belden und der stimmgewaltigen Anna Rossinelli. Die Berner Kultband Patent Ochsner beendet ihre Schweizer Tour mit dem Festivalabschlusskonzert in der Zimmerei Künzli. Dazwischen bietet das Festival eine Plattform für junge Schweizer Singer/Songwriter wie Pablo oder Velvet Two Stripes und zeigt Schweizer Stars wie Mia Aegerter oder Greis in speziellen Formationen und ebensolchem Ambiente. (dc)

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BIANCO verlost über Facebook 2 mal 2 Tickets für das Abschlusskonzert von Patent Ochsner und Evelinn Trouble von Samstag, 22.12.2012

Evelinn TRouble

www.songbirdfestival.ch, www.davosticket.ch

EXHIBITION Kunsthaus Bregenz

Die Architekturmodelle des Peter Zumthor

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Mit der Präsentation der Architekturmodelle von Peter Zumthor ermöglicht das Kunsthaus Bregenz erstmals einen Einblick in die bisher unbekannte Sammlung des renommierten Architekten. Nur wenige wissen, dass bereits vor der Eröffnung des Hauses 1997 Ankäufe von Arbeiten österreichischer zeitgenössischer Künstler sowie von Werken internationaler Künstler am Schnittpunkt von Kunst und Architektur getätigt wurden. Wichtige Schenkungen anlässlich von Ausstellungen und Publikationen in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Bregenz erweiterten die Sammlung. In den letzten drei Jahren wurden zudem konsequent Werke aus den grossen Einzelausstellungen angekauft oder als Gegenleistung für die Produktion der Institution von den Künstlerinnen und Künstlern überlassen. Eines der grössten Konvolute der Sammlung bilden über 300 Architekturmodelle von Peter Zumthor. Ein Teil dieser Exponate wurde seit der Einzelausstellung des Architekten 2007 vom Kunsthaus Bregenz archiviert, hinzu kommen regelmässig weitere Modelle, die sich ebenfalls als Dauerleihgaben in der Sammlung befinden. Aufgrund der grossen Nachfrage wird die Ausstellung Architekturmodelle Peter Zumthor verlängert und auch 2013 zu sehen sein. Kunsthaus Bregenz Karl-Tizian-Platz, A-6900 Bregenz www.kunsthaus-bregenz.at

EXHIBITION Bis 3. Februar 2013, Luzern

HELMUT FEDERLE AMERICAN SONGLINE

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Mit der Ausstellung «Helmut Federle. American Songline» zeigt das Kunstmuseum Luzern einen altbekannten Maler neu. Beim Publikum ist Helmut Federle (*1944 in Solothurn) vor allem mit seinen riesigen schwarzen Balkenbildern bekannt, mit denen er die Schweiz 1997 an der Biennale von Venedig vertrat. Die Ausstellung American Songline konzentriert sich hingegen auf seine kleinen und mittleren Bildformate aus den letzten 30 Jahren. In ihnen verbinden sich Geometrie und Spiritualität, politische und gesellschaftliche Themen, Lyrik, Sensibilität, Intellekt und Naturverbundenheit. Im Titel der Ausstellung, American Songline, klingt nicht nur die Weite amerikanischer Landschaften, sondern auch die Figur des einsamen Cowboys mit an, der sich der Künstler verbunden fühlt. Anders als in der europäischen Kultur ist die Figur des Einzelgängers in den USA positiv konnotiert. Als nur auf sich und seine Fähigkeiten vertrauender, freiheitsliebender Geist ist der Cowboy fest im kollektiven Gedächtnis der Amerikaner verankert. Kunstmuseum Luzern Europaplatz 1, CH-6002 Luzern www.kunstmuseumluzern.ch

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CONTRIBUTORS

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Contributors ALEXANDRA KNETSCH ist studierte Kunsthistorikerin und Hispanistin. Seit Ende 2002 lebt die Deutsch-Österreicherin mit bulgarischen Wurzeln glücklich und zufrieden in der Schweiz. Knetsch war Leiterin Public Relations des Kurvereins St. Moritz, bis sie 2008 die Engadiner

FILIP ZUAN

Bergwelt mit dem Tessiner Lago Maggiore

arbeitet als Grafikdesigner bei SPOT Werbung in St. Moritz.

getauscht hat. Sie ist bei «The WEBfactory Lugano»

Als passionierter Fotograf stand er europaweit für renommierte

zuständig für Public Relations und Content

Skateboard-Magazine und weitere Publikationen hinter der Kamera

Management und immer für einen Text zu haben.

und zeigte seine fotografischen Arbeiten bereits in verschiedenen Ausstellungen. Privat fährt er leidenschaftlich Snowboard, skatet und bewegt sich gerne in der Natur. www.filipzuan.com

QUIRIN LEPPERT Quirin Leppert (1963), dessen Vater und zwei Tanten schon professionell fotografierten, wuchs in München auf, machte hier Abitur, Zivildienst und diverse Praktika, bevor er bei einer seiner Tanten in Rom eine Fotografenausbildung absolvierte. Nach Assistenzen in London und Hamburg gründete er sein eigenes Fotostudio und arbeitet seither für Werbeagenturen, Presse und Privatwirtschaft. Seit 2004 lebt er mit Frau und zwei Söhnen am Starnberger See und hat einen Lehrauftrag für Architekturfotografie an der Uni Innsbruck. www.quirinleppert.de

RUTH HÄNDLER Die gebürtige Fränkin arbeitete als Kunstkritikerin zunächst für Tageszeitungen. Als Autorin des Kunstmagazins «ART» verfasste sie viele Künstlerporträts und Reportagen über Gegenwartskunst sowie Texte für Kataloge und Bücher. Seit sie auch auf der Alpensüdseite zu Hause ist, verbindet sie die Liebe zur Kunst mit der Leidenschaft für schöne Häuser. Für internationale Architektur- und Kulturmagazine schreibt sie über aussergewöhnliche Bauten: von der Palladio-Villa bis zum behutsam renovierten Engadiner Bauernhaus.

TINA HERZL Tina Herzl wurde in Österreich geboren. Durch ihre Mutter Thelma, einem isländischen Fotomodel der 60er- und 70er-Jahre, kam sie schon in früher Kindheit mit der Mode- und Kunstwelt in Kontakt. Tina lebte längere Zeit in New York, absolvierte dort ein Studium an der Parsons School of Design und arbeitete anschliessend drei Jahre lang in der Werbung. Zurzeit lebt und arbeitet sie als freie Fotografin in Wien. 2011 wurde sie mit dem Fashion Editorial Award ausgezeichnet. www.tinaherzl.com

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CONTRIBUTORS

PETRA OBERMUELLER arbeitet auf internationaler Ebene für Kunden in den Bereichen Print-

ULI WIESMEIER

medien und Werbung. Ihre Leidenschaft gilt der Modefotografie,

Geboren 1959 am Fuss der Zugspitze, zu Hause im

auf die sie sich spezialisiert hat.

bayerischen Murnau am Staffelsee. Uli Wiesmeier

Qualitativ hochwertige Katalog-/

lebt mit den Bergen vor der Haustür. Sie sind ihm «HEILIG». Wie er sagt: «Fotostudio, Turnhalle und

Werbekunden sowie diverse

Kirche zugleich.» Er gilt als «kreativer Unruhe-

Redaktionen arbeiten mit ihr zu-

stifter» in der Szene der Bergfotografen. Wiesmeier

sammen. Petra Obermueller pendelt

machte sich mit Bergsportfotos, Werbefotografie

zwischen Hamburg und Mallorca, wo

und Fotoreportagen weltweit einen Namen.

sie ein Production House unterhält.

www.uliwiesmeier.com

www.petraobermueller.com

STEFAN BOGNER Stefan Bogner, geboren 1968 in München, studierte Industrial Design und gründet 1994 mit zwei Partnern das Designbüro fpm factor product münchen. Schon früh wendet sich Bogner dem Grafikdesign zu und entwirft zunächst Platten- und CD-Cover für die internationale Musikszene. Unter anderem entwickelt er das Erscheinungsbild des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin unter der Leitung von Kent Nagano. Heute zählen bekannte Markenunternehmen wie Mercedes-AMG, Alois Dallmayr und Schwan Stabilo zu den Kunden der Agentur. Viele Arbeiten sind mit internationalen Designpreisen ausgezeichnet. Die Leidenschaft für Berge und Design wurde Stefan Bogner in die Wiege gelegt. Er kommt aus der

SYLVAN MÜLLER (left) Sylvan Müller realisierte zahlreiche grosse Reportagen unter anderem in Tschernobyl,

bekannten Münchner Sportler- und Unternehmerfamilie Bogner.

der DDR, Äthiopien, Japan und Istanbul. 1996 Mitbegründer der fabrik studios, deren Mitinhaber er bis im Jahre 2011 ist. Sie machen sich schnell einem Namen für ihre präzisen und doch verspielten Stills und arbeiten mit Studios in New York und der Schweiz für internationale Kunden. Nun ist Sylvan Müller wieder solo unterwegs und lebt seine grosse Passion: das Essen und Trinken, und die Geschichten, die es darüber zu erzählen gibt. Seine Bilder bestechen durch ihren unaufgeregten, reduzierten Stil. Seine Kochbücher sind keine Rezeptsammlungen, eher liebevoll gestaltete Erzählbände über Menschen in Küchen und an Tischen und deren kulinarische Obsessionen. www.bmr-fotografen.ch, www.sylvanmueller.ch

DOMINIK FLAMMER (right) Dominik Flammer leitet die Kochschule Shoppenkochen in Zürich und befasst sich mit der Geschichte, der Herkunft und dem Einfluss von Lebensmitteln auf unsere Kultur.

SARAH BEETSON

Als Autor des Standardwerks «Schweizer Käse» hat Flammer den Schweizer Käsern und

Die englische Illustratorin studierte am Falmouth Collage

ihren grossartigen Produkten ein Gesicht gegeben. Mit dem «Kulinarischen Erbe der

of Arts in Cornwall, gewann Auszeichnungen, arbeitete bei

Alpen» will er das Verständnis für die grosse Vielfalt der Terroirküche weiter fördern.

Stella McCartney und für internationale Magazine.

Flammer, 1966 geboren, arbeitete als Journalist für zahlreiche Schweizer Medien.

Austellungen in London, Paris, New York, Ottawa und

Heute konzentriert er sich auf das Foodscouting und auf das Schreiben von Büchern

Australien, wo sie seit einiger Zeit lebt und als freie

und Drehbüchern über die Geschichte der Ernährung und der Kulinarik.

Illustratorin und Künstlerin arbeitet.

www.shoppenkochen.ch, www.publichistory.ch

www.sarahbeetson.com Winter 2012/13

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CONTRIBUTORS

WINTER 2012/13

ANDREA CAPREZ

Impressum

lebt seit 1988 als Illustrator, Comiczeichner, Sänger

BIANCO, 5. Jahrgang Ausgabe Winter 2012/13

und Komponist in Zürich. Er zeichnet für Zeitungen und Zeitschriften im In- und Ausland.

herausgeber BIANCO Verlag GmbH Via Brattas 2, CH-7500 St. Moritz Tel. +41 (0)81 837 30 20 Fax +41 (0)81 837 30 85 www.biancomag.ch

CHRISTOPH SCHULER Mitbegründer und Redaktor diverser Fanzines und Zeitschriften («Stilett», «Nizza», «AHA!»). Seit 1987 freier Journalist, Songtexter und Redaktor beim

NADJA WIELATH

bekannten Comic-Magazin «Strapazin».

liebt das Spiel mit Farben, Formen und Worten sowie den Umgang mit Menschen. Dies setzt sie in ihren Texten, darstellender Kunst und bei ihrer Tätigkeit als selbstständige Immobilienmaklerin um. Als Leiterin Kommunikation betreute sie diverse internationale Unternehmen in Graubünden.

chefredaktion Philipp Bitzer (pb), philipp.bitzer@biancomag.ch Dario Cantoni (dc), dario.cantoni@biancomag.ch MITARBEITER Fabrizio D’Aloisio (fa), Christina Horisberger (ch), Alexandra Knetsch (ak), Petra Kropf (pk) CONTRIBUTORS AUSGABE WINTER 2012/13 Texte: Dominik Brülisauer, Fabrizio D’Aloisio, Dominik Flammer, Ruth Händler, Christina Horisberger, Christoph Schuler, Alexandra Knetsch, David Staretz, Annatina Valentin, Nadja Wielath Bilder: Sarah Beetson, Stefan Bogner, Andrea Caprez, Tina Herzl, Quirin Leppert, Sylvan Müller, Petra Obermueller, Peter Vann, Uli Wiesmeier, Filip Zuan Produktefotos mit freundlicher Genehmigung der Hersteller Creative direction Dario Cantoni, Spot Werbung

PETER VANN Der in Zürich geborene Fotograf arbeitete mehrere Jahrzehnte in Paris. Er publizierte über 20 Bücher zu automobilen Themen. Bekannt wurde Peter Vann für seinen von natürlichen Hinter-

CHRISTINA HORISBERGER

gründen geprägten inszenatorischen Stil mit Locations in der

Schrieb ihr Lizenziat über die internationale

ganzen Welt. 1998 kehrte er in die Schweiz zurück und lebt heute

Verbreitung des Schweizer Chalet-Stils, die mit

im Engadin. Der Reiz dieser einzigartigen Landschaft wurde

der touristischen Entdeckung der Schweizer Alpen

zur neuen Quelle seiner künstlerischen Inspiration.

einherging. Fühlt sich inmitten karger Geröll-

www.galeriepetervann.ch

felder auf über 2500 m ü. M. genauso wohl wie im Lounge Chair von Eames.

Art Direction & Layout Dario Cantoni (AD), Julia Staat, Pia Walser Spot Werbung, St. Moritz coverfoto Filip Zuan ANZEIGEN, Relations & Media Mediensatellit GmbH Baslerstrasse 30, CH-8048 Zürich Tel. +41 (0)44 400 45 40 Fax +41 (0)44 400 45 46 www.mediensatellit.ch, inserate@mediensatellit.ch ÜBERSETZUNGEN René Von Gunten, Los Angeles KORREKTORAT Heiner Fierz, CH-8049 Zürich Druck AVD Goldach, Sulzstrasse 10, CH-9403 Goldach auflage WINTER 2012/13 20’000 Exemplare

DAVID STARETZ schreibt seit mehr als 30 Jahren für internationale Magazine über Autos. Noch lieber aber fährt und fotografiert er sie. Seine kraftfahrtechnische Ausbildung hat irgendwann eine interessante Abzweigung genom-

DOMINIK BRÜLISAUER Dominik Brülisauer (1977) aufgewachsen in Pontresina im Oberengadin, arbeitet heute als Werbetexter in Zürich. Er ist Autor des ernst zu nehmenden Lebensratgebers «Schallwellenreiter. Dank Musik besser durch den Alltag», schrieb für ein

men: Seit einiger Zeit fertigt der Österreicher zarte,

Snowboardmagazin über Berge, Aprés-Ski und Anbaggern

kinetische Objekte, so­genannte «Nervöse Maschinen»,

am Bügellift und seit dieser Ausgabe auch für das BIANCO.

die er mit Erfolg in Galerien oder seinem eigenen

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Showroom «Kontor Staretz» ausstellt. Winter 2012/13

www.facebook.com/dominikbruelisauer

Preis Einzelheft CHF 20.– BIANCO erscheint 2x jährlich Alle Rechte vorbehalten www.biancomag.ch www.facebook.com/biancomag

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COMIX

Schneekanonen

BIANCO E NERO


KOLUMNE

DAS LETZTE WORT

Das Hochglanzland

Das Hochglanzland von Dominik Brülisauer

Ich bin in den Bergen aufgewachsen, genauer in Pontresina. Dank diesem privilegierten Start ins Leben, fiel es mir nie schwer, meine Heimat zu lieben. Ich bin ein Fan der Schweiz. Dazu bekenne ich mich, weil es genug Leute gibt, die sie kritisieren und mit Steuerschlupflöchern, Engstirnigkeit, politischer Impotenz – terminologisch korrekt «Neutralität» genannt – oder DJ Bobo assoziieren. Ja, ich weiss, DJ Bobo ist ein sympathischer Typ und ein guter Geschäftsmann. Stimmt schon. Aber hallo, seine Musik! Jedenfalls ist es chic, gegenüber der Schweiz kritisch zu sein. Und jede Demokratie braucht auch wache Bürger, die Fragen stellen. Doch wenn es zum Automatismus wird, nur das Negative zu sehen, hat das mehr mit Zwang als mit kritischem Geist zu tun In der Schweiz müssen die Behörden abwarten. Zuerst wird das Volk aufgerufen, Ja oder Nein zu sagen, auch wenn es um Kalt oder Warm geht. Das bringt die Demokratie halt so mit sich, dass man nur zwischen Schwarz und Weiss entscheiden kann. Hier ein paar Gründe, warum man mit gutem Gewissen die Schweiz geil finden darf. Unsere Uhren sind so exakt, dass selbst die Zeit manchmal bei Nick Hayek nachfragt, wie spät es ist. Am Cern suchen wir erfolgreich nach Teilchen, die noch kleiner sind als das Schamgefühl von Daniel Vasella. Das Matterhorn ist ein grösseres Phallussymbol als das Washington Monument. Das ist der Obelisk vor dem Weissen Haus. Unser Lieblingshobby ist Aluminiumsammeln, während der Grossteil der Erdbevölkerung nicht mal den Unterschied zwischen Altglas und gebrauchten Batterien kennt und beides – ungetrennt – im gleichen Meer entsorgt. Diese Sauberkeitsneurose liegt uns im Blut. Während meiner Schulzeit in Pontresina wurden einmal pro Jahr alle Schüler in den Wald abkommandiert, um ihn zu putzen. Und zwar nicht, um ihn von richtigem Abfall zu säubern, sondern um am Boden liegendes Holz einzusammeln. Erklärt das mal einem Neapolitaner!

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Winter 2012/13

Ich stelle es mir heute noch vor, wie die vereinte Lehrerversammlung mit den verantwortlichen Förstern Krisensitzungen abgehalten hat, um zu evaluieren, welche Hektare unseres Waldes am dringendsten von kleinen Schülerhändchen gesäubert werden muss, bevor das Oberengadin zum Ground Zero wird. Ich bin mir heute wirklich nicht mehr sicher, was Sinn und Zweck dieser Übung war. Machtdemonstration der Lehrer? Crashkurs zum Thema Sinnlosigkeit der Existenz? Oder sollten wir verhindern, dass unsere Gäste angeekelt die Nase rümpfen, weil sie das Gefühl haben, in unseren Wäldern sehe es aus wie draussen in der Natur? Heute lebe ich in Zürich. Das Äquivalent zum Engadiner Wald ist hier die Langstrasse. Eigentlich die sündigste und dreckigste Meile der Schweiz. Hier treffen sich nach jedem bedeutenden Fussballspiel Zürcher sämtlicher Couleur zum Feiern. So auch letzten Sommer. Zwei Tage zuvor war ich aus Bali zurückgekommen, und 30 Minuten vorher hatte Mario Balotelli die Deutsche Nationalelf aus der EM geschossen. Nachdem sich die singenden Tifosi und die Partyopportunisten, das sind Leute, die sich nach jedem Spiel einfach immer den wahren Fans der Siegermannschaft anschliessen, langsam in die Seitengassen zurückgezogen hatten, fuhren bereits die ersten Strassenputzmaschinen auf. Da wurde der Asphalt gebürstet, gespritzt, eingeseift, geschrubbt, gebohnert und geföhnt. Theoretisch die gleiche Sisyphusarbeit, wie einen Wald vor herumliegenden Ästen säubern. Viele Leute, die ständig über die Schweiz lästern, empfinden Bali als das absolute Paradies. Auch mir gefällt diese Insel ausserordentlich. Fakt ist aber, dass es die Langstrasse selbst an ihren übelsten Tagen mit jeder stolzen Shoppingmeile in Indonesien aufnehmen kann. Amüsiert habe ich dem Chauffeur der Strassenputzmaschine zugeschaut, wie er akribisch genau jeden einzelnen Quadratzentimeter auf Hochglanz poliert hat, damit die Prostituierten–, Junkie– und Drogendealerinteressengemeinschaft am nächsten Tag nicht bei der Stadtverwaltung vorstellig wird, um sich über nicht stubenreine Fussballfans zu beschweren. So was geht nur in der Schweiz. Ich bin ein Fan.


www.biancomag.ch

BIANCO Alpine Lifestyle Magazine  

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